1908 / 137 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

rdanisation das Eintreten besonderer Erschütterungen bedeute. Er

e das feste Vert ï ll, da eine Krisis S U Englands Bereitschaft für den Fall, daß

Se Fraukreich.

on r Ministerrat hat in seiner gestrigen Sizung die hina zu verlangende Genugtuung wegen der Vor- ie e an der Grenze von Tongking festgestellt. Wie den ‘dence Havas“ meldet, sollen außer der Absezung des ast ranzosen feindlich gesinnten Vizekönigs von Yünnan ang Enischädigungen wegen der Einstellung der Eijenbahn-

ten gefordert werden.

In der Deputiertenkammer stand gestern eine Jaation über die Vorkommnisse in Vigneux zur

C1eZh dem Bericht des „W. T. B.“ gab der Minifterpräsident

Reggceau in Erwiderung auf die Interpellation dem Bedauern Re gierung Ausdru>, daß hierbei Todesfälle zu beklagen seien. Die Vorrät ng halte es für ihre Pflicht, die belästigten Arbeiter und die über dis in den Fabriken zu \<üßen. Der Redner berihtete sodann seien Ereignisse, wie sie aus der amtlichen Untersuchung klargestellt Kund und tadelte die Gendarmen, weil sie gegen Ausständige, die keine

fen veranstaltet hätten, vorgegangen seien. Das Gericht fester Ar Verantwortlichen feststellen und sein Urteil fällen, wenn ein in, Mhaltspunkt gegeben sein werde. Die Gendarmen seien nit Gendarm twehr gewesen. Bisher \><eine, daß der Quartiermeister der werden. erie einen {weren Fehler begangen habe; er werde verseßt Dem P28 gerihtlihe Verfahren wegen dieser Taten sei eingeleitet. dem Pf üfekten des Departements Seine et Oise, dem Unterpräfekten, geséofeneister der Kavallerie und dem der Gendarmerie, die nit vräsido, hätten, würden Belohnungen gegeben werden. Der Minister- Regie nt sagte s{ließlih, die Kammer möge wählen zwischen einer Und ivie die Reformen auf gesezmäßigem Wege einführen wolle,

E aufrührerishen Ausständigen. t

L einer Erwiderung der Jnterpellanten nahm Clemenceau tine Tagesordnung an, in der die Kammer ihr S die yfinden und ihr Vertrauen zur Regierung ausdrü>t und Diese Torshlag gebrachten gerihtlihen Maßnahmen genehmigt. genommag 0 nung wurde mit 429 gegen 63 Stimmen an- Dis Haus beraumte sodann die Besprehung der Jnter- S Gervais und Deschanel, betreffend Marokko, auf

d. M. an. Darauf wurde die Sißung geschlossen.

Das Rußland. S

onig und die Königin von England Haden d v . T. B ufolge, Geiteri abend nach 2 Bankett, T Uf der britis@ten Königsjaht „Victoria and Albert“ statt- verab L dem Kaiser Nikolaus und der Kaiserlichen Familie aud Viedet und Reval verlassen. Mit dem Königspaar ist dbgerei russische Botschafter in London Graf Benkendorff

In d Ftalien. s er Deputiertenkammer gab Ciat ekretär Li Auswärtigen Amt Pompili auf eine Anfrage stü ms über die Vorlegung von diplomatischen Shrift äufolg. über Marokko und den Balkan, „W. T. B.“ Le, nachstehende Erklärung ab: nôticOir die Zusammenstellung der Dokumente sei no< einige Zeit weni: Das Grünbuch über Marokko sei bereits fertig und würde in Ier E Tagen erscheinen können. An dem Grünbuch über Mazedonien Die d gearbeitet, es werde aber in kurzer Frift vorliegen können.

