1842 / 28 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Grund, und der „Firebrand“ und der „Lightning“ mußten dort \o lange warten, bis der „Monkey“ von Woolwich anlangte, um den „Shearwater“ ans Schlepptau zu nehmen und wieder flott zu machen. Der „Monkey“ kehrte gestern wieder nah Woolwich

urúck, und die anderen drei Dampfschiffe gingen nach Ostende ab.

Man glaubt jeßt, daß der Königliche Gast und seine Begleiter sich auf den Dampfbödten einschiffen und daß diese nach England zu- rúckfehren werden, ohne die zu ihrem Geleit bestimmten Segel: schiffe abzuwarten ; die leßteren würden, des ungünstigen Wetters wegen, nur eine Köni liche Salve im Kanal abfeuern und sich sodann nach ihren Häfen zurückbegeben. Die beiden Pagen der Königin Victoria, welche sich an Bord des „Firebrand“ eingeschifft J um Sr. Majestät dem Könige von Preußen aufzuwarten, ind die Herren Françóis Monasson und Cullen. Da dieses Dampfschiff außerordentlich schnell fährt, so glaubt man, daß die Ueberfahrt höchstens 22 Stunden dauern werde, Der Gouver- neur des Greenwich-Hospitals, Admiral Stopford, hat gestern das Programm über die Ceremonien publizirt, welche bei der Lan- dung Sr. Majestät stattfinden werden. Ein Theil davon ist schon aus früheren Mittheilungen bekannt. Sobald der König auf der Mitte des großen Plakes vor dem Greenwich-Hospital anlangt, werden die Änvaliden Allerhöchstdemselben auf ein von dem Lieu- tenant Rivers zu gebendes Zeichen ein dreimaliges Lebehoch brin- en, in welches die Zöglinge der mit dem Hospital verbundenen Schule einsftimmen werden. Die aus Königlichen Marine-Trup- pen bestehende Ehren-Garde wird, mit der Front nach der Themse gefehrt, auf dem Viereck aufgestellt seyn, und der kommandirende Offizier wird dieselbe, unter klingendem Spiel, die Fahne vor Sr. Majestät senken lassen und Allerhdchstdenselben mit den anderen Ublichen Ehrenbezeigungen empfangen. Auf die Terrasse an der Themse und den daran skoßenden Weg wird Niemand zugelassen werden als die Begleiter des Königs, die Britischen Minister, das diplomatische Corps und die Beamten des Greenwich-Hospi- tals, Die Barke des Gouverneurs und die der Admiralität wer- den bemannt und mit vollen Segeln vor dem Landungsplaße lie: gen. Der Gouverneur und Lieutenant Rose werden den König nah der fúr Se. Majestät bereit stehenden Staatskutsche geleiten. Dem Vernehmen nach wird der König mit dem Prinzen Albrecht von Greenwich Über New-Croß, Camberwell, Kennington, Vaux- hall:Bridge und durch den Hyde-Park nach der Station der gro- ßen wesilichen Eisenbahn zu Paddington fahren und sih dann auf dieser mit einem besonderen Zuge nah Windsor begeben.

Die Königin und Prinz Albrecht machen fleißig die Runde durch die Sâàle und Zimmer des Windsor-Schlosses, um die Überall angeordneten Veränderungen und Verschdnerungen zu besichtigen.

Wegen des schlechten Wetters wird die beabsichtigte Revue im Park shwerlich stattfinden und demnach auch fein Abmarsch von Regimentern aus der Umgegend von London nah Windsor beordert werden, indem sih die Revue auf die Königliche Garde- Kavallerie und das Regiment Hochländer beschränken soll. Das 1ste Regiment Garde - Jnfanterie, dessen Oberst der Herzog von Wellington is, wird am Morgen des Tauftages auf der großen westlichen Eisenbahn zu Windsor anlangen, um den Tag über den Dienst als Ehrengarde zu versehen, und am Abend auf der Ei- senbahn nach London zurückehren. Am Tage nach der Taufe findet die Weihe der neuen Fahnen des Hochländer - Regiments statt, worauf der Herzog von Wellington sie im Beiseyn der Kb- nigin, des ganzen Hofes und sämmtlicher hohen Gäste dem Regi- mente übergeben wird.

Die große Aufregung, welche das Aeg der Wahl eines Professors der Poesie an der Universität Oxford wegen der Konkurrenz zwischen einem Puseyiten und einem Anti-Puseyiten verursacht hatte, ist nun vorüber. Nach mehreren Versammlun- gen der Freunde beider Kandidaten, um die Stärke des Anhangs von Beiden zu ermitteln, wurde von dem Comité des Herrn Williams, des Puseyiten, beschlossen, daß dieser sich zurückziehe solle, und da nun fein anderer Gegner des Herrn Garbett wei ter auftrat, so wird dieser den erledigten Lehrstuhl erhalten. Jene Beschluß wurde ersk gestern früh gefaßt, und der Vice-Kanzl vird unverzüglich eine Anzeige davon erlassen. Es geht da Gerücht, daß Herr Garbett fast um ein Drittel Stimmen me túr sich gehabt haben würde, als Herr Williams; man berechnet nämlich fúr jenen 921 und fúr diesen 623 Stimmen. Wäre e zu einer Abstimmung gekommen, so würden viele Geistliche und

andere Mitglieder der Convocation, die dazu nach Oxford hâtten |

fommen müssen, große Ungelegenheiten und Kosten gehabt haben.

Die bei dem Kaffeehandel hauptsächlich betheiligten Kaufleute haben die Absicht, eine Adresse an die Regierung zu richten, um eine Ermäßigung des Kaffeezolles zu erlangen, Jn der Adresse wird auseinandergeseßt, daß eine Verminderung des Zolles nicht nur dem Handel Vortheil bringen, sondern auch die Zoll-Einnahme erhbhen, ja, daß diese sich verdoppeln werde, wenn man den Zoll von 1 Sh. auf 6 Pce. herabseße. Uebrigens wollen sich die Bitt- steller nicht bei dieser Herabseßung, wenigstens nicht für den Kaffee aus den Britischen Besißungen, begnügen, sondern sie schlagen vor, den Zoll für Britischen Plantagen: Kaffee auf 3 Pce. fúr das Pfund, für Kaffee, der aus den Besißungen der Ostindischen Kom- pagnie eingeführt wird, auf 47 Pce. für das Pfund und fúr di- reft aus fremden Kolonieen eingeführten fremden Kaffee auf 74 Pee. für das Pfund festzuseßen.

