1838 / 62 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

T E R

E t R ets

zwischen deu Lords Melbourne, Wellington und Brougham über eine die geheime Abstimmung betreffende Petition statt, und im Unterhause kam es, außer Ueberreichung von Bitlt- schriften und einer längeren Diskussion über die Jrländischen Armen-Geseße, zu einigen Jnterpellationen.

Bereits werden Vorbereitungen zu der neu vorzunehmen-

den Wahl in Marylebone (s. das gestrige Bl. der St. Ztg-) etroffen, und drei Kandidaten von der Reform: Partei, Herr Ewart, Oberst Thompson und Lord Nugent, treten dem Tory- Kandidaten Lord Teignmouth entgegen. Man glaubt, daß die meisten Stimmen sich wohl für Herrn Ewart aussprechen wer- den, und die ministeriellen Blätter hoffen , daß seine beiden li- beralen Mitbewerber ihm durch Konkurrenz den Sieg nicht ge- fährden werden. Sir James Graham ist am 20sen zum Par- laments- Mitgliede für Pembroke erwählt worden.

Vorgestern fand unter dem Vorsibe des Generals Sir G. Evans in der Kron- und Anker - Tavern das große Bankett ftatt, welches die hiesigen Freunde Jrlands Herrn O'’Connell zu Ehren veranstaltet hatten. Der General Evans brachte den Toast auf den Gefeierten mit folgenden Worten aus: „Früher hatten drei Zehntel der Jrländischen Bevölkerung keine

timme bei der Regierung des Landes, jest aber sind alle Jr- länder den Einwohnern Englands gleichgestellt, und obgleich es unglaublich erscheinen möchte, daß eine solche Veränderung ohne gewaltsame Vorfälle hätte herbeigeführt werden können, so ist doch, Dank der Vorsicht, Menschlichkeit und Autorität, womit Herr O'Connell die Sache seines Vaterlandes vertheidigt hat, auf friedlichem Wege erreicht worden, was sonst gewiß nicht ohne Blutvergießen durchgeseßt worden wäre. (Hört, hört!) Kein Land der Welt besitzt eine so zahlreiche und mächtige Ari- stofratie als das unsrige, mächtig nicht nur durch ihre Zahl, sondern auch durch ihre Bildung und Einsicht; aber dennoch hat keines ihrer Mitglieder je eine so große Macht und Autorität erlangt, als Herr O'Connell. (Beifall.) Jn demselben Verhältniß jedoch, wie seine Macht zunahm, lehrten ihn Weisheit und Mäßigung, welchen Weg er einzuschlagen habe. Jch brauche sein Lob hier nicht weiter zu verfolgen, und ich glaube, daß das heutige Zeug- niß, welches ihm England zu Theil werden läßt, nicht das lebte seyn wird.“ Herrn O’ Connell’s Rede war vorzüglich darauf gerichtet, die Engländer aufzufordern, daß sie dabei beharren môchten, Jrland in der Erkämpfung seiner Rechte zu unter- stüßen. Er äußerte sih im Wesentlichen folgendermaßen: _

„Jch kann Jhucn versichern, und ich sage cs ohne die mindeste Ucbertreibung, daß ich nie in meinem Leben einen so mächtigen Ein- dru gefühlt habe, als heute Adend bei meinem ersien Eintriit in die- sen Saa!. Eine tiefe Ehrfurcht überlkau mich, als ich diese Versamms lung sah, und ih fragte mi< nah dem Beweggrunde, der so viele Männer dieser Nation vcranlaßt haben könne, hier zusammenzulom- men. Jch bin nicht so citel, dies allein meiner Person zuzuschreiben ; ih weiß, daß ih feinen Anspruch auf Jhre Achtung und auf ihr Wohlwollen babe, wenn mir mein öfemliches Leben nicht einiges Recht darauf verleiht, cin Leben, das auf den Grundfag der Sefkie sich stüut, deren Mitglicd ich bin, scy es nun ein talentbegabtes oder ein talent!escs, doch Jedenfalls ein eifriges Mitglicd, auf den Grund- saz nämlich, daß fein politischer Vortheil durch _ Gewalt von der Res- gierung erzwungen werden darf. (Hört, bört!) Ja, ich bin über- zeugt, daß es die Erinnerung hieran war, die so viele Eagläuder heute um mich vcreinizt hat, die Erinnerung, daß durch Anwendung pbysfischer Gewalt nicht zu erreichen i, was die Gerechtig- feit ni<t gewähren fann. (Hört, bört!) Aber vouzüglich sind Sie hicr zusammengekommen, ni<ht um mir Schmeicheleien zu fagen, sondern um Jhre Sompathie für mein Vaterland auszu- drácfen, für mein Vaterland, das Jahrhunderte lang tvraunisirt wor- den ist. Ihre Väter haben dies Uarecht geschchen lassen, aber die Söhne sind weiser geworden. (Beifall) Es giebt fein Land auf Erden, w-lches je durz scine Verbindung mit einem andercu Reiche so viel gelitten hätte, wie Jrland durch scine Verbindung mit Eng- land. (Hört, bört!) Wenige von Jhnen wissen vielleicht, daß es vor 230 Fahren in den Augen dcs Ocseges in Jrland fein Verbrechen war, wenn Einer von Englischer Abkunft cinen armen Jrländer, wie ih zum Beispiel einer bin (Gelächter), wenn er cinen soichen todt- \<iug, und daß eín cingeborner Jeländer fein Eigenthum erwerben konate. Mun frage ih England. 0b dies nicht zum wenigsten unge- reht war. Aber noch mebr, cr konnte nicht nur keia Eigemhum er- werben, sondern es war ihm auch verwehrt, sich Kenutuisse zu ver- {aen (Pfui, pfui!) War das nicht ungerecht? Ja, so war Jilands Zustand, a!s ich geboren wurde, jeßt aber iît es anders. (Hört, bört!) Jch drauche es nicht zu verleuanuen, daßihd n Engländern in ihren Feeibeus- färmpfen beigestanden habe. (Hört, hör1!) Meine Liebe zu Jrland erstreckte si auch auf England, und ich war bereit, beide z1 unter- stügen. Als die Reformbiil sich iu G-fabr befaud, - besann ih mich nicht lange, ob ih dabei einen Vortheil gex innen fönntez bei dieser Bill fowohb!, wie bri den Vunizipal- Refo:bills für England und Schottland und bei jener glorrc ichen Maßregel, welche 806,000 mensch- lien Wesen ibre F:}sein aditre.fte, babe ich, ih faun es sagen, zu Gunsten der Reformen geïtimmt, die allzemein verlangt wurden. (B. ifall.) Jch glaube daber, wohl cinizen Anspruch auf Jhyre Ruckz sit zu haben, und ich fcaze nun, soù Jrlaud noch läng.r in sciner jebigen Lage verbleiben? (Nein, nein!) Die Engländer haben cine Reformbill erlangt, cine auegcdebnte Maßregel und doch noch so unermeßli<h cing-schränft im Verglei) zu der Ausdebuung, welche sie häite crbalien sollen, deun ih netme feinen Upstand, mich zum eztschicdenen Fürsprecher d:s altgem:inen Wablrechis zu crflären. (Hört, hört!) ‘Vudeß dio Ezgl:she N.ferm: Bill war im- mer noch. unendlich: ausgcdchnucer, ais diz, welche Jriand erdieclt; und was die Frifuder bedürfen, ist cine Mäfkreagel, dic fie gegen die Um: triebe der Spotti3woodeschen Rotte zu schliß.n vermêchie.“ (Hon! und Murrin.) VBesicchung der sclimmjten Art is im Gange, und Meineid bercscht untcr den Staatömännern der Tory-Partei. (Mar- ren.) Jrland bat feinen Schutz gegen den Engtiichen uno Schotti- schen Adel. Der Gedanke ift cmpéreud, daß Vänuer, die cine bohe Sicllung in der Gesellschaft cinnehmen, die sclb)t Rechispsieger siud und die alfo über allen Verdacht crbaben seyn und Anderen mit ci- uem guten Beispiele vorangehen müßten, es is cin schre>licher Ge- danfe, daß solche Männer sich in den Wahl - Ausschüsscn des Un- terhaunses als meineidig erweisen. (Murrén.) Die Zeit is gefommen, wo dies laut verkündigt werden muß. Gern will ih ein Märtyrer der Gerechtigkeit und Wahrheit seyn, aber uicht des falschen Schwours, und ih wiederbole es daher, daß in den Tory - Comités des Unterhauses schändliché Meinecidigfeit herrscht. (Lauter Beifall.) Ist cs nun nicht Jhre Pflicht, mir zu helfen, dicsem Zusiande der Diuge cin Ende zu machen? Dies faun auf zweierlei Art geschehen: cinmal durch Ausdehnung Jhrer Reform- Bill. Obgleich die Jrländischen Mitglieder die Reform-Bills für England und Schottland duxchscuen halfen, vermochte cs doch Lord Stanley Über das Grevsche Ministerium, daß es uns nur cin Theil- chen von der Akte gab, díe mau England bewilligte. Der andere Weg is, daß uns eine cben solhe Munizipal-Reform gewährt wird, wie England sie erlangt hat. (Allen gleiche Nechte! rief hier eine Stimmc.) Allen gleiche Rechte, wie der chrenwerthe Herr sagt. Bis jeut aber heißt es: Allen ungleiche Rechte; deun statt Alle einander gleich zu stellen, hat man den Jrländern andere Maßregeln ge- geben, als den Engländern; sie haben aber auf gleiche Gerechtigkeit Anspruch. - Die Engländer haben eine Munizipal-Reform erbalten ; ae E jämmerliches Possenspiel ist ‘aber die Maßregel für Jr- land! Jh bin ein Mann der That, und i danke den Engländern für das, was sie für mich gethan haben, Aber was hat die Reform für Jrland gethan, und welche Aussichten sind sür dies Laud vor- banden? Wenn nicht cin Strahl der Vernunft sich über den hohen Charafter und militgirischen Ruhm des Herzogs von Wellington oder

