1838 / 80 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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ger gar feinen Unterschied zwischen der Legion uud der Englischeu rmce, die in Portugiesishem Solde focht, wenn nicht etwa den cin- pen Unterschied , daß die letztere Armee ihren Sóld vollsiändig er- iclt, die Legion aber gar nichts. Es giebt wohl fein Beispiel, daß cin von England abgefandtes Truppen-Corps mit solchen Schmähun- gea verfolgt worden wäre, wie die Legion. Bald nachdem die Trup- pen der Legion in Spanien angekommen waren, stellten jene Par- teien, über die ih mich beklage, Vergleichungen an zwischen diesen Ungcübten Rekruten und jener Armee, die unter einem bcrühmten nilibrer fo glorreihe Siege auf demselben Boden erfochten tat. Dies ift eiue ungeheure Ungercchtizkcit, und selbst wenn die Truppen der Legion gehörig organisirt gewesen wären, wlirde es ungerecht fepn, ein so fleines Truppen: Corps mit jener großen Arwee zu vergleichen. Als die Legion etwa sechs Wochen im Laude war, erhiclt sie den Be- fehl, zu der Befreiung Bilbao?s mitzuwirfcu, und als nun, um die anuschaft vor dem feindlichen Feuer zu sichern, eine Bewegung nach Hernani hin gemacht wurde und die Legion bei dieser Gelegen- heit in einem Gefechte wit den Karlisien 5 Todte und 0 Verwun- dete verlor, da wurde sogleich von eiuem großen Sicge der Karlisien über die Legion gesprohen. Mur der Herzog von Wellington ließ den unerfahrenen Truppen die ibuen gebükrcude Nachsicht angedei- hen, wofür ich ihm: hier meinen Dank darbringe. Jh muß bier, um mich feiner Ungerechtigkeit schuldig zu machen, einige Worte übcr den General Cordova sagen. Das Benehmen diescs Generals verdient uicht die harten Vorwürfe, denen cr ausgeseyt gewesen is, und ich unß m das Zeugniß geben, daß er stets unter allen Umständen edel: wü!%ig und redlich gehandelt habe. Was die Krankheiten in der Le- gion betrifft, so finden sich hier dieselben Uebertreibungen, indem die Zahl der Kranfen bald zu 15,000, bald zu 12,000 angegeben wurde, während doch nie mehr als 8000 Mann zu gleicher Zeit frank wareu. Jch muß hier das Haus daran erinnern, daß die Refruten, mit denen die Legion ergänzt wurde, nichk die für einen solchen Dienst erforderlichen physischen Eigenschaften hatten. So befanden sich in een Regimente Über 106 Mann, die entweder zu alt oder zu jung ür den Militair-Vienst waren ; die Zahl der Juvaliden war daher im Berhäitniß zu der Stärke des ganzeu Corps schr groß, und dies war eine natürlihe Folge davon , daß sie vor ihrer Eiastellung nicht von eincm verantwortlichen Spanischen Arzte untersucht wurden; 1000 Mann waren durch Krankheit völlig unfähig zum Dienst, und von diesen starben zwei Dritthei!e, Überhaupt waren unter der ganzen Legion nècht mehr als 4700 Mann, die, nach den Ansichten Britischer Vsszlere, dienstfähig gewesen wäcen. Damit will ich keinesweges den Spanischen Agenten- in England einen Vorwurf machen. Es wr natürlih nur ihre Hauptforge, so schnell wie möglih Leute nah dem Schauplaß des Krieges zu senden, uad dics thaten sie, ohne u wissen, welche Uebel sie durch ihren Eifer der Sache zufügten, der ie in der besten Absicht zu dienea glaubten. Man hat mir es ferner zum Vorwurf gemacht, daß ich an eincm Sountage ein Treffen ge- licfert habe. Cs is dies wohl das erstemal, daß cinem Truppen- Corps cin solcher Vorwurf gemacht wird, und ih würde auch weiier gar nicht darauf cingegangen seyn, wenn es nicht ein Beweis mehr wäre, welche Mühe man fich gegeben, um irgend etwas herauszufinden, wel- ches man gegen die Legion benutzen fönne. (Hört!) Was den Man- gcl betrifft, der in der Legion geherrscht haben soll, so muß ich be- kennen, daß dasienige, was darüber gesagt worde, sehr übertricben ist, wenn ih auch nicht leugnen will, daß die Legion allerdings zu- weileu Mongel litt, was aber unter den damaligen Umsiänden nicht überrasZen darf. Die nächfle Beschuldigung ist von der gröb- sen Art. Man wirft den Soldatcn der Legion Grausamkeit, Nehheit, Trunkenhcit, Mord, kurz alle Acten der gröbsten Berbrechen vor. Ein edler Lord im Oberhause sagte sogar, daß ein- mal die ganze Legion dbetrunfen ins Gef-cht gegangen sev, daß sie alle Gefangenen ermordet und sich in der größten Unordnung zurü- gezogen bade. Jch habe damals sogleich deu Wählern von Westmin- ster geschrieben, daß diese Anosabe des cdlen Lords durchaus unge- gründet sev. Fch ergreife diese Gelegenheit, um eine Schuld der Danîfbarkeit gegen" meine ehrenwerthen Freunde auf dieser (der mi- uisteriellen) Seite des Hauses abatra en, welche die Güte hatten, fich meiner Sache aan et uh fanu ich nicht unterlassen, dem sehr ehrenwerthen Baronct gegenüber (Sir Robert Pecl) meinen Dank dafür auszusprechen, daß in Bezug auf den vorliegenden Ge- genstand nie ein Wort über scine Lippen gekommen is, das verlez- zend für mich gewesen wäre: Jch wende mich nun an die Gerech- tigfeit und Redlichkeit der evrenwerthen Mitglieder gegenüber. Man hat fich nicht nur über die Mordthaten beschwert, die von den Sol- daten der Legion verübt worden wären, sondern es auch dem Hause dyiugend ans Herz gelegt, es nicht zu dulden, daß Truppen, die rinem christlicheu Lande angehörten, zu Merd und Blutver- gießen abgerichtet würden. Jch kann indeß aus Depeschen des Herzogs von Wellington beweisen, daß einzelne Fälle solcher Aus- \shweifungen auch in der Acmee dieses Anführers vorgekommen sind; ja, sie sind im Kriege unvermeidlih,. Es ist Alles gethan worden, um Exzesse zu vermeiden, und es ijt niemals nöthig gewesen, die To- desstrafe zu verbängen. Jch habe das Profoß Sysiem angenommen, um die Todessirafe zu vermeiden. So oft mir ein Fall vor- kam, - der die Todesjtrafe erforderte, habe ih das Urtheil ge- milder. Es haben allerdings -Meutereien wegen rückständigen Sol- deó und aus anderen Ursacheu stattgefunden, allein der einzige Grund, weshalb feine Haupt - Verbrechen vorgekommen sind, liegt offenbar darin, daß die Todesstrafe nicht angewendet worden ist, und ich bin der Meinung, daß die Abschaffung der Todesstrafe cine Verminde- rung der Verbrechen jur Folge haben würde. Jn Bezug auf dieje- nigen Soldaten der Legion, die in den Straßen Londons betteln, muß ich bemerken , - daß alle Soldaten und Unteroffiziere, die in der Legion dienten, mit Ausnahme von etwa 150 Manu, die damals nicht in Spanien waren, ihren Sold, die Verwundeten und die Witt- wen aber Pensionen erhalten haben. Dagegen haben die Offi. iere für mehrere Monate und ich selbst für 15 Monate noch Rückstände zu fordern. Jch hoffe indeß, das Britische Ministerium wird Alles aufbieten, um die Spanische Regierung zur Erfüllung ihrer Ver- pflihtungen gegen die Legion zu zwingen.“

