1842 / 164 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

in den Debatten Úber die Wahlen eine neutrale Stellung behaup- tet; es hat die Legitimisten weder aufgefordert, noch ihnen abge- rathen, zu den Wahlen zu gehen; es hat sehr gut auseinanderge- seßt, daß dies eine Gewissenssache und aer eine um so delikatere Sache sey, als die Deputirten und Wähler dabei einen Eid zu leisten hätten. Dieser Eid scheint indeß für diejenigen Legitimisten, welche durch die Gazette de France und die Quotidienne repräsentirt werden, fein Hinderniß zu seyn. Das erstere Blatt hat namentlich erflârt, daß es den Eid nur als eine reine Förm- lichkeit betrachte, der man durchaus feine große Wichtigkeit bei- zulegen habe.

Herr Thiers weiß vollkommen, daß er sehr weit von der Ge- walt entfernt isk; allein sein einziges Bestreben is jeßt, Herrn Guizot zu stürzen, und dazu sind ihm alle Mittel glei<h. Das Comité, dessen Seele er ist, giebt z. B. seine Stimme dem Herrn Marie, der für das fünfte Arrondissement von Paris als Kandi- dat auftritt. Herr Marie is ein sehr ausgezeichneter Advokat, aber zugleich ein eifriger Republikaner, der eben so große Abnei- E gegen Herrn Thiers, wie gegen Herrn Guizot zeigt. Die- elben Jnskructionen werden von den Comits der Departements ertheilr. Das Losungswort is überall dasselbe, und die verschie- denen Oppositionen vereinigen sich, um ihre Stimmen den dem Ministerium feindlichen Kandidaten zu geben, von denen man nur E daß sle sich verpflichten, gegen Herrn Guizot zu stimmen.

ie Opposition besißt gegenwärtig niht mehr dieselben Mit- tel der Wirksamkeit wie früber; die Äzabl - Comité’s sind fúr die Bedürfnisse des Augenbli>s geschaffen und haben folglich nicht den- selben Einfluß, wie die permanenten Comités unter der Restaura- tion, deren Mittelpunkt die Gesellschaft „Aide-toi, le ciel t’aidera“ bildete. Jene improvisirten Comités haben feine hinreichenden Verbindungen; ihre temporaire Eristenz flößt niht genug Ver- trauen ein und an Mitteln zur materiellen Wirksamkeit fehle es ihnen gänzlih. Es besteht Übrigens eine für die Opposition wenig beruhigende Thatsache. Bei jeder Erneuerung der Kammer ver- mindert sich die Zahl der neuen Deputirten und die alten werden gewöhnlich wiedergewählt. Das begreift sich. Wenn Jemand mehrere Sessionen hindur< Mikglied der Kammer gewesen ist, so bilden sich zwischen ihm und den Wählern gewisse Beziehungen, die sih nicht immer leicht zerreißen lassen. Die Wähler lassen sich heutzutage nicht mehr durch politische Motive bestimmen; ihr Votum is gewöhnlich eine Folge theils persönlicher Sympathieen, theils von lofalen oder selbst von Privat-Jnteressen. Die OÖppo- Prdtea BE welche in der leßten Session angeregk worden sind, berühren sie wenig und es ist ihnen ohne Zweifel gestattet, das Programm des Herrn Barrot etwas veraltet zu finden. Jn der That, was will Herr Barrot? Die vdbllige Wiedereinsezung der Jury in ihre politischen Functionen ; ein Geseß über die Verant- wortlihkeit der Dru>er, ein anderes über die Jnkompatibilitäten in der Kammer und die Zulassung der Kapazitäten; Gesetze über die T der Munizipal: und Departemental-Behörden, na- mentlih in Bezug auf die Auflegung und Vertheilung von Steuern u. \. w. „Ihr könnt“, sagt t Barrot zu den Wählern, „Eure Kandidaten über alle diese orschlâge befragen und interpelliren, sie werden Euch Rede stehen.“ Allein das is ja. {hon mehrmals gén man weiß, was, die Mehrzahl der Wähler von diesen orschlägen hält, die man wenigstens zum zehnteitmale wieder aufs wärmt. Das Land is nicht aufgeregt genug, um daran ein gro- ßes Jnteresse zu nehmen, und die Wähler werden sich wahrschein- lich zu den nächsten Wahlen begeben, wie sie es bisher gethan haben, d. h. ohne auf jene Einladungen Rü>ksicht zu nehmen.

Die Wahl-Comité?s haben ein Verzeichniß von konservativen Kandidaten entworfen, deren Wiedererwählung ihnen zweifelhaft oder sehr schwierig zu seyn scheine. Es sind dies etwa 70 Depu- tirte; wir halten uns Überzeugt, daß sie, mit zwei oder drei Aus- E: sämmtlich wieder erwählt werden, Was man bis jeßt weiß, ist, daß etwa 20 Deputirte, worunter 10 konservative und 40 Oppositions - Deputirte, sich nicht mehr vor den Wählern stel: len und auf die Ehre, in der Kammer zu sißen, verzichten werden, Es giebt sodann drei entschiedene Deputirte, die noch nicht erseßt worden sind; der Eine dieser Drei war ein Konservativer und die beiden Anderen gehörten der Opposition der Linken.

Wir haben oben gesagt, daß es wirklih in Betreff der Wah- len nur zwei Parteien giebt: die konservative Partei oder die Regierung einerseits und die legitimistische Opposition, die Linke und die äußerste Linke. Wir haben gezeigt, welches die Mittel und die Hoffnungen der leßteren Partei sind, und wollen nun einen Bli> auf die Lage der Regierung werfen. Unter der Re- stauration ward der ministerielle Einfluß bei den Wahlen nicht für erlaubt gehalten, und jede Einmischung in die Ernennung der Deputirten von Seiten der Verwaltung galt für Betrug und Geseb- widriakeit. Jeßt hat man sich längst Úber dergleichen zarte Rücksichten

