1877 / 234 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Mitwirkung des landesherrlihen Patronates erforder- li ist, oder sonst eine selbständige Wirksamkeit der Staatsbehörde einzutreten hat, wie in den Fällen des Artikel 93 Nr. 1—6 des Gesetzes vom 3. Juni v. J., der Regel nah der direkte Dane der Gemeinde-Kirchenräthe mit den staat- lihen Behörden beizubehalten. Nur in denjenigen Angelegen-

iten, welhe an die staatlihen Provinzial- oder Central- Anstaizen zu bringen sind, haben die Gemeindeorgane ihre

nträge dur< Vermittlung der Königlichen Konsistorien an diese Jnstanzen gelangen zu lassen. Bei Gefahr im Verzuge ist ihnen jedoh auch das direkte Angehen dieser Staatsbehörden estattet : nur müssen sie gleichzeitig dem Königlichen Konsistorium

nzeige davon erstatten. Die Konsistorien werden überall für die gehörige Weiterbeförderung der an fie S ie pee Sorge tragen oder das sonst in der Sache Erforderliche ver- anlassen, insbesondere au< da, wo nah den bestehenden Be- stimmungen die ministerielle Jnstanz anzugehen oder unsere Genehmigung erforderlich ist, die Sache berichtlih an uns ge- langen lassen. Wir erinnern dabei daran, daß Anträge auf Einführung oder Veränderung von Gebührentaxen bis weiter unserer Beschlußfassung unterliegen, sowie daß die hiernach in Gemäßheit der Allerhöchsten Verordnung vom 9. September 1876 Art. l. Nr. 7 erforderlihe ministerielle Genehmigung dur< uns zu vermitteln ist. Jn Betreff der kirhlihen Fonds, deren Verwaltung, mit Ausnahme der einstweilen in ihren bisherigen Verhältnissen verbleibenden Kurmär- fishen und Neumärkischen Aemterkirhenfonds (Art. II, der Verordnung vom 5. d. Mts.), prinzipiell vom 1. Ok: tober d. J. ab ebenfalls auf die Königlichen Konsistorien und auf uns übergeht, bleibt bis zum OEe der dieserhalb no< veranlaßten Ermittelungen weitere Anordnung vor- behalten. Ebenso wird in Betreff des Kassenwesens der Konsistorien und der Betheiligung tehnischer Kräfte bei der kirhlihen Bauverwaltung seiner Zeit- weitere Verfügung ergehen. Wir E den Herrn Minister der geistlichen An- be euer Wau erjucht, si< mit Anordnungen einverstanden zu erklären, welche der kirhlihen Verwaltung au<h weiterhin die Benußung der bisher der Kirche zu Gute gekommen en staat- lichen Einrichtungen sichern.“

Die in der heutigen Börsen - Beilage abgedru>te tabellarishe Uebersiht der deutschen Zettel- banken, vom 23. September, {ließt mit folgenden summa- rishen Daten ab: Es betrug der gesammte Kassenbestand 640,694,000 M oder 8,315,000 6 weniger als in der Vor- woche, während der Wechselbestand mit 620,990,000 H einen Zuwachs um 10,696,000 M, die Lombardforderungen in Höhe von 76,945,000 /6 einen solhen um 1,499,000 A und der Notenumlauf mit 877,147,000 M eine Zunahme um 6,078,000 6 der Vorwoche gegenüber aufweisen; ferner lassen die täglich fälligen Verbindlichkeiten im Betrage von 156,785,000 6 eine Abnahme um 3,227,000 6 und die an eine Kündigungsfrist gebundenen Verbindlichkeiten mit 70,944,000 M4 eine solche von 784,000 M erkennen.

Die von einer Partei, welcher ein Veritätseid durch rechtskräftiges Urtheil auferlegt ist, im Shwurtermine abgegebene Erklärung, daß sie zwar den Jnhalt des Eides, das Beweisthema, beschwören könne, aber nur in der Norm des Jgnoranzeides, ist nah einem Erkenntniß des Rei <s- Oberx-Handelsgerichts, 1. Senat, vom 10. September 1877, zwar in der Regel als eine Eidesverweigerung aufzu- fassen, worauf die in dem betreffenden Urtheile angegebene Folge ohne Weiteres festzuseßen ist; der mit der Eideserhebung befaßte Richter kann jedo<h ausnahmsweise, wenn es ihm dur< den Sachverhalt des konkreten Falles geboten erscheint, von dieser Regel abgehen und eine dem Antrage entsprechende aa E des Veritätseides in einen Jgnoranzeid vor- nehmen.

Der Bundesraths-Bevollmächtigte Großherzogli hes- e Finanz-Rath Müller ist na< Darmstadt abgereist.

Der Genekralstabs-Arzt der Armee, Dr. Grimm, erster Leibarzt Sr. Majestät des Kaisers und Königs und Chef der Militär-Medizinal-Abtheilung im Kriegs-Ministerium, ist von einem längeren Urlaube hierher zurügekehrt.

Stettin, 3. Oktober. Der Provinzial-Landtag beschäftigte sich in seiner heutigen (7.) Sißung mit der Etats- berathung. Unverändert wurden nah den Vorschlägen des Provinzial-Ausschusses und der Etatskommission angenommen die Spezialetats für das Landhaus, für das Landarmen- und Korrigendenwesen (mit 302,650 # in Einnahme und Ausgabe Ie), für das Jrrenwesen (mit 307,090 - 4 ah- Thließend), sür das Taublüumienwefen (mit 115,000 D Und für das Hebammen-Le D in Stettin (mit 14,200 4). Die Berathung des Spezialetats für den Chaussee- und Wegebau wurde mit der Berathung des Provinzialhaushalts-Eiats verbunden. Jm Ordinarium wurden bei dem leßteren festgeseßt die Kosten der Provinzial - Hauptverwaltung zu 154,678 /6 Bei dem

uschusse von 190,704 4/6 für die Landkreise pl Durch: ührung der Kreisordnung erhob si< eine lebhafte Debatte, da von einer Seite die Me dieser Position, von einer anderen die Hinzufügung der Bemerkung: „künstig weg- beide Anträge lehnte die Ver-