Sir H. Hardinge erwiederte dem Oberst in höflichem, aber entschiedenem Ton, es sey in der ganzen Rede desselben nichts enthalten, was ihn bewegen könnte, irgend etwas von den Ansichten zurückzunehmen, die er früher in Bezug auf die Spanischen Campagnen ausgesprochen, und bei denen er die Autorität von Offizieren der Legion für sich habe. Und wenn 250 dieser Offiziere den Dienst in Unmuth verlassen und, nach Hause zurückgekehrt, ihre Ansichten unter ihren Landsleuten, sowohl von der liberalen wie von der konservativen Seite, ver- breitet hätten, könne man sich da wohl wundern, daß die Presse und das ganze Land eine ungünstige Meinung von der Expe- dition und ihrem Verlauf bekommen? Das Land habe ein Recht, sich über die Aufopferung so vieler Menschenleben zu be- klagen, nicht weil die Leute den Tod gefunden, sondern weil sie ihn unnüßer Weise gefunden, da die Spanischen Behörden es an aller Fürsorge für ihren Unterhalt hätten fehlen lassen. Oberst Evans sey allerdings nicht verantwortlich für die Absendung von Truppen nah Spanien; eine andere Frage aber sey die, ob es nicht, bei nicht größerer militairischer Erfahrung, als er sie besike, unbedacht von ar gewesen, cin so umfassendes Kom- mando zu übernehmen. Sir H. Hardinge verlas dann eine Menge von Auszügen aus den Schriften mehrerer Offiziere ver- schiedenen Ranges, um zu zeigen, wie schrecklih die Britischen Kranken von der Spanisches Regierung im Stich gelassen wor- den, wie es an Nahrung, Kleidung und Wohnung gefehlt, und in welchem Zustande \sih namentlich die Lazarethe für die Ver- wundeten befunden hätten, die man in einigen Fällen, wie der Sergeant Somerville \sih ausdrückt, in Schmuß und Ungeziefer ganz vergraben getroffen, Todte mit Sterbenden vermischt und den Zustand der noch Lebenden \o húülflos, daß vor ihren eige-

oru

nen Augen die Ratten an den Gliedern ihrer gestorbenen Ka- meraden zu nagen anfingen. „Sind das“, rief Sir H. Har- dinge, „gewöhnliche Kriegs-Unfälle? Und wenn nicht, was soll die Englische Nation von einem Ministerium denken, welches 9 10,000 seiner Landsleute einem solhen Schicksale entgegen- schickte?’ Was die in der Legion angewandten körperlichen Züchtigungen anbelange, fuhr der Redner fort, so wolle er gegen die Sache selbst nichts einwenden, denn er halte sie für nothwendig, aber die Art und Weise, wie sie unter General Evans in Anwendung gebracht worden, müsse er verwerflich finden, denn dieser habe den kommandirenden Offizieren, ja zu- weilen sogar Subaltern- Offizieren gestattet , die Peitschenstrafe durch den Profoß ohne vorhergegangenes Kriegsgericht erthei- len zu lassen. Wenn ein Soldat zu spät auf die Parade ge- fommen oder in einem schmußigen Rock erschienen sey, habe er kurzweg die Peitsche erhalten, und so seyen oft 15 bis 20 Mann an einem Morgen um solcher Vergehen willen ausgepeitscht worden. Das Profoß-System scy aber nur nothwendig, wenn sich eine Armee wirklih im Felde befinde, und auch dann müsse es mit Vorsicht angewandt werden. Das Seltsanste dabei sey aber, daß, als Sir J. Hobhouse seinen Parlamentssiß für Westminster verloren, weil er dur sein ministerielles Votum zu Gunsten der Peitschenstrafe den Unwillen des Volks erregt habe, gerade der tapfere Befehlshaber dieser Legion das Mitglied gewesen, welches um entgegengeseßter Grundsäße willen der Nachfolger jenes Herrn geworden und gewissermaßen auf dessen Schultern zu sei- nem Sis gekommen sey. Sir H. Hardinge verwahrte sich übrigens für sich und seine Partei gegen alle Sympathie für Don Carlos und gegen den entferntesten Wunsch, die Sache der Konservativen mit der dieses Fürsten zu identifiziren; sie hätten, sagte er, feinen Grund, fúr denselben einzutreten, aber sie könnten nicht, ohne ihr Mißfallen darüber zu äußern, den Britischen Waffen und dem Britischen Namen solche Schmach widerfahren sehen, wie sie úber die Legion in der Halbinsel ge- fommen, auf demselben Grund und Boden, wo in der ganzen Zeit, während welcher der Herzog von Wellington kommandirt habe, die Engländer keine Stellung angegriffen hätten, ohne sie zu nehmen, und keine vertheidigt, ohne sie zu behaupten. Diese Rede machte großen Eindruck imHause und wurde mit vielem Beifall aufgenommen. Nachdem Sir H. Hardinge sich niedergelassen hatte, zeigte Lord Eliot an, daß er nächstens (dem Verneh- men nach, am 27. d. M.) die gesammte Politik der Minister in Bezug auf Spanien zur Sprache bringen werde. Sir Hussey Vivian bemerkte noch Einiges, mehr zur Entschul- digung, als zur Rechtfertigung des Oberst Evans, räumte _ jedoch ein, was dieser anzuerkennen Anstand nahm, daß die Spani- sche Regierung sih sehr shlecht benommen habe. Lord Ma- hon erklärte, er wolle sih seine Bemerkungen bis zu der Mo- tion Lord Eliot’s vorbehalten; Herr d’'Eyncourt aber wollte die Gelegenheit nicht vorüber gehen lassen, ohne die Minister an die Rückstände zu erinnern, welche die -Spanische Regie- rung den Offizieren der Legion noch s{huldig sey. Nach ihm sagte Sir R. Jnglis einige Worte; er hob besonders die moralische Schuld hervor, welche die Regierung dadurch auf sich eladen , daß sie zu einem solchen Söldnerdienst ermuntert Pabe: ein Krieg von Seiten Englands könnte sich vielleicht rechtfertigen lassen und nothwendig seyn, aber sey das cin Krieg, was man in Spanien gethan? Wenn England einen Krieg hâtte beginnen wollen, so sey das, was geschehen, zu wenig; wo nicht, so sey es {on viel zu viel. Lord Palmerston, der es sih ebenfalls vorbehielt, seine Ansichten bei der Debatte über die allgemeine N in Betreff Spaniens darzulegen, erklärte nur, daß die Angelegenheit in Betreff der den Offizieren der Legion huldigen Rückstände von der Regierung nicht vernach- lässigt worden sey. Spanien habe jeßt in die Niedersezung ei- ner Kommission zur Liquidirung der Forderungen jener Offiziere gewilligt, und diese Kommission werde ihre Sißungen in Lon- don halten; auch wolle die Spanische Regierung, ohne die Li- quidirung jeder einzelnen Forderung abzuwarten, nächstens eine beträchtlihe Summe auf Rechnung derseiben übersenden. Die Rückstände an die Gemeinen und die Pensionen an die Wittwen seyen schon ausgezahlt. Gegen die Vorlegung der von Oberst Evans gewünschten Papiere hatte der Minister nichts einzuwenden, und der Antrag des Ersteren wurde daher ge- nehmigt. Diese ganze Debatte wird indeß nur als ein ein- leitendes Scharmüßel zu dem Haupttreffen betrachtet, welches bei Gelegenheit der von Lord Eliot angekündigten Motion statt- finden dürfte. Am Schluß der Sibung erhielt der Serjeant Woulfe die Erlaubniß, eine Bill zur Verbesserung des Jrlän- dischen Geseßes über die Me der Parlamentswähler einbringen zu dürfen. Lord Stanley und Sir W. Follett gaben durch ihre vorläufigen Bemerkungen kund, daß die Bill von ihrer Seite auf einigen Widerspruch stoßen wird.