Pell dens

estern der Unter-

- Phase seknüpften Unterbandlungen sländen jeßt in einer entsheidenden

russi folge des Meinungsaustausches zwischen der englishen und li hen Negterung und ließen einen kleinen Aufs<hub der Veröffent- Ung ratsam erscheinen. \ Schweiz. ; . Der Nationalrat hat, „W. T. B.“ zufolge, beschlossen, in die Beratung des Geseßentwurfs, betreffend die Krank en- Und Unfallversicher ung, einzutreten.

Türkei,

Der Präsident des Senats von Samos, Sofulis, hat den Gesandten der Shußmächte eine neue, in dringender Sprache abgefaßte Denkschrift überreicht, die sih, wie die „Agence Havas“ meldet, gegen Ausschreitungen der türkishen Truppen, gegen die von dem Fürsten Kopassis Effendi begangene Ueberschrei- gung seiner Vollmachten und gegen die von s Fides nah Kar ovasi einberufene Versammlung richtet, die jeinem Vors gehen eine geseßlihe Unterlage geben solle. In Athen einge- Kangene Nachrichten schildern die Lage auf Samos, obiger

elle zufolge, als düster und berihten von Willkürakten der Provisorischen Behörden. Asien.

China und Japan revidieren zur Zeit die im Jahre De erlassenen zeitweiligen Bestimmungen für die Beförde- und 2 der japanischen Post auf den mit der japanischen B südmandschurischen Eisenbahn verbundenen cinesishen Tal inien. Zapan besteht, wie der „St. Petersburger verb aphenagentur“ gemeldet wird, darauf, daß ihm das Necht Ros be, die aus Peking nah Jnkau gehende Post mit eigenen nâgie tellt zu expedieren. China verweigert dies jedoch hart-

e Die Verhandlungen über die Beförderung der chine-

o auf den südmandshhurishen Bahnen haben no<h

n

en. Hafide Nachricht von dem feierlichen Einzuge Mul ay Tanger x4 Fes hat, wie die „Agence Havas” meldet, in nen Eindru> gemacht.

Statistik und Volkswirtschaft.

Su De Die Seeberufsgenossenschaft. 22. Genoffe is hat am 1. Juni die Seeberufsgenossenshaft ihre Lenofsenshaft haftsversammlung abgehalten. Die Seeberufs- enannten @, L9drt neben dem Knappschaftöverein zu den am meisten Laufe ih Irporationen dieser Art, und sie hat sih ihre Bedeutung er Wirkungszeit ni<t nur dur eine sorgsame Pflege der sondern vor allem au< dur ein großzügiges Tätigkei folhen Gebieten erworben, die no< nit zu debôren, Steitöbereih der Deruf9genosen|<häften im allgemeinen bre zur 2 i zum Beispiel die im Laufe der nächsten versiherun r Dur@führung gelangende Witwen- und Waisen- in der is 9 von der Seeberufsgenossenshaft bereits ins Leben gerufen berufsgenofa nten „Seekasse“. Eine bedeutende Rolle spielt die See- der Sigherf aft au< in der fortschreitenden Internationalisierung jun S ra o ar E Seeschiffahrt, And t n leßten Jahren gelungen ist, gerade in z aug 9 besonters mit England zu Vereinbarungen zu RveN Vio

en Int o j erefsen der deutshen Reederei Re<nung t i A e ein Verdienst der Seeberufégenossens<aft. eta der er Danziger Versammlung vorgelegten Bericht kann

