1838 / 294 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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dung Chartrand’s der Prozeß gemacht war, sind von der Jury

Der Prinz von Audih is von seiner Reise dur<h die Ma- nufaktur-Bezirke und durch einen Theil von Schottland und Jrland wieder hier eingetroffen.

Am Sonnabend langte in Falmouth das Dampfboot „Bra- ganza‘/ mit der Lissaboner Post vom 9ten d. an, aber erst heute wurden die Briefe in London ausgegeben, obgleich die- selben, wie von hiesigen Blättern bemerkt wird, sehr füglich schon gestern hätten hier seyn können, wenn das Postamt zu Falmouth si<h mit der Sortirung der Briefe etwas mehr be- eilt oder sie mit einem Expressen nach London befördert hätte. Es werden daher neue Klagen über die Post-Verwaltung er- hoben, und die ministeriellen Zeitungen {reiben es zum Theil dem Oberhause zu, daß so manchem Uebelstande noch nicht ab- geholfen sey, da dasselbe die in der leßten Session vom Kanzler der Schaßkammer in dieser Hinsicht dem Parlamente gemach- ten und vom Unterhause auh angenommenen Vorschläge ver- worfen habe. j

Am gestrigen Getraidemarkt war die Zufuhr von Engli- hem Weizen nur gering, und für die besten Sorten wurden willig die Preise von voriger Woche gezahlt, die schlechteren aber waren {wer anzubringen. Jn den guten und Mittel- Sorten von fremdem Weizen war viel Umsab, und man zahlte für den Quarter mitunter 1 Shilling mehr, als vor aht Ta- gen. Die Zölle sînd wieder um 4 Shilling gestiegen.

Jn der ministeriellen Morning Chronicle liest man: „Die Herren, denen so viel Erfindungs-Talent inwohnt, haben sich von Spanien ganz und gar nah dem Orient gewendet; die „Augsburger Zeitung“/ aber findet für Alles Raum, was sie zusammenschreiben, und fährt fort in ihren drohenden Auf- schlüssen Über die orientalis<hen Angelegenheiten. Da hören wir von der Aufstellung einer Russischen Armee in den súdlichen Provinzen und an den Küsten des Schwarzen Meeres. Eine andere Russische Armee läßt man im Osten des Kaspischen Mee- res gegen Chiwa marschiren, während eine dritte längst von Teheran Besiß genommen hat. Eine vierte, wenn wir nicht irren, wird in Bessarabien zusammengezogen. Wir selb| ferner,

wir Briten, sind nicht nur in Abuschehr gelandet, sondern auch nach Schiras vorgerückt und haben das Königreich Lalla Rukh's nicht ohne Kampf und Blutvergießen erobert. Dann ha- ben wir in großen Buchstaben einen Offensiv- und Defensiv- Traktat mit der Türkei gegen Persien unterzeichnet, so sehr fürchten wir uns vor diesem mächtigen Lande. Die Nachricht würde ohne Zweifel wichtig seyn, wenn sie nur wahr wäre. Sie is jedoch nicht nur faktisch ganz ungegründet, sondern die Mittheilung derselben verräth auch einen hohen Grad von Unwissen- 2A auf Seiten des Korrespondenten, sowohl was die Lage der

úrkeci als was die Politik Englands betrifst. Die Britische Regierung muß zu gut wissen, daß nur in Friedenszeiten die Türkei wieder zu der Kraft und Stärke gelangen kann, die durch den Krieg erschöpft worden. Die Türkei mit ihren Nach- barn in Frieden zu erhalten, muß England eben so sehr wün- schen, wie es im Interesse des Sultans selbst liegt. Von einem Offensiv- und Defensiv- Bündniß gegen Persien hat die Türkei nichts zu hoffen, und die Gefahr eines Angriffs von Seiten des Schachs scheint nicht eben sehr drohend zu seyn. Was den Antheil der Türkei an diesem Bündniß anbelangt, so ist es wohl keine übertriebene Schäßung von Englands Macht, wenn man die Meinung hegt, daß wir auch ohne des Sultans Hülfe im Stande seyn dürften, uns gegen Persien zu vertheidigen. Wenn ein vernünftiger politischer Zwe uns zu eincr Kollision mit den Truppen nöthigen sollte, die eiligst von ihren Heldenthaten vor Herat zurückkehren, oder gar mit jenen furchtbaren Zeitungs- Heeren an der südlichen Gränze von Rußland, so würden wir, wie hohen Werth wir auch auf eine Allianz mit der Türkei le- gen möchten, {werli< ihren Edelmuth so weit in Anspruch nehmen und sie um ihren Beistand in einem solchen Kampfe ersuchen. Man sagt ferner, wir hätten die Türkische Flotte oeranlaßt, mit der unsrigen zusammen zu legeln, nicht bloß aus freundschaftlichen Gefühlen oder um die Türken zu vervoll- kommnen, sondern um gegen Alexandrien zu segeln und es zu zerdren, wenn der Pascha unseren Wünschen nicht nachgäbe. ‘ber, wie es scheint, haben wir eben so wohl Versöhnung wie Drohung angewandt und wollen dem Pascha und seinen Nach- fommen Aegypten garantiren. Endlich hat der Pascha von Aegypten mit Hinsicht auf den die Monopole abschafssenden Handels - Traktat zwölf verschiedene Anreden an die Konsuln von Frankreih und England gehalten, alle offiziell und alle ganz verschieden von einander. Und doch werden die eigenen Worte des Pascha’s angeführt und mitgetheilt. Mitten unter diesem Ueberfluß an Nachrichten möchte es für uns wohl das MWeiseste seyn, uns ganz still zu verhalten, da die Erwähnung einer Lüge an einem Tage uns die Mühe machen würde, ihr am nächsten zu widersprechen.“

Man hat Nachrichien aus Bombay bis zum 13. Juni, die eine baldige Wiederherstellung der regelmäßigen Verbindung mit England erwarten lassen. Ein Gerücht, als habe sich der Gouverneur von Schiras gegen den Schach von Persien em- pdrt, will die Morning Ésrvnvete nur als Gerächt gelten lassen, giebt aber als gewiß an, daß der Prinz, den jener Gou- verneur zum Schach ausrufen wollte, ein Oheim des regieren- den Schachs, zur Zeit der angeblichen Empdrung heimlich und unerwartet Bagdad, wo er sich aufhielt, verlassen habe.