London, 14. März. Gestern Abend waren unter anderen angesehenen Personen auch der Herzog und die Herzogin von Richmond zur Königl. Tafel geladen.

Der Französische Botschafter , Graf Sebastiani, hat den Herzog von Wellington und eine Anzahl anderer Konservativen auf heute zu einem Festmahle eingeladen.

Der Capitain Sir John Sinclair ist zum Hafen-Capitain von Gibraltar ernannt worden.

Vorgestern fand hier eine zweite Versammlung in Betreff eines dem Admiral Nelson zu errichtenden Denkmals statt. Es ward berichtet, daß Se. Kdnigl. Hoheit der Herzog von Cam- bridge und eine große Anzahl hochstehender Personen dem Un- ternehmen ihren Beistand zugesagt hätten und bereits über 4000 Pfd. Sterling unterzeichnet seyen, so wie, daß die Regie- rung den Plan billige und auch {on einen Plaß zu dem Mo- numente, im Mittelpunkte von Trafalgar - Square, der Na- tional-Gallerie gegenüber, angewiesen habe. Wegen Abwesen- heit mehrerer einflußreicher Personen, deren Mitwirkung man wünscht, wurde die Ernennung eines Comité's, so wie der Be- {luß über die Art des Denkmals, noch ausgeseßt.

Vor einigen Tagen wurde ein junger Mann, Namens Benjamin Alison, im Polizei-Büreau von Worship-Street ver- hört, der angeklagt war, einen Diebstahl verübt und seine Ge- liebte, Emma Crips, ein Mädchen von 17 U umgebracht zu haben. Er sagte Folgendes aus: „Emma Crips und ich be- fanden uns in solcher Noth, daß wir unserem Leben ein Ende zu machen beschlossen. Jch kaufte daher in verschiedenen Ma- gazinen kleine Dosen Laudanum, und um 10 Uhr Abends, nach- dem wir Jeder ein kleines Fläschchen davon geleert hatten, leg- ten wir uns auf unser Bett, um neben einander zu sterben. Bald waren wir in tiefen Schlaf gesunken. Am folgenden Morgen erwachte ih auf einen Augenbli und hdôrte meine Ge- fährtin, die unbeweglich neben mir lag, {wer stöhnen, ich fiel aber gleih wieder in meine Lethargie zurück. Als ih später völlig wah wurde, war Emma Crips todt und schon kalt, Jch stand auf und ging fort. Einige

Stunden darauf wurde ih festgenommen. “/ Auf ein Tisch neben dem Bett, in welchem der Leichnam des jung», Mädchens lag, hatten die Agenten der Polizei mehrere Brie vorgefunden, unter denen einer an Herrn John Hammy Direktor der Börse, gerichtet war. Er lautcte folgendermaße,,

¡e Sir, ih hoffe, Sie werden entschuldigen, daß ih mir Freiheit nehme, an Sie zu shreiben. Wenn Sie diesen Bris s empfangen werden, sind wir niht mehr am Leben. Jch ertlÿ,

feierli, daß mein Vater es war, der das Feuer in der Bür

angelegt hat. Jch habe keine Zeit, mehr zu schreiben, de, meine Stunden sind gezählt; mein Vater versuchte con e} mal, mich und meine Schwester zu verbrennen, zum Glü (4, ging das Licht um Mitternacht aus, ohne daß ein Unglüct „M schehen war. Jch bin, Sir, u. st w. Emma Alifon, geh,

rene Crips. Nachschrift. Kein Weib kann einen zärtliq, lid

ren und besseren Gatten. haben. Jch will die Welt verlas aber ich kann es nit mit einer Lüge im Munde; zum lebten, sage ih Jhnen, die Börse ist nicht sicher, glauben Sie d, Worten einer Sterbenden.“ George Crips, der hier von (f ner Tochter angeklagt wird, ist seit 30 Jahren Portier y|l Börse. Die Sache wurde einer Jury zur Entscheidung it, wiesen, und- diese hat gestern folgendes Verdikt gefällt: „As

