1877 / 206 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Konzertlokale meist R Konzerte veranstaltet hatten. Am Abend waren das Rathhaus und viele andere Gebäude fesilih beleuhtet. Aus vielen anderen Städten des Reichs liegen Berichte vor, nach welchen das Nationalfest auch dort würdig gefeiert worden ist.

Jn den deutschen Münzstätten sind bis zum 25. August 1877 geprägt worden, an Goldmünzen : 1,147,913,000 Doppelkronen, 358,819 020 Kronen, 5,362,500 M halbe Kronen; hiervon auf Brivairecimntnag: 221 607,079 Æ; an Silbermünzen: 71,653,095 Á 5-Mark- ftüde, 97,288,586 M 2-Markstücke, 143,512,165 Æ 1-Mark- ftüde, 60,717,124 M 00 „S 50-Pfennigstücke, 35,717,922 80 $ 2-Pfennigstücke; an Nickelmünzen: 23,502,530 M 70 S 10- Pfennigstücke, 11,657,813 75 S b- fennig- stüde; an Kupfermünzen: 6,213,207 44 S $ 2-Pfennig- ftüde, 3,382,722 M 83 S 1-Pfennigstücke. Gesammtaus- prägung an Goldmünzen: 1,512,095420 #4; an Silber- münzen : 408,888,892 4 80 .3; an Nickelmünzen : 35,160,344 4 45 $; an Kupfermünzen: 9,595,930 H 27 -$.

Der General der Kavallerie von Podbielski, General- Inspecteur der Artillerie, hat sich zur Beiwohnung der Ma- növer des VII., VIIT. und XIV. Armee-Corps begeben.

Als Aerzte haben sih niedergelassen die Herren Dr. Eichhorst in Ottersberg, Dr. Schulte-Langdorf in Marburg, Dr. Zeh in Hanau, Dr. Meisinger und Dce. Bresgen in Frank- furt a./M., Dr. Richter als 3. Hülfsarzt in Eichberg, Dr. Bruening in Kupferdreh, Dr. Funccius in Langenberg, Dr. Klingholz in Rotthausen.

Kiel, 2. September. (Kiel. tg.) Jn Rendsburg wird der \chleswig-holsteinishe Landtag heute eröffnet werden. Seine Hauptaufgabe wird die Feststellung des Etats und die Weiterentwicklung der provinzialständischen Jnstitute sein.

Bayern. München, 2. September. (W. T. B.) Die eier des Sedantages hat gestern unter äußerst zahlreicher etheiligung im E attgelimden, Heute sind alle

öffentlichen Gebäude und eine große Anzahl von Privathäusern reih beflaggt.

Württemberg. Stuttgart, 3. September. (W. T. B.) Au hier und im ganzen Lande ist der Sedantag festlich begangen worden. Am Vorabend waren auf den Höhen bei Stuttgart und den Bergen der s{wäbischen Alb Freudcnfeuer angezündet. Gestern Abend fand in Stuttgart im großen Saale der Liederhalle ein von mehreren_tausend Personen be- suhtes Banket der Bürgerschaft statt. Die Festrede, welche mit einem Hoh auf Se. Majestät den Kaiser \{loß, hielt Professor Klaiber.

Elsaß- Lothringen. Straßburg, 2. September. (Straßb. Ztg.) Jn der ersten Sißung des Bezirkstages des Unter-Elsasses kamen mehrere das Justizwesen be- treffende Vorlagen zur Verhandlung, die dem Kommissions- bericht entsprehende Genehmigung fanden. Ferner erkannte der Bezirkstag bei der die Vizinalstraßen-Rehnungen betreffen- den Vorlage die Mittheilung der Rechnungen von a t Baukreisen für 1876 nebst den Belägen und Abnahmeverhandlun- gen an und ertheilte dem Bezirks - Präsidenten Aft über die Mittheilungen des Abschnitts des Verwaltungs- berihts, der das Armenwesen betrifst. Besonderes Jnteresse gewähren die Mittheilungen über die zur Linderung der im vorigen Jahre durch den Rhein verursachten Uebershwemmungs- \häden. Diesen Mittheilungen zufolge sind verwendet worden, beziehungsweise noch verfügbar : 1) Seitens des Privat-Comités 430,336 M, 2) aus Mitteln des Central-Comités und aus Landesfonds a. Ertrag der Sammlungen nebst den dur Be- legung der Sammelgelder gewonnenen Zinsen 356,610 M, þ. zur Linderung der ersten Noth 30,805 H, c. Kosten 3975 M, d. Dez für Gebäudeschäden 118,247 M, c, aus Landesfonds den Sammelgeldern zugeführt 46,971 M, f. Steuererlasse 25,076 M, zusammen 581,687 4 und es belaufen si somit die den Uebershwemmten zugewendeten Unterstützungen im Ganzen auf 1,012,024 4. oder fast 50 Proz. des Gesammtbe- betrages der zur Vergütung geeigneten Schadensbeträge, die sih auf 2,082,831 6 belaufen. Gelegentlih der Vorlage betreffs der Etatsübershreitungen für 1876 wurde die Bezirksrehnung in Einnahme mit 3,371,340 # und in - Ausgabe mit Es M, demnach einen Bestand ergebend von 1,595,772 H anerkannt.

Oesterreich-Ungarn. Wien , 31. Augusil. Die Vor- arbeiten für das Budget des Jahres 1878 sind, wie die „N. Fr. A vernimmt, bereits ziemlich weit vorgeschritten, wenn auch noch nicht definitiv beendet. Das zu erwartende Defizit soll eine bedeutende Herabminderung aufweisen, obwohl das Zinsenerforderniß für die Staats\huld in Folge der Emission von 110 Millionen Goldrente und 28 Millionen Papierrente einen Mehrbetrag von über 6 Millionen Gulden beanspruhen wird. Es is nämlih der unter dem Vorsiße des Sektionschefs Distler tagenden und aus Delegirten aller Ministerien zusammengeseßten Kommission, dem genannten Blatte zufolge, gelungen, in allen Zweigen der staatlichen Ad- ministration bedeutende parungen durchzuführen, deren Ziffer sich auf 4 bis 5 Millionen belaufen soll. Außerdem erwartet man eine Besserung der Steuereingänge und eine namhafte Verringerung des Erfordernisses für Eisenbahnsub- ventionen.

