1838 / 65 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

welche mit Inspizirung der Gefängnisse beauftragt sind, einen Bericht über jenes System abstatten möchten. Lord John Ruf: sell hatte in einem Schreiben an den Middlesexer Ge- richtshof anempfohlen, einen Versuch mit der Absonderung der Gefangenen zu machen; Herr Hoare war aber der Meinung, daß diese Amerikanische Straf-Methode für England nicht passe und sich namentlich für kürzere Haft in Zuchthäusern nicht eigne, auch zu kostspielig für die Steuerpflichtigen sey. Herr Laurie 9 stimmte diejer Ansicht bei und erwähnte úberdies einiger in : Glasgow vorgekommener Fälle, wo die Absonderunz zu Wahn- B sinn geführt habe; am wenigsten aber, glaubte er, sey f die Anwendung dieses Systems bei Kindern statthaft, und L man músse sih darüber empört fählen, wenn man höre, daß in 5 einem Englischen Zuchthause wirklich Mädchen von T7, 8 und 10 Jahren, die no< na< der Puppe verlangt hätten, auf ein und zwei Jahre in einsame Zellen eingesperrt worden seyen. Herr Hoare zeigte jedoch an, daß diese Kinder wahrscheinlich in diesen Tagen aus ihren Kerkern würden erlds| werden. Der Sergeant Adams machte auch bemerklich, daß zwischen der Re- gierung und ihm eine Korrespondenz stattgefunden habe, aus welcher hervergehe, daß Lord F. Nussell si< endlich davon “überzeugt habe, wie unangemessen die abgesonderte Einsperrung von Kindern \ey; er besize ein Dokument, mit der Unterschrift „„Victoria‘/, welches hosfen lasse, daß eine gesündere Ansich: über die Bestrafung von Kindern zu tagen beginne, und daß man ferran hauptsächlich danach Freben werde, die unmündi- en Sträflinge auf den Pfad der Tugend zuräcfzuführen. Der sutrag des Herrn Hoare wurde dann einstimmig angenommen. Der Courier stellt bei dieser Gelegenheit folgende Betrachtun- óber das Straf- und Besserungs-Verfahren in England

en

R its anderen Ländern an: „„Die Frage der Gefäángniß-Diszi- E plin verdient unjere größte Aufmerksamkeit und ist bis jeßt in E England noch lange nicht in ihrer ganzen Bedeutung begriffen 2 worden. Man har zu verschiedenen Zeiten mancherlei Systeme A vorgeschlagen, iu jedem aber wurden stets Mängel entde>t, die

zur Verwerfung desselben führten, und so scheint es denn, daß noch einige Jahre länger unser jeßiger unmenschlicher und \hauderhafter Gebrauch fortdauern soll; eine Anzahl von Ver- _brechern in cinem festen Hause zusammen einzuschließen und sie U dort in Faulhect neben einander stallen zu lassen, ohne Unter- fu schied des Verbrechens und des Alters, ohne Rücksicht darauf, ob der Eine noch ein Neuling auf den Wege des Lasters und der: Andere ein vollendeter Schurke ist, bis am Ende das minder verderbte Gemüth sich an der moralischen Ver- derbniß des anderen anste>t. An jedem bisher vorge- shlagenen oder ausgeführten System lassen sich Uebelstände nach- weisen. Man hat also nur die Wahl zwischen größeren oder geringeren Uebeln, wenn man ein neues System annimmt; da- von aber fann man úberzeugt sevn, daß das System: der rü>- sichtslosen Vermischung, welches in den meisten unserer Gefäng- nisse vorherrscht, vor allen anderen mit den s{limmsten Folgen verbunden ist. Was würde man von einem Hospital sagen, in welchem die verschiedenartigsten Kranken in einem und demsel- ben Raum untergebracht würden , oder wo man den ekelhaften Ausfäßigen in ein und dasselbe Bett mit dem armen Entkräf- teten würfe, der nur etwas nahrhafter Kost und guter Pfiege ‘bedarf, um Gesundheit und Stärke wiederzuerlangen? Aehn- lich aber verfährt man, wenn man den jugendlichen Stráäfling, der seinem Brodherrn eine Kleinigkeit geraubt hat, mit dem abgefeimten und verhärteten Diebe zusammensperrt. Der Eine ist voll von moralischem Anste>kungs\tof, der Andere befindet sich in einem Gemüthszustande, worin er der Anste>ung ganz besonders ausgeseßt ist. Der menschliche Scharfsinn hätte kaum vollklommenere Schulen für Laster und Verruchtheit ausfindig machen können, als die Gefängnisse Englands und Frankreichs, und es ist jeßt eine unbezweifelte Thatsache, daß der Neuling in Verbrechen, der in ein Englisches oder Französisches Gefäng- niß fommt, gewöhnlich als vollendeter Bösewicht daraus her- vorgeht. Was das System der einsamen Einsperrung anbe- trifft, so ist dasselbe in Amerika durchaus mißglü>t. Einen Menschen in eine Zelle einzuschließen und ihn da dem Bräten über dem s{hwarzen Verzeichniß seiner Verbrechen zu úüberlaf- sen, is eine moralische Tortur, die von Wenigen überstanden wird. Wenige Tage, ja oft nur wenige Stunden angewandt, bändigt sie das wildeste Herz und bringt den Verbärtetsten da- hin, fich lieber jedwedem noch so lästigen Zwange zu unterwer- fen, als si< einer Wiederholung dieser Feuerprobe auszuseßen ; aber moralis< is der Sträfling dadurch nicht gebessert. ‘Auch das System des Schweigens, wie das der einsamen Ab- sperrung, muß fehlschlagen, wenn es nicht mit Beschäftigung verbunden wird. Man lasse die Gefangenen nur Steine von einem Ende des Hofes zum anderen tragen, und sie haben on, was sie bedürfen, und durch dessen Mangel die Meisten zu Ver- brechen verleitet wurden, regelmäßige Beschäftigung. Das Sy- stem des Schweigens hat sih zu Auburn in Amerika wirksam erwiesen, weil es dort mit einer beständigen nüßlichen Beschäf- tigung verbunden wurde. Zu Vilvorden bei Brüssel rauß der Verbrecher im Gefängnisse die Arbeit treiben, welche er versteht, vnd wenn er gar keine gelernt hat, so lehrt man ihm eine. Mancher, der als gefährlicher Verbrecher in solche Gefängnisse gekommen, hat sie als ein nüßliches Mitglied der menschlichen Gesellschast verlassen. Von welchem unserer Gefängnisse läßt sich dies sagen? Wenn man indeß bedenkt, welch" unsinniges Geschrei gegen das neue Armen - Geseh erhoben worden ist, so fann man wohl begreifen, daß unsere Staatémänner an diese wichtige Frage nicht gern heranzchen wollen. Leute, die dar- úber flagen, wenn ein Arbeitshaus nicht mit den Behaglichkei- ten eines wohlhabenden Bürgers ausgestattet ist, wärden sicher- lich einen Schrei dés Schaguderns und der Enträstung aussto- ben, wenn man eine wahrhaft menschenfreundliche und morali- \<he Gefangniß-Disziplin einführen wollte. Der Zweck eines solchen Systems müßte die sittlihe Besserung des Gefangenen seyn, indem man scine Gewdöhnung zum Müßiggange in Ge- wöhnung zu fleißigem Arbeiten verwandelte und ihn gegen jede verderbliche Einwirkung s{<hüßte. Er könnte mit deu anderen Gefangenen zusammen arbeiten, aber jeder Versuch, mit sei- nen Unglücksgefährten eine Sylde zu sprechen, müßte auf der

