1900 / 263 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

C r E T CIET EOA- VE O T B E T ETT E --

Die spezielle Leitung und Beaufsichtigung der Arbeiten erfolgt durch den Wasser-Bauinspektor zu Dirschau, welcher sich während der Ausführung mit den betheiligten Déeich- verbänden in Verbindung zu seßen hat.

Für die Veranshlaguna, Ausführung und Abrehnung der Bauarbeiten gelten die für die Wasserbauverwaitung maß- gebenden Vorschriften.

2) Von dem Ober-Präsidenten ist zunächst ein allgemeines Bauprogramm sür die Gesammtausführung und ein allge- meiner Verwendungsplan bezüglih der erforderlichen Geld- mittel aufzustellen. Jnsgesammt ist eine Bauzeit von höchstens 4 bis 5 Jahren in Aushicht zu nehmen.

3) Alljährlih bis zum 1. August ist unter Zugrunde- legung des allgemeinen Bauprogramms ein Bauplan für die im Tommenden Etatsjahr auszuführenden Bauten und eine Nachweisung der aufzuwendenden Kosten aufzustellen.

__ Die Nachweisung und der Bauplan is nah vorläufiger Prüfung in technisher Beziehung durch den Strombau- Direktor und landespolizeilih durch die betheiligten Regierungs- Präsidenten in einer durch den Ober-Präsidenten anzu- beraumenden Sißung, in welcher er over in seiner Vertretung der Strombau-Direktor den Vorsiß führt, den betheiligten Deichverbänden zur Begutachtung und Erklärung vorzulegen. Vor der Sigzung isst den Deichverbänden Gelegenheit zur Einsichtnahme in den Bauplan und die Nachweisung zu geben.

Die Vertretung der Deichverbände in der Sizung erfolgt durch den Deichhauptmann oder seinen Vertreter, den Deich- inspektor und ein von dem Deichamt zu beslimmendes Mitglied desselben. Die Vertreter eines jeden Deichverbandes haben namens desselben eine einheitlihe Erklärung abzugeben und diese im Falle einer Meinungsverschiedenheit dur "Mehrheitsbeschluß herbeizuführen. Zu der Sißung sind Kommissare d:r betheiligten Regierungs-Prästderten zuzuziehen.

Kommt eine Einigung über den aufgesiellten Bauplan und die Nachweisung mit den betheiligten Deichverbänder. nicht zu stande, fo ist unsere Entscheidung einzuholen.

4) Auf Grund des aufgestellten Bauplans und der Nach- weisung seßt der Ober-Präsident alljährlich den Antheil der Kosten fest, welcher auf den einzelnen Deichverband nah Maß- gabe seines Beitragsverhälinisses entfällt. Die Zahlung der Zuschüsse für das laufende Baujahr (Etatsjahr) seitens der einzelnen Deichverbände erfolgt Ne 1. Oktober jeden Jahres.

Binnen zwei Wochen nah Mittheilung der zu leistenden Zuschüsse durch den Ober-Präsidenten an die Deichverbände steht denselben die bei dem Ober-Präsidenten einzureichende Beschwerde an uns zu. Unsere Entscheidung ergeht endgültig unter Ausschluß dcs Rechtsweges.

5) Der in Ausführung des i R erforderliche Erwerb von Grundstücken für den Staat geschicht durch den Ober- Präsidenten.

6) Nah Maßgabe des festgestellten Bauplanes hat in jedem Jahr die Bauausführung zu erfolgen. Wesentliche Er- gänzungen und Abänderungen desselben sind gemäß den Be- stimmungen zu 3 in demselben Verfahren festzustellen. Wann fjolhe Ergänzungen und Abänderungen als „wesentliche“ an- zuschen sind, bestimmt der Ober-Präsident.

7) Ueber etwaige Beschwerden eines Deichverbandes oder einzelner Jnteressenten während der Bauausführung entscheidet der Ober-Präsident. Binnen zwei Wochen nah Zustellung seines Bescheides ist die bei ihm ecinzureihende Beschwerde an uns zulässig.

8) Nah Beendigung der in Gemäßheit des jähr- lihen Bauplans auszuführenden Arbeiten hat die Ab- nahme der fertiggestellten Deichstrecken dur die betreffenden Deichverbände zu“ erfolgen. Die Vertretung der Deich- verbände bei der Abnahme geschicht durch die zu 3 benannten Vertreter.

Die Uebergabe fertig gestellter Deichstreen soll möglichst früh im Sommer erfolgen. Neu ge\hüttete Deichstrecken dürfen nur zur Uebergabe gelangen, nahdem sie in ihrer ganzen Länge fertiggestellt und an die alten Deiche angeschlossen sind. Den Tag der Uebernahme scitens der Deichverbände bestimmt der Ober-Präsident.

Ergeben sih bei der Abnahme Streitigkeiten über die Bauausführung, oder werden von den Deichverbänden Be- \{hwerden wegen des für die Uebernahme fertiger Deichstrecken festgeseßten Tages erhoben, so werden dieselben von uns nah Anhörung der betheiligten Regierungs-Präsidenten endgültig mit Auss{chluß des Rechtsweges entschieden.

Nach der Uebernahme der Deiche seitens der Deichverbände geht die Unterhaltung derselben auf die Deichvcrbände über.

Berlin, den 23. Oktober 1900.

Der Der Minister Minister für Landwirthschaft, der öffentlichen Arbeiten. Domänen und Forsten. Im Auftrage : Im Auftrage: Schulߧ. Hermes.

Ministerium der öffentlichen Arbeiten.