pee F beantragt wurde; ammlung indeß mit erheblicher M ab, so daß der

ushuß wiederum gezahlt wird. ur Tilgung und Ver- zinjsung der Schulden sowie zur Zahlung von Passiv- renten werden ausgeworfen 103,724 4, zur Unterstüßung milder Stift angen 9400 F, zu Beihülfen an Vereine, welche der Kunst und Wissenschaft dienen 2c. 6300 # und zu Bei- hülfen an Unterrichtsanstalten 12,684 (A Jm Extraordi- narium bewilligte man der Anstalt für Blödsinnige in Küken- mühle 30,000 M, zur Errichtung eines neuen Gebäudes be- ufs Unterbringung von Pfleglingen, ferner zur Herstellung ver- <hiedener Näume im Landhause 4980 M, für das Blindenwesen in Gemäßheit des bereits srüher gefaßten Beschlusses 28,000 4, ur Abrundung der Stammkapitale des Meliorationsfonds sür die Regierungsbezirke Stettin und Cöslin 14,303 4, für as Landarmenwesen 1000 6, der Diakonissen-Anstalt Be- thanien zu Neu-Torney 1000 #4 und dem Vekonomie-Rat mtsberg in Stralsund zur Anlegung einer Fischbrut-Anstal9 1000 M t Man wandte si< nun zu dem Spezialetat für den Chaussee- und Wegebau. Dadur< werden den Kreisen der Provinz bezw. dem Neuvorpommershen Kommunallandtage zur Unterhaltung der früheren Staatschausseen 899,200 Rente überwiesen; zur Unterhaltung dieser Chausseen, welche der Provinz zur Verwaltung verbleiben, sind bestimmt 26,100 /6 Hierbei fand sih Seitens des Landtages nichts zu

erinne-n. ur Servang. des Kreis- und Gemeinde - Wege- baues wirft der Etat im Ordinarium 20,000 Á aus; der Ab- geordnete von Kleist-Reßow beantragte, statt dessen 200,000 M, der Abgeordnete von Baudissin, 100,000 A zu seßen. Jm Laufe der Debatte verwandelte der Abgeordnete von Kleist- Retow seinen Antrag dahin, der Landtag wolle den Pro- vinzialaus\{huß beauftragen, in den nächsten Etat cine an- gemessene (höhere) Summe für diese Position cinzustellen ; der Abgeordnete von Baudissin zog seinen Antrag zurü>. Die Summe von 20,000 #4 wurde s{hließli< be- willigt und der modifizirte Ba von Kleist angenommen. Jm Extraordinarium wurden bewilligt zum Ausbau der von der Staatsregierung früher übernommenen, aber no<h niht vollendeten Chausseelinien Bubliß-Pollnow und Lauen- burg-Wierchußin 274,470 M, wobei eine Petition des Kreises Lauenburg, ihm den leßteren Bau in General-Entreprise für die Anschlagskosten zu übertragen, dahin Erledigung fand, daß die Beschlußnahme hierüber dem Provinzialausschusse anheimgestellt wurde; ferner als Prämien zu Kreis-Chaussee- bauten 519,700 M4, wobei. eine Petition des Kreises Rügen ihm den Ausbau einer Chaussee in der Steinbahnbreite von 3,3 Meter zu gestatten, dur<h Uebergang zur Tagesordnung beseitigt wurde, endli<h a's Beihülfe zu drei verschiedenen Gemeindewegen 25,500

Damit waren sämmtliche Ausgaben des Provinzialhaus- halts-Etats auf 3,048,000 A festgestellt. Zur De>ung derselben hatte der Provinzialauss{{huß vorgeschlagen, neben den Einnahmen aus der Dotationsrente mit 2,097,050 a sowie aus besonderen Fonds und Zinsen mit 215,950 A6 eine Provinzialsteuer von 300,000 # zu erheben und den erforderlichen Restbetrag von 435,000 6 aus den vorhandenen, in den leßten beiden E ersparten Baar- beständen von 1,285,478 M zu entnehmen. Die Etats-Kom- mission hatte statt dessen anheimgegeben, die Steuer fallen zu lassen, den Gesammtbedarf von 735,000 A zunächst aus den Beständen zu bestreiten, zugleih aber die Aufnahme einer mit mindestens 3 Proz. zu amortisirenden, mit 4 oder 45 Proz. verzinslichen Anleihe - bis zur Höhe von 5 Millionen Mark zur De>ung der Ausgaben für den Chaussee- und Wegebau im Extraordinarium zu beschließen und den Provinzial- auss{<uß mit der Ausführung dieser Maßregel zu beaustra- gen. erzu beantragte- der Abg. Holt, eine solche Anleihe zwar in Aussiht zu nehmen, indeß den Provinzialauss{huß zu beausftr agen, die Angelegenheit zunächst weiter zu erwägen und zur Beschlußnahme des nächsten Landtages vorzubereiten. Dagegen beantragte der Abg. von Hagen, die Provinzial- steuer im Betrage von 300,000 4 wicder herzustellen. Nah” Annahme dieses leßten Antrages wurde der Vor- schlag der Kommission und der Antrag Holy abgelehnt. Da- nah bleibt es bei dem ursprünglichen Entwurfe des Provin- zialaus\husses.

Die Etats sind für das Etatsjahr vom 1. April 1878/79 aufgestellt, sollen aber auch für das Vierteljahr vom 1. Fa- nuar bis 1. April 1878 sinngemäß gur Anwendung kommen.

Darauf wurde die Sitzung bis Abends 7 Uhr vertagt.

Jn der Abendsißung wurde, nahdem einige Gegen- stände in geheimer Sißung verhandelt worden , die zweite Lesung des rovinzlalhausbalts - Etat vorgenommen. Man nahm denselben unverändert, wie er aus der ersten Lesung hervorgegangen, an. Ein von dem Abg. Kette-Jassen dabei gestellter Antrag, den Provinzialaus\{huß zu beaustragen, daf: er nach den erforderlichen Verhandlungen mit den Kreisen ein Ney der in der Provinz no<h auszubauenden Kunststraßen feststelle, wurde abgelehnt.

Hierauf {loß der Ober-Präsident Freiherr von Münch- hausen den Landtag, da sämmtliche Geschäfte erledigt waren.

Jn ein von dem Vorsißenden ausgebrachtes dreimaliges Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und König stimmte die Versammlung mit Begeisterung ein und trennte sich dar- auf, nahdem der Abg. von Hagen den Vorsißenden und E den Dank des Landtages ausgesprochen

atte.

