1900 / 286 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Ä I ATT «C N AEET AENRE O L 2 U E O s E Ä P E V Co M O-A ION C I E T M E T

S E D Wr 0

der Fal vei L ia Schipper in Wiesbaden em Landgericht daselbst. E E i

Verseßt sind: die Ersten Staatsanwälte Settegast in niß nah Limburg, Saro in Tilsit nach Danzi und der 8anmwalt von Schmiedeberg in Lyck nah Görliß.

Dem Notar, Justizrath Freiherrn von. Massenbach in Braunsberg ist die nachgesuchte Entlassung aus dem Amt

ertheilt. | Notar ernannt ist der Rechtsanwalt Haack in

Zum Schlochau. : à :

Jn der Liste der Rechtsanwälte sind gelöscht: die Rechts- anwälte Hermanowski bei dem Landgericht I1 in Berlin und Dr. Helmke bei dem Amtsgericht und dem Landgericht in Stettin. i

In die Liste der Rechtsanwälte sind eingetragen: die Rechtsanwälte Hermanow ski vom Landgericht IT in Berlin bei dem Landgericht T in Berlin, Dr. Helmke aus Stettin bei dem Landgericht in Hagen, die Gerichts-Assessoren Walter Rosenthal bei dem Kammergericht, Dr. Hermann Fischer bei dem Oberlandesgeriht in Köln, Dr. Bensch er bei dem gericht 1 in Berlin, Dr. Jung bei dem Landgericht in Frankfurt a. M., Dr. Zillessen bei dem Amts eriht und dem Landgericht in Saarbrücken, Haber bei dem Amtsgericht Ä gen und Max Müller bei dem Amtsgericht in

elbert.

Der Senats: Präsident bei dem Kammergericht Hadl ich, die Amtsgerichtsräthe Koschella in Neustadt O.-Schl. und E ch in Castrop, der Rechtsanwalt, Justizrath Gottfried

räff in Koblenz und der Rehtsanwait und Notar, Justiz- rath Dr. Neukirch in Frankfurt a. M. sind gestorben.

Ministerium für Handel und Gewerbe.

Bekanntmachung.

Bei den Sqhiedsgerihten der Arbeiterver- sicherung jind nahfolgende Beamte zu stellvertretenden Vor- sißenden ernannt worden: :

der Regierungs: Assessor Reinecke in Aachen zum stell- vertretenden Vorsißenden des in Geilenkirchen bestehenden Schiedsgerichts und i i:

der Regierungs-Assessor Simon in Stettin zum stell- vertretenden Vorsißenden der dortigen Schiedsgerichte.

Der Siß der Schiedsgerichte der Hannoverschen land- wirthschaftlichen Berufsgenossenschaft in Hannover für den Kreis Bersenbrück und für die Regiebauten des Kommunal: verbandes des Kreises Bersenbrück is von Bersenbrük nach Quakenbrück verlegt worden.

Berlin, den 28. November 1900.

Der Minister für Handel und Gewerbe. Jm Auftrage: Neuhaus.

Ministerium der geistlihen, Unterrihts- und Medizinal-Angelegenheiten. Der Provinzial-Schulrath Oeltjen ist dem Provinzial: Sculkollegium in Hannover überwiesen worden. Am Schullchrer-Seminar zu Siegburg ist der Knabenschul- rektor Schmiß zu Bergish-Gladbach als Seminar-Oberlehrer angestellt worden.

TageSordnung für die Sißung des Landes-Eisenbahnraths am Freitag, den 14. Dezember 1900, Vormittags 10 Uhr.

1) Tarif für Holzkohle. 9) Tarif für galizisches Petroleum. i 3) Mittheilungen über genehmigte Ausnahmetarife

E 4) Uebersicht der Normaltransportgebühren.

Außerdem mehrere von der ständigen Tarifkommission der deutschen Eisenbahnen vorberathene, für die B:shlußfassung der Generalkonferenz der deutschen Eisenbahnverwaltungen vor- bereitete Anträge von allgemeinem Juteresse zu den all-

emeinen Zusaßbestimmungen zur Eisenbahn - Verkehrs- Ordnung ‘und zu den allgemeinen Tarifvorschriften, betreffend die Tarifierung von lebenden Thieren, von frischen Nüssen und Maronen, von Margarine, von Futter- mehl, von Gerstenschalen, von Accumulatoren, von Ruß zur Herstellung von Beleuchtungskohle und von Calciumcarbid, sowie die Ausstellung von Beschei- nigungen über Zuchtvi eh.

Berlin, den 30. November 1900.

Der Vorsißzende des Landes-Eisenbahnraths. Fle ck, Wirklicher Geheimer Rath, Unter-Staatssekretär.

Bekanntmachung.

Dem Markscheider Albert Odermann aus Neunkirchen bei Saarbrücken is von uns heute die Befugniß zur felbfändigen Ver- rihtung von Markscheiderarbeiten für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden.

Clausthal, den 27. November 1900.

Königliches Ober-Bergamt. von Vetten.

Nichtamtliches. Deutsches Reith,

Preußen. Berlin, 1. Dezember.

Jhre Majestät die Kaiserin und Königin trafen gestern Nachmitiagi hier ein und begaben Sih nah der Wohnung der Gräfin Yorck von Wartenburg, geb. von Olfers, um derselben die Theilnahme an dem Tode ihres Sohnes, des Obersten Grafen Yorck von Wartenburg, auszusprehen. Sö, dann wohnten Jhre Majestät im Augusta-Hospital der mit der“ E verbundenen Feier des 25 jährigen Jubiläums der

berin von Arnim und zweier Schwestern bei. Am Abend kehrten Jhre Majestät nah dem Neuen Palais zurü.