__ Der RNegierungs- und Baurath Brinkmann ist der Me Regierung in Posen überwiesen worden. er Regierungs - Baumeister Mangelsdorff bei der Klosterkammer in Hannover ist zum Bauinspektor daselbst er- nannt worden. Verseßt sind:

die Negierungê- und Bauräthe Bohnstedt von Minden nah Cassel, Horn von Stade nah Minden und Peltz von Posen nah Stade,

der Land-Bauinspektor Holßheuer von Heiligenstadt an die Regierung in Erfurt,

die Wasser-Bauinsp-ktoren Kniehahn von Berlin nah Glogau, Dieckmann von Mühlhof, Regierungsbezirk Marien- werder, nah Tapiau, Twichaus von Königsberg i. Pr. an die Elbstrom-Bauverwaltung in Magdeburg und Nizze von Wyk a. Föhr nah Plön.

Der Wasser-Bauinspektor, Baurath Heydorn in Plön ist unter Belassung daselbst zum Kommissar für die Ablösung der wegebaufiskalishen Verpflichtungen im Regie- rungsbezir? Schleswig bestelit worden.

Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten.

Den Königlichen n Albert Greiner zu Stolten- hagen, Oberförsterei Abtshagen, Regicrungsbeziuk Stralsund, und Peter Wagner zu Simmern, Oberförsterei Neuhäusel, Regierungsbezirk Wiesbaden, ist der Charakter als Hegemeister verlichen worden.

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Justiz-Ministerium.

Verseßt sind: die Amtsgerichtsräthe Seuwen in Krefeld

als Landgerichtsrath nah Köln, Radke in Lyck als Land- erihtsrath nah Memel und der Amtsrichter Behrens in Värstenau nach Winsen a. L.

Dem Landgerichtsrath Freiherrn von Elmendorff in Ae ist die nachgesuchte Dienstentlassung mit Pension ertheilt.

Der Fabrikant Wilhelm Fues in Hanau ist zum Handelsrichter, der Kaufmann Ernst Zimmermann daselbst zum stellvertretenden Handelsrichter bei dem Landgericht in Hanau wiederernannt. Der Fabrikant Huao Rempel in Bielefeld und der Kommerzienrath Albert Meyer in Porta sind zu Handelsrichtern, die Fabrikanten Bernhard Nord- meyer und Theodor Droop in Bielefeld zu itellverlreten- den Handelsrichtern bei dem Landgericht in Bielefeld ernannt.

ven Ersten - Staatsanwälten, Geheimen Justizräthen Cludius in Stade und Heinzemann in Limburg ist die nachgesuchte Dienstentlassung mit Pension ertheilt.

Der Staatsanwalt Quiring in Braunsberg ist nah Liegniy verseßt. h ___ Die Notare Justizrath Kochann in Stolp und Lewinsky in Kulmsee haben ihr Amt niedergelegt.

Der Rechtsanwalt Gorke in Glogau ist zum Notar für den Bezirk des Oberlandesgerichts Breslau, mit Anweisung seines Amtssißes in Glogau, ernannt worden.

Jn der Liste der Rechtsanwälte sind gelöscht: die Nechts- anwälte Justizrath Dr. Heymann, Willy Davidsohn und Dr. Max Rosenthal’ bei dem Landgericht T in Berlin, Justizrath Freiherr von Massenbah bei dem Landgerichi in Braunsberg, Justizrath Schulze bei dem Amtsgericht in Charlottenburg, Teusch bei dem Amtsgericht und dem Land- gericht in Düsseldorf und Lewinsky bei dem Anitsgericht in Kulmsee.

Jn die Liste der Rechtsanwälte sind eingetragen: die Rechtsanwälte Justizrath Schulßze aus Charlottenburg bei dem Kammergericht, Justizrath Kohann aus Stolp bei dem Amtsgericht in Landeck, Dr. Max Rosenthal aus Berlin bei dem Landgericht in Breslgu, Dr. Gradowski aus Neidenburg bei dem Amtsgericht in Charlottenburg, Le- winsky aus Kulmsee bei dem Amtsgeriht und dem Land- gericht in Neisse, die Gerihts-Assessoren Dr. Gemünd und Schrammen bei dem Landgericht in Köln, Dr. von Hille- brandt bei dem Amtsgericht und dem Landgericht in Stettin, Goldstaub bei dem Amtsgericht in Loslau, Dr. Karl Walter bei dem Amtsgericht in Soldau, Hirsh bei dem Amtsgericht in Pr.- Stargard, die früheren Gerichts-Assessoren Kettembeil bei dem Landgericht in Halle und Pr. Helwig bei dem Amtsgericht und dem Landgericht in Allenstein.

Ministerium der geistlihen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten.

Der Regierungs- und Schulrath Hermann Löwer ist der Regierung zu Schleswig überwiesen worden.

Dem Ghymnasial - Direktor Dr. Otto Lücke ist die Direktion des Realgymnasiums nebst Gymnasium in Leer übertragen worden.

Am Schullehrer-Seminar zu Habelschwerdt ist der bis- herige kommissarische Seminarlehrer Nudolph zu Proskau als ordentlicher Seminarlehrer angestellt worden.

A E

Gemäß § 46 des Kommunalabgabengeseßes vom 14. Zuli 1893 (G.-S. S. 152) wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der im laufenden Steuerjahr zu den Kom- munalabgaben einshäßbare Reinertrag aus dem Betricbsjahre 1899/1900 bezw. 1899

1) bei der nes Eisenbahn auf. . 10400 H

2) bei der Peine-Zlseder Eisenbahn auf 27780 ,„ D

3) bei der Hildesheim - Peiner Kreis- ee E A P8093 5

4) beiderFarge-VegesackerEisenbahn auf 20 000 ,„

5) bezüglih der preußishen Strecken der Braunschweigischen Landes- eisenbahn auf. . A

festgestellt ist.

Hannover, den 1. November 1900.