inweggeseßt, und man bewilligt dem Ministerium gewissermaßen das

See ih gegen die Oppofition zu vertheidigen, und zwar mit Hülfe von Mitteln, die ungleich mächtiger sind, als Diejenigen, welche den Wahl - Comités zu Gebote stehen. Das Ministerium hat in der That seit drei Monaten eine Thätigkeit und eine Wachsamkeit entwoi>elt, wovon man bis jeßt noch fein Beispiel hat. „Es hat mehrere sehr wichtige Gesez-Entwürfe T die úber wi- derstrebende Jnteressen entscheiden sollten, blos um aller Welt Hoffnung zu lassen. Es hat seit drei Monaten den Gemeinden, den Kirchen und den Corporationen alle Vergünstigungen bewil: ligt, úber die es verfügen fonnte; es hat durch geschi>te Combi- naflonen mehrere Oppositions - Deputirte zu sich herübergezogen ; und außerdem sind besondere Jnskructionen an alle Prà- fekten und Unter - Präfekten erlassen worden, um möglichst genaue Wahl-Statistiken zu erhalten. Endlich sind die Präfekten no< angewiesen worden, É viel Wähler als möglich persönlich zu besuchen. Man begreift, daß bei der Stimmung, in der si< der Wahlkörper {eit langer Zeit befindet, und bei einem so großen Aufwande von Mitteln von Seiten der Negierung alle günsli- Bir Chancen auf Seiten des Ministeriums sind, und es ist wohl einem Zweifel unterworfen, daß es mindestens eine eben so fúg- ame Kammer erhalten wird, als die gegenwärtige is. Daraus olgt freilich noch nicht, daß Herr Guizot seine gegenwärtige Stel: lung behaupten wird, aber die Wahrscheinlichkeit is für ihn.

Großbritanien und Jrland.

London, 10. Juni. Die Königin hat in den lebten Tagen in Begleitung des Prinzen Albrecht U des Grafen Menodorf den Pferderennen zu Ascott beigewohnt.

as Oberhaus hat vorgestern keine und gestern nur eine ganz unbedeutende Ste gehalten. Das Unterhaus war heute nicht versammelt. Geskern wurde in demselben wieder über den Tarif verhandelt und zuerst ein Amendement des Herrn Man les, wo- nach der Zoll auf Jndische Baumwollenzeuge von 5 auf 3% pCt, reduzirt werden sollte, mit 56 gegen 42 Stimmen verworfen, Auch ein auf Reduction des Zolls von roher Baumwolle gerichte- tes Tigrädezeue, gegen welches von Seiten der Minister vorzüg- lich eingewandt wurde, daß die Regierung der daraus entspringen: den Einnahme von 600,000 Pfd, nicht entbehren könne, fiel mit

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97 gegen 44 Stimmen durch, obgleih die Opposition bemerklich machte, daß die Zölle auf Rohstoffe nebst den Auflagen auf Lebens- mittel allmälig die ganze fabrizirende Bevölkerung in Armuth brin- gen würden. Ferner ward ein Amendement des Herrn Ch. Wood, wonach der Einfuhr:Zoll von Schafwolle auf 1 Sh. für den Cent- ner Cedugiee werden sollte, und wofür der Antragsteller den Ver- fall der Englischen Wollenwaaren - Fabrication anführte, da diese nicht mehr mit der ausländischen konkurriren föônne, mit 122 gegen 65 Stimmen verworfen, nachdem der Präsident der Handelskammer versichert hatte, daß das Ministerium diesen Zöllen die sorgsamste Erwägung gewidmet habe, und daß es von der Angemessenheit ihrer Reduction, sobald der Zustand der Finanzen es irgend ge- statte, Úberzeugt sey, wie es denn auch diesen Fabricationszweig schon jeßt in dem Tarif nicht unberú>sichtigt gelassen, indem es unter Anderem die Zölle auf vegetabiische Oele und Farbestoffe, die zur Wollen- Manufaktur vorzäglich gebraucht würden , herab- geseßt habe.

Zu Stoekport wurde neulich eine dffentlihe Versammlung ge- halten und darin der Beschluß gefaßt, eine Denkschrift in Betreff des dort herrschenden Nothstandes an die Königin einzuschi>en. Die Armen - Steuern sind seit 5 Jahren in E to>port von 2628 auf 7120 Pfd. St. gestiegen; mehr als 3000 Wohnhäuser stehen leer; Úber die Hälfte der Spinnereibesißer haben fallirt, und die Maschinen und Geräthe von 21 großen Etablissements sind auf dem Auctions- oder Privatwege verkauft worden. Blos in der einzigen Vorstadt Heatcon Norris sind unter 3000 Häusern 700 ganz unbewohnt; für 800 werden die Miethen vertragsmäßig nur theilweise bezahlt, und 1000 haben so arme Bewohner, daß die E mit ihrer Klage wegen rú>ständiger Miethe nichts aus- richteten.

Aus Souchampton erfährt man, daß zwei Englische Dampf- böte im dortigen Hafen für Rechnung der Mexikanischen Regie- rung auf den Kriegsfuß bewaffnet und mit einer bedeutenden Menge Geschúß und Munition beladen werden sollen. Diese Schiffe, welche au<h Marine-Soldaten mitnehmen werden, sollen bestimmt seyn, den Krieg gegen Texas thätig fortzuseßen.

Die Differenzen zwischen England und den Vereinigten Staa- ten sollen, nach einer Korrespondenz: Mittheilung in der Times, einer Uebereinkunft nahe seyn; die Vereinigten Staaten, \o heißt es, würden sich zwar nicht das Durchsuchungs:Recht, wohl aber ein Besichtigungs-Necht in Bezug auf ihre Schiffe gefallen lassen.

Der Vater des in Newgate in Haft befindlichen Francis suchte dieser Tage um eine Abschrift der gegen seinen Sohn ab-

egebenen Zeugen-Aussagen nach ; man verwies ihn von einer Be- orde zur anderen und er empfing von jeder den Bescheid, daß sie nicht im Besiße des Zeugen-Protokolls sey. Der Globe findet es sonderbar, daß man unter solchen Ausflüchten die begehrte Ab- schrift verweigere, während doch der Gefangene geseßlich berechtigt sey, dieselbe als ein für seine Vertheidigung unentbehrliches HÜlfs- mittel gegen Bezahlung gewisser Gebühren ohne alle Umstände zu fordern. Wahrscheinlih werde dieses Hinhalten einen Aufschub des Prozesses bis zu der nächstfolgenden Assisen-Session zur Folge Faben. Was Francis betrifft, so beharrt er auf seiner ersten Ver- sicherung, daß in dem Pistol, als es abgefeuert worden, blos Pul- ver gewesen sey. /

Der durch sein wiederholtes Eindringen in den Palast der Königin bekannte Schornsteinfeger - Bursche Jones is, wie ein Australisches Blatt vom 3. Dezember meldet, als Auswanderer zu Sydney eingetroffen: Die‘Regierung hat ihn dorthin geschi>t, um die Königin vor seinen künftigen:Besuchen zu bewahren.

