1838 / 67 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

len abgesonderte Einsperrung angewendet worden sey, auch sey es ungegründet , daß Erwachsene in Folge strenger Behandlung den Verstand- verloren hätten. Lord Lyndhur|t, welcher nun das Wort nahm, sagte, er würde diese Angelegenheit niemals zur Sprache gebracht haben, wenn er nicht vorher seine Anga- ben fâr richtig pas hätte. Er sey zuerst durch die Mitthei- lungen mehrerer Friedensrichter in den Zeitungen darauf auf- merksam geworden, und einer derselben, ein sehr achtbarer Mann, habe versichert, die drel Kinder \elbst gesehen zu haben, von denen eines noch nicht 7!/2 Jahre alt gewesen. Nach Engli- schen Gesezen fönne ein Kind unter sieben Jahren nicht eines Kapital-Verbrechens schuldig erkannt werden, und es sey daher hôchst unpassend, ein Kind, das eben das siebente Jahr zurück- gelegt habe, wie erwachsene Personen, mit abgefonderter Ein- sperrung zu bestrafen. Ein auf diese Weise eiugesperrtes Kind habe fast die Sprache verloren, wie er aus einem Briefe eines Friedensrichters, an den er deshalb geschrieben, beweisen fônne, und er frage nun, ob die von ihm gemachten Angaten etwa ungegründet seyen, und ob er deshalb die Acußerungen des ed- len Viscount gegen ihn wohl verdient habe. Der Graf Devon sagte, er sey viele Jahre Mitglied der Gefängniß - Kommission gewesen und wisse daher, daß nichts innerhalb der Mauern der Gefängnisse geschehen könne, was nicht fünf bis se<s Männern von Chre und edlem Charakter bekannt sey, von denen jeder gern bereit gewesen seyn würde, die gewünschte Auskunft zu ge- ben, wenn man sich an sie gewandt hätte. Lord Brougham meinte, diese Diskussion erinnere ihn an den Ausspruch Wynd- ham's: „Man bindenie miteinem Friedenérichter an, sonst hat man sie alle aufdem Halse, und es ist ein Lärm im Hause, als ob das innerste Ran der Constitution angegrifsen worden sey.‘ (Gelächter. ) Dies passe vollkommen auf den vorliegenden Fall, denn WhHig- Lords und Tory-Lords und ein Lord, der zwischen Beiden \hwanke, so wie alle Friedensrichter, sáßen dem edlen und ge- lehrten Lord (Lyndhurst) aufdem Halse, und zwar bloß deshalb, weil er so kühn gewesen sey, zu sagen, daß ein Friedensrichter eine Krea- tur, er wolle sagen ein Wesen sey, das irren fônne. (Gelächter.) Nach einigen weiteren Bemerkungen über dicsen Gegenstand sagte Lord Melbourne, er widerseße sich nicht der Ernennung einer Kommission zur Untersuchung des in Nede stehenden Fal- les. Nachdem die Kommission ernannt worden war, vertagte sich das Haus Unterhaus. Sihung vom 27. Februar. Nach- dem zu Anfang der Sibung einige laufende Geschäfte er- ledigt worden waren, stellte sich Herr O’Connell ein, wie es schien, in der bestgelaunten Stimmung. Er ging zu den Bänken, auf denen die Minister sißen, und unterhielt sich längere Zeit auf das freundlichste mit Lord Mor- peth, Herrn Spring Rice uud Anderen. Als jedoch später das Haus sich mit jeiner Angelegenheit zu beschäftigen begann, ent- fernte er sich wieder. Bevor jedoch diese Sache zur Sprache kam, erhob sich Lord John Russell, um Herrn Gladstone einige Auskunft über das Milbanker Zuchthaus zu ertheilen, und benuste diese Gelegenheit, um sich in nicht fehr gemesse- nen Ausdrücken (so daß der Sprecher ihn daran erinnern mußte, daß may die Vorfálle in dem anderen Hause des Par- laments nicht zu- berücksichtigen pflege) über den Angriff zu beklagen, den sich Lord Lyndhurst am Abend zuvor auf ihn, dea Minister des Innern, dem die Ober - Aufsicht über jenes Zuchthaus übertragen is, erlaubt habe. Er erklärte es für hd<sst unbillig und gegen alle Gefühle des Anstandes ver- stoßend, wenn man über Jemand in dessen Abwesenheit, ohne alle vorhergehende Anzeige an dessen anwesende Freunde, mit \chmählichen Verleumdungen herfalle. Hierauf wurde die De- batte über die dritte Resolution wegen O’Connell’s Benehmen, wonach er deshalb einen Verweis vom Sprecher erhalten jollte, wieder aufgenommen. Als Amendement zu derselben beantragte Herr Pendarvis, daß das Haus die Sache nicht weiter ver- folge, da es allgemein als befannt angenommen und in den Zeitungen wiederholt ausgesprochen werde, daß sich die Ent- scheidungen der Wahl-Ausshüsse nah dem Uebergewicht der po- litischen Parteien in denselben richten. Gegen dieses Amende- ment sprachen besonders Herr Creswell, der mit besonderem Hohne der abortiven Motion Lord John Nussell's in Bezug auf die Aeußerung des Erzbischoss von Exeter erwähnte und die über Herrn O'’Connell zu verhängende Strafe für eine keinesweges leichte erklärte, Herr Wynn, Lord Castlereagh und Sir Frederi> Pollock; fár das Amendement Herr Goring und Herr D. W. Harvey. Leßterer, obgleich ein Radikaler, gab zu, daß die Tories vollkommen in ih- rem Rechte seyen, eine Erklärung des Hauses gegen die Angriffe O'’Connell’'s auf ihren Charakter zu verlangen. Da aber diese Erklárung durch die am Tage zuvor angeaom- menen Resolutionen gegeben sey, so scheine das jeßkige Verlan- gen, daß O'’Connell bestraft werde, nicht einmal im Interesse der Tories selbs, weil es jeßt den Anschein gewinne, als sey ihre Absicht. nur QeisneGgung, persdnlicher Rache gewesen. Nach- dem Lord Maidstone die Annahme der dritten Refolution als etwas darzustellen gesucht hatte, das von selbst aus der An- nahme der beiden ersten folgen müsse, wurde das Amendement des Herrn Pendarvis mit 249 gegen 225 Stimmen verwor- fen. Nun beantragte Herr Grattan ein Amendement zu gleichem Zwecke mit dem eben verworfenen und ermahnte bei dieser Gelegenheit das Haus, sich nicht zum Gegenstand des Gelächters sür alle Welt herzugeben, da offenbar die ganze Sache keinen anderen Zweck habe, als die Verbindung der Tories in diesem Hause mit der Spottiswoodeschen Notte zu sichern und zu sanctioniven. Herr Roche, ein anderes der AFrländischen Mitglieder des Hauses, sprach nochmals, obgleich durch den Sprecher sowehl wie durch Lord J. Russell unterbrochen, seine vollkommene Uebereinstimmung mit den Aeußerungen O'’Connell’'s aus, eine Erklärung, die auf Herrn Hu me's Verlangen zu Proto- foll genommen wurde, wobei Leßterer ausdrücklich bemerkte, daß er darauf nur bestche, um dies gegenwärtige Verfahren des Hauses in das ihm gebührende Licht der Lächerlichkeit zu tellen. Schließlich sprachen noch Herr Buller und Lord John Russell, welcher Leßtere dies ganze Verfahren als unbillig und ungerecht darstellte. Dessenungeachtet wurde mit 226 ge- gen 197, also mit einer Majorität von 29 Stimmen, das Amen- dement des Herrn Grattan verworfen und die dritte Resolu- tion des Lord Maidstone, den an Herrn O’Connell zu ertheilenden Verweis béetressend, angenonmen. Nun erhob sih noch Here Gillon, um seine Zustimmung zu den Aeuyerungen O'Tonne's ausdrii>lih fkundzugeben, und als scine Worte auf den Aiirag des Herrn Hume wieder protokollirt worden wa- ren, sclzie der Lektere no<h hinzu: „Und nun hosfe ih, daß mau diese Worte gehdrig beachten wird.“ Kaum hatten die Tories ihren Sieg tber Herrn O'’Connell errungen, als die Mitglieder des Hauses si in großer Menge entfernten; doch blieben moch so viel zurü, daß Lord John Lennox für seinen Autrag, ein schnelieres Avancement unter den Offizieren des

