1842 / 191 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

ENSPIMGT pLNA E

Aar;

Tage der Wahl - Erdfnung der Saal der Wahl - Sihung mit allen nöthigen Gegenständen verjehen werde. Die Stimmzettel müssen im voraus in ganz gleicher Form geschnitten worden seyn, und für jede folgende Abstimmung eine verschiedene Farbe haben. Nach dem Ge

jcße vom 19. April 1831 gebührt der provisorische Vorsitz bei den Wahl - Sizungen in solchen Städten , wo cin Tribunal beieht , dem

Präsidenten dieses Tribunals, in den übrigen dem betreffenden Maire. Fch sehe mich jedoch veranlaßt , hier zu bemerken , daß in Städten, wo das Tribunal seinen Siß hat, der Maire nur na< dem leßten juge - suppléant zur provisorischen Präsidentschaft der Wahl- Sitzung -berechtigt is. Jn solchen Städten, wo mehrere Wahl- Sectionen ndthig sind, soüen, um alle Schwicrigkeiten, die den Wahl- Operationen sich in den Weg seyen könnten, zu heben, am Vorabend der Wahlen die Präfekten , Unter - Präfekten und Maires sich verge

wissern, daß alle Personen, welche geseßlich berufen sind, den provisorischen Vorsiß bei den Wahl-Operationen zu führen, anwesend und bereit sind, die Präsidentschaft dabei zu übernehmen. Zu diesem Ende werden die Präfekten, Unter-Präfekten und Maires die Richter des betreffenden Tribunals, sey es in der Wohnung des Tribunal: Präsidenten , scy es in deren gewdhnlichem Sißungssaal, zusammen

berufen und nach gepflogener Berathung einem Jeden aus ihnen den Vorsitz , der ihm gebührt, anweisen. Fedem Präsidenten des Wahl

Büreaus müssen von Seiten der Präfekten, Unter - Präfekten und Maires folgende Afktenstü>ke zugestellt werden: 1) Eine Ab- schrift der Ordonnanz, welche die Wahl - Kollegien ceinberuft ; 2) einen Auszug der Ordonnanz, welche die Städte, worin sich die Wahl - Bezirke zu versammeln haben, bestimmt; 3) cin Exemplar der die Wahl - Operationen betreffenden Gescßte; 4) eine Fnstruction Über das Verfahren bei den Wahl-Opecationen ; 5) drei Exemplare der Liste, worauf die Namen der Wähler cingetra- gen sind; 6) zwei Listen der zwanzig ältesten Wahlmänner, und zwei Listen der zwanzig jüngsten Wähler des Wahbl-Bezirks oder der Wahl- Section. Ein Exemplar der in Nr. 5 und 6 bezetchneten Listen, muß im Sizungssaal der Wahlen angeschlagen werden, die übrigen Exem-

plare bleiben auf dem Büreau niedergelegt. Sie erhalten beiliegend ein Exemplar der neuen Form, in welcher dic Abstimmungs-Protokolle abgefaßt werden müssen. Die Regierung hat durch dicfse Form die

Wahl-Operationen beschleunigen wollen, indem sie anstatt für jede

Abstimmung einen anderen Bogen zu gebrauchen, auf einem und dem

nämlichen Bogen so viele Rubriken anbringen licß, als Abstimmungen

vorfallen können. Der Wähler braucht nur in jeder einzelnen Rubrik

seinen Namen zu unterzeichnen, bevor er seinen Stimmzettel abgiebt.

Nach dem $. 33 der Charte muß, damit die Wahl eines Depukirten

gültig sey; das betreffende Wahl-Kollegium funfzig Wahlmänner zählen.

