1838 / 335 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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F M L di ia. ac Aa N IEE E Laa

R B:

ius v.

tral- Section für das Kciegs-Budget überwiesen.

Kriegs-Departement vefinden würde,

befinden, fár dringend gehalten hat.

unterworfen würde. berufen worden. Budgets von 1837 unzureichend ,

: wegen der rung des Effektiv - Bestandes.

unverzüglich einen neuen Vorrath anschaffen, damit die Beur- laubten und die Reserve- Mannschaften unverzüglih in Stand geseßt werden können, zu marschiren, wenn sie berufen würden. Außer diesen Ausgaben giebt es noch andere Unzulänglichkeiten für das laufende Dienstjahr. Die Ration Brod war zu 12!/, C. bere<hnet worden. Durch die Erhöhung des Weizenpreises ist oieselbe aber auf 13 C. gestiegen; wir müssen uns in den Stand seßen, unsere Vorräthe in dem Augenblicke zu erneuern, wo die neue Aushebung uns ndôthigen wird, bedeutende Lieferungen auszuschreiben. Jch glaube Jhnen die Dringlichkeit des von Jhnen verlangten Kredits bewiesen zu haben, und ih glaube, daß Sie denselben der Regierung, die ihn fär unerläßlich er- kannt hat, bewilligen werden. Jch werde übrigens der Kom- mission, welcher sle den Entwurf überweisen werden, alle Er- klärungen geben, die geeignet sind, Sie von seiner Dringlichkeit zu überzeugen.“ Die Kammer der Repräsentanten beschäftigte sih sodann wieder mit dem Zeitungs-Stempel, welchen die Re- gierung für alle Journale ohne Unterschied der Größe gleich- gestellt zu schen wünsht. Es erscheinen jest 10 Zeitungen in großem und 18 in mittlerem und kleinem Format.

Die Gräfin von Dalberg, Schwester des Fürsten von Dal- berg, is vorgestern pldslich hier gestorben.

Nach einem der Repräsentanten-Kammer vorgelegten Gesebz- Entwurf soll der aus 4 Klassen bestehende Leopolds-Orden in 5 Klassen getheilt werden. Die Mitglieder der zweiten Klasse sollen den Titel Groß-Offiziere führen.

Wie verlautet, will die Regiernng 3000 Remonte- Pferde für die Kavallerie und Artillerie kaufen, einen Vorrath von Lebensmitteln und Fourage anschaffen und längs der Schelde und na< Staats-Flandern hin Vertheidignngswerke anlegen lassen. Die Generale der verschiedenen Waffengattungen haben den Befehl empfangen, außerordentliche Jnspectionen zu halten, und der Kriegs - Minister selb| will die Haupt-Vertheidigungs- Punkte in Augenschein nehmen. Seit einigen Tagen wird aus den Zeughäusern von Doornik, Ath, Bergen, Ypern und Ost- ende ein großer Vorrath von Patronen, Kugeln, Bomben und anderen Kriegsbedürfnissen nah der nördlichen Gränze gesandt, ais ob man wirklich einen Einfall in Holland vorbereiten wollte. Es ist auch die Rede davon gewesen, das Hauptquartier einer der Abtheilungen der Belgishen Armee nah Antwerpen zu verlegen, doch is man, wie es scheint, vor dem Gedanken zurücögewichen, eine Stadt, die hon so viel durch die Revolu- tion gelitten hat, no<h mehr zu beschweren. Die Reise des Königs nach Paris ist bis zu den ersten Tägen des Dezember ausgeseßt worden. Es scheint sogar, daß man vorher Antwort auf eine Note abwarte, die Herr Vandeweyer in der lebten Zeit den Mitgliedern der Konferenz vorgelegt hat und die das streitige Grundgebiet betriff. Man will wissen, die Belgische Regierung habe in dieser Note eine Entschädigung an Gelo angeboten, um die Theile von Limburg und Luxemburg, welche E Traktat der 24 Artikel gemäß Holland zukommen, zu be- valten.

Wan liest im Moniteur Belge vom 24. Novewber: „Wir haben in unserem Blatte vom 20sten d. M. eine vom 27. Juli 1833 datirte Verordnung Sr. Majestät des Königs von Schweden und Norwegen mitgetheilt, kraft welcher die Belgischen Schiffe und ihre Ladungen in Schwedischen Höfen auf demselben Fuße wie die einheimischen behandelt werden sol- len. Aus Versehen is dieses Aktenstu>, so wie die in unserem Blatte mitgetheilte Liste der Konsuln, in den offiziellen Theil aufgenommen worden.“

Schweden und Norwegen.

Christiania, 22. Nov. (Berling. Zeit.) Erwähnt wurde bereits des großen Geldmangels, der gegenwäetig in Norwegen herrs<ht, und des allgemeinen Wunsches, daß die Regierung demselben abzuhelfen suchen möchte, da die Bank alle Diskontirung eingejieile hat. Dieser Wunsch is erfällt worden und auf Anhalten unseres Finanz- Departements die Königl. Resolution ergangen : „Das Finanz-Departement werde ermächtigt, aus dem Grunde der herrschenden Verlegenheit um Fonds zum Betriebe des Handels und anderer Erwerbswege, und außerdem um die disponiblen Mittel der Staatskasse so fcuhtbringend als möglich zu machèn, den Behalt der Staats- fasse in baaren. Silber zum Diskontiren anzuwenden, außer dein, was bereits auf solche Weise untergebracht isi, im Belauf, der von dem Departement nach den Umständen näher zu be- stimmen.“ ; /

Außer den 100,000 Sps., wélche durch die na<h König- licher Resolution vom 11. August 1828 errichtete Diskontirungs- Koramission zum Diskontiren angewendet worden waren, hat auh das Finanz - Departement von Zeit zu Zeit verschiedene Summen aus dem dispoñiblén Behaält der Staatskasse sowohl in Silber als Zetteln auf diese Weise fruchtbringend gemacht. Im Ganzen ist durch obengenannte Kommission operirt worden mit 296,009 Sp. Silber und 377,000 Sp. Zettel, außer 170,681 Sp., die zum Ankauf von Getreide ausgeliehen wor- den, allein zu Obligations - Darleihen, wit Abzahlung in 1!/, Jahren gemacht worden. Nach der oben angeführten Resolu- tion werden vorerst der Diskontirungs- Kommission in Christia- nia 300,000 Mark Hamburger Banco oder 100,000 Sp. Sil

