1842 / 54 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

wetteifernde Fabrikanten umgewandelt und hätten aufgehört, auf ihre Getraide - Ausfuhr nach England großes Gewicht zu ea Der Redner bestritt es, daß die A>erbau:Jnteressen irgend beson: dere Opfer gebracht hätten ; sie bedúrsten also um so weniger des Schutzes, da die Grundsteuer gar nicht im entsprechenden Ver- hältnisse zu dem Steigen der Preise des Grund und Bodens er- höht worden sey. : i i ]

Herr Ferrand hielt eine heftige Rede gegen den Anti- Korngeseb - Verein und schloß mit einem Aufrufe an die Grund- besiger, welche, wie er vertraue, die arbeitenden Klassen unterstüßen würden,

Auf Herrn Clay's Antrag wurde alsdann die Debatte vertagk.

London, 16. Febr. Ueber die Chartistische Bewegung n Portugal áußert sich der ministerielle Standard folgendermaßen: „Porcugal ist abermals von einem jener Anarchie: Anfälle heimge- sucht worden, die seit der Revolution von 1820 periodisch wieder- gekehrt sind. Das \chlimmste Symptom is, daß, obgleich die Krankheit in Portugal wie in Spanien jeßt fast elne Ge- neration erschópft hat, ihr Ende no< so fern als jemals scheint. Die nördlichen Provinzen sind in offener Rebellion

egen die Regierung der Königin, und die Truppen haben

d ziemli allgemein den Jusurgenten angeschlossen. Wir wollen uns nicht rühmen, daß wir den Zwe> der Znsurrection begriffen; ihr nächster Vorwand war, die Königin von dem Zwange zu befreien, der angeblich von schlechten Rathgebern gegen Zhre Majestät ausgeúbt wurde; es scheint nun aber, daß sie sich jeßt in einem Zustande verlajjener Freiheit, ohne Rathgeber und ohne Freunde, befindet. Schauspiele der Art, wie sie die gegenwärtige Lage der beiden Reiche der Halbinsel darbietet, sind traurige Leh ren fúr die Freiheitsfreunde, Eigennüßige und verderbte Agitato- ren waren stets und úberall die Vorläufer der Tyrannei,“

Die Anzabl der zur Verstärkung der Flotte nah China be- simmten und zum Theil bereits dahin abgesegelten Kriegsschisfe wird auf 15 und die Anzahl ihrer Kanonen auf 360 angegeben.

Durch das hiesige General-Post-Amt sind während der leßten vier Wochen 5,429,071 Briefe befördert worden; während des entsprechenden Zeitraums im Jahre 1839, also vor Einführung des Penny-Porto’s, betrug die Zahl nur 1,543,375.

Lord Elgin ist an Sir C. Metcalfe?s Stelle zum Gouverneur von Jamaika ernannt worden. :

Borgestern hat der Vice-Admiral Owen zu Portsmouth seine Flagge an Bord des Dreide>ers „Queen“ aufgepflanzt, auf wel: chem er in vierzehn Tagen nach dem Mittelmeere abgehen wird, um das Kommando der dortigen Flotte zu Übernehmen,

Die Fregatte „Warspite“, an deren Bord Lord Ashburton sich befindet, liegt wegen der widrigen Winde noch auf der Rhede von Yarmouth.

Der Bericht der zur Untersuchung des Schaßkammerschein- Betrugs niedergeseßten Kommission wird als durchaus günstig fúr die unschuldigen Jnhaber gefälschter Scheine betrachtet. Nach- dem der Betrug als die Folge einer Nachlässigkeit der Regierung und ihrer vertrauten Agenten anerkannt war, zweifelte man nicht, daß die erstere die Folgen verantworten musse, und die Verdffent- lihung des Kommissions-Berichts bestatigt diese Vorausseßung.

Dr. Burnes spricht in einem Schreiben an die Literary Gazette, die auf ein Schreiben seines Schwagers, des Majors Holland in Bombay, gesiüßte Hoffnung aus, daß sein Bruder Älerander Burnes nicht in Kabul getödtet worden, sondern ent- fommen sey, und sich bei den Kussilbaschis, welche Freunde von Dost Mohamed seyen, in sicherem Verste> befinde

" Das neue Juwelen-Amt im Tower is jeßt völlig eingerichtet, und die noch im Gewahrsam der Herren Rundell und Bridge befindlichen Kron- Juwelen sollen in kurzem dorthin zurü>gebracht

werden.

5 London, 15. Febr. Es geht leider mit den vom Mi- nisterium vorgeschlagenen Veränderungen in dem Getraide-Geseße, wie mit allen Konzessionen, die zu spát fommen, daß sie nicht be- friedigen. Hâtte man einen solchen Vorschlag vor 3—4 Jahren gemacht, als Villiers flehentlich bat, man möchte doch nur eine Kommission niederseßzen und anhdren, was die Fabrikanten gegen das bestehende Geseß einzuwenden hätten, er wäre mit rauschenden Danksagungen aufgenommen worden, Jeßt will man nichts da- von wissen. Der Sohn verlange Brod, heißt es, und man biete ibm einen Stein. Die Herabsezung des Tarifs sey nur ein Schattenspiel mit einer Abgabe von 20, 18, ja 15 oder 12 Shillingen ließe sich gar kein Weizen einführen. Die Preise müßten also die Höhe erreichen, wobei, wie die Erfahrung gelehrt, der Fabrifant nicht bestehen fönne, ehe nur an eine Einfuhr zu denfen wäre; und dann würden, mit einigem Fallen in den Preisen, sogleih die Háfen wieder geschlossen. An eine regelmäßige Getraide - Einfuhr und einen daraus zu er- wartenden Austausch von Fabrik - Erzeugnissen sey dabei gar nicht zu denfen ; vielmehr stehe zu erwarten, daß vor wie nach die Ein- fuhr ru>weise stattfinden und zum Verderben des Handels und aller Gewerbe mit baarem Gelde erlangt werden müsse. Die Gutsherren hätten sich verschworen, auf Kosten der arbeitenden Klassen ihre Einkünfte ungeschmälert zu erhalten, und es sey von einem Parlamente, wo diese das Uebergewicht âtten, und von einer Regierung , die nur desen Organ, keine Hülfe zu erwarten. Man müùise also sich selbst zu helfen suchen und fürs erste auf-

hôren, Steuern zu entrichten.