Sollte diese Zahl nicht vorhanden seyn, so sollen Supplementar-

Listen der am meisten besteuerten Einwohner, die das 30se Lebensjahr

zurü>gelegt haben , angefertigt und daraus so viele Supplementar-

Wahlmänner Hg gezogen werden, als nothwendig sind, um die vor-

eschriebene Zahl von funfzig zu ergänzen. Fn Gemäßhcit des Arti-

cl 45 des Wahlgesches vom 19. April 1831 sind die Militair - Kom-

mandanten verpflichtet , dem Begehren der Präsidenten der Wahl-

Kollegien Folge zu leisten. Der Minister des Krieges wird durch cin

besonderes Cirkular diese Verpflichtung allen Militair-Kommandanten

ins Gedächtniß zurü>krufen. NRichtsdestoweniger wäre es dem Geiste

der Ausübung des wichtigsten bürgerlichen Rechts angemessener, daß

der Militairdiensi bei den Wahl - Kollegien der National - Garde an-

vertraut würde. Sobald die Wahl - Sitzung geschlossen ist, hat der Präsident des Wahl - Büreaus das im doppclten Original auszustellende Abstimmungs-Protokoll dem betreffenden Präfekten und Unter-Präfekten zu übecrmachen. Das cine Exemplar muß dann an das Ministerium des Funern eingesendet werden, während das andere in den Archiven der Präfektur aufbewahrt bleibt. Außer dem Stim- mungs-Protokoll muß eine Abschrift der Namens- Tabelle aller Wahl- männer, die an den Wahlen Theil genommen haben, der Regierung zur Einsicht vorgelegt werden. Schließlich haben die Präfekten und Unter- Präfekten die ernannten Deputirten darauf aufmerksam zu machen , daß sie zum Belag ihrer Wahl mit folgenden Dokumenten, die sie der Deputirten - Kammer vorzcigen müssen, sih zu versehen haben: 1) eigener Geburtsschcin; 2) ein von dem Maire visirter, und vom Präfekten legalisirter P L Wahl-Listen, woraus er- hellen soll, daß der ernannte Deputirte die im Artikel 59. des Gesetzes von 1831 angegebenen Bedingungen, vollkommen erfüllt, und 3) daß in dem durch den Artikel 33. der Charte cewähnten Fall der er- nannte Deputirte in der Liste der vor dem Beginn der Wahl fest- geseßten Supplementar- Liste der 50 am meisten besteuerten Wahl- männer begriffen ist. ‘/

„*« Paris, 6. Juli. Es giebt Kandidaturen, die das Pri- vilegium haben, die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen; zu diesen gehört die des Herrn Emil von Girardin, eines Man- nes, der eben so viel Feinde als Freunde hat, eifrig ergebene Freunde und erbitterte Feinde. So oft er irgend cine öffentliche Erklärung von si< giebt, irgend einen politischen Schritt thue, stößt er auf seine gewohnten Gegner, die dann alte Geschichten wieder aufwärmen, um zu beweisen, daß Herr von Girardin we- der die Stimmen der Wähler, noch die Achtung des Publikums verdiene. Wird er dergestalt angegriffen, so vertheidigt er sich mit der äußersten Kraft, er bedient sich zu seiner Wehr zugleich der Presse und der Gerichtshdfe, und meistentheils verbleibt ihm der Sieg. J Herr von Girardin nun bei seiner Bewerbung zu Bourganeuf von' dem Ministerium unterstÜßt worden? Das weiß man nicht, weil er zum Mitbewerber ebenfalls einen Konservati- ven hat. Es scheint jedoch, daß dieser Konkurrent, Herr von Peyra- mont, den Sieg davontragen wird, wenn man aus den bisherigen Nachrichten darüber eine Folgerung ziehen darf. Vielleicht nährt Herr Guizot noch einigen Groll gegen den Haupt-Redacteur der Presse; denn so lebhaft auch dieses Blatt das Ministerium vom 29, Oftober in seiner allgemeinen Politik vertheidigt hat, so ver- seßte es ihm doch harte Streiche in der Frage úber das Durch: suchungs-Recht. Herr von Girardin war derjenige, der nicht nur den von Herrn Guizot projektirten Traktat, sondern auch die Verträge von 1831 und 1833 mit der größten Beharrlichkeit und logischen Schärfeangriff; er verlangte einmal úber das andere, daß sie der Englischen Regierung gekündigt werden sollten, da: mit das Durchsuchungs-Recht gänzlich aufhdre, Diese Hartnäk- figfeit konnte natürlich Herrn Guizot nicht sehr angenehm seyn, und es is möglich, daß im Augenbli> der Wahlen der Minister der auswärtigen Angelegenheiten sich rächt. Wir haben schon er- wähnt, daß Herr von Girardin sich in zwei Wahl: Kollegien ge: meldet hat, zu Bourganeuf und zu Castel-Sarrazin, Fälle er in

