1838 / 216 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

zung von Buschihr mit einer C

Anderem mit großer Enträstung darüber aus, daß Lord Pal- merston die Theilnahme des auswärtigen Amtes an der Her- ausgabe des befannren „Portfolio‘/ ableugne. Er verweist auf eine ihm unterm 22. Mai 1836 durch Herrn Backhouse gemachte Mittheilung, worin die Berichtigung einer in dem „Portfolio““ enthaltenen Angabe gewünscht worden sey, weil Herr Poulett Thomson sih darüber „bei Lord Ponsonby‘/ beschwert habe; er erinnert ferner Herrn Backhouse daran, daß er einst, als Lord Palmerston und Herr Strangways nicht in London gewe- sen und es mit der Veröffentlihung einer Depesche in dem ¿„Portfolio‘/ sehr geeilt habe, sich an ihn um Autorisation dazu gewendet und zur Antwort erhalten, er möchte die Sache nur auf seine Verantwortlichkeit publiziren, worauf er aber nicht cin- gegangen sey, sondern erwiedert habe, er werde keinen Bogen ohne Genehmigung und Revision von Seiten irgend eines Mitgliedes des auswärtigen Ministeriums zur Drukerei \chicken. „Ob- gleich ich“/, sagt Herr Urquhart dann weiter, „Niemandes An- kläger seyn will, so fühle ih mich do durch die Ableugnung des Zusammenhanges zwischen dem „Portfolio‘“/ und dem aus- wärtigen Departement von Seiten Lord Palmerston's gedrun- gen, die Verantwortlichkeit, die hier für ein Werk von fo mon- strôsem Charakter eben so auf mich gewälzt werden soll, wie in der Sache des „Vixen““, von mir abzulehnen. Jch erkläre da- her jest ausdrülih, dazu berechtigt und entschlossen zu seyn, die Verantwortlichkeit für jene Schrift auf Lord Palmerston und das auswärtige Departement zurückzuweisen.“ Jn Be- zug auf die Expedition des „Virxen‘/ behauptet Herr Ur- quhart, daß Lord Palmerston dieselbe anfangs vollkommen gebilligt und erst später, als es sich um die Verant- wortlichkeit für das Unternehmen gehandelt, pldblih andere Saiten aufgezogen habe. Er beruft sih darauf, daß er mit dem verstorbenen Könige, mit dessen Privat-Secretair, Sir Herbert Taylor, mit Herrn Macneill, dem Britischen Gesandten in Per- sien, mit Herrn Strangways, Unter-Staats-Secretair für die auswärtigen Angelegenheiten, über jene Expedition gesprochen und mit Lord Ponsonby darüber korrespondirt habe, und daß er durch dieser Aller Aeußerungen in der Ansicht bestärkt wor- den, daß diesem Unternehmen geseßlich nihts entgegenstehe. „„Lord Palmerston‘/, heißt es weiterhin in dem leßten Briefe, welchen Herr Urquhart am 2Wsten d. an Herrn Back- house geschrieben hat, „nahm daher die Expedition, wie alle andere in derselben Absicht begonnene Maßregeln, unter seinen Schu6; aber indem er sie unter diesem Schuß gea ließ, that er zugleich, wie es sich jeßt zeigt, Schritte zur Ver- eitelung derselben. Wenn ih nun das ganze Sachverhältniß noch einmal überblicke, so sehe ih klar, daß er sich die Mdg- lihfeit offen ließ, von der Reise des „Vixen“‘/, so wie von den

" úbrigen damals eingeleiteten Maßregeln, Nußen zu ziehen, - wenn die Oppositions - Politik gegen

ußland beibehalten wor- den wáre, und umgekehrt die Sache gegen die Vertheidiger jener Politik, in die er sich eine Zeit lang hatte fügen müssen, und zu Gunsten Rußlands zu wenden, falls der Russische Ein- fluß den Sieg davontrüge.““

Die Zurückhaltung, womit Lord Palmerston am Freitage auf die über die von Bombay abgesandte Expedition an ihn gerichteten Fragen antwortete, hat die Unruhe, in welche die Gemüther durch die leßten Nachrichten aus Ostindien verseßt worden sind, naturlich nicht beschwichtigt. Der Courier meint aber, wenn Lord Palmerston die Lage der Dinge offen ausein- andergeseßt hätte, würden sich gewiß alle Besorgnisse im Publi- kum gelegt haben. Das genannte Blatt geht dann auf eine nähere Betrachtung der leßten Begebenheiten und Verhältnisse in Persien ein. Das Gerächt, sagt es, daß. Russische Truppen in Teheran eingerúckt wären, scheine sich zwar nicht zu bestätigen, indeß könne man doch nicht glauben, daß ohne: einen triftigen Grund eine Englische Streirmacht nach Buschihr würde geschickt worden seyn. Der jeßige Schach von Persien strebe bekanntlich da- nach, einige der ôstlichen Provinzen, die früher zu Persien gehört, jeßt aber schon seit langer Zeit sich dec Unabhängigkeit erfreuten, seinem Scepter wieder zu unterwerfen; diese unabhängige Staa- ten, zwischen Persien und Indien gelegen, bildeten ein starkes Bollwerk für leßteres Land gegen etwanige von Persien her fommende Angrisse. Daher habe die Britische Regierung das Eindringen einer Persischen Armee in Kabul stets mit eifersüch- tigen Blicken bewachen müssen, und um so mehr, wenn der Gedanke, sich im Osten für das zu entschädigen, was ‘Persien im Jahre 1828 im Westen verloren habe, dem jeßigen Schach, wie das Gerücht besage, zuerst von der Russischen Regierung eingegeben worden.. Umsonst habe der Britische Gesandte am Persischen Hofe sich bemüht, den Schach von einem so gefähr- lichen Unternehmen abzuschreken; eine Armee sey gegen Herat vorgerückt, dessen Besitz schon allein einen unermeßlichen Land- strich“ unter Persiens Herrschafc bringen- würde; aber die Mit- nahme einer großen Menge Schlitten und anderer zu einer Belagerung unnúßen Gegenstände sey ein deutliches Zeichen, daß die Einnahme von Herat nur ein vorbereitender Schritt seyn solle zu einer Expedition über die Gebirge nach Afghani- stan bis án ‘die Gränzen von Lahore und folglich bis in die unmittelbare Nachbarschaft der Britischen Besisungen in Jn- dien. Den lesten Nachrichten von e zufolge, habe der Schach nur wenig Fortschritte in der Belagerung gemacht, und der Englische Gesandte suche ihm von der weiteren Verfolgung eines Unternehmens abzurathen, welches, es möchte gelingen oder nicht, jedenfalls die Hülfsquellen seines Reichs erschöpfen músse. Was nun ferner geschehen, sey augenscheinlih nur der Englischen Regierung bekannt und werde vielleicht erst in ei- nigen Wochen zur Kenntniß des Publikums gelangen; wenn es sich aber bestätige, daß eine große Anzahl Russischer Offi- ziere sich ‘der Persischen Armee angeschlossen hätten, um sie auf ihrem Marsh nah dem Osten zu begleiten, so sey die Besez-