Genoffen[Gaftsvorstand mit besondzrer Genugtuung auf die

Verständigung hinweisen, die hinsihtlih der Anerkennung der beider- seitigen Freibordvorschristen mit der englishen Regierung getroffen werden konnte. Infolge dieser Einigung hatte sh au< die Danziger Generalversammlung mit einer Abänderung der deuts<hen Vorschriften über den Fretbord für Dampfer und Segelschiffe zu beschäftigen. Die hier vorliegenden Anträge des Genossenschaftsvorstandes wurden in der vorges<lagenen Form genehmigt. Von welcher Bedeutung das oben erwähnte Abkommen sein ‘kann, das zeigen folgende Aus- führungen des Verwaltungsberihts: „Diese wertvolle freundschaftliche Einigung zwischen Deuts<land und England auf wirtschaftlichem Gebiete eine Entente, über deren Zustandekommen au< in Privatbriefen lebhafte Genugtuung zum Ausdru> gelangte läßt der Hoffnung Raum geben, daß nl etnigen Jahren eine einheitliche Tiefladelinie zwischen England ‘und Deutschland perfekt werden wird.“ Wie sehr die segensreihe Tätigkeit der Seeberufsgenofsenshaft au außerhalb der deutshen Grenzen ges<äßt wird, ergibt si daraus, daß au<h im vergangenen Jahre wieder eine Rethe ausl ändisher Regierungen und Kommissare der Dur(hführung der deutschen Seeunsallversiherung dur Entsendung von Vertretern oder Erbittung von Auskünften [lebhaftes nteress entgegengebra<t haben.

Zur Arbeiterbewegung.

n der Hanauer Edelmetallindustrie ist, wie die „Köln. B mitteilt, Le ae 1. Juli ablaufende Lohnvertrag auf ein weiteres

r verlängert worden.

G Dic Lepabeweäue der Steinarbeiter Mannheims ist, na< demselben Blatte, beendet. Die Unternehmer haben den am 31. März abgelaufenen Vertrag bis zum Januar verlängert.

Sn Rastatt ist, wie die „Köln. Ztg.“ erfährt, eine Lohnbewegung im Brauereigewerbe dur< den Abschluß eines neuen Tarif- vertrages beendet worden. Den Arbeitern werden Lohnerhöhungen von 1—4 4, je na< der Beschäftigungsart, eingeräumt. Auch in bezug auf die Arbeitszeit, Sonntagsruhe usw. sind den Arbeitern Zugeständnisse gemaht worden.

Der seit März in Lübe> währende Ausftand der Steinsetzer und Rammer ist, der „Köln. Ztg.“ zufolge, dur< die Annahme eines neuen Lohntarifs beendet worden.

Der in Paris tagende internationale Bergarbeiter- kongreß (vgl. Nr. 136 d. Bl.) beriet, wie „W. T. B.” berichtet, gestern vormittag die Verstaatlihung der _ Bergwerke, die von Jaushe> (Deutschland) und Jarolim (Oesterreich) unter- stüßzt wurde, während Sofenski (Deutschland) sie bekämpfte. Auß Choquet (Frankrei), QDesjardins (Belgien) und Gilmon (England) traten für die Verstaatlihung ein. Hierauf nahm der Kongreß cinstimmig (mit Ausnahme dcr polnischen Stimmen) die von Deutschland, Belgien und Frankreich E Resolutionen an, dur< wel<e die Verstaatlihung der ergweike unter völliger Gewährleistung des Koalitionsre<ts für die Arbeiter verlangt wird. Hierauf beriet der Kongreß die Frage der Altersversorgung. j

Eine Versammlung von Vertretern der Landarbeiter in

arma hat, laut Telegramm der „Köln. Ztg.“, einstimmig die Fork- egung des Ausstandes beschlossen. Die Getreideernte, die in acht Tagen beginnen foll, if {wer gefährdet. Alle Versuche, eine Einigung e eit Leben herbeizuführen, sind, wie „W. T. B.“ meldet,

eicheitert. de Fn Cartagena haben, wie „W.T.B." meldet, die Arbeiter- vereinigungen den allgemeinen Ausstand beschlossen.

Kunst und Wissenschaft.

