1900 / 288 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

E

“wendun von Ges ossen, wel<he ersti>ende oder gifiigè Gase Sebectien, endli d erten, betreffend den Ob

rauh von Kugeln, welche si<h leiht im mens<hlihen Körper ausbreiten oder abplatten. i

Türkei. ; 1 n Kanea find, der „Agence Havas“ zufoige, drei rus e Panzerschiffe und zwei russishe Torpedo- boote eingetroffen. i Bulgarien. Die Sodranje hat gestern, wie „W. T. B.“ erfährt, die zwishen der Türkei und Bulgarien vereinbarten A b- änderungen des Zolltarifs ohne Debatte einstimmig angenommen. Amerika. Die Botschaft des Präsidenten McKinley an den heute zusammentretenden Kongreß behandelt, wie dem W. T. B.“ aus Washington gemeldet wird, die hinesishe Frage in großer Ausführlihkeit. Abgesehen von dem inesishen Problem, seien die Beziehungen Zu den anderen Mächten befriedigend. Die Botschaft rühmt das loyale Verhalten der Vize-Könige in den südlichen Pro- vinzen Chinas, die Energie der Konsuln und der Schiffskomman- danten und bezieht si< auf das amerikanishe Rundschreiben vom 3. Juli 1900, in welhem Amerikas Haltung kund- gegeben werde. Die Politik Amerikas bestehe darin, den territorialen und administrativen Bestand Chinas zu er- halten, die Rechte der Mächte zu {ügen und den Handel für die ganze Welt in gleihmäßiger und unparteiisher Weise zu sichern. Amerika have den russishen Vorschlag der Wiederherstellung der Kaiserlihen Gewalt in Pcking als am besten geeignet, eine dauernde Regelung zu bewirken, an- genommen. Der Präsident verlangt eine exemplarishe und abschre>ende Bestrafung der wirkli<h Schuldigen innerhalb der rationellen Grenzen vergeltender Gerechtigkeit, betrachtet dies als erste Bedingung und deutet an, daß eine Entschädigung elcistet werden könne theilweise durch erhöhte E für E Soruna der Nechte der Ausländer und dafür, da China dem Handel der ganzen Welt geöffnet werde. Er spricht sich dann für den russis<hen Vorschlag aus, daß alle weitergehenden Mei- nungsvershiedenheiten bezüglich der Entschädigungen dem Haager Schiedsgerichtshof unterbreitet werden sollten. Die Beziehungen zu Frankreich, heißt es in der Botschaft weiter, sind fréund- iche, in den Beziehungen zu Deutschland herrsht guter Wille vor. Nach Ecwähnung der freundschaftlihen Regelung der Frage der Zulassung ausländisher Versiche- rungs-Gesellshaften und des Samoa-Abkommens

' erwähnt der Präsident das deutsche Fleishbeschau-

Geseß und sagt, es herrsche no< große Ungewißheit, ob Amerikas fast vernihteter Handel mit Deutschland in Fleishprodukten unter den neuen Lasten wieder aufleben

Tonne. Der Präsident hofft zuversihtlih, daß die neuen Be-

stimmungen frei sein würden von Differenzierungen, welche die Durchführung der alten Verordnungen im Gefolge gehabt

habe. Bei der Besprchung der Beziehungen zu Deuischland

finden \{ließli< no< das neue deutsh-amerikanis<e Kabel und der bei seiner Eröffnung erfolgte Austausch von Glü>wünschen mit dem Deutschen Kaiser Erwähnung. Bezüglich der Beziehungen zu Großbritannien wird in der “ral Aud ausgeführt, daß dieselben fortgeseßt freundliche seien. Der Krieg in Süd-Afrika habe zu peinlihen Fragen bezüglich der Neutralität Anlaß gegeben, die in einer für die unmittelbar Betheiligten befriedigenden Weise geregelt worden seien, aber leider A volle Regelung -der Frage, wieweit die Neutralen berechtigt seien, Waaren, die an sich nicht Kontrebande sind, zu versenden. Die Botschast betont sodann die Nothwendigkeit der endgültigen Fesilegung der Grenze von Alaska, er- klärt, daß der Einfluß Japans als eines die allgemeinen Jnter- essen des Friedens, der Ordnung und des Handels fördernden Faktors niht übershäßt werden könne, erwähnt die Kon- vention mit Großbritannien über den Bau des JFsthmus-

Kanals und befürwortet den Abschluß eines Handelsver-

trags mit Spanien. Die von Amerika an die Türkei gestellten Forderungen, heißt es dann weiter, dürften bald in befriedigender Weise erledigt werden. Sollten in der Frage der Handelsverträge in einigen Ländern die Forderungen nah einer Amerika feindlichen Geseßgebung fortdauern, so werde der Präsident dem Kongreß eine den Erfordernissen der Lage gere<t werdende Gesehgebung anrathen. Die Bot- schaft befürwortet sodann noch die Beibehaltung der Parität zwischen Gold und Silber und weist binsihtlih der Philippinen darauf hin, daß Amerika bestrebt sei, den S die Wohlthaten der Freiheit und einer guten egierung zu sichern.

Dem Repräsentantenhause ist gestern eine Vorlage, S die Heeresorganisation, zugegangen.

Zn New York über Kingston (Jamaica) eingetroffene Nachrichten aus Colon besagen, dem „Reuter’shen Bureau“ zufolge, day die Aufständishen am leßten Mittwoch Chagres eingenommen hätten. 800 Mann Regierungstruppen seien sofort zum Entsaße des Plaßes abgegangen. Ein heftiges Gefecht habe stattgefunden, und die Regierungstruppen häiten hwere Verluste gehabt, doch seien die Aufständischen aus der Stadt vertrieben worden. Wie aus Colon ferner gemeldet wird, hätten die Aufständishen Porto ‘Colombia und Sabarilla an- gegriffen ; Regierungstruppen seien zur Verstärkung abgesandt worden. Man glaube, daß die Jnsurgenten si<h zum Angri} auf Colon, niht, wie erwartet worden, auf Panama, sammelten. Jn Colon werde das Kriegsrecht durchgeführt, und es seien viele verdächtige Personen verhaftet worden.

Asen.