Der Königliche Eisenbahn-Kommissar. von Eickhof gen. Reißenstein.

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"Die Personal-Veränderungen in der Arnee 2c. befinden sich in der Ersten Beilage.

Nichkamtlicßes. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 3. November.

Seine Majestät der Kaiser und König trafen gestern Abend 63/, Uhr, von Wernigerode kommend, auf der Sas Wildpark ein und begaben Sih nach dem Neuen

alais.

Heute Vormittag hörten Seine Majestät die Vorträge des

- Chefs des Generalstabs der Armee, Generals Grafen von

Schlieffen, und des Chefs des Militärkabinets, Generals von Hahnke.

Die vereinigten Ausschüsse des Bundesraths für Zoll- und Steuerwesen und für Justizroesen sowie die vereinigten Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr hielten heute Sißungen.

Das Staats-Ministerium trat heute Nachmittag 31/2 Uhr unter dem Vorsiß des Minister-Präsidenten Grasen von Bülow im Dienstgebäude, Leipziger Plaß 11, zu einer Sizung zusammen.

Laut Meldung des „W. T. B.“ ist S. M. S. „Jrene“, Kommandant: Fregatten-Kapitän Stein, gestern in Tschifu Ln und beabsichtigte, heute nah Taku in See zu gehen.

Vayern.

Das Namensfest Seiner Königlichen Hoheit des Prinzz Regenten wurde vorgestern in der üblichen Weise begangen. Zn München fanden Festgottesdienste im Dom, in der pro- testantishen Matthäuskirche, in der St. Michaelkirhe (für den katholischen Theil der Garnison), in dex griehishen Kirche und in der Synagoge statt. Seiñe Königliche Hoheit der Prin z- Regent wohnte mit Jhrer Königlichen Hoheit der Herzogin von Modena dem Hochamt in der Allerheiligen- Hof- kirche bei. j;

Mecklenburg-Schwerin.

Jhre Königliche Hoheit die verwittwete Großherzogin Marie hat sih, wie die „Mecklenburger Nachr.“ melden, am 1. d. M. von Schwerin nach Lensahn begeben.

: Sachsen-Altenburg. __ Seine Hoheit der Herzog ist gestern aus der Somrzer- residenz Hummelshain nah Altenburg zurückgekehrt.

Desterreich-Ungacn.

Der Kaiser hat sih, wie „W. T. B.“ berichtet, ge f E 2 V i . Sd. 1 4 j gestern Abend von Wien nah Gödöllö begeben. E

Nufß;land.

Der russische Botschafter in Konstantinopel Sinowjew ist, nah einer Meldung des „W. T. B.“ aus St. Petersburg vom heutigen Tage, in Livadia von dem Kaiser empfangen worden.

Der Justiz-Minister Murawjew hat sih von St. Peters- burg nach der Krim begeben.

Der frühere serbish: Minister:Präsident Paschitsch{ ist in St. Petersburg eingetroffen.

Spanien.

Gestern - ist in Madrid, wie „W. T. B.“ meldet, eine Verordnung veröffentliht worden, durch welche die konstitu- tionellen Garantien in ganz Spanien suspendierl]t werden. Jn einem gestern unter dem Vorsiß der Königin- Regentin abgehaltenen Ministerrath gab der Minister- Präsident Azcarraga Erklärungen über die Maßregeln ab, welche dieser Verordnung gemäß ergriffzn worden seien.

Die amilihe „Gaceia de Madrid“ veröffentlicht ein Rundschreiben des Ministers des Jnnern, in welchem die Präfekten angewiesen werden, energishe Moßregeln zu er- greifen, um der carlistishen Bewegung Einhalt zu thun. Sie sollen insbesondere Haussuchungen vornehmen, das Erscheinen der Zeitungen verbieten, welhe die öffentlihe Meinung irre führen, und die carlistishen Vereinslokale schließen. |

Jn Madrid sind gestern der Vertreter des Prinzen Don Carlos, Marquis Villadarias, der Baron Sanggarren sowie mehrere andere carlistishe Führer verhaftet worden. Bet dem Marquis Feralbo und bei Cassasola wurden Haus- suhungen vorgenommen; sämmtiliche carlistishen Klubs sind geschlossen und zahlreiche Schriftstücke mit Beschlag belegt worden, aus denen sich die weitverzweigte Organisation der Carlisten ergiebt. Jn den Provinzen wurden viele bekannte Carlisten festgenommen. Mehrere von den Personen, welche wegen Verdachts, an der carlistischen Verschwörung theilgenommen zu haben, verhaftet sind, sollen des Landes verwiesen werden. Auf Landgütern in Katalonien ist eine Anzahl Waffen gefunden worden.

Zn Alcoy, Provinz Alicante, erschien gester eine zwanzig Mann starke Carlistenbande, verschwand aber bald wieder. Die Carlistenshaar bei Berga hat si gestern auf- gelöst.

Türkei.

Aus Konstantinopel berihtet das Wiener „Delegr.- Korresp.-Bureau“, daß eine aus dem früheren Minister ZTurkan Pascha und dem Adjutanten des Sultans, General Nassir Pascha bestehende türkishe Mission gestern Abend in Begleitung des zweiten Dragomans der russischen Botschaft, Wirklichen Staatsraths Majkow nach Livadia abgereist sei, um den Kaiser von Rußland im Namen des Sultans zu begrüßen.

Amerika.

Wie dem „W. T. B.“ gemeldet wird, hat sich Bryan gestern in Chicago dahin ausgesprochen, daß, seiner festen Ueberzeugung nach, die Wahlen in JFndiana und Missouri demokratisch ausfallen würden.

