1877 / 111 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

London, Montag, 14. Mai, Vormittags. Seitens des Rathes der evangelijchen Allianz ist dem Deutschen Kaiser eine Adresse zugesandt worden, in welcher als Ort für die Ab- haltung der nästjährigen Generalkonferenz von Christen verschiedener Nationen Basel statt Berlin vorgeschlagen und die Zustimmung Sr. Majestät hierzu na<gesu<t wird.

Nr. 19 des „Central - Blatts für das Deutsche Reih“, herausgegeben im Reichskanzler-Amt, hat folgenden Fn halt: Allgemeine Verwaltungsfachen: Handbuch des Deutschen Reichs für das Jahc 1877; Haupt-Sahregister zum Reichs-Gesetzblatt für 1867—1876; Verweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiet. Finanzwesen: Goldankäufe Scitens der Reichsbank; Nachweisung der

is Ende April 1877 stattgehabten Ausführung des Gesetzes, betref- fend die Ausgabe von Reichskafsenscheinen vom 30. April 1874. Münzwesen: Uebersicht über die Ausprägung von Reihémünzen, Handels- und Gewerbewesen: Ertheilung einer Approbation als Arzt. Marine und Swiffahrt: Ertheilung eines Flaggenattestes. R und Steuerwesen: Bundesrathsbes{luß, betreffend Zollpflichtig- eit von Postsendungen; Verzeichniß der den Direktivbehörden und Hauptämtern zur Kontrole der Zölle und Verbrauchssteuern beigeord- neten Beamten. Militärwesen: Abänderung des Schemas für die Quittungsbücher der Militärpensionär- der Unterklassen. Konsulat- wesen: Entlafungen.

Nr. 29 des „Amtsblatts der Deutschen Reichs-Pofst- und Telegraphenverwaltung“ hat folgenden Inhalt: Ver- füguag vom 11. Mai 1877. Postverbindung mit Konstantinopel. Verfügungen vom 9. Mai 1877. Eröffnung der Eisenbahn zwischen Sorgau und Halbstadt; Eröffnung der Eisenbahn Königsberg in der Neumark-Stettin. Verfügung vom 11. Mai 1877. Postbetrieb auf der Eisenbahn Frankfurt an der Oder-Priestewit.

Kunst, Wissenschaft uud Literatur.

Bonn, 12. Mai. (B. Ztg.) Gestern Abend starb hier der dur die Hermesianishen Streitigkeiten in weiteren Kreisen bekannt gewordene Geistliche Johann Heinrih“ Achterfeldt, Professor der Ee an der hiesigen Universität, im fast vollendeten 89. Lebens- jahre.

München, Ende April. (Allg. Ztg.) Die Hof- und Staatsbibliothek hat vor wenigen Tagen eine eben so ergiebige als werthvolle Bereicherung -erfahren. Die Zend-, Pehlewi- und Sanskrit-Handschriften aus dem Nachlasse des Professor

aug, welcher dieselben während eines se<8jährigen Aufenthalts in Sndien erworben hat, sind für den Preis von 17,000 Æ in den Be- fig der hiesigen Staatsbibliothek übergegangen.

Der Hansische Geschichtsverein, der in der vorjäh- rigen Pfingstmrohe zu Cöln tagte, wird in diesem Jahre seine (Pentes Versammlung in Stralsund, und zwar am 22. und 23. Mai abhalten. Wifsenschaftliche Vorträge haben Bürgermeister Dr. Frand>e in Stralsund (die Nicolai- und Marienkirche in Stralsund), Dr. Koppmann in Hamburg (die Vitalienbrüder) und Professor Dr. Ullmana in Greifswald (die Politik Kaiser Maximilians 1 in West- friesland) angemeldet. In denselben Tagen wird au< der Verein für niederdeuts<he Sprachforshung in Stralsund ver- jammelt sein. |

Am 5. Mai starb in seinem 88. Lebensjahre zu Paris der Ehemiker Caventou, Mitglied der Akademie der Medizin. Seine |

zahlreichen Denkschriften über Chemie wurde: in den Bulletins der |

Akademie, im „Journal de Pharmacie“ u. \. w. zuerst und dann auch einzeln gedru>t.

Tomsk. Der Kaufmann I. Th. Kamenskij beabsibtigt nah den „Turk. Wed.“ in diesem Sommer aus eigenen Mitteln eine Expedition zur Erfors<{ung des Manassko-Urum- t\c<insfksc<en Gebietes auszurüsten. Die Expedition wird aus einem Topoarapben, einem Geclogen und einem Botaniker bestehen. In dieser Veranlassung hat der Eeneral-Go. verneur von Turkestan bei dem Ober-Kommandirenden der chinesischen Armee Tso-Tsun-Tan anfragen lassen, wie es mit der Sicherheit in dem genannten Gebiet beschaffen sei, und ob er geneigt sei, die Expedition unter seinen SHuß zu nehmen,

Land: unè Forstwirthschaft.

Im Regierungsbezirk Frankfurt a. O. sind die Saaten gut aus dem Winter gekommen und von dem wechselvollen Wetter nur wenig berührt worden, fo daß die Hoffnung auf eine zu- friedenstellende Ernte gere<tfertigt erscheint. Für die Bearbeitung der Felder war das vorwiegend milde Wetter im Winter sehr günstig.

Verlin, 14. Mai 1877.

