1842 / 143 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

n den minder ansehnlichen gehdrigen Mittelskädten ist An Brieg, Lands a. d. W., Prenzlow, Stolpe und Kulm, ferner Oppeln als Siß der Oberschlesischen Regiernng und Kreuz- nah in der Rheinprovinz hervorzuheben. Außerdem enthalten no<h vier im Stande der Städte nicht repräsentirte Ortschaften, nâmli<h Schermeissel im Regierungsbezirk Frankfurt, Schwarza im Regierungsbezirk Erfurt, Petels eim im vormaligen Bisthum Paderborn, und Kerpen im Regierungsbezirk Köln, hierher gehd- rige Jud einden.

Ym gemeinen ist die Judenschaft in der Provinz Posen, in demjenigen Theile Weskpreußens, welcher wesiwärts der Weichsel

liegt, und in den vormaligen Landen Kulm und Michelau, so wie |

auch in Oberschlesien ostwärts der Oder größtentheils in zahlreichen | | | Preußischen Staate in bürgerlichen und poli

Gemeinden vereinigt. Außerdem befinden sich einigermaßen bedeu- tende Judengemeinden fast nur in großen und ansehnlichen Mit- telstädten; die wenigen Ausnahmen hiervon sind vorstehend na- mentlich angegeben, Aber auch viele der angesehensten Städte ent-

lich gewerbreichen großen Städte Elberfeld, Barmen und Achen hatten nach der leßten Zählung noch bei weitem nicht 300 Juden unter ihren Einwohnern. Die zahlreiche Judenschaft der Khein- provinz wohnt dem größten Theile nach pr und vereinzelt auf dem Lande. Die Provinz Westfalen Y Städte eine Judenschaft von 300 Miegliedern. Wie gering die

Zahl der einigermaßen erheblichen Judengemeinden in der Pro- |

vinz Sachsen, in Pommern und selbst in der Provinz Branden-

burg isf, ergiebt sich aus den vorstehenden Angaren, Jn Nie- |

derschlesien liegen nur no< an der Oder selbst beträchtliche Judengemeinden, westwärts derselben und im ganzen schle- ischen Gebirge, sowie au<h in der Lausiß wohnen nirgend Juden in erheblicher Anzahl beisammen. Ebenso hat auch ganz Ostpreußen mit Einschluß von Ermeland außer der ansehnlichen

Ménthase in Königsberg feine Judengemeinde von auch nur |

Mitgliedern. Diese Verhältnisse verdienen deshalb eine vor- | i i | Kupferstechern und Verfertig?ern optischer und mathematischer Jn-

zügliche eachtung, weil die sittliche Stellung der Judenschaft im ürgerlichen Leben sehr wesentlich davon abhäng“, daß es ihr mdg- lich bleibt, eigene Anstalten für den Elementarunterriht und für die Verpflegung der Armen und Kranken zu unterhalten. Das vermödgen aber nur zahlreiche und wohlhabende Judengemeinden ; wo diese nicht vorhanden sind, kann die Theilnahme der zerstreut wohnenden Juden an dem Elementarunterrichte, der Armen- und Krankenpflege der Christen den Mangel eigener Anstalten hierzu nur sehr unvollkommen erseßen.

icht eine besondere Angelegenheit der Judenschaft, sondern eine allgemeine der Negierungen ist die kräftigste Entwi>kelung der geistigen und körperlichen Kräfte dieses Theils der Bewohner Wv Machtgebiets in der würdigsken und gemeinnüßigsten Richtung. Wäre diesem ernsten Bedürfnisse dadur<h wesentlih zu genügen,

daß aller Unterschied in bürgerlichen und politischen Rechten zwi- | erme , | steht. Während die Juden nur 7 der Gesammtbevölkerung sind, |

schen Juden und Christen gänzlih aufgehoben würde; so fkönn- ten weise Regierungen durchaus keinen Anstand finden, diese Gleich- stellung unbedingt auszusprechen. Aber die große bis jeßt noch unbesiegte Schwierigkeit liegt darin, daß die Juden durch ihre Religion selbst gendthigt sind, eine besondere Nationalität zu be- wahren, - obwohl sie längst aufgehört haben, einen selbstständigen Staat zu bilden, und nur noch zerstreut unter andern Nationen leben. Es fann durchaus fein Zweifel darüber bestehen, daß in ei- nem selbstständigen, von Juden bewohnten und regierten Staate ebensowohl wie jeßt in den Staaten des christlichen Europas der bei weitem überwiegend grdßte Theil der Einwohner den Anbau des Bodens und alle diejenigen Handarbeiten betreiben würde, welche die Befriedigung der ersten Lebensbedürfnisse fordert; und ebenso dürfte und fónnte nur ein fleiner Theil der Einwohner sich den mechanischen Künsten, dem Handel mit allen seinen Hülfs- gewerben, der Verwaltung öffentlicher Angelegenheiten und den Wissenschaften widmen, weil nur bei solher Vertheilung und Verwendung der körperlichen und geistigen Kräfte Selbststän- digkeit und Unabhängigkeit, häusliches GlÜ> und öffentliche Wohl- bés bestehen fann. Daß es nur Arbeitsscheu, nur Mangel an Aus- dauer und Stetigkeit, nur besondere Neigung zu gewissen For- men des Erwerbs und Verkehrs sei, was die Juden von dem Betriebe körperlicher, namentlich landwirthschaftlicher und Hand- werkerarbeiten abhält, ist theils dur< klare Thatsachen zu wider- legen, theils durch Verständigung über die zeitige Stellung der uden zu berichtigen. Als herumziehende Krämer, belastet mit weren Paen, und als Frachtfuhrleute zeigen die Juden eine usdauer in Wind und Wetter, und eine Unermüdlichkeit bei ge- ringer Kost und deshalb s{wächlihem Körperbau, wogegen der Vorwurf einer Abneigung vor schweren körperlichen Arbeiten durchaus nicht auffommen fann. Für den Kleinhandel, das Aufkfäufer:, Mäk- ler: und Wechslergeschäft hat sich in der Judenschast schon deshalb eine besondere Gelehrigkcit und Gewandtheit ausbilden müssen, weil diese Gewerbe seit Jahrhunderten in Folge theils ihrer bürgerlichen, eis ihrer religidsen Verhältnisse fast die einzigen waren, welche le betreiben fonnten. Die Nothwendigkeit, bei starker Mitbewer- bung ihren Unterhalt damit zu verdienen, gab der Erziehung von frúhster Kindheit an und der Entwielung aller Geisteskräfte eine Richtung auf dieselben, welche, durch lebenslängliche Gewohnheit befestigt, als Erbtheil der Väter auf Kinder und Enkel überging. Aber dem Juden in seiner jeßigen Stellung ers weren es die Vorschriften und Gebräuche seines Glaubensbekenntnisses, Hand- arbeiten gemeinschaftli<h mit Chrisken zu verrichten. Die Chri- sten aller Religionsparteien feiern gemeinschaftli< die Sonntage und die meisten Kirchenfeste. Römischkatholische und Evange- lische, welche namentli< in Deutschland häufig vermischt neben einander wohnen, haben jährli höchstens zwei einzelne Feier- tage, welche jeder Iheil ins Besondere durch Enthalten von seinen gewöhnlichen Berufsarbeiten heilige. Die Juden fön- nen {on vermöge ihrer Minderzahl keinen Anspruch auf die Befugniß machen, an diesen Sonn- und Festtagen, welche zu: sammengenommen beinahe ein Sechötheil des Jahres ausmachen, die eier der Christen durch dentlichen Betrieb ihrer Geschäfte S ren; sie verlieren aber für ihren Erwerb noch ein zweites stheil des Jahres durch die strenge Feier ihrer Sabathe und