Das republifkanische Nationalcomité hat eine Kundgebung erlassen, in welcher es behauptet, die Führer der Demokraten drohten mit Gewalt, wo immer Parteirücksichten es erforderten ; die republikanischen Leiter der Wahlbewegung würden daher Maßnahmen treffen, um jeden Wähler zu [hüßgen und eine richtige Zählung dec Stimmen zu sichern.

Asien.

Dem „Reuter’shen Bureau“ wird aus Pasting-fu vom 26. Oktober gemeldet: Eine italienishe Truppenahb- theilung habe die als Strafexpedition ausgesandte britische Kavallerie abgelöst. Mehrere Dörfer seien niedergebrannt, viele Vorer getödtet worden. Eine britische Rekognoszierungs- Patrouille sei, ohne auf Widerstand zu stoßen, in Jtshou angekommen, eine deutshe Truppenabtheilung sei mit ihr bei den öst- lihen Kaiscrgräbern zusamméngetroffen. Die internationale Kommission habe den Provinzrichter Tienyang, den Militär- Kommandanten Wangschangu, den General Kiu und zwei andere Beamte zum Tode verurtheilt. Der General RNRichardson kehre mit dem britishen Kontingent am 28. Oktober über Langfang zurück. Die Deutschen und E blieben während des Winters als Garnison in aoting-fu. Es seien Vorbereitungen getroffen worden, um einen für besonders heilig gehaltenen Tempel der Stadt zu zerstören. Nach Meldungen der Londoner Blätter aus Peking vom 31. Oftober sind die Todesurtheile, welche gegen die in O verhafteten chinesishen Beamten ausgesprochen V dem Feldmarschall Grafen von Waldersee vorgelegt wörden.

Aus Peking vom 31. v. M. meldet die „Agence Havas“, daß die verbündeten Truppen fortführen, das Land von Boxern zu säubern. Eine französische Abtheilung sei bei Si- tshung, südlih von Paoting-fu, auf Widerstand gestoßen und habe einen Todten und zwölf Verwundete verloren. Die Verluste des Feindes seien bedeutend gewesen. Die Ortschaft sei nieder- gebrannt wörden. Nach éiner weiteren Meldung vom 1. d. M, traf cine französishe Kolonne in Hsiling ein und dbe- seßte am 28. Oktober das Grab einer Kaiserin. Später kamen auch deutsche, italienishe und britishe Kolonnen on und beseßten die übrigen Kaisergräber. Ein am 1. d. M. aus Paoting-fu in Peking eingetroffenes Tele- gramm berichte nihts über irgendwelhe neue Kämpfe.

In Schanghai ist, wie der „Timcs“ telegraphiert wird, am 1. November ein Kaiserliches Edikt veröffentlicht worden, durch welches Liukunji und Tschang-tschi-tung zu Friedensgunterhändlern neben Li - Hung - Tshang und dem Prinzen Tsching ernannt werden.

Der „Standard“ meldet aus Schanghai vom 1. d. M., der Prinz Tshwang, welcher wegen seiner Mitschuld an den chinesischen Frevelthaten seiner Aemter entseßt war, sei von der Kaiserin-Wittwe wieder nach Singanfu berufen worden. Tausend vèrsprengte Soldaten und Deserteure von der chinesishen Armee bedrohten die 200 Meilen nördlich von Schanghai am Kaiser-Kanal gelegene Stadt Tshing-kiang. Nach ‘einer amtlichen chinesishen Depesche aus Peking sollen die fremden Vertreter verlangt haben, daß ihnen ge- stattet werde, den Leichnam Kang-j1s und den Kopf Yü- hsiens zu schen. Der Adoptivsohn Li-Hung-Tschang's Li- tshingfong sei nah Peking berufen worden, uiht Scheng, wie gestern gemeldet wurde.

Ein Telegramm der „Daily News“ aus Schanghai besagt, nah Meldungen aus Singanfu habe der Thron dem Verlangen eines Zensors gemäß darein gewilligt, daß den Prinzen, die jüngst wegen Unterstüßung der Boxer degradiert worden sind, gestattet werde, ihre Gehälter weiter zu beziehen. Durch Edikte vom 27. Oktober seien zu Prähdenten der Zivil-Ver- waltung, der Verwaltung der Staatseinkünfte und des Zensor- amtes Mandschus ernannt worden, welche als reaktionär be- kannt seien.

Die Behörden in Canton sollen, einer Meldung des „Reutershen Bureaus“ aus Hongkong vom gestrigen Tage zufolge, eine Summe von 4000 Doll. auf die Köpfe der her- vorragenden Anhänger der Reformpartei ausgeseßt ler Viele derselben seien nach Hongkong und Macao ge-

ohen. Der „Nowoje Wremja“ zufolge ist in Südchina cine Bewegung zur Wiedereinseßung der Ming-Dyrnastie im Gange. Der etwa 25 jährige Prätendent Tien-su-zan, der verborgen bleibe, habe in einer Proklamation zur Ab- schaffung des von den Mandschus eingeführten Zopftragens aufgefordert und ferner verlangt, die Fremden sollten aus dem Jnnern vertrieben, aber in den Hafenstädten geduldet werden.

Wie dem „W. T. B.“ aus St. Petersburg gemeldet wird, haben, den vom gestrigen Tage datierten Berichten des russischen Generalstabs zufolge, in der Zeit vom 27. September bis zum 10. Oktober zwischen den Russen einerseits und chinests{hen Soldaten und Tungusen andererseits in der Gegend von Charbin cinige unbedeutende Zusammenstöße stattgefunden. Nach Be- richten aus Mukden werden das dortige Kaiserliche Palais und die Kaiserlihen Gräber im Osten und Westen der Stadt aon russishen Soldaten bewacht.

