1838 / 154 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

handelt es sich hier nur um Geld.

Werth auf die Ceremonie legen sollte.

nen Ansichten gemäß

die Jrländische Armen - Bill verwandeln sollte. Graf Roden suchte zwar nochmals die Verwerfung der Bill auf dieser Sta- tion zu veranlassen, indem er darauf antrug, daß sie se<s Mo- nate ausgeseßt werde; es gelang ihm jedoch ni<t, mit diesem Amendement durchzudringen, obgleich er die Maßregel als will- kürlih und tyrannisch bezeichnete und’ als dazu geeignet, die Quellen der Barmherzigkeit in Jrland ganz zu verstopfen, und obgleich er in diesen Ansichten von dem Grafen Winchil- sea, von dem Marquis von Londonderry, dem Gra- fen Stanhope und dem Marquis von Clanricarde unterstüßt wurde. Der Herzog von Wellington hielt es nämlich für durchaus nothwendig, daß man ein gerades und redlihes Verfahren in dieser Angelegenheit befolge und dic Maßregel im Ausschusse genau prüfe, um sie entweder so zu verbessern, daß sie zur Wohlfahrt Jrlands aereiche, oder, wenn man sie unverbesserlih finde, eine andere an deren Stelle ein-

zubringen, da irgend etwas in Bezug auf das Jrländische Ar- |

menwesen gethan werden müsse, wenn man den Zustand jenes Landes verbessern und dasselbe beruhigen wolle. Er gab auch zu bedenken, daß seit langer Zeit keine Bill mit so gro- per Majorität vom Unterhause an das Oberhaus gesandt und daß sie von dem Ministerium unter- Fükt werde, daß man sie also nicht unerdrtert zurückwei- sen dûrfe. Diese Argumente trugen den Sieg davon, und Graf Roden sah sich gendthigt, sein Amendement zurüf- zunehmen. Jm Ausschusse über die Bill schlug der Graf von Fibwilliam zunächst vor, die Berathung über die ganze Einleitung und die ersten 40 Klauseln derselben noch auszuseßen, was mit 101 gegen 4 Stimmen genehmigt wurde. Dann ent- spann sich aber eine lebhafte Debatte über ein zweites von eben- demselben zur 41sten Klausel beantragtes Amendement, wonach die Armen - Unterstübung auf Alte, Kranke und Waisenkinder beschränkt werden sollte. Nachdem Lord Melbourne sich gegen dies Amendement ausgesprochen hatte, wurde die Fortsegung der Diskussion jener Klausel und des Amendements bis zum Donnerstage verschoben, bis zu welhem Abend das Haus keine Sik6ung halten wird.

Unterhaus. Sißung vom 28. Mai. Nachdem Lord I. Russell auf cine an ihn gerichtete Frage erklärt hatte, daß in Nieder - Kanada die Habeas- Corpus- Akte bis zum 24. August suspendirt worden sey, daß aber das Ministerium deshalb feiner Indemnitäts - Bill bedürfe, weil es durch eine Parlaments - Afte zu einer solchen Suspendirung ermächtigt werde, erhob sich Sir George Grey, der Unter - Staaté- Secretair für die Kolonieen, um, wie der Minister des Jnnern am Freitage angezeigt hatte, das Haus zu einer nochmaligen Entscheidung über die Frage in Betreff der Fortdauer oder unverzüglichen Aufhebung des Lehrlings - Zustandes der Neger in den Westindischen Kolonieen aufzufordern, weil es, mit sch selbst im Widerspruch, früher einen Antrag Sir G. Strick- land’s, der die völlige Freigebung der Neger - Lehrlinge am ]. August d. J. bezweckt, verworfen hatte, wogegen es später einer auf denselben Zweck gerichteten, von Sir E. Wilmot vor- geschlagenen Resolution seine Zustimmung gab. Er seute aber- mals weitläuftig aus einander, aus welchen Gründen die Mi- nister dieser lebteren Resolution nicht beipflihten könnten, und bewies durch Aktenstücke, daß der vom Parlamente angeord- nete sechéjährige Lehrlingszustand der Neger die besten Wirkungen habe, daß die Leßteren in diesem Uebergangszustand die erfreulichsten Fortschritte machten, und daß die Missionaire, die doch gewiß für das Beste der Neger bedacht seyen und deren Interessen richtiger begriffen, als viele angebliche Negerfreunde, sich sehr gänstig über das eingeführte System aussprächen. Am Schluß seiner Rede schlug daher Sir G. Grey dem Hause folgende beide Resolutionen zur Annahme vor;

worden f\ey,

wenn die Absichten des Parlaments zweifelheft blieben, und um die Ruhe und Wohlfahrt der Kolonieen aufrecht zu erhalten, |

ist es nôthig, zu erklären, daß das Haus es nicht | für räthli<h häst, einen Schritt zur Ausführung der ( Wilmotschen) Resolution vom 22, Mai zu thun.“ 2) „Das Haus erklärt zugleih, daß, seiner Ansicht nach, |

nichts unterlassen werden darf, was dazu dienen kann, der Ne- | ger- Bevölkerung in den Kolonieen Jhrer Majestät die Privi- | legien zu sichern, zu denen sie nah der die Abschaffung der | Sklaverei betreffenden Akte und nach der dieses Geseß verbes- | sernden Afte berechtigt sind, und daß dieses Haus dem Zustande | und den Verhältnaissen der Neger - Bevölkerung auh nach Ab- {auf der Lehrlingszeit (nach dem l. August 1840), wenn sie zum vol- | len Genuß ihrer gänzlichen Freiheit gelangt seyn werden, seine sorg- fáltigste Aufmerksamkeit widmen wird.“/ Sir E. Wilmot stellte diesen Vorschlägen zwar das Amendement entgegen, daß der Resolution vom 22. Mai, wenn man die Sicherheit und Ruhe der Kolonieen aufrecht erhalten wolle, dur) irgend eine legis- lative Maßregel müsse Folge gegeben werden, und machte sich heute auch selbst anheischig, eine solhe Maßregel eiazubringen, | wozu er bekanntlich am Freitage nicht bereit war; indeß nach- dem der ministerielle Antrag dur<h Herrn Ellice, Sir R. Peel, welcher das Haus besonders warnte, es möchte sich nicht von Versammlungen in Exeter - Hall Vorschriften ma- chen lassen, und Lord Stanley unterstüst und schließlich von Lord J. Russell gegen die Einwürfe der Gegner, uuter denen sich auch O'Conneli und viele andere sonstige An- hänger des Ministeriums befanden, noch einmal vertheidigt lporden war, ging die erste Resolution mit 250 gegen 178 Stim- men durch; die Minister hatten also eine Majorität pon 72 Stimmen, die ihnen in diesem Fall hauptsächlich durch die Unterstäßung der Konservativen zu Theil wurde. Dée weite Resolution ward dann ohne Weiteres auch angenommen. ur Diekussion der Jrländischen Munizipal-Bill kam es heute

