1842 / 177 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

loniern Vertrauen einflößen zu können; denn sie sind durchgehends mit Uebergehung der Coalition, an deren Spiße die Catalonischen Deputirten stehen, erwählt worden. Auch droht die Coalition diesem Ministerium einen hartnä>igen Widerstand zu bereiten; denn wie wir heute aus Madrid unter dem 15ten l. M. verneh- men, hat die Coalition um mehrere Anhänger des Kabinets Gon: zalez sich vermehrt und zählt in dieser Stunde nicht weniger als hundert Stimmen. So in festen Reihen geschlossen wird sie das neugebildete Ministerium empfangen und höchstwahrscheinlih das- selbe in der Geburt erstifen. Zwar beharrt Espartero auf der Auflósung der Cortes, sobald die Abstimmung des Budgets voll: endet seyn wird. Aber die neuesten Vorgänge in Barcelona, und die Bewegungen in den übrigen Städten, um die Proclamation der Tonstitution von Cadix E, werden Espartero noch viel zu schaffen machen, bevor er sich entschließen sollte, durch die Aufs lôsung der Cortes das Signal zu einem allgemeinen Volks - Auf- stande in Spanien zu geben.

Großbritauien uud Jrland.

Parlaments-Verhandlungen. Oberhaus. Sißung vom 21. Juni. (B. H.) Die am 17ten vertagte Debatte über die Einkommensteuer-Bill, die zur dritten Verlesung stand, wurde heute fortgeseßt.

Der Marquis von Clanricarde, welcher die Vertagung bean- tragt hatte, erdffnete demgemäß, dem Reglement zufolge, die heutige Debatte. Er suchte, zum Theil sich besonders gegen die etwas zwet- deutige Rede Lord Melbourne’s in der Sißung vom 17ten wendend, darzuthun, daß die von dem Ex-Premier-Minister cingestandene und von den jcgigen Ministern zum Hauptmotiv für ihren Antrag ge- machte Nothwendigkeit einer großen dirckten Steuer sich gar nicht darthun lasse, und zwar cinestheils, weil die Vertheidiger der Maß- regel die finanziellen und kommerziellen Bedrängnisse zu hoch, anderen- theils, weil sie die finanziellen und kommerziellen Kräfte des Landes zu nie- drig in Anschlag brächte, und wiewohl er sich der Steuer nicht abgeneigt erklärte für den Fall, daß die Minister cinen umfassenden, permanen- ten Finanzplan, dessen Grundlagen die Einkommensteuer wäre , bil- den sollten, so glaubte er doch die Einführung derselben zu den Zwecken, welche jeßt in Absicht lägen, um so weniger gecignet, als es unter den gegenwärtigen Umständen ganz besouders darauf ankomme, das Geld möglich in den Händen der Privatleute zu lasscn, damit es ihnen Rußten trage, und als sich jene Zwecke auf viel vor1heilhafiere Weise mittelst der von Lord Landsdowne beantragten Zoll-Reformen | erreichen liefien. |

Die dritte Lesung der Bill wurde indeß schließlich mit 99 | gegen 28 Stimmen genehmigt.

Jn derselben Sißung brachte Graf von Clarendon eine Petition von 600 Bewohnern des Cap ein, welche für diese 180,000 Einwohner zählende Kolonie, die jeßt absolut durch die Königlichen Gouverneure verwaltet wird, cine Kolonial-Versamm- lung mit legislativen Rechten verlangt, wie sie die meisten anderen Kolonieen haben, und wie sie jeßt sogar fúr die ganz neue Kolonie Neu-Súd- Wales durch eine bereits dem Unterhause übergebene Bill bezroe>t wird.

raf Ripon erklärte darauf, der Regierung sey eine ähnliche Pat on, von dem Gouverneur des Caps selbs| unterzeichnet , zuge- ommen, und sie werde dem Gegenstande die aufmerksamste Beachtung schenken. Daß die Regterung sich etadezn weigern sollte , in der so wichtiger Kolonie cine Verfassungsform -einzuführen, der das Mutter- land eine so glänzende Wohlfahrt verdanke, werde Riemand vermu- then, indeß sey doch nicht zu verkennen, daß die eigenthümlichen Ver- hältnisse der Cap-Kolonie der Einführung einer jolchen Verfassung dort nicht geringe Schwierigkeiten in den Weg stellten, wohin insbeson- dere E Verschiedenheit der die Kolonie bewohnenden Racen zu rech- nen sey.

Lord Brougham erklärte sich gegen die unverweilte Bewilli- ung der Verfassung, weil die eben erst emanzipirten Neger noch des räftigen Schutzes der Regierung bedürften, bevor sie im Stande seyen,

der Anmaßung, welche sich in Bezug auf sie in solchen Kolonial- Versammlungen zu äußern pflege, die Spitze zu bicten, Doch hoffte er innerhalb einiger Fahre die Verhältnisse der Kolonie auch in die- ser Bezichung hinreidend konsolidirt zu sehen. |

Auf eine Anfrage des Marquis von Clanricarde in Be: zug auf die von der Regierung nach Ennis in Jrland abgeordnete Untersuchungs- Kommission erklärte Lord Fißgerald, die Regie- rung habe diese Voruntersuchung hauptsächlich aus dem Grunde angeordnet, damit die Sache sogleich- bei den Assisen von Clonmel vorkommen fdnne, und sie habe diese Sache an die Assisen verwie- sen, statt an die eigentlih fompetenten von Nord-Tipperary, ei- nestheils weil jene schon am 28. Juni, diese erst am 28. Juli zusammenträte und die Sache daher um vier Wochen früher ent: schieden werden fönne, und anderentheils weil Clonmel von dem Schauplaße der zu beurtheilenden Handlungen entfernt liege und daher die bereits vorläufig angewendeten Drohungen und Ein: shüchterungen gegen die abzuhdrenden Zeugen weniger wirksam seyn würden. Ueberdies würden die Geschwornen für die Assisen von Nord-Tipperary nur aus diesem Theile der Grafschaft Tip- perary gewählt, in welchem Ennis liege, die von Clonmel dagegen aus der ganzen Grafschaft, weshalb man sich von ihnen größere Unparteilichkeit versprechen könne.

Unterhaus. Sißungvom21. Juni. (B. H.) Zu Anfang der Sißung wünschte Herr Forster zu erfahren, ob Maßnahmen getroffen seyen, um eine größere Menge Silbergeldes in Umlauf zu seßen, da großer Mangel daran sey und seibst die Kasse der Bank fast gar fein Silbergeld mehr vorräthig habe.

