1838 / 250 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

E S 1 S E o 7 F, T E R r

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lich fatholishen Kirche Englands vindizirt wird, weil ihre Bischöfe in eben so ununterbrochener Reihefolge ihre geistliche Vollmacht von den Aposteln herleiteten, wie die Bischöfe ‘der Röômisch - katholischen Kirche, und weil die Reformation in England nicht in einer Loéreißung von der Mutterkirche, so:1- dern nur in Verbesserung einiger Mißbräuche, die sich in die- selbe eingeschlichen , bestanden habe. Hieraus wird dann gefol-

ert, daß die Englischen Katholiken in cinem ganz anderen Ver-

ältniß ständen , als die Katholiken Frankreihs und Jtaliens, weil in diesen Ländern die ursprüngliche katholishe Kirche in in ihrer alten Form verblieben sey; wenn also dort die Mit- lieder dieser Kirche sich mit Recht Katholiken nennen könnten, eyen die Englischen Katholiken nur Rdmische Dissenters oder Separatisten zu nennen, da sie sich von der Kirche losgeris- sen, die für England die fkatholishe sey, und die sich eben dadur< von den scheide, Apostel zurü>führen könne. Wie man auch vom protestanti- schen Standpunkte aus über die Angemessenheit, dergleichen theologisch-kirchlihe Diskussionen in Predigten zu verflechten, urtheilen möge, so konnte vom Standpuukt der bischdflichen Kirche darin wohl kein Grund gefunden werden, einen Predi- ger von seinem Posten zu entfernen, um \o weniger, als die Rede keinesweges in leidenschaftlichem Tone abgefaßt ist. Man findet dieselbe nämlich jeßt in der „Times“ vollständig gedruckt, der sie von einem „„Anti-Romanisten‘/ mitgetheilt worden ist. Hätte dieses Blatt die Predigt gleich neben ihrer Anzeige von der Entlassung des Dr. Hook mitgetheilt, so würde sie dem Englischen Publikum ihr Gerücht {wer haben glaublih ma- chen können; und es mag ihr vielleicht die Zusendung dersel- ben gar nicht angenehm gewesen seyn, denn sie enthielt sich nun wohlweislich aller weiteren Glossen. In der ministe- riellen „Morning Chronicle‘“ dagegen fand man heute früh folgend: einfache Erklärung : „Wir sind zu der Anzeige ermäch- tigt, daß der ehrwürdige Dr, Hook weder seiner Kaplanei be- raubt worden ist, no< die Weisung erhalten hat, in der König- lichen Kapelle nicht mehr zu predigen, wenn die Reihe an ihn kömmt, und 75 überhaupt von einer daselbst von ihm gehalte- nen Predigt _. keine Notiz genommen worden.“

Jn eineë gestrigen Versammlung der hiesigen Súdameri- kanischen und Mexikanischen Handels - Association ist eine dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten zu überreichende, wider die völkerrechtliche Gesetmäßigkeit der gegen Mexiko's Häfen angeordneten Französischen Blokade gerichtete Denkschrift entworfen und angenommen worden.

Ein Britischer Lieutenant, Thomas Macdonnell, warnt das Publikum vor den über die angebliche Macht des Baron von Thierry in Neu-Seelano verbreiteten Nachrichten, die der- selbe nur aussprengen lasse, um Kolonisten dorthin zu locken. Der besagte Lieutenant, der sih längere Zeit auf jener Jnsel aufgehalten, verspriht nächstens eine Schilderung der Thaten jenes Barons, eines zweiten Münchhausen , wie er ihn nennt, dem die Eingebornen von Neu-Seeland den Spottnamen „„Kingi Te Pokanoe‘‘ (Kdnig Springinsfeld) gegeben hätten, in den dfentlihen Blättern mittheilen zu wollen.

Belgien.

Brüssel, 2. Sept. - Der Emancipation zufolge, sollen hier gestern wichtige Nachrichten von der Londoner Konferenz eingegangen seyn. Die Minister hielten eine Berathung, und Graf von Merode, der heute mit seinem Schwiegersohne, dem Grafen von Montalembert, abreisen wollte, hat den Leßteren allein nah Paris zurückkehren lassen.

In der zu Lüttih erscheinenden Jndustrie liest nan: „Der Graf von Montalembert durchzicht seit einigen Tagen das Belgische Land. Jn unseren Feldlagern, unseren Städten und Weilern, überall stellt er sich ein, um den Weihrauch zu empfangen, den man ihm hier fireut. Nichts wird vernachläàs- sigr, um diesem Manne Wichtigkeit zu verleihen; man kündigt seine Ankunft im Voraus an und unsere Ciceros, unsere De- mosthene bereiten si< auf Reden, die sie ihm halten und in den:n sie ihn bi zu den Wolken erheben. Armes Belgien, auf welche Stufe der Erniedrigung bringen dich deine politischen Scimmführer! Was kann wohl ein Ausländer für dich thun, der durchaus noch) feinen Ruf besißt, der ohne politische Stellung, ohne irgend einen Einfluß auf die Europäischen Angelegenheiten ist? Was vermögen für dich und deine künftigen Geschicke die Gemein- plàtze und die Ansiehten eines jungen Mannes, der eben erst eine Carrière eingeschlagen und dessen Debät nicht einmal dar- thut, daß er sih bis zu der Höhe der Jdeen seines Jahrhun- derts erhoden? Wer sieht nicht in der That sogleich ein, daß der Schwiegersohn des Grafen von Merode die beschränkten Ansichten seines Schwiegervaters theilt, und sih, gleich ihm, allen den retrograden Richtungen hingiebt, welche die Belgische C 2marilla mit \o viel Ausdauer verfolgt? Der Eifer, den der Graf von Montalembert für Belgien zeigt, wird immer un- f.uchtbar an Erfolgen bleiben, da es in Frankreich nur zu schr

protestantischen Dissenters unter- | daß sie die Einsetzung ihrer Seelsorger auf die

bekannt ist, daß der edle Pair einer Schule angehört, die von

der großen Mehrheit des Französischen Volkes verworfen wird. | st Vergebens sucht er si< einen Firniß von Liberalismus zu | ‘geben, um sich Gehör zu verschaffen; im Voraus durchschaut,

kann er Niemandem imponiren. Bereits haben die verbreite- teren Blätter der Hauptstadt ihm die Larve abgerissen und ihn als den Zögling von St. Acheul dargestellt, der die Sache Bel- giens nur durum mit solchem Eifer unterstüßt, weil dieses die Gutmäthigkeit gehabt hat, si< der Herrschaft der Klerokratie zu unterwerfen. Nein, mit den Grundsäßen des Herrn von | Montalembert werdet Jhr in Frankreich die Geister nicht ge- winnen. Prägt ihm Medaillen, so viel es Euch beliebr, ja, er- richtet ihm sogar Bildsäulen, wenn es Euch gefällt, in dem Europüischen Areopag werdet Jhr doch damit keine Stimme Euch verschaffen, die auh nur das geringste Gewicht hat.“

Deutschland.