Das Programm für die am 28. urd 29. Mai in Berlin ftatt- findende Generalversammlung der deutschen Gesellschaft zur Nettung Schiffbrüchiger ist, wie die „Nat. Ztg.“ mittheilt, folgendermaßen festgestellt. Am Nachmittag des 28. Mai finden Uebungen mit dem Rafketenapparat, unter Leitung des Inspektors der Gesellschaft, auf dem Müggelsee von Friedrichshagen aus statt. Am 29. Mai werden die Verhandlungen von 10 Uhr ab in einem der A des Reichstagsgebäudes beginnen. Un dieselben {ließt ic um 6 Uhr Abends ein Festmahl in der Restauration des zoologischen Gartens. Der Vorstand des Berliner Bezirksvereins bereitet die Heraus8- gabe einer Festshrift vor, in welcher die Geschichte und die bisherigen Erfelge der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger dar- geftellt werden sollen.

Köln, 14. Mai. (W. T. B.) Einer Meldung der „Köln. Ztg.“ aus Athen von gestern zufolge ist von deu Schülern der Ecole françzise d’Archéologie d’Athènes, die auf Milo Ausgrabungen vornabhmen, ein Arm mit einem Spiegel aufgefunden worden, die si alé eine Ergänzung der im Louvre befindlichen Venus von M ilo darstellen sollen.

London, 12. Mai. (W. T. B.) Na tinem hier einge- angenen Privattelegramm hat in Peru ein großes Erdbeben Âattgefuriden, durch welches die Stadt Jquiqua ast gänzlich zer- stört worden ift.

Taschkent, 10. Mai. Die russis<e Gesandtschaft hat eine genaue Beschreibung des von ihr bis Kurl zurü>gelegten Weges zusammengestellt, und topographishe Aufnahmen wie auch baro- metrishe Höhenmessungen ausgeführt. Die Mitglieder der Gesandt- icaft, der Artillerie-Kapitän Kuropatkin und der Naturforscher Wilken, haben den See Bostan-Noor und die Straße bis Karaschar 40 Werst weiter östli< von Kurl erfors<t. Der Arzt Dr. Wren batte eine bedeutende Praxis unter den Eingeborenen, bei denen er Überwiegend Augen- und Hautkrankheiten vorfand. Der Stabs- fapitän Ssfenorgurow untersuchte die von der Stadt Ak-Ssu über den Gebirgspfad Babel na< Karakol führende Straße. Während der Reise wurden verschiedene Kollektionen gesammelt.

Theater.

* Im Wallner-Theater hat am Donnerstag das bereits angekündigte Ensemble - Gastspiel der Mitglieder des Wiener Carl-Theaters, der Damen Finaly, Link, Streitmann, Klein und des Hrn. Eppich, unter Leitung des Hrn. Kapellmeist: rs Brandl, begonnen. Die Gäste haben für ihr hiesiges Gastspiel eine der neuesten Operetten von Offenbah: „Margot, die reiche Bäd>erin“ gewählt, welhe in Wien Wochen lang*das Repertoir des Carl-Theaters beherrs<t und dort eine sehr beifällige Aufnahme gefunden hat. Schon seit Jahren beziehen die Berliner Bühnen

Nur in den Bruchgegeuden sind die Bestellung8arbeiten dur< die Feudtigkeit des Bodens verzögert worden. 5

Aus Med>len burg, 9. Mai, wird dem „H. C.“ geschrieben: In den leßten vier Wochen hatten wir andauernd östlichen, nörd- lichen und nordwestlichen Wind, an drei auf einander folgenden Ta- gen aber Sturm aus Nordost. Nachts fror es di>es Eis, während Tags über fast immer die Sonne schien. Regen fiel in diefer ganzen Zeit kein Tropfen, dagegen in der Naht vom 2. zum 3. Mai meh- rere Zoll Schnee. In Folge dessen sind die s{ôönen Hoffnungen, welche der Landmanvy im Anfang- des vorigen Monats hegte, zu Grabe getragen und man für<htet mit Grund, die diesjäh- rige Ernte dürfte ebenso \{le<>t wie die vorjährige werden. Der Roggen, wel<her vor vier Wochen durchweg brillant stand, sieht zur Zeit hs<#| kümmerli<h aus. Der Weizen ist no< ungemein weit zurü>; vor vier Wochen sah er fast ebenso aus wie jeßt. Auch er hat bereits dur die Kälte und wohl mehr no< dur die dürrenten Winde sehr gelitten, immer aber wird er \ih, wenn jeßt nur günstige Witterung einfällt, no< zufriedenstellend entwi>eln fönnen. Die Bestellung des Sommerkorns ift bei dem andauernd tro>enen Wetter in leßter Zeit zufri-denstellend und ras< fortge- schritten. Aufgelaufen {ind bis jeßt nur Erbsen, Sommerroggen und einiges Mengekorn; Alles hat bereits von den Nachtfrösten ge- litten. Die frischen Kleeshläge, welhe fo viel versprachen, haben sehr eingebüßt. Die Viehweiden und tro>enen Wiesen find jeßt grasäârmer als vor vier Wochen, denno gehen in Folge des Futter- mangels {on manche Kühe draußen. Die Meiereierträge sind natür- lih sehr gering und werden das au fragelos no< für längere Zeit bleiben. Alle Obstbäume haben reibli<h Fructaugen, do< haben die der Birnen bereits stark dur< die Nachtfröfte gelitten. Die wenigen Oelsaaten, welche nahe vor der Blüthe stehen, haben sich nur eiva® entwi>elt, doch sind fie bis jeßt gesund.

Gewerbe und Handel.