Das Märk ische Museum in Berlin. 3

Mit einer \{li<ten, aber eindru>êvollen Feier is vorgestern am Köllnishen Park, gegenüber der Waisenbrü>ke, der Neubau des Mär- kishen Museums eröffnet und damit einer wertvollen Sammlung ein würdiges Heim und der Reich2hauptstadt cine weitere Sehenswürdtg- keit zuteil geworden. :

Die Sammlungen märkis<er Altertümer, die in den neuen Baulich- keiten untergebraht sind, wurden in wenig mehr als einem Menschen - alter zusammengebraht. Sie verdanken ihr Beisammensein in erster Linie dem unermüdlihen Sammeleifer des Stadtrats, Geheimrat Ern st Friedel, auf dessen Anregurgsich die städtischen Behörden im Jahre 1874

loffen, ein fultur- und naturges<i<tli<hes Museum zu begründen. riedel stellte für das neue Unternehmen nit nur seine eigene ret<- altige Privatsjammlung unentgeltiliß zur Verfügung, sondern ver- mehrte diese Stiftung no< fortgeseßt dur< wertvolle Neuerwerbungen. Die von ihm ins Leben gerufene Museumspflegschaft dehnte thre Sammeltätigkeit bald über die ganze Provinz Brandenburg aus. Aus städtis<en Mitteln flossen bis zum Jahre 1904 nur geringe Bet- bilfen; es wurden für Ankäufe jährli< nur 1000 4 in den Etat oeseßzt. Die S E, Gegenstände fanden zunä<hst in einem Raum des Rathauses ein notdürftiges Unterkommen, später wurde ibnen eine Zimmerreihe in dem von der Stadt angekauften ehemaligen Podewils\chen Palais in der Klosterstraße eingeräumt. Bald erstanden der Sammlung einflußreißhe Gönner. So überwies Seine Majestät Kaiser Wilhelm der Große dem Märkischen Museum eine Reihe vaterländisher Altertümer, die bisher tm S(loß Charlottenhof bei Potsdam aufbewahrt worden waren, Als die Räume im Podewils|<en Palais die stetig wahsende Sammlung nicht mehr zu fassen vermochten, fand diese vorübergehend im Köllnishen Rathause ein Heim, um \@ließli<h im städtischen Sparkafsengebäude in der Zimmerstraße unter- gebra<t zu werden. Inzwischen waren die städtischen Behörden einem Museumsbau näher getreten. Im Jahre 1892 wurde ein Preis- aus\creiben ¿zur Gewinnung von Bauplänen bekannt gegeben, aus dem der damalige Stadtbaumeister Möller als Sieger hervorging. Möller starb aber bald darauf, und da sein Entwurf vielfahem Widerspru< begegnet war, entwarf der neue Stadibaurat Ludwig Hoffmann einen neuen Bauplan, der den Beifall der zuständigen Behörden fand und nunmehr aus- geführt wurde. Hoffmann verzichtete bei seinem Bauplan auf ein cinheitlihes großes Museumsgebäude, verfolgte vielmehr die Absicht, in den einzelnen Gebäuden, aus denen si< das Museum ea pt die Baugeschichte der Provinz zur Anshauung zu bringen und zuglei die Einzelgebäude den Ausstellungsgegenständen, die in ihnen Aufstellung finden follten, harmonis< anzupassen. So ist ein Gebäudekomplex entstanden, der ni<t nur den Anforderungen entspricht, die man in jüngster Zeit mit Recht an einen fünstlerit< brauhbaren Museums8- bau stellt, sondern es entstanden zugleih arcitektonish überaus reizvolle Monumentalbauten von mannigfaltiger, den Gesamteindru> aber nirgend stôörender Architektur, die um so eindru>svoller wirkt, als das Museum in jenem Teil der RNeichshauptstadt seinen Platz ge- funden hat, in dem no< An e EA die Eigenart des mittelalter- lihen Kölln-Berlin erhalten ist.