Múnchen, 3. Sept. Die Abreise Ihrer Majestät der Faiíiserin von Rußland von Kreuth erfolgte am 30. August achmittags um ò Uhr; Jhre Majestät verließ jedoch Tegern- | sez erst am 1. September, und begab sih von da nach Hohen- s<=-2ngau und Nürnberg. |

Se. Majestät der Kdnig sind in Nymphenburg eingetrof: | fen, werden aber gegen Ende der Woche mit Jhrer Majestät ver Kinigin sich wieder nah Augsburg begeben, um mehrere L42s in dem dortigen bewegten Leben zu verweilen.

Are Majestát die Kaiserin von Rußland hat der Dichte- riz Delmine v. Chezy ein werthvolles mit Brillanten und Ru- búnta vesegtes Ohrengehänge úbersenden lassen.

_ Luagtbhursa, 4. Sept. Zhre Kaiserl. Hoheit die Großfür- fiún Aer 2012 von Rußland wird morgen (Mittwoch) mit zahl- reityem Vesige Hier eintrefsen. Zhre Kaiserl. Hoheit begiebt

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1032 sich von hier nah Ulm, wo die Großfürstin mit Jhrer Kaiserl. Mutter zusammentreffen wird.

Unter den zahlreichen Fremden, die in den leßten Tagen in dem genannten Gasthofe angekommen sind, bemerken wir: den von Sr. Majestät dem König von Preußen eigens in das hiesige Feldlager abgesandten General-Major von der Artillerie, .von Bardeleben, so wie den Grafen von Blücher - Altona, Kd- Bue Dänischen Geheimen Rath und Ober-Präsidenten von

tona.

Gestern fand die Erdffnung der kurzen bis jeßt mit Schie- nen belegten Stre>e unserer Eisenbahn statt. Es sind vorerst drei Wagen in Aktivität gesezt, von denen jeder 24 Personen faßt, und die, obgleich nur je mit eincm Pferde bespannt, leicht und rasch dahingleiteten, mit jener gleihmäßigen, stoßfreien Be- wegung, die zu den besonderen Annehmlichkeiten einer Eisen- bahnfahrt gehört. Die drei Wagen gehören nicht zu jener Art leichter, niederer, unbedecfter, aufs einfachste aus Holz gezim- merter Waggons, welche auf den größeren Eisenbahnen die Mehrzahl! bilden, noch zu den gleichfalls sehr leihten, offenen Charabancs, sondern zu den großen, {weren Diligencen, de- ren man auf den Belgischen Eisenbahnen bei einem Zuge von dreißig bis vierzig Wagen meist nur zwei bis drei findet, weil fie am schwierigsten in Bewegung zu seßen sind. Uebrigens drängten sih zu den Wagen fortwährend mehr Fahrlustige, als sie zu fassen vermochten, und waren auch manche Anstalten noch mangelhaft, so ist doch erfreuli<h, daß einmal ein Anfang ge- macht ist. In Mänchen hoffe man bis zum nächsten Früh- jahr schon eine bedeutende Stre>e den Fahrten öffnen zu können.

Dresden, d. Sept. Zu den dankenswerthesten Unterneh- mungen unserer Stadt-Obrigkeit in neuester Zeit gehört, bei ei- ner Anzahl von n als 7000 shulfähigen Kindern, unstreitig die Errichtung von Distrikts-Schulen für Kinder solcher Aeltern, welche zwar das in den übrigen Schulen gebräuchliche hbdhere Schulgeld zu zahlen nicht vermögen, aber deshalb noch nicht Anspruch an die Armen - und Freischulen haben. Es bestehen jeßt bereits vier dergleichen Distrikts-Schulen, von denen die in der Antonstadt neu gebaut, und die in der Pirnaischen Vor- stadt noch im Aufbau begriffen isi.

Leipzig, 6. Sept. (Leipz. A. Z.) Mit jedem Monats- Bericht über den Fortgang des Baues der Leipzig - Dresdner Eisenbahn stellen sich die Verhältnisse dieses großartigen Unter- nehmens günstiger. Die ärgsten Zweifler verstummen, und aus Gegnern dieses Werkes erwachsen demselben täglich neue Freunde. Auch zeigt sich dies in dem Stande der Actien, den diese während des vorigen Monats bei manchen ungünstigen Geldverhältnissen des hiesigen Plabes behaupteten. Aus dem vorliegenden Bau- bericht über den Monat August ergeben sih folgende Resultate. Die Zahl der in diesem Monat beschäftigten Arbeiter betrug 5478 Mann; von diesen waren 498 an dem Tunnel beschäftigt. Troß der ungünstigen Witterung im Laufe vorigen Monats waren doch auch die übrigen drei großen Werke der Bahn, die Elbbrúcke bei Riesa, die Ueberbrückung des Zschdöllauthales Und der Viadukt bei Röderau bedeutend vorgeschritten und wer- den zu der im Voraus bestimmten Zeit völlig hergestellt seyn. Auf der ganzen Linie der Bahn sind jeßt 106,070 Ellen oder 6/4 Meile des Oberbaues mit Schienen belegt und im fahrbaren Zustande, und es sollen bis Mitte dieses Monats zu den bereits jeßt befahrenen 4 Meilen auch noch 3!/, Meile dem Verkehr erdffnet werden, nämli<h von Wurzen nach Dahlen (2 Meilen), und von der Weintraube nah Oberau (1!/, Meile). Mit Sicherheit steht zu erwarten, daß nament- lich während der bevorstehenden Messe beide Strecken {on vielífah vom wirklichen Verkehr benußt, und sollen dazu durch Anschließung von Schnellposten Einrichtungen getroffen werden. Auch jeßt hon, von und na<h Wurzen, wird die Bahn sehr häufig zum wirklichen Verkehr benußt. Man ist jeßt genöthigt, wieder zu den Englischen Coaks zurückzukehren, die durch die damit erzielte größere Wirkung kaum theurer zu- stehen kom- men als die Sächsischen, von denen auch wieder nur die Zwik- fauer Coaks allenfalls no<h angewendet werden können. Jm Monat August befuhren die Bahn auf der Stre>ke von und nach Leipzig in 195 Fahrten 21,175 Personen, davon 452 in der ersten, 2596 in der zweiten und 18,127 Personen in der dritten Wagenklasse. Auch wurden mehrere Reisewagen befdr- dert, in welthen die Personen ruhig sigen bleiben können, und dex Tarif dafár ist sehr niedrig (16 Gr. fär die Meile); auch Pferde, Ochsen, Schweine, Kälber und sonstiges Schlachtvieh, sowie Güter, und namentlich Brennholz wurden auf der Bahn zur Stadt gebracht, gewiß zum Vortheile der Betheiligten, da auch für alle diese Tranéporte der Tarif sehr billig gestellt ist. Auf der Strecke von und nah Dresden fuhren im Monat Au- gust in 310 Fahrten 45,799 Personen, davon 4041 in der ersten, 19,825 in der zweiten und 21,924Personen in der drittenWagenklasse.

