1838 / 333 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

L Bi M I O eia mo A A M

neuesten Nachrichten aus Kanada unter Anderem: „Daß in den Amerikanischen Gränzstaaten Tausende von Judividuen ge- werben und bereit sind, bei der geringsten Aufmunterung in Kanada einzufallen, halten wir fär ganz gewiß; aber daraus folgt no< nicht, daß die Gränze wirkli überschritten werden wird. Die wildesten jener Abenteurer, die bereit sind, sih den Französischen Kanadiern anzuschließen, werden jedenfalls war- ten, bis sie sehen, daß sie im Stande sind, sich gegen die be- waffnete Macht ¿u behaupten, denn sie werden nicht tollkühn genug seyn, auf die bloße Vermuthung hin vorzurü>ken, daß die Insurrection hier oder dort Konsistenz erlangen könne. Wenn dotzs die Maßnahmen der Regierung im Verein mit dem Britischen Theile der - Bevölkerung so gut getrof- fen werden, daß die Franzosen nirgends si<h in solcher Stärke sammeln können, um den Banden aus den Vereinig- ten Staaten begründete Aussicht auf Mitwirkung in Kanada zu geben, so wird der Aufstand im Keime ersti>t werden, und wir sind wirklich geneigt, zu glauben, daß, aller Pläne und Vorbereitungen ungeachtet, ein Aufstand nicht stattfinden wird. Allerdings aber sind alle Aussichten vorhanden, daß die Fran- zosen jeßt den Versuch zur Jnsurrection machen würden, wenn die bewaffnete Macht in der Provinz nicht so bedeutend wäre. Sie wissen sehr wohl, daß, wenn sie jeßt ihre Unabhängigkeit und abgesonderte Nationalität nicht erringen, sie die Hoffnung darauf für immer aufgeben müssen. Sie wissen, wie durch) ihre offene Erklärung, daß sie unter dem Vorwande einer Re- präsentativ: Verfassung nach ihrer Unabhängigkeit strebten, die Britische Regierung in die Nothwendigkeit verseßt worden ist, entweder die Kolonie ohne Weiteres aufzugeben, oder unver- weilt Maßregeln zu treffen, um sie zu einer durh und durch Britischen Provinz umzugestalten.“/ Dieser Artikel des mini- steriellen Blattes giebt eine vollständige Anschauung von dem gegenwärtigen Zustande der Dinge in Kanada, wie ihn die mit dem „Garri>‘/ angelangten Nachrichten darstellen; an déetail- lirten Berichten fehlt es fast gänzlich. Bis jeßt hat sih, wie es scheint, bei den Französischen Kanadiern selbst noch nichts von einem neuen Jnsurrections - Versuch merken lassen, und man will wissen, daß sie nur auf den Frost warteten, der ihren Unternehmungen auch im vorigen Jahre so sehr zu Statten kam. ittlerweile ist von den durch Lord Durham Verbann- ten schon einer, Namens Perrault, wieder zurückgekehrt, da er jeßt, na<h Aufhebung der bekannten Verordnungen des Gene- ral-Gouverneurs, nichts mehr ju fürchten hat. Man zweifelte nicht, daß ihm seine Genossen binnen kurzem folgen und ihren früheren Einfluß auf die Französischen Kanadier nicht ruhen lassen würden.

Niederlande.

Amsterdam, 26. Nov. Dem Avondbode wird aus Brüssel vom 23. d. gemeldet: „Man vernimmt aus guter Quelle, daß König Leopold sih nochmals nach Paris begeben will. Die Belgische Regierung wird unterdeß im Sinne der Adresse der Repräsentanten-Kammer handeln. Mchrere Gene- rale und Ober- Offiziere, die seither nicht in Aktivität gewesen, ind nah dem Kriegs - Ministerium beschieden worden. Es cheint sogar, daß man den Plan hegt, dem General Daine den Befehl über einen Theil der Armee zu übertragen.“

Amsterdam, 2B. Nov. Da diese Woche hinging, ohne daß icgend etwas Bestimmtes oder Entschcidendes über die Berhaud- lungeu der Konferenz in London betanni wurde, so ist es mit dem Handel iu Staa!s- Papieren ziemlich still gcweseu, und es eutstand, wie gewöhnlich in solchen Umständen, cinige Flaubeit in deu Cour- sen. Fategra!e erhielten sich mehrere Tage auf 5313/5, geslern mcin- ten Viele, in deu Französischen Biättern cine ungüistige Stimmung wahrzunehmen, welches neben den legien etwas niedrigeren Notirun-

en vou London bei cinigen Sp:kulauten Besorgniffe z1 erregen chien, weshalb sie sich zum Verkaufen dräugten ; 6s fanden sich jedoch auch Käufer ein, die vicle Particea an sich brachten, so daß sich je- nes Effekt am Ende auf 53'/z behauptete; Kauzbillets machteu die» sclbe Bewegung mit und wichen von 24'/1@ Fl. auf 233, Fl. Auf SZprocentige wirkliche und Oslindishe Schuld machte dies wenig Ein- dra>; von leyterer ging der Couré, welcher wegen mehrerer Unfkäufe bis 995/, pCt. gestiegen war, ‘nur um */z pCt. zurü>. Actien der Handels-Gesellschaft verfolgten den besseren Gaug der vorigen Woche dis 176!/, pCt., doch theilten sie die gestrige Bewegung und konnten am Schluß der Börse uur 175'/, pCt. gelten. Die Aclien der Haar- lemer Eisenbahn haben diese Woche einen erheblichen Fall erlitten, cin panisher Schre>en schien die Juhaber ergriffen zu haben. So schr drängten sich einige zum Verkaufen, daß sie mit 92 pCt. vorlieb nahmen :' seitdem legt mau aber wicder 94 pCt. au. Der Preis der Spanischen Ardoin : Obligationeu wich von 16'3/, e auf 167/16 pEt-, der Coupons von 9/4 auf 99/1 g pTt.z passive Schuld ivurde zu 37/s pCt. vergeben. Süd - Amerikanische Obligationen blieben, mit Aus- nahme der Columbischen, die mit 16!/, pCt. bezahl sind, fast ganz ohue Umsay; der Geld-Cours steht auf 3 bis 33/, pCt.

