1908 / 271 p. 9 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

(S@luß aus der Gríiten Beilage.)

Vom Zaunar bi { die Roheisenproduktion insgesamt 9866247 & S t 160 & in derselben Zeit 1907, das ist ein Rü>gang um eine Million oder etwas mehr als 10 0/0. Der Abg. ¿Pieper meinte, daß die Löhne infolge der Arbeits- losigkeit jeßt nicht wie 1901 gekürzt würden. Der Bochumer Verein, die N LathrinpilWen Stahlwerke, die westfälishen Ziegelei- besißer ust. haben Lohnkürzungen bis zu 10 und 15 ‘/o angekündigt. Kein Sozialdemokrat wird die Lohnsteigerung leugnen, die Gewerk-

aften sind ja stolz darauf, daß dur< ihre Tätigkeit die Lebenshaltunz der Arbeiter si< gehoben hat, aber die minimale hnerböhung feit 1900 hat mit der Verteuerung der Lebensmittel nit Schritt gehalten. hat der Direktor das Statistischen Amtes der Stadt Straßburg in amtlihen Untersuhungen festgestellt. Zur Jllustration der hohen sozialpolitishen Bedeutung der Gewerk- \Whaften führe i< an, daß der Metallarbeiterverband sür Rheinland- Westfalen im Jahre 1907 33 000, in den ersten drei Quartalen des Jahres 1908 aber 170 000 Arbeitslosenunterstüßung gezahlt bat. as tun dagegen die Bebörden? Es sind bloß Anweisungen zur Be- \{leunigung von fiskalishen Bauten u. dergl. gegeben. V ius erantwortung der Wirtschaftspolitik für die heutigen Buß h e will der Staatssekretär nihts wissen. Tatsache ist es a ¿is daß nah dem Inkcafttreten des neuen Zolltarifs eine je bon Industriezweigen zur Auswanderung gezwungen war und jon zur Brotlosmachung deutscher Arbeiter in nicht unbeträhtlihem nahe getragen bat. Und foll etwa eine Maßtegel wie die neue Dabals- euer den C:folg haben, die Arbeitsnot zu lindern ? Die preußische

- Beglerung hält enge Fühlung mit dem Zentralyerbande der deutschen Industriellen: aber sie sollte au< aus den Kreisen der Arbeiter fi Informationen verschaffen, um die Lage des Arbeitsmarktes zu beurteilen.

ir verlangen die öffentliche Organisation und die Zentralisierung Arbeitszachweise ; die private Stellenvermittlung der Aae organisationen muß auszes<haltet werden , sie sind keine Arbe E mhweise mehr, sondern Einrichtungen zur Führung des Kampfes er Abeitgeber cecen die Arbeiter. Das Kaiserliche Statistische Amt if in der Beurteilung des Staatssekretärs nit besonders gut weg- vekommen; er meinte, es kônne die Resultate einer Arbeitslosenstatiftik

T nit jo ras bearbeiten, daß die Resultate der Verarbeitung no< er Abhülfe der wirtschaftlihen Kalamität zugute kämen. Gegen diese Ausfassung muß ih das Statistishe Amt in Shuß nehmen. Der Staatssekretär erklärte ferner das Problem der Arbeitslosen- versiherung von Reichs wegen für undurhführbar. Dabei hat er nit bechtet, daß in Bayern diese Aufgabe zu [ôsen nit als Utopie be- trahtet wird, daß vielmehr dort bereits vor einigen Tagen auf amt-

lihe Veranlassung eine Konferenz zur Erörterung der Möglichkeit der

Schaffung einer fol@en Versicherung auf ftatistiser Grundlage statt- sefunden hat. Die Reichsregierung müßte die Frage do wenigstens udieren; aber au daran fehlt es.

des Innern Dr. von Bethmann

Staaissekretär Hollweg;:

Meine Herren! Der Herr Abg. Brejski hat vorhin hier erklärt, daß die große und beklagenswerte Katastrophe bei Hamm Shuld der Regierung sei. JI< muß entschieden Verwahrung dagegen einlegen, daß ein fo ernster Vorwurf hier von öffentlicher Tribüne in -das Land geschleudert wird, bevor die UntersuWung abgeschloffen ist

Meine Herren, der Herr Abg. Severing ift au< auf den Fall an l) _ zurüd>gekommen und hat Kritik geübt an Aeußerungen, die der preußisdje Herr Handelsminister gestern nah Zeitungsberihten an Ort und

u haben soll. Sol@e Nachrichten können mir, ohne den Stelle getan h ir, 0 Zeitungen irgendwie ¿u nahe treten zu wollen, selbstverständlich keine Unterlage bieten, um hier E D über diese Aeußerungen

d delsminifters einzutreten.