Marine-Corps betreffend, eine Unterstä6ung von 109 Stimmen fand, währen sich füx die. Minister ,. die sich, namentlich der ‘Admiralitäts-Secretair, Herr Wood, und der Kanzler der Schaßkammer, demselben widerseßten, nur 87 erklärten, so daß der Antrag mit einer Maiorität von 13 Stimmen ange- nommen wurde.

Unterhaus. Si6zung vom 28. Februar. Auf den Antrag Lord Maidstone's wurde die Tagesoudnung verlesen, welcher zufolge, dem gestrigen Beschlusse des Hauses gemäß, Herr O'’Connell auf einen Plaß berufen werden sollte, um den Verweis des Sprechers zu empfangen. Herr O'’Connell war auch schon erschienen und erhob sih, vom Sprecher auf- gefordert, worauf dieser folgende Worte an e richtete.

„Herr O'Conunell, Sie haben sich in einer éffentlicheu Versamm- lung zu Ausdrücfen verleiten lassen, in Bezug auf die däs Haus den Beschluß gefaßt hat, daß sie den Vorwurf des Meineides gegen die Mitglieder des Hauses und eine shändliche Beschuldigung gegen die (bre und den Charafter des Hauses enthalten, und daß Herr O’'Con- nell, da er cingestanden hat, < jener Ausdrücke bedient zu haben, ciner Verlegung der Privilegien des Hauses schuldig scy und einen Tadel an dieser Stelle cmpfangen solle. Der Vorwurf des Meincids ist ciner der schwersten. Es fanú Sie dahcr nicht überraschen, daß eine so schwere Beschuldigung der Mitglieder dieses Hauses den Un- wiilen derjenigen exregt hat, gegen die sie gerichtet war, und daß Sie sich dem strengsten Tadel und Mißfallen dieses Hauses ausgesctt haben. Sie haben Jhr Benehmen dadurch zu rechtfertigen gesucht, daß die Ueberzeugung von der fehlerhafteu Verfassung der jetzigen Tribunale zur Untersuchung freitiger Wahlen Sie zu jenen Aus- drücen veranlaßt hätte, und daß Sie dic Absicht gchabt, durch Auf- reizung der öffentlichen Meinung eine Abhülfe jenes Uebels berbeizufüh- ren. Jch habe uicht nöthig, Sie daran zu erinnern, daß zuder Zeit, als Sie sih jener Ausdrücke bedienten, das- Haus fast cinstimmig die Zweck- máßigkcit einer Abhlilfe des Uebels, Über das Sie sich beklagen, an: erkannt hatte, und daß Jbre Energie und Talente nicht besser ver- wendet werden fonnten, als zur Beförderung dieser Maßreg.l. Sie haben in Jörer Entschuldigung auch erwähnt, und es ist allerdiugs wabr, daß Andere sich eben so ftarker Auedrücfe in Bezug auf dieses Haus bedient hätten. Juin Allgemcinen ist dies Haus der Meinung, daß es sciner wahres Würde und der Klugheit gemäß \cy, in dem Bewußtseyu seines Eifers und der Treue, womit es scine Pflichten erfüllt, Schus und Vertheidigung gegen Enistellung uud Verleum- dung zu finden. Der Fall if jedoch ein völlig anderer, wenu ein Mitglied dicses- Hauses die Versammlung zu verspotten und in der effentlichen Meinung dadurch herabzuseßen sucht, daß er cine Anzahl Mitglieder“ derselben des Meineides beschuldigt. Niemand weiß deffer als Sie, daß die Geseye und die Verfassung dieses Landes das Haus wit einer sol<hen Gewalt und Autorität bekleidet haben, daß feine Handlungen einen wichtigen Einfluß auf die Wohlfahrt des Staates haben müssen, und daß fkcine Gewalt wohlthätig wirken fann, wenn diejenigen, welche sie ausüben, nicht die Achtung und das Vert auen des Volkes besien. Es is die erste Pslicht der Mitglieder dieses Hauses, durch jedes geeiguete Mittel zur Aufrechthaliung jeues Charafters beizutragen - der cben so wesentlich für die Juteressen des Hauses selbs, als für die des Landes ist. Wenn ung!ticflicherweise je die Zeit fommen sollte, wo dies Haus scines mos ralischen Einflusses und Charakters, so wie der Achtung des Velfes, beraubt werden sollte, so würden seine Mittel, sich ungerechten For- derungen zu widersezen, so geschwächt werden, daß diesc große, jeut volfksthümiich fonstituirte Versammlung danu zum großen Nachtheile der öffentlichen Juteressen von jedem Strome bin und hergeworfen werden würde. Jch wäre der Stellung, die ich jeyt einnehine, un- würdig, wenn ih uicht das höchste Jauteresse an Allem nähme, was den Charakter dieses Hauses becührt. Es ist daher sehr s{hmerzli für mich, daß ih mich genöthigt sebe, mcine Pflicht auf eine solche Wise ausüben und das Benehuien cines Mitgiicdes tadeln zu müs- sen, weiches diefes Haus dadurch zu verkleinern gesucht hat, daß es das Betragen uud die Ehre cines großen Theiles sciner Mitgiieder beshimpfte. Es bleibt mir nuu noch übrig, daß ich, gehorsam den Befehlen des Hauses, Jbnen, Herr O’Conneil, cinen Verweis gebe, wie ih cs hiermit thue.‘

