1900 / 286 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Qualität Am vori Außerdem wurden - Durchschnitts- n RLTEO rktia gering A Berkaufs- pre s Markttage ain I L enge r j Marktort Gezahlter Preis für 1 Doppelzentner 9 werth 1 Doppel- Duitls. | Sbavutn vettauft PRIIES | dem ] Doppelzentner niedrigster | höchster | niedrigster utedcigfter E Doppelzentner 7 : e (Preis, cnbetanat) Lag d d M t ais n Hafer. 3 3 14,60 14,80 | 14,80 ; j le E 1440 1460 14.60 14,80 | 15,00 173 2 544 14,70 14,30 | 24. 1. ; 4 1E iee 11,83 2,37 13,98 15,05 404 5 326 13,20 13,04 |- 23.11. l E ie 12,60 12,80 13,20 13,60 411 5 335 12,98 13,06 | 23.11. y E P OO 12.00 12,20 12.60 13,00 267 3 330 12,47 1260 | 23. 11. i C e rov L A L B 12,80 13,20 13,60 13,60 180 2 397 13,32 13,40 | 23, 11, ; E P 800 13/20 13,30 13,60 14,00 368 4 884 13,27 13,62 | 15. 11. ¿ R, DE 376 s 14,75 14 75 : : : : i Mainz A E an G0 13,09 13,75 14, l L A : 3,50 3,50 14,40 15,80 15,80 ; Y O E pet E 13,20 14,00 14 00 13 178 13,69 13,62 | 24. 11. E Et 14,00 | 14,40 15,20 5,60 650 9 845 15,15 15,40 | 24, 11. 380

E s aaa 13,50 Bemerkungen. j

Deutscher Reichstag. 11. Sißung vom 30. November 1900. 1 Uhr. Lur Berathung steht zunächst die Denkschrift über die Ausführung der seit dem Jahre 1875 erlassenen Anleihe- eseße. : :

8 ete Fritzen- Düsseldorf (Zentr.): Es iff wohl noch nicht da- gewesen, daß diese Denkschrift im Neich?tage einer längeren Erörterung amterzogen wurde. Wenn das jeßt geschiebt, so liegt der Grund dafür darin, daß am 14. September für 80 Millionen Schaßanwet}ungen zu 42% in Amerika begeben worden sind. Man hat damit zuvächst das Selbstgefühl der Bürger der nordamerikanischen Union ungemein gestärkt. Es ist ganz sier, daß unter denselben Bes, dingungen die Schazanweisungen auf dem deutschen Markte bütten begeben werden können. In der Presse wurde damals zur Ver- theidigung der Maßregel ausgeführt, daß von derfelben ein erheblicher Zusluß an Gold aus Amerika nah Deutschland zu erwarten )et. Hber das trifft jz um fo weniger zu, als wir jährli< 3 Millionen insen dorthin zu \{i>en haben, und in vier Jahren der ganze a zurüdgezahit fein muß. Ih frage daher den Schaßsekretär

na< den befondteren Gründen diefe i eiter fragt werden blih zum 4 oigen Zinsfuß übergegangen worden ist, während deo< das Reich in den legten Jahren uur 3 °%/iae Anleihen emittiert hat. Will man zum 4 ?/oigen Zinsfuß zu- rüdfebhren? Nah den fonfti Bahrnehmungen f<eint man do für Deutschland bei dem 3 °/z-Typus bleiben zu wollen. , Für die Neichs- gläubiger würde es ein fehr bitteres Gefühl sein, wenn man jeßt wieder zum 4 %-Typus übergeht; jedenfalls müßte do<h dazwischen der 32 9/0-Typ23 wieder aufgenommen werden. Rathsamer aber wäre

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er Begebung. Wetter muÿ g2-

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überhaupt, zu verlocsbaren Anleiben überzugehen, welche u. a. den Vorzug haben, - daß sie eine Art obligatorisher Schuldentilgung involvieren. Die jetige Art der E ntilgung Ea la fehr problematiser Natu Die Gläubiger anudzrerseits haben den Vortheil, daß fie bei der Verloofung das Kapital wentgitens a] pari zurüd>cefemmen. G& j hat theils aués(lictlid ! Gewiß; haden die [e ¡leihen diefe Tleinen Mißstände baben si nit so fühlbar gemacht, daß man in fenen Ländern aus u ideren System über- gegangen wäre. Staatssekretär Thielmann: Meine Herren! J

eil der europäishen Staaten Pn ethen oder do< neben

Dr. Freiherr von

te die soeben an mi gestellten Fragen

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g. Friten betraf die Möglichkeit itel. Der Herr Abgeordnete hat 2 e Ausgabe zu sprehzn scheinen, wie die dagegen spreheaden Ihnen dargelegt, und er ift fich vielleicht

der Ausgabe fowmohl die Grün

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r Darlegung der gegen eine solWe wörtli<h ein altehrwürdiges Doku- s preußischen Finanz-Ministers

nit bewußt gewesen, daß er Maßregel sprehenden Gründe faf ment zitiert hat, nämlih den Bericht de von 1873, auf Grund deffen zuerf gang zu Konsols bewerk- firlligt wurde, und ih möhte einige Worte hieraus verlesen, Der Finanz-Minifter, der damals sih einer Menge verschiedener Schuld- titel gegenübersah, die mit verschiedenem Zinsfuß, mit verschiedener Amortisation und no< sonst verschiedenen Bedingungen ausgestattet waren, sagte in jenem Berichte :

„Wie wenig das Publikum auf die in Preußen bei den 43: und 4prozentigen Anleihen bis dahin bestehende Tilgungspflicht Werth Legt, solange das Ende der Tilgungéperiode sehr entfernt ift, ergiebt der unter gewöhnlihen Verhältnissen gleihe Preis, zu welhem gleih bhe< verzinslihe Anleihen aus verschiedenen Jahren und daber mit verihieden ftark dotierten Tilgungsfonts gehandelt werden. Für die große Mehrzahl der Staatsgläubiger ift die Aus- Ft, für ein felbst erhebli< unter Part st:hendes Anleihepapier na<h Dezennien in den Besitz des vollen vershriebenen Kapitals ge- Tangen zu können, von vers<windender Bedeutung. Dagezen ift es eine empfindlihe Beläftigung, w:lhe dem Verkehr mit preußischen Staatspapieren namentli<h im Auslande Abbruch that, daß die Staatsgläubiger, fobald die Anleihen den Parikurs erreichten, zu genauer DurhmuKerunz der periodishen Autloofungslisten genöthigt waren, u. |. w.“