-Die neuesten Nachrichten aus Kanada gehen bis zum 11. September. Die vier Jndividuen, denen wegen der Ermor-

reigesprochen worden, was zu Montreal großes Aufsehen erregt hatte und hiesige ministerielle Blätter zu der Bemerkung veran- laßt, daß bei dem jeßigen aufgeregten Zustande Kanada?'s die Geschworenen - Gerichte dort den Zwecken der öffentlichen Ge- rechtigkeit niht entsprächen. tit Bezug auf die Englisch- Nord - Ameritanishe Gränz - Streitigkeit hatte man erfahren,

dab der Gouverneur von Maine drei Kommissarien er- nannt habe, um die Gränze abzuste>fen; man glaubte aber nicht, daß dies zu Feindseligkeiten führen würde,

da der Gouverneur von Neu - Braunschweig beordert war, die Sache ruhig geschehen zu laffen, so lange die Behdr- den si auf eine bloß formelle Ab?e>ung der Gränze beschränk- ten und ni<t Miene machten, einen Theil des streitigen Ge- bieté wirkli< in Besiß zu nehmen. Jn einem Englischen Pro- vinzial- Blatt las man gestern folgende Nachricht, als angebli- <en Auézug aus cinem Privat-Schreiben aus New-York vom 19. September: „Es wird hier für gewiß gehalten, daß Lord Durham gleich na< Empfang der leßten Depeschen von der Britischen Regierung seine Statthalterschaft niedergeleat habe.“ Díe ministeriellen Blätter halten jedoch diese Nachricht kaum der Widerlegung werth und erklären bloß deshalb, weil ein Londoner Morgenblatt heute sogar in einer zweiten Ausgabe erschien, um sie s-inen Lesern noch mitzutheilen, dieselbe für voll- fommen ungegründet.

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man in New - Orleans die Nachricht, daß die Indianer aus dem Gebiet der Vereinigten Staaten einen Einfall in Texas gemacht hatten und bis auf 15 Englische Meilen von Nacog- doches vorgerü>t waren. General Houston hatte bei dem Nord - Amerikanischen General Jessup um Hülfe nachgesucht, und man glaubte, daß dieser nöthigenfalls Truppen in Texas einrú>en lassen werde. Das gelbe Fieber in Charleston hatte noch niht nachgelassen. Man zählte $1 Todte in vierzehn Ta- gen, und dabei war die Hiße no<h im Zunehmen. ährend der leßten Stürme war das Linienschiff „Pennsylvania““ bei Norfolk auf den Strand geworfen worden. Nachrichten aus Hayti zufolge, war daselbst das neue Zoll - Geseß erschienen, welches die Zölle im Durchschnitt um 25 pCt. reduzirt.

Aus Valparaiso hat man Nachrichten vom 22. Juli erhalten, welche es bestätigen, daß die Chilische Flotte, aus 39 Schiffen und 8000 Mann M am 11ten desselben | Montbats nach Peru abgesegelt war. Sie befand sich am 29. Juli | vor Coquimbo, man besorgte aber, daß sie vor Callao würde geschlagen werden.

j NiCELerande

i Aus dem Haag, 16. Okt. Jn der zweiten Kammer der | Generalstaaten fanden heute die gewöhnlihen vorbereitenden Anordnungen fèatt. Es wurden unter Anderem die drei Kan- didaten erwählt, von denen der König Einen zum Präsidenten ernennt. Die Wahl fiel auf die Herren de Jonge, Luzac und Sytama.

Segen

Brüssel, 16. Okt. Heute sind der König und die Köni- | gin nach Paris abgereist, wo sie bis Ende dieses Monats zu verweilen gedenken.

Die Arbeiten an den Eisenbahnen zwéishen Brüssel und der Französischen Gränze und zwischen Sambre und Maaß wer-

den mit der größten Thätigkeit fortgesetzt.

Der Moniteur enthält einen Bericht Über die feierliche Audienz, die der Vice-König von Aegypten am 14. September dem Belgischen General - Konsul, Herrn Blondeel, ertheilt hat.

Dänemark.

Kopenhagen, 15. Okt. Thorwaldsen wurde am Abend des 10ten d. von dem dur<h den Studenten- Verein ihm gege- benen Feste unter Musik nnd Gesang nach Hause begleitet, wo ihm noch ein Vivat gebracht wurde.

Berichten aus Finnmarken zufolge, haben die Reibungen zwischen den Bergfinnen (Fieldfinner), besonders den Schwedi- \chen, und den dort ansässigen Norwegern- zugenommen. Diese Reivungen werden durch die Rennthier-Heerden veranlaßt, die in die Gemarkungen der Norweger oft einbrechen, die dann ihrerseits einzelne Thiere eriegen. Durch die zunehmende Be- völkerung auf beiden Seiten mehren sich die Kollisionen. Be- fanntlih haben die Lappen noch keinen rechten Begrisf vom Eigenthumösrecht.

Assessor Algreen-Ussing verlas in der Stände-Versammlung zu Roeskilde einen Antrag des Magisters Lindberg auf allge- meine Gewissenéfreiheit für Prediger und Gemeinden in Däne- mark. Mit 61 gegen 1 Stimme wurde die Niederseßung eines Comité beliebt, die Wahl der Mitglieder aber ausgeseßt bis nach dem Vortrage des Etatsrath Treschow über einen Antrag

von neun Kirchspiels - Predigern im Stifte Seeland auf Kirch- spieis-Freiheit in kirchliher Hinsicht, dessen Resultat in der Zei- tung noch ni<t angegeben ist.

Deutschland.

München, 17. Oft. Se. Majestät der König ist gestern Abend im erwünschten Wohlseyn hier eingetroffen. Der Mo- nar< hat diesen Morgen in der Theatiner Hof-Kirche dem Trauer-Gotteëdienste beigewohnt, der zur Gedächtniß-Feier des Königs Maximilian abgehalten wurde.

Nachrichten aus Bobßen vom 13ten d. zufolge, waren an diesem Tage, auf der Reise nah Trient, Jhre Majestät die Königin Therese und Jhre Königl. Hoheit die Frau Erbgroß- Man Mathilde von Hessen-Darmstadt und bei Rhein im

esten Wohlseyn eingetroffen.