é Bei Vorle- | gung dieses Geseß-Entwurfs sagte der Kriegs-Minister un- ter Anderem: „Meine Herren! Sie haben in Jhrer Adresse ais Antwort auf die Thron-Rede gesagt, daß die Bedürfnisse der Armee der Gegenstand Ihrer Sorgfalt seyn würde. Diese Erklä- rung beweist, daß Sie die Nothwendigkeit ahnten, worin sich das R Jhnen eine Vermehrung des Kredits vorzuschlagen. Hier sind nun die Punkte, welchen zu genügen die Regierung unter den Umständen, worin wir uns fär 1 Es ist Jhnen nicht unbe- fannt, daß wir den Kriegs-Ausgaben die möglichst engen Schran- fen, welche die Klugheit uns gestattete, geseßzt haben, daß wir die möglich größte Zahl der Mil1z-Mannschaften in ihrer Heimath gelassen haben, und daß wir fär die Kavallerie, Artillerie und die Feldspitäler die Zahl der Pferde, welche der organische Be- {luß für den Kriegéfuß vorschreibt, nicht verwendet haben. Dieser Zustand der Dinge kann nicht fortwähren, es ist jetzt unerläßlich, die Hülfsmittel der verschiedenen Corps zu vermeh- ren, damit die Armee in dem Falle, wo man genöthigt wäre, Beweaungsmittel zu gebrauchen, nicht einem zu schnellen Ueber- gange, welcher der Regelmäßigkeit des Dienstes schaden könnte,

Die Klasse von 1837 is unter die Fahne Für die Kavallerie ist die Bewilligung des Vermeh- é Die Aushebung dieser neuen Kiasse wird zum Theil das erschöpfen, was im Magazine der Equipirungs- und Kleidungsstücke übrig bleibt; man muß daher

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wo wir es am meisten bedürfen, uns ganz verläßt.

Däâänemarf. Kopenhagen, 26. Nov.

ändern.““ s

Deutschland. Stuttgart, 24. Nov.

auf die Mg 1s beziehenden Papiere, auf herkömmliche Weise eingelegt wurden.

j | werden.

Hoheit der Großherzog Hdôchstihrem Großvater, dem Landgra- fen Ludwig IX., in der protestantischen Kirche zu Pirmasens | hat segen lassen. Der Künstler, welcher das Monument gefer- tigt, Hof-Bildhauer Scholl, hatte sih selbst zur Aufstellung des- selben na<h Pirmasens begeben, und nachdem diese vollzogen war, fand Sonntag am 18. November die feierliche Enthüllung des Monuments statt. Zur Vorfeier wurde Sonnabend Abend ira Theater ein Prolog in Versen gesprochen, welcher die Haupt- Momente der Geschichte der von jenem Fürsten ganz geschaffe- nen Stadt hervorhebt.

Oesterreich.

Wien, 27. Nov. Die Baufäálligkeit des Stephans- thurmes erheischt, nachdem mehrere einzelne und theilweise Aus- besserungen die immer wachsende Gefahr nicht abzuwenden vermocht hatten, eine große und vollständige Reparatur. Diese ist nunmehr beschlossen und der Leitung einer aus Bauverstän- digen gebildeten Kommission anvertraut worden. Bereits sieht man über der Uhr Gerüste in s{<windelnder Hdhe sich überein- ander aufthürmen. Da der obere Theil des Thurmes, wegen seiner Baufälligkeit , keinen siheren Anhaltspunkt gewährt, so sind die Gerüste frei <webend über der festen Grundlage des Plateaux bei der Uhr erbaut, und werden bis zur äußersten Spite des 420 Wiener Fuß hohen Thurmes aufgeführt werden. Das der obere Theil des Spibthurmes eine starke, dem Andrange des Windes zugeschriebene Neigung zeige, ist bekanne. Bei Gelegenheit der eben begennenen Arbei- ‘ten zeigte sich, daß dieser Theil des Thurmes , dessen Steinmassen dur< massive Eisenklammern zusammengehalten werden , bei heftigem, hier nur zu häufigem Winde, in vibri- rende Bewegung verseßt wird, wobei das Kreuz einen Durch- messer von drei Zoll beschreibt. Mit Messung und Zeichnung des Thurmes ist von der Kommission der aeschi>te Architekt, Professor Rösner, gleichfalls Mitglied derselben, beauftragt worden. Die Salons der Hauptstadt fangen nun an, sich

zu dffnen, und die bereits gedffneten, sich zu füllen. Ein gro- ger Rout in den Sälen der Staats-Kanzlei, am Vorabend des Namensfestes des Fürsten Metternich bewies, daß dies Jahr frúher als gewöhnlich, ein großer Theil der Gesellschaft die Land- sibe in den verschiedenen Provinzen der Monarchie verlassen hatte, um die stäotishen Winterquartiere zu beziehen. Jm diplomatischen Corps herrscht im ganzen wenig Bewegung, doch empfangen der Französische Botschafrer zweimal und der Sar- dinische Gesandte, Graf Sambuy, einmal die Woche. Jn diesen Tagen ist ein Sohn des bekannten Banquiers Aguado, nunmehr Marquis de las Marismas, als Attaché der hiesigen Französischen Botschaft hier eingetroffen.

Deutsche Blätter berichten aus Oesterreich: „Bei dem Einbruche der Französischen Armee im Jahre 1797 wurden im Vesltlin beträchtliche Güter, welche dem Kanton Graubündten angehört hatten, fonfiszirt und später zum Königreich Jtalien geschlagen. Obgleich Oesterreich im Jahre 1814 in Folge der im Wiener Kongresse anerkannten Rechte in den Besiß dieser Länder trat, so verordnete do<h Kaiser Franz 1. durch sein Ul- timatum von 1832, daß die von der Schweiz verlangte Enc- schädigung wegen obgenannter Güter gewährt werden sollte. Zu diesem Ende wurde eine Kommission aus mehreren Dele- girten des Kantons Graubündten und aus der Finanz - Jnten- danz von Morbegno zusammengeseßt, und die Resultate ihrer Schä6ung sind von der Oesterreichischen Regierung nun folgender- maßen ratifizirt worden: 1) Oesterreich cedirt dem Kanton Grau- bündten alle noch vorhandenen, im Jahre 1797 konfiszirten Güter im Betrage von 1,201,437 Oesterreichischer Lire, und bezahlt über- dies dafür einen Jnteressen-Betrag von 10,674 Lire; dazu sind noch 41,051 Lire zu- nehmen, als Entschädigung für einige Ge- bäude, wie z. B. das Delegationshaus in Sondrio, welche der Kanton Graubündten ihm überläßt. 2) Oestecreich erstattet an den Kanton Graubündten alle von diesen Gütern seit dem 21. April 1814 bezogenen Einkünsce, welche sich auf 401,786 Lire belaufen, wovon jedoch die Administrations - Kosten zu 25 pCt. abzuziehen sind. 3) Oesterreich Übernimmt die Auszahlung der in Bezug auf obgenannte Güter zur Zeit des Königreichs Jta- lien emittirten Staatspapiere ¿m Werthe von 47,528 Oesterrei: chischer Lire. 4) na< Abzug jener Summe, welche zur Tilgung der auf den im Jahre 1797 konfiszirten Gütern lastenden Schulden verwendet wurde, verbindet sih Oesterreich zur Ab- tragung einer Summe von 2,128,910 Lire für die seit der Kon- fiscation aus diesen Gütern entsprossenen Vortheile. Somit erhält der Kanton Braubändten eine Entschädigung von etwa 4 Millionen Franken, ohne daß Oesterreich nach strengem Rechte dazu verpflichtet wäre.“

Inland.