Stuttgart, 25. Aug. Wie wenig das auf dem leßten Landtage gegebene provisorische Nachdru>-Gesez nüken und ge- nügen werde, liegt jeut klar am Tage. Es werden nämlich in diesem Augenbli hier mehrere Nachdrucke veranstaltet, die/ den rechtmäßigen Verlegern zum größten Schaden gereichen müssen, o z. B. von dsn besten Werken Spindler's. Die Schriften sind nämlich grdßtentheils vor zehn Jahren schon erschienen, und folglich hat Jedermann das Recht, sie nahzudru>en, da nur auf zehn Jahre Schub verliehen ist. Jn diesem besonde-- ren Fall ist aber der Nachdrue um so unverschämter, als der Verleger von Spindler's Werken sich ein besonderes Privile- gium auf dessen Gesammt-Au2gabe verschafft hatte.

Mannheim, 30. Aug. (Karlsr. Ztg.) Die Leipziger Allgemeine Zeitung enthält einen Artikel aus der Bayerischen Pfalz über die bei Mannheim unternommenen Wasserbauten (\. Nr. 237 der St. Ztg.), der von einer eben so gehässigen als unrichtigen Unterstellung ausgeht. Es wird darin behaup- tet, die unterhalb Mannheim angelegte S bür so wie die Zudämmung des Friesenheimer Durchschnitts hätte keinen anderen Zweck gehabt, als den Thalweg des Rheins von dem linken auf das rechte Rheinufer herüber zu treiben, um dadurch dem neuerbauten Mannheimer Hafen das bendthigte Fahrwas- ser zu verschaffen. Da nun der Hafen in der Rheinschanze un- ter den von Badischer Seite getroffenen Anstalten nothwendi-

" gerweise hätte zu Grunde gehen müssen, so habe die Bayerische

Regierung sich genöthigt gesehen, die Rheinschwelle auf dem jenseitigen Stromgebiete wieder zerstdren zu lassen. Es is in- deß Thatsache, daß die Rheinschwelle ledigli<h den Zweck hatte, die Strômung in dem Feciesenheimer Durchschnitt zu vermehren, denselben dadur< zu vertiefen und ihn zur

ufnahme des Thalweges geeignet zu machen, und daß nur, weil dieser Zwe>, wie es bei Wasserbauten so häufig ge- schieht, nicht sogleich vollständig erreicht wurde, die Abdämmung des Friesenheimer Durchsc;nitts stattfand, um denselben noch tiefer auszubaggern, wo es alsdann *ni<ht dem mindesten Zwei- fel unterlegen haben würde, daß die Schwelle ihren Zweck voll- kommen erreicht, und na<h Wegräumung und Abdámmung den

Thalweg in den Durchschnitt geleitet, mithin die Strömun, gerade auf das línfe und nicht auf das re<hte Rhein-Ufer ge: leitet haben würde. Wenn nun die Schwelle das Gelingen

vertragsmäßig von Baden auszuführenden Durchschnitts bj Friesenheim bedingt, so müssen wir bezweifeln, daß durch theil, weise Wegräumung derselben der Rheinschanze ein Dienst ge, fahre worden sey, vielmehr steht zu befürchten, daß die Schiff,

fahrt auf dem Rheine gerade an dieser Stelle die größten Hin, È

dernisse zu bestehen haben werde, während die Durchführung des Friesenheimer Durchschnitts vor der Hand unterbleibt, viel leiht sogar völlig unmöglih gemacht wird. Inwiefern dur die von der Königl. Bayerischen Regierung angeordneten Maß; regeln vertragsmäßige Rechte Badens verleßt worden sind, wol, len wir hier nicht untersuchen. Da, wie der gedachte Artikel angiebt, diplomatische Verhandlungen darüber angeknüpst sind so glauben wir, den Ausgang mit Ruhe erwarten zu sollen. '

Frankfurt a. M., 5. Sept. Se. Kaiserl. Hoheit t Großfürst - Thronfolger von Rußland is gestern Abend umz Uhr hier angekommen und im Hotel de Rüssie abgestiegen, J in der Frühe hat Se. Kaiserl. Hoheit die Reise nag

eimar fortgeseßt.