* Heute aus Ellingen hier angelangte Nachrichten geben die Versicherung, daß die Gesundheit des Fürsten von Wrede zwar einige Tage etwas angegrisfen war, nun aber vollkommen wieder hergestellt ist.

In der Corrections - Anstalt zu Kaisheim entstand om 14, Oktober Abends unter den Zwangs- Arbeitern erster und zweiter Klasse ein Aufstand, wobei die Aufseher und der Haus- meister mißhandelt wurden. Das Militair mußte dur<h Waf- fengewalt die Ruhe herstellen; der Zwangs - Arbeiter Leonhard Albrecht von Reichtdingen, Gerickts Landsberg, wurde durch vier Schüsse getödtet, und drei andere verwundet, wovon einer, Georg Bauer von Botenwar, Gerichts Neuburg a. W., am folgenden Morgen starb. Es waren 38 Schüsse auf die Ruhe- sidrer gefallen.

Dresden, 18. Okt. (A. Z.) Heute is die zweite Abthei- lung der auswandernden Alt-Lutheraner auf der Elbe nach Ham- burg abgegangen; in kurzem wird, da jeßt die höheren Be- hörden die Ausfertigung der Pässe beschleunigen, eine dritte fol- gen. In der gegen den Pfarrer Stephan anhängigen Diszi- plinar - Untersuchung sind neue Erörterungen verfügt worden, wozu die Aussagen eines von einem der sogenannten Stepha- nisten entlassenen Diensimädchens, die sich Hoffnung gemacht hatte, eine Unterstüßung zur Auswanderung zu erhalten, der aber diese und die Erlaubniß zur Mitreise mehrfach abgeschla- gen worden war, Veranlassung gegeben haben jollen. Sie war jeit sieben Jahren scheinbar eine sehr eifrige Anhängerin des Pastors Stephan; auch hatte sie sich Hoffnung gemacht, daß einer der Muéwanderer sie heirathen werde.

Scuttgart, 15. Oft. (L. A. ZZ) Gestern Abend ist der Baron van. der Duyn als außerordentlicher Gesandter des Kö- nigó der Niederlande hier angekommen, um offiziell um die Hand unserer ältesten Prinzessin, Maria, für die Hand des Erbprinzen von Oranien zu werben. Heute begeht Dan- ne>er, der Nestor aller Bildhauer, seinen $lsten Geburtstag, der ganz einfach gefeiert wird. Die Besißer größerer Wein- lager jubeln; denn nicht bloß ist der Hopfen gänzlich mißrathen, sondern hevte fiel in hiesiger Umgegend auch der erste Schnee, und viele Trauben sind erfroren. :

Frankfurt a. M., 18. Oft. Dem Vernehmen nach hat sich, zur Ausführung des Unternehmens der Ausstattung unse- res Kaiser-Saaies mit guten und möglichst getreuen Bildnissen der Deutschen Kaiser, heute, am 25jährigen Jahrestag der Leip- ziger Schlacht, ein eigenes Comité gebildet aus zwei Mitgliedern der Administration des Städelschen Kunst-Instituts, aus zwei Mitglie- dern der Direction des Kunst-Vereins und aus zwei Mitgliedern des

Nach Berichten aus New-York vom 20sten v. M. hatte

Vorstandes der Gesellschaft für Frankfurts Geschichte und Kunst.

Nach stattgefundener Genehmigung des gedachten Unterne e ae Senat haben zwei Mitglieder jenes Cement welche zugleih bekannte Künstler sind, Jeder die Ausführune eines Kaiserbildes unentgeltlich Übernommen; vier Kaiserbildez haben die Administration des Städelschen Jnstituts und die Direction des Kunstoegeins bei geschi>kten Künstlern bestellt und eines die Vorsteher einer hiesigen milden Stiftung h,j einem jungen Künstler, welcher in der Stiftung die Grundlage seiner Bildung erhalten hat. Hamburg, 19. Okt. Die hiesigen Blätter enthalten Folgendes: „Auf die in den Zeitungen der Vereinigten Stg, ten von Nord-Amerika enthaltene Nachricht, der Kommandene des die Mexikanischen Häfen blokirenden Französischen G, s{<waders habe im Widerspruch mit amtlichen Zusagen die Y. sicht angekündigt, aus einem Hafen, wo die Blokade notifizin worden, nah blokirten Häfcn bestimmte Schisse auch ohne vor; gängige, auf den Schiffs-Papieren zu bemerkende Warnung aus, zubringen, sah der Senat von Hamburg, obschon diesen Ge, rúcht feinen Glauben beimessend, sih durch die Besorgniß der Kaufmannschaft zur Einziehung von Erkundigungen im vertray; lichen Wege veranlaßt. Ju einem Schreiben, welches der K, nigliche Französische Minister der auswärtigen Angelegenheiten

unterm 29. September an den die Gesandtschaft der Hanse Städte interimistis<h vertretenden Kurfürstlichen Hessischen Minister-Residenten, Baron von Schachten, gerichtet, wird ein jede Veranlassung zu dem von den Amerikanischen Blättern verbreiteten Gerücht, so wie die von denselben dem Komman: danten des Blokade-Geschwaders angedichtete besremdliche Maß- regel, auf das entschiedensie in Abrede gestellt und, um den Se- nat zur Beruhigung des Handeléstandes in den Stand zu seben, hinzugefügt, weit entfernt, die dem Kommandanten des Blokade: Geschwaders ursprünglich ertheilte, den fremden Konsuln noti- fizirte Weisung abzuändern, habe die Regierung ihm vielmehr in ferneren Juastructionen rüksihtli< der Neutralen alle mit der Wirksamkeit der Blokade nur irgend verträgliche Schonung. vorgeschrieben.“

Desi e.