Das dur die Buchdru>erei von Thormann und Goets, Alte Fakobstraße 91, if diesem Jahre zum 2. Male zur Herausgabe gelangte, über 500 Seiten starke Berliner Industrie- und Handels- Adreßb u < (Tascbenformat, Preis gebunden 5 4) erweist si< als ein praktishes und nütliches Handbuch. Dasselbe enthält ein Verzeichniß der Behörden, Rechtsanwalte, Makler, der Sehenswürdigkeiten, Hotels 2c., dann ein alphabetishes Verzeichniß der Fabrifanten und Kaufleute Berlins mit Hinweis auf die Geschäftsbranche, unter welcher die- selben in dem folgenden Theil aufzufinden find. Dieses Branchen- register ist ebenfalls alphabetis< geordnêt, und nennt außer der Firma au die Spezialität desselben. Das ganze Material ist übersichtlih und zwe>mäßig geordnet.-

Die Generalversammluag der Berliner Holzcomtoir- Akiengesell\<aft genehmigte den Antrag, - das Aktienkapital dur< Rü>kauf eigener Aktien im Betrag: von 1,500,009 M. auf 4,509,000 M. zu reduziren. i e

Die Liquidatoren der Aktien-Gesellschaft Germania bringen die erste Rate von 25 °/g pro Aktie aus der Liquidations- masse zur Auszahlung.

Mag deburg, 12. Mai. (W. T. B.) Das Direktorium und der Aus\huß der Magdeburg- Halberstädter Bahn haben heuûte bes<loîsen, nah Rüdlegung einer Milliou Mark zur Spezial- reserve cine Dividende von 89/9 zur Vertheilung zu bringen.

Dem „H. C.“ zufolge wird die für die Zeit des Deutschen Droguisten-Kongresses in Hamburg in Ausficht genommene Ausstellung von Droguen, Chemikalien x. am 3., 4. und 5. Iunt d. I. im Gesellschaftshause „Erholung“ stattfinden.

Aus Westfalen geht der „Wes. Ztg.“ die Nachricht zu, daß behufs Verwerthung und völliger Ausnutung der während der lebten drei Jahre zu Gunsten des Exports westfälisher Stein- kohlen gemahten Anstrengungen ‘eine größere Zahl der bed:utend- sten Steinkohlenbergwerksgesellshaften in Westfalen, welche alle bis- ber von England exportirten Sorten von Kohlen und Kokes in wenigstens glei vorzügliber Qualität zu liefern vermögen, zu einem Verein zusammengetret-n sind, welcher be'we>t, westfälishe Kohlen und Kokes nah deutschen und außerdeutshen Sechäfen zum Ver- sandt zu bringen. Der Verein trägt den Namen „Westfäliscber Kohlenausfuhrverein“, ist in Düsseldorf domizilirt und hat sein Geschäftslokal Steinstraße 13. daselbst. Zum Präsidenten des Aufsichtsrathes ist Hr. W. T. Mulvany, Düsseldorf gewählt und als Hauptvertreter des Vereins Hr. Carl Breuer, Düsseldorf bestellt, welchem die Leitung aller Geshäftsoperationen des Vereins E. A neue Verein eröffnete seine Geschäftsthätigkeit mit dem

¿At D.

Der JIaghresberiht der Lebensversiherungsbank

Stuttgart enthält folgende Daten: Der reine Versicerungsstand

ihren Operettenbedarf von oder über Wien. Das Stück ist nicht rei an Erfindung, weder im Libretto ne< inder Musik. Es hat eine auffallende Aehnlichkeit mit einer älteren Schwester, mit Mamsfell Angot. Das Libretto, von Meilhac und Halévy verfaßt, gleiht einem lustigen Fascingsspiele, in welchem der übermüthige Gassenhumor si in seiner Derbheit mit zu großem Behagen breit maht und Allerlei für Wiß ausgiebt, was niht witig ist. Ort und Zeit der Hand- lung is Paris unter der Regentschaft im Jahre 1718. Der Mittel- punkt ist ein Friseur Namens Bernadille, der, in komischer Weise in eine Vershwörung gegen den Regenten verwi>elt, von der Polizei gesu<t und von seiner Geliebten „Toinon“ und ihrer Freundin, der reihen Bä>kerin „Margot“, wverste>t wird. Das is fo ziemli< der ganze Inhalt. Auch die Musik Offenbachs ent- behrt der Frisbe und Originalität; der chedem fo frutbare Komponist hat fich ausgeschrieben, seine Zeit ist vorüber; er mat jeßt nit nur bei sich selbst, sondern au< bei Andern in empfindli- <er Weise Anleihen. Nur einzelne Nummern erinnern an seine frühere Erfindungsfraft. Wenn troß dieser Mängel die Operette au hier mit Beifall aufgenommen wurde, so ist das der gelungenen Darstellung zuzuschreiben. Die Wiener Gäste hab:n si< im Zusam- menspiel, wie jeder Einzelne in seiner Rolle eine_Sicherheit und Leichtigkeit angeeignet, die dem leihten Genre der Dperette sehr zu Statten kommt, und werden von den mitwirkenden heimis<hen Mikt- gliedern des Wallner-Theaters wirksam unterstüßt. Die weibliche Hauptrolle is in den Händen des Frl, Link, die mit einer wohlklingenden, gut geshulten Stimme ge- wandtes, ansprehendes Spiel verbindet. Frl. Finaly, welche die „Toinon“ darstellt, von früheren Gastspielen im Friedrih-Wilhelm- städtisben uud Woltersdorff-Theater hier bereits vortheilhaft bekannt, hat seitdem in Gesang und Spiel no< Fortschritte gemacht. Die beiden anderen Wiener Damen Frl. Klein und Frl. Streitmann haben uur kleine Rollen, denen sie genügen. Den „Friseur Bernadille“ repräsentirt Hr. Eppi<h, welcher von einem früheren Gast- spiel hierorts als tüchtiger Schauspieler bekannt, für diese Rolle, die leiht zur Uebertreibung verleitet, dur< taktvolles Maßhalten und carakteristishen Humor ein Interesse zu erwe>en weiß, das sie an si< nidt verdient. Von den heimischen Mitgliedern finden be- sonders die HH. Blen>e, Wilken, Engels und Meißner wegen ihres drastish-komishen Spieles Beifall, weles zumal den beiden zuleßt Genannten dur< die Abgeshmatheit ihrer Rollen sehr erj<wert wird. Die Ausftattung ift reih und ges{ma>voll.