Don dem General-Feldmarschall Grafen von Waldersee ilt gejtern, wie „W. T. B.“ erfährt, folgende Depesche aus Peking vom 2. d. M. in Berlin eingetroffen: Nah dem Degen der deutschen Flagge auf den Ming-Gräbern und der Bestrafung mehrerer nahegelegener Dörfer wegen Christenmordes kehrt das Detachement des Generals von Gayl in einzelnen Kolonnen über Yangfang, Shahotshöng, Tangshan, Niulanshan (sämmtlih etwa einen Tagemarsh nördli von Peking) nah Peking zurü>. Der Zug nach Kalgan hatte einen weitgehenden Erfolg und hat mehrere Tausend -Mann regulärer Truppen unter zwei Generalen in wilder Flucht aus der Provinz Tschili nah Schansi getrieben.

Die Leiche des Obersten Grafen York von Wartenburg ist in Peking eingetroffen; die vorläufige Beisezung wird am Mittwoch stattfinden.

Jn New York ist, wie das „Reuter'she Bureau“ meldet, eine Depesche aus Peking vom 2. d, M. eingetroffen, welche

besagt, daß die Zahl der nah P:\ing zurü>kehrenden Chinesen Laub s wachje. Jhre Haltun sei L aeensGeinul freundlich. Die Feldrihter der vershietnen Nationen würden täglich über den Verbleib der zo{üc>kgekehrten Boxer unterrichtet. Nur diejenigen Boxer Düren festgenommen, denen nachgewiesen werden Tör.ne, daß fie chinesishe Christen ge- tödtet hätten, Aw 30. November sei die erste Lokomotive seit der Belageruno, der Gesandtschaften von Tientsin nach Peking géfahren. Die Bahnlinie werde jedo<h vor dem 15. De- zember niht für den allgemeinen Verkehr eröffnet werden.

Dasselbe Bureau berichtet aus Tientsin vom 2. d. M. daß die Bahn von Schan-hai-Kwan nah Lng au Grund eines kategoris<hen Befehls des Kaisers von Ruß- land den Deutschen werde übergeben werden. Die Urkunden, welche die Uebergabe beträfen, seien am Sonntag Vormittag unterzeihnet worden. i |

Der „Standard“ meldet aus Tientsin vom 2. d. M.: Neuerdings werde daselbst dur öffentlihe Anschläge auf einen drohenden erneuten Ausbruh des Fremdenhasses anfmerksam gemaht. Es heiße, daß in ganz China die Bildung von Freiwilligenkorps im Gange sei, welhe von der chinesischen Regierung mit Waffen und Munition versehen würden, si aber im übrigen selbst unterhielten.

Afrika.

Der General Lord Kitchener meldet aus Bloemfontein vom 1. Dezember, ein weiterer Bericht des Generals Paget über das Gefecht nordöstli<h von Bronkhorstspruit am 29. November besage, daß die Truppen g?-gen Abend näher an die feindlihe Stellung herangerü> seien. Die Buren hätten gegen 61/2 Uhr Nachmittags Verstärkungen erhalten, drei neue Geschüße in Stellung gebraht und darauf einen kräftigen Angriff auf die britishe Schlachtlinie gemach ; sie seien jedoch nah ernstem Kampfe mit {weren Verlusten zurü>kgeworfen worden. Der Feind habe den für Tagesanbruch geplanten An- qriff der Engländer nicht abgewartet, sondern sich während der Nacht zurü>gezogen. Der Oberstleutnant Lloyd sei gefallen, 10 Offiziere seten verwundet worden, von den Mannschaften seien 13 todt und 59 verwundet. Der General Paget fei am 30. v. M. in die feindlihe Stellung eingerü>t, die Reiterei verfolge die nah Nordost-n zurü>weichenden Buren.

Aus Kapstadt berichtet das „Reuter\he Bureau“, es verlaute dort in halbamilichen Kreisen, daß in kurzem das Kriegsre<t werde proklamiert werden. Die Regierung lehne jede Mittheilung über diesen Gegenstand ab.

Parlamentarische Nachrichten.

, Der Bericht über die gestrige Sißzung des Reichstages befindet sih in der Ersten Beilage.

Bei der heute im 6. Posener Wahlbezirk (Frau- stadt-Lissa) vorgenommenen Ersaßwahl zum Hause der Abgeordneten wurde, dem „W. T. B.“ zufolge, der Brauereibesißzer und Stadtrath Shmidt-Rawitsch (freikons.) mit allen abgegebenen 337 Stimmen gewählt.

Nr. 46 des „Eisenbahn- Verordnungsblatts*, heraus- egeben im Ministerium der öffentlihen Arbeiten, vom 27. November, bai folgenden Inhalt: Bekanntmachung des Reichskanzlers, betreffend die dem internationalen Uebereinkommen über den Eisenbahnfracht- verkehr beigefügte Liste, vom 10. November 1900. Bekanntmachung des Reichskanzlers, betreffend Aenderungen der Militär-Transport- Ordnung, vom 14. November 1900. Erlaß tes Ministers der öffentlihen Arbeiten vom 18. November 1900, betreffend Anzeigen über Tariferhöhungen und Verkehrsbeshrärkungen. Nachrichten.

Nr. 47 vom 28. November enthält einen Erlaß des Ministers der öffentlihen Arbeiten vom 19. November 1900, betreffend Dienst- anweijung für Zugrevisoren.

Statiftik und Volkswirthschaft.

Bewegung der Einkommen von 900 bis 3000 A im Ver- glei zu denjenigen von über 3000 A während der Jahre 1892—99 in Preußen.

Im Anscïuß an mehrere frcükere Artikel, in welchen die Ein- kommen üder 3000 A6 und ihre Bewegung einer Betrachtung unter- zogen wurden, werden in der „Stat. Korr.“ jeyt einige Mittheilungen über die Zensiten mit dem „mittleren“ Einkommen von 900 bis 3000 4 veröffentlicht. Zu diesen ist im allgemeinen, einzelne boczelohrte ‘Arbeitergruppen ausgenommen, weder das Heer dex Lohnarbeiter zu re<nen no< die Klasse der größeren Grundbesitzer, Unternehmer und Kapitalisten îm engeren Sinne des Wortes. Sie um- fassen vielmehr neben dem e aalen Bauern, Handwerker und Kleinhändler einen großen Tbetl des te<ni<:n und kaufmännischen Verwaltungs-, Bureau- und Aufsihtspersonals im Großgewerbe, viele mittlere und einen Theil der höheren Beamten u. st. w., d. h. also neben dem fleineren und mittleren Unternehmer besfonters die ißm sozial nohesteßenden Jnhaber unselbständiger Steüungen. Der Kürze wegen seicn deshalb die Einkommen von 900 his 3000 4 als „mittlere“ und die höheren als „bessere“ bezei<net.