Die seither den KorneZnspektoren dbliegenden Pflichten müssen vom 24. Juni an von AÆccise-:Veamte&h- versehen werden. Erstere erhalten für den Verlust ihrer?Stellen keine Entschädigung, mit Ausnahme des Korn-Jnspektors zu London, welcher bisher 300 Pfd. Se. jährlich bezog.

5 London, 10. Juni. Als der schändliche Versuch auf das Leben unserer geliebten Königin stattfand, war ih frank und nicht im Stande, an Sie zu schreiben, um Zhnen einiges Nähere darúber mitzutheilen. Nun is die erske Aufwallung vorüber, und während Jeder nicht nur im verordneten Kirchengebet, sondern auch in der Tiefe des Herzens Gott fúr die abermalige Erhal- tung der Monarchin dankt, ist es auch eines Jeden Wunsch, daß man diesesmal dem Rechte seinen Läuf lassen und den Verbrecher wenigstens mit lebenelänglicher Deportation bestrafen möge. Man tadelt jeßt allgemein jene milde Politik, welche Oxford?s Versuch als ein Werk des Wahnsinns stempelte, wodur< nun dieser junge Taugenichts auf öffentliche Kosten ein Schlaraffenleben in dem schönen, geräumigen und höchst bequemen Jrrenhause Bedlam führt, und man glaubt, daß Francis seinen Versuch aus feiner anderen Absicht gemacht habe, als um eine eben so gute Versor- gung zu erhalten. Obgleich man eine Kugel bei ihm fand, ist es doch eben so zweifelhaft als im vorigen Falle, ob das Pistol wirk- lich scharf geladen war. Uebrigens hat die Königin bei dieser Ge» legenheit wieder Eigenschaften an den Tag gelegt, die sie bei einem müutchigen Volke nur noch beliebter machen müssen.

Man fann si<h wohl denken, wie viel persönlicher Größe es bedarf, um in der öffentlichen Meinung geachtet zu bleiben, wenn Journalisten (und zwar nicht einmal von denen, welche fürs ge- meinsie Volk schreiben) es dem-Hofe zum Verbrechen machen, daß man Bâlle zum Besten der arbeitenden Klassen giebt und, wo der Ertrag von solchen nicht ausreichen will, sogar Kollekten für die- selben veranstaltet! Diese leßte, so weit fie nâmlih aus Sub: scriptionen besteht, ist leider noch nicht sehr bedeutend ausgefallen ; denn Keiner is no< dem Königlichen Beispiele gefolgt und hat seine fünfhundert subskribirt, Jndessen weiß man noch nicht, wie bis jeßt der Ertrag der in den Kirchen erhobenen Summen ist. Ich zweifle nicht, daß derselbe viel größer ausfallen wird, und er muß es auch, wenn die Königliche Aufforderung nicht zur Jronie werden soll, Das Elend ist besonders in Schottland sehr drük- fend, denn dort hat man feine geseßmäßige Bestimmung zum Besten der Armen, wie in England, und alle Beiträge sind frei- willig, ; Der Tarif hat inzwischen binnen vierzehn Tagen weniger

ortschrikte gemacht, als ohne die Pferderennen, welche in dieser Sei stattgefunden, geschehen seyn würde. Besonders sind die, welche diese Woche zu Ascott die shône Welt versammelt, dem Fortgang aller Geschäfte hinderlich gewesen. Jndessen, so weit man damit fortgerú>t, sind die Vorschläge der Regierung unver- ändert geblieben und werden es auch unstreitig ferner bleiben. Ein Ausbruch der Streitsucht, welcher sich bei einer Gelegenheit eigte und wodur fast ein ganzer Abend verloren ging, war im höchsten Grade lâcherlih, Es ist wirklih Zeit nach solchen Auf- tritten, wie nah den unziemlichen Streitigkeiten und Entde>un- gen úÚber die E daß das Unterhaus wieder einmal etwas thue, wodurch es seine Würde vor der Nation behaupte. Roebuck macht mie seinem Ausschusse gar keinen Fortschritt, und inzwischen werden die Wähler der Städte, deren Vertretung der Untersu-

<ung wegen suspendirt is, alle e ungeduldiger, und ein gro- ßer Theil der alier: Pre Seerrfbdt sie in ihren Klagen.

Lord John Russell hat dem Hause einen Geseß- Vorschlag vorge- legt, wodur< Bestechungen bei den Wahlen leichter zu entde>en seyn und Verträge zwischen Klägern und Beklagten, wodurch Un- tersuhungen nah deren Belieben unterbrochen werden kdnnen, verhindert werden sollen. Peel erklärt sih mit dem Vorschla zufrieden; aber die, welche zu der Ueberzeugung gekommen, daß, um wirksam zu seyn, das Unterhaus den Untersuchungen für sich selbst entsagen und dieselben einem stehenden Tribunal anver- En e, halten natürli<h auch von diesem neuen Mittel nicht viel.

Lord Ashley's Vorschlag, um dem Unwesen beim Kohlen-Bergbau, welches eben ans Licht gebracht worden, ein schnelles und entschie- denes Ende zu machen, is von allen Parteien beifällig und sogar mit Dank aufgenommen worden. Die Sache ist, daß pons feine einflußreichen Personen für die Beibehaltung des Uebels interes:- sirt sind und man sich folglih ohne Opfer den Ruf der Menschen- liebe erwerben fann. R will hiermit nicht sagen, daß unsere Unterhaus - Mitglieder selbs{sÜchtiger seyen als andere Menschen ; ih will nur darauf aufmerksam machen , daß sie eben so wenig als andere Menschen Engel sind. Man erinnere si< nur der Schwierigkeiten, welche der menschenfreundliche Lord gefunden, als er mit seinen Reformen im Fabrikwesen anfing, und wie wenig er im Grunde in diesem Zweige zu bewirken vermocht!