feske, welche nicht auf die glei i istli-

; gleichen Tage mit den c{ristli

chen fallen, Der Nachtheil, welcher hieraus bei dcn meisten för- perlichen Arbeiten entsteht , ist {on an sich so bedeutend, daß es für den Juden g unvortheilhaft bleiben würde, sich denselben zu widmen. Der Jude darf nicht allein lebenslänglih das Fleijch von ihm fúr unrein geachteter Thiere nicht genießen, sondern auch die reinen müssen unter Beobachtung besonderer Gebräuche für ihn geschlachtet werden, und Überhaupt ist in der Zubereitung sei- ner S eisen so viel Ei ant, es, daß eine strenge Beachtun

seiner Ritual eseße es ihm beinahe unmöglich macht, an den Ma eiten der Christen theilzunehmen. Dadurch wird alle häueliche Wenoss alles S cie câr E. et nusse na einschaftlicher eit für den Juden in em E ps Mami daß er es nur im höchsten Nothfalle räthlich finden fann, sich darauf einzulassen. Zwar mangelt es auch in

den niedern Ständen nicht an Beispielen, wo Juden eine Ge- | jüdischen Volkes war,

atte in feiner ihrer |

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mei Fdrperlicher Arbeit it den Christen dadurch erleich- au sie e lbt es trennenden Reli-

ionsgeb ; dad lich gionsgebräuche entsagten; aber sie verloren dadurch sehr wesentlich L ug e ge Me t M ia

' spruch auf Gleichstellung mit den Christen in bürgerlichen und

in der Meinung der großen Masse der Chrisken, welche Achtung für den angestammten Glauben und die Sitte der Väter an den

Genossen jedes Religionsbekenntnisses ehrt. So wird es sehr er- |

flärlih, wie in dem langen Zeitraum von dreißig Jahren, wel: cher seit der Verleihung des Staatsbürgerrechts durch das Edikt vom 11, März 18412 verflossen ist, sich no<h so wenig in den gewöhnlichen Beschästigungen derjenigen Jeden geändert hat, welche dadur< die Freiheit erhielten, bürgerliche Gewerbe jeder Art im Preußischen Staate zu betreiben. Auch die vollendetste und unbeschränkteste Mes aller Juden im

litischen Rechten kann eine Gleichheit in der Wahl der Erwerbsmittel zwischen Christen und Juden nicht hervorbringen. Den Juden wird darum nicht minder sein Glauben, welcher ihn von den Chrisken trennt, auch

halten nur eine wenig zahlreiche Judenschaft, und selbst die vorzúg: | von der Theilnahme an den meisten körperlichen Arbeiten dessel:

| ben ausschließen. Der Kleinhandel, welcher ohne langwierige und fosibare Vorbereitung unabhängig von Arbeitsgenossen betrieben, |

und haupesächlich durch Aufmerksamkeit, Beharrlichkeit und schnel: les Ersassen des günstigen Augenbli>s lohnend wird, bleibt eben-

deswegen auch bei voller gewerblicher Freiheit stets das angenehmste | Geschäft für die große Zahl derjenigen Juden, die, gleich den gro- |

ßen Volksmassen Überhaupt, wenig Anlagen und Mittel zur hdhern

Ausbildung besißen. Auf etwas hbhern Bildungsstufen, bei mehr Verlag oder Kredit eignen dieselben Verhältnisse zu den Geschäften | eines Pfandleihers, echelers, Kommissionairs und Lieferanten.