Hamburg, 6. Sept. (Börs. H.) Ueber die jest in Em den bei der dortigen Kriminal-Behörde anhängig gemachte Un tersuhung der (in Nr. 248 der St. Ztg. erwähnten) Meutert auf dem Amerikanischen Schiffe „Braganza““ enthält ein Schrei ben eines der Passagiere der Brigg, die von dem Schiffe „Heh den‘’ gerettet und nah Greenok gebracht wurden, folgende n here Angaben, nämli<h: „Am 5. August d. J-, um 2 Uhr Nachts, als wir uns auf 37° N. Br. 13° 2W. L. befanden, empdrte sich die Mannschaft auf der Amerikanischen Brig „„Braganza““, geführt von Capitain Armel F. Turley, von Pot torico und Philadelphia nah Genua bestimmt, warf den Ca pitain úber Bord und nahm Besiß vom Schiffe. Als die nah

benannten Passagiere die Brigg verließen, was am 11. ut . r. E

geschah, befand sich das Sahrgens auf ungefähr 41° 41/

15° 30/ W. L., den Cours NO. z. O. steuernd, in der Absicht, wie gesagt wurde, den Britischen Kanal einzugehen und ir gendwo dort oder in der Umgegend zu landen. Die Passagiere der Brigg bestanden aus Herrn George N. Diehl nebst Frau und der Frau des Capitains Turley, welche sammt dem zwei ten Steuermann Moir und dem Koch der Brigg Sonntag den 12, August 2!/, Uhr Nachniittags, von der Brigg „„Hebden“, Capitain Wm. B. Fowler aus Scarbro* (England), aufgenom: men und gerettet wurden, nahdem sie 25 Stunden im ofsenen Boote und 350 Meilen vom Lande entfernt auf dem Meere zugebracht hatten.“

Oesterreich.

Wien, 3. Sept. Ueber den Aufenthalt Jhrer Majestäten in Meran und die interessante Feier auf dem Schlosse Tyrol theilt der Bote von Tyrol Folgendes mit: „Am 20sten d. M gegen Mittag wurde der Stadt Meran das Glück zu Theil Jhre Majestäten den Kaiser und die Kaiserin auf Its Reis dur<h Tyrol in ihre Mauern aufzunehmen. Böllerschüsse vo den Hbhen und Festgeläute von allen Thürmen verkündigta die Ankunft, und wurden bald durch den herzlichen Jubelru der dicht gedrängten Volksmenge übertönt. An der Passerbrücke ge ruhten Jhre Majestäten der Bitte des Volks nachzugeben, die Pferde des Leibwagens ausspannen, und sih von einigen Landleuten bis zum Absteigequartier ziehen zu lassen. Dort wurden Allerhöchst dieselben von Sr. Kaiserl. Hoheit dem Erzherzoge Johann, dem Hof-Kammer-Präsidenten Grafen von Wilczek, als Stell vertreter des Landeshauptmannes, dem Fürst:Bischof von Trient und dem Kreis - Hauptmann ehrfurchtsvollst empfangen. Zur Ehrenwache war eine Compagnie des Junfanterie - Regiments Gollner aufgestellt, und drei Shüßen-Compagnieen von Meran, Lana und Passeier, gleich ausgezeichnet durch den hohen, kräfti gen und s{hônen Wuchs, wie durch die Haltung und \chdne Na' tional - Tracht der Mannschaft, bildeten um den Plaß Spalier und defilirten dann vor Jhren Majestäten. Die Wache aw Thore und im Jnnern wurde gemeinschaftlich vom Militair und den Schüken versehen. Bald nach der Ankunft ließen si Se. Majestät der Kaiser die Geistlichkeit, das Landgericht und den Magistrat vorstellen, und begaben sich dann zur Tafel. Nachmittags verfügten sich Se. Majestät ‘der Kaiser in da Schloß Tyrol zu einer Feier, die ganz eigenthümlich in ihr Art ein gewichtiges Blatt in der Geschichte des Landes filt,

und bedeutungsvoll die Zukunft an eine große Vergangenhi

knüpfte. Eine Abtheilung Landesschüßen eröffnete den Zug, dav auf folgten Se. Majestät, dann Se. Kaiserl. Hoheit und das Gefolge zu Pferde. Einzelne Schüben - Abtheilungen standen längs des Weges, die Glo>ken aller nahestehew den Thürme läuteten und vön den Höhen donnerten Bil ler - Salven herab, und überall drängte Alt und Jun sich in Festkleidern herbei, seinen geliebten Herrscher zu jehen, und erfällte die Luft mit freudigem Lebeho<h. Das Stamm {loß Tyrol war von einer Compagnie Passeierer nach dem al! ten von der Herzogin Margarethe ihnen zum Lohne ihrer do mals schon bewährten Anhänglichkeit und Treue eingeräumten Vorrechte beseßt, an den inneren Thoren standen die Schild Hefretver mit Hellebarden. Jn dem geräumigsten Zimmer des <losses war ein Thron errichtet, auf welchem Se. Majestät sich niederzulassen. und das Haupt zu bede>ken geruhten, die Schild-Hofbesiger stellten sich dem Throne gegenüber, vor ihnen die Angehörigen des biederen Andreas von Hofer, und um sie und in dem Vorsaale drängte sih eine große Zahl von Pas- seierern und herbeigestrdmten Zusehern. Der Graf von Wilczek, Stellvertreter des Landes - Hauptmanns und Burggrafen von Tyrol, trat hierauf neben den Thron und hielt folgende Anrede: „¡Passeicrer! Se. Majestät unser allerguädigster Kaiser und Herr haben in Anerkfenuung Eurer stets bewiesenen Treue und Anhänglich- feit Euch gestattet, heute hier auf diesem Kaiserlichen Stammschlesst 1 erscheinen, und nach dem altcn Vorrechte, das Euren Vätern il er Vorzeit eingeräumt worden war, dessen Burghut zu versehen. Zw gleich haben mir Se. Majestät den Allerhöchsten Auftrag zu ertheilen

gerubt, Euch hier zu eröffuen, daß es Sein Kaiserlicher Wille M der Nachwelt ein chrendes Andenken an Euren um das Allerh öchsl

Kaiserhaus und sein Vaterland hochverdienten Anführer Andre

Hofer dadurch zu überliefern, daß Se. Majestät dessen hinterlasseß ealitát in Passeier erkauft, in ein Landesfürstliches Lehen umsialll! und zu bestimmen geruht haben, daß dasselbe auf immerwährende Zeh ten „von Hofer's Sandbof“ heiße und sein Besizer immer de Namen Hofer führe. Es soll damit zuerst ein Enkel des Andreas von Hofer von seinem Sohne Johanu von Hofer belehnt werdel, und da Se. Majestát auf die unterthänigste Bitte des eben anwesenden guy von Hofer zu beschließen geruhten, daß dessen minderjädriger Soht

ndrä von Hofer zuerst mit diesem Lehen begnadigt werde, so haben Aller höchsidieselben in Berücksichtigung der Minderjährigkeit des ersten Led besißers zugleich zu verfügen befunden, daßder Andrä Erb, Schwieger ohu des Andreas von Hofer, anmit zum Lehnträger für jenen aufgestellt, ih als solchen dies Lehen nach dem Lehen - Nechte übergeben, (ola aber von ihm der Lehen - Eid bei der hierländigen Lehen - Stube abgeles!