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Jury ist der Meinung, daß Emma Crips an genommenem (j;

gestorben, und daß sie bei gesunden Sinnen gewesen; daß ÿ,, F

jamin Alison von mehreren Apothekern absichtlich das Lauda zusammengekauft, womit er zwei "Tage zubrachte, und di, sie bewogen, das Gist zu nehmen, welches er auf diese Lj angeschafft hatte; auch is die Jury der Meinung, daß dyj min Alison bei gesunden Sinnen ist, daß er den an Joÿniy mond, Direktor der Börse, gerichteten Brief diktirt Und Gy Alison, geborene Crips (wie sie sich unterzeichnet) üben hat, denselben zu schreiben. Die Jury is ferner der Meinuy daß die in diesem Briefe enthaltenen Behauptungen in Vi auf den Vater der Verstorbenen bloß erfunden sind, um d besagten George Crips zu schaden.‘ Der Delinquent Ali wurde darauf in das Gefängniß von Newgate abgeführt, y in der nächsten Sitzung des Central - Kriminal - Gerichts tj der Prozeß gegen ihn eingeleitet werden.

Im Jahre 1836 wurden in Jrland in 251 Fällen von y dortigen Regierung Belohnungen für die Entdeckung von Y brechern ausgeseßt und im Jahre 1837 in 267 Fällen.

Die Direktoren der Eisenbahn zwischen Liverpool y Manchester haben zweien Wohlthätigkeits-Anstalten in Liveryi 300 Pfd. Sterling zustellen lassen, als den von mehreren ) teressenten aus Gewissens-Skcupeln nicht angenommenen Ern} der Sonntags - Reisen auf der Bahn. Es war in Antraq ff fommen, die Sonntags- Fahrten ganz einzustellen; eine Genf Versammlung lehnte dies jedoh mit großer Mehrheit ab, u} auf einige von den Direktoren ihre Entlassung genommen hi,

Dex bekannte Herr Waghorn hat London wieder vers} um úber Marseille nah Aegypten zurückzukehren. Seine) F zur Verbesserung der Communication mit Judien scheint (it, besonders. bei der Ostindischen Compagnie, nicht die genu Begünstigung erfahren zu haben, obgleich dieselben va n Handelsstande von Manchester, Liverpool und Glasgow kj unterstükt wurden.

An der hiesigen Börse trug man sich dieser Tage wit einmal mit dem schon oft verbreiteten Gerüchte, als fänden Spanien zwischen den streitenden Parteien Unterhandluy statt, deren Grundlage die Verheirathung des äliesten Schl des Don Carlos mit Donna Jsabella wäre.

Niederlande.

Aus dem Haag, 15. März. Auch der Geseh - Entw über die volle Zinsen: Zahlung unserer Nationalschuld hat, d N Blättern zufolge, in den Sectionen der zwei Kammer starken Widerspruch gefunden, da viele Mitglie nicht einsehen wollen, welche Verpflichtung das Land h& auch ferner den Zinsen - Antheil aufzubringen, welchen Bel f

zu übernehmen habe. Auch bei dieser Gelegenheit hat sich (F Her F drig zu stellen, day sie nicht einmal vergüten, was die {wer

gens wieder allgemein das Bedauern ausgesprochen , daß von einem Uebereinkommen mit Belgien noch immer |4}

fernt sey.

Deutschland. j Weimar, 17. März. Eine Vorschrift des Großhetzo chen Ober- Konsistoriums macht es den jungen Theologen, | einst bei Schule oder Kirche angestellt seyn wollen, zur Pi auf der Universität auch Vorlesungen über Erziehungs 0 Unterrichts-Lehre, so wie über Schulkunde zu hdren, wozu} auf der Landes-Universität Jena Gelegenheit sindet. j Nach einer Anordnung der Großherzoglichen Landes: Nil tion muß sich von nun an jeder Maurer-, Tüncher- und J mergesell, der das O erlangen will, einer Prifu dur Beaustragte der Großherzoglichen Ober-Baubehörde terwerfen. - Das Großherzogliche Regierungsblatt vom liten d. enthält eine Bekanntmachung über eine neugegrúndete Pens! und Unterstüßungs - Anstalt für die Wittwen und Waisen | Medizinal-Personen des Großherzogthums. ;

Karlsruhe, 12. März. (K. Z.) Heute hielt die (A Kammer ihre erste dffentlihe Sipung unter dem Vorsißt} ersten Vice-Präsidenten, Fürsten zu Fürstenberg, der in (014 Ancritts-Rede die Abwesenheit des wirklichen Präsidentei (F Hoheit des Markgrafen Wilhelm bedauerte, der aber denb eintreffen werde. Secretaire der Kammer sind wieder dit 1A herren v. Gdöler und Geheimer Hofrath Rau, wie beim (j Landtage. Nebst mehreren Mittheilungen von Seiten derl : ten Kammer legte das Präsidium in dieser Sißung ats Gese über die Eisenbahn von Mannheim nach Bab i Zur Begutachtung dieses wurde eine Kommisiion g y bestehend aus dem Fürsten zu Fürstenberg, den 4 Bes Hofrath Rau, Freiherrn v. Göler, Gi

ath Beck und dem General - Lieutenant von horn. Da auch mehrere Petitionen eingelaufen war empfahl der Vice-Präsident die Bildung einer Petitionb ( mission, was Geheime Hofrath Rau zu seinem Antrag 4 der von mehreren Seiten unterstüßt wird; dagegen sich Prälat Húffel und Freiherr von Göler, welcher dit weisung der Eingabeu an die Eisenbahn-Kommission bear Staats-Minister Winter und Ministerial: Rath von M bestreiten das Recht der Kammer nicht, für andere Se i auf dem jeßigen Landtage eine Petitions-Kommission zU 4 / obgleich alle nicht besonders dringenden Gegenstände A Ant ordentlichen Landtag zu verschieben seyn würden. Der “0 des Geheimen Hofraths Rau wird sofort zum Kammer {luß erhoben. 9. Mi