In diesem < inne siúrmte man in dem Konvent während der zwei Tage, wo solcher no< nach der Erdffaung des Regies rungs-Planes versammelt war; und stúrmt man in fast allen Theilen des Landes , besonders in den Fabrik - Gegenden. Zu Manchester haben die Frauen der Mitglieder der Änti-corn-law- league, mit Mistreß Cobden an der Spiße, bekanntli einen Ba- zar zur Förderung des Planes der Männer erdfffnet, Sobald diese Damen die Nachricht erhielte ; t

> Jieiten , daß die Regierung bei der wandelbaren Skala beharre, beschlossen sie, das Beispiel s siven Widerstand zu geben und zu diesem a L Zu pas: fallen lajjen zu wollen, daß man ihren Hausrath für E ge- wegnehme, und zweitens, sich in ihren Familien \o e teuern immer thunlich, aller unmittelbar besteuerten Gegenständ wie nur halten. Diese Beschlújse kamen noch an den vuleeé: i ent: derselbe trennte, und wurden mit tobendem Beifall arfzen A O

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| fuhr frei macht,

und mehrere Redner empfahlen sogleich, daß Alle, t lih um den Umsturz des verhaßten Geseßes ua Sea Minute: ßen Buchstaben an ihren Häusern anschreiben sollten: Hier wer- den feine Steuern mehr bezahlt, bis das Getraide - Geseg abge- schafft ist! Dieser Vorschlag soll auch bereits in mehreren Städ- ten Folge zu finden angefangen haben. Auch werden an vielen Orten Meetings gehalten. Ueberall is die Sprache kühn und an Rebellion gränzend. În Rochdale war die erste Folge der Bewegung die Ver- einigung der Chartisten mit den Mittelklajsen; und eben is die Nachricht angelangt, daß zu Nottingham bei einer Versammlung von 80,000 (2) Personen, wobei ein Edelmann den Vorsiß führte, erstlich beschlossen worden, keines der Parlamentshäuser mehr bitt-

lih anzugehen, und zweitens die Erklärung, daß nur die Char- ter des Volkes (das bekannte Instrument von fünf Punkten, das England in eine Demokratie umwandeln müßte) die Uebel der Nation zu heilen vermöchte, einstimmig angenommen,

Inzwischen haben die Debatten über den ministeriellen Plan im Unterhause angefangen, indem Lord John Russell die Verwer- fung desselben vorschlug. Der edle Lord beharrt indessen bei sei- ner festen Abgabe von 8-Shillingen vom Quarter Weizen, bil- ligt aber so weit denjenigén Theil des ministeriellen Vorschlages, welcher, wenn der Preis auf 74 Shilling gestiegen isk, die Ein- daß er denselben ebenfalls anzunehmen ge- neigt is. Die Times hat demnach Recht, wenn sie behauptet, daß Lord Russell dem Grundsaße nach mit Peel ein- verstanden und sogar eine absteigende Skala anzunehmen bereit ist, nur mit dem Nachtheile, daß Peel’s Skala stufenweise fällt und die seinige mit einem Sprung von 8 auf Nichts herunterspringen würde, Von einer gänzlich freien Einfuhr will der edle Lord durchaus nichts wissen, indem er es fúr unmöglich hält, daß bei den besonderen Lasten, welche der Landmann zu tragen habe, der- selbe mit dem Ausländer konkurriren könne. Es is also in der That zwischen den beiden Parteien nur no<h von einem Mehr oder Weniger die Rede; und folglich können die Whigs nicht mehr das Ôrgan der Fabrikanten seyn, und ih erwarte, daß sich faum 30 Mitglieder im Unterhause finden werden, welche deren utopische Forderung der Abschaffung aller Einfuhrzölle unterstüßen werden. Die League hat demnach offenbar ihrer Sache geschadet, indem sie den Mund zu voll genonimett, indem man ihnen erwiedert : was hÜlfe es auch, wenn wir den Tarif noch weiter herunterseßten, diese Leute fônnen wir ja doh-nicht befriedigen. Aber mäßig gesinnte Mäânner, selbst unter- den Fabrikanten, werden sich die jeßige Herabseßung gefallen lassen; besonders da Herr Gladstone, der Vice-Präsident des Handels: Ministeriums, in seiner sehr geschi>- ten Antwort auf Rujsell’s Rede zu verstehen gegeben, daß die Re- gierung die jeßige Veränderung nur versuchsweise und als einen ersten Schritt zu macheñ gedenke, Es steht also zu erwarten, daß Lord John Russell’'s Vorschlag verworfen werden wird, aber eben so der des Herrn Christopher, der im Namen der Gutsher- ren die Skala bis auf 25 Sh. erhöht haben will, und folg- lich der ministerielle Plan, mit geringen Veränderungen, durchge- hen wird. Wie weit es indessen die Fabrikanten treiben, ob fie sich nicht gerade durch ihre Uebertreibung um so schneller er- schöpfen und in die Nothwendigkeit fügen lernen, oder geradezu zu den Chartisten übergehen und von nun an eine regelmäßige Aufregung für eine durchgreifende Parlaments-Reform veranstalten werden, läßt sih noch mit wenig Sicherheit voraussagen. Mir scheint Lektercs um so wahrscheinlicher, da es ganz in ihrem Jn- teresse liegt, da ihre Arbeiter durchaus Politifer seyn wollen, die- selben unter ihre Leitung zu bekommen; und da diese durchaus nicht zu ihnen herúberkommen wollen, sie sich wohl dazu verstehe! missen, zu ihnen hinüberzugehen. Auch scheint mir, als ob di unflugen Angriffe der meisten Tory- Blätter auf Fabrikanten un das Fabrikwesen, welche den neulichen Streit hervorgerufen, ein personliche Bitterkeit erzeugt hat, welche sie in ihrem Streben ge gen die Aristokratie nur um so heftiger machen dürfte. L

Der Bericht über das in der Verwaltung der Tresorschein beobachtete Verfahren is jeßt gedru>e. Es ist offenbar, daß in derselben seit Jahren die schändlichske Vernachlässigung geherrscht, welche die Whigs nicht“ den geringsten Versuch gemacht haben ju beseitigen. Eine solche Entde>ung- is in dieseni Augenbli>e un rem Verwaltungs - Systeme fehr ungünstig. * Die Hauptsache je- doch, wie die neulich ‘eritdè>ten Fälschungen eigentlich betrieben und wer nebst Smith ‘dabei ‘betheiligt gewesen, ist immer noch nicht enthúllt, :

Auf außerordentlichem Wege ist uns noch kurz vor dem Schlusse unseres Blattes die Nachricht zugegangen, daß das Amendement des Lord John Ru ssell zu der Bill Sir Robert Peel's über die Korngeseße mit einer Majo- ritât von 124 Stimmen verworfen worden ist,

Deutsche Bundesstaaten.