¿ Der Vice-Präsident der Handels-Kammer, Herr Gladstone, rwe hierauf die Ansicht, daß wohl nicht cigentli<h Mangel an Ia vorherrsche, sondern nur größerer Begehr danach în dem jeh gen Augenblicke, und zwar aus dem Grunde, weil die halben T E D grdßeren Mißkredit gerathen seyen, als die ganzen, U derselben Silbe M Umwechseln nicht gern nehme, vielmehr daß für Abhülfe gesorgt werden ofes versprach Herr Gladstone, L g war mit der Erklärung nicht zufrieden, son vente elumwunden zu erfahren, ob die Münz mehr Gliberecio ausgeben solle oder nicht, worauf Herr Gladstone erwiederie, das solle geschehen/ wenn sich das Bedürfniß zeige, zugleich aber wieder- m d A ad Gra: das Bedürfaiß nicht vorhanden sey, geld geflagt babe j ©) vor vier Wochen über allzuviel Silber: Herr Hutt er nnerte darauf den remier:Mini ; Versprechen, Auskunft über den Bea Le Unte E, po sein gen der Stader Zölle geben zu wollen, und kündigte Ae s: trag úber den Gegenstand zum nächsten Donnerstage an, worauf

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| venschiff weggenommen, zu verfügen. Sir Robert Peel wußte Uber den ersten Theil- der Frage keine Auskunft zu geben, den zweiten bejahte er.

Darauf brachte Sir Charles Napier die verheerende Kriegs - Maschine des Capitain Warner von neuem in Anre ung. Er behauptete, der Erfinder habe sih bereit erklärt, seine Érfin- dung den See-Capitainen Lord Hardwi>e und Lord gngestrie mit- zutheilen, sobald denselben zu diesem Behuf eine Vollmacht als Königlichen Commissairen ertheilt würde, auch habe er verspro- chen, dem Sir Robert Peel selbst die Erfindung mitzutheilen und demselben die Bestimmung der Belohnung, im Falle dieselbe sich bewähre, ganz zu úberlassen. Nur den an ihn abgesandten Com- missairen Sir Byam Martin und Howard Douglas habe er ohne vorherige Garantie dafúr, daß das Geheimniß bewahrt werde, nichts entde>en wollen. Sir Charles Napier hatte von Capitain Warner gehört, daß derselbe mittelst seiner Erfindung einen Drei- de>er augenbli>lich zerstdren und selbst gegen 6 Englische Meilen entfernte Schiffe seine Höllenmaschine wirksam machen könne.

Sir Robert Peel bedauerte, daß die Sache von neuem vor- gebracht sey , und theilte mit , daß er, scitdem die Sache vor drei | Wochen im Parlament besprochen worden sey, wiederholte Anforde- | rungen von verschiedenen Individuen gehabt habe, ihnen Konferen- | zen wegen Mittheilung von solchen Hdllenmaschinen-Erfindungen zu | bewilligen. Fn Bezug auf die Erfindung des Capitain Warner er- | klärte er darauf, daf er Alles gethan habe, was er thun könne; er

habe nämlich den General-Feldzeugmeister beauftragt, zwei Fndivi- | duen zur Untersuchung der Sache abzuordnen, wozu Sir Howard | Douglas und Capitain T. Hastings gewählt worden seyen; eine

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| Beiordnung des Grafen von Hardwicke oder anderer von Capitain Warner vorgeschlagener Offiziere habe cr für unndôthig gehalten ; dagegen habe er dic Kosten des Experiments, welches natürlich im Großen vorgenommen werden müsse, auf den Staatsschaß angewie- scn. Ein besonderes Versprechen in Bezug auf die zu fordernde Belohnung könne er nicht geben; Überhaupt würde er den Staats- scha gänzlich ershôpfen müssen, wenn er alle ihm cingereichten Berichte über nüßliche Erfindungen im Handel, in den Finanzen, im Kriegswesen und in allen möglichen Zweigen der Kun und Wis- senschaft auch nur auf gleich günstige Weise behandeln wolle, wie die Erfindung des Capitain Warner.

Nachdem darauf die Bill Lord John Russell’s zur Verhin- derung der Bestechungen bei den Wahlen zum zweitenmale ver- lesen worden war und Sir Robert Peel auf eine Anfrage des Capitain Mangles erklärt hatte, daß der Krieg in Afghanistan für Rechnung der Ostindischen Compagnie, und nicht für Rechnung der Britischen Regierung, geführt werde, ging das Haus zu der Debatte über die geheime Abstimmung bei den Wahlen über.

__ Früher war der Antrag auf Einführung des Ballottements all- jährlih von Herrn Grote vorgebracht worden ; da dieser aber jeht nicht mehr im Parlamente sißt, so hatte es diesmal Herr Ward Übernommen , die besagte Motion zu machen und zu vertheidigen. Der Antrag ist noch immer resultatlos geblieben und wird natürlich auch jetzt keinen Erfolg haben, da sowohl die ministerielle Partci als ein Theil der Whigs demselben entschieden entgegen is; gewinnt die Frage dieses Mal irgend cinen Vortheil, so besteht derselbe vielleicht in cinem kleinen Zuwachs der Minorität, veranlaßt durch den schr glü>lich gewählten Zeitpunkt zur Anregung derselben, glü>lich ge- wählt , weil die leßten Wahlen das g allgemeine, wenn auch. theilweise schr unfreiwillige Geständniß herbeigeführt ha- ben / daß das Wahlwesen mit allen seinen Bestechungen , Ein- shüchterungen und Wahl - Vergleichen eine durchgreifende Umge- staltung dringend erfordere. Dieses radikale Heilmittel aber suchen Herr “Ward und seine Freunde von der radikalen Partei bekanutlich schon lange in dem Ballottement. Auf die jüngsten Vorfälle wies auch zunächst Herr Ward bei Motivirung seines Antrages hin, und event das Haus auf, sih von den Fle>en zu reinigen, die ihm den Namen des Bestehungs-Parlaments wohlverdientermaßen engeprase haben. Von diesem allgemeineren Gesichtspunkte, jede Partei-Bezic- hung zurü>wcisend, ging er auch bei sciner wciteren Deduction aus. Er gab zu, daß bei der leßten und den vorgehenden allgemeinen Wah- | len Liberale wie Konservative ohne Unterschied sich der ärgsten Be-