In den nächsten Tagen gelangt im Residenz-Theater abermals eine größere Novität zur Aufführung, das Schauspiel „Freund Friß“ von Erkmann-Chatrian, welches sowohl in Paris wie in Wien viel von \si< reden mahte. ‘In Paris war das Stü>t - dur< die poesievolle Einfachheit des Stoffes und der Behandlung von dur&shlagender Wirkung auf das Publikum und wurde von der Kritik als eine Art von literarischein Ereigniß bezeichnet, indem dasselbe gewissermaßen als ein Protest gegen die bisherige Richtung der Ehebruchsdramen aufgefaßt wurde. Die Aufführung am Residenztheater gewinnt dadur noch ein weiteres Interesse, daß die Hofshauspielerin Frl. Johanna Buska, vom Wiener Hofburgtheater, darin die weibliche Hauptrolle darstellen wird. Hr. Keppler spielt den David Sichel.

hob si< von 25,574 Petionea mit 192,584,500 Æ auf 27,112

3,898,684 Æ und die Total-Jahreseinnahme auf 5,018,133 # 311 Sterbefälle wurden -verausgabt 1,365,052 4, für ao< zu

Per- sonen mit 114,686,700 «« Die Vesinimennane stieg git t ers L

ledigende 54 Fälle 226,537 Æ reservirt, an die Lebens

Für die BSREL E verbleibt ein Nettoübershuß von 1,092, 4, wodur der Di

Dividende vertheilt die Bank pro erstes Semester 1877 : 38 °%% und vom 1. Juli 1877 bis 30. Juni 1878: 37 %/g der Prämie.

Wien, 13. Mai. (W. T. B.) Der Verwaltungsrath der Donau - Dampfschiffahrts - esells<haft hat bes{lofsen, eine Dividende von 15 Fl. 75 Kr. pro Aktie zur Vertheilung zu bringen und 1,821,000 Fl. zu Abschreibungen zu verwenden. Der Bankverein hat den Lombard der fondprioritäten der Al- bre<tsbahn auf 3 Monate verlängert. Der Re<nungsabf{luß der Böhmischen Westbahn weist eine Brutto-Einnahme von 3,251,716 FI. auf, die Betriebs8auslagen betragen 1,385,002 Fl. Nah der Verzinsung der Ptiaciioien und Aktien verbleiben 1,999,040 Fl. zur Disposition der Generalversammlung.

14. Mai. (W. T. B.) Die keutige Generalversamm- lung der Karl-Ludwigsbahn bes<hloß die V:rtheilung einer Suvperdividende von 2/,. Das Gefammterträgniß ist somit 7%; der Julicoupon wird mit 9,45 Fl. pr. Aktie und 4,20 Fl. pr. Ge- nuß\chein eingelöst.

Die St. Petersburger Diskontobank hat dem Ge- \(@äftsberi<t zufolge in 1876 einen Gewinn von 1,540,000 Rubel erzielt, aus welchem eine Dividende von 11,6% (1875: 9,3*/o) an die Aktionäre vertheilt wird. g

Washington, 12. Mai. (W. T. B.) Der Schaßsekretär hat geXtern an das mit der Emission der 4¿prozentigen An- leite beauftragte Syndikat für 5 Millionen Dollars Obli- gationen dieser Anleibe zu pari gegen die entspre<ende Summe in Gold verkauft. Die Regierung beabsictigt für diefen Betrag, sobald sie es für angemessen erachtet, Schaßbillets auszugeben, um fo einen Stritt zur Wiederherstellung der Itetallzahlungen zu thun.

New-York, 12. Mai. (W. T-B.) Der C ontanten- Export betrug in der abgelaufenen Woche 3,178,000 Dollars.

Verkehrs-Anstalten.

Die Eisenbahn zwisbea Sorgau (Station der Breslau- Freiburg-Waldenburger Bahn) und Halbstadt (Station der öster- reihishen Staatseisenbahn) wird am 15. Mai eröffnet. Die Eifenbahn zwischen Cüstrin und Stettin, welhe am 16. No- vember 1876 auf der Stre>e Cüstrin-Königsberg in der Neumark eröffnet worden ift, am 15. Mai au< guf der S(lußstre>e Königsberg |. d. Nm.-Stettin für den allgemeinen Verkehr in regel- mäßigen Betrieb genommen werden. i

Crefeld, 2. Mai. Das Rhein-Maas-Kanal-Comité trat, wie die „Cref. Z'g.“ beribtet, am 29. April im hiesigen Rath- hausfaale mit den Landräthen und Bürgermeistern der Kreise Kem- pen und Geldern zufammen, um über das Reskript des Handels- Ministers vom 27. März d. J. in Berathung zu treten. Nach län- gerer Verhandlung, in welcher über die Resultate der von den Vor- fißenden unternommenen Reise na dem Haag, sowie über die wei- teren zur Förderung des Unternehmens geschehenen Schritte Bericht erstattet wurde, faßte die Versammlung einstimmig folgenden Be- \{luß: „Es follen die betheiligten Herren Landräthe gebeten werden, die Bildung von Lokalcomités für jeden Kteis in die Hand zu neh- men, bestehend aus geeigneten Perfönliczkeiten (insbesondere au Mitglieder der landwirthschaftliwen Vereine). Den Lokalcomités werden Denkschriften und Spezialpläne vorgelegt werden, um die Größe der für das Kanalprojekt abzutretenden Grundstücke übersehen und den ungefähren Preis derselben feststellen zu können; sodann wird das Hauptcomité zur weiteren Beschlußfassung wieder zusammeu- treten. Der Präsident von Rath wird inzwischen das Interesse der drei landwirthschaftlichen Lokalabtheilungen rege mach:n.“