In der am 29. v. M. unter dem i des Staats- sekretärs des Jnnern, Staats-Ministers Dr. Grafen von Posa- dowsky-Wehner abgehaltenen Plenarsißung des Bundes - raths wurde dem Entwurf eines Geseßes für Elsaß- Lothringen, betreffend den Verkauf von Waldflächen in, den Oberförstereien Bitsch - Nord und Bitsch - Süd, die Zustimmung ertheilt. Den zuständigen Ausschüssen wurden überwiesen: der Antrag ayerns, betr.ffend die Ein- führung von Mehrleistungen nah 8 45 des Jnvaliden- versicherungsgeseßes, der Antrag Badens wegen Ver- wendung von Uebershüssen des Sondervermögens der Landesversicherungsanstalt Baden, die Vorlage, betreffend Aenderungen in den Nummern XY und XL]IVa der An- lage B zur Eisenbahn-Verkehrsordnung, der Entwurf einer Verordnung über die Gerichtsbarkeit der deutschen Konsuln in Egypten, die Denkschrift über die Ausführung der seit dem Jahre 1875 erlassenen Anicihegeseße, sowie die Uebersichten über die Einnahmen und Ausgaben der Schußgebiete für 1897/98 und 1898. Von der Uebersicht über die Bauaus- führungen und Beschaffungen dec Neichs-Eisenbahn-Verwaltung nah dem Stande vom 30. September d. J. wurde Kenntniß genommen. Außerdem wurde über verschiedene Eingaben Beschluß gefaßt.

Laut Meldung des „W. T. B.“ ist S. M. S. „Wörth“, Kommandant: Kapitän zur See Borckenhagen, gestern von Wusung nah Nagasaki in See gegangen.

S. M. S. „Bussard“, Kommandani: Korvetten- Kapitän von Bassewißt, ist gestern in Schanghai cingetroffen.

S. M. Torpedoboot „S 91“, Kommandant: Oberleutnant zur See Püllen, ist am 29. November in Canton angekommen.

Görliß, 30. November. Jn der heutigen dritten Plenar- sizung des Kommunal - Landtages der preußischen Oberlausiß wurde zuerst der Bericht einer ständischen, mit der Revision des hiesigen Rettungshauses beaustragt gewesenen Kommission über den günstigen Zustand dieser Anstalt entgegen- genommen. Daran {loß sih wiederum die Beschlußfassung über eine Anzahl von Gesuhen um Gewährung von Beihilfen zu Kirchen- und Pfarrhaus-Reparaturen und zu verschiedenen gemeinnützigen und anderen Zwecken. Hierzu gehört auch das Gesuch um Bewilligung eines Beitrages zur Errichtung einer Bismarcksäule, welches ebenso wie mehrere andere der vor- erwähnten Gesuche Berücksichtigung fand. Die nächste und leßte Sizung findet morgen Vormittag statt.

Frankreich.

Das „Journal officiel“ veröffentliht eine Verordnung, in welcher erklärt wird, daß die in der Haager Konferenz von den Vertragsmächten beschlossenen Akte und Ver- einbarungen für Frankreich in Kraft getreten sind. Wie ferner amtlih bekannt gemacht wird, wurden die Deputirten Léon Bourgeois und d’Estournelles, der frühere Botschafter Laboulaye und der Professor der Rechte Louis Nenault zu Mitgliedern des Haager Schieds- gerichts ernannt.

Der Präsident Krüger empfing gestern Vormittag, wie „W. T. B.“ berichtet, den Syndikus des Pariser Gemeinde- raths, welcher ihm eine goldene Medaille zur Erinnerung an seinen Besuh im Hôtel de Ville und einen Abdruck des Protokolls der Gemeinderäthssißzung vom 5. November auf Per- gament überreichte, in welcher über den Empfang des Präsidenten Krüger berathen worden war. Der Präsident dankte für die vielen Sympathiebeweise der Stadt Paris und ihrer Vertreter und betonte \{ließlich nochmals, daß nur durch ein Schiedsgcricht der Frieden in Transvaal herbeigeführt werden fönne. Nachmittags machte der Präsident Krüger dem Prä- sidenten Loubet einen kurzen Abschiedsbesuch, den dieser als- bald erwiderte. Auch mit den Präsidenten des Senats und der Deputirtenkammer taushte der Präsident Krüger gestern Nachmittag kurze Besuche aus.

Der Senat nahm gestern einstimmig einen Antrag an, welcher dem Präsidenten Krüger in derselben Weise, wie es seitens der Deputirtenkanimetr geschehen ift, die Sympathie des Hauses ausdrückt. Die Präsidenten der vershiedenen Gruppen des Senats begaben sich darauf zu dem Präsidenten Krüger, um ihm von vem Beschlusse Mittheilung zu machen.

Jn der gestrigen Vormittagssißung der Deputirten- kammer richtete der Deputirte Basly an die Regierung eine Anfcage über die Katastrophe in Anichet und ver- langte, daß das Halten von Dynamitvorräthen in den, Minen verboten werde. Der Minister der öffentlichen Ar- beiten Baudin erwiderte, daß die Ursachen der Explohton noh niht genau bekannt seien; es sei möglih, daß in- folge von Feuchtigkeit Selbstentzundung eingetreten sei. Die geltenden Vorschriften enthielten über die Vorräthe von