4 Herr O'’Connell erwiederte hierauf im Wesentlichen olgendes:

„Sir, ich bin bei dieser Gelegenheit durch das von dem Hause angeuommene Verfahren cines wesentlichen Bortdeils in meiner Vers theidigung beraub! worden. Persönlich ist es vou geringer Bedeu- tung, was ich darunter leide, aber für das Haus und für das Laud ist es von großer Wichtigkcit, daß das Haus sich uicht durch sein Ver- fabren in den Augen des Landes moralisch herabseze. Nicht darum, Sir, weil wir sagen, wir seven rcin, wird das Laud uns für rein halien. (Großer Bet‘fall.) Nicht darum, Sir, weil cine Majorität von 9 oder 23 oder 200 Stimmen sich frei von Schande erklärt hat, wird das Land sie frei davon glauben. (Höri! und Beifall.) Was mich selb anbetrifft, Sir, so ist ‘die Moralität oder Jmmoralität des Hauses in Bezug auf meine Person von keiuer Bedeutung, aber für die gebêrige Rechtspflege ist es von höchster Wichtigkeit, daß alle Beschlüsse und Maßregelu dieses Hauses frei von politischem Par- teivorurtheil sepen. Jn meinen Augen, Sir, und ohne Zweifil auch in denen des Landes hat sich das Haus durch eine Resolution, wie die gegen mi angenommene, nicht gerechtfertigt. (Beifall.) Wenn das Haus meine Aeußerung immt, wie sie ist, fann es wohl bechaup- ten, daß dieselbe der Thatsache nicht angemessen war? Kann irgend einer der Herren es als seiue feste Ueberzeugung aussprechen, daß die Wahl- Ausschüsse unparteiis<h zu Werke Dent (Beifall.) Und weun das nicht Meinecid ist, so weiß ich aide was sonst dieseu Namen ver- dient. Die Herren gegenüber mögen ihre Seelen mit einer schu ich- lerishen Salbe überiünchen, aber wird das Publikum sich) damit zu- frieden geben? Was die dem- Hause vorliegende Bill über die Waÿl- Ausschü}e anbelangt, so ist sie für gar nichts; sie sagt, daß dieselben parteiisch seven, und läßt sie doch bestehen. Jch will den Herren, die diese Bill einbrachten, nichts Achtnngswidrkiges sagen, aber sie hilft dem Uebel durchaus nicht ab. Das Publikum ist schon lange gegen das jetzige Sy- ften eingenommen. Jch habc eine Schrift in Händen, in welcher von diesen Ausschüssen gesagt wird, es gebe feinen einzigen Fall, wo die Betheiligten bei der Entscheidung über cine Wahl sich nicht mebr auf die politischen Ansichten der Ausschuß - Mitglieder verlassen hätten, als auf den wahren Thatbestand. (Becifall.) Unerträglich bat sich dics Syslem besonders ia dem Theile des Reiches erwiesen, aus wel- <em ih herfomme, und weil ich dies ausgesprochen, habe ich mir ei- n¿n Verweis von Jhuen zugezogen. (Beifall und O, o! von der Op- position.) Jh weiß wohl, daß ich bei den Herren gegenüber nicht schr beliebt bin; es mag meine Schuid scyn, aber wenn auch, ich fann feine Reue darüber empfinden. (Lauter Veifall.) Jch sage Jbucn, Siewerdend:eöffentliche Stimme unddie meinige nicht ersticken. Jch hege ale Achtung ver der mich umgebeuden Versammlung, aber keine Achtung vor irgend Fcmand wird mich verhindern, de Wahrheit zu sagen. Galilei rourde ins Gefängniß geseht, weil er sagte, die Erde drehe fich um die Sonne, und als man die Riegel vor seinen Kerker ge- schoben hatte, soll er durch das Schlüsselloh gerufen haben: Die Erde dreht sich doch, (Lauter Beifall ) Auch ih bcreite meine Acu- ßerung uicht, ih nehme nichts davon zurü. (Wiederho!ter Beifall.) Sir, ich habe mich jevt erhoben, um die Erneunung eines Untéersu- ciungs:- Ausschusses vorzuschlagen, was ich an den beiden legten Abeu- den nicht thun founte. Lassen Sie mich Jhren Resolutionen durch Zeugen- Aussagen begegnen. Bewilligen Sie mir einen Ausschuß, lascu Sie ihn so zufammensegen wie Sie glauben, daß er am besten im Stande sev, die öffentliche Meinung zu ergründen; lassen Sie die bedeutendsien Mäuncr beider Parteien daran Theil nehurten ; las- sen Sie ibn durch den Sprecher zusammenstellen; ich will die Mit- glieder dieses Hauses vor demselben als Zeugen abhören. Wenn die- ser Ausschuß entscheidet, daß ich cine falsche Beschuldigung erhoben, - so will ich mi jeder Demüthig!ng unterwerfen.“

Der Sprecher machte Herrn O’Connell nah Beendigung

zuwiderlaufe, ohne vorgängige Anzeige auf Niedersekun

Ausschusses anzutragen, worauf O’Connell seine diesfällige: tion zum folgenden Abend anzeigte. Die übrigen Verhan gen, die hierauf noch vorkamen, waren von geringem Jnte,

London, 28. Febr. Die Königin begab sich gestern dem Buekingham-Palast nah dem St. James-Palast, un Lever Zu halten, welchem Lord Melbourne, die meisten nets-Minister und die hohen Staats-Beamten beiwohnten, wurden viele Personen vorgestellt.