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über die-selbssüchtigen Berechnungen scines Kollegstn, Sir R. Peecl's, sich crgießt, so hat Juland n:chi so baid etwas zu boffen. Judeß ic tréste mich immer noch damit, daß der gesunde S un Jcha Bull ciue Verwaliuug, die Jriand der Herrschaft ciner Faction unterwüi fe, nicht lauge am Rudcr lo¿sscn nlinde. Wäce ih dacen nm<t über eugt, so würde ih fast verzwef.!n, wenn ih verzæcife.n dürfic. So mancher Winterschnee auch üb.r mein Haupt gegangen 1, mein But flicßt neh fish und fcci in meinen Adern, und ich er- fläre unumwunden, daß Jiland Gerechtigkeit ebalten und, wenn England ibm uicht helfen will, sich sclbs| dazu rerhlfen muß. Man bat ge‘agt , das Minisierium babe mi untcr scine Fittige ge- nommen; wenn dics der Fall ift, so babe ih demsiben uenigstene noch fcinc Feder ausgerupft, wäbrend ih den Trost babe, das mcin Vaterland unter jenen Fiüitigen Schuy gegen bêse Raubvëgel gcfun: den hat. Durch jenes Ministerium und durch den Zauber jencs Scepters, den ih neulih in den Händen cines shöucn zungen We-: sens sah, ist mein Vaterland beschüßt worden, und wenn man Jrland loyal zu machen wünscht denn dic Jrländer baben sowohi Herz als Kepf wenn man die Bande, welcje die bciden Läudecr an ein- ander faüpfen, unauflöslid machen will, dann braacbt man nur dur das liebliche sylpbenartige Wesen, welches jeßt den Thron diescs Rei- ces einnimwt, seine Rechte wiederberstellen und Gerechtigkeit üben zu lassen. Jet ist der Augenbli gekommen, um dies giorreiche Werk zu vollenden. Bedenken Sic, daß wir jcht Geschichte machen, und wenn Sie dies im Auge behalten, so dächte ih, müßten Sie Alle bereit sevn, sh dem großen Werke der Regeneration anzuschlie- ßen. Alle fönnen thätig dabei scyn, Niemand is zu gering, um an dem ruhmoollen Werke Theil zu nehmen und die Ver- cinigung zweier Länder zu vollenden, welche die Natur für eine geselUschaftliche Verbindung geschaffen zu haben scheint, wie denn auch Jrland sicts auf eine freisinnige Art sich deu! Bruder - Lande angeschlossen und seine Schla.hten bat ausfechten helfen. Der Him- mel hat in nalürlicher Hinsicht viel für Jrland gethan, und es muß England selbs daran liegen, mit einem solchen Lande verbunden zu bleiben, damit beide sih zusammen auch in Zufunft allen Angriffen auf ihre Verfassung und auf ihre Freiheit widerseyen können. (Bei: fall.) Ohne diese Vereinigung würde das Königreich auf Sand ge- baut scyn, und wenn ich bedenfe, daß ich der besoidete Diener Irs lands bin, so füble ih mi verpflichtet, für dieses Land eben so zu wirken, wie für England, und beider Wohifahrt und Glück zu befor- dern, so viel in meinen Kräften steht. ““

Bei dem leßten Lever wurden auch die vier Herren O’Con- nell, welhe Mitglieder des Unterhauses sind, von der Köni- gin empfangen; Herr Morgan O'Connell überreichte Jhrer Majestät eine Glückwunsch - Adresse der Grafschaft Meath, und Herr Hume, der ebenfalls vorgestellt wurde, eine Bittschrift, worin um gleiche Begünstigung des öffentlichen Unterrichts, ohne Rücksicht auf die Religion, ersucht wird.

