1838 / 305 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Reichs, ohne irgend eine Ausnahme, die rohen oder bearbeiteten Pro- dufte des Landes zu pachten, an sich zu kaufen und auszuführen, ohne daß sie gehalten find, irgend eine Bewilligung deshalb anzusprechen, indem die Pforte aus freiem Antrieb sich bereit erklärt, die Monopolien aufzuheben, die auf den Erzeugnissen des A>erbaucs und anderen nicht der Regie der Regierung anvertrauten Gegenständen ruhen. Damit aber diese Bestimmung auf feine Weise umgangen oder verlegt werde, so ver- pflichtet sich die Pforte, alle diejenigen, welche dem öofentlichen Dienste vorstehen, auf das sirengsie für die geuaue Beobachtung derseiben verantwortlic) zu machen und, im Fall ein oder der andere Unter- than Englands in Folge des Mißbrauchs der Amtsgewalt eines Die- ners der Pforte beeinträchtigt werden sollte, ibm den nöthigen Ersaß da- für leisten zu lassen. 3. Die Englischen Kaufleute sind bingegen ver- pflichtet, bet Einfkäufen, die für den inuern Verbrauch bestimmt sind, sowohl bei dem An- als Verkauf der betreffenden Artikel die Abgaben zu entrichten, welche die Unterthanen der Pforte selbst, die selhe An- und Verkäufe zu machen pflegen, dem Staate zu zahlen haben. 4. Es bleibt einem jeden Englischen Kaufmann oder seinem Bevollmäch» tigten unbenommen, die Waaren, die er nach dem Auélande führt, an den Ort zu bringen, der ihm zur Ausfuhr am geeignetsten dünkt, ohne irgend cine Abgabe zu entrichten; nur bei der Ausfuhr selbsi hat er den Ausfuhrzoll zu, zahlen. 5. Die Verwilligung für die Fabrt der Englischen Schiffe, sowohl durch den Paß der Dardanellen, als in das Schwarze Meer, soll auf cine Weise geschehen, daß jene Schiffe alle Erleichterungen erhalten und feinen Nachtheil erleiden. 6. Dic Pforte genehmigt, daß die eben getroffenen Verfügungen in allen Theilen des Türkischen Reichs in Kraft treten, sowohl in den Europäischen und Asiatischen, als in den Afrikanischen und Aegyptischen Statthalterschaften. 7. Die Pforte erklärt sich bereit, jeder anderen Macht auf die Grundsätze des gegenwärtigen Vertrags deu Handel iu- ihren Staaten zu bewilligen. $8. Zur Verhinderung aller Mißver- ständnisse und jedes Zeitverlustes, welche bei den Bestimmungen der Preise der Waaren, die von den Englischen Kaufleuten ia den Läns- dern des Türkischen Reichs eingeführt werden, dem bestehenden Her- fommen zwischen England und der Pforte gemäß, teicht eintreten fönnen, sollen von beiden Seiten von zebn zu zchn Jahren Kommis: sarien ernannt werden, um den Zoll-Tarif deshalb festzusezen.““

Die hiesigen Blätter nahmen vorgestern aus einer Franzd- sischen Zeitung ein Schreiben auf, in welhem der Ausbruch eines Krieges zwischen England und Frankreich sür nahe bevor- stehend gehalten wird. er Toryistishe Standard glaubt zwar auch, daß ein solcher Krieg zu besorgen sey, hält ihn aber noch nicht für so nahe, weil Rußland jeßt do< úberall ganz nach seinem Sinne handle, und meint, er wúrde no<h weniger drohend seyn, wenn recht bald ein Ministerwechsel statt- fände und die Tories wieder ans Ruder kämen. Die mi- nisteriele Morning Chronicle stimmt der Ansicht bei, daß man einen solhen Krieg niht zu befürchten habe, aber den Grund, welhen der „Standard‘/ dafür angiebt, findet sie sehr seltsam, indem sie auf die in der lebten Zeit von England abgeschlossenen Handels- Traktate und auf die orienta- lischen Verhältnisse Überhaupt hinweist und darin gerade das Gegentheil von der Behauptung des „Standard“‘/, daß Ruß- land überall ganz nach seinem Sinne handeln könne, erbli>en will. Dieses Blatt bemerkt dagegen, daß Rußland vielmehr vnter den Tories seine Pläne ungehindert habe ausführen kdnnen.

Ueber den gegenwärtigen- Zustand der Dinge in Ostindien theilt ein Liverpooler Blatt nah einem Schreiben aus Ma- dras vom 23. Juli eben so Besorgniß erregende Nachrichten mit, wie neulih die „„Times‘/. Es soll danach alle Aussicht zu einem allgemeinen Kriege in Indien vorhanden seyn. Die Heere der drei verbündeten Präsidentschaften rüsten sich zu dem befürchteten Kampfe, und man glaubt allgemein, daß von der obersten Regierungs - Behörde bereits der Befehl eingetroffen sey, ein Lager von 25,000 Mann an den Ufern des Kabul auf- zuschlagen. Auch in jenem Schreiben wird gemeldet, daß ein Gesandter des Radschah von Nepal am Flusse Setledsh aufge- fangen worden sey, der dem Schach von Persien die Aufforde- rung überbringen sollte, die nordwestliche Gränze des Britischen Ostindiens zu úberfallen, während zu gleicher Zeit der Rad- {hah von Nepal und der Beherrscher von Ava gegen die Nordostgränze vordringen und in Arracan einfallen wollten.

Niederlande.

Amsterdam, 27. Oft. (Handelsbl.) Aus dem Haag meldet man, daß nach langwierigen Unterhandlungen zwijchen dem Ministerium der Kolonieen und der Direction der Han- dels - Maatschappy am 2östen d. ein neuer Kontrakt zu Stande gekommen ist, in dessen Folge die Provision und andere Vor- theile, welhe die Handels - Maatschappy dur< ihre Geschäfte fär das Ministerium der Kolonieen genießt, eine sehr bedeu- tende Verminderung erlitten haben.

Belgien.