Die Morning-Chronicle bemerkt über die vorge im Oberhause von Lord Lyndhurst in Anregung gebrachte daß die drei Kinder auf ausdrücklichen Wunsch der Polizei hôrde in das Millbanker Zuchthaus aufgenommen worden s weil sie von ihren Aeltern verwahrlost worden, daß sie übri aber anhaltenden Unterricht bekämen und keinesweges in samer Haft seyen, sondern täglich regelmäßig spazieren gef würden. Auch Lord J. Russell hat im Unterhause auf eine Herrn Gladstone an ihn gerichtete Frage erklärt, daß die Geschichte von der einsamen Einsperrung jener Kinder un und daß dieses System überhaupt in dem Millbanker Z hause noch gar nicht angewandt worden sey. So scheint der heftige Angriff, den die Lords Lyndhurst und Brouz im Oberhause deshalb gegen Lord Melbourne richteten, grundlos zu seyn, obgleich Lord Brougham in seiner leidens lichen Emphase so weit ging, daß er sagte, wenn er von (j solchen Verfahren in Westindien gehört hätte, so würde er selbe neulih bei sciner Rede über die Sklaverei als Klimax der Abscheulichkeit angeführt haben, und obgleich, heute im Oberhause die Anklage noch einmal erneuerte.

Der Morning Herald meint, hochherzigs Männer den nach den Niederlagen, welche die Minister in den D ten úbe! den Maidstoneschen Antrag gegen O'’Connell erli auf der Stelle ihre Entlassung nehmen; die Whigs aber den dies wohl nicht eher thun, als bis O’Connell ihnen Beispiel geben und freiwillig auf seine Rente in Jriand vet ten werde, das heißt niemals. Als eines Ministers unwü wird es von den Tory - Blättern auch bezeichnet, daß J. Russell, als er geschen, daßer gegen die ersten beiden solutionen Lord Maidstone’'s nichts aubrichte, es nun zum ßersten habe treiben wollen, indem er darauf bestanden, Herr O'‘Connell nicht einen bloßen Verweis vom Sprecher halten, sondern nah dem Gefángniß von Newgate ges werden müsse, gleichsam um den Agitator als Märtyrer scheinen zu lassen, was denn eine völlige Komödie Unterhause zur Folge gehabt, da immer Einer dem Anderen von den Jrländischen Mitgliedern sich erhob dadurch, daß er seine Zustimmung zu O’Connell’s Aeußer dem Hause zum Hohn, protokolliren ließ, an jenem Märty thum Theil nehmen wollte. Was übrigens die am Frei von Lord J. Russell dem Antrage Lord Maidstone's entze gestellte Anzeige einer ähnlichen Motion wegen einer Ae rung des Bischofs von Exeter úber die Eidbrüchigkeit der tholischen Parlaments-Mitglieder betrifft, so behauptet die ning-Post, der Minister habe durch diese aus kleinlicher sucht gemachte Anzeige das Mißfallen seiner Kollegen und sih dur<h deren Vorstellungen genöthigt gesehen

angekündigte Motion fallen zu lassen. Die minist len Blätter bleiben indeß dabei, daß diese ganze batte dem liberalen Interesse und den Ministern viel

zum. Nukben, als zum Nachtheil gereichen werde, di meint die Morning Chronicle, der Zwe>k, das Verfa der Wahl - Ausschüsse dffentlih an den Pranger zu stellen, dadurh und zwar mit Hülfe der Tories erreicht, d O'’Connell habe jene Aeußerungen in der Kron- und Anfer- vern“ absichtlih gethan, damit die Sache im Parlamene | Sprache kommen sollte; der Triumph der Tories {asse sich a daxauf zucücfführen, daß sie einen Beschluß gegen O’Con! durchgeseßt, der nur Gelächter erregen fônne, während die f dieser Gelegenheit gepflogene Debatte es für jeden Unbefan F nen klar gemacht habe, daß die Wahl - Ausschüsse, als Ents\( dungs- Tribunale, durchaus verwerflich seyen. a

Die Bill in Betreff der Parlamentés-Wähler, die im terhause mit der schwachen Majorität von 17 Stimmen a1 nommen worden is, wird wahrscheinlich im Oberhause vert fen werden. Der Spectator meint, dies sey kein gr Unglück, denn solche halbe Maßregeln seyen kaum der M werth, die man sich darum gebe.

Sir James Graham hat nun seinen Siß für Pemb im Unterhause eingenommen und ist von den Tories mit ßem Beifall begrüßt worden.

Der fúr Portsmuth gewählte Sir George Staunton der bekannte Orientalist, der den Lord Macartney auf si Mission nach China begleitete.

Es heißt, die Regierung habe Sir Philipp Durham! dem Verluste seines Postens als Hafen-Admiral gedroht,

“er als Kandidat für Portsmouth auftrete.

In Marylebone machen sih no<h immer die beiden ralen, Herr Ewart und Oberst Thomson, die Wahl sre Der Lestere, für den s< Herr D. W. Harvey verwendet, ! deshalb nicht An) weil er sich zuerst gemeldet und vor der Annullirung der Wahl des Sir Samuel Whalley Förderung seiner damals nur eventuellen Kandidatur si 1 den Wählern in Verbindung geseßt hat; Herr Ewart, wi das Recht des Stärkeren, das heißt Aussicht auf die Stim einer größeren Anzahl von Wählern, für sih hat. Der Let wird dur< Herrn Hume und dessen besondere Freunde u! stúßt und scheint dur< sein Benehmen seinem Nebent! ganz spezielle Ursache zum Beharren im Widerspruche ge h haben. Oberst Thomson behauptet in einer Adresse al

ähler von Marylebone, daß man ihn aus dem Ausschuß) mer des Herrn Ewart ohne Weiteres hinausgewiesen habe, ! ter dem Vorwande, daß die Versammlung keine dffentliche | obgleich dieselbe, wie eine deshalb publizirte Anzeige bei? den Zweck haben sollte, zu bestimmen, welcher von den be Kandidaten nachzugeben habe, worüber er denn doch " wendigertveise selbs! gehört werden müsse. Wie dem " auch seyn mag, Oberst Thomson erkiärt in seiner Adresse die Wähler, daß er sich verpflichtet halte, es zur Abstimm? fommen zu lassen, und nicht nachgeben werde, hat jedoch p als Grund fár diesen Entschluß noch besonders angegebet, er lieber cinen Tory als Repräsentanten von Marylebone seh! möchte, als Herrn Ewart, der das den Interessen des Vo! so verderbliche neue Armen-Geset vertheidige. Diese Erklä nun giebt den liberalen Blättern, welche nicht ohne Besotg! die fr den Tory-Kandidaten Lord Teignmouth aus der S, tung der Liberalen entsprungene Aussicht betrachten, die ? wünschte Gelegenheit, ohne Rücksicht auf die Ansprüche i Obersten Thomson an sih, gegen denselben und für Hel

seiner Rede bemerklich, daß es den Vorschriften des Hauses

Ewart Partei zu nehmen. Namentlich spricht sich die Month"

den dort gewählten Tories, Herrn Thomas Gibson und Herrn Kelly, entschieden.