Am Getra¡idemarkt war es mit Weizer diese Woche fill, indem nur weniger Verbrauchshandel zu vorigen Coursen vorfiel; der zulcyt cingetroffene Preußische Roggen wurde etwas billiger abgelassen und lo>te deshalb Käufer; die Ungewißheit, ob die falte Witterung die Versendungen hemmen möchte, schien Einfluß auf den Kandel mit unter Schloß liegendem Getraide zu baben. Gestern ijt bezahlt: für 131pfünd. Pommerschen Weizen 370 F!.; 124pfünd. bunten Eyder- sen 330 Fl.; 133pfünd. Kubanka-Weizen 325 Fl.; für 123pfünd. neu angefommenen Preußischeu Roggen im Konsumpt 233 Fl. ; 117pfünd. alten dito 227 Fl.; 11ápfünd. alten getrö>neten 200 Fl.; 89pfünd. Tee Haste alt 105 Fl.; 82pfünd. Dänischer #68 Fl.; Lopfünd. Fut:

rhafer -

Belgien.

Brüssel, 23. Nov. Die Herren J. Skrine und W. Camp- bell-Gillan, Mandatare einer Gesellschaft angesehener Kapita- listen, unter denen si die dedeutendsten Banquiers“ von Lon- don befinden, sind dieser Tage vom Könige in seinem Schlosse u Laeken empfangen worden und haben Sr: Majestät den Plan zur Gründung einer A R Bank vorgelegt. Der Zweek der Bank soll die Förderung und Erweiterung der Handels-Verbinduugen zwischen England und Belgien und be- sonders die Ecleichterung der Geldgeschäfte seyn. Der König hat die Deputation aufs huldvollste empfangen.

Die Belgischen Zeitungen fangen än, einen gewaltig krie- gerischen Ton anzustimmen. Die Emancipation will den Mi- nistern no<h mehr Geld bewilligen, als sie verlangen, nur soll- ten sie rasche Maßregeln treffen. Der Commerce Belge läßt 40,000 Franzosen an die Nordgränze vorrücken ; alle Armee- Lieferanten, sagt er, seyen in Thätigkeit, und die Magazine würden gefüllt. Der Jndépendant kann nicht begreifen,, daß ein so vernünftiges Blatt, wie die Pariser ministeriell gesinnte ¡„„Presse’’, eine Abänderung der Territorial - Bestimmungen in dem Traktate der 24 Artikel unmdglich und das Bestehen dar- auf unpassend finden könne.

Der Muntzipal-Rath von Ostende hat einstimmig beschlos- sen, drei Abgeordnete aus seiner Mitte nah Brüssel zu schi>ken, um bei der Regierung die Ermächtigung zur Annahme der Vorschläge nachzusuchen, welche der Stadt von verschiedenen

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Gesellschaften und von dem Herrn Benazet, dem bekannten Spielpächter, gemacht worden sind und den Zweck haben, in Ostende während der Badezeit Spielbanken zu halten. Die Gesellschaften erbieten ih, auf dem Deich Reduten und Pa- villons auf ihre Kosten zu bauen, shône Feste zu geben und monatlih an die Munizipalität eine bestimmte Summe zu zahlen, wovon ein Theil fär die Armen bestimmt seyn soll.

Das Zuchtpolizeigericht von Löwen hat jeßt sein Urtheil in der

Sache des Herrn Ries gefällt, der wegen einer in betrügerischer Absicht verdfentlichten falschen telegraphischen Depesche über die angebliche Einnahme von Estella zu gerichtlicher Verantwortung gezogen war. Das Tribunal hat sich kompetent und den Herrn Ries für \{uldig erklärt, daß er jene telegraphische Depesche bekannt gemacht habe, von der er wußte, daß sie falsch sey, in

der Absicht, dadur auf den Cours der Staatspapiere zu wir-

fen. Jn Anwendung des Art. 419 des Strafgesezbuches wird

demnach Herr Ries zu sehsmonatlicher Haft, 500 Fr. Strafe

und in die Kosien verurtheilt. Die leßteren sind bedeutend, da alle Zeugen, selbst die ersten Banquiers, ihre Gebühren reflamirt haben, die Brässeler zu 6, die Antwerpner zu 12 Fr.

Aus Tournay schreibr man vom 22. November, daß an dem Morgen dieses Tages 15 Arbeiter des Herrn Dumon- Dumortier úber die Schelde schiffen wollten, und daß, als sie in die Mitte des Flusses gelangten, der Kahn zu s<wa<, um so viele Menschen zu tragen, umschlug und nur 7 sich retteten, die übrigen 8 aber, sämmtlich Familienväter, ertranken.

Ephoren dem Ober-Siudienrathe nicht untergeordnet sind, dern daß sie, wenn sie es sahgemäß finden, ihre Vorlagen unmit, telbar an das Ministerium des Jnnern geben können. Kassel, 21. Nov. Das Standbild des heiligen Bonifa, cius, des Apostels der Hessen und Thüringer, welches zu Fuld aufgerichtet werden soll, ist von Berge Meisterhand vollen, der und wird nächstens zu seiner Bestimmung abgehen. Gotha, 27. Nov. (Goth. Z.) Aus Elgersburg wi uns unterm 24sten d. Folgendes mitgetheilt: Die hiesige Kal, wasser: Heil-Anstalt, unter der thätigen Leitung des Dr. Piutj war im vergangenen Sommer sehr zahlreih besucht; aus vez, schiedenen Gegenden Deutschlands und selbst aus Prag ynz Comorn in Ungarn befanden sich Badegäste hier. Die Zohl der aufgenommenen Kranken belief sich auf $2, wovon tinize noch jeßt hier verweilen, und den Winter hindurch die K gebrauchen. Im Allgemeinen lieferte die diesjährige Kur sthe únstige Resultate. Ünter den zahlreihen Fremden, woruntg Aerzte des ersten Ranges, aus Berlin, Mainz, Meiningen Gotha, Erfurt, Weimar 2c., die Elgerêburg besuchten, war au<h Se. Durchlaucht der regierende Fürst Günther vez

Schwarzburg-Sondershausen mit seiner Durchlauchtigsten Fray

Mutter und zweien Prinzen. Die angenehme; und selbs

Der Dienst auf der Brässeler Cisenbahn wird jeßt mit gro- |

ßer Schnelligkeit und Regelmäßigkeit betrieben. 4 Stunden 10 Minutea von Brüssel nach Ostende.

tan fährt in

Die Einfuhr des Weizens nach Belgien ist gegenwärtig

völlig frei; die Ausfuhr ist verboten. Roggens" ist eine Zoll-Abgabe von 21 Fr. 50 Cent. auf 1000 Kilometer gelegt.