nglischen Streitmacht wohl als eine Vorsichtsmaßregel zu betrachten, denn habe der Schach eine Englische Armee in seinem Rücken, die sich im Besiß des wichtigsten Seehafens seines ganzen Reichs befände, so würde es gewiß seinerseits sehr gewagt seyn, die freundschaftlichen * Warnungen Englands unbeachtet zu lassen. Sollte er aber so fühn seyn und einen Krieg unvermeidlich machen, so würde Persien selbst ein weit bequemerer Schauplaß zu Feindseligkeiten seyn, als Afghanistan oder Lahore, wo England von seinen Marine - Vortheilen keinen Gebrauch machen könnte; vielleicht also habe sih die Englische Regierung den von den Franzosen gegen Ankona ausgeführten Handstreih zum Muster genom- men und in ähnlicher Weise die T von Buschihr be- schlossen. Schon seit einiger Zeit habe fih die Regierung für alle Fälle gerüstet und bedeutende Streitkräfte ‘im westlichen Indien konzentrirt; der Schach werde daher bald inne werden, dag es nicht so leicht sey, Englands Macht Tros zu bieten.

Da die Bill zum Schuß der Kuhli's, die aus Ostindien als Arbeiter nah Westindien gesendet werden, im Unterhause beiseitgelegt worden ist, so will der Präsident der Ostindischen

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Kontrolle, Sir John Hobhouse, der deshalb mit den Direkto- ren der Ostindischen Compagnie Rücksprache genommen hat, da- fär Sorge tragen, daß so bald als möglih ein Befehl zur Ein- stellung . jener Versendungen erlassen werde, um unterdessen Zeit zu gewinnen, die Zulässigkeit dieser Transporte in reifliche Erwägung zu ziehen. Er erklärte neulich im Unterhause auf eine Frage Sir R. Peel's, daß er den General-Gouverneur von Ostindien für vollkommen befugt halte, die Wegsendung von Ostindishen Eingebornen aus ihrem Vaterlande zu ver- indern.

4 O'’Connell hat wieder einmal ein Schreiben an das Jr- ländische Volk gerichtet, worin er seine Ansichten über die drei Jrländischen Maßregeln ausspricht. Er ist mit allen dreien sehr unzufrieden, fordert aber die Jrländer auf, sich auf: seine Wach- samkeit zu verlassen und unter einander einig zu seyn. Für das Beste von Allem, was man erlangt habe, erklärt er die Abzahlung der rüständigen Zehnten aus Staats-Fonds. Die Hoffnung, auch ohne Auflösung der Union endlich Gerechtigkeit von Seiten Englands für Jrland zu erlangen, will er noch nicht aufgeben. h E

Angeblich soll Sir George Villiers, der Britische Gesandte in Madrid, auf seiner Reise nah London unterweges im Pau eine Unterredung mit Muñagorri gehabt haben, und man glaubt daher, daß die Englische Regierung geneigt sey, sih für die Basken zu Gunsten der Fueros bei der Madrider Regierung zu verwenden.

Die Admiralität hat dem Ober-Jntendanten des Englischen Geschwaders auf der Station im Mexikanischen Meerbusen die Instruction zugehen lassen, daß die Englischen Pakerbdöte ins- künftige, so lange die Französishe Blokade noch dauert, keine Baarschafcen mehr für kaufmännische Rechnung zu Veracruz oder Tampico an Bord nehmen sollen.

Aus Montreal vom 6. Juli erfährt man, daß, bei im- mer noch fortdauernden unruhigen Bewegungen an der Gränze, Lord Durham von Quebek aus dort eingetroffen war, nachdem er zuvor in der Quebek-Zeitung die erwähnte Proclamation pu- blizirt hatte, in welcher erklärt wird, day acht in den Gefärig- nissen von Montreal sißende Jnsurgenten-Chefs nah den Ber- muda-Jnseln transportirt werden und bei Todesstrafe nicht wie-

| der nah Kanada zurückkehren sollen, ünd daß Papineau und

die úbrigen Verschwornen , falls sie sich wieder in Kanada be- treffen ließen, dieselbe Strafe erleiden würden. Von Papineau sagt der „Montreal - Herald‘/, er sey nebst seinem Kameraden Lafontaine in Saratoga im Staate New - York bei seiner Fa- milie angekommen. Die übrigen Gefangenen, außer den acht De- portirten und außer den Mördern des Lieutenant Weir, sind in Frei- heit geseßt worden, nachdem sie eine namhafte Summe als Caution fúr fernere gute Aufführung gestellt hatten. Den Nichtverhafteten, gleichfalls mit mehreren Ansnahmen, wird Amnestie gewährt. Außerdem publiziren die Kanadischen Blätter noch zwei Ver- ordnungen , die eine zur Erhaltung der Ruhe in der Provinz, die andere zur Einrichtung einer hinlänglichen Polizei in den Städten Quebek und Montreal, nach dem Muster der Londo- ner Polizei. Jn Montreal haben Lord Durham durch das Umstürzen seines Wagens und Sir J. Colborne durch den Sturz seines Pferdes beiderseits Verleßungen b jedoch nicht bedeutende. An der Kanadischen Gränze ijt der Häupt- ling der Jnsurgenten von Shorthill, der sich den Namen Ge- neral Moreau beilegte, gefangen genommen worden.