l Ich für mein Theil halte die ganze Ceremonie fâr ein eitles Gepränge, für einen Ueber- rest aus barbarischen Jahrhunderten, und ih kann nicht be- gen, was die Loyalität des edlen Marquis durch grd- eren Powp bei einer solhen Ceremonie gewinnen würde. Nie- mand wird glauben, daß das Recht Jhcer Majestät auf die Krone durch diese Ceremonie verstärkt werden könnte. Die Kdö- nigin is au< wohl selbst zu hochgebildet, als daß sie einen ¿ Ich wünschte daher lie- ber, der edle Premier-Minister hätte Jhrer Majestät gerathen, die Ceremonie, als etwas Nubloses, ganz unterbleiben zu las- sen.’ Der Marquis von Salisbury, dêèr die Lords aus Versehen „meine Herren““ anredete, sich aber gleich verbesserte, war mit diesen Ansichten nicht einverstanden, und Lord Lon- donderry antwortete dem Grafen Fißwilliam: „Wenn der edle Lord das, was er gesagt, im Erste meint, so sollte er doch sei-

Lade und geradezu darauf antragen, die Krdônung ganz abzuschaffen.“ (Gelächter.) Hiermit {loß dieser Wortwechsel, und es wurde nun zur Tagesordnung über- gegangen, welcher zufolge das Haus sich in den Ausshuß über

636

noch nicht Sklaven-Angelegenheit bis gegen 1 Uhr dauerte.

London, 29. Mai.

ein großer Theil der Sibung hinging.

lington zuzuschreiben, der den leidenschaftlichen

und sie dadurch in ihrem Ungestüm zügelt. Herzog ihren Unwillen fühlen zu lassen.

unterzuordnen; sie werfen also dem Herzoge von offen sanctionirt worden sey. ßer den Debatten über ] und über die Jrländishe Armen - Bill, am Donnerstage, wenn es zur Abstimmung

welche

erste bedeutende im Ausschusse von Seiten der Opposition bean- tragte Amendement und zur Diskussion der ausgeseßten Klauseln fommt, ihre eigentliche Probe zu bestehen haben wird, in

den leßten Tagen no<h im Parlamente zur Entscheidung ge- langte, war der Lehrlings-Zustand der Neger in den Westindt- schen Kolonieen. Es war wohl vorauszusehen, daß das Unter-

haus, wenn die Minister es ernstlich dazu aufforderten, in einer

men würde, durch den es bei Gelegenheit der Stricklandschen Motion die Fortdauer jenes Zustandes bis zu dem ursprung- lich festgeseßten Zeitpunkte, dem 1. August 1840, fär ange- messen und gerecht erklärt hatte, und es hat sih die nach der unerwarteten Annahme der Wilmotschen Resolution ausgesprochene Vermuthung vollkommen bestätigt, daß die- ser entgegengeseßte Beschluß nur dur<h eine Ueberrumpelung des Hauses zu erklären sey, welches, als die Resolution zur Abstimmung kam, gerade nicht sehr zahlreih versammelt war. “Der gestrige Antrag der Minister war zwar nicht direkt auf Zurücknahme jener Resolution gerichtet, wird aber, der Sache nach, dieselbe Folge haben, als wenn das Haus den auf Sir E. Wilmot's Antrag gefaßten Beschluß geradesweges wi- derrufen hätte, und diese Entschéidung muß um so nachdrucks- voller scyn, da sie in eivem ziemlih gefällten Hause erfolgte, denn es waren gestern 432 Mitglieder zugegen, während an jener früheren Abstimmung nur 189 Mitglieder Theil nahmen. Die Verpflichtung, welche die Minister dur die zweite ihrer gestern vorgeschlagenen Resolutionen übernahmen, daß nämlich die Regierung aufs sorgfältigste darauf bedacht seyn wolle, den

| |

|

|

|

|

vollen Versammlung auf seinen früheren Beschluß zurückkom- |

1) „Um die nachtheili- | gen Folgen zu verhindern, welche daraus entstehen könnten, | besest worden sey, weil man sih über die Gränzen nicht habe

Negern während ihrer noch übrigen Lehrlingszeit eine milde und“ gere<hte Behandlung von Seiten ihrer Herren zu sichern, und daß auch nah der im Jahre 1840 eintretenden völligen Freiheit der Ersteren für ihre Wohlfahrt angelegent- lichst gesorgt werden solle, mag wohl mit dazu beigetragen ha- ben, daß ihre Resolutionen mit einer Majorität von 72 Stim- men durchgingen , so sehr auch die Freunde der unverzüglichen Emancipation sich in der lebten Zeit bemüht haben, das Land fär ihre Ansichten zu gewinnen und durch Aufregung des Volks zu ihrem Ziele zu gelangen. Sie haben auch ihren Plan noch keineswegés aufgegeben, denn heute hielten sie bereits wieder eine Versammlung, in welcher neue Beschlusse zu Gunsten der Neger und gegen das Verfahren des Ministeriums angcnommen wurden. 8

Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten wurde neulich von einem Mitgliede des Unterhauses gefragt, ob die Regierung eine offizielle Nachricht darüber erhalten habe, daß kürzlich ein bedeutender Theil des Brasilianischen Gebiets und des Britischen Guiana von Franzdsischen Truppen militairisch

einigen können, worauf Lord Palmerston erklärte, daß er zwar vernommen, es habe von Seiten der Französischen Truppen in Folge eines seit einiger Zeit schwebenden Streits eine Bewe- gung stattgefunden, und daß er auch sogleich nähere Erkundi- gungen über diese Angelegenheit angeordnet, daß indeß, da dies erst furze Zeit her sey, no<h feine Antwort hierauf habe nach England gelangen können.