Hannover, 4. Oktober. Der Provinzial-Landtog bewilligte in seiner gestrigen Sißung dem hiesigen Kinder- hospital eine einmalige Unterstüßung von 500 4, sowie der Königlichen Landwirthschafts-Gesellshaft zu Celle, zum Zee der Üebernahme und Erweiterung der landwirthschaftlichen Versuchsstation in Hildesheim, einen einmaligen Zuschuß von 10,000 6. Demnächst beschäftigte si<h der Landtag mit An- trägen auf Aufnahme von Wegezügen auf den Landstraßen- Etat, die zum Theil“ angenommer , zum Theil abgelehnt wurden.

Bayern. München, 3. Oktober. Die Abgg. Crämer und Dr, Frankenburger haben, wie die „Allg. Ztg.“ mittheilt, folgenden Antrag an den Finanzausschu } gerichtet :

„Die Unterzeichneten erlauben sich hiermit dem Finanzauss\<husse folgenden Antrag zu unterbreiten: 1) Es sei die Königliche Staats- regierung aufzufordern, die wenn au nur provisorischen Rech- rungsabshlüsse und Ergebnisse des Verwaltungsjahres 1876 vorzu- legen. 2) Es seien au< die summarischen Rechnungsergebnisse der eten beiden Quartale des Jahres 1877 mitzutheilen. Motive: Um eine grünèliße und zuglei<h ras<he Erledigung des Budgets zu ecmöglihen, ist es absolut nothwendig, daß der Finanzausshuß mit allem Material versehen ist, wel<es er zu seiner Arbeit unbedingt nöthig hat. Hierzu gehören vor Allem die Nachweisungen über Einnahmen un» Ausgaben der Vorjahre. Die Vorlage der Rechnungen eines Jahres, welches no< dazu einer frühe- ren, bereits ABaclauitenet Budgetperiode angehört, sind nicht hin- reichend, um auf Grund derselben ein neues Budget aufzubauen. Es ist vielmehr unumgängli< nothwendiz, auch die Ergebnisse der laufen- den Finanzperiode zu kennen. Sollte der Finanzaus\{<huß d.r Mei- nung sein, daß er zur Stellung eines solchen Antrags. nicht kompetent sei, so wollen wir diejen Antrag als an das Plenum der Kammer gerichtet angesehen wissen“

Oesterreih-Ungarn. Wien, 3. Oktober. Der Kaiser ist in Begleitung des Königs von Sachsen gestern nach Mürzzushhlag gekommen, um im Neuberger Revier auf Hoch- wild zu jagen. .

Das vom Ausglei<s-Ausshusse des Ab- geordnetenhauses eingeseßte Comité zur Feststellung der an die Sachverständigen in der Bankfrage zu richtenden Fragen hat sih seiner Aufgabe bereits entledigt und folgende fünf Fragen agr Warum ist die Entwi>lung des Giro- und Checfwesens in Oesterreih so gering? Was kann die Geseßgebung zur Beförderung des Che>wesens thun? Was kann geschehen, um das Anweisungswesen zu heben? Kann der Jnhaber eines Girekontos seine Wechsel bei einer Filiale

der Bank einreichen? Kann der Jnhaber eines Girokontos

sein Guthaben bei allen Filialen der Bank Ae, Diese Frageu bedürfen no< der Genehmigung des Ausschusses, welcher darüber in seiner nächstfolgenden Sißzung s{hlüssig werden und in der darauf folgenden Sißung die Experten vernehmen wird.

est, 3. Oktober. Aus Kronstadt wird dem „Magyar Polgar“ geschrieben: „Das E leihtfinnige, abenteuer- liche und das Ansehen Ungarns kompromittirende Unternehmen werde von der nüchternen öffentlihen Meinung im ganzen Lande verdammt. Jm Sachsenlande herrschte große Bestür- zung, jeßt sei dasselbe schon beruhigt. Es war das Gerücht verbreitet, daß die Szekler über die Sachsen herfallen wollten.“ Wie hier verlautet, sind viele Sendungen an absolut unbe- fannte Personen adressirt. Die Minister Tisza und Szell reisen heute Abends na<h Wien in Angelegenheit des Zoll- und Handelsvertrags, über welchen, gutem Ver- nehmen nah, jeßt ein definitiver Beschl gefaßt werden soll. Das 1878er Budget wird, wie man der any A von hier meldet, gegen Mitte dieses Monats vom Finanz- Minister dem Abgeordnetenhause vorgelegt werden. Wahr- scheinli<h wird die Regierung für das erste Quartal des nächsten payres Jndemnität verlangen, da das Budgetgeseßz faum no< in diesem Jahre zu Stande kommen dürfte.

Frankreih. Paris, 3. Oktober. Der offizióse „Français“ ertheilt den Gerüchten von bevorstehenden Minister- veränderungen (den Rüktritt des Herzogs von Broglie und des Kriegs - Ministers Berthaut) ein Dé- men ti. Das Befinden des erkrankten Hrn. Jules Simon, welches übrigens nie zu ernsteren Besorgnissen Anlaß gegeben hatte, hat sih wesentlih gebessert. Graf Montalivet, einer der leßten no< lebenden Staatsmänner der Juli- monarchie, welcher si< aber nah den ‘Ereignissen von 1870/71 als Liberaler, wie Thiers, Remusat und eimge andcre, von der orleanistishen Partei losgesagt hat und seitdem für die fonservative Republik eingetreten ist, eröffnet im „Journal des Debats“ eine auf drei Artikel berehnete Studie, in der er zeitgemäße Betrachtungen über die Analogie der Bewegun von 1830 mit der gegenwärtigen Krisis anstellt. Der Gra erklärt, daß die alten liberalen Royalisten sih jeßt zur Republik bekennen, weil sie unter den obwaltenden Verhältnissen in dieser Staatsform die beste Bürgschaft für die Verwirklichung eben jener En sähen, welche sie dereinst unter dem konstitutionellen

önigthum verfolgt hätten, und urtheilt über den Akt vom 16. Mai und die jetzige iri der Konservativen so streng wie nur irgend ein Republikaner. Auf der anderen Seite läßt si< Hr. Littré in einer längeren Zuschrist an den „Temps“ vernehrnen. Er sucht nachzuweisen, daß die Nieder- lage der republikanishen Sache bei den Wahlen nur einen <ronishen Bürgerkrieg und am Ende einen verzweifelten Kampf zwischen dem bonapartistischen und dem bourbonischen Prätendenten nah sih ziehen würde.