ersterem durch, so möchte er \{<werli< in | Eige aubere Kandidatur die D T eßterem ernannt werden.

¿TTAE errn 5 Arrondissement von Paris, nimmt ebenfalls die Aufla Fmttie CA Publikums in Anspruch. Er wird morgen mit seinen Konkurrenten den Herren Marie und Griolet, in der vorbereitenden Versamm- lung erscheinen. Herr Blanqui hat, eben (6 wie Herr von Girar-: din, viel Freunde und viel Feinde, sein Ruf is aber unversehrter, als der des Haupt - Redacteurs der Presse, und er hat niemals gerichtliche Kämpfe durchzumachen gehabt, die für einen Staats- mann immer sehr unangenehm sind. Dann besigt Herr Blangui auch in hohem Grade ein Talent, welches Herrn von Girardin anz fehlt; er ist Redner und geistvoller, eleganter, seuriger Redner. {s Professor der Staatswirthschaft hat er außerordentlichen Er: folg gehabt, er wurde völlig populair, wie es vor ihm no< Nie- manden in einer so e und so begränzten Wissenschaft ge- lungen war. Es is also nicht zu verwundern, daß sich Viele für den Erfolg oder die Niederlage von Männern, wie die Herren von Girardin und Blanqui, interessiren; es isk nicht zu verwun:

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dern, daß die Zeitungen, je nach ihrer politischen Farbe, dieselben entweder- warm vertheidigen oder heftig verfolgen.

Po der vorbereitenden Versammlung, welche u im sch: sten

ezirk stattfand, waren mehr als tausend Wähler anwesend. Die Kandidaten, Herr Paillet und Herr Carnot, gaben lange Er- flärungen über die Beiordnung der Kapazitäten, über die Jn- kompatibilitäten, Über den Census und über das Dur ais: Recht. Besonders war der leßte Gegenstand ein unerschdpfliches Thema für die Wähler. Sie werfen sih darüber entschlossen in den Sattel und fragen die Kandidaten mit großem Ernst: „Was halten Sie vom Durchsuchungs-Recht ?““ Und diese antworten mit gleicher Gravität : „Wir billigen es nicht.“ Dies kam regelmäßig auf diesclbe Weise in allen vorbereitenden Versammlungen vor, zu großer Genugthuung der Wähler und der Kandidaten und zu noch größerer Freude der Oppositions - Blätter, die darin einen Stoß für das Ministerium erbli>en, als ob das Ministerium nicht längst scinen Entschluß hinsichtlich des Durchsuchungs-Nechts ge- faßt hâtte. Ueber die anderen von den Wählern ihnen vorgeleg- ten Fragen waren die Herren Carnot und Paillet nicht so einig. Herr Carnot, der Republikaner is, räumte ohne Schwierigkeit die radifalsten Reformen ein und behandelte die Politik des Ministe- riums auf niederschmetternde Weise. Herr Paillet dagegen woar der Meinung, daß die Anwesenheit der Beamten in der Kammer nothwendig sey, und daß das Verfahren hinsichtlich des Census gesezmäßig gewesen; in Betreff der Beiordnung der Kapazitäten machte er ein Zugeständniß für die zweite Liste der Geschworenen ; endlich erklärte er förmlich, daß er fein Kandidat des Ministe- riums, sondern ein unabhängiger Kandidat und frei von allen Verbindlichkeiten sey. i /