Ueber den jeßigen Stand der Verhältnisse in Frankreich bemerkt der Courier: „Die Verhandlungen in den Franzd- sischen Kammern sind in der lebten Zeit von wenig Junteresse gewesen, da schon ziemlich lange kein Partei- Angriff stattgefun- den hat; wir wissen aus unserem eigenen es Sn wie lang- weilig eine Diskussion wird, so lange es keine Partei-Debatten dabei giebt und der geseßgebende Körper sih bona lidle mit den Angelegenheiten des Landes beschäftigt. Die Sache scheint sich so zu verhalten: Guizot, Thiers und die anderen parlamenta- rischen Notabilitäten wünschen, daß die Session ohne weitere Reibungen vorübergehen möchte. Das Ministerium kann nicht tiefer gedemüthigt werden, als es schon geschehen is, und die einzige Aussicht, welche das gegenwärtige Kabinet hat, den ver- lorenen Grund und Boden wiederzugewinnen, wäre ein Partei- Sieg auf irgend einem neuen Felde. Eine solche Gelegenheit will ihm aber die Opposition nicht darbieten, wenn sie es ver- hindern kann. In Kreisen, welche in diesen Dingen gewöhnlich gut unterrichtet sind, ist man fest überzeugt, daß Herr Guizot vom Könige bereits die Ermächtigung erhalten habe, während der Ferien ein neues Kabinet zu bilden. Unterdessen nähert sich die Spanische Frage, dieser große Stein des Anstoßes auf der Bahn der Französischen Staatsmänner, immer mehr einer Kri- sis, und wenn die Madrider Regierung nur ein wenig Vernunft entfaltet, jo muß sie die Sache zu einer befriedigenden Erledi- gung bringen können.‘

wie zu erwarten -war, da die Debatte über die | Frankreich geneigt ist, diese Sache

Obgleich das Oberhaus sich gestern den ganzen Abend hindurch, bis nah Mitternacht, mit der Jr- ländischen Armen-Bill beschäftigte, so ist dieselbe do, wie aus den Parlaments-Verhandlungen zu ersehen, nicht weiter gefördert worden, da die Gegner derselben noh einen Versuh machten, sie gar nicht erst in den Ausschuß gelangen zu lassen, worüber sich am Ende kein einziger Pair fand, der jenen Versuch direkt durch sein | Votum unterstüßen wollte, war wohl wiederum hauptsäch- lich dem dagegen wirkenden Einflusse des Herzogs von Wel- iferern eine gemäßigte und besonnene Haltung entgegenzuseßen fortfährt | Andererseits fah- | ren daher auch die Ultra - Blätter der Tory - Partei fort, den Sie sind besonders sehr entrüstet darüber, daß er am Freitage den Bischof von Exeter in seinem Angriff auf das von der Regierung in Jr- land eingeführte Unterrichts-System nicht unterstüst und durch sein Benehmen dieses System, nah welchem katholische und protestantische Kinder in denselben Schulen unterrichtet werden, geradezu gutgeheißen hat. Da nämlich in diesen Schulen nicht die Bibel selbst, sondern nur“ ein auf dieselbe gegründetes Lehr- buch, mit Auszügen daraus, bei dem Unterrichte benußt wird, die eigentlihe Belehrung in den Glaubensgrundsäsen aber nicht mit in den Schulplan aufgenommen, sondern den verschie- denen Konfessionen überlassen worden ist, so wollen die eifrigen Anglikaner darin eine Beeinträchtigung ihrer Kirche finden und äußern die Besorgniß, daß jenes System dazu führen würde, den Protestantiémus in Jrland immer mehr dem Katholiziómus ellington vor, daß durch ihn eine solhe Gefährdung der Staatskirche Das Wichtigste, was au- das Jrländische Unterrichtswesen erst über das

so ziemli | Sinne zu behandeln, wie die anderen großen Müh dek

König der Belgier ist zwar ganz auf die Wünsche seins, thanen eingegangen und thut sein Möglichstes, n Leer U y lipp’s Unterstüßung zu erhalten. Dieser bedächtige M Vi soll aber den Forderungen seines Schwiegersohnes weni dna munterung haben angedeihen lassen, und Belgien muß 8 d | dazu anschi>ken, das ganze streitige Gebiet an Holland d aj | liefern, wenn die beiden Mächte nicht ihre Streitigkeiten k | freundschaftlihe Weise unter einander allein ausgleichen tznd | Was die Frage wegen der gemeinschaftlichen Schuld s so will Ludwig Philipp die Ansicht der Belgier unters | | daß das Land billiger Weise für die Kosten enschädigt twe | müsse, welche ihm die bedeutende Streitmacht oerursage p | die es so lange beibehalten mußte, deren es aber unter and | Umständen nicht bedurft hätte. Äuch einige Handelsge bert | verlangt der König der Franzosen für Belgien, der Sni heil Niederlande aber scheint nicht gesonnen, sie zu bewilligen" der

Marie Taglioni ist gestern von Boulogne in Dover q fommen und wird heute hier erwartet. "ge Am Sonnabend is das Dampfschiff „¿Sirius ku fi zweiten Amerikanischen Reise von hier nah Cork t iat

Nach Berichten aus Jamaika vom 28, April atte y, von Joinville mit seinem Gefolge auch dieser Insel y

B nen Besuch abgestattet.

Niederlande.