E e es sür empfehlenswert halten, wenn wir die Be- spreung dieser Seite der ganzen Frage vers@öben bis zu dem Tage, R der Herr Präsident die Es die dazu eingegangen

y agesordnung ge at.

) N der Herr Abg. Brejski hat im Zusammenhang mit diesen Ausführungen, denen ih eben entgegengetreten bin, gesagt, es wäre von mir zum mindesten schr unvorsihtig gewesen, daß ih tine Reichzarbeitslosenversicherung in einem Augenbli> abgelehnt bätte, in dem ein großer Teil der Arbeiterschaft dur dieses große Unglü@E in Erregung verseßt wäre. Meine Herren, das ist nicht un- vorsichtig von mir gewesen, sondern im Gegenteil es wäre unverant- worilih von mir gewesen, wenn ih einen solWen Momeni dazu benußt

tte, um den Plan einer Neichs-Arbeitslosenversi<erung in Aus-

t zu stellen, von deren praktischer Dur@hführbarkeit id gegzn- wärtig nit überzeugt bin. , Das wäre eine grobe Leichtfertigkeit bon mir. Meine Herren, i< habe gestern davon gesprochen, daß die Mz-lichkeit, eine allgemeine und obligatorische Reichsarbeiis-

senversierung einzuführen, gegenwärtig nit gegeben wäre, und an dieser Erklärung muß i festhalten. Wenn aber der

Abg. Severing eben meint, die Reichsregierung sollte do< wenigstens die Frage ftudieren, aber sie hätte si< an dieses Studium no< gar nit herangema<t, so ist dieser Vorwurf do wobl uncere@tfertigt. Die dreibändige große Publikation, die Auf Veranlassung des Reichsamts des Innern herau?gegeben ist über diese Frage, die Studien, die nah dieser Nihtung hin fortgeseßt Werden, die Aufmerksamkeit ih habe \<on gestern davon gespro#en mit der wir alles verfolgen, was auf diesem Gebiete geschieht, sollten der Gegenbewzis dafür scin, und ih möhte dem hinzufügen, ih mit der größten Genugtuung diejenigen Versuche verfolge, welche die Arbeiterorganisationen und die Kommunen teils gesondert, eils im Einverständnis mit einander ma<hen, um das Problem der Mbeitélosenversiherung der Lösung näher zu bringen. Den au ih D ih glaube, ic brauche das wohl nit auszuspreWen kann nur den dringenden Wuns haben, daß kein Mittel unversu@t bleibt, um Unheil zu lindern, das dur Arbeitslosig?eit über die Arbeiter ge- bracht wird.

Meine Herren, nun no< cine Bemerkung zu den Ausführungen des Herrn Abg. Gothein am gesirigen Tage- Der Herr Abg. Gothein hat der preußishen Eisenbahnverwaltung eine Sparsamukeitspolitik

erster Ordnung vorgeworfen. Meine Herren, wenn die preußische Eisenbahnverwaltung bet der Lage unserer Finanzen im all- einen sparsam rorzugeben bestrebt ift, so wird das nur begrüßt en können. In bezug auf die Bautätigkeit aber ist von etner

riamkeitspolitik der preußischen Eisenbahnverwaltung durhaus ni&t Rede, ita Gegenteil und im Gegensaß zu den Bemängelungen des

Herrn Abg. Gothein kann i< auh Heute nur konstatieren, daß die Eisenbahnverwaltung bestrebt ist, durh möglichst intensiven Betrieb der Bautätigkeit den Schäden der Arbeiislosigkeit abzuhelfen. Die Bestellungen an Schienen und eisernen Schwellen sind allerdings im Fahre 1907 größer gewesen als im laufenden Jahre. Das hat daran gelegen, daß im Jahre 1907 der Bau zweiter Gleise in außergewöhns lier Weise forciert werden mußte, um den Anforderungen des Be- triebes gere<t zu werden. Immerhin sind aber die Bestellungen für eiserne S@hwellen und Shienen in Preußen in diesem Jahre no< ein Er- kledŒlihes höher, als sie im Jahre 1906 vnd in den vorausgegangenen Jahren gewesen sind.