Wien, 17. Oft. Nachrichten aus Venedig zufolge, bega: ben sich Jhre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, von den Erzherzögen begleitet, am I0ten Vormittags nach Murano, das in den vaterlándischen Annalen durch den Glanz seines Han- dels, und durch seine Glas-, Spiegel- und Glasperlen- Fabriken berühmt ist. Ganz Murano war für diesen feierlichen Anlaß festlich geshmüt; den überraschendsten Anblick gewährte ein ganz aus Glas von verschiedenen Farben verfertigter Triumph- bogen in Gothischer Form, der sich aus dem Wasser erhob und von der Sonne beleuchtet, eine magische Wirkung hervorbrachte. Ihre Majestäten wurden in Murano von dem Gouverneur, dem Podestà von Venedig, dem Distrikts-Commissair Ber- toletti und von der Deputation der Gemeinde ehrfurchtsvoll empfangen. Höchstdieselben besuchten zuerst die Glas- und Kry- stall : Fabrik der Firma Marietti, dann die Spiegel - Fabrik der Firma Lorenzo Cecchini, hierauf die Glasperlen - Fabrik der Firma Dalmistro, Minerbi und Comp. und endlich die Fabrik der Firma Pietro Bigaglia, in welcher Glas zu Arbeiten, die dem fostbarsten Marmor gleichen, verarbeitet wird. . Höchstdie- selben verweilten in allen diesen Fabriken geraume Zeit, um die verschiedenen Manipulationen, die von den Fabrikherren in Anwendung gebracht werden, in Augenschein zu nehmen ; überall wurdedie höchste Zufriedenheitin den schmeichelhaftesten Ausdrücken an den Tag gelegt. -- Bevor sich Jhre Majestäten nach Murano ver fügten, besuchten Höchstdieselben, in Begleitung der Erzherzdge und des Gouverneurs, das Münz-Gebäude und nahmen daselbst sämnuiliche Maschinen, an welchen diese Anstalt reich ist, und die verschiedenen Münz-Stempel, namentlich die, welche die Medaille für den Hafendamm von Malamocco prägen tvird, in Augenschein. Von hier begaben sich Jhre Majestäten nach der Jsola di S. Giorgio Maggiore, wo Höchstdieselben die dortige Kirche, ein Meisterwerk Palladio’'s, bewugderten. Der Tag endigte mit einem glänzenden Ball-Feste bei Hofe, zu welchem zweitausend Personen geladen waren, und das dur die Gegenwart Jhrer Majestäten des Kaisers und der Kaisetit, so wie der Erzherzôge und Erzherzoginnen, verherrlicht wurde.

Die Ailgemeine Zeitung schreibt von der Jtaliv nischen Gränze ‘vom 8 Oktober: „Mitten unter den Fes lichkeiten, die in Venedig Alles zu beschäftigen scheinen, wird manche politische Frage berührt, die nicht ohne weiteren Ein fluß auf Europa is. So soll dieser Tage die Besetzung An conas durch Französische Truppen zur Sprache gekommen seyt. Die Oesterreichische Regierung zeigt sih, dem Vernehmen nat, geneigt, ihre au< in den Päpstlichen Delegationen kantonniren den Truppen von dort zurückzuziehen, unter der Bedingung, daß Ancona zugleich von den Franzosen geräumt werde. Mar zweifelt um so weniger, daß Ludwig Philipp den ihm gema ten Vorschlag der beiderseitigen Räumung annehmen werdt, als Oesterreich von seiner Loyalität und seinen Besinnungen gen Frankreich bei Gelegenheit der Schweizer Differenzen un widerlegliche Beweise gegeben haben dürfte.“

S panien.

Madrid, 8. Okt. Der erste constitutionnelle Alkalde der Hauptstadt, Manuel Ruiz de Ogarrio, hat in Bezug auf die Niederlage des Generals Pardiñas nachstehende Proclamation erlassen :

„Bewohner von Madrid! Das Loos der Waffen am 1sien d. M. in der Gegend von Maella der Divifion des Generals Par- diñias ungünstig gewesen; am Abend desseiben Tages hatte sich jedo cin großer Theil jener Truppcn in Caspe wteder gesammelt. Die Regierung hat Waßregeln ergriffen, unm die Kühnheit der Karlisien zu unterdrüen, und die Behörden werden nnausgesezt darüber wa- <en, daß die Anhlnger des Don Carlos in diescr Hauptstadt Eure Ruhe nicht slören. Vertrauet dem Eifer Eurer Behörden und seyd versichert, daß dieselben mit derjenigen Energie verfahren werden welche die Umsiände erfordern, inden sie dabei auf Eurcu Patriotis- mis uud Euren wirksamen Beistand rechnen.“ |

Das Ministerium if endlich definitiv constituirt. Hetk Pouzoa, Unter - Staats - Secretair im Minifterium des Innern und früher Professor der Staatswissenschaften, ist zum Marine: Minister und der General Alaix zum Kriegs-Minister ernannk worden. (Da nah früheren Berichten der General Alaix 1? Legarda an seinen Wunden gestorben seyn soll, so beruht obige Angabe wohl auf einem Jrrthum. Vielleicht findet hier eine Verwechslung mit dem General van Halen statt, dessen Wie- derankunft in Madrid gemeldet wird. Dies ist um so wahr/ scheinlicher, da ausdrú>lich bemerkt ist, daß die Ernennung al Espartero’s Empfehlung stattgefunden habe und der Genera gee Halen bekanntlich der erklärte Günstling des Grafen von uchana ist. Í

A 1 RSA von Miraflores ist an die Stelle des Mar quis von Espeja zum Botschafter in Paris ernannt worden.

Der General Narvaez, welcher sogleih na< dem Eintreffen der Nachricht von der Niederlage des Generals Pardiñas den Befehl erhielt, sich nah Madrid zu begeben, ist hier angekom-

n und wohnte gestern einem Minister-Conseil bei, worauf er s in Begleitung des Premier-Ministers zu der Königin begab.

Saragossa, 10. Oft. Da die Annäherung Cabrera's qroße Bestürzung unter der hiesigen Bevölkerung verbreitete, jo versammelten si< am 7Tten die Provinzial - Deputation, das con itutionnelle Ayuntamiento, so wie die hier befindlichen Cor-

H c uber die unter . den gegenwärtigen Umständen zu ergreifen- den Maßregeln zu berathen. Es wurde beschlossen, alle des Karlismus verdächtigen Personen in Saragossa zu verhaften und sie fár die ferneren Operationen Cabrera’s verantwortlich zu machen. Bis jeßt sind etwa 190 Personen verhaftet und nun- mehr auch die seit zwei Tagen geschlossenen Thore der Stadt wieder geöfsnet worden. Ein Soldat von der Division des

Generals Pardiñas hat ausgesagt, daß Cabrera in dem Gefecht ;

bei Maella eine Wunde im Arm erhalten habe.