Schweden und Norwegen.

Stockholm, 20. Nov. (Börs. H.) Se. Majestät ha- ben nunmehr die Comité-Mitglieder zur Entwerfung einer den Reichsständen in ihrer nächsten Session vorzulegenden neuen Armen-Ordnung für das Königreich ernannt.

Die Abreise des Königs nah Norwegen soll no< weiter bis zum d. Dezember ausgeseßt seyn.

Deutschland.

Darmstadt, 28. Nov. ( Telegraphische Nachricht.) Jhre Königl. Hoheit die Prinzessin Karl von Hessen und bei Rhein ist heute Vormittag 10 Uhr von einem Prinzen glücklich entbunden worden und befindet sih nebst dem neugebornen Prinzen den Umständen nach wohl. ,

Dresden, 28. Nov. Se. Majestät der König hat dem Professor Dr. Marx in Berlin, für die Ueberreichung lei- nes Werks „über musikalische Composition‘, die goldene Ver- dienst - Medaille, nebst einem sehr schmeichelhaften Kabinets- Schreiben zugesandt.

Die Bayerische Pianistin, Fräulein von Diet, hat hier

nun auch ein dffentliches Konzert mit vielem Beifall gegeben, und wird nächstens nah Berlin abgehen. Leipzig, 29. Nov. Die Personen - Frequenz auf der Eisenbahn hat in der letten Zeit bei der rauhen Witterung nicht unmerklich abgenommen; nach der Ei r e vom 18ten bis Zsten d. M. betrug sie in zusammen 58 Fahrten 3779, wo- von bei 30 Fahrten auf ZOPDS 2007 und bei 28 auf Dreéden 1772 kommen. Die Leipzig - Dresdner Eisenbahn - Actien erhal- ten sich gegenwärtig auf ungefähr 90 pCt., werden auch in der nächsten Zeit schwerlich einen höheren Cours gewinnen.

Ueber den Proze) der Buchhandlung Brockhaus gegen de Bowens wegen Edition des Congrès de Verone von Chateau- briand berichteten wir bereits früher. Gegenwärtig is, wle verlautet, die frühere Entscheidung des -hiesigen Stadtgerichts, welche die Kläger abwies, den von diesen behaupteten Nachdruck des Franzdsischen Werks nicht anerkannte und mithin die Klà-

er als berechtigte Herausgeber des leßteren nicht ansah, vom dheren Gericht bestätigt.

Die hiefige Asphalt- Gesellschaft hat in den lezten Tagen eine große Genugthuung dadurch erhalten , daß der innere Raum des Rathhaus-Durchgangs mit Asphalt gepflastert wor- den is. Wahrscheinlich wird nächstens bei anderen dffentlicheu Gebäuden ebenfalls diese neue und eben so dauerhafte als we- nig kostspielige Pflasterung angewendet werden.

Stuttgart, 24. Nov. Se. Durchlaucht der Prinz Peter von Oldenburg ist mit seiner Gemahlin zum Besuche bei der Königlichen Familie gestern Abend hier eingetroffen und in dem Königlichen Residenz-Schlosse abgestiegen.

Das Württemberger Regierungsblatt vom 23. Novem- ber enthält von Seiten des Finanz-Ministeriums eine Darstel- lung der E grr-vie. winboufe ave pr: der Staatsschulden - Zahlungs- Kasse von 1837—38, wonach sich am 30. Juni 1837 die ‘Passiv- Kapitalien beliefen auf 24,663,014 Fl. 43! /, Kr. den aus dem Tilgungs-Fonds abgelöst 308,812 F

Hiervon wur- l. 6 Kr. Die

Passiv-Kapitalien beliefen sih am 30. Juni 1838 auf 24,354,202 | ahre 1837— 38 |

F1l. 37/4 Kr. Davon werden nah den im Jah

eingetretenen Veränderungen verzinst: zu 5 pCt. 515,920 Fl., zu

E 23,378,210 Fl. 37!/, Kr., zu 3!/, pCt. 455,900 Fl., zu 2 pet.

Hannover, 27. Nov. (Hannov. Z.) Se. Majestät der König sind gestern Nachmittags halb vier Uhr im höchsten Wohlseyn von der Göhrde und Gartow hier wieder eingetroffen.

“Baden, 21. Nov. An sämmtlichen Gelehrten: Schulen unseres Landes sind aus der Mitte der Einwohner des Ortes, wo die Schule sich befindet, sagaligtate Ephoren aufgestellt wor- den, die im Allgemeinen den Beruf haben, über den sittlichen Zustand. der Schule, über die Aufrechthaltung der gesetzlichen Ordnung und Vollziehung des Schulplanes zu wachen. Zu diesem Zwecke sollen sie, ohne zu einer regelmäßigen Theil- nahme an den laufenden Geschästen der Administration oder zur speziellen Beaufsichtigung des Unterrichtes verpflichtet zu seyn, sich in fortgeseßter Kenntniß des Geistes und Zustandes der Lehr - Anstalt im Allgemeinen zu erhalten suchen, um diese ihre Mitwirkung in ihrem Verhältnisse zur Schule, zu den Be- hörden des Ortes, so wie zu den leitenden Behörden bethätigen zu können. Insbesondere haben die Ephoren darüber zu wachen, daß die Lehrer in dem Geiste der sittlichen und gese6lihen Ordnung wirken, daß sie - keiner ihrem Berufe fremdartigen Richtung sih hingeben, sondern in

intracht und übereinstimmender Thätigkeit das Beste der Schule fördern. Hinsichtlich der Schüler soll die Aufmerksam- keit der Ephoren darauf gerichtet seyn, daß die bestehenden Disciplinargeseße der Schule gehdrig gehandhabt werden; daß kein Geist der Rohheit und Unfolgsamkeit unter ihnen auffomme, so wie, daß fie keiner ihrem Alter und ihren Verhältnissen fremdartigen Richtung sich hingeben. Ausgefallen i, daß die

Auf den Eingang des

romantische Lage von Elgersburg, so wie der Reichthum ay unvergleichlih reinem und frischem Quellwasser begünstigen daz Gedeihen det Wasser - Heil - Anstalt ungemein. Es können ge genwärtig etwa 70 Badegäste bequem untergebracht werden.