Stuttgart, 18. Febr. Der Schwäbische Merkur giebt heute den wesentlichen Jnhalt der näheren Begründung der bi- (<dfli<en Motion in der Sißung der Abgeordneten-Kammer vom 9, Februar. Jm allgemeinen Theil dieser Begründung wer- den die Differenzen zwischen dem Kirchen-Rath und dem bischöf: lichen Ordinariat dargelegt. Es heißt darin:

,¡Die kirchenstaatsrehtlichen Verhältnisse, wie solche jer Zeit des Deutschen Reichs bestanden, seyen durch den Reichs - Deputa- tions - Haupt -Schluß und durch die Rheinische Bundes-Akte nicht

eändert worden. Die Regenten als Rechts-Nachfolger der vorma- igen geistlichen Fürsten und Stifter seyen in Betreff der katholischen Kirche noch an die Wahl-Capitulationen gebunden, was diese auch anerfannt haben. Jn dem Organisations- Edikt vom 3. Fanuar 1803 habe der damalige Kurfürst Friedrich ausgesprochen, daß in den fatholischen Landestheilen es vei den bisherigen Epi*kopal-Jurisdictio- nen verbleiben solle. Eben so habe das Organisations-Manifest vom 48. März 1806 die Bischdfe und deren Offizialate in ihren Rechten belas- sen. Fn einem General-Reskript vom 24. März 1809 sey gesagt, daß durch das Religions-Edift den katholischen Unterthanen eine freie und un- chinderte Religions-Uebung zugéflchert sey, und es daher den lan- desväterlichen Absichten ganz entgegen wäre, wenn auf irgend eine Art entgegengewirkt oder Neuerungen eingeführt würden, die gegen die Gewissen dieser Unterthanen anstoßen. würden und mit dem fest- estelten Grundsaße eines gleichen Anspruches jedes Religions1hei- es an den Könialichen Schuß uyvereinbar wären. Aus allem die- sem gehe klar’ hervor, daß Kdnig Friedrich an der Grund: Verfassung der katholischen Kirche nichts habe ändern wollen; vielmehr habe er diese Kirche in scinen Schuß genommen und seinen Unterthanen Re- ligions- und Gewissens-Freiheit gewahrt. Erî nach allmäliger Ver- waisung der bishdflichen Ordinariate habe der Kirchen - Rath seine Befugnisse erweitert : er habe „Firchliche Mißbräuche“ selbsi abgestellt, und sein neuester Entwurf (zur Geschäfts-Abtheilung) bestimme, daß er wegen Abstellung religidser Handlungen und Feierlichkeiten, welche der bestchenden allgemeinen Gottesdienst-Ordnung oder besonderen Vor- schriften entgegen seyen und in der Regel das bischdfliche Ordinariat an- gehen, in dringenden Fällen selbs vorläufig verfügen und das Ordi- nariat benachrichtigen werde. Der Staats - Behbcde siehe das Recht nicht zu, in Sachen des Kultus und der Liturgie Verfügungen zu treffen. Der Kirchen - Rath spreche so gern von Toleranz und Liebe, und doch habe er den Fohannes-Segen verbieten wollen - welchen die katholische Kirche am Gedächtnißtage Johannes, des Jüngers der Liebe, mit den Worten spende: „/-Trinke die Liebe des heiligen Fohannes im Ramen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. / Zum Beweise, daß es nicht in der Befugniß des Staates liege, in das Fn- nere der Kirche, wozu Lehre, Kultus, Liturgie und isziplin gehd- ren, bestimmend einzugreifen , berufe der Bijchof sich auf protestan- tische Rechtslehrer und Theologen: Richtec chleiermacher und Ammon. Auch berufe er sh auf den berühmten Rechtsgelehrten Riitermalar/ welcher im Jahre 1831 in der Badischen Kammer d Regel Aeken gegen die Protestanten geäußert habe, daß sie in s n katholischen Ver tnifan verstehen und da-

adurch, daß der Kirchen-Rath aus lau-

| her oft Mißgriffe machen ter katholischen Mitgliedern bestehe - R R S E

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tie gegeben, daß ihm die Juteressen

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lig seyn werden. Er, der Antragsteller, wisse wohl, daß der Kirchen- Rath neben dem Ordinariat bestehen könne, non w L Mitar, fasungsmäßigen Schranken gehalten werde. Er wolle für die Kirche keine Rechte ansprechen, die ihr nicht zukommen; er wolle nur das richtige Verhältniß zwischen Kirche und Staat herstellen, nicht sidren, nicht ein Feuer anzünden, wie ihm seine Feinde fälshli<h unterschie- ben. / Zu E einzelnen Punkten der Motion werden Motive angegeben: Freie Aufsicht und obere Leitung der Geistlichen ; Beschränkung des Einflusses bei Beseßung der Kirchenpfründen ; Ver- waltung des Kirchenvermögens ; Visitation der Dekanate durch den Bischof ; gemischte Ehen; (wegen dieses Punktes verlange er von der Kammer nicht mehr, als daß sie ihre Wirksamkeit dahin eintreten lasse, daß der Zwang de Einsegnung gerer Ehen, der gegen die $$. 27 und 71 der C NERg Lun e streite, aufgehoben, somit der Art. 6 und 7 des Religions-Edikts von 1806 im Sinne der Ver- fassung interpretirt oder auf verfalnn smäßige Weise aufgehoben werde; die Übrigen Differenzen, welche obwalten, werden durch Ueber- ecinfommniß der obersten Staats- und Kirchen-Behbdrde zur Wahrung des Kirchenfriedens gehoben.) In Spe Untersuchung von Sei- ten des Kirchenraths; Auszei Buno würdiger Geistlichen dur<h Ver- leihung von Titeln eines bischdflichen geistlichen Raths; die freie Aufsicht und Leitung des Priester-Seminars und unbeschränkte Be- fugniß zu Ertheilung der Weihen; Vornahme der h ten Dienst- Prüfung in Rottenburg. Am Schlusse wird die Bitte wiederholt : ¡Die hohe Kammer mdge diese 4 näheren Begründung der von mir vorgetragenen Motion hier im Angesichte derselben niedergeleg- ten Momente nach dem Geiste und Buchstaben der sanctionirten Ver- fassung und nah dem unver>dußerlichen Rechte und Forderungen der Kirchen-Verfassung näher würdigen und dem erhabenen Regen ten, welcher als Schüber der katholischen Kirche in die Fußistapfen seines erlauchten Hdchsiseligen Vaters cingetreten i und erechtig- feit úbt und liebt; zur bbheren Würdigung und Abhülfe nahe zu legen, Jch schließe mit dem aufrichtigen (wenn auch Französisch flingenden) herzinnigen Wunsche: Es lebe Kdnig Wilhelm, es lebe die Verfa e es lebe und blúbhe auch unter scinem Schuß unver- fümmert die älteste aller Verfassungen, Religion und Kirche !//