erde. Indem Se. Majestät das Andenken eures biedern und ges eaea Anführers chren und cu< cinen Beweis Jhrer landesväter- lichen Huld und Gnade ertheilen, versehen sich Allerhöchstdieselben, daß idr bei jeder vorkommenden Gelegenheit eure aite Treue und Anhänglichkeit an Jhn und Sein Haus bewähren und das stets seyn und bieiben werdet, was eure Väter waren. Se. Majestät bleiben eu< in Gnaden gewogen.“ /

Nachdem Graf Wilczek diese Anrede gehalten hatte, trat der K. K. Kreishauptmann an der Etsch, Klemens Graf von Brandis, vor Se. Majestät und hielt im Namen der Bewoh- ner von Passeier folgende Dank-Rede an Allerhöchstdieselben :

„Allerdurchlauchtigster, großmächtigfter Kaiser, König und Herr! Geruben Eure Majesiät, mir Allergnädigst zu gestatten, im Namen des so eben zum ersten Lebenbesizer ernannten Enkels des Audreas von Hofer und des Volksstamnmes, dem er angchört, Allerhöchstden- elben den tief gefühlten Dank für ein so auszeichnendes Merkmal der Allerhöchsten Huld und Gnade zu Füßen zu legen. Die Tyroler haben es stets als eine ibnen eben so heilige als ibeure Pflicht an- gesehen, Gut und Blut für ibr Kaiserhaus zu opfecn, uud fühlen darum auch um so tiefer die Gnade ihres Monarchen, der daraus, was sie aus Pilichtgefühl leisten, den Anlaß zur großmüthigsten An- exfennung und Belohnung nimmt. Es hatte bereits dic landesoäter- liche Huld unseres verewigten Monarchen die Rückgelassenen des An- dreas Hofer mit Kaiserlicher Großmuth beschenkt, es hatten überdies weiland Se. Maje1?ät dessen Gebeine in Allerböchstihrer Hoffirche bei- segen und ihm zunächst den Standbildern Allerhöchstihrer Kaiserli- er Vorältern eiu Denfmal errichten lasseu, das eine der schönsten Kunstzierden des Landes ist. Doch alles dies genügte noch nicht den Allergnädigsien Absichten Eurer Majesiät, auch an der Hei- matbstätte jencs treuen Vertheidigers seines Fürsicn foll nun durch deren Umstaltung in ein tandesfürsiliches, scinen Namen bewahren- des Lehen ein neues Denkmal fich erheben, das immer sich erneuernd na<h Jahrhunderten noch die Treue des Landes und die Anerkennung des Monarchen verkünden, und dessen erste Verleihung auf diesem Schlosse dur<h Eure Majestät in Allerhöchsteigener Person in froher Volkssage von Geschlecht auf Geschlecht übergeheu wird. Möge Gott Eurer Majestät noch eine lange uvd glückliche Regierung verteihen ; sollten indessen seine unerforschlichen Ratÿsch!üs}se auch Allerhöchstdeusel- deu eine Pcúfung vorbehalten haben, so werden Eure Majestät in Tyrol und vor allem in jeuem Thale, dem seiae Laudesfürsten schon von Alters her die Burghut ihres Stamm-Schlesses auzuvertrauen Fedex: den alten treuen Hort Allerhöchstihres Thrones immer wie- derfiudei.‘

Se. Majestät geruhten Jhre Rührung úber die aller Or- ten und hier von neuem bewährt gefundenen Gesinnungen der Treue und Anhänglichkeit Jhres guten Volkes in Tyrol aus- zusprechen, und alle Versammelten brachen in ein lautes Lebe- hoh aus. Se. Majestät ließen sih die Enkel des Andreas von Hofer vorstellen, von denen das älteste Mädchen Anna Erb ei- nen Strauß von Alpenblumen überreichte, dann wurden Sr. Majestät noch die zwei Landleute Blasius Trogmann von Mais und Matthäus Ladurner von Algund, die ihrer Verdienste we- en bei der Huldigung die mittlere goldene Ehren-Medaille er- alten hatten, vorgestellÇ. Se. Majestät verweilten no< eine eit, um die herrliche Aussicht des Schlosses anzusehen, und kehrten nah Meran zurü>. Jhre Majestät die Kaiserin hatte indessen das Kloster der Englischen Fräulein und eine eben zur Feier der Allerhöchsten Anwesenheit von Wohlthätern aegrün- dete Niederlassung barmherziger Schwestern im Spitale zu Me- ran besuht. Den Abend waren die Stadt und einige Anhd- hen glänzend und mit vielem Geschma>ke beleuchtet , insbeson- dere zeihnete h dabei eine doppelte Reihe farbiger Ballons längs der Passer-Ufer durch ihre magische Wirkung aus.

Spanien.

Madrid, 27. Aug. Die offiziellen Depeschen des Gene- rals Oraa über die Aufhebung der Belagerung von Morella und den Rückzug der Central-Armee sind hier eingegangen, und es herrscht die grohte Aufregung. An der Puerta del Sol bil- den sich Volks-Gruppen, die Wachen sind verstärkt worden, und Patrouillen durchziehen die Straßen. Das Volk verlangr die Abse6sung der Minister und bedroht die Wohnung des Fran- dsischen Botschafters. Die National-Barde ist zusammenberu- en worden, allein Niemand ergreift die Waffen.