hofft, er werde bald seinen Siß im Parlamente wieder einneh- men fönnen. Auch mit Lord Holland's Befinden bessert es sich, do hat er no<h niht wieder im Parlament erscheinen können.

die ein Regierungs-Blatt enthalten habe, daß er seine Ansichten ber das Armen - Gesetz geändert hätte und jeßt dagegen sey, und worin er eine absichtlich von den Ministern gegen ihn ein-

Chronicle, ein neues Organ der liberalen Partei, in einem längeren, angeblich von Herrn E. L. Bulwer herrührenden Ar- ife : tönnte, dieohnehin schon precaire Stellung der ministeriellen Partei, in deren Uebergewicht sich jeßt das Interesse der Nation kon-

zentrire, zug

sehr entschieden gegen Alles aus, was dazu beitragen

efährden. Der Wahl-Aus\chuß für Jpswich hat zu Gunsten der bei-

Mit Lord Stanley’'s Befinden geht es besser, und man ine Beschwerde Lord Brougham's über eine JInsinuation,

esandte Mittheilung erblicken wollte, veranlaßt den Courier u folgenden Bemerkungen: „Diese Behauptung, daß ein Theil der Presse unter der Kontrolle des Ministeriums stehe, ist des rógten Skribenten für die Presse, der jemals in England einen Regierungs - Posten bekleidete, volllommen würdig. Das Pu- blifum hat dic Worte noch nicht vergessen (mit welchen die „Times“ zuerst die Nachricht von der Entlassung des ersten Melbourneshen Ministeriums unter dem verstorbenen Könige gab, und die man allgemcin dem Lord Brougham zuschrieb): („Die Königin ist an Allem Schuld.//‘/ Wir sind fest úber- zeugt, daß die Tagesblätter noch niemals so fcei und unabhän- ig waren, als in diesem Augenblick. Bei der hochwichtigen Frage über die geheime Abstimmung erklärte sich auh nicht ein einziges von den liberalen Tagesblättern für die Ansichten des remier - Ministers und des ministeriellen Führers im Unter- hause. Und hat, seitdem die Whigs am Ruder sind, eine ein- zige gerichtliche Verfolgung wegen Preßvergehen stattgefunden ?““

Dem Vernehmen nach, soll Sir F. Head dadurch veran- laßt worden seyn, seine Entlassung als Gouverneur von Ober- Kanada zu nehmen, weil die Minister von ihm verlangten, ge- wisse Personen anzustellen, die seiner Meinung nach wegen ih- rer Abneigung gégen Britische Institutionen und Herrschaft sich nicht dazu eigneten.

Briefe aus Toronto melden, daß der Rebell Beaumont, auf dessen Kopf ein Preis von 500 Pfd. gesekt war, festge- nommen worden scy. Demselben Schreiben zufolge, ist die Empörung völlig beendigt und der Handel bereits wieder im Zunehmen.

Man {ägt jeßt die Summe, welche erforderlih seyn würde, um das Börjengebäude feuerfest wieder aufzubauen, auf etwa 150,000 Pfd. Sterling.

Das Paketboot „Columbus“ ist von New - York in Liverpool angekommen; da es aber schon am 1. Februar von dort absegelte, so bringt es keine neuere Nachrichten mit. Aus Handelsbriefen ergicbtr sich, daß die Frage in Betreff der Er- richtung einer National - Bank die allgemeine Aufmerksamkeit in den Vereinigten Staaten in Anspruch nahm und wohl bald im Kongreß zur Sprache kommen dürfte. Die handeltreibenden Klassen in New-York schienen sehr geneigt, eine Bank in gro- ßem Maßstabe und mit einem Kapital, wie die Bank der Ver- einigten Staaten, daselbst zu gründen.

Nachrichten aus Californien zufolge, hat daselbst ein furchtbarer Orkan gewüthet und den Schiffen großen Schaden zugefügt.

Berichte aus Bogota vom 25. Dezember melden, daß 60,000 Dollars - zur Zahlung der Dividende der Columbischen Schuld im Januar nach London abgesandt und daß außerdem no< 40,000 Dollars von dem Ertrage der Tabacks - Zölle zu gleichem Zwecke zurückgelegt werden sollen. Diese Nachricht hat U: gestrigen Börse die Columbischen Fonds um 1 pCt. ge-

oben.

Ju einem in Montreal erscheinenden Blatte, dem Tran- \script, wird darüber geklagt, daß sich viele Franzdsische Fami- lien aus der Stadt entfernen; man will daraus die Vermu- thung hdpfen, daß neue Pläne der Jnsurgenten im Reifen wären.

Belgien.

Brüssel, 2. März. Herr van de Weyer hatte gestern eine Abschieds-Audienz bei Sr. Majestät dem Könige und ist im Begriffe, nach London zurückzukehren. Herr Murray, Kam- merherr Jhrer Majestät der Königin von Großbritanien, hatte gestern ebenfalls eine Audienz bei Sr. Majestät.

Frau von Sydow, die Gemahlin des Königl. Preußischen Legations - Raths und Nesidenten vei der freien Stadt Frank- furt, Herrn von Sydow, der sich seit einiger Zeit hier aufhielt und im Begrisse war, nah Frankfurt a. M. zurückzu- kehren, ist vorgestern nach einer 3Cstündigen Krankheit im 23sten Jahre ihres Alters mit Tode abgegangen.