ynamit innerhalb der Minen genaue Bestimmungen. Es ci eine Untersuchung darüber eingeleitet worden, ob diese Vorschriften g:nau beobachtet worden seien. * Die Kammer fuhr sodann bis zum Schluß dcr Sißung mit der Generaldiskussion über das Budget des Ackerbau- Ministeriums fort. Jn der Nachmittagssißung ei- kflärie der Minister der Kolonien Decrais in etner Antwort auf die Jnterpellation des Deputirten Vigne über die Vorgänge in Zinder (im Sudan), er habe eine umfassende Untersuchung über diese Angelegenheit angeordnet. Der Minister berichtete sodann über die von Zeugen erhaltenen Mittheilungen, welche sämmtlih belastend für Voulet und Chanoine lauteten. Diese hätten nach der Ecmordung des Obersten Klobb sich in s{hmähliche ‘Verwünshungen gegen Fcank- reich selbsi ausgelassen. Er habe die Deteelsanden Schriftstücke nicht den ler Er weil die gerihtlihe Unter- suchung eröffnet worden sei. Ec wolle indessen einen Auszug des Berichts des Hauptmanns Fouilaud verlcjen, nah welchem Voulet seinen Offizieren erklärt habe, daß er nichts bedaure und bereit sei, das Vorgefallene nochmals zu thun; er habe einen Staatsfireih begangen; wenn er in Paris wäre, würde er Herr von Frankreich sein. Chanoine habe zu Voulet gesagt : „Jch gehe mit dir durch Dick und Dünn! Es lebe die Freiheit !“ Der Kolonial-Minister besprah sodann gewisse von dem Deputirten Vigne enthüllte Tyatsachen und erflärte, wenn seine Amtsvorgänger. diesclben gekannt hätten, - würden sie sie niht verheimliht haben. Was den. Sklavenhandel be-

treffe, so habe er im Januar ein Rundschreiben erlassen, um

diesem Handel ein Ende zu machen. Der Minister nahm P den General Gallieni gegen die Angriffe des

eputirten Vigne in Schuß, welche sih auf die Verordnungen bezogen, die der General Gallieni gegen die Eingeborenen auf Madagaskar erlassen hat. Dicie Verordnungen seien zudem nur vorübergehende, und außerdem würden die Frohn- dienste mit dem 1. Januar aufhören. Der Minister lobte den General - Gallieni und dessen Verwaltung und betonte, daß die einigen Offizieren zum Vorwurf gemachten Vorkommnisse und Grausamkeiten nur auf Ver- leumdung beruhten. Der Minister gab zu daß von 150 Eingeborenen, welche im Gefängniß gesessen hätten, 23 erstickt seien. Der für dieses Vorkommniß verantwortliche Beamte, welcher sih der Fahrlässigkeit schuldig gemacht habe, sei der Staatzanmwalischaft übergeben worden. Der Minister \hloß mit dem Hinweise, daß man den Eingeborenen gegenübec eine Politik der Gerechtigkeit und der Humanität befolgen müsse.

RNufß laud.

Wie dem „W. T. B.“ aus Livadia berichtet wird, verbrachte der Kaiser den Donnerêetag und die folgende Nacht schr gut. Das Befinden Seiner Majestät is sehr be- friedigend. Vorgestern Abend war die Temperatur 3649, der Puls 60, gestern Morgen war die Temperatur 35,809, der Puls 62.

Der General - Gouverneur von Warschau, “General der Jnfanterie und General-Adjutant Fürst Alexander JImeretinsky ist gestern Abénd gestorben.

Portugal.

Aus Lissabon wird dem „W. T. B.“ gemeldet, daß der Finanz-Minister und der Minister der offentlichen Arbeiten zurücktreten würden. Es verlaute, Fernando Mattoso werde zum Finanz-Minister, Manoel Vargas zum Minister der öffentlichen Arbeiten ernannt werden.

Schweiz.

Das schiedsgerichtlihe Urtheil des Bundes- raths in dem französisch-brasilianischen Konflikt wegen eines Territoriuums in Guyana ist heute, wie „W. T. B.“ meldet, den Parteien zugestellt worden.

Niederlande.

Dem Journal „Vaderland““ zufolge, hat die Regierung, wie „W. T. B.“ mittheilt, dem niederländishen Konsul in in Lourenço Marques Pott einen Urlaub von drei Monaten bewilligt. Pott werde demnächst in den Niederlanden erwartet.

Belgien.

Die Repräsentantenkammer hat gesiern, wie „W. T. B.“ erfährt, mit 77 gegen 61 Stimmen bei 3 Stimm- enthaltungen die Tagesordnung des liberalen Deputirten Delvaux abgelehnt, welche besagt, daß die Unterdrückung des militärishen Stellvertreterwesens die Vorbedingung für die Reorganisation der Armee sein müsse.

Türkei.

Nach einer Meldung des Wiener „Telegr.-Korresp.-Bureaus“ aus Konstantinopel vom gestrigen Tage ist der armenische Bischof in Mush Papken von den Lokalbehörden in Haft genommen worden, weil er Beschwerde über die von Kurden an der armenischen Bevölkerung ausgeübten Bedrückungen er- hoben hatte.

Jn Konstantinopel sind gestern, wie „W. T. B.“ meldet, auf Grund eines Jrades des Sultans die Rati- fikationen eines Abkommens ausgetauscht worden, welches die Erhebung von DifferentialzöllenSerbien gegenüber \uUspenditt.

Serbien.

Die oberste Gerichtsinstanz in Belgrad hat, dem „W. T. B.“ zufolge, den Beschluß der Präfektur bestätigt, durch welchen der ehemalige Minister Gentschitsch wegen Mazjestätsbeleidigung unter. Anklage gestellt wird.

Bulgarien.

Der Sobranje ist, wie „W. T. B.“ meldet, eine Vor- lage, betreffend die von der Türkei gewährten Zoll- zugeständnisse, zugegangen. Die Grundlage für die Ab- änderung des Zolltarifs bildet die gegenseitige Zollfreiheit für solche Produkte, welhe mit Urcsprungszeugnissen versehen sind. Ausgenommen sind bulgarischerseits Klein- vich, Getreide und Mehl, türkischerseits Häute, Leder und Baumwolle, welhe cinen Werthzoll von 8 Proz. zahlen. Unberührt bleiben die Zollsäße für Salz, Taback und alkoholishe Getränke. Gewisse türkishe Waaren genießen außerdem Accisefreiheit. Die Abänderung foll mit dem 98. Dezember in Kraft treten. Die Mehrheit der Sobranje ist anscheinend mit der Vorlage nicht einverslanden, da man günstigere Zugeständnisse erwartet hatte.

Amerika.