“Jh glaube, meine Herren, diefe Gegengründe sprehen auh heute no< dafür, es bei dem System der Konsols zu belassen. Ich gebe zu, daß die Gründe für die Ausgabe tilgbarer Obligationen an< ihr Gewicht haben. Jedoch das größere Gewicht schreibe ih jeßt no< den Gegengründen zu. Ih glaube nicht, daß das Publikum die Hlgbaren Obligationen, deren s{ließlihe Tilgung do<h erst nah einem oder mehreren Menschenaltern würde vorgesehen werden fönnen, aa der Börse erheblich höher bewerthen würde als die gleih hoh ver- zinuslihen Konsols. Ein Bes<hluß in dieser Richtung if, wie ja der Herr Abgeordnete au< nih<ht vorausfctte, innerhalb dex verbündeten Regierungen ni<ht gefaßt worden. Was meine persönlihe Ansicht anbetrifft, so habe ih sie eben ausgesprochen. J bin dafür, so lange si< die Verhältnisse niht sehr ver: sieben, es bei den Konfols zu belaffen. Dazu bestimmt mich aber auch nc< éin anderer Grund. Wir haben jeßt zwar in jedem Jahre zin Tilgungsgeseß, aber wir haben von Jahr zu Jahr infolge des

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Die verkaufte Menge wird auf volle Doppelzentner und der Gin liegender Strich (—) in den Spalten für Preise hat die Bedeutung, daß der be

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also,

und

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Flottengesezes wenigstens no< für ein Jahrzehnt und länger sehr erheblihe Anleihen aufzunehmen, und ih weiß ni<ht, ob es nüßlich fein würde, mit der einen Hand das Geld vom Publikum zu nehmen, um einen Bruththeil diefes Bedarfs gegen amortisierte

Obligationen dem Publikum wieder herauszuzahlen, Daß Preußen

gierung und

reform sehnlidher

leit môg zu langen Reihe von Jahren überwunden 4 prozentige Paptere der Lage ni<ht mehr entsprechen, des Hercn Abgeordn eôhalb ift die 80-Mí in Deutschland ©

, ift kaum môgli<.

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beutigen geben kurzen Worten zu fage der Diskussion gewesen

Geldftand können,

pon 5 9/0 während einer Period Diskont von 6 ®/0 einen fol<en von 7 9/9, un Stand des Diskonts ger dringendste aufgefordert, bolung ähnlih hoher Diskontsäße Das war für mich der Hau Im September bedenklih dem Goldpunkt. 80 Millionen aus dem Markt gezozen hätten, befürchten

könnte. ah Amerika zu gehen. Kurs bereits ide die müßen, daß bedeutende Goldvershi>ungen nah dem Auslande ein- gerathen, einflehten, rren oder fremden Münzen von Amerika Wir erreihen denselben Zwe>, Erstens erleichtern wir

venn uns

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treten Auslande daß das Gold ja nicht in hierher geshi>t zu werden wix Wechsel

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indem damit baares Gold Zeit gegen baares Gold umfseyen können. feinem Lande der Welt der Geldstand Amerika, und ih möch e vorlesen, wel>e

Staaten

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genommen Ein zweiter Grund indeffen liegt im ne gese, wel<hes den Nationalbanken

die amerikanis<e Bankengesetzgeb halten, daß

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wurde.

Verkaufswerth auf volle Mark abgerundet mitgetheilt.

S@huldentilgungs8gesehz den Landtaz erfreulih, aber Preußen ift in der Lage, jeßt seine Anleihen \d gut wie aus\<ließli< auf werbende Zwe>ke zu beschränken. Lage ift das Reich nicht, wir müssen gegenwärtig, bis die Flotte auf den wünshen8werthen unserer Vertheidigung machen, die man nit direkt als traten kann; also das auszugebende Schuldkapital würde fürs Erfte die denkbar ceseßli<h feftzulegende Amortisation im nächsten Jahrzehnt no<h um ein Erhebliches übersteigen,

Gedanken die Ausgabe

14s ovtis TCynpoo Die erste 15 Tage Tages : worden

kein

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Kapitals Noten ausgeben, New Bork sagt darüber Folgendes : «Der Goldüberfluß in diesem Lande ift, wenn man von der günftigen Handelsbilanz der leßten Jahre und den dadurh aus dem Auslande hierher fließenden aroßen Summen, den Uebershüfsen der Ausfuhr übex die Einfuhr abfießt, im wesentlichen auf die Wirkungen des Geseßes vom 14. März des Jahres zurü>zuführen, dur<h welches die Goldwährung für die Vereinigten Staaten geseßlich festgestellt Dieses Gesetz gestattet den Nationalbanken die Emission von Banknoten bis zu dem Vollbetrag ihres Kapitals, ftatt wie bis

für

, daß der Tiefstand, der

und

die na< einander Abg. Fritzen zur Zeit nur den L September das Geldtedürfniß f so flüssiger hier zu

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auf London Zablungsbilanz, und erwüns<

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r Bericht einige Geldstandes vor die Augen führen.