Wo noch mehr Kapital zur Verfügung steht, reihen sich hieran

| gewerbliche Unternehmungen ven bedeutendem Umfange, welche

mit christlichen Arbeitern . betrieben werden, weil aus diesen über- haupt der Arbeiterstamm besteht. Werden gute natürliche An- lagen weniger durch Kapitalbesiß unterstbßt, so wenden sich die- selben den mechanischen Künsten zu. Unter den Srempelschneidern,

strumente befinden sich verhältnißmäßig viel Juden. Wenn die- selben das Geschäft der Gold- und Silberarbeiter und der Uhr- macher selten betreiben, so scheint die Veranlassung dazu nur darin zu liegen, daß diese Gewerbe bisher gewöhnlich zunftmäßig bei christlihen Meiskern erlernt werden mußten. Wissenschaft- lihe Studien führen überhaupt zu Stellungen im gesel- ligen Leben, worin der Jude sich in Bezug auf seine Ne- ligionsverhältnisse freier bewegen kann; wo Mittel vorhan- den sind, sih denselben zu widmen, wird er sih dafür ent- scheiden. Aber bisher gewährte fast nur das Studium der Arze- neifkunde Aussicht auf einen zum Lebensunterhalte hinlänglichen Erwerb. Die Zahl der jüdischen Aerzte Übersteigt daher auch sehr weit das Verhältniß, worin die Zahl der Einwohner jüdischen Glaubensbekenntnisses zu den Einwohnern christlicher Religion

und obwohl dieselben Überdies nach der zeitigen Medicinal-Ver-

fassung weder Militärärzte no< Kreisphysici werden können, so |

ehôrt doch wahrscheinlih wenigstens ein S iebentheil unserer ett zu Tes jüdischen Glaubensgenossen, oder doch zu den nur erst neulich daraus zum Christenthum Uebergetretenen, Es scheint nicht zweifelhaft, daß die Juden sich auch in demselben Verhält-

nisse d.m Studium der Rechte und der Kammeral-Wissenschaften |

arften, sobald ihnen die Aussicht auf gleiche Beförde- met tif ra. eróffnet wáre, Jm Allgemeinen stellt sich hiernach das Verhältniß so, daß die Judenschaft schon jeßt in den mittlern Regionen des geselligen Lebens eine weit ausgedehntere Stellung einnimmt, als dieselbe nach Maaßgabe ihrer Anzahl ein- nehmen würde, wenn ihre Religionegebräuche keinen Einfluß auf die Wahl ihrer Erwerbsmittel hätten. Dass-lbe Verhältniß würde sich auh in den höheren Regionen des Staatslebens offenbaren, sobald die Landesverfassung sie nicht mehr hinderte, dahin zu ge- langen, So billig einerseits die Anforderung ist, daß die Reli- gionsverschiedenheit Niemand hindern sollte, von seinen förper- lichen und geistigen Kräften den möglichst vortheilhaften Gebrauch u machen; so billig erscheint ande seits auch die Bedingung, daß Neligionsverhältnisse fein besonderes Andringen zu den mittlern und höhern Klassen der bürgerlichen Gesellschaft dadurch veranlassen ollten, daß sie der Theilnahme an den Arb-iten der zehn- und hundertfach zahlreicheren niedrigern sehr erhebliche Hindernisse ent- gegenstellen. Wenn einerseits der Vorwurf zurü>gewiesen wurde, daß Arbeitssheu und Mangel an Stetigkeit den Juden ab- halte, sih den ländlichen, Handwerks- und Fobrik-Arbeitern der Christen anzuschließen; so darf anderseits einer Meinung auch nicht Raum gegeben werden, welche dem Juden höhere gear Fähigkeiten beilegt, als dem Christen. Zndem eine Masse von Ersadrungén beweist, wie viele glü>liche Geistesanlagen unter der Last schwerer körperlichen Arbeiten Uünausgebiidet verkümmern

müssen, weil auch die reichsten Nationen noch viel zu arm sind, | um ihrem Handarbeiterstamme Raum zur vagen Entwike- |

lung seiner Geistesfräfte zu geben; so fann es diesen gegenüber nur als Anmaßung erscheinen, wenn als besontere Gunst der Na-

| tur S gemacht werden will, was nur die Frucht eines Lebens-

verhältnisses ist, das zur sorgfältigen Ausbildung der natürlichen Anlagen zwingt, welche da, wo solche Verhältnisse nieht bestehn, mehrentheils unentwi>elt bleiben. Eine vollständige Gleichstellung in politischen und bürgerlichen Rechten, würde für die Juden selbst hôchst verderblich sein, wenn es unbeachtet bliebe, dieselbe mit Anordnungen zu verbinden, welche das Andringen zu den höhern Stellungen: im Leben auch bei der Judenschaft auf das- jenige Maaß zurü>führen, welches sich bei den Christen aus den Lebensverhältnissen der verschiedenen Stände bei voller Freiheit der Wahl der Beschäftigung ergiebt. Die Bitterkeit, welche die- ses Andringen schon jeßt kenntlich genug erzeugt, steigerte sich dann unvermeidlich zu solchem Umfange und zu solcher Kraft, daß die Macht der dffentlichen Meinung die Judenschaft weit empfindlicher treffen würde, als die geseßlichen Beschränkungen, welche die Re- gierungen jeßt noch bestehen ließen.