Baltimore, 9. Mai. Das Postdampf\s<iff „Nürn- berg, vrcm Norddeutscen Lloyd in Bremen, welches am 25. April von Bremen abgegangen war, ist gestern hier angekommen.

New-York, 11. Mai. Das Postdampf\<iff „Rhein“, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welches am 28. April von Bremen und am 1. Mai von Southampton abgegangen war, ist heute wohlbehalten hier angekommen.

192. Mai. (W. T. B.) Der Dampfer „Canada“ von der National-Dampfs<iffs-Compagnie (C. Messingsche Linie) ift heute hier eingetroffen.

Gestern, Sonntag, fand im Krolls{en Garten bei überaus zahlreihem Besuch zum e sten Male die vollständig neu eingerichtete Jllumination mit Doppelkonzert statt. Da von jeßt ab die Kapelle au< na< der Vorstellung konzertirt, so beginnen an Wochen- tagen die Konzerte um 54 Uhr und die Vorftellung um 6# Uhr.

Die Mittwochsvorstellung von „Pariser Leben“ im Thalia- Theater findet zum Benefiz für den Hrn. Lorenz statt.

London, 13. Mai. (W. T. B.) Während des gestrigen dritten, sehr - zahlrei besuhten Wagner-Konzertes hat der Prinz von Wales Richard Wagner feine persönlihen Glück- wünsche zu dem Erfolge seines Unternehmens auêgedrükt.

Eingegangene literarishe Neuigkeiten.

Regi strande der geographisch-statistishen Abthei- lung des Großen Generalstabes. Neues aus der Geo- graphie, Kartographie und Statistik Europas und seiner Kolonien. 7. Jahrg. Quellennahweise, Auszüge und Besprehungen zur laufenden Or:entirung, bearbeiïet vom Großen Generalstabe, geographis{-statistis&e Abtheilung. Berlin, 1877. 7. Jahrg. Sgfr. Mittler & Sohn. gr. 3. (x11, 428 S.)

Carl Heymanns Li.eraturblatt für Rehts- und Staats- wissenshaft. IV. Jahrg. Nr. 34. “pril 1877.

Bibliothek für Wissenschaft und Literatur. 24. Bd. Historische Abtheilung. 6. Bd. Geschichte Loth ringens. Von Dr. Gugen Th. Huhn. Mit genealogischen Tabellen und historischen Der. 2. Lfg. (S. 97— 192). Berlin, Verlag von Theob.

rieben.

Tabelle zur E der deutschen Holzgewächse nah dem Laube. Von Or. A. B. f nk, Doc. d. Botanik an d. F i E 2c. Leipzig, H. Schmidt u. C. Günther. 1877.

Literarische Berichte aus Ungarn über die Thätigkeit der ungarischen Akademie der Wissenschaften und ihrer Kommissionen, des ungar. National-Museums, der Kisfaludy-Gefell- haft, der histor. Gesellschaft, der naturwissenschaftlihen und anderer

elehrten Gesellshaften u. Anstalten, sowie au einzelner Schrift- teller. Herausgegeben von Paul Daun [uy. 1. Bd. 1. Hft. Buda- pest, 1877. In Kommiss. bei F. A. Bro>haus. (128 S.)

Redacteur: F. Prehm.

Verlag der Expedition (Kessel). Dru>k: W. Elsner. Drei Beilagen (eins<ließli< Börsen-Beilage), (4174)

außerdem dic Fahrpläne der Nafauischen Eisenbahn uud mene N ifGen Elfenbein, RUE

Berlin:

erten eine Divitende von 716,385 # vertheilt, der Bankfonds um 2,297,295 M vermehrt und dadur< auf 21,713,780 # gebra<ht.

videndenfonds auf 4,494,226 Æ anwächst. Als

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlih Preußischen Staais-Anzeiger.

M 111.

Königreich Preußen.

Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche 2 Arbeiten. :

__ Für diejenigen normalspurigen Eisenbahnen in Preußen, bei wel<hen vermöge Lee untergeordneten Bedeutung gemäß 8. 74 des Bahnpolizei-Reglements und Nr. 2 der allgemeinen Bestimmungen zur Signalordnung für die Eisenbahnen Deutschlands vom 4. Januar 1875 der Minister für del, Gewerbe und öffentliche Arbeiten mit Zustimmung des- Reichs- Eisenbahnamts Abweichungen von den Bestimmungen der vor- bezeichneten Reglements für zulässig erahtet, soll die nach- stehende Sicherheitsordnung bis auf Weiteres eingeführt werden. Für die einzelnen Bahnstre>en, auf welchen dem- gemäß diese Sicherheitsordnung Anwendung finden soll, Wird jpezielle Bekanntmachung vorbehalten.