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Neichs-Finanzreform

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ieser Grund amortisierbarer zurü>zuftellen, Außerdem möHte ih gewissermaßen nebenbei erwähnen, daß ein bindendes Schuldentilgungsgeseß, etwa nah Art des preußischen oder ähnli gestaltet, denkbar 1s i< und, der Einzelstaaten ; aber roir stehen heute no< niht vor Die andere Frage des Herrn Abgeordneten war gewissermaßen

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schärfer pointiert, fie lautete: Denken die verbündeten : Typus 3 Pro. verlassen zurüdzukehren? Meine Herren, da kann i< nur sagen darüber an mafigebenden Stellen no< nich! elber würde es alten, jeßt n zurü>ukehren. Denn enwärtig die I) minder gut fituiert in hre, f

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nehmen, zweitens hätien wir, ewesen wäre, diese Wesel von London jeder Nun, metnè H so flü)sig wie in den Vereinigten üungsten New flüfsigen

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näherte

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dringend möôdchte

us einem die Gründe des Es find zwei Gründ erstec Stelle die für die Vereinigten Staaten über- Handelsbilanz daß die amerifanishe Ausfuhr einen ganz auffallenden Aufshwung dementsprehend wuchs. n amerifanishen Währungs8-

für diejenigen Herren, welhe g nicht kennen, will ih hier ein- die Nationalbanken folche sind, welche i< dem Bank- und infolge dessen Banknoten ausgeben köaxnen; es ifi etne ganz bedeutende Anzahl, weit über 1000 meines Wissens, also nah dem neuen Währungsgeseß können die Nationalbanken, während ihre Notenau3gabe früher mit 90 9% thres Grundkapitals begrenzt war, gegenwärtig bis zu vollen 100% thres unseres General-Konsuls in

Jahre.

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treffende Preis niht vorgekommen ift, ein Punkt (.)

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und zu 4pyroz. Anleihen Beschluß rant. Papieren erhebli< es doch [ehr in einer nicht

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vermeiden laffen eweggrund, mit den 80 Millionen

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Der Durchschnittspreis wird aus den unabgerundeten Zahlen berechnet. in den leßten se<s Spalten, daß entsprehender Bericht fehlt.

dabin bis zu 90 9/0, was einem Plus von etwa 80 Millionen Dollars glei(kommt. y

Außerdem können die Banken nunmebr die von thnen als Sicherheit zu hinterlegenden Bouds der Vereinigten Staaten in billigeren zweiprozentigen Bonds statt wie bis dahin vierprozentigen bestellen. Ueberdies hat das neue Geseß die Errihtung von Nationalbanken in allen Stävten über 25 000 Einwohner zugelässéti, wodur< cine große Anzahl neuer Bankinstitute mit Emissions- befugniß ges<haffen worden ist,“

m Schlusse des Berichts sagt der General-Konsul :

„Die Banken sind daher gesepli<h in der Lage, ihre Bank- notenemission um 400 Millionen Dollars zu vergrößern.“

Wie gesagt, war bereits Anfang Herbst, im September, der Geldstand in New Vork ein außerordentli< flüssizer, und wenn wir aunstige Bedingungen für unsere Anleihen haben wollen so war es, ganz abgesehen von etwaigem Patriotismus, das Geeignetst an den New Vorker Markt zu gehen. Wir bätten und das gebe i< dem Herrn Abg. Frißen ausdrü>lih zu die 30 Millionen aud îtn Deutschland aufnehmen können, und i< zweifle keinen Augenbli>, daß fie au< hier gezeihnet worden wären, Sbher was uns davon abhielt, war der Gedanke, den i bereits vorber berührte. Wenn wir fo große Ansprüche an den Kavtitalmarkt stellten in einem Augenbli>, wo die Hamburger Anlethe, verschiedene Stadt - Anleihen, meines Wissens au<h Anlethen ver-

\<iedener anderer Bundesstaaten bereits am Horizonte waren, so ent- blößten wir unseren Markt so sehr von Geldmitteln, daß gegen Schluß des Jahres ein Springen des Diskonts von 5 auf 6 9% viel- leit ni><t zu vermeiden sein würde, und in diesem Dilemma gingen vir den vorsitigeren Weg und gaben das Geld nah Amerika. Wenn

wie heute Grund is anzunehmen, mit dem fünfprozentigen über den Dezember-Ultimo hindur< aushalten werden, fo be i<, meine Herren, trifft ein Theil des Verdienstes hieran die er Anleihe nah Amerika,

Graf von Kanit (d. kons.): Die Anregung des Abg Frißen if mir in gewissem Sinne sympathish gewesen, weil sie uns Gelegenhett giebt, die 80-Millionen-Anleihe in Amerika zu besprechen, Zuvörderst bin aud ih der Meinung, daß wir zunächst bei dem Prozentsay von 3# 9% bleiben müssen. Ich kann nur bedauern, daß wir die 80 - Millionen - Anleihe in Amerika und niht auf dem deutihen Markt aufgelegt haben. Es würde dadur für uns feinerlei finanzieller Nachtheil entstanden fein. Als die 39% preußische Staatsanleißke von 200 Millionen Dèarf aug- ¡jeaeben wurde, is sie vom deutshen Markte 22 mal über- zeichnet worden. Das follte do< als Beweis dafür dienen, daß der deutshe Markt au< die 80-Millionen-Anleibe reht wohl hätte tragen fönnen. Ich gebe zua, daß die vom Reichs-Schaßsekretär geäukerten Bedenfen eine gewisse Berehtigung haben. Bielleicht war der Gold- bestand der Deutshen MReihtbank so gering, daß er unter allen Umständen ges<hont werden mußte. Mag aber der Herr Schayz- sekretär immerhin aus diesem Grunde nah Amerika geganzen sein, so kommt es doch viel auf die Form an, in roel<her das geschehen ist. Vorläufig müssen wir damit re<nen, daß unsere Anleihe auf einem fremden Markt als eine Erschöpfung des deatschen Marktes aufgefaßt werden kann. Es is ein großer Unterschied, ob man sucht oder sh suchen läßt, ob wir nah Amerika gehen oder ob die Amerikaner zu uns kommen. Zu einer Besserung dieser Zustände, zu einer günstigeren Gestaltung unseres Verdbältnifses zu Amerika werden wir nicht früber gelangen, als bis unser ganzes wirths<aft- liches System cin anderes geworden ift. Die 3 9% ige Rente Frank- ret<s steht über Pari, die 23 9%/oigen englis<hen Konsols steben auf 98 bis 99, die deutschen Anleihen stehen. alfo dur<!<nittli< 13 bis 14 9% shle<ter als die gleihwerthigen Anleihen anderer Staaten. Wir müssen dabin zu. kommen suchen, daß au< unser 3 9/4-Typus auf den Parikurs gelangt. i :