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E Stelle bestrast werden. Religionélehrer múßten fast die ta einzigen menschlichen Wesen scyn, mit denen er sprechen dürfte ;

dur) sie allein dürfe er mit der Welt jenseits der Mauern seincs Gefängnisses in Verkehr bleiben. Ein solches System wärde auch den ärgsten Verbrecher gebessert in die Gesellschaft zurüsenden, und der bloß träge und unwissende Sträfling würde Belehrung erhalten und sih an Arbeit gewöhnen; dies Ziel fônnte aber freilich nur durch die strengste unersch®?tterlichste Disziplin erreicht werden, und die Parteimänner würden schwer- lich verfehlen, sich einer solchen Maßregel als Mittel zu bedie- nen, um die Menge aufzureizeri, indem man ihr Mitgefühl zu Guniten der Unglücklichen erregen würde.

Der Vorschlag des Französischen Deputirten, Herrn Passy,

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in Bezug auf die Emancipation der Sklaven, veranlaßt den Courier zu folgenden Bemerkungen: „Das edle Beispiel, welches England der civilisirten Welt ge eben hat, wird bald von allen Nationen befolgt werden, die bisher noch die Stkla- verei in ihren Kolonieen beibehalten haben. Der heilsame Ein- flus des von England gegebenen Beispiels wird aber vorzüg- lich erst dann bemerkt werden, wenn die Tehrlingßzei! abgelau- fen seyn und der Neger ohne Einschränkung alle Rechte Briti- scher Unterthanen genießen wird. Wenn der Neger von Ja- maika sich in derselben Stellung und mit denselben Rechten auf dem Markte zeigt, wie sein Herr, so wird der Neger von Cuba sih nicht mehr mit der Peitsce zur Arbeit treiben und der Sklave auf Guadeloupe sich ni<t mehr in Ketten schmie- den lassen, sobald er erfährt, daß in geringer Entfer- nung von ihm die Sklaverei nicht mehr existirt. Es wäre schr weise von den Franzöfischen Kolonisten, wenn se sich zum Ziel legten und ihren Sklaven die Freiheit gäben , ehe dieselben sie sich mit Gewalt nehmen. Man wird sich vielleicht genöthigt sehen, einen dem Englischen System ähnlichen Entschluß zu fassen; aber der Mittelzustand der ge- milderten Sklaverei, dem wir unsere Sklaven unterworfen ha- ben, und den sie erst durchmachen müssen, ehe sie ihre völlige Freiheit erlangen, is der Hauptfehler des Englischen Systems, und die Franzosen würden sehr wohl thun, wenn sie denselben vermeiden. Wir sehen durchaus nicht ein, daß man bei einer unmittelbaren und unbeschränkten Emancipation irgend etwas zu fürchten habe. Der Hunger wird den freien Neger eben so wohl zur Arbeit zwingen, als er den freien Landmann in Eu- ropa dazu zwingt. Der freie Neger wird sich zwar anfangs nur {wer dazu entschließen, eben so fleißig zu arbeiten, wie zur Zeit sciner Sklaverei, nah und nach aber wird sich der Ae daran in ihm entwi>eln und seine Apathie be- legen.“

Der bisherige Gouverneur von Ceylon, Sir R. W. Hor- ton, erhielt, als er im Begriff siand, nach Europa zurücfzufkeh- ren, von den Bewohnern jeden Ranges und Standes Beweise der Dankbarkeit und Bewunderung. Folgendes in der Pali- Sprache abgefaßte Dokument wvrde ihm von einem Priéester úberreicht: „An Se. Excellenz Sir R. W. Horton. Ergebenste Danksagung von Vanante-nakedana Unnansay, dem Buddhisti- hen Priester in Galkisse. Gott segne und beshüße den weisen und hôchsten Gouverneur dieser Jnsel, dessen Name Sir Ro- bert Wilmot Horton ijt und der von der Königl. Familie ab- stammt. Gleich dem himmlischen Monde is er aus dem Felsen von England emporgetaucht, an dem Himmel von Srilan-Kawe, der Jnsel Ceylon, aufgegangen und erfreut die Städte der Un- terthanen mit seinem Schein. Gleich dem mächtigen Königli- hen Lôwen dringt er in die Höhlen von Ceylon, die reich sind an edlen Steinen, indem er seine Unterthanen er- muthigt und stärkt, und die großzahnigen Elephaaten seiner Feinde tödtet und vernichtet. Gleich einer A Blume auf dem großen Felde Ceylons ist „er mit dem Blüthenstaube der lieblichsten Anmuth bede>t und dusftet von dem Geruche milder Thaten. Gleich dem Calpa - Worksa, oder dem Baume, der alle Reichthümer verleiht, die man sich wünscht, breitet er die Zweige angenehmer Worte aus; er er- freut die Herzen des Volkes, und mit den lieblich duftenden Blumen gerechter Handlungen bede>t, drücken ihn die Frächte der lieblichsien Worte und die Thaten des Wohlwollens zu Boden. Er is gleich einem Ocean der Weisheit, er hat einen s{dnen und wohlgebauten Körper und ist von guten Menschen umgeben. Er unterscheidet deutlich, was gerecht und ungerecht ist und besikt eine ausgebreitete Kenntniß verschiedener Wissen- schaften; er geht mit gelehrten Leuten um, und wie sein Auge beschükt er seine Unterthanen jedes Standes, die auf dieser Insel leben. Er besikt ein gesundes Urtheil, um die Menge der hier herrshenden Ungerechtigkeiten gleich einer giftigen Schlange zu zerstören. Er ist gleich einem Abkömmlinge der Königlichen Familie Litschewa, der ganze Schaaren von Him- melsförpecn an Schdnheit übertrisse. Jn seinem Gange und seinen Bewegungen gleicht er einèm der großen Könige der Elephanten , die denen, welche sie erbli>en, Achtung und Ehr- furcht einfldßen. Er is ein tapferer. Anführer , stark an Geist und Körper; er ist ausgezeichnet dur<h Sanftmuth, Liebe und andere gute Eigenschaften, und da er in jeder Art von Wohl- stand lebt, so erfreut er sich einer himmlischen Glückseligkeit.“