Zara, 31. August. Der Kronprinz Rudolph ist heute in den Bocche di Cattaro eingetroffen und geht heute noch nach Ragusa.

Pest, 1. September. Der Finanzausshuß des Ab- geor n Sena es wird, wie der „Pester Lloyd“ erfährt,

ontag seine Berathungen mit der Vernehmung von Ex-

perten in der Spiritus- und Zuckersteuerfrage wieder auf- nehmen und dann die Verhandlung der Vorlagen selbst in Angriff nehmen. Dem „Hon“ zufolge wird die Quoten- Deputation dem Hause vorläufig kcinen Bericht erstatten, doch hofft man, daß sowohl die Quoten-Angelegenheit als auch die übrigen Theile des Ausgleihes dem Hause F einer solchen eit werden vorgelegt werden, daß die Verhandlung des

udgets vor der Verhandlung der Ausgleichsvorlagen nicht

nothwendig sein werde. Jn Betreff der Euibérufung der Delegationen is noch nihts entschieden. #— Der QUEIs Minister hat soeben den Entwurf des Strafgeseßbuches sammt Motivenberichten versendet. (W. T. B.) Jn der heutigen Sißung des Zol[-

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weiteren Berathungen bis zur Vorlegung des Handels- vertrags mit Deutschland zu fuspendiren. Minister Trefort fügte hinzu, die Aussi auf ein günstiges Er- ebniß der mit Deutschland gepflogenen Unterhandsungen hätten sih in den leßten Tagen vermehrt. Der Antrag Tisza’s wurde angenommen. ( : Y Agram, 31. August. Die Meldung des gestrigen Amts- blattes, FZM. Baron Mollinary sei ab ereist, ift unrich- tig. Die Abreise desselben erfolgt erst nächster Tage. | Der Banus ist am Fieber erkrankt, dessen Zustand ist jedo \niht beunruhigend.

Großbritannien und Jriand. London, 1. Septem- ber. (E. C.) Der Fonds für die Hungerleidenden; in Fndien hat die Summe von etwa 70,000 Pfd. Sterl. erreiht. Nah einem gestern - im Jndischen Amte fin- elaufenen Telegramme des Vizekönigs vom 30. August war er Regenfall noch ungenügend, die Lage nirgends verbesstrt, an einigen Stellen bedeutend vershlimmert. Mehr [s anderthalb Millionen Menschen lebten von Unterstüßung. Mr. W. S. Lindsay, can liberales Untär- haus-Mitglied für Sunderland, ist im A gestorben. j

JFndien. Calcutta, 26. August. (Times.) Amtl\- chen Ausweisen zufolge sind in Madras seit dem 1. Januax 300,000 Personen an den Folgen der Pte ans ge storben. 2,250,000 Einwohner der Präsidentschaft genieße mildthätige Unterstüßungen. Unterm 27. d. M. meldet ein, Telegramm aus Bombay, daß in Kandeish, im Deccan, ' in Guzerat und Kattyawar ein wohlthötiger ( ten sei. Die Aussichten werden demna 1m Allgemeinen für befriedigender E Mittlerweile haben die in Lon- don angeregten Sammlungen zur Linderung der bengalischen Hungersnoth die Summe von über 40,000 Pfd. Sterl. er- reiht. Die Regierung hat ein Abkommen genehmigt, kraft dessen der Staat Baroda die Baroda-Eisenbahn bis nah Polunpore weiter baut und der Khan dieselbe befestigt.

Frankreih. Paris, 2. September. (W. T. B.) Einer Mittheilung der „Agence Havas“ zufolge is der Termin für die Deputirtenwahlen nun definitiv auf den 14. Oktober festgeseßt. Das bezügliche Dekret wird am 2. d. M. veröffentliät werden. i Der „Figaro“ meldet, daß der Artillerie-General v. Mirebel, Commandeur der 31. nfanterie-Brigade, der Oberst-Lieutenant v. Balance vom 1. Regiment der reitenden Jäger, und Kapitän Pistor vom 8. Artillerie - Regiment nebst dem französischen Militärbevollmächtigten in Berlin, Grafen de Sesmaisons und dem Attaché de Serre den Manövern in Deutschland beiwohnen werden.

Jtalien. Rom, 27. August. Der Minister des Innern hat sich nah Neapel begeben, um die dortigen Ver- ee der öffentlichen Sicherheit persönlich in Augenschein zu nehmen.

Türkei. Belgrad, 1. September. (W. T. B.) Dem „N.

W. Tagebl.“ wird von hier telegraphirt : Ein Erlaß des Kriegs- Ministers ordnet eine W5tägige Waffenübung für die ge- sammte Armee an. Die Armee wird 4 zu diesem Zwecke her- estellte Lager beziehen. 25,000 Türken unter dem Be-

ehl von Salih- und Zekki Pascha haben die bosnisch-

serbishe Grenze beseßt. Fürst Gortschakoff hat die

Bitte der Bosnier um Hülfe ablehnend beantwortet.

Schweden und Norwegen. Christiania, 29. August. (H. C.) Das deutsche Kriegsschiff „Niobe“, welches mit Ka- detlen auf einer Uebungsfahrt begriffen ist, ankerte am leßten Freitag im Hafen von Christianssand. Mit Erlaubniß der Regierung, welche auf diplomatischem Wege bewirkt worden ist, wird die Korvette Schießübungen vom Flakkeröl afen aus vornehmen.

t E S E F

Amerika. Ecuador. Jn Ecuador nehmen Liberale und Ultramontane immer schärfer Stellung gegen einander, es scheint sogar zu einer Suspension des mit dem päpstlichen Stuhle am 26. September 1862 abgeschlossenen Konkordates gekommen zu sein. :

Nach Beendigung der jüngsten Revolution in Ecuador, in welcher die liberale Partci unter General Veintemilla Sieger blieb, schrieb dieser einen auf den 19. April d. J. fest- geseßten Trauergottesdienst zum Andenken sämmtlicher, seit 1869 für die Freiheit Gefallenen aus. Das betreffende Dekret befahl, „das Andenken diejer Märtyrer, welche in Vertheidigung dieser geheiligten (sacrosantos) Prinzipien ihr Leben gelassen haben, nah den Religionsgebräuchen zu E

Der Vikarkapitular von Quito (der Erzbischofs\ib ist zur Zeit vakant), die Bischöfe von Riobamba und Loja erklärten auf die ihnen zugegangene Bekanntmachung, diesem Dekrete niht nachkommen zu können, und dies in einer Sprache, org g Deutlichkeit und Entschlossenheit nichts zu wünschen übrig läßt.