Abg. Büsing. (nl.): Mit dem leßten Wunsche können wir uns nue einverstanden erklären, . Den Uebergang zu amaortisierbaren An- leiben würde ih für ein Unglü> halten. Für eine regelmäßige Schuldentilgung . sind . meine Freunde immer zu haben gewesen uad werden dafür immer zu haben sein. Die Begebung der 80-WMillionen- Anleibe in Amerika hat im. Lande niht unbedeutendes Auffeden erregt. Ein Theil der Preffe hat diese Maßregel aus nationalen Gründen getadelt. . Man. hat von einer. {weren Niederlage Deutsch- lands gesprochen, die uns vor der ganzen Welt ein Armnthszeugniß außgestellt habe u. |. w, . Deutschland bätte ja gewiß leicht die 80 Millionen aufbringen können; im übrigen weiß ih mi aber in dieser Frage frei von patriotishen Bekllemmungen. Ich weise darauf hin, daß unsere Anleihen seit langem in Gngland notiert werden, und England hat auch bereits in Amerika Anleiben negoztiert, obne daß deshalb in England irgend jemand patriotishe SHmerzen gehabt hätte. Im September wacen immerhin die deutshen Geldverhältnifse etwas beengt, und man wollte das Kreditbedürfniß des deutsben Ge- werbes s<honen. Es handelte ih au< weniger um die Stärkung unseres Goldbestandes als um die Heranziehung von Zaklungsgold. An fih bin ih also durhaus geneigt, den Gründen des Staatssekretärs Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Aber ein Moment hebt das Ge- wicht dieser Gründe wieder auf, und das ist die Einführung des Papiers im Betrage von fünf Millionea Mark an der Berliner Börse ; denn jeßt is es in die Hand der Amerikaner gegeben, in dem ihnen geeignet s{einenden Augenbli> die ganze Anleibe berübere- zuwerfen, den Kurs zu drü>en und uns 80 Millionen Gold zu ent- ziehen. Jedenfalls werden wir uns über die Angelegenheit in der Budgetkommission weiter zu unterhalten haben; denn der Schaysekretär hat für sein Vorgehen gewiß no< andere Gründe gehabt.

Staatssekretär des Reichs-Schaßamts, Dy. Freiherr von Thielmann:

Meine Herren! Die Worte des Herrn Abg. Büsing fingen an wie Zu>er und hörten auf wie Essig. (Heiterkeit.) Ih möchte, soviel an mir liegt, den Mitgliedern der Budgetkommission hler im Plenum

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des hohen Hauses bereits alles mittheilen, wäs ih zu sagen habe. Ih glaube, die Mitglieder der Budgetkommission würden mir dankbar sein, wenn die Besprehung hier im Plenum zu Ende geführt werden könnte. (Sehr ri<tig! rets.)

Der Herr Abg. Büsing hat meinen Gründen, die ih vorhin an- führte, daß es wünschenswerth gewesen set, den deutshen Markt zu entlaftèn, beigepflihtét. Er hat aber naher gesagt: hätte die Reichs- ban? an thren sämmtlichen dreihundert und einigen Stellen deu kleinen Publifum die Stüde der Schaganweisungen al pari an- geboten, fie wären wie warme Semmel abgegangen. Das glaube ih, die Meihsbank hätte gewiß auf diese Weise siz unterbringen können, aber dann wäre gerade das eingetreten, was der Herr Abg. Büsing mit mir für unvortheilhaft hielt, ‘die 80 Millionen wären dem deutshen Markt entzogen worden und die Reichsbank wäre nicht ge- stärkt worden.

Der zweite, und, wie mir schien, ernstere Gegengrund des Herrn Abgeordneten liegt in der Möglichkeit für die Amerikaner, jederzeit, wenn es thnen cinmal paßt, wena das Geld bei thnen nit fo flüssig ift, die Stü>2 wieder na< Deutschland herüberzuwerfen. Meine Herren, es ist Jhnen wahrscheinli<h bekannt, daß zur Zeit des Tief- standes uaserer Konsols nicht unerheblihe Summen davon auf offenem Markt aufgekauft wurden und nah England gegangen sind. (Sehr rihtia! re<ts) Jh möchte also die Gegenfrage stellen: Was hindert die Engländer, die Konsols, die sie von uns aufgekauft haben, zurü>- zushi>en in einem Moment, wo es ihnen paßt und uns nicht paßt? Jn derselben Lage sind wtr den Amerikanern gegenüber. Die Amerikaner fönnen jeden Augenbli> Konsols auf unserem Markt aufkaufen und lönñien fie uns zurüds<iden, wenn es uns am wenigsten gelegen ift; daß sie aber gerade diese Schaßanweisungs-Anleihe vorzeitig zurü>- schi>en, bas glaube i< aus einem rein praktis<en Erwägungsgrunde ni<t. Die Amerikaner haben sie uns auf dem Papier mit 99} be- zahlt, der amerikanishe Nehmer hat sie, da die 29%, in Kommission und Spesen fte>en ih erinnere unter anderem an die ziemlich hohe Versiherungscebühr über den Ozean , mit pari bezahlt, in Wirklichkeit hat er fie aber etwas über pari bezahlt, da in der Kursnotierung an der New Yorker Börse der Kurs für 400 A mit 95] angenommen wird, während der WVifta- markffurs auf Berlin nur 94F is, d. h. der abnehmende Amerikaner ih meine ni<t Kuhn, Loeb u. Cie., sondern deren Hinterleute, welhe die Anleihe abgenommen haben hat sie do facto mit 1008 bezahlt, Sollten einmal unsere Konsols sinken und gleih- zeitig tin Amerika Geldkaappheit eintreten, was i< na< der Wieder- wahl Me Kinley's für die ersten zwei bis drei Jahre nicht annehme (bört, bôrt! re<ts), dann werden die Amerikaner die Anleihe nur mit einem Verluste, und zwar mit Rü>ksiht auf die Spesen mit einem nicht ganz unerheblihen Verluste bherübersenden können, während sie. 1904 her siad, den Pariwerth baar hier wiederzuerhalten. Diese Gefahr, die theoretish, wie i< dem Herrn Abg. Büsing zu- gebe, g:wiß vorhanden ist, s{<rumpft dadur<h praktis< erbeblih zusammen; denn in der Lage, Konsols auf unfern Markt zu werfen zu einer Zeit, wo sie den Kurs drü>ken und uns niht gelegen lommen, ift jedes Land, . wel<hes beispielsweise wie England uns auf offenem Markte. Konfols abgenommen hatte. Nun fragt der Herr Abg. Graf von Kaniß nah meinen weiteren Grüaden, und der Herr Abg. Büsing hat sih, wenn ih mi re<t entsinne, dieser Frage an- ges{lofsen. Ein weiterer Gruad ftand im Zusammenhang mit der Anleihe vom Winter 1899; das deutsche Publikum hat daran keine rehte Freude gehabt: es hat fie zu 92 genommen, und wer sie nicht halten konnte, hat verschiedene Prozente daran verloren. Gegenwärtig, meine Herren, und ih konnte das bereits im September wissen, das Publikum ahnte cs vielleibt, aber es war darüber no< wentg in der Presse gesagt worden, steht eine Anleihe von ungefähr 150 Millionen für die Erpedition na China in Ausficht, und es if in den Erläute- rungen zu dem betreffenden Geseßentwurf Jhnen bereits gesagt, daß das Jahr 1901 fernere Ansprüche bringen wird zur Fortseßung dieser Exvedition. Ich werde wann, weiß i< no< ni<ht, das unterliegt selbstverständliÞh no< der Beobachtung der Marktlage und anderen