Dem „Neuter'shen Bureau“ wird aus Valparaijo vom gestrigen Tage gemeldet, daß der Kong reß von Bolivien, wie ein in Valparaiso eingetrofsenes Telegramm melde, am Donnerstag in geheimer Sißung beschlossen habe, den Vorschlag des chilenishen Gesandten, daß an Stelle des Woffenstillstandsvertrags zwischen Chile und Bolivien ein endgültiger Friedensvertrag abgeschlossen werden solle, abzulehnen. Bolivien bestehe auf der Forderung, einen Hafen am Stillen Ozean zu besißen.

UAñen.

Von dem General-Feldmarschall Grafen von Waldersee ist, wie „W. T. B.“ erfährt, gestern folgende Meldung vom 99, v. M. in Berlin eingetroffen: Die aus Kalgan zurück- fehrende Kolonne seßt morgen unter dem Kommando des Generals von Gayl ihren Rückweg von Tschatao aus fort. Der Gesundheitszustand des Expeditionskorps ist fortgeseßt gut.

Dem „Neutec schen Bureau“ wird aus Tientsin gemeldet: Die provisorische Regierung habe eine Kundgebung erlassen, in welcher das Verbergen von Waffen in der Stadt und in den Vorstädten bei Todesstrafe verboten werde. Es sei für dic Auslieferung der Waffen. cine Frist von fünf Tagen geseht worden. - Diese Vorsichtsmaßregel sei sehr nothwendig, da cine große Menge Waffen gefunden worden sei und zahl- reiche Boxer sich in der Stadt verborgen aufhielten. Der Provinzial-Schaßmeister Tangwenhuan, welher von dem Militärgeriht in Paoting-fu zum Tode verurtheilt wurde, werde nah Tientsin gebraht und dort von dem Scharfrichter der siädtishen Regierung enthauptet werden.

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Die „Morning Post“ meldet aus Schanghai vor 30. November: Der - Vize-König in Wutschang Tschang- tshi-tung sei bereit, die Levensmittelzufuhr für den Hof ein- zustellen, wenn der Vize-König Liukunji von Nanking damit einverstanden sei. Liufkunji habé telegraphish geantwortet, er werde die Waffenlieferungen einstellen, aber die Lebensmittel- zufuhr, solange der Kaiser derselben bedürfe, fortsezen.

Die „Daily News“ berichten aus Schanghai vom gestrigen Tage, am 28. v. M. hätten die Konsuln eine gemeinsame Proklamation gegen die Einführung von Gegenständen zw Zweck der Herstellung von Kriegsmaterial erlassen.

m 29. v. M. habe der japanische Konsul, auf Instruktionen aus Tokio hin, erklärt, daß er seine Hung zurücfziehe. Dieses Vorgehen errege großes

rstaunen unter den Konsuln. Gerüchtweise verlaute, die Chinesen erwürben eifrig En und Munition, und die Meh eden seien bei der Einführung derselben unter falscher elaration infolge amtlicher Jnstruktion sehr nachsichtig. Afrika.

Mie amtlih bekannt gemacht worden ist, ist der Feld- marschall Lord Noberts in dem Ober-Kommando in Süd- Afrika durch Lord Kitchener erscßt worden, welcher zum Generalleutnant befördert worden 1 und den Titel „Local General“ erhalten hat.

Aus Vryburg vom 27. d. M. berichtet das „Reuter'sche Bureau“, daß die Garnison von Schweizerrenneke von ciner Abtheilung aus Vryburg eniseßt worden sei. Die Buren, welche den Plaß eingeschlossen, hätten einigen Wider- stand geleistet, seien aber s{hließlich mit Verlusten zurück- getrieben worden, Die Engländer hätten 3 Verwundete verloren.

Nach einer Meldung desselben Bureaus aus Kapstadt vom gestrigen Tage sind in der ganzen Kapkolonie die militärishen Posten verstärkt worden. Die Bewegung zu Gunsten der Verkündigung des Kriegsrechzts in den dortigen Landbezirken sei im Wachsen.

Parlamentarische Nachrichten.

_ Der Bericht über die gestrige Sißung des Reichstages befindet sich in der Ersten Beilage.

Bauwesen.

In dem Wettbewerb um Entwuxrféskizzen für den Bau eines Oberlandeßgerihts-Gebäudes in Hamburg wurde, wie das „Centralbl. d. Bauverw.“ meldet, ein erster Preis nicht ertheilt. Je einen zweiten Preis (4000 4) erhielien die Architektéèn Stam- mann u. Zinnow in Hambarg, Lundt u. Kallmorgen in Hamburg und Nust u. Müller in Leipzig, während den Architekten Willy Glogner in Charlotteuburg - Librck, Fernando Lorenzen in Hamburg und H. E, August Meyer in Hamburg je ein dritter Preis (2000 4) zuerkannt wurde.

Fa dem Wettbewerb um Pläne zu Eisenbahn- und Hafenanlagen in Bergen in Norwegen waren 13 Entwürfe und zu Kanalisatton8anlazen 7 Entwürfe eingegangen. Für die Cisen- bahnanlage erhielten den ersten Preis (5000 Kr.) die Ingenieure der norwegishen Staatseisenbahnen Ferdinand B|jerke n. Heglund Jversen, den weiten (3000 Kr.) die Ingenieure Karl Schneider u. Jens Knudsen in Berlin, den dritien (2000 Kr.) Ingenieur Kristian Henrikien in Voß (Norwegen). Die Entwürfe „Udvikling“ und „Ingestion“ wurden für j2 1000 Kr. zum Ankauf empfohlen. Für die Hafenanlage erhielten den ersteu Preis (5000 Kr.) die In- genieure Kaul Schneider u.. Jens Knudsen in Berlin, den zweiten 2000 Kr.) die FIrgenieure E. Bjerknaes u, Ovrgaard in Christiania. Der dritte Preis wurde. nicht vertheilt. "Die Entwürfe „Forslag“ und „Udvikling“ wurden für je 500 Kr. zum Ankauf empfohlen. Für die Kanalifationtanlage wurde der erste Preis nit ertbeilt. Den zweiten Préëis (4000 Kr.) erhielten Cand. polyt. Ebyaerd: Lund und Cand. polyt Thomas Sundbtye in Kopenhagen, den driiten Preis (2000 Kr.) einerseits Baurath Graepel und JIngenicur P. Krohn in Bremen, andererseits die Ingenieure Gmerih Fischer u. Robert Griesemann in Magdeburg, letzterer Ingenieur des Kanalisationsbauamts der Stadt Magdébörg.