Am gestrigen Getreidemarkt war die Zufuhr von Weizen nur gering, und die besten Sorten galten daher 1 bis 2 Shil- ling mehr, als in der vorigen Woche, obgleich nicht sehr viel gekauft wurde. Jn den Preisen des unter Schloß liegenden fremden Weizens fand eine Steigerung von 2 bis 3 Shilling skate. Das Wetter ist in den leßten Tagen kalt und regnicht gewesen, so daß sich die Aussichten für die Aerndte wieder ver- schlechtert haben. Die Zölle auf fremden Weizen sind daher um 2 Shilling heruntergeseßt worden.

Niederlande.

Aus dem Haag, 31. Juli. Der Baron von Heke- ren, der viele Jahre lang Gouverneur unserer Westindischen Besißungen war, ist am Lten v. M. auf der Rüreise in das Mucterland zu Curaçao mit Tode abgegangen.

Am 1. Juli d. J. bestand die Niederländishe Seemacht in aftivem Dienst aus 9 Fregatten (worunter 3 Wachtschiffe), 7 Korvetten, 4 große Briggs, 2 kleine Briggs, 3 Dampfbdte, 13 Kanonierböôte 2c. Alle diese Fahrzeuge aben eine Beman- nung von 4793 Köpfen. Außerdem sind noch in nicht - aktivem Dienste: 8 Linienschiffe, 13 Fregatten, 7 Korvetten, 9 große und 3 kleine Briggs, ein Dampfschiff und eine große Anzahl von Kanonierböôten. Ï

Der Sohn des Fürsten Paskewitsch von Warschau ist aus Deutschland hier eingetroffen.

Belgien.

Brüssel, 31. Juli. Der König ist vorgestern aus dem Lager im Palaste von Laeken eingetroffen , und wird si heute nah dem Schlosse Ardenne begeben. Derselbe soll die Depu- tation des Provinzial - Rathes der Provinz Limburg sehr wohl- wollend aufgenommen haben; die Luxemburger Deputirten wer- den wahrscheinlich in dem genannten Schlosse zur Audienz ge- lassen werden.

Gestern war hier das Gerücht verbreitet, daß die Mini- "ter die Absicht hätten, die Kammern in der leßten Hälfte des nächsten Monats zu einer außerordentlihen Session zusammen- zuberufen, um denselben die politischen Fragen der Gegenwart vorzulegen. Jn der gestrigen Versammlung des Minister-Con- seils, in welchem der König selbst den Vorsiß führte, soll in dieser Beziehung ein definitiver Beschluß gefaßt worden seyn. Mit diesem Gerüchte bringen die hiesigon Zeitungen eine andere Nachricht in Verbindung, daß nämlich an alle höheren Offiziere der Befehl ergangen sey, Urlaubs -Bewilligungen bis zum 1. Januar 1839 zu ertheilen, und daraus ziehen sie die Folgerung einer baldigen friedlichen Ausgleichung mit Holland.

Lüttich, 30. Juli. Belgischen Blättern zufolge, soll der König in seiner Antwort an die Deputation der Limburger die Versicherung ertheilt haben, daß ihr Interesse bei der Lon- doner Konferenz mit Eifer und Festigkeit vertheidigt würde ; doch dürfe man sich nicht verhehlen, daß das Verhältniß Luxem- burgs zum Deutschen Bunde die Lage der Sache bedeutend er- {were. Wenn man nur mit Holland allein zu unterhandeln hâtte, so würde sich gewiß viel rascher ein beiden Ländern zusa- gendes Auskunftsmittel finden lassen. Der Stand der Dinge seit 1830 sey úbrigens der Konsolidirung der Belgischen Natio- nalität nur günstig gewesen und der König freut sih, daß man hauptsächlich ihm die Erhaltung des status quo zu verdanken gehabt. Bis zur endlichen Ausgleichung der Angelegenheit, deren Zeitpunkt

noch immex nicht zu bestimmen sey, empfiehlt der König den Lim-

burgern dieselbe Mäßigung, dieselbe Umsicht, durch die sie biéher ausgezeichnet; zu ungestüme Aeußerungen könnten d bei den Nachbarstaaten, deren Belgien mehrere habe, Ang: geben. So viel als möglih müßte man es j1edoch zu vermei) suchen, daß das Ausland nicht veranlaßt werde, den Zwist a jeden Preis beendigen zu wollen; denn hierbei treffe es sich h meinhin, daß man dem schwächeren Theile Unrecht gebe gt Diese Antwort soll von der Deputation mit großer Auftaerksg feit angehört worden seyn. Auch soll der Präses derselben d, Könige angezeigt haben, daß ein Limburger eine Denksche über die Holländischen Enklaven im Limburgischen abges, habe. j

Deutschland. '

Hannover, 2. Aug. Der General und Kriegs-Minjz Graf von Alten is von seiner Mission nah London heute hin wieder eingetroffen.

Einer Bekanntmachung des Magistrats von Lüneburg J folge, soll daselbst zweimal jährlich eine Messe stattfinden, b alle Vortheile und Vergünstigungen der Braunschweiger Mes genießen wird. Die Zeit jener zwei Messen i auf Mont, nach Lätare und auf den 15. September bestimmt und soll d; mit zu Läâtare 1839 der Anfang gemacht werden.

Norderney, 28. Juli. (Hamb. K.) Die vier ersy H

Wochen der diesjährigen Badezeit haben diesem wirksame Nordsecebade abermals eine so bedeutende Anzahl von Fy,, gästen und Fremden zugeführt, daß es troß der reichlichen V, mehrung der Wohnungen durch die Vollendung des geschmag, vollen großen Logirhauses und durch den Neubau vieler Pri: vathäuser bereits anfängt s{hwer zu werden, Logis zu beton, men. Unter den bereits anwesenden Badegästen befinden s Se. Königl. Hoheit der Kronprinz, Jhre Durchlaucht die Hy zogin von Anhalt-Bernburg und Se. Hoheit der Ku prinz und Mitregent von Hessen-Kassel, unter dem Jnfy nito eines Grafen von Schaumburg, und darf man im Laufe des nächsten Monats auch dem Besuche Sr. Majestät des Fj, nigs mit Gewißheit entgegen sehen. L