Betrachtungen, wesentlich aus der vorstehend entwi>elten An- sicht, sind schon längst selbst von verständigen Juden angestellt worden. In dem Gedächtnisse der ältern Zeitgenossen wird die Erinnerung an das Sendschreiben „einiger Hausväter jüdischer p ligion an den Probst Teller zu Berlin“ noch nicht erlo- schen sein, welches im Jahre 1799 durch den Dru> veröffentlicht wurde. Diese Hausväter, ausgezeichnete und allgemein geachtete Mitglieder der tand udengemeinde, erkannten wohl, wie sehr ihre Ritualgeseße sie verdindern, an allen gewerblichen und ge- elligen Verhältnissen der Christen Theil zu nehmen; sie hielten ich jedoch Überzeugt, daß diese Ritualgeseße nur ein außerwesent- licher Zusaß zu der Religion ihrer Väter sind, deren Kern nach ihrer Ansicht in dem Glauben an einen allmächtigen und allwis- senden Gott, der die Welt regiert, an eine Fortdauer des Men- E Mder das Ende seines irdischen bebe Les, und qa be

én seiner u in jener ufkunse besteht, e , worin die Gute UA eseße noch ein Bedürfniß des ist ihrer Ueberzeugung nach längst ver-

den, und den L dieses Volkes li die Mas 1d: deren Aa eten n verständigen daferridt cnjulte ten. Aber es entging ihnen nicht, daß ein si

politischen Rechten verschaffen fdnne, weil sie wohl einsahen, daß fein Volf mit den vorstehend angegebenen Glaubenslehren allein bestehen kônne. Daher verlangten sie von einem der geachtetsten evangelischen Geistlichen Auskunft darüber, was sie nach seiner Meinung no<h< weiter zu thun hätten, um in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen zu werden. Die jedenfalls sehr lehrreiche Beantwortung des Probsles Teller ward ebenfalls ge- dru>t. Zhr Jnhale gehöre nicht hierher, da jedes Zeitalter jene

‘Frage nur nach seinen Ansichten beantworten kann, Aber die

Behutsamkeit, womit der damals hochverehrte Lehrer der Erwar: tungen gedenkt, wozu die Fortschritte der Bildung unter Christen und Juden schon in der nâchsten Zukunft Ren dürften, mödge denjenigen zum Muster dienen, welche von den Kegi unserer Zeit und von der Geseßgebung des Tages die ständige Verbesserung von Verhältnissen fordern, die länzst entshwundene Zuslände und Vorstellungen erzeugten, und E Gewohn- heiten befestigten. b

Dauer der Fahrten auf der Serliu- Anhaltischen Eisenbahu vom 9, bis incl. 16. Mai 1842,

1) Zwischen Berlin und Cöthen.

Personenzug. Güterzug. kürzeste Dauer .…. 4 Stunden 44 Minuten. 5 Stunden 5 Miauten. längste m S E - 10 - 7 - 53 mitllere - ...5 wu 9 6 - 29 -

I Zwischen Côthen und Berlin: : kürzeste Dauer .…. 4 Stunden 50 Minuten. j Stunden L Minuten.

längste “au a 40 - 7 - mittlere E - 7 * 6 - 2 - Meteorologische Beobachtungen. | 1842. Morgens | Nachwitiags Abends | Nach oinmalges 22. Mai. 6 Ube. 2 Ube. 10 Ube. j Beobachtung. T1337 02” Par. |337,14" Par. | 336,93" Par.| Quellwärme 8,0° B ain s + 11,9° R, + 20,4°m.| + 12,6° - Flueowärme 13,9" a. Thaupunkt …. | + 6,1° R. | + G,3° n. | + 6,0" n. Modeuwärme 12,9°* B. Duustaättigung | 79 pei, 29 pi. 83 pes Auodönotung 0/034 Rb. Weiter... beiter. bexogeu. beiter, | Nioderechleg 0, L Wind. «5 0 ONO oxo, | 22,0 Wolkeuzug- - - —_— | O, | + 10,1°.

‘Tagesmittel: 337,03" Par... +14,6° R... +6,1° n.., 60 pet 0x0. Abends 10— 11 Uhr heller grdßerer Ring um den Mond mit

| deuilichen Andeutungen der Nebenmonde. Gemdhnlicher Vordbote des

Regens, der cinige Tage darauf cintciit.

Berliner Börse, Deuù 23. Mai 1842.

„| Per. Coue. i |.| Per. Cour. Fonds. [a Bs ada Actien N L Can St. Si 1043 104] } Bel. Pots. Tiseub. s| w— 127 do. do. z. 35 pCt. | do. do. Peiur. Obl. |44| 7744 abgeatewpelt |*) 1023 Iu2% Mad Lpa. Eiseub, l 115 114 Pr, Buxgl. 061.30. 4 | 103% 1025 | do. du. Prior. Obl. 4 _— 1024 Präm. Seb. der | Bel. Aub. Kicewb, | - | 1064 pa Seebandluug. |—| 84x 84% } du. du. Prior. Obl. | 4 _ 1021 Kurm. Schuldr. | i 102 101 Düss Klb, Eiseub. | S | gei Es Berl. Stadt - Obl. |4| 1045 | 1035 [do du. Prior. ObL (5) lovi Dié, do. lo Tb; |—| 4 TBbein. Kioub. 44 u Westp, Psaudbr. 3 Iu do. do. Prive. 04. /4 | 1 | Grossb. Pos. do. ; ies Pl A E Ostpr. Pfandbr, 35 1035 103 E A s Lis 135 13 Powm. do. 3 2A 1023 Audere Guldmüu- Kur. u. Neum. du. 3j —- 102% neu à 6TH. 9j A Schlesiscbe du. |3 lu25 Dit oatits lies 3 4

*) Der Käufer vergütet die abgelaufeueu Zuseu à 4 yCt, uud ausserdew $ pCt. p. anno bis 31. Dezember 1842.

Auswärtige Börseu.

Paris, 18. Mai. S? Reute fiv cour. 119.85. 3% Rut Aul, de 1641 fia cour. 82. 10. S? Nespl. au cowpt. 11:8, 243. Passive —.

e fu cour. 81. 95. 5% Span. Regte

Königlihe Schauspic.e.

i , 24. Mai. Jm Opernhause. Auf Allerhöchsten atiteól uS Besten det hülfsbedürftigen Abgebrannten in Fn burg: Die Hugenotten, Oper in 5 Abth. Musik vom K nigl. Hof: Kapellmeister Meyerbeer. Ballets von dem Königl, Ba t: meister Hoguet, (Mad, Schrôder-Devrient: Valentine, als Gast-

olle. N Anfan halb 6 Uhr. R Preise hlr. 10 Sgr s 1 RKedir. gr. 2c. d Sctauspielhause: Des Goldsck

Stephani : Walpurgis.)