3. Oktober. (Cöln. Ztg.) Der Minister der Aus- wärtigen Angelegenheiten, Herzog Decazes, ist von Paris wieder nach seinem Schlosse in der Gironde zurückgekehrt.

4. Oktober. (W. T. B.) Das nunmehr von der Linken des Senats erlassene Manifest weist die gegen die leßte Deputirtenkammer gerichteten Angriffe jus und hebt hervor, daß die Kammer lediglih die Republik consolidi- ren und die ultramontane Agitation unterdrü>en wollte, die für die Mut ogen des Landes und für den öffentlichen Frie- den gefährlih geworden sei. Das seien die alleinigen Be- schwerden, welche Grund zu ihrer Auflösung gegeben hätten. Die Lage fei eine schwierige, die Zukunst Frankreichs stehe auf dem Spiel. Das Land sei berufen, darüber zu ent- scheiden, ob seine Regierung ein persönliches Regiment unter klerikaler Becinflussung sein solle oder ob das Land verstehe, sih selbsi zu regieren. Fm ersteren Falle seien die Freiheiten von 1789 bedroht, die Ordnung im JFnnern und der Friede nah Außen gefährdet. Jm zweiten Falle werde die Republik conjsolidirt, Ruhe und Vertrauen wieder hergestellt und der Friede befestigt sein, den unter den gegenwärtigen Se Europas die Republik allein Frankreich erhalten und bewahren könne. Könne da noch ein Schwanken gestattet sein ? Das Mani- fest weist ferner den Vorwurf des Radikalismus und der Demagogie zurü> und schließt mit der Aufforderung an die Wähler, ihren Willen in entschiedenster und unwiderleglicher Weise kund zu thun. Sobald sie gesprochen haben würden, werde au< ihrem Worte gehorht werden müssen. Der Prozeß gegen Gambetta gelangt am nächsten Mittwoch vor dem Appellhofe zur Verhandlung.

Spanien. Madrid, 3. Oktober. - (Cöln. Ztg..) Eine Depesche aus Singapore meldet, daß 450 Spanier auf den Sulu-Jnseln am 9. und 11. September 2000 Jnsulaner in die Xlucht ges{lagen, 50 Mann derselben getödtet und 22 Gefangene gemacht haben.

Türkei. Konstantinopel, 4. Oktober. (W. T. B.) Jn dem Pulvermagazin zu Makrikeni hat eine Explosion tattgefunden, bei welcher mehrere Personen ihren Tod ge- funden haben. Der angerichtete Schaden wird auf 10,000 Pfd. Sterl. geschäßt. Das Munitionsdepot is intakt ge- blieben. Man hofft die Arbeiten in 14 Tagen wieder auf- nehmen zu können. :

Aus Konstantinopel, 26. September, wird der W. «Bee geschrieben: i

„Die momentane Ruhe auf dem Kriegs\chauplaßze in Bulgarien hält das Kriegs-Ministerium nicht ab, fort und fort auf Nach schu b der Truppen bedaht zu sein. Täglich treffen frishe Mann- haften aus den entferntesten asiatishen Gebietstheilen in der Hauptstadt ein, um hier ausgerüstet und fofort zu den Armeen Suleiman Paschas und Osman Paschas befördert zu werden. Auch die Bevölkerung von Konstantinopel wird in ni<t zu ferner Zeit ein staatlihes Kontingent in die Schlachtlinie stellen können und müssen. Bekanntlich waren die Bewohner der Hauptstadt früher von dem Militärdienst befreit. Unter der Signatur von Mis- lizen sind jeßt bereits 33 Bataillone à 800 bis 850 Mann formirt und leidlich einexercirt. Weitere Bataillone sind in der Bildung begriffen, so daß man binnen kurzer Zeit 40,000 Mann haupt- städtisher Milizen auf den Beinen zu haben hofft. Wiewohl diese Milizen ursprüngliß< nur für die Aufrechterhaltung dec Sicherheit der Hauptstadt bestimmt waren, ist es do< längst kein Geheimniß mehr, daß erforderlichenfalls sofort ein großer Theil derselben na< dem Kriegsschauplate abgehen wird. Man darf gespannt sein, wel<hen Eindru> diese Maßregel auf die hiesige Bevölkerung machen wird. Die Angelegenheit der russischen Mön che auf dem Berge Athos is bis jeßt no< nicht endgültig erlediat. Vor wenigen Tagen kehrte der Metropolitan von Derkon, Monsignore Joachim, von dem Kloster zurü> und erstattete der Pforte Bericht. In Folge dessen wurde Ziver Bey mit ausge- dehnten Vollmachten nua< dem Berge Athos abgesendet, um die Mönche zur Maison zu bringen oder sie sofort zu vertreiben. In den Provinzen haben die Wahlen

für das Abgeordnetenhaus, wel<hes am 1. November wieder zusammentreten soll, bereits begonnen. Hier werden dieselben erft na dem Beiramsfeste stattfinden. Zum inteximistishen Genera l- Gouverneur des Donaue-Vilajets mit der provisorischen Hauptstadt Schumla wurde Edib Effendi ernannt. Derselbe ist bereits na< seinem Bestimmungsorte abgereist. Essad Bey, der diesseitige Botschafter in Wien, wurde mit dem Großkordon des Medschidje-Ordens dekorirt.“ E z i

Ueber die Verhältnisse in Bulgarien wird der „Times“ von s Spezial-Korrespondenten in Therapia

unterm 20. v. M. Folgendes berichtet : |

„In diesem Augenbli> bedeutet für einen Bulgaren eine Anklage au eine Verurtheilung. Ein Engländer gab mir foeben eine Schil- derung dessen, wovon er während einer jüngsten Tour dur< einen Distrikt Bulgariens, der zuer;t von den Russen beseßt und dann von ihnen geräumt worden war, Augenzeuge gewesen. Die erfte Hand- lung, die gewöhnlich gegen einen Bulgaren unternommen wurde, der als verdächtig verhaftet worden, bestand darin, daß man ihm eine Tracht Prügel verabfolgte, al3 ob er bereits eines Verbrechens überführt worden. Wenn es der Fall war, daß er bis zu dem Orte, wo die Unter- su<hung gegen ihn stattfand, einen weiten Marsch zu machen hatte, war er meistentheils gezwung n, dies zu thun, ohne daß man ihm Nahrung oder selbst einen Tropfen Wasser verabfolgte, wie heiß auch der Tag sein mochte. In einem Falle starben von 70 Gefangenen 13 an den Folgen der Entbehrungen, denen sie auf ihrem Marsche ausgesezt waren. Nach solher Behandlung an ihrem Bestimmungs- orte angelangt, sind die Gefangenen zu ershöpft, eingeshüchtert und verdummt, nm si<_ gehörig vertheidigen zu können. Ihr Prozeß ist bloße Scheinjustiz und geht thatsähli< wenig über ihre Jdentifizirung hinaus. Mein Gewährsmann wohnte dem Verfahren gegen einen Angeklagten an und die ganze Prozedur nebst Ver- fündigung des Todesurtheils nahm gerade eine Viertelstunde in

Anspruch.“ vineno (W. T. B.) Aus Belgrad wird dem „N. W.