Im ganzen Staate kommen nun auf je 100 Köpfe der B:yöl- keruny Zeusiten mit einem Einkommen von

900-—- 3 M über 3000 M („mitftiere („bessere Einkommen“) Einkommen“) überbaupt in den Städten , . 9 2,01 11,92 1892 auf dem Lande . , 5,24 0,44 5,68 Dea 7,09 1,06 8,15 in den Städten , . 10,09 2,01 12,10 1893 7 auf dem Lande . . SPT 0,44 O71 a N T,18 1,06 8,24 / in den Städten . . 10,15 2,00 12,14 1894 7 auf dem Lande , 5,29 572 | überhaupt . . 7,23 8,29 in den Städten , 10,40 12,38 auf dem Lante 5,36 5,78 überhaupt Mir 8,45 in den Städten , . 10,36 12/33 auf dem Lande, . 5,38 5,81 Ea 7,41 8,46

1895 | | in den Städten , , 10,62 12,63

o O

I Q C5 fa s Q G20

1896

-

O O

1897 7 auf dem Lande . . 5,48 5,92 überhaupt . ., 7,59 8,68 in den Städten , 10,87 12,97 auf dem Lande . 5,68 6,13 überbaupt 7,85 8,99 in den Städten . 11,26 13,42 auf dem Lande , 5,96 6,43 überha:pt . 8,21 9,40.

moo

-

1898

-

_

1899

Tan)

b O bo i O O f i

-

Dana zeigen die En!w!>-lungéreiber der Einkommen beider Klassen zusammen für den gesammten Staat eine faft auffällige Stetigkeit. Ihre Anzahl hat im V-rhältnisse zur Bevölkerung mit Ausnahme der städtishen Einkommen im Jahre 1896 ununterbrochen von Jahr zu Jahr zugenommen, und zwar ebensowobl auf dem Lande wie in der Stadt, im Ganzen in den Städten von 11,92 auf 13,42, in den Landgemeinden und Gutöbezirken von 5,68 au} 6,43, zusammen von 8,15 auf 940 Zenfiten unter je 100 Einwohnern.

(Fin vergleihender Bli> auf die betden Einkommensarten von 900 bis 3000 G und über 3000 4 zeigt deutli einen tiefgebenden Untershied in ibrer Bewegung. Die „besseren* Einkommen sind erst im Jahre 1897 um eine Kleinigkeit häufiger als 1892, nahdem j! in der Zwischenzeit noh etwas abgenommen hatten. Jin Fahre 1898 eßt eine merklihe Aufwärtsbewegung ein, die 1899 no< anhält. Die „mittleren* Einkommen dagegen zigen ein gleihmäßtg'a, kräftiges Anwachsen, das lediglih im Jahr: 1896 eine geringe Ab- s<wähung erfährt. Dies mag zum theil an jorgfältigerer und deshalb höherer Einshäßung hohgelohnter Arbeitergruppen liegen ; zum andern Theil \priht fi< darin wohl die Thatsache aus, daß die „mittleren* Einkommen, deren Hauptbestandtheil immer no< Arbeitseinkommen is, wentger dem Wechscl ver „Konjunkturen“ aus- geseßt sind als die „besseren“ Einkommen, bei denen immer mebr der seiner Natur na< s{<wankende Unternehmergewinu mitspielt. Während ferner die legteren auf 100 Köpfe der Bevölkerung be- ¡vgen in Stadt und Land nur von 2,01 bezw. 0,44 auf 216 bezw. 0,47 und in Stadt und Land zusammen von 1,06 auf 1,19 v. H. ge- stiegen sind, haben die „mittleren“ Ginkommen in Stadt und Land eine Vermehrung von 9,91 bezw. 5,24 auf 1126 bezw. 5,96 und in Stadt und Land zusammen eine sol<e von 7,09 auf 8,21 v. H. erfahren. Der Bruchtheil der „mittleren“ Einkommen ist also in dem gesammten Zeitraum um 15,80 v. H., der der „besseren" Einkommen nur um 12,26 v. H. gestiegen. Hiernach erscheint die Entwi>elung der „mitt- leren“ Ginkommen keineswegs ungünstig. Freilich wird man auch nicht zu viel aus ihnen folgern dürfen, «weil dabei wie {on an- gedeutet wurde au<h die sorgsältizacre Ginshägung gewisser Ein-

* kfommenê8gruppen, namentli in den Städten außerdem auc die ver-

theuerte Lebenshaltung, mitspielen kann, vertnöge welher ein höheres Geldeinkommen nur denselven Werth hat wie vor Fahren cin geringeres.

Zur Arbeiterbewegung,

Die Mehlkutscher Berlins beschlossen, wie biesige Blätter vom 2. d. M. beriŸtea, bei allen Bâä>ecmeistern, die sih weigern, das Abtragungs8geld zu zahlen, von gestern an kein Vehl mebr abzutragen, Sollten infolge diefes Vorgehens Entlassungen eintreten, so wollen \sämmilide Kutscher der betreffenden Fuhrhöfe die Arbeit niederlegen. Die Lohnkommission wurde beauftragt, mit den Vorständen des Vereins der Mehlfuhrherren und der Mehlhändler zu unterhandeln. (Vergl Nr. 233/1899 d. Bl)

Die Berliner Korbmacher der Kugelkorbbran<e haben, der „Bolls-Ztg." zufolge, gleichfalls die Arbeitsniederlegung be- s{lossen, falls die von thnen gestellte Forderung von 2 (A Stü>- lohn nit bewilligt werden follte (vergl. Nr. 15 d. Bl). Ueber zwet Firmen ist bercits die Sperre verhängt worden.

Kunft und Wissenschaft.