Amsterdam, 29. Mai. Das „Handelsblad“ (äf 4 von seinem Korrespondenten in London unterm 26sten h Folgendes melden: „Es wird“ Zhren Lesern gewiß angen, f seyn, zu vernehmen, daß alle fünf Mächte, deren Gesandte [l Londoner Konferenz bilden, einstimmig beschlossen haben, y Traktat der 24 Artikel mit Kdnig Wilhelm zu unterzeidty Das Haager Kabinet muß in dieser Beziehung dieser Tage ih tige Mittheilungen erhalten haben, so daß man sich mit Gry bei Jhnen schmeicheln kann, daß der Abschluß des Trak zwischen Jhrer Regierung und den fünf Höfen in kurzer ausgeführt werden soll. Die mit allen Grundsäten des kerrechts, aufrichtiger Treue und weiser Politik streitenden %, wegungen, die man durch allerlei Aufhetzereien in Y gien jezt zu Wege gebracht, und deren so ungünstiges Abyy chen von der verständigen Haltung des Holländischen Y fes, hatte die entgegengeseßzte Wirkung von dem hetrvt gebracht, was inan davon (in Belgien) erwartete. Statt y Mächten Furcht einzujagen, hat man sie mit Jndignation n füllt und bei ihnen den festen Entschluß erzeugt, keine weit Nachgiebigkeit einem Lande angedeihen‘ zu lassen, das sih wenig würdig zeigt, eine Stelle in der Reihe der unabhängin Staaten einzunehmen. Eine: ¿bedeutende Macht hat si w mentlich deéhalb zu Brüssel auf die nachdrücklichste und ernsies Weise erklärt, und seinen unabänderlichen Beschluß zu erfenna gegeben, nicht zu dulden, daß sich Belgien auch nur in eina Hinsicht Verpflichtungen entziehe, welche diesem Lande aus de Traktat entsprungen, dem es seine Existenz zu verdanken u wozu es sich verbindlich gemacht habe.“

Das Handelsblad sagt ferner: „Die Belgischen Blätt sind seit einigen Tagen wieder mit Adressen aus Limburg und Luxemburg gegen die Annahme der 24 Artikel und mit Proclv mationen sogenannter patriotischer Vereine angefüllt, welche bei zwecken, den Geist des Widerstandes in diesen Provinzen reg N zu halten oder noch mehr zu entflammen. Alle sind in einen und demselben Tone abgefaßt und qus den wenigen Prober welche wir davon geliefert haben, sind alle anderen kennen ; lernen. Wir nehmen denn auch keine derselben mehr auf, un um so weniger, da die hochtrabenden Neden von Heldenmuh

und Vaterlandsliebe, dem Kennzeichen aller Belgischen Procly mationen, endlich auf uns einen unangenehmen Eindruck mi chen und deren Durchlesung eher lästig werden als genügt müßte.“ j

Belgien.

Lüttich, 29. Maï. Der Courrier de la Meuse, de seinen Unmuth darüber, daß Herr Neef, Burgemeister von Til, bei den lehten Wahlen den Sieg davongetragen, nid! verbergen kann, trôstet seine Leser damit, daß die Majorität nur unbedeutend gewesen. (Herr- Neef hatte bei 858 Wählern nu 32 Stimmen mehr als sein Mitbewerber, Herr de Longree, Es werde dies, meint das gedachte Blatt, den Gegnern ei Beweis seyn, daß die Partei des Bischofs doch no< nit zusammengeschmolzen sey, als man gern ausgeben möchte. Jf man könnte die leßte Abstimmung sogar als eine Art von Siz für diese Partei betrachten, da bei den vor zwei Jahren statt gefundenen Wahlen die aufgeklärte Partei eine bedeutend grb ßere Majorität, als diesesmal, für sih gehabt habe.

Gestern haben sich sämmtliche Einwohner von Tilff zu ih} rem Burgemeister begeben, um ihm zu dem Siege, den er bi der Wahl in Lüttich davongetragen, ihren Glü>kwunsch abzu statten. Bei den lesten Wahlen sind übrigens auch an and} ren Orten der Provinz alle diejenigen Mitglieder der Provi zial-Deputation, die früher in der bekannten Tilffer Angelege! [f

nicht wieder gewählt worden.

Deutschland.

Lúbecf, 31. Mai. (Börsenhalle.) Das Dampsschif ¿Nicolai 1.‘/, Capitain Stahl, mit 132 Passagieren und ® Mann Besabung am Bord, is auf der Reise von St. Peteró burg nah Travemünde, Nachts zum 31. Mai zwischen 11 un 12 Uhr, unter Groß-Klü6, circa eine Meile von der Tal mätder Rhede entfernt, in Brand gerathen. Folgendes \\ die näheren Umstände des unglücklichen Ereignisses: „Di Neise von St. Petersburg war vom schönsten Wetter begleitet gestern Morgen (den 30. Mai), ward die Post bei Ri gen abgegeben. Abends gegen 11 Uhr, als alle Dame! und Kinder schon ihre Schlafstellen gesucht, die Het' ren aber no<h an der Abendtafel oder an den Spiel tischen versammelt waren, erscholl der Schreckensruf, „das Schiff brenne! Vald sah man auch den Rauch und die Fl ken aus dem Raume, wo die Heizkammer sich befindet, ausstt en. Capitain Stahl, welcher die Geistesgegenwart nicht ver! enukte die no< wirkende Kraft der Maschine, um dem Landt zuzusteuern, und ließ nur die Handsprißen wirken; denn dur ein Stillstehen der Maschinen und Anwendung der Dampsfspribé würden, bei dem Mangel an hinlänglihen Böten und den E dann eingetretenen verzweifelten Kämpfen und Wirren, mig cherweise sämmtliche am Bord befindlichen Personen ihren L in den Flammen oder in den Wellen gefunden haben. E euer griff so ras< um s<, daß es nur eben gelang, p chiff bei Klú6, etwa 100 Schritte vom Lande entfernt, W