Bor dem Gerichtshofe der Queen?s Bench ist von Seiten des Grafen E, der bei der lekten Pairs - Kreirung am 13, August v. J. vom Baron zum Grafen befördert wurde, ein Pro- zeß gegen einen Geistlichen, Namens Cleveland, anhängig gemacht worden, der sich, wenn auch nicht als der Verfasser, so doch als Vertreter eines am 27. August im Mornin erald enthalte- nen Briefes ergOen Haden \oll, in welchem ber raf der Entfú :

rung eines jungen Mädchens gus Clifton, in der Nähe von Bri stol, beschuldigt wurde, deren Mutter vor G orben fi soll, Gegen diesen mit „Junius“ unterzeich LON rief ließ G Graf ein Schreiben an den Morning He n i L Ls Blätter einrúcken, in welchem ersteres Biatt n die Londoner den Verfasser jenes Briefes zu nennen, und ZUngtsorvent wurde, wiederte, daß dazu feine Veranlassung sey, weil, de z Her als er: Briefes gemäß, eben so gut ein anderer Pair én pee N Dos noch ein zweites Schreiben, in welchem der Graf seyn könne, seßte, weshalb er den Brief auf sich beziehen müsse An dnder tember erhielt er darauf einen mit dem Postzeichen „G . Sep versehenen, „Philo: Junius“ unterzeichneten, im rae * arge chimpfenden Brief. Jn Folge desselben ließ Graf Fi ba e b n der Nähe von Grantham Nachforschungen anstellen welch den Pfarrer von Blakstone, in der Grafschaft Lincoln Buren Cleveland, als Verfasser dieses Briefes, hinleiteten. Leßterer nug, wie erwähnt, von dem Grafen von der Queen's : worden, und die Verhandlungen des Prozesses werden so mehr Aufsehen erregen, da schon vor ein paar Jahren einmal, der Brúder des Grafen sich veranlaßt fand, einen Es t “Beur” T S rader de! Al auszu vie, die e der e aufs schonungsloseste besprochen worden waren,

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cten, in eley, welcher der Graf

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Sir R. Peel hat die drei Hauptredner, welche in der un- längst zu Buy gehaltenen Versammlung der Kaufleute und Fa- brifanten der inneren Grafschaften gegen die Korngeseße das Wort führten, aus Nottingham und Leicester zu sich nach London einladen lassen, wo sie vor kurzem eine lange Unterredung mit ihm hatten. Sie, schilderten dem Premier-Minister die schreckliche Lage der arbeitenden Klassen, und einer derselben, Herr Cripps, eiv zu Nottingham ansássiger großer Fabrikant aus Nord-Amerika, seßte ihm die verderblichen Wirkungen der auf- und absteigenden Skala der Kornzólle auseinander, Der Minister hörte sie sehr aufmerk: sam an, gab aber feine Versprechungen. Man folgert jedoch aus seiner Einladung, daß er die Nothwendigkeit einsede, dem allge- meinen Andringen in etwas nachgeben und wenigstens eine theil: weise Abänderung der Korngeseße bewilligen zu mússen. j Z Jn der leßten Versammlung des Repeal:Vereins zu Dublin Übergab O'Connell wieder einen Beitrag fúr die Zwecke des Ver- eins von 100 Pfd. St. aus Albany und von 20 Pfd. St. aus New - York mit einem Begleitschreiben, worin die Jrländer zur Fortsehung ihres Kampfes gegen England ermuntert und ihnen mehr Unterstüßung, als sie erwarteten, von Seiten der Vereinigten Staaten versprochen wurde.

Die Hof-Zeitung vom 18ten enthält einen Geheimeraths- Befehl, welcher den Geheimeraths - Befehl vom 10, Mai 1837, wegen der Zusaß-Zölle und Abgaben von Portugiesischen Schiffen u r auf denselben in England eingeführten Waaren, wieder aufdedt.

Der Standard enthält ein Schreiben avs Hull vom 12, Januar, worin aus amtlichen Quellen nachgewiesen wird, daß der Handel der wichtigsten Erzeugnisse der Grafschaften Lancashire und VYorkshire während der Jahre 1839, 1840 und 1841 immer zugenommen habe.

Jn einer Versammlung des hochländischen landwirthschaftlichen Vereins, welche am 11. Januar in Edinburg gehalten wurde, wurde Herrn W. Watson aus London für seinen Versuch úber die Mittel und die Vortheile, das A S M in diesem Lande einheimish zu machen, eine goldene Medaille verwilligt.

Dem Vernehmen nach, hat die Mehrheit in dem Comité der Jnhaber von Fonds der ehemaligen Spanischen Kolonieen in Amerika beschlossen, die schon erwähnten Vorschläge der Mexika- nischen Regierung anzunehmen, jedoch unter der Bedingung, daß, wenn die vier ersten fällig werdenden Dividenden nicht regelmä- ßig bezahlt würden, die Fonds-Jnhaber berechtigt seyn sollten, ihre Ansprüche auf die beiden Jahres-:Zinsen, auf welche zu verzichten sie sich anheischig machen sollen, wieder geltend zu machen,

Die Morning Chronicle erzählt, Ludwig Philipp habe dem Prâsidenten der Vereinigten Staaten einen eigenhändigen Brief geschrieben, in welchem er ihm und durch ihn dem Ameri- kanischen Volke für die freundliche Aufnahme danke, welche seinem Sans dem Prinzen von Joinville, in den Vereinigten Staaten zu Theil geworden.