Erwägungen mit einer Anleibe füc China auf den Markt treten müssen; au< ganz abgesehen von der ordentlihen Anleihe des Etats 1901 Ob und in welher Weise diese Anleihen

werden kombiniert werden können, i no< eine Frage der Zukunft. Aber ih sprehe es deshalb bereits aus, daß das Jahr 1901 nicht ohne eine größere Anleihe vorübergehen wird. Nun fragte i< mi< damals im September: i} es praktis für das Reich, jeßt, im Herbst 1900, 80 Millionen zu begeben, wo das Publikum sh doch deutlih an den Fingern abzählen kann, daß im Jahre 1901 an seinen Geldbeutel no< erhebli<h höhere Anforde- rungen werden gestellt werden? Jh beantwortete es dahin: lieber ein- mal gründlich, und die Hauptanleihe bleibt bis 1901; die 80 Millionen, die wir jeßt brauhen und ih \<hi>e voraus, durhaus niht etwa wegen China brauchen, sondern für laufende Bedürfnisse —, werden besser aus anderer Quelle bezogen; denn wenn wir in einer Zeitfrift von, sagen wir, F oder vielleiht È Jahren zwi Anleihen auf den deutschen Markt werfen, so ift das niht geeignet, die Kurse zu heben. Das waren im wesentlihen die anderen Gründe, w:lhe Herr ESraf Kani hôren wollte.

Nun hat Herr Graf Kaniß noch gesagt: wenn es so weit war, so hätten wir do< niht den Amerikanern na<hlaufen sollen so habe ih es wenigstens verstandèn; sollte i< mi<h geirrt haben, fo bin ih jeder Verbesserung zugängli<. Meine Herren, ih kann Ihnen die Versicherung geben, die Amerikaner sind uns gekommen —i< will nicht sagen, nacgelaufen; aber sie sind uns gekommen, und das ist ganz natürli bei einem flüssigen Geldftande, wie er jeßt in Amerika herrs<ht, der Kapitalsanlage auf dem Weltmarkte sucht. Also die Mythe, die in der Presse vielfah aufgetauht ist, wir wären Hilfe suhznd nah Amerika gegangen, möchte ih hiermit zerftôört haben.

Was der Herr Graf Kani sonft über das goldene Zeitalter in Amerika sagte, ift ja wahr; die Amerikaner haben eine Handelsbilanz, wie fie auf der Welt no< nit dagewesen ist. (Hört, hört!) Sie haben eine industrielle Blüthe, wie sie auf der Welt vielleicht no< nie dagewesen ift. Das sind Sachen, die kann i< nit ändern, die kann ih bôdstens* bedauern. Aber das Bedauern würde nit viel helfen. Ih wünshte au<h, wir hätten dieselbe Blüthe und denselben Reichthum nit allein an Geld, sondern au< an allen Naturs<äyen. Aber, wie gesagt, meine Herren, mit diesen frommen Wünschen konnten wir uns über die gegenwärtigen Finanzverhältnisse niht hinweghelfen.

Abg. Ni<hter (fc, Volksy.): Es ift mix niht re<t verständlich, was bei der allgemeinen Besprehung hier herauskommen soll. Was man hièr geltend ma<ht, kann ebenso gut in der Kommission vor- gebraht werden; und will man besondere Wünsche zum Ausdru> bringen, so steht es ja Jedem frei, bei der zweiten Lesung Anträge zu tellen. In sa<li<her Beziehung würde ih es für einen nit zu verantwortenden Schritt halten, wenn man zu den verloosbaren Anleihen zurü>kehren wollte, Ih habe bereits im Jahre 1869 dur< eine Publikation mit den ersten Anstoß zur Konsolidierung der preußtschen Anleihen gegeben, die dann vom Finanz - Minister Camphausen ausgeführt worden ist. Man klagt so viel liber das Schuldenmachen. Es giebt ja ein ganz cinfahes Mittel: machen Ste ein Geseß, in dem bestimmt wird, daß alle Uebershüsse nit auf den Etat gebra<<t, sondern zur Verminderung dec Anleihen verwendet werden, Zweifellos hätten die 80 Millionen au< in Deutschland begeben werden können; aber es ift bekannt, daß ih gerade dama!s Lx ommunen in einem finanziellen Nothstande befanden und ftellen- weise, wie Köly, die Reichsbank in Anspru nehmen mußten. Es wäre dur< die Auflegung der Anleihe im FInnern entschieden den Finanzbedürfnifsen der Kommunen ni<ht entsprochen worden. Die ausgesprochene Befürchtung, es würden die Amerikaner die 80 Millionen plögli< herüberwerfen, kann ih nicht theilen; es ift doch nicht anzunehmen, daß die verschiedenen amerikanischen Besißer der einzelnen Obligationen alle gleiczeitig nah Deutschland verkaufen werden. Das liegt ganz außerhalb des Bereichs der Möalichkeit, Es hat dies eine auffallende Aehnlichkeit mit der ewigen Behauptung der Ueberschwemmung Deutschlands mit aus3- ländishem Getreide. Man hat weiter gesagt, es wäre den armen deutshen Neichs- Anleihe-Besißern, die an den 3} 9% igen Papieren so viel verloren hätten, wohl zu gönnen gewesen, daß sle auc bet der 4 %igen Anleihe etwas abbekommen hätten. Das ift doch garnicht ernst zu nehmen. Denn wenn die 80 Millionen: Anleihe zu 40/9 auf den deuts<hen Markt cekommen wäre, so würde für die 34 °%/gigen Papiere sicher ein großer Kurtsturz entstanden sein. Daß die Finanzverwaltung ih immer an eine bestimmte Begebungsform halten solle, halte i< für fals. Die Begzebungvform muß we<seln und unter Umständen direkt das Publikum betheiligt werden. Die „Kölnische Zeitung“ hat vor einigen Wochen den Vorschlag gemacht, um den armen Besitzern von 39% Obligationen zu Hilfe zu kommen, thnen nachträglih 3 9/9 zu gewähren. Kursrü>kgähge macht man am leihtesten dur Be- \<hränkung der Anleihen unmöglich.