Ein dem russishen Generalstab zugegangener Bericht über die Operationen am Sungariflusse bei Bojansanfu besagt, daß die russishe Kolonne sich-. auf Schiffen flußabwärts weiter gegen Sindjan bewegt und diese Stadt ant 7. Qliobber eingenommen *habé. Am 9, Oktober sei dec Weitermarsch - nah Pintschau, fast 40 Werst auf durch Regengüsse ausgespülten Wegen, erfolgt. Jn der Nähe der Stadt seien die Truppen von den Ortsbehörden empfangen worden. Die Einfahrt der Artillerie und der Trains in die Stadt sei wegen des schlehten Zustandes der über den s{hlammigen Fluß führenden Brücken sehr beschwerlih gewesen, obgleih die Chinesen den Truppen hierbei in jeder Hinsicht behilflich gewesen seien. Jn der Stadt hätten die Truppen Quartiere bezogen.

Afrika.

Aus London wird dem „W. T. B.“ berichiet, daß, laut einer Meldung des Kommandeurs der Ugandaschüßen-Truppe vom 21. Oktober, in einem Kampfe mit dem Stamm der rebellishen Nandis, der am 13. v. M. stattgefunden habe, Dr. Sherlock gefallen und der Leutnant Henderson shwer verwundet worden sei. :

Nach einer Meldung aus Kapstadt, vom gestrigen Tage, wird der A Lord Noberts etwa am 20. d. M. die Nückreise nah England antreten. Lord Kitchener soll, wie der „Standard“ meldet, als Chef der britischen Truppen in Süd-Afrika zurückbleiben. s

Das „Reuter’she Bureau“ erfährt aus Kapstadt vom 2. d. M., es verlaute, das Ergebniß der von Sir Alfred Milner gepflogenen Verhandlungen sei ein derartiges, daß die Flüchtlinge aus Transvaal von der nähsten Woche ab dorthin zurückehren würden. 20 Transportschiffe lägen in Kapstadt zur Aufnahme der nach England zurüczu- \chaffenden* Truppen bereit; es sei jedoch unpahrscheinlih, daß bereits in nächster Zeit eine beträchtliche Zahl Truppen nach England zurückehren werde.

Aus Lourenço Marques berichtet dasselbe Bureau, daß viele Burenflüchtlinge, die sich seit der Uebergabe von Komati- poort dort aufgehalten hätten, zu ‘ihren Kommandos gurük- kehrten. Eine Anzahl von ihnen sei vor einigen Tagen in Sabie eingetroffen. EinDepeschenreiter, der für den Präsidenten Steijn Depeschen überbringen sollte, sei getödtet, und die Depeschen seien beshlagnahmt worden. Eine Abtheilung von 49 Buren sei auf eine Abtheilung Engländer gestoßen, welhe acht von den Buren getödtet und die übrigen gefangen genommen habe.

Die Buren sollen, wie aus Kapstadt vom 2. d. M. gemeldet wird, Koffyfontein beseßt haben.

Aus Bloemfontein vom gestrigen Tage wird dem „Reuter’shen Bureau“ mitgetheilt, daß 8300 Buren am 26. Oftober in eg eingedrungen seien. Die aus 2 Leutnants und 30 Mann bestehende Garnison habe sich ergeben und sei alsdann freigelassen worden. Die Buren hâtten hierauf alle in den Magazinen befindlihen Waaren in Beschlag genommen und dafür in einem Magazin einen Scheck der Negierung des Oranje-Fréistaats über 1600 Pfund Sterling hinterlassen.

Statiftik und Volkswirthschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

Die în Leipzig ausftändigen Bildhauergebilfen „haben, wte die „Lpz. Ztg.“ berichtet, vie Wiederaufnahme der. Arbeit von der Bewilligung folgender Forderungen abhängig gemaht: Wiederetn- stellung der entlassenen Arbeiter; strenge Einhaltung des geseglihen Bauarbeiter \huzes; rehtzeitiges Aufbänken, Aufhauen und Reinigen der Gerüste Trd den Unteruebmer; Gewährleistung, daß bei streitigen Accordstück:n dinsi&tlic) der Entiohnung, roenn keine Einigung erzielt wird, der übliche und festgeseßte Tagelohn gezahlt wird (vergl. Nr. 86 d. BL.).

Zum Ausstand der Leipziger Töpfergebilfen theilt dieselbe Zeitung mit, daß die lehteren beschlossen haben, die Arbeit nicht früher wieder aufzunehmen, als bis der frübere gemeinsame Arbeitt- nahweis wieder hergestellt ift (vergl. Nr. 250 b. Bl.).

Aus Lens, Departement Pas-de-Calais, meldet „W, T. B.“ pom gestzizen Ta2ge, daß die Arbeit an mehreren Stellen des Kohlen- revterß wieder aufgenommen worden ist, die Zaßl der ausftäadigzen Beraleute wird jedo immer noch auf 8800 angegeben (vergl. Ne 201 d. Bl)

In Barcelona hat, tem genannten Bureau zufolge, der Aus- stand der Tertilarbeiter an Ausdehnung gewonnen. Es sind über 3000 Mann dbeshâstigungslos (vergl. Né. 223 d. Bl.).

Kunst und Wissenschaft.