Hamburg, 3. August. Wir hatten diese Woche hier in lebhafres Geschäft in Getraide, namentlich in Weizen; w Montag, nah Ankunft der Londoner Post, wurde viel dawn gekauft, und mehr noch am Dienstag, nah Ankunft des Hul« Dampfbootes. Die Preise an beiden Tagen sind $ bis 1? Rthlr. Ct. pr. Last gestiegen, und nun höher, als sie bis jeßt in diesem Jahre gewesen. Vorgestern und gestern war zu diesy erhöhten Forderungen weniger Kauflust. Auch Roggen ha mehr Beachtung gefunden und ist einige Thaler höher bezahlt worden; gekauft wurde auf Lieferung 122pfünd. Meklenburzt zu 77 Rthlr., und später zur Stelle 120 a 121pfünd. Oberländi \cher zu $0 Rthlr. Gerste bleibt zur Versendung noch gesu: dert und angekommene kleine Parthieen Mecklenburger und Magdeburger haben 68 a 70 Rthlr bedungen. Feiner, geruh freier Hafer ist gut verkäuflich, dergleichen Mecklenburger wut mit 50 Rehlr. bezahlt, Nieder-Elbischer nah Qualität, von 35 bi Rthlr.

S panien.

Madrid, 22. Juli. Die Königin hat für die Soldata der beiden Bataillone der Guiden und der Freiwilligen, dit am 20. Juni das Fort von Peñacerrada erstúrmten, einen eigt nen Orden gestiftet.

Von Espartero ist noch immer keine Antwort eingegangen; man hofft jedoch, daß er das Kommando behalten wird. Sei

Rücktritt würde nothwendig eine Veränderung des Kabinet f

ur Folge haben und wahrscheinlich die Exaltirten wieder ani Ruder bringen.

Die lebten Nachrichten aus Andalusien lauten überal günstig; in der ‘Provinz und namentlih in Malaga herrs vollkommene Ruhe.

Spanische Gränze. Die Breslauer Zeitung ent hält nachstehende Beschreibung des Terrains, welches die Trup pen des Don Carlos besebt halten:

„Hauptquartier Estella, 8. Juli. Auf der sehr ausgedchi: ten Vertheidigungs - Linle unserer Gränzen gegen des Feindes Ops rationen, welche vom Ebro ausgehen, steht im westlichen Theile Vit: caya's die Kantabrische Division unter Don Castor Ancholeaga, ein jungen kräftigen Sohne jener Gebirge, der sich in wenigen Jahr von der Pife zum General hiuaufgeschwungen hat. Balmaseda if der Mittel- und Stügpunkt seiner Operatiouen, die sich oft bis t in die Gebirge Asturiens erstrecken; nächstdem beherrscht Castor, ui Ausnahme von Villanueva, das ganze Mena - Thal,“ das befestigt Orduña und Ochandiano mit einigen dazwischen liegeuden. kleinere Forts; vor Allen aber die fast unübersteigbaren Gebirgsrüdn Sierra Altube und Sierra Alungana genannt, decken diesen ul teren Theil Biscava's und Alava's. Bei Guevara, der bedeutet) sten Feste in den diesseitigen Reihen, steht die Alaverische D ivifio1, unter General Sopelano. Führer und Truppen sind gleich aub gezeichnet und haben sich überall und unter allen Verhältnis! rühmlichst bewährt. Auf dem Wege zu meiner jegigen “Bestimmt erhielt ic im Königl. Hauptquartier den Auftrag, Ofiates Artillent Waffen-Werkstätte und die Umgegend jener Stadt wegen Auleguj von projektirten Forts zu besichtigen, so wie die nöthigen Verbesst rungen der Fortification Guevaras anzuordnen. Der General: Dirt tor der sämmtlichen Artillerie, der kleine Mariscal de Campo D Foaquin Montenegre, bat sich als Schöpfer unserer trefflichen Artil lerie hohe Verdienste erworben. Ju Allem, was er in dieser Bejit: hung anordnet und ausführen läßt, herrscht eine Ordnuug, die selbs außerhalb Spanieus angeuehm überraschen würde. Hier ist dieseldt ohne Beispiel. Troyt der großen Verluste, welche wir seit dem Un: fall von Bilbao und in jüngster Vergangenheit an Geschüg erli ten haben, wciß Montenegre, fast ohne alle Geldmittel, wie a nichts, imwer neue Battericen zu formiren, und darum is unse Artillerie immer noch vortrefflih zu nennen. Nur bitte ih abermals sich nicht über den Maßstab zu erheben, der hier angelegt werd! muß. Von Oñate steigt man über dic hohe Sierra de Elgua un) durch \chroffe Schluchten und Engpásse nach Alava hinunter , Desi: leen, die schon Rodil's und Cordova?s räuberischen Zügen nach dw Funcrn von Guipuzcoa so gcfährlich wurdeu, und die wohl auc died mal die feindlihea Heerführer abgehalten haben mögen die errung nen Vortheile vom 22. Juni kräfiig zu verfolgen. Auf einem Zwei! oder Arme dieser Sierra, welche, von dessen südlicher Abdachung aut gehend ,- sich über 2 Leguas isolirt in die reichen und fruchtbar! Ebenen Alava?s hinaus streckt , liegt auf dessen äußerster Südspiht die sich beinahe 300 Fuß über die vorliegende Ebene erhebt, das fesi Schloß Guevara. Unter dem Bereiche seiner zahlreichea Geschüße geht die Chaussee von Vittoria uach Pampelona, und ua! uns zum Herrn von einem anschulichen Theile ‘der Eben Alava?s, der bedeutenden Städte Salvatierra und Allegria Ul des herrlichen Borunda-Thals, von der Sierra de Andias wesl lih, von der Sierra de Acalar nördlich eingeschlossen und vom Ara- quil bewässert. Dieses fruchtbare Thal von 6 8 Leguas Länge‘ Ausdehnung, am Ein- und Ausgange si bis !/4 Legua Breite ein- engend, durchgehends aber über !/, Leguà Abstand der Gebirgsfett& wird von dem Camiuo Real (Königsweg) getheilt und ist mit un- zähligen Dörfern besest. Es war hier der Lieblings- Kriegs: Schal? plaß von Zumalacarreguy's, Duesada's, Rodil's, Minas und besol ders Valdez Jnväsions-Armeen. Sie sind hier aufgehalten und the