Die vorbereitende Versammlung im {lten Bezirk war von feinem bedeutenden Juteresse. Der Kandidat, welcher hier den Wéhlern Erklärungen gab, war der ausscheidende Deputirte Va: vin, der weder Redner noch Staatsmann is, sondern nichts als ein ehemaliger Notar, der sich ein tüchtiges Vermögen erworben hat. Seine Konkurrenten, die Herren Tarbé und Démonts, hatten sich nicht eingefunden. Jhre Gegenwart würde Übrigens die Versammlung nicht interessanter gemacht haben; denn “das Red: ner-Talent dieser Herren ist sehr beschränkt, und sie würden úber- dies den Wählern nicht viel zu sagen gehabt haben.

Die Belgischen Kammern sollen, wie sich zeigt, zu einer außer- ordentlichen Session einberufen werden, um dee die Leinenfrage zu entscheiden, da das Ministerium nicht die Verantwortlict keit einer desfallsigen Ordonnanz auf sich nehmen will. Diese Einbe- rufung scheint uns aber etwas spät zu kommen, denn es ist un: möglich, in zchn Tagen einen legislativen Beschluß zu fassen; in so kurzer Zeit kann ein Geseß-Entwurf nicht von beiden Kammern

geprüft, erdrtert und votirt werden. Bekanntlich is der verhäng:- *

nißvolle Termin, der Belgien durch die Verordnung des Handele- Ministers geseßt worden, mit dem 20sten d. M. abgelaufen; von da an sollen die neuen Zölle von Hanf: und Leinengarn und Ge- weben auf unserer ganzen Gränze, folglich auch an der Belgischen, erhoben werden. Diese Leinenfrage ist eine Eee Sache geworden, und sie könnte in der Folge wohl einige Verwi>elungen in unserem auswärtigen Handel verursachen. Unsere Fabrikanten hoffen, daß, sobald die Ordonnanz wird Geseßeskraft erhalten ha- ben, eine noch größere Erhbhung der Zölle folgen werde, denn \chon behaupten sie, daß der (chige Zollsaß unzureichend sey, und daß sie eines wirkfsameren Schußes bedürften, um die Leinen- Industrie auf weitere und dauerndere Grundlagen zu basiren.

Großbritanien und Jrland.

Parlaments-Verhandlungen. Unterhaus. Sißung vom 30. Juni. Lord Mahon erinnerte an diesem Abend an den Jnhalt einer im Mai von ihm dem Unterhause überreichten Bittschrift von fast allen dramatischen Schriftstellern Englands. Diese erklärten darin, daß viele von ihnen sehr gern die höheren Zweige des Dramas bereichern möchten, von dieser Arbeit aber durch die Beschaffenheit der jeßt gültigen Geseßze über das Thea- terwesen abgeschre>t würden, so daß diese dem Fortschritte der dramatischen Kunst im Wege ständen, während man allgemein Uber deren Verfall klage. Auch begten sie nicht die mindeste Hoff- nung, daß eine Regeneration der * úhne zu erwarten sey, bevor das Unterhaus die jeßige Geseßgebung einer Prüfung unterwor- fen und der höheren Bildung des jeßigen Zeitalters angepaßt hâtte. Lord Mahon sprach nun die Besorgniß aus, daß er nicht viel Aussicht habe, durch seinen jeßigen Schritt sogleich eine Ver- besserung zu bewirken, er habe es jedoch für seine Pflicht gehal: ten, die Aufmerksamkeit des Unterhauses auf diese Beschwerden zu lenken. Zunächst lieferte er dann eine Darstellung der Ge- schichte des Theaterwesens in England.