Weimar, 19. Febr, Am Abend des 17ten d. M. starb hier der Geheime Hofrath De. Ludwig von Schorn, Direktor des freien Kunst-Jnslituts, der SemäldecSammlng und des Kupfer- stich-Kabinets, nach längeren Leiden an gichtischen Anfällen. Er war zu Castell in Franken 1793 geboren. Jm Jahre 1826 er- hielt er die Professur der Kunstgeschichte an der Akademie der bildenden Künste in München und las an der Universität, wie an jener Anstalt úber Geschichte der alten und neuen Kunst, über Aesthetik und Mythologie. Das Jahr 1833 führte ihn nah Wei- mar an die Stelle des unvergeßlichen Heinrich Meyer, wo seine Bemühungen vielfältige Gunst und verdiente Anerkennung fanden.

Frankfurt a. M., 19. Febr, Die Bundes : Ver- sammlung hielt vorgestern die fünfte diesjährige Sißung, welcher auch der Königlich Niederländische Bundestags - Gesandte, Herr von Scherff, der einige Zeit unwohl gewesen, wieder beiwohnen fonnte. Mach den neuesten Mittheilungen aus Wien is dort noch nicht mit Bestimmtheit bekannt, wann der Herr Graf von Münch- Bellinghausen auf seinen hiesigen Posten zurü>fehren werde, allein als sicher wird behauptet, daß Se. Excellenz vorerst seine hohe Function am Bundestag noch nicht verläßt. Der Königlich Preußische Oberst, Mitglied der Bundes - Militair- Kommission, Herr von Radowisß, ist gestern Nachmittag wieder hier eingetrof: fen, und wie es scheint direft von Stuttgart.

Die Bundes-Central- Kommission hielt in den leßteren Tagen eine Sißung; zu dem Gerüchte, diese Behörde werde sich deme E aufósen, ist auch nicht die geringste Veranlassung vorhan:

en gewesen.

Mit einiger Spannung sieht man hier nicht allein der Fest- stellung des Zuges der projektirten Kassel - Frankfurter, sondern auh den Bestimmungen des Baues der Frankfurt-Darmstadt- Manheimer Eisenbahn entgegen, und um so mehr, da aus den bei- den Hessen Stimmen sich erheben, welche den Zug beider Bahnen so geleitet haben wollen, daß dadurch das Jnteresse unserer Stadt, aber auch das beider Bahn - Unternehmungen nicht wenig benach- theiligt würde. Aufs bestimmteste kann aber behauptet werden, daß Uber den Zug der Kassel-Frankfurter Eisenbahn noch gar keine eigentlichen iSerüandlungel zwischen den betreffenden Staaten stattgefunden haben, und was den Bau der Frankfurt-Darmstadt- Manheimer Eisenbahn betrifft, scheint von einer Vollziehung der des- halb früher zwischen den drei Staaten abgeschlossenen Uebereinkunft feine Rede mehr zu seyn. Es muß jedenfalls zu einer neuen Con: vention geschritten werden. Den Jnteressen der Taunus: Eisenbahn chenft man fortdauernd große Theilnahme, und erfreulich is es, sagen zu dürfen, daß sich die Verhältnisse dieser Bahn immer günstiger gestalten. Im nächsten Monat, in welchem am Aóten der Großhandel unserer Oster-Messe beginnt, welche diesmal sehr frúh fällt, wird die Frequenz der Taunus-Eisenbahn schon bedeu- tend steigen. Durch die Einführung der Dampfschifffahrt auf dem Main im Allgemeinen, so wie durch die spezielle Dampfschifffahrts- Verbindung, welche zwischen hier und Mainz eingerichtet werden soll, wird die Taunusbahn keinen Nachtheil erleiden, wie man denn uberhaupt dem Resultat der Main- Dampfschifffahrt hier wenig Bertrauen schenkt.

Die Nachricht von der Ablehnung der Ducosschen Proposi- tion in der Französischen Deputirten-Kammer entsprach gani der Erwartung, die man von dem Eindru> der Guizotschen hegte, und úbte auf unsere Bdrse, die während der ganzen Woche einen lebhaften Umsaß zeigte, einen L Einfluß. Man gewahrte heute in den meisten Fonds Laie auflust, und nur die Hollän- dischen mußten dem Jmpuls des Rückgangs der Amsterdamer Börse vom 16ten unterliegen. Auch Spanische Ardoins, waren mehr angeboten. Die Oesterreichischen Esfekten haben heute neuerdings eine Besserung erfahren, und auch die Taunus-Eisenbahn:Actien find auf ihren vorgestrigen, durch falsche} Gerüchte veranlaßten Rú>fall wieder gestiegen. Wenn die Dividende, wie kaum zu zweifeln, bei der im März statthabenden General : Versammlung der Erwartung der Actionaire entspricht, werden die Actien bald auf 400 Fl. (150 Fl, Agio) steigen.