Namentlich das Beiwort „gcheiligten“ (sacrosantos) Grund- säße der Freiheit wurde von allen' Dreien als Gotteslästerung bezeihnet. Der Bischof von Riobamba spricht sogar der Re- gierung jeglihes Recht ab, zu irgend einer Zeit irgend etwas in Bezug auf Liturgie 2c. anordnen zu können, und erklärt (ließli, daß, da die sogenannten geheiligten Prinzipien abseiten der Kirche als dem ifatholishen Glauben zuwiderlaufend verdammt worden sind, nichts für dergleichen Märtyrer in der Kirche geshehen könne ohne eine 0 enbare Beleidigung Gottes in der Kirche selbst.

Der Bischof von Loja erklärt dem Gouverneur, daß_in keiner Kirche seiner Diözese Trauergottesdienste zu dem Sei- tens der H veranstalteten Nee stattfinden werden, da keine weltlihe Macht irgend etwas befehlen und verordnen könne, was gegen die Geseße Gottes und der heiligen Kirche sei, und fügt hinzu, für den Fall, daß etwa Gewalt gebraucht werden solle, daß er bereit sei, durch Gottes Gnade eher sein Leben zu verlieren, als er seine Pflicht verleße.

Der Vikfarkapitular von Quito wollte den Trauergottes- dienst gestatten, wenn die Regierung das Dekret in der publi- zirten Form zurücknähme, worauf die Regierung natürlich nicht einging.

Ein fernerer Grund des Zwistes war die Verhaftung des des Giftmordés an dem Erzbischof von Quito verdächtigen Kanonikus Andrade Coronel. /

Der Vikarkapitular forderte von der Regierung auf Grund des Konkordates, daß der verhaftete Andrade Coronel nit wie bisher im öffentlichen Gefängnisse in Haft gehalten werde, sondern in irgend einem Konvente oder in anderen geistlichen

ter von 61 Jahrn

egen eingetre- | Z

in ein Maufihes Gefängniß angeordnet hat, vor Gericht ge- stellt werde. i Hierauf scheint es zum Bruche gekommer. zu sein, denn am 2. Juni, Morgens 2 Uhr, wurde der Vikarkapitular ver- haftet und nach dem Napo verbannt. Ein am gleichen Tage eingetretener Aschenregen, von einem großen Ausbruche des Vulfkans Cotopaxi herrührenv, diente der klerikalen Partei, welche darin die Strafe des Himmels für die Verhaftung des Prälaten sah zur Aufwiegelung der Masse, und erst nas fast 24stündigem Straßenkampfe as es dem General Veinte- ae diese ultramontane Revolutionsbewegung niederzu- werfen.

Afrika. Egypten. Alexandrien, 24. August. Heute kam das französische Den RA So xr èze“, welches mit 700 Soldaten an Bord, auf der Reise von Saigon nah Marseille als der Cholera dringend Garde in Aden abge- wiesen worden war, in Suez an. Nach den daselbst eingezogenen Erkundigungen waren auf dem Schiffe außer anderen Kranken an îer Cholera, welche bald nah der Abfahrt von Saigon an Bord ausbrach, 60 Personen erkrankt, von denen 30 gestorben sind. Seit dem 16. August sollen keine Todes- fälle mehr vorgekommen sein, auch die Cholerakranken fih allmählich erholt haben. :

D dessen hat der Conseil de l’Jntendance in seiner heuti- gen Sißung do beszlossen, dem Schiffe die Fahrt dur den Kanal unter Quarantaine zu verbieten, dasselbe nah Gebel Tor zu dirigiren und dort nach vollendeter Ausschiffung einer 10tägigen Quarantaine zu unterwerfen und zu desinfiziren. ur Ueberwachung dieser Maßregeln is ein europäischer Arzt nah Gebel Tor abgesandt.

Der rufsisch-türkishe Krieg.

Europäischer Kriegsschauplat.

St. Petersburg, 2. September. (W. T. B.) Dffi-

S Telegramm aus Gornji Studen vom 1. d.: uf der rehten Flanke der Rufstshuker Kolonne, sowie auf der Straße von Osmanbazar nah den Balkanpässen und gegen Lowtscha war Alles Bs: Am 31. August Morgens verdrängten 8 türkische Bataillone aus Rustschuk unsere Vorhut aus der Stadt Kadikiöi, wurden aber von dort durch eingetroffene Verstärkungen wieder vertrieben. Der am 31. August bei Plewna stattgehabte Kampf hatte folgenden Verlauf: Um 6 Uhr Morgens drängte türkfishe Kavallerie unsere Vorposten zurück; gegen

8 Uhr entfaltete der Feind Jnfanterie und Artillerie, wobei die Kanonade begann. Später erfolgten mehrere Angriffe der Türken auf Sgalewiza und Owrag zwischen dem ersteren Orte und Pelischat. Der leßtere Play wurde mehrere Male genommen und verloren. Nachdem unsere rarisen_ die An-

griffe auf allen Punkten zurückgeslagen, ergriffen wir die Offensive und wiesen die Türken, deren a sich auf 25,000 Mann belief, endgültig zurück. Um 4 Uhr Nachmittags war der Kampf beendigt. Unser Verlust belief sich auf 600 Manu.