Spanische Gränze. Französische Blätter melden die Ankunft des ältesten Sohnes des Don Carlos und der Prinzes- sn von Beira in Spanien. Sie sollen durch Bordeaux gekommen

\ey | und Espartero steht no<h immer in Logroño.

meldet: „Der General O’Donnell hat so eben die Nachricht erhalten, daß die Karlistische Division unter Garcia von dean General Leon völlig geschlagen worden ist. Die Karlisten haben alles Geschüß, das sie bei si<h Hatten, verloren und; wurden iber die Arga hinüber, nah Belascoain getrieben. Die-Zer- firung der Brücke verhinderte die Christinos, die Verfolgung fortzuseßen. Dies Gefecht fand an demselben Orte statt, wo yor furzem Alaix eine Niederlage erlitt. Ueber den Verlust des Feindes läßt sich mit Sicherheit noch. nichts bestimmen. Heute früh bei Tagesanbruch wäre es einer Compagnie Kar- listen, die sich als Chapelgorris verkleidet hatten, beinahe gelun- gen, sich der am Leuchtthurm befindlichen Batterie zu bemäch- tigen. Sie wurden indeß noch zur rechten Zeit durch die Wach- samkeit des Kommandanten entde>t und mußten daher ihr Vor-

haben aufgeben, doch nahmen sie einen der Außenposten gefangen.“

P ortugal.

Lissabon, 9. Okt. Man sieht der Niederkunft der Kdni- zin mit jedem Tage entgegen.

Der Prinz Georg von Cambridge hat am 6ten Lissabon verlassen, um sich nah Cadix und Gibralter zu begeben.

Die Wahlen sind vorüber, und obgleich noch keine voll- sándige Listen erschienen sind, fo glaubt man doch allgemein, daß die Septembristen den Sieg gewonnen haben. Von 12 Deputirten gehören $ und von 12 Stéllvertrètern 9 den Ultra’s an. Unter den Ausnahmen befindet sich auch der Finanz- Mi- nister Antonio de Carvalho, und unter den Stellvertretern der Arsenal - Chef França und Lionel Tavares, der Wortführer der Ultra-Partei in den Cortes. Es ist aufgefallen, daß zwei der vor- iglichsten Mitglieder dieser Partei nur zu Stellvertretern gewählt vorden sind. Dies erklärt sich jedoch dadurch, daß die Minister, als sie gegen Ende der Wahlen sahen, daß das Volk sich zu stark gegen die Chartisten aussprach, es für klüger hielten, mit dem Strome, als gegen denselben zu {wimmen und ihre

| 300 Stimmen den Ultras gaben, mit Ausschluß jedo<h von } França und Lionel Tavares, die daher nur zu Stellvertretern Ï gewählt wurden. Der Unterschied der Stimmen auf beiden

| Seiten war so gering, daß, wenn die Minister mit den Char- |

| tisten gestimmt. hätten, wie sie anfangs wollten, das Resultat ein völlig anderes geworden wäre. Wan klassifizirt die für die Hauptstadt gewählten Senatoren und Deputirten auch folgender- maßen: 2 Senatoren gehören der Chartistischen, 3 der Ársenal- oder liberalen und 1 der doctrinagiren oder Regierungs - Partei an; von den Deputirten gehören 1 zur Chartistischen, d zur doc- tingiren und 6 zur Arsenal - Partei. VBemerkenswerth ist (i, daß für feines der beiden Häuser ein Kaufmann gewählt orden ist, obwohl Lissabon unstreitig scine Wichtigkeit haupt- sichlich dem Handel verdankt.

Einige Ultra - Blätter verlangen eine baldige Zusammenbe- rufung der Cortes; man glaubt jedo nit, dap die Regierung se vor der gewdhnlichen Zeit, im Januar, einberufen wird.

Der Miguelistische Guerilla-Chef Bajoa hat das Schicksal Remeschido's getheilt; er wurde am 5ten mit wenigen seiner beute von einem Kavallerie-Detaschement überfallen und, da sie s{ nicht ergeben wollten, erschossen. Der junge Remeschido is bei Santa Lucia von den Königlichen Truppen mit bedeu- endem Verluste zurückgeschlagen worden. Mehrere andere

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gehrte eine Frist zur Ueberlegung, indem sie besorge, daß eine solche Allianz mit älteren Verbindlichkeiten, welche die Pforte übernommen, in Widerspruch gerathen könnte, wodur< nun

" die Sache einen Aufschub erhält, der wahrscheinlih die er-

Deputirten und Senatoren bei dem General - Capitain, um |

eyn. Don Carlos befindet sich no< in Elorrio, Maroto ist | am 9.Oftober von Estella nah dem Echarri-Thale abgegangen, |

wähnte Allianz zu nihte mahen wird. Dies ist der gegen- wärtige Stand der Dinge, und Rußland scheint demnach das frühere Gleichgewicht zum Theil wieder hergestellt zu haben, wobei der Geschi>klichkeit Herrn von Buteniesf's ein Triuwph geworden, auf den er mit Stolz zurü>bli>ken darf.“

Aegypten.

Im Widerspruche mit früheren Nachrichten wird jeßt aus Alexandrien vom 26. September (in der Allg. Ztg.) be- richtet, daß Mehmed Ali die Bedingungen des von der Pforte kürzlich abgeschlossenen Handels-Traktats nicht bloß einstweilen, sondern definitiv abgelehnt habe. Eine dieser Bedingungen ist die Aufhebung des Monopols. „Schon hat man“/, heißt es nun in jener neueren Mittheilung, „Mehmed Ali offiziell hier- von in Kenntniß geseßt, er hat aber seine Verweigerung auf das bestimmteste erklärt und führt als Grund an, daß mit der Aufhebung des Monopols die Aegyptischen Produkte sich bald so vermindern würden, daß an eine Exportation nicht mehr zu denken wäre, wodurch bald der drúckendste Geldmangel entste- hen würde. Der Fellah, von Natur faul, würde nihts mehr arbeiten, als was zu seinem und seiner Familie Bedürfniß un- umgänglic) nothwendig sey, während er jeßt nur mit Anwen-

| ) i | dung der strengsten Maßregeln dahin gebracht werde, seine Fel- Der Morning Chronicle wird von ihrem Korrespon- | denten in San Sebastian unterm 6. Oktober Folgendes ge-

Guerilla- Banden durchziehen no< immer verschiedene Gegen- | lithographiren lassen und den Landräthen der benachbarten Kreise

den im Junnern des Königreichs.