Belgien.

Brüssel, 9. Juni. Der Fürst von Chimay is von seinen Functionen als Civil-Gouverneur des Betsibtep Luxemburg ent- bunden und Herr Dechamps zu dessen Nachfolger ernannt wor- den, Es wird jedoch behauptet, der Lebtere habe diesen Posten noch nicht angenommen.

Die hiestge Sammlung fur die Hamburger Abgebrannten be- trâgt bis jeßt 24,000 Fr.

Herr Anatol von Demidoff und seine Gemahlin, geborne Fürstin von Montfort, sind aus Paris auf der Reise nah St. Petersburg hier eingetroffen.

Deutsche Bundesstaaten. i

München, 9. Juni. Die Herzogl. Sachsen-Altenburgischen Herrschaften sind diesen Nachmittag e angekommen. Zhre Mia: jestät die Königin suhr ihren Durchlauchtigsten Verwandten bis zur ersten Station entgegen.

Se. Durchlaucht der Herzog von Braunschweig, der sich einige Tage hier aufhielt, hat unsere Stadt verlassen, um fi< nah Braun- schweig zurü>zubegeben.

uxemburg, 7. Juni. (Tr. Ztg.) Se. Majestät unser Kbnis Großherzo9 hielt deute Behufs Eróffnun der Stände ei- nen feierlichen Einzug in unsere Stade. Der Kdnig Großherzog war zu Pferde, von einer glänzenden Suite begleitet; die Garde d'honneur zu Pferde erdsfnete den Zug und schloß denselben. Um ein Viertel vor 1? Uhr traf Se. Majestät auf dem Glacis der Festung ein und wurde mit 101 Kanonenschüssen salutirt. Der Gouverneur und Kommandant der Feskung und die Mitglieder der Stadt - Regierung erwarteten Se. Majestät auf dem Glacis. Eine große Volksmenge war nach der Stadt gestrômt, um dieses imposante Schauspiel zu genießen Gleich nach dem Einzuge fand die feierliche Eröffnung der Stände statt. Nach derselben nahm Se, Majestät bei dem Civil-Gouverneur, Herrn von la Fontaine, in dessen schôn gelegenem Garten ein Dejeuner ein. Um 2 Uhr besuchte der König das Etablissement des Herrn Boch-Buschmann und fehrte dann nach Walferdingen zurü>. Um 5 Uhr war große Tafel, wozu sämmtliche Stände geladen waren. Heute. Abend hat Se. Majestät einen glänzenden Ball bei Sr. Durchlaucht dem Herrn Gouverneur mit seiner Gegenwart beehrt, welchem gegen 300 Personen beiwohnten. Die Französischen Prinzen werden morgen erwartet. Eine große Parade der ganzen Garnison soll, dem Vernehmen nach, übermorgen vor Sr. Majestät stattfinden.

Schleiz. Die Augsburger Allgemeine Zeitung ent- hâlt folgendes Schreiben einer Dame aus S<hleiz vom 6. Juni: „GSestern sollte von den hier anwesenden Schauspielern die pr „Czaar und Zimmermann“ gegeben werden. Jch ging ia ih und nichts Arges ahnend um 74 Uhr dahin; es war gedrängt voll in dem neuen Hause. Die Oper begann erst um 8; Uhr, da die fürstlichen Personen nicht früher kamen. Die Ouvertüre, der erste Gesang und ein Duett gingen glü>lih vorüber, da auf ein- mal lóst sich der Verpuß an der Dee in der Mitte, und Kalk, Bretter und Berohrung s\enkte sich langsam auf die entseßten Zu- schauer herab. Jm ersten Augenbli>e war Todtenstille im Saale, Jedermann glaubte zu träumen, bis eine neue und stärkere Par- tie Schutt und Bretter einen Jeden aus dieser Apathie riß und ermahnte, an seine Rettung zu denken. Einige Wenige, von Bal- fen oder Brettern am Kopfe getroffen, waren augenbli>lich todt, viele Andere wurden mehr oder minder beschädigt; Alles erhob ein entseßliches Geschrei, und nun entstand ein Drängen und Stoßen von allen Seiten nach den gedffneten Thüren zu. glaubte mih im ersten Augenbli>e gar nicht verwundet, er- wartete aber einige Momente in fürchterlicher Todes-Angst den Balken, der mih nach meiner Meinung zerschmettern mußte ; rings um mi waren Bretter mit losgerissenen Nägeln , Kalk, Staub- wolfen und ein wirrer Menschenknâuel; allmälig kehrte mir die volle Besinnung zurú>, ich fühlte selbst ein Brett auf mir, be- freite mich davon und strebte nun, schiebend und geschoben, dem Ausgange nahe zu kommen. Aber hier war noch das fürchter- liche Schauspiel: die Ersten an der Thüre nämlich, meistens Män- ner, welche standen, rissen die Barrièren, welche die Pläße trenn- ten, ein, Manche mochten aber dabei gestolpert und gefallen seyn und die Nacbdrängenden stürzten nun Über diese weg, so daß der Weg über lauter Menschen ging, Jch {webte gegen zehn Mi- nuten lang in Todesgefahr: wäre ich gefallen, so war ih ganz ge- wiß auch verloren. Endlich erbarmte sih ein Mann meiner und zog mih aus dem Menschengewirre. Es sind im Ganzen 21 Men- schen todt und viele schwer verwundet, bei denen wohl auch niche

an ein Auffommen zu denken ist.“

Desterreich. ü ien, 8. Juni. (L. A. Z.) Nachrichten aus Ferrara zu- ui B Lahe Erzherzog Maximilian, Hoch- und Deutsch- meister, auf De Durchreise (q erfranft, so daß ihm zwei- mußte zur Ader gelassen werden. des Le Chef des N ven Pionier- Corps , Oberst Galior, wird in den nächsten Tagen hier erwartet, um den interessanten Uebungen unserer vereinigt werdenden Pontonniere und Pioniere nach dem Biragoschen Systeme bei E Die jest überall in so reger Berathung stehenden Vorsichts- Moasßregeln in Bezug auf die Eisenbahnen werden auch durch die bevorstehende definitive Erledigung unseres Eisenba lizeigeseges vermehrt werden, Der Entwurf is sehr umfassend und wurde im vorigen Zahre mit Beiziehung der beiden hiesigen Eisenbahn-