Brüssel, 27. Okt. Ein schre>lihes Ereigniß hat gestern Nachmittag gegen ö Uhr stattgehabt. Die zwischen Hornu und Boussu, oberhalb Mons, Zlegane Pulver - Fabrik ist in die Luft geflogen. Eine große Anzahl Häuser sind zum Theil zer- stôrt worden. Man sagt, daß mehr als 50 Personen theils ge theils verwundet worden seyen. Einem Direktor des

tablissements ward der Arm weggerissen. Zu Mons war die Erschütterung sehr stark; no<h fühlbarer war sie in den Vor- städten. Die Straßen von Mons waren mit Rauch angefällt. Kohlenstaub bede>te die Vorübergehenden. Jm Augenbli die- ser Explosion war die von Paris kommende Diligence eben erst vorbeigefahren, sie war in einer kleinen Entfernung und erlitt eine starke Erschütterung; die Pferde wurden scheu, doch er- folgte kein Unglück.

Deutschland.

Augsburg, 30. Okt. Aus München erhielt die Redac- tion der Allgemeinen Zeitung folgende Erklärung: „Die in der Allgemeinen Leipziger Zeitung vom 20. Oktober d. J. Nr. 293 bekannt gemachten Veranlassungen zu meiner Pensio- nirung, námlih die darin berührte Aeußerung über den Zu- stand der Armee, úber Mangel an Pferden und allem Mate- riale, so wie den Befehl zu einer Ersparung von 300,000 Fl. zu einer Façade am Gebäude des Kriegs-Ministeriums, erkläre ih hiermit als unwahr und erdichtet. München, den 28. Ofk- tober 1838. Franz Freiherr von Hertling.“

Dresden, 28. Okt. (Leipz. Z.) Nachdem der Ausbau unseres Dampfschisses „Stadt Dresden‘, um dasselbe zur Auf- nahme von Passagieren und Gütern einzurichten, beendiget ist, so wird es nächsten Dienstag, den 30sten d. M., seine erste Reise nah Hamburg antreten, und dahin, sowie nach allen übrigen Elbuferstädten bis Hamburg, Passagiere aufnehmen. Mehrere von den auswandernden Pietisten werden diesen er- sten Ausflug der „Stadt Dresden“/ benuten, um ihren bereits abgegangenen Genossen nachzueilen. Die Ansiedelung dieser Auswanderer wird, wie man vernimmt, in der Provinz JZlli- nois in den Vereinigten Staaten von Nord - Amerika bewirkt werden. Als nächster Sammelplaß wird Neus- Orleans bezeich-

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net, von wo man den Mississippi hinauf bis na<h St. Louis chien will. Ein Handelshaus in leßterer Stadt hat den Län- deranfauf besorgt. Die Frauen und Kinder werden in St. Louis so lange bleiben, bis die Männer den neuen Landesstrich auf- gesucht, den bequemsten Punkt zur Anlegung einer Stadt (Hei- ligenstadt) ausgemittelt und die nôthigsten Geöäude aufgeführt haben. Nachschrift vom 30sten. Wegen geringen Was- serstandes ist das Dampfschiff „Stadt Dresden“/ verhindert wor- den, abzugehen, daher die leßte Abtheilung der Auswanderer nach Amerika heute mit Extrapo| abreiste. Auch der gewesene Prediger der hiesigen Böhmischen Gemeinde, Herr Stephan, hat heute unsere Stadt verlassen.

Leipzig, 31. Oft. (L. A. Z.) Gestern Aber ist der aus ziemlich starken eisernen Platten zusammengefügte Wasser - Be- hälter des großen, no< in der Ausführung begriffenen Gaso- meters in hiesiger Gas - Bereitungs - Anstalt unter furhtbarem Krachen geborsten, indem die Wände, welche freilih ganz frei standen und nicht einmal mit Reifen umlegt waren, dem Drucke der Wassermasse nicht zu widerstehen vermocht haben. Jn Folge der Explosion wurde nicht bloß das Gebäude, in welchem der Gasometer steht, sondern auch die aus dem nebenstehenden klei: nen Gasometer gegenwärtig das Gas nach der Stadt leitende Hauptröhre beschädigt, so daß hier das in Massen aus dem geborstenen Wasser - Behälter ausstrômende Wasser eindrang, was denn die Folge hatte, daß nah kurzem ellenhollen Auf- fla>ern die Gasflammen in dem Post- und anderen Privat- Gebäuden (in der Stadt brannten dieselben ni<ht, wegen des Mondscheines) sofort verlöschten, wodur<h man namentlich in dem neuen Post-Gebäude, wo ein solcher Fall noh nicht vor- gesehen war, in viele Verlegenheit gesezt wurde. Es ist dieser Unfall um so bedauerlicher, da hiervon Diejenigen, welche sich bisher mit der Einführung der Gasbeleuchtung in unserer Stadt noch nicht einverstanden erklären wollten, von neuem Veran- lassung nehmen werden, das ganze Jnstitut anzufeinden und dessen Nüblichkeit und: Zweckmäßigkeit zu bestreiten.

Das Zwickauer Wochenblatt enthält folgende Bekannt- machung des Zwickauer Steinkohlenbau-Vereins: „Jn Verlauf der fortgeseßten Arbeiten beim ersten Bohrloche hat sich erge- ben, daß das erbohrte Köhlenflös 18 Fuß mächtig und unter ihm dasselbe Gebirge gefunden worden ist, welches das erste Flô6 dete, was daher zu der Hoffnung berechtigt, noch bedeu- tende Fldse zu erschroten. Das zweite Bohrloch ist bis zu einer Teufe von circa 35 Lachter niedergebracht, wobei die Folge der Gebirgslagen dieselbe ist, welche das erste Bohrloch nachge- wiesen. Zugleich nimmt man Gelegenheit, hierbei zur Kennt- niß der Theilnehmer zu bringen, daß unverzüglich zu Absenkung eines Maschinen - Schachtes geschritten werden wird. Zwickau, den 29. Oktober 1838.//

Karlsruhe, 18. Okt. (Schwäb. M.) Die Unterhand- lungen eines gefürsteten Standesherrn mit der Badischen Re- gierung wegen Verkaufs seiner Herrschaft sind bereits so weit vorgerückt, daß der mit der Prüfung beauftragte Regierungs- Kommissär ein ziemlich detaillirtes Gutachten und Schäßungs- Protokoll an die betressende Staatsbehörde schon eingesendet haben soll. Man bezweckt jezt auch eine bessere innere Ein- richtung des allgemeinen Landes-Archivs. Es soll nämlich Raum gewonnen werden für die jüngst projektirte Centralisirung sämmt- licher Archival-Akten in dem dermaligen Lokale des General- Landes- Archivs; es soll gesorgt werden für eine sichere Ver- wahrung der wichtigen Aktenstücke; es soll endlih dem Lokale auch ein seiner Wichtigkeit entsprehendes Aeußere gegeben werde.