Als die Königin die Depeschen des Generals Oraa erhielt, denen das Gesuch um Entlassung beigefügt war, traf auch ein Schreiben vom Generat Espartero ein, der abermals seine Ent- lassung verlangt und das Kommando dem General Alaix zu übergeben droht, wenn man ihm nicht binnen acht Tagen seine Entlassung sende. Sein Gewissen, sagt er in seinem Schrei- ben, erlaube ihm nicht, noch länger an der Spiße einer von Allem entblbßten, verhungerten und entmuthigten Armee zu 1 bleiben. Die Königin ließ sogleih den Grafen von Ofalia zu F sich bescheiden und empfing ihn mit den Worten: „Schon wieder hat ein General seine Entlassung eingereicht !‘/ worauf

der Premier - Minister erwiederte: „Das Ministerium thut

dasselbe.’ Um zehn Uhr versammelten sih die Minister, und der Französische Botschafter wohnte den Berathungen bei. Die

Königin joll bei dieser Gelegenheit den General Castaños zu

Rathe gezogen haben, und man hält es für gewiß, daß we-

nigstens die Minister der Finanzen und der Justiz ausscheiden.

Der General Narvaez hat den Befehl erhalten, vorläufig noch

in Madrid zu bleiben.

Der Kriegs - Minister , General Latre, hat in der vergan- genen Nacht mit ausgedehnten Vollmachten Madrid verlassen, um \sih zum General Oraa zu begeben und sih, wie man wis: sen will, mit demselben über die Wiederaufnahme der Opera- tionen gegen Morella zu besprehen. Während der Abwesen-

heit des Kriegs-Ministers wird der General Aldama, Senator Und Befehlshaber der Garde-Kavallerie, die Leitung der Ange- le Fie: dieses Departements übernehmen.

[

ge ie Unterhandlungen mit dem Hause Rothschild sind end- li<’ geschlossen, und der Vertrag is gestern unterzeichnet wor- den. Man kennt zwar den Inhalt desselben no<h nicht, indeß will man wissen, daß das ante Banquierhaus \ih ver- pslihte, der Regierung fünf Monate lang $ bis 10 Millionen ealen monatlih vorzuschießen. i

Spanische Gränze. Aus Barcelona schreibt man unterm 27. August, daß Cabrera, Forcçadell und Llangostera am sten plôglich vor Valencia erschienen seyen, si dieser Stadt is auf eine halbe Legua genähert und in der Uragegend Alles L ihrem Bedarfe requirirt hätten. Die National-Garde und W shwache Garnison waren beständig unter den Waffen, und er Capitain eines dort befindlichen Englischen Linienschiffes hatte dem kommandirenden Offizier in Valencia seinen Beistand

angeboten, der au< angenommen worden war. S ie Sentinelle des Pyrénées meldet nah einem dadreiben von der Navarresishen Gränze vom 28. Aug., R! die Aufhebung der Belagerung von Morella und der liche des Generals Oraa in den vier Provinzen mit dffent- M reuden-Bezeigungen gefeiert worden sey. Jn den Ddr- D mde mit allen Glocken geläutet und in Estella am 22sten e Deum gesungen. Das Haupt- Quartier des Don Car-

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sos war am 25sten in Ofiate, von wo aus vor einigen Tagen

drei Karlistische Offiziere nah Passages an Lord John a ab-

gesaude worden waren; man glaubte, es betreffe den Elliotschen raftat.

Túrkei.

Konstantinopel, 14. Aug. (Journ. de Smyrne.) Die Minister versammeln sich jebt tägli<h, um sich theils über die gegenwärtigen politischen Fragen, theils über die Mission Red- hid Pascha’s und über die wichtigen Reformen zu berathen, die mit der inneren Verwaltung des Landes vorgenommen werden sol- len. Man verspricht sich viel von der Sendung Redschid Bascha’s, und die, welche ihn kennen, zweifeln nicht daran, daß seine Anwesenheit in Paris und London dazu beitragen werde, der Politik jener Kabinette eine Richtung zu geben, die den wahren Interessen der Türkei und selbst der wettlichen Mächte angemessener ist. Jedermann hält sich Überzeugt, daß dieser geschi>kte Minister die Erwartungen, welche man von seinen Fähigkeiten und seinem Einflusse bei den Europäischen Höfen hegt, vollkommen rechtfertigen werde. Er hat, wie es heißt, sehr genaue Jnstructionen erhalten, die theils von dem Sultan selbst, theils von Chosrew Pascha entworfen worden sind; außer- dem ist er au<h mit der nôthigen Vollmacht versehen, um in nicht vorherzusehenden Fällen nah Gutdünken verfahren zu können, mit einem Worte, es ist nichts unterlassen worden, um dieser wichtigen Mission einen Erfolg zu sichern, den man von dem erprobten Eifer und der Geschiklichkeit Redschid Pascha?s \{<hon im Voraus erwarten darf.

Der Tag der Abreise Redschid Pascha's ist auf den 16ten oder 17ten August festgeseßt. Ali Efendi, Dragoman der Pforte, wird ihn als erster Dolmetscher begleiten. Dem Ver- nehmen nah wird er in Malta Quarantaine halten und von da sich nach Marseille begeben.

Der zum Gouvernz:ur von Aîdin ernannte Tahir Pascha wird sich mit Redschid Pascha zusammen auf dem Dampfboote ¡„Paiki Tschewket““ einschiffen und in Smyrna an's Land stei- gen, wo er, wie man glaubt, einige Tage verweilen wird, ehe er sih auf seinen Posten begiebt. Vor einigen Tagen sandte er ein Schiff mit Munition und Schießgewehren für die Miliz seiner Provinz nah Smyrna ab. Auch hat bereits ein Theil seines Gefolges Konstantinopel mit diesem Fahrzeuge verlassen, und nur einige der höchsten Beamten sind zurückgeblieben, um ihn zu begleiten.

Der neue Bey von Tripolis, Aschar Pascha, hat am ver- gangenen Montag seine Abschieds-Audienz bei dem Sultan ge- habt und wird sich heute oder morgen auf einer ihm zur Dis- position gestellten Korvette nach seiner Bestimmung einschiffen.

Die Nachrichten von der Armee des Taurus lauten fort- während günstig, und die Unterwerfung der Kurden - Stämme ist nicht mehr zu bezweifeln. *

Herr Simmons, ein in Konstantinopel ansássiger Englischer Unterthan, ist zum Mitgliede der A>kerbau-Kommission ernannt worden. Er besit treflihe Kenntnisse im Fache der Agrikultur und hat namentlich den Boden in der Umgegend der Haupt- stadt auf das sorgfältigste untersucht.