London, Liverpool und Bristol wetteifern jeßt mit einander wegen der Eröffnung von Dampsschifffahrts-Linien nah Nord- Amerika. Die Gesellschaft in Bristol hat sich zuerst gerührt und den „Great Western‘ gebaut (s. den Art. New-York im gesir. Bl. der St. Ztg.), ein Dampfschiff, welches auf 290 PBas- sagiere und 220 Tonnen Waaren berechnet ist. Dr. Lardner hatte die Möglichkeit der Dampfschifffahrt nach Amerika bezweifelt, aber seit sechs Jahren hat man solche Fortschritte im Bau der Maschinen und der Schiffe gemacht, daß der Kohlen-Verbrauch von 10 Pf. far die Stunde uno für die Krafc eines Pferdes auf sechs Pfund herabgebracht wurde, so daß, wo sonst 1000 Tonnen Kohlen nöthig gewesen wären, jeßt 600 hinreichen. Es is wahr- scheinlich, daß der „Great Western‘/ nur 450 Tonnen und viel- leicht weniger bis New-York verbraucht, wo er in 13 bis 16 Tagen anfommen soll. Die Rüffahrt is auf 11 bis 13 Tage berechnet, und da die westlichen Winde dabei eine große Masse Kohlen er- sparen werden, so hofft man, daß das Schiff in New-York wenig- stens 400 Tonnen Waaren laden werde. Es sollen keine andere als Llanelly-Kohlen geladeu werden, da sie zwei Neuntel mehr Hike geben als Newcastler Kohlen. Die Londoner Gesellschaft baut ein Dampfschiff ,„Victoria‘/ von 1800 Tonnen und 450 Pferde- fcaft, und die Gesellschaft in Liverpool hat zwei Dampfschiffe von ähnlicher Stärke auf der Werfte. Die Möglichkeit der Dampf- chifffahrt nach Amerika wird von Niemand meÿr ernstlich bezwei- felt; die Frage, ob sie sich bezahlt in Vergleichung mit Segel- \chiffen, is die einzige, die übrig bleibt, und diese wird im Laufe des Jahres entschieden werden. Gelingt der Plan, so braucht jede der drei Gesellschaften wenigstens vier Schiffe, aber sie beeilen sich nicht, sie zu bauen, da fast kein Monat vorúbergeht, ohne daß die Erfahrung neue Verbesserungen an die Hand giebt. Die ersten secfahrenden Dampfböte für weite Entfernungen waren die der Post von Falmouth nah dem Mittelländischen Meere, aber ob- gleich sie erst vor wenigen Jahren gebaut wurden, sind sie hon veraltet und verachtet. Die Dimensionen der Dampfschifse wer- den täglich vergrößert, da man findet, daß sie dem Winde bes- ser widerstehen, je größer sie sind; vor zwei Monaten wurde in Liverpool das Dampsschiff „Liverpool// vom Stapel gelassen; es war damals das größte seiner Art, hält 1500 Tonnen und ist 240 Fuß lang, aber in wenigen Monaten wird es weit hinter mehreren anderen zurückstehen, die gegenwärtig gebaut werden. Es bildet sich auch eine Gesellschast für eine Dampfschifffahrt na<h Jndien um das Cap herum; die Schiffe sollen in Sierra Leone neue Kohlen einnehmen; am Cap wird das Schiff ge- wechselt, und das neue wird in Mauritius unterweges Kohlen

laden; man glaubt, daß auf diese Art die Reise i1 54 Tage gemacht werden könne.

Niederlande.