Den Hauptanziehungspunkt im Deutschen Hause der Pariser Weltausstellung bildeten die Räume des Obergeschosses, in welchen auf Befehl Seiner Majestät des Kaisers und Königs die frauzösi\hen Kunstwerke aus Allerhöhstem Besiß ausgestellt waren. Neben vortrefflihen Möbeln, Skulpturen und Dekorationsftü>ken aus den S<hlöfsern von Potsdam und Berlin vereinigten diese Säle eine Auswahl der vorzüglichsten Gemälde französis<her Meister des achtzehnten Jahrhunderts, wle Friedrih der Große einst gesammelt hat. Von diesen Gemälden hat dite hiesige Photographische Gefellschaft etne Reihe dec {önsten in Photogravüuren großen Formats vervielfältigt urd soeben unter dem Titel „Metsterwerke aus den Kunstsammlungen Seiner Majestät des Deutschen Kaisers“ erscheinen lassen. Unter den repro- duzierten Bildern befinden ih au<h die köstliden Gemälde Watteau’s aus dem Salon Ihrer Majestät der Kaiserin, die „Eine sciffung zur Liebesinsel“ und die beiden sogenarnten „Firmenschilder“, welche in Paris niht ausgestellt waren. Von Lancret findet man Peilen, wie die „Tänzerin Camargo*, „Le Moulinet“ und die „Ge- jellshaft im Gartenpavillon“ ; Pater ist mit feinen besten Werken und Chardin mit seinem greß:n Bildz „Die Briefsieglerin* vertreten. Die Veröffentlihung, welhe im Ganzen 27 Blätter (Papiergröße : 91:67 cm) umfaßt und 200 Æ fkostet, verdient das wärmste Interesse aller Kunstfreunde. Probeblätter versenzet der Kunstveríag der Photographischen Gesellshaft, Berlin C. (An der Stechbahn 1), auf Wunsch zur Ansicht.

Am 28. November hielt der Assessor von Zur Weéften im Verein für deutshes Kunstgewerbe einen Vortrag über „Sxlibris, Bildpostkarten und andere Arbeiten der ange- wandten graphischen Kunst“. Der Vortragende gab einen Ab- riß der Entwi>kelung der Exlibriskunst seit ihrer Entstehung in der zweiten Hälfie des 15. Jahrhunderts und charakterisierte mit Hilfe bon Lictbildern die heutige Protuktion in Frankreih, wo man die Exlibris als knappes, prägnantes Eigenz:ichen zu gestalten su%t, in England, wo rein dekorative, beziehungélose Blätter im Stil der neueren Prärapha:litens<vyle vorherrschen, und in Deutsh- land, wo Künstler wie Klinger und Greiner wahrhafte Meisterwerke geschaffen haben, in denen eine Fülle poesi:voller und geistreihir Ideen niedergelegt ist. Hierauf bespr2< der Vortragende kurz die künstleris<en Leistungen auf dem Gebiet dec Gratulationskarten, Festkarten 2c., wandte fih dann der Reklamekunst zu, unter besonderer Hervorhebung der Vorzüge der amerikanif<en Katalogausstattung, und ging s{li-ßli< etwas näher auf die Bildpostkarte ein, tür die er, entsprehend ibrer Zwe>kbeslimmuvg, kurze Nachrichten zu übermitteln, einen flotten, skiz;zenhaften Charakter wünshte.

Literatur.

Die peinlihe Gerihtsordnung Kaiser Karls y., Constitutio criminalis Carolina, herausgegeben von F. Kobler, Piofessor der Rehte in Berlin, und Willy Scheel, Oberlehrer am Gymnasium zu Stegliß. 1) Kritishe Ausgabe, LXXXV und 167 S., geh. 6 A 2) Au3gabe für Studierende, 144 S., geh. 1,50 6 Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses in Halle a. S. Das wichtigste und bedeutsamste Gese des alten Deutschen Reichs, welhes Strafre<t und Kulturarbeit dreier Jahr- hunderte deutsher Geshihte beherrs<hte, großen Segen , aber aud unsäglihes Wehe über das Land geb1aht hat, die Schöpfung einer bewegten Zeit des Aufstrebens und Ringers, aber au<h der überhandnehmenden Barbarei, die das deutsche Volk mit in das Entsezen der Hexenverfolgung hineingezogen, jedo au< dazu geholfen hat, na den Wirren des 30 jährigen Krieges erträglihe Zustände zu schaffen, is uns leider keineëwegs in fehler- freter Faffung überliefêrt worden. Gleichwohl ist, während die Art des Zustandekommens der Carolina seit dem Erscheinen von Jul. Fr. Maiblank’2 verdienftlicher „Geschichte der peinlichen Gerihtsordnung Kaifer Karl’s V. von ibrer Entstehung und ihren weiteren Schi>salen bis auf unsere Zeit* (1783) wenigstens in großen Zügen bekannt war, cine Tex!kritik auf wissenshaftlißer Grundlage nicht erftrebt worden, bis H. Schletter 1854 die Dresdener Handschriften auffand und dann C, Güterbod in seiner „Entstehungsge|hihte der Carolina auf Grund arhivalisher Forshungen und neu aufgefundener Entwürfe" (1876)