Bei der leßten Ankunft des Dampfschiffes „Columbia“ zu Boston, in den Nord - Amerikanischen Staaten, wurden von den dortigen Zoll-Beamten mehrere P chen, welche dies Dampfschiff mitgebracht hatte, mit Beschlag belegt , indem dieselben nichts als einzelne Privatbriefe enthielten und man auf diese Weise das von den einzelnen Briefen zu erlegende Porto zu umgehen gesucht hatte. Die Briefe sind jeßt nah England zurückgeschickt worden, damit gegen die, welche diese Defraudation unternommen haben, gerichtlich eingeschritten werde. Da das Porto von Großbrita- nien nah Nord-Amerika fúr jeden Brief unter einer halben Unze Gewicht von 2 Sh. 2 Pce. auf 1 Sh. heruntergeseßt worden ist, so hâtte man einen solchen Unterschleif um so weniger ver- muthen sollen.

Das Schiff „Lady Combermere“, welches vorgestern von Afrika in Liverpool angekommen is, hat neuere Nachrichten von der Niger-Expedition mitgebracht, Es verließ Bonny am 16. Oktober und Fernando Po am 26sten. Die Dampfböte „Albrecht“ und „Sudan“ befanden sich damals zu Clarence auf Fernando Po, von wo sie auf der Rükehr aus dem Niger angelangt waren; sie wollten sich nah der Jnsel Ascension begeben, um dort neue

| Mannschaft aufzunehmen. An Bord beider Schiffe war fask Al:

les franf, und am 25. Oftober war Capitain Bird Allen gestor- ben; der Commandeur, Capitain Trotter, befand sih noch wohl. Man sieht näheren Details entgegen. 9

Der Gesandte von Venezuela hat Befehl erhalten, in London gegen die Beseßung der Mündung des Orinoco durch die Eng: länder zu protestiren.

Niederlande.

Aus dem Haag, 23. Jan. Das Journal de la Haye meldet: „Gestern is Herr von Wegner, Kammerherr des regie: renden Großherzogs von Sachsen-Weimar, von Sr. Majestät dem Könige in einer Audienz empfangen worden, Herr von Wegner war beauftragt, im Namen seines Souverains und für den As Karl Alexander August Johann, Erbgroßherzog, um die Hand ZJhrer Königl. Hoheit der Prinzessin Sophie der Nie- derlande anzuhalten. Bei dieser Gelegenheit war großes Diner bei Hofe.“ (Se. Königl. Hoheit der Erbgroßherzos ist am 24. Juni 1818 und Jhre Königl. Hoheit die Prinzessin Sophie am 8, April 1824 geboren.)

Belgien.

Brüssel, 24. Jan. Der König ist wieder in Schloß Lae- fen angekommen.

Osteude, 22. Jan. Seit gestern Mittag ist Alles in Be- wegung. Die Vorbereitungen am „Firebrand“ zum Empfange der Königl. Gâste waren erst um 3 Uhr beendet, wo der König Leopold Wagen abschickte, um Se. Majestät den König von Preußen nah dem Hafen zu fahren. Das Gefolge des Kd- nigs war schon am Bord, wo die Englischen Marine-Offiziere Se.

ajestât erwarteten. Der Empfang ging mit der größten Feler- lichfeit vor sich. Truppen mit Musik standen, unter dem Befehle des Kommandanten, am Landungsplaße, Der „Firebrand“

fas die Englische, die Preußishe und die Belgische

lagge gehißt; nicht weit davon lag der „Lightning.“ Der

ónig von Preußen, der in Civil - Kleidung war, wurde

von Lord Hardwicke, dem Bevollmächtigten der Königin, begrüßt. Die Kanonen der Wälle feuerten, die Musik spielte God save the Queen und die Brabançonne. Bald darauf er- \chien Kdnig Leopold und bestieg den „Firebrand“, wo er von Kö- Ta Fle: Wilhelm empfangen wurde. Die beiden Monarchen drückten herzlich die Hand und sprachen einige Augenblicke usammen; worauf der Kdnig von Preußen sich zu den Begleitern at Königs Leopold wendete, Die ße der Wälle feuerten wo für 14 Personen ged war, Kbuig Leopotd verteß darauf mi

._ Kön old verließ darau

denselben Ceremonien das Schiff, indem beide Monarchen herzli- 1 zur

chen Abschied nahmen, Abfahrt gegeben, Die Menschenmasse auf den Quais Lab elten

schönen Anblick, Auf beiden Dampfbdten wurde Brillantfeuer angezundet und 48 Kanonenschüsse abgefeuert. Ein anderes Eng- lisches Schiff, das auf der Rhede liegt und den og -von Ko: r erwartet, antwortete durch eben so viele üffe, Vom Walle wurde ebenfalls gefeuert. Bald darauf kam der Herzog von Koburg an, der ersk heute (und nicht wie neulich gemeldet wurde, am 20sen) nach London abreisk, Es scheint entschieden, daß Se. Majestät der König von Preußen über Ostende auch zurúckfommt, und man hofft, daß Se, Majestät sich in Brüssel einen Tag aufhalten wer :

Dánemark.

Kopenhagen, 21. Jan. (Alton. Merk.) Orla Lehmann's T vor dem Höchskengericht is entschieden. Er d „des Ver- uchs, Haß und Unwillen gegen Dänemarks Verfassung und die Weise, wie unsere Könige ihre Macht geübt, verbreitet zu haben“, angeklagt, zu dreimonatlichem Gefängniß verurtheilt worden. Die- er Ausfall seiner Sache in lebter Jastanz sedene den Leuten hier chst unerwartet gekommen zu seyn wozu das Ungewohnte der Gefängnißstrafe wegen politischer Anschuldigungen gewiß das Sei- nige eben so fe beiträgt, als der Umstand, daß diese Strafe att: den Liebling so Mancher zuerst trifft. Und doch werden iele sich gewiß selbst sagen, daß eine Geldbuße, wenn auch von 500 Rbthlr. wegen dessen, wofür Lehmann in Anspruch genom- men, feine Strafe war und um so weniger als eine solche be: trachtet werden konnte, als die Gelder schon bekanntermaßen vorher von Anderen zusammengeschossen waren. Lehmann