Das Journal de la Belgique meldet: „Die Gesell- schaft der F!amändischen Literatur zu Gent hat am 24. Februar ihr S Stiftungsfest durch ein glänzendes Gastmahl gefeiert. Dieses Fest wird in den Jahrbüchern dieses Vereins . Epoche machen, denn es war eine wirklich literarische Feierlichkeit, wozu jeder Flamändische Dichter und Schrifrsteller das Seinige bei- getragen hatte. Der Präsident der Gesellschaft, Herr Rens, entwickelte in lebendiger und geistreicher Nede die Fortschritte, welche die Flamändische Sprache in den lebten Jahren ge- macht; mehrere andere Mitglieder, worunter die Flamändischen Dichter Philips Blommaert und Van Duyse, trugen Dich- tungen vor, und Herr Willems chloß die Versammlung, in- dem er eine Reihe jencr alten, {duen und natürlichen Fla- mändischen Weisen vortrug, deren sich keiner unserer größten

omponisten ‘zu schämen brauchte. Mehr als 40 Personen wohnten diesem heiieren Feste bei, wodur<h die Bande der Bruderliebe noch enger gekuüpfe wurden, welche schon diese Männer vereinigen, deren Ergebenheit und Ausdauer das un- gerechte Vorurtheil einiger Personen gegen die reiche und herr- liche Flamändische Sprache nicht erschüttern kann.“

Deutschland.

S Hannover, 2. März, Das Königlicze Schreiben vom 8. Februar 18:8, womit die Verfassungs - Urkunde für das Königreich und das Reglement fär die allgemeine Stände-Ver- sammlung an dieselbe gebracht wird, lautet wie folgt:

(Einst August, vou &otics Gnadeu Köniz von Hannuocer, König!. Prinz von Greßbritanien und Jriand, Heizeg von Cumberland, Her- jog zu Vraunuschwcig uud Lüöncburg 1c. 2c. Uasere Gnade, auch ge- neigiea und gulüdiasten Will n zuvor, Durchlauchtig - Hocbgeborner Fürst, Hoch- uuò Wob lgeb otte, Edle t: ud Veste, Würdige, Ehrenveste, note, Hoch. und Woh!gei (drle, Edrfam-Färsichtige, Räthe, liebe E üGtige und Getreue! Nach Unferer unwai:delbaren Uceberzeu- gung muß die Negieruaz Unseres Königreichs nicht nah Willkür,

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Grundsatze geleitet, übergeben Wir Unserer getreuen allgemeinen Stände - Versammlung den Entwurf einer Veran s - Urkunde für Unser Königreich zur Berathung. Die sorgfältig|t von uns ge- prüfte Verfassungs - Urkunde vereinigt in sich die allgemeinsten und wichtigsten Grundsäge, welche in den Deutshen Staaten, na- weatli< in den, Unser Königreich bildenden, Provinzen, in Beziehung auf die vorzüglichsten öffentlichen Verhältnisse vor den tur zu befqgunten* Ereignissen dex leyteren Jahre Unse- res Jahrhunderts galten. Jede Verfassung muß, wenn die Unterthanen mit wahrer, treuer Liebe ihr anhängen sollen, eine feste bistorische Grundlage haben; sie muß im Laufe der Jahrhunderte aus dem Volfe selbs hervorgegangen seyn und in demselden tiefe Wurzeln geschlagen haben. Wir überlassen Uns der angenehmen und gewissen Hoffnung, daß die von Uns der Berathung Unserer ge- treuen Stände übergcbene Verfassungs - Urkunde, weit entfernt, der Abdru neumodischer Verfassungs - Îdeen zu seyn, dem vorgedachten Erfordernisse vollkommen entspreche, und nur die echten, von allen fremdartigen Zusäzen gereinigten siaatsrechtlichen Grundsäge, bei welchen die Hannoveraner während Jahrhunderte sich so glücklich be- fanden, enthalte. Der Entwurf der Verfassungs - Urkunde verwan- delt in der That nur das alte, uicht selten schwankende offentliche Recht in geschriebenes Recht, um dassclbe gegen Mißdeutungen und Angrifse vollkommen sicher zu stellen. Nur wenige, wirklich neue Grundsäge wird die getreue allgemcine Stände-Versammlung in der ibr übergebenen Verfassungs-Urkunde antreffen, und diese wenigen Grund- ságe wurden durch die dringenden Bedürfuisse Unserer vielgeliebten Unter- thauen gebieter:\{< empfohlen. Die Jhuen, getreue Stände , über- gebene Verfassungs - Urkunde steht mit den Beschlüssen der Deutschen Bundes-Versammlung in der vollkommensten Uebercinstimmuag, w0- von nicht nur die Wohlfahrt Unsers Königreichs, sondern auch die des gesammten Deutschen Vaterlandes abhängt; denn der Deutsche Bund if die fräftige Acgide für alle zu demselben gehörenden Staa- ten. Wir übergeben Unserer- getreuen allgemeinen Stände - Ver- sammlung die Verfassungs-Urkunde zur völlig freien Berathung und hoffeu, im Voraus versichert sevu zu können, daß in allen wesentlichen Punkten eine Verschiedenheit der Meinungen nicht stattfinden werde. Sollte indeß, wider Unser Erwarten, eine vertragsmäßige Ueber- cinfunft zwishen Uns und Unseren getreuen Ständen über die Ver- fassungs - Urfunde nicht zu Stande fommen, so würden Wir uns genötbigt schen, die von der göttlichen Vorsehung uns anvertrau- ten Unterthanen nah der im. Jahre 1819 bestandenen Verfas- sung zu regieren, wobei indeß Unsere geliebten Unterthanen zum vor- aus sih überzeugt balten fönnen, daß Wir stets bemüht seyn werden, die ihnen vortheilhaften Grundsäge der Verfassungs-Urkunde U An- wendung zu bringen, wenn gleich dieselben von der allgemeinen Stände- Versammlung nicht angenommen worden sind. Auf diesen unver- hofften Fall müssen Wir aber ausdrü>lich hiermit bevorworten, daß Wir von dem im $. 8. des Königl. Patents vom 7. Dezember 1819 enthaltenen Vorbehalte Gebrauch machen, somit in der Or anisation der allgemeinen Stände-Versammlung diejenigen Modificatiouen ein- treten lassen werden, welhe Wir für nothwendig oder nüßlich E ten fönnten. Jn dem Entwurfe der Verfassungs - Urkunde ist für das Haus Stollberg, im $. 63., Nr. 4., der Plag in der ersten Kam- mer bestimmt worden. Da indeß dasselbe neuerlich cinen Präccdenz- Streit erhoben hat, so wollen Wir, sobald Wir darüber Unsere Entschließung werden gefaßt haben, deshalb Unsern Antrag an die allgemeine Stände- Versammlung gelangen lassen. Mit der Ver- fassungs-Urfunde übergeben Wir zugleich das Reglement für die all- gemeine Stäude-Versammlung zu deren Berathung. Diesem Re- glement liegt das Reglement vom 14. Dezember 1819 zum Grunde. Wir haben aber auch die Grundsäge darin aufnehmen lassen, welche nach der im Laufe der Zeit gemachten Erfahruug als bewährt fich ge- zeigt haben. Ueber den im $. 66 des Entwurfes der Verfassungs- Urkunde festgestellten Wahl - Turnus, welchem die ritterschaftlichen Corporationen und die adligen Besißer von Gütern zu dem Ertrage von wenigstens sehs tausend Thalern unterworfen seyn sollen, behalten Wir Uns vor, eine besondere Verordnung zu erlassen. Wir ver- bleiben Denselben mit Unserer Königlichen Gnade und allem Guten, wie auch mit gnädigstem Willen stets zugethan. Haunover, den 18. Februar 1838.