I. Zustand der Bahn.

8. 1. Die Bahn is mit ihren sämmtlihen Nebenanlagen fortwährend in einem guten baulicben Zustande zu erhalten; ins- besondere is der Bahnkörper, der Unter- und Oberbau der Bahn derart zu unterhalten, daß alle Anlagen, welche zur Regelung des MWasserlaufs dienen, oder welche in Beziehung auf die Benußung der yon der Bahn berührten Wege gemawt sind, fich stets in einem zwe>entsprehenden Zustande befinden, und daß die Bahn ohne Gefahr und mit Ausnahme der in Reparatur befindlichen Stre>en mit einer Geschwindigkeit von 30 Kilometer in der Stunde befahren werden fann. « :

Das Längengefälle der Bahn darf auf freier Stre>e das Ver- Hältniß von 1 : 25 nicht überschreiten.

Die Minimalradien dürfen auf freier Stre>e nicht kleiner als 100 Meter sein. j

Sn Kurven darf die Spurerweiterung das Maß von 35 Milli- metern nicht überschreiten.

8. 2. Sämmtliche Geleise, auf welchen Züge bewegt werden, sind in solcher Weise frei zu halten, daß für dieselben mindestens das auf der Anlage dargestellte Normalprofil des lihten Raumes vorhanden ist. ;

Abweichungen von diesem Profile, welbe bereits vor Bekannt- machung dieser Vorschriften bestanden haben, können mit Zustimmung der Landes-Aufsichtsbehörde auch ferner beibehalten werden.

Snwieweit bei Ladegeleisen Einschränkungen dieses Profils zu- lässig find, bestimmt in jedem Einzelfalle die Aufsichtsbehörde.

& 3, Zwischen Wegen, welche dicht neben der Bahn hinlaufen, und dem Bahnkörper sind Schußwehren nur dann erforderlich, wenn der Weg unmittelbar an einer Einschnittsbös<hung, und höher als das Bahnplanum belegen ist.

Wege, welche auf 1,5 Meter hohen und höheren Rampen über die Bahn in gleicher Ebene führen, sind mit Schußbarrièren, Hecen oder sonstigen Einfriedigungen zu versehen.

Fn angemessener Entfernung von den in gleicher Ebene mit der Dae liegenden Wege - Uebergängen sind Warnungstafeln auf-

ustellen. zul Werden zur Dsperrous von Wege-Uebergängen Drahtzugbarrièren verwendet, so müssen dieselben so eingerichtet sein, daß fie mit der Pans geshlossen und geöffnet werden können. Jeder mit Drahtzug- arrièren versehene Uebergang erhält eine Glode, mit welcher vor dem Niederlassen der Sperrbäume zu läuten ift.

8, 4, Die Bahn ist mit Abtl, eilungszeichen zu versehen, welche Entfernungen von ganzen und 1/10 Kilometer angeben.

An den Wechselpunkten der Gefälle sind da überall Neigungs- zeiger aufzustellen, wo das Gefälleverhältniß mehr als 1 : 300 beträgt.

Zwischen zusammenlaufenden Scienensträngen is ein Markir- zeichen anzubringen, welhes die Grenze angiebt, bis zu welcher in jedem Bahngeleise Fahrzeuge vorges<oben werden dürfen, ohne den Durchgang anderer Fahrzeuge auf dem anderen Geleise zu hindern.

II. Einrichtung und Zustand der Betriebsmittel.

8. 5. Sofern auf eiaer Bahnstre>e unbewahte Wege-Ueber- änge vorkommen, sind die Lokomotiven, welche diese Bahnstre>te be- ahren, mit Läutewerken auszurüsten, die nah Auslöfung dur< den Lokomotivführer selbstthätig läuten. i

8. 6. Lokomotiven dürfen erst in Betrieb geseßt werden, nach- dem sie der te<nis<-polizeilichen Prüfung unterworfen und als sicher befunden worden sind. Die bei der Revision als zulässig erkannte

Berlin, Montag, den 14. Mai

ST7T7.

E Tr SR E

Dampfsparnung über den Dru> der äußeren Atmosphäre , sowie der Name des Fabrikanten, die laufende Fabriknummer und das Jahr der Anfertigung müssen in leiht erkennbarer Weise ‘an jeder Loko- motive angebracht sein.

8. 7. Jede Lokomotive is una jeder größeren Kesselreparatur und mindestens alle drei Jahre einer gründlichen Revision zu unter- werfen. Bei Gelegenheit dieser Revision, welche si< auf alle Theile der Lokomotive erstreten muß, ist der Dampfkessel rom Mantel zu entblößen und mittels einer Dru>pumpe zu prüfen.

Hinsichtlib des bei diesen Proben anzuwendenden Drukes wird bestimmt, daß die Prüfung für eine Dampfspannung von nit mehr als fünf Atmosphären Ueberdru> mit dem zweifahen Betrage der zulässigen Maxrimal-Dampfspannung, bei einer Dampfspannung von mehr als fünf Atmosphären mit einem Drucke, welcher die zulässige Marimal-Dampfspannung um fünf Atmosphären übersteigt, statt- finden soll. Für diejenigen Lokomotiven, welde bei dem Inkraft- treten dieser Bestimmung bereits vorhanden sind, verbleibt es bei dem Marimaldru>e, welcher bei der ersten Prüfung Anwendung ge- funden hat, sofern der letztere niedriger ist, als die vorstehend vor- geschriebenen.

Kessel, welche bei dieser Probe ihre Form bleibend ändern, prren in diesem Zustande nicht wieder in Gebrau<h genommen werden.

Bei dieser Probe ist zugleich die Ventilbelastung und die Richtig- keit des Manometers zu prüfen.

Von 10 zu 10 Jahren muß eine innere Revision des Kessels vorgenommen werden, bei welcher die Siederohre zu entferuen sind.

Ueber die Lokomotivrevisionen sind Verhandlungen aufzunehmen, in denen die Ergebnisse derselben zu verzeichnen sind.