Die Leipz. Allg. Ztg. schreibt aus Weltevreden (V tavia) vom 7. Oktober: „Cin von uns seit einigen Jahren en behrtes Vergnügen, nämlich ein Deutsches Theater, wird hj nächstens wieder errichtet werden, denn es wird bereits am B sar lama (alter Markt) ein Privat-Gebäude zu diesem Zwei vorbereitet. Ein solches Theater besiand schon in den Jahr 1830— 33 hier, und da sich bei der kleinen Truppe, welche j demselben spielte, einige schr gute Komiker befanden, so wurd die von derselben aufgeführten Stücke mit großem Beifall q acnommen und sogar den Leistungen des hiesigen Holländisch Theaters vorgezogen. Daher hat sich denn auch der Direkt dieses Deutschen Theaters (ein Rheinländer von Geburt) j bedeutendes Vermögen und ein anderes einträgliches Staat Amt damit verdient. Daß dieses Theater nicht w längerer Dauer war, hatte seinen Grund in dem y Sumatra’s Westküste ausgebroczenen Krieg, indem die n sten beim Deuischen Theater angestellten Personen, ihren Mi tairpflichten zufolge, nach zenen Gestaden abgehen mußten. nun aber dieser siebenzährige Krieg seit einigen Monaten be digt ist und die früher hier garnisonirenden Truppen ne) j Laufe dieses Monats in ihre fräheren Scandquartiere zur fehren werden , so kann man auch gewiß noch vor Ende di Jahres auf die Eröffnung eiuer Deutschen Búhne rechnen. it dies um so mehr zu wünschen, da das hiesige Holländis Schauspiel keinesweges den Erwartungen entspricht, welche C ropâäer vom Theater einer so großen und reichen Stadt hab wie Batavia ist. Unter diesem Namen begreift man aber | Niederländischen Judien nur den dem Hafen am nächsten gi genen Theil dieser Stadt, in welchem gar keine Europäer twe nen und wo sie sh nur ihrer Magazine und Büreaus hall} einige Stunden des Tages aufhalten, während der von t Europäern bewohnte Stadttheil Weltevreden genannt wird. C großer Theil der hiesigen Europäer find Deutsche, Und | bekleiden zum großen Theile hohe Staats - Aemter , selbst der General - Gouverneur und ein großer Theil d Kaufleute gehören der Deutschen Nation an. Aber un ihnen findet sich sehr wenig Sinn für vaterländische Vergn| gungen. Und nicht dies allein, sondern man muß äberhay unseren Deutschen Landsleuten den Vorwurf machen, daß| in anderen Weltthcilen schr oft ihren Patriotismus verlie Am meisten machen Schwaben und Schweizer hiervon «ti Ausnahme. Die übrigen hicr anwesenden Deutschen, n Norddeutsche, haben sich so sehr holländisirt, daß sogar in zahlreichen Gesellschastea, obgleich sie cft nur aus gebor Deutschen bestehen, häufig kein Wort in der Deutschen M tersprache gewechselt wird; ja, es werden selóf diejenigen, mei aus dem südlichen Deutschland, welche nur gebrochen Holláu disch sprechen, von ihren Deutschen Landsleuten deshalb uy lacht, und dies geschieht nicht nur von der mittlern Klasse, \0 dern au< Generale, Mitglieder des hohen Rathes und R denten (Kreis - Direktoren) sind von dieser National - Verl nung nicht ausgenommen, sondern scheinen sich ihrer Mutterspra zu schämen. Wie sehr werden unsere Deutschen Landsleute hie von den hier anwcsenden Engländern und Franzosen beschä welche, wo es nur immer möglich ist , ¿hre Landessprache d brauchen! Nicht viel besser steht es mit der Deutschen Spra als Kirchensprache. Früher gab es hier eine Lutherische Kir in welcher doc wenigstens alle Monate einmal Deutsch gep| digt wurde; aber dies: Kirche brannte ab, und der Geistlich ein geborner Hamburger, reiste mit Urlaub nach seinem Vate sand». Der damalige interimistische Gouverneur verordnete, da anstatt der Lutherischen eine evangelische Kirche erbaut und s mit eine Union beider Kirchen (denn die reformirte Gemeindl hielt bis jeßt ihren Gottesdienst in dem hiesigen Schulhaus indem bis zur reformirten Kirche in Batavia, wo meist M# laiisch gepredigt wird, cine gute Stunde Weges ist), wie verschiedenen anderen Ländern, bewirkt werden sollte. Obgli nun aber diese neue Kirche am Königsplalze (Koningsplai längst hon eingeweiht is, so hat man doch in derselben n keinen Deutschen Gottesdienst gehalten.““

Deutschland.

Hannover, 2. März. Gestern, am Vorabend des burtsfestes Jhrer Majestät der Königin, wurde Höôchstderselli von dem Offizier-Corps der hiesigen Garnison, dem sich die | großer Anzahl aus anderen Standquartieren hierher gefomt nen Offiziere angeschlossen hatten, bei dem Scheine mehr hundert Fackeln eine Serenade gebracht, wozu die Musik. Con aller hier garnisonirenden Truppen - Abtheilungen verein waren. Heute fruh erscholl von allen Kirchthürmen der Sti! das Gold save the king. Mittags wurden die Kanonen q und mit allen Glocken geläutet. Eine Deputation beider K mern der Allgemeinen Stände - Versammlung hatte die Ch Jhrer Majestät die Glückwünsche der Stände darzubringß Heute Abend wird im Königlichen Schlosse große Cour u Dall mit Souper stattfinden. Eine große Anzahl hiesi! Einwohner feiert den Tag mit einem Festmahle im BallhoP saale.

Leipzig, 2. März. (Leipz. Ztg.) Diesen Mot) wurde die sterbliche Hülle unseres Pdliß der Erde Úbergeb! Einfach, wie er selbs es gewollt, war das Begräbniß, aber V freiwillige Theilnahme von Seiten des Magistrats, der V ger, der Universität und der akademischen Jugend gab Feier eine hdhere, vaterländische Bedeutung. Dreifach (1 sich in diesem Vereine Leipzigs gemeinsame Anerkennun leßten Willens des Verstorbenen aus. Sie war das dffentil Zeugniß für ein gemeinnükßiges, diesseits des Grabes noch 9 thätig fortwirfkendes Leben. Der Ordner der rührenden Fel lichkeit, ein vieljähriger, vertrauter Freund des Vere1vig! Stadtrath Dr. Seeburg, bezeugte dies an der Grust mit tiger Rede aus tief bewegter Brujk. Er richtcte an die L direnden des verdienten Lehrers lektes Weihewort einer D tung, die als die edle Frucht vieljähriger Anstrengung das Den mal seiner Gesinnung bleibt. Darauf legte er den innbildlid Kranz des Verdienstes auf den Sarg; der erste Geistlicht b Stadt, Professor Dr. Großmann, rief den Segen des herab, und unter dem frommen Gesange der Studirenden {h ih die Gruft auf unserem Friedhofe, welcher die Asche so V ler Unvergeßlichen umschließt.

München, 26. Febr. (Hannov. Ztg.) Der Bericht ib den Bestand und das Wirken des Kunstvereins für das n flossene Jahr enthält wieder manche interessante Angaben. J Laufe des Jahres traten Jhre Majestät die regierende Köniß

von Bayern, JJ. KK. HH. Oskar, Kronprinz von Schw und Norwegen, Prinz Johann von Sachsen, die Prinze

Älcenbu!