Die Morning Chronicle erklärt sich für ermächtigt, die

Nachricht, daß der nunmehrige Sir George de Lacy Evans sich

um die Stelle eines Secretairs des Feldzeug-Amts beworben habe und nur, weil ihm dieselbe nicht habe verliehen werden können, zum Commandeur des Bath - Ordens ernannt worden sey, als durchaus unbegründet zu bezeichnen; er habe sich um jene Stelle weder direkt noch indirekt beworben. i

Sir Andrew Leith Hay, der zum Gouverneur von den Bermudas Inseln ernannt worden und deshalb seinen Siß im

Parlament hat aufgeben müssen, wurde, als er kaum des Vor-

rechts, das die Parlaments-Mitglieder vor Verhaftung \{übt, beraubt war, von seinen Schuldnern festgenommen und ins Schuldgefängniß gebracht. Man weiß nicht, ob es ihm gelin- gen wird, seine Gläubiger zufriedenzustellen.

Das Dampfschiff „„Jberia‘/ hat Nachrichten aus Lissa- bon bis zum 1löten d. “M. überbracht, aus denen hervorgeht, daß die Besorgnisse der Regierung vor einer Landung Dom Miguel’s in Portugal sih zu mehren scheinen. Der Kciegs- Minister hatte den Cortes ausführlichen Bericht erstattet über Alles, was die Regicrung über die Pläne der Miguelisten in Erfahrung gebracht. Dom Miguel soll große Geldsummen zu seiner Disposition haben, und es heißt, daß eine Anzahl seiner eifcigsten Anhänger Jtalien verlassen haben, um sich zu den Karlisten in Spanien zu begeben. Damit wenigstens voi der Seceseite her die Jnvasion möglichst erschwert werde, hat die

Regierung zwei Krkiegsschisse abgesandt, welche vor der Mündung des .Guadiana kreuzen sollen. Man glaubte übrigens im Publikum nicht an die Authentizitat der

Angaben des Kriegs - Ministers. Der Kriegs - Mini- ster, Baron Bomfim, hat seine Ent assung angeblich deshalb ein- Gs, weil sich die Königin seinem und der übrigen Minister

erlangen, ein großes Avancement im Heere vorzunehmen, nicht fügen wollte. Äls seinen Nachfolger nennt man den Obersten Mendez. Die Frage wegen der von der Regierung aufzu- nehmenden Anleihe war no<h immer beim Alten. Noch am lten’ debattirte man in den Cortes über Annahme oder Ver. werfung der deshalb gemachten Vorschläge, bei welcher Gele- genheir der Finanz-Minister sich bitter beklagte, daß seine Vor: schläge, die der Regierung monatlich 600 Contos geliefert ha: ben würden, ohne weitere Diskussion bei Seite gelegt worden seyen; er erfläëte, daß man die jetzigen Anleihe - Vorschläge an- nehmen müsse, wenn man das Land nichr in das tiefste Clend stürzen wolle; jelzt hon sey der Geldmangel fo groß, daß die Bewohnec des Armeahaujes Misericordia wegen Mangel der nothwendigsten Bedürfnisse fast umkamen. Die Debaite wurde am l4ten vertagt und am Idren fortgeießt, aber auch an die- sem Tage war eine Beendigung dersclben nicht zu erwarten Schon am 1 ten jedoch war eine Anleihe, welche die Herren J. da Silva und Compagnie zu dFò pCt. ang-:boten hatten, durch die Finanz - Kommission wegen Mangels der ndchi en Garantie für unannehrabar erflärt worden. Während die Cortes über die herbeizuschaffenden Geldmittel berathen , sehen sich die Befehlshaber der Truppen und andere Behörden genö- thigt, Geld durch Contributionen zu erheben. Der Stadtrath von Porto unter Anderen hatte eine solche erzwungene Beiskeuer, noch dazu unter Genehmigung der Cortes, erheben wollen, fand aber Unwillfährigkeit, als er seiner Verordnung rü>wirkende Kraft geben wollte. Auf Anhalten der in Porto wohnenden Engländer, welche ebenfalls durch diese Maßregel in Anspruch genommen wurden, sah sich der Stadtrath genöthigt, dieselbe zurückzunehmen, entließ nun aber alle bisher von ihm beschäf- tigten Arbeiter, unter der Andeutung, er ködnne sie nicht länger bezahlen, weil die „Fremden““ die Leistung der Abgaben wei- gerten. Der Britische Gesandte hat sih deshalb genöthigt ge- sehen, die Kriegsbrigg „„Cameleon‘/ zum Schuße seiner in Porto ansássigen Landsleute dorthin zu senden. Auch der Be- fehlshaber der Truppen in Algarbien sah sih gezwungen, eine Contribution von 85 Contos (6000 Pfund) zu erheben: Der Franzose Mercier, der etwa vor einem Jahre nah dem Ge- mahle der Königin mit Steinen geworfen hat, ist ohne weitere Strafe aus dem Lande verwiesen worden, nachdem ihm seine Sold- Rückstände ausbezahlt worden waren. General Bacon

dagegen, der von Gibraltar wieder in Lissabon angelangt ist, sucht vergebens, unter dem Schuße der Britischen Gejandt- schaft, die 1009 Pfund einzutreiben, welche ihm die Regierung

no< \{u!dig ist. Die Portugiesische Küstenschifffahrt durch die lesten Stürme sehr gelitten.

Zu Lasaye in Vandiemensland hat am 22. Septemh

ein heftiges Erdbeben \tattzefunden. cen die CEiawohner ein solches Krachen, dem S ahnlich , daß sie ein Gefecht der Englischen Kolonisten mit d, Eingcbornen in der Nähe vermutheten, zu ihrem Erstaun aber nichts fanden und am Ende merkten, dap der Ton gy den Héhlen an den Bergen hervorbreche. Jn der Nacht y 3 Uhr erweckte die Unglücklichen das Krachen ihres einstürze den Kirchthurmes und dzs Beben des Bodens. Es ents wer konnte, ans Ufer des Meeres; schr Viele kamen unter y Trümmern der Häuser um. Während des Erdbebens bemer man an dem Horizonte hinaufschießende Lichtstreifen.

Aus Rio Janeiro wird vom 25. Dezember gemel), daß Bevollmächtigte unterweges scyen, um zwei neue Anl:ih in London abzuschließen , jede von 500,000 Pfd., die erste j

Am Abende vorher h

dem Geschükdonnz

Bezahlung der Brasilianischen Schuld an Portugal, die andi

zur Abtragung der im April fälligen Dividenden. in Rio Janeiro bedeutende Verschiffungen, besonders von Kj fee, nah Europa statt, und es zeigte sich viel Begehr nach d Produkten des Landes. Aus Bahia hatte keine Nachrichten.