Aus den Verhandlungen der zweiten Kammer von ay

wo die erste Entscheidung über die Eisenbahn fiel, tragt

| Anfang zeigen, und dann | Regierung befinde sih nächt in der Lage, nicht zu wissen,

Ÿ die Administration der Bahn zu besorgen. Ï fônne man den Betrieb auch Privaten überlassen. iber den Vollzug der Unternehmung auf Staatskosten sey ge-

Folgendes nach. Der Abgeordnete Sander sagte unter An- derm: Der Staat baue Hier, ohne zu wissen, was er mit der Bahn anfangen wolle; die Kommission sage nichts davon im Bericht, denn sie wisse nicckt anzugeben, wie und ob der Staat sie administriren wolle. Um auf Staatskosten zu bauen, ver- lange er daß das Unternehmen sih rentire. Jedenfalls koste die Bahn weit mehr als 13 Millionen. Er nimmt an, daß die Bahn 25 Millionen koste, dazu die Kosten der Administration gerehnet, mache eine angemessene Rente unwahrscheinlich. Die Rheinschtfffahrt fonfurrire, die andern Straßen im Elsaß. Der Redner leugnete, daß die Szesammtheit der Bevölkerung Nußen von der Eisenbahn habe; rnanche Landestheile könnten sie gar nichr benußen. Dem Landmann, der ein seßhaftes Gewerbe habe, fomme die Bahn nicht zu gut; nur dem Reisenden hauptsäch- Der Redner geht ber zur Schilderung der Nachtheile

| der Eisenbahn - Auslagen welche die Zinsen nicht decken; kost-

spielige Administration bedénge neue Steuern, oder es würde les absorbirt, was für andere wohlthätige Zwecke bestimmt ey; neue Anlegung oder &reirung von Papiergeld sey nöthig. errúttet sey fortan der Staats - Haushalt, und der Mann- der ihn geordnet, müsse seine Bemühungen vereitelt sehen. Staatsrath Nebenius: Die Bahn sey gebotene und un- ahweisliche Nothwendigkeëtt ; wenn die Besorgnisse des Red- ners vor ihm sich realisürten, so würden sie sich gleich von Hätte man Zeit zum Núcktritt. Die

was sie mit der Bahn anfangen wolle; sie betrachte sie als

| cine erweiterte Post-Æ nsststalt und alle Erfahrungen jprä- hen dafúr, daß dadurch der Personen-Verkehr zunehme.

Dio PYost-Verwalcung werde nur ausgedehnter werden müssen, um Unter Umständen Die Frage

núgend erörtert in zwei Berichten. Der Redner schildert dann den gewöhnlichen Sang von Privat - Unternehmungen dieser Art in den verschiedenen Phasen sciner Entwickelung, wie die Actien allmälig in die Hande kleiner Kapitalisten kommen, und

Ï die anfänglich geringe Rertte viele kleinere Kapitalisten unglück- | (ih mache. Erst später ge wdhnlich träten die glücklichen Folgen Ï der Unternehmung ein.

In der Sibung vom 1kA2ten d. fügte Herr Staatsrath N e-

| benius über diesen Gegenstand au noch hinzu: „Die Eisen-

hahn wird, nach meiner 2nsicht, die Konkurrenz - Verhältnisse fár den großen Güter-Tranmnsport wenig affiziren, sie wird dem Französischen Kanale weng oder nichts entziehen, sie wird un- sern Handel hier nicht wtederbringen, was er verloren. Sie wird ihre Nahrung zieherz aus dem Transport der Personen

Ï und nebst den Marktwaaren, welche die Reisenden mit sih füh- Ï ren, von den Gegenständen des großen Verkehrs hauptsächlich Ï nur die Eilfuhrgüter sich aneignen. ;

i Die Langsamkeit des ge- wöhnlichen Landtransports Und die hohen Taxen, die sich unjere Post für die Versendung von Geld und Waaren bezahlen läßt, haben schon längst auf den meisten Hauptrouten dieEinrichtung von tilfu hr wesen hervorgerufen. Man bezahlt für die schnellere Ver- sndung durch Eilfuhren in der Regel 50 pCt. über die gewöhnliche lndfracht. Ungleich höher sind die Taxen der Post; wenn ich nicht irre, verlangt sie für die Strecke von Mannheim nach Basel nicht weniger als 9 Fl. fär den Centner. Die Geschwin- digkeit der Frachteilfuhren ist ungleich geringer, als die der Packwägen der Post; die SWSeschwindigkeit der Dampfwagen un-

| gleich größer, als die der Post- Transporte. Glauben Sie nicht, | meine Herren, daß die Poft 20- und mehrfach mehr Güter er-

halten würde, wenn sie, {tatt 9, nur 3 Fl. verlangte? Um so leihter wird die Eisenbahn alle jene Hein Gâter in hen, auf deren schnellern Bezug der Kaufmann einen Werth sest. Sie wird sih mit diesen S5ütern begnügen; sie wird Taxen an- nehmen , die sie ihr siherrz, und doch hoch genug bleiben, um ihr einen erheblichen Gewinn úber die wirklichen Kosten des Transports zu gewähren, fich aber hüten, um den ganzen gro- ßen Waaren-Transport sicl» anzueignen, ihre Gebühren so nie-

beladenen Wagen an der Œaßhn verderben.“

P w rtugal

Lissabon, 2. A Donna Maria wollte die zweite von dem Kriegs, Minister Baron von Bomfim vorgeschla- gene Neihe von Beförderungen nicht genehmigen. Diese neue Vefödrderungs-Liste, an deren stand, sollte diejenigen Mélétairs, welche gegen das lebte Char- tistishe Unternehmen die offen ergriffen hatten, noch mehr belohnen. Sie würde indeß die Zwietracht unter den beiden Nüancen der Königlichen Partei, die der Hof je6t um jeden Preis verschmelzen zu wollen scheint, nur noch verstärkt haben. Der Minister reichte daHer vor vierzehn Tagen seine Entlas- sung ein. In der vorigerz Woche {loß der Präsident des Mi- nisterraths sich ihm an. Œ eide sind mit einander einverstanden; sie möchten sich gern in der Armee eine Partei bilden, um sich derselben gelegentlich zu beDienen. Sa da Bandeira kann die Ruhe nicht vertragen Beim Schluß der Cortes is daher eine