Van Bru, E, (wer Hieraus: Die Gebesserten.

ide 27, Mai und

Berns , 29, Mai, m Opernhause: Die Hugenotten.

(Mad. Schrdder-Devrient : Valentine, als Gastrolle.)

Die eingegangenen Meldungen zu Billets für diese Vorstel:

lungen sind berúfsichtigt worden.

Königstädtisches ‘Theater.

[ d il machen, Posse Dienstag, 24, Mai. Einen De E Kg nahen Mller,

Mittwoch, 25. Mai. Jtalienische Opern-Vorstellung.) Norma.

mit Gesang in 4 Akten, von J. 9 (Leßte Vorstellung dieser Oper.)

Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen. Gedru>t in der De>er schen Geheimen Ober - Hosbuchdru>erci.

Allgemeine

Preußis<e Staats-Zeitung.

Inhalt.

richten. h Me tteten-Kam mer. Bud Paris. Vermischtes. rief aus Pari s. (Graf Molé und der g Das Budget der geistlichen Angelegenheiten; Samm- der Werke der berühmtesten Mathematiker; angeblicher Han- dels-Vertrag zwischen England und

l Geoßbritanien und Jrland. London. Schilderung des großen balls in Kostümen. : Deutsche Bundesstaaten. Hamburg. Huller Dampfschifffahrt. (Verbindung mit Prag; Feuers-

ste.)

Spanien. Madrid. Schreiben aus Madrid. (Weitere Auf-

lärungen über die Unterschrift des Regenten ; fortdauernde Gäh- n Barcelona.) enland. Schreiben aus Athen. (Der Bischof von Sella- egen die Amerikanischen Bildungs - Anstalten ; evision der Civilgesche. Neuere Berichte. Parade. Sammlung eines Privat- Vereins der Kaufmannschaft für die Hamburger. Erfurt und alle. Sammlungen für Hamburg. Köln. Düsseldorf.

Wissenschaft, Kunst und Literatur. Ftalienische Oper.

t der geistlichen An- Gâhrung in Port-au- ur<hsuchungs-

Amtliche Na Fr

rince. B

capel; Reform des Buch-

chreiben aus Dresden.

sîa; Opposition Kommission zur Konstantinopel. Berlin. Große

Amtliche Uachrichten.

Kronik des Tages.

Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht :

Dem Kaiserl. Oesterreichischen Wirklichen Regierungs - Rath artorius zu Wien; dem Leib von Portugal, Dr. Friedri < so wie Allerhöchstihrem Vice- Konsul zu Lissabon, Poppe, den Rothen Adler-Orden dritter Klasse zu verleihen ; rofessor und Hof-:Maler' Wach zum Vice- hr 1842 bis estâtigen, und

Franz Ludwi Majestät der K

Die Wahl des Direktor der 1843 vermittelst

dnigl. Akademie der Künste für das abinets:Ordre vom 11. April zu

Berlin, Mittwoch den 25 Magi

hat ihr die Spalten des of

pe eben worden, Wo i e

rung, die Verwaltung, die die Erziehung der A

von Paris zu erklâren.“

Carné das Wort.

Publication einer Bulle des Papstes, in Betre} der kirch

Den praktischen Arzt, Dre. Christian Ferdinan nigau zu Mühlhausen, Regierungs-Bezirk Erfurt, zum Sanitäts: Rath zu ernennen.

re Königl. Hoheiten die Prinzessin Wilhelm und Höchst: I 3 rinzessin Marie sind von Deßau Tée

wieder eingetroffen.

Der bisherige Land- und Stadtgerichts-Assessor Siemon zu Brandenburg is zum Justiz - Kommissarius bei dem Land- und Stadtgericht zu Langensalze und den in dessen Bezirke belegenen Patrimonialgerichten, mit Anweisung seines Wohnsises in städt, so wie zum Notarius im Departement des Landesgerichts zu Naumburg, bestellt worden.

Der Wirkliche Geheime Ober-Regierungs: Rath und Direktor im Ministerium des Jnnern und der Polizei, von Meding, aus der Altmark.

Abgereist: Se. Excellenz der Geheime Staats - Minister Rother, nach Lüben. |

Se, Excellenz der Wirkliche Geheime Rath, General - Major Graf zu Stolberg-Wernigerode, nah Grünberg.

Se. Excellenz der Wirkliche Geheime Rath und Jntendant der Königl. Gärten, von Massow, nah Freienwalde.

Der General-Major und Commandeur der 14ten Kavallerie: Brigade, von Stranß, nah Magdeburg.

dniglichen Ober-

Angekommen:

Zeitungs-Uachrichten. Ausland. Frankreich.

Deputirten : Kammer. err Marchall brachte bei ultus : Minister die leßte Bulle des Papstes gegen

panien und die Anrede des Erzbischofs von Paris an den bei dessen Namensfeste gene Bulle gegen die Be

vom 17. i, (Nachtrag.) mbe des R der Plâße: Ein Plaß in den Logen des ersken ets für den

mied's Tdchterlein. (Dlle. Und : Der Plagregen als Eheprokurator.