In Bezug auf die edel -Delpaeen Angelegenheiten sagt dasselbe Blatt: „Wir glauben versichern zu können, daß

den Strand zu seßen. Außer der 33 Mann starken Besahßuns

heit Partei fr den Bischof van Bommel genommen halt | 4

¿ 132 Passagiere mít 11 Wagen am Bord. Die aag S ritelina war nun auf's Höchste gestiegen, ein E wollte zuerst gerettet seyn; mehrere Passagiere sprangen Ie Wasser, andere wollten mit Gewalt das Boot losmachen, A sches aber zerbra<h. Alle sind indeß gerettet, bis auf fünf Personen, welche vermißt werden, nämlih ein Hr. von Golow- P Golowin), und ein Diener des Russischen Kabinets-

x i : E e Geri Markeloff, (beide Leichen sollen bereits angetrie-

hen seyn), ferner ein Herr Meyer, der einer Zucker-Fabrik des

aiard in St. Petersburg vorstehen soll, so wie 2 Mann res S Bere atn Von den eil Wagen sind zwei über Bord geworfen, die übrigen sind verbrannt, so wie denn auch n großer Theil der Passagier-Effekten verloren ist. Auch das G È- Felleisen und die Depeschen dreier Couriere haben nicht (S werden können. Von Kontanten soll nur ein Faß Gold am Bord gewesen scyn, in dessen Wiederbesiß man noch u gelangen hoffe. Capitain Stahl, welcher nur mit Rettung z „Passagiere beschäftigt war, hat ebenfalls weder seine Effek- E Papiere gerettet. Die Mehrzahl der Passagiere ist E Se anctiide ohne Schuhe und Kopfbede>kung angekommen. Das Schiff ist bis zum Wasserspiegel aufgebrannt und wird ni<ts veravsáumt, aus dem Rumpf des Schiffes zu bergen, was möglich ist. Das Schiff ist in London versichert. Ueber die Entstehung des Feuers läßt si<h noch nichts mit Gewißheit sagen; einerseits meint man, daß sich aus den in feuchtem Zu- stande eingenommenen, noch mit Eis vermischten Kohlen brenn- bares Gas entwicelt habe, andererseits meint man, daß der Brand wahrscheinlih in der Maschine entstanden sey.“

Leipzig, 2. Juni. Seit dem Ende der Ostermesse und nachdem uns auch die austoärtigen Buchhändler und de- ren Geschäftsführer verlassen haben, ist es, in merkantilischer Hinsicht, ungewöhnlich still bei uns geworden, da auch die Be- sizer von Sommerwohnungen in der Umgegend der Stadt diese bezogen haben, obschon die Witterung hierzu nicht sehr einsadend ist. Ob der ehestens beginnende Wollmarkt erneuer- tes Leben in unsere Stadt bringen wird, möchte shwer zu be- stimmen, doch kaum zu vermuthen seyn; viele Geschäfte werden an Oct und Stelle und lange vor Eintritt des Marktes ge-

hierher bringt, sucht sie bald zu verkaufen, und je eher desto lieber zurú>zureisen, da Leipzig, wie man seit Jahren schon gefunden, ein theures Pflaster ist, und wir, außer den Messen, die gewöhnlichen Winterfreuden und jeßt unsere Dampfwagen- Fahrten abgerechnet, wenig besißen, was den Fremden auf lán- gere Zeit hier zurückhalten könnte. Auch sonst findet in dem öffentlichen Leben eine Stille und Einfdrmigfkeit statt, die nur selten unterbrochen wird. Die Weigerung der hiesigen Stadt- verordneten, die vom Ministerium des Junern anbefohlene Wahl! eines Stadt- Rathes vorzunehmen, die deshalb unter- zeichnete Protestation des größten Theils der ersteren, die sich unter Anderem auf eine Nichtbeachtung der Städte-Ordnung Seitens des Ministeriums gründen soll, und die Besprechun- gen darüber, was wohl das Resultat seyn, welche Schritte weiter das Kollegium der Stadtverordneten in dem unerwar- teten Falle der Verwerfung thun werde, sind das einzig Be- merkenswerthe, weil darin ein ernster Widerstreit verschiedener Interessen des constitutionnellen bürgerlichen Lebens in unserem Leipzig zu erkennen ist. Von anderer Bedeutung sind die muth- maßlich sireng eintretenden Maßregeln wider die Frechheit un- serer periodishen Journalistik, die durch einen Artikel in einem hiesigen Blatte zweiten Ranges, der allgemeinen Tadel fand, den hôchsten Grad erreicht hat. Das neue Postge- bäude an der Ecke des Grimmaishen Steinwegs is schon so weit fertig, daß man mit dem Abpußen der Außenseiten be- gonnen hat, und gleichzeitig der weitere innere Ausbau, und die Einrichtung der Räume vorgenommen wird. Man kann, zumal bei der Úbergus großen Thätigkeit unserer Ober - Post- amts-Direction ín allen ihr anvertrauten Angelegenheiten, mit Gewißheit erwarten, daß das Gebäude im August d. J. völlig fertig und bezogen seyn wird. Ob und in welchem Maße dann, zur Erleichterung des forrespondirenden Publikums, Briefposten in einzelnen Theilen der Stadt errichtet werden, ist noch nicht vollständig erdrtert worden. Mit gestern hat die Verzinsung der Leipzig - Dreédner Eisenbahn - Actien begonnen, doch der Cours der leßteren sich darum keineswegs gesteigert, im Ge- gentheil sind sie mit 93!/, notirt worden, wozu vielleicht der über Ludwig Nitter's Vermögen enstaudene Konkurs Anlaß gegeben hat, da dieser Banquier unter Anderem im Besiße von mehr als 2400 Actien gewesen seyn soll, die er zu 13 pCt. über pari gekauft haben mag. Die Personen - Frequenz bei den Dampfwagen - Fahrten erhält sich nicht allein, sondern ist im Steigen begriffen. Am Himmelfahrts-Feste sind 1923 Per- sonen, und am 27. Mai 1726 gefahren. Am 16. Juni soll die Bahn von Dresden aus bis nach Koßschenbrode eröffnet werden.