Se

Konstantinopel, 26: Sept. Allg. Ztg. bespricht diejenigen Angelegenheiten, die jeßt in der Urkischen Hauptstadt den Gegenstand diplomatischer Unterhand- lungen bilden und äußert sich zunächst über diejenigen wegen des neuen Handels-Traktates: „Nach dem bisherigen Gange die-

Ein Schreiben in der

ser Unterhandlungen glaubt man, daß Frankreich und die übri- |

gen Mächte dem Handels- Traktate binnen kurzem beitreten werden. , Jn Uebereinstimmung damit scheint au<h Mehmed Ali zu dem Meisten, was England bei der Pforte durchgeseßt, seine Beistimmung geben zu wollen (vgl. Aegypten), zugleich Wer mit Zuversicht zu erwarten, daß man ihm zur Vollziehung des Vertrags eine Frist von einigen Jahren nicht ab- hlagen werde. Kommt Zeit, kommt Rath. Der Vice-König i rt, ohne auf seine alten Ansprüche zu verzichten, eine ver- liche Sprache, und neuerdings sind dem Sultan aus Alexan- Fin Tribut - Rückstände in einem Betrage von 25,0900 Beu- a zugekommen. Was die Anlegung eines Kanals zur erbindung der Donau mit dem Schwarzen Meere auf der go von Rasova gegen Chiusienza betrifft, so erscheint diese î einer für Rußland durchaus nicht verlekenden Form, ind:m N den deshalb erlassenen Ferman die Herstellung dieses hon zu Zeiten der Römer bestandenen Kanals der Donau- ampf ifffahrts- Gesellschaft zugestanden . worden ist. i fomme endlich zu dem wichtigsten Punkt, nämlich zu dem ¡Hen Großbritanien und der hohen Pforte schon zur Ab- eßung bereit gewesenen Allianz - Vertrag wider Persien. tbn cue war {on so writ gediehen, daß man davon allge- int n den unterrichtetsten Kreisen als von etwas Vollbrach- men Pra, Noch bevor es jedo zur Unterzeichnung gekom- war, fing die Pforte an, Bedenklichkeiten zu äußern, be-

j

| liebigem

der zu bebauen.‘/ Daß indessen auch diese Mittheilung, wie alle übrigen, die von Deutschen Blättern kürzlih aus dem Orient geliefert worden, der Bestätigung no<h sehr bedürfe, geht wieder aus nachstehender Meldung eines Handelsbriefes aus Triest vom 11. Oktober hervor. Darin heißt es: „Zu Livorno werden für Rechnung eines Vereins von Kaufleuten zu Alexandrien zwei große Dampfschiffe erbaut. Auf leßterem Plate hieß es, daß der Vice-König von Aegypten gesonnen sey, dem Monopol - System von nun an ganz zu entsagen und sich bei den Waaren - Exporten 12 pCt., bei den Jmporten 2 pCt. zu bedingen; dabei hätte der Eingangs-Mauth- Tarif von 3 pCt. fortzubestehen.‘“ (Vergl. die Art. Paris und London.)

Nl EYd.

Naumburg, 19. Oft. Das Geburtsfes|t Sr. Königl. Hoheit des Kronprinzen beging am köten d. M. der hiesige Verein zur Beförderung der Wald-Conservation, der an dem genannten Tage im vorigen Jahre gestiftet worden ist, und dessen Protektorat Höchstderselbe zu Übernehmen die Gnade gehabt hat. Es hatten sich die Mitglieder, mit denen sh auch eine große Anzahl anderer Verehrer des geliebten Prinzen ver- einigten, zu einem festlichen Mittagsmahle in einem mit der Büste Sr. Königl. Hoheit ges<hmü>kten Saale versammelt. Wald-Erzeugnisse von verschiedener Art zierten die Wände des- selben. Der Ober-Landesgerichts-Präsident, Freiherr von Gärt- ner, brachte unter lautem Jubel den Trinkspruch auf des Kron- prinzen Königl. Hoheit aus. Andere Trinksprüche, wie sie die Fröhlichkeit der Gesellschafc eingab, folgten nach, und erst spät am Abend trennten sich die Theilnehmer des heiteren Festes.

Stettin, 19. Okt. Aerndte. Im Regie- rungs-Bezirk Cöôslin ist dieselbe mit Ausnahme des theilweise ausgewinterten Weizens, durchschnittlich als Mittel-Aerndte zu betrachten. Das Obst ist ganz vorzüglich gerathen und beson- ders Steinobst in großer Menge vorhanden. Der lebte Heu- schnitt fiel nicht allein reichlich aus, sondern konnte auch gut eingebracht werden. Mit dem Aufnehmen der Kartoffeln, die nur in tiefliegenden Ae>kern durch die Nässe gelitten haben, im allgemeinen aber eine sehr ergiebige Aerndte versprechen, ist man gegenwärtig überall beschäftigt. Die Wintersaaten sind meistens schon bestellt und bieten, so weit sie aufgelaufen sind, einen erfreulichen Anblic? dar. Im Regierungs - Bezirk Stralsund ist die Aerndte im allgemeinen mehr als mittel- mäßig ausgefallen. Vorzugsweise ergiebig zeigt sich das Win- ter-Getraidè und wenngleich auf mehreren Feldern der Roggen theilweise auf dem Halme ausgewachsen war, so ist die Quali- tät desselben dennoch zufriedenstellend. Das Sommerkorn hat verhältnißmäßig wenig Fuder geliefert, gewährt aber einen ziem- lich guten Körner - Ertrag. Für die Werbung des Heu's und fár die Bestellung der Aecker zur Wintersaat ließ die Witterung kaum etwas zu wünschen übrig. Der Winter - Rapps is auf den meisten Feldern vorzugsweise gut aufgegangen. Regenwalde, 19. Okt. Landwirthschaft - lihes. Der Regenwalder landwirthschaftliche Distrikts- Verein hat zur Befolgung des, von des Königs Majestät in landesväterliher Fürsorge ausgegangenen Befehls, daß die klei- neren Landbewohner mit angemessener Belehrung versehen wer- den sollen, wie sie ihre Kartoffeln im Winter vor dem Erfrie- ren zu schüßen haben, eine kurze Anweisung zusammengestellt,

in gehöriger Anzahl von Exemplaren zur Vertheilung nah be- ‘rinessen mitgetheilt.