: L Schauspielhause. Zum erstenmale; Mitewal, Au Must Fiel in 2 Abth., srei nah dem Franzd-

M S ra Pes Dem au Usse der Spanischen Regierung i ein Tadel der Beschlússe und Grundsäte unserer Revolution von 1793. Um die Bulle vollziehen zu lassen, Bischöfe das Civilgeseß übertreten, ist, obgleich er dessen Joch mit Ungeduld trägt. sagt: Keine Bulle, kein Breve, kein Reskript 1c., welche dur den Römischen Hof ausgefertigt sind, dürfen ohne Ermächtigung der Regierung empfangen, veröffentlicht, andere Weise in Frankrei<h in Vollziehung geseßt werden. Das Verbot isst förmli<h, es muß förmli< seyn, und eine Unklugheit wäre es von Seiten einer Regierung, nicht Vorsichts - Maßregeln gegen eine fremde Macht zu nehmen, welche die religidse Herrschaft ausübt. Jch bezeichne der Kammer tine andere Thatsache: Der Erzbischof von Paris hat bei einer neueren Gelegenheit eine Anrede an den König gehalten. Die bei solchen Gelegenheiten dur die Corps-Chefs an den Kdnig gerich: teten Worte haben einen politischen Charakter, und deshalb wer- den sie vorher mitgetheilt,“ Stimmen im Centrum: „Nicht arhall: „Wenn sie nicht alle mitgetheilt den, so wird man mit Recht sagen können, daß wir unter dem

ur Sprache.

haben die Französischen welches die Charte des Klerus Das Ges:

nung der D ohne Genehmigung der Staats-Behörde publizirt werden dürfte. Wenn man den Jnhalt der Bulle von der politishen Seite betrachtet , so fann man thm ebenfalls seéne Zu man nicht geben, da es immer gefährlich ist, wenn die Religio

léchen Angelegenheiten cines ü des Unterrichts verlangt, so hat man Reht. Wir haben Gewissens- Freiheit, Meinungs-Freiheit, persdnliche Freiheit, warum sollten wir nicht auch Freiheit des Unterrichts haben? Aber alle unsere Freihei- ten sind nur unter der Bedingung bewilligt, daß sie si< auf gewisse Gränzen beschränken. Eine unumschränkte Freiheit des Unterrichts kann nicht gesiattet werden, und doch is es gerade das, was die Geistlichkeit will, und was sie nach ihrer Fnterpretation in der Charte ful finden glaubt. Wehe dem Staate, wo eine solche Freiheit in

edru>t oder auf eine

alle!“ Herr

nee er doch binzufügen, ee Gebrauch in dieser Hin

mt festgeste und uweilen efgen Mi e

(Beifall im Centrum.) Man habe stets das Recht, die Ausführun der Versprechungen der Charte und die Gat n Lie henden Gesche zu verlangen. Die Frage wegen Heiligbaltun des Seis die der Erzbischof angeregt bdtte, sey für alle christliche Gemeinschaften gleih wichtig; die Sonntagsfeier sey eine That- sache, cine Thatsache aller Zeiten und aller Länder, wo- hin die Jdee von Gott gedrungen wäre. Eine Regierung könne nicht das Beispiel der Verleßung der Sonntagsfeier geben, ohne die dfentliche Meinung in Frankreih und in Europa gegen sich auf- zuregen. (Murren zur Linken. Beifall im Centrum.) Der Redner jagte, er wäre niemals mit Fremden durch die Straßen von Paris gegangen - ohne zu bemerken , mit welchem peinlichen Erstaunen sie as Schauspiel erblickt hätten, welches die Stadt an Sonn - und Feiertagen darbiete. Es scy ihm vorgekommen, als ob felbst der Glanz dieser großen Stadt durh die Abwesenheit des göttlichen Gedankens gemiiermaßen verdunkelt worden wäre. Wenn daher ein Kirchenfürst jenen Wunsch ausgesprochen habe, so sey er voll- kommen in scinem Rechte gewesen, wenn auch vielleicht Zeit und Ort schlecht gewählt gewesen wären, und er hofe, daß die Regie- rung des Königs es wagen würde, sih demselben dffentlich zuzuge- sellen. Der Erzbischof habe ferner den Wunsch ausgedrüdt, daf der Unterricht fret gegeben werde. Dieser Wunsch sey in der Charte enthalten, und er selbst würde die nächste Gelegenheit wahrnehmen, um auf Erfüllung des in dieser Hinsicht gegebenen Versprechens anzutragen, Die Polemik über diesen Gegensiand habe in den reli-

gifen Journalen zu Verirrungen Anlaß egeben, die er bedauere.

s sey Úberhaupt zu beklagen, daß Geistliche sich in die Tages- Polemik mischten, indem die Leidenschaft, welche f der Presse Min

I O sey, sich mit dem Charakter des Geisilichen nicht ver-

Herr Dupin: Die Fragen, welche-sih auf den geistlichen Stand,

insofern derselbe mit der Staats-Pokizei in Verbindung steht , bezie- hen, haben ihre zarte Seite; aber dies ist kein Grund, um denselben

aus dem Wege zu gehen, sondern es is nur ein Grund, ste mit Mâ- ßigung zu behandeln. Fch stimme mit dem vorigen Redner darin

berein, daß die Anschuldigungen, die man jeßt von vielen Seiten gegen die ganze Französische Geistlichkeit erhebt, unrichtig sind. Jch räume ein, daß die Geistlichkeit fast dur<hweg von dem Geiste seines Standes beseelt und in jeder Beziehung der Achtung würdig ist. Aber die Aufrichtigkeit gebietet mir, zu gleicher Zeit anzuerkennen, daß die

ihr gefährlih werden. Um auf die verhandelten Fragen sclbs zu kommen, so bin ih der Meinung, daß die Päpstliche Bulle, in wel- cher der Suite aufgegeben wird, Gebete gegen die bestehende Ord-