| sechuhigen und jedes geseßwidrigen Einflusses zur Erceichung ihrer

Zwe>ke bedient, und sprah seine Freude darüber aus, daß die Häupter beider Parteien sich jeßt \o entschieden gegen das Uebel ausgesprochen, daß, ihre Aufrichtigkeit vorausgescht, dassclbe nicht ein halb Fahc mchr würde Bestand haben kdunen. Aber diesc Aufrichtigkeit müsse durch die That bewiesen, es müsse cine Garantie für die Zukunft gegeben werden, und diese Bürgschaft liefere keine Maßnahme sicherer, als wenn man sich des Mittels entschlage, das jene verderbtcn Praktiken bisher allein mdglih gemacht habe. Die- ses Mittel habe in der offenen Stimmenadbgebung bestanden , bei der gegen jeden Abstimmenden die etwaige Abhängigkeit seiner Lebens- verhältnisse von Dritten geltend gemacht werden könnte; ge- heime Abstimmung durch Kugelung sey daher die beste Ab- húlfe und gebe die beste Garantie für die Zukunft. Herr Ward suchte darauf die Vorzüge des Ballottements vor allen übrigen schon seit mehr als hundert Fahren na<h und nach versuch- ten Mitteln der Abhülfe gegen die Wahl-Bestechungen hervorzuheben, erwähnte bei der Gelegenheit auch der neuesten von Lord John Russell eingebrachten Bill gegen die Bestehungen, deren Fnhalt sich aber auch nur auf bisher ganz erfolglose Straf-Mandate beschränke, schilderte in einzelnen Zügen die für die Moralität verderblichen Folgen des bisherigen Systems, nicht nur unter den Wählern in den Städten, sondern viel mehr no<h unter den Wählern auf dem Lande, die, dadurch in u@er Abbängläbeit von den Grundherren, heute weiß votiren müßten, was sle gestern: für shwarz erklärt, und schloß mit dem von ihm angekündigten Antrage auf Einfuhrung des Ballottements.

Mehrere Redner untersiüßten den Antrag, während von den Gegnern des Ballottements, wie Herr Christie mit Bedauern be- merkte, Niemand es der Mühe werth zu halten schien, dem Lande Rechenschaft ascaen, Mer die Gründe, nah welchen er in einer so wichtigen Ange enbeit zu votiren beabsichtige. Herr Christie be: merkte Úbrigens, daß man von dem Ballottement nicht gänzliche Aus- rottung , sondern nur Verminderung , aber eine schr bedeutende Ver- minderung des Ucbels erwarte , denn allerdings werde es, der gehei- men Abstimmung zum Trotze, immer no< Mittel geben, auf die Handlungen der Wähler einzuwirken , wie man denn z. B. diesclben dur<h Zwang, Oas oder Einschüchterung vom Abgeben ihrer Stimme ganz abhalten könne. Jedenfalls aber dürfe man von dem Ballottement eine Minderung des Ucbels in größerem Maße erwar- ten, als von irgend einem anderen in Vorschlag zu bringeuden Mittel der Abhülfe.

Nachdem unter Anderen noch die Herren Shiel und O’'Con- nell zu Gunsten des Antrages, Sir J. Graham aber und auch Lord J. Russell entschieden dagegen gesprochen hatten, wurde derselbe mit 290 gegen 157, also mit einer Majorität von 133 Stim: men, verworfen. Unter den an diesem Abend auf der Tagesord-

Sir Robert Peel erwiederte, daß die Unterhan

Gange seyen, daß er aber in den leßten pet cine mte 29 M dem Hannoverschen Gesandten gehabt habe, in welcher ihn! vor, diesem angezeigt worden sey, daß der Vorschlag der Britischen Regierung von der Hannoverschen nicht angenommen werden föónne. ehr könne er úber die Sache nicht sagen.

Capitain | ‘s ar: fragte an, wo das Geld deponirt sey, wel- ches fúr den Verkauf der aufgebrachten Sklavenschiffe tindehe, und ob eine Bill werde eingebracht werden, um unter Verbesse- rung der auf diese Sache bezüglichen Parlaments-Akte von 1839 die Vertheilung unter die Mannschaft der Kreuzer, welche ein Skla-

nung stehenden Anträgen befand sich auch folgende Motion des Vice-Präsidenten der Handels - Kammer, Herrn Gladstone, der (er wegen der Ballottements - Debatte Pun ur Dr thung ge: angte: „daß es rathsam sey, unter gewissen Regulativen zu ge- statten, daß fremder Weizen aus dem Verschluß oder vom Schiffe zollfrei abgeliefert werden könne , ge en Ersaß des entsprechenden Mats an Mehl oder Zwieba> in Verschluß oder Behufs der lieferung zur Ausfuhr.“ Diese Maßregel wird die Englischen Schi auswärts gehenden Schiffe in Stand seßen, mit fremden Mancha e Hreicen, E mee és den Preis es Brotes für die etrifft. e Küstenfahrer erstre>en. e Maßregel soll sich aber nicht auf die

London, 22. Juni, Die Königin hat gestern dem neuen Türkischen Botschafter, Ali Efendi, feine erste Audienz ertheilt und aus dessen Händen seine Beglaubigungs-Schreiben entgegen: genommen.

Nächstens werden wieder zwei Schiffe mit 428 Mann Trup- pen direkt nah Hong: Kong in China abgehen. Außerdem sind 561 Mann nah Bengalen, 396 Mann nah Madras und 536 Mann nach Bombay beordert worden, deren Einschiffung binnen 3 Wochen bewerkstelligt werden soll.

Nach amtlichen Berichten belaufen si< sämmtliche von der Regierung auf Rechnung des Krieges in China an die Ostindische Compagnie zurü>bezahlte Summen bis jeßt auf 573,442 Pfd. Skt.

Der Andrang zu der Bank von England wegen Umtausches von Gold währt noch immer fort. Die Nachfrage nah Silber ist auch noch sehr stark; größere Summen sind von der Bank R worden, und die Privatbanken befinden sich daher in großer Verlegenheit.

Vom Cap sind sehr günstige Nachrichten eingegangen. Jm vorigen Jahre sind 1,060,000 Pfd. Wolle zum Werthe von 51,000 Pfd. St. ausgeführt worden; in diesem Jahre wird die Ausfuhr wohl 1,600,000 Pfd. betragen. Man zählt bereits 3 Millionen Schafe und glaubt, daß das Land im Stande sey, deren 9 Mil: lionen zu ernähren. Einen großen Ertrag verspricht man sich auch von der Ausfuhr von getro>neten Fischen und Wallfischthran, welder Handel bisher vorzugsweise dur<h Amerikanische Schiffe

etrieben ward.

Belgien.