¿Der Ursprung des Uebels//, sagte er, „licgt in den Privilegien, welche Davenant und Killegrew, den Vorstehern der beiden Haupt- bühnen unter der Regierung Karl’s ll. , bewilligt wurden. Diese Privilegien wurden als ein Zeichen persönlicher Gunst ertheilt, und nach ihnen sînd die späteren Geseße entworfen, denn es ist eine be- merkenswerthe Thatsache, daß bis zu diesem Augenbli>ke noch nie cine Konzession vor Gericht zur Sprache gekommen is. Das erste Geseh Úber diesen Gegenstand wurde unter Georg U. erlassen und bestimmte, daß jedes Schauspiel einer Erlaubniß vom Lord-Kammer- heren bedürfe, und daß jeder Schauspieler, der “nicht einen festen Wohnsiß habe, als ein Vagabund und Landstreicher behandelt wer- den solle. Ein anderes Geseß aus Georgs Il. Zeit bildet die jeßt geltende Regel für das Bühnenwesen. Schon der Titel dieses Ge- \etes giebt cine Fdee von der Verachtung, in welcher dramatische Schriftsteller und Schauspieler damals standen, denn er weist ihnen gleichsam cine Stelle an zwischen Dieben und Dirnen. Die Ueberschrift lautet : ;,Einc Parlaments-Afte zur besseren Verhinderung von Dieb- stählen und Räubercien und zur Regulirung von Pläzen für dfent- liche Unterhaltung und zur Bestrafung von Personen , die liederliche gauiee halten.//// So nennt sih das Geseh, von dem noch heutiges

ages die Landsleute von Shakespeare und Otway die Bühne regie- ren lassen. Dieses Geseß belegt auch jeden Schauspieler , der ohne eine Konzession vom Lord-Kammerherrn spielt, für jedes einzelne Auf- treten mit ciner Geldbuße von 50 Pfd. St., so daß fast, wenn nicht völlig, bis zum heutigen Tage ieder Schauspieler, der auf unseren Bühnen spielt, sich allnächtlih der Gefahr ausscht, um 50 Pfd. St. gebüßt zu werden. Aber selbs wenn der Lord-Kammerherr eine Kon- zession ertheilt hat, gelten die Theater vor Gericht für unerlaubt, und die oige davon ist, daß jeder Vertrag , der ein Theater betri}t, Gefahr läuft, von cinem Gerichtshofe für null und ag erklärt zu werden. Es giebt auch mehrere S, daß streitende Parteien abgewie- sen wurden, weil das Gericht von Theatern keine Notiz nehmen konnte. Ich könnte Fälle anführen, in denen Leute, die kleinen Bühnen Geld vor- estre>t, Schauspieler, deren Verträge mit den Theater-Direktoren ge- rochen worden, dramatische Dichter, R um die ihnen für ihre Werke zugesagten Summen betrogen waren, als Kläger entweder ves Lans

ewiesen wurden oder ihre Sache später wegen des mangelhaften Zu-

andes der Geseßgebung aufgeben mußten. Au elde cise hat das jehige System privatim und dfentlich Ungerechtigkeiten dur olge, lungen u flpen Die Mid aber Mie doner pri fn Rebel: E : nd aber e einzigen pra ebel- stände des Systems. Eine andere ernste und i ige Fo daß

es an Macht fehlt , theatralische Darstellun t e>mà j 4 ber- wachen. Ju London is es jeyt sehr gebräuchlich, daß W ) Pévduser