Rosto >, 28. Okt. Das unter dem Titel: „Auszug der neuesten Zeitungen“ hier erscheinende Blatt enthält heute die nachstehende amtliche Bekanntmachung: „„Se. Königl. Hoheit der Allerdurchlauchtigste Großherzog haben aus dem 247sten und 248sten Stücke des „Hamburgischen Korrespondenten““ ungern ersehen, daß der in dem Schreiben aus Schwerin, Nr. 241 jener Zeitung, angeregté Gegenstand (Umtriebe der Pietisten auf der Universität Rostock) zur weiteren Verhand- lung gezogen worden, und Allerhöchstsih dadurch veranlaßt ge- funden, in einem Rescript vom 23sten d. M. mir zu erdfsnen: ,7 „daß so unwürdige Angriffe, wie den beiden Artikeln in Nr. 247 und 248 des Hamburgischen Korrespondenten vorausgegangen, nicht zu einer Polemik führen dürften, welche selten frei von Leidenschaft gehalten werden könne.“ Se. Königl. Hoheit wünschen deshalb, daß eine solche, das Ansehen und den Ruf der Universität leiht gefährdende Verhandlung nicht weiter fortgeseßt werde, und haben mich autorisirt, diesen Wunsch be- fannt werden zu lassen. Rosto >, den 27. Oktober 1838.

Der Vice-Kanzler v. Both.“

Oesterreich.

Wien, 26. Okt. Heute zwischen 4 und 5 Uhr Nachmittags trafen Jhre Majestäten in ihrer Residenzstadt ein, und stiegen sogleich in der Hofburg ab. Eine unermeßliche Menschenmenge war den Erlauchten Reisenden entgegengezogen, und füllte. den äußeren Burgplalß und alle Zugänge desselben. Die Bürger - Garden bildeten hierbei Spalier; die Artillerie derselben war auf den Basteien aufgefahren, und verkündete durch Lösung des s<hweren Geshüßes der Stadt die glücklich erfolgte Ankunft des Kaisers. Als der Wagen Sr. Majestät durch das äußere Burgthor hercinfuhr, erscholl die Luft von dem Zurufe der Menge. Dieser Jubel steigerte sich, als man aus dem frischen, blúhenden Aussehen des Monarchen auf des- sen gestärkte Gesundheit schließen konnte; au<h die Kaiserin, welche zur Linken des Kaisers saß, sah wohl aus und wenig angegriffen von der Reise. Jhre Majestäten zeigten sich, nach- dem sie bei der Bellaria abgestiegen waren, noch an den Fen- ]stern dem Publikum, welches die jedesmalige Erscheinung seines Kaisers mit begeistertem Lebehoch feierte. Schon ves Tage vorher war der Staats-Kanzler, Fürst Metternich, Über Triest fommend, mit seiner Familie hier eingetroffen. Die Fürstin, seine Gemahlin, welche die Ztaliänishe Reise unmittelbar nah Ueberstehung einer {weren Krankheit unternommen hatte, scheint durch den Luftwechsel gewonnen zu haben, und mit ge- stärkten Krästen heimzukehren. Die Ankunft des Kaisers wird morgen durch ein Festmahl der hiesigen Bürgerschaft im Augarten gefeiert werden, zu welchem der Magistrat die höch- sten Autoritäten der Stadt geladen hat.

Deutsche Blätter melden (über Wien) aus Galizien vom 20. Oktober: „Jch kann Jhnen nunmehr einige Details über den Mord mittheilen, der kürzlih zu Krakau an dem für einen geheimen Russischen Agenten geltenden Herrn Celak begangen wurde. Die Schuldigen sind drei junge Männer, Namens Stankicwils, Zagorowski und Levibki. Der Zufall hatte ge- wollt, daß Stankiewiß, in Einem Hause mit Celak wohnend,

dessen näherë Bekanntschaft machen und diesem gefallen mußt So fam es, daß Celak dem Stankiewißz (welcher kaum 18 Jah zählt, und vermuthlih unvermögend ist) den Antrag machte, j, ihm gegen eine fleine monatliche Zahlung hin und wied, einige Schreiberei-Geschäfte zu versehen. Stankiewiß nahm d Antrag an, gewann auf solche Weise mehr und mehr das Vertrau, des Celak, und dur<s<haute nach und nach dessen ganzes Treiben. (f erzählte schon früher, daß Celak sich von Polnischen und Russische # (üchtlingen regelmäßige Steuern habe zahlen lassen, gegen das V.“ sprechen, sie nicht anzuzeigen und auszuliefern. Uls nun Cell in der leßten Zeit denno< Flüchtlinge denunzirt und versiche haben soll, daß er noch eine große Anzahl solcher auf dem Ko habe, soll zum erstenmal der Gedanke in Stankiewißtz aufgest gen seyn, so vielfahes Unglück auf irgend eine Weise zu hindern. Er berieth si<h diesfalls mit seinem Kameraden 3 gorowski, der mit ihm einverstanden sogleich erklärt, man mi den Celak aus dem Wege räumen. Cinige Tage später { lossen diese Beiden, einen gewissen Levibki als den Dritt u ihrem Vorhaben zu bereden, was auch vollkommen gelatz a< wiederholter Berathung wurde die Ausführung h schre>Œlichen Vorhabens folgendermaßen bestimme. Sty kfiewiz sollte den Celak unter irgend einem Vorwan) nah einem abgelegenen Orte lo>en, wo dann die. beid anderen Vershworenen über ihn herfallen, und, während E sterer ihn halte, ihn erdolchen sollten. Schon in der ers Hälfte des Septembers war der Tag hierzu bestimmt, Cel auch richtig von Stankiewil beredet worden; allein die Au führung scheiterte an der Muthlosigkeit, oder dem Erwacht 5 des Gewissens der Vershworenen. Auch eine zweite vi Stankiewißz veranlaßte Gelegenheit wurde aus ähnlichem Grun} unbenußt gelassen, bis endlich die Verschworenen doch ih That vollbrachten. Stankiewihz soll an dem dritten hierzu b stimmten Abende den Celak unter dem Vorwande, daß er ein hübsche Dirne bestellt habe, an einen passenden Ort gefúüh haben, wo die beiden andern Verschwornen ihrer {on har ten, allein abermals zauderten, so daß Celak mit Stankieni hon wieder. den Rúckweg nach ihren Wohnungen angelrete hatte, als plôßzli<h Zagorowski und Levibki ihnen nachlief und den Celak mit einem Knüitel nieders<hlugen. Um das G schrei des Getroffenen zu ersticéen, faßte ihn Stankiewil bei di Gurgel, und die andern stießen ihm mittlerweile zu dfternmal den zu diesem Zweck bereiteten Dolch in die Brust, was dan auch Stankiewiß mehrmals wiederholen mußte. Hierauf liefen sit nach verschiedenen Seiten sich zerstreuend, von Gewissensangst g | foltert, davon. Zagorowski und Levibki sollen von den auf Celaf Geschrei herbeigelaufenen Leuten aufgehalten, jedoch wieder freig lassen worden seyn, weil sie, bloß einen Spion durchgeprügelt j haben, vorgaben. Levikki wurde aber hierbei erkannt, und als d That später ruhtbar wurde, sogleich verhaftet, auf welche Kuni! die beiden anderen Verbrecher für ihre Sicherheit sorgte Allein die Behörde ließ in den folgenden Tagen bekannt mache Levibki sey, ohne das Mindeste gestanden zu haben, im G fängniß verschieden, wodur<h Stankiewiß und Zagorowski il Sicherheit gewiegt wurden, und so in die ihnen gelegte Fall gingen. Nach einigen Tagen war die Polizei aller dreien hab haft, und bereits haben sie ihre schre>lihe That gleichlauten|f cingestanden.“‘