X7 Brússel, 23, Juni. Die Veränderungen des Kommunal: Geseßes sind jeßt vor den Senat gebracht. Die liberale Opposition schmeichelt sich mit der Hoffnung, daß derselbe sich bei dieser Gelegen- heit als ein wahrhaft fonservativer Körper bezeigen und wenigstens der zweiten Modification, welche die Fractionirung der Wahlen in den Städten betrifft, die Beistimmung nicht ertheilen werde. Es ist dies aber nicht wahrscheinli<h, da der Senat noch in grd- ßerem Maße aus den Elementen besteht, welche in der Re- präsentanten: Kammer in der Majorität sind. Jedoch isk nicht zu verkennen, daß der Senat sich bei mehreren Gelegenheiten we- niger ausschließlich gezei t hat. Die Frage, die jeßt in der Presse verhandelt wird, ob nämlich die leßten Maßregeln einen Geisk der Reaction kund geben, kann zu keinem Resultate führen, da Alles von dem Gesichtspunkt abbángt, aus welchem man diesel- ben betrachtet. Daß jedoch die liberale Ansicht nicht so grundlos ist, beweist die Rede des Baron Osy von Antwerpen, der bis da- hin einer der entschiedensten Anhänger der katholischen Meinung war, aber jeßt erklärt, daß er sich offen von einer Partei lossagen músse, welche durch die begonnene Reaction nur Verwirrung und immer größere Jrritation in das Ruhe bedürftige Land bringen fönne. Wir wollen in diese Streitfrage niht weiter eingehen,

lauben jedoch, die leßteren Vorfälle noh von einer anderen Seite Detraditen zu müssen. Offenbar is, daß die lezte Maßregel von der katholischen Partei gegen die 21 größeren Städte gerichtet is, welche mehr als 12,000 Einwohner zählen und die sich in den Wahlen im Allgemeinen im liberalen Sinne ausgesprochen haben. Jst dies von der einen Seite ein offenes Geständniß von dem ab- nehmenden Einflusse der katholischen Meinung #0 kann man es an- dererseits vielleicht nur als das Zeichen von Schwäche ansehen, wenn eine Partci darauf fômmt, în Wahl-Combinationen ihr Heil zu suchen. Das constitutionelle Formelwesen verleitet häufig dazu ; die mechanischen Mischungen und Entmischungen, Überhaupt das Wüürfelspiel mit den verschiedenen Staats-Elementen, mag t isweilen auf einige Zeit zum Zweke führen, ijt aber unvermögcnd, dem inne- ren Lebenstriebe der Gesellschaft eine andere Richtung zu geben. Nur der Geist wirkt auf den Geist, und anstatt sih der Hosff- nung hinzugeben, eine Richtung, die sih troß aller Hinder- nisse fund giebt und verstärkt, dur<h mechanische Formen zurü>drängen zu können, ziemt es gewiß einer besonneneren Poli: tif, dieselbe in ihrer historischen und gegenwärtigen Berechtigung abzuschäßken und ihr darnach cine angemessene Befriedigung zu geben. Sehr zu wünschen ist es für das Wohl des Landes, daß nicht ähnliche Diskussionen wieder entstehen, wie die leßten gewe- sen sind, so wie es überhaupt wohl klug gewesen wäre, nicht auf Durchseßung ciner Maßregel zu bestehen, die von der NLKTUng nicht beantragt war, und die nur die Leidenschaften aufregen un

ihnen reichliche Nahrung geben konnte.

Deutsche Bundesstaaten.

Stuttgart, 22. Juni. (Schwäb. Merk.) Sigung der Kammer der Abgeordneten vom 20, Juni. Durch Vereinbarung der sämmtlichen Staaten des Deutschen Bundes wurde gegen den Nachdru> der Schriften von Jean Paul Friedr. Richter, Christoph Martin Wieland und Johann Gottfried von Herder den Erben und rechtmäßigen Nachkommen dieser Schriftsteller ein Schuß auf zwanzig Jahre ertheilt, wozu heute die Zustimmung der Kammer der Abgeordneten erfolgte.

Am Schluß der Sißung legte Finanz-Minister von Herdege!? noch einen (auf die Bitte der ScänbäMerseentulung eingebra<" Geseß -: Entwurf vor, wonach eine Reduction des Zinsfußes Ge Staatsschuld auf 3” pCt, stattfinden soll, in der Art, daß die O legenheit, Geld zu billigeren Zinsen als 4 pCt. aufzunehmen un damit höher zinsende Kapitalien abzuldsen benúpt werden R

Dos Prásidium erdffnet der Kammer eine T e, ¡ D: steriums des Jnnern, wonach Se. Königl. Majestät F t T Versammlung gegen Ende dieses Monats bis zum 14. Jan des fünstigen bres zu vertagen beabsichtigen.

T Leipzig, 22. Juni. Der Ausschuß der bereits seit einer

Reihe von Jahren in segensreicher Wirksamkeit E tischer Wie

Adolph- Stiftung, deren Zwe> ist, bedrängten

meinden im Auslande vorzüglich für eren g) Tenn nach Kräften zu helfen, an dessen Spihe gegenwärtig die Herren Dr. C. G. L, Großmann, Superintendent und Professor der Theologie zu Leipzig, und Dr, J. E. R. Käuffer, Konsistorial: Rath und evangelischer Hof-Prediger zu Dresden, stehen, hat vor furzem nachstehenden Aufruf bekannt gemacht:

„„Wir unterzeichnete Comité-Mitglieder der bciden Haupt-Vereine zur Gustav - Adolph - Stiftung, welche vor nunmehr fast zehn Fahren am 6. November 1832, als- an dem Tage der zweiten Säkularfcier des Todes, den der heldenmüthige König der Schweden für die Glau- bens-Freiheit starb, dem ersten Gedanken nach ins Leben trat , haben uns dur< Erfahrungen der neuesten Zeit Überzeugen müssen, daß diese Stiflung,- ungeachtet dieselbe alliährlich am 6. November ihre Jahres-Berichte in die Leipziger Zeitung niedergelegt hat, auh dfters n der Darmstädter Allgemeinen Kirchen-Zeitung Über dieselbe berich- tet worden, doch namentli<h im Süden Deutschlands no<h nit ge- nug bekannt is, und sehen uns theils deshalb, theils weil wir ande- rerseits den bisherigen Freunden dieser Stiftung die Zusicherung der fortdauernden freien und gesegneten Wirksamkeit derselben s{huldig sind, zu nachstchender Mittheilung und Bitte veranlaßt.