Wenn dann s<ließli< der Hzrr Abgeordnete Eothein gemeint hat, daß die 338 Millionen, wel@he für das l[aufezde Jahr na< meinen gestrigen Ausführungen von der Eisenbahnverwaltung für Bauzwe>ke au3geseßt seien, nit verausgabt würden, fo liegt au<h dem ein Irrtum zu Grunde. Es werden tatsähli< im laufenden Jahre 338 Millionen für die Bautätigkeit au8gegeben, während im Jahre vorher 994 Millionen und im Jahre 1906 205 Millionen ausgegeben wurden. Es ift also do< immer, namentli gegen ¡wei Jahre, eine Steigerung um mehr als die Hälfte.

Fh hoffe, daß die Herren sfi< au<h aus diesen Ausführungen überzeugen werden, daß, soweit es im Bereiche der Msgli(keit für die Reichs- und Betrieb8verwaltungen liegt, versucht wird, dur au?- gedehnte Gewährung von Arbeitsgelegenheit die gegenwärtige Krifis überwinden zu helfen. (Bravo!)

Abg. Be ker - Arnsberg (Zentr.): Au wir sind der Meinung, daß Gelegenheit zur Besprehung des Grubenunglüds bei der Interpellation sein wird. Die bisherige Diskussion hat eine Fülle von Anträgen und neuen Gedanken ergeben, unsere Interpellation hat alfo durchaus ihren Zwe> erfüllt. Insbesondere möchte i< au<h dem Staatssekretär meinen Dank dafür autsprehen, daß er uns einige Mitteilungen ema<t hat über Mafnahmen, die einzelne Regierungen getroffen übe um die Arhbeitslosigkeit einzudämmen. Eine Arbeitslosenstatistik brauchte ja nit jedes Jahr in demselben Umfange erhoben zu werden; wird sie zunächst einmal gründli< vorgenommen, so brauchte fie später nur ergänzt zu werden. L denfalls kommt bas Reich auf die Dauer an einer Arbeitslosenversiherung ni<t vorbei. J< bin nit der Meinung, daß wir \{<on in der nähsten Zeit an eine praktishe Reichs - Arbeitslosenversicherung herangehen können. Es felt dazu eben eine brauchbare Arbeit8losenstatistik; au manche anderen S<hwierigkeiten sind no< zu überwinden. Einer Neichs- Arbeitslosenversi@erung müßte au< vorangehen ein mözgli<st na< Berufen spezialisierter Nachweis, um den Arbeitélosen wenigstens Arbeitsgelegenheit nahweisen zu können. Dann tauht die Frage auf, ob die Arbeitslo‘enversiherung au<h bei Streiks und Aussperrungen praktiziert werden soll. Für den, der jeden Streik unter allen Um- ständen für Beretiar hält, ift die Frage sehr leiht zu lösen, ih bin aber ni<t der Meinung, daß der Streik immer berechtigt ist. Wir haben es {on oftmals erlebt, zum Beispiel in Bielefeld, daß Streiks aema<t worden find, um die Arbeiter aus der Arbeitsftätte zu bringen. Arbeitslose, die si weigern, in eine solche Arbeitsstätte zu gehen, können doc keine Unterstüßung bekommen. Wir werden schneller zu etner Reichs- Arbeitslosenversiherung kommen, wenn das Reichsamt des Innern im Sinne der von mir befürworteten Arbeitelosenftatistik tätig fein wollte. Die verlangte Statistik, wenn sie regelmäßig erhoben würde, ergäbe weifellos wertvolles Material für die Vorarbeit zu einer folhen Ver- E das Reichsamt des Innern sollte daher wenigsiens der

rage der statistishen oss dec Arbeitslosigkeit si< freundlicher gegenüberstellen. Wenn wir mit unserer Interpellation etwas früher aufgestanden {find als die Sozialdemokraten, so lag das daran, daß wir die Besprehung noch vor der Reichsfinanzreform erfolgen lassen wollten. Wenn die Sozialdemokraten darüber niht sehr erbaut sind, so is das verständlich, hattea sie do felbst auf ihrem Nürnberger Kongreß, der eine Wo@e dauerte, für sozialyolitische Diskussionen kaum einige Stunden übrig. Ihr Parteigenofse Kolbe hat es in den „Sozialistis<en Monatsheften*“ der fozialdemokratishen Fraktion {hon vor zwei Jahren vorgehalten, daß fie sozialpolitis< unfru<htbar sei. Daß der Freihandel nit das Allheilmittel ist, zeigt ja das Beispiel Englands, wo die Arbeitslosigkeit noh krafser ist als bei uns. Daß der Schußzioll nicht die Hôösen Wirkungen hat, die die Sozialdemokraten behaupten, ift ihnen ja au< von ihren eigenen