Tageblatt“ unterm 5. gran: Die Miliz ist beor- dert, am 8. d. in die für sie bestimmten Lager einzurü>en und sodann mit dem stehenden Beri an die Grenze ab- zumarschiren. Es sind größere Partien neu angekaufter Chassepotgewehre hier eingetroffen.

Dänemark. Kopenhagen, 2. Oktober. Fn der heutigen Sißung des wut legte der Finanz- Minister den Finanzgeseßentwurf für das Finanz- jahr 1877/78 vor. Der Minister bemerkte, daß der Ent- wurf in Uebereinstimmung mit den administrativen Budgets abgefaßt sei, welche in Folge des provisorischen Geseßes vom 12. April d. J. ausgefertigt worden seien. Ferner legte der Finanz-Minister den Finanzgeseßentwurf pro 1878/79 vor. In dem letzieren ist die Einnahme zu 48,605,000 Kr. und die Ausgabe zu 44,236,000 Kr. veranschlagt, was somit einen Vebershuß von 4,369,000 Kr. ergeben würde. Zu außer- ordentlichen, meistens militäcishen Zwe>ken (Bau neuer Kriegsschiffe, Hafenbefestigungen u. f. w.) sind auf der Aus- gabenseite des Budgets 6,686,000 Kr. ausgeworfen. Morgen wird der neue Kriegs- und Marine-Minister Geseßentwürfe, betreffend die Reorganisation des Heer- und Marine- wesens, einbringen.

4, Oktober. (W. T. B.) Jn der vom Folkething gegen die früheren Kultus-Minister Hall und Worsaae wegen gesezwidrigen Verfahrens bei Aufführung des neuen Theater- ebäudes anhängig gemachten Anklagesache hat das

eihsgeri<ht heute ein freisprehendes Erkenntniß ertheilt. Die Kosten, die sih für den Ankläger und für den Vertheidiger allein auf je 2000 Kronen beziffern, sind der Staatskasse zur Last gelegt.

Amerika. ps A. C.) Aus Galvejton wrd unter dem 3. d. M. telegraphirt: „Oberst Schafter hat mit 600 Mann Bundestruppen und zwei Gatling-Kanonen den Rio- Grande überschritten, um das Detachement, welches jüngst in der Verfolgung von Fndianern über die mexi- kanische Grenze ging, und welches für umzingelt gehalten wird, zu befreien. Starke Abtheilungen von Mexikanern sind dem Vernehmen nah auf dem Marsche begriffen, aber ihr Bestimmungsort ist unbekannt.“ Eine weitere aus New-

ork vom 2. d. M. datirte Depesche meldet: Die amexi- anishen Truppen sind über den Rio Grande nach Texas ohne Verlust zurückgekehrt. Die Expedition war erfolglos, da die diebishen Jndianer zuvor gewarnt worden waren. Eine kleine Abtheilung mexikanischer Kavallerie folgte den Amerikanern während eines Theiles ihres Rü>marsches, ent- hielt sih aber jeder Offensivdemonstration. Dem üblichen Monatsausweise des Schaßsekretärs zufolge hat si die Schuld der Vereinigten Staaten im September um 3,883,000 Doll. vermindert. Jm Schazamte befanden \ih am 1. d. M. 119,152,000 Doll. in klingender Münze und 14,206,000 Doll. Papiergeld.

Der russisch-türkische Krieg.

St. Petersburg, 5. Oktober. (W. T. B.) Die „Agence Russe“ bemerkt gegenüber den Auslassungen der „Daily News“ über eine Mediation auf der Basis. der Beschlüsse der Konstantinopeler Konferenz, das englishe Journal vergesse dabei die Umstände, welche gegenwärtig diese Basis S machten. Wenn man au<h den nationalen Stolz Rußlands ganz außer Acht lasse, so sei es doch ersihtlih, daß die Verachtung, welche die

ürken vor Europa hegen, die Pforte bei dem gegenwärtigen Stande der Dinge hindern werde, jeßt die Bedingungen an- zunehmen, welche sie auf der Konstantinopeler Konferenz ab- gelehnt habe. QUbUS sei zu erwägen, daß die Beziehungen der Muselmänner zu den Christen damals zwar schwierig, aber unter gewissen Bedingungen möglich gewesen seien. Fortan aber würden dieselben völlig unmöglich werden.

Europäischer Kriegsschauplaß.

Bukarest, 3. Oktober. (Telegr. d. W. „Presse“.) Die rumänischen Eisenbahnen erhielten Befehl, die heute aus Wien angelangten 1000 Stü> eisernen Bettstellen und 200 eiserne Defen unverweilt nah den Verwundeten-Baracen weiter zu dirigen. Gleichzeitig müssen die rumänischen Eisen- bahnen im Regierungsauftrage die Anzahl ihrer Schnee- pflüge, welhe während der Schneeverwehungen in den leßten Fahren nicht au8gereicht haben, entsprechend kompletiren.