Ér riffen von dem Gedanken, einen Kapital-Fonds zu gründen, aus dessen Zinsen den bedrängten Evangelischen Gemeinden, welche, mit ihrem Kirchen- und Schulwesen in Nothstand gekommen, im

i ende Hülfe finden, na< Kräften eigenen Vaterlande keine ausreteich von der Ansicht geleitet, daß pBallin werden könnte- dolph auf keine würdigere Weise unter

as Andenken an Gustav X aben am 6. November 1832 Tausende uns gefetert werden eue. eren Orten ihr Scherflein zusammen. in Leipzig , Dresden Pnlichkcit der Penny-Sammlungen in Eng-

Man bat nah Aeuser gesendete Zettel Mann für Mann um land durch in die Hrégnete das Beginnen o, daß in ganz kurzer 6 Pfennige und G ‘Thaler zu dem genannten Zwecke deine: Zeit einige Tausend Fénisterium des Kultus und dffentlichen Unter- waren. Das hohe förderte das Unternehmen , es bestätigte unterm richts in Sachsen vom Vereine entworfenen Statuten und über- 4. Oktober a e von 2000 Rthlr. zu seinem Zwette, ließ ihm cine Spurden statutengemäß bei dem Stadtrathe von Leip

eler 0 Beiträge von fern und nah, auch von Sr. Maje-

storbenen nige von Preußen, vor Allem aber durch

Sr. Majestät des jeßigen Königs von Schweden,

f sechs hinter einander Ei ende Fahre eine Kirchen- und

llefte durch das Königrei <weden zum Besten der Gu-

- Stiftung verordnete, also vermehrt, daß sie iegt circa

Stammvermögen betragen.

E n den Zinsen dieses mit jedem neuen !

tals sind schon viele evangelische Gemeinden în Böhmen, im Kaiserl.

Kdnigl. Salzkammergute, in Mähren, in Ungarn, in der Moldau u.

t worden.

% nee bei diesem unserem Werke durchaus nicht auf eine De-

monstration gegen M Mitchristen katholischen Bekenntnisses ab-

gesehen ist, liegt klar în unseren Statuten vor; dies haben wir oft

auf das Bestimmteste erklärt , und viele edle Katholiken haben ihre

Ueberzeugung davon selbsi an den Tag gelegt, indem sie unaufge-

fordert zu Ehren Gustav Adolph’'s für die Zwecke unseres Vereins

eldbeiträge gegeben haben.

M Aber Tod nd unscre Kräfte aa in Vergleich zu der Noth,

in welcher si viele unserer evangelischen Glaubensbrüder in und

außer Deutschland rücksichtlich ihrer Kirchen und Schulen befinden,

so daß bei ermangelnder Unterstüßung oft die völlige Lösung ihrer kirchlichen Bande zu befürchten ist. :

Darum fühlen wir uns gedrungen, alle unsere lieben Glaubens genossen nah und fern hiermit dringend zu bitten, die in diesem Geiste Lt Gustav - Adolph - Stiftung durch Gaben christlicher Liebe zu unterstüßen.

Aud die kleinsten Spenden, mit dankbarem, frommem Herzen am Altare des Glaubens und der Liebe niedergelegt, wird Gott segnen ; sie werden sih mehren und mächtig werden, wenn viele edle Männer, eingedenk der Segnungen, welche ihuen ein wohlgeordnetes kirchliches Wesen gewährt , und ergriffen vom Gedanken an den Nothstand, in welchem bezüglich threr Kirchen und Schulen viele Brüder in der Ferne leben, sh dic Aufgabe stellen, in ihren Kreisen das Bestehen und die Tendenz der Gustav - Adolph - Stiftung bekannt zu machen, Zweigvereine für diese Stiftung zu gründen, Sammlun- ges für dieselbe zu veranstalten und diese an die Stiftungs-Kasse ein- zusenden.

Jeden uns zugescndeten Beitrag werden wir dankbar annehmen und Zffentlich daruber quittiren ; auch sichern wir jedem Vcreine, von welchem uns auf einmal oder nach und nach der Betrag von 500 Tha- ler oder mchr zukommen wird, nach $. 16 unserer Statuten (diese sind bei jedem hdheren protestantischen Geistlichen in und außerhalb Deutschland zu finden) das Recht, Über die Zinsen der cingejandten Summen nach cigenem Ermessen, jedoch im Sinne der Stiftung zu verfügen, ausdrü>lih zu. Zudem sind wir gern bereit, was uns an B T ar milderGaben für Zwede der Stif- tung zugesandt wird, sobald man es wünscht, nicht zum

apital zu schlagen, sondern in ganzer uns ¡ugefertig- ter Summe zu dem uns namentlich angegebenen Zwecke

zu verwen den.

Von dieser Bitte kann uns der Umstand nicht abhalten, daß Herr Hof-Prediger Dr. Karl Zimmermann in Darmstadt am 31. Ofk- E enes Fahres zur Gründung eines ähnlichen Vercins auf- gerufen hat.

Denn theils hat unsere Stiftung vor diesem Vereine, der sich erst noch konstituiren wird, alle Vortheile eines beinahe zehnjährigen Bestchens und wohlthätigen Wirkens, so wie eines ansehnlichen Ka- pitalbesißes voraus (noch in den lehten Tagen sind wir wieder durch ein Vermächtniß von 800 Rthlr., womit cine fromme Matrone in Leipzig dieselbe bedacht hat, erfreut und zu énnigem Danke verpflichtet worden), theils dürfen wir nah den vom Herrn Dr, Zimmermann privatim und dffentlich gegebenen Erklärungen die erfreuliche Hoffnung hegen, der von ihm ju gründende Verein werde sich an den unsrigen, den älteren, wohl begründeten und vielfah von Gott gesegneten an- schließen, um in dieser heiligen Sache keine Zersplitterung der Kräfte cintreten zu lassen. /

Leipzig und Dresden, im Juni 1842.

Die Gustav-Adolph-Stiftung.

_ Augsburg, 21. Juni. Zum diesjährigen, vom 15ten bis 18ten d, abgehaltenen Wollmarkt kamen auf das Lager laut Wag- Protofoll 1809 Ttr. 6 Pfd. Bayeris<h = 2026 Ctr. 8 Pfd. Zoll- gewicht in 318 Partieen , oder rechnet man die blos in Mustern gelagerten und zum Theil auf hiesigem Markte verkauften Par- fieen dazu, über 2000 Ctr. Bayerisch oder über 2240 Ctr. Zoll: gewicht, Auch in diesem Jahre wurde diescs ganze Quantum, obwohl am ersken und zweiten Tage wegen der Nachrichten aus Nord-Deutschland wenig Käufe gemacht wurden, am dritten und vierten Markttage beinahe gänzlich verkauft. Die Preise stellten sich für hochfeine Wolle auf 105 bis 128. Fl., für mittelfeine auf 70, 80 bis 100 Fl. und fúr rauhe Bastard- und Lammwolle auf 99 bis 70Fl. fúr den Bayerischen Centner, sohin im Durchschnitt nur um 2 bis 6 Fl. niedriger gegen die Preise des Vorjahres.