Abg. Dr. Arendt (Rp.): Fh bin in der seltenen Lage, mit dem Abg. Richter in allem We}entlichen übereinftimmen zu können. Ich glaube, es sind Schmerzen über die Begebung in Amerika ledig- lih bei den Barquiers vorhanden, denen ver Vermittelungsgewinn für diese Anleibe entging. Schlagend hat Herr Nichter ferner nah- gewiesen, daß es ein bôser Rückshritt wäre, wenn- man die Form der Kovnfols vertassen und zu den verloosbaren Anleihen zurü>lehren wollte. Es würde dadur die Möglichkeit von Zinsher2bsezung und Konversion sehr ers<wert werden. Jh bin überzeugt, daß auch nsere 3 %/otgen Konfols viel feüher, als man jeßt glaubt, über Par| kommen werden. Alle Uebeischüsse des Reichs zur De>kung von An- leihen zu benußen, wie das in Preußen geschieht, ift indessen wobl für das MNeih nicht praktish. Dbwobl ih ferner mit dem Abga. Richter die Begebung der Anleihe nah Amerika durhaus für nüßli< halte, halte i< die Meinung doch für za weitgehend, daß wir in diesem Jahre über den Herbst leichter hinweg gekommen find als sont. Dazu ist die 80 Millionen- Anleibe do<h niht bedeutend genug, daß sie allein uns vor einer Diskonterhöhung shüßte. Die Giünde dafür, daß cine folhe nicht eingetreten ift, liegen in dex inter- nationalen Gestaltung des Geldmarktes, Das liegt beute klar zu Tage ; sonst könnte sih der Diskont garnicht fo niedrig halten, wie es jetzt der Fall ift und voraut si htlih bis zum Jahresshluß der Fall sein wird. Daß Deutschland, wie Herr Büsing sagt, auch fetnerseits jene 80 Millionen aufgebracht hâtte, steht fest; es hat sich eben in diesem Fall ni<t um die Kapital-, sondern um die Goldfrage gehandelt; es galt, unsere ges{wä<hten Goldbestände zu stärken; und bei allem prinzipiellen Dissensus muß i< mih mit der Maßregel einvecstauden erklären. Die 80 Millionen werden ni<t plößli<h nah Deutschland zurü>- kehren, aber ni<t aus dem yoa dem Staats|ekretär an- geführten Grunde, weil das nur mit Verlust geschehen könnte, fondern aus ‘den Gründen, die der Abg. Richter dar- legte. Unsere Haute:Finance hat sfi<h außerordentli übernommen, sie hat die deutshen Mittel in übergroßem Mafkßstzbe im Aus- lande festgelegt; nun ift die Ebbe eingetreten. Dazu kommt die s{<le<te Handelsbilanz. Wenn nun auch diese 80 Millionen nuc ein aanz geringer Posten siad, so spielen fie do in diesec Gestaltung dcr Dinge eine gewisse Rolle. Herr Richter hat auh |{<on darauf hin- gewiesen, wie diefe Summe schon wegen ihrer Geringfügigkeit keines- wegs den dur den Kursrü>kzang geschädigten Inhabern der 3 9% Konsols einen Ausgleih ktâtte bieten können. Die Begebung in Amerika war au deshalb sehr dankenswerth, weil die Re- gierung dabei das Prinzip der Anleihen ganz verlafsen hat. Der Schaysckretär hat mit Recht auf die künftige Handels- bilanz hingewiesen. Möhte er seinen Einfluß aufbieten, daß wir eb:nfalls eine folhe günstige Handelsbilanz dekommen. Wern die Aenderung des Währungtgeseßzes in Amerika eine Erhöhung des Geldumlaufs um 400 Millionen Dollars zur Folge gehabt bat, so kann ih auch hier nur wünschen, daß er sol<h2 Bestrebuagen auf eine Föcderung des Geldumlaufs bei uns untezstüßen wird. Im übrigen halte ih die Begebung ter 80 Millionen in {merika im Interesse der Staatéfinanzen und der Volkswirthschaft für durhaus richtig. Leider haben wir aber heute keinen selbständigen deutshen Geldmarkt mehr. Wir sind von dem internationalen Geldmarkt abhängig. Es ift gut, daß dur< die Begebung der 80 - Millionen - Anleihe in Amerika die Goldbeftände der Reichsbank etrwoas aufgebessert worden sind. Hoffentlih führt die Zinsdifferenz zwischen Frankrei<h und Deutschland das französishe Publikum dazu, sih wieder den teutsch:n Staatswerthen zuzuwenden wie vor 1870, Die herzlihe Aufnahme des Präsidenten Krüger hat bei uns einen weiten Widerball gefunden. Mögen die gemeinsamen Sympathien und Antipathien dazu bei- tragen, den alten Groll Frankreihs zu beseitigen und die natürliche wirthschaftlihe Verbindung zwischen beiden Ländern ihre Auferftehung feiern zu laffen, zum Nuy?en Deutschlands, aber au< Frankreichs. Wir werden jede Maßregel unterstüßea, welhe die Goldbeftände der Reichsbank vermehren kann.