Frankfurt a. M., 31. Mai. Die Belgischen Blât- ter fahren fort, Bericht zu erstatten über die Vorbereitungen, welche man namentlich in dem Großherzogthum Luxemburg tref- fen soll, um sich möglichen Falls mit Gewalt der Ausführung den 24 Artikel widerseßen zu können. Gerade diese Vorgänge aber, welche überall augenblickliche Ahndung des Geseßes zur Folge haben würden, müßten, wenn es nothwendig wäre, die Mächte der Londoner Konferenz um so mehr überzeugen, daß die Aufrechthaltung der Ruhe und Ordnung in den Niederlan- den den Vollzug der vielbesprochenen 24 Artikel durchaus ver- langt. Man scheint freilih geneigt zu seyn, aus der Antwort, welche der Deputation bei Ueberreichung der Adresse des Bel- gischen Senats zu Theil geworden, einen Schluß zu ziehen, welcher die Hoffnungen der Belgischen „Patrioten“/ rechtferti- gen könnte. Wenn aber dieses der Fall wäre, so ist es um so Unverzeihlicher, daß dessenungeachtet die Belgischen „Patrioten“

| mit ihren nirgends zu rehtsertigenden Demonstrationen fortfah-

ten und mithin ihrer Regierung wenig Vertrauen bezeugen. Sicher hegt aber die Belgische Regierung zu sehr die Ueber- zeugung der unmöglichen Erfüllung der ungemessenen Forderun- gén der Belgischen „Patrioten“, als daß sie Versprechen geben sollte , welche ihr später nur eine peinliche Verlegenheit be- reiten müßten. Keiner Frage mag es jedenfalls mehr unterlie- gen, daß die Holländisch: Belgische Differenz nur auf Grund des Traktats geschlichtet werden kann und wird, welcher am November 1831 von den fünf Großmächten und Belgien Unterzeichnet und nun auch eventuell von Sr. Majestät dem dnig der Niederlande angenommen worden. Dabei aber ver- steht es sich von selbst, daß man Vorkehrungen zu treffen weiß, welche verhüten, daß die Ruhe in den zu theilenden Provinzen gestört und die Existenz der neuen Ordnung der Dinge in Bel- gien bedroht werde. B Nachdem der Nacßfelger des seitherigen Präsidirenden der Undes - Militair - Kommission, des Generals Freiherrn von

schlossen, und wer ja seine Wolle aus etwas entfernter Gegend | zu lassen.

s

637

Welden, hier eingetroffen, wird nun Lekterer in den ersten Ta- gen seine projektirte Reise nah England antreten. Die Frau raf os Mo hat unsere Stadt auch verlassen und befindet sich u Paris.

G Unsere ständige Bürger - Repräsentation hat zwar den ihr vom Senat vorgelegten Vorschlag zur Konversion und Zinsen- Reduction unserer dffentlichen Schuld verworfen, allein dadurch nicht gerade ausgesprochen, daß sie die Reduction der Zinsen von 4 auf 3 pCt. in keiner Weise wolle. Es steht deshalb zu erwarten, daß sich der Senat mit der ständigen Bürger: Reprä- sentation doch úber einen anderweiten Reductions-Plan verei- nigen werde. Í

Jn unserer Stadt fängt es jeßt an, belebter zu werden, da mehr Fremde eintreffen, welche, bevor sie in die Bäder gehen, hier einen kleinen Aufenthalt nehmen.

Die Arbeiten an der Taunus - Eisenbahn gehen bis jeßt rasch fort; leiht möglich ist es aber, daß sie in den nächsten Wochen eine Hemmung erfahren, wenn bis dahin das Eisen- bahn-Comité nicht mehr Terrain acquirirt hat.

Der hier verweilende ausgezeichnete Maler Rethel, dessen jungstes Bild „Daniel in der Löwengrube“/ so außerordentlichen Beifall erhalten, hat nun ein historisches Gemälde „Gustav Adolph's Tod‘ in Arbeit. Man darf sich im Voraus etwas Bedeutendes versprechen.

Luxemburg, 30. Mai. Das Journal de Luxem- bourg enthält nachstehenden Artikel: „Am 28. Mai wurde man zu Luxemburg unterrichtet, daß in den Dorfschaften Ho- Be und Niederanwen, die in dem strategischen Rayon der Festung liegen, die Belgische Fahne auf dem Glockenthurm der Kirche aufgepflanzt worden sey. Die Militair-Patrouillen kon- statirten bald die Wahrheit der Thatsache. Da nun nach einem von dem Festungs-Gouvernement ausgegangenen, allen Burge- meistern der im Rayon befindlichen Gemeinden eröffneten Be- fehl dergleihen Demonstrationen untersagt sind, und zwar bei Strafe persdnlicher Verantwortlichkeit der Gemeinde-Obern und militairischer Execution, so wurde der Burgemeister von Ho- stert und Niederanwen aufgefordert, die Fahne wegnehmen Da diese Aufforderung ohne Erfol lieb, wurden vier Compagnieen der Garnison auf Niederan- wen und Hostert dirigirt, um die Dörfer zu beseten, das revolutionaire Zeichen wegzunehmen, auch die Anstifter die- ser Unordnung zu verhaften und nach der Festung zu bringen,

seßt zu halten und den Truppen Proviant liefern zu lassen. Die Behörden (Dorf-Obern) hatten das Weite gesucht, um slc der Verantwortlichkeit zu entziehen; somit wurden die Einwoh: ner requirirt, der Truppen-Abtheilung Unterhaltmittel zu liefern. Am Tage darauf, 29. Mai, ließ der Militair-Gouverneur, ohne Zweifel in Betracht ziehend, daß die friedlichen Einwohner die Opfer einiger Böswilligen seyen, die Truppen wieder in die Fe- stung zurückkommen, nachdem er jedoch die Dorfbewohner aufs

ausdrü>lichste hatte warnen lassen, wenn sih eine solche Unordnung erneue, werde rasche und strenge Strafe ein- treten. Die Truppen haben bei diesem Vorgang ein

úber jedes Lob gehendes Beispiel von Mäßigung und Mannszucht gegeben. Nicht der geringste Exceß ist vorgefallen. Die Bewohner der zwei Dörfer sollen, wie man uns versichert, in Zukunft von der Beschäftigung bei den Festungsbauten aus- geschlossen werden. Eine große Anzahl dieser Einwohner hat vor, sich an den Burgemeister zu halten, um auf seine Kosten Entschädigung für ihre Lieferungen zu erlangen. Dahin führt bdser Wille und Sorglosigkeit der Kommunal-Obern, denen die Pflicht obliegt, für die dffentlihe Ruhe zu wachen, und die doch Excesse dulden, welche dur<h nichts zu entschuldigen sind und deren Opfer die unter ihrer Verwaltung stehenden Dorf- bewohner werden.“

Oesterreich.