Hamburg, 27. Nov. Die Ober-Elbe ist bis an die Fe del mit Eis belegt, von wo man schon diesen Morgen mit klei nen Handschlitten bis Rothenburgsort herübergekommen if, Auch der Reiherstieg ist mit Eis bede>t, der Köhlbrand is ny noch bis Altenwärder ofen, woher noch heute die Milch: Eye hier angekommen und wieder abgefahren sind. Von Hatbury aber bis Lauenbruch hat sich das Eis ebenfalls festgeseßt, daht die Harburger Post zu Lande über Wilhelmsburg befördet wird.

Oesterreich.

Wien, 24. Nov. Herr Milbank, bisher erster Su cretair der Englischen Botschaft in St. Petersburg, und seit der Abreise Lord Durham's Geschäftsträger am Kaiserl. Russi hen Hofe, ist in diesen Tagen eingetroffen, um hier die bis L von Herrn Fraser bekleidete Stelle des ersten Bot)chafts:

ecretairs einzunehmen. Lebßterer ist nach Florenz bestimmt. Herr Brassier de St. Simon, Königl. Preußischer Minister- Resident am Griechischen Hofe, ijt verflossenen Dienstag von hier nach Triest abgereist, von wo er sich auf dem am I. De zember nah dem Pyräus abgehenden Lloydschhen Dampfschiffe nah Griechenland einzuschiffen gedenkt. Der Oesterreichische Gesandte in Athen, der als Reisender und Schriftsteller bs kannte T, von Prokesch-Osten, wird, dem Vernehmen nach, fommenden Frühling seinen Posten mit Urlaub verlassen, um einigt Monate hier Jungen Gestern wurden vor der St. Marxer: Linie mehrere Versuche mit der von dem Banguier Sina aus Nord- Amerika verschriebenen Lokomotive angestellt, welche sämmt lih zur Zufriedenheit der Anwesenden ausfielen. Der Lôösunz des großen Problems, Dampfwagen ohne Rails mit praktischen Nuten zu gebrauchen, ward dadurch jedoch nicht näher gerüdt, Diese Aufgabe scheint überhaupt im Gebiete des Unerreichba ren zu liegen. Der durch seine Memoiren und den lebhas ten und konsequenten On an den Französischen Kriegen be kannte General Baron Crossard beschäftigt sich seit geraume} Zeit mit Sammlung aller auf jene Frage bezüglichen Daten; man zweifelt jedo, daß es ihm gelingen werde, den Zwed seiner Studien zu erreichen.

Die Prager Zeitung vom 27. November berichtet von der Banatischen Militair-Gränze. Das neue Jllyrisch-Banati he Gränz, Bataillon, dessen Errichtung Se. Majestät der Kal ser mit der Allerhöchsten Entschließung vom 9. Februar 1838 zu genehmigen geruhten, is in seiner provisorischen Einrichtung mit dem 1. November d. J. ins Leben getreten. Zur Form rung dieses selbstständigen Bataillons hat das Wallachisch-Jlly rische, von nun an „„Wallachisch-Banatische/‘/ Gränz- Regiement vier, und das Deutsch-Banatische Gränz-Regiment zwei Com pagnie-Bezirke abgetreten. Die Uebergabe der Compagnieen at den neu ernannten Bataillons-Kommandanten, Herrn Oberst Lieutenant Rafkittievics von Toplicza, wurde am besagten Tage in der Mikitair-Kommunität Weiskirchen, dem Stabs-Orte dei Bataillons, von den Kommandanten der erwähnten Regimen ter, den Herren Obersten Roth und de Garces bewerkstelligt; es geschah dies unter den Augen des vom Banatischen Milk tair:-General-Kommando hierzu delegirten Truppen-Divisionairs, Herrn Feldmarschall: Lieutenants Baron Mihalievics. Die Bür! gerschaft von Weiskirchen, welche die Ausstellung des Batail lonsstabs in der Kommunität mit Recht als eine große Begúüw stigung erkennt, veranstaltete am Vorabende jenes Tages ein Jllumination, am Tage selbst aber im Rathhause ein Din auf mehr als hundert Gedecke.

Einem Schreiben der Allgemeinen Zeitung aus Ra gusa vom 6. November entnehmen wir: „Für jeßt herrs<! sowohl hier in Ragusa als in Cattaro die allgemeine Meinunÿ daß vor der Hand an keinen Wiederausbruch der Feindseligke& ten mit den Montenegrinern zu denken sey. Sie haben de Muth und die Gewandheit der Oesterreichischen Feldjäger 1 Handhabung der Waffen kennen und achten gelernt. Vor dét gezogenen Kugelröhren der Scharfshüßen sollen sie einen gt waltigen Respekt haben. Augenzeugen versichern, daß in den Augenbli>e, als unsere Jäger mit gefälltem Bajonnet auf eit! von ihnen beseßte Anhöhe losstärmten, sie von einem fast ko mischen Schre>en ergriffen wurden. Nur gewohnt, hinter F& sen und Gesträuchen auf ihren Feind zu lauern, taugen sie nid! zu einem Kampfe, wo der Mann dem Manne gegenüber steh! Jhre Flinten sind sehr lang, und der Schaft so gekrümmt un) leicht, daß man keinen sicheren Schuß thun kann, wenn m! auf gewöhnliche Art schießen würde. Man schießt daher au! diesen Gewehren gewöhnlich in sizender Stellung, indem m! den Flintenlauf auf einen Stein stüßzt. Wo es der Boden g? stattet, ste>en die Montenegriner den Hantschar in die Erdé, dessen Griff êtwas ausgeschweift ist, so daß man zum Stoßet den Daumen, zum Schießen aber den Flintenlauf hineinlege! kann. Man kann diese Art zu schießen in ganz Dalmatien a" Kirchweihfesten schen. Da man auf den Angri der Montent griner nicht vorbereitet war, so wurden weder Gebirgskanontl noch Congrevesche Raketen gebraucht. Würden sie jet komme so würden sie ganz anders empfangen werden. Die vielzüngis! Fama hat aber die Sache übertrieben. Nicht gegen 200 Mon tenegriner sind umgekominen, sondern nur 40, verwundet wW den deren 15, so wenigstens wurde bis jeßt ausgemittelt. Ds bestandene Gefecht ist also unbedeutend zu nennen, im Vergleid mit den ernsthaften Affairen, welche vor ein paar Jahren 4" der Türkisch- Kroatischen Gränze stattgefunden hatten. Se

onat August besteht eine regelmäßige Dampfschifffahrt dem imatien welehe eine wahre Wohlthat für das Land ist. Das Boot kommt monatlih zweimal von Triest und fährt bis Cattaro. Viele Eingeborne, welehe sich ihr Lebenlang aus ihrem Mohnort nicht fortbewegt hätten, besteigen das Schiff, um auf eine hôchst bequeme Art eine schr angenehme Reise zu machen.