Côslin/ 26. Nov. Schulhaus-Weihe. Am 22sten v. M. wurde in der Stadt Bublig das neu erbaute Schulhaus, zu dessen Aufbau Se. Majestät der König ein Gna- den-Geschenk von 1500 Rthlr. zu bewilligen geruht hatten, feier- lich eingeweiht. Chaussee. Der Bau der Chaussee zwi- schen Cörlin und Colberg ist dergestalt vollendet, daß seit dem 1sten v. M. die Erhebung des Chausseegeldes bei den beiden auf derselben befindlichen Barrieren hat eintreten können.

ber überwiesen werden. Ungeachtet das Begehr von Zetteln

je6t fühlbarer ist, als das von Silber, so wird doch jene Maß- |

Fraustadt, 28. Nov. Einweihung einer

regel gewiß einen vortheilhafcen Einfluß, zuerst und zuvörderst in den merkantilis<hen Verhältnissen und dadur< mittelbar in jedem anderen Betriebe äußern. Ein Trost ist es doch, daß die Staatskasse uns zur Hülfe kommt, da die Bank, gerade

Die Berlingsche Zeitung mel- det: „Wir können unsere Leser benachrichtigen, daß in Hin- sicht der so viel besprochenen 3pcent. Englischen Anleihe von Seiten der Regierung die Versicherung gegeben worden, daß sie durch die veränderte Agentur und die neuen Obligationen nicht die Absicht gehabt habe, in Hinsicht der Abzahlung etwas zu

Auf dem alten Schloßplaße wurde dieser Tage das Fundament für Schiller's Standbild aufge- mauert und am 22. November in den Grundstein eine kup- ferne Truhe eingesenkt, in welche die Stiftungs-Urkunde, die ein und Früchte mm Tritt kein weiteres Hinderniß ein, so kann die Statue nächstes Früßjahr errichtet

Darmstadt, 26. Nov. Die hiesige Zeitung berichtet úder die Einweihung des Monuments, welches Se. Königliche

Gnade Sr. Majestät des Königs hat der hiesi Gemeinde das ausgestorbene ee der d ‘lfte atholish Kirche, seinen Gebäuden und Grundstücken huldreichst t sein welche demnach die sonstigen stillen Zellen seiner nun d ent frommen Bewohner zu freundlichen Lehrzimmern fär ihrs Su Jugend, mit freudiger Darbringung bedeutender Opfer du schaffen hat. Der heutige Tag war der Wiedereröffny Ung seit mehreren Jahren geschlossenen, s{dnen Kirche wo N Weihe der neuen Schulzimmer gewidmet. Schon ím D, d der srúhen Morgenstunde versammelten sich der Gläubigen Y,, zur ersten Messe, welcher um 9 Uhr die zweite mit einer diegenen Predigt in Polnischer Sprache folgte, die Hett Y, h Arendt aus Deutsch Wilke hielt. Um 11 Uhr Vote aber betraten den ehrwürdigen Tempel die meisten Mitgli, der hiesigen Königl. und städtischen Behörden, das Fj, Offizier - Corps, die Lehrer mit ihren Schülern, die Vors der Schulen und die katholische Geistlichkeit, an welche sh evangelische Pfarrer der Kirche zum Kripplein Christi q, schlossen. Das Hochamt feierte mit hoher Würde Hi Domprobst Herr Kanonikus Klamm aus Glogau. Herr Puy Jyc aus Lissa predigte über Jac. K. 1. V. 17.7 die Kirche y stellend als ein Bet- und Gotteshaus, in lebendiger Klar, ihre Segnungen preisend und am Schlusse innigst betend , dem Vater des Lichts um Glaubenstreue, um des Glau, herrlichste Frucht, um Eintrachr. Nach ihm sprach der Psy rer des Orts, Herr Probst Berger, zu seiner Gemeinde y, den großen Thaten, die Gott gethan hat an ihr, aus der 6] schichte des Klosters dafür dankbares Zeugniß -ablegend und y arme Gemeinde in gewohnter Kraftsprache zu fernerem {j Vertrauen ermuthigend. Er schloß mit der herrlichen Wahth daß vereinte, wahre Liebe zu aller Zeit, unter allen Umständ troß aller äußern Hindernisse, Großes und Segensreiches with! In wohlgeordnetem Zuge begab sich nun nach dem Tedeun h Vei: sammlung in das größeste der neuen Lehrzimmer , welt das Bildniß Sr. Majestät des Königs schmückt, wo der Dily Herr Probst Jaxiewicz aus Diuzyn, als Kreis-Schul- Jns tor, Aeltern, Lehrer, Schüler und Schul - Vorsteher in mildem Ernsie an ihre Pflichten erinnerte und sonach die fein Weihe des Schulhauses vollzog. Der evangelische Pfarrer hy endigte diese Feierlichkeit, indem er der Gemeinde und dg Schule aufrichtige Wünsche darbrachte. Ein frohes Mahl v1 einigte mit der Geistlichkeit mehrere Offiziere, Beamte, Gui besizer und Bürger, wo wie gewöhnlich der Armen gedacht uy) namentli<h für Bekleidung armer Schulkinder möglichst gespt det wurde. Auch dieser Tag giebt ein lautes Zeugniß der hey lichen Einigkeit, in welcher hier die christlichen Gemeinden ni einander leben.

Düsseldorf, 22. Nov. Unterstüßung der at Rhein Uebershwemmten. Die im Monat Febru d. J. stattgefundene Ueberschwemmung der zum Agen Regit rungs-Bezirke gehörenden Kreise Rees, Neuß, Düsseldorf u Solingen, hat einen weit größeren Schaden angerichtet, als s früher vermuthen ließ; dur< die Abshäszungs- Verhandlungen derselbe an beschädigten Gebäuden, versandeten und ausgespüh ten Grundstücken, verloren gegangenem Vieh und Vieh-Futtt verdorbener Wintersaat, an Wegen, Brücken, Hol gen und Deichen 2c. auf 198,487 Thalern ermittelt word So betrúbend auf der einen Seite die Größe d Verlustes is , so erfreulich war auf der anderen Seite die V reitwilligkeit, mit welcher durch freiwillige Gaben überall, gan besonders aber von den Bewohnern der Provinz, das Ungliÿ zu mildern gestrebt wurde. Auf diese Weise bildete sich ein Fonds von überhaupt 25,104 Rthtr., aus welchem 22,646 Rthlr, dem Kreis-Central - Vereine überwiesen worden und von diesen an die armen Eigenthümer, deren Gebäude und Grundstü am Me gelitten haben , zu ihrer Recablirung vertheilt wor-

en sind. |

Blicke auf Afghanistan’s neuere Geschichte.