eise vernichtet worden. Das Schloß Guevara, ein schcnes Mo- ot früherer Augewalt und des Reichthums der Grafen von ti besteht in cinem Oblongum von 150 bis 300 Fuß. Die äußere Einschlicßun ist 30 Fuß hoch; hier springen 8 runde Thürme in Form

a Wartthürmen fast noch cinmal so hoch in dic Lust; fie sind von réwerem Geschüg gut vertheidigt. Zwischen den 4 südlichen Thürmen er- hebt si in pvaler Form das folossale Corps de Logis des Schlosses, 14) ur Wobnung der Garnison, einiger Siaatsgefangenen, so wie zur Aufbe- vahrung sämmtlicher Kriegs- und Mund - Bedürfnisse cingerichtet. Dieses Haupt-Gebäude besteht aus 3 Etagen, welche stufenförmig zu- treten und mit Thürmen zur Jufanterie-Vertheidigung eingerich- E sind: dasselbe is beinahe 300 Fuß Über die Ebene von Vittoria erhöht ‘und man übersieht von bier aus ganz Aiava auf 8 Leguas Ausdehnung in der Breite und Länge. Wehr als 300 Städte und Dörfer liegen unter dem Auge des Beobachters, das mit Vergnügen auf dem Panorama verweilt , welches am Horizont durch die fernen Gebirge Alt-Castiliens geschlossen ist. Vittoria mit scinem düsteren, falfaëtigen Ansehen, ohne irgend eine belebende Umgebung, ohne Baum, ohne Fluß, if faum 1'/2 Leguas von hier und blickt scheu und furchisam zu uns auf, denn nur dessen ftarfe Garnison und unsere, geringe Kavallerie hüt diese Stadt vor öfterer Beun- rubigung. Zumalacarreguy allein fonnte sih mit seiner da- mals in moralischem Werthe so hochstehenden Kavallerie bis un- ter BVittoria's Mauern siegreich vorwagen, denn er gebot dem Feinde auch in der Ebene. Der Gouverneur von Guevara, ein alter Kriegs- cfáhrte des tio Thomas (Onfel Thomas, so nannte der Soldat den Helden Zumalacarreguy) empfing mich wie alle Uebrigen im Fort Ánfangs mit Zurückhaltung, sogar mit Unwillen, da ih cin Estran- gero, und besonders, da ich sogleich die beiden nördlichen Thürme und die daselbst befindliche freuelirte Ringmauer der Plattform nicder- reißen ließ, um an deren Stelle Erdwälle zu errichten. Von dieser Seite nämlich kann Guevara angegriffen und in die Mauer Bresche gelegt werden. Da aber die Nachricht eingelaufen, Espartero wäre mit 18 Bataillonen und einigen zwanzig schweren Geschüßen in Vit- toria eingetroffen, war fceilih das Unternehmen sehr gewagt, doch als am anderen Morgen schon vier cüchtige Brummer hinter dem hohen und soliden Erdwalle in Batterie standen, wollte man überall Erdwálle seßen, unnd ich hatte wiederum meinerseits zu fäm-: pfen, um zwei andere Thürme vor dem Niederreißen zu ret- ten, wodurch man der äußeren Ansicht dieses Kuusibaues ge: waltigen Abbruch gethan hätte. Ohne des jungen und rast- los thätigen Generals Sopelano Mitwirken wäre es mir jedoch un- möglich gewescn, dies Werk auszuführen. Derselbe ließ ader 2 Ba- taillone beordern, welche die ganze Nacht hindurch das weit entlegenc Baumaterial herbeitrugen, denn von Fuhrwerk, welcher Art es auch scy, ist hier niht die Rede. Der neue fommaudirende General, seit zwei Tagen in Estella, folgte mit 3 Divisionen dem Marsche Espartero’s nach Vittoria, und mit Sopelano's Division vercint, nahm unsere Armee auf dem Höheuzuge von Guevara cine imponi- rende Stellung, welche der Feind nicht anzugreifen wagte. Um an- deren Mittag, den ten, verließ die seindliche Kolonne Vittoria, und nahmdie Direction nach unserer westlichen Gränze Biscaya?s, doch Maroto wurde dadurch nicht getäuscht und verblieb ruhig in seiner Position. Am nächsten Morgen ergab es sich, daß Espartero des Nachts umge- fehxt scv und nun nach Logroño eilte, wo er sich, der eiagegangenen Naqricht „zufolge, mit dem Corps der Ribecira unter Diego Leon ver- einigt hat und nun, beinahe 30,000 Maun fark, den Angriff auf Estella vorbereitet. Unsere Armee folgte über Saloatierra und Maesto am Egafluß hinunter der feindlichen Bewegung, und vorgestern Nachts siud wir hier (in Estella) eingetroffen. Alles rüstet sich hier zum fráftigsien Widersiaude und zum entscheidenden Kampfe; er wird sehr heiß werden, doppelt heiß, da hicr in Navarra die Juli-Soune brennt, als wären wir unter dem Aequator. Die Einwohner sind größten- theils in die nahen Gebirge entflohen. Batterieen und Barrikaden entseben in allen Straßen, und wir Soldaten sind nun Herren in der fast öden Hauptstadt des Don Carlos. Maroto, der das Kritische seiner Lage nicht verkennt, hat cinen Armee- Befehl, den Sie bereits aus deu Zeitungen kennen, erlassen, welcher von dem Geiste, der un- seren Feldherrn beseeit, ein entschiedenes Zeugniß giebt.“

Portugal.

Lissabon, 24. Juli. Durch ein Königl. Dekret wird der Anfang der Wahlen auf den 12. August festgeseßt. Die gewöhnlichen Cortes versammeln sih geseßlih am 2. Januar eines jeden Jahres, man glaubt jedoch, daß die finanzielle Ver- legenheit der Regierung die Einberufung einer außerordentli- hen Versammlung zu einer früheren Zeit nöchig machen wird. Die mit der Lissaboner Bank getroffene Uebereinkunft wegen eines Vorschusses an die Regierung in wöchentlichen Zahlun- gen geht mit dem September zu Ende, und ehe dieselbe nicht erneuert worden ist, kann das Ministerium nichts unternehmen.