£ Luxemburg, 15. Febr. Gestern Abend traf der Pro- vinzial-Steuer-Direktor, Geheime Finanzrath Zend hier ein, um mit dem von Ajrosiberzaglicher Seite gewählten Commissair Herrn To die Zoll-Vereins-Angelegenheiten einzuleiten. Dieser Preußische Staats - Beamte hat si< schon bei seiner ersten Anwesenheit hier die allgemeinste chtung erworben, und sein Wiedererscheinen is mit größter Freude begrüßt worden. So sicht nun das Großherzogthum plößlich einer Fitoen Zukunft ent- | gegen, Lange Zeit war dies Land ein Spiel all der BEP tnisse | gewesen: gezwungen, bald diesem, bald jenem politischen steme zu huldigen, mußte es zuleßt für jedes Depe werden, {0 daß es Einzelnen um so leichter wurde, sich der Gemüther zu bemäch- tigen und Spielraum für ihre Handlungen zu gewinnen. In einer ' Reihe von Jahren war das Luxemburger Land Deutschland ' immer mehr entfremdet worden, doh hat man sich jeßt überzeugt, daß eine Vereinigung. mit Deutschland selbst dann noch wünschens: ' werth bliebe, wenn auch die fommerziellen Vortheile. nicht das

ergewicht nach dieser Seite hätten, da fein Vernünftiger einen Ae h eine ‘part: oder merfantilische Societät betrach- en wird. iz j i: Obgleich die Französischen Blätter im vergangenen Jahre roße Tiraden von dem nthusiasmus en ielten, womit die Luxem- Futeger ihre Franzósishen Gäste bei elegenheit der Anwesen- heit des Königs Großherzog sollten empfangen haben, so fann ich dem als Augenzeuge doch auf das bestimmteste widersprechen. Man ehe sogar úber das Luxemburgische hinaus in die ursprünglich eutschen, jeßt zu Frankreich ehbrenden Gebiete, 0 wird man sehr oft dasselbe Gefühl der Anhänglichkeit an Deutsche Nationa- lität fortlebend finden. Sehr abgeschma>t erscheinen daher die Redensarten eines Victor Hugo, mit denen man der findi- \chen Vorliebe der unmündigen unteren Klassen Franfreichs mit vorgeblich Franzdsishen Sympathieen am Rhein zu schmei- cheln sucht. Wer, wie Schreiber dieses, die Deutschen Lande Frankreichs kennt, der weiß, daß es weit weniger widersinnig klingt, von Deutschen Sympathieen in Frankreich zu reden, Jn Luxem- burg will sich nun ein Deutsches Journal gründen, das bereits im Monat April erscheinen soll. Desgleichen tritt das Dinkircher Wochenblatt, dessen Streben man so lange Hindernisse in dèn Weg zu legen wußte, bereits ganz ofen im Deutschen Jnteresse auf; auch aus vielen der fleineren Städte und Fle>en des Landes dringt der Ausdru> der ungeheucheltsten Freude über die glü>liche Wendung der Dinge in die Hauptstadt. Mit dem Beitritt des Großherzogthums zum Deutschen Zoll-Verbande beginnt ein neues Blatt in der Geschichte dieses Landes, und wenn man bemerft, wie pldblich schon jeßt viele von den Gemüthern umgewandelt erscheinen, die sich no< vor furzem Deutschland so feindselig ge- sinnt gezeigt hatten, sey es auch nur, indem sie den veränderten Verhältnissen si fügen, so kann man daraus schließen, daß nach wenigen Jahren der Vereinigung alle fremdartigen Elemente sich vollständig werden aufgelöst adi: Gestern haben die Assisen mit Dumont?s Prozeß (man erin- nere sich des politischen Mordes in Dinkirch) begonnen, dessen morgender Ausgang berichtet werden wird,

Luxemburg, 16. Febr. Am 14ten d. waren die Assisen mit Dumont's bekanntem Prozeß eróffnet worden. Nach Beendi- gung der Zeugen-Verhdre (45 an der Zahl) begann diesen Morgen das Plaidiren der Advokaten. Da bekanntlich nur dieses dffentlich geschieht, so hatte darauf schon eine Masse Menschen gewartet, die nun sogleich den Saal ausfüllte, der au< bis zum Schluß der Sibung so angefüllt blieb, wiewohl nur Wenige mit wirklicher Aufmerksamkeit an der Verhandlung Theil nehmen fonnten, da diese in einer fremden Sprache geführt wird. : :

Nachmittag gegen 1 Uhr wurde das Urtheil dahin ausge- \sprochen, daß Dumont aus mildernden Gründen die Strafe eines weijährigen Gefängnisses zu erdulden hat und außerdem zum

ragen der Prozeßkosten verpflichtet ist, Ob der Verurtheilte nach ausgestandener Strafe sein Amt wieder antreten wird, ist geseßlich zu bezweifeln; doch möchte es insofern zu wünschen seyn, als er, Sai e vermdgend, doch Vater einer zahlreichen Familie ist und der Wittwe des Erstochenen eine jährliche Rente ausge-

seßt hat, Griechenland.

Athen, 29. Jan. (A. Z.) Man versichert, daß es dem: berüchtigten Oberst-Lieutenant Valenßzas gelungen is, sich den ge- gen ihn veranstalteten Verfolgungen zu entziehen. Er hat sich verkleidet-in Oropo auf einem Fahrzeug eingeschifft, das ihn nach der Jnsel Cerigo úberseßte. Das Austreten des Kephissos hat eine bedeutende Ueberschwemmung der Ländereien der Gemeinde Archimeno in Böotien verursacht und dort jede Hoffnung einer Aerndte vernichtet, Der Staatsrath Theocharis wird mit dem prt Lloydschen Dampfschiff von seiner Reise nah Deutschland zurü>erwartet, Er dürfte das Portefeuille des Finanz-Ministe- riums erhalten.

Türkei.

Konstantinopel, 26. Jan. (A. Z.) Die Pforte hat eine zweite Note an Herrn von Bourqueney L E Es n auf der Entfernung eines Theils der in Smyrna stationirenden Fran- zösifchen Escadre beharrt und zugleich versichert, daß das Türkische Gouvernement durchaus keine Unternehmung gegen das Paschalik von Tunis im Schilde führe, Dies bringt den Französischen Re- prâsentanten in einige Verlegenheit, da ihm über die Stationen der Levante keine unmittelbare Macht eingeräumt is und die Flot- ten-Kommandanten aus Paris ihre Jnstructionen erhalten. Er sieht sich daher genöthigt, die Pforte auf seine frühere Erwiede- rung zu verweisen, welche darin besteht: Herr von Bourqueney habe bereits seine Berichte in der Sache nach Frankreich gemacht und es seyen nun von dorther die nöthigen Jnstructionen für den Mes wu demtrdaen S