Verkehrs-Anftalten.

Bremen, 1. Dezember. (W. T. B.) Norddeuts@Her Lloyd. Dampfer „Großer Kurfürst“, n. Australien best., 30 Nov. in Aden, „Karlsruhe“ v. Australien îin Genua, „Harburg“, v. Ost-Asicn best, in Antwerpen und „Crefeld“ v. Taku in Nagasaki angekommen.

Hamburg, 1. Dezember. (W. T. B.) Hamburg-Amerikga- Linie. Damyfer „Deutschland“, v. Hamburg n. New York, 30. Nov. v. Cherbourg und „Nubia“, v. Stettin n. New York, jowie „Lady Armstrong“, v. New York n. Stettin, 1. Dez. v. Swinemünde, „Bethania* 30. Nov. y. Baltimore n. Hamburg abg. „Acilia* 30. Nov. in Baltimore angekommen. ‘@

London, 30. November. (W. T. B.) Union-Linie. Dampfer „Gaul“ Donnerstag auf Ausreije in Kapstadt angekommen.

Notterdam, 30 November. (W. T. B.) Holland-Amerika- Linie. Dampfer „Spaarntam*“ v. Rotterdam gestern n. New York abgegangen.

Theater und Musik.

Theater des Westens.

Neben Herrn Arimondi, dem treffliche», hier bereits bekannten italicnishen Bassisten, trat gestern die Gräfin Juliane Vasquez von ter Königliden Oper in Budapest in Meyerbeer's Oper „Die Hugenotten“ als Gast auf. Die Künstlerin, welhe sich zum ersten Mal in Berlin hören licß, fang die Partie der Valentine in italienisher SpraŸe mit ausgiebiger, wohlgebildeter Stimme und dramatis@em Ausdruck. Ihr Organ, welhes besonders in der hohen Lage wohllautend ift, hat fast ketnen Fehler, es sei denn, daß man die bett italienishen Sängern beliebte, zuweilen etwas flache Tonbildung als solchen bezeihnet. Lebhafte Anerkennung wurde der Künstlerin namentli nah dem großen Duett des vierten Akts, bei welchem sie in Herrn Araryi einen guten Partner hatte, zu theil. Der Leßtgenannte, welher eifrig bestrebt ist, die am Anfang der Saison an seinem Gesange gerligten - Mängel, U. a. das unschöône Tremolieren, zu DOIREGEU bot als Raoul fein Befstes und theilte sh verdientermaßen mit den beiden Gästen in die Ehren des Abends, Herrn Arimondi's Wiedergabe des Marcel reihte

ch würdig den vorzüglichen Leistungen an, welche er bisher geboten hat. Unter den andcren Mitwirkenden sind noch Fräulein Mugräuer (Margarethe von Valois) und Herr Washow (St. Bris) lobend zu

erwähnen. Thalia-Theater.

Gestern ging eine neue Ausftattungsposse, „Amor von heute“, von Jean Kren und Alfred Schönfeld (Musik von Gustav Wanda) zum ersten Male in Scene und löôfte die von dan een Vers fafsern ftammende Posse „Der Liebcoschlüssel*, welhe bisher den Spielplan beherrs{hte, ab, Au diese Novität erreihte ihren Zweck, dem Publikum einen heiteren Theaterabend zu bereiten, vollkommen und hatte s\ch dementsprewend eines dur- \ch{lagenden Erfolges zu erfreuen. Sie enthält eigentlih ebenso wenig

Handlung wie thre Vor:ärgerin. Was von elner solchen vorhanten ist, hat einen vielbegehrten Heiratksagenten zum Mtitelpuykt, um ten sih ein vergnügungssüchtiges Chepaar, von welchem jeder Theil feine eigenen Wege geht, dessen heirathèluftige Tochter Molly, eine luftige Gouvernante Mary, ein reicher junger Lebemann Amandus Herzta, ein joviaser Weinstubenbesißer und ein Detektivbeamter, der \ich im Uebereifer immer in den Anvberen gestellten Fallen fängt, grupypteren. Diese Personen haben nun ußerst komishe Erlebniss-, die sh in Freienwalde einerseits, sowie in einem Balllokal und einem Weinrestaurant LVerlins andererseits ereionen. Hierbei gtebt eine reiche und ge!chmackoolle Ausstattung den wirksamen Hinter- grund. Zahlreihe eigenartige Kuplets, Einzel- und Massen- tänze, facbenprächtige Aufûge und dergl. sowie viele mehr oder mtnder gute Witz? sorgen für stete Abwechselung und bilden den cigent- lichen Kern des Stückes. Die von Herrn Gustav Wanda komponierte Musik ist melodiss, einschmeichelnd, flott und humorvoll. In der Hauptrolle des als „Amor von heute" bejeihneten Heiratbäyermittkers war Herr Thomas wte immer von zündender Komik. Nächst thm stand Herr Thielsher als Amandus Herzig im Vordergrunde und \{chuf in seiner bekannten liebenswürdig - humörvollen Weise eine Figur von unrwiderstehlih belustigenver Wirkung, Von den Darstellerianen traten besonders die Damen P ojé, Heéilani und Milton hervor, unter denen sstch die , letztere auh vurh ihre Tanzsfertigkeit auszeihnete." Die Damen Junke - Saß, Wanovius und Wehlina, fowie tie Herren Helmerding, Paul- müller und Junkermann wi:ften nah Kräften zum Gelingen mit. Stürmisher Beifall lohnte den Darst llein, und zahlreihe Hervor- rufe veranlaßten auch die Autoren sowie den Komponisten zum Er- scheinen auf der Bühne. Konzerte.