arteigenossen Schippel und Calwer vorgehalten worden ; Calwer rieb erst vor enigen Wochen in seiner „Arbeitsmarktkorrespondenz“ : Wenn Deuts<{land nur auf seine Industrie angewiesen wäre, so würde die wirtschaftlihe Depression viel umfangreiher und intensiver sein, als fie ist; der Bedarf an landwirtischaftlichen Arbeitern zur Erntezeit {wäche diese Intensität merklih ab; die Industrialisierung nehme in Deutschland überhaupt einen anderen Weg wie in Groß- britannien. Calwer und Schippel haben au< festgestellt, daß die Lebenshaltung der Arbeiterschaft si< gegen früher sehr gehoben habe und auch jeßt nit \{<le<ter geworden fei. an foll fi< überall vor Uebertreibungen mögli<st hüten, also au< hier aus\pre<hen, was ist, und in die Regierung dringen, möglichst alles zu tun, um Abhülfe zu hafen, sodann die Gewerkschaften ermuntern, in ihrer Arbeit nit zu erlahmen. Das ist die Aufgabe. Dann wird es gelingen, nicht nur die j-ige Krise, fondern alle solhe Krisen in ihrer ver- derblihen Wirkung abzus<wähen und \{ließli< zu überwinden.

Abg. Dr. Hahn (dkonf.): Dieselben Auseinandersezungen haben wir {on 1902 gehört, von denselben Kämpfern und mit denselben Argu- menten. If derselben Weise hat au damals der Abg. Molkenbuhr ausgeführt, daß mit einer Reichsaufwendung von zwei- bis dret- hundert Millionen die Arbeitslosenversiherung durchzuführen set. Das is sehr bequem. In Preußen bringt die Einkommensteuer 540 Millionen, die Ergänzungs|teuer 40 Millionen, also die direkten Steuern des größten Buvdesstaates wären nötig, um die Arbeits- losenversiherung durLzuführen. Daß wir darauf ni<t ein- gehen können, ist selbstverständlich. Jn klassisher Weise hat Graf Kanißz in einer Rede in seiner Heimat 1903 ausgeführt, daß dur< die Arbettslosenversiherung die Abwanderung vom Lande in die Stadt no< größer werden würde; jeßt nehme der Arbeiter immer no< auf dem Lande den geringeren Verdienst, aber die sichere Arbeitsgelegenheit bei der Arbeitslofenversiherung aber werde er erst re<t in die Stadt gehen, da bei der Arb:itslosigkeit der Staat für ihn sorgt, und er dann no< spazieren gehen könne, also in besserer Lage sti als auf dem Lande. Es ist deshalb mit Recht gesagt, daß die Arbeitslosenversiherung eine Prämie auf die SFaulbeit sei. Wir wünschen eine richtige Verteilung der Arbeitskräfte in Stadt und Land. Jet haben wir in den Industriebezirken Ueberfluß an Arbeitern und auf dem Lande Mangel daran. Wir -möSßten ferner den ylöglichen wiris{aftlihen Wechsel vermeiden. Bei der Hochforjunktur ist immer Na@frage na< Arbeitern, und dann vielleicht ein Jahr später ist Mangel an Arbeit8gelegenkeit. Calwer hat namentli in feinem But „Das Wirt- \aftéjahr 1906* darauf hingewiefen. Vor zwei Jahren hatten roir viel Arbeitsgelegenheit und ni&t genügend Menschen, jeht umgekehrt Mangel an Arbeitsgelegenheit und eine Fülle von Menschen,