Schweden und Norwegen.

Christiania, 12. Febr. (Leipz. Allg. Ztg.) Die l ruhen in Kanada, von wo England während der leßten Ih den grdßten Theil seines Bauholzes bezogen hat, erregen y dem hiesigen Handelsstande Hoffnungen einer gesteigerten 1 fuhr von Brettern, wie einer Ermäßigung der Britischen Zil durch roclche unsere Wald - Erzeugnisse bisher gedrückt wor) sind. Bloß durch dergleichen Begünstigungen können die Ka dischen Holzhändler die Konkurrenz mit den Nord-Europäisg aushalten, da sie wegen der feuchteren Beschaffenheit ihres l des kein sonderlich dauerhaftes Baumaterial zu liefern im Sta1j sind, wohingegen das insonderheit von Christiania und Dra men verschisste das vorzüglichste seiner Art ist.

Ueber die Bevorzugung der Russen im Handel mit y nôdrdlichsten Küsten - Gegenden des Landes, wovon in Schwe) hen Blättern die Rede gewesen ist, hat im Grunde keine N tion Ursache, sich zu beschweren. Der Verkehr der Norwe und Russen in Finnmarken gründet sih mehr auf gegenseiti Bedúrsniß als auf Verträge, wiewohl es auch schon seit dy Jahre 1787 an bestimmten Uebereinkünften zur egenseitig Erleichterung nicht fehlt. Der Russe tauscht sein Mehl, wor es oort gänzlich gebricht, gegen Fische aus, welche die Norw ger in reihli<her Menge fangen. Es ist keiner Nation v wehrt, an diesem Handel Theil zu nehmen, wie man denn wi rend der se<s Monate seiner Dauer im vorigen Jahre 66 thi Hanseatische, theils Britische Schisse im Hafen der aufblúh den und troß ihrer nördlichen Lage sehr freundlichen St Tromsde zählte.

Bei der vortrefflichen Schlittenbahn, die schon seit ten verwichenen Dezember stattfindet, sind hier durchschnittlich U

Es fand

man noch imnF

aus Tag ein 1500 Pferde im Zug aus den höheren Gegende|

wo die meisten Sägemühlen liegen, und die Landstraßen F

währen ein ungemein lebendiges Schauspiel. Die Kälte ist a haltend, erreichte aber nur am 31. Januor 20 21 Grad | unserer Gegend, in den hdheren Oesterdalen jedoch 27! /, Gr An der Südküste liegt das Eis so weit hinaus, daß man ! Christiansand in einer Entfernung von acht Meilen keine oft See sieht. Wegen der aufgehäuften Schneemassen können die Wölfe nicht mehc in den Waldungen halten und suchen ih Nahrung außerhalb derselben. allerdings, wird aber nicht für eigentlich gefährlich gehalte Es hat in solchen strengen Wintern ein leichtes Spiel mit de auf der Flucht tief einsinkenden Elenn, dessen die Menschen w

gen seiner Seltenheit und seiner Harmlosigkeit durch «in aus

drúckliches Geseß zu schonen gehalten sind.

Deutschland.

Hannover, 27. Febr. (Hannov. Ztg.) Ueber die bi herigen Verhandlungen der Allgemeinen Stände: Versammlu ist uns Folgendes zur Kunde gekommen. Die Erste Kan mer, welche nie so zahlreich versammelc war, hat den Obi schenkt und General- Crbpostmeister Grafen von: Platen- Hall mund zum Präsidenten, den Justizrath von Wangenheim zu

Schädlich is dieses Raubthit

\

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Vice: Prâsidenten, den Landraih von Hodenberg zum Gener

Syndikus, den Hofgerichts- Assessor von Lütken zum Vice-Ÿ neral Syndikus erwahlt. Die Zweite Kammer, in 1 cher noch einige städtische Bevollmächtigte fehlen, erwählte d Ober: Justizrath Jacobi zum Präsidenten, den Pr. jr. La zum Vice. Präiudeuten, den Schazrath Eichhorn zum Genet Syndikus. Von beiden Kammern ist cine gemeinschafli Kommission zur Entwerfung einer Antwort auf die Thron-Ri| beschlossen. An die Stände-Versammlung sind bereits gelan ¡) Die neue Verfassungs-Urkunde init einem ständischen Reglemt! eber erstere har in Crster Kammer die Berathung bereits beg! aen. 2) Kdnigl che Reskcipte des Jnhalts, daß das Reglement ¡X19 bei den Verhandlunaen dieses Landrags zu Grunde zu le ïey. J) Ein Königliches Reskiipt, wonach die Zuordnung land herrlicher Komm: sfarien f ir diesen Landtag unter denselben itimmungen fär stattnehmig erklärt is, unter denen solches d dem Landtage von 1832 1833 fistgeseßt war. Diesem gew

ist der Justiz: Kanzlei - Direktor Leist als landesherrlicher Cos

missair in Zweit:-r Kammer mit der bchufigen Legitimation \chienen. 4) Ein Kdnigl. Reskript, wonach die ständische Þ willigung in die Zahlung von Diäten und Reisekosten in" herigem Maße fär diesea Landtag erfordêrt ist. 5) Ein Kil Reskript, wonah Stande aufgeforderr sind, sich mit dem (u von 192,080 Rihlr. an der Person- und Gewerbe -Steuet k verstanden zu ertlären und zwar in dem Maße, daß solcher h laß den untersten se<s Klassen ausschließlich zu Gute kom möge, indem ihnea die Zahlung dieser Steuer im Monat F ganz und fär den Monat August zur Hälste erlassen wt! 6) Ein Königl. Reskript mit einem Gesehß - Entwurf über | Gefangenhaltung in polizeilichen Arbeitshäusern. 7) Ein ® niglihes Reskript, wonach die von den Häuslingen zu ent" tenden s{hußzherrlichen Abgaben aufgehoben werden sollen ! ein desfallsiger Geseß- Entwurf. $8) Eine Petition der Sti Fsens, wonach dieselbe die Berechtigung der Stadt Aurich | dermaligen Wahl in Zweifel zieht. 9) Eine Petition des ® shofs Fritze zu Hildesheim, des Jnhalts, die Zulassung eil Vertreters für Hochdenselben gestatten zu wollen. Auch. in Erster Kammer beschlossen seyn, die Zweite Kammer zu gemeinschaftlichen Kommission einzuladen, um zu berathen, J und wie Mitiheilungen von demjenigen, was aus den stn schen Verhandlungen von Jnteresse für das Publikum e mêchte, zu veranlassen seyen. v Se. Durchlaucht dec Prinz Karl von Solms und

Großherzogl. Badische Oberst-Lieutenant von Frankenberg sind pon Berlin hier eingetroffen.