Braunschweig, 23. Juni. Jn den heutigen Braun- \schweigishen Anzeigen is ein vom 17. März d. J. datir- tes Geseg über die Verhältnisse der Herzoglichen Leihhaus-Anstalt publizirt. Dieselbe hat, als Landes - Kredit : Institut, Geld in Verzinsung zu nehmen, Deposita aufzubewahren und Geld gegen Verzinsung auszuleihen. Das Grund - Vermögen der Anstalt soll in seinem Bestande erhalten und der aus dem Geschäftsbetriebe Eur gehende Gewinn nur nah Absaß etwaiger Ausfälle und

erluste jährlich berechnet und zu den Staats-Einnahmen gezogen werden. Jm $. 13 heißt es: „Die Herzogliche Leihhaus-Anstalt soll befugt seyn, unverzinsliche Kassenscheine, Bankzettel über Einzelnbeträge von 1 Rthlr., 5 Rthlr. und 20 Rthlr. Courant aus- zufertigen und durch die Herzoglichen Leihhaus - Kassen in Um- lauf zu segen. Der Werth der auf diese Weise zu emittirenden Bankzettel soll den Gesammtbetrag von 500,000 Rthlr. nicht über: steigen, Diese Bankzettel sollen bei allen öffentlichen Kassen nach ihrem Nominalwerthe in Zahlung angenommen, und auf Anfor- dern der Jnhaber jederzeit bei den Herzoglichen Leihhaus : Kassen, und in denjenigen Städten, wo dergleichen nicht vorhanden sind, N TOA Herzoglichen Kreiskassen, so weit die Geldvorräthe der Wi T dazu ausreichen, gegen baares Geld umgeseßt werden. der Bay ungen im Privatverkehr bleibt die Annahme derselben dieser Bamgiigen Vereinbarung überlassen. Die äußere Form antzettel wird durch eine Verordnung bestimmt werden.

n Vorti ü zettel ist unzulässe amer fahren wegen verloren gegangener Bank:

ahre vermehrten Kapi-

Hamburg, 25, Juni.

„Was die Ableh Der Altonaer Merkur bemerkt:

nung auch des neuen, wie uns scheint, gut moti-

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virten Vorschlags des Raths in Betreff der Mittel zur De>ung des Feuerkassen-Schadens betrifft, so sieht man nicht ein, was an die Stelle der verschiedenen, verworfenen Anträge geseßt werden soll. Uebrigens soll eine ganz unscheinbare Majorität in einem Mae ny ber das Schi>sal des gedachten Vorschlags entschieden aben.“

Einer unserer frúheren Mitbürger, Herr Friedrih Huth in London, hat der Stadt Hamburg eine Englische Feuerspriße, welche nach den neuesten verbesserten Einrichtungen konstruirt ist, übersandt und zum Geschenk gemacht. Die mit dieser Spriße angestellte Probe hat die Erwartungen gerechtfertigt.

In einem Schreiben aus Hamburg vom 17. Juni in der Augsburger Allgemeinen Zeitung heißt es: „Zu den beklagene- werthesten Dingen gehört jedenfalls, daß, nachdem wir bereits unsere beiden ältesten und schönsten Thürme durch den Brand

verloren haben, nun auch der schönste der drei noch stehenden dem Untergange nahe is: ich meine den then Michaelis - Thurm, das Meisterwerk des unsterblichen E. G. Sonnin, nächst dem Wiener Stephans-Thurme der höchste in Deutschland (er isk 456 Hamburger Fuß hoch), berühmt durch seine A Con- struction und in wissenschaftlicher Hinsicht dur< die Versuche Benzenberg?s über die Umdrehung der Erde in den Jahren 1802 und 1803, Eine in diesen Tagen vorgenommene Besichtigung hat ergeben, daß alles an dem Thurme befindliche Holzwerk wurm- stichig ist; ganze Scheffel Holzmehl sind herausgeführt, und die Kirchspiels-:Baumeister wollen nur no<h zwei Jahre für den Thurm

arantiren. Er ist noch feine hundert Jahre alt. Fürwahr, Ham-: Bs ist eine hart heimgesuchte Stadt !“

Frankfurt, 24. Juni. Der anhaltende Rúckgang der Französischen Rente is es jeßt, der die hiesigen Spekulanten in Staunen und die Börse in eine wirklich sehr flaue Haltung verseßt. Die Börsenleute wollen nicht gern die eigene Erfahrung auf fremden Boden verpflanzen, sonst müßten sie doch wohl er- fennen, daß an dem Rú>gang der Pariser Börse nur die Baisse Schuld ist und durchaus keine politische Besorgniß. Diese soll allerdings in dem möglicherweise ungünstigen Ausgang der Wah- len fúr die Deputirten-Kammer gefunden werden. Wer sucht, der findet, aber nicht immer die Wahrheit. Nach einer genauen Prüù- fung der inneren und äußeren Verhältnisse Frankreichs, nach einem nur oberflächlichen Bli>k auf die Lage der Europäischen Verhält- nisse im Allgemeinen, gewinnt man die Ueberzeugung, daß dem Frieden feine Gefahr droht, die Wahlen in Frankreich mögen aus- fallen, wie sie wollen. Zum Ueberfluß und, wenn man will, auch zur Beruhigung der ängstlichen Bemüther, ist aber mit einiger Gewißheit zu erwarten, daß das jeßige Ministerium in Frank: reich, das die Aufgabe unserer Zeit erkannt hat, in dem Re- sultat der Deputirten-Wahlen nur eine neue C woird. Vorerst heißt es aber bei der Börse „Zahlen entscheiden“ und da

Die Holländischen Fonds, besonders die Zntegrale, empfinden um so mehr s ungünstigen Einfluß, da die Amsterdamer Börse nun auch wieder anfängt, schwächer zu werden. Bei den wenig aufmunternden Berichten aus Wien gehen die Oesterreichischen Effekten gleichfalls zurú> und um so weniger können die übrigen Gattungen der weichenden Tendenz widerstehen. Selbst die Tau- nus-Eisenbahn-Actien werden von leßteren ins Schlepptau genom: men, obgleich allgemein bekannt ist, daß die Taunus -: Eisenbahn sehr gute Geschäfte macht, da die Frequenz sehr stark ist. Ob sich die Besor niß, der Geldstand werde sich ungünstiger gestalten, rea- lisirt, möchte ih bezweifeln, denn wenn auch der Diskonto etwas gestiegen ist und im Wechselhandel wenig gethan wird, ist unzwei- felhaft die nahe Abrechnung die Ursache; Geld is noch genug hier vorhanden.