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Spanien. 4

Nadrid, 21. Oft. Don Jose Maria Puig ist an dis Stelle des Marquis von Pontejos, der bekanntlich seine Ent lassung genommen hat, zum politischen Chef von Madrid e? nannt worden. | I Es heißt, der General Narvaez werde fich na< Andalusiet] begeben, wo er sehr beliebt ist, um wo mdglich die dortigen Bewohner zu einigen Opfern für die Reserve- Armee zu besi wegen. h 5 Man sagt, Espartero habe abermals an die Königin gf \chrieben und sie ersucht, ihm Munition zu senden. |

Spanische Gränze. Am 20. Oktober ist die Vermäh lung des Don Carlos mit der Prinzessin von Beira in Ascoy tía vollzogen worden.

In San Sebastian ist die offizielle Nachricht einge gangen, daß die Karlisten unter Castor und Lugui am 16. Of rober bei Quintana de Soba geschlagen worden sind- und meh als 200 Mann verloren haben. )

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Aegypten. H Kahira, 1. Okt. (Allg. Ztg.) Der Pascha ist seit eini gen Tagen hier. Er wird den löten nah Ober-Aegypten rei * sen und, wie man no<h immer fabelt, nah dem Sennaar gef hen. Dies würde eine Abwesenheit von aht Monaten voraus} seben, da sein Dampfschiff nur bis zur ersten Katarakte geht und er von Korosko an init Dromedaren durch die Wüste reis sen müßte. Eine solche lange Abwesenheit aus Aegypten wir! er aber niemals wagen, am wenigsten unter den jeßigen Um ständen. Man weiß hier auf das bestimmteste, daß sich di Truppen des Sultans an der Gränze von Adana vermehren aber auch von Aegyptischer Seite ist man nicht träge; die Ar mee ist gut dislocirt, um bei dem ersten Befehl sogleich zum Angriff überzugehen. Während der Sultan eine Partei in Aegypten und Syrien zu gewinnen sucht, läßt Jbrahim Pasch(s die Kurden und die Stämme von Diarbekir bearbeiten, selbt sid in Einverständniß mit den Türken von Anatolien und läßt kein Mittel unversucht, die höheren Türkischen Offiziere auf seine Seite zu bringen. Auch die zahlreichen Beduinenstämme der östlichen Syrischen Wüste sucht man dur< Versprehungen zu gewinnen, und schon A sich einige unter ihnen in Bewegung gesebt; in der Hoffnung, bedeutende Schäße im Türkischen Lager zu finden. Die kriegerischen Rüstungen werden hier auf das eifrigste betriebe; in einigen Tagen werden mehrere Batterieen von hier nah Syrien abgehen. Der rü>ständige Tribut ist zwar gezahlt, allein es handelt sich nun um den näch stfolgen- den, der leiht in Kanonenkugeln besichen könnte. Uebrigen? hatte sich Mehmed Ali niemais der Zahlung dieses leßten rü> ständigen Tributs geweigert, er erklärte nur, ès sey jetzt das le6temal, daß er ihn abtrage. Ungeachtet seiner leßten Aeuße rungen gegen die Konsuln der Großmächte ist die Sprache sel ner Höflinge kriegerisch und voll Zuversicht auf den Erfolg.

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Inland. Königsberg, 29. Okt. Geborgenes Schiff und verunglückte Mannschaft. Jn Folge einer am

27sten d. Vormittags der Hafen -Polizei-Kommission in Pillau | gemachten Anzeige, daß in der Gegend von Kahlberg, etwa 1!/, Meilen in See, ein von der Mannschaft verlassenes bela- denes Schiff vor Anker liege, wurde sofort dürch den Lootsen- Commandeur daselbst die große Lootsen: Schaluppe mit allem

Erforderlichen ausgerüstet, um das Schiff aufzusuchen und in den Hafen zu bringen. Erst gestern fcüh um 6 Uhr entdete die Mannschaft auf der Schaluppe in der Gegend von Prôö- benau, etwa eine Meile vom Lande, ein entmastetes Schiff vor Anker liegend, welches ohne Besaßung und von aller Takelage entblößt war. Nachdem das Schiff mit einem Theile der Mannschaft aus der Lootsen - Schaluppe beseßt und ein Noth- mast darauf errichtet worden, wurde die Schaluppe vorgelegt und das Schiff auf diese Weise gestern Abend in den Hafen zu Pillau gebracht. Das Schiff hat Stein®ohlen geladen, und ergiebt sih aus den vorgefundenen Papieren, daß es die Sloop „„Mercator‘‘aus Krageroe, geführt vom Capitain O. Simonsen, und von Sunderland mit Steinkohlen nach Pillau bestimmt ist. Außer dem Schiffsjungen, welcher in Pröbenau glücklich ans Land ekommen, ist die ganze Besagung des Schiffes, als sih die- selbe mit ihrem Boote ans Land hat retten wollen, ertrunken.

Düsseldorf, 29. Okt. Jhre Königl. Hoheiten der Kron- prinz und die Kronprinzessin von Dänemark trafen gestern Abend gegen 8 Uhr, von Köln kommend, hier ein, übernachte- ten hierselbst und werden heute Abend Jhre Reise über Etber- feld nah Mänster u. s. w. fortseßen.