Umgestaltung des Ministeriums i i L U - U erwarten nd m r M dann sein Möglichstes ; At O

ann thun, diejenigen dav ieß

die mit deu demokratischen Klubs in 2 een Die Finanz-Diskussion is in Der Cortes-Sißung vom 19. Februar beendigt worden. Da alle Einwürfe und Drohungen den Handels- stand von Lissabon nicht verm ochten, der Regierung günstigere Bedin-

Zungen vorzuschlagen, so werden die gemachten Vorschläge wahr-

scheinlich mit wenigen Aenderungen angenommen werden. Der Han-

F delsstand leiht 1920 Contos de Reis in effekcivem Gelde und

empfängt dafár 2400 Contos de Reis in rückständigen und an- deten Steuern. Diese Summe wird, nebst anderen mit der ank getroffenen Vereinb arungen, dem Schate auf ein halbes Jahr ein monatliches EinFommen von 500 Contos gewähren. A Pa dazu 150 ContoS monatlicher Renten, so werden die Monace S u Reis laufende Ausgaben des Schakes für sechs M S ie seyn. Was aber dann? So fragt Jedermann S hahn A enn die Meitglieder der jeßigen Cortes haben in L R°: bei Uns e Unwissenheit gezeigt, daß man sich von L e L os erselben, wenn sie von ihnen ausgehen soll, Wos L 6 er PeeR fan. Die Anleihe der 6 Millionen Cru- dem so is so iRGCE ks zu 90 pCt. abgeschlossen seyn. Wenn ftändniß L A be Bab n xLrgend ein geheimes politisches Zuge-

Kahíi j Si R

aÿira, 16. Febr. CAllg. Ztg.) Der in Bayern be-

sone General Halberg von alberg - Moos bei Mánchen ist

f G Ei angekommen. den Kopf voller Projekte. So will

isen L in den sogenannten Nil-Katarakten auf die Seite

atte E wenn das nächt geht, dem Nil ein anderes Bett len. Eben so will er neue Wege nach Indien, Abyssinien,

Spike der genannte Minister selbst

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Datfur und Gott weiß wohin noch entdecken. Wir glauben jedoch, daß er seine Reise nur bis zur zweiten Katarakte, bis um Tempel von Jpsambul, dem Ziel der meisten Reisenden, fort- seßen und von seinen Chimären geheilt zurückkommen werde. Jedenfalls is sehr zu wünschen, daß er sich nicht úber die dem Mehmed Ali unterworfenen Länder hinauswagen möge, er würde sonst wohl shwerlih wiederkehren. Wäre er vor zwan- zig Jahren nach Aegypten gekommen, so hätten seine aben- theuerlichen Projekte vielleicht einigen Anklang gefunden; aber seit dem sind deren hier so viel gemacht, daß die lebhafteste Phantasie wohl kaum eins erfinden könnte, das hier nicht hon aufs Tapet gebracht wäre. Mehmed Ali, nachdem er sein Geld hingeworfen, hat endlih ein Haar darin gefunden.

Edham Bey, der Abgeordnete des Pascha’s von Aegypten in London, erscheint dort zwar nicht bei Hofe, wie der Gesandte des Herrn seines Herrn, noch erfährt man von irgend einem andern Verhältnisse zwischen ihm und der Regierung; nichts destoweniger benußt der Vertraute Mehmed Ali’'s seine Zeit trefflich, und sorgt dafür, daß die Zeughäuser seines Gebieters gut angefüllt werden. Englands Verhältnisse mit Aegypten werden jeßt für den freien Verkchr mit Indien so wichtig, daß England wahrscheinlih unter den Europäischen Mächten die erste seyn wird, welche den zukünftigen Souverain von Aegyp- ten wird anzuerkennen haben. Eine merkwürdige Thatsache ist, daß alle jungen Leute, welche der Pascha nach London geschickt hatte, mit einer einzigen Ausnahme, freiwillig und ohne alle fremde Einwirkung, als bloß die der heiligen Schrift, eifrige Bekenner des Christenthums geworden sind. Dem Referen- ten selbst sind mehrere dieser jungen Araber bekannt, welche in Bezug auf Fleiß, Kenntnisse und Anstand den gebildetsten Europäern an die Seite geselzt werden können ; man vergißt in ihrer Gesellschaft, daß sie dein Ôrient angehdren. Einer derselben, der sich der Schiff- baufkfunde befleißigt, hielt dffentlic)ze Vorlesungen in Chatam über die Geschichte Aegyptens und dessen gegenwärtigen Zu- stand, die einem gelehrten Engländer Ehre gemacht haben würden. Die Regierung des Paschas zeigt sich höchst freigebig gegen diese jungen Männer. Kein billiger Wunsch wird ihnen verweigert, der dahin zielt, ihre Kenntnisse zu vermehren, be- treffe er die Anschaffung wissenschaftlicher Werke und Jnstru- mente, oder den Besuch von nüßlichen Anstalten im Junern u. st w. Den Agenten des Paschas is hierin völlig freie Hand gelassen. Sie gestehen ofen, daß, so lange Sklaverei und Polygamie bei ihnen nicht geseßlich abgeschafft wird , eine Regeneration der gesellschaftlichen Verhältnisse nach europäischen Begriffen bei ihnen unmöglich sey.

Inland.