Präsident des Reichsbank - Direktoriums Dr. Koh: Meine Herren! Die ausführlihe vorangegangene Diskussion hat die Frage der Placierung der Anleihe von 80 Millionen îin Amerika behandelt und die nähere Frage des Verhältnisses des Geldmarkts ünd der Reichsbank. Zwar find ja auh diese Verhältnisse von dem Herrn Staatssekretär des NReihs- Schaßamts neben den aus der Finanz- wirthschaft des Reichs entnozimenen Gründen und von mehreren Herren Abgeordneten, namentlih den Herren Richter und Dr. Arendt, aus- führlih beleuhtet worden, sodaß mir dadurh das Meifte hon vorweg genommen ift. Dessen ungeachtet mögen Sie geftatten, Einiges hinzu- zufügen. Die Reichsbank war bei diefer ganzen Maßregel nur aus- führende Instanz, fie konnte als Reichsbank nit dem Reichs- Schatzamt die Mitwukung versagen. Ih will au< garni<t Anstand nehmen, anzuerkennen, daß die Reichsbank die Me im vollsten Maße gebilligt hat. Die Verkbältntsse waren in der That dazu an- gethan; es war in der ganzen ersten Hälfte des Jahres no< ziemlich \hwierig, die Bedürfnifse der Industrie und des Handels zu übersehen. Infolge dessen war die Durchschnittsanlage der Reichsbank, die fich wesentli<h aus Jnduftrie und Handel inr Wechsel und Lombard zu- sammensetßt, vom 1. Januar bis 30. September, dem ftärkften Termin, no< 28 Miklionen höher als im vergangenen Jahre 1899. Es batten Wechselankäufe bis dahin stattgefunden: seit dem 1. Januar 58724 Millionen, 1899 nur für 5718 Millionen. Das ift alfo eine Steigerung von 2,70 9/0, selbft in diesem Jahre, gegen das voran- gegangene, das zu einem hoben Zinssay bis zu 79/9 geführt hat. Daneben herrschte cine fast unverminderte Emi!sionsthätigkeit. Es sind vom 1. Januar bis 1. Oktober für ca. 1948 Millionen Mark hier an der Berliner Börse emtittiert. So war es nun auth mit der Anleibe vom 7. September. Das Geschäft wurde Mitte

September abges<lofsen. Es

E E T S S I S E R,

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war anzunehmen auf den sehr gesteigerten Herbstbedarf, den au<h ber h Büsi«g vorhin betonte, daß bis zum 30. September no< eine sehr bedeutende Steigecung eintreten würde, die nachiräzli<h au ungeatet des Geschäfts eingetreten i. Die Anlage ift geftiegen um 152 Millionen, das Metall hat si< um 108 Millionen vermindert. Es hat si< eine Ueberschreitung der Notengrenze um 192 Millionen ergeben. Damit im Zusammenhang ftand nun eine re<t bedrohlihe Steigerung für Wechsel. Wir haben das ganze Jahr über mit ungünstigen Kursen des Auslandes zu kämpfen gehabt, hauptsä>li<h dur< die Pariser Weltausftellung, die viel Gold ins Ausland entführte, und dur< den Transvpaalkricg. Der Wechselkurs in London war zu einer sol<hen Höhe gelangt, daß er die Auéfuhr von Gold na< England geradezu begünstigte. Uner diesen Umständen konnte es räthli< erscheinen, das bekannte Mittel anzuwenden, um das Gold im Inland etwas festzuhalten und die Einfuhr zu begünstigen, wenn man eine Anleihe im Ausland auf- nahm. Das ift ja das Mittel, was vielfah früher empfohlen worken ift ; es ift eigentliÞ das einzige, um erheblihe Bestände an Gold hereinzubringen, sonft sind die Mittel, abgesehen von der Handels- bilarz, ni<t erhebliche es könnte räthli< erscheinen, im Geld- maikte das Gold im großen Verkehr zu s{honen, wie den Gold- bestand der Meichsbank, der wesentli<h heruntergegangen war. Wir haben das Mittel angewandt, um die Goldbeftände etwas zu halten bei einem Diskont von 54% allerdings weniger als im vorigen Jahre, aber immerhin 54 %. Auf diese Weise war es gelungen, den bisherigen Stand zu erhalten. Nachher hat das Abkommen einen erheblihen Posten von ausländishem Golde hereingeführt. Die Valuta des Abkommens konnte nicht allein in effektivem Golde bestehen, sondern fie bestand au in der Begründung eines Guthadens im Auslande, z. B. in Wechselfonds. Dieses Gut- haben ift jt faft gleihbedeutend mit Goldbeftand. Wir sind namentli<h au< mit dem Beftande in der Lage gewesen, von den Wechseln, die wir hattea, etwas zu verkaufen und dadur den früher hohen Wechselkurs eiwas zu drücken, Wir haben jegt no< ein sehr bedeutendes und ausgiebiges Geschäft im Auslande, das sich niht untershäßen läßt und s< in ähnliher Richtung immer verwenden läßt. Inzwischen hat nah den Vorgängen ein sehr bedeutendes Nachlafsen der Ansprüche in Handel und Jadustrie statt- gefunden. Ich glaube, daß dies wesentli<h der Grund gewesen is, im Zusammenhange mit dem Abkommen, den Diskont in diesem Sommer erbeblih niedriger zu halten. Dadurh werden meines Erachtens auch die Ausführungen des Herrn Abg. Arendt widerlegt, daß die Verhält- nisse des internationalen Geldmarktes früher den Diskont gesteigert hätten und ihn später au roieder steigern würden. Ih glaube, es wird im wesentlichen der Aufschwung von Handel und Industrie daran {huld sein. J) stimme durhaus den Ausführungen des „Economiste frangais“ über das vorige Jahr zu, der als Ursache angiebt: wegen der viel- faen Mobilisailon und der fortwährend gesteigerten Ansprüche! Nun ift ja jeßt, na<dem die Ansprüche von Handel und Fndustrie zurü>zegangen sind, das Geld billiger geworden. Daß das au zu- \1mmentrifft mit der internationalen Bewegung, das will ih gar- nit leugnen; es find verschiedene Umstände, die dieses Resultat herbeigeführt haben. Ader obgleih die Goldproduktion in Transvaal gebemmt worden ift, obgleih der früher so große Import von Gold bierher etwas zurü>gegangen ift, ist troßdem eine Verbilligung des Goldes bei uns eingetreten. Das zeigt doch, daß no< andere Gründe wesentli mitspielen. J< will auf diesen Puakt ni<ht weiter eingehen. Der jeßige Zujtand ift re<ht befriedigend: es hat in den leßten Wochen ein fehr bedeutender Rü>kstrom seit dem Monat Sep- tembecr, wo die Situation eine gespannte war, stattgefunden, die An- lagen find zurü>gegangen seit dem 30. September um etwa 140 Millionen, fie find gegen den 30. September v. J. gestiegen, der Goldbestand ist ebenfalls geftiegen, und zwar nit unerbeblih. Es