St. Petersburg, 3. September. (W. T. B.) Offi- zielles Telegramm aus Gornji Studen vom 2. d.: Unsere Verluste am 31. August d. F. betrugen bei Kadikidi 7 Soldaten todt, 30 verwundet, bei Plewna im Ganzen 30 Offiziere und 1020 Soldaten kampfunfähig. Der Ver- lust der Türken ist ein außerordentiih großer bei dem Dorfe Pelischat allein wurden bis jet 300 Leichen der Türken gezählt. Am 831. August fand auch zwischen unseren Batterien und Giurgewo und denen in Rustshuk eine Kanonade statt, wir haben dabei weder Verluste an Mannschaften, noch sonstigen Schaden gehabt. Am nämlichen Tage näherten sich einige türkische Monitors Küstends\che, gingen aber, ohne etwas vorzunehmen, wieder nah Varna weiter. Eine am 1. d., Morgens, in das Dorf Selenedrewo im Bal- fan eingedrungene große Anzahl von Baschibozuks und Tscher- fessen zerstreute sich wieder, sobald sih unsere Truppen zeig-

ten. Nachdem fand am 1. d. nirgends weiter ein Zusammen- stoß statt.

Bukarest, 1. September. (W. T. B.) Der gestrige AngriffOsman Paschas gegen vier russische und rumänische befestigte Positionen wurde gegen 5 Uhr von der Artillerie und den Schüßen zurückgeschlagen. Die Türken erlitten große Verluste.

Konstantinopel, 1. September. (W. T. B.) Nach einem Telegramm Osman Paschas aus Plewna vom 31. August erstürmten die Türken in dem Kampfe bei Pelischat, IRUNLLA von Plewna, drei russische Ver- \hanzungen. Die Russcn, welche einschließli der erhaltenen Verstärkungen 30.000 Mann stark waren, wurden vollkommen geshlagen. Die Verluste der Türken sind im Vergleiche zu denen der Russen gering. Ein Telegramm Suleiman Paschas vom 30. August meldet, daß der Geshüßkampf und das Gewehrfeuer im Schipkapaß fortdauere und die Türken ihre Stellungen behaupten, im Uebrigen sei nihts von Belang vorgefallen. :

Konstantinopel, 1. September. (W. T. B.) Eine Depesche Dsman Paschas meldet von einem neuen, bei dem Dorfe Pis haz, östlih von Plewna, estern stattgehabten Gefechte, bei welhem sich die zu einer efognoszirung aus- gesendeten türkishen Truppen eimger Verschanzungen bemäch- tigt hätten. Von den Russen wäre eine Kanone zurückgelassen worden.

Konstantinopel, 2. September. (W. T. B.) Der Verlust der Russen in dem am Freitag stattgehabten Kampfe bei Pelischat wird türkischerseits auf 1500 Mann angegeben. Bei einer am Donnerstag von Rustschuk aus unternommenen Rekognoszirung wurden die Russen bei Ka- difidi mit einem Verluste von vicrhunderi Mann geschlagen. Seitens der Türken werden ausgedehntère Rekognos- zirungen gegen Kesrowa hin unternommen. Man erwartet einen Zusammenstoß bei Rasgrad. Vom Schipkapaß liegen keine neueren Nachrichten vor. Die bisherigen Verluste daselbst sind auf beiden Seiten groß.

Wien, 2. September. (W. T. B.) Telegramm der „Presse“ aus Bukarest vom 1. d.: estern hat zwischen Giurgewo und Rust\chuk eine Kanonade von 4 Uhr Nach- me bis 11 Uhr Nachts stattgefunden. Heute früh begann das Bombardement von Neuem und dauerte bis zum Mittag.

London, 3. September. (W. T. B.) Der Korrespon- dent der „Daily News“, der sich im Hauptquartier des Groß- fürsten - Thronfolgers befindet und dem Kampfe bei

Häusern, jedenfalls aber nicht in dem öffentlihen Gefängnisse,

ausshusses beantragte der Minister-Präsident Tisza, die

und daß der Untersuhungsrichter, welcher dessen Ueberführung

Karachassanskiöi E hat, meldet aus Gugowo von gestern Abend, daß der Kampf bei Karachas- sankiöi keine Schlaht gewesen sei, in welcher

sich ziemli gleich große Streitkräfte einander gegen- über gestanden hätten, sondern vielmehr ein bloßes Treffen und der heroishe Widerstand einer kleinen Strei gegen eine p überlegene Tenpgengaye- Gencral Leonoff habe nur 3000 Mann Jnfanterie, 500 Mann Kavallerie und 10 Kanonen gehabt, während die Türken mit 12,000 Mann angegriffen und die Russen beständig über- flügelt hätten. Das Ergebniß des Verlustes der russischen Position sei niht hoch anzushlagen, falls die Türken nit die L Een den Russen beseßten Anhöhen forciren sollten. Der Verlust der Russen an Todten und Verwundeten betrage 500 Mann.

Aus Konstantinopel, 31. August, wird dem Wiener „Fremdenbl.“ gemeldet: Die Russen, welche Küsten d\che noch immer beseßt halten, haben den Getreideexport von dort neuerdings eingestellt, da sie sel angebli dort große Ge- treidevorräthe anhäufen wollen. Auch haben dieselben nun die Erdhügel, die si längs der Bahnstrecke Küstendf\ che- Czernawoda befinden, mit Kruppschen Kanonen armirt. Die Pforie gedenkt, einen Theil jener Cerealien, welhe man ihr in Folge ihres ausgeschriebenen inneren Anlehens als Abschlagzahlung auf dasselbe liefern sollte, als Proviant in den bulgarischen Festungen zu verwenden. Die Stadt Gallipoli erhält nun drei neue Forts.