3 Der Besucher findet das Museum inmitten freundlicher Park- anlagen, in denen der epheuumsponnene Wusterhausener Bär an alte Tage, und andere Bauteile an Eosander von Göthes und an Sglüters Bautätigkeit gemahnen. Am Haupt- eingang bält ein mähtiges Rolandbild die Wacht, eine genaue Nachbildung des Roland zu Brandenburg, gleich diesem das Haupt mit dem Büschel Donnerkraut ges<müd>t. Cine düstere Vor- halle nimmt den Eintretenden zunächst auf, von der man in das (rd- ges<oß wie in das Haupt- und Obergeschoß gelangen kann. Die große, grau gehaltene Haupthalle in gotishem Stil geht dur mehrere Sto>werke und enthält, für Neuerwerbungen Raum lassend, ¿: Z. alte Tauf- und Grabsteine, Saßladen und Truhen sowie ein reihgeshnißtes Sakramentshäuschen aus dem Wittstoer Dom. Im G Me elthoß, zu dem wenige Stufen hinabführen, befindet si< die reie, hronologis< und na< Typen geordnete vorges<i<tli<e Sammlung. -Sie enthält Funde von der ältesten diluvialen Steinzeit bis zur Zeit der Völkerwanderung. Unter den Funden seten die Reste des berühmten Königegrabes von Seddin, wobl des größten in Deutschland aufgede>ten Hünengrabes, erwähnt. An die Gegenstände aus der Zeit der Völkerwanderung {ließen si reiche Silberfunde aus der Wendenzcit, Im Hauptgeshoß hat die naturge]<i>tlide Sammlung, deren geologishe Abteilung besonders reichhaltig ift,

Aufstellung gefunden. Die folgenden Räume enthalten kulturges@i<tli wertvolle Gegenstände, u. a. eine reihe Sammlung von Erzeugnissen der Königlichen Eisengießerei; ein weiterer Saal ist der Statistik der Stadt Berlin gewidmet, weitere der Wissenshast und Literatur in der Mark; Theodor Fontanes Gedächtnis dient mit Fug ein eigener Raum. Das Obergeschoß enthält ein reihes kulturgeschi<tlihes Material aus Stadt und Land. Besondere Anziehungskraft dürften ein vollständig ausgestaitetes Spreewaldzimmer und ein Bieder- melerzimmer aus der Zeit um 1830 bieten. Auh das Ge- rihtszimmer enthält des Sehenswerten genug. Reich ist ferner die Sammlung von kir<li<hen Altertümern und Paraventen. Eine stimmungsvolle Kapelle birgt den Fehrbelliner Ho<h- altar und den Kelch, aus dem der Kurfürst Joachim 11. i. J. 1539 zum ersten Male, si< damit zur Reformation bekennend, da& Abendmahl nahm. Sehr anziehend ist au die Zimmerflucht, die die baulihe Entwi>klung Berlins etwa von 1650—1850 darstellt. Ein be- sonderer Saal ist dem Innungswesen gewidmet. JInnungszeichen und -Fahnen s{<mü>en die Wände; auf einer langen Tafel sind Innungs3- humpen und andere kostbare Schaustü>ke ausgestellt. In hohen gotischen nes präsentiert sih die Waffenhalle, ein s{li<ter Naum vereinigt Gebrauchsgegenstände für Fisherei und Handel.

Der ete der reihen Sammlungen wird gut tun, nahdenr er si diese selbst angesehen, auh dem äußeren Bau seine Aufmerk- famkeit zu senken. Ein gutes Stü>k vaterländisher Baugeschichte. wird da in harmonis< aneinandergegliederten Bildern vor ihm lebendig werden; Bilder, die im einzelnen wie in threr Vero bindung von dem architektonis<hen A des Erbauers Zeugnis ablegen. Es sei nur auf den ernsten gotischen Kapellenbau, den zierlihen, lihten gotis<:n Giebelbau und auf den vornehmen NRenaissancee:ker mit den Wappen märkischer Städte hin- gewiesen. Die Berliner könn:n jedenfalls Genugtuung darüber empfinden, daß die wertyollen märkishen Sammlungen endlih ein fo ansprechendes, künstlerishes Heim gefunden haben.