die Gestalt und Form der vom Reichstaz în Regensburg endgültig angenommenen Fassung des Geseyes einer Kritik unterzog, Nachdem dieser damit den Grundsto> zu etner kritishen Ausgabe dur Kollation pieler, theilweise erst von ihm gefundener Handschriften gelegt, haben Kohler und Scheel fast sämmtliche deutschen, zum theil au nieder- ländische Archive und Bibliotheken avf deren Bestand untersuchen lassen. Auf ihre Unfrage erfolgten 445 Antworten, welhe das Vor- handeusein von neun weiteren, bisher vollftändig unbekannten Hand- s<riftzn der verschiedenen Entwi>elungsstadien der Carolina fowie einigen gleidfalls no< nit bekannten Dru>en des Gesetzes ergaben ; von den erfteren is eine ganz besonders wichtig: die lange gesuhte Regensburger: Urhandschrift der C. C. C. von 1532 in den im Kölnischen Historcischen Archiv befindlichen Reichstagsakten von 1532. Nach einer mit Unterstüßung des preußishen Ministers der geistlihen, Unter- rihté- und Medizinal-Angelegenheiten unternommenen Kollation der Handschriften ist die neu aufgefundene Regensburger von 1532 dem Textabdru> in den vorliegenden beiden Ausgaben zu Grunde gelegt worden, Der Nachweis, daß diese Handschrift ihrem inneren Werthe nah der wohl für immer verlorenen Dru>vorlage, welche bei der mit Kaiserlihenm Privileg in der Offizin Ivo Schöffer's, des ,NReichs- dru>ers*, in Mainz entstandenen oditio princeps von 1533 benußt worden is, mindestens glei<fteht, ersheint vollständig gelungen. Die auf der neu aufgefundenen Regensburger Handschrift fußende Text- revision dur< Kohler und Scheel ist um \o mehr berechtigt, als durh sie eine große Anzabl unklarer und miß perstandener Stellen eine befriedigende Richtigstelung erfahren hat. lleber die allgemeinen Grundsäße der gesehenen tex!kritif<hen Be- handlung giebt die 85 Seiten umfassende Einleitung in der größeren, fritisen Ausgabe ershöpfenden Aufschluß, in der außerdem eine Zu- fammenftellung des gesammten handschristlihen Materials und der verschiedenen Dru>ke geboten, dabei auch der undatterten sog. editio anonyma, die eine große Rolle in dec ganzen Frage ge!pielt hat und über die faft eine Literätur existiert, in forgfältiger Untersuhung wohl der rihtige Plat angewtesen, j-denfalls abr die Unmöglichkeit dar- gethan wird, fie ass die eigentliche editio princeps anzusehen. Den Abdru> des Textes begleitet dann die umfangreiche, die Lesarten aller bekannten Handschriften und Dru>- vergleichende Tertkritik, und die wichtigeren Aenderungen werden außerdem in anhangs- weise angefügten längeren Exkursen no<h b-sonders gereh!fertigt. Die Ausführungen sind überzeugend, uod die Verfasser dürfen für sich das Verdienst in Anspru nehmen, die kulturhistorish bedeutsam ste That der Geseßgebung unserer Altvät-r in möglichster Reinheit dargestellt zu haben. Ein Wörterverzeihniß, eine Üeb.1siht des Inhalts der Carolina und eix forgfältig zusammengestelltes analytis<hes Satregister bilden eine werthvolle Zugabe. Das Wörterverzeichniß ecfüllt einen doppelten Zwe>k: es erklärt dem juristischen L-fer die jeßt ungebräuc- lichen und unbekannten Worte und enthält zuglei einen Beitrag zur Syntax des 16. Jahrhunderts, bei deren Letrabtung auf die Carolina als sprahlihes Zeugniß nur in Grimm's Wörtecbu<h Rücksicht ge- nommen ist, obwchl gerade das jurisiishe Deutsh der Srift- sprache so viel zugeführt bat, daß die hter getotenen Zzs1mmen- ftellungen au< für die Geschichte der Standessprachen wichtig find. Das Wörterverzeichniß, die Uebersiht des Inhalts der Caroltna und das analytis<e Sachregister sind au in die Ausgabe für Studierende aufgenommen, in der nur die Einleitung und der kritisGe Theil fort- gelassen sind. Der Text derselben entspricht dewjenigea der kritishen Ausgabe; zur Ecleichterung des Verständnisses sind indessen in j-dem Artikel der Ausgabe für Studierende einige Stihwörter durch fetten Dru hervorgehoben, um sofort erkennen zu lassen, wovon er handelt. Als Titeltlatt der Carolina ersceint in beiden Ausgaben das der editio princeps, der bekannte Holzshnitt mit der zweitheiligen Rich!stätte. Die Herausgeber beabsichtigen, demnächft eine kritische sowi? etne T-xt- ausgabe der Bambergersis folgen zu lassen,

Das bürgerliche Recht des Deutschen Neichs und Preußens. Von Dr. Heinrich Dernburg, Gehcimem JIustiz- rath, Professor an der Universität Berlin. IT. Band: Die Schul ds- verhältnisse nah dem Rechte des Deutshen Reis und Preußena ; 1. Abtheilung : Allgemeine Lehren. Erste und zweite Auflage. Verlag der Buwhant:lung des Waisenhauses in Halle a. S. Preis geh. 6 Im Axschluß an die frühere Anzetge der Bearbeitung des Sachenre<hts brau<t bier nur auf das weitere Erscheinen dieses hervorragenden Werkes hingewiesen zu werden , dessen Verfasser, auf der Grundlage seines berüßkmten preußis{-re<htliden Werkes fortarbcitend, in vier Bänden das gesammte Privatreht des Reiches und Preußens in ciner den Bedürfniss.n der Wissenschaft und der Praxis zuglei entsprehenden Weise zur Anschauung bringt. Der neu erschienene Theil b:handelt die allaemeinen Lehren des RNehts der Schuldverhältnisse. Bieten diefe dem Verständnisse au nicht folhe Schwierigkeiten wie das Sachenrcht, so hat do< au<h auf dem Gebiete der Schuldverbältnisse der Gesetzgeber zum theil neue Bahnen betreten, und die klare Herausarbeitung der leitenden Gedanken, die dem Verfasser wieder treflih gelungen ift, ersheint daber auch bier hervorbhebenëwerth. Ueberhaupt zeigt der vorliegende Theil ükerall wieder die Vorzüg?, welhe den Werken des Verfassers eigen sind: die vollständige Durhdringung des gesammten Rechts\toffes neben wissenshaftli< durhdahter Gliederung, die stetige Vertretung des gesunden Menschenverftandes und die Hchbaltung der juristishen Ethik.

Ludwig Jacobowski, ciner der hcffnunzsvoll sten jungdeutschen Dichter, ist, wte hiesige Blätter melden, am Sonntag hier gestorben. Außer dur feine von tiefem sütlihen Ernst erfüllten Romane und lyiishen Gedihte wurde er dur< die Komödie „Dyab, der Narr“, wel>e vor einigen Jahren im Schiller-Theater mit Erfolg zur Auf- führunz gelangte, weiteren Kreisen bekannt. Jn Gemeinschaft mit dem Münchener Schriftsteller M. G. Conrad gab FJacobowéki die in Pierson’s Verlag in Dresden erscheinende Zeitschrift „Die Gesell- ihaft“ heraus.

Verkehrs-Anstalten.