as Dampfboot aus Syrien brachte den Emir des Li

als Gefangenen hierher. El Kassim ward von ae eten Landsleuten gefangen genommen und dem Türkischen Kommissar Mustapha Nuri Pascha als der Urheber aller Unglü>sfälle, die in der leßten Zeit das Syrische Gebirg getroffen, Úberliefert. Der Pascha sâumte nicht, ihn gefesselt nah Konstantinopel zu \schi>en wo er nach Untersuchung seiner Sache die Großherrliche Sentenz zu gewärtigen hat. Der bekannte Omer Pascha, ein Renegat war bereits in Deir el Kammar, dem gewöhnlichen Si des Emirs im Libanon, angelangt und hatte daseibst als vom roß- herrn ernannter „Militairischer Gouverneur des Gebirgs seinen Sis aufgeschlagen. Sie sehen, daß die Pforte mit Energie vorgeht und den Plan der Unterwersung des ganzen Syrischen Gebirgs rasch M Dieser Plan geht dahin, eine unmittelbare Administra- tion daselbst einzuführen und diese auf die bereits bestehende Mu- nizipal- Verfassung der Drusen und Maroniten zu basiren. Die erstaunte Bevölkerung läßt ohne Widerskand Alles geschehen und {elkt sich gutwillig in die neue Lage zu fúgenz; der Friede ist anns hergestellt; wie lang seine Dauer, wird die Zukunft

zeigen, Die Ernennung des Civil-Gouverneurs is noch nicht er- folgt; aber Emir Beschir, der bisherige Kandidat, scheint unbeach- ket zu bleiben und die Unterhandlung mit ihm eine Türkische Finte gewesen zu seyn, damit man von den wahren Absichten der Pforte feine Ahnung bekomme. - Der Streich scheint gelun- gen; was Franzosen und Engländer etwa darüber bemerken dúrf- pen kommt auf jeden Fall zu spät. Freilich wird dies entschie- Q Und vorgreifende Benehmen Jzzet Pascha?s die an die Sub- aon der Pforte gewöhnten fremden Repräsentanten nicht we- Le ittern;, schon spricht man mit welchem Grunde is mir den Set, T von halb in Ausführung gebrachten Projekten, die ee E Groß:Wesiers und die Erhebung Tahir oder Chos-

a an seine Stelle bezwe>en sollen.

ning, soll ‘ém Großbritanische Botschafter, Sir Stratford Can- der Vakufs in Ban, der Türkischen Regierung in der Sache enland eine Entschädigungs - Summe von ei-

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man hier von dem Griechischen Staatsschaß geringe Meinu hegt, einiges Aufsehen erregt. L

Neustadt - Eberswalde, 19. Febr. (Stett, B. N.) Heute fand die erste Probefahrt auf der Berlin- Stettiner Eisen- bahn statt. Ein Theil des Direktoriums und einige Mitglieder des Verwaltungs-Raths, so wie der erste Baumeister, Herr Ober- Bau-Jaspektor Neuhaus, und der Spezial: Direktor, Freiherr von Reden, waren theils dez alb, theils um die Wagen zu prúfen und einige Bauwerke in Augenschein zu nehmen, hierher gekommen. Nachdem die Besichtigung der leßteren, namentlich der (wegen ih- rer Hbhe und Spannung) einen großartigen Anbli> gewährenden Brü>e über der Finow und des Dammes durch das Finowthal (wegen seiner Höhe und Lage höchst sehenswerth), auch des Bahn- hofes und der darauf begonnenen Gebäude geschehen war, begann die Prüfung der Wagen, Man schien allgemein der Ansicht, daß deren Einrichtung eben so zwe>mäßig, als allen billigen Anforde- rungen der Bequemlichkeit genügend sey. -Auch- ihr Aeußeres zeugt von Geschma>k und Solidität und macht den Erbauern (Herren Zoller und Pflug in Berlin) alle Ehre: * Die Probefahrten auf der etwa eine Meile lang fertigen Bahn (an welchen auch das zahlreich versammelte Publikum, \o weit Plaß war, Theil nahm) erregten gleiche Befriedigung. Die Amerikanische Lokomotive „Oder“ arbeitete ganz vorzúglich Und die Bahn (obgleich ganz neu

schaufelnder oder stoßender Bewoegung empfinden, daß diejenigen

ten, auf feiner derselben hätten sie so wenig Bewegung jener un- angenehmen Art bemerkt, Dieser Vorzug soll theils dur sehr sorgfältiges Legen der Schwellen und. Schienen, theils durch eine

seyn, welche auch das sonst gewöhnliche Geräusch derselben so sehr verminderte, daß man sich leise unterhalten konnte, Ein Mittags- mahl von Seiten der Stettiner Gesellschaft ihren Freunden in teustadt gewidmet, so wie ein Ball von Seiten dieser veranskal- | tet, folgten dem frohen Ereignisse der ersten Fahrt auf unserer | Bahn. Mit Freuden sehen wir dem weiteren raschen Fortschrei- ten derselben entgegen.

L RODE fj e Swinemünde, 19. Febr, Durch das anhaltende Thauwetter ist das Fahrwasser des inneren Hafens fast bis zum Haff hinauf vom Eise frei geworden, Es sind auch bereits drei verde>te Bôte mit frischem Lachse von Bornholm, ein Stettiner | Schiff von Helsingdr, ein Schwedischer Schooner mit Eisen und Kupfer aus Stoholm, zunächst von Ystadt, eine Dänische Jacht ebenfalls von Yskadt und eine Dânische Brigg mit Rosinen von Czesme, zunächst von Kopenhagen, hier eingelaufen und zwei der gedachten Lachsbôte nach Bornhölm wieder abgegangen. Der Ca- pitain des von Helsingór gekommenen Schiffes hat in See nur bei Rügen und Greifswalder Oie -viel- Eis getroffen.

Französische Stimmen über Deutféland.

Beider Wichtigkeit, welche die Stimmung der vernünftigen und gebildeten Klassen in Frankreich für Deutschland hat, if es nicht ohne Jnteresse, die Symptome jeder veränderten Richtung in den allgemein herrschenden Ansichten genau zu. verfolgen und sich die- selben von Zeit zu Zeit zum Bewußtseyn zu bringen, Je mehr die Franzosen anfangen, - aus ihrer früheten Abgeschlossenheit -her- auszutreten und sich um die intelleftuelle Bewegung anderer Völ: fer zu befúmmern, desto mehr gewinnt Deutschland, wenn auch vielleiht noh nicht an gerechter Würdigung, denn diese wird den

ranzosen am schwersten, do< an Bedeutung bei unseren Trans- henanischen Nachbarn. Wenn man si< frägt, welche Umstände ohl am meisten dazu beigetragen haben, um eine solche theilweise innes-Aenderung zu bewirken, so muß man sich gestehen, daß der rund mit darin zu finden ist, daß Deutschland seit einiger Zeit

f die Tugend einer allzu großen Bescheidenheit Verzicht leistete, | find Stimmen nach Frankreich hinúber gedrungen, welche die Franzosen belehrt haben, daß Deutschland zum Bewußtseyn seiner Macht und seiner Stärke gelangt is, Auf diese Ansicht bringt uns ein Artikel in einer der gelesensten Französischen Revuen, der in Ausdrücken von Deutschland spricht, die weniastens zum Theil verrathen , daß sie aus einer nicht ganz oberflächlichen Kenntniß der Deutschen Zustände entspringen. Wir lassen hier einen Aus- zug daraus folgen, ;: : f :