Wien, 4. Oktober. (W. T. B.) Die „Pol. Korr.“ meldet aus Bukarest von heute: Die im Donausee Borcea eee JFnsel Chiciu wird von Abtheilungen der türki- hen Besaßung von Silistria beseßt gehalten und werden dort von denselben Befestigungen aufgeführt. Gegen dieselben ist von den Russen eine über einen Arm des Borceasees füh- rende Brüc>ke mit einem befestigten Brückenkopf errichtet worden, um die türkische Position in Chiciu zu beschießen,

außerdem sind zahlreiche russishe Truppenabtheilungen nah

Kalaras< dirigirt. Auch is die Bereitschaft der in den |

angrenzenden Distrikten befindlihen rumänischen Milizen an- geordnet, um einer eventuellen Landung türkisher Truppen

aus Silistria zu begegnen. Jn den leßten Tagen sind '

20,000 Mann russi]her Truppen hier dur<passirt. Ueber die Situation auf dem bulgarischen

Kriegsschauplaßte berichtet ein Korrespondent der „Times“ ;

aus Bukarest vom 28. September : „Jch bin eben von einer Besichtigung sämmtlicher Stellungen

der Armee des Großfürsten-Thronfolgers am Banicka-Lom und östlich |

von Biela zurüc>gekommen. Seit dem türkischen Angriffe auf Czer- forwna am 21. September, welcher vollständig scheiterte und den Türken 1000 Mann kostete, blieb die Armee Mehemed Alis unthätig. Das is au< nit zu verwundern, denn die russischen Stellungen auf dieser Seite find sehr stark und gut verschanzt, au< find die beiden Heere einander an Zahl ungefähr glei, jedes etwa 103,000 Mann stark, die Türken aber an Actillerie bei weitem die Schwächeren. Bei einem Angriffe würden die Türken auf furchtbare Verschanzungen stoßen, an welchen tausende von Bal- garen viele Tage lang gearbeitet haben. Auch sind die Truppen des Thronfolgers an Punkten konzentrirt, von welchen aus einem An- griffe am wirkungs8vollsten begegnet werden könnte; der General- stab8chef des Thronfolgers, General Stornowski, ein sehr umsih- tiger und thätiger Offizier, spricht fih au< hi-rüber mit begründeter Zuversicht aus. Von Mekka a1 der Donau, welches, wie aus der österreichishen Geneialstabskarte zu er;ehen, ungefähr 15 englif<he Meilen südwestli< von Rustshuk liegt, bis na< dem 40 englische Meilen südlicher gzlegenen Tirnowa, auf einem Raume, dessen öst- liste Punkte Buzuwka und Bani>ka am fogenannten Banicka-Lom sind, stehen russishe Vorposten, nördlich diejenigen des Thropfolgers, südlih die des Generals Fürsten Schachowskoi, welcher das 11. Armee-Corps befehligt. pri ihnen, in einer Entfernung von 5 bis 15 englischen Meilen, stehen in Massen 90,000 bis 100,000 Rus- sen mit mehr als 350 Feldgeshüßen und Mitrailleusen, die so aufgestellt sind, daß die Angreifer in ein Kreuzfeuer gebra<ht werden können. Die Türken hätten also eine sehr|s{were Nuß zu kna>ken, wenn sie den Angriff vom 21. September wiederholen wollten. Auf der anderen Seite muß zugegeben werden, daß Mehemed Ali, wie er selber wissen muß, jezt oder nie Chancen des Erfolges hat. Die Russen stehen zwishen zwei rollftändig getrennten und fleineren Heeren des Feindes, können das eine aufhalten und si< unterdessen mt aller Macht auf das andere werfen, und das sollten sie au<h thun. Es heißt, daß die Türken in Plewna 89,000 Mann bei- sammen und dazu no< 10,006 Mann Verstärkungen von Sofia her erhalten haben. Jh glaube indessen nicht, daß sie Alles in Allem mehr als 65,000 Mann stark sind. Auf der andren Seite wird die russishe Garde in der Stärke von 56,000 Mann bis zum 5. Oktober vor Plewna erwartet und die russish-rumänishe Armee wird dann über 100,090 Maun zählen. Wenn die Laufgräben- und Schanzarbeiten seit dem 17. September, an welchem ih Griwica zuletzt sah, mit ange- messenem Eifer fortgeseßt worden sind, so sollten die Russen hon am 7.Ok- tober in einer Stellung sein, um die Redouten niht nur mit Kano- Sans zu übershütten, sondern au<h das türkishe Gewehrfeuer von ihren eigenen Schüßengräben aus zu paralysiren, um das Ge- lingen eines Sturmangriffes zu sichern, denn bei den früheren Ver- suchen haben sie dur< das feindliche Gewehrfeuer vie meisten Ver- luste erlitten. Es heißt denn auch in allen Militärkreisen, daß am 7. Ofktob-r ein großer Sw{hlag gegen Plewna geführt werden solle. Der Regen hat die Wege in Bulgarien zu Kothpfüzen gemacht und Vieh, welches auf denselben transportirt wird, beginnt umzukommen. Die russishen Truppen sind indessen voll guten Muthes und hoffen, die Scharten der russishen Waffen auszuweßen. Alles hängt jeßt von dem ab was in den nächsten zehn Tagen vor Plewna geschieht. Wird Plewnax no< vor dem 10. Oktober genommen, dann is no<G reilih Zeit, in diesem Jahre über Sofia auf Adrianopel vorzurü>en.“

Dem „Daily Telegraph“ wird aus Orsowa, 30. September, berichtet : _ „Urtheilsfähige Leute, welhe gerade von den Vertheidigungs- linien an der Jantra zur>kehren, theilen mit, daß die von dem Heere des Großfürsten-Thronfolgers beseßten Stellungen außerst stark oder vielmehr gegenüber der Art von Angriffen, wie sie bisher von beiden Kriegführenden gehandhabt wurden, geradezu un- einnehmbar sind. Alle Bewegungen auf beiden Seiten sind durch die heftigen Regengüsse der leßten vier Tage völlig unterbrochen. Die Russen haben in den leßten zehn Tagen 12,000 Kranke und Ver- wundete nah Rufland zurü>geschi>t.“

Asiatischer Kriegsschauplaß.