Weimar, 2. Febr. Die Genesung des Großherzogs schreitet fortwährend so sicher fort, daß man sih der frohen Hoffnung hingeben darf, Se. Königl. Hoheit werte in der náchsten Woche wieder das Jnnere des Residenz-Schlosses ver- lassen können.

Leipzig, 27. Febr. Unsere Universität hat einen großen Verlust erlitten. Heute fcüh nach halb 5 Uhr entschlief sanft

err Karl Heinrich Ludwig Pöliß, ordentlicher Professor der

taats-Wissenschaften, Direktor des akademischen Konviktoriums, Königl. Sächsischer Hofrath, Großherzogl. Hessischer Geheime- rath u. \. w. Viele Jahre hindurch leidend, aber fortwahrend thäcig, seßte Pôlib seine Vorlesungen erst vor drei Wochen aus.

<on zeigten“ sich Symytome der Brustwassersucht, die schnell entwicéelt, Allen unerwartet früh, seinem sehsundsechzigjähri- en Leben das irdische Ziel geseßzt haben.

München, 21. Febr. Gestern Abend fand unter Vor- tritt von mehr als 200 fa>eltragenden Livréedienern mit aller Pracht und Fdcmlichkeit die Beisezung der Leiche der Freifrau von Bayersdorf statt. Der Sarg ward einstweilen auf dem allgemeinen Gottesaker im Grabgewölbe der Gräflich v. Rech- hergschen Familie beigeselt, bis eine Kapelle in der Gegend des freundlichen Starnbergerjee's vollendet seyn wird.

Aus zuverlässiger Quelle erfährt man, daß Se. Majestät die Errichtung einer weiblichen Erziehungs- Anstalt (Pensionats) bei dem Frauenkloster zu Seligenthal in Landshuc nach den vorgelegten Grundzügen genehmigt habe.

S panien.

Madrid, 14. Febr. Man glaudt, daß die Zehnten-Frage zu heftigen Debatten in der Deputirten-Kammer Vecanlassung geben werde, doch dürfce die Diskussion dieses Gegenstandes nicht eher beginnen, als bis alle Wahlen gehdrig geprüft wor- den sind und alle Deputirte ihre Pläße eingenommen haben.

Madrid, 17. Febr. Dem Verneÿßmen nach, soll heute mit dem Hause Rothschild ein Uebereinkemmen getrofsen wor- den seyn, in Folge dessen dem Ministerium bereits Vorschüsse gemacht worden wären. Die ganze Anleihe würde 20 Millionen Realen betragen und zur Deckung der laufenden Ausgaben be- stimmt seyn. Der Rest soll später gezahlt werden. Zur Rück dus der Anleihe wäre der Erlds der Kriegs-Steuer auf Cuda estimmt.

Die Regierung beabsichtigt die Ecrichtang eines Staats- Rathes, der aus 30 bis 36 Mitgliedern, 6 für jedes Ministe- rium, bestehen soll. Die mit Ocganisirung desselben beauftragte Kommission besteht aus vier Deputirien und cinem Senator, námlich aus den Herren Martinez de la Rosa, Toreno, Garely, Sancho und Pacheco. i

Der General Carondelet ist zum General-Capitain von Alt- Castilien ernannt worden.

Syrien

Bairut, 20. Jan. (Journ. de Smyrne.) Seit eini- ger Zeit ist Syrien der Schauplaß wichiiger Ereignisse gewesen und allem Anschein nach bereiten sih noch ernstere vor. Ueber- all hat die Unzufriedenheit mit der Aegyptischen Herrschaft den höchsten Grad erreicht; son haben auf mehreren ‘Punkcen Auf- skátide stattgefunden und es bedarf nur eines Funkens, um einen allgemeinen Brand zu erregen. Die Drusen, welche bei der Besißnahme des Landes durch die Aegypter zuer| das Zeichen zum Widerskande gaben, und niemals wirklich unterworfen wur- den, sind heute im offenen Aufstande und wenn sie nur Waffen und Munition hätten, so wäre es um die Aegyptische Herr- haft in Syrien geshehen. Troß ihrer schle<hten Bewaffnung haben sie indeß schon mehrere sie.reiche Gefechte bestanden. Sie greifen die Truppen Jbrahim's überall an, wo sie dieselben finden und diese zittern jeßt vor ihnen und nehmen bei ihrer Annäherung die Flucht. Vor ku-zem wurde am Fuße des Libanon auf der Seite von Damaskus ein Detaschement von 300 Mann regu- lairer Truppen von 130 Drusen völlig geschlagen; der Oberst und etwa 40 Mann blieben auf dem ‘Playe. Ibrahim Pascha ist im hôchsten Grade erbittert über diese wiederholten Nieder- lagen, und droht, Alles zu vernichten; allein er besißt nicht mehr die hinreichende Macht zur Ausführung seiner Projekte. Waffen und Kriegsmaterial hat er genug, aber es fehlt ihm an Menschen. Seine Armee ijt seit einiger Zeit bedeutend redu-

zirt und er wagt es nicht, seine Truppenmacht zu sehr zu thei-

len, in einêm Augenblicke, wo er durch sein Benehmen das Mißtrauen und den Unwillen der Pforte erregt hat und daher die nicht weit von den Gränzen Syriens stehende Türkische Armee färchret. Die Eingebornen sind es nichr allein, welche sich über. die Aegyptischen Bchörden beklagen; selbst in der Armee zeigen sich deutliche Spuren von Unzufrieden- heit. Auch die Desertion uater den Truppen nimmt täglich zu, und die Uebeciäufer gehen theils zu den Drusen, theils auf das Türkische Gebiet. Vor wenigen Tagen gingen 2000 Soldaten mit Waffen und Gepäck zu den Drusen über, nachdem sie ihren Anführer, den General Muhammed Pascha ermordet hatten. Jbrahim Pascha sendet einen Cou- rier nach dem anderen nah Kahira, um Unterstäßung von sci- nem Vater zu crhalten. Die neue Aushebung wird mit der größten Strenge und Grausamkeit betrieben und da die in die- \er Beziehung erlassenen Befehle in Aleppo nicht schnell genug ausgeführt wurden, so bediente sich Ibrohim Pascha folgenden Mittels, um zu seinem Zwocke zu gelangen. Er ließ das Ge- rächt verbreiten, daß die Tärkischen Truppen die Gränze überschrit- ten hátten und ein starkes Detaschement derselben sich Aleppo nähere, Um, in Folge einer Uebereinkunft mit dem Sultan, diese (Stadt zu be- seßen. Cines Morgens verließen alle Cv {- und Militair: Behörden, nebst der Garnison die Stadt, und bald darauf zeigten sich in der A Truppen mit Türkischen Fahnen und Uniformen. Die Bewo! ner eilten sogleich zur Stadt hinaus und begräßten die vermeintlichen Türken mit lauter Freude als ihre Erretter von dem Aegyptischen Joche. Jn diesem Augenblicke drang die am Morgen ausmarschirte Garnison plôslich von verschiedenen Sei- ken wieder in die Stadt, bemächtigte sich aller Thore, und etwa 9000 männliche Bewohner von Aleppo, die sich außerhalb der Stadt befanden, wurden auf diese Weise gefangen und in einem

| verfallenen Khan untergebracht, von wo aus 2809 dieser Un-

lücklichen als tauglih zum Kriegsdienst, ohne Unterschied des

tandes, sofort nah Aegypten abgesanot wurden. Die übri- gen mußten bedeutende Geldstrafen bezahlen. Bemerkenswerth ist es, daß diesesmal sämmtliche Christen ohne Lösegeld freige- lassen worden sind.