Halle, 20. Okt. Schul - Angelegenheit. Das hiesige Königl. Pädagogium, welches kurz nach der trau- rigen Cholerazeit an Frequenz abgenommen hatte, blüht unter der gegenwärtigen Direction immer mehr auf. Schon wird dasselbe wieder von 30 Scholaren, welche auf der Anstalt unter der speziellen Aufsicht ihrer Lehrer leben, und unter denen sich auch zwei Durchlauchtige Söhne eines Fürsten befinden, und von 52 Söhnen der Stadt besucht. Die bestehenden Einrich- tungen sind auch empfehlenswerth. Der Unterricht, mit ande- ren Gymnasien übereinstimmend , ist in den Händen geschi>kter Lehrer; die Französishe Sprache wird in allen Klassen (von einem Deutschen, welcher Jahre lang in Frankreih und Eng- land gewesen) gelehrt und das Sprechen derselben sogar wäh- rend des Essens geúbt;. die gymnastischen Uebungen (täglich eine Stunde) sind seit Ostern dieses Jahres erweitert, erfreuen sich einer regen Theilnahme und wirken bildend auf Leib und Seele. Das Zusammenseyn der Lehrer und Schüler erseßt den Leßteren durch gelegentli<he Mittheilungen eine für die Schule zu weite Ausdehnung realistis her Gegenstände und erzieht zu der sonst nur durch das gesellige Leben gewinnbaren Freiheit des Benchmens; die Nähe der Universttät erhebt die Schüler frühzeitig zu rühriger geistiger Bewegung. Möge auch der Geist echt christliher Frömmigkeit dieser Anstalt immerfort als ein würdiges Denkmal des frommen Franke bleiben! Koblenz, 18. Oft. (Rh. u. Mos. Z.) Heute Mittag um 12 Uhr is der Bre) LneS Napoleon auf seiner Reise nach England mit dem Dampfschiffe hier passirt. Er durchreist die rovinz ohne allen Aufenthalt und wird bloß in Düsseldorf übernachten.

Ober - Wesel, 16. Okt. Schiffbruch. Unterhalb unserer Stadt, fast an derselben Stelle, wo am Lten d. M. das Schiff „die Tochter Elisabeth“ scheiterte, zwishen der Marlei und Bodenlei, wurde heute Mittag um ! Uhr auf der Berg- fahrt das mit drei Pferden bespannte Fahrzeug des Schiffers Jakob Zils aus Nieder\pai rheinbrüczig. Dasselbe {lug um

und die Ladung versank in die Tiefe des Stromes. Wie viel von den Gütern geborgen worden is, läßt sich zu dieser Stunde no<h nicht ermitteln. Menschenleben gingen glü>licherweise nicht verloren, da die auf dem Schiffe befindlihen 7 Personen sich im Augenbli> der Gefahr eiligst in die ‘angehängten Kähne retteten. Am Uten wurde das Schiff wieder flott gemacht. Es wäre zu wünschen, daß das auf der Herzogl. Nassauvschen Seite des Nina liegende Wrack des am 2ten d. M. ver- ungl>ten Holländischen Schiffes entfernt würde, da bereits am Tten d. mehrere Sachverständige in Gegenwart eines jenseitigen Schisffahrts-Beamten erklärt haben, daß dasselbe leiht no< an- deren Schiffen gefährlich werden könne.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Stargard. Die Pommersche ofkenomische Gesellschaft hat ihre Herbst-General-Versammlung am Geburtstage ihres hohen Pro- teftors, Sr. stönigl. Hoheit des Kronprinzen, diesmal in Stargard gehalten. Es waren etwa 40 Mitglieder versammelt und auch dex Herr Ober- Präsident der Provinz war antweseud. Die manrigfalti- gen Gegenßäude, welche verhandelt wurdeu, bezogen si theils auf allgemein öfonomische Juteressen, t1hciis auf speziell provinziiche An- gelegentciten. Zu den ersiercn gehörten Vorträge über die Drch- krankheit der Schaafe, über den in Schweden üblichen Gußfalkbau, über deu Runfkelrübenbau und das Schußenbochsche Verfahren: un- ter den leßteren nahm ein Vortrag des Herru Regierungs - Nath Triest aus Stettin über die in Pommern iu diescmm Fahre gemachten Versuche des Scidenbanes die Aufmerfsamfcit der Unwescvden be- sonders ín Anspruch. Es wurden zugleich Proben der gewounenen Seide vorgelegt. Auch übex die Kultur des Quinoa (Chenopodium Quinoa oder leucospermum) der Altringam-Mobhrrüben und der Roban- Kartoffeln wurden Berichte erslattet. Für die nächsle Frübjahrs- Versammlung ward Köslin zum Orie der Zusammenkunft bestimmt, auch beschlossen, daß fünftig eine dritte Haupt-Versammlung alljähr- lih um die Zeit des Wollmarkis und der Thierschau in Stettin ge- halten werden folle. Der Vice- Präsident der Geseüschaft, Freiherr Senfft von Pílsach, welcher nach den Statuten sein Amt nicderzu!e- gen hatte, ward für dasselbe dur<h Acclamation aufs neue erwählt.

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Auffindung eines Römischen Lagers bei Haltern an der Lippe.

Eine halbe Stunde wesllih von Haltern, auf der rechten Seite der Lippe, liegt der Annenberg, der vor Erbauung der St. Annen- Kapelle im 16ten Jahrhundert, in Urkunden Königsberg genannt wird. Derselbe fällt gegen Osten und gegen die Lippe ziemlich sieil ab, und bildct auf seiner Höhe eine aus fandigem, unfruchtbaren Heideland bestehende Fläche, in deren Mitte ein Kamp hochstämmiger und weit gesehener Kiefern befindlich ist.