Charlotte von Wärttemberg, geborene Herzogin von

die Prinzessin Amalie von Sachsen, geborene Prinzessin von Bayern, die Kronprinze)jin von Schweden und Norwegen, ge- borene Herzogliche Prinzessin von Leuchtenberg, und der Erb- prinz Karl von Hohenzoilern ; Sigmaringen dem Vereine bei. Die früher angekuupfren feeundschafclichen Verhältnisse mit den auswärtigen Vereinen wurden fortgeseht und bei den von diejen Vereinen veranstalteten Kunst - Aussteliun- gen fanden die Münchener Künstler sowohl die chrenvollste An- erkennung, als auch nicht unbedeutenden Absaz. Das Jahr 1837 begaän mit i7i% Mitgliedern, von welchen im Laufe des ahres 9 starben und 110 austraten; der Effefktivstand des Rereins am |. Xanuar 1838 is: 1797 ordentliche und 171 außerordencliche Mitglieder. Die Summe der wirklichen Ein- nahmen war 23,928 Fl. Unter den Ausgaben is die Summe von 15,887 Ff. auf BVerloosungsgegenstände und 2506 Fl. auf Rereinsgeschenke verwendet worden. Die biographische Skizze ‘des liebenswärdigen , leider zu srúßh verblichenen Dominik Auaglio it sehr mager ‘ausgefallen, und seine Freunde, noch mehr aber die Ai s vàrtigen , hätten gewiß etwas Ausführliche- res erwarten dürfen. Sehr danfenswerth aber ist, daß das Bildniß des Künstlers, nah Bandels Büste von Rahn ge- stochen, beigegeben wurde. _ München, 27. Febr. Se. Majestät der König hat den Buchdrucker Volkhart aus Augsburg, der vor mehreren Jahren wegen Verbreitung einer, eine Majzeitätsbeleidigung enthalten- den Schrife zum Straf - Arbeitehaus auf längere Zeit ver- urtheilt, und weichem früher schon se<hs Jahre seiner Strafzeit erlassen worden, gänziich begnadigt. Cr joll schon heute mit seiner Frau, die den der Freiheit Zurückgegebenen aus dem Stiraforte abholte, nah sciner Vaterstadt zurücêgekehrt seyn. Frankfurt a. M., 2. März. Man erwartet nun den Bundes-Prásidial Gesandten Herrn Grafen von Münch-Bel- linghausen in der nisten Woche von Wien zurü>. Die Siz- zungen der Bundes - Versammlung, deren Wiederanfang durch anßaltendes Unwodhiseyn des Königl. Preußischen Bundestags- Gesandten, Herrn Senecrais von Schöler, verzögert worden, dürf- ten alsdann ungesäumt wieder beginnen. In Bezug auf die bevorstehende Oster - Messe is bereits

Ï cine amtliche Bekanntmachung erschienen; die Messe beginnt am

9, April und die Vorbercitungen dazu werden bald lebhafter getroffen werden. Fär den Großhandel verspricht man sich viel, dagegen wird auch diesmal der Detailhandel bei ziveifelhafter Witterung und nah einem so strengen und langen Winter, der allen Stinden außerordentliche Opfer abforderte, keinen günsti- gen Resultaten entgegensehen dürfen. Die Bauten an dem hiesigen Haupt- Zoll- Amt sind nun ganz vollendet; ihre Zwe>k- máßigfkeit wird von Niemand verkannt.

Unsere Küffner haben noch nicht ihren Zug mit dem auf dem Main angefertigten Fasse durch die Stadt gehalten; der Eigaufgang hte sie übrigens bald in ihrer Arbeit auf dem Main überrascht. Der Main isst nun ganz vom Eise befreit und die Schifffahrt würde ungesäumt wieder erdssnet werden fömen, wenn nicht überall an dem Main-Ufer wahre Eisberge aufgethúrmt lägen und die Leinpfade bedecften.

Die „Leipziger Allgemeine Zeitung‘ spricht davon, daß un- ser Señat, wegen der Differenz über die Wahl des Pr. v. Lers- ner zum Kanzlei-Rath, möglichenfalls an die Bundes-Versamm- lung gehen werde. Dieser Fall könnte aber nur dann eintre- ten, wenn die geselzgebende Versammlung gleichfalls die Wahl des Pr. von Lersner für ungültig, also ungeseßlih erklärt. Die ständige Bürger - Repräsentation will aber diesmal mit einer Strenge auf die Erfúilung gesezliher Bestimmungen, in Bezug auf die Wahl des Pr. von Lersner, bestehen, welches in ande- ren Fällen schon df.er nachgesehen worden seyn mag. Im Se- nate mag man auch denn diesmal wohl zu sehr auf eine Ver- ständigung mit dem ständigen Bürger-Aueschuß in der Lersner- {chen Angeleaenheit gerechnet haben. Die ganze Sache wäre fär eine vielfacze Tfentliche Besprechung gar nicht geeignet, wenn ni<c dadurch die gegenseitige Stellung unserer Staates- Behörden fich auf cine Weise kund aäbe, welche in der je6igen Zeir, wo das gegenseitige Vertrauen nur erstarken und genährt

| werden sollte, sich auffalend charakterisirt. Unmöglich kann eine

so offenkundige Differenz, wie sie sich jezt zwischen dem Senat und der ständigen Bürger-Repräsentation ergeben, und zwar in ciner Frage, wo angenommen werden muß, daß von der einen oder der anderen Seite gesetzliche Vorschriften verkannt worden, dem aligemeinen Vertrauen Vorschub leisten. Es wäre deshalb sehr zu wünschen, daß eine Verständigung in dem vorliegenden Falle also ald crziele werden kduncte.

Oesterrei d<. 28 A N : __ Triest, 13, Febr. Ein hiesiges großes Handelshaus hat Briefe aus Alexandrien vom 8. Januar empfangen, in welchen eine Schisfs\scndung annonzirt ist, welche, sobald das Meer et- was sicherer wird, aus Aegypten hierher eifolgt. Der Vice- König, der den Fürsten Pútler-Muskau mit Artigkeiten, Ehren und Geschenken überhäuft, hat ihm zum Abschiede noch drei {dne junge Arabische Pferde verehrt, die e: durch Araber ihm feanco hierher nah Tricst sendet. Mit ihnen kommen zuoleich die Aegyptischen Sammlungen des Fürsten, sein behendes Reise- Dromedar aus der Wüste, drei schdnäugige Gazellen, UAffen, sein Dongalesischer Hengst von edelster Race, noch zwei andere Arabische Pferde, sodann Alterthümer, Papyrusrollen aus Mu- miensargen, Pfignzen, Blumen-Sämereien u. st. w.

Jtalten.

__ Nom, 17. Febr. (Allg. Ztg.) Wie bereits gemeldet, hielt der Papst vorgestern cin êffentliches Konsistorium, worin die neuen Kardinäle zum erstenmal in dieser hohen Versamm- lung erschienen und den Kardinalshut erhielten. Gleich darauf wurde ein geheimes Konsistorium gehalten, und nach hergebrach- 4 Weise \{loÿ der Papst den eingeführten Eminenzen den Mund, und bevor die sämmtlichen Kardinäle entlassen wurden, iffncte er ihnen den Mund, durch welche Ceremonie die neuen Kardinàle Siß und Stimme in dem heiligen Kollegium erlan- gen. Se. Heiligkeit geruhten ferner, ihnen folgende Titel bei- zulegen : Kardinal Mai von S. Anastasia, Kardinal Orioli von S. Maria sopra Minerva, Kardinal Mezzofanti von S. Ono- fcio, Kardinal Falconieri:-Mellini von S. Marcello, Kardinal DOi von S. Angelo in Pescheria und Kardinal Ugolini von D oraie in U, Auch händigte der Papst jedem den

dinalsring ein. Außerdem sind sie no< durch Mittheilun-

y des Kardinals Staats - Secretairs mit mehreren Aemtern ei verschiedenen Congregationen beehrt worden.