Das Volk fährt noch immer fort, sih der Entrichtung der Abgaben zu widerseßen, die ihm von seinen Repräsentanten auferlegt worden sind. Jn vielen Provinzen wurden seit vier ahren keine Abgaben erhoben. Jn Braga haben bei- der insammlung der Decima- Abgabe ernstlihe Unruhen stattge-

funden.

Ein in der Hof-Zeitung erschienenes Königliches Dekret fordert die Gutsbesißer und Kaufleute auf, dem Ministerium Berichte einzusenden über die Vortheile, welche den Ackerbau- und Manufaktur-Junteressen des Landes durch die in dem neuen Tarif festgeseßten hdheren Zölle auf fremde Erzeugnisse erwach- sen sind. Man glaubt, daß die Minister, überzeugt von der Unzweckmäßigkeit ihrer bisherigen Prohibitiv-Politik, sofort auf die Abänderung der betreffenden Gesetze antragen wollen.

Der Gouverneur von Angola is entlassen worden, weil er die Ausfuhr von Sklaven von jener Kolonie nah Havaüa ge- stattet hat. Aus demselben Grunde hat die Königin dem Dä- nischen Konsul auf einer der Kapverdischen Inseln das Exequa- tur entzogen. Dies Verfahren wird dem Visconde Sa da Ban- deira um so mehr zum Ruhm angerechnet, als er sich dadurch in Opposition gegen die große Masse des Volks seßt, die noch immer dem Sklavenhandel sehr günstig ist.

Es zirkuliren unbestimmte Gerüchte von einer neuen Re- volution , welche die Republikaner beabsichtigten; die Königin, heißt es, solle abgeseht und eine Regentschaft mit Doña Jsa- bela Maria an der Spige angeordnet werden.

Túrkei.

Konstantinopel, 11. Juli. (Jour. de Smyrne.) Die Untersuchung der in den Vorstädten Galata und ‘Pera wegen Diebstahls verhafteten Individuen wird fortgeseßt, wenn au mit außerordentlicher Langsamkeit. Diese wird großentheils dur die Einmischung einiger fremden Gesandtschaften verur- sacht, welche den Gang der Justiz hemmen, wenn die Schul- digen schon überführt sind, da die Bestrafung derselben nicht ohne die Bewilligung der betreffenden Gesandtschaften vorge- kommen werden kann. Hierdurch sah sich die hohe Pforte ver- anlaßt, ein Memorandum an die Repräsentanten der befreunde- s Mächte zu richten, in welchem sie auf die Nothwendigkeit finweist, alle überführten Verbrecher für immer aus der Haupt- Ge zu verbannen, und ganz besonders darauf dringt, daß die velgndtschaften allen denjenigen Unterthanen ihres Landes, ? ‘lche längere Zeit in Konstantinopel verweilen wollen, Aufent- Mtbarten ertheilen.

n einem besondern Firman verordnet der Sultan, daß die tägliche Ration der Linientruppen, wie des Redif oder der

| Kaufleuten, von Canton zu entfernen.

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Miliz, um ein Fünftel vermehrt werden solle. Dieser Befehl wurde den Pascha’s und Gouverneurs sogleich übersendet , und ihnen eingeschärft, denselben unverzüglich in Ausführung zu brin- en. Das Journal de Smyrne weist darauf hin, daß der

ultan diese Verbesserung in der Lage der Truppen in dem Augenblicke habe eintreten lassen, in welchem die Truppen Mehmed Ali's in Syrien durch vielfahe Entbehrungen und durh Ausbleiben des Soldes gänzlih demoralisirt seyen, und nur auf Meuterei und Desertion dächten. „Uebrigens, ‘/ set das genannte Blatt hinzu, „hat der Sultan nicht die Absicht, einen Krieg zu unternehmen, und braucht niht im Mindesten den Muth der Truppen zu |kacheln.““

Das Dampfboot des Oesterreichischen Lloyd, „Fürst Met- ternih““, welches am 25. Juni Smyrna verließ, traf am fol- genden Tage bei der Jnsel Tino ein Griehishes Schiff, das ein seit mehreren Stunden wüthender Sturm sehr beschädigt hatte, und welches dem Untergange nahe war. Als das Dampf- boot die Nothsignale sah, eilte es sogleich zur Hülfe herbei, nahm das Schiff ins Schlepptau, und brachte es nach dem Hafen von Syra. Die Handels - Kammer von Syra fattete dem Capitain des Dampfbootes, Herrn Gleich, ihren Dank für diese menschenfreundliche Handlung ab.

Aegypten.

Alexandrien, 6. Juli. Das Journal de Smyrne giebt die Zahl der in Kahira abgebrannten und zerstörten Häu- ser auf 300 an. Die Verluste, die der Handelsstand erlitten hat, sollen weniger bedeutend seyn, als man anfänglih glaubte, da nur die Magazine eines Hauses nicht geräumt werden konn- ten. Am 28. Juni sollen die Brandstifter einen neuen Versuch gemacht haben, Feuer im Juden-Viertel anzulegen, welches indeß bald durch die Bemühungen der. Bewohner gelöscht wurde. Was das genannte Blatt von den Ausschweifungen der zum Löschen befehligten Soldaten berichtet, Übersteigt jede Vorstellung ; diese sollen wirklich, und zwar mit Offizieren an ihrer Spibe, die bedrohten Häuser selbst geplündert und die Kostbarkeiten, die sie aus dem Feuer gerettet, für sih behalten haben. Auch in das katholische Kloster versuchten dieselben einzudringen, aber mehrece Europäer vertheidigten dieses so tapfer, daß sie unver- richteter Sache abziehen mußten. Das rasche Ueberchandneh- men des Feuers wird besonders der Rathlosigkeit der Behörden zugeschrieben; so begab sich der Basch-Aga oder Polizei-Präsi- dent zuerst in die Citadelle, um hier den Rath des Gouver- neurs einzuholen, anstatt gleich thätig einzugreifen.

Was die Unabhängigkeitspläne Mehmed Ali's betrifft, so soll derselbe noch immer dabei beharren ; die Flotte hat Befehl zum Auélaufen erhalten, und mehr als zwanzig Schiffe haben schon den Hafen verlassen und heute oder morgen werden auch die übrigen unter Segel gehen. Wie es heißt, hat die Flotte den Befehl, der Türkischen entgegenzusegeln.