Directionen modifizirt, wonach derselbe bisher eine provisorische

entlichèn als zwe>dienlih zeigt, e t nun die Landes-Regieruns jur

desselben aufgefordert worden. Ausschreibung für eine Lieferung

Geltung hatte und si{< Auf Anordnung der Hofka E definitiven Berathun U E O Da no< im Laufe d/esE im Gewichte von 150,000 Cern, p A Gol te neuerlich die Hofkammer, dem Vernehmen nach, erfol "a wird, so hat che Jndustrie wichtige und interessante Frage A A deem, 26 Ul hiesigen Schienen-Walzwerke im Stande seyen, ? daß. die Staats-Verwaltung aendthigt wäre, ei: den Bedarf, ohne beziehen, alljährlih zu erzeugen an nen Theil aus England zu da L Q ; Jngen, g at die Ueberzeuguu9 onnen, daß das Quantum unserer Fa- E für die erstere Zeit hinlänglich genüge, und beabsichtigt, itere Konzessionen zur Errichtung solcher Walzwerke unter er- lelhternde edingungen gu ertheilen, so daß wohl der ohne Ver- leich größte Theil jener für die Staatsbahnen zu verausgabenden aa im Lande bleiben wird.

4. Juni. Aus allen Kreisen Böhmens laufen sehr +4 e Ss erichte ein, úber den Stand der Feldfrüchte, dur< die seit mehreren Wochen ununterbrochen anhaltende

rere, Die Sommersaat is fast allenthalben verkommen, auch der Wiesenstand bietet das Bild gelber Vertro>nung und, bedroht unseren Viehstand mit einer bedeutenden Reduction, nachdem unsere während der lettverflossenen Jahre so sehr gelich- teten Heerden faum wieder dem Normalskand nahe gebracht wur- den, Îuch auf die kommerzielle Thätigkeit übt diese anhaltende Dürre bereits einen nachtheiligen Einfluß aus, da der Wasserstand der Moldau und Elbe so niedrig sind, daß bereits die Schifffahrt darunter leidet, was besonders im gegenwärtigen Augenbli>e sehr empfindlich, wo so viele Gegenstände unserer Ausfuhr mit Vortheil na< Hamburg geschafft werden könnten, wenn dieses mit der nd- thigen Beschleunigung zu bewirken wäre. Das traurige Schisal, welches jene Stadt betroffen, findet úbrigens auch jene warme Theilnahme, welche die Größe des Unglúks verdient; diesem und den wichtigen Beziehungen angemessen, welche durch den Elbhandel zwischen hier und Hamburg, das einen großen Theil unserer Aus- fuhr vermittelt, stattfinden, nehmen die hier eingeleiteten Samm- lungen zur Unterstüßung der dürftigen Abgebrannten Hamburgs einen erfreulichen Fortgang, und beweisen auch bei dieser gemein- samen Deutschen Angelegenheit, daß unser Land als ein Deut-

sches sich betrachtet. Schweiz.

Aargau. Dem Vernehmen nach hat der kleine Rath be- schlossen, dem bischöflichen Kreisschreiben, daß in den fatholischen Laudestheilen fúr die Kirche in Spanien Gebete gehalten werden, das Visum nicht zu ertheilen.

Waadt. Mendelssohn-Bartholdy hat die Einladung ange- nommen, dem Schweizerischen Musikfeste in Lausanne beizuwoh- nen; úber sein Oratorium , das daselbst zur Aufführung kommen wird, soll er Herrn Direktor Maschek dankenswerthe Mittheilun- gen gemacht haben. |

Der Verfassungs-Entwurf des Kantons Tessin ist vom gro- ßen Rath in der zweiten Abstimmung mit 67 gegen 32 Stim- men angenommen worden, nachdem der Hauptgrund der Verwer- fung, die Ausschließung der Geistlichen von allen Staatsämtern, durch ein Amendement des Herrn Bertazzi hinweggeräumt wor-

den war. Türkei.

Konstantinopel, 25. Mai. Mehmed Ali war nabe daran, neuerdings festen Fuß in Syrien zu fassen. Er wußte es durch seine Verbindungen in Konstantinopel so weit zu bringen, daß ihm der Weg angebahnt ward, seinen Sohn Said Pascha s Gou: verneur von Saidah ernennen zu lassen. Ueber die Räthlichkeit dieser Anstellung ward kürzlich im Divan debattirt und der Groß- B et Mehmed zeigte sich bei dieser Gelegenheit unverhohlen als An N ie der neuen Aegyptischen Dynastie, ZJndessen gaben mehrere Mitglieder des Conseils eine Art Protestation gegen diese Wahl zu Protokoll und der Sultan entschied in Allerhöchster Instanz im Sinne der leßteren. Eben so lehnte Se. Hoheit die von Mehmed Ali angebotene Unterstüßung in Syrien durch Aegyp- tische Truppen ab.

Der Dânischen Fregatte „Thetis““, an deren Bord sich der âl- teste Sohn des Landgrafen von Hessen - Kassel befindet, ist der Ferman zur Durchfahrt dur<h die Dardanellen verweigert wor- den; dabei beruft sich das Türkische Gouvernement auf den Trak- taf vom 13, Juli 1840, wonach die Kriegsschiffe keiner Nation die Dardanellen passiren dürfen. Man glaubt, Sir Stratford Canning werde sich bei dieser Kontroverse ins Mittel legen.

Die von Omer Pascha in Betteddin durch Verrath gefange- nen 6 Drusen:Chefs sind bereits hier angekommen.

Der Großbritanische Botschafter hat die Freude gehabt, bei dem Türkischen Gouvernement den ersten Succeß zu erringen, die Absegung Asfkar Ali's, des Beys von Tripolis in der Ber- berei, An die Stelle Askar Ali's is der seitherige Gouverneur von Boli, Mehmed Pascha, zum Bey von Tripolis erhoben

worden, Dfstindien.