Vereinigte Staaten von Nord-Amerika.

j New - York, 29 Jan. Die Biene von Neu- Or- ans enthäle folgende Details über das (bereits erwähnte)

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Erdbeben, welches am 18. und 19. Oftober die Stadt Acapulco in Mexiko E (e Ede Erderschütterungen haben

die Stadt Acapulco fast ganz zerstört, und selbst in der Haupt- stadt Mexiko hat man die Sözje empfunden, wo sie indep nicht so heftig waren. Acapulco is dagegen fast ganz in einen Rui- nenhaufen verwandelt. Die Häuser, die Kirchen sind umge- stürzt, die Mauern des Cabo Santo sind zerstört, und es herrscht die größte Bestürzung unter den Einwohnern, welche die Nächte auf freiem Felde zubringen müssen. Es sind indeß nur wenig Menschen umgekommen, da die Meisten no< Zeit hatten, si< zu retten. Bemerkenswerth is es, daß in der Hauptstadt Mexiko die Erdstôße immer zwei oder drei Tâge später eintreten, als in Acapulco. Der Popocatepetl raucht.“

Während einer Vorstellung von „Robert der Teufel‘/ stürzte neuli<h im hiesigen Opernhauje der große Kronleuchter in das Parterre herab, ohne jedoch einen Menschen zu beschädigen. Es befand sich nämlih am unteren Ende des Kronleuchters eine eiserne Verlängerung von drei Fuß, die hon immer hatte ab- genon.men werden sollen, und doch war sie es, die großes Un- glück verhinderte, indem sie tief in die Ballustrade eindrang, welche die Siße des Parterre von denen des Parquet trennt, so daß der Leuchter selbst die Kdpfe der Zuschauer nicht erreichte, und diese nur mit dem Oel der zerbrochenen Lampen überschüt- tet wurden.

Inland.

Berlin, 2. März. Man schreibt aus Halle unterm 28sten v. M.: „Unserer Stadt und Universität ist in der ver- flossenen Nacht einer ihrer ältesten und wärdigsten Mitbürger, der Konsistorial-Rath und außerordentiiche Professor der Theo- logie, Dr. Wagnit, im 83sten Lebensjahre durch den Tod ent- rissen worden. Der Verewigte i|t über ein halbes Jahrhundert als Seelsorger an der hiesigen Haupt-Pfarrkirche zu U. L. Fr., deren erstes geistlihes Amt er lange Zeit hindurch bekleidete, thätig gewesen und hat sih überdies durch seine Wirksamkeit als akfademischer Lehrer, so wie als N und Volks-Schrist- steller, die allgemeine Achtung und Liede auch in einem tweite- ren Kreise zu erwerben gewußt.““

Wissenschaft , Kun| und Literatur.

Martin Luther's Leben von G. Pfizer. 1836. XXY[V. und 911 Seiten.

Während die Schweizerischen Reformaioren im Ablaufe der leß- ten Jahre reichlicy mit Biographieen verschcn wurden, ist übcr un- sere Deutschen kaum ctwas Erhcbliches in dieser Art erschienen. Vèan hat sich beguügt, ihre Werke theiiweise neu herauszugeben und cein- zelue Momente ihres Lebens und ihrer Schriften fritisch zu beleuch- ten. Worin liegt der Grund? Ohne Zweifel i1 dem rihiigen Bes wußtscon der Schwierigkeit ciner solcheu Aufzabe, welche durch den Blick auf einzelne ausgezeichnete Leisiungen theologisczer und nicht tocolegisczer Viographik der Gegenwart noch erdeht werden mußte.

Hiermit wolien wir gegen das vorliegende Werk um se weniger cin ungünstiges Urtheil zum voraus erwecken, als der Verfasser auf den Ruhm cines allen Anforderungen des Thcologen, Historikers und Kritifers gentizenden Werkes (zu dessen Ausarbeitung es wohl auch einer Reihe von Jabren bedurfte) feinerlei Aasprucy macht. Scin Buch soll, wie er selbst sagt, „nur die rechte Mitte halten zwischen einer nur äußeren Geschichts-Erzählung, wobei die cigeutiichen Triced: federn, Streitpuukte, Glaubens- Differenzen n. . w. uicht in ihrer Bedeutung und in ihrem Einfluß bervorgehcben würden, auf der an- deren Seite zwischen einer für nicht wissenschaftlich u id theotogisch gebildete Leser unverständlichen, gelehrten Ecörterung der theolo- gischen und fkirchlicheu Streitfragen.“ Mit gedrängter Andeutung vpnd Würdigung der dogmatisch-firhlichen Fragen soll Faßlichkeit und Auschaulichfcit verbunden werden. Der Verfasser will also diese hi- storisze Erscheinung, „der keine andere ähnliche an die Suite geseht werdea fann“, dem Vewußiseyn eiucs gebildeten Publifums nahe bringen oder, mit einem Worte, cin Voiksbüuch im höheren Siune des Wortcs licfern. F ierdurch ist aber so wenig cinem umfass:ndeu biographi- hen Werke über Luther der Plaß verspeert, daß vielmehr demscibeu hier- durch uur der Eingang bei cinem größeren Pubiikum gebahut wer- den fann. Dieser Aufgabe, dercn Schwierigkeit dem Kenner nicht entgebt, ist der Verfasser auch durch scine ganze Arbeit hindurch sich stets beioußt geblieb:n. ;