Ostindien.

Im Asiatic Journal liest man: „Dem Gerücht zu- folge, soll die von Bombay abgesandte Expedition die Insel Karak im Persischen Meerbusen in Besib nehmen. Diese Jn- sel liegt nahe an der Persischen Küste, ist fünf Englische Mei- len lang, dre breit und etwa 60 Meilen von Buschihr entfernt. Die Vortheile, welche diese Jnsel als Station darbietet , sind die Veranlassung gewesen, daß Holländer, Franzosen und Bri- ten nach ihrem Besiß strebten. Jhre Besibnahme unter den gegenwärtigen Umständen wäre eine Handlung der Feindselig- keit, die nur durch die äußerste Nothwendigkeit sich rehtfertigen ließe. Herr Macneil, der Reptäsentant Großbritaniens am Persischen Hofe, soll von dort abgereist seyn. Der Fürst Kam- ran, Beherrscher von Herat, welches Persien tributpflihtig war, stammt aus der ehemaligen Königlichen Familie von Kabul. Herat ist von der Stadt Kabul in gerader Linie etwa 400 Englische Meilen entfernt; von Kabul bis Attok am Jndus sind 200 Meilen und von da bis Lahore 220 Meilen, welches von Delhi 380 Meilen entfernt is. Von Birma sind keine Nachrichten eingegangen, aus denen sih ein bestimmter Schluß in Bezug auf Krieg oder Frieden ziehen ließe. Daß unsere Truppen an der Birmanischen An verstärkt worden sind, ist nur eine Vorsichts-Maßregel. Unsere Verhältnisse zu China scheinen sich in einem sehr kritischen Zustande zu be- finden. Seit einiger Zeit haben die Ereignisse einen Gang ge- nommen, der sich vorhersehen ließ, als man beschloß, die Nie- derlassung der Ostindischen Compagnie , die eine Barriere bil- dete zwischen den Chinesischen Behörden und den Europäischen Während die Lebteren sich für berechtigt halten, die Geseße des Chinesischen Reichs nah Belieben zu verleben und eine Waare in das Land zu schmuggeln, welche die Gesundheit und die Moralität des Volks untergräbt, ist es ungereimt, den Chinesischen Behörden Unge- rechtigkeit vorzuwerfen, wenn sie nach langer Nachsicht und wie- derholter Warnung ihre Häfen den fremden Kaufleuten verschließen und sie aus dem Lande oes Es is zu hoffen, daß der nah China gesandte Befehlshaber der Britischen Flotte mit der größ- ten Vorsicht zu Werke gehen und nicht dadurch, daß er Gele- genheit zu einer Kollision sucht, indirekt das thun wird, was direkt zu thun ungerecht seyn würde. Was die Nachrichten aus den Präsidentschaften des Britischen Indiens betrifft, so bedauern wir, zu hdren, daß die Eingebornen noch immer durch Mangel und Krankheiten leiden. Das Wetter war in vielen Gegenden fortwährend ungünstig, und die Verheerungen, welche die Cholera, die Pocken und andere durch den Mangel an ordentlicher Nahrung theils entstandene, theils gesteigerte Krankheiten anrichten, werden als furchtbar geschildert. Jeder Bericht aus Kalkutta bringt neue Beweise davon, daß Europäische Sitten und Gebräuche immer mehr un- ter den Einwohnern der Präsidentschaft Wurzel fassen. Für diejenigen Eingebornen, welche Englisch lernen wollen, ist ein Disputir- Klub errichtet worden, und von der Zemíindars- Gesellschaft verspricht man sich große Vortheile. Die Regie- rung begünstigt dieselben, und ihre Einwirkung giebt sich schon durch einen ungewöhnlichen Eifer unter den Hindus zu erken- nen. Andererseits hat sich unter den Hindus das Gerücht verbreitet, daß einer der Secretaire der Regierung darauf an- getragen habe, daß künftig kein Hindu oder Muselmann irgend ein Amt bekleiden könne, wenn er nicht zum Christenthum úbergehe. Die Nachrichten aus den kleineren Präsidentschaften sind ohne alles Interesse. Lord Elphinstone hat sich dadurch sehr populair unter den Eingebornen gemacht, daß er zwei Hindus zu Friedens-Richtern ernannte.“

Vereinigte Staaten von Nord-Amerika.

New - York, 10. Juli. Der Kongreß hat seine Siz- zungen geschlossen. Die noch anwesenden Mitglieder versam- melten sich gestern, um den Kongreß bis zum 1. Dezember zu vertagen. Am Sonnabend fand sich schon keine hinreichende

Anzahl von Mitgliedern mehr ein; da jedoch noch einige wich- tige Bills vorlagen, so begab sich am Sonntag Morgen der Gerichts -Beamte des Hauses mit einem Befehl des Sprechers nach dem Eisenbahn - Depot, wo er einige dreißig Repräsentan- ten ruhig in dem nah Baltimore bestimmten Wagen sitzen sah. Er theilte ihnen seinen Auftrag mit und drohte, die Wagen an- zuhalten; sie aber lachten ihn aus und meinten, er mge es nur versuchen, die Post der Vereinigten Staaten aufzuhalcren. So blieb ihm nichts weiter übrig, als zu melden, daß sie nicht zu finden seyen.

Die Bill zur Vermehrung der Armee um 4590 Mann ist angenommen worden. Die ganze Militair - Macht der Verei- nigten Staaten beträgt demnach jeßt 12,000 Mann. Das Wichtigste ist jedoch die Verwerfung des von der Règierung vorgelegten Gesez-Entwurfs in Bezug auf die Landes-Múnze. Nach Verwerfung der Unter-Schaßamts-Bill brachte bekannt- lih Herr Webster eine Bill in den Senat, wodurch die gegen die Banknoten unter 5 Dollars bestehenden Beschränkungen aufgehoben werden sollten. Herr Wright brachte an die Stelle dieser Bill spärer eine andere ein, wodurch die Akte úüber die Aufbewahrung der öffentlichen “Gelder aufgeho- ben und die Verwendung dieser Gelder der exekutiven Gewalt úberlassen wurde. Diese lektere Bill ward im Senat angenommen, im Repräsentantenhause aber mit einer Mazori- tät von 19 Stimmen verworfen. Darauf brachte ein Mitglied eine der Bill des Herrn Webster ähnliche Maßregel ein, mit dec einzigen Ausnahine, daß die Aufhebung des Verbots ‘der fleinen Banknoten nur bis zum nächsten 1. Oktober gültig seyn sollte, und diese Maßregel wurde in beiden Häusern angenom- men. - Das Geseb, welches die Niederlegung der öffentlichen Gelder in solchen Banken anbefiehßlt, die in baarem Gelde zah- len, bleibt daher in Kraft, und die Banken können bis zum 1. Oktober ihre Noten von weniger als funf Thalern cinlöjen.