Bombay, 3. Mai. Der Hauptpunkt, worauf die Jndi- schen Blätter jeßt bestehen, lautet dahin, daß es verkehrt seyn würde, mit den gegenwärtigen Häuptern zu Kabul, Kandahar, Gisni irgend Verträge abzuschließen. Ein Monarch zur Regie- rung des Landes scheint nicht mehr vorhanden zu seyn, und diese Blätter meinen daher, daß der Versuch, einen von Schach Sud- scha’s oder Schach Simon's Söhnen der ganzen Nation aufzu- zwingen, England keinen r bringen könne, Alles if dort in

ufldsung, und wenn der Haß einiger religidser Schwärmer gegen

dle Europäer und die allgemeinsame U sie nicht zum An-

griff gegen die Britischen Truppen vereinigt hätten, so würde, wie man behauptet, ein allgemeiner Bürgerkrieg wüthen. Afgha- nistan is demnach so ziemli<h Lord Ellenborough's Gutbefinden anheimgegeben, und seine Haupt- Schwierigkeit dúrfte dar- in bestehen, mit den zwieträchtigen Häuptlingen fertig zu werden und sh zu verskändigen. Das Gerücht behauptet Übrigens, die jeßigen Chefs zu Kabul seyen geneigt, ihre Gefangenen auszuliefern und mit der Indischen Regierung zu un- terpandela, S Man n, Ie Ee Blätter, die Ab- gung der Sipoys, den Jndus zu überschreiten, die Armuth des Afghanenlandes, den räuberischen , unlenfsamen Sinn seiner dún- nen Bevdlkerung, den wiederholten Bedarf einer größeren Masse Europäischer Soldaten zur Fortseßung des Krieges, und vor Al- S dle durch den Krieg erzeugte Austro>nung des Jndischen Rabes in Erwägung si e, so sey fast zu glauben, daß der hohe von Jndien ein Uebereinkommen mit den Afghanen anem-

pf werde, insbesondere sobald die Britischen Siege die Ge- gena e gesichert hätten, welche die Thore von Jndien bilden, und welche man künftig mit strenger Wachsamkeit werde hüten

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müssen. Ein solches Uebereinkommen wird nun aber, wie gesagt, bei der Verwirrung unter den Stämmen und Häuptlingen Äfgha: nistans, für eine fehr bedenkliche oder fruchtlose Maßregel ge-

halten. China.

Macao, 24. Mârz. Als der Französische Vice- Konsul in Macao, Herr Challaye, Fürzlich in Begleitung zweier R der Herren Mouge und Jeannert, an der Chinesischen Küste lan- den wollte, wurde derselbe, wie s<hon erwähnt, gleih am Ufer überfallen und arg mißhandelt; es soll sogar auf die Franzosen gesessen worden und diese sollen nur mit Mühe entkommen seyn.

in Engländer in Macao benußt diese Gelegenheit, um das Thun und Treiben der Franzosen in den Chinesischen Gewässern, das den Engländern sehr wenig zuzusagen scheint, in seiner Weise zu beleuchten. „Wir empfinden wenig Mitleid“, so äußert er sich, „fúr die Franzosen, die sih dergleichen Gefahren so unnöthiger- weise ausseßen, denn die Repräsentanten keines Landes haben in den Chinesischen Gewässern so wenig zu schaffen, wie die von Frankreih. Die Anwesenheit von Konsuln und Kriegs- schiffen in diesen Gewässern führt zu nihts Gutem und fann feinen redlichen Zwe> haben, denn es giebt dort feinen Französischen Handel, der zu erhalten und zu ermun- tern, feine Französische Unterthanen, die zu beschúßen wären. Die Chinesen rechnen natürlih auf Hülfe oder Aufmunterung von den- jenigen Europäern, welche sie uns mit mißtrauischem Auge beob- achten sehen, Deshalb würden wir es auch gar nicht ungern fehen, wenn die dem Französischen Vice - Konsul zugefügte Unbill gelegentlich wiederholt würde; nicht als ob wir unserem Freunde, Herrn Challaye, Uebles wúnschten, sondern nur, weil darin eine gute Lection fúr die Partei-Politik liegen wúrde, welche dadurch, daß sie verlangt, die dreifarbige Flagge solle auch in den Chinesi- schen Gewässern wehen und der König der Franzosen einen Be- vollmäct tigten au<h in Macao haben, ohne den mindesten Nuben sich solchen Beleidigungen ausseßt.“

Inland.

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ee Stettin, 11. Juni. Jn meiner Biteubduan, der Rede des Herrn Thiers Úber Deutsche Eisenbahnen (vergl. Staats-Ztg. Nr. 150) habe ich diesem Herrn unwissentlih in einer Hinsicht Unrecht gethan; dadurch, daß ich gesagt habe, es gâbe feine Deutsche Eisenbahn - Karte, welche die Beschuldigungen des Herrn Thiers rechtfertige. Seitdem nämlich ist „Werner's vollständigste Posk: und Eisenbahn-Reise-Karte von Deutschland u. s. w., Magdeburg 1842, 1 Rthlr.“ j mir zu Gesicht gekommen, und sollte der Französische Akademiker zufällig diese Karte gesehen haben, so könnte er damit seine Be- hauptung: „es seyen Eisenbahn-Karten in Deutschland erschienen, welche eine Menge noch gar nicht vorhandener Eisenbahnen ent- hielten“ begründen. Diese Karte enthält nämlich als ganz vollendet (fie macht keinen Unterschied) folgende Eisenbahnen: die Berlin-Stettiner (von 18 Meilen sind nur 6 vollendet), die Berlin-Fränkfurter (wird erst im Herbste d. J. fertig), die Magdeburg-:Braunschweig- mit Seitenbahn nach Halberstadt L (ift af e E as Jahre v far ie Le Hofer (wird im Ja 2 ho i * fahrbay y Jahre höchstens bis Altenburg die Prag: Pilsener (is nur bis Lanacguf. 67 / ‘ti die Frankfurt:Mannheimer (is fue ms Mellen fertig), die Mannheim: Kehler (ist nur“ bis Heidelberg ‘fahrbar, Bamberg-Nürnberg (nur im Beginnéñ des Baues), Mailand-Venedig (von der Vollendung noch weit entfernt), Kaiser: Ferdinand?s:Nordbahn (unrichtig gezeichnet und nur auf 42 Meilen Länge erdffnet), Wien-Raab (nur auf einer Länge von 10 Meilen eröffnet und fehlerhaft eingezeichnet). Dagegen fehlen: die Ober-Schlesische Eisenbahn (bis Ohlau fahrbar), die Hamburg-Bergedorfer Bahn (im Mai d. J. erdffnet). Leider béfiken wir bis jeßt noch keine durchaus richtige Eisen- bahn: Karte von Deutschland, während von England, Belgien auch Franfreich dergleichen vorhanden sind. Dies muß Verwunderung erregen, wenn man bedenft, daß das Sammeln der dazu erfor: derlichen Materialien keine große Schwierigkeiten hat.