Spanien.

Madrid, 16. Nov. Am Uten d. M. wurde in der Des utirten-Kammer, am Schlusse der Si6ung, der Adreß-Entwurf L Beantwortung der Thron - Rede verlesen. Es heißt darin, Ea habe aus dem Quadrupel-Traktat nicht allen Vortheil ge- zogen, den uan davon habe erwarten können; es wird sodann darauf hingewiesen, daj man in dem Patriotismus diejenigen Hülfsmittel suchen müsse, die man vom Auslande nicht erhalten ftônne. England erhält großes Lob fr seine Bemühungen, die Anerkennung Spaniens durch die Pforte zu bewirken. n der eutigen Sißung erhielten die Herren Olozaga und Seoane die Erlaubniß, den Antrag zu stellen, daß zu dem Paragraphen der Adresse, welcher von den Unterhandlungen mit Don Carlos andelt, hinzugefügt werde: „Man wird mik Don Carlos oder seiner Familie niemals einen Vergleich eingehen. Dieser Stelle wegen soll es zwischen den Herren Martinez de la Rosa, Olozaaa und Seoane bercits zu heftigen Auftritten gekom-

eyn. . i

W Oa Morning Chronicle enthält ein Schreiben ihres Madrider Korrespondenten vom 1. Novewber, worin es heißt: „„Die Cortes hielten gestern nur eine furze Sibßung. Die erwarteten Diskussionen über den Belagerungezustand der Hauptstadt und uber die Vernachlässigung der Provinzen La Mancha und Toledo fanden nicht statt, weil die Minister nicht in der Kammer erschienen. Gegen den Schluß der Sibung zeigte der Präsident der Kammer an, daß er eine Botschafc von dem Kriegs-Minister erhalten habe, worin derselbe melde, daß er am láten oder am nächsien Tage in der Kammer erscheinen werde, um auf die beabsichtigten Jnterpellationen des Herrn Martin und des Grafen de las Navas zu antworten. Wie man hört, haben nun die Minister, um diesen Jnterpellationen zu entgehen, nicht nur der in der Nähe der Hauptstadt befindlichen Brigade der Re- serve- Armee befohlen, nah der Provinz Toledo zu marschiren, sondern auch beschlossen, den Belagerungs-Zustand von Madrid aufzuheben. Das gemäßigte Ministerium hat dadurch, daß es niemals eher eine nübliche oder. eine Vorsichtsmaßregel ergreift, als bis der Wille des Volks es dazu zwingt, das Land beinahe dem Don Carlos in die Hânde geliefert und die Bewohner fast zur offenen Empörung gebracht. Jn Abwesenheit der Mini- ster beschäftigte sich die Kammer mit dem in der vorigen Ses: sion nicht beendigten Gesez-Entwurf über die Verminderung der Besoldungen ehemaliger Staatöbeamten und namentlich der ge- wesenen Minister, deren es jezt in Spanien 120 bis 130 giebt. R Aubedo und der Graf de las Navas warfen dem vorigen Ministerium und nameautlich dem Ex-Finanz-Minister Mon vor, in der leßten Session der Erledigung dieser Frage Hindernisse in den Weg gelegt zu haben. Herr Castro suchte den Herrn Mon zu entschuldigen und der Geseb - Entwurf wurde endlich der in der vorigen Session damit beauftragten Kommission über- wiesen. So viel sich bis jezt aus dem Geiste der Kawmer schließen läßt, dürfte es in dieser Session zu hestigen parlamen- tarischen Kämpfen kommen.“

Spanische Gränze. Den Mémorial Bordelais wird aus Oléron geschrieben , daß Cabrera am 1T7ten in Cala- tayud eingerúcft und von dort mit 16,000 Mann, worunter 900 Kavalleristen, nach Madrid aufgebrochen sey. Merino, Balma- seda und wahrscheinlih sämmtliche Karlisten der Provinzen Avila und Mancha unterstüßen diese Bewegung.

Das Mémorial des Pyrénées meldet aus Madrid, daß, einem dort verbreiteten Gerüchte zufölge, die exaltirte Partei eifrig bemúht sey, die National-Garde dahin zu bearbeiten, daß dieselbe die Cortes in einer Adresse aufsordere, den Prinzen Louis Bonaparte nach Madrid zu berufen und ihm den Ober- befehl úber die dortige National-Garde zu übertragen.

Der General van Halen forderte bekanntlich vor kurzem den Cabrera in einem Schreiben auf, das Erschießen der Chri- stinishen Gefangenen einzustellen, widrigenfalls man die 10,000 Karlisten, welche sich in den Gefängnissen der Christinos befän- den, werde über die Klinge springen lassen. Cabrera hat nun hierauf geantwortet und erinnert in seinem Schreiben zuvörder\è an die Mäßigung, die er stets gegen die in seine Hände gefal- lenen Christinos bewiesen. „Jch habe,“! sagt er, „bis jeßt stets das Beispiel der Milde, der Sanftmuth und des Mitleidens gegeben. Meine angebliche Grausamkeit hat 3015 Personen das Leben erhalten, die ih zur Sühne für die barbarische Hinrich- tung einer so großen Anzahl der Meinigen durch die Christinos ebenfalls hâtte dem Tode weihen können.’ - Am Schlusse des Schreibens droht er. jedoch, er werde, wenn man noch einen einzigen Karlistischen Gefangenen erschieße, Repressalien gebrau- <en und mit dem Bruder des ehemaligen Finanz - Ministers Mon den Anfang machen.

Türkei.