Köln, 29. Okt. (Köin. Ztg.) Die heutige Zeitung ent- hält die Anzeige des Herrn Ober - Prokurators Grundsciôttel, daß am sten d. M. Abends in der Trankgasse verschiedene Gegenstände seyen gestohlen worden. Jn welchem Hause dieser Diebstahl verübt worden, wird Jedem klar werden, der sich des skandalósen Unfugs vom 26sten d. M. erinnert. Eben so wird es ader au<h Jedem klar werden, daß die Theilnehmer an jenem Unfuge mehr durch die Hoffnung auf Raub, als durch cin anderes Motiv geleiter wurden. Diejenigen, welche jenen Unfug veranlaßt oder begünstigt haben mögen, sind da- er, gegen ihre Absicht, und, wir wollen hoffen, ohne ihr Ver- <hulden, in die Klasse von Mitschuldigen verweeflichen Diebs- gesindels herabgesunken, und müssen besorgen, als solche be- handelt zu werden. Mögen sie künftig vorsichtiger seyn. Aber auch den ruhigen, wohlgesinnten Bürgern Kölns “glauben wir die Vorschrist der Verordnung vom 17. August 1835 ins Ge- dáchtniß rufen zu dürfen, nach welcher alle Zuschauer eines

Auflaufes, wenn sie auch an demselben keinen Antheil nehmen,-

sobald bei dem Einschreiten des Militairs sie an dem Orte des Auflaufes noch anwesend sind, für allen Schaden mit den Thä- tern solidarisch verhaftet sind. Wer also nicht fremde Sänden büßen will, ziehe sich zeitig zurück; er dient dadurch si selbst und dem gemeinen Wesen, weil dur< das Zurückziehen des tudigen Bürgers die Entde>kung des Schuldigen desto leichter, die Bestrafung desto sicherer ist.

Die Klein-Kindershulen in Boulogne sur mer.

Die Klein - Kinderschulen sind jet in alen Eurcptischen Län- dern, welche an der fortschreitenden Geistesbildung Theil nehmen, ein Volfs-Bedürfniß geworden; in den höheren Ständen begreift man, in deu niederen Ständen fühlt man mit jedem Jahre mchr deren Wichtigkeit. Die ärmeren Familien, früher daran gewöhnt, ihre Kin- der von den ersten Jahren an verwahrlosen zu lassen, schen nun an lebendigen Beispielen, was Sorgfalt bei der Erzichung betoirken fann, sie drängen sih zu den Bewahr-Austalten, deren bedeutende Zahl für das Bedürfniß nicht mehr ausreicht. Gleichzeitig finden Hunderte von Männern und Frauen, mit outer Gesinnung und Wohlstand von Gott gesegnet, durch diese Anstalten zum erstenmal! vielleicht, Ge- legenheit, in unmittelbarer Vérbindung mit den Armen deren Eigenschaften und Bedürfaisse kennen zu lernen und sich sclb| zu veredeln, indem sie Pflichten gegen ihre weniger begünstig- ten Mitmenschen ausüben. Bei einer solchen Angelegenheit, welche nicht aus vorübergehenden Uusländen, sondern aus eineu1 tve- sentlichen Bedürfniß der. fortschreitenden Yeit vcrvorgegangen ist, und deren Förderung fo Vielen au Herzen liegt, wird es uicht unpassend erscheinen, auch die geringsie sie betreffende Beobachtung mitzuthei- len. Deshalb mag denn cin kurzer Bericht über die Klein - Kinder- schulen in Boulogne sur mer hier scinen Play finden. Diese Hafen- stadt, in der Mitte zwischen London und Paris belegen, und begün- stigt dur Seebäder, die wegen eines geeigueten Strandes und einer starken Wellen - Bewegung für die besten an der Frauzöfschen Küste gehalten werden, zieht durch beide Vortheile eine Menge Jn- und Ausländer, Leßtere besonders aus dem benac)barten England, an \i<.

Diesen Umständen if es zuzuschreiben, daß unter der aus 28,000"

Seelen bestehenden Beoölferung eine verhältnißmäßig uur geringe Zahl Armer befindlich is. Dennoch hat mau es für gut befundeu, zwei Klein - Kinderschulen in Boulogne: zu errichten. Die städtische Behorde, die Wichtigkeit dieser Anstalten erkenneud, vielleicht auch berehnend, daß es selbst ein wahrhaft finanzieller Vortheil ist, dazu beizutragen, daß durch Anleitung der Kinder der Armen zur Sittlich- keit eine Quelle der Armuth verstopft werde, befördert mit großer Freigebigfeit die Ss und das Bestehen dieser Schulen. Sie hat jeder derselben eine Wohnung völlig miethefcei eingeräumt und liefert das nôt“ige Brennmaterial unentgeltlih. Die Voriiebe der Behörde für die Klein- Kinderschulen zeigt sich au< in der Wahl die- ser Wohnungen. Sie sind abgeschlossen, mit eigeuen Eingängen ver- sehen, und jede derselben besleht aus einem hoheu, hellen und luf- tigen Saal von bedeutendem Umfange, mit daran stoßendem Spielplag. Sie sind in zwei vou einauder entfernten Stadt- Vierteln in der Näze der Wohnungeu der Armen angelegt. Der Vorstand besteht nur aus! weiblichen Mitgliedern, und die Be- auffichtigung jeder der beiden Anstalten ist zweien besoldeten Frauen- zimmern anvertraut, die ihr Amt mit Einsicht zu verwalten und einen mütterlihen Sinn für die ihnen übergebenen Kinder zu haben schei- nen. Jun der cinen Schule sind 300, in der andern fast eben so viel Zöglinge aufgenommen. Um eine so bedeutende Aufnahme zu bewerk- stelligen und dennoch die Zahl der Aufseherinnen nicht zu vermehren, ist folgende Einrichtung getroffen worden, die jedoch höchst bedeutende Nach- theile hat. An dem obern Ende der Säle sind Stufen ((&radins genanut) anen, Sie nehmen die ganze Breite des Saals ein, erreichen etwa die Häifteder Höhe desselben und sind tiefund flach; auf diesen Stufen müssen die Kinder sißend und nah dem Geschlechte getrennt, einen großen Theil des Tages zubringen. Es i cinleuchtend, wie durchaus zwe>- widrig cin solches Verfahren is. Das Kind ist beweglich, es gedeiht durch die Bewegung, und sie ist das Mittel, wodurch es sich cine Menge von Anschauungen verschafft. Ju feinem Lebens-Abschnitt if die Lebendigkeit so groß als im Kindes-Alter. Während dem Greise das Siyen zusagt, ziehet das Kind dem Gehen das Laufen vor. Diese und ähnliche Betrachtungen liegen so nahe, daß es faum zu begreifen ist, wie man glauben konnte, Gates zu wirken, iudem man den BVestimmnn en der Natur entgegen handelte. Es macht Schmerz, g sehen, wie so viel Anstrengungen und gute Absichten durch cinen