selbst bemerkte hinsichtlich des Hof: und Stadtgerichts - Ur-

theils in seiner Desfension: „Jh bin für etwas verurtheilt, wegen dessen ich nicht angeklagt bin, und wofür ich wae t bin, wegen dessen bin ih nicht verurtheilt,“ Er nannte sein Verfah- ren durchaus loyal und stellte am Ende seines vollständigen Plai- doyers, in welchem seine Rednergaben im glänzendsten Lichte er- sechbienen und Zuhdrer und Richter in gleichem Grade fesselten, seinen Antrag auf gänzliche Freisprehung und Verurtheilung des Oeffentlichen in die Prozeßkosten. Der General - Fiskal erklärte sich gleichfalls mit dem Urtheil ersker Jnstanz nicht zufrieden, weil er die erkannte Geldbuße nicht „für eine ernste und strenge Strafe“, worauf er angetragen, ansehen könne, weshalb er verlangte, das Erkenntniß mdge dahin verändert werden, „daß der Angeklagte für sein vermessenes und höchst gesezwidriges Verhalten mit einer passenden förperlichen Strafe angesehen und schuldig erkannt werde, die Kosten der Action zu erstatten.“ Das Urtheil lautet nun auf dreimonatliches Gefängniß und Ersaß der Prozeßko- sten, und, wie wir hôren, wünscht Lehmann selbst, unverzüg- lich auf dem Rathhause seine Gefangenschaft anzutreten, wo ein sehr angemessenes Lokal zu seinem Aufenthalt bestimme ist, Ob dann der Stánde-Saal der Ort seines Wirkens werden wird, muß die Zeit lehren. Sein Knieschaden hat sich vor kurzem durch einen Fall wieder erneuert und man weiß nicht, wie bald das Uebel geheilt werden wird, wahrscheinlich wird also das Gefan- gen-Zimmer für ihn ein Kranfken-Zimmer werden. Daß übrigens einfaches Gefängniß die Koinpetenz als Bürger-Repräsentant und Stände - Deputirten nicht afficirt, wird von der ihm befreun- deten Presse bestimmt behauptet. Die Theilnahme des Publi- fums an dem Ausfall seiner Sache war ungemein groß. An dem Tage, wo er seine Vertheidigung hielt, war nicht nur im Gerichts-Zimmer der Naum für die Zuhdrer zum Erdrüen voll, sondern auch durch den Vorsaal war nicht hindurch zu kommen. Die Gânge, Treppen bis zum Ausgange nach der Straße, alles war mit Menschen angefüllt und ein großer Theil derselben geleitete seinen Wagen unter lauten Beifalls - Bezeigun- gen nach seiner Wohnung. Gestern, wo das Urtheil abgegeben werden sollte, wobei er, seiner ften nd wegen, nicht zugegen war, hatte sich eine noch größere Menschenmenge eingefunden, und ein großer Theil derselben »oa, als das Urtheil bekannt geworden, abermals nah Lehmann’s Wohnung und brachte ihm da, wie Foedrelandet sagt: „ein donnerndes Hoch, das zu verhin- dern die Polizei einen fleinen verunglúckten Versuch machte, worauf sie sich nah dem Plate vor der Amalienburg begaben und dort ein dreimal wiederholtes „Orla Lehmann lebe!“ ausbrachten. Gestern Abend spät war ein gewaltiges Gewoge auf den Gassen, und um 104 Uhr soll ihm abermals ein Hoch gebracht seyn, das minder friedlich als das frühere abgelaufen zu Son scheint.

Kopeuhagen, 21. Jan. Heute ist hier folgende Bekannt- machung der Polizei erschienen: „Die an den beiden leßten Ta- en vorgefallenen Straßen - Unordnungen, zu deren Hemmung die Aa enbiits der óffentlichen Macht erforderlich gewesen ist, da andere mildere Mittel sich als fruchtlos erwiesen, veranlassen die Polizei, in Bezug auf frühere Verordnungen und namentlich auf das Polizei-Plakat vom 24, Mai 1840 gegen Auflauf und Aeuße- rung von Privat - Meinungen auf öffentlicher Straße, hiermit ernstlih Alle und Jede zu warnen, daß sie sich nicht irgendwo einfinden oder aufhalten, wo Straßen-Aufläufe stattfinden, indem Gewalt gebraucht werden wird gegen diejenigen, die sich nicht so- fort bei der Aulferderns entfernen und sich Jeder die daraus entstehenden Folgen selbst beizumessen haben wird,

Holsteinishe Blätter bringen folgende Uebersicht der Bevölkerung der drei Herzogthümer: L

Herzogthum Holstein... ...,::: 455,093 435,336

«U chle sw ig euer oto 348,526 337,378 « Lauenburg (1810)... 45,342 31,936 Summa 848,961 804,650

Deutsche Bundesstaaten.

Dresden, 25. Jan. Heute gab der Großbritanische Ge- sandte, Herr F. R. Forbes, zur Feier der Taufe des Prinzen von Wales eine große Soiree, welche der König und die König- liche Familie durch ihre Gegenwart d ph Der ganze hohe Adel, die hohe Geistlichkeit beider Konfessionen, nebst den boffäbi: gen Beamten waren in Uniform anwesend, Alles war aufs glän: endste eingerihtet. Die Einrichtung und Ausschmúckung der immer ließ nichts zu wünschen übrig; auf dem Balkon brann- ten drei Gaspyramiden.

Múünchen, 23. Jan, Dem am 21. Januar stattgefunde- nen Leichenbegängniß des Erzbischofs von Bamber Been der Bischof von Würzburg mit s it t des dortigen Domkapi- tels, das Domkapitel der Erzdidzese Bamberg, der Regierungs- Prásident von Stenglein, die Civil: und Militair-Behörden, Offizier-Corps, Magistrat und Gemeinde - Bevollmächtigte, die Stadt-Geistlichkeit, der protestantische Stadtpfarrer und en: Vorstand, der Rabbiner der Jscaelitishen Gemeinde, der Han- dels-Vorstand, die E I aaen und Schulen 1. bei,

um

Trauerwagen ben 24 Pfarrgeistlihe, die den Sarg in die Metropolitan-Kirche trugen, Jn den Straßen waren alle Kauf: - lâden geschlossen,

Der Bischof von Geißel is von Berlin zttrúck in Speyer eingetroffen.