theatralische Aufführungen unterhalten, wobci die Schi>klichkeit der Darstellung ers in zweiter Reihe nach dem Absaße von Spiritus in Betracht kdmmt. Jn den Provinzen ist es no< Tger, Jn manchen großen Städten giedt es Theater, wo Darstellungen der niedrigsten und entwürdigendsten Art aufgeführt werden. Diese auf die unteren Volks- klassen berechneten Bühnen üben cinen hd<hs| verderblichen Einfluß aus, Kinder im zartesten Lebensalter gehen dort hin, und Niemand hat ein gesetliches Recht, es ihnen zu wehren. Die Gefängniß-Jn- spektoren haben viele Fälle ermittelt, in denen die erste Anregung oder die Veranlassung zu Verbrechen in dem Besuche dieser Sünden-Hdh- len lag, wo Stücke wie „„Ja>k Sheppard// eine gewdhnliche Darstel- lung bilden. Neben diesen Uecbelständen des jeßigen Systems, die aus dcm Mangel an einer Befugniß zur gehdrigen Beaufsichtigung der Bühnen herrühren, besteht au<h no<h ein Monopol der grdßeren Theater , vermdge dessen andere Bühnen die besseren dramatischen Werke nicht aufführen dürfen. ieses Monopol ist nicht blos dem Publikum, sondern den Theatern, die es besien, selbst s{<ädli<. Da die meisten Theater nur schlechte Stücke aufführen dürfen, so verderben sie den Geschma> des Publikums. Man behauptet es, daß die Peroegees der besseren Theater fúr die Befdrderung der hdheren dramatischen Kunst unentbehrlich seven, allein eine solche Ansicht läßt sich nicht mit denThat- sachen vercinigen. Fast alle besseren Stüte sind unerlaubter Weise oder wt- der Willen zum erstenmale aufgeführt worden, Johnson erzwan die Aufführung von Goldsmith's „She sloops to conquer,“ Tobin ftarb mit dem Schmerze, daß es ihm nicht gelungen, die „Flitterwochen“/ auf die Bühne zu bringen. Lillo licß „Georg Barnwell// auf cinem kleinen Theater aufführen, nachdem die Privilegien Q Le es ver- wrfen hatten. „„Douglas// ward von ihnen ebenfalls verworfen ; Fielding ward durch ein kleines Theater bcim Publikum eingeführt, und Mistreß Fnchbald's Lustspiel lag zwei Jahre, bis cin Zufall die Einwilligung des Direktors erwirkte. Ein entscheidendes Zeugniß hat Sir Walter Scott abgelegt, der gewiß nicht zu Übereilten Neuerun- en geneigt war. Er sprach ganz bestimmt die Meinung aus, der Verfall des Englischen Dramas habe scinen Grund darin, daß zwei Bühnen ein Privilegium gendssen. Und diese ero bringen ihren Jnhabern nicht cinmal Nutzen. Fastalle Unternehmer hatten bei den privi- legirten Theatern Verlust. Sheridan soll erklärt baben, das einzige Jahr, in dem er kcinen Verlust bei Drurylane erlitten , sey dasjenige gewe- sen, in welchem dieses Theater abbrannte. Charles Mathews, der neulih als Direktor von Coventgarden fallirte, hat gerichtlih nah- ewiesen, daß während der ersten Saison sciner Verwaltung im Fahr 1839 die Ausgabe 52,903, die Einnahme nur 48,673 Ps. Sf., das Defizit also 4000 Pfd. St. betrug. Jn der zweiten Saison im Jahre 1840 stiegen die Einnahmen auf 49,227, währcnd die Ausga- den nur 51,440 Pfd. St. betrugen, wobci aber immer no< über 2000 Pfd. St. Defizit blicb. Jn der dritten Saison im Jahre 1841 fiel dagegen die Elnnahme bis auf 42,535 Pfd. St., während die Aus- abe auf 55,691 Pfd. St. und das Defizit also auf 13,000 Pfd. St. icg, woraus dann nothwendig cin Fallissement hervor ias. n Draurylane geht es Herrn Macrcady nach seinem eigenen Geständnîsse nicht besscr. Ein System, was solche Folgen hat, bedarf gewiß ciner genauen Prüfung. ‘/

Zum Schlusse beantragte Lord Mahon dann die Vorlegung aller Mittheilungen, welche im Laufe dieses Jahres mit Beschwer: den über den jeßigen Zustand der Geseßgebung in Bezug auf das Drama an den Staats-Secretair für das Jnnere g worden.