eblgriff zum großen Theil ihren Werth verlieren. Die Aufseherin- nen und selbst eine der Vorsteverinnen räumten cin, daß die Klein-Kin- derschulen so viel wie möglich sicy dem Vorbilde eines wohl eingerich- teten Familienlebens nähern sollten, in Familien, denen veruünsftige Aeltern vorstehen, solche Einrichtungen aber nicht denkbar wären, daß vielmehr die Kinder bis zum sechsten Fahre und zwar Brüder und Schwestern zusammen frei umher licfen. Dennoch glaubten jeue Frauen für das, was sie selbst als fehlerhaft crfaunten, Entschuldi- gung zu finden, theils darin, daß das He zuweilen durch Vewe- gung auf dem Spielplage unterbrochen würde, theils in den son angeführten Gründen, daß man cine re<t große Anzahl habe auf- nebmen und dennoch nicht mehr Aufseherinnen anstellen woklen, was freilih unzureiczende Gründe sind, da es bcsser if, nur halb fo viel mit vollfommenem, als das Doppelte mit unvolllommenem Nuten

f thun. Es ergab sich auch bei näherer Beleuchtung, daß diese Ur- .

achen alleiu die maugelÿafte Einrichtung nicht veranlaßt hatten, daß

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sie vielmehr zum Theil in den falschen Ansichten mehrerer Vorstehes- |

rinnen begründet find, das für Kinder zuträglich zu haiten, was den Erwachsenen eben bequem und bebaglich is, Ansichken, die aus selbst- süchtigen Voraussezungen entspringen, in den verschiedensien Formen auf die Erztcvang der Jugend souachtheiligen Einfluß ausüben, und die nicht zu der Eiusiht gelangen lassen, daß e<hte Pflichterfüllung darin besteht, sich in des Kindes Aiter zu Vepsegen, und nur das anzuordnen, was die- sem angemessen ist. Es if fceilih mebr Liebe dazu erforderii<h, um an der lârmenden Freude der Kinder Gefallen zu finden und ihren findishen Muthwillen mit Nachsicht zurü> zu weisen, als um über eine Schaar an einander gereihter Kleinen Mufierung zu halten.

Die Kinder werden in den BoLlogner Bewahr-Austalten in ähn: licher Weise wie in den hiesigen mit Fabdcin, geisilihen und weltli- <en Gesängen, mit Zählen und Buchstabircn, mit Kupfern und an- dern Abbildungen, jedo< durhaus uicht anhaltend, nicht zu häufig und- no< weniger nach einem bestimmten Stunden-Plan, beschäftigi“ die Aufseherinnen erkennen, daß sie sich mehr 111 die Sittlichkeit und rv r M Begriffe ihrer Zöglinge zu bemühen haben, ais unm

enantutse.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Berlin. Der biesigen Plahnschen Buch- nnd Verlagé-Handlung is die Kouzession zur Heravégabe ciner neuen Zeitschrist vom Fahre 1839 ab unter dem Titel: „Central-Biatt der Gewerbe- und Haudels- Siatistik über die allgemeinen industriellen und gewerblichen Ver- hältuifse und Unternebmungen zur Belebung des öffentlichen Ver- kehrs, so wie der Zustände der Geweibe, des Handeis und der Jn- dustrie überbaupt, in dea Deutsczen Bundesfaaten“', erthetit worden. Die Anfündigung giebt als den prafktishen Zwe> diescs Central- Blattes an: gründlich und öffentiich die gegenwärtige örtlihe und allgemeine Lage und die Bedürfuisse des gesammten Gewerbs- und Hans delsstandes in Deutschland nach scinen lofaien und sonstigen äußeren und ianeren Verhältnissen, von cinem universellen Standpunkte aus zu erörtern, das Jnteresse an der bürgerlichen Wohlfahrt lebendiger zu machen, und die Gemüther mit dem wesentlihen Jußzaite der Zeit- und ihreu cigeoen Jutercessen zu crfiüilen; zugleich aber auch wit zu prüfen: ob denn die von so vielen Seiten so düster geschiiderten Zustände der besorglicheu Verarmung und der Siitenverderbniß der gewerbtreibenden und arbeitenden Votköflassen in Deutschland wirk- li<h in so bohem Grade tbeiis schon vorbanden , theils no< zu be- fürcöten sind; dabei sol dann mit erwogen werden: ob, wie uud durch welche Mittel diesen Uebelstäuden oder Besorgnissen rechtzeitig begegnet werden kénre. Daber ecrsu>t die Redaction alle Behörden und Privaten: statistische örtliche Nachrichten über die geschichtliche Entwickelung der Gewerbe und des Handeis innerhalb ihres Ge- schäftsfreises bis auf den gegenwärtigen Zustand, so wie über den Umfang der Product:on und der Fabrication der wichtigeren Gewerbs- Gegenjtände, deren örtlichen und auswärtigen Debit, der Preise und Tranéport : Koslt-n zur Veziebung der rechen Produkte und über die Absag - Wege für den auswärtigen Debit der gewonnenen Produkte oder der Fabrikate, so wie über den Arbeits- Gewinn, mit Angabe der Anzahl der beschästigten Arbeitcr 2c., und Über den Einfluß der Zeit - Verbältnisse auf die Belebung der Orts-Gewerdbe, über die be- forgliche Verarmung der Gewerbe- und Arbeiter- Klassen, und endlich durüber, was zu deren Abhülfe nah Lofal- Verhälinifsen geschichet, oder was etwa in dieser Beziehung allgemein wünschenswerth bleibt

2c. 2c, ihr baldigst zukommen zu lassen.

Numerische Uebersicht der Taubstummen in ; Preußen.