Beförderung der Feldpostsendungen zwischen Deuts@- land und Ost-Asien

A. Richtung na< Ost-Asien:

für Pakete und Geldbriefe | für gewöhnliche Briefe und | Ankunft in

aus aus Postkarten S@anafai Bremerhaven} Hamburg <angh am am aus am ditt

Neapel 12. Dezember] 12, Januar Brindisi 16, Dezembe:f 17, Januar Brindisi 23. Dezembe!| 25. Januar 12. Dezemb:1|} Neapel 26. Dezember] 26. Januar Brind fi 30. Dezemberj 30, Januar Brindif 6, Januar L Februar

| Brindisi 9, Dezember] 11. Januar |

25, Dezember Neapel 9, Januar Í Uesenat

Brindisi 13. Januar 114. Februar Brindisi 20. Januar 122. ear 9. Januar | Neapel 23. Januar 123. Februar Brindisi“ |27. Januar ][28. Februar

Für jede dieser Beförderungsgelegenheiten müssen

die Briefsendungen im allgemeinen bis zum 2, Tage vorher früh beim Marine-Postbureau in Berlin,

die Pakete bis zum Tage vorher früh beim Poftamt 5 in Bremen eingehen.

Im Interesse der pünktliGßen Ab'endung is jedo< dringend zu empfehlen, die Auflieferung thunlichst nicht e: kurz vor Eintritt dieser S(hlufyzeiten zu bewirken.

B. Richtung aus Ost. Aken:

für gewöhnlihe Briefe, | für Pa>ete und Geldbriefe aus Postkarten Ankunft und Postanweisungen in in

Schanghai Ankunft Bremerhaven| Hamburg in am am 10, Dezember ——-

24. Dezember

am

27, Oltober 6. November] Brindisi 7. Dezember 10, November] Neapel 10, Dezember 15. November] Ma1seille | 17. Dezember 20. November} Brindisi 21. Dezember 24. November] Neapel 24. Dezemberi 7. Januar 29, Novembe:| Marseille | 30. Dezember 4. Dezember | Brindisi 4, Januar 8. Dezember | Neapel 7. Januar 13. Dezember | Marseille | 14. Januar 18. Dezember | Brindisi 18. Januar 22. Dezember | Neapel | 21. Januar | 4. Februar ; 27. Dezember | Marseille | 27. Fanuar |

A. und B. __UVeber die Beförderung der Post zwischen Schanghai und den Standorten der deutshen Truppen lassen fich genaue Angaben niŸt machen.

Bremen, 3. Dezember. (W. T. B.) Norddeutscher Llovd. Dampfer „Heidelberg* 1, Deibr. v. Antwerpen n. Brasilien und „Werra“ v. New York n. Genua abgeg. „Bayern“ und „Olden- burg“, v. Ost-Asien kommend, 1. Dezbr. in Aden ançck. bezw, v. Genua n. Bremen abgeg. Karlsruhe“, y. Australien fommend, 1. Dezbr. v. Genua, „Born® v. Baltimore n. Bremen, „Preaßen“ 3. Dezbr. y, Port Said n. Osft-Aßien, „Rhein“, y. Oft- Asien kommend, 1. Dezbr. v. Port Said n. Bremen ageg. „Dresden“ 1. Dezbr. v. Nagasaki in Mosi angekommen.

4. Dezewber. (W. T. B.) Dampfer „Hamburg“ 3. Dez, v, Antwerpen n. Southampton abgea. „Darmj1adt“, v. Oft: Aßen kommend, 3. Dez. St. Catherines passiert. „Aachen“ v. Oft-Aken 3 Dez. in Suez auge?. „Hogland“, v, Brasilien fommend, 3 Dez. Vlissingen, und „Heioelberg , n. Brasilien best., Dover passiert, „Barbarofsa“, n. Australien best., 2. Dez. in Sydney angek. Stolberg" 2. Dez. v. Funchal n. Rotterdam abgeg. „Wittekind“, im Martnedtenst, 2. Dez. in Nagasaki angek. „Trier“, n. New York best., 2. Dez. Dover passiert, „Mainz“ 3. Dez. v. New York n. Bremen abgeg. „Preußen“, n. Ost-Asien best., 3. Dez. in Suez und „Prinzeß Irene“, n. Oft - Asien best, in Penang angek. eStuttgart* 3. Dez. v. Singapore n. Bremen abgeg. „Weimar“ 3. Vez, y. Bremen in New York und „Wittekind*® v. Nagasaki in Moji angekommen.

Hamburg, 4. Dezember. (W. T. B.) Hamburg-Amerika - Lint-, Dampfer .Belgrayia* 3. Dez. a. d. Eibe bei Brunshausen angek. „Bulgaria“, y. Hamburg über Boulogne-fur-Mer n. New York, 3. Dez. Cuxhaven passiert. „Minterne“ 4. Dez. in Hamburg angek. „Numidia“ v. Hamburg über Geestemünde n. Westindien, „Ascania“ 3. Dez. y. St. Thomas über Havre n. Hamburg abgeg. „Sambia“ 3. Dez. in Penang angekommen.

Notterdam, 4. Dezember. (W. T. B.) Holland-A merika- Linie. Dampfer „Potsdam“ v. Rotterdam geftern in New York angekommen.

London, 4. Dezember. (W. T. B.) Castle-Linie. Dampfer „Bracmar Castle" Sonnabend auf Heimreise v. Kapstadt abgeg. „Garth Casile“ Sonntag und „Norham Castle“ Sonnabend auf Heimreise die Canarischen Inseln passiert.

Union-Linie. Dampfer „German“ heute auf Ausreise in Kapstadt, „Moor“ Sonntag auf Heimreise in Southaraptoa . an- gekommen.