das heißt nur in der Großstadt und_ in den Industriebezirkeu. Wie es in der Nähe der großen Stadt ausfieht, zeigte die „Tägliche Rundschau“, indem fle kürzlih \<rieb, der Magistats- berihterstaiter von Berlin teile mit, daß in Berlin Arbeits losigfeit herrshe, vor den Toren aber es an Arbeitskraft fehle, denn auf den Rieselgütern seien eine große Menge Rüben erfroren, weil die nötigen Arbeiter nit zu finden gewesen seien. Der Arbeitermangel „auf dem Lande verhindert seit Nbein die Grnte, vielfah sind die Kartoffeln erfroren, und dann wundern st< die Hausfrauen, wenn die Preise anziehen. Das 6 uit nürc für die oflihen Provinzen, sondern au<h für die westlichen zu. Der Abg. Molkenbuhr, der zwar einen so \{önen agrarishen Namen hat, behauptet, daß in der Forstwirtschaft Arbeitermangel herrsche, weil die Löhne so niedrig seien. In der Forst verwendet man viel- fah Maurer und Zimmerleute beim Abholzen; . wenn die Ländwirk- schaft Arbeitékräfte hätte, würde fle sie mit Vergnügen dazu ver- wenden; allerdings find die Löhne niedrig, weil im Winter der Aas so kurz ist. In der Volkswirtschaft gilt der Grunds saß, daß bei hohem Gewinn auch die Löhne hoh sind. Und nah der Zolipolitik von 1879 hat der frühere nationailiberale Abg. Möller anerkannt, daß infolge der größercu Rentabilität au die Whne gestiegen sind. Wenn die Landwirtschaft dauernd wieder rentabel sein würde, sodaß Meliorationen gemacht werden könnten, so würden wir im Winter allein für Meltorationen gEE Arbeiter beschäftigen können. Die Arbeitslosigkeit bei uns t unbedeutend gegenüber den anderen Ländern, namentli< gegen- über dem Freihandeleland England, und das verdanken wir unserer Schutzollpolitik. Gigentümlih malt si< die Welt in den Köpfen der Sozialdemokraten und Freisinnigen. Der Abg. Molkenbuhr erklärt die Arbeiislosigkeit in der Schiffahrt damit, daß man sih vou der Kolontalpolitik eine enorme Förderung von Handel und Schiff- fahrt versprochen und zuviel Schiffe gebaut habe, und daß infolgedessen im vorigen Sommer viele Schiffe still liegen mußten. Ich kenne die Hamburger und Bcemer Reedereien und kann versichern, daß das Stilliegen der Schiffe mit der Kolonialpolitik nichts zu tun hat, sondern mit der Weltwirtschaft, intbesondere mit der Lage in Amerika, dessen große Krise uns in Mitleidenschaft gezogen hat. Beim Frachtgeshäft ist au<h niht mehr der Verdieust vorhanden. (Zwischenruf des Abg. Erzberger.) Nein, Herr Erzberger, die politis<en erbältnisse haben feinen Einfluß gehabt. Allerdings ist das vors gekommen, wie beim Burenkrieg, aber die ostasiatishen Wirren haben ¿. B. gar nit auf Handel und Schiffahrt gewirkt. Ebenso find die maroklkanishen Wirren von der Börse durchaus nicht tragish ge- nommen worden. Wir verdanken es unserer zielbewußten Schußtzjoll- politik, wenn bei uns eine folhe Arbeitslosigkeit gar nicht eintreten kann wie in anderen Ländern, wie Amerika und England. Au der Abg. Stresemann machte sol<he Aeußerungen, die wir nur billigen können. Wenn er aber in einem Artikel von den Fanatikern des Bundes der Landwirte spricht und auf die Gutwi>lung zum Industriestaat hinweist, so erwidere i< ihm, daß zu einem Sndustriestaat immer ein Abnehmerstaat gehört. ollten wir nur Industriestaat sein, so könnten wir nicht auch Abnehmers staat sein. Und Fanatiker des Bundes der Landwirte hat es nie gegeben. Volkswirte sind wir, die von Roscher, S@moller und Wagner ausgebildet sind. Auch den Zolltarif haben wir ganz nüchtern beurteilt. Als die Industrien, die des genügenden Zoll- \<ußtes entbehrten, mit Petitionen oder ihre Vertreter persönli<h nah Berlin kamen, hat die N anftandslos die Industrie- zôlle erhöht; als wir nachher eine ausreihende Erhöhung des Schutzes für die Landwirtschaft forderten, wurde sie uns verweigert, weil die Handelsvertragsverhandlungen daran scheitern