In der SBesammtsißung der Akademie der Wissen- \chGaften vom 25. Oktober (vorsitzender Sekretar: Herr Diels) syrach Herr Branco über „die geoloztschGe Bedeutung des Rieses bet Nörd- lingen“. Das Nies bietet, wie derselbe autfüßrte, zwei {wer zu ers Flärende Erscheinungen dar: einmal die Auflagerung großer Schollen äTsterer Juraschichten auf jüngeren in der Umgebung des Rieskefsels, oben aur der Alb, zweitzns das Auftreten des altêryftalinen Grund- gebirges in einem wesentli höheren Niveau, als dies in der den Kessel umgebenden Alb der Fall is, Beide Erscheinungen könnten ih gemeinsam erklären lassen durh die Annahme, daß unter dem Niese sich cin Lakkolith befiadet. Herr Koblrzusc© legte etne Arbeit der Herren Professor Dr. H. Rubens und Professor Dr. F. Kurlbzuum „über die Emnisfion langwelliger Wärmestrazlen durh den s{warzzn Körper bei yershiedenen Temperaturen“ vor. Die Verfaffer der Schrift haben die verschiedenen, für die Strahlung des Kirchhoff’ {en s{warzen Körpers wvorgeschlacenen Intenfitätg- formeln geprüft, indem sie die Abhängigkeit der Strahlungsintenfität von der Temperatur für eine bestimmte große Wellenlänge iwischzn 190 Grad und —+ 1500 Grad urnterfuchten, Ste wandten vabei die beiden nah mehrfacher Rifléxion an Flußspat oer an Steinsalz bleibenden NReststcahlen an und fanden, daß die von Lummer und Pringsheim sowie die von Plan gezeben2 “Formel ihre Beobachtungen am bestèn da*tellen. Dec Vorsigende legte etne Abhandlung des Herrn Dr. W. Crönert in Göttingen vor, betitelt:

Der Epitur-er Philonides*. Eine Revision der herkulanerfishen Nole Nr. 1044 hat eine Biographie des von Apollonios von Perge erwähnten Matbematikers Phtionides ergeben, deren T-xt in der Ab- hantlung mitgetheilt wird. Herr Dr. Joh. A. Nepjold in Hame- burg bat der Akademie 37 Briefe Bessel?s an I. G. Nepfold (1809 Lis 1829) und 45 Briefe desselben an Adolph Nepfold und A. & G. Nepfold (1830—1845) zum Geschenk gemaht. Herr voa Bezold legte die nahstehenden Publikationen ‘vor: 1) Bericht über die Thätigkeit des Königlih preußisGhen Metéorologischen Instituts im Jahre 1899; 2) Ergebnisse der meteorologishen Beobachtu»gen in Potsdam îm Jahre 1898; 3) Ergebnisse der Gewitterbeobahtungen im Jahre 1897; 4) Regenkarte der P- ovinzen Westpreußen und Pofeo, im amtiihen Auftrage bearbeitet vou G. Hellmann.

Die Aladernie hat ihrem acu8wüärlizen Mitaliede Herrn von Sitel zu seinem fünfzigjährigea Dottorjubiläuum am 16. August 1900 eine Adresse gewidmet.

Die physifalis&-maibhematische Klasse der Akademie hat ¿zu wifffsen- \chaftlihen Üaternehmuagen bewiltzt: Herrn Gngler zur Fortführnng des Werkes „Das Pflaazenreih* 2300,46; Herrn Lehrer Philipp Fauth in Landituhl zur Bercysllitändigung fsetnec Beovachtungshilfömittel 300 4M; Herrn Professor Dr. Otto Lehmann in Karlsruhe zur Fort- füßrung feiner Untersupungen über flüssige Kiystalle 1200 4; den Professoren Herren Friedrih Paschen und Karl Runge tn Hannover zur Beschaffung eines Halbring-Flekiromagneten 1400 M; Hecca Privatdozenten Dr. Karl Peter in Breélau zur Herstellung von Yormentafeln, die Entwidelung der Gidehsen betreffend, 500 M

Die philosophiscz-bistorish: Klasse bewilligte zu wissenschaftlichen Unternehmungen : Herrn Ober- Bibliothekar, Professor Dr. Karl de Boor in Breslau zur Fortführung seiner byzantinifhen Studien, tasbefondere der Bearbeitung der konstantinischen Exc-rpte 1800 46; Herrn Charles Upson Clark, z. Zt. tn Münder, zue Vorbereitung ciner neen Aus- gabe des Awmianus Marcellinus 1500 46; Herrn Privatdozenten Dr. Franz Diekamp in Münster i. W. zu einer Reise nah Rom zum Zweck der Bergleihung von Handschriften der Doctrina patrum de verbi incarnatione 800 #4; Herrn Oberlehrer Dr. Johannes Kirchner in Berlin zur Drucklegung seiner attishen Profopographie 3090 A4; Herrn Privatdozenten Dr. Ludwig Nix in Bonn zu etaec Reise nah England zum Zweck der Vergleichung der arabis&en Handschriften des Apollonius Pergaeus 500 6

Die EntsHheidung in dem Wettbewerb um Entwürfe zu einem Denkmal für den Freiherrn von Schorlemer in Münster t. W. ergab, wie das „Centralbl. d. Bauverw.* meldet, für dea Bildhauer Heising in Berlin-Friedenau den ersten Preis, für den Bildhauer Haverlamp in Berlin den zwetten und für den Bild- hauer Hammerschmidt in Düsseldorf den dritten Preis. Außerdem wurden zum Ankauf empfohlen die Arbeiten der Bildhauer Geiling in Düsseldorf und Belte tn Münster.

Vauwesen.

In dem Wettbewerb, den der „Verein der Wasser- freunde“ in Berlin zur Erlangung von Entwürfen für den Bau einer Badeanstalt ausgeschrieben hatte, hat das Preis- geriht, wie das „Zentralbl, d. Bavverw.“ meldet, folgende Preise ertheilt: einen Preis von 2000 (A dem Entwurf „Quisisana“, Nexrfasser: Architekt Leonh. Sandkaulen und Chr. Klein (beide in Düsseldorf); einen zweiten Preis von 2000 ÆA dem Entwurf „Tiefbau“, Verfasser: Regierunas-Baumeister Herold in Berlin- Halensee; einen Preis von 1000 „« dem Entwurf „Aqua“, Ver- fasser: Architekt Alfr. Lowißki und Architekt Wilhelm Grieme, beide in Berlin. Zum Ankauf wurden empfohlen die Entwürfe mit den Kennworten „Berlin 1900* und „Ein Wasserfreund“.