Die „Times“ bemerken in einer Besprehung der neuesten Kriegsvorgänge in Bulgarien: „Der Verlauf des Feldzuges in Bulgarien während der leßten gp Tage legt zum E den Gedanken nahe, daß die gängige Bewegung der ussen ihr Ende erreicht hat und daß die tür- kischen Heeresabtheilungen auf denjenigen festen Kern des Widerstandes gestoßen ind, vor welchem fie wieder zurück- weichen müssen. Die Ereignisse der nächsten ven werden uns zeigen, ob die Russen arf genug sind, zwei Abtheilungen -der feindlichen Macht in Schach zu halten, während sie mit der dritten ringen. Es ist ciemli augenfällig, daß sich eine neue Phase des Feldzuges eröffnet, nachdem man die mili- tärishe Kraft der Türkei kennen gelernt hat. Wahrscheinlih wird die erste Unternehmung der zweiten Feldzugsperiode ein Angriff auf Osman Pascha sein; denn so lange dessen Macht niht gebrochen ist, läßt sih nichts ausrihten, während er andererseits keine Reserven hinter sih zu haven scheint, um seine Armee nach einer Niederlage ras wieder kampffähig zu machen. Jeßt {hon einen zweiten Feldzug als unvermeidlih hinstellen zu wollen, wäre voreilig. Jedenfalls ist es mögli, in den nächsten zwei Monaten noch genug di leisten, um die

beim Ausbruche des Krieges festgestellten Ziele desselben zu fichern, ohne deren Erreichung der Krieg sicher nicht wird be- endigt werden.“

__— Ueber die Kämpfe um den Schipakpaß und die Situation auf dem Kriegsschauplaße bringt die Sag folgenden aus Galaß, W. August, datirten

ert :

„Ueber die mehrtägigen Kämpfe bei Sch ipka laufen Details ein, nach welchen zwischen diesem türkischen Angriffe und der russischen Attaq::e auf Plewna eine große Analogie besteht. Es scheint, als ob beide kriegführende Theile si befleißigten, Frontangriffe auf beinahe uneinnehmbare Stellungen zu unternehmen. Suleiman Pascha hat nach einander und in mehreren Angriffen mehr als 30,000 Mann ins Feuer geführt. Die Rufsen hatten vor der Ankunft der ihnen zu- gekommenen Verstärkungen kaum 12,000 Mann, um die Stellung zu vertheidigen. Der Angriff wurde von den Türken mit großcr Bra- vour und Vehemenz ausgeführt. Mehrere Male führten die Offiziere ihre zurüweichenden Truppen wieder ins Feuer. Suleiman Päscha versuchte die russishe Stellung zu umgehen, indem er Abtheilungen über den Ozan-Dag vorschob ; diesen gelang es nah einem mit Müh- seligkeiten verbundenen Marsche, eine Flankenstellung bei Selendersvo einzunchmen unv eine halbe Batterie auf einer die russische Stellung beherrschenden Höhe zu errihten. Der Versu jedo, Baskiöi zu erreihen und den Russen in den Rücken zu fallen, indem man ins Jantra- Thal debouchirte, mißlang, Die Abtheilungen wurden mit furchtbaren Verlusten zurückgeworfen und die aufgestellten Ge- \chüße wurden durch das Feuer der russishen Kanonen schweren Kali- bers demontirt. Der Frontangriff erfolgte von Karaula am Fuße des Passes aus. Von hier führte der Weg in ziemli sanfter Steigung durch dichte Wälder. Diese wurden nun auf beiden Seiten der Straße von den türkishen Tirailleurs benüßt, um unter ihrem Schuße vorzurücken. Es gelang denselben unter heftigem Gewehr- feuer, die ersten vorgeschobenen russischen Abtheilungen zurüczudrängen und auf 3800 Fuß Höhe im eigentlichen Siy vorzudringen. Dort wurden Je aber vor dem einfjamen Kloster Sveti-Sokfol und von einer Höbe aus, welhe Marcov-Kralski-Grad genannt wird, mit eicem verheerenden rger empfangen. Das Vordringen war unmög- lich. Die Russen stürmten na einigen mörderifchen Gewehrsalven auf die müden türkishen Kolonnen mit dem Bajonnette und warfen dieselben mit großen Verlusten zurück. Nach einigen Stund-n wurde der Angriff von Seiten der Türken erneuert, und so wiederholte sich der Kampf vier Tage hindur. Am 25. Mittags kamen die ersten russishen Verstärkungen aus Gabrowa und Tirnowa an. Es waren Schüßen auf Kosakenpferden; am 25. Abends langten die Vortruppen des Generals Radeßky nah einem Marsche von 60 Kilometern an, endlich kam au das Gros. Es war Zeit. Die Truppen hatten vier Tage lang keine warme Nah- rung ga. Wie man sieht, hatte Suleiman Pascha einen großen Werth auf die Eroberung des Passes gelegt; denn anders kann man es nit erklären, daß er seine Truppen vom Dorfe Stipkau aus, wel- es 1760 Fuß hoch liegt, bis auf Marco-Kralski-Grad (4956 Fuß über dem R E A also über - 3000 Fuß Steigung auf einer Länge von 1o Kilometer «zimmer kämpfend und unter dem gene der russisben Geschüße zu wiederholten Malen und mehrere

age lang E, ließ. Sein blutiger und nußloser Marsch durch Montenegro scheint ihm als Muster gedient zu haben. Der Ans konnte natürlicher Weise kein andcrer sein, obgleich bis jeßt der Kampf um den Besiß des Scipkapasses noch nicht entschieden ist Die Gefechte bei Ajazlar haben neuerdings be- wiesen, daß die Russen noch nicht stark genug sind, um offensiv vorzugehen. Diese Kämpfe haben zwar keine Bedeutung , da sie nur die Bedrohung der rechten lanke Mehemed Alis zum Zwecke hatten, der dadurch in seinem

orrücken auf Tirnowa aufgehalten werden follte. Dieser Zweck ist nun troß des Zurückweichens der rufssishen Kolonne auf Sultanfkiöi erreicht worden. Sicher if es, daß die türkishen Streitkräfte in diesen Gefechten den russishen um das Doppelte überlegen waren. Sa:ih Pascha, welcher den angegriffenen türkischen Abtheilungen Ia zu Hülfe kam, disponirte nämlich über 18,000 Mann, so daß die ganze türkishe Streitmacht, welhe am Kampfe Theil nahm, wengntens auf 28,000 Mann veranschlagt werden kann, während die Russen nur die 1, Division des 13. Corps und einige Ab- theilungen Kavallerie (Ulanen und Kosaken) ins Treffen führten. Es is eine unläugbare Thatsahe, daß bis jeßt in diesem Kriege die Russen in beinahe allen Zusammen- stößen in der Minderzahl waren, fo daß fie der numerischen Ueber- legenheit des Feinde8æ@veihen mußten. In der Dobrudscha ist wieder eine Pause ein getreten. Beide Theile beobachten sid, da beide sich zum Angriffe zu {wach fühlen, Es {cheint aber gewiß, daß General Zimmer- mann sich bis auf Weiteres darauf beschränken wird, seine Stellung vor dem Trajanswalle zu halten, so lange die Operationen in West- bulgarien nicht eine definitive Wendung genommen haben. Vor