Am Montag halten die Herren Eugen Gura und Ernft von Possfart in der Philharmonie bei ihrem ecften „Goethe- Abend in Ton und Wort * ein überaus zahlreiches Publikum ver- sammelt. Der eigenartige Gedaake, einzelne Dichtungen erft deklamatorisch vorzutragen, ehe fie in Liedform zu Gehör «braht wurden, erweckte {on an und für fich allgemeines Interesse. Erhöht wurde der Eindruck noch durch die warm empfundene vnd charakteristische Rezitation, welhe durch die modulätionsfähige Stimm: des Vortrazendea noch ein ganz beforders reizvoles Gepräge erhtelt. Nur für die „Zu- eignung“ aus „Faust“ wollte iec Umfang des an und für Ÿ nchckcht sehr fraftvollen Organs tes Künstlers niht ganz ausreichen. Das g?aen gelang Herrn von Posfsart beispielsweise die Wiedergabe der Ballade Der Erlkönig“ und namenilih eines Brustücks aus ben

« Wahlyerwandtschaften“ ganz besonders " gut, und er erntete stürmishen Beifal. Cbepso fein Partner, Herr Eugen Gura, dessen dramatisch autdruck8volle Gesang8art wie immer

das gespannt lauschende Auditorium in eine mufikfreudige und gehobene Stimmung verseßte und wahre Beifallsstürme entfefselte. Leider litt der gefcierte Sänger uuter einer meifkbaren öIndisposition, welche ihn in der Entfaltung seines ganzen Könnens etwas behinderte. So fesselnd aber auc die Leistungen der betden Vortragenden im Einzelnen waren, darf doch nicht verhehlt werden, daß das gesprohene und gesungene Wort sich zuweilen aegenseitig beelnträhtigtén, da nicht jedes der auszewäblten Stücke für beide Arten des Vortrags glei geeignet ersien. An demselben Abend brachte im Beethoven-Saal Herr Fobhannes Miersch (Violine) mit dem Philharmonischen Orchefter das Konzert in G-mol1l Nr. 1 von Bruch, das in D-moll Nr. 2 von Wieniawski, die F-dur-Romanze von Beethoven und ein Konzertstück in A-moll von Paul Th. Miersh, dem Bruder des Künstlérs, zu Gehör. Der Konzertgeber, welcher seine Ausbildung bei Nappoldi in Dresven und Leonard bezw. Massatt in Paris genossen hat und hier fowohl wie im Ausland bereits mit Erfolg aufgetreten if, vecr- fügt über einen s{öônen, weiten Strich und anerkennenswerthe Technik. Mitunter klang der volle Ton jedoch nicht gan {Glackenfrei, auch bätte man sih zuweilen etwas mehr Empfindung gewünscht. Eine „Indianishe Rhapfodie* üver Motive der Ute - Indianer Cokorados für greßes Orchester von Paul Tb. Miersh fand nur weaig Anklang. Wenn auh in derselben einige hübsche, eigenartige Motive bervortreten, fo wirt das Ganze doch zu wenig einheitlch und in der JInfirumentatiion bizarr. Einen rechten Genuß bot der Klavier-Abend, welhen Fräulein Fanny Davies an demfelben Tage in der Sing-Akademie veranstaltet batte. Sie s\piette nur Kompositionen älterer Vieifter mit ihrer bekannten tehnishen Fertigkeit und feinen musikalischen Auffassung, sodaß ihre Vorträge wohl zu erwärmen ver- mohten urd ibr Lebhaften Applaus eintrugen. Namentlich war dies bei der Wiedergabe der zweiten Suite in A-moll (genanut „englische*) von Bach und des Charakterstücks in A-dur sowie des Prélude H-moll von Mendelssohn der Fall. Ebenfalls am Montag gab ferner noch im Saal Bechstein die be- kannte Konzertsängerin, Frau Lula Gmeiner, einen Lieder - Abend. Ihre {dae frishe Mezzo - Soprarstimme bewährte au diesmal ihre vorzügalihe Schulung im Forte sowohl wie in den feinsten Nüancen des Piano. Auch die glockenreine Jntcnation trat wiederum ganz besonders hervor. Die musikalishe Sicherheit, mit welcher die Dame jedes Vortragsfiück gestaltet, übt auf die Zuhörer cinen angenehmen ŒEindruck aus, der ncch durch die gesunde, natürlihe Auffassung der Künstlerin erhöht wird, welche vielfah an ihre Lehrmeisterin, Frau Herzog, erinnert. Für den ihr gespendeten, lebhaften Beifall des ¿ahl- reien Auditoriums darkte die Sängerin dur cinige Zugadven.