St. Petersburg, 5. Oktober. (W.T.B.) ODffizièelles Telegramm aus Karajal, 4. c.: Am 2. d. M. griffen unsere Truppen die befestigten Anhöh:n al der linken Flanke der Positionen Mo ukhtar Paschas, den großen und den fleinen „Janibers, an. Nach einem zweistündigen Kamp}e bemächtigten ste sih des großen Jani. Die diesen Ort vertheidigenden Trup- pen wurden theils vernichtet, theils gefangen genommen. Der kleine Faniberg erwies sih indessen derartig stark befestigt, daß ein Sturm auf denselben als zu frühzeitig betrachtet wurde. Nachdem die aus Kars zur Ünterstüßung Moukhtar Paschas gesandten Verstärkungen von 13 Bataillonen zurü>-

eworfen waren, übernachteten unsere Truppen auf den be- egten Positionen. Unser Verlust an diesem Tage betrug 9 Offiziere und 1000 Mann todt, 60 Offiziere und 2000 Mann verwundet. Der Feind verlor 200 Gefangene, seine Verluste sind nicht minder groß. Am 3. c. griff der Feind mit bedeutenden Streitkräften unsere linke Flanke an, wurde aber bald glänzend zurückgeschlagen und bis in die vordere Linie seines Lagers zurückgedrängt. Die Verfolgung wurde erst bei Eintritt der Dunkelheit eingestellt. Unser Verlust an diesem Tage betrug 3 P 40 Mann todt, 11 Offiziere und 250 Mann ver- wundet. Der Verlust der Türken war sehr bedeutend. Heute, am 4. d., hat unsere rechte Flanke die am 2. d. beseßten An- höhen wieder verlassen, da die Hecbeischaffung vo.1 Wasser auf Schwierigkeiten stößt.

Konstantinopel, 4. Oktober. (W. T. B.) Ein der Regierung zugegangenes Telegramm Ahmed Moukhtar Paschas meldet: Am Dienstag, 2. c., bei Tagesanbruch griff der Feind mit bedeutenden Streitkräften den linken Flügel der türkishen Armee bei Yanilar-Tepe und ebenso Kizil-Tepe an, welches die vorgeschobene Position des Centrums der tür- fischen Armee bildet. Es entspann sich ein igt Gefecht, welches 13 Stunden dauerte. Alle Angriffe der Russen wur- den mit beträchtlichen Verlusten derselben abgeschlagen. Eine russishe Division, welhe von dem R ai her anrüd>te, wurde zurü>zeworfen. Der Feind wurde auf der ganzen Linie

eschiagen und von unseren siegreichen Truppen bis gegen den

rpatschai verfolgt. Eine große Anzahl Waffen und viele Munitionsvorräthe fielen in unsere Hände. Der Feind ließ über 5000 Todte auf dem Schlachtfelde.

Konstäintinopel, 4. Oktober. (W. T. B.) Ein wei- teres Telegramm Moukhta r Paschas vom 3. d. meldet über den Kampf am 2. d.: Der Feind griff mit einer bedeuten- den Truppenmacht die Höhen von Yanilar an; die dort ilae, Vorposten unserer Armee zogen nh na<h Groß-

anilar zurü>. Hierauf richtete der Feind seinen Angriff gegen Klein-Yanilar, welches von 6 Bataillonen unter Mah:

mud Pascha beseßt war. Mehrere Kolonnen von Rache Kias- sin eilten zur Verstärkung von Klein-Yanilar herbei und ver- schanzten si< dort. Die Russen eröffneten, um eine Diversion ausführen zu können, ein heftiges Artilleriefeuer auf Kizil-Tepe, unser Centrum, welhes von Omar Pascha beseßt war. Leßterer erwiderte das Fcuer. Außerdem bedrohte der Feind mit 6 Bataillonen und 2 Regimentern Kavallerie, welche von Gladidagh her kamen, unsere re<hte Seite am Arpatschai. Die Brigaden Hussein Pascha und Chefket Pascha, sowie das Regiment Jörahim wurden dorthin gesandt und nahm-n Gladidagh nah einem fünfstündigen Angriff. Die herein-

| brehende Dunkelheit machte dem Kampfe ein Ende. Ein

Jeder behielt seine Positionen und traf Maßregeln, um den Kampf am 3. d. wieder aufzunehmen. Unsere Verluste sind noch unbekannt. Fazli Pascha ist verwundet. Heute (am 3. d.) ist der Kampf nur auf der Seite bei Karajal wieder aufge- nommen worden, wo von 3 Uhr Nachmittags bis zum Abend gekämpft wurde. Das Gerücht, daß zwei russische Generäle gefallen seien, ist unbegründet.

Landtags- Angelegenheiten.

__ Essen, 24. September. Die Stadtverordneten-Versammlung wählte, wie die „Ess. Ztg.“ mittheilt, am 21. d. den Bürgermeister 0 A Lindemann zum Vertreter der Stadt Essen im Herren-

aufe.

StatistisHe Nachrichten.