Dlewna sind die Truppenkonzentrationen so weit gediehen, daß ein Ingriff in den nähsten Tagen bevorstehend ist. sonders an Ar- tillerie ist die rusfishe Armee enorm veritärkt worden. Mit dem bevorstehendea Angriffe auf die Stellung Osman Paschas if auch der Uebergang der Rumänen bei Korabia in Verbindung zu bringen. Jeßt ftehen 25,000 Mann rumänische Truppen in Bulgarien.“

Asiatisher Kriegsschaupla t.

London, 3. September. (W. T. B.) Dem „Daily Telegraph“ wird aus Batum vom 31. ugust gemeldet : Se Türken räumen Suchum Kaleh, da ih die Russen nähern.

_— Ueber die jüngsten Kämpfe auf dem armenischen Kriegsshauplaß liegen in den „Daily News“ folgende, von den amtlihen türkishen Berichten abweichende Tele- gramme vor:

„Kurukdara, Sonntag, 26. August. Die Türken gewannen gesprn die nur von einem einzigen russishen Bataillon beseßt gewesenen

nhößen von Kyshyl-Tepe. Die Russen stehen auf halbem Wege zwishen Bash-Gudikla und dem türkishen Hauptquartier, und sie halten noch immer Gudifkla und Kurukdara beseßt. Die Schlacht wurde von den Türken mit der Erstürmung der Anhöhen von Kyshyl-Tepe er- öffnet. Sie s{chwärmten die Anhöhen hinauf, gedeckt durch Positions- geshüße, welcher sie sich mit fürterliber Wirkung bedienten. Die Türken machten au eine verzweifelte Flankenbewegung von Kars aus, um Kurukdara zu nehmen. Die ussen hat!en ißre Zelte auf Wagen geladen, bereit, den Rückzug anzutreten, aber die vollkommene Disziplin und die bewundernêwürdige Leitung der Offiziere, ge- paart mit der unerschrocktenen Gegenwehr, retteten den Tag. Der Infanteriekampf im Dorfe und beim Fort Soubatan war fürhterlih, und die Türken zogen sih bei Sonnenuntergang mit reren Verlusten zurück. Die Russen waren nicht sehr ermüdet. Ihre

erluste umfassen drei verwundete Stabsoffiziere: General Komarof, General Fürst Tschawtshawadse und Oberst Baralewsky. Auf den Anhöhen von Kyshyl-Tepe wurden 69 Ruffen getödtet und 20 ver- wundet; in dem Dorfe und Fort Soubatan wurden 47, und am Fuße des Berges Taghin 22 getödtet. Im Ganzen betrug die Zahl der Getödteten 434. Die Türken warfen ihre ganze Macht auf den russischen rechten Flügel, wurden aber doch zurückgeworfen.

Später. Die Russen verloren vor Kurukdara zwei Generäle, aht Offiziere und 237 Soldaten. Die Zahl der Verwundeten be- trägt 712. Deserteure sagen, daß die Türken 3000 Mann einbüßten.

__ Montag. Die Türken stiegen gestern von dem Berge Aaladia hinab und haben unten ein Lager bezogen. Der Großfürst Michael ist im Lager angekommen. _Die Truppen find wieder in Kurukdara eingezogen. Es heißt, daß General Tergukassof} am 24. d. Mts. JFêmail Pascha bei JIgdyr \{lug.“

Nr. 54 d:s8 „Amtsblatts der Deutschen Reichs-Poft- und Telegraphcnverwaltung“ hat folgenden Inhalt: Ver- fügung: vom 30. August 1877. Inkrafttreten der Abtbeilung 2 des Abschnitts VII. der Allgemeinen Dienstanweisung für Post und Telegravhie.

Nr. 16 des „Archivs für Post und Ee, Beibßeft zum Amtsblatt der Deutschen Reihs-Post- und Telegraphenverwal- tung“, hat folgenden Inhalt: I. Aktenstücke und Aufsäße: Der Worttarif für Telegramme. Baku als Centralpuukt des Kaukasus und des Ueberlandweges nach Indien. Die römischen Wagen und deren Bespannung. Skizzen aus der Mongolei. 11. Kleine Mittbeilungen : Die Anwendung des Kautschuk für Zwecke der Tele- graphie. Flügel gegen Dampf. Deutschlands Handel mit Bordeaux. Wiederausleben der maurishen Jndustrie in Algier. Schuß der Hölzer gegen Fäulniß u. f. w. Das erste englische Buch. —- I1Il. Literatur des Verkehrêwesen: Wippolyte Fontaine: Eclairage à V'électricité; renseignements pratiques. IV. Zeit- s{riften-Ueberschau. S u

Nr. 16 desMarine-Verordnungs-Blattes hat folgen-

den Inhalt: V:rordnung, betreffend die gebührenfreie Beförderung von Telegramm:n. Statuten für die Marine-Offizier-Kleiderkasje. Anrechnung der Dauer der Reise S. M. S. „Hertha“ in den Jahren 1874 bis 1877 als doppelte, pensionéberehtigende Dienstzeit. Ab- änderung der Kontrol-Registec über Dienstalter- und Seefahr- Zulagen. Schema M. zum $. 275 des Reglements über die Geld- verpflegung der Marine im Frieden. Uebungsberihte S. M. Swiffe. -—— Zollbestimmungen für die Häfen Brasiliens. Ver- tretung des Präses der Studien-Kommission. Vervollständigung der Beilage 3 des Marine-Geldverpflegungs-Reglements für den Frieden. Abänderungen zum Marine-Geldverpflegungs-Reglement für den Frieden. Adressirung der Dienstbriefe, welche für das Kommando einer der auswärtizen Stationen der Marine bestimmt sind. Reisetouren nach China und Japan. Reisekompetenzen bei Bade- reisen. Aufnahme von Thomsons Tafeln in die Bücherbestände der Schiffe. Personalveränderungen. Benachrichtigungen. E Nr. 31 des Justiz-Ministerial-Blattes hat folgenden Inhalt: Allgemeine Verfügung vom 17. August 1877, betreffend di Berichtigung eines Schreibfehlers in der Allgemeinen Verfügung vom 29. Juni 1877 wegen Erhaltung der Uebereinstimmung zwischen den Grundbüchern und den Steuerkatastern im Bezirke des Appellations- gerihts zu Caffel. Allgemeine Verfügung vom 21. August 1877, betreffend den Schriftwehsel zwischen dem Auswärtigen Amt und den JIustizbehörden.