L rate P ist heute, durch die schönste Früählingsluft Wte d? eröffnet worden. Man verspricht sich, wenn das ieb Gee A einen überaus frohen Fasching. An Beschäfte a “gs der Dauer wohl wenig gedacht werden können, lid eh nur woenize Tage find und jeder sich so gut als mòdg-

) belustigen will, Sehr viele Fremde siad auch dieses Jahr

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durch dieses weltberühmte Volksfest herbeigezogen. Die Regie- rung hat zur Aufrechthaltung der Ordnung einige Truppen aus der Umgegead herkommen lassen, und zur iherheit der Taschen des Publikums wurden, wie alljährlich, viele Mitglieder der

Spanien.

Madrid, 17. Febr. (Allg. Ztg.) Jm Senat ereignete sich gestern ein überraschender Vorfall. Es wurde nämlich fol- gende Eingabe verlesen und an die Vollmachten-Kommission ver- wiesen: „An den Senat. Als geborner Senator in Folge des Art. 20 der am 18. Juni 1837 promulgirten Constituion der Monarchie, füge ih das Aktenstück bei, mit welchem ih dar- thue, daß in mir die von dem Gesetz erheischten Bedingungen vorhanden sind; sobald man einen Beschluß gefaßt haben wird, verkündige man mir den Tag, an welchem i<h mich einstellen soll, um den Eid zu leisten. Der Jnfant von Spanien, Francisco de Paula Antonio.‘ Der Art. 20 der Con- stitution bestimmt zwar, daß die Sdhne des Königs und des nächsten Thronfolgers, wenn sie 25 Jahre alt sind, Senato- ren seyn sollen, allein kann dieser Artikel eine rü>kwirkende Kraft auf einen Sohn Karl’'s 1. äußern? Das Eco del Co- mercçio erklärt sich heute abermals auf das wüthendste gegen jede Transation mit den Karlisten. „Zu glauben, daß eine solche möglich sey, ist Wahnsinn; dieses Mittel vorzuschlagen, ohne es fúr ausführbar zu halten, is die größte Niederträch- tigkeit.‘ So spricht jenes Blatt. Die España selbst räumt heute ein, daß eine Heirath der Königin Jsabelle mit einem Sohne des Don Carlos unmöglich sey. Der Krieg sey eigent- lich fein Erbfolge- , sondern ein Prinzipien - Krieg, und. man müsse die dynastische Frage von dem Streite der Baskischen Provinzen um ihre Fueros trennen; leßterer lafse sich durch eine Ausgleichung beilegen.

Madrid, 18. Febr. Es zirkulirt hier jeßt eine lange Pro- clamation, die Cabrera, als Präsident der Junta von Valencia, an die Soldaten sciner Armee erlassen haben soll, und worin er auf die Spaltungen aufmerksam macht, die unter den Libe- ralen in Madrid ausgebrochen seyen, und zugleich erklärt, daß zwischen Don Carlos und seinen Gegnern nie ein Vergleich ab- geschlossen werden könne. Die Authentizität dieses Aktenstückes wird indeß sehr bezweifelt.

Dem Constitutionnel wird von seinem Madrider Korrespondenten unterm 18. Februar geschrieben: „Der Gene- ral Oraa hat, da er sieht, daß die Regierung sich nicht um ihn bekúmmert, seine Entlassung eingereiht. Der Junfant Don Francisco de Paula hatte den Wunsch ausgesprochen, sich mit seiner Gemahlin und seinen Kindern nah Jtalien zu begeben, allein die Königin verweigerte ihm die Pässe, weil sie fürchtet, er strebe nach der Regentschaft, wean nicht gar nah dem Throne. Diese Weigerung hatte den Jnfanten so aufgebracht, daß er der Königin erwiederte, es zu verseßen, in der er Jhrer Majestär befehlen könne.

Einem in der Quotidienne mitgetheilten Schreiben aus Madrid vom 18. Februar zufolge, sind etwa 500 Offiziere und Unteroffiziere der Garde, die Madrid verlassen hatten, um sich zur Reserve- Armee nach Andalusien zu begeben, bei Des- peñaperros von den Guerillas unter Cornicero angegriffen und völlig geschlagen worden. 150 derselben sollen todt auf dem Plate geblieben seyn. 2

Portugal.

Dem Standard wird aus Vigo vom 17. Februar ge- schrieben: „Ich habe nur eben no<h \o viel Zeit, Jhnen zu sagen, daß viele Chartisten, die unter Saldanha gekämpft ha- ben, sih hier versammeln. Unter ihnen befindet sich der Ba- ron von Leiria, der mit dem Baron das Antas die Capitula- oh i D und sich ihm ergab; er liegt indeß gefährlih krank

anieder.

Griechenland.

Athen, 13. Febr. (Leipz. A. Z.) Vor einigen Tagen ist der Herzog Max in Bayern auf dem Oesterreichischen Dampf- chiffe im Piräus eingetroffen. Er besuchte unsere Haupt- stadr und sezte am Abend desselben Tages seine Reise nach Smyrna fort.

Die Nachrichten von der Türkischen Gränze sind nicht an- genehm, und namentlich haben sih in der Türkischen ‘Provinz Agrapha nicht unbeträchtliche Räuberbanden zusammengezogen, so daß man in groper Besorgniß ist, dieselben möchten im Früh- jahr einen Einfall in das Griechische Gebiet versuchen. Man sezt hinzu, daß dieselben von den Türkischen Militair Behdr- den durchaus nicht beunruhigt wärde-n.

Wissenschaf:, Kunst und Literatur.