Ernsi August. si guy G. von Scheele.“

Stuttgart, 1. März. (Wärttemb. Bl.) Sikßung der Abgeordneten-Kammer. Der Art. 138, welcher vom Hoch- und Landesverrath wider den Deutschen Bund handelt, erklärt, daß wenn ein Angriff oder eine Verschwdrung gegen das Da- seyn, gegen die Integrität oder gegen die Verfassung des Deut- chen Bundes gerichtet wird die Straf - Bestimmungen des Art. 131 (Tod und Zuchthaus) zur Anwendung kommen. zu einem Kriege gegen den Deutschen Bund aufgefordert oder in einem wider den Bund entstandenen Kriege der Feind auf die in dem Arc. 135 angegebene Art unterstüßt worden, so sind die im Art. 137 festgeseßten Strafen wider den Thäter zu er- kennen. Geheimerath v. Schwab rechtfertigt den Antrag da- mit, daß der Bund ein unaufldslicher sey, daß die Verfassung selbst das Bundes-Verhältniß festseße, daß Wärttemberg ein Theil des Bundes sey und somit ein Angriff gegen denselben als gegen es selbst gerichtet, betrachtet werden müsse. Herr Schott will materiell gegen den Inhalt des Artikels nichts erwähnen, allein die Ueber- chrift sey fehlerhaft. Der Württemberger habe nur Einen Sou- verain, gegen welchen er Hochverrath üben könne, und sey dem Bunde nicht mit Unterthanen - Pflicht verbunden. Man solle daher seßen: Verbrechen gegen den Deutschen Bund. Die beiden Negierungs-Commissaire geben unbedingt diesen Grund- saß zu, da allerdings der Württemberger nicht Unterthan des Bundes sey. Da aber Hochverrath auch gegen fremde Staa- ten geubt werden könne, so dürfe man wohl auch von Hoch- verrath gegen den Bund sprehen. Herr v. R ingler schlägt vor, die Ueberschrift ganz zu streichen, was der Herr Kanzler unterstüßt. Herr Pfizer legt Verwahrung gegen die Tendenz des Bundes ein. Die Regierungs - Commissaire repliziren und vertheidigen diese Tendenz als ganz geseßlich, die Ruhe und die Freiheit Deutschlands sihernd. Herr v. Zeller ist der Schortschen Ansicht, damit man sih nichts vergebe. O. T. N. v. Prieser versichert, die Württembergische Regierung werde stets ihre Souverainetät zu wahren wissen, aber eben des- halb müsse sie Verbrechen gegen den Bund, als gegen sich selbst gerichtet strafen, damit nicht ihre Souverainetät durch Ver- \{<wdrer gefährdet werde. Herr Haas begründet den Artikel mit dem Artikel 3 der Verfassungs-Urkunde. Herre Rômer E milder gestraft, aber stellt keinen Antrag, weil er den Er-

olg voraus sieht. Die Ueberschrift werde der Regierung gleich- gültig seyn. Herr Uhland würde sich sehr glücklich fühlen, wenn ihm Deutschland auch in innerer Politik ein Vaterland wäre. Da er dieses Glück nicht genieße, so stimme er gegen den Artikel. Der Antrag des Herrn Schott wird mit 58 ge- gen 23 Stimmen angenommen, und daher der Artikel 158 überschrieben: Verbrechen wider den Deutschen Bund. Die Herren Römer, Duvernoy, Schott u. A. erklären zu Pro- tokoll, daß sie mit dem Jnhalte des Artikel 13$ nicht einver- standen seyen. Herr Dom- Dekan v. Jaumann erklärt sich gegen die Anwendung der Todesstrafe bei diesem Verbrechen. Der Artikel wird hierauf mit 54 gegen 28 Stimmen ange-

nommen. Frankfurt a. M., 2. März. Der Nachricht, daß das

Oesterreich.

Wien, 2. März. Nach Ausweis der Protokolle úber die im Jahre 1837 in der Stadt Wien und den Vorstädten Ge? trauten, Geborenen und Verstorbenen, sind in den sämmtlichen Pfarren, mit Einschluß der Pfarre der nichtunirten Griechen, bei der Evangelisch - Augsburgishen und Evangelisch - Helveti- chen Konfession, so wie bei den Jsraeliten, in Summe 3461 E getraut worden, 518 Paare mehr, als im Jahre 1836.