Bei dem aügemeinen Juteresse, welches die Angelegenheiten deb fernen Orients im gegeuwärtigca Augenblick erregen, wo die Lir: Trompete der Tages- Presse in schauerlih fklingeuden Feuerhoru:T: nen die Nachricht verkündet, eine allgemeine Verschwörung gez das Jndo-Britische Reich sey zur Neife gekommen ; wo Briefe au der Hauptsiadt dieses Reichs, aus Kalkutta, die etwas fabelhast Nachricht verbreiten, ciue Juadrupcl- Allianz zwischen Birma, Nipa Kabul und Persicu sey geschlossen wordea, um das Britische Judia aleichzcitig anzufaülen (was, der geographischen Lage uach, vou dri Seiten stattfinden würde), mit dem noch fabelhafteren Zusay : dis ZJuadrupcl-Allianz sev, dem Anschein nah (apparently) unter dl Auspizien einer großen christilichea Macht zu Stande gekommen; - in dieseu Augenbli>k dürfie es den Lesern der Staats-Zeitung vil leicht nicht unwillkoiunmen scvu, erinnert zu werden au cinige Erei uisse der Vergangenheit, un den gegenwärtigen Zustand der Din sich besser erklären, den Gang der fünftigen Begebenheiten leiht verfolgen zu können. Ganz besonders dürfte es den Lesern nid! unangenehm seyn, wenn ihnen die Vorgänge ins Gedächtniß zurüd gerufen werden, deren Schauplay Afghanistan, das Land der Ufgho nei gewesen ist; denn gegen diescs Land, so sagen uns die Jui sen Tagblätter, und die Europäischen wiederholen es, sind yo! nämlich die militairischen Demousirationen gerichtet, welche Lord Aud land, der Statthalter von Judien, angeordnet zu haben sei So viel ist gewiß, daß ans dem Hauptquartier Simla (dies Tepliz oder Gasiein des Himalaya au der äußersten dermaligel Westgräuze der Judo:Briuischen Besiguugen in, einer Höhe gelegen, die derjenigen gleich ist, welche herausfommt, weun man den Zobtel in Schlesien auf die Schncekoppe zu stellen vermöchte) der Befehl crgangea it zur Kompiettirung der Regimenter und zur Mobilm@ <iuing der Armee, die gegenwärtig aus 25 Negimentern Kavallerit, 175 Regimentern Fnfanterie, und einer anschnlichen Artillerie, nebs cinem vortrefflichen Jaogeuieur-Corps besteht. Zwar darf man zu! Ermittelung der Stärke des Jndo-Britischen Heeces, an jedes seiutt Regimenter nicht die Stärke" etwa der Preußischen Regimenter al! dem Kriegsfaß als Maßstab anlegen; da würde die Zahl der Kou battaumten weit lber eine halbe Million sich stcigern; do<h wird vit schwer halten, sie auf 300,000 Mann zu dringen, wie es j. L im Biruia-Kriege der Fall war, wo diese Zahl nabe erreicht wurdé; damals betrug die Esscftivstärke der Urmee 291,145 Mann. Abt damit isi die Militairkraft, über welche Euglaud in seinem Fndischel Reiche verfügcu kann, nicht erschöpft. Die iaheimtschen (native) Staaten, welche die Kaufherren der Leadenhall Street uater ihrel Schu genommen haben, find vertragswäßig gehalten, ihre Kontin- gente, im Fall cinés Krieges, und auf Erfordern der Compagnit ins Feld rücken zu lassen, und diese Kontingente, die zum Thcil von Europäischen, d. h. Englischen Offizieren kommandirt werden, gebel- niedrig gerechuet, ciu Heer von 150,000 Maun, wovon der drit! Theil aus Reiterei besieht. So sehen wir deun die Streitkräfte des Britischen Judiens wirklich nahe auf eine halbe Milliou Manl/ schaften auwachsen; ja diese halbe Million wird noch überschritten wenn ih das Gerlicht von der ALäznz mit Ruudschit Sirgh, den Maharedscha, oder Großkönig des Pendschab, bestätigt, dessen wohl- diéziplinirte Armee, nah Capitain Murrav?s Angabe, 82,000 Kou battanten zählt (Prinsep, Origin of the sikh Power, p. 186.).

Doch nicht zu übersehen ist-es, daß diese Streitkräfte in einen! Ländergebiet dislocirt sind, welches dem dritten Theil von Europa's

Ul

katholishen Kirche und des Schulgebäudes. Die

Flächeuraum gleich zu scyen ist; und daß militairishe Bewegunge! F

pi) seiuem ältesic Sohne Teimur.

nien vorgeuommen werden müssen, teren Länge an die auf Marl en Napoleonischen Heereszüge erinnert , und die in ge- Cder Linie bis 400 Deutsche Meilen beträgt, d. i. so weit, als o Tricsi bis zum Nordkap, so weit, als vou Memel bis Cadix, 0 er

Berlin bis Jekaterinburg, am-Ende der Europäischen, und am Voifang der Sibirishea Welt; daß diese Märsche auf Communi- tionen zurücfgelegt werden müssen, dic feinesweges tit nasern e. raßen zu vergleichen sind, die im Gegenthcil oft grun 0 e 0n ui selten durch pfadlose Berg- und Sandwüsiencieu aufen, ald unter

Strahlen einer brenuenden und sengendeu Tropen-: Sonne in deMrerlosen Einöden, bald in den üppigsten Wäldern, wo Riesendäume e Riesendäumen von undurhdringlihen Schlingpflanzen aufs in- e sie verkettet sind, oder in jenen Sumpfdickichten, den. Dschunglies, E denen der schwarze Tod des neunzehnten Jahrhunderts, die Cho-

dervorgebrochen ist, um ihre verwüsiende Wanderung über den

Un S Erdball anzutreten. Es sind feiac geringen Hiadernisse, mit

denen der Soldat in Judien zu kämpfen hat; ja es gesellet si zu

den aufgezählten, die unveränderlich sind, cbea im gegenwärtigen Au-

enbli> ein zwar vorübergehendes Hinderniß, aber ein sehr bitterer, Finerer Feind, eine allgemeine Hungeréuoth nämlich, die gerade in den Gegenden, durh welche das Britische Heer ziehen muß, um seine Operatiousbasis gegen Afghanistan, den tndus, zu erreichen, fur<htbar wüthet, und E und abermals Tausende von Meu-

u dahin gerafst hat.

hes toe, f an dieser Hindernisse scheint der Ausgaug des Kam-

es, wenn er wirklich zum Ausbruch fommen follte, nicht zweifel-

vaft, und der Administration des Lord Auckland es vorbchaiteu zu seyn, die Herrschäft, zu der die Verivaltungs-Perioden eines Clive, cines Wellesley, eines Hastings, cin so gzoßartiges, ein so festes undament gelegt haben, schr ansehnlich zu crweitera. Der Meu- henfrcund fann sich dazu nur Glück wünschen; das bevorslehende Resultat wird in den Aufsihztskreis christlicher Gcsittung Länder und Völker ziehen, die seit lauge der Schauplay und der Spielball jener politisheu Wirren, jener Parteikämpse einzeluer Geschlechter und Dynasten, und jener Bürgerkriege gewesen jind, die die materielle, die intelleftuelle und moralische Wohlfahrt der Menschen untergraben ; mit dem siegreichen Einmarsch Britischer Heere werden auf Afgha- nistaus luftige Bergebeuen, in seine tosllihen, ja prachtvollen, an Europa's mildeste Klimate erinnerndea Thäler die Ruhe, der Fric- den, diese ersteu Bedingungen zum Wohlbefinden der Völker und zur Verbesserung ihres Charakters, zurückchren, deren sie, in der ucuen Zeit, seit fast cinem halben Jahrhundert eutbehrt haben. : Ader wie wurde dieser Zastand der Dinge herbeigeführt? Die Antwort auf diese Frage is es, welche wir den Lesern der Staals. Zeitung, nach Anleirung vou fünf Berichterstattern ©), welche, seit den leuten 20 bis 30 Jahren Land und Leute mit unbefangeneut Auge beobachtet haben, ins Gedächtniß zurücfrufen wollen.