- Karlsruhe, 21. Jan. (Karlsr. Z.) Die heutige Sihung weiten Kammer begann damit, nete Landfried von Heidelberg durch den vorsi

ice:Prâfidenten Bekk beeid Ministeriums des Jnnern, Großherzogl. Re den drei von der Kammer als Kandidaten zu Gewählten, den Abgeordneten Bek k al Da hierdurch die Wa

daß der neu eingetretene Ab- den ersten râsident des eiherr von Rúdt, ein t verlas, wona e. Königl. Hoheit unter r Prásidentenwúrde s Práâsidenten der Kammer hl eines ersten Vice: Prà- emacht wurde, so wird sofort dieselbe vor- eordnete Bader, der bisher die Stelle atte, mit 47 Stimmen ie 5 úbrigen Stimmen

Durch die Wahl des râsidenten wurde eine

wurde, worauf der

bestätigt haben, 4 sidenten nothwendig genommen und de eines zweiten Vice- unter 52 Votanten zum ersken gewählt. elen auf den Abgeordneten von bgeordneten Bader zum ersken :

« zroeite Wahl nothwendig, um ihn in der bisher bekleideten Stelle als zweiter Vice-Präsident zu erse und das Ergebni

denten bekleidet

Sie wurde alsbald vor- eordnete Trefurt ur eine Stimme erhielt der Abgeordnete von Jh stein; drei weitere Stim- indem die Abgeordneten Merk, Regenauer,

war, daß der Ab

ommen, e Majorität erhielt.

mit 25 Stimmen die

men wurden verworfen, Welker jeder eine erhielten.

Desterreich.

4 Prag, 16. Jan. Mit großem Bedauern bemerkt man die vor einigen Tagen begonnenen Vorkehrungen zur Abtr des Thurmes am Altstädter Rathhause. bisherigen Stadtzierde, das im ödchst merkwürdige Uhrwerk, die vielen interessanten müdcken, insbesondere aber die sich daran fnúpften, efúhrt, den vor 3 Jahren begonnenen n der Art auszuführen, daß dieser Thurm, wie bisher, die Ee des Gebäudes bilden und beibehalten werden sollte, Leider aber soll die Hinwegräumung der am Untertheile desselben befindlich und mit dem Hauptbau vereinigt laden und derselben bedeckenden verhängnißvollen Eck- Brúcke mit dem Blutgerúske verbunden f welchem die zahlreichen Opfer des Jahres 1621 Vorsicht ausgeführt worden seyn. uern erschútterten den ganzen des Einsturzes nicht länger ver- so empfindlicher, da mit dem daran stoßende herrliche Haupt: Portal des und der Rathssaal, an deren Junern und artistischen Jn- Hoffentlich wird die ländischen Museums die Gelegenheit nicht unlih von diesen Ueberresken einer glanzvollen ukunft zu bewahren.

(A. Z) Die hier versammelte Landtags- fleißig Sißungen ; jedoch verlautet selten etwas dlungen und Beschlüssen. daß die Umgestaltung oder Verbesserung der Kriminal: Gerichts- e in Ungarn fortwährend auf dem Tapet is, und daß der der Todesstrafe bei dem nächsten er Deputation vorläufig a Wenn sich aber die Leipziger Allgemeine aus Pesth unterm 26. Dezember so ganz definitiv schreiben läßt: „Jn Ungarn ist die Todesstrafe abgeschafft worden !‘“’ welche Nach: richt auch in viele andere Deu ich bemerken, daß die Sache no

ndliche , bereits 41490 erbaute h Gegenstände, welche das Aeußere {ch wichtigen historischen Erin hatten zu dem Beschlusse

Umbau unseres Rathhauses

nerungen, welche

gewesenen Kram: Gallerie

welche durch eine

nicht mit der nöthigen erdurch beschädigten Grundma hurm der Art, daß die Gefahr fannt wurde. Der Verlust ist um Thurme zugleich das es, dann die Kapelle egenstände von hohem historischen teresse haften, abgetragen werden müss

Gesellschaft un versäumen, so viel t Vergangenheit der

seres vater

Pesth, 1 Deputation hâlt

von ihren Verhan So viel i

trag, die gänzliche Aufhebun Landtage vorzuschlagen, von die men wurde,

tsche Blätter überging, so muß sehr weit im Felde is, Der der Deputation kommt erst an alle Komitate des Lan- erathung; diese ertheilen dann ihren Landtags-Deputir- ten, je nachdem ihre Beschlüsse ausfallen, Instructionen pro oder contra. Hierauf kommt die Bill zum L im Sommer 1843 erbffnet wird, chen hat, und wenn nicht bei den naten große Modificationen und zuleßt ist die der Bill Geseßes das Schicksal des Antrage

andtag, der fúrzestens erst Tafeln durchzuma- Ständen, doch bei den Mag: ine Verwerfung erleiden Königliche Sanction erforderlich, um. Man sieht, wie zweifelhaft

wo sie beide oder gar e

t zu verleihen. B rae’ iod

Griechenland.

Die Allgemeine Zeitung berichtet: „Ueber die Lösung rage ist vor kurzem allen Kabinetten der chte eine den Gegenstand erschöpfende Aus- tgetheilt worden, die, aus der Feder eines der größten Staatsmänner unseres Jahrhunderts geflossen, neue Gelegenheit bot, die Umsicht, die Úberlegene Erfahrung und die hervorragende Erkenntniß des weltgeschichtlichen Zusammenhangs unserer Zeit Diese Ausarbeitung, welche die Lage des Orients und dessen Verhältnisse zu Neu- Griechenland auseinanderlegt, die Griechischen Zustände dann insbesondere erdrtert und mit den Vorschlägen hinsichtlih seiner künftigen Konstituirung und inneren der Stellung, die dem neu ent- dnigreich im Europäischen Staaten-Verein angewiesen hat die Anerkennung bereits mehrerer Kabinette ge-

der Griechische

arbeitung mi zu bewundern.