Theater und Musik.

Konzerte.

Die Großherzogli sächsishe Hofpianistin, Fräulein Adele aus der Ohe, veranstaltete ata Sonniag in der Sing-Akademie eine Matinée, in welcher lediglih Kompositionen der Konzertgeberin für Klavier und Gesang zum Voitrag gelangten. Die Tonseßerin bewies zwar einen gut entwtckelten Formensinn, aber nit allzuviel Eigenart der Erfindung, Es gelingen ihr recht gefällige und wohlklingende Sätze, denen es aber zumeist an Tiefe fehlt. Am ansprechendften war ein Menuett aus der Suite op. 2 und „à la Bourrée“ aus der Suite op. 8. Die langsamen Sätze derselben Werke zeigten jedo faum einen erquicklihen musikalishen Gedanken. Necht anmutbig war ferner ein Walzer op. 11, während in ber Novellette op. 12 und der Melodie op. 4 die Anlehnung an mehr oder weniger bedeutende

Borbilber etwas zu star? Hervortrat. Die Künstlerin spielte ihre Kompositiorea es mit natürli@em Empfinden un» mit guter Technik, aber stellenweise mit zu Hartem Anschlag. Die mit- wirkfende Sängerin Fräulein Blanhe Sylvana brahte den gefang- lien Thei), des Programms mit überaus zarter Stimme zu Gehör. Voa den Liedern, die gleihfalls auf Originalität keinen besonderen Anspruch erheben konnten, aber troßdem meist ret flimmungs- voll wirkten, ersien „Thistle-Down“ am besten gelungen. Am Abend dvetselben Tages veranftaltzte der Königliche Kammerfänger Herr Emil Goetze nah längerer Abwesenheit ven Berlin im Beet- bhoven- Saal einen Liederabend, dessen Programm außer einer Arie aus Méhul’s Oper „Josevb in Egypten" und dem Préeisited Walther's aus den „Meistersingern von Nürnberg“ Lieder von Schubert, Shumänn, Fran, Nubiastzin u. K. enthielt. Der frische, letentice Vortrag des belicbten Künstlers ließ fast vergessen, daß die Stimme nicht mehr den Schwmelz und die Modulattonsfähßigkeit besißt, die ihr früher eigen waren, und riß das zaßlreitze Pu- blifum zu lebhaîïten Beifallsfundgebungen hin. Die Begleitung am Klavier führte der bekannte Pianist Herr Arthur Speed, welher au einige woblgelungene Soli beisteuerte, feinfühlig aus. Ebenfalls am Sonntag fand im Saal Bechstein ein Lieder- und Balladen-Bbezn» des Herrn Leopold Löshcke statt. Der Sänger Hesißt eine vorz¡liglih gesulte, ausgicbige Baritonstimme!, die jedo etroas sprôde er!'heint; au fehlt es seinem Vortrage bisweilen an Wärme, wozegen die deutlihe Ausspra@e und die fonstige musikalisch forreklie Wiedergabe seiner Vortragsflücke Anerkennung verdienen. Seia Programm bestand aus Werken von Händel, S ubert, S(umanu, Weber Locwe, Brahms und Leoncayallo.

Am Montag fand im Saale der Philharmonie das erste dietjäßrige Konzert des Philharmonischen Chors unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Professor Siegfried Ochs statt. Zur Aufführung war „Da3 “Paradies und die Peri“ von Nobert Schumann gewählt worden. Obgleih hieses Werk für das moterne Empfirden nicht mehr die Bes deutung hat, die ihm früher beigemefssen wucde, so if es doch in feinen nmusikalishen Schönheiten und seinem poetischen Inhalt noch immer von eigenartigem Neiz, und man kann Herrn Stegfried Ochs nur dankbar sein, wenn es wieder einmal fa der Vergessenheit entrissen worden ift. Es5 eignet ih wohl au kaum ein Chor fo fehr wie der Philharmorische zur Aufführung einer derartigen Tonshöpfung und dec Wiedergabe seiner zarten Klangfarben. Präztsere Pianceinsäße und seiner s\chattierze Tontwirkungen find wohl selten zu finden. Unter den Solisten sei zuerst Frau GSrumbacer-de Jong erwähnt, welGe in leßter Stunde für die plöglih bchinderte Frau Fleischer-Edel cinsprang. Ihr heller, in d-r Höhe reŸt klangvoller Sopran eilgnete fi ausgezeichnet für die Partie der Pert; leider find Mittellage und Tiefe so wenig kräftig, daß fie in den Ensemktle-Säßen fast garniht zur Geltung kamen. Die Dame sang die unerwartet übernonmene Partie mit Sicherheit und gutem Ausdruck. Frau L. Sobrino hatte den zweiten Sopranpart Übernommen, den fie mit frischer, kräftiger Stimm- in angemessener Weise durchführte. Frau Lula Gmetner sang die Altpartie mit ruhiger Sicherheit und \@dönem Ton, aber etwoa3 zu wenig belebt. Herr N. von zur Mühlen führte den Tenorpart bei guter stimmliher Disposition durch, nur ershien fein Vortrag zu s{melzend und süt; etwas mehr Herbheit würde kräftiger gewirkt haben, Ein wenig zu monoton, aber sonst wit großer Tonsönheit sang Herr van Eweyk die Baßpartie. Gben}falls am Vontag Abend stellte sich im Beethoven-Saal ein ehes mwaliges Mitglied der Meininger Hofoper, Herr Hans Sa ffe, vor. Seine Stimme läßt eine gute S&ulung erkennen ünd ift besonders im Mezza voce-Sesang annehmkar, hart aber R einen eiwas heiseren Beiklang, der den Ton beeinträhtigt. er Vortrag, namentli derjenige der Balladen von Loewe war dramatisch belebt. Der an demselben Tage im Saal Bechstein veranstaltete zweite Klavier-Abend des Herrn Waldemar Lütshg bedeutetè ebenso roie der erste einen Grfolg- für den fünzen Künstler. Sehr erfceuliz war unter anderem die Wiedergabe der G-moll-Sonate von SHumann, deren erfien Saß er mit einer wohlthuenden, jugend- Ven Frie spielte, Im „Liebeëttraum“ von Liszt sawie in dem G-moll-Nocturne und dem Mittielfsaß des H-moll-Scherzos von Choptn verloc si der Pianist dagegen zu sehr ins Träumerische. An demselben Abend- gaben. Fräulein Adele Dtto-Morano (Gesang) und He2zrr Hermann Lafont (Klayier) gemeinsam ein Konzert in der Sing-Akademie. Da die Dame von einer plöglichen Indisposition befallen wurde, läßt sich über ihr Können kein adb- ichließendes Urtheil fällen. Jedenfalls verfügt sie jedech über etne sympathische Sovranstiime und trägt mit Empfindung vor. Ihr Partner zeigte sich als ein recht gewandter, verständnißvoller Klavier- spieler von weit vorgeschrittener Technik, nur exschien féin Anschlag im Forte bisweilen eiwas hazt.