Konstantinopel, 9. Nov. (Allg. Ztg.) Der Admi- ral Roussin ist in stetem Verkehr mit der Pforte; er unterhan- delt, wie ‘schon gemeldet, wegen des Beitritts Frankreichs zu dem Türkisch-Englischen Handelsvertrage, den er, wie es scheint, in seinem ganzen Umfange annehmen wird. - Dec Admiral

“Roussin, welcher mit Lord Ponsonby gespannt gewesen, ist zet

wieder in fceundschaftliche Berührungen mit ihm getreten. Die Pforte hat dadurch freiere Hand bekommen, und wird nun mit mehr Nachdruck die Abschaffung des Monopolwesens betreiben. Sie wird freilih dabei auf viele Hindernisse stoßen und viele Gewandheit und Kraft entwi>keln müssen, um eine in alle De lgen Verhältnisse so eingreifende Maßregel durchzuführen. Die

ereitwilligkeit Mehmed AÄli's, sich der Abschaffung der Mono- pôle nicht zu widerseßen, wollen Manche ais ein wohl úberlegtes Stratagem ansehen, um die Autorität der Pforte nach und nah in Mißkredit zu bringen, indem der verschmikte Pascha jeßt allen Anhängern der Monopole, wozu das ganze Beamten- heer und der Klerus gehören, insinuiren kann, daß cr nie der-

“gleichen gewagt hätte, wenn er an der Stelle des Sultans

wäre, daß er aber bei den obwaltenden Umsiänden sich in des- sen Willen fügen müsse, so sehr es ihn auch \{merze, und daß tr von der Zeíc für das allgemeine Beste Abhülfe hosse. Diese Zeit zu beschleunigen, wird er nicht unterlassen, sobald er sich von der Wirkung überzeugt hat, welche die M e mea Maßregel im gesammten Lande machen muß. ier hôrt man hon murren, weil man aicht zu handeln wagt; in den Provinzen kann man aber gefaßt darauf seyn, daß es nicht beim Murren bleibt. Solchergestalt können die guten Dienste Englands leicht zu ei- ner allgemeinen Verwirrung führen und den Sultan ausrufen

| ches einzugehen.

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| lassen: Gott bewahre uns vor unsern Freunden! Jch weiß recht

gut, daß die Englischen und die Französishen Journalisten an- ders darüber denken, daß sie solhe Bemerkungen als erkauft oder abgedrungen bezeihnen werden. Wenn man aber an Ort und Stelle ist und Augen hat zum Sehen, Ohren zum Hören, so müßte man gerade der Parteilichkeit oder Feilheit bezüchtigt werden, wenn man das Gegentheil behaupten und der dfentli- chen Meinung in Frankrei<h und England zu Gefallen seine Be- trachtungen verleugnen wollte. Die Pforte, sage ih, versucht ein gefährliches Spiel; die Folge wird es lehren. Es sind hier allerlei Gerüchte von Unruhen ín Umlauf, die am Kauka- sus stattgehabt und Maßregeln von Seiten Rußlands veranlaßt haben sollen, welche die shleunigste Unterdrückung derselben zu

| bezwe>en suchen. Noch MOSREE hieß es, daß die militairischen

Rüstungen, die in Folge der Complicationen, welche in Persien besorgt wurden, angeordnet waren, eingestellt worden seyen. Jes6t behauptet man, daß in Folge der angeblichen Unruhen neue Truppen - Sendungen nach dem Kaukasus nothwendig er- achtet worden sind.

Aegypten.

Alexandrien, 3. Nov. (A. Z) Das gestern hier ein- gelaufene Englische Dampfboot brinat die Mittheilung, daß in Alexandrette in Syrien ernstlicher Zwist zwischen dem dortigen Aegyptischen Statthalter und dem Englischen Konsul ausgebro- chen sey. Die Details werden folgendermaßen angegeben. Ein Aegyptisher Marine- Soldat hatte sich erlaubt, die Schwelle des Konsularhauses zu verunreinigen; die Diener des Engli- schen Konsuls trieben ihn for. Es kamen nun noch mehrere Aegyptische Soldaten herbei, ein Handgemeng“ entstand, der Konsul eilte dazu, um den Streit beizulegen, wurde aber selbst nicht geschont und übel zugerichtet. Die bei dem Gouverneur sogleich gemachte Anzeige blieb ohne Erfolg; die Mannschaft mehrerer Englischen Schisse mischte sich auch darein, und es kam nun zu heftigen Schlägereien. Auch drängten sich die Land-Solda- ten mit ihren Offizieren dazu, mißhandelten die Familie des Konsuls, drangen gewaltsam auf die Terrasse, und hieben die Stange mit der Englischen Flagge um. Der Engusche Konsul trug -eine Wunde am Kopfe davon; der Französische Konsul, der den Engländern zu Hö!fe eilte, wurde gleich wenig geschont und vermochte uichts auszurichten. Man ist auf den Ausgang gespannt, über den wir no<h ohne Nachricht sind. Jn Kan- dien waren die Aufcritte ernstlicher, als man früher glaubte; ih theile Jhnen die Einzelnheiten mit, sobald ih etwas Au- thentisches hôre; was wir bis jet wissen, kommt mehr von mündlichen Berichten.

Vereinigte Staaten von Nord-Amerika.

New-York, 26. Okt. Das hiesige Journal of Com- merce enthält einen Artikel úber den Sundzoll mit der Unter- chrift: „Ein Freund der Handelsfreiheit.““ er Verfasser klagt über die Belästigungen, welche dieser Zoll dem immer mehr zu- nehmenden Handel der Nord - Amerikanischen Freistaaten mit den Ostseeländern auferlege. Der ursprüngliche Termin des Traktats ist nämlich mit dem 26. April 1836 abgelaufen, in dem Traktat aber die Bestimmung enthalten, daß er so lange in Kraft bleiben solle, bis er von der einen oder der anderen Seite aufgekündigt werde, und no<h ein Jahr länger. Der Verfasser jenes Artikels meint nun, diese Kündigung sollte Ame- rikanischer Seits sogleich erfolgen, fordert aber, falls dies un- terbliebe, alle Amerikanischen Rheder und Kaufleute auf, in der nächsten Session sih deshalb an den Kongreß zu wenden.

Wissenschaft, Kunst und Liceracur.

Geschichte der neueren Heilkunde von Dr. J. F. C. Hecker, Professor an der Universität zu Berlin u. \. w. Berlin, 1839. gr. $8 XVI und 614.