Verwaltung, #0 wie hinsichtli sey, ließt,

Vereinigte Staaten von Nord: Amerika.

Der neue Gouverneur von Kanada, Sir Charles Bagott, war am 29. Dezember in New-York ange- fommen, auch Lord Morpeth war dahin zurückgekehrt.

Die Einfuhr der Vereinigten Staaten hat in dem Finanz- Jahre, welches mit dem 30, September 1840—1841 abschließt, 124 Millionen Dollars, die Ausfuhr nur 121 Millionen an Werth

New-York, 2. Jan.

roßer Grausamkeit fort ;

er Krieg in Florida währt mit äuser der Kolonisten an

die Jndianer zúnden fortwährend die und haben vier ganze Familien niedergemekßelt.

achrichten aus Tampico vom (1. es dort, Santana wolle mit allen seinen Truppen gegen Texas marschiren. Die Mexikanische Regierung hat alle Einfuhr roher und gesponnener Baumwolle verboten. Konfiszirte Baumwollen: Waaren sollen dffentlich verbrannt werden.

A

Inland. (Aach. Ztg.) Gestern Aben

ezember zufolge, hieß

Aachen, 24. Jan, hier noch die erfreuliche Nachricht eing an der Englischen smus empfangen worden ist. Gesandte am Bundestage,

der König glückli landet und daselbst

u xcellenz der

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herr von Bülow, i gestern Abend von Offende hier angekommen | hier mit einem gleichen Akt der Wohlthätigkeit vorbereitete, als

und nach kurzem Aufenthalte nah Frankfurt a, M. weiter gereist,

Köln, 19. Jan, Ein Korrespondent der Augsburger Allgemeinen Zeitung meldet derselben Über den Fortgang des Dombau-Vereins: „Sie denken kaum in der weiteren Ferne,

welchen allgemeinen Anklang die Jdee des Aufbaues und der |

Vollendung des Doms hier findet. Freilich die Nähe des erha-

benen Werkes, zu dem kein nur noch Einem Gefühl von Religion |

und Kunst zugängliches Gemüth ungerührt und ungehoben em-

porblicken kann, das unmittelbare Anschauen desselben wirkt bese- |

ligend auf jenen Gedanken ein. Die Begeisterung ist bis zur That gereift, Sie wissen, daß das Statut des Dombau-Vereins vom Ähnige bestätigt worden ist und Se. Majestät das Protek- torat desselben angenommen hat. Der Verein, dessen Mitglied Jedermaun durch eine geringe Beisteuer werden kann, wird die Sache auf die mannigfachste Weise angreifen und durch kleine und große Mittel, auch das Geringste gern anerkennend, das Ziel zu erreichen streben, an welchen Zeitpunkt man in der That ohne inneres Auf-

jauchzen nicht denken fann. Eine Haupt-Aufgabe wird er darein | seben, in allen größeren Städten des Gesammt-Vaterlandes Dom- au-Vereine nach seinem Vuster zu bilden und in inniger Verbin- dung mit ihnen zu wirken. Schon sind dieselben in mehreren Rheinstädten, wie in Koblenz, im Begriff, sich zu konstituiren, Am 15, Februar wird der Dombau-Verein seine Wirksamkeit beginnen. Die Miktglieder versammeln sich Morgens im Dom, wo ein feier- liches Amt gehalten wird die würdigste Einführung in die Be- stimmung des Vereins. Nach dem Gottesdienste begeben sich | sämmtliche Mitglieder in großem Zuge vom Dom nach dem Gür- zenich, in dessen weitem Saale alsdann die Wahlen stattfinden

und die nöthigen Beschlüsse gefaßt werden.“ j

Münster, 21. Jan. Verschiedenheit der Grundsäße und | Ideen verhindert oft, daß der wohlverdiente Staats-Beamte selbsk | bei erfolggekrônten Mühen und Anstrengungen der Anerkennung seiner Zeitgenossen sich zu erfreuen habe, und am öftersten wird

er einen weiteren Lohn fr Aufopferung seiner Kräfte, als welchen seine Vorgeseßten ihm gewähren können, dann nur im eigenen Bewußtseyn finden müssen, wenn die Art seiner Wirksamkeit un- vermeidlich machte, mancherlei Jnteressen entgegen zu treten. Jn solchem Falle is der feierliche Ausdruck ehrender Anerkennung, wie

wohlthuend für den Gefeierten, so ehrend für die Feiernden. Von jener | Art aber war 1819 das Unternehmen in der Rhein-Provinz und in der | Provinz Westphalen ein Grundsteuer- Kataster auf eine zusammen: | hângende parzellare Vermessung und Abschäßung von beiläufig 14 | L y j | der Leßteren mit einander, und zu Verhandlungen úber die Auf- begründen, dessen obere Leitung von 1819 bis 1821 dem Ober- | Prásidenten, Grafen zu Solms-Laubach in Köln, und nach dessen | Tode von 1821 bis 1834, dem Ober - Präsidenten Freiherrn von | Vine in Münster als Kommissarien des Finanz - Ministeriums | anvertraut war, und welches zuerst scine Sanction durch die von

des Hochseligen Königs Majestät dd, Karlsbad, den 20, Juli 1821

Millionen einzelner Grundbesißungen und 800 Quadratmeilen zu

erlassene Kabinets-Ordre erhielt.

Als technischer Rath und General-Jnspektor fungirte bei dem großartigen Werke der dermalige Ober-Regierungs-Rath Rolshau- sen in Köln, Der Umsicht, unermüdlichen Thätigkeit, Energie und eisernen Konsequenz desselben war es ganz vorzüglich zu ver- danken, daß unter manchen Schwierigkeiten das Werk im Jahre 1834 zur erwünsHten Vollendung gebracht wurde. Verfasser von | Instructionen, welche die Arbeiten systematisch in Stadien zer- | theilten, deren eines dem anderen, von verschiedenen Personen jedes ausgeführt, zur Prúfung und Berichtigung dienen mußte, war er | selbst aller Orten auf dem großen Naume gegenwärtig und thätig, | aufmerfsam und einwirkfsam, um eine fonsequente Ausführung | nach dem System zu sichern, die mühsam zusammengestellten Re- sultate den Vertretern der betheiligten Grundeigenthúmer erfklä- | rend vorzulegen und umsichtig dahin zu wirken, daß das für recht Erkannte dem besonderen Jnteresse nicht irgendwo weichen mußte.