Aacben, 10. Juni. (Aac$. Z.) Wie aus zuverlässiger Quelle mitgetheilt werden kann, ist vor wenigen Tagen bei der Königl. Regierung hier ein Allerhöchster Kabinets-Befehl einge- gangen, wodurch des Königs Majestät zu beschließen geruht ha- ben, daß die 32 Säulen in den 8 Arkaden in dem hiesigen Hoch- münster, welche bekanntlih in dem Jahre 1794 von den Franzo- sen fortgenommen und nach den glorreih erfämpften Siegen der hohen Verbündeten in den Jahren 1813 bis 15, von Paris hier- her zurü>gebracht wurden, wieder in demselben Zustande herge- stellt werden sollen, worin sie sih furz vor der Französischen Jn- vasion befanden. Dieser der Stadt Aachen aufs Neue zu Theil gewordene Beweis landesväterliher Huld, wird von deren Ein- wohnern gewiß mit dem lebhaftesten Danke anerkannt werden, so wie „denn die Wiederherstellung dieser historisch merkwürdigen Säulen überhaupt von großem Juteresse für jeden Kunskfreund seyn wird, da solche nah authentischen Nachrichten aus dem Exarchat-Palaste zu Ravenna herrúhren und auf Veranlassung Karl’s des Großen von dort hierher gebracht „worden sind.

Halle, 12. Zuni. (Halie Z.) Die Leipziger Zeitung theilt unter dem 10ten d. M. einen Korrespondenz-Artikel über die Straf-Anstalt Halle mit, an deren Schlusse die Entweichung von 16 Gefangenen gleich in der ersten Nacht angegeben wird. Wir können versichern, daß dies eine Fabel ift.

Zur Literatur und Statistik der Leipzig- Dresdner Eisenbahn.

Al Dresden, 12. Juni, Ein bei Otto Wigand in Leipzig kürzlich erschienener „Leitfaden für die Actionaire der Leipzig- Dresdener Eisenbahn - Compagnie“ (von L, K, W.) verdient eine ausführlichere Inu schon deshalb, weil er so manches ent-

âlt, was anderen isenbahn - Gesellschaften theils zur Lehre und

arnung, theils au< zum Muster dienen mag, Denn die glän- zenden Erfolge der Nürnberg - Fürther Bahn, als der ersten in Deutschland vollendeten Dampfbahn, brachten eine so Ubertriebene Ansicht vom Eisenbahnwesen überhaupt hervor, daß es kein Wun- der war, wenn die darauf folgenden Actien - Schwindeleien

tirten, Es sind seitdem über 6 Jahre verflossen, und do scheint man an so vielen anderen Orten immer noch nicht begreifen zu wollen, daß weder die Ertragsfähigkeit noch die Ertragslosigfkeit einer Bahn zu ähnlichen Schlüssen für eine andere Bahn bere- tigt, daß vielmehr jede, und wäre es eine bloße Flügelbahn , eine eigenthümliche Physiognomie hat, den speziellen Wegen und Ge- seßen des sie umfreisenden Handels und Wandels theils folgt, theils vorangeht, und daß Úberhaupt die Lebensfähigkeit einer Bahn und ihre Blüthe dazu nicht blos von anderen sh an sie anschließenden Schienenwegen, sondern auch von gewissen in der eigenen Existenz, in der Lage c. liegenden Vorbedingnissen abhängt. Eine Bahn z. B. durch die Lüneburger Haide, wenn zehnmal Mittel: und Bindeglied: oes Europäischen Neßes, wird doch nie recht zum Leben gedeihen önnen.

Dies führt zuglei<h auf den anderen Punkt, wie es nâmli<h im Interesse der Sache wie der bei einer Pri- vatbahn betheiligten Personen liegt, das Anlage- Kapital nur durch ein Minimum von Actien, Übrigens aber durch eine billige An- leihe aufzubringen. Wäre dies bei unserer Bahn geschehen, so hätte eine solche s{hmähliche Agiotage nie stattfinden können, si aber eine große Dividende viel eher eingestellt. Klar ist es, daß wenn von 6 Millionen Rthlr. Anlage- Kapital 5 pro vierprozentige An-

leihe und nur 1 Million Rthlr. Actien gede>t sind, bei z. B. 300,000 Rthlr. jährlichen Reingewinn auf die Anleihe 200,000 Rehlr. den Actionairen 100,000 Rthlr. oder 10 pCt. Dividende, bei 6 Mil- lionen Actien aber nur 5 pCt, Dividende abfallen. Welche unselige Hemmung die Glanz - Resultate der Nürnberg - Fürther und die Actien-Schwindeleien der Leipzig-Dresdner Bahn auf das úbrige Deutsche Eisenbahnwesen ausgeübt, verdiente selbst jest noch eine, wenn sonst möglich, aftenmäß1ge Darstellung. Jene Unsicherheit in den Maßregeln der Regierungen, wie in den Unternehmungen der Kapitalisten, wúrde vielleicht nicht eingetreten seyn, hätte man bei uns, die wir einmal die Jnitiative ergriffen, von vorn herein

den richtigen Gesichtspunkt festgehalten.