Vom Main, im Februar 1838. Die im vorigen Jahre n Eng- land mit glüctihem Erfolge wicderheiten Versuche, den Torf durch h:ftigstes Ausprc ffen alcichzeitig aufs änßerstc zu verdichten und aufs vollständigste zu eutfeuciten, und ihn so, mit verhältnißmäßig gerin- gen Kosten, in einen leicht und woh!feil transportirbareu Bertreter nicht nur des Holzes, sondern sclbs der Steinkohlen zu verœandeln, bestätigen überzeugend die Ausdführbarfcit jener Vorschiäge, welche bercits vor ncun Jahren von einem Deutschen, von Kastner zu Er- langen, ausgegangen, jezt -— da mit jedem Tage die Holznoth wächst und da in mebreren S den Deutscy'ands der Ackerbau leidet oder doch nicht gebörig betrieben wird, weil der arme Landmann den nd- tbigen Dünger nicht zu beschaffen vermag es in der That verdie- nen, vou Regierungen wie von Regierten ernstlich erwegen zu wer- den. Es gehen nämlich jene Vorschiäge, wie sie, zum Theil auf Beobachtungen, zum Theil auf Versuche gegründet, im Jahre 1829 von Kastner, im XV1 Bande siincs an uenen Erfahrungen und Original - Abbandlungen aus dem Gebiete der Physik und Chemie fo reichen Archives für die gesammte Naturlehre, S. 131 ff. und 255 f. dasclbst, und daun erweitert in sciner flcinen 1836 zu Nürubcrg béi X. A. Stein erschienenen Schrift: Zur Poliytechnologie uusercr Ziit (S. 51 f, u. S. 63 ff,) initgetheilit wurdea, darauf biuaus, den frisch gestochenen oder gesczepften Torf, mittelst der Bramahschen Waserdruck: Presse zugleich aufs inuigste zu verdichten und aufs voll: stándigste zu cntwässera, so daß er aus der Presse voufommen trof- fea und zu cincm verhältnißmäßig äußerst geringen Umfauge zusan- mengetricben bervorgcht und nun entweder wie er ist, oder, zwe>- mäßiger noch: nachdem ex im Röèsk Ofen oder Röjt.Cy'inder volstän-

brennecnd, als Vreunmateciial, sowobl für Stubenöfen, Küchenhcerde

Schmicedefenerungen und Hüttenbetrieds -Schmelzungen aller Act in Gebrauch genommen werden fann. „Jch weiß wobl“, rieb“ K. bierüber vor cinigen Jahren cincm Freunde, „daß der Torf durch das Ruspressen an Becnnstosf etwas cindüßt; denn die ausgeprcßte wäff- rige Humussäuce (Dungsäurc) i nicht nur schr verbreunlich, sondern

entwickelt auch, verbreunend, beträchtliche Hitze, aber dieser Brennifoff- Verlust, den dcr Torf durchs AuepreFcn ericidet, det sich vollkom-

langfingerigen Zunft eingezogen. |

änge nur von ihm ab, sich in eine Lage

dig verfehlt worden (wobei man Leuchtgas in beträchtlicher Menge aeroinni) und in diesem Faíle durchaus obue widrigen Geruch ver-

und Kechbfen, als auch für die Kessel der Dampfmaschinen, für

men, durch die bei Unfundigen Staunen crregende, ungebcuxe Ver- dihtung der übrigen Torf-Subsianz; und daun, so war wir ursprüug- lich gerade der Geminn an Humusesäure Hauptsahe bci meinen Versuchcu, wie bei dencn darauf gestüßten Vorschlägen, weil es nicht nur auf Aecern, Wiesen und Feldern, sondern auch in Gärten, Baumschulen und Wäl- dern, von Jahr zu Jahr mchr und mehr an Dünger gebriht. Die dürren Jahre, die wir bis zum Jahre 1837 durchlebt, zwangen den Landmaun, wegen mangelnden Futters, Zucht-Kälber, Zugochjen und selbst jene Kühe zu schlachten oder dem Meytger zu verkaufen, welche ibm die Kälber geworfen; da wurde dann nicht nur baid darauf das Fleis< schr theuer, sondern, was sc{limmer war, wie diese Theuerung, Noth um Dünger riß cin. stimmte, darauf zu sinnea, wie ihr sicher, wohlscil und nachbaltig zu steuern \cv, und sie ließ mi in der Pre}sung des Torfes das Mittel

Diese Noth, sie war cs, die mi be-

fiaden, nicht nur dieser Noth, sondern auch jener um Breunholz, das

s<on vor 11 Jahren ansing, ungewöbnlich im Preise zu steigèn, bülfs-

fräftig zu begegnen. Da es an Dünger fchlte, wurden die Wäidecr

ibres natürli<en Düngers mehr und mchr beraudt, und das Streu-

rehen nahm überhand. Daß man aber mittclst der dem Torfe durch

Pressung entzogenen und zum Verkaufe durch Abdunsten eingeengten

Humus-Säure auch jene bumuesanren Salze, namentlich humussau-

ren Kalk, aller Orten, wo es dungbedürst'ge. Waldungen giebt, leicht

wird darstellen und verwénden tönnen, steht aufer allem Zweifel.

Bísser wäre es jedoch, wcnu man die auégepreßte Humus-Säure so-

glei), und bevor man sie dur Abdunsien cincngt, wit Kali und Kaifk

(3. B. mittelst Asche, Aescherig 2c. vergl. m. zur Polytechynotogie 1-

serer Zeit S. 63) in Humussäure-Salz verwandelte; denn für sich, aiso

frei von Salzgzrundlazen, abgeraucht, c.ieidet ste thcilwocise, nach Ma ß-

gabe der Abdampfungs - Hie mitunter sebr weit gebende Zerschung.

Auf solche Weise gewonnene humussaure Salze würde man, in Fäsz

ser cingestampft, oder in Kisten, oder beim Wasser - Transport obne

alle Umbüllung leiht zu Gegenden verführen fênncn, wo s an

Dünger gebriht. Mein Vaterland, Pommern, ist z B. längs der Dstsceküste überwiegend mit Sand, ursprünglich Dünen-Sand, bedet,