Das große Verdienst dieses Beamten um das Werk, von des Hochseligen Königs Majestät durch Beförderung und Aus- eichnung gelohnt, vermochten am gründlichsten seine zahlreichen

itarbeiter zu würdigen, und von diesen, seit 1834 in verschie-

dene Lebensberufe und nach verschiedenen Himmelsgegenden zer: | streut, vereinigten sich, gegen die Neige eines Viertel : Jahrhun- |

derts seit dem ersten Schritte zu gemeinschaftlichem Wirken, etwa 400, denen persdnlihhe Verehrer hinzutraten, um dem Ober - Regierungs - Rath Rolshausen ihrerseits ein Zeichen ih- res dankbaren Anerkenntnisses seiner umsichtigen , erfolgrei- chen und in aller Hinsicht hochverdienstlichen Geschäfts - Lei- tung darzubringen. Dieses Zeichen bestand zunächst in des

Sohn in Düsseldorf, welches am 7. November 1840 ihm durch eine Deputation Úberreiht wurde, während jeder Theilnehmer

cine von Dircks in Düsseldorf trefflich ausgeführte Lithographie | desselben erhielt, und dann in einem am 1, Januar d. J. über: | reichten, von dem Hof- Juwelier Aug. Kramer in Köln gearbeite- |

ten, mit Emblemen, welche auf die bedeutungsvollsten Momente in der Wirksamkeit des Gefeierten sich beziehen, geschmackvoll ge- zierten, silbernen, vergoldeten Pokal, wovon eine denselben in sei:

nen Haupt-Ansichten, in natürlicher Größe darstellende Lithogra- | phie von D. Levy-Elfan in Köln, jedem Theilnehmer gewidmet |

wurde: beide Gaben für immer werthvolle Kunstwerke,

Posen, 24. Jan. (Pos. Ztg.) Die kürzlich erfolgte Ent- |

deckung eines Braunkohlenlagers bei Wronke, im Samterschen Kreise hat auch die Grundbesißer im Birnbaumer Kreise zur n-

heren Untersuchung über die Erdbeschaffenheit ihres Bodens ange- | regt. Man hat in Folge dessen mehrere Kalk- und Torflager, je- | doch nur von unbedeutendem Umfange, ferner ein Braunkohlen- | lager auf dem zum Gute Prusim gehörigen Vorwerk „Grüne | Tanne“ entdeckt, dessen Benußung, wenn sich sonst nur der ange- |

messene Umfang dieser Entdeckung bestätigt, insofern von Erheb- lichkeit seyn dúrfte, als das Lager unmittelbar an der Warthe be-

legen is. Auch in der Gegend von Kosten hat man bei Bearbei- |

tung der Torflager nicht unbedeutende Fortschritte gemacht.

am 10ten d. M. unter der Leitung des gefeierten Komponisten im Konzert - Saale des Königlichen Schauspielhauses stattfand, hat der Kasse der Erwerbschulen, welcher die Hälfte des Reiner- i gütigst bestimmt worden war, eine Einnahme von 282 Rthlr. 5 Sgr. Cour., 80 Rthlr. in Friedrichsd?or und 1 Dukaten ver- mittelt. Jndem wir diese unserem Juftitute zu Theil gewordene Zuwendung zur dffentlichen Kenntniß bringen, danken wir von ganzem Herzen allen den A Gesangskünstlern und Künst- lerinnen, welche das schône Unternehmen mit ihren Talenten un- terstúßten, insbesondere aber dem Herrn Komponisten und Diri- genten selbst, welcher einst, im Jahre 1829 sein Scheiden von

der ist, mit welchem er uns jeßt seine erfreuliche Rückehr vers

| Fündet hat.

Berlin, den 21. Januar 1842, Direction der Erwerbschulen,

T A S T

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Revidirter Entwurf der Straf-Prozeß-Ordnung für die Preußishen Staaten, nebst Motiven, Berlin 1841, 8,

Vor kurzem is von dem Königlichen Justiz-Ministerium für die Geseß-Revision der revidirte Entwurf der Straf-Prozeß-Ord- nung für die Preußischen Staaten vorgelegt worden. Bei dem allgemeinen Jnteresse, welches das Fortschreiten der Strafrechts- Pflege gewährt, möge eine kurze Uebersicht des Entwurfs, mit Hervorhebung der wichtigsten Abweichungen von dem gegenwär- tigen Verfahren hier Plaß finden, 4

Das Verfahren in Strafsachen ist nah dem Entwurfe (FF. 1, 2) ein dreifaches *):

ein Kriminal-Verfahren, wenn die zur Untersuchung ge- zogene That mit Todesstrafe, Freiheitsstrafe über vier Jahre, Cassation oder Landes-Verweisung,

ein fiskalishes Verfahren, wenn die That mit Freiheits- Strafe über sechs Wochen, Amts-Entsezung, Degradation, Verlust gewerblicher oder Ehren - Rechte, Orts- oder Be- zirks-Verweisung, oder Geldbuße über funfzig Thaler, aus- \chließlich des Konfiskats,

ein Rúge-Verfahren, wenn die That mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Wochen oder mit Geldbuße bis zu funfzig Thalern, ausschließlich des Konfiskats, bedrohet ift.

Die Untersuchung und Entscheidung in Rügesachen is gegen Eximirte den Obergerichten, gegen Nicht-Eximirte den Untergerich: ten úÚberwiesen, in fisfalishen und Kriminal-:Sachen aber die bis: herige Verfassung beibehalten, wonach die Entscheidung bei den wichtigeren Verbrechen sowohl gegen Eximirte, als gegen Nicht- Eximirte den Obergerichten zusteht, und nur ausnahmsweise die Entscheidung bei minder wichtigen Verbrechen der Nicht-Eximirten den follegialischen Untergerichten Überlassen ist. (FF. 10. 15.)