nge in Spanien anzuordnen, schon von vorn herein nicht

n sich auf diese Weise in die dfent- andes misht, Wenn man die Freiheit

usfübrung kommt! Der Justiz-Minister: Auf die Vorwürfe eingehend, die

influsse der persdnlichen Regierung stehen. Die Antworten des

man in dieser Debatte der Regierung gemacht hat , so muß ich zu-

Königs auf diese Reden werden durch das Ministerium eingeflößt, und deshalb und wegen ihres politischen Charakters werden sie in den Moniteur eingerú>t. Die Rede des Práâlaten ist nicht der Gegenstand einer vorläufigen Mittheilung gewesen, das Ministerium : fglellen Journals versagt; aber sie ist ander-

wärts erschienen, und die Antwort des Königs is nicht veröffentlicht worden, sie ist den Auslegungen, der Böswilligkeit der Parteien preis- î mithin die ministerielle Verantwortlichkeit

| diesem Umstande? Hat das Ministerium die Krone gede>t ? Die De>ung war sehr durchsichtig, sie hat nichts verborgen, und der Schritt des Prälaten hat die Na>theit der persönlichen Res plerung aufgede>t. Das ist um so beflagenswerther, als der Erz- ishof von Paris von “co gesprochen hat, welche die Regie- taats-Polizei, die Gewissens-Freiheit,

: h ugend, „sämmtlich Dinge von der höchsten Wichtigkeit, betreffen. Zch könnte no< Einiges von der Entwie- lung der religiósen Congregationen sagen, aber die vorgerú>te Stunde erlaubt dies nicht, und ih bitte den Minister, sich úber die Bulle vom 22. Februar und über den Schritt des Erzbischofs

Deputirten - Kammer. Sißbung vom 18, Mai. Bei der heute fortgeseßten Debatte Über das Budget des Mini- steriums der geistlichen Angelegenheiten nahm zuerst Herr von

Der Redner ging auf den gestrigen Vortrag des Herrn Marchall cin ; derselbe habe, sagte er, die Ueberzeugung ausgesprochen, daß die Geistlichkcit in Frankreih nah den sehr bedauernswerthen Tradi- tionen zurü>kstrebe, die zu einer anderen Zeit die constitutionelle Mo- narchie und die Religion selb| gefährdet hätten. Wenn diese aller- dings sehr verbreitete Meinung richtig wäre, so würde er das als ein großes Unglück betrachten. Herr Marchall habe, um seine Ansicht durch Thatsachen ju belegen, zwei Punkte hervorgehoben, Über welche er von der Regterung Erklärungen verlange. Der erstere betceffe die ohne vorher LEEReS e Erlaubniß der Regierung erne

chen Angelegenheiten in Spanien. Er (der Redner) sey aber der Meinung , daß jene Bulle der Einregisirirung von Seiten des Staats-Raths nicht bedürfe, da sie sich nur auf innere Angelegenhei- ten der Kirche beziehe und mehr als ein Päpstlihhes Schreiben denn als eine Bulle zu betrachten sey. Der zweite Punkt, den Herr Mar- chall in Anregung gebracht habe, sey die bei Gelegenheit des Kbnigli- chen Namensfestes von dem Erzbischofe von Paris gehaltene Rede. Eine so hohe Achtung er auch für jenen Prälaten hege, so müsse er doch sagen, daß er es bedaure, daß derselbe politische Wünsche vor einer nicht verantwortlichen Gewalt ausgesprochen habe. Ft nein icht nicht

f L A máti r Namen A e e . Was“ nun aber dén Fnhalt er Rede des Erzbischofs betrefe , so nehme er keinen An- stand, zu sagen, daß, wenn die beiden in derselben aus- gesprochenen Wünsche hier auf der Rednerbühne vorgebracht worden wären, sie zu keiner Reclamation Anlaß gegeben haben würden.

V

Religion, wie alle anderen Meinungen, ihre Uebertreibungen hat, die |

vörderst bemerken, daß der chrenwerthe Herr Dupin da

stehende apostolische Schreiben nicht pf zu baben scheint: De er sucht in demselben Fntentionen und Gedanken, die sich gar nicht darin befinden. Der Papst drü>t in scinem apostolischen chreiben denn es handelt sich in der That nicht um eine Bulle den Schmerz aus, den er über ein Schisma empfindet, welches er in der Spanischen Kirche wahrzunehmen geglaubt hat. Der Papst befichlt allen Prälaten der Römischen Staaten , daß sie dfentliche Gebete anstellen, und ersucht alle Prälaten der Christenheit, sich diesem Bei- spiele anzuschließen. Wenn es si< um eine Bulle gehandelt hâtte, so würde das Geseß augenscheinlich verleßt worden seyn, denn es kann kein solches Dokument ohne Erlaubniß der Regierung publizirt werden. Jch komme nun zu der am 1. Mai von dem Ë

von Paris gehaltenen Rede. (Zeichen der Aufmerksamkeit.) Zuvör- derst bemerke ich , daß es cine bekannte Thatsache ist, daß die bei jener Fcierlihkcit, bci jenem Familienfeste gehaltenen Reden nicht vorher mitgetheilt werden (Murren zur Linken); wenn man daher von einer ministeriellen Verantwortlichkeit bei dieser Gelegenheit spricht , so beruht das auf cinem Frrthum. Die Reden sind vorher mitgatent worden. (Lebhafte Unterbrehung zur Linken.)

rzbéschofe

nicht

Herr O. Barrot: Es hätte geschehen müssen! Herr Taschereau: Das war eben verfassungswidrig. Auf

diese Weise entblößt man das Königthum.