_Durch den sehr niedrigen Wasserstand is die Main-Dampf- hifffahrt e auf den Dienst zwischen Aschaffenburg und Franffurt beschränkt, welchen das Boot „der Verein“ versieht.

Se. Durchl. der Fúrsk von Thurn und Taxis traf gestern Abend auf der Reise nah dem Rhein hier ein, nahm aber nur cinen mehrstündigen Aufenthalt in dem neuen Posk:Palais, das der Fürst in seiner jeßigen Einrichtung noch nicht gesehen.

Meyerbeer, dessen Ernennung zum Königl. Preußischen Ge- neral-Musif-Direktor auch hier Freubo erregte, wird dennächst auf der Reise nach Paris hier eintreffen und einen kurzen Aufent- halt nehmen. -

Inland.

Posen, 24. Zuni. Die Posener Zeitung, die heute in festlicher typographischer Ausstattung erschienen, berichtet: „Mit lautem Jubel begrüßen wir den heutigen Festtag, an welchem uns das hohe Glück zu Theil wird, unseren erhabenen allgeliebten Kd- nig und Herrn zum erstenmale, seit die Krone Sein Haupt shmüd>t, in unserer Stadt zu empfangen. Herzinnige Freude bewegt jede

besten, edelsten der Fürsten die Beweise der tiefsten Ehrfurcht und treuesten Anhänglichkeit darzulegen. Prächtig is unsere Stadt geshmüd>t ; Ehrenpforten, Ehrensäulen, Tempel und Pyramiden erheben sich auf allen Pläßen, und der Blumen heitere Zier prangt in reichen Gewinden an jeglichem Hause. Hand in Hand gehen die Vorsteher und Bürger der Stadt mit der hier versammelten Ritterschaft, um durch innige Anordnungen und heitere Feste den schönen Tag zu feiern, an dem es uns vergónnt is, des theuren Herrschers segenbringendes Antliß zu schauen. Mag immerhin in des Staates größeren und reicheren Städten der erhabene Monarch mit mehr Pracht begrüßt worden scyn, treuer und inniger, das fühlen wir, haben Jhm nirgends die Herzen entgegengeschla- gen; denn nirgends hat Er sich mehr die Einwohner zu Liebe und Dank verpflichtet, als in unserer Provinz. Heil und Segen “hm, dessen Milde und hohe Herrscher-Iugenden alle seine Unterthanen gleichmäßig beglú>en, und der jeßt die aufrichtigen Huldigungen unserer dankbaren Gesinnung gnädig aufzunehmen geruht hat. Um 3 Uhr Nachmittags trafen Se. Majestät unter dem Ge- lâute aller Glo>en und dem Donner der Festungs- Kanonen in cinem glänzenden Postzuge bei der Ehrenpforte am Anfange der Berliner Strafe ein und wurden von dem lauten Jubel der hier versammelten, ungeheuren Volksmenge freudig begrüßt. Auf den zu beiden Seiten der Ehrenpforte errichteten, mit großen Flag: genbäumen begränzten Tribünen hatten mehr denn 1500 Damen und Herren unserer Stadt im Festschmuke sich aufgestellt, um den allgeliebten König bei Seinem Eintritt in die Stadt zu be- willflommnen. Bei der Ehrenpforte empfingen den in einem offe- nen Wagen fahrenden, von dem Minister, Grafen von Arnim, begleiteten Monarchen innerhalb eines Spaliers der festlich ge- s{<hmü>ten Schübengarde der Ober- Bürgermeister Naumann an der Spike des Magistrats, und der Stadtverordneten : Vorsteher, Landgerichts - Rath Boy, an der Spiße der Stadtverordneten. Jhnen gegenüber hatten sih die evangelische Stadt - Geistlichkeit,

die Deputirten der Kaufmannschaft, so wie eine Deputation der

júdischen Corporation mit dem Ober-Rabbiner in der Mitte, auf gestellt. Der Ober-Bürgermeister Naumann hielt folgende An- rede an Se. Majestät: .

„Ew. Königl. Majestät erhabenen Person nahen die Vorsteher. und Vertreter der Stadt, um Allerhöchsi-Fhnen im Namen aller Ein- wohner das herzlichste, freudigste „Willklommen// zuzurufen. Nicht zum erstenmale zwar begrüßen wir Ew. Majestät als unseren König, denn es war uns gestattet, noch in den Tagen der tiefsten und ge- rechtesten Trauer uns Ew. Majestät nahen zu dürfen; und an dem unvergeßlichen Tage der Erbhuldigung zu Königsberg haben auch wir uns um Allerhdchst-Fhren Thron gerethet ; aber zum erstenmal wird uns die hohe Genugthuung, Ew. Majestät am eigenen Heerde als König zu begrüßen. Denn wohl gewährt es hohe Genugthuung, Demienigen, dem wir so viel danken , den wir alle so hoch verehren, zeigen zu können, wie sehr wir uns dur<h Seinen Besuch beglückt fühlen. Nehmen Ew. Majestät die Zeichen unserer Freude, unserer Liebe und Verehrung gnädigst auf! //

Hierauf geruhten Se. Majestät zu erwiedern: Sie seyen sehr überrascht Über den wahrhaft festlihen Empfang, und obgleich Sie eigentlich den Wunsch gehabt, daß dergleichen Festlichkeiten nicht stattfinden mögen, so könnten Sie doch, was o herzlich ge: boten werde, nicht anders als recht herzli<h annehmen.

achdem Se. Majestät noch einige huldvolle Worte an die Vorsteher der städtischen Behörden gerichtet, fuhren Allerhöchstdie- selben unter Begleitung einer festlichen, mit „Heil Dir im Sieger- franz“ einfallenden Musik durch die Ehrenpforte in die Stadt hinein. : Unter lautem Hurrah seßten Se, Majestät Jhren Weg durch die mit Blumen beskreuten und mit Fahnen, Laub: und Blumen- Gewinden reich geschmú>te Berliner Straße, beim Theater vor- bei na< dem Wilhelmsplaße fort. An beiden Seiten der Straße waren in langer Linie die Gewerke im Fest : Anzuge mit fliegenden Fahnen, blumenbekfränzten Stäben und den Ge-

die Fonds zu Paris weichen, müssen sie au< hier zurü>gehen.