Jn einer Einleitung legt der Verfasser die Grundsäte vor, die ihn bei seiner Geschichtsschreibung leiteten. Zugleich werden die älteren und neueren Behandlungsweisen fritish durhgegangen. Am wenig- sten sagt dem Verfasser die Methode derer zu, welche sich auf einen angeblich ausnehmend hohen Standpunft der Geschichtsbetrachtung stellen, was dann zur Folge bat, „daß die wichtigsten und tiefsten Uns terschicede, a!s in solher Höhe und Ferne vershwindeud und gering- fügig, nicht beachtet, die in ibrem Wesen verschiedensten Erscheinuu- gen und Thaisachen ciner flüchtigen Achnlichkcit zu lieb zusammenge- \tellt und parallelisirt, kurz die Gestalten und Beftandihcile der Ee- schichte nach dén sonderbarsten Launen und Grillen schematisirt, und wie in architcftonisch-<rematische Figuren reillfürlich zusammengeiegt werden aîïs cin vielfach mißhandelter Stoff füc eine oft geistreiche, eft armsclige und abgeshma>te, aber immer der Wabrheit nachtheilige Reslerion.“” Mit Recht wird bemerkt, wie bei ciaer solchen ver- mzeintlich erbabenen, großartigen und tiefsinnigen, in der That aber frivolen Gecschichtsbehandlung die Personen nur nech „als Träger edcr Svmbole gewisser willkürlich in sie gelegten Ansichten gelten, ihze Eigenthümlichfeit und allen ihren Charafier verlieren, so wie auch der af sol<he Weise gekizelte Geschma> die derbecre, aber uabrbafte Ke der wirklihen Geschichic nah und nach ver- schmäht.“/ Gegen die einseitige unwahre Methode, welche uur jedesmal so bicl des Faftischen erzählt, als cs zur Begründung oder Bestätigung ihrer Maximcn dient, bemerkt unser VBiograph: „Luther is nicht wie cine balb ausaearbcitete Figur, die nur die Vorderscite dent Beschauer darbeut, sondern cine vollendete, ganz frei in der Geschichte hervortretende gediegene Gestait , die man von allen Sciten bctrachten und beleuchten mag.“ So wird denn die wahre Methode, Luther's Biographie zu schrei- ben, mit Wenigem davin ausgedrückt: „Am Ehcendsten für Luther ist gewiß cine solche Darstellung seines Lebens, welce mit möglichster Treue Alles und Jedes aufnimmt, soweit die Füle des Stoffes cs gestattet, und getro\t dem Eindru| eutgegensi.ht, den das Ganze auf cmpfängliche Gemüther machen muß.“ Dabei aber hat der Verfasscr, und mit Recht, alles das aus dem Spèel gelasscn, was entweder nur dem Parteibaß Stoff gebcn, oder bei deur veränderten Geschma der Zeit dem Mißverständniß ausgeseut scyu könnte.

Das Leben selbst enifaltet sh in 35 Perikopen, deren Juhalt durch folgende Ueberschriften bezeichnet wird: Luther's Jugendjahre; Lutber's Klosterjahre; Luther an der Universität in Wiüitenberg: Lus- ther's Reise nach Romz dcr Ablaß; Miltiy und Ec; der Bann u. \ w. Von den allgemcineren heben wir hicr nur heraus: Die Stimmung in Deutschland; Luther's Politik; Luther und Erasmus; Luthcr's Privatleben; Luther und das neue Kirchenthum; Luther und Melanchton : Luther als Prediger, Gelehrter und Schriftsteller; Lu- ther's Welt- und Lebens- Ansicht.

Dem größercn Theil der Erzählung nach tritt der Geschilderte in ganz unmitteldarer Weise, ohne sich in dem Biographen zu reflefti. ren, vor das Auge des Beschaucnden. Mit vieler Kunst und schönem Taft hat der Verfasser aus Luther's eigenen Worten ein Ganzes musivis<h zu fomponiren gewußt. Jun anderen Partieen, besonders in deu schwierigen, der Controverse anheim fallenden, hat er sich an

Stuttgart

die bewährtesien Quellen gehalten. Ueberall tritt das ben hers vor, das Fafktische herauszustellen, NReflexriou und L AciERes Sentie ment zurü>treten zu lassen. Nur wo es ganz noth g erschien, entschloß sih der Verfasser nachzuhelfen, namentlih dur< Zusammen- ordnen des Zerstreuten dem Ganzen die re<hte Klarheit ju verschaffen.

Als Charakteristisches darf feruer die Unbefangenheit hervorgehos b:n werden, welche uns deshalb vorzüglich als die rechte erscheint, weil sie mit einer Begeisterung für jene große Zeit und den, der die Seele derselben war, gepaart ist.

Diese Unbefangenheit nehmen wir theils in der Schilderung Lus- ther's selbst wahr, theils wenn der Verfasser die entgegenstedenden Particen E Für legtere verweisen wir auf das Kapitel von Lutber's Verhältniß zu Erasmus (p: 550 seq.) wo vielleicht cher Lu- ther oft zu nahe getreten und das halbe, unentschiedene Wesen szines gelchrten Freundes zu sebr verschleiert wird. Ferner die Apologie Karl’s V. (p. 194 seq.) die man von mancher Seite anzufechten geneigt seyn fkönute; endlich die klare leidenschaftlose Würdigung des Papskthums ven historischer Seite (p. 52 vos.) Das Erstere tritt z. B. bervor in der Erzählung von dem Srreite Luthers mit Heinrich VUl, (362 u. f.). Luther's übergroße Peftig- feit, namentli in dem Shriftwechscl, wird obne Hebl dargelegt, und in Abrede gesfiellt, daß hier uud sons „gerade cine solche Sprache nöthig und ersprießlich gewesen scy, um die Sache der Reformation sicgreih durchzuführen: denn sie habe wehl mebr erbittert, a!s übers zeugt und gewonnen.‘ (S. 373.) Hinwiederum fehlt es uicht an Ans

eutuugen, wie solche auffallende Erscheinungen erklärt, uud uuter weiche Gesichtspunkte fie geftellt werden müßten.

¿¿Wo Luther nur Ucdelwollen und Bosheit sah oder zu fen glaubte, da legie er auch scinem Eifer feine Zügel an, und die Schnelligkeit, mit welcher scine gewaltige Feder die Ergüsse sciues Yorns hbervorsirömte, und die Rasilosigkeit seines Geistes ließen ibu uicht lange zwiswen Worten und Ausdrüc*en wählen. Er trug scin Herz auf der Zunac und wie seite mau ibm rerargen, wenn dies ses Herz aber auch menschlichen Schwächen, dem Rorn und der Leis denschaftlichkeit, zugänglich war, zumal da der Gegenstand seines Streitens und Kämpfens, und die Junuigkcit sciner Ueberzeugung auch das an fich minder zu Billigeude de< wicder veredelte. Dies jenigen freilih schen sih dur< feine maßlose Sprache schr in Vers legenheit gesetzt, weiche ibn ganz und gar unter dem Gesichtspunft eines Heiligen glauben auffassen zu müssen; aber wie sehr dies Luther?s cigenem Bewußtseyn und Gefühl widerspricht, braucht kauu erwähnt zu werden.“

Unter den fonzeutrirenden Tadieaurx des Buches erscheinen be- sonders interessant: „Die Stimmung in Deutschlaud.“ „Luthers Politif‘’ (d. h. seine Eikf.ärungen über bürgerliche und staatliche Verhältnisse, besonders über die Relation der Reichsfürsten zuux Kaiser.) „Luther und das neue Kirchenthum“', und vorzugsweise der leßte unter den oben angegebenen Abschnitten. Als das eigentliche Fundament seiner Weltanschauung bezeichnet der Berfasscr durchaus richtig, die böchsie Religiösität, oder „diejenige Gesinnung, welche alles eigene eder fremde Thun und Leiden, alles, was übcrall gcs schieht, auf Gott zurückfübhrt oder mit Rücksicht auf ihn betrachtet.