Vn keinem civilisirten Staate dürfte so viel Sorgfalt auf die unglüclihea Taubstuwmmen verwendet werden, wie in Preußen. Un- sere Monarchie zählt Taubstummen- Ansialten zu Berlin, Königsberg, Breslau, Münster, Liegni, Netße, Grüneberg, Ratibor, Halle und Köln. . Dabei befinden si Privat-Anstalten derselden Art zu Berlin, Stettin, Poscu, Marienburg, Angerburg, und nächsidem existiren auch noch selze Justitute in Verbindung mit den Seminarien. Wen alle die Vorfehruugen interessicen, welche bei us zum Unterricht der Faubsiunmmen bereits getroffen find, der fiudet sie in dem so eben er- schienenen trefflichen Werke :

„Ueber die Taubstummen und ihre Bildung, in ärztlicher, statistisczer, pädagogisczer und geschichtlicher Hinficht, nebst einer Anleitung zur zwecmäßigen Erzichung der taubstummen Kiu- der im älterlichen Hause, von Dr. Ed. Schmalz in Dresden. Daselbst u. Leipzig 1838. 474 S. mit vielen Tadellen.““

auf welches wir hier beiläufig Schullehrer, Erzieher und gebildete Aecitern überhaupt gern aufmerksam machen, indem dasselbe cine An- leitung zur Erzichung und Bildung der taubstummen Kinder in sehr flarer und faßücher Darstellung entbätt.

Das numerische Verhäitniß der Taubstummen 'in Preußen stellte sich Ende 1837 nach der amtlichen Zählungs - Angabe, mit der Herr Dr. Schmalz vom Direktorium des Königl. statistishen Büreaus in Berliu unterstüßt worden ijt, wie folgt :

Taubsiumme. Ae Einwohner Taube it Ein- Nach dem 0 Provinzen. u “4 Bor f sten, aber | 15 Jahre auf schluß des }vollende-] vor vol: | alt und | Gee } die tem sten] endetem | darüber | sammt- Mill. Militairs. | Ihre f15ten Jahre zahl. Ein! w0hs m. |w.} m. | w. | m. | w. ner. Preußen... . | 2154154 | 50| 341 440| 302] 917| 633] 2376 } 1103 P c 4 1169706 f 17| 224 168! 136! 349| 274 964 f 820 Pommern . . . |_ 990285 | 25| M] 157| 115/ 317| 2634 897 | 906 Schlesien . . . | 2679473 | 43| 214 $17| 263} 849| 692} 2185 | 815 Brandenburg . | 1740627 | 25| 16] 185| 155f 509| 426} 1316 | 760 Sachsen... . | 1564187 } 14/ 19f 184| 165] 4536| 422} 1260 | $06 Deitlicher - - . | 10298432 [174 132/1451 1136133972709) 8998 | 874 Wesiphalen . . | 1326467 | 12| 1! 112/ 87] 304| 194] 720 | 543 Rbein- Provin; | 2473040 | 29| 2] 197| 175} 570/ 393] 1386 | 560 Wesilcher. - . | 3799507 | I1| 35] 309/ 2600| 874 587f 2106 | 554 - X 4 | _- | i Ld Gesamuter | 14097989 [213/167/1760/1396/4271 3295] 11104 | 788 Staat nämlih |— nämlich : 7038656 m} 382 } 3136 7566 16246 m 7059283 w. A858 mw.

Die wenigsten Taubstummen sind in Wesipbalen, vorzüglich iu Regierungs - Bezirk Münster: nämlich unter 405,273 Einwohnern 166 Taubstumme, so daß deren 410 (i834 gar uur 375) auf die Million fommen. Die meisten wnrden in Ostprenßen, und besonders im Regierungs - Bezirk Gumbinnen, gezählt, nämlich unter 538,192 Einwohnern 767 Taubstumme, weiches deren 1374 (1834 nur 1325) auf die Million giebt.

Hinsichtlich des Verhältnisses der Taubstummen zu den Vlinden fommen nach derselben Quelle in den nördlichen Ländern überhaupt mehr Taubstumme als Blinde vor. 1834 zählte Preußen 10,239 Taubstumme und 9576 Blinde, das Verhältniß der leßteren zu den ersteren war also 100:94. Durchschnittlich verhalten sie sich wie 10:9 indem sich unter ungefähr 1743 Einwohnern 1 Vlinder oder deren 574 auf die Million finden.

Bemerkenswerth is, daß în Hinsicht des Vorkommens über und unter 30 Jahren im Preußischen Staate zwischen beiden ein um- gekehrtes Verhältniß stattfindet, indem weit mehr Taubstumme unter als über 380 Jahren vorhanden sind, während weit mehr Blinde über als unter 30 Jahren sich finden. Nach Knie und der von dem sta- tistischen Büreau für das Königreich Preußen mitgetheilteu Ueber- sicht waren nämlich vorhanden :

|

{ unter 30 J. | über 30 J. | zusammen

G

(1831... | 7135 2710 9845 Taubstumme.) 1834... 7415 2824 10239 1831... | 2178 7034 9212

Blinde 1834...) 22 7286 9576

So auffallend aber dies nun auch beim ersien Anbli> erscheint, so läßt sich doch dieses Verhäitniß aus zwet Gründen iciczt erklären, nämlich 1) daraus, daß die angeborne Taubheit unendlich häufiger als die angeborne Blindhcit ist, und 2) daraus, daß uur bis zum 6.— 10. Jahre auf die Taubheit au<h Stummheit folgt. S— é.

Neue Folge der Gesundheits-Zeitung. Von Dr. med. O Beer. Wien, 1837 und 38. Sechs Quartal- nde.

Das Hauptverdiens populair - metizinisher Schriftsleller bleibt stets, das sie in ihreu Schriften gewisse D nicht über siciaen, dur<h welche die Leser in Versuchung gerathen köunen, das g-fähr- liche Spiel mit der Schlange Aeskulaps selbst zu wagen. Vorlie- ras treffliche Gesundheits-Zeitung crwirbt sich keit dem Begiun tes

ahres 1837, wo ein Redactions- Wechsel bei derselben statigefun-

den, dieses Verdieußi in einem beben Grade, iudem sic im faßlichsien Tone die anthropologische Selbsterkenuiniß zu fördern, uud die noth- wendigen Begriffe über Alles zu verbreiten strebt, was nur zu un- ferer Körper- und Gecistespflege in irgend einer nahen Berübrung steht, ohne auch nur im Eniferniesien irgendwo die Haud zum Sclbst=z furiren dabei zu bieten, und swon Goethe sagte: g

Bcing Du die Natur heran,

Daß fie zedem nüyen fann,

Hast Du Falsches- nicht e: sounen,

Hast der Menschen Gunst geweunen.