aber auc) reich an Torf, und hat mitbin das befle Mittel, den Sand-

boden in fcuchitragenden Acfer zu vewandein, ganz nahe; denn auch an Ka!f gebricht es jenen Gegenden durchaus nicht. Elciches gilt von Mecttenburg, dc7 Mark Brandenburg und zum Theil auch vou unsereu Geaenden. Unsere hohe Röba, und hauptfächlich unser Do- nau- und Jfar - Mocs, sammt den Torfgründcn am Abhange des Ficztel - Gevirges, sie allein würden vielleicht schon bimecichen, alie Waidungen Deutschlands mit fräftigendem Dünger zu erfrischen, all" scin Heidenland nnd überall, wo der Grund von Todt-Liegendem über- chüttet sich zeigt, in üppige Frucht tragenden Boden zu veredlen, und was wäre in dieser und ähnlicher Beziehung für uuser aemcinfía- mes Vaterland nichk möglich, wenn die mächtigen Torfgründe Osifricólands und Wesiphalens, beider Hessca, Badens und Würitembergs, und jene gewaltigen Desterreichs, vou denen sechs der Böhmischen allein weniastens eben so viel Millionen Klafter Terf darbieteu; vergl. a. a. O. S. 37. Was würde. nicht Preußen, in allen seinen Laudestheilen, was Ruß- land, Schweden, Dänemark, Großbritanien, die Nicderlande, Bei: gien und Feanfreiz an Nähr- und Wärme-Kraft gewinnen tönncn, wenn jeder diescr Staaten scinen Reichthum an Torf Breunkoble und Dungsalz, oder Dungcerde, zu wandeln begönne! Ohne Sorge um Brenustoff fönute man daun, nicht nur die seg. Lofcmotivoe eines Europa überspannenden Eisenbahu- Nezes, nach und nach sich ia Bewegung sczen schen, nein auch alics wlist liegende Laud ver- möchte man dann in fruchttragendes zu verwandeln, und Brod wide cs, unter solchen Uinständen, genug geben, um das Doppelte der Be- wohner-Zahl, die gegenwärtig Europa trägt, zu sättigen. Möchte {ch doch eiu Fürst, dem es recht warm ums Herz ist, wenn er seiner Lan- deáfinder gedenkt und Europa is, Goit scv's gedanîñi! nicht arnur an folizen Fürsten möchte dieser sich eut schließe, im Großen An: stalt treffen zu lassen: zur Pressaung des Toif:s und zur Fertigung von Torf - Dungsalz. Die Barbaren haben Griechenlands sonst bls hende Auen verwüstet und vershmachten gemacht, weil sie feine Duesllen zeugenden Wälder verbrannten, aber cs gebricht Griechenkazd nicht an Torf und damit nichr an dem Vê:ttei: neu eingesácte oder auge: pflanzte Waidungen zum schnellen Wuchse zu bringen. Afazien (Rodinicen) und staudige Mauibeeren (ZMorus multieaulis) würden, durch geeignetes Torf : Dunasalz genährt, in wenigen Jahren Waldungea und Ge- büsche gewähren, schattig genug, um die ezersicgten Quellen wieder u verlebendiaeu, und während erstere nah und nach NiützLoiz und junge Viätier: benugbar zu schmacthaficm Geulise, fo wie saumen- gecianet den Kaffee zu verireten, lieferten und, Quellen zeugend, et: geatlichen Wa'dbäumen den Bodcu vorbereiteten, würden die Biüiter der leßteren in den Stand seßen. die Seidenzucht in ungew®hulich großem Maaße zu begünstigen. Aber nicht unr der Torf, souderun auch die Braunkohle, zumal die bolzartige eder das tituminöse Holz, an der es in keinem der genanuten Länder fcbîit, beut Brenusteff, häufig genug, um, im verkfoblten Zastaude (d. h. na<dem das bitu- minése Holz der tre>cuen Destillaiion unierwoerfen worden) obue Ent- wickelung widrig ric<hender Dämpfe: Ocfen, Küchen - und Dampfj- fessel-Feuerheerde hinreichend zu heizen, und aucz bei dicser Verkob- lung fällt no<z Manches ab, was, sev es als Leucytzas, oder als fluchtige Säure, oder als Brenzö!, sich wit Nugen manniafach vers wenden lß.“

Paris. Ju der Sigüng der Afademie der Wisseuschaf- tcn am 2. Februar erklärte Hcrr Biot, daß er nicht au der Kou- mission Theil nebincn kénune, die beaufiragt sev, über cine von Herrn Lionville eingesandte Kritif einer Abhzandiung des Herru Libri in Be: treff der Theorie der Wärme Veiicht zu erstatter. Herr Türpin las cine Abhandlung über die Beschasfenhcit der Milch, übcx die patho: logischen Veränderungen dieses Fluidüms und die Umwandlung der Kügeichen. Htrr Flourens theile scine ferneren Uutcrsucun- gen über die innere und äußere Mcubran der Tbiere mit. Herr Becgquerel theilte eine Sictle aus cinem Bri:fe des Herrn Schün- brunn mit, wengch derselbe gefunden haben will, daß ein Cifendrath, wenn man ibn vorber roihglühend mache, von der Salpetersäure nichr angegriffen werde. Herr Paven übersandte cine Abbandlung über einige bci dem Erfciereu der Kartoffeln vorkommende Erscheinungen.

Das Lateinische und das Deutsche Verzeichniß der Vorlefungen der biesigen Uniocrsität im Sommer-Semejter 1838, welche am 30. April d. J. werden ougefangen werden, it von beute an bei dcuz Kastellan Schade im Unioersitäts Gebäude, ersteres für 2/2, leüteres für 2 Sgr. zu haben. s

Beriin, den 5. März 1833.

Der Rektor der Univcrsität, Böckh.

Meteorologische Beobachtung.

1838. Morgens | Nachmittags | Abends Nath einmakiger 4 März. H lißhr. 2 Uhr. | 10 Ußr. Vecbachtung.

Queilwärme 6,8? *, Flußwär:ze 0,89 R.

Luftdru>. | 331,29 ‘‘Par. 1331,11-“par. 331,72'‘‘Par. Lufrwörn:e les 0,89 R. |—4- 6,993 |4- 3,99 R.

Thaupunkt ……. |— 02%R. [4+ 3,9 R. |4- 1,1 R. Bodoemvärrne 039 F Dunksäitigung | 88 rCt. | L2 pEt. | 85 -fTt. Ausdünftung 0,117 Rh. Wetter... trü-e heiter. | trübe. Niedzrfwiai 0,021‘ Rh, WUd ¿5605 9 SO-. | SOD. | SSD. Wärmewez:dsei 4+ 7,4? Wolkenzug... GSSD. 1 —- 1,99,

41,6%. 85 E ESO.,

——

Tageamittel: 331,37‘// Par 43,80 RB .

Auswärtige Börsen. Antwerpen, 27. Februar. Zins!. 5S/g. Neue Anl. 183/65 Frankiurt a M., 2. März. Oesterr. 59/; Met. 1065/,. G 2/0 Wi. G. 61/6. 19/, 263/16. 26/19. Bank-%ction 1724. 1723. Partial O, 150!/», G. _Loose zu 500 Fl. 121!/g. 1267/6. Loose zu 100 Fl. 260. G, Preuss. Präm.-Sch. 65: 653/,. do. X, Ant 1023/,. G. Poln. Faxe

Passive —.

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03 / Ql +1) “i , i n "7 / 683/g. 68/9. D Span, Anl, 10/5. 10/2. 21/0, Lol, 559/10. 23/1

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