Berlin, 19. März. Ueber die von der Oder angerichte- ten Schäden sind uns nunmehr folgende ausführlichere Mitthei- lungen zugegangen. Schon vor etwa 10 Tagen hatte sich das noch ziemlich feste Eis unmittelbar hinter dem Dorfe Tschicherbig bei Züllichau festgeseßt und einen starken Damm quer durch den Oderstrom gebildet. Jn der Nacht vom 1lten zum 12ten wuchs das auf diese Weise gehemmte Wasser pldslich so bedeutend, daß es auf dem rechten Oder - Ufer bis an die Posener Gränze Al- les überfluthete und auf dem linken Ufer, dem erwähnten Dorfe gerade gegenüber, allmälig an vier Stellen den Oder-Damm durchbrach und die ganze Umgegend bis an die Sawader Berge überschwemmte. Am k12ten Nachmittags erreichte das Wasser seine größte Höhe und fiel darauf, wahrscheinlich in Folge meh- rerer Durchbrüche, um einige Zoll, bis endlich in der Nacht auf den Uten die Eisdecke bei Tschicherßig durhbrach und hier- durch ein Sinken von etwa zwei Fuß herbeigeführt wurde. An den Tagen des 12ten und 1sten war das Wasser in den Dör- fern Ostriß , Trebschen, Glauchau und mehreren einzel- nen Etablissements dieser Gegend bis an die Dächer der Häuser gestiegen, und durch die Schnelligkeit der Ueber- schwemmung war augenblicflih jede Communication unter- brochen und daher den Bewohnern der unter Wasser geseßten Ortschaften die Flucht nah hdher gelegenen Dörfern größten- theils abgeschnitten. Namentlich mußte sih die ganze Einwoh- nerschaft des großen Dorfes Glauchau in sechs vom Wasser freie Häuser retten und sih, sammt ihrem Vieh, auf einem kleinen dazwischen liegenden Raume in Strohhätten oder unter freiem Himmel aufhalten. Menschen sind hier glücklicherweise nicht umgekommen. Da durch die Ueberschwemmung fast sämmt- liche Backöfen und Kochgelegenheiten unbrauchbar geworden waren, so mußte dem Mangel an Lebensmitteln in den betref- fenden Ortschaften durch Transporte von Brod und anderen Victualien abgeholfen werden, die ihnen in Kähnen zugeführt wurden. _Wenn sich auch der angerichtete Schaden noch gar nicht übersehen läßt, so ist doch die Wintersaat auf den über- s{chwemmten Ländereien wahrscheinlih ganz verloren; die Her- stellung der Dämme wird bedeutende Kosten verursachen, und in Glauchau, so wie den übrigen unter Wasser geseßten Dorf- \chasten, beginnen schon mehrere Gebäude zu sinken. Nicht minder betrübend lauten die Nachrichten von der oberen Oder, wo es eben so wenig möglich gewesen is, die zerstdrenden Ein- slüsse der diesjährigen aupergewöhnlichen Eis- und Wassermassen beidem plößlich eingetretenen Thauwetter zu verhüten. Jm Glogauer Kreise bewirkte schon am 9en Nachmittags eine Eisstopfung auf der Gränze der beiden auf dem linken Oder-Ufer belegenen Ddrfer Kottwit und Wettschüß einen Dammbruch, welchem am lten Vormittags ein zweiter etwa 100 Ruthen oberhalb folgte. Die Ortschaften Kattshüs, Kottwis und Wettshüß wurden dadurch unter Wasser geseßt. Jm ersteren Dorfe stürzte ein Haus ein, alle übrigen aber wurden mehr oder weniger beschä- digt. Die Dorf-Bewohner mußten im Wohnhause des Domi- nial - Besizers untergebracht werden, und das gerettete Vich ward auf einen wenige Quadrat - Ruthen großen Raum vor diesem Hause (dem einzigen trockenen Plaße im ganzen Ge- sichtskreise) unter freiem Himmel zusammengetrieben. Ein an- derer Damm-Durchbruch erfolgte bei Golgowib auf dem linken und bei Wilkau auf dem rehten Oder-Ufer. Hier brach der Damm am 9ten Nachmittags an zwei Stellen aus; die nächste Gewalt des Stromes und Cises warf sih auf das hart hinter dem Damme belegene Dorf Wilkau und vernichtere dort eine Wind- mühle und 33 Wohnhäuser, wobei leider 16 Menschen in den Flutchen umkamen. Die Bewohner hatten sich zunächst auf die Dächer geslüchtet, bis es mit Hülfe einer Abtheilung Pioniere aus Glogau, so wie einiger Schiffer und Fischer, gelang, das Dorf auf Fahrzeugen zu erreihen und die Verun- glücêten mit den nothwendigsten Nahrungsmitteln zu versehen. Die Einwohnerschafc ijk größtentheils nah Glogau geschafft und in Bürgerhäusern untergebraht worden. Die Ueber- schwemmung ijt in jener Gegend um so größer, als auch schon im Steinauer Kreise des Regierungs - Bezirks Breslau die Oder-Däámme durchbrochen waren; sie sind im Glogauer

Kreise so umfassend, daß 23 Ortschaften und deren Fluren gänz-

lich, von 10 anderen Ortschaften aber bloß die Feldmarken unter Wasser stehen. Jene 23 Dorfschaften zählen 4694 Ein« wohner mit 578 Feuerstellen, die 10 anderen Dorfschaften aber 3246 Einwohner mit 358 Feuerstellen. Es is sofort in Glogau selbst ein Hülfs-Verein zusaumengetreten, um den Veruniglüf: ten in ihrer Noth beizustehen; derselbe hat einen öffentlichen Aufruf ergehen lassen, in Folge dessen ihm bereits von allen Seiten auichalche Summen zugeflossen sind. Aus dem Frei- städter Kreise is erst ein einziger Dammbruch Lgeweldes worden, und zwar der des Kusser Deiches, oberhalb Wartenberg; der- selbe ist unbedeutend. Jn Neusalz aber standen am Uten Abends sämmtliche Straßen unter Wasser. Jm Grüneberger Kreise sind auf dem linken Ufer die Dämme von Saabor und Loos, auf dem rechten Ufer aber die Dämme von Kleinißb und Schwar- miß durchbrochen worden. An ausführlicheren Berichten von dort fehlt es noch.

_ Laut Nachrichten aus Swinemünde vom 17ten d. M. ist der Hafen nunmehr gänzlih vom Eise befreit, auch von der Lootsenwarte aus kein Eis mehr in See zu sehen.

Am Schlusse des Datees 1837 waren im Regierungs$-

Bezirk Stettin 231 Seeschiffe von zusammen 24,9223], Lasten- grdße, mithin 5 Schiffe und 1046 Lasten ‘mehr vorhanden, als am Schlusse des Jahres 1836. Es wurden im verflossenen Jahre 13 neue Schiffe, und zwar 11 bei Stettin und 2 bei Ueckermünde, erbaut. Das vor kurzem aus Afrika in Kuxhaven angekommene Schiff „„Titania‘/, Capitain Möller, hat zwar nicht direkte, doch mittelbare Nachrichten von dem im Monat Oktober 1836 von Stettin abgegangenen, der Handlung Fr. W. Rahms Söbhne gehörigen und zu Einleitung einer direkten Handels-Verbindung mit Afrika ausgerústeten Schiffe „Luzifer“/, Capitain Nüske (s. St. Ztg. v. J. 1836 Nr. 285.), mitgebracht, nachdem es bis jeßt den Eigenthümern und Ladungs-Interessenten an jeder Nachricht über das Schicksal des Schiffes gefehlt hatte. Das Schiff „„Titania“/ ist gewdhnlih einige Tage später an den Or- ten Afrika’s angekommen, wo der „„Luzifer““ gewesen war. Die leßte Nachricht vom „„Luzifer“/ erhielt die „„Titania‘/ am 18. De- zember vorigen Jahres; nach dieser war Capitain Núske krank gewesen , hatte sich aber später wieder besser befunden, und als die „Titania‘/ Afrika verließ, die Absicht gehabt, nah Gabon zu segeln. Hiernach ist die Ankunft des „euzifer“ in Europa wohl nicht vor Ende der Monate April oder Mai anzunehmen. Man sieht mit Verlangen der Ankunst dieser ersten von Stettin aus direkt nah Afrika gemachten Expedition entgegen, an deren Ausfall sh so manche Wünsche und Hoffnungen knüpfen.