A. F. Die Juniversammlung der Vorderasiatishew Gesells<haft brahte einen Vortrag von Dr. Kluge „über die kunstges<hi<tli<e Stellung der Altertümer von Samsun“. Was über diese Aufsehen erregenden Funde bisher bekannt geworden, ist im wesentlihen einer Veröffentlihung des als Förderer der arhäologishen Fors<hung in Vorderasien rühmli< bekannten

Macridy - Bey zu danken. Unter dem Titel „VUnS- citadelle archaïque du Pont“ dieser Forscher die ersten Nachri%hten über eine dem ODirektorialadjunkten des- Ottomanischen Museums Halil Bey im Jahre 1906 geglüd>te Entde>kung. Bei einem Besuche von Samsun, einer 180 km östlih von Sinope am Schwarzen Meere gelegenen Stadt, fand Halil Bey- im Laden eines griehis<en Antiquitätenhändlers einige bemalte Ton- \<erben, die ihm auffielen und als deren Fundort eine Ak-alan ge-- nannte gebirgige Landschaft, etwa 18 km westsüdwestli<h von Samsun: entfernt, ermittelt wurde. Bei näherer Untersuchung ergab \i<, daf: im dichten Walde, etwa in der Mitte von a<t im Umkreise gelegenen Dörfern, die bedeutenden Reste einer aus Steinen aufgeführten Burg vorhanden waren. Innerhalb der uralten Ringmauer dieser Burg hatten Bauern der Umgegend schon seit längerer Zeit mehrfah Bruchstüke tönerner Gefäße und andere Scherben gefunden. Dieser Umstand und verschiedene weitere Anzeichen sprachen für die Annahme, daß hier einst eine größere Stadt gestanden und daß der Fundort deren Akropolis gewesen jein müsse. Wuns und Vorsaß lagen nahe, genauere Untersuhungen anzustellen. Diese sind im Laufe des leßten Jahres mit der aroße herzig gewährten materiellen Unterstüßung des Herrn Johannes Vühl- berg in Dresden ausgeführt worden und haben überraschende Erfolge geliefert. Fünfundzwanzig Tage waren nötig, um den Plaß von Bäumen und Siräuchern zu befreien. Er stellt einen hohen Hügel mit steilen Abhängen dar, der na< Süden den Flußlauf des Karadereh und nah Westen und Norden den seiner R beherrs<t, die s den linken Mündungsarm des Kurtun Irmak bilden. Dugänglich st der Plat somit nur von der Ostseite, wo sehr wahrscheinli die offene Stadt lag. Na< den zahlreichen, von der Oertlichkeit aufgenommenew Photographien zeigen die Böshurgen des Burghügels Mauerwerk, demjenigen von Tiryns und Mideia in Argolis sehr ähnli. Der Gipfel ist dur< eine natürliche Kette von Felsen gekrönt, die der Befestigung als Grundlage dienten, teils als natürliher Wall, teils als Mauerfundament. Umwallung hat die Gestalt eines un- T A Viere>s und mißt 275 m in der Länge auf dur- shnittli<h 50 m in der Breite. Die fast gleihmäßig 5 m hohen, rü>sihtli< der Böschung sich aber nur 3 m über die Basis erhebenden Mauern bestehen aus großen, unbehauenen Stein- blö>en, die Zwischenräume find mit kleinen Steinen gefüllt. Spuren einer auf diese Steinmauer aufgeseyt gewesenen vertikalen Mauer aus Luftziegeln, wie in Boghaz-Köt, haben fidp nicht gefunden. Eine überras<ende Cigentümlichkeit bildet die Ab- rundung der Mauervorsprünge. Da si hierfür eine besondere Ab- sicht der Erbauer niht erkennen läßt, lag der Grund wohl in der Schwierigkeit, mit unbehauenen Blö>ken eine sharfe Ecke herzustellen. Der bisher entde>te einzige Eingang