werks - Attributen aufgestellt und riefen dem theuren Herrscher ihr Lebehoch jubelnd entgegen. Dann ging der Zug quer über den Wilhelmsplaß durch eine Doppelreihe von Flambeau's und die hier errichtete s{hône, mit Blumen geschmü>kte Kolon- nade nah der prâchtigen Ehrensäule auf der Mitte dieses herrlichen Plaßes. Se. Majestät fuhren darauf, von dem Klange der hier aufgestellten Musik-Chöre begleitet, quer Über die Wilhelms- Straße durch die Neue Straße, úber den alten Markt nah dem Regierungs - Bebäude, wo Allerhöchstdieselben von dem komman- direnden General, General der Jnfanterie von Grolman, der Generalität und sämmtlichen Stabs-Offizieren, den Civil-Behörden, von dem Erzbischof mit dem gesammten Dom-: Kapitel, von der höheren evangelischen Geistlichkeit, den städtischen Behörden , so wie den zahlreich versammelten Ständen der Provinz, ehrerbietigsk empfangen wurden. Se. Majestät hatten die Gnade, sich die An- wesenden einzeln vorstellen zu lassen und an mehrere derselben huldreiche Worte zu richten.

Se. Majestät begaben sich darauf zur Tafel, zu welcher Aller- hoch stdieselben die Chefs unserer Behörden und eine große Anzahl der hier versammelten Landstände und anderer angesehener Män- ner zu befehlen geruht hatten. Alle Pläße und Straßen, welche der Zug berührte, waren mit Laubgewinden, Teppichen, Fahnen und Blumenkränzen aufs festlichste geschmü>t, und Überall hatten sich die Einwohner der Stadt in gedrängten Schaaren versam- melt, um den theuren Landesvater möglichst in der Nähe zu sehen. Alle Fenster waren mit geschmü>ten Damen angefüllt, und selbst auf den Dächern hatten viele Schaulustige sich einen Plaß gesucht, E wo herab sie ihr donnerndes Hurrah in die Lüfte erschallen ließen.

Abends beehrten Se. Majestät eine aus mehr als 500 Per- foncn bestehende Gesellschaft bei dem Erzbischof von Dunin mit Zhrer Gegenwart und geruhten, die dort versammelten Damen Sich vorstellen zu lassen. Erst gegen 11 Uhr verließen Se. Ma- jestât das erzbischöfliche Palais und nahmen bei der Rü>fahrt einen Theil der erleuchteten Stadt in Allerhöchster Augenschein. Die ganze Stadt ward schon mit einbrechender Dunkelheit auf eine so glänzende Weise erleuchtet, daß man wohl nicht leicht eine prachtvollere Jllumination R gesehen haben dürfte. Alle Hâu- ser bis in die entferntesten Vorstädte hinein waren mit farbigen Lampen und transparenten Bildern bede>t, so daß die ganze Stadt einem Flammenmeere glich. Namentlich gewährten die pracht- volle Ehrenpforte am Berliner Thor, die cute Ehren-Sâule auf dem Wilhelmsplaße, und der Triumphbogen in der Judenstraße die mit Tausenden von Lampen besäet waren, einen wahrhaft ma- gischen Anbli>; eben so die lange Doppel-Reihe von Flambeau?'s auf dem genannten Plaße, so wie die glänzende Erleuchtung säámme- licher Bâume in unserer, an Allcen so reichen Stadt; dann der wunderschdne Tempel auf dem Sapieha-Teiche, auf dem zugleich ein prächtiges Feuerwerk abgebrannt wurde; ferner unser echrwÜr- diges Rathhaus, das vom Fuß bis zur höchsten Spiße des Thurms eine Flammenmasse zu seyn schien, und auf dessen oberster Galle- rie andauernd eine sonnenhelle bengalische Flamme brannee, wäh- rend von Zeit zu Zeit Hunderte von Leuchtkugeln im pracht-

Brust, und im festlichen Schmu>e beeilt sich jeder Bürger, dem |

vollsten Strahlenkranze zur Erde herabströmten. Endlich prang- ten no< mehrere Kirchen, öffentlihe und Privat - Gebäude in der glänzendsten Erleuchtung und Ausschmú>ung mit Festons, Blumen, Jnschriften, Transparents und den Statuen des gelieb- ten Herrschers. Vor Allen verdient jedoh no<h der Dom genannt zu werden, dessen Haupt : Façade im Glanze von 5000 Lampen ffrahlte, so wie der erzbischöfliche Palast, der durch die Masse de ihn bede>enden Flammen einem Zauberschlosse glich. Durch alle | Straßen der Stadt und Vorstädte, die sämmtlich durch Laubzúge

und Blumenkronen in laubenartige Pracht-Alleen verwandelt wa- ren, wogten bis tief in die Nacht hinein zahllose fröhliche Men- schenschäaren, und überall hdrte man von der erfreuten Menge dem edelsten der Monarchen ein Lebehoch nach dem anderen bringen. Das schönste Wetter begünstigte diesen unvergeßlichen Tag.

Fürst Boguslaw Radziwill ist von Berlin, der General-Lieu- tenant und Commandeur der 9ten Division, von Lüßow, von Glogau, und der Wirkliche Geheime Rath und Ober - Präsident e Jrovinz Schlesien, Dr, von Mer>el, von Breslau hier an- gekommen.

Berlin, 27. Juni. Das Ministerial-Blatt fúr die innere Verwaltung publizirt nachstehende Allerhöchste Kabinets-Ordre :

¿Wenn die Aeltesten der jüdischen Gemeinde zu Ma deburg in der Vorstellung vom 22sien v. M. den Eintritt in den Militairdien| als ein den Juden zustehendes Recht in Anspruch nehmen, so erdffne Ich denselben, daß es niemals die Absicht gewesen ist, den Juden den freiwilligen Eintritt in den Militairdienst zu versagen, wodurch ihre Befugniß zur Theilnahme an dem ehrenvollen Beruf der Landes- Vertheidigung icdenfalls unverschränkt bleiben wird. Was aber die Pflicht der inden zum Militairdienst für die Zukunft betrifft, so muß die Bestimmung darüber bis nach Beendigung der von mir att- ser rdneten Berathungen über die Regulirung der bürgerlichen Ver-

ältnisse der Juden RNeE bleiben.

Berlin, den 14. März 1842. Friedrich Wilhelm. An die Aeltesten der iúdischen Gemeinde zu Magdeburg.“