Bei den in der jüngsten Zeit so häufig vernommcnen Klagen iber Verflachung und Entivürdigung der ärztlihen Kunst, Kla- gen, die leider scibs aus dem nichtärztiihen Publikum ia einem laut vernehmbaren Echo wiedertöuten, gewährt es keine geringe Beru- bhigung und Tröftung, daß gerade jeut verschiedene ausgezeichnete Mänuer den historischen Studien in der Heilkunde, in deuen sie mit Nécht die sicherste und kräftigste Gegenwehr gegen Einseitigfkcit, Frr- tbum und aufgeblasene Mittelmäßigkeit erkanuien, ihre Aufmerksam- feit und ihren Flei wieder zuzuwenden augefangen haben. Obenan unier diesen das Bessere ccstrebenden uud beförderuden Gelehr- ten steht der Mame unseres Hecker, der als eigentlicher Schöpfer der historischen Pathologie zu betrachten ist und durch seine ge- diegeuen Forschungen auf diesem Gebiete vielfach dazu beigetragen bat, die Erscheinungen des ?canfen Lebens im Großen, als Eigenthum der Gesammtheit des Men schengeschlehts, aufzufassen, und so den Aerzten jenen höheren Standpunkt anzuweisen, von wo aus allein es ibnen mögli wird, ihrer Wissenschaft eine edlere Gestaltung und Richtung zu geben. Die Beobachtung durchgehender Lebensstimmun- gen, der (Krankheits-) Constitutioneu, wie man sie nennt, lieferte von jeher eine charafteristische Abspiegelung des ganzen Zeitgemäldes und fomit auch cincu treuen Abdru des Zustandes der heileuden Kunst. Fa, auf leßtere üben stets jene verborgenen Regungen in der Ent- wicelung des Menschengeschlechts cinen so unverkenubaren Einfluß, daß gerade die besien Lehrgebäude der Uerzte sih nach ihnen durch die Natur selbst gestaltet haben, und in ihren Grundzügen stets den constitutionnellen Genius erkennen lasseu. Hieraus ergiebt sich, was der Verfasser mit Recht hervorhebt, daß die Natur selbst, wie sle sich in den wechselnden Lebensstimmungen der Menschen offenbart hat, und nur sie allein, als der erste Maßstad aller ärztlihen Lehren und Schulen- betrachtet werden muß, Ja diesem unbestreitbaren Grundsage ift dem historischen Studium der Heilkunde die Richtung vorgezeichne*, die es zu nehmen hat. Es ift ein wirkliches Natur- Sindíum, und die Geschichte der medizinischen Theorieen geht dem- nach mit der historischen Pathologie Hand in SON Diese Jdeen, welche die Vorrede entwickelt, hat der Verfasser in seinem Werke

| praktisch auszuführen sich bemüht, und sein Streben ist ein ge-

tungenes zu nennen. Tendenz uud Raum dieser Blätter gestatten nit, bier ia cine spezielere Würdigung des vorliegenden, mit Kritik, Sachkenutuiß und c<tem Duelienstudium geschriebeneu Bu- Doch verdient es Erwähnung, daß, troy der tief- gelehrten Untersuchungen des Verfassers, sein Werk auch für den ge- bildeten Nichtarzt versiändlich und unterhaltend bleibt, da der edle, flicßende Styl desselben dem Bache zu a ubs is, der, aus tiefem Fel- sen entsprungen, in riner Si!berkiarheit ruhig dahinfließt, ohne daß man seiner Strömung die Gewalt ausähe, mit der er sich erst durch das mächtige Gestein den mühfamen Weg zu bahnen hatte.

Deu bier in der Kürze gegebenen Andeutungen gemäß, sind nun im vorliegenden Bande zunächst die Volfsfrankheiten von 1770 dargestellt, die vor Heer als eiue höchst bedeutsame, die Völker vom Ganges bis in die Urwälder Nord - Amerika?s um- fassende Gesammterscheinung bis jeßt noh nicht erkannt worden sind. Fhrer ausfügorlichen uud belebrenden Schilderung schließt sich die der Wiener Schule unter van Swieten, de Haun und Stoll (1740 1785) an, über die jedoch ein richtiges Vrtheil ers möglich seyn dürfte, wenn der Verfasser die Fortsegung seines Werkes, wozu wir ihm Muße und Gesuudheit wünschen, geliefert haben wird. Jene Volfs- Krankheiten aber kennen zu lernen, is für uns um so w chtiger, als

fie bis in die neuesien Zeiten hineinragen und in eiuem mehr oder weniger ees Zusammenhange mit anderen, vou uns selbst erleb- ten Epidemicen sichen, die zu höchst wichtigen, bis est unerörtert ge- bliebenen Lebensfragen für das Gesammtwohl der Völker Anlaß gegebeu haben. Sehr richtig erklärt der Verf. alle Volksfraukheiten als Entwickes lungszusiände der Menschheit, mtt deren Kulturzuftand fie in einem gegen- seitig bedingten Verhältuisse sichen. Um so mehr muß man den man- nigfach neuen Arsichten, die der Verf. mit Scharfsinn zu begründen sucht, Beberzigung, und besonders auch von Seiten der in das Leben und die Gesundheit der Unterthanen, wie dies erst wieder die neucesie Weltseuche zur QUEE dargethan hat, so mächtig eirgreifen- den Geseßgebungs- und Verwaltungs-Behbrden Aufmerksamkeit und Berücksichtigung wünschen. Denn aus vollem Herzen stimmen wir in die Worte ein, womit dies empfehlens- und anerkeunungs- würdige Buch schließt: „Die Staateu haben das größte Juteresse an der Ausbildung der historischen Pathologie. Jhre Sorge geht am meiften auf die aligemeinen Erkrankungen; für diese haben fie Geseye zu geben, welche nicht heilsam seyn fönnecn, wenn sie uicht der Natur entsprehen. Nun vollenden dic Volkókranfheiten ihre Entwickelung nur ín längeren Zeiträumen, viele in Jahrhunderten; die einzelnen Epidemicen aber sind nur als Ausbrüche aussegender frank after Zustände zu betrachten, die einzeln für sich aufgefaßt, eben so wenig zur Erkenntniß des Gesammtübeis führen, wie aus einem abgeson- derten Anfall eines Wechselfiebers eine Uebersicht Über den Verlauf und die Bedeutung der ganzen Krankheit gewonnen werden kann. Es ist also offenbar, daß die Naturgeschichte der Volks - Krankhei- ten nicht durch die flinische Pathologie, die sich mit dem Einzelnen beschäftigt , soudern nur durch die historishe Pathologie erkannt werden fann,_ weil die Erfahrung aller Jahrhunderte befragt wer- den muß. So wäre es mithin uicht uur wünschenswerth, sons dern selbst nothwendig, daß dic Afademieen und Universitäten, die in alleu wissenschaftlichen Bestrebungen vorangehen sollen, dem histo- rischen Studium der Heilkunde die ihm gebührende und {hon zu lange entzogene Aufmerfsamfeit zuwenden. Es kommt an den Hoch- schulen nit bloß darauf an, preftische Aerzte auszubilden , sondern auch diejenigen, die dessen fähig sind, in das Xunnere der Wissenschaft einzuführen, ohne welche aller praftische Unterricht seelenlos ist. Dies gelingt aber am besten, wenn man die große Aufgabe zu löfen sucht, die Heilkunde durch histcrishes Studium aus sich selbsi E

..... 9.