Bei einer vor kurzem in Vermont gehaltenen Versamm- lung zur Ernennung von Beamten wurde beschlossen, daß die Gefängnißstrafe für Schulden abgeschafft werden solle. :

Die Bank der Vereinigten Staaten wird, dem Verneh- men nach, ihre Baarzahlungen am 1. August wieder beginnen.

Es herrscht hier ciae Unzufriedenheit über ein den Vereinigten Staaten von einem Herrn Smithson in England ausgeseßtes Legat von 100,000 Pfund, welches vor kurzem- in London an Herrn Rush, Agenten der Vereinigten Staaten, ausgezahlt worden ist. Man sagt, es sey nicht die gehörige Sor fait angewendet worden, um einen etwaigen Abkömmling des Testators ausfindig ju machen, dem die Zinsen des Fonds | husaren sollten, und die Vereinigten Staaten könnten daher das

ermächtniß niht mit Ehren annehmen.

Die Getraide-Aerndte ist überall sehr gut ausgefallen; da- gegen lauten die Berichte über die Baumwollen- und Taback- Aerndte nicht so günstig.

Inland.

Geburtstagsfeier Sr. Majestät des Königs.

Stettin, 4. August. Dex gestrige Tag, ein Fest- tag fár Stadt und Land, wurde auch in hiesiger Stadt auf feierlihe Weise begangen. Am Morgen rückte die Garnison auf den Exerzirplalz aus, und es fand dort in Gegenwart der

Generalität und des gesammten Offizier - Corps, “der höheren Königl. Civil- und Kommunal - Beamten und einer großen An- zahl von Bewohnern der Stadt und deren Umgegend ein feier- licher Gottesdienst, und nach dessen Beendigung eine Parade statt, bei welcher Sr. Majestät dem Könige unter dem Donner von 101 Kanonenschüssen ein fröhliches Hurrah gebracht wurde, während alle Schiffe auf der Oder flaggten. Der kom- mandirende General, Herr General - Lieutenant von Block, ab ein großes Diner, und ähnliche Festmahle waren in den ogen und in den Gärten der Kasino- und bürgerlichen Ressour- cen - Gesellschaften, im Logengarten und noch in vielen anderen Lokalen veranstaltet, während das Militair in den Kasernen be- wirthet wurde. Ueberall herrschte der größte Frohsinn, ein.Ge- fühl belebte Aller Brust und von Aller Lippen erscholl der freu- digste, vom Kanonendonner in die Ferne getragene Jubelruf, als der erfte und einzige dem Tag angehdrige Toast auf das dauernde Wohl des geliebten Landesvaters ausgebracht wurde. Der späte Abend fand die Fröhlichen, zum Theil bei Tanz-Ver- gnügungen, versammelt. :

Halle, 4. August. (Hall. Cour.) Der gestrige Tag wurde festlih in unserer Stadt begangen. Schon am 1. August fand als Vorfeier des Allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Königs durch den Musik-Direktor Dr. Naue, unter Mitwir- fung der hiesigen Sing-Akademie, die Aufführung eines „„Salyum sac Regem” und des Oratoriums die „Schöpfung von Haydn““ in der St. Ulrichs - Kirche statt, und in derselben Absicht hatte der Sänger-Chor der Hauptschule in den Franckeschen Stiftun- gen am Vorabend des Festtages zu einem Vokal - Konzert, ver-

unden mit deklamatorischen Uebungen, eingeladen. Die Univer- sität beging das Geburtsfest ihres erhabenen Beschüßers in dem roßen Versammlungs -Saale des Universitäts-Gebäudes, wo- felbst der Professor Dr. Meier in seiner Festrede das Thema behandelte: „Ueber das Verhältniß der Griechischen zur modernen Vaterlandsliebe‘‘, und dann zur Verkündigung der Namen derer überging, denen von den Fakultäten die Preise zuerkannt waren. Die theologische und ju- ristische Fakultät hat in diesem Jahre den bei ihnen eingegangenen Preisschriften keinen Preis ertheilen köôn- nen; fúr die medizinische Preis-Aufgabe erhielt ihn Woldemar Marbach aus Jauer in Schlesien; für die philofophische Au- gust Hierse aus Hellinghausen in Westphalen; für die histori- \he Rudolph Schmidt aus Crussow in der Ukermark, derselbe, welcher im vorigen Jahre den philologischen erhalten hatte. Das Militair hatte Parade, nachdem vorher der Dom -Predi- ger Dr. Rienäker die gottesdienstliche Feier gehalten hatte. Auch die Zöglinge der Hauptschule in den Franckeshen Stiftungen, welche einen Theil ihrer Mußestunden mit militairischen Uebun- en ausfüllten, hielten eine Parade ab, und Mittags wurden sämmtliche Zöglinge der Anstalt festlih bewirthet; die Kinder der Armenschule im Waisenhause erhielten die üblichen Festge- schenke. Des Mittags hatte. sich im Lokale der Freimaurer- Loge eine zahlreihe Gesellschaft zu einem Festmahle vereinigt, woran auch die Behörden Theil nahmen, während am Abend der festliche Tag an vielen Orten fröhlich beschlossen wurde.

Erfurt , 27. Juli. Actien-Gesellschaft zur Auf- suchung von Steinkohlen. Bei der immer höher stei- genden Theuerung und Seltenheit des Brennholzes hat sich eine Gesellschaft gebildet, welhe mit einem Kapital von 25,000 Rthlr., aus 50 Actien zu 500 Rthlr., die meist schon gezeichnet sind, bestehend, vom 1. September ab, bis wohin sie sih als

geschlossen erklärt, auf den Grund eines ihr cedirten Schürf-