Jede Lokomotive muß versehen sein: °

1) mit mindestens zwei zuverlästigen Vorrichtungen zur Speisung des Kessels, welhe unabhängig von einander in Betrieb gefeßt wer- den können und von denen jede für si< während der Fahrt im Stande. sein muß, das zur Speisung erforderliche Wasser zuzuführen. Eine diesex Vorrichtungen muß außerdem geeignet sein, beim Still- stande der Lokomotive den Wasserstand im Kessel auf der normalen Höhe zu erhalten ;

2) mit mindestens zwei von einander unabhängigen Vorrichtun- gen zur zuverlässigen Erkennung der Wasserstandshöhe im Innern des Kessels. Bei einer dieser Vorrichtungen muß die Höhe des Wasserstandes vom Stande des Führers ohne besondere Proben fort- während erkennbar und eine in die Augen fallende Marke des Normal- wasserstandes angebracht sein; f j

3) mit wenigstens zwei vorschriftsmäßigen Sicherheitsventilen, von welchen das eine fo eingerihtet sein muß, daß die Belastung desselben nit über das bestimmte Maß gesteigert werden kann. Die Belastung dieser Sicherheitéventile ift derartig einzurichten, daß eine vertikale Bewegung derselben von 3 Millimetern eintreten kann;

4) mit einer Vorrichtung (Manometer), welhe den Dru des Dampfes zuverlässig und ohne Anstellung besonderer Proben fort- während erkennen läßt.

Auf den Zifferblättern der Manometer muß die größte zulässige nung dur< eine in die Augen fallende Marke bezeich- net sein;

5) mit einer vom Stande des Führers aus zu handhabenden Dampfpfeife und eventuell einem Läutewerk (vergl. $. 9).

8. 8, Jede Lokomotive muß mit Bahnräumern, sowie mit einem vershließbaren, an dem Feuerkasten diht anliegenden Aschkasten und mit einer Vorrichtung versehen sein, dur< welche der Auswurf glühender Kohlen aus dem Schornstein wirksam verhütet wird.

8, 9. Tender-Lokomotiven und Tender müssen mit kräftigen, leicht zu handhaberden Bremsen ausgerüstet fein.

8. 10. Alle in ges{lossenen Zügen gehenden Wagen sollen auf Gee ruhen, sämmtliche Räder müssen mit Spurkränzen ver-

ehen sein.

Bei Lokomotiven und Tendern muß die Stärke \{miedeeiserner Nadreifen mindestens 19, diejenige stählerner mindestens 15 Millimeter, betragen ; bei Wagen können s{miedeeiserne und stählerne Radreifen bis auf 16 Millimeter resp. 12 Millimeter abgenußt werden.

8. 11, Jeder Wagen und Tender ist von Zeit zu Zeit einer gründlichen Revision zu unterwerfen, bei welcher die A csenlager und P abgenommen werden müssen. Diese Revision hat zu erfolgen

ci Tendern, Personen- und Gepäkwagen, bevor ein Iahr, bei Güter-

wagen, bevor zwei Jahre seit der leßten Revision verflossen sind.

AULUa d. Normal-Profil des lihten Raumes für die Eisenbahnen Deutschlands.

Für die freie Bahn.

r,

S 2, O B se

S L -Z-

50 7

7

L

memem

A

f

Für die Bahnhöfe.

0,160 m

l

B 20 zn. E Ce S H L via E Pi E mo vit c C E

E E T ires n

E

i 2 E ————-—————————————

&

F

2

\ i

"F j Ne K 1Q e es cave enua qr BEdI s ¿A W Die

Ei

7

A es 2 20m S

Mir tr Ai

8. 12. Jeder Wagen muß Bezeichnungen erhalten, aus welchen zu ersehen ift:

a. die Eisenbahn, zu welcher er gehört ;

b. die Ordrung8nummer, unter welwer er in den Revisions-

registern geführt wird;

. das eigene Gewicht, eins{ließli< der Achsen und Räder;

. das größte Ladegewicht, mit welchem er belastet werden darf;

e. das Datum der leßten Revision.

8. 13. Die Betriebsmittel sind fortwährend in einem folchen Zustande zu erbalten, daß die Fahrten mit einer Ges<windigkeit von 30 Kilometern pro Stunde ohne Gefahr stattfinden können.

8. 14. Betriebsmittel, welhe auf Bahnen übergehen, für welche das Bahnypolizei-Reglemeut und die Sianalordnung für die CEisen- bahnen Deuts{blands Geltung haben, müssen den für diee Bahnen bestehenden Vorschriften entsprechen.

III. Einri<tungen und Maßregeln für die Handhabung des-Betriebes.

8. 15. Die Bahnstre>e ist mindestens einmal an jedem Tage ¿u revidiren. ;

An besonders gefährdeten Stellen ist bei einer Fahrgeshwindig- keit der Züge von mehr als 15 Kilometer in der Stunde eine Bahn- bewachung erforderlich.

Bei der Annäherung eines Zuges oder einer leer fahrenzen Loko- motiv: an einen in gleicher Ebene mit der Bahn liegenden Wege- übergang, dessen Bewachung nicht vorgeschrieben, hat der Lokomot:v- führer das Läutewerk der Lokomotive in Thätigkeit zu seßten.

Die Abstellung desselben darf erst nah Pafsiren des Wegeübcr- ganges erfolgen.

8. 16. Mehr als 80 Wagenachsen sollen in keinem Zuge ve- fördert werden. Für Militärzuge ist ausnahmêweise eine Stärke bis zu 120 Achsen gestattet.