Zur Zeit, als Nadir Schah das Persische Neich vom kurzen

och der Afghanen °*) befreit, und diese in ihrem Heimathlaude seibst d unterthau gemacht hatte, waren sie als zwei rivalisirende, große Volfssiämme bekannt, die Gildschihs *°°) und die Abdallihs. Zwei Brüder vom Sidu-, einem sehr einflußreichen, in heiliger Achtung ste- henden Geschlecht der Abdallihs, traten damals, 1737, in die Dienste des mächtigen Perser Königs, machten, als Anführer ciuer beträcht- lihen Reiterschaar ihres Stammes, alle scine Kriege mit, und tru- gen uicht wenig zu den Erfolgen bei, womit seine Unternehmungen gefrônt wurden. Sulfekar Khan, der eine dieser Brüder, wurde {pä- ter zum Hakim, oder Gouverneur von Herat eruannt, und blieb in ciner Schlacht mit deu Gildshihs, während Ahmcd Khan, der andere Bruder, durch glänzeude Tapferfcit immer mehr in der Gunsi des Schahs stieg, und die hd<sten Würden und Aemter des Reichs be- ficidete, dis der Monarch, durch Grausamkeit und Begünstigung der Sunniten verhaßt geworden, im Juni 1747, unter den Häuden von Meuchelmördern, scin thatenreiches Leden aushauchte.

Ahmed Khan bemächtigte sich bei dieser Gelegenheit des berühm- ten Diamanten Koh - i - Rur, verließ dann gleich das Persische Heer mit allen Afghanen , die in demselben dienten, und eiute naz Kandahar, wo er, als Haupt der Siduschis (d. h. Söhne Sidu's) die höchste Gewalt an sich riß. Eben giug durch diese Siadt ein Geld-Transport von 30 Laks Rupis, oder ungcfähr 1,900,000 Rthlr., der, die öffentlichen Einklinfte aus deu Provinzeu Kabul, Pischauer und Sindec enthaltend, auf dem Wege nay Jspahan war, um ta Nadir Schahs Genceral-Staats- Kasse abgeliefert zu werden; ohie Weiteres nahm Ahmed Khan diefe aus seinem Vaterlande fominende Summe in Beschlag und rene sich dadurch in den Stand, zur Aus- führung seiner durch historishes Recht begründeten ‘Pläne ein Corps auserlesener Truppen zu cquipiren, lauter Veteranen, die unter sei- nem Kommando für Madir's Sache gefochten hatten; und noch che das Fahr 1747 zu Ende gegangeù war, hatte er sich zum König der Afghanen proklamirt und si< in Kandahar krénen lassen, indem er gleichzeitig den Titel Durih Duran (d. h. Perle des Zeitalters, oder au das Zeitalter des Glücks) annahm und den Namen der Abdallihs in Duranih verwandeite; bei der Auéführung aller die- ser Vorgänge wesentlich unterstüßt von Hadschi Dschumal, dem Ober» haupte der Baruksehi, des zahireichsten uud mächtigsten Stammes der jext Duranih genaunten Afghanen - Abtheilung. y |

Sechsundzwanzig Jahre regierte Ahmed Schah, der während die- ser ganzen Zeit kaum Éineu Tag Ruhe genoß; denn er marschirie besiadig, bald nah Osten, bald nach Wefßien, bald cinen äußeren Feind unterwerfend, bald seine ungestümen Vasallen zur Ruhe briu- gend und Oed: Krieg nach Außen war das einzige Mittcl, die mächiigen Häuptlinge im Schach zu haltea, zweimal stürmte er mit ihren Reiterschaaren ins Mogul -Reich und zog als Sieger in Delhi ein, glorreihh war der Sieg, welchen er auf den Feldern von Paniput über die Marhatten erfocht (Januar, 1761); viermal seyte er seine leicht beweglihen Schaaren nach anderen Punkten Judiens in Marsch, und gegen Westen trug er seine Waffen bis uach Nischa- pur und Astrabad, an der Südoste>e des Kaspischen Sees, und uu- terwarf sich den größten Theil von Khorassan. Noch im besten Mau- uesalter, im funfzigslen Jahre, aber erschöpft an Leib und Seele durch die ungeheuren Anstrengungen seines vielbewegten Lebens, starb er im

uni 1773, und binterließ die große Monarchie, die er gesliftet hatte, Aber dieser cigaete si wenig, der Nachfolger solch? eines Maunes zu seyn. Teimur besaß weder den Unternehmungszeist noch die Thaifraft seines Vaters, und begnügte sich damit, in sorgloser Ueppigfeit und Pracht zwanzig Jahre lang die Zügel einer Regierung zu führen, die den Keim legte zu dem Verfall, der unter den Regierungen sciner Nachfolger mit Riesen- \chritten hereinbrah. Er verlegte die Residenz von Kandahar nach Kabul, nur, um bier ruhiger leben zu fönnen, da die Bewohner Kan- dahars, uud die Volksfämme in den Umgebungen dieser Stadt, sicts einen unruhigen, stürmischen Geist gezeigt haben. Teimur beging den, allea Mohammedanischen Fürsten gemeinschaftlichen Fehler, daß er eine Menge Kinder zeugte, die sich nach seinem Tode um die Erb- shaft siritten. Es sind sechs seiner Söhne, welche in der neueren und ueuesten Geschichte Afghanisfian's cine Nolle gespielt haben ; fic heißen: Hamayuu, der älteste, von einer seiner Frauen; Schah Siman und Schah Schudscha, von einer anderen; und Schah Mahmud und Lvrus Ud Dihn von einem dritten Weibe, wozu noch Aijub (auch

schifud genanntz fommt, der wahrscheinlich cin viertes Weib Tei- mur's zur Mutter hatte. j

Teimur starb zu: Kabul im Mai 1793, ohne über die Thronfolge verfügt zu haben. Schah Siman. ricf sich in dieser Stadt sogleich zum Königaus und verschaffte sich durch den Einfluß der Baruksehis, an deren Spiye damals Popnder Khan (mit dem Ehrcutitel Sirafrahs Khan) stand, die Unterstügung aller übrigen Häuptlinge der dortigen Gegend. Das

°) Malcolm, Elphinstone, Burues, Canolly, Murray (Ed. vou Prinsep), indem wir hauptsächlich den vierten zum Grunde legen.