Herr Knight unterstüßte den Antrag und bob besonders hervor, wie unstatthaft es sey, daß man jeßt Bühnenstüke ohne Einwilligung des Verfassers aufführen dürfe, ja daß dieser selb| ein vertragsmäßig zugestandencs Honorar gerichtlich kaum zu erlangen vermdge. „Ein gutes Bühnensiü>k//, fügte Herr Knight hinzu , „is eine der s{<wie- rigsten, wle cine der bewundecungswürdigsten Leistungen menschlichen Scharfsinns. Es if nicht blos eine Form für die höchste Poesie und die tiefste Spcculation , sondern befdrdert auch die Eniwi>kclung der edelsten Gesinnungen und die erhabensten Gefühle. Es liefert das klarste Bild von Leben und Sitten und übt seinen Eixsuß úber die zahlreichsten Zuschauer in der schnellsten und wirksamsten Weise. Es ist nicht blos ein Spiegel unserer Zeit, sondeen auch eine schule der Moralität. Was kann vernünftiger seyn, als E England, cin Land, welches cin cinen Shakespeare erzeugle, dem cine lange Reihe anderer Talente, ¿. B. Massinger, Forde, Ben Fonson, folgten, und das jeßt Talfourd, Bulwer und Knowles besißt , daß England Alles thut, was in seiner Macht sicht, um das Drama zu shútzen.//

Der Staats-Secretair für das Jnnere, Sir J. Graham, sprach sein Bedauern darüber aus, daß er sich mit dieser Angele: gendeie, die Lord Mahon so genau zu kenncn scheine, weniger be- châftigt habe, hob hervor, daß anscheinend Lord Mahon selbst nicht mit sich einig sey, welche Maßregel zur Abhülfe sich ame lasse, willigte jedoch in die Vorlegung der verlangten Aktenstücke, die dann auch beschlossen wurde.

London, 6. „Juli, Der König und die Königin der Bel- ier sind gestern früh mit ihrem Gefolge vom Buefingham: Palast aue dge abgereist und haben sich dort nach Ostende ein- ge .

Heute ist der vierteljährliche Bericht über die Staats -: Ein- nahme erschienen. Es ergiebt sich daraus, daß dieselbe im leßten Vierteljahr, gegen das entsprechende Quartal von 1841, um 26,427 Pfd. weniger eingebracht hat, während sie im ganzen, mit dem 5, Juli abschließenden Finanzjahr 665,175 Pfd. mehr betragen hat, als in dem entsprechenden Jahre bis zum 5. Juli 1841. Die Gesammt : Einnahme belief sich nämlich im ersteren Finanz- jahre auf 44,672,225, im leßteren aber auf 45,337,400 Pfd.; in den leßten Quartalen beider Jahre aber betrug sle respektive 11,864,175 und 11,837,748 Pfd. Was die einzelnen Einnahmezweige betrisst, so haben die Zólle im leßtverflossenen Finanzjahre 38,858 Pfd. mehr, im leßten Quartal desselben aber 426,395 Pfd. weniger eingebracht, als in den beiden entsprechenden Zeiträumen bis zum 5, Juli 1841; die Accise 54,000 Pfd. weniger im ganzen Jahre, 94,788 Pfd. mehr im leßten Quartal desselben; die Stempel : Ab: gabe 57,201 weniger im Jahre, 17,558 mehr im Quartal; die direften Steuern 67,843 mehr im Jahre, 28,513 mehr im Quartal; die Post 105,000 mehr im Jahre, 35,000 mehr im Quartal; die Kronländereien 32,500 mehr im Jahre, im Quartal gleichviel; die vermischten Einnahmen 463,147 mehr im Jahre, 195,922 mehr im Quartal. Direkte Steuern, Post: und vermischte Einnahmen haben also sowohl im ganzen Jahre wie im lehten Quartal mehr tiigedratt: als in den entspre<henden Zeiträumen von 18441, Die Kronländereien im ganzen Jahre mehr und im Quartale gleichviel ; Accise- und Stempel:Ertrag hat im leßten Quartal gegen das entsprechende des vorigen D res zugenommen, im ganzen Jahre aber ein Minus ergeben ; die dlle endlichhaben zwar auf das ganze Jahr etwas mehr eingebracht, im leßten Quar- tal aber zeigt sich darin ein bedeutender Ausfall im Vergleich ge: en das entsprechende Vierte jahr von 1841. Ohne ihn würde die BelanuméeEinnabme im leßten Quartal eben so wenig ein Minus ergeben, wie die des panien Jahres. Indeß bei der vorherrschen- den Noth im Lande hält die Times das Resultat des Einnahme- Berichts immer noch für tröstlich genug. Auch das fortschreitende, wenn auch langsame Steigen in der Posk-Einnahme wird von die- et Blatt gls pee nicht ungünstige Bewährung der Briefporto-