21. Januar

-

Theater und Musik,

Belle-Alliance-Theater. i

e Almenraus@© und Edelwetiß“, das bekannte oberbayerische Volkésiü> von P. Manz, welches bereits im vergangenen Winter, bon Hans Neuert bearbeitet, auf derselben Bühne von dem Schlierseer Ensemble in etwas anderer Form wiederholt gegeben worden ist, wurde am Donnerstag v. W. von der Tegernfseer Gesellschaft in sorg- fältiger Neueinstudierung hier zum ersten Male aufgeführt. Das zwar etwas fentimentale, aber sonst re<t wirkungsvolle Stück wurde von dem zahlrei ershienexen Publikum außerordentli beifällig aufgenommen und verdiente dies umfomehr, als die Mitwirkenden mit ihrer natür- lichen, frishen Darstellungöweise au bei dieser Aufführung den rihtigen Ton trafen und die Zuschauer für den Gang der volks- thümlihen Handlung zu interessi-eren verstanden. Besonders zeichneten fih dabei die Herren Sachs, Wenng, Glas und Kiem, sowie die Damen Mayerbcfer, Bergmoser und Triebenbaher dur <harafkteristis@28 Spiel aus. Die eingelegten Schubplattler und Gesänge scwie die Zithervorträge trugen bei vortreffliher Ausführung zur Belebung des Bühnenbiides das Jhrige: bet. Am vergangenen Sonnabend wurde „Der Geigenmacher von Mittenwald“, ein Volksftü> von Dr. Ludw. Ganghofer und Hans Neuert aufgeführt, welches bekanntli die Schi>ksale eines armen Geigenmachers schildert, der, aus der Fremde zurüd>- kehrend, seine Jugendliebe als Gattin seines daheim gebliebenen reichen Freundes wiederfindet. Besonders wirkungtvoll war hierbei die Darstellung des Howzeitsfestes und des nrachherigen Zusammeutrcffens der beiden Freunde und der jungen Frau. Die Mitwirkenden ernteten au bei diefer Aufrührung lebhaften Beifall.

Im Königlichen Opernhause geht am morgigen Todestage Mozari’s die Oper „Figaro’s Hochzeit“ in Scene. Kapellmeister Strauß dirigiert. |

Im Königlichen Schauspielhause wird morgen Franz Grillparzer?’s Trauerspiel „Des Meeres und der Liebe Wellen" gegeben.

Im Neuen Königlichen Opern - Theater gelangt am Sonntag *' zu ermäßigten Preisen „Iphigenie auf Tauris* zur Aufführung. Morgen Abend findet daselbst zu Gunsten der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger unter Mit- wirkung der Königlichen Kammersängerin Frau Lilli Lehmann, der Herren Professoren Henri Marteau und Reinhold Herrmann und des Herrn Carl Pander, sowie der erften Solokräste des Köaiglichen Schauspiels und der Oper eine besondere Vorstellung ftatt. Zur Aufführung gelangt „Robert und Bertram, oder die lustigen Vagabonden“, Posse mit Gesängen und Tänzen in vier Abtheilungen von Gustav Raeder. Die im zweiten und dritten Akt vorkommenden Tänze werden von dem Königlichen Corps de Ballet zur Ausführung gebra<ht. Nach der Vorftellung tritt das Tegernseer Ensemble auf. Der Billetverkauf findet im Königlichen Schauspielhause statt.

Um der großen Nachfrage na< Billets zu der Oper „La Traviata“ mit Fräulein Prevosti als Gast zu genügen, findct im Theater des Westens in Abänderung des Spielplans außer der morgigen Aufführung noch eine fol<e únd zwar die leßte am näthsten Sonntag statt. Morgen NaGmittag wird das Weihnachts- märhen „Snecwitthen bei den sieben Zwergen* wiederholt.

Die Direktion des Léssing-Theaters hat für die nätsten Tagé folgenden neuen Spielplan aufgestellt: Donnerstag: „Johannis- feuer“; Freitag: „Wie die Blätter“; Sonnabend: „Johannisfeuer“*; Sonntag: „Wie die Blätter“. :

In dem mit Allerhöchster Genehmigung am Montag, den 10. Dezember, Abends 8 Uhr, im Neuen Königlihen Opern- Theater ftatifindenden großen Wohlthätigkeits-Konzert wirken u. A. mit: die gesammte Königliche Kapelle, der Königliche Opernchor, Frau Ellen Gulbranson, die Königlichen Kammersängerinnen

rau zog und Fräulein Hiedler und der Königliche Kammersänger ul Bulß. Kapellmeister Dr. Mu> dirigiert. Der Billet-

verkauf findet tägli in der Hofmusikalienhanblung von Bote 1. Bo> (Leipzigerstraße 37) statt.

Am 2. Januar n. J. findet in der Sing-Akademie ein Konzert : mit Kompositionen von Lans Scharwenka statt, für welhes die Herren Willy Bur-aefter (Violine), Arthur van Ewcy? (Bariton), Professor Julius Klengel (Visloncello) aus Leipzig und Moriy Mayer-Mahr (Klayier) thre Mitwirkung zugesagt haben. Das Pro- gramm verspricht fast aus\{<ließli< Novitäten.

Das Programm des am 10. Dezember in der Philbarmonte stattfindenden fünften Philharmonishen Konzerts unter Arthur Nikis<’s L-itung enthält folgende Orchesterwerke: Sym- phonie in C-dur von Haydn; Ouvertüre „Leonor:“ Nr. 3 von Bect- hoven; Dramatishe Occhester-Phantasie von Philipp Scharwenka (Novi!ät). Der Solist des Abends Herr Ysaye svieit das Violin- Konzert in G-dur von Bach (mit Orgel, zwei Flöten und Streith- or{estex) und ein Violinsolo „Poë:na* von Chausson. Mit diesem Konzert {ließt der erste Cyclus der Philharmonischen Konzerte; Erneuerungen des Abonnements für den zweiten Cyclus sind bis zum 12. Dezember bei Bote u. Bo> anzumelden.

Der Pianist Herr Wladimir von Pachmann spielt in seinem am 7. Dezerabec in der Philharmonie statifindenden populären Konzert: Sarabande und Pafsevied von Bach, Phantasie von Moiart, Rondo a Capriccio (op. 129) von Beethoven, Impromptn (op. 142) von Schubert, „Warum“ und „Grillen“ (aus op. 12}, „Ver Vogel als Prophet“, „Jagdlied“ und „Abschied“ (aus op. 82) von Schumann, Ständchen von Shakespeare von Schubert. Liszt, Nocturne (op. 37), zwei Préludes (op. 28, Nr. 24 und 16), Etude ps 29), ¿wei Mazurkas (op. 50, op. 59) und Valse (op. 42) von

opin,

Herr Alfred RNeisenauer hat seinen vierten (T: ten) Klavier-Abend auf den 14. Dezember uad in den Beetboven- Saal verlegt. Die Abonnenten erholten bei Bote u. Bo> gegen Rückgabe der für den Saal Bechstein (6. Dezember) gelösten Kartea die gleihen Pläye für den Beethoven-Saal im Umtausch.