befand \si<h auf der Südseite. iwishen zwei Paaren vorspringender Pylonen. Achnlih angelegt waren die beiden Kanalöffnungen im Osten und Norden. An der Ostseite sind die Fundamente eines kleinen re<htwinkligen Gebäudes- sichtbar. Da die ersten Scherbenfunde von den Bauern im Innern ber Umwallung an deren Westseite gema<ht worden waren, wurden an dieser Stelle Nachgrabungen angestellt, die eine beträchilihe Menge. von Bruchstü>en verschiedener Art und mehrfarbig gezterter Tongefäße sowte viele gebrannte Ziegel in verschiedenen Formen, u. a. auch in. NRinnenform, zutage förderten. Ausgrabungen in der Mitte der Ummallung bis zur Tiefe von 7 m brachten dagegen nur Gefäße \cerben sehr hohen Alters. Die merkwürdigsten Fundstü>ke sind in ihrem vertikalen Teil eigentümlih fries- und gesimsartig dekorierte Dachrinnen, ferner ornamentierte Simsplatten, jede mit 4 Löchern zun Zwe> der Befestigung dur Nägel versehen, und einfache Friesplatten ohne oberen Simsansat, gleihfalls mit Löchern versehen und mit sehr verschiedenen Ornamenten und Figuren geziert. Alle Figuren wie Orna- mente find in flahem Relief, die ganze Oberflähe der Platten ist mehrfarbig, vorherrshende Farben find rot, weiß und s{warz. Unter den Abzugrinnen sind eine größere und kleinere besonders bemerkens- wert dur die Reliefdarstellungen von je zwet arhais<en Löwen mit weit geöffneten Nachen an den beiden Seiten der Ausflußöffnung, die bei der größeren 8 cm im Durchschnitt zeigt und mit 16 cm ausladet. Die Simsplatten sind 274 cm-ho< und 60 ecm breit, fie zeigen inen Schmu> von zierlih ineinander geflohtenen Palmeiten und Knospen, LeBteTe an vier symmetris<h“ angeordneten Stellen erseßt dur< die vor- gedahten Nagellöher, in deren einem no< ein eiserner Nagel ge- funden wurde. Der re<twinklig ausladende Sims darüber weist abs wehselnd Mäander-, Za>en-, ovale, Kassetten» und einfache Linien auf. In der geringsten Zabl vertreten sind die einfahen Friesplatten ohne Simsansatz; aber sie sind besonders interessant, weil ihre leider kaum mehr als 25 cm an Höhe und Breite messenden, häufig au< viel kleineren Bruchstü>ke allerhand merkwürdige Darste ungen mehr erraten als erkennen lassen, u. a. einen knienden, die Löwen- haut umgebängt tragenden Herkules, der den Bogen spannt, einen unter der Lanze eines Reiters zu Boden gestre>ten Centauren, die Gestalt einer Amazone, einen rennenden Löwen und ähnliches: Alle diese Platten waren ersihtlih bestimmt, hölzerne Wände zu bekleiden, sehr wahrsheinli<h die eines Tempels. Die oden der Gul dieser

gab

auß-

Ergebnisse läßt auf zwei deutli geschiedene Epochen der Entstehung und Blüte des Playes \{ließen, E A eir eine fehr alte, rohe Scherben führende Schicht, die gleihaltrig shcint nitt der Er- ri<tung der Umfassungsmauern und dur eine erhebli< jüngere Kulturs<i<t , der alle übrigen zahlreichen Zeugnisse entftammen. Dr. Kluge hâlt dafür, daß die erste Epoche gleichzeitig ist mit der Blüte des Hethiter-Reiches um 1300 bis 1100, und daß die Hethiter: die Gründer von Stadt und Akropolis waren. Bezüglich der zweiten Epoche stimmt er Macridy Seh zu, daß fie kaum jünger sein kann als das se<ste Jahrhundert vor