Jn Kriminal- und fiskalischen Untersuchungen sollen zum Schluß- Verhbre, zum Verhöre und zur Verhandlung über den Widerruf eines gerichtlich abgelegten Geständnisses, zur Confron- tation des Angeschuldigten mit Mitschuldigen oder Zeugen oder

nahme des Beweises und insonderheit Über die Vernehmung der Zeugen außer dem Richter und dem Protokollführer jedesmal ein zweites Gerichts-Mitglied oder ein Referendarius, oder in deren Ermangelung zwei ehrenhafte, des öffentlichen Vertrauens würdige Máânner als Gerichts - Beisißer zugezogen werden. . (F. 26 sg.) ?) Zur Abfassung des Erkenntnisses in ersker Jnstanz sind im Kri: minal-Verfahren wenigstens fúnf, im fisfalischen Verfahren min- destens drei und im Rüge-Verfahren bei kollegialischen Gerichten ebenfalls drei Richter erforderlich, bei anderen Untergerichten ges núgt im Rüge - Verfahren ein Richter; in zweiter Jnskanz muß das erfennende Gericht im Kriminal: Verfahren mit mindestens sieben, im fisfalischen mit wenigstens fünf, im Rüge - Verfahren mit mindestens drei Richtern beseßt seyn. (FF. 34, 35) *),

Das Untersuchungs-Verfahren is rein inquisitorish; ein An: flage- Prozeß findet nicht statt; das Jnftitut eines dffentlichen Ministeriums is weder nothwendig noch nüßlich erachtet. i

I, Besondere Vorschriften für das Kriminal:Ver:- fahren.

Der förmlichen Einleitung der Untersuchung muß eine vor-

| bereitende (General -) Untersuchung voraufgehen, und nur dann,

wenn durch diese ein hinreichender Verdacht der That gegen eine bestimmte Person ermittelt worden, fann die Haupt-Untersuchung erdffnet werden, wozu eine bestimmte Verfügung erforderlich iff uo N der Regel auch die Verhaftung erfolgt. (F. 83, (U, 1/“ .

Ein vollständiger Beweis wird nur durch gerichtliches : stándniß, Augenschein, Urfunden L Age AONY Be: glaubwürdige Zeugen geführt (FF. 252— 269), doch kann die ge- seßliche Strafe auch ohne einen solchen vollständigen Beweis er- kannt werden, wenn für die Schuld vollkommen Úberzeugende Gründe vorhanden sind und nah dem gewöhnlichen Laufe der

| Dinge Mi bedeutender Grund fúr dae Gegentheil nicht denkbar ; f do ] ev | is], mehrere Anzeigen zusammentreffen, die dur ana Gefeierten eigenem Bildnisse, in Oel gemalt von Professor | | ; gen i sen, die durch Gegengründe

nicht entkräâftet sind, und der Angeschuldigte eine Person if, von welcher man die Begehung des Verbrechens erwarten fann; inz dessen darf in einem solchen Falle niemals auf Todes- oder lebenv- wierige Freiheitsstrafe erkannt werden (FF. 270, 276). Die bis- herige Theorie von außerordentlichen Strafen ist aufgegeben wor- den, weil Vernunft und Recht sie gleich verwerflich erscheinen

') Die bisherige Geseßgebung fennt gleichfalls ein drei: hes Verfahren: R M 1) ein Kriminal - Verfahren in allen Fällen, in welch t die beiden folgenden Verfahren eintreten ; Mee Mst dit

2) ein fisfalisches Verfahren bei Contraventionen gegen die Finan: und Polizei - Gesehe, bei Defraudationen dfentlicher Kassen und Gefälle, bei Widerseßlichkeiten gegen Beamte , bei Dienft - Ver gehen der Beamten, wenn die Strafe die Dienst-Entsezung nicht übersteigt , bei Jniurien , bei welchen eine Verwundung ‘erfolgt ist, oder welche gegen Personen höheren Standes begangen find, so wie bei allen Vergehen, worauf geseßlich hdôchstens eine Geld oder sechsmonatliche Gefängnißstrafe bestimmt if ;

3) ein abgekürztes Untersuchungs-Verfahren bei geringeren Verge- hungen, deren Strafe in einem Verweise, einer mäßigen körper- lichen Züchtigung - einer Geldstrafe von hôchstens 50 Thalern oder einer Gefängnißstrafe von hdchstens 4 Wochen bestehen würde (Anhang $. 253 zur Allg, Ger.-Ord. und Allh. Kab.-Ordre vom 24. März 1841. Jahrbücher Bd. 57, S. 283).

?) Nach der bisherigen Verfassung iff in Kriminalsachen das

| Gericht durch eine Gerichts - Person und einen Protokollführer oder | tin Ermangelung des Leßteren zwei Gerichts-Beisizer gehdrig beseht ;

Die Aufführung des vom Königlichen Kapellmeister Herrn | in fiskalischen Sachen bedarf es nicht einmal des Protokollführers.

Dr. Felix Meudelssohn komponirten Oratoriums „Paulus“, welche |

__°) Veber die Zahl der Richter bei Abfassung der Erkenntnisse in Strafsachen enthalten die bestehenden Geseße keine ausreichende Vor- schriften. Für die Kriminal - und fiskalischen Sachen sînd Bestim- mungen darüber nur in sofern vorhanden, daß nichtkollegialische Gez richte hôchstens auf eine vierwdchentliche Gefängnififtrafe oder 50 Nthlr. Geldstrafe erfennen können. Bei kollegialischen Gerichten müsscn an jun Urtheile, auch in dem abgekürzten Verfahren, drei Richter Theil nehmen. __ H) Es is ein großer Mangel der bestehenden Gesehgebung, daß sie die vorläufige Untersuchung mit der Haupt-Untersuchung vermischt und kein bestimmtes Dekret über die Erdfnung der leßteren erfordert. Der revidirte Entwurf nähert fh dem gemeinen Rechte, welches nah vollendeter General-Jnauifition eine bestimmte Verfügung zur Ecdff« nung der Spezial-Fnquisition erfordert,