Am Dienstag veranstaltete im Saal Bechstein Herr Eugen Brieger, ein vielversprehender Anfänger, einen sehr. gut besuchten Lieder-Abend. Der Sänger gab mit kräftiger, gutges(ulter Baritonstimme und -künstlerischem Verständniß Lieder von Schabert, Schumann, Brahms, Loewe und Anderen wieder. Sein Vortrag zündete und rief stürmischen Beifall hervor, sodaß er mehrere Gesänge da capo fingen mußte. Im Beethoven-Saal gab Professor Max Pauer am Dtenstag einen Klavier-Abend. Fr spielte sämmt- lihe Stü: des ge\chmackvell zusammengestellten Programms mit hervorragender Technik, weichem, angenchmem Anschiag unb großem, musikalishem Vecständniß. Das Rondo capriccioso von Mendels- fohn wurde ganz besonders {chön zu Gehör gebracht; die dreizehnte ungarische Rhapsodi? von Li3zt, welGe den Schluß bildete, cntfesselte folhen Beifall, daß der Künstler sich zu etner Zugabe verstehen mußte. An demselben Abend gaben im Konzertsaal des „Römischen Hofs“ der Bassist Georg Schäfer und die Altistin Martha Ludewig unter Mitwirkung des Pianisten Hermann Lafont ein Konzert. Das Programm war abwechselungsreih und bot beinahe des Guten zu viel. Herr Lafont, der den Abend mit Variations sérieuses von F. Mendelssohn einleitete, zeigte sich hier und auch in drei weiteren Musikstücklen von Shumaan und Liszt als tüchtigee Piazist. Herr Schäfer sang Lieder von Schubert, Schumann, Jensen u. 4. Das Organ des Künstlers klingt niht unschöa, ist aber wenig modüulationsfähig, auch“ war die Juntonation nicht imm:r ganz rein. Fräulein Ludewig hat eizen {önei Alt von großem Um- fange, der namentlih im Laufe des Abénds, nahdem eine anfängli@e Befangenheit überwunden war, einen hohen Reiz ausübte und die zablreihen Zuhörer zu lebhaftem Beifall hinriß. In Bezug auf den fünstlerishen Vortrag bedarf die Sängerin aber noch der weiteren Vervollkommnung. Die Begleitung, die Herr Otto Bake übernommen hatte, war decent und qut. Ebenso zcuzte der Nortrag der von Herrn Lafont zu Gebör gebrachten Klavier- süd von anerkfennenswerthem musikalishen Verständniß. In der Sing- Akademie gab gleichfalls am Dtkenstag err Günther Freudenberg seinen erften Klavier - Abend in eee Saison. Obwohl man ihn als einen tüchtigen Pianisten von be- deutender technisher Fertigkeit bezeichnen kanu, ersien fein musifalishes Empfinden noch niht gereift genug. Namentlich trat dies bei der Wiedergabe der s{wierigen Sonate it B-dur (op. 106) von Beethoven ÿ is als habe si der Konzertgeber an für ihn noch zu s{chwierige Aufgaben herangewagt.

m Beethoven-Saal veranstaltete am Mittwoch das bekannte Böhmische Streichquartett sein zweites Abonnements-Konzert

ervor, und au sonst wollte es seinen, *

und | / Brah nd dem Beethoven*|chen Es-dur-Qua op. 127) Komposition Mey E N E Streich

in G-dur von Siteslav Novák, nah dem Manuskript zur erstmaligen Aufführung. Das Werk ist von klarem, etnfahea Aufbau, en E anmuthende, vielleiht hier und da elwas weichlic flingende Themen, die jedo glatt und fein verarbeitet sind, und zeugt dafür, daß der Ver- fasser, ein Shüler Anton Dvorák’s, im allgemcinen den Kammerfslil beherrscht und ein leiht und geshmackroll gestaltender Mußiker ift, der noch manches Gute zu {afen im tande sein dürfte, Am meisten acfiel wohl der Mittelsaß des Quartetts; jedenfalls wurde era lebhaftesten durch Beifall ausgezeihnet, und es {ien fast rad Verlongen vorhanden zu sein, thn zum zweiten Male zu hören," Gespielt wurde das Werk ebenso vortrefflich wie die beiten anderen Quartette. Im Konzertsaal des „Römischen Hofs“ gaben an bemselben Abend Fcäulein Anna Bromberg (Ge-

sang) und Herr Max Modern (Violine) gemeinsam ein Konzert Die Dame verfügt über einen gut geschulten

Mezzosopran von nickt bedeutendem Umfang und einon warmen und verständigen Vortrag, JZhre Tongebung i} jedoch nicht immer gleihmäßig genug, auch tremoliert fie ein wenig und übercanftrengt die Stimme allzusehr im Forte. Dagegen roeiß fie ihr außer- ordentli wohltlingendes Piano, von welchem fie freilih einen etwas zu ausgiebigen Gebrau macht, gut zu verwenden. Der mwitwirkende Biolinift, Lehrer am Stern’ [hen Konservatorium, brachte zwei Komse positionen von Holländer und Wientawski zwar mit nicht immer ganz etnwandfreiem Ansay, jedoch mit anerkennenéwerther technisher Fertigkeit und reht sympathisdem Vortrag zu Gehör. Warmer Beifall des vollbesezten Saales wurde beiden Korzertgebern zu Theil. Im Saale der Sing-Akademie gab an diesem Tage Herr Dr. Ludwig Wüllner den erften seiner angekündigten vier Lieder- Abende. Wie immer, wenn der interessante Künstler sh hören läßt, hatte fi eine große Zuhörerschaft eingefunden. Das Prograrant war gut gewählt und enthielt neben bekannten Kompositionen vier geisilihe Gesänge aus dem spanischen LiederbuW von Hugo Wölk, welche die rbapsodietende und mehr auf charafterische Wiedergabe als auf Klang: heit bedad;te Bortragsart des Konzertgebers besonders günstig bervortreten ließen. „Die Grenadiere" von Schumann wurden als lezte Gabe bes Abends mit dramatischer Lebendigkeit wieder- gegében und waren von wahrhaft packender Wirkung. Die enthusiäs- mierten Zuhörer riefen den Sänger, der im Laufe des Konzerts mit manher Wiederholung ihren Wünschen entgegengekommcn war, wiederholt burch Beifall auf das Podium zurüd. Das populäre Symphontie-Konzert des Philharmonischen Orchesters, welches gleihfalls am Mittwocz in der Philhar- monie unter des Königlichen Musikdirektors Herrn Rebië:k be- rwvährter Leitung ftattfand, hatte, wie immer, den Saal bis zum leßten Play mit einer musikfreudigen Zuhö-erschaft gefüllt. Es bot in seinem aus scch8 Nummern bestehenden Programm als Neuheit ein Konzert in A-moll für Violorc:llo mit Vrchester von L. F. Revius, welches von Herrn Anton Hekling mit großer Fertigkeit, war em, ansprech-nden Tox und fein abschattiertem WVor- trage zu Gehör gebracht wurde und ibm reihen Beifall ein» trug. Die Komposition an und für sich wirkte jedoch minder erwärmend, da sie fast nur auf den äußeren Effekt hbinzielt. Am wirksamsten war der Mittelsay, bei welhem der lebhafte Applaus auch ebenso dem Tonwerke wie dem ausübenden Künstler galt. Von den anderen Darbietungen wurde namentli) das Andante und Finäle aus dem Konzert für Violoncello von G. Holtermann, von demselben Künstler vorgetragen, besonders beifällig aufgenommen. : _ Im Königlichen Opernhause findet moraen eine Aufs führung von Beethoven's Oper „Fidelio“ ftatt. Die Beseczung lautet: Don Fernando: Herr Knüpfer; Don Pizarro : Herr Bahmänn; Flórestan: Herr Sylva; Leonore: Fräulein Hiedler; Recco: Herr Mödlinger; Marzelline: Frau Gradl; Jacquins: Herr Philipp. Zu Begina wird die große „Leonoren“-Duverture (Nr. 3 in C-dur) gespielt. Kavellmeister Strauß dirigiert. Am Montaa geht die Tomische Oper „Der Ba: bier von Bagdad“ von Peler Cornelius im Verein mit dem Ballet „Die rothen Schuke* in Scené.