Als bei Gelegenheit des Baues der Chaussee von Münster nach Wesel Steine gesucht wurden, entde>te man in dém sandigen Bo- den des Annenberges Nester eines sehr harten Duarzes, der ais vors treffliches Straßen-Material zu gebrauchen is, und dieses veranlaßte, daß seit 1830 die Dberfläche desselben nach alleu Richtungen durch- wühlt wurde, wobei rings um den oben genanntea Tannenfamp eine große Anzahl NRömischer Münzen, Waffen verschiedener Art, Hand- werkszeug, irdene und bronzene Gefäße, Handmühlen aus Basalt, Gewichte u. w. zu Tage kamen. Das Meiste der gefundencn Ge- genstände ist verschleppt und vernichtet, und nur Einiges durch dic Be- mühungen des Pfarrers Niesert zu Velen und des Lieutenant a. D. Bccker zu Münster gerettet und erhalten worde1n.°)

Der Major Schmidt 1. vom Königlichen Generalstabe, der mit Genehmigung seiner Obern und so weit es seine dienstlihe Stellung erlaubte, scit mehreren Jahren das Römische Befestigungs- und Straßen-System am Rhein und zwischen Rhein und Donau unter- sucht hat, war im September d. J. von dem Fürsteuberge bei Xans ten dem Punfte, wo die Castra Vetera lagen, von welchen aus die offensiven Unternehmungen der Nömer gegen das nordwestliche Deutschland gewöhniich stattfanden auf das rechte Rhein.Ufer übergegangen, um seine antiquariscz-geschichtlihen Forschungen in Wesiphalen fortzusezen. Die erste interessante Auffindung, dle-der- selbe auf dem dieffeitigen Ufer, dem Fürsienberge gegenüber, machte, waren die 1 Meile unterhalb Wesel, bei dem Hofe Schulte Lipp- mann, in dessen Nähe chemals die Lippe in den Rhein floß, weit unter der Oberfläche verbreiteten, aus Tuffseineu und aiten Ziegelu besteheuden Mauer-Resie cines großen Orts, der vou thm für das durch die Rhetin-Uebergänge Karl's des Großen in den Kriegen gegen die Sachsen so oft geuaunten und später ganz verschzwundenen Lippe- ham gehalten wirb. Von diesem Punste aus gelangte der Major Schmidt den Spuren Römischer Anwesenheit an der Lippe aufwärts folgend, auf den Aunnenberg bei Haltern, uud war überrascht, hier die Wälle und Gräben ciner Römischen Befestigung zu finden, die durch das Suchen nach Steinen für den Chaussee-Bau in den ley- ten 8 Jahren zwar vicifah dur<wühlt und zerstörr waren, deren Ge- stalt uud Zusammenhang jedoch noch zu erfeunen sind. Durch eigene

nschauung und durch die Ausfagen der Urbeiter, weiche seit 1830 mit Aufsucheu der Steine beschäftigt gewesen sind, gelang es ihm, über diese Befestigung und über die in idr gefundeuen Alterthümer dasjenige zu sammeln, wovon wir hier einen Auszug mittbeilen.

Das Römische Lager nahm den höchsten Theil des Aunenbergeé, rings um den genannten Taunenkamp cin und bestand aus eivem einfachen Erdwalle mit davor liegendem Graben. Es bildete in sei- ner Grundform eín längliches, nicht regelmäßiges Viereck, indem die Osifront eine einwärtsgehende Krümmung machte, um eine Schlucht u umgehen, die sich an dem Abhange des Berges zwischen der St. Annen Kapelle und Berghaltern befindet. Durch diese Gestalt der Ostfront haben alle vier Seiten des Lagers cine verschiedene Länge erhalten, und der nordöstliche ausgehende Winkel is ein spißer und dadurch der c<hwächße Theil der Befestigung geworden. Um ihn zu verstärken, waren vor demselben, und zwar, wie es scheint, drei Rei- hen noch jeßt sichtbarer Gruben (Wolfsgruben) shachbreitförmig ge- legt. Die Längen - Dimensionen des Lagers lassen sh noch ziemiich genau angeben, dic Höhe, Breite und Tiefe von Wall und Graben fonnten jedoch nicht mehr mit Sicherheit ermittelt werden, da diesel-

durch die sandige Beschaffenbeit des Bodens zusammengesunken sind. Der Umfang aller vier Wallsciten beträgt gegen 1380 Schritt. Die Nordfront if die längsie und am besten erhalten; am meisten zerstört ift die Oftfront. An der Südseite des Lagers, und zwar gegen deu südösilichen ausgehenden Winkel, befindet sich eine künstliche Erhö- hung, von welcher man cine wcite Umsicht nach allen Seiten geaicßt. Wahrscheinlich war hier cine Vorrichtung zun Signalisiren, vielleicht ein Telegraph; denn daß die Römer eine nuseren Telegrapben ähn- liche Einrichtung fannten und in ihren Festungen und Forts davon Gebrauch machten, sagt Vegetius (De re milit. Il. 5.). Ueberreste von Mauern, Römische Ziegel, Stein-Monumente u. s. w. sind nicht entde>t worden, mit Ausnahme eines zum Theil gemauerten Brun- nens, von welchem unten die Rede seyn wird. Mur innerhalb des Raumes, der durch die vier Wallfronten eingeschlossen wird, find die

°) Jn gleicher Art sind die vielen Nömischen Alterthümer, weiche, bei Shiffbarmachung der Lippe; bis zur Mündung der Gienne anf- wärts gefunden worden, fast gänzlich verschwunden, wohin mebrere gut erhaltene Amphorae, oder irdene Wein: Krüge von 2!/, bis3 Fuß Höhe, gchörcn. Die Römer, welche die Lippe bis zur Mündung der Glenne beschifften, scheinen diese Wein-Krüge, nachdem sie çge-

leert waren, über Bord geworfen zu haben,

ben theils durch das Suchen nach Steiuen vielfach zerstört, theils.

C P T S TTA

M Bi fE

E E A