°°) Die Afghanen leiten ihren Urspruug von den jüdischen Stäm- men ab, welche von Nebuchadnezar in die Babylonishe Gefan- senschaft geführt wurde, und- ihre vornehmsten Familien verfolgen hren Stammbaum bis auf David und Saul.

scn, wo sih Hamavun zum König proflamirt hatte, Münzen s<lagen ließ, und alle Prärogativen der Oberherrschaft ausübte. Allein er fand wenig Anhang, Siman?s Truppen zerstreuten die seinigca, er mußte von Kandahar flicheu, und führte dann cin Jahr lang das

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ersie, was er thai, war, eine Armee nach Kandahar marschiren zu las: | Siege unterdrüdt,

j | Leben eines Flüchtlings, bis er acfangen genommen uud geblendet | wurde. Von da an verschwindet seiu Name aus der Geschichte der | | | j

Afghanecu, die sich, von jcht an, nur nocy um die fünf anderen Brü-

der bewegt. Mahmud lebte als Hakim in Herat, blieb aber auf sei- nem Statthalterposten, als ex die Autorität Siwan's anerfkauut baite. Bei ibm bieit sich Fihrus Ud-Dibn auf, der bald nachher, auf Anlaß na< Mekka machte, von wo zurückgekehrt er später gemeiniglich Ha- dschi, d. h.: Pilger Fihrus genaunt wurde. i Schah Siman war persönlich beliebt und würde sein Reich una- fehlbar behauptet haben, hätte ex die Reorganisation der durch die Ueppigfeit seines Vaters erschlafften Regierung sclbs übernommen ; allcin er überließ dies nothwendige Geschäft cinem Maune, der dem | s{<wierigen Amte cines Groß-Wesirs/, oder Staats- Kanzlers, durchaus uicht gewachscn war. Zudem glaubte er, dic Volitif seines Großvaiers de- folgen und scine Vasaüen nach Außen beschäftigen zu müssen, mehr- mais faßte er das Prejekt zu cinem Einfall- in Judien, allcin so oft er ‘gegen Osten marschirte, wurde er von Gefahren, die im Janeru, | oder auf der Westseite scines Reiches drohten, zurückgerufeu; und | |

er zauderte, seine Aufmerksamkeit hauptsächlih deu innereu Angele- acnheiten des Rciches zuzuwenden, so lange, bis er dic Krone für | immer verlor.

Mahmud ia Herat, der bei der Anerkennung seines Bruders Síimzau nur aus der Noth eine Tugend gemacht hatte, lehnte sich ge- gen diesen auf; dreimal machte cer den Versuch, auf den Thros zu gelangen, 1794, 1797 und 1799, aber jeder dieser Versuche lief unglü>- lich ab, und er sah sich am Ende genöthigt, aw Hofe des Scyah's von Persien eine Zuflucht zu suchen. Ju Jahre 1800 begleitete er diescn Mouarchen auf dessen zweiter Expeditiou nah Khorafsan. Seine Hoffaungen wurden neu belebt, denn Futtih Alli Schah versprach ihm | Hülfe, und in Kabul war Unzufriedeuheit mit Schah Siman aus- gebrochen, weil er sechs Verschworne, lauter Männer von Rang, und an | ibrer Spive das Oberhaupt des mächtigen und einflußreihheu Baruk- | sehi-Geschlechts, derselbe Sirafrahs Khan, dem er die Krone veidanfte, | hatte hinrichten lassen. Diese Vershwörung war gegen den verhaßten Staats-Kanzler und gegen den König selbst gerichtict, an dessen Stelle

Persischen Schah's Versprechungen lösten sich in Nichts auf, und Mabmud zog si, mit seinem Sohne Kamran und cinigen treuen Anhängern, uach Tabs, oder Tabes, in der Persischen Provinz Ko- hislan, zurü. j /

Unierdeß war statt des hingerichteten Sirafrabs Khan desscn Sohn Futtih Khan Oberhaupt des Barifksehi- Stammes geworden. Von Natur ehrgcizig und rachsüchtig, bot sich diesem jungen, that- fräftigen und mächtigen Häuptling die Aussicht, beide Leidenschaften zu befriedigen, wenn er sich mit Mahmud verbände, dessen Bruder zu stürzen, der scinem Vater, indem er ihm das Leben nahm, mii so <hnödem, shmählichem Undauk gelohnt hatte. Er eilte nach Tabs, wo Mahmud und Futtih Khan auf den Koran s<hworen/ treu und chrli<h zusammen zu halten zur Erreichung des emeinschafilicyen Jwecks. Schnell wuchs das Häusftcin, womit die Vershworuen ins Afghanische Gebiet drangen, zu cinem ansehnlichen Heere an, und nach En Tagen ficl Kandahar - diese Residenz seines Großvaters, in die Hände des Kron - Prätendenten. Siman Schah befand fich eben am Jadus, uu einen Einfall in Hindustan vorzubereiteu, als die Nachricht von dem Verluste Kandahar?s ihn erreichte. Zwar cilte er mit 30,000 Maun herbei, aber schon auf dem Marsche verließen ihn viele sciner Vasallen, die uuter dem Einflusse der Barukschis standen, und als die Vorhut seines Heeres auf die Armee Mahmud's siieß, ging sie bis auf den legten Mann zu dieser über, womit ein Veispicl gegeben ward, was sofort von dem Haupt. Corps befolgt wurde. Si» mau und scin Groß Wesir flüchteten nah Kabul, aber auch hier nicht ficher scy{nd, ging die Flucht weiter. Alles" fiel von ihnen ab, und trat auf Mahmud's Seite. Wie groß der Haß geworden, deu Schah Siman auf sich geladen, erhellet daraus, daß selbst das Gastrecht, welches der entthronte König bei cinem seiner vormaligen Vasallen nachgesucht und erbalten hatte, von diesem gebrochen wurde, ein unerhörter Fall in der Sittengeschichte der Afghanen, wie der mei- sien Völfer der Mohammedanifchen Welt; der Vasall lieferte deu König an Mahmud aus, der ihn blenden und in Kabul etnsperren ließ, während Futtih Khan den Tod seines Vaters durch die Hiurich- tung von Siman's Staa: s-Kanzler zu rächen suchte.