Heut? zu Tage aber, wo das große Publifum nicht mcbr die Einheit des Kindergeschmaks und noch weniger die Einheit der vols lendeten BViidung hat, sondern ein gar biunies Mittelding zw!swen Bridem bildet, gelingt es nit jedem Manne der Wissenichafst, sich in populairen Werken dasselbe geucigt zu wachen, daher auc mehrere Versuche mit ähnlichen Zeitschriften in unserer Nähe obne allen Er- folg geblieben sind. Der achtungswerthe Herausgeber Herr Dr. Beer und seine würdigen ärztlichen Kollegen uud Miiarbeirer: die Herren DD. Ehrlich, v. Feuchtersleben, Jeittecles, Rittler u. m. A. verstehen es indeß gar wohl, dém Nicht - Arzte sich genießbar zua machen, wcéhalb denn auch das fernere Gedeihen dieser nuyreichen Zeitschrift, vou der in jeder Woche 2 halbe Bogen gr. 4. für cinen außerordentlich billigen Preis erscheine, gar nicht zu bezweifeln 1. Mäch} den vieifahen Belehrungen von bald anrathender ünd bald abrathender und waruender Tendenz, gewähren auch die ficinen beis teren Aufsägze, welche mit den Darstellungen menschlicher Schwächen, Vorurihcile und Thorheiten in Bezug zu unscrer Gesundheit sich be- schäftigen, eine angenehme Unterhaltung. Ueberhaupt is die Man- nigfaltigkeit des Stoffes, die Abdwechsélung von passenden Erzählun- gen, Gesprächen und Briefen mit Biographicen, Aphorisnien und Korrespondenz- Artikeln sehr zu loben, zumal eine üÜberraschende Neu- heit in den Mittheilungen vorherrschend ijt.

Dem Unterzeichneten, der zu dem q. Herrn Herausgeber diefes gemeinnügigen, volfsärztlihen Wochenbiatts in gar feinem aöderen Verhältnisse steht, als in dem jedes fleißigea Lesers zu demseiven, würde es zu einer wahren Freude gereichen, wenn diese Zeileu dazu beitrügen, dieser Gesundhcits: Zeitung im nördlichen Deutschland die- selbe Verbreitung zu verschaffen, deren sie sich in den südlichen Ge- genden unseres Vaterlandes schon seit einigen Jahren erfreut. So lange uns fast táglihe Erfahrungen überzeugen, daß die Menschhz-it mit der Hpgiea noch keinesweges ausgesöhnt ist, und daß es gerade unter den gebildeten Ständen noch immer nicht Viele giebt , die sich ur unverbrüichlichen Folge der physischen und psychischen Diätetik bes Rluanais lafeu, werden auch Aerzte selbst Zeitschriften von passender und prunfkloser Form, sehr gewädltem Juhalie und hochst belehreu- der Mannigfaltigkeit wie vorliegeude da wobl gern empfehlen, wo aberg!äubischer Dünkel zu lichten, verjährte Vorurtheile uud hypo- thetische Afterweisheit der manuigfachsien Art zu berichtigen, den hos möopathischen Charlatanismus zu besiegen und an deren Stelle rein anthropologische und hygiastishe Wahrheiten zu segen, nothwendig fiud. T F.

Berichtigung zu dem Artikel: „Das Schulwesen im Preußischen Staate‘“, und zwar in dem Abschnitte: „Naviga- tions- oder Schifffahrts-Schulen““ (Nr. 302, S. 1245): Greifs- wald hat keine Navigations- Schule, dagegen besiben Stra[- sund und Memel dergleichen Königliche Anstalten.

Meteorologische Beobachtung.

Morgens Nachmittags Abends 6 Uhr. 2 Uhr. 10 Uhr.

1838. 1. November.

Nach einmaliger Beobachtung. L]

Lustdru>......... | 334,99/// Par, |333,81‘‘‘Par. |Z32,11/// Par. Luftwärme... |+- 5,09 R. |4- 7,69 R.|+ 5,10 R. Thaupunkt... (4+ 4,59 R. [+4 5,59 R.|4- 4309 R.

Quellwärme 7,49 F, Flußwärme 6,62 R. Bodenwärme 7,19 R,

Dunsisättigung | 88 pCt. 70 pCt. 86 pCt, f} Ausdün#113 0,030‘ Rh. Wetter... trübe. bezogen. ha!bheiter. f Niederschlag 0,025‘/ Rh. Minde ca eerederes W. SW, SO. Wärmecwechsel 7,82 Wolkenzug e... WSW. _— -+-3,2 0,

Tagesmittel: 333,64/// Par —+-5,90 R... +480 R... S1 pCt. WSW.

Berliner BTEELM Den 2. November 1838.

Amtlicher Fonds- und GŒeid-Cours-Zettiel

“: Pr. Coar. e: Pr. Cour.

N| Brief. Geld. N| Brief. | Geld. Bt.-Behuld-Soa. |4| 103 102! /, [Pomm. Pfandbr. i3è| 101° /, ——- Pr. Engl. Obl. 30.| ¿|/ 1031/4, | 1023/, {Kaur- o.Neom. do.!S| 1015; | 101!/2 PrämSoh, d.Soeb.|—| 68/4 | 673/, do.|4| 1043/, | Kurm.O0bl.w.1.C.|4| 103!/, | 1025/,; N: Int. Sch, do.|4| 1023/, | 1021/7 93 Berl. Stadt - ObL| 4| 1027/4 dps Königsb. do. |4| 215, | 214i, Elbioger do. |43| _— 18i/, ents Daus. do. in Th.|—| #8 131/, 13 Weatpr.Pfandbr.|3è| 191 —— ° Groszh. Pos. do.| 4| 105 131/, | 125/5 Ostpr. Pfandbr. ¡3è| 101 3 5

Auswärtige Börsen.

Amsterdanm, 28. Oktober. Niederl. wirkl. Schuld 5818/,,. d9/, do. —. Kanz-Bill. 248/, Neue Anl. 15!5/; g.

Antwerpen, 27. Oktober. ZinsI. 53/4. Neue Anl. 137/, G.

Frankfurt a. M., 30. Oktober. Oesterr. 59/, Met. 1067/15 1065/1 g. 49, 997/,.

5835/4. 19% 2532/4. Br. 995/4. 21/,9/, 59,

Bank « Actien 1734. 1731. Partial - Obl.