Der Justiz-Minister: Nein, m. H., jene Reden müssen nicht

vorher mitgetheilt werden. Der gegenseitige Austausch der Gefühle zwischen dem Souverain und den verschiedenen Körperschaften des Staates hat sein Gutes. (Abermalige eus zur Linken.) Man könnte mich nun vielleicht Über meine Ansi

Zweckmäßigkeit jener Rede, Zeit und Ort betreffend, befragen. Die Kammer wird aber die Gefühle der hohen Konvenienz begreifen, die mich verhindern, meine Ansicht Über diesen Gegenstand auszusprechen. Von den in der Rede des Erzbischofs von Paris ausgedrü>ten Wün- schen bezog sich der erfte darauf, daß die Regierung die Arbeiten am Sonntage verhindern möge. Wen kann es überraschen, daß die Geist lichkeit einen solchen Wunsch ausdrü>kt? Sie hat das Recht und die Pflicht dazu, so wie es der Regierung zusteht, zu beurtheilen, in welchem Maße jener Wunsch erfüllt werden muß. Lassen wir daher Jedem, was ihm zukommt, und tadeln wir einen natürlichen und rehtmä- ßigen Wunsch nicht wie einen Akt der Unduldsamkeit. Die Freiheit des Unterrichts ist in der Charte versprochen worden; es is daher eben=- falls natürlich, daß die Geistlichkeit ihre Wünsche in Betreff der Art, wie jene Freiheit organisirt werden soll, kundgiebt. Alle Welt kann auf die Ausführung jenes Versprechens der Charte antragen: aber der Regierung steht es wiederum zu, die Reclamationen der Geifilichkeit zu prüfen und zu beurtheilen, wie weit sie gehen darf. Der Minister des dffentlichen Unterrichts und ih sind geneigt , sorgfältig alle Be=- schwerden zu prüfen, die uns in einer schi>lichen Form vorgelegt werden ; aber wir stimmen auch in der Erklärung Überein , daß wir keinenfalls an die Universität, dieses von dem Kaiserthume gegründete unvergängliche Denkmal, Hand legen werden. (Beifall 3

daher unmöglich , daß man in der Rede des Erzbischofs von Paris die Gefahr, von der so viel gesprochen worden if, wirklich erbli>t hat , und i< bin Úberzeugt, daß alle Mitglieder dieser Kammer mit mir der Meinung sind, daß man jener Rede eine Wichtigkeit beigelegt hat, die sie nicht besaß. (Bewegung zur Linken.)

t hinsichtlich der

Es ift

Die allgemeine Erörterung úber das Budget des Ministe-

riums der geistlichen Angelegenheiten ward hierauf geschlossen, und die Kammer ging zur Berathung der einzelnen Artikel über. Es ward unter Anderem, troß der lebhaften Opposition des Herrn Zsambert genehmigt, daß das Gehalt des Erzbischofs von Paris von 25,000 Fr. auf 40,000 Fr. erhöht werde. Andererseits be- willigte die Kammer auf den Vorschlag des Herrn F. Delessert eine ermehrung von 160,000 Fr. auf dem Budget der protestan- tischen Geistlichkeit. Am Schlusse der Sißung waren sämmtliche Kapitel des erwähnten Budgets angenommen, und morgen beginnt die Erórterung Über das Budget des Ministeriums der auswär- tigen Angelegenheiten.

Paris, 19. Mai. Alle Minister haben sh heute früh nach \;

den Tuilerieen begeben, wo unter dem Vorsize des Königs ein Kas binets-Conseil stattfand, das, wie man wissen will, durch heute aag aus Algier hier eingetroffene Nachrichten veranlaßt eyn soll.

Die Pairs-Kammer beendigte in ihrer gestrigen Sißung

die Erórterung Úber die Supplementar- Kredite für 1841 und 1842, konnte aber den Geseß-Entwurf, wegen Unvollständigkeit der Ver- sammlung, erst heute annehmen.

Graf Molé hatte gestern eine lange Audienz bei dem Her-

oge von Orleans.

Der Graf von Jelski, vormaliger Chef des Handlungshauses

F. Jelski u. Comp., hat den Grafen Lehon, vormaligen Belgischen Botschafter in Frankreich, vor das hiesige Handels - Es laden. Die Klage is folgendermaßen motivirt: Jm Jahre 1834 trat das Handlungshaus Jelski mit dem Grafen Lehon zusammen, um in Spanischen Fonds zu spekuliren. Die zu dem Ë

Juli und August 1834 an den Börsen von Paris, London und Antwerpen unternommenen Operationen lieferten einen Gewinn von 366,000 Fr., wovon der Graf Lehon den vierten Theil erhielt. Im September und Oktober v. J. ward eine zweite ähnliche Speculation auf denselben Pläßen unternommen, welche einen Verlust von 1,209,043 Fr. ergab, von welcher Summe der Graf Lehon den vierten Theil zahlen soll. Nachdem Leßterer seinen Antheil an den Gewinn genommen hatte, weigert er sich, den Gie i tragen, und dem Gerichte sollen nun die näheren De- 14 Log stattfinden.

nde im

er Sache vorgelegt werden. Die Debatten werden in

an {reibt aus Bre st vom 1óten d.: „Die Brigg „le Hu-

zard, welche am 29, März von Port au Prince abgegangen ist, bringt wichtige Nachrichten aus Haiti. Bei unr des S

chiffes

herrschte in der Stadt Port au Prince die beunruhigendste Gäh- rung; das Volk drângte sich in aufrührerischer den Palast. des Práâsidenten, und 20,000 Mann Truppen ftanden unter dem Gewehr, um die Emeute zu unterdrú>en. Man be- fürchtete eine blutige Kollision. Die F p gen das Oberhaupt der Regierung wurde von den Kammern ge theilt und unterhalten; es war die Rede davon, sie aufzulösen, gleich allgemein eine solche unpopulaire Maßrege gegen die Autorität und vielleicht gegen das Singebung und der ten Boyer betrachtet wurde, falls nicht d Ten :

Muth der Truppen ihm den Sieg s

timmung um

eindseligkeit des Volkes ge-

l als entscheid des Práfiden-