Meteorologische Beobachtung.

1838. Morgens | Nachnittags | Abends Nach einmaliger 29. November. | 6 Uhr. 2 Ubr. 10 Uhr. Beobachtung. Luftdrud........ 330,79‘ Par. |329,81‘‘‘Par. |329,40‘‘ Par.| Quellwärme 7,29 R, Luftwärme... |— 3,09 R. |4- 1,59 R. |4- 3,29 R} Flußwärme 0,09 R. Thaupunkt... |— 3,39 R.|++ 0,19 R. |—++- 2,29 R} Bodenwärme 4,19 R. Dunstsättigung | 91 pCt. L0 pCt. 83 yCt. | Ausdünstung 0,029‘ Rh. Wetter......5..24. Eisregen, trübe. halbheiter. | Niederschlag 0,031‘/ Rh. Wind 6000200 SSO. S. S. Wärmewe<sel 4+ 3,29 Wolkenzug .-.-- S “3,29,

Tagesmittel: 330,00 Par... 4-0,60 R... 0,29 R... 85 pCt. SO.

B erlln er Börse, Den 30. November 1838.

Amtlicher Fonds- und Geld-Cours-Zetteli. Fr. Ce

Br. Conr. tes « Cour. N| Brief. Geld. S Brief. Geld. St.-Behuld-Bah. |4| 103 102! /, [Ponun. Pfandbr. (34) 101 Pr. Engl. Obl. 30, 4| 103 102‘, ÎKur- =.Neum. do.|34| 101!/, | 101 PrkmScb,d.Beeh.|—-| 68S/g 68!/, TEckleaiznche do.|4| 1045/, —_— Kurm.Ohl.m.1.C.|4| 103/44 Rückat. C. und Z. Nm. Int. Seb. de.| 4| 1923/4 Sek. d. K. u. N.\-\ 93 _—_— Bork. Biadi - Obl. 4| 1027/9 Köviged. do. |4| Gold al marco |-| 2151/7, 1214/4 Ribinger de. |4| __ Neue Dacatea |—| 18/, | —- Dans. do. in Tu.|-| 48 riedriehad’or |—| 13/2 | 13 Weaipr.Pfandbr.|(3i 1003/, fjAnd. Goldmün- Qrosah. Pos. do.|i| 104'/, fen à $ Thl, f 13, | 125/, Ostpr. Pfandbr. [8] 1003/, IDisconve Ln 3 4 Auswärtige Börsen. Ámstcerdam, 25 November. Niederl. wirkl. Schuld 53!/,. 59, do. —. Kanz- Bill.

Neue Ánl. 16/,. Antwerpen, 24 November.

Tina), 5!/,¿. Neue Anl, 163/,.

Frankfurt a. M., 27. November.

ODesterr. 09/50 Met. 106!/, G. 4% 99! /, G. 21/Sio 5887/9 G, i9/, W3/, g G. Bank-Actien 1775. i773. Partial- Obl. ¡34!/4 G. Loose zu 500 FI. 1325/g. 132!/,. Loose zu 100 FI. 274 G. Preuss. Präm.-Sch. 683/, G. de. #°/, Anl. 103!/, Br. Poln. Loose 67?/g. 67/4. 59/5 Span. Anl. 4/5 A4S/s. 21/,0/ Holl 527/5. 5213/, j

Kisenbahn-Actien. St. Germain 665 Br. Versaiiles rectites do. linkes Ufer 245 G. Strassburg - Basel 350 Br. Bordeaux-Teste —. Sambre-Meuse 432!/, G. Leipszig-Dresdeu 91 G. Köln- Aachen 95 Br. Comp. - Centrale —. -

Hamburg, 28. November.

Bank - Áctien 1475. 1472. Engli. Russ. 107.

39/, doe. —. Neue Anl. —.

Ufer 380 Br.

Königliche Schauspiele. G Sonnabend, 1. Dez. Jm Schauspielhause. Michel Per- rin, der Spion wider Willen, Lustspiel in 2 Abth. , von L. Schneider. Hierauf: Voltaire's Ferien, Lustspiel in 2 Abth.,

von B. A. Herrmann.

Sonntag, 2. Dez. Jm Opernhause. Die Zerstreuten, Posse in 1 Akt, von Kotebue. Hierauf: Der Seeräuber, gro- aul Taglioni.

ßes Ballet in 3 Abth., von Im Schauspielhause: Verirrungen, bürgerliches Schau- Der Oheim,

spiel in 5 Abth., von E. Devrient. Montag, 3. Dez. Im Schauspielhause. Lustspiel in 5 Abth., vom Verfasser von „Lüge und Wahrheit“. Hierauf: Die Mäntel, Lustspiel in ein Akt, von E. Blum. In Potsdam: Der Vater, Lustspiel in 4 Abth. , von Bauernfeld. Hierauf: Lebende Bilder. 1) Jtraliänische Frauen und Kinder, unter einer Vorhalle. 2) Mönche und Soldaten spielen in einer Schenke Karten. 3) Jtaliänerinnen einen Lie- besbrief lesend. 4) Spanisches Bild nach Lewis.

Königsstädtisches Theater.

. Sonnabend, 1. Dez. Der bdse Geist Lumpacivagabundus, oder: Das liederliche Kleeblatt. Zauber - Posse mit Gesang in 3 Akten, von J. Nestroy. Musik von A. Mäller. (Herr Plo>: Knieriem.)

Sonntag, 2. Dez. Ouvertäre von Rossini. Dann : Arie aus der Oper „Mahomed Il.‘/, von Rossini, vorgetragen von Dlle. Schnidt. Hierauf: Zum treuen Schäfer, komis Oper in 3 Akten, nah dem Französischen des Scribe und Saint- Georges, vom Freiherrn von Lichtenstein. Musik von Adam.

Montag, 3. Dez. Drei Tage aus dem Leben eines Spie- lers, Melodrama in 3 Akten, von L. Angely.

n GBertretung des Redacteurs: Wenßel. E e Gedrut dei A. W. Hayn.

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El A R In QEE. U d R E