„Deutschland hat jeßt ein Gefühl seiner Nationalität, welches, | ohne gerade so entschieden ausgesprochen zu seyn, wie dasjenige, dem Frankreich seine bewundernswürdige Einheit verdankt, doch nichtsdestoweniger sehr lebendig is, Jn Ermangelung eines ei- gentlih politischen Lebens findet es seit 50. Jahren seinen Aus- | dru> und seine Nahrung in der Literatur, die ein wichtiges Band | zwischen allen Deutschen geworden ist, weil sie in ihrem Leben einen größeren Plaß einnimmt, als in dem irgend eines anderen Volkes. Die Literatur nun hört nicht auf, den patriotischen Stolz der | Deutschen aufzuregen, indem fie sie beständig an alle glorreichen Ereignisse in ihrer Geschichte, von der Teutoburger Schlacht an, | tis zu der Schlacht bei Leipzig erinnert, und indem sie in vielleicht cas zu Úbertriebenen Ausdrü>en von dem politischen Uebergewicht, | welches sie früher in Europa besaßen, und von dem hohen Range, den ih- nen ihre intelleftuelle und wissenschaftliche Thätigkeit gegenwärtig unter den civilisirten Nationen anweist, zu ihnen spricht. Diese Jdeen und diese Gesinnungen sind, wie man leicht denken kann, weniger dem Volke als den gebildeten Klassen eigen; indessen dehnen sie sich wegen der außerordentlichen Verbreitung des Elementar-Unter- richts ziemlich weit aus, und man fann in Wahrheit sagen, daß

die große Mehrheit der Deutschen leidenschaftlih an ihrer Natio- nalität hängt und nichts so schr fürchtet, als die Fremdherrschaft, Die Gégner der jeßigen Ordnung der Dinge stimmen mit den An- hângern derselben hinsichtlich dieses Punktes Überein. Es giebt viele Leute, die Modificationen in der Verfassung des Deutschen Bundes oder in den besonderen Jnstitutionen der Staaten, denen sie angehören, wünschen; aber Niemand will aufhören, Deutscher zu seyn und der Conföderation der Germanischen Völker anzuge- hóren, unter welcher Ferm sie auch fonstituirt seyn mögen. Wenn daher Franfreich jemals das linke Rhein-Ufer bedrohen sollte, so würde in Deutschland jede Spur von Spannung verschwinden, alle Meinungen würden sih zur Vertheidigung des Landes um die Regierungen sammeln, und in Ermangelung eines so enthu- siastischen Auf|<hwounges, wie im Jahre 1813, würden die Regie- rungen in der Antipathie und dem Mißtrauen der Völker gegen das Ausland einen hinreichenden Beistand finden.

Diese Gesinnungen würden unfehlbar vorherrschen, wenn der

ner. Million Drachmen anzubieten, was bei dem Umstand, daß

Angriff von unserer Seite käme; und wenn in der Leitung unserer

und auch theilweise auf bedeutendem Damme) ließ so wenig von |

Theilnehmer, welche auch andere Bahnen befahren haben, äußer- |

eigenthúmliche Vorrichtung an- den Federn der Wagen erreicht | : é l | schreiben; daß unter denjenigen von uns, denen der Ruhm und

| getriebenes Detail die Uebersicht zu erschweren.

| Angelegenheiten sh die Jdeen von allgemeiner Propaganda kund | gâben, die in Deutschland so verhängnißvolle Erinnerungen an | unsere Revolution zurú>gelassen haben. Anders würde es vielleicht | seyn, wenn das Kontinental-Europa, ermuthigt durch unsere inne- | ren Zwistigkeiten und durch die Hoffnung gereizt, mit einem ein- | zigen Schlage der Revolution und den liberalen Zdeen ein Ende | B D den Angriff begänne, Dies würde in den Augen der Deutschen fein nationaler Krieg seyn; sie würden im Gegentheil für N vn Felgen des Sieges fúrchten, em aver auch sey, wir glaube i

Deutschland ein gleiches nteresse dabei A T Rel men zu leben und feine Ursache ernstlicher Feindschaft bestehen zu lassen, Wenn unsere {wache Stimme vernommen werden könnte, so möchten wir denjenigen unserer Landsleute, die noch von der Eroberung unserer sogenannten natürlichen Gränzen tráu- men, zurufen, daß es feinesweges ausgemacht ist, daß die Rhein- Provinzen von Deutschland losgerissen zu seyn wünschen, und daß es sehr zweifelhaft ist, ob ihre Jnteressen und ihre S ympathieen sie zu einer Vereinigung mit Frankreich treiben; daß es daher weder großimüthig noch gerecht von uns seyn würde, unsere Blie nach jener Seite hin zu richten; daß eine solche Eroberung uns sogar von wenig Vortheil sevn könnte, weil sie die Einheit und die Homogenität unseres Vaterlandes aufhóbe, indem sie demsel: ben ein Volk hinzufügte, welches sh nie mit uns verschmelzen, sondern immer nur Herren und Unterdrúcer in uns erblien wúrde; und daß endlih dke wahren natürlichen Gränzen nicht durch Berge und Flússe, sondern dur< die Sprache, die Sitten, die Erinnerungen, mit einem Worte durch Alles, was eine Nation von der anderen unterscheidet, bestimmt werden. | F Andererseits würden wir den Deutschen zurufen, daß man sie | fausht, wenn man ihnen einreden will, daß die Eroberung | des linken Rhein-Ufers eine fixe Zdee bei den Franzosen sey; daß | die Klasse, der gegenwärtig in Frankreih die Gewalt und der | Einfluß angehört, zu notoris< und zu entschieden friedlih gesinnt isf, als daß es nicht lâcherli<h wäre, ihr Eroberungspláne zuzu-