Im Königlichen Schausvielhause wird morgen G. von

Moser?s und Tè. von Trotha’s Lustspiel „Der wiïide Reutlingen“ ge» geben. Am Montag wird Friedrich Hebbel's deutsches Trauerspiel „Agnes Bernauer“ zum ersten Male wiederholt. Im Neuen Königlichen Opern - Theater findet morgen Nachmittag die wicderholt angekündigte große Musikaufführung ftatt. Ae geht zu ermäßigten Preisen „Turandot, Prinzessin von China“ in Scene.

Das Deutsche Theater hat für nächste Woche folgenden Spiek-

plan aufgefiellt: mergen Abend, Dienstag und Sonnabend: „Die Macht der Finfterniß“; Montag, Mittwoch, Freitag und nähftfolgen- den Sonntag Abend: „Rosenmontag“; Dorinerêstag: „Fuhrmann Henschel"; morgen Nachmittag: „Die versunkene Glocke“; nächft- folgenden Sonntag Nachmittag: „Cyrano von Bergerac“. ___ Im Berliner T,„eater wird das Lustspiel „Die strengen Herren“ morgen, fowie am Montag, Donnerstag und nähsten Sonn- 1ag gegeben. Am Dienstag gehen „Die Räuber“, neu einftudiert, in Scene und werden am Freitag (13. Abonnements-Vorstellung) wieder- bolt. Björnson's Schauspiel „Ueber unsere Kraft“ gelangt am Mitt- woh und Sonnabend zur Aufführung. Morgen Nachmittag kommt „Maria Stuart“, nähsten Sonntag Nachmittag „Der Pfarrer von Kirchfeld“ zur Dazstellung.

Im Schiller -Theater wird Carl Hauptmann’3 Schauspiel „Ephraim's Breite" am Montag, Donnerstag und Sonnabend wiedecholt. Am Mittwoch wird „Die Welt, in der man ih lang- weilt“ gegeben; am Dienétag und Freitag findet eine Wieterholung von „Faust“, IL. Theil (erster und zweiter Abend), ftatt. PVêorgen Nachmittag ceht „Die Welt, in der man ih langweilt", Abends „Das Glück im Winkel“ in Scene. Im Bürgersaal des Rath- hauses findet morgen ein „Offenbah- Abend“ ftatt.

Im Theater des Westens geht morgen Nachmittag und am Montag Lorting's Over „Undine“ în Scene. Morgen Abend und am Mittwoch gastiert Fräulein Prevofti in der Oper „La Traviata“ und am Freitag in Gemeinshast mit Herrn Arimondi in der Oper „Lucia ron Lawmermoor“. Am OVienstag findet eine Wiederholung der „Hugenotten“ mit Frau Gräfin Vasquez und Herrn Arimondi als Gästen ftatt. Am Mittwcch und Sonnabend Nachmittag geht das Kindermärhen „Sneewitichen bei den fieben Zwergen*, am Donnerêtag Nachmittag die „Oreftie® des Aei\chylus und Abends Offenbach's phantastishe Oper „Hoffmann's Erzählungen" ix Scene. Am Sonnabend Abend gelangt Halóvy's Oper „Die Jüdin® mit den Herren Vittorino Arimondi und

iacomo Rarcner als Sâästen zur Aufführung.

Im Lessing-Theater wird morgen sowie am Dienstag und Freitag nähster Woche Giacosa's Schauspiel „Wie die Blätter“ iviedérbolt: am Montog, Donnerstag und Sonnabenv wird „Johanni?- feuer“ gegeben. Am Mittwoh geht in der bekannten Bisezung der Einaktercy!lus „Morituri" in Scene.

Im Neuen Theater gelangt „Die Licbesprobe“, S{wank von Thilo von Trotba und Julius Freund, an allen Abenden nächster Woche zur Wiederholung. Morgen und am nächsten Sonntag Nachmittag geht zu halben Preisen der Schwauk „Nackte Kunst“ in Scene.

Im Mel eng yratee findct morgen Nachmittag bei bis über die Hälfte ermäßigten E eine Aufführung des Schausptels “tats von Victorien Sardou stait. An allen Abenden nächster Woche wird „Die Dame von Maxim“ gegeben.

Fm Central-Theater wird morgen Nachmittag bet halben Preisen die Zeller'’she Operette „Der Vogelländler“ zur Aufführung gebrait. Abends geht oie Gesangsposse „Der Brautvater* in Scéne.

Die Konzert-Direktion Hermann Wolff kündigt für die nächste Woche folgende- Konzerte an: Sonutag: Beethoven-

aal: Lieder- und Balladen- Abend von Euçen Gura, Montog: aal Betstein : Liedere und Balladen-Abend von Franz Seebach- Sing-Akademie: I1. Konzert (Klavier-Abend) von I. W. Otto Boß.