n der Pfarre der nichtunirten Griehen wurden 1 Paar, bei der Evangelisch-Augsburgischen Konfession 14, bei der Evan- gelisch-Helvetischen 4, und bei den Israeliten 9 Paare getraut. Geboren wurden 15,653 Kinder, von denen 7910 Knaben und. 7743 Mädchen waren. Hierunter evangelischer Religion, un zwar: Augsburgischer Konfession 185 Knaben und 46 Mädchen; Helvetischer Konfession 20 Knaben und 16 Mädchen; in der Pfarre der nichtunirten Griechen 1 Knabe und 1 Mädchen; Israeliten 64 Knaben und 40 Mädchen. Die Zahl der.Geborenen überstieg die im Jahre 1836 um 527. Die Zahl der Verstorbenen belief sich auf 16,177 Personen ; darunter 4550 Mannspersonen, 466i Frauen, 3652 Knaben und 3317 Mädchen unter 10 Jahren; 597 Kinder kamen todt zur Welt. Jm Monat Januar farben 1347, im Februar 1583, im März 2078, im April 167i, im Mai 1459, im Juni 1245, im Juli 1166, im August 1195, im September 1080, im Oktober 917, im November $72, und im Dezember 967. An Altersshwäche und Entkräftung starben 1101, an Nerven- und Faulfieber 646, am Brand 508, am Schlag- und Sticfflusse 529, an Verhärtungen 122, an der Wassersucht 1884, am Durchfall 177, an Lungen - Krankheiten 3494, an der Auszehrung 2194, an Halsentzündung und Bräune 239, an Blattern 53, an unglülichen Zufällen 126 Personen. Unter den Verstorbenen erreichten 31 Personen ein Alter von 90 bis 100, eine Person 101, und die ästeste 105 Sale Es starben im Jahre 1837 4062 Personen weniger als im Jahre 1836. Aus Belgrad berichten die neuesten Briefe, daß der Rus- sische für Serbien ernannte Konsul, Herr von Waschenko, von Alt - Orsowa stündlich erwartet und künftig dort seinen Aufent- ne nehmen werde. Auch der Ankunft eines Französischen Kon- uls sieht man in Belgrad entgegen. Der Oesterreichische Kon- jul, Herr von Mihanovitsch hat, dem Vernehmen nach, bereits einen Nachfolger erhalten. Fürst Milosch verweilte schon seit einigen Wochen in Belgrad, wird aber demnächst wieder nach Kragujewaß zurückkehren.

Schweiz.

Basel, 1. März. Der Sa Rath von Basel - Landschaft beschloß am 24. Februar, der Nachdruckerei in Allschwil den Nachdruck der Schillerschen Werke sogleich zu untersagen, Und zwar auf den Grund eines dem Freiherrn von Cotta im Jahre 1829 ertheilten Privilegiums. Wirth Adam, unter dessen Na- men das Diebsgewerbe in Allshwil getrieben wird, soll sich jedo< dem Verbot nicht fügen wollen, sich Drohungen und Schimpfworte gegen den Polizei - Lieutenant erlaubt haben und erwirkte sich endlich 2 Mal 24 Stunden Bedenkzeit. Jn der Gemeinde Liestal ijt es, nach einem dortigen Blatte, wegen ci- nes Landraths-Beschlusses, welcher ihr den Loskauf der auf ih- ren Waldungen ruhenden Servitut des Beholzungsrechtes zu Gunsten des Land - Armen - Spitals verweigerte, zu unruhigen Auftritten gekommen; man hieb den vor dem Rathhause ste- En Freiheitsbaum um und versteigerte ihn an den Meist- ietenden.

In Waadt hat sih ein provisorisches Comité gebildet zur Vereinigung des Genfer und Neuchateller Sees“ dur< einen Kanal oder eine Eisenbahn. Herr Jngenieur Fraisse erhielt den Auftrag, einen Plan zu diesem Zwe> zu entwerfen, wofür ihm ein Kredit von 15,000 Fr. eröffnet wurde. Das Unter- nehmen gründet sich auf Actien. |

Vier Kapitularen von Pfäfers haben unterm 20. Febr. gegen die - vom Staat beschlossene Aufhebung ihres Klosters protestirt.

Jtalien.

Rom, 22. Febr. (Allg. Ztg.) Der Römische Karneval behauptet auch dieses Jahr seinen alten Ruf. Gesellschaften, Theater, Bälle und Mummerei aller Art haben wir vollauf. Heute wird der Corso gewiß äußerst lebhaft, da sich die Mas- ken hon in den vorhergehenden Tagen in sehr bedeutender Zahl hatten sehen lassen, und heute ihre Scherze eigentlich den Culminationspunkt erreichen.

Die Päpstliche Akademie der Alterthumskunde schrieb un- term 28. Juni 1836 folgende Preisfrage aus: „Eine umfassen- dere Darlegung, als sie bisher geliefert wurde, von dem Zu- stande der Römischen Kolonieen. Welchen politischen und staats dkonomischen Zwe>k hatte Rom bei der Errichtung seiner Kolo- nieen sich vorgesezt? Was war der Unterschied zwischen den Militair- und Civil-Kolonieen, und worin unterschieden sie fich von denen der Griechen? Jn welchem Zustande blieben die alten Einwohner, und in welche Rechte und Pflichten traten die neuen ein?’ Der Preis, eine goldene Medaille von 40 Zechinen im Werth, ward einer Abhandlung zuerkannt, welche die Epigraphe führte: „Tmperium facile his artibus retinetur, qii- bus initio parcum est etc.“ Ass vor einigen Tagen, unter dem Douos des beständigen Secretairs der Akademie, Ritters P. C. Visconti, der Zettel gedfnet ward, fand sich der Name F. Ruperti, Konrektor des Lyceums zu Hannover. Abermals ein erfreuliches Zeugniß für Deutsche Gelehrsamkeit im Aus- lande.

Spanien.

Madrid, 16. Febr. (Allg. Zt g.) Kaum haben dié neuen Deputirten für Madrid den Saal der Cortes betreten, so haben sie auch den Schild gegen die Majorität und gegen die Regie- rung erhoben, und es war vorauszusehen, daß die rohe Sewalt ihre Waffe seyn würde, da eigene Talente und der Beistand der Rechtschaffenen ihnen abgehen. Man wußte, daß Mendiza- bal vorgestern bei den Deputirten den Eid leisten würde, und seine Freunde ordneten deshalb Alles so an, daß gleich in die- ser Sizung bei Gelegenheit einer Verhandlung, die fär Mas- drid ein drtliches Interesse hat, der Lärm auébrechen fFeilte. Die bei dem Palaste der Deputirten befindliche Wache war mit National-Milizen von der Grenadier-Compagnie beselzt, zu welcher Mendizabal selbst gehört. Mehrere von ihnen verlie- ßen ibren Posten, und begaben sich bewaffnet in die reservir- ten Tribunen, um ihren Helden zu bewundern, und zu vers hindern, daß er mit Zischen empfangen würde. Nachdem die- ser geschworen, oder wenigstens die Formel des Eides ausge- sprochen hatte, erscholl einiger Beifall auf der dentlichen Tri? bune, wo sich der niedrigste Pöbel befindet. Dieser Beifall war so schwach, daß die ganze Versammlung in Lachen ausbrac).

Haus N im Begriffe sey, mit der Spanischen Regie- rung eine Anleihe abzuschließen, wird von hier aus auf das

fondern uach fesien Erundsäuen geführt werden, Von diesem

bestimmteste widersprochen.

Darauf las man eine Eingabe des Ayuntamiento von adrid

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