könnten. Das war nicht rihtig; denn Oestercei<h wie Rußland gegenüber war unsere Handelsbilanz in dieser Beziehung einc passive. Gs kann also gar keine Rede davon sein, daß wir Fanatiker des Agrarierbums sind, die mit aller Welt in Zollkrieg hätten geraten wollen. Auch hat ein großer Teil der Parteifreunde des Abg. Stresemann unsere T durchaus geteilt. Das sind so kleine Eterschalen, die nc< abgestreift werden müssen. Die Landwirtschaft muß mit der Industrie in jeder Beziehung au< auf dem Arbeitsmarkte konkurrieren können. Wenn die industrielle Konjunktur hoh geht, wandern der Landwirt- saft die Arbeiter ab, wenn es der Industrie \{<le<t geht, kommen fie zurü>. Statistishe Nachweise, die die Zentralstelle der deutschen Landwirtschaftskammern publiziert hat, zeigen eine völlige Identität der Kurve der Konjunktur und der Kurve der Zahl der Kontrakt« brüe. Das ist für uns Agrarier der \{lüssige Beweis, daß der Arbeitsmarkt auf dem platten Lande mit dem in den JIndustrie- e in engster Beziehung steht. Es wäre ja kurzsihtig und wider- nnig, der Industrie nicht die denkbar glänzendste Entwicklung zu gönnen; aber fie braucht, um zu florieren, vor allem eine kaufkräftige Landwirt- saft. Ater wir müssen wünschen, daß die Entwi>klung der Industrie nit so sprunghaft bleiben möchte, wie fie ist, und wogegen \i< Professor Hitze {on 1902 ausgesprohen hat. Wir fahen bei jedem wirtshaftlihen Aufshwung, wie die Großindustrie, der Groß- handel, die Großschiffahrt die wirtshafilihen Möglichkeiten vollkommen übershäßten. Wir auf der Nechten und ih sie ja au son seit 1894 auf der Rehten haben immer vor den Ueber- treibungen der Börse gewarnt und damit eine Pflicht erfüllt. Mau hat nicht auf uns gehört. Wir find nicht dabei stehen geblieben, wir haben gefordert, daß der Staatskommissar an der Berliner Börje endlih einmal detaillierte Berichte über die Tätigkeit der Hauts finance erfiatte, wir haben es bisher vergebli<h gefordert. Das Publikum sollte über dieses Treiben aufgeklärt und vor der Ve- teiligung an den Börsenspekulationen gewarnt werden. Vizes präsident Dr. Pa a \ < e: Die Börse hat do mit der Arbeitslofi,keit ni<ts zu tun.) H-rr Präsident, es ist mir sehr \{merzli<, in diesem Punkte von Ihrer Meinung, der i< mi sonst sehr ‘geri füge, abweichen zu müssen. Zwischen beiden besteht eine viel engere Verbindung, als es für unsere Interessen heilsam wäre : die Tätigkeit der Börse hat große deutshe Kapitalien na< Amerika gehen lassen, der amerikanis<e ZusammenbruGß hat uns in Mitleidenshaft gezogen, dadurh hat die deuts<he In- dustrie, haben die deutshen Arbeiter großen Sshaden gehabt Die Börse ist also für die Arbeitélosigkeit mitveraniwortlih. Wir haben ni<ts gegen den auswärtigen Handel, aber wir wollen eine Wirtschaftspolitik, die dahin strebt, das größte Maß von rentierlicher Arbeit auf allen Produktionsgebieten in Deutschland felbst stattfinden zu laffen; wir müssen uns in dieser Beziehung mehr auf uns felbst besinnen, auf das große Bismarkshe Programm des gleihmäßigen Schupes aller Arbeit. (Zuruf bei den Sozialdemokraten.) Sie danken ja niemand dafür, au<h keiner Regierurg, für Sie ist das E En, sind das nur Abslagszahlungen, Sie maden e arbeitenden Klassen nit darauf aufmerksam, daß zunächst Arbeits-

gelegenheit geshaffen werden muß dur Kapital und Fn

Zu Et ner Stadtbahn hörte % an E L

S 2 festlich geshmüdt war, einen Arbeiter zum

Os E: eAujust, fkicke mal, allens for unser

R iese Auffassung ist bezei<hnend, sie besagt, die

E er sind die Arbeitébienen, die anderen sind * die rohnen, und diese Auffassung is von Ihnen (zu den Sozial-

demokraten) den Arbeitern bei j gebroht. Von allem, Cine der Arbeiterwohblfab1t gesheben Von A Arbei n erungégeseßen, von der spontanen Tätigkeit der Großindustriellen iesem Gebiete lassen Sie ja nichts gelten. Da ift uns bhute