Wien, 30. Mai. Der fär die Krönung Jhrer Ma- jestät der Königin Victoria von England ernannte außerordent- liche Botschafter Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreich, Fürst Adolph von Schwarzenberg, hat am 26sten d. M. mit zahlreichem Gefolge, worunter sich mehrere junge Edelleute des Kaiser-Staates befinden, die Reise nach London angetreten.

Die heute bei Gelegenheit des Namensfestes Sr. Maje- stât des Kaisers stattgehabten Feierlichkeiten waren von der herr- lichsten Witterung begünstigt. Jm Lustschlosse von Schönbrunn ist diesen Mittag große Familien-Tafel. Se. Durchlaucht der Haus-, Hof: und Staats-Kanzler, Fürst von Metternich, giebt

eute in seinem Sommer - Palais am Rennweg eine glänzende Soirée dansante, wozu úber 400 Personen Einladungen erhalten

aben. ) Se. Königl. Hoheit der Erzherzog Ferdinand von Este schi>kt sich zur Reise nach Lemberg an, um daselbst seine Func- tionen eines General-Civil- und Militair-Gouverneurs von Ga- lizien wieder zu Übernehmen. :

Se. Kaiserl. Hoheit der Schiffs - Capitain Erzherzog Frie- drih, Sohn des Erzherzogs Karl, welcher von seiner lebten Krankheit wieder vollkommen sih erholt hat, ist im Begriff, eine größere Seereise anzutreten. Es werden hier verschiedene Gegenstände von Werth mit dem Buchstaben „F“/ versehen ver- fertigt, die ohne Zweifel zu Geschenken auf dieser Route be- stimmt sind.

Wien verlassen, um sich nach seiner Residenz Bieberich zurück- zubegeben, von wo aus er erst später den Badeort Kissingen besuchen wird. j E

Aus Belgrad is der Oberst und Adjutant des Fürsten Mi- los<h von Serbien, Herr von Simich, hier ein etroffen. i

Im Laufe voriger Woche ist der bekannte Architekt, Ritter Leo von Klenze, in Begleitung des Herrn von Kobell, auf der Donau von Regensburg hier angekommen. Wie man vernimmt, haben die beiden genannten Herren die Reise hierher im Auf- trage Sr. Majestät des Königs von Bayern zu dem Zwecke unternommen, um auf den Grund einer genauen Inspizirung geeignete Vorschläge zu der so wünschenswerthen Regulirung des Donaubettes zu machen. Auch von Oesterreichischer Seite scheint man ernstlich an Ausführung diesfälliger Pläne zu denken.

Am 27sen hat si<h der Diener des zweiten Secretairs der Türkischen Botschaft, Alisch Efendi's, in der Donau den Tod gegeben. Man kennt das Motiv dieses muthmaßlichen Selbst- mordes, eines unter den Türken fast unerhörten Falles, noch nicht mit Genauigkeit, vermuthet jedo<h, daß nur Heimweh den Unglücklihen den dem heimathlichen Gestade zufließenden Wogen zugeführt habe.

S < weiz.

Die Hannoversche Zeitung schreibt aus der Schweiz

vom 29. Mai. „„Die Absicht der politischen Partei, welche die

im Fall sie aber die Flucht ergriffen hätten, die Dorsschaften be- |

Schwyzer Unruhen dazu benusen wollte, in der Eidgenossen- chaft neue Verwirrungen zu veranlassen, wird glücklicher Weise nicht erreiht werden. Von einer Trennung des Kantons oder von einer politischen Reorganisation desselben will man in der Schweiz nichts wissen, und das auffallende Benehmen des Vorortes hat vielfache Mißbilligung ni<ht nur von privatlicher Seite gefunden, sondern es haben auch selbst dees Stände, wie z. B. Baselstade und Neuchatel, ihren Tadel darüber auf offizielle Weise ausgesprochen. Diese Aeußerungen scheinen auf den Vorort einigen Eindru> gemacht zu haben, denn schon bemerkt man, daß derselbe einlenkt und weniger Parteilichkeit als früher für die sogenannten Klauenmänner zeigt. Zu einer solchen Veränderung in seinem Benehmen soll aber auch we» sentlih die von den eidgenossishen Kommissarien gemachte Entdeckung beigetragen haben, daß die liberale Partei von Schwyz in Bezug auf stattgehabte Erkaufung von Stimmen Behufs der Erreichung von Parteizwecken und anderer unge- seßlihen Umtriebe den Hornmännern in Nichts nachstehe. Oeffentlich sind freilich die Resultate der Untersuchungen besag- ter Commissaire bis jeßt no< nicht geworden. Ohne Zweifel werden nun in kurzem unter Eidgenossischer Aufsicht die Schwy- zer zu einer allgemeinen Landesgemeinde wieder zusammentreten und die Parteien bei dieser Gelegenheit auf friedlichem und geseßlichem Wege mit einander sich verständigen. Dies wenigstens ist der Wunsch aller verständigen und einflußreichen Männer der Schweiz. Ueber den dffentlichen Zustand von Wallis liefen in der lesten Woche sehr beunruhigende Gerüchte bei uns um. Die neuesten Berichte aus diesem Kantone zeigen, daß jene zwar nicht ganz grundlos waren, daß sich jedoch die dortige politische Bewegung auf die Errichtung von einigen \o- genannten Freiheitsbäumen im unteren (Französischen) Theile des Wallis und auf einen von Seiten seiner Bewohner lebhaft ausgesprochenen Wunsch beschränkte, hinsichtlih der Repräsenta- tionsrechte mit dem obern (Deutschen) Wallis auf gleichen Fuß gestellt zu werden.““

Jtalien.