Smyrna, 18. Aug. Am lesten Sonnabend gab der Kapudan Pascha allen hiesigen Konsuln, so wie den Befehls- habern der auf der Rhede von Smyrna liegenden Kriegs\cht}ffe und den vornehmsten Türkischen Behörden dieser Stadt, an Bord seines Admiralschiffs „Fewsieh““ ein prächtiges Bankett, bei welchem einer der Konsuln den Toast auf die Gesundheit des Sultans ausbrachte, in welchen alle Gäste enthusiastisch einscimmten, und der mit 21 Kanonenschüssen von dem Schiffe des Kapitana-Bey begleitet wurde. Dann brachte der Kapudan

ascha unter einer gleihen Salve die Gesundheit aller der Túrkei befreundeten Souveraine aus. Die Gäste entfernten sich erst spät in der Nacht, und als sie aufbrachen, erschien das ganze Admiralschiff pld6lich in voller Jllumi- nation. Alle waren entzú>kt úber diesen neuen Beweis von der außerordentlichen Artigkeit des Pascha's und wußten sein leutseliges und zuvorkbommendes Benehmen während des Diners nicht genug zu rúhmen. Auch die Mannschaft seines Geschwa- ders hat sich, seitdem dasselbe auf hiesiger Rhede verweilt, so musterhaft aufgeführt, daß bis jest nicht die geringste Klage von Seiten der Einwohner Smyrna’s über sie eingegangen ist. Das viele Geld, welches seit Ankunft dieser Flotte in Umlauf ist, hat großes Leben in den hiesigen Kleinhandel gebracht, und man {wird diesmal das Geschwader , welches noch vor wenigen Jahren eine drückende Last für die Stadt gewesen seyn würde, nicht ohne Bedauern von hier absegeln sehen. Man hofft in- deß, daß der Kapudan Pascha noch einige Tage auf der Rhede von Smyrna bleiben und hier am nächsten Freitage den Ge- burtstag des Sultans feiern werde. Am Uten d. hat sich noch die Fregatte „Kaiwani Bahri“/ seiner Flotte angeschlossen. Das Dampfboot Mehmed Ali's, der „Generoso‘’, welches eine Zeitlang die Toskanische Flagge führte, und das jeßt zur Aegyp- tischen Flotte gehört, ist vorgestern hier angelangt. Man er- fährt durch dasselbe, daß der Vice-König, obgleich er beständig davon sprach, daß er mit seiner Flotte einen Ausflug auf die hohe See machen wolle, sich am VYten d. no<h immer nicht eín- geschift hatte. Das genannte Dampfboot begiebt sich nach Konstantinopel, wohin es, wie verlautet, den Kiswehi- Scheriff oder den heiligen Teppich bringt, der das Grab des Propheten zu Mekka bede>kt und alle drei Jahre erneuert wird. Es soll auch reiche Geschenke für den Sultan an Bord haben. Um Kohlen für seine weitere Reise einzunehmen, mußte es in Smyrna anlegen. Anfangs hielt man es für das Tärkische Dampfboot, welches mit Redschid Pascha und Tahir Pascha von Konstantinopel hier erwartet wird. Es wurde daher vom

“Kastell mit neunzehn Kanonenschüssen begrüßt, und erft als es

im Begriff stand, die Anker auszuwerfen, ward man den Jrr- Vin gewahr. Die Anwesenheit dieses Dampfboots im hiesigen afen, mitten unter der Tückischen Flotte, hat zu vielen Ver- muthungen Anlaß gegeben. U wollen darin eine Art von Herausforderung finden, einen Vorwand, um einen Bruch herbeizuführen; Andere schreiben ihm eine Spionirungs-Mission zu; das Wahrscheinlichste ist aber wohl, daß es bloß durch Mangel an Kohlen zu diesem Absteher gendthigt worden. Heute früh um eilf Uhr is der „Generoso‘/ nah Konstantinopel weitergefahren, nachdem er durch Gefälligkeit des Kapudan Poscha die Kohlen erhalten hatte, die er zur Fortsezung seiner Reije bedurfte. Bei seiner Abfahrt ste>ie die Ottomanische Flotte ihre Wimpel auf und feuerte mehrere Salven ab, um den kostbaren Gegenständen aus dem Tempel von Mekka, die das U eTES an Bord hat, die üblichen Ehrenbezeigungen zu erweisen. Der Admiral Gallois wird jeden Augenblick in Smyrna erwartet. Aus Malta schreibt man mit dem leßten Paetboote, daß die Französische Kriegsbrigg „Bougainville‘/ die Nachricht

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| dorthin gebracht , dieser Offizier habe am Lten ‘d. “Tunis -ver- lassen, um in die Gewässer der Levante zurückzukehren.

ie Holländische Kriegsbrigg „„Merkur‘/, von dem Fre- gatten-Capitain Tuning befehligt, ist, von Salonichi kommend, am 12ten d. auf hiesiger Rhede vor Anker gegangen. Als der Capitain Tuning jenen Hafen verließ, hatte er zwei Oesterrei- chische Fahrzeuge und ein Französisches auf Ersuchen ihrer Ca- pataine unter seinen Schuß genommen, weil dort das Gerücht ging, daß eine Handels-Goelette im Meerbusen von Salonichi von Seeräubern angegriffen worden.

Wie man vermuthet hatte , ist der Versuch einiger Speku- slanten, das Monopol des Rosinen-Handels von Tschesme und Vurla für sih zu erlangen, gänzlih fehlgeschlagen. Die Pforte hat ni<ht nur den ihr in dieser Hinsicht gemachten Anträgen tein Gehör geben wollen , sondern auch die Absicht durchblifen lassen, daß der Sultan, sobald es die Umstände erlauben wür- den, auf ein Handels - System, welches dem Volke nur schade und dem Staate keinen wahren Nutzen bringe, ganz und gar zu verzichten gesonnen sey. Die von den Bewohnern Tschesme's und Vurla’s nach Konstantinopel gesandte Deputation ist mit dem leßten Dampfboote zurückgekehrt, nachdem sie die Versiche- rung erhalten, daß der Plan, gegen den sie Vorstellungen ma- chen sollte, niemals in Ausführung kommen werde.

Aegypten.