eduction beze .

Am Sonnabend hat Lord Brougham im Ge über die Laien:Taufe nah Norm der Geseße E O Vorschriften der Anglikanischen Kirche, das Urtheil abgegeben, daß diese Taufe als gültig zu betrachten sey, eine Entscheidung welcher die Times ihren vollklommenen Beifall zollt, G

i bevor er von seinem Posten als Sir Charles Metcalfe E dear ex E Repräsentanten:

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General-Gouverneur von Ja Geseß-Entwurf, die völli d , ge un Derswans n R Pir Juden e end, vorgelegt. Der |

it starker ntwurf, den die Regierung ff l edaben. ‘Die dertigen Mehrheit N rauf eine Adresse an ihn gerichtet, worin sie seine gs VIN a und ihm ihre Dankbarkeit bezeugen, daß er die Znieitive in dieser Maßregel ergriffen habe. ey

Vernehmen nach, beabsichtigen die Minister, eine Kom:

D derzuseben, welche über die Ursachen der Noth in den an E E ntersuhungen anstellen soll, während das Par- pr ay cugeinander ehen würde, e r Abhülfsmaßregeln berathen MREEL 5 Der Globe meint, besser würde es seyn, wenn das E binet ‘die Annahme einer Bill bewirke, welche das jeßt unter Verschluß liegende fremde Getraide zollfrei auf den Markt zu bringen gestattete, und für die Dauer der Parlaments: Ferien die cite etraide : Einfuhr entweder zu einem geringen festen Zoll oder, no<h lieber, abgabenfrei erlaubte. Mittel sey jeßt noch Hülfe zu schaffen, | Die Flachsspinner zu Leeds haben eine Denkschrift an die Lords des Schaßes beschlossen, worin sie die nachtheiligen Folgen, welche die Französische Leinen-:Ordonnanz auf ihren Nahrungszweig úben müsse, schildern und die Regierung ersuchen wollen, das drohende Unheil dur< einen auf wechselseitige Zugeständnisse ge: gründeten R E E R abzuwenden. / |

Es heißt, daß die Kommission, welche den im vorigen Jahre aufgede>ten Schaßkammerschein : Betrug untersuchen sollte, diese Untersuchung bereits beendet hat und mit Abfassung ihres Berichts beschäftigt is, Man hosft nun, daß die Minister unverweilt einen Vorschlag zu Gunsten der \chuldlosen Jnhaber verfälschter Scheine an das Parlament gelangen lassen werden,

Vorgestern wurde der Herzog von Northumberland als Kanzler der Universität Cambridge inftallirt, wobei der Herzog von Cam- bridge und der Herzog von Wellington, Leßterer als Doktor des Civil - Rechts gekleidet , jugegen waren,

Der am nämlichen Tage mit Francis zum Tode verurtheilte Verbrecher Cooper, welcher einen Polizei-Konstabