1838 / 81 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

nals la Mode war gestern wteder vor die hiesigen Assisen ge- fordert, um \ih wegen eines Artikels, in welchem der General- Prokurator eine Beleidigung gegen die Person des Königs er- blickt hatte, zu vertheidigen. Der Anwalt der „Mode“‘‘, Herr Oennequin erklärte, daÿ sein Klient, Herr Voillet de Saint-

hilibert, nicht ersheinen werde, indem die direkte Vorladung in diesem Falle niht mit dem Sinne der September - Gesetze übereinstimme. Der Gerichtshof nahm aber auf diese Einwen- duna keine Rücksicht, sondern verurtheilte den Herrn von Saint- Phî ibert, in Betracht der Recidive, zu einjähriger Haft und 20,000 Franken Geldstrafe, untersagte außerdem auch auf 2 Monate das: Erscheineg der „Mode.“

Briefe aus Algier vom Lten d. melden, daß der Gene- ral Negrier sich mit 2000 Mann an der äußersten Gränze der Provinz Algier befindet, und daß sich ihm alle Stämme ne Widerstand unterwerfen. Die Franzésischen Truppen haben von Coleah Besiß genommen. Ben-Aissa soll wegen der Un- terwerfung Achmed'Bey's und aller Kabylen der Provinz Kon- shamolne unterhandeln. Die Stämme erklären sih bereit, einen Tribut zu zahlen, und Achmed-Bey will als bloßer Bürger in Konstantine leben. |

Die Regierung publizirt heute nachstehende tele raphische Depesche aus Bayonne vom lten d.: ¿¿Am 26. Februar hat der Brigadier Pardinas die Karlisten unter Tallada bei Castril úberfallen, sie vollständig auseinandergesprengt und ihnen alles Material abgenommen. Tallada selbst ist am Tten d. von den National -Gardisten von Barran gefangen genommen wörden. Garcia , auf seine eigenen Streitkräfte eshränkt, sucht Estre- madura zu gewinnen. (Die Charte de 1830 von gestern Abend enthielt eine telegraphische Depesche, ebenfalls aus Bayonne vom 1áten d. Morgens, die folgendermaßen lautete: „Der Ge- neral Caratala hat das Kriegs-Ministerium provisorish wieder übernommen. VPardinas hat am 27sten Tallada vollständig ge- schlagen. Die Karlisten haben 1000 Mann und 2 Kanonen verloren. Garcia hat seinerseits die Citadelle von Puerto Llano genommen. Jn Saragossa ist die Ruhe wieder hergestellt. Jn en T N war bis zum 10ten d. nichts Wichtiges vorge- allen.

J Saragossa sollen die Frauen am meisten zur Vertrei- bung der“ Karlisten beigetragen haben. Aus allen Fenstern gos- sen sie siedendes Wasser und schleuderten ihre Möbel auf die Köpfe der Feinde. : °

An der heutigen Börse waren die Französishen Fonds bei festen Coursen ziemlich gefragt. Auch die Spanischen und Por- tugéesischen Papiere fanden, wegen der besseren Notirungen aus London, viele Käufer. Am lebhastesten aber war das Geschäft in Asphalt - Actien, die am Schlusse der Börse mit 7200 Fr. bezahlt wurden.

Großbritanien und Jrland.

London, 14. März. Jhre Majestät die Königin hielt heute Nachmittag ein Lever, welches für diese Zeit der Saison ungewdhnlich zahlreich besucht war. Bei dieser Gelegenheit wurde Jhrer Majestät auch der Prinz von Capua durch Lord Palmerston vorgestellt. :

Der Graf von Chabot, zweiter Secretatr der Französischen Gesandtschaft am hiesigen Hofe und Neffe des Herzogs von Lein- ster, ist am Montage’ von Paris hier angekommen. Es geht das Gerücht, der Französische Botschafter, General Sebastiani, werde sih zu Ende dieser Saison aus dem öffentlichen Leben eet Ale und Herrn von Barante zu seinem Nachfolger er-

alten. i iy

Heute liegt dem Unterhause eine Bill zur Erdrterung vor, wodurch. die Gränzen der verschiedenen Wahlorte abgesteckt wer- den sollen; man ziveifelt an der Annahme derselben.

Oberst Evans. sprach am Schluß der gestern im Unterhause von ihm gehaltenen Rede noch seine Ansichten über die Spa- nischen Zustände im Allgemeinen aus und klagte bei dieser Ge- legenheit darüher daß man in England so ungerechte Beschul- digungen gegen die Generale der Spanischen Armee erhoben habe; das Benehmen des General Espartero erklärte er für be- wundernswüärdíig und war der Meinung, daß es keinen ehren- werthéren Mann, keinen braveren und gewissenhasteren Sol- daten, feinen treueren Frèund seiner Landsleute geben fkdnne. Zugleich äußerte er die feste Erwartung, daß die beiden Parteien der Spanischen Liberalen sih bald einigen und durch ihre gemein- schaftlichen Anstrengungen der Karlistischen Jnsurrection ein Ende machen würden. Ec Ee N Mbit fg e Stadt von 10,000 Einwohnern auf der ganzen Halbinsel für Don Carlos Párteí genommen habe, und daß die ganze Aristokratie zu Gunsten der Regierung der Königin sey, indem von 150 Granden nur drei sich zu Don Carlos hielten, als Beweis, wie wenig An- flang dessen Sache bei der Nation finde. Das Verfahren ge- gen die Kirche, namentlih die Confiscation alles Eigenthums der Klöster, wödurch alle Mönche. zu eifrigen Anhängern des Don Carlos gemächt worden, betrachtete er als den Haupt- grund, weshalb der Kampf in Spanien sich noch so lange hin- iehe. Schließlich äußerte er die Hoffnung, daß die beiden gro- Len politischen Parteien Englands, da beide sich mit dem Qua- drupel-Traktat identifizirt hätten, sich um der Humanität willen, so wie zur Aufrechterhaltung des Europäischen Gleichgewichts und zum Besten der Britischen Fabrik - Juteressen , vereini- 2 um dem Bürgerkriege auf der Halbinsel ein Ziel

u seßen. is G err West, der Tory - Kandidat für Dublin, der bei den lesten Wahlen durchgefallen is und eine Petition gegen die Wahl des Herrn O'’Connell eingereicht hat, kömmt jelbst nach Löndon, um bei der Untersuchung déeser sretigen Wahl hier anwesend zu seyn. Es soll dies die einzige Jrländische Wahl seyn, bei der es an Dokumenten gur Entscheidung derselben nicht fehlt, und die also, wie ein Dubliner Blatt meint, nicht allein durch politishes Vorurtheil entschieden werden dürfte. Doch ist nicht zu übersehen, daß der Ausschuß, der diese Wahl prüfen soll, aus sieben Reformern und nur vier Tories besteht. Auch in zwei anderen Fällen, wo gegen gewählte Reformer petitionirt ist, und die noch u entscheiden sind, haben die Liberalen in den Ausschüssen das Uebergewicht über die Konservativen, nämlich für Wallhall, wo acht Reformer und drei Tories, und für die Grafschaft Carlow , wo sieben Reformer und vier Tories im Untersuchungs-Ausschusse siten.

in Dubliner Tory - Blatt erzählt folgenden Vorfall, ‘der sich bei der Untersuchung der Wahl für Belfast zugetragen : ¡Herr Emerson Tennent, der gewählte Konservative, wurde von Lord Belfast, seinem liberalen Mitbewerber , der gegen die Wahl petitionirt hatte, vor den Ausschuß geladen, um seine Qualifications-Dokumente vorzuzeigen, aus denen Lord Belfast die Ungültigkeit seiner Wahl zu erweisen gedachte. Herr. Ten? nent erschien, aber die Dokumente erwiesen un lúcklicherweise das Gegentheil; indeß, da er als Zeuge Sr. Herrlichkeit er- schienen war, so liquidirte er am vorigen Dienstage 50 Gui-

neen für die ihm dadurch verursachten Ausgaben und händigte die Liquidation dem Agenten des Lords ein. Die Sache wurde än den Taxator- verwiesen, und dieser erklärte Herrn Tennent's

Forderung für ganz gerechtfertigt, nur zog er 10 Guineen da-

vön ab, da der ehrenwerthe Herr doch vor Ende der Session niht wieder werde nach Hause zu reisen brauchen, und Herr Tennent erhielt von Lord Belfast wirklih 40 Guineen für sein Erscheinen.“

Sir W. Molesworth, der kärzlih durch seine Motion in Betreff des Kolonial- Ministers so große. Aufmerksamkeit erregt hat, ist noch nicht dreißig Jahr alt und einer der eifrigsten Schüler Bentham’s. Er stammt aus einer der ältesten Fami- lien von Wales und besißt ein sehr bedeutendes Vermögen.

Der Graf von Clarendon befindet sih in einem sehr be- denklichen Gesundheitézustande; Sir G. Villiers, der Englische Gesandte in Madrid, würde, wenn der Graf stürbe, seine Ti- tel und Güter erben.

Man befürchtet in dem laufenden Quartal einen beträcht- lichen Ausfall in den Staats - Einnahmen, weil der anhaltende Frost den Handels - Verkehr sehr gehemmt hat und auch die Beziehungen zu Amerika sih noch immer in einem gespannten Zustande befinden. Der Kanzler der Schahkammer joll, um den erwarteten Ausfall zu decken, zu einer Anleihe von 2 Mil- lionen bei der Bank seine Zuflucht nehmen wollen. Hierdurch aber, meint die Times, würden sich die Schwierigkeiten nur noch steigern, wenn die Einnahmen sich im nächsten Quartal nicht bedeutend vermehrten, und jedenfalls seyen die Aussichten fár England jebt sehr düster.

Der Britische Schooner „Pincher“/ ist unweit der Küste von England untergegangen; man weiß noch nichts Näheres über das Schicksal der Mannschaft, fürchtet aber, daß sie ihr Grab in den Wellen gefunden hat.

Folgendes is eine Uebersicht. von der Bevölkerung der Eng- lischen Besikungen in den verschiedenen Welttheilen : In Nord- Amerika bestehen diése Kolonieen aus Ober- und Nieder- Kanada, Prinz Edward's Insel, Cap Breton und Terre- Neuve und dem Gebiet der Hudsons- Bay; diese Länder zählen 1,500,000 Einwohner. Jn Süd - Amerika besißt England die Falklands-IJnseln, Honduras, Berbice, Essequibo und De- merara mit 120,000 Einwohnern; in Westindien Jamaika, St. Trinidad, Tabago, Grenada, St. Vincent, Barbadoes, St. Lucia, Domingo, Antigua, Montserra, Nevis, St. Chri- stoph , Anquilla , Tortola, die Aungfern - Inseln, Neu - Provi- dence, die Bahama-, St. Georgen- und Bermudas- Inseln mit 1 Misllion ir in Afrika das Vorgebirge der uten Hoffnung die Jnsel Mauritius, Mahé, die Seychellen, St. Mena scension, Sierra- Leone, Gambia, Acera und Cape-Coast mit 350,000 Einwohnern; in À ustralien Neu-Süd- Wales, Vandiemensland, das Gebiet am Schwanenslusse, König Georg's Sund und die Insel Norfolk mit 230,000 Einwohnern ; in Asien die Insel Ceylon mit 400,000, die Präsidentschaften Bengalen, Madras und Bombay mit $3 Millionen Einwoh- nern; in Europa Gibraltar , Malta, Gozzo, Korfu, Cepha- lonien, Zante, Santa Maura, Ithaka, Paxo, Cerigo und Hel- goland mit 400,000 Einwohnern. Die Gesammt - Bevölkerung dieser Besikungen beträgt also 87 Millionen Seelen. Die be- kanntesten der in diesen verschiedenen Ländern und nseln herr- schenden Sprachen sind die Englische, Französische, ollándische, Spanische, Italiänische, Portugiesische, Griechische, Maltesische, Cingalesische, Hindostanische und Türkische. Die Regierungs- form is nach den Lokalitäten sehr verschieden; einige haben eine Repräsentanten - Versammlung, andere einen von dem Staats- Secretair der Kolonieen ernannten geseßgebenden Rath, andere ugen ganz von der Gewalt eines von der Königin ernannten

ouverneurs ab. Die verschiedenen Kulten in diesen Besizun-: gen sind die Rômisch- katholische, die Anglikanische, die Grie- chische, die Lutherische, die Hindostanische und die Muhame- danische Religion. j

Aus Buenos-Ayres sind Nachrichten hier eingegangen, die úber die Lage der Dinge an der Westküste von Süd -Ame- rifa bis zum 9. Dezember reichen. Am 22. November war ein Peruanisches Geschwader, aus drei Kriegsschiffen bestehend, vor Valparaiso erschienen, wo es bis zum 7. Dezember blieb, wäh- rend welcher Zeit es demselben gelang, im Angesicht des Hafens drei Fahrzeuge wegzunehmen. Am leßtgenanntén Tage segelte es ab, man wußte nicht wohin. Aus Arequipa hatte man Nach- richten bis zum 27. Oktober, zu welcher Zeit die Armee noch im Besib dieser Stadt war.

Belgien.

Brüssel, 7. März. (Allg. Zt g.)) Nach vieltägigen De- batten is die Repräsentanten - Kammer mit einem neuen Gesebe über die Geschwornen - Gerichte zu Stande gekommen. Das Napoleonsche Geseh hatte sie in Belgien eingeführt, im Jahre 1814 aber schaffte sie der nachherige König Wilhelm, damals nur erst Prinz von Oranien und General-Gouverneur Bel-

iens , durch ein Dekret ab, das später zu vielen Beschwerden Anlaß gegeben. Gleich nah der Revolution von 1830 verord- nete daher die provisorische Regierung die Wiedereinführung der Jury. Der Nar State rúckte hierüber eine allge- meine Bestimmung in die neue Verfassung ein, und erließ später über diesen Gegenstand ein spezielles Dekret, das in wesentli- chen Punkten von der Französischen Ordnung abwich. Wenn näm- li leßtere, im Geiste der Napoleonschen Herrschaft, dem Pràä- fekten die Bildung der Geschwornen-Verzeichnisse allzu sehr preis- gab, auch bei Besticnmung der Kategorieen von Bürgern, aus des nen der Präfekt die Geschwornen B wählen hat, die Begún- stigung der Centralgewalt zu sehr beabsichtigte, #o wollte dage- gen der Belgische Nationa ¿Kongreß das Jnstitut seinem popu- lairen Ursprunge wieder zuführen. Die Geschwornen sollten entnommen werden: 1) aus den Bürgern, die in jeder ‘Pro- vivt den fär den Hauptort derselben festgeseßten Wahlschilling zahlen; 2) aus allen Beamten, die unentgeltliche Functio- nen verrichten; 3) aus den Doctoren und icentiaten der ver- schiedenen gelehrten Fächer; 4) aus den Notarien, Anwalten und Advokaten , endlih 5) aus den pensionirten Land - und See-Offizieren. Alle hiernach zur Theilnahme an der Jury Berechtigten sollten von der Provinzial - Deputation (dem per- manenten Ausschusse der Provinzialstände) auf ein Verzeichniß gebracht, und L jedesmal durchs Loos die nôthige An- zahl von Geschwornen für die Assisen herausgezogen werden. Hiermit war nun allerdings jedem Eingriffe der Staatsgewalt in dje Auswahl der Geschworenen vorgebeugt, es trat aber der andere Leit ein, daß der Zufall des Looses leicht Mâän- ner auf die Geshwornenbank rief, die für so wichtige Functio- nen weder hinlängliche moralische noch) intellektuelle Eigenschaf- ten besaßen. Diesem Uebel abzuhelfen, hat das gegenwärtig von den Repräsentanten angenommene neus Geseß die Kategorie der Beamten, die unentgeltliche Functionen verrichten, ganz un- terdrüft, weil nämlich an vielen Orten unter dieser Rubrik eine

Menge Menschen begriffen wurden, die sich keineswegs zu g \{chwornen eigneten. odann, und dieses ist die wesentli Aenderung, hat man den erforderlichen Census durchgehends höht, und zwar indem man, nach dem Grundsaße des Wie Gesehes, einen höheren für die Städte als für das flache y, angenommen: “Jn den Provinzen Antwerpen, Brabant 4 Oftflandern ist fortan der Geshwornen-Census für die Haupts, 250 Franken, in den Provinzen Westflandern, Lüttich und 5 negau fúr die Hauptstadt 200 Fr., in allen ses Proviz, fár das flache Land und die kleineren Städte 170 Fr.; in} Provinz Namur für die Hauptstadt 140 Fr.; für die klei Städte und das flache Land 120 Fr.; in der Provinz Lim, úberall nur 110 Fr. und in der Provinz Luxemburg überal, 120 Fr. Ohne Rücksicht auf den Census werden künftig Bärgérmeister, Schöffen und Gemeinderäthe der Ortschaften , 4000 Seelen . und darüber zählen, so wie die Secretaire , Empfänger derselben Gemeinden zur Jury gehören kön

Zudem is, um zu einer guten Auswahl zu gelangen, ein (f

rations - System beliebt worden, wobei aber nicht die voly hende Gewalt, wie dieses in Frankreich durch den Präfet in England durch den Sheriff der Fall ist, sondern die 6 richte selbst mit Zuziehung des Königlichen Anwalts thätig j, und nach eigenem Ermessen verfahren. Endlich soll die 3, der zu jeder Session bisher durchs Loos bezeichneten 6 (j {hworenen künftig nur 24 betragen, von denen je zul Gericht sißen. Eine andere wesentliche Modification, dj, Folge des neuen Gesetzes eintreten soll, ist diese, daß tily Anklage-Kammern freigestellt ist, gewisse Kategorieen von sg würdigen Handlungen, anstatt vor die Assisen, vor die Zy polizei - Gerichte zu verweisen, die Jury mithin nicht y der Beurtheilung derselben zu behelligen. Endlich is | wichtige Punkt der geheimen Abstimmung durchgeseßt wo Die Erfahrung hat nämlih bewiesen, daß viele Geschw wenn sie sich zur Berathung mit ihren Kollegen zurügez haben, und es nun zur Abstimmung kommt, sobald sie sh daß ihre Stimme den Ausschlag zur Verurtheilung geben di nicht die Festigkeit haben, ihrer innersten Ueberzeugung gen ein \{chuldig auszusprechen, sondern sich lieber auf die @ derer schlagen, die für die Freisprechung sind. Auch hat may funden, daß im Allgemeinen das laute Abstimmen Manchen schüchtert, da er, in der Ungewißheit über den Ausgang, 1 weiß, ob der Angeschuldigte nicht losgesprochen werden wird, er sich dann, im Fall einer Divulgation der Abstimmung, jenem Geschwornen und seiner Familie rächen dürfte. Ja s im Fall einer Verurtheilung bleibt immer der Geschworne, | sich fär dieselbe ausgesprochen, der Rache der Familie und Anhänger des Verurtheilten bloßgestellt, in sofern nicht für 6

heimhaltung des Votums hinlängliche Vorsorge getroffen ist. Hi

durch ist es denn in den lekzten Jahren mehrmals geschehen, y offenbar {uldige Menschen freigesprochen worden, Und die 6 schlaffung der Jury zum Sprüchworte wurde. Dieses wirkte z rúck auf die Zeugen, die in Folge so vieler unerwartet Fre sprechangen nicht mehr den Muth hatten, vor Gericht Alles, u ste wußten, zu enthüllen, indem gerade sie zuerst der Rache Entlassenen preisgegeben waren. Jn Frankreich haben

Umstände schon vor einigen Jahren zu der Nothwendigfkeil führt, die geheime Abstimmung einzuführen. In der Sh war es immer so, und man befindet sich wohl dabei. soll es nun auch in Belgien der Fall seyn. Den Geschwo soll nämlich, wenn sie sich zur Berathung zurückziehen, ein druckter Zettel eingehändigt werden, auf dem die Wörter J Nein stehen; eines dieser beiden haben sie, in Beantwort der an sie gerichteten Frage, auszustreichen, und hierauf Zettel in cine Urne zu werfen. Dieses sind die wesentlich Modificationen, welche das Institut durch das neue Gesek leidet, und die der Senat wahrscheinlich ohne viele Schwi feiten ebenfalls annehmen wird. Ob hiermit allen Uebelstä abgeholfen seyn wird, muß die Erfahrung lehren.

derlichem Ansehen. Man sucht sich der Theilnahme an ben zu entziehen, so viel man nur kann; Viele scheuen t} antwortlichkeit, viele Andere den Zeitverlust; besonders au tet die Meinung vor, daß die Jury weder im Verurthil noch im Freisprechen hinlängliches Zutrauen einzusidßen geei sey. Vielleicht wird sih nun in dieser Hinsicht eine güustiy Ansicht bilden.

Brüssel, 15. März. Man spricht von mehreren Va! derungen und Beförderungen bei unserem diplomatischen C Der bisherige Gesandte in den Vereinigten Staaten, von Behr, isst außer Aktivität gesekt, und an seiner Stelle

err O‘Sullivan de Graß in Wien ernannt werden. myrna, Tunis, Tripolis und Valparaiso sind Belgische suln ernannt worden.

Dänemarfk.

Kiel, 16. März. (Hamb. Neue Ztg.) In der verfl\ Nacht wurde (wie bereits erwähnt) ein bedeutender Theil hiesigen Königlichen Schlosses ein Raub der Flammen. Seuier. welches um 12!/, Uhr bemerkt wurde, brach im d

tockwerke des südlichen Theils des Schlosses an der Wass aus, und gegen Morgen war dieser Theil in Asche gelegt. die dicken Mauern, die beiden Thürme, deren einer früh Sternwarte benußt wurde, und die Gewölbe zur ebenen} sind stehen geblieben. Die Schloßfkapelle, der erst vor e Jahren wiedereingerichtete große Coursaal, die Zimm Königs und die für den Herzog von Holstein - Glücksbu! stimmten Zimmer sind dagegen gänzlich vernichtet. Var | auf dem Boden befindlichen Waffen und neuen Mont stúcken des Lauenburgschen Jäger - Corps if gar nicht worden. Dagegen ist die aus ungefähr 90,000 Bändt hende Universitäts - Bibliothek, welche erst vor einigen en aus dem jeßt gänzlih verbrannten Theile in das 94 Lokal zur ebenen Erde verlegt wurde, mit einigen kleine lusten und Beschädigungen glücklich gerettet ; Leute aus Ständen bemühten sich, dieselbe nah dem nahe liegenden demischen Gebäude zu transportiren und binnen kurze war fast das ganze Lokal geräumt; als aber der nicht g Theil (die frühere Griechische Kapelle und jeßt Vorzin Bibliothek) einstürzte, wurde es für lebensgefährlich g ferner in das Lokal einzudringen. Glücklicherweise wurde! auch die zurückbleibenden Bücher gegen das Feu! hd das Gewdlbe geschüßt. Wie immer bei solchen Gelegen bestrebten sch Behörden und Privatleute, Sítudiren fe Militairs hier besonders auf eine höchst rühmliche Wels, retten und zu helfen, wo sich nur die Möglichkeit zeigen die Behörde, welche die Löschanstalten leitete, die Unzu n keit dieser gegen eine solche Feuersbrunst richtig Can A von Anfang an in den Vertheidigungsstand gegen das wt Element sebte, war eine Maßregel, der wir außer ?

Im M meinen segen die Geshwornengerichte in Belgien nicht 1

Himmel gesandten Nordwestwinde die Rettung des mittleren Gebäudes und des nördlichen Flügels, wo die Prinzessin Wil- helmine wohnen wird, verdanken. Wie das Feuer entstanden , weiß man nicht genau; wahrscheinlich hat eine Unvorsichtig- feit stattgefunden. Es wurde nämlich während des Baues ge- heizt; es waren deéhalb zwar eigene Wächter angestellt, welche ¡ber das Feuer erst bemerkten, als es nicht mehr zu bezwingen war. Der abgebrannte Theil ist das eigentliche alte Herzogliche Schloß, welches im Jahre 1765, da es dem Einsturze nahe war und ohne Lebensgefahr nicht mehr bewohnt werden konnte, von dcr Kaiserin Katharina als Vormünderin des Großfärsten Paul Petrowitsch durch den Baumeister Sonnin aus Ham- purg vöilig erneuert wurde.

Deutschland.

Hannover, 11. März. (Allg. Ztg.) Die Kompetenzfrage ist in der zweiten Kammer aufs neue berührt, und noch einmal hinausgeschoben worden. Der Kammer war eine Petition des Schagraths Stüve wegen Aufrechthaltung des Staats - Grund- Gesezes übergeben, und an die damals noch mit dem Entwurf der Adresse beschäftigte Kommission überwiesen worden. Nach Er- ledigung der Adresse hatte sich die zu ihrer Abfassung gewählte Kommission mit der Stüveschen Petition beschäftigt, namentlich aber mit cinigen Reclamationen solcher Deputirten, deren Wahl wegen eines Vorbehalts vom Kabinet für ungültig erklärt worden war. Die Kömmission beantragte darauf bei den Ständen ein Schreiben an das Kabinet, und legte auch den Entwurfeines solchen vor, das zwar in seinem raisonnirenden und einleitenden Theile mit ziemlich flaren Worten auf das aufgehobene Staats - Grundgeses Bezug nimmt und in diesem Theile woll unter dem Einflusse der Stäveschen Petition geschrieben ist, das aber hieran durchaus fein fkonfludentes Petitum knüpft, sondern nur die Bitte: „Das Königliche Kabinet wolle, da doch die meisten größeren Städte des Landes nicht in der Versammlung repräsentirt wären, dieselben einladen, Deputirte zu schien.‘ Von der Unzulässigkeit jener Zurückweisung kein Wort. So submiß dieses Schreiben auch in der Hauptsache war, so fand es doch großen Widerspruch: in der ersten Kam- mer durch den Kabinets - Minister Herrn von Schele und den Herrn von Lütken, in zweiter Kammer durch Herrn von Leist. Obgleich nun die ganze Berathung über die- ses Schreiben in der zweiten Kammer noch immer unter dem früher gefaßten Vorbehalte: „daß, was vor Erledigung der Kompyetenzfrage geschehen würde, diese nicht präjudiziren jolle,““ stattfand, so wäre die Annahme des von der Kommission ge- stellten Antrages doch immer ein starkes Moment und Anhalts- punkt für die Kompetenz der Kammer gewesen. Jn der zwei- cen Kaumer wurde der Antrag der Kommission: „die Kam- mer möge das Kabinet ersuchen, die nicht repräsentirten Städte zur Absendung von Deputirten einzuladen,“ mit 30 gegen 24 Stimmen angenommen, zu dem Entwurfe des Schreibens aber nicht weniger als neunzehn Amendements gestellt. Insofern in der Annahme oder Ablehnung des von der ämmission gestellten Antrags eine Vorfrage über die Kom- petenzfrage enthalten und entschieden war, ist das Re- sultat der Abstimmung von Wichtigkeit, da die Majorität nur eine äußerst geringe war; von dem Resultat dieser Ab- stimmung kann man aber noch immer keinen Schluß auf die demnächstige Erledigung der Competenzfrage selbst thun. Denn ein großer Theil der Mitglieder der zweiten Kammer hat zwar tro des Widerstandes des Königl. Commissarius für den An- trag der Komrnaission gestimmt, wenn aber später die nate Com- petenzfrage zur Berathung und Abstimmung kommen wird, vor- züglich mit Zamensaufruf, so ist zu bezweifeln, ob Alle die für diesen Antrag der Kommission votirt haben, auch für die Jn- competenz stimmen werden. Auf der andern Seite haben da- gegen mehrere Mitglieder ausdrücklich erklärt: sie stimmten zwar

{ür den Antrag, wärden aber, wenn die Competenzfrage selbst

zur Entscheidung käme, gegen die Kompetenz stimmen. Uebrigens ijt jene Abstimmung über den Antrag auch insofern ohne Resultat geblieben, als die zweite Kammer, nachdem. sie auf diese Weise üder den Antrag abgestimmt hatte, von dem Beschluß der ersten Kammer in Kenntniß geseßzt wurde, der wegen der gar zu hef- tigen Debatten, die durch jenen Antrag veranlaßt worden, den «niag und den Entwurf des Schreibens an eine neue Kom- mission verwies; die zweite Kammer folgie diesem Beispiel und ernanute zu demselben Behufe eine Kommission.

Kas{el, 18. März. Jn der hiesigen Zeitung liest man: „Privat-Nachrichten aus Hannover vom iten d. zu- folge, hat die zweite Kammer Tags zuvor mit Stimmen-Mehr- heit beschlossen, dem Kabinette anzuzeigen , daß sie die Erôrtre- tung der Kompetenzfrage auf sich beruhen laßen und den Er- wartungen Sr. Moajestát entsprechende Resultate zu erzielen

N suchen werde; sie wäre zugleich von dem Beschluß, nur mit

R alt e Kompetenzfrage zu verhandeln, zurückgekommen. Herren v. Honstedt und Hugo seyen sofort aus der Ver- sammlung geschieden.“ E Hamburg, 19. März. (Börsenh.). Gester du

O urg * WCALz. .). Gestern herrschte hier ungewöhnliche Freude. Es galt der Erinnerung Ua noch größeren JUbels, jenes unaussprechlichen Jubels, mit dem vor 25 Jahren die Stadt, welche eben das fremde Soch abgeschüt- telt, den Tag der Erlôsung begrüßte. Das Freudenfest war ein allgemeines. Die Veranlassung aber gab zunächst der hansea- tische Verein, aus Männern bestehend, die einst so glücklich ge- wesen, fürs Vaterland ins Feld ziehen zu können. Dieser Ver-

| ein pflegte am Jahrestage der Befreiung Hamburgs, das Stif-

| lungéfest der Hanseatischen Legion dffentlih zu feiern und

feierte es heute zum leßztenmal. Das dazu bestimmte Lokal, der Lene Saal der Börsen - Halle , war in ein kolossales Zelt ver- anat, mit Roth und Weiß, den alten Farben der Hansa, dae E Mis die Pfeiler in ges{chmackvoller Anordnung mit de Wassen des Freiheits - Kampfes bedeckt und über- caltet von den Fahnen und Standarten, unter denen die „egion einsk, gefochten. Der Fest- Redner erinnerte die zahl- reiche bunte Versammlung an den Schmerz und die Hd jener merêwürdigen Zeit, die Niemand nicht erlebt V en und Niemand wieder erleben möchte; wie in den Er- O von 1813 und 1815 der Finger der Vorsehung überall O Rubi gewaltet, und „Gott mit uns‘ gewesen sey damals ae u És liege auch zwischen dem damals und heute gar Trost r Pcoment, wo menschliche Klugheit irrte, so sey doch Feier Vis „Gott mit uns‘/, wie heute, so immer: Die UNR d )lop eine Jubel - Kantate, in welher Worte, Musik würdi ortrag wetteiferten, die Erhebung des Deutschen Volkes r E E besingen; und wie in das seelenvoll gesungene Te- a L „Auf zu den Waffen! sprenget die Ketten!“ unter

dus En der friegerische Chor einfiel, da war es als e E E noch einmal ein Strahl jener Begeisterung, n ven L roßes gewirkt. undert Kanonenschüsse schall- n den Wällen. Aller Völker Flaggen wehten in

325 dem Hafen, auf der Alster, in den Kanälen, von den Dächern und Fenstern der Häuser selbs. Und kaum brach die Nacht herein, so strahlten aus allen Fenstern die festliche Beleuchtung, und vor den Thüren und öffentlichen Gebäuden die Lampen und Transparents, Sinnbilder aller Art, die drei Thürme, die Wappen der drei Städte, die drei Worte des Schlachtenrufes: „Gott mit uns‘/ in tausendfarbigem Schim- mer. Die ganze Bevölkerung d#k Stadt und der Umgegend, dichtgedrängt, zu Fuß und zu D agen - schien eine einzige be- wegliche Masse, die in fcöhlicemGetúmmel durch die Straßen

es wiederkehren! Heute Morgen um 10 Uhr sind die Faÿ- nen und Standarten der Hanseatischen Legion auf dieselbe Weise, in der sie am Sonnabend von der großen Michaelis-Kirche nach der Börsen-Halle gebracht wurden, wieder in die Kirche zurük- geleitet worden. Ein Detaschement der Garnison bildete die Esforte. Als die sea: und Standarten-Träger ihren Plat vor der Fronte desselben eingenommen hatten, ließ die Musik ein Tedeum ertdnen. Dann seßte sich der Zug nach der Kirche in Bewegung.

Unsere zwischen hier und Kuxhaven errichtete Telegraphen- Linie hat gestern Morgen um 10 Uhr ihre Thätigkeit mit einer Depesche des hiesigen Senats an den dortigen Amtmann be- gonnen, von welchem sofort die Antwort einlief. Jm Laufe des Tages wurde ferner gemeldet, daß man in Ribebüttel, mit der Freude Hamburgs am heutigen Jubeltage des Wiederer- wachens Hanseatischer Freiheit und Selbstständigkeit sympathi- sirend, den Tag festlih begehe, und daß auf dem Schlosse. die Kanonen gelöst wären. Eine Anzahl anderer, namentlich Schiffs- und Handels-Meldungen, seßten den Telegraphen den ganzen Nachmittag in Thätigkeit, und eine große Menge ver- sammelter Zuschauer nahm mit, Junteresse an dem neuen Schau- spiele der Arbeiten desselben Theil.

München, 16. März. (Bayer. Bl.) Dem Verneh- men nach haben Se. Majestät der Kdnig den bisherigen Hof- Marschall, General - Major Freiherrn v. Gumppenberg, zum Brigadier in Würzburg ernannt. Das neueste Regierungs- Blatt enthält unter andern ein zwanzigjähriges Privilegium gegen den Nachdruck der Schillerschen Werke. Der vorma- lige Minister Fürst Wallerstein liegt auf \{hmerzlihe Weise dar- nieder; ein Pferd hat ihn geschlagen. Man hat hier Nach- richten aus Konstantinopel, wonach sich der am 14. Februar da- selbst eingetroffene Herr v. Rudhart nach kurzem Aufenthalt wieder nah Griechenland einschiffen, sein Begleiter, Graf Saporta aber, direkt über Triest hierher zurückkehren wollte. Ueber die an die leßte Anwesenheit eines fremden Fürstlichen Paares geknüpften Conjecturen, die mit großer Bestimmtheit in mehrern Deutschen Blättern dargelegt worden, können Wohl- unterrichtete nur lächeln. | ;

Stuttgart, 16. März. (Deutsch. Cour.) Gestern wur- den in der Abgeordneten - Kammer die Strafen des Meineids Cra us Art. 216 222) berathen und festgestellt. Ein trauriges Verbrechen, welches das Sittlichkeitsgefühl und den heiligsten Glauben-verleßt, und doch so häufig vorkommt. Ob starke Strafgeseße davon abhalten, ob nicht vielmehr sorgfältige Nährung und Verbreitung religiöser Gesinnungen und wahrer Furcht vor Gott zweckmäßiger seyen, wurde wohl dabei bespro- chen, aber nicht entschieden. Mehrfach wurde auch gerügt namentlich von dem Herrn Präl. von Flatt daß bei uns die Gerichte mit den Eiden etwas. zu freigebig seyen, wogegen in der Prozeß-Ordnung Vorsorge ‘getroffen werden soll.

Darmstadt, 14. März. (Frankf. Journ.) Von meh- reren Seiten hôrt man versichern, daß unsere Rogierung das Beispiel der Großherzogl. Badischen nachahmen und den Bau der Eisenbahn durch die Provinz Starkenburg für Rechnung der Staats-Kasse übernehmen werde. Ohne dieses Gerücht ver- bürgen zu wollen, glauben wir jedoch, wenigstens so viel A, fügen zu dürfen, daß es demselben nicht an innerer Wahrschein- lichkeit gebricht, da, alle Umstände wohl erwogen, durch die öôf- fentlihe Verwaltung als Leiterin einer Eisenbahn-Unternehmung die allgemeinen Interessen mehr berücksichtigt und gewahrt wer- den dürften, als mittelst einer privilegirten Dei L Eli, welche mehr oder weniger den verführerischen Lockungen des Monopolismus sich hinzugeben geneigt seyn möchte.

Karlsruhe, 15. März. (Karlsr. Ztg.) Die in dem M Journal vom ®ten d. M. enthaltene, von einem Heidelberger Korrespondenten gegebene Nachricht „von einigen Unruhen, die in Heidelberg zwischen Studenten und Gendar- men vorgefallen’, und wobei mehrere Studenten durch Säbel- hiebe und Bajonetstöße verwundet worden seyen, ist eine allem Anscheine nach böswillige Uebertreibung. Der stattgehabte Vor- fall stand übrigens nicht in der entferntesten Beziehung mit der Anwesenheit des Professors Gervinus in Heidelberg.

Karlsruhe, 16. März. (K. Z.) Die von der zweiten Kammer beschlossene, und nunmehr der Berathung und Zustim- mung der ersten Kammer unterliegende Adresse an den Groß- herzog, die Richtung der Eisenbahn , so wie die Wirkung der- selben auf den súdôstlichen Theil des Großherzogthums betref- fend, lautet vollständig, wie folzt:

„Durchlauchtigster Großberzog, gnädigster Fürst und Herr! Ju der achten offentlichen Sigung dex zweiten Kammer Höchjlihrer ge- treuen Stände. Versamnulung wurde -bei Berathung des Gesez-Ent- wurfes wegen Erbauung ciner Eisenbahn von Mannheim bis zur Schweizergränze bei Basel 1. hinsichtlich der Richtung der Bahn be- schlo}sen: Jn Erwägyng der Wichtigkeit der anzulegenden Eisenbahn in staatswirtbschafilicher und vorzüglich in fommeizieller Hinsicht, so roie in Berücfsichtigung, daß besouders auch der innere Verkehr durch die Eisenbahn befördert wird, dies aber am Besten bewirkt werden faun, wenn die Vahn möglichst über volfreiche Orte geführt wird und die aus den Gebirgsthälern tretenden Straßen auf die an- gemessenste Weise aufnimmt, in fernerer Erwägung, daß, wenn auch durch die Abweichung von der geraden Linie größere Ausgaben verursacht werden, theils die Opfer der fiaanziel- len Rücksichten durch volkswirthschaftliche Juteressen gerechtfer- tigt werden, theils durch den hêberen Ertrag der Bahn auch für die größeren Koslen der Erbauung eine Entschädigung begründet wird, Ew. Königliche Hoheit ehrerbietigst zu bitten, die genaueste Untersuchung unter Beiziehung lofalkundiger Personen und Abwägung der technischen, finanziellen und volfs1sirtb{chaftlichen Nück- sichten gnädigst anordnen zu weilen, um zu bewirken, daß: a) die Bahn von Mannheim nach Heidelberg entweder mehr rechts gegen Schwetzingen oder -mehr links gegen Secfenheim zu geleitet werde, als in dem Projekt vorgezeichnet ist; b) daß der Babhnzug über Bruch- sal und Durlach geführt werde; c) daß die Hauptbahn dem Orte Oos, von wo die Straße nach Baden abgeht, mehr, als die projektirte Linie zeigt, sich nähere, und daß, wenu sich für die Anlegung einer Seiten- dahn von Dos nach Baden cine ActienzGesellschaft bilden sollte, die erforderliche Konzession: ertheilt werden möge; d) daß bei dem Zuge von Freiburg aufwärts durch dic Annäherung der Babn an Krotßingen der Nachtheil eines zu großen Falles vermieden und die Bahn den be- deutenden Orten an der Straße, so wie dem Münsterthale näher komme; e) daß die gegen die Bahnrichiung durch den Jstciner Klotz geänß-rten großen Bedenfen durch die Richtung der Bahn durch die Thäle; auf der öfilichen Seite des Schlicngener Berges beseitigt und

wogte.. Sie feierte das erste Jubiläum des Friedens. Foy

dadurch die großen Vortheile erreicht werden, die Bahn den Städteu Müllheim und Kandern, und wo mögli der Stadt Lörrach mit dem fabrifreihhen Wiesenthale zu nähern. 1]. In Bezug auf die Wir- kung der Eisenbahn auf den südöstlihen Theil des Großherzogthums wurde, in Ewägung, daß die Bahn von Mannheim nah Basel mit der wahrscheinlichen Fortseßung nah Südosten dem Verkehr auf den Straßen durch das Kinzigthal nach Zürich, Schaffhausen ‘und an den Bodensee Abbruch zu thun geeignet ist, ohne daß die genannten Ge- genden einen unmittelbaren Vortheil von der anzulegenden Eisenbahu erbalten, beschlossen: a) an Eure Königliche Hoheit die ehrerbietigsie Bitte zu stellen: die genaue Untersuhung darüber zu verfü gen, auf welhe Weise den Nachtheilen, welhe dem südöst: lichen Theile des Großherzogthums durch die Erbauung der Eisenbahn von Mannheim bis Basel und in der weiteren Fortsebung nah Südosten drohen, abgeholfen werden kann; b) unter

cifügung einer Petition mehrerer Bewchner der Badischen Seege- gend Éure Königliche Hoheit weiter unterthänigst zu bitten : daß nach geschehener Voruntersuchung der Fühalt jener Petition in Erwägung gezogen und dem nächsten Landtage eine geeignete Vorlage wegen

bhülfe der dem Seefreisé drohenden Nachtheile, namentlich durch etwaige gnädigsie Ertheilung einer Konzession an eine Actién-Gesell- schaft für Erbauung einer Eisenbahu aus -dem Rheinthal an den Bodensee, gnädigst angeordnet werden wolle. Wir legen diese unter URERNS Bitten vor dem Throne Eurer Königlichen Hoheit in ticf- ster Ehrfurcht nieder.“

Schweiz.

Basel, 15. März. Gestern Abends is der Herzog Alex- ander von Württemberg nebst Gemahlin und Gefolge, von Schaffhaufen kommend, hier eingetroffen und im Gasthofe zu den drei Königen abgestiegen. Bald nach ihrer Ankunft erhiel- ten-die hohen Herrschaften von der Musik des in Hüningen stehenden Dragoner- Regiments eine Serenade und Tafelmusik. Der Herzog wird morgen seine Reise fortseßen.

Spanien.

Madrid, 2. Márz. Bei Gelegenheit der Aufhe- bung des Belagerungs - Zustandes der Provinz Toledo hat der Graf von Mirasol, jeßiger General - Gouverneur der. Provin- zen Toledo und Ciudad- Real, in dem betreffenden Dekrete (vom 23. Februar) unter Anderem Folgendes verordnet: „Alle Städte, Flecken und Dorfschaften, die im Besike von Waffen sind, und sich gegen die sie angreifenden Karlisten - Corps nicht bis auf den lebten Mann vertheidigen, sollen, außer andern úber sie zu verhängenden Strafen, auch noch gehalten seyn, die dem Feinde in die Hände fallenden Waffen nach den Fa- brik-Preisen zu bezahlen. Alle Städte, Fleken und Dorfschaften, die den „jeßt nur noch auf kleine Häuflein reduzirten‘/ Karli- sten einen Zufluchtsort gestatten, oder ihnen Lebensmittel irgend einer Art, so viel oder so wenig es auch immer sey, zukommen lassen, sollen eine von der Provinzial-Deputation näher zu be- stimmende Anzahl Rationen zum- Besten derjenigen Ortschaften liefern, die sich vertheidigt haben, und ihre National-Garden er: nähren. Alle diejenigen einzelnen Individuen, die den Karli- sten Lebensmittel oder Bekleidungs-Gegenstände zuführen, sollez erschossen werden.“/ Das Dekret enthält auch noch die Zu- sicherung einer Amnestie, deren diejenigen Karlisten theilhaftig werden sollen, die innerhalb aht Tagen, von dem Tage dèr Bekanntmachung des Dekrets an gerechnet, ihre Waffen in die Hände der Behörden abliefern, und zu ihren Gewerben zu- rüfehren. Am Schlusse“ heißt es: „Alle Justiz-Beamten, fa: milienväter und einflußreichen Personen sind der Königin für das Blut verantwortlich, das durch Verfehlung des beabsichtigten Zwek- kes ferner noch vergossen werden möchte. Nach Ablauf der bezeichneten Frist würde jede Nachsicht nur ein Verbrechen seyn, und die Ungehorsamen haben alsdann nichts als Vertilgung und Tod zu erwarten.“ Ueber das Unzweckmäßige dieser und ähnlicher Verordnungen herrscht hier nur eine Stimme, und selbst die gemäßigten Liberalen gestehen laut ein, daß sol- he Maaßregeln, deren Unausfuhrbackeit überdies am Tage liegt, nur der Sache des Don Carlos förderlich seyn können. Von allen Seiten gehen hier Berichte über die strenge Mannszucht ein, die der Karlisten-Chef, Don Basilio Gärcia, unter seinen Tcuppen hält, was die hiesigen Exaltados häufig in nicht geringe Verlegenheit set. Kürzlich sind zwei Offiziere von dem Streif - Corps des Palillos, die sich in einer kleinen Stadt der Provinz la Mancha Gewaltthätigkeiten hatten zu Schulden kommen lassen, auf Garcia’s Befehl erschossen worden.

Inland.

Berlin, 21. März. Auch in Halle ist der 17. März, an welchem Tage der König, unser Allergnädigster Herr, vor 25 Jahren sein Volk zu den Waffen rief, auf das festlichste be- gangen worden; 241 Theilnehmer hatten si zu dieser Feier ge- meldet, die in dem Lokale des sogenannten städtischen Schieß- grabens stattfand „, dessen Hauptsaal in kriegerischer Weise ge- \{chmücckt war.

Man schreibt aus Düsseldorf unterm 13ten d. M.: „Seit vielen Jahren drohte der Eisgang des Rheins nicht so große Gefahren, als diesesmal; aber so beflagenswerth auch die eingetretenen Ueberschwemmungen und die Deich - Durchbrüche in ihren noch nicht ganz übersehbaren Folgen geworden seyn mögen, so wird doch von den Ufer - Bewohnern allgemein an- erkannt, daß die Vorsehung die drohenden Gefahren zum größ- ten Theile gnädig und glücklih abgewendet hat, Der Kreis Rees hat am meisten gelitten. Abgesehen von dem durch- brochenen Deiche, dessen Herstellung an 40,000 Rthlr. kosten dürfte, sind viele und große Fluren theilweise ausgekolkt, theil: weise mit Kies bedeckt oder. versandet, und die Gebäulichkeiten haben mehr oder weniger gelitten. Auch im Kreise Duisburg ist das Wasser übergetreten und hat sich in die Niederungen ergossen , wobei die Stadt Duisburg zum großen Theile eben- falls unter Wasser geseßzt wurde. Der obere und untere Theil des Kreises Düsseldorf ist dem Rheine entlang ebenfalls über- {wemmt worden, wobei das oberhalb der hiesigen Stadt ge- legene Dorf Volmerswerth am meisten gelitten hat. Nicht minder wurden die Ortschaften am linken Rhein-Ufer im Kreise Neuß , bis zur Gränze des Regierungs-Bezirks Köln, hart be- drängt, besonders Dormagen, in Folge eines in der Nacht vom 26. auf den 27. Februar erfolgten Durchbruchs. Zu Neuß ist die Erftbrücke zerstört. Menschenleben hat das furchtbare Er- eigniß nur zwei im Kreise Rees gekostet; auch ist dort einiges Rindvieh umge?ommen und eine kleine Schafheerde ertrunken. Die Vorräthe in Kellern und Erdgruben sind größtentheils ver- dorben, so daß der Haupt - Betrag des Schadens incl. Herstel- lung der Deiche gewiß nicht unter 100,000 Rthlr. betragen möchte. Die meigungen auf eine gute Aerndte sind theils durch den strengen Frost, theils durch die Uebershwemmung in meh- reren Gegenden unseres Regierungs - Bezirks vernichtet, und da außerdem die Kartoffeln in großer Menge erfroren oder durch das Wasser verdorben sind, so befürchtet man, in den

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