Alexandrien, 4. Aug. (Journ. de Smyrne.) Meh- med Ali spricht sich täglih unumwundener über seine Unab- l;äángigkeitspläne aus, und die fremden Konsuln haben große Mühe, seine Ungeduld im Zaum zu halten und ihn an einer lauten und offenen Verkündigung seiner Absichten zu hindern. Diese Beamten haben , dem Vernehmen nach, häufige Zusam- menkünfte mit L um ihn wenigstens zu bewegen, erst die Antworten der Europäischen Kabinette M die ihnen in dieser Hinsicht gemachten Mittheilungen abzuwarten ; sie scheinen aber mit dem Erfolg ihrer Unterhandlungen wenig zufrieden zu seyn. Die Freunde des Pascha’s sagen geradezu, er sey entschlossen, troß aller Vorstellungen von Seiten der Europäischen Mächte, und sollten diese auch bis zu direktem Widerstande gehen, seine Pläne dennoch auszuführen. Man ist jedoch im Publikum an dergleichen Reden fon gewöhnt, und sie machen nicht mehr viel Eindru>. Einige glauben sogar, Mehmed Ali mache nur deshalb so viel Lärm, weil er überzeugt sey, daß die Mächte sich in's Mittel legen und eine Kollision verhindern würden.

Der Handel befindet sich fortwährend in einer sehr trauri- gen Lage, woran die leßten Maßregeln in Betreff des Preises der Baumwolle und die Versendungen na<h Europa auf Rech- nung des Pascha’'s Schuld sind.

Den meisten Regierungs-Beamten is schon seit einem Jahre kein Gehalt mehr ausgezahlt worden. Dieser Umstand irägt dazu bei, den Gerüchten, die über die Geld-Verlegenheiten des Pascha’s im Umlauf sind, Glauben zu verschaffen, so. sehr auch seine Freunde behaupten, daß es mit seinen Finanzen ganz vors

trefflich stehe.

Persien.

Dem Journal de Smyrne zufolge, wäre in Schiras, wohin bekanntlich nach der Angabe der „Morning - Chronicle“ die zu Abuschehr gelandeten Englischen Truppen ihre Richtung genommen haben sollen, einer der Persischen Prinzen angekom- men, die sich nach England geflüchtet, und wollte sich an die Spibe det Jnsurgeaten stellen, die sih gegen den Schach von Persien empdrt hatten. Nach demselben Blatte ging zu Kon- stantinopel auch das Gerücht, daß der Schach, nachdem er sich genöthigt gesehen, die Belagerung von Herat aufzugeben, Herrn Macneil, den Britischen Botschafter, zur Rückkehr an seinen Hof eingeladen hätte. Doch soll dies Gerücht, dessen Quelle man nicht auf die Spur kommen konnte, wenig Glauben“ im Publikum gefunden haben.

Inland.

Mänster, 4. Sept. Gewerbschule. Am Lten d, M. wurde das Ee der hiesigen Provinzial-Gewerb- und da- mit verbundenen Sonntagsschule sür Handwerker dur< eine den inneren Zustand derselben darstellende Rede des Direktors Walde, cine Preis-Vertheilung und Ausstellung der Arbeiten der Zöglinge geschlossen. Die Zahl der lesteren hatte im verflosse- nen Jahre betragen in der Gewerbschule $8, in der Sonntags- schule 133, unter denen 7, die über 1 bis 2 starke Stunden zu gehen hatten, um zur Schule zu kommen.

Arnsberg, 2d. Aug. Feuer - Assekuranz. Von der zu gemeinnüßigen Zwecken bestimmten Hälfte des Reinge- winns der Aachen - Münchener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft, von 609,000 Rthlr. für 1837, sind, nah Verhältniß der Ver- icherungs-Summe, auf den hiesigen Regierungs- Bezirk $60

thir. 14 Sgr. gefallen und davon 200 Rthlr. an die Stadt Siegen zum Umbau ihrer Wasserkunst, 150 Rthlr. an die Stadt Bochum zu Brunnen-Anlagen, 150 Rthlr. und 100 Rthlr. an die Städte Lippstadt und Hagen zu Unterrichtszwe>ken und 260 Rthlr. 14 Sgr. an 7 Landgemeinden zur Anschaffung von Feuerlds< - Geräthschaften vertheilt worden. i

Minden, 30. Aug. Aerndte- und andere Nach- richten. Leider hat seit gestern der Regen sich wieder ein- gestellt, nahdem wir kaum $ Tage günstiges Wetter zur Aerndte T und die Sonne uns zuweilen anlächelte. Während die- er Zeit ist man emsig bemüht gewesen, den Gewinn nee ren; diejenigen, welche zu voreilig damit waren, müssen dafür büßen, indem sie nun feuchten Roggen in den Scheunen haben. Auf dem Felde ist nur wenig Roggen ausgewachsen. Im Gan- zen genommen ist die Aerndte gut zu nennen: das Stroh hat durh den anhaltenden Regen viel gelitten, dafür aber streuet der Roggen desto besser; der Weizen dagegen is durchgängig shle<ht. Die Sommer-Früchte sind ebenfalls gut und verspre- chen reichlichen Ertrag, wenn die Witterung günstig ist. Der Flachs ist im Ganzen gut gerathen, nur hin und wieder hat der- selbe bei dem anhaltenden Regen und dem Ausbreiten auf den Wiesen zum Trocknen etwas Schaden gelitten: das Heu indessen ist in vielen GNegenden fasttotal verdorben oder hat wenigstens alleKraft verloren. Auf die Schafe äußert die nasse Witterung hon nachtheiligen Einfluß. Die Kartoffeln erfüllen mit den besten Hoffnungen. Auf den verschiedenen Leggen , vorzüglich in dem Kreise Lüb- becke, herrschte viel Thätigkeit und sind auf einzelnen Leggen in diesem Monate mehr denn 5000 Ellen verkauft worden, die Elle n ef, reinen K Hy Sea Pf buntes zu 70—75 und raues zu 40—4 ., das graue Leinen wird jedo ; sucht als das weiße. 5 A -GeGt a?

Ahrweiler, 29. Aug. Urselinerinnen. Gestern geschah die feierliche Einführung der Urselinerinnen von Moùt- joye in das nahe bei Ahrweiler belegene, zum Zwe einer hdheren