die Größe Franfreihs am meisten am Herzen liegen, die große Mehrheit eine Erweiterung des Einflusses und des moralischen Uebergewichtes, aber feine Erweiterunz des Gebietes will, und daß sie ihre Blicke weit öfter nah dem Mittelländischen Meer und dem Orient, als nah den Rhein - Provinzen richtet, Wir würden noch hinzufügen , daß selbst in dem Augenbli>e der größ- ten Erbitterung, bei Gelegenheit des Juli-Traftats, die heftigsten unserer Journale sich niemals Deutschland gegenüber als Erobe- rer dargestellt haben, und daß man gegenwärtig in der Franzdsi- \chen Presse vergeblich etwas suchen wúrde, was den feierlichen und provozirenden Ton rechtfertigen könnte, den einige Organe der Deutschen Presse in Bezug auf uns noch beibehalten. Es thut uns dies um so mehr leid, da wir einsehen, daß ein gutes Ver- nehmen zwischen Franfreih und Deutschland die Zauptbedingung ist, um das Europäische Gleichgewicht nur einigermaßen aufrecht zu erhalten.“

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Karte vonNord-Deutschland und dem ganzen Preu- ßishen Staate, nach den von dem statistishen Büreau zu Berlin mitgetheilten Nachrichten. n 24 Blättern. Halle bei C. A. Kúmmel, 1841.

Wenige Karten von der Größe und Ausdehnung der soge- nannten Kümmelichen Karte haben in neuester Zeit eine 0 ibe allgemetne Verbreitung gefunden, als diese, von welcher jeht so eben die dritte revidirte und verbesserte Ausgabe erschienen if , ohne daß ihr mit Recht Co Ngeteier Bearbeitec (der Herr Geheime Rath Engelhardt) jeinen Namen dem Titel einverleibt hätte. Sie vecdankt dieje große Verbreitung ihrer ausgezeichneten Brauchbarkeit für alle administrativen Zwe>e und der Genauigkeit und Sicherheit ihrer Angaben. Jn cinem Maßstabe von ¿575 entworfen, gestattete sie die Aufnahme fast aller Ddrfer, Gewässer, Landstraßen, Gebirgzúge, Wäál- der und sonstigen topographischen Einzelnheiten in einer für die mci- sten Zwe>e ausreichenden Ausführlichfeit, ohne doch durch ein zu weit triebenes ; Dies re i mit glü>lichem TDakte in der ganzen Karte a gu He weg viele Freunde erworben, Eine Karte kann indessen immer nur den geographischen Zustand eines Landes zu einer bestimmten Zeit darstel- len, und wählt sie die Gegenwart, so ist diese doch (hon im Augen- bli>ke ihres Erscheinens zur Vergangenheit geworden. YFe spezieller ihre Angaben sind, je mehr sie auch die kleinen Details umfassen, um so mehr wird sie nach einer Reihe von Fahren von der Wicklichkeit abweichen, weil fie nun ni<ht das Bestehende, sondern das Vergans- gene darstellt, Veränderungen aber am \<nellsten und häuftasten die fleinen Einzelnheiten betreffen. Die Richtungen der Landstraßen âän- dern sich oft, seltener die Lage der Dôdrfer, noch seltener die der Städte Kleine Bäche und Seen versiegen leicht; je grdßer der Strom oder der See ist, um o gesicherter is sein Bestehen. So konnte denn auch

eine Karte, welche im Fahre 1820 zuerst erschien, ni<ht immer richtig bleiben, und nur durch cin Laon ges Nachtragen der stattgefunde- nen Veränderungen, das viel Aufmerksamkeit, Fleiß und gúnf ige Ges

legenheit zur Einziehung sicherer Nachrichten fordert, war sie mit der

| rasch vorwärts schreitenden Zeit im Einklang zu erhalten. Diese Ge-

legenheit, mit den eingetretenen Veränderungen genau werden, fehlte dem Herrn Bearbeiter nicht, La fai le Tati H schlagenden Nachrichten und Angaben gus sehr sicherer Quelle mit ge- (heilt wurden; mit welchem Fleiße und Sorgsamfkeit er sie benußte, bedarf hier keiner Auseinandersezung, da sie durch die Übrigen dem Publikum wohlbekannten Arbeiten des Herrn Verfassers verbürgt werden. So verbessert erschien eine zweite Ausgabe dieser Karte im Jahre 1833, deren Werth von einem der ersten Kenner dieses Faches damals in der Staats-Zeitung rühmend hervorgehoben wurde. Rascher als je verändert fich aber in gegenwäctiger Zeit die Phyfiognomie des Landes, und obgleich seit der lchten Revision erst acht Fahre verflos- sen sind, so wurde doch eine neue Revision no!hwendig, als deren Resultat die gegenwärtige Ausgabe erscheint. Es gab Gränzen zu berichtigen, neue Ddrfer und Anlagen einzutragen, eingegangene Eta- blissements auszumerzen, Wege abzuändern, die inzwi1chen fertig ge- wordenen Kunsistraßen oder Chausseen aufzunchmen, und den Lauf der theils fertig gewordenen, theils noch im Bau begriffenen Eijen- bahnen, insofern ihr Gang bereits deffnitiv festgestellt is, darzustellen ; alles Abänderungen, welche nur zu ecfahren nicht wenig Mühe und Arbeit gemacht haben mag, da viele außerhalb der Gränzen des Preu- ischen Staates fallen. Die Karte wird bei ihren speziellen Angaben ex Kirh- und anderen großen Ddrfer 2c. dadurch zugleich eine sehr brauchbare Reisefarte, um so mehr, als sie auch sämmtliche Haupt- und Reven-Zollämter nach den neuesten Festseßungen zwischen den Zoll-Vereinsstaaten vollständig zeigt. Auch die Forst-Fn1pecttonen und Ober-Fdrstereien sind, dem neuesten Zustande gemäß, darin aufge- nommen, die Seeleuchten mit ihrer Hdhe über dem Meere 1c. So ist_in der That fein Blatt ohne Veränderungen geblieben, ob- gleich sie, da sie meistens nur die speziellsien Einzelnheiten betreffen, wenig auffallen. Das statistische Tableau auf dem leßten Blatte, welches der Karte zur willkommenen Ecgänzung dient, ist, den neue- sten Zählungen und Berechnungen cem , vduig umgearbeitet und so Alles gejchehen, um die Karte mbglich| brauchbar zu aris Wir zweifeln daher nicht, daß sie von dem Publikum-eber so