Statistische Nachrichten.

(Stat. Corr.) Die Produktion der preußishen Eisen- und Stahlwerke, 1872 bis 1876. Nachdem vor Kurzem di: amtlichen Uebersihten über die Produktion der preußischen Berg- und Hüttenwerke für das Jahr 1876 veröffentliht worden sind, liegen nunmehr für einen fünfjährigen Zeitraum durchaus vergleich- bare Angaben über die Entwickelung der heimischen Montan- industrie vor.

Ein Einblick in die Uebersichten über die Produktion der Eisen- und Stahlhütten lehrt zunächst die eine Thatsache, daß in den leßten Jahren nicht sowohl die darge Lien Massen, als vielmehr deren Werth eine Verringerung erfahren hat. Für die Roheisen-Hütten zeigt dies folgende Zusammenstellung, welche in ihrer leizten Reihe zur Ergänzung der Werthsangaben den jährlihen Durchschnittspreis aufführt, der für einen Centner s{lesisches Koks8-RNoheisen auf dem Berliner Markte gezahlt wurde.

In den preußischen Hütten sind an Roheisen gewonnen worden : : Dur@schnittlicher im Werthe | Werth Preis für

von eins 1 Ctr.

| Centners in Berlin At. | M. M. 18 S 5-3291500704 12,001,298 5,92 8,55 187539 .. . . 31,478041 18L/515,774 | 5,77 7,13 194 25,605,370 115005/,891-| 4,49 5,22 18755 27966730 107,490,480 | 3, 4,6 1876 Se de e 26,486,773 87,357,970 | 3,30 3,78

Die Roheisen-Produktion des Jahres 1876 fteht also hinter der des Jahres 1872 an Menge nur um 2,669,931 Ctr. oder 9,16 °/9 zu- rück; an Werth aber erscheiat sie um 85,333,328 M oder 49,43 °%% geringer, wenn die M noen der amtlichen Statistik angenommen werden, die, wie ein Blick auf die Berliner Notirungen zeigt, den Preisabshlag sicher nit zu groß darstellen. Dieser hat zwar die gesammte Roheisen-Jadustrie nicht zu einer erheblichen Einschränkung der Produktion genöthigt, wohl aber einzelnen Werken die Einstellung

Ctr.

des Betriebes geboten, da sie bei solher Lage des Marktes keinen gcwinnbringenden Absaß mehr für ihre Waaren fanden. So fiel die |

Befriedigung des Bedarfs einer kleineren Zahl gewerblicher Anlagen

zu, deren Produktionsbedingungen günstig genug sind, um auch bei

dem niedrigen Preisftand der leßten Jahre ohne Verluft arbeiter zu

können eiae Entwickelung, welche von der Hüttenstatiftik in fol- genden Zahlen geschildert wird.

Es betrug in Preußen

die Zahl der Hochöfen die mittlere Feten

in außer menge auf einen Hochofen

Betrieb Betrieb in Betrieb

2 Ctr. E 79 115,244 E. D 70 114,051 E. B 104 104,940 2 O 129 133,812

E 2D 166 153,993

In der Meiúung, die Eisenpreise würden foridauernd den Stand behaupten, den fie am Beginn dieses Iahrzehntes erlangt hatten, wurde die Produktion unter edingungen begonnen, die nur bei einer für die Verkäufer außergewöhnlich günstigen Gestaltung der Absaßz- verhältnisse in Anspruch genommen werden durften. Sobald diese Vorausseßung niht mehr zutraf, mußte zwischen den Eisenwerken ein Konkurrenzkampf entbrennen; dessen Entscheidung hat diejenigen Unternehmungen zur Einstellung des Betriebes genöthigt, die zu niedrigen Preisen ihre Erzeugnisse nicht ohne Verlust ausbieten konnten. Daß in diesem Streite, der auf das weitere Zurückgehen der Eisenpreise nit ohne Einfluß bleiben konnte, die größeren An- lagen ihr natürliches Uebergewicht behauptetez und die kleineren, für die schon um ihres geringen Umfangs willen die Bebingungen der Produktion sich weniger günstig gestalten, aus dem Feld \{lugen, geht aus den obigen Zahlen deutlih hervor. Die mittlere Menge von dargestelltem Roheisen, welche auf einen im Betrieb stehenden Hochofen fällt, ist in den leßten Jahren gestiegen und größer gewcfen, als in der Zeit der günstigen Konjunktur.

Die gleihen Veränderungen, die bisher für die Roheisendarstel- lung geschildert wurden, vollzogen fich während der leßten Jahre au in der Industrie der Roheisenverarbeitung. Auch hier erfuhren die produzirten Meng:n nur eine geringe Veränderung, während die dargestellten Werthe erheblih sich verminderten.