Berliner B-6ree, Den 20, Mürz 1838. Amtlicher Fonds- und Geld-Cours-Zettel.

|ch r. Cour. Pr. Cour. Brief. | Geld. N| Brief. | Geld. St.-Behuld-Seb. | 4| 103 102! /2 Pomm. Pfaudbr. |3} 99/6 _— Pr. Engl. Obl. 30.| 4| 1031/1 2| 1027/1 2|Kur- u.Neum. do.| 4| 100!/, | PrämSch.d.Seeh.|_| 65/2, | 65 do. do. do.3ì| 99/6 | Kurm.Obl.m.1.C.| 4| 103!/, | 103 Schlesische do.|4| 105!/, | Nm. lut. Seb. do.| 4| 103! | PRückat. C. und Z, Berl. Stadt - Obl.| 4| 103!/, | 103 Sch. d. K. u. N.—| 90 89 Königsb. do. |4| Elbinger do. |4ì| Gold al marco |—| 2153/, | 2143/, Dauz. do. io Th.|—| 433/, | Neue Ducaten |—| 18!/, | Westpr.Pfandbr.| 4| 1003/,. [Friedricbsd’'or |—| 137/12) 131/14 Grossh. Pos. do.| 4| 1047/ —-lAnd. Goldmün- Ostpr. Pfandbr. |4/1013/; | 1007/g Jzeo à $5 Thl. |—| 13 12/2 Pomm. do: 4 1003/, [Disconto ps 3 4 Wecksel-Cours. Thir, zu 30 Sgr. Brief. Geld. Amaterdam «oooooo 250 Pi Kurz 143! ls QO A Cie s e eloa de 0E A8 09 230 Fl. 2 Mt, 142!/, | Hamburg «oooooo 300 Mk Kurz 152 dos ooo rec oen 300 Mk 2 Mt. 151!/, | Loudon «eco e ce rec cene 1 LSt 3M. 6 265/, | Paris «ee oe o o o c n aao . « « « 300 Fr. 2 Alt. 81/2] Wien in 20 Xr. «eo ooo 000000 150 Fl. 2 Mt. 1023/;, | 102!/, Augsburg «ooooooooo 150 Fl 2 Mt. —— 1023 s E h ie eas 4 100 Tul. 2 Mt. e 99/5 Leipzig «+6 po eeres 100 Thl. 8 Tage |102/, | Frankfurt a. M. WZ. «eo. 150 Fl, 2 Mi. 102; | Petersburg «ooooooooo 1900 R, | 3 Woch, 301!/ 4

Auswärtige Börsen. Amsterdam, 15. März.

Niederl. wirkl. Schuld 53!/,. 59% do. 1027/6. Kanz -Bill. 22!/,. 59/, Span. 183/,. Passive 43/4. Ausg. Sch. —. Zinsl. —, Preuss. Pram.-Sch. 114. Poln. 116!/,. Oesterr. Met. 102!/,.

Antwerpen, 14. März.

Zins]. 53/,. Neue Anl. 1811/4. Br. S/;. G, Wien, 1ò. März. 59/0 Met. 1065/1 g. 4% 1001/4. 3% 80/8. 21/2/0 19%

—, Bank-Actien —, Nene Anl.

Königliche Schauspiele.

Mittwoch, 21. März. Jm Opernhause: Alceste, lyrisches Trauerspiel in 3 Abth., mit Baller. Musik von Gluck.

Im Schauspielhause: 1) L’etudiant et la grande dame, vau- deville nouveau en 2 actes, par Scribe, 2) Renaudin de Caen, vaudeville en 2 actes.

Donnerstag, 22. Márz. Im Schauspielhause, auf Begeh- ren: Der Paria, Trauerspiel in 1 Akt, von M. Beer. Hier- auf: Vor hundert Jahren, Sitten-Gemälde in 4 Abth., von E. Raupach.

Königsstädtisches Theater.

Mittwoch, 21. März. Lenore, Melodrama in 3 Abth., mit Gesang, von Karl von Hol.ei. Musik von Eberwein. (Herr Ludwig Meyer, vom Stadttheater zu Hamburg: Wall- heim, als Gastrolle.)

Donnerstag, 22. März. Der Vater der Debüätantin. Posse in 4 Akten, nah Bayard, von B. A. Herrmann. Vorher : Der Obrist von sechzehn Jahren. Lustspiel in 1 Akt, frei nach dem Französischen, von B. A. Herrmann. j

Markt-Preise vom Getraide. _ Berlin, den 19. März 1838. u Lande: Weizen 1 Rthlr. 26 Sgr. 3 Pf., auch 1 Rthlr. 22 Sar. 6 Pf.; Roggen 1 Rthir. 10 Sgr., au 1 Rtblr. 5 Sgr. ; fieine Gerste 1 Rtblr. 1 Sgr. 3 Pf, auch W Sgr. 9 Pf; Hafer 27 Sgr. 6 Vf., auch 22 Sgr. 6 Pf.; Erbsen 1 Rthlr. 15 Sgr. Zu Wasser: Weizen 1 Rihlr. 28 Sgr. 9 Pf.; Roggen 1 Rthir.

12 Sgr. 6 Pf. :

e Ml c Sanne cene s E ad 1838.

Das Scho tio tblr. 25 Sar., auv 5 Rtblr. 5 Sgr. Der Centner Hcu 1 Rthir. 7 Sgr. 6 Pf, auch 22 Sgr. 6 Pf. E

Redacteur Ed. Cottel.

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Gedrut dei A. W. Hayn.

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