Florenz, 25. Mai. Am 23sten d. M. ist Se. Königl. Hoheit der Prinz Leopold, Graf von Syracçus, mit seiner Ge- mahlin von Neapel hier eingetroffen.

S panien.

Madrid, 22. Mai. Durch ein Königliches Dekret wird dem Grafen von Ofalia, bis zur Herstellung des Generals Latre, interimistis<h das Portefeuille des Kriegs - Ministeriums Übertragen.

Gestern ist der Herzog von Fezensac, Französischer Bot- schafter am hiesigen Hofe, mit seinem Gefolge hier angekommen.

Am 9. Mai griff Guergué das Fort Nauclares auf der Straße von Vittoria nah dem Ebro an. Die kleine Garni- son desselben, welche aus einer Compagnie Provinzialen besiand, vertheidigte sih tapfer und kapitulirte erst, als die Karlistische Artillerie eine Bresche geschossen hatte. Espartero, welcher zum Entsa6 herbeieilte, fam zu spät... Die Karlisten hatten Naucla- res bereits wieder verlassen, nachdem sie es vorher angezündet. Es soll jeßt ein neues Fort erbaut werden, jedo<h in einiger Entfernung von dem alten, welches von den umliegenden Ber- gen beherrscht wurde und daher leicht zu nehmen war.

Taârvrbo

Konstantinopel, 8. Mai. (Journ. de Smyrne). Die Regierung beginnt die durch die leßten Reformen in der Verwaltung bezwe>ten Veränderungen auszuführen. Durch hohe Bestimmung ist das System der Käuflichkeit, welches auf einer langen und bis jest geduldeten Gewohnheit beruhte, ab- geschafft worden. Alle öffentlichen Aemter werden jeßt so be- se6st werden, daß ihre Inhaber keinen Vorwand finden wer- den, sih einer dem Wohle des Volkes im höchsten Grade schäd- lichen Habsucht hinzugeben. Die Großwürdenträger empfangen schon so bedeutende Gehalte, daß sie davon anständig und ihrer Würde gemäß leben können. Es ist ihnen jeßt ausdrücklich untersagt, irgend ein freiwilliges oder erzwungenes Geschenk U fordern oder anzunehmen, oder ihr Vermögen dur<h Ver- dauf ihres Einflusses zu vergrößern. Der Sultan scheint fest entschlossen, Über der genauen Befolgung dieser Maßregel, von der man sich die wohlthätigsten Folgen verspricht, zu wachen. Man ist je6t mit der Festsebung der mit jedem Ámte verbun- denen Einkünfte beschäftigt. Die drei ersten Minister beziehen ein monatliches Gehalt von 75,000 Piastern, der Premier- Minister 90,000 Piaster.

Der Russische Geschäftsträger, Herr von Rü>kmann, ist auf dem „Ferdinand“/ nah Bucharest abgegangen. Der Legations- Rath Fuhrmann wird ihn hier erseßen. Uebrigens wird, wie es heißt, Herr von Butenieff bald hierher zurückkehren und Herr von Rúckmann dann auf seinem Posten in Bucharest bleiben.

Der Geschäftsträger des Fürsten der Wallachei, Nikolaus Aristarihi, hat ein Dampfschiff gemiethet, auf welchem er mit seinem Bruder Misltiades O nah Galas abgegangen ist. Der angebliche Zweck seiner Reise ist die Vermählung s\ei- ner Schwester; aber man hat einigen Grund, zu glauben, daß er der Ueberbringer eines Firmans der hohen Pforte ist, in welchem die Walachischen Bojaren, die die Opposition gegen

. Durchlaucht der Herzog von Nassau hat vorgestern ; i E au 0 i i i | nischen Flotte, welche 40 Segel zählen soll.

den Fürsten Alexander Ghika bilden , scharf zurechtgewiesen

| werden.

î

Man spricht von der bevorstehenden Abfahrt der Ottoma- Die Bestimmung derselben ist no<h unbekannt. Es heißt, daß dieselbe den Sultan auf seiner schon lange beschlossenen Reise begleiten soll; von andern Seiten werden dagegen Kriegs - Gerüchte verbreitet. Sämmtliche zur Flotte gehdrigen Schiffe sind schr sorgfältig in Stand gelegt worden, und mit Vorräthen aller Art reichlich versehen. Nach dem äußern Anbli>k zu urtheilen, befindet sich dieselbe in einem vortrefflichen Zustande. i

Der Moniteur Ottoman enthält einen Artikel, durch welchen die Gelehrten im Auslande, welche dem Sultan irgend ein Werk zu verehren die Absicht haben, auf die Nothwendig- feit aufmerksam gemacht werden, vorläufig zu diesem Ende die Erlaubniß Sr. Hoheit im geeigneten Wege einzuholen.

In diesen Tagen kam in Galata ein Pestfall vor. Der Erkrankte ist ein Grieche, den man alsbald in's Hospital schaffte, Diese seltenen und vereinzelten Fälle verursachen indeß feinen großen Schrecken, und man ist vielmehr der Meinung, daz die Hauptstadt in diesem Jahre von der Pest verschont bleiben wird.

Smyrna, 12. Mai. Ungeachtet der von den Behörden angeordneten Vorsichts-Maßregeln ist die Pest hier wieder ein- geschleppt worden. Einer von den Passagieren, die ein Grie- chisches Schiff vor einigen Tagen hier ans Land sette, is an der Pest gestorben. Es sind sofort energische Maßregeln ergrif-

fen worden, um die Verbreitung der Krankheit zu verhindern.

S E 1, T L A.

A I 14TPE a: e RMET

E