Doch auch Mahmud's Regierung, während der sein ältefter Sohn Kamran Statthalter von Kandahar war, hatte keine lange Dauer. Der neue Herrscher schwelgte in Belustigungen aller Art und über- ließ die Zügel der Verwaltung scinem Groß-Wesir Futtih Khan, der troy seines pcrsönlichen Einflusses, als Oberhaupt des großen Varuk- schi- Geschlechts, mit mächtigen Parteien zu kämpfen hatte, die er nur zwei Jahre lang durch strenge, militairische Maßregeln nieder zu halten vermochte. Ganz besonders erregte es Unzufriedenheit, daß Mahmud die Persishe Leibwache, welche er vou Tabs mitgebracht hatte, beibehielt und der Schia- Sekte, zu der sie gehörte, Vorschub leistete. Die Unzufriedenen wiegelten daher die sunnitische Vevo!îe- rung in den Umgebungen von Kabul auf, und es wurde, uuter dem De>kmantel der Religion, eine Jusurrection eingeleitet, deren Auégang darin bestand, daß Mahmud den Thron einbüßte. ;

Nun holte man den Prinzen Schudscha, der bibher ganz ruhig als La sciner Brüder in Pischauer gelebt, und nach Sinman's Absezung feine Ausprüche auf den Thron geltend gemacht hatte, aus seinem Gouvernemeuts-Siye ab, und führte ihn im Triumph nach Kabul, wo ihn die Jnsurgeuten zum König ausriefcn. Edeimüthig und gutherzig, wie uns Schudscha von den glaubwürdigsten Bericht- Ersiattern geschildert wird, sperrte er zwar seinen Bruder cin, schonte aber dessen Gesicht, nnd übte damit cine Handlung der Milde, die ihm später theuer zu scheu fam; auch scwenfte er scineur älteren Bruder Siman sofort die Freiheit, und war nur strenge gegen die- jenige Person, welche die Geseve der Gasifreundshaft mit Füßen ge- treten und Simau an Mahmud verrathen batte. Futtibh Khan de- gab si nah Kandahar zu Kamran; alicia da Beide dasélbst nicht Stand halten fonnteu, so ging der Prinz nah Ferrah, während fich der Ex- Wesir, nachdem er dem neuen König seine Dienste angeboten hatte, diese aber abzelchnt worden waren, auf sein Schloß Girischf , am Hirmend zurü>zog. Prinz Kaisir, cia Sehn von Schah Siman, wurde zum Gouverneur von Kandahar ernannt, Hadschi Fihrus in dem Gouvernement vou Herat, dem er unter Mahmud's MRegie- rung vorgestanden hatte, bestätigt, und Mufbtar Audullah, ein Häupt- ling des Stammes Bamisehi, von dem die Jnsurrection zu Gunsten Schudscha?s ausgegangen war, zum Groß-Wesir befördert. ;

Anfangs versprach die neue Regierung sehr viel Gutes zu leifien, allein die Herrlichkeit dauerte nicht lange. Schudscha verfeindete sich feinen Staats-Kanzler, weil er sich von thm unabhängig machen und felbst regieren wollie; auch fehlte es nicht an Personen, die den Ebrgeiz des auf shwankender Grundlage ruhenden Herrschers, wie des Premier- Ministers gleichmäßig nährteu. Schudscha war von Leuten umgeben, denen er die größten Verbindlichkeiten schuldig war; ohne Mittel, diese alle zu erfüllen, sah er sich beim besten Willen außer Stande, die Zügel ciner Regierung fo kräftig zu führen, als es zur Wieder- hersielung der von scinem Bruder geschwächten Königlichen Gewalt nothwendig war. Futtih Khan, der Baruksehi, dessen Leben nur aus einer Kette von Fnutriguen besiand, wußte im Jabre 1805 eine neuc Verschwörung gegen den nunmehrigen König anzuzetteln, alleiu diese wurde ín der Geburt erslikt, und Schah Schudscha nahm das erncuerte Anerbieten Futtih's, in seinen Dienst zu treten, jeyt au, in der Hoffnung, aus einem gefährlichen Feind, wo möglich einen Freund zu machen. Schudscha sah sich [E bald in seinen Hoff- nungen bitter getäuscht: Futtih Khan giug zu Mahmud liber, der aus seinem Gefängniß entfommen war, und im Lande umherirrte; und gleichzeitig rebellirte der Groß-Wesir Makhtar Audullah, derselbe, welcher Schudscha auf den Thron geholfen hatte, und rief den Prin-

**°) Persieus 2 Afghanische Könige waren Gildschihs.

zeu Kaisir zum Köbuig aus. Beide Aufstände wurden durch glorreiche

eines fleinen Qwiespalts, seinen Bruder oerlicß, und eine Piigerfahrt | gut acschriebener Artifel des ; : ;

A i n | 177 ff.), bauytsählih nah Alexander Burnes? Bericht, die Sciide-

| rong der späteren Ereignisse aufnimmt, und die Begebenheiten bis auf die Gegenwart verfolgt. Diesen Artifel hat die aats

| in KRr. 310 vom 9. November, S. 1277, mitgetheilt; wir könueu dic Leser darauf verwcisen.

| natürliche Westgränze seines Reiches.

sein Bruder Schudscäa auf den Throu geseyt werden sollte. Dech, des |

und Schudscha fehrte im Januar 180? im

| Triumph noch sciner Lieblings- Residenz Pischauer zurü>, wo er | bald darauf den Englischen Gesandten Eiphinstone cmpfing, der uns von decn persönlichen Eigenschaften dieses Fürsten ein so vorthei!hafies Bild gezeichnet hat. i n etw

ren, so daß er gegenwärtig an der Gränze der sc<ziger stebt. Dec bald drehte ihm das Glú> den Rü>den, und Mahwud, ven Futtib Khan abermals unterstüßt, vertrieb scinen Bruder und besiicg den Thron von Kabul zum zweitenmal ; dies ereignete sih zun Aafang des Fahres 1810.

Er war dama!s ein Maun von ctwœra 30 Jab-

Wir sind hier bis zu demjenigen Zeitpunkte gekommen, wo ein fiatic Journal (November 1838, S.

taats - Zcitunrg

Unter Mabmud?s zweiter Regierung ging das Afghanen - Reich, das ciust so gefürchtet war, mit Riesenshritten sciner Auflösung nts

gegen ; die schwachen Bande, welche scine Besiandtheile zusammendici-

ten, wurden immer lo>erer und die Parteien immer mächtiger wäh- rend die Familie des Oberhauptes der Barukschis na der Allcin-

berr schaft Krebie. Juerst ging, 1813, dic Festung Attok, dieser wichtige

Vorposten am Juadus, der den Uebergang über den genaunten Stronx vertheidigt, dur Verrätherei des Kemmandanten verloren, und Run- dschit Singh versäumte nicht, sie zu besegen. Bei diescm Anlaß machte Futtiß Khan, Namens seines Herrn, der Britischen Regierung Er- öffnungea zu cinem Bündniß gegen den immer weiter um sich grei- fenden Staat der Seikhs. „Da wir‘/, so hieß es in dem Schreibc?, an die Britische Behörde, „cinen und denseiben Gott anbeten, so ist es unsere Pflicht, gemeinschafilih die Ungläubigen auszurotten, dic chen so viele Dornsträucher in dem Garten des Pendschab sind. So- bald die Kriecgsflammen angefacht und Truppen unter dem Be- fehl meines Wesirs Futtih Khan nach jener Gegend in Marsch ge- segt scyn werden, woüen wir, so Gott will, die Ungläubigen in Ver-