Ueber das Reichs-Telegraphenwesen im Jahre 1876 entnehmen wir der „Statistik der deutshen Reichspost- und Tele- graphenverwaltung für das Kalenderjahr 1876“ folgende Angabea : Die Länge der Telegraphenlinien betrug Ende 1876 38,790,87 Kilom., Gnde 1875 35,708,41 Kilom. und zwar: der oberirdischen Linien (einschl. 450,28 Kilom. Kabellinien in Städten, d'r< Tunnel, Flüsse und dur< die See) 38,588,07 Kilom, der unterirdischen Linien (eins{l. 34,23 Kilom. no< ni<ht im Betriebe befindliher Linien) 202,80 Kilom. Die Vermehrung der Telegraphenlinien gegen das Vorjahr betrug im Jahre 1876 3082,46 Kilom. oder 8,63 9/0, im Sahre 1875 2462,46 Kilom. oder * 7,41 %. Die Länge der Drahtleitungen betrug Ende 1876: 142,883,13 Kilo- meter, gegen 132,009,69 Kilometer im Jahre 1875, und zwar: der oberirdischen Leitungen (eins{ließli< 2941 Kilometer Kabelleitungen in Städten, dur Tunnel, Flüsse und dur die See) 141,433,53 Kilo- meter, der unterirdischen Leitungen (eins{<ließli< 239,61 Kilometer no< ni<t im Betriebe befindlicher Leitungen) 1419,60 Kilometer. Die Vermehrung der Drahtleitungen im Jahre 1876 gegen das Jahr 1875 betru 10,873,414 Kilometer oder 8,24%/. Die Gesammt- zahl der Telegraphenanstalten beirug im Jahre 1876: 2532, und zwar: selbständige Telegraphenämter 244, mit Postanstalten vereinigte Telegraphenanstalten 2266, mit Telegraphenapparaten versehene Telegramm-Annahmestellen 22. Im Jahre 1875 betrug die Gesammtzahl der Telegraphenanstalten 1945; es hat demnach im Jahre 1876 eine Vermehrung von 587 Anstalten oder 30,18 % statt- gefunden. Von diesen Telegraphenanstalten wirkten im Jahre 1876: im ununterbrochenen Dienst 28, im verlängerten Tagesdienst bis Mitternacht 9, im vollen Tagesdienst 336, im beschränkten Tages- dienst 2159. Die Zahl der zur Annahme unter Weiterbeförderung von Privattelegrammen ermäctigten Eisenbahn - Telegraphenstationen betrug im Jahre 1876: 2577, gegen 2393 im Jahre 1875, also um 184 oder 7,69 %/% mehr. Die Zahl der mit dem 1. De- zember 1876 in Wirksamkeit getretenen Rohrpostämter in Verlin betru; 15. Das Gesammtpersonal umfaßte 3599 Per- sonen gegen 4610 im Jahre 1875. Von diesen 3599 Personen waren 2835 Beamte und 764 Unterbeamte. Die Gesammt- zahl der im Betriebe befindlihen Apparate betrug 5288 gegen 4477 im Jahre 1875, und zwar: System Morse 5473 bez 4369, System Hughes 102 bez. 102, andere Systeme 13 bez. 6. Die Vermehrung gegen 1875 beträgt 811 oder 18,11%. Die Zahl der Batterie- Elemente betrug 79,501 bez. 72,719, also 6791 oder 9,34 9% mehr. Die Zahl der Isolatoren betrug im Jahre 1876 2,201,504, die Zahl der aufgestellten Telegraphenstangen 618,456. Die Gesammtzahl der beförderten Telegramme betrug 10,649,994 gegen 11,044,426 im Jahre 1875 und zwar innerhalb des deutschen Reichs-Telegraphengebiets 7,172,124 bez. 7,478,308, na< anderen Ländern 1,506,090 bez. 1,525,071, aus anderen Ländern 1,596,411 bez. 1,733,195, im Durch- gang dur< das deutshe Reichs - Telegraphengebiet 375,369 bez. 907,892. Gegen das Vo:jahr hat mithin eine Verminderung um 394,432 Stück oder 3,6%/ stattgefunden. Die Gesammtzahl der Telegramme aus dem deutschen Reichs - Te:egraphengebiete nah anderen Ländern betrug: 1,506,090 gegen 1,525,071 im Jahre 1875. Am meisten betheiligt waren an diesem Verkehr folgende Länder: Oesterreich-Ungarn mit 297,770 bez. 304,107, Bayern mit 240,990 bez. 243,229, Frankreih mit 179,680 bez. 183,969, Groß- britannien und Irland mit 150,620 bez. 157,323, Rußland mit 109,350 bez. 98,351, Niederland mit 105,590 bez. 116,725, Württem- berg mit 102,879 bez. 112,190, Belgien mit 81,030 bez. 76,905, die Sthweiz mit 74,100 bez. 79,955, Dänemark mit 45,180 bez. 43,159, Italien mit 29,520 hez. 25,578. Nach Amerika gingen 19,730 bez. 13,330 Telegramme, 1a< Asien 2710 bez. 1970, na< Afrika 1050 bez. 898, na Australien 90 bez. 21. Von der Gesammtzahl der im deutschen Reichs-Telegraphcngebiet im Jahre 1876 aufgegebenen Telegramme waren: géebührenpflichtig: im inneren Verkehr 6,796,305 oder 94,76%/0, nah anderen Ländern 1,485 785 oder 98,65%, zu- sammen 8,202,063 oder 95,413%/9; gebührenfrei waren: im inneren Verkehr 375,819 oder 5,24%, nah anderen Ländern 20,332 oder 1,35 %0, zusammen 396,151 ober 4,57 9/9. Die dur<s<hnittli<he Wort- zahl eines aufgezebenen gebührenpflihtigen Telegramms im ianeren Verkehre beträgt nah dem Worttarif im Jahre 1876: 14,24 Worte, na< dem Zonentarif im Jahre 1875: 18,822 Worte. Von den nah dei Auslande im Jahre 1876 aufgegebenen Telegrammen hatten eine Wortzahl von 1—10 Tarworten 6,8 °/9, von mehr als 10 - 15 Tar- worten 20%, von mehr als 15 —20 Tarworten 58,7 9%, von mehr als 20-——25 Tarworten 2,9°/9, von mehr als 25—30 Tar- worten 6,3%, von mehr als 30 Taxworten 5,3%. -— Die Länge des Röhrenneßes der MRohrpost in Berlin betrug 26,28 Kilometer, die Zahl der Nohrpostämter war Ende Mai 1877: 15, Die Gesammtsumme der bis Ende Mai 1877 beföroerten Rohrpost- sendungen betrug: 56,288 Briese, 92,057 Karten und 906,172 Tele- grammez hiervon waren : 1) in Berlin aufgegeben: an Empfänger in Berlin: 54,457 Briefe, 91,266 Karten und 21,624 Telegramme z nah andern Orten: 1617 Briefe, 686 Karten und 231,167 Tele- ramme; 2) in Berlin angekommen aus anderen Orten (seit dem . März 1877): 214 Briefe, 105 Karten und 223,888 Telegramme; 3) im Durchgang dur Berlin : aufgenommene Telegramme 213,835, wei- ter beférderte Telegramme: 215,658.— Die Gesammtzebühren-Cinnahme für die im deutschen Reichs-Telegraphenamte aufgezebenen Tele- gramme nach Ausscheidung der Einnahmen aus den Abrechnungen mit fremden Verwaltungen betrug im Jahre 1876: 11,513,032 gegen 10,594,538 F im Jahre 1875, mithin im Jahre 1876 gegen 18/5 mehr 918,494 G oder 8,67 9%. Die dur<\{nittlihe Einnahme für ein aufgegebenes gebührenpflihtiges Telegramm beträgt im inneren Verkehr nab dem Worttarif im Jahre 1876: 0,93 4, nah dem Zonentarif im Jahre 1875: 0,83 46; im Verkehr mit Bayern und Württemberg na< dem Worttarif im Jahre 1876: 0,96, nah dem Zonentarif im Jahre 1875; 1,02 4; im Verkehr mit dem Auslande im Jahre 1876: 4,51 # gegen 4,03 im Jahre 1875,

Nach Mittheilung des statistishen Bureaus der Stadt Berlin sind bei den hiesigen „Stan des-Aemtern in der Woche vom