__ Bet dem morgen, Mittwoch, Mittags 12 Uhr, in der Marten - firhe fta!tfindenden Orgelvortrag des Musikdirektors Herrn Otto Dienel werden die Damen Betsy Schot, Kathi Brü>aer, Emmy Adler und die Herren Hans Strey (Violinist), Oskar Tiedt (Cellist) und Albect Werkenthin milwirken. Der Eintritt ist frei.

JFagd.

Morgen, Mittwoch, den 5. d. M,, findet Königliche Parforce-Zagd statt. Stelldihein: 1 Uhr am Forfthause Wannsee im Grunewald.

Offizieller Stre>en-Rapport

über die am Freitag, den 30. November, und Sonnabend, den 1. Dezember, in der Kolbiß-Leßlinger Heide ab- gehaltenen Hofjagden.

Zwei am Freitag in den Oberförstereien Kolbiy (Forstmeister Zinrtus) und Planken (Forftmeister Bekuhrs) verrichtete Lapvj2gen auf Damroild, sorote zwei weitere, am Sonnabend tn der Oberföriterei Letlingen (Forstmeister von Lindequift) vorgesz-hzne Treiben, eine Suche mit der Findermeute auf Sauen im abgeftellten Distrikt am Stämmfol und ein Lappjagen wit kurzem Doppellauf auf Damwild am Schütz-nsol, ergaben die Gesammtstce>e von 236 Schausflern, 488 Stück Damwild und 256 Sauen.

Davon entfallen auf die Sonderstre>en :

Seiner Majestät des Kaisers und Königs 53 Schaufl-r, 21 grobe und 14 geringe Sauen,

Seiner Kaiserlihen und Könialichen Hoheit des Kronprinzen 30 Schavfl:r, 3 Stü>k Damwild, 1 grobe und 5 geringe Sauen,

Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Albre<ht von Preußen, Regenten des Herzogtbums Braunschweig, 14 Schaufler, 8 Stück Danvvild, 11 grobe und 9 geringe Sauen.

Das Wetter war an beiden Tagen fehr trüve, sonst aber nit gerade ungünstig.

Mannigfaltiges. Berlin, den 4. Dezember 1900.

Ihre Majeftät die Kaiserin und Königin Friedrich hai dem Magistrat auf dessen Glü>lwunsh ¡u Allerhöchstihrem Geburtstage folgendes Dankschreiben übersandt:

„In ganz besonders theilnehmenden Worten hat der Magistrat von Berlin Mir au< in diesem Jahre zu Meinem Geburtstage GSlü>wünsche dargebraht, die Meinem Herzen um so wohler gethan haben als Ich, von Krankheit getcoffen, fern von Berlin, nur in Gedanken 1heilnehmen kann an der segensreihen Entwidelung der Hauptftadt auf so mannigfaen Gebieten. Ih danke dem Vêèagistrat für diele Glü>wünsche und werde I< niemals aufhören, in wärmsler Theilnahme den Aufschwung zu verfolgen, den die Statt genommen hat, davon überzeugt, daß Berlin in der Lösung der Aufgaben unserer Zeit hinter keiner Stadt unseres Vaterlandis zurüdstehen wird.

Friedrichéhof, den 25. November 1900.

Viktoria, : verwitiwete Kaiserin und Königin Friedrich,“

A. F. Der „Verein zur Erhaltung deuts<her Burgen" w-iß au< in diesem Winter das Interesse für feine allseitiger Förderung so werthen Bestrebungen dur< Vorträze zu beleben und, wo dasfelke no< nit vorhanden, zu erwe>en. Vor einigen Tagen spra<h in Hörsaal der „Urania“ Herr Architekt Bodo Ebhardt, unter Vorführung zahlreiher Lichtbilder mittels des Bildwerfers, über „Burganlagen im Orient“. Es war lange Zeit irx- thümlih angenommen worden, das Avendland habe während der Kreuzzüge den Burgbau vom Morgenlande gelernt, und erst aus di:fec Zeit stammten die Burgen, mit denen Deutschland vor alem während des Mittelalters fo rei<h versehen wurde, Dtiele Ar.siŸht ist dur< die Forshung widerlegt worden. Nicht uur is nath- gewiefer, daß in Mittel- und West-Europa schon im 8. und 9 Jahr- hundert, in einzelnen Fällen felbst früher, steinerne Burgen erbaut worden find, es ift an den no< in vielen und zum theil wohblerhalteneca Resten vorhandenen Burgbauaten in Pa'ästina und Syrien der Beweis erbraht worden, daß umgekehrt die Kreuzfahrer ihre abendländischen Systeme der Burganlagen und Befestigungen auf die im eroberten Lande auszuführenden gleihartigen Bauten, wenn aud mit entsrrehenden und den Sonderzwe>ken angemessenen Abänderungen übertragen haben. Die Zahl der während der 200 Jahre, in denen das Abendland die heiligen Stätten behauptete, im Orient aufgeführten Burgen ist ziem- lih beträhtlih. An den namhastesten darunter, den Burgen Giblet, Tortosa, Sasona, Beaufort, Karak, Castel blanc, Krak der Ritter, Starkenburg (Deutsh-Orden), Pilgersahlon, Margat u. a. find die Unter- schiede der gleidhzeitigen Burgbauten des Morgen- wid Abendlandes deut- lih nawweisbar. Wenn hier die Burg etwas allmählid Gewordenes, selten aus einem Guß Geschaffenes war, so wurde in Palästina die Summe der Kenntnisse der zusammengeströmten Völker au} cinmal zur Anwendung gebraht. Wenn ferner in Deutshland die Burgen der gleichen Zeit selten jür mehr als einige Familien (Burg» mannen 2c.) bestimmt waren, so entstanden im Morgene lande große Vesten für die zahlreihen Besagungen, wle dutch die Noth zusammenge}ührt und »gehalten wuden. Die abendländishen Burgen waren selten auf cine Besagung von mehr als 30 bis 40, wenn es boY kam 60 bis 70 Mann berechnet, die im großen Stil ausgeführten Ie gn dagegen für Besayungeu bis zu 1000 Mann. Während daher Burgen auf einera ron 10 000 qm in Deut*(land {hon zu den besonders ge Aragen ehôren, umfaßt WREADER die berühmte Burg der R 25 bis 26 000 qm. Die Zeit des 200 jährigen Beliges van Palästina war nit, wie man zu glauben geneigt ift, cine u