wurde gefagt, wir gingen mit der Reserve zurü>. Unsere Reserve hat ih aber seit November v. I. um 66 Millionen und seit 30. Sep-

tembexr um 306 Millionen Mark vermehrt, Ich glaube, dieser Zu- and ist ein befriedigender, und zwar hat das Abkommen dazu, enn ni<t sehr erheblih, so do< etwas beigetragen. Denn {ließli fönnen au< bei der Diskontfrage 80 Millionea Mark immerhin cine gewisse Rolle spielen, wenn fie dem Geldmarkte ent- gen werden, Es ift zuleßt eine kleine Bewegung, die den Stein ins Nollen bringt. Ih will hoffen, daß wir den verhältnißmäßig nit zu hohen Zinsfuß behalten, Nun ift no< die Befürchtung au?gesprehen worden, daß die Vortheile des Abkommers das dur ifluforis<h gema<ht werden könnten, daß die Papiere von Amerika wieder zu uns zurü>lommen und das Gold, das dur< di? Baluta hercingekommen ift, wieder abgezogen werden könnte. X glaube nit, das besorgen zu müssen. Nach den Erfahrungen, ‘tôher in Amerika gemacht worden sind, befindet si< ein großer eil dort in festen Händen, bei Versiherungsanstalten und ähnlichen SFufiituten, die darin eine gute Anlage gefunden baben. Hier an der

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un

Berltner Börse find allerhöchstens ¿è Millionen gehandelt. Daß fh ein Markt dafür nicht verwahren läßt, ist schon erwähnt. Jch wieder-

hole, daß fih die Reichsbank dem Urtheile anschließen kann und muß, daß das Abkommen an si eia räthlihes und in seinen Folgen nühß- lih:s gewesen ift.

Abg. Dr. von Siemens (fc. Vgg. kehrt der Journalistentribüne den Nü>ken zu und ift deshalb nicht in allen Theilen seiner Rede verständli<): Man hat behauptet, die Begebung der Anleibe in Amerika sei ein Akt der Nothwendigkeit gewesen. Ich meine, es unterliegt niht dem geringften Zweifel, daß es der Regierung mögli gewesen wäre, die 80 Millionen im Inlande zu begeben; an dem Kredit des Landes kann man meines Dafürhaltens überhaupt nicht zweifeln. Jch halte es für nüßlich, das ausdrü@!i<h zu konftatieren, weil ih an diese Operation eine ganze Reihe von Kritiken im Aus- lande geknüpft bat, die ni<ht unwidersprochen bleiben dürfen. Wenn der Abg. Richter gesagt hat, der Widerspru des Herrn Büsing er- kläre sih aus der allgemeinen Banquierwuth, daß thnen ein folches Geschäft entgangen sei, so muß ih sagen, daß das Gefühl, welhes entstanden ift, dur etwas ganz Anderes veranlaßt war. Ein solches Gefühl ift allerdinas in der ganzen Presse bemerkbar gewesen, aber warum? Weil man ih sagte, daß es dem Kredit des Landes niht dienli<h sei, daß man fi< ohne irgend welhe Angabe von Gründen an das Auéland gewendet hat. Und warum hat diese Sache im Auslande fol<es Erftaunen erregt? An ih ist es eine gaaz selbstverftändlihe und natürlihe Sache, daß jeder Staat seine Paptere auf dem besten Markt: zu verkaufen sfuht. Kein Land der Welt hat fh je gescheut, seine Papiere einem fremden Lande zu geben. Oesterrei) sucht seinen Schwerpunkt draußen, ebenso Italien, Rußland, jeßt sogar England. Warum ist es nun in Deutschland aufgefallen? Es hat fi< ein gewisser Zwiespalt in unserer Finanzverwaltung in den lezten Jahren gezeigt. Man hat nun in Deutschland, namentlih in Preußen, in den leßten Jahren ganz befonderen Werth darauf gelegt, die Papiere im Inlande zu placieren, und nit allzu viel Schul» den im Ausland zu ma<hen. Man ift den Weg gegangen, daß man durh die Konvertierungen, die in Preußen ftattgefunden haben, indem man eine, meines Dafürhaltens vorübergehende, Konjunktur benußte, den inneren Besiß des Landes unsicher gemacht hat. Das hat zur Folge gehabt, daß ein Theil der Leute, die Konsols besaßen, fie ni<ht mehr mit 3 9% nehmen konnten, sondern M sie ihr Geld tbeils in ausländishen Werthen angelegt haben, theils fi< der Industrie zugewendet haben, und | aube, daß cin wesentlicher Theil der üÜübertricbenen Entwickelung der Induftrie mit zuzuschreiben iff der Bewegung die dur biese Konvertierung entstanden ift. Auch die Landwirth|<aft hat darunter gelitten, indem diese Bewegung den aag i ap aus dem Often in die Industrie des Westens, vom Land in die Stadt beförderte. Unter diesen Umftänden wird man fih ni<ht wundern, wenn man im Auslande ftußig wurde. Während in Preußen der Is herab- gesett wird, kommt auf einmal die Ha Dees wn agt: ih werde j-t cin 4 /%iges Papier begeben ünd dieses Ausland zu placieren suhen. Der Abg. Fritßzen konnte mit Ret den Say auf- ftellen: Entweder man gebt in der Richtung der Koaberzieräng weiter