Der Verfasser des Leitfadens bespricht in Nr. 3 die Statuten und die dringend nöthige Revision derselben jeßt, wo das Werk vollen- det und mit allen Erfordernissen hinlänglich ausgestattet ist, Er ver- langt nunmehr eine Beschränkung der ausgedehnten Vetrauens-Voll- macht, welche laut F. 39 (ad 3, 6 und 9), $F$. 60, 63 und 67 dem Direk: torium zusteht und allerdings sehr bedeutend und deshalb auch Mißbräuchen aller Art ausgeseßt is, ferner Beseitigung des Uebelstandes, wonach seit vier Jahren ein gut Theil der Betriebs: Einkünfte auf die Anlage verwendet wurde, angemessene Besol- dung des Direktoriums (doch glauben wir, daß eine bloße Tan- tième vom Netto-Einkommen, wie dies in Außerdeutschen Ländern gewöhnlich, den Vorzug verdient, während freilih bei manchen Bahnen Englands und Nord-Amerikas die Direktorial:Arbeiten blos Ehren halber Úbernommen worden) nur allmäliges Anwachsen des Reserve-Fonds 2c. Er verlangt ferner, daß kein Neubau, feine Vermehrung der Transportmittel, keine Verstärkung des Diensk- Personals, keine Veränderung der Taxe ohne Genehmigung der Actionaire stattfinde, daß dieselben niht nachträglich von dem Geschehenen benachrichtigt, daß Überhaupt mehr General-Versamm- lungen einberufen werden. Wir wollen die Nothwendigkeit und Zweckmäßigkeit derselben nicht im geringsten leugnen, aber je mehr ihre Zahl wächsk, desto weniger dürften ste besucht seyn, desto mehr ein fluges Direktorium immer wieder die Oberhand behalten. Zwar würde eine noch detaillirtere Angabe dessen was Direkto- rium und Comité zur Sprache bringen wollen, und die Nothwendigkeit oder das Lukrative und dergleichen der anzuempfehlenden Maßregel in den veröffentlichten Versammlungs-Anberaumungen abgedru>t,

in Sachsen die dffentlihe Meinung in das entgegengeseßte Extrem stürzten uns s neue Jnstitut förmlich diskredi-

Einiges helfen, aber auch nicht viel, Die Einführung von Straf- geldern fúr diejenigen, die sehr wenig oder gar uicht in Person den General-Versammlungen beiwohnen, scheint nicht ausführbar. Aber vielleicht gäbe es ein Surrogac ftatt dieser vielen General: Versammlungen; wenn nâmlih Direktorium und oder alle 8 oder 14 Tage öffentliche, mündliche und kollegialische Berathun- gen hielten, wo die Actionaire Zutritt hätten, Anfragen und Anc- worten, Zuprotokollnahmen stattfänden, die Akten auslägen, aber feine Abstimmungen und Beschlüsse gefaßt werden dürften. Diese scharfe und dffentlihe Kontrolle würde für Alle von großem Nußen seyn. Der im Schriftchen EmIbs und urgirte Unmstand, daß nämli<h in Leipzig dieselben Männer oft mehre- ren industriellen Jnstituten zugleich vorstehen, ist leider be- gründet, findet sih aber auch anderwärts, dürfte indeß nur im ein- zigen Falle zu beseitigen seyn, wenn die Regierung in einem revi- dirten Actiengeseße die Uebertragung mehrerer bezahlter Direkto- rial:Posten von verschiedenen Unternehmungen auf eine und dieselbe Person von vorn herein verböte.

Sehr zu beherzigen scheint es, wenn der Verf. in Nr. 4 vorschlägt, es solle von einer aus der Gesellschaft gewählten Kom- mission eine Jnskruction entworfen werden, wonach der jährliche Rechnungs-Abschluß unabweichli< aufzustellen sey, wenn er die Jahres-Rechnung von einer Deputation nicht des Ausschusses, sondern der Gesellschaft selbst geprüft verlangt.

Am interessantesken ist Nr. 6, der leßte Abschnitt des Schriftchens. És úberskeigt auf unserer Bahn die Geld- einnahme der Personenfraht 1840 um 12,434 Rthlr., 1844 um 23,653 Rthlr., 1842 (nach den Ergebnissen der ersten 3 Monate) wahrscheinlih um 51,000 Rthlr, die Einnahme des Jahres 1839, also schon hier ein Wachsthum von etwas Úber *; pCt. auf mehr als ‘+ pCt. Höchst überraschend erscheint aber die Vermehrung des Fracht - Verkehrs. Die ganze in 3 Jahren fortgeschaffte Ge- wichtsmasse aller verrehneten Fracht- Gegenstände auf 1 Meile Transportweite betrug 1839 3,890,223 Ctr., 1840 6,885,669 Ctr., 1841 8,901,377 Ctr, und dürfte, nach der Fracht - Frequenz der 5 verflossenen Monate zu schließen, 1842 gegen 12 Millionen Etr. betragen, was binnen drei Jahren eine Vermehrung von mehr als 8 Millionen Ctr. ergiebt. Die Brutto: Einnahme der Fracht ge- währte 1839 84,639 Rthlr., 1840 143,917 Rthlr., 1841 183,512

Rthlr. und 1842 wahrscheinli<h no< über 240,000 Rthlr., also eine Vermehrun Die Se 7 auf verschiedene Conten, 1839 gegen 366,000 Rte lr., 1840 gegen 460,000 Rthlr., 1841 gegen 523,000 Rthlr., 1842 wahrscheinlich noch über 600,000 Rthlr., also ein Wachsthum von mehr als 6 pCt. 1839, auf mehr als 7% pCt. 1840, auf fast 83 pCe. 1841,

von mehr als 17 pCt, 1839, auf 4 pCt. 1842. rutto - Einnahme betrug, exklusive der Einnahme

=

auf mindestens 10 pCt, 1842, also binnen 3 Jahren um 4 pCt. Hâtte man statt nachträglicher neuer Actien-Zeichnungen und Anleihen ein- für allemal dies G M

gestellt, wovon nur 14 Millionen Actien, das übrige 4proc. An- leihe wurde, so erhielten die Actionaire, nach Abzug von 240,000 Rthlr. Betriebs- Kosten und 200,000 Rthlr. Anleihe - Zinsen, bei- nahe 11 pCt, Dividende, während sie jest nur etwas über 5 pCt. erhalten werden.

esammt- Kapital auf 6; Millionen Rtblr.

Aus den vom Verfasser aufgestellten Durchschnitts - Kosten einer Meile Dampfeisenbahn, von den bekannteren Europäischen Schienenwegen, ergiebt sih, daß in Deutschland die Köln- Belgische Bahn am meisten (nämlich 581,150 Rehlr. pro Meile), die Berlin-Frankfurter am wenigsten (nämlich 209,524 Rehlr. pro