8. 17. In jedem Zuge, welcher mit Lokomotiven bewegt wird, müssen aufer den Maschinen und Tenderbremsen so viele kräftige Brems8vorrictungen angebra<t und bedient sein, daß durch die ley- teren bei Neigungen der Bahn bis einsclicßli<

; 500 der 12. Theil

a: 10. 2

«D. S

: 100, S

«0 x

t Ae, A “les bei stärkeren Neigungen die Hälfte der Räder gebremst werden ann.

Erstre>t \i< die stärkste Neigung zwischen zwei Stationen auf eine Babnlänge von weniger als 1000 Meter, so ist für die Berech- nung der Bremsenzahl nicht diese, sondern die nächstgeringere Nei- gung der Stre>te maßgebend.

Für. Züge und Wagen, welche auf längeren Stre>en aus\<{ließ- lich dur< die Schwerkraft oder mit Hülfe stehender Maschinen fich bewegen, werden die erforderlißen Sicherheitsvorschristen von der Aufsichtsbehörde erlaffen. :

8. 18. Kein Zug darf die Station verlassen, bevor die Abfahrt von dem Vorstande der Station gestattet wor- den ist. Bei der insbesondere auf der Ausgangsstation vorzunehmenden Revision der Züge ist

"

insbesondere darauf zu achten, daß die Wagen regelmäßig zusammengekuppelt und ordnungsmäßig belastet, die vorgeschriebenen Zugsignale und Laternen angebra<t und die erforderlihen Bremsen angemessen vertheilt find.

8. 19. Die größte zulässige Fahrgeshwindigkeit für Züge und leerfahrende Lokomotiven wird dur< die Aufsichtsbehörde festgeseßt. Größere Geschwindigkeiten als 30 Kilometer pro Stunde dürfen nicht gestattet werden.

8& 20. Die für die Bahn festgeseßte größte Fahrgeshwindig- keit darf niemals überschritten werden.

Langsamer muß gefahren werden :

a, wenn Menschen, Thiere oder andere Hindernisse auf der Bahn bemerkt werden ; b. wenn das Signal zum Langsamfahren gegeben wird.

Bei Einfahrten in Hauptbahnen und überhaupt beim Ueber- gange aus einem Geleise in das andere muß so langsam gefahren werden, daß der Zug auf cine Länge von 100 Metern zum Still- stand gebraht werden kann.

Extrazüge und leere Maschinen, für welche den betheiligten Be- amten nit vorher Fahrpläne mitgetheilt sind, dürfen mit feiner größeren Geschwindigkeit als 15 Kilometer pro Stunde befördert werden. Au müssen die Stationen vorher von dem Abgange der- selben verständigt fein.

8 21. Das Shhieben der Züge ohne Lekomotive an der Spiße ist nur dann zulässig, wenn die Stärke derselben ni<t mehr als 50 Achsen beträgt, der vorderste Wagen gut bewacht ift und die Ge- \{windigkeit 20 Kilometer pro Stunde nicht übersteigt.

8, 22. Bei einer Fahrgeshwindigkeit von mehr als 15 Kilo- meter pro Stunde darf ein Zug einem anderen, in derselben Rich- tung abgelassenen Zuge nur in Stationsdistanz, bei geringerer (Ges \{windigkeit frühestens 30 Minuten na Abfahrt des leßteren folgen.

8, 23. Das Zugbegleitpersonal darf während der Fahrt nur einem Beamten untergeordnet sein. Derselbe hat einen Fahrbericht zu führen, in welchem die Abgangs- und Ankunftszeiten auf den einzel nen Haltepunkten und außergewöhnlihen Vorkommnisse genau zu verzeichnen sind. L L

8. 24. Bei angeheizten Lokomotiven soll, so lange sie vor dem Zuge halten oder in Ruhe stehen, der Regulator geschlossen, die Steuerung in Ruhe geseßt und die Bremse angezogen sein. Die Lokomotive muß dabei stets unter Aufsicht stehen. :

Die ohne ausreichende Aufsicht und über Nacht stehenden Wa- gen sind dur geeignete Vorrichtungen festzustellen.

& 25. Ohne Erlaubniß der dazu bevollmächtigten Beamten darf außer den dur ihren Dienst dazu berechtigten Perjonen Nie- mand auf der Lokomotive mitfahren. :

8. 26. Die Führung der Lokomotiven darf nur folchen Führern übertragen werden, welche mindestens ein Jahr lang als Lok-motiv- führer selbständig und tadelfrei den Fahrdienst verrihtet, und ihre Befähigung dur ein von einer deutschen Eisenbahnverwaltung aus- gestelltes Attest nachgewiesen haben. : j

Die Heizer müssen mit der Handhabung der Lokomotive minde- stens so weit vertraut sein, um dieselbe erforderlihen Falls zum Stillstand bringen zu können.

IV. Signalwesen.

8. 27. Auf der Bahn müssen die optis<en Signale 1) der Qa soll langsam fahren, und 2) der Zug joll halten,

gegeben werden können. An ;

Die Stationen der Bahn müssen mit Sprechapparaten ausze= rüstet sein und untereinander in elektrish-telegraphischer Verbindung tehen. . A L EA 8, 28. Der Stand bewegliher Brü>ken muß in_ einer Entfer- nung von mindestens 300 Metern erkennbar fein. So ne diese Brücken geöffnet sind, müssen die Zugänge zu denselben, au<h wenn kein Zug erwartet wird, dur Signale abgesclofsen sein.

Es sind Bingen zu treffen, welche die richtige Stellung dieser Signale für die Dauer der Unfahrbarkeit sichern.

8, 29. Die jedesmalige Stellung der Weichen in den Haupt-