Eine Zusammenstellung der Zahlen, welche die Montansftatiftik, allerdings Verschiedenartiges zusammenfassend und die Doppelberech- nung nit streng vermeidend, für die Gcsammtproduktion an Guß- waaren zweiter Schmelzung, Eisen (ohne Roheisen) und Stahl an-

iebt, lehrt, daß in den Eisengießereien, Frish-, Schweiß- und

treckwerken, sowie den Stahlhütten produzirt wurden : im Werthe

Ctr. von é. E L 430,558,323 B e. B ODSS 436,747,782 E 0 s AOB20,07S8 374,898,003 1 O ZLA9S 309,054,656 G. 3L317/790 250,109,984

Die Verringerung der produzirien Werthe, welche hieraus hervorgeht, is um so bemerkens8werther, als gleichzeitig die Stahlerzeugung an Ausdehnung gewonnen hat Den Anlaß hierzu gab die immer mehr fich ausbreitende Anwendung von Stahl- schienen, deren Herstellung die Fabrikation von Eisenschienen in fols- gender Weise verdrängte. Es sind in Preußen fabrizirt worden:

_Eis nbahnschienen aus

Eisen Stahl zusammen

Ctr. Ctr Ctr. E i 4204414 2990218 T. 221,692 B «0196279: 3/396,927/ 8,093,206 1874 L O2 704.4515805 9/586;,609 1875 4 2,815,623 4566,05 7,381,668 1 5% 2204025 40025 B04 547,

Die Vorgänge und Veränderungen, welche im Vorstehenden na den Mittheilungen der preußischen Hüttenstatistik geschildert wurden, bilden fkei.e vereinzelte, auf Preußen oder Deutschland beschränkte Erscheinunz. Auch jenseits des Ocean®, in den Vereinigten Staaten von Amerika, hat in den lebten Jahren die Eisenindustrie das gleiche Schickfal erfahren. Nah dem Bericht, den der Sekretär der Ame- rican Ir-u and Steel Association jüngst erstattete, war der mittlere Preis für 1 Ton (1000 Kg.) Anthracit-Roheisen zu Philadelphia 1872 487 Doll., 1873 4234, 1874 30} und 1875 254 Doll. So er- [litt der Werth der Produktion in den amerikanischen Roheisen - werken eine sehr beträhtlihe Verringerung, während die dargestelite Menge keiner erhebliben Veränderung unterworfen war ; denn es wurden in den Hütten der Vereinigtea Staaten an Roheisen dar- gestellt 1872 2,854,558, 1873 2,868,278, 1874 2,689,413 und 1875 2,266,581 Tons (netto). Aber auch hier mußten die Veränderungen auf dem Markte die Produktion der verhältnißmäßig geringen Zahl von Unternehmungen zuweisen, die allein bei den niedrigen Preisen noch betrieben werden fonnten. Von 713 Hochöfen, in welchen jähr- lich mehr als das Doppelte der 1875 dargestellten Menze Roheifen, nicht weniger als 5 439,230 Tons, produzirt werden konnten, standen am 31. Dezember 1875 nur 293 im Betriebe und waren 429 aus8- geblasen.

Nach dem Verwaltungsberichte des Bezirks - Präsidenten des Unter-Elsaß für 1876 war am Schlusse dieses Jahres die Zahl der im Elsaß vorhandenen Dampfkessel und Dampfmaschinen folgende :

Dampfkessel Dampfmaschinen Dampf- i e pferdekraft im Unt@-Elsa 472 395 6,548

- Ober-Elsaß . . …. 1,034 652 22,570

überhaupt im Elsaß 1,506 1,047 29 118

Hiernach nimmt das Unter-Elsaß an der Gesammtzahl der im Lande vorhandenen Dampfpferdekräfte mit 22,5 °/o Theil, während auf das Ober-Elsaß 77,5 °/o entfallen. Die Mehrzahl aller Dampf- kräfte steht im Dienste der Baumwollen- und Wollenindustrie. Die Zahl der bez. Fabriken dieser Industriezweige mit Dampfkbetrieb war 244 (192 im Ober-Elsaß und 52 im Unter-Elsaß), die Zahl der Dampfkessel 811 (703 im Ober-Elsaß, 108 im Unter-Elsaß), die Zahl der Dampfmaschinen 45ò (378 im Ober-Elsaß, 77 im Unter-Elsafß) und die Zahl der Dampfpferdekräfte 21,833 (17,979 im Ober-Elsaß, 3854 im Unter-Elsaß), so daß also 75 Prozent der Gesammtzahl[- der im Lande vorhandenen Dampfkräfte bei zu diesen Industrien ger ipe Fabrikationen in Verwendung gestanden haben. Die Zahl der ierbei in Betraht kommenden Dampfkessel beträgt allerdings nur 53,8 % der Gesammtkesselzahl des Elsaß, wobei indeß zur richtigen Schäßung dieses Verhältnisses zu berüccksihtigen bleibt, daß die für die betr. Betriebe gebrauhten Dampfkessel vorwiegend Kessel erster Klasse mit großem Fassungsraume sind. Defklarirt wurden im Jahre 1876 im Elsaß 94 Dampfkessel mit einem Gesammtfassungs- raume von 549,258 Kbm. gegen 111 Kessel mit 742,652 Kbm. Fafsungsraum in 1875. Diese Deklarationen haben aber niht sämmt- ih Neuanlagen voa Dampffkessela zum Gegenstande gehabt ; es sind darunter auch {on länger ¿eristirende Kefsselanlagen, deren biéher versäumte Deklaration uahgeholt werden mußte. Die Z=hl der wirklich im Jahre 1876 neu hergestellten Kesselanlagen einshließlih derjenigen, wobei ein neuer Kessel als Ersaß für einen alten aufgestellt wurde, betrug 80 gegen 96 in 1875. Dem elsäfsi- cen Verein von Dampffkesselbesißern zu Mülhausen gehörten im Geschäftsjahre 1875/76 1402 D YS an, darunter 630 im Ober- Elsaß, 174 im Unter-Elsaß und 164 in Lothringen. Da im ganzen Elsaß 1506 Dampfkessel vorhanden sind, so werden von dem Verein in seinem gegenwärtigen Stande 804 oder etwas über die Hälfte von der Gesammtzahl der Kessel, die kleinere Hälfte von der Staats- behörde überwaht. Der jährliche Beitragsfaß für den einzelnen Kessel beträgt 36 #, ermäßigt sih aber, wenn derselbe Besitzer mit einer größeren Zahl von Kesseln dem Verein beitritt.

Ueber die Schulbildung der im Ersaßjahre 1876/77 kei

der Großherzoglich hessischen (25.) Division eingestell- ten hessischen Unterthanen enthält das Augustheft der Mits