Weniger fann man beistimmen, wenn (p. 889) es von Luthern geradezu heißt: „er habe von der eigentlich philosopishen Speculatiou Über die Gegenstände der Religion nichts wissen wollen.“ Es hat dics nur dann cine Wahrheit, wenn es so viel bedeutct ais: Luthcr habe si< an das cinfache Versiändniß gehalten und nichts wisscn wollen von dem hochflicgenden, ecxcentrischen Rationaliëmus odir Mysticismus, der dem cigenen Licht, sev cs das der Vernunft oder eincr gewissen Fnspiratiou, cine höhere Justanz zutheilt. Aber kei: nesweges darf damit gesagt werden, daß es Luthern überhaupt an Siun für theologische Speculation und Mysiik, im guten Sinne des Worts, gefchlt babe. Das Gegentheil bezeugen seine Lieblingébücher, seine früheren Studien und die bei Bebzndlung der sublimsten Dog- men durchschimmernde religids-pbiiosopbische Ansicht.

Uebrigens scheint es, als ob der Verfasser theils durch das vor- her Bemerkte, noch mehr aber durch das Folgende , die gegebene Ves hauptung selbs theilweise aufhobe. ;

Bei einer ncuen Bearbcitung wäre vielleicht für die Umgebun- gen Luthers, sowohl die befreundeten als die feindlichen Personalitä- ten, zum besseren Sachverständniß noch eine genauere Zeichnung ' zu wünschen, auz für die Bildungsjahre Luthe1r's (hier ist z. B. die An gelegenbeit mit Alexius wobl zu kurz abgefertigt, auch nicht in {hrer Tiefe begriffen) und was sonst scin einfach shwu>loses Privatleben betrifft, würde immer no< mehr Detail willklemmen seyn. Hicrzu dürften die Reformations - Almanache mit Nugten gebraucht werden. Die vier Kupfer stehen nicht in rihtigem Verhältuiß zu der \<®üs nen Diction und sonstigen würdigen Ausstattung. d.

Wann wurde die Buchdruckerkunst erfunden?

Fast allgemein nahm man disher das Jahr 1440 als das Jahr der Erfindung an. Denn das Jahr 1435 in Vêttiger'& Geschicht s- tafeln und 1436 in Schaab's Geschichte der Buchdru>erkuusfk, stüßen sich auf gar feine geschichtlichen Gründe. Herr Baumeister Wetter in Mainz, der unlängst eine vortreffliche Geschichte des Buchdru>s geschrieben, hat eben cin Schriftchen herausgegeben : „Beantwortung der Frage: in welchem Jabre ist die Buchdruckerkunst erfunden wor- den?“ Wenn wir unter Buchdruckerei das Drucken mit beweglichen Buchstaben verstchen (deun das Drucken mit Holztafeln haben schon die Siner vor Jahrctausenden gehabt), so if erstens Mainz der Ort, weitens das Fahr 1450 die Zeit der Ecfindung. Herr Wetter führt folgende sieben wichtige Zeugnisse an: 1) Gutenberg selbst nennt aa Schlusse des von ihm 1460 gedru>ten Wörterbuchs Catholicon, Mainz als den Erfindungsort, alma in urbe Maguntina u. F w. 2) Scin Gehilfe Peter Schöffer nannte dem Abt FTritbem in scincn Annalen des Klosicrs Hirschau Maiuz und das Jabr 1450 als Ort und Zeit der Erfindung , bis oos (1430) in civitate Moguntina inventa et excogitata est ars illa mirabilis et prius inaudita imprimendi et caracterizandi libros per Joannem Gutenberger, civem Moguntinum. 3) Der Sobn des Petcr Schöffer, Johann Schöfter, sagt in drx A der von ihm 1505 zu Mainz gedru>ten Deutschen Ucbcr- egung des Livius an den Kaiser Maximilian 1.: „Solch wergk, das in der löblihen Stadt Menz gefertigt und getrut ist, wöll Ew. Ko. M. gnediglih ufnemen, in welcher Stadt anfengklich die wunderbare Kunß der Truckcrei, und im ersien von dem funsireichen Johann Guts tenberg, da man zalt nah Christi unsers Herrn Geburt 1450 erfun- den u. sw.“ 4) Derselbe Johann Schoffer nennt, am Schlusse des von ibm zu Mainz 1515 gedructten Breviarium UHistoriae Francorum des Abts Trithcm, Mainz die ersie Erfinderin der Buchdruckerkunst im Jahre 1450. 5) Die Kölner Chronik sagt: „zu Menz am Ryue, do man s{<hreyff} MCCCCL, do began manu gu dru>en, uud was das cvrsie Bouch dat man drucfte, die Bybel zu latin u. f. w.“ 6) Ein Neapolitaner , Mariangelus Accursiris, im Anfange des 16teu Jahr- bunderts, schrieb auf einen auf Pergament gedruckten Donat, daß dies ser Donat zuer von einem Mainzer Bürger, Johaun Faust, 1450 gedructt sei. 7) Bergellanus in seinem 1541 zu Mainz gedrut:n Lobgedichte auf die Buchdruckerkunst sagt, daß Gutenberg 1450 zu Mainz die Erfindung gemacht habe. Da nun Mainz als Erfindungs- ort feststeht, so fann die Erfindung uur entweder vor 1420 oder nach 1444 geschehen scin, weil Gutenberg jene 24 Zwischenjahre zu Straß: burg sich aufhielt. Daß man so lange das Jahr 1440 als Grfindungs: jabr annahm, kam wobl daher, daß Guttenberg in jenem Jahre zu

Straßburg mit Holztafeln zu drucken anfing. Aber der Druck mit beweglichen Lettern efab durhaus 10 Jahre später. J —e.

Auswärtige Börsen.

Amsterdam, 25. Februär. Neue Anl. 18!/4. Antwerpen, 24. Februar, Passive —. Zinsl. 5!/,. Neue Anl. 18!/,. Br. 3/6 G. Frankfurt a. M., 27. Februar. Oesterr. 59/, Met. es G. 40%/, 101. G. 21 (alo S é Gll/) 1% 26/4. 26/4. RBank - Actien 1726. 1725. Partial - Obl. 130!/,. G. Loose au 500 FI, 121!/g. 1207/4. Loose zu 100 FI. 261. G.

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