Am Dieastag fand in demfelben Saale das erste dieswinterlihe Abonnements-Konzert der Hercen Zajic-und Grünfeld unter Mit- wirkung der Konzertsängerin Frau Gttinger und des Klaviervirtucsen Herren Hauer statt. Der Abend zeigte die gewohnte Ptysiognomie dieser beliebten musikalischen Veranstaltungen. Die Künstler ent- Tedigten fi threr mannigfahen Aufgaben, wie ftets, in höch} aner- kennenswerther Weise und dankten für den lebhaften Beifall der zablreihen Zuhörer durch Bewilligung von je einer Zugabe. Im Beethoven-Saal gab glechfalls am Dienétag Fräulein Hermine Schwarz einen Klavier - Abend. Ihr Spiel befricdigte nicht durchaus, da es durch Unklarheit litt, woran wohl u. a. der zu starke Pedalgebrauch die Shuld trug. Vie Künstlerin jpielte auch eigene Kompcsitionen, kleine anspruchslose Stück-, die ein gewisses [teben8würdiges musikalis@zes Kalent, aber keine besonders hervors- ragende \chöpferishe Kraft bekundeten. Sie fanden bei dem an- wesenden Auditorium eine freundlihe Aufnahme. Im Saal Bechstein gaben zu derselben Zeit die Herren Percy Sherwood Klavier) und Johannes Smith (Violoncello) einen Sonatens Abend, der nur spärlihß besucht war. Die beiden Künstler braten ausschließlih selten gespielte oder garnicht bekannte Werke zu Gehör, von denen das letzte, die Sonate (op. 25) von Nicodé starken Beifall fand. Besonders wohblgeiungen ersien dabei die Wiedergabe des Scherzo, bes Larghetito und bes Allegro animato. Eine eigene Kompositton des Herrn Sherrwoood (Sonate Nr. 2 in A-dur) fand nit ganz die Aufnahme, die sie wohl verdient hätte. Ja seinem Spiel zeigte er sh als recht ernst zu nehmendtn Künstler.

Fm Königlichen Opernhause geht morgen Auber's Oper „Fra Diavolo* mit Herrn Philipp tin der Titelrolle in Scene. Den Lord Cookburn singt Herr Nebe; die Pamela: Fräulein NRothauser; den Lorenzo: Herr Sommer; die Zerline: Frau Herzog, tie Banditen: die Herren Knüpfer und Lieban. Hierauf folgt das Ballet „Vergißmeinnicht“ mit dea Damen Dell? Era und Urbansfa in den Hauptrollen. Am Montag wird Richard Wagner?3 Oper „Lohengrin“ in folgendec Beseßung gegeben: König Heinrih: Herr Mödlinger; Lohengrin: Herr Kraus; Elsa: Fräulein Destinn; Telramund: Herr Hoffmann; Ortrud: Frau Goetez Heerrufer : Herr Bawmann. Kapellmeister Walter dirigiert.

Im König! ichen Schau}pielhaufe wird morgen das Lust- spiel „Meine Schwiegertochter“ zum ersten Mal wiederholt. Am Montag gebt G. von Möbser?'s. und T. von Trotha's Lustspiel „Der wilde Reutlingen“ in Scene. An Stiller's Geburtêtage, Sonne abend, den 10. November, wird zum ersten Male „Semele*® in ¿wei Scenen von Friedrih von S@hiller gegeben. Die zur Handlung geßhörende Musik ist dem Oratorium .„Semele“ von Georg Friedri Händel entnommen und für die Bühne eingerichtet von Ferd. Hummel, Die Juno spielt Fräulein Lindner, die Semele Fräulcin Wachner, den Iupiter Herr Molenar, den Merkur Herr Boetticher. Hierauf folgt, neu einstudiert, „Turandot, Prinzessin von China“, tragikomishes Mär@ßen in fünf Aufzügen von Feiebrih »ou Schiller, Die zur Handlung * geböceude Musik von Carl: Maria von Weber. Die. Beseßung lautet: Altoum: E Grukte; Turandot: Frêéulein Poppe; Adelma: Frau von Howhens