| wirrung bringen, und dann das Pendschab untcr uns theilen.“ Un- | ruhen in anderen Gegenden des Reiches vereiteitei? aber diesen Plan,

der im Jahre 1817 gefaßt wurdc. Ein Jahr später croberte Rundschit Singh aucb die starke Festung Multan, und gewann dadurch ganz die Dann überrumpelte er im ahre 1819 das Kaschmir-Thal, nnd machte ‘damit der Ufghanen- Herrschaft auf der Osiseite des Jndus cin Ende. Vier Jabre (pätcr, 1823, drang er auch über den Strom, und es fam am 15. Mz bei cinem Orte, Ramens Nusckeher, dec zwischen Attok uud Pischauer liegt, zu einer blutigen Schlacht, in welcher die Seikhs zwar die Oberhand bebielten, seit der Zeit aber nicht gewagt haben, weiter ge- gen Westen vorzudringen, so daß sich Rundschit Singh hat begnügen müssen, nur allein Pischauer tributpslichtig zu machen. l Um die Namen der Personen, welche in der neuern Geschichte Afghanistan's Hauptrollen gespielt haben, oder bcrufen scvn foliteu, in Zukunft wehr oder minder großen Einfluß auf ihr Vaterland aus- zuüben, dem Gcdächtnisse besser vergegenwärtigen zu föunen, theilen wir nachflebend eine genealogische Uebersicht der aus dem Siduhcsi- Stamme c :tsprungenen Königlichen Familie von Kabul mit :

Ahmed Schah, Gründer M Durani Dynastie. 7 1773.

E Keimur Schah. + 1793.

D Nai S Ét Bft e Ecbudsha. Mahmud. Fihrus Ud Aijuk, oder

amayun. ESiman. ; (eblendet.) (Geblendet.) (Entthront +1829. Diyn, oder Díchifub. Lebt in Lu- 1809.) Libeas. (Lebt im Evil zu diana von Lebt eben: Fihrus. Lahore.) einer Pen- falls in Lue &amran, | Qirind. eusionaîir yon Hexat. Mullik Kof- O) Suitan Mage Comp. dex Comp. f S sim: hommed Khan. a 52 t a D; F N. Kaise. QGam 3) Said Mas

ho ..-ed Khan. Zerrschen ges Me (haftli<h in Ptichauer, als Tributoflicvtige des Maharad- s<ha Randscbit Singh von La- hore.

Nach dieser ziemlich verbürgten*) Genealogie der Durani- Dynastie würde, in Gemäßheit Europlischer Begriffe Über die Thronfolge der Sohn des geblendeten Schah Siman, nämlich der Prini Kaifir, das erste Anrecht auf die Regentschaft von Kabul habcn: allein die ncueste Gc schichte gedenkt weder seines Namens, noch anderer Kiuder Siman's, der in scinem blinden Zustande wohl nicht befähigt iß, die schwierige Stellung zu vertreten, welche mit dem Siy auf dem Kabul : Throne verknüpft 1. Unter Vorausseyung des Abfierbens von Kaisir hat dann, jenen Begriffen zufolge, Schudscha die gerechtesten Ansprüche auf den Besiß der Macht in Kabul, und wir müsen, auf CEanolly gesküut, die Genealogie zurü>weisen, wel<he der Agra Akhbar vou 18. August (und daraus die Morning Cbronicle vom 30. Oktober sowie die Staats-Zeitung Nr. 308, vom 6 Nov., S. 1269) zu Gunsten des verstorbenen Schah Mabuud und seines Sohnes Kamran geltend gemacht hat. Von jenem Gesichtspunkte rechtlicher Nachfolge geht dann auch ohne Zweifel die Regierung von British-Jundien aus, wennfie dem Fürsten Schudscha zur Erlangung seines Erbes bebülfli<h is, uad den Prinzen Kamran, den gegeuwärtigen Herrscher von Herat, eben so als Usurpator betrachtet, wie die Häuptlinge von Kabul und Kandahar aus dem Barukschi- Geschlecht. Politische Rücksichten treten dabei mit ins Spiel. Schah Schudscha wird uns nämlich zwar als cin woblwollender , freundlicher und in seinen Manieren und seinem ganzen Wesen böch fein gebildeter Maun, zugleich aber auch als ein Fürst gesczildert, dessen Urtheilskraft sich uicht über die Mittelmäßigkeit erhebe, und dessen Geschi> zum Beherrschen eines Volks, das dazu höchst unruhigeu und selbstständigen Charakters und, je na< den Anteressen der vornebmsten Familien in viele Parteicn gespalten is, immer sehr zweifelhaft gewesen sey. Es liegt darum ganz im Juteresse des Jado- Britischen Reichs, cin so shwaches, so unfäbiges Oberhaupt auf den Afghanischen Thron zu segen, der nur durch den Einfluß, wel<hen England durch materielle und moralische Kraft im Oricut übt, aufrecht erbalten werden und Dauer gewin- uen fann.

England's Judische Politik ist immer langsam zu Werke: gegan- gen, aber desto ficherer in ihren Erfolgen gewesen. Man müßte in der That sehr kurzsichtig sevn, wenn man annehmen wollte, das Stre- ben: die Gränzen der Gewalt gegen Westen auszudehnen, sey cbeu jeyt erst vom Zaune gebrochen. Scit Jahreu strebt dié Englische Macht dahín: nicht umsonst sind die vielen Gesandtschaften an deu Hof der Amirs von Sinde und an den Hof des Maharadscha Run- dit Singh mit großen Kosten abgefertigt worden; nicht als eine Höf- ree, VEORe siad Zusammenkünfte zwischen diesem Herrscher des Pendschab und dem General-Gouverneur von Judien veraustaltet worden; nicht zufällig und zwe>los haben seit den legten ficben oder acht Yabren die Burnucs, die Gerard, die Canolly, die Masson, die Vigne, die Wood u. a. unterrichtete Reisende Afghanistan und die benachbarten Länder, bis zu den Juellen des Orus, auf der Hoch- ebene Pamir, nah allen Richtungen durchkreuzt. Die Geographie und Geschichte dieser Länder, insbesondere auz ihre Alterthum8- funde, haben den Bemühungen jener Männer unendlich viel zu ver- danken, und werden ihnen zukünftig noh mehr vertauken, wenn die Berichte der neuesten, no< im Gange seyenden Reisen erst bekaunt geworden seyn werden; aber man übersehe es nicht, daß der wissen-

°) Mit Ausnahme der drei Söhne Aijub's, die als solhe von Canolly bezeichnet werden; Burnes dagegen nennt die drei Brüder- Durane von Pischauer Brüder des ODberhauptes von Kabul, Dost ohammed Khan, wonach sie zum Geschlecht der Baruksehis gehö-

ren würden.

E vet mitta

i i E R I E E PCE E HRTS ¡E E OBRDRET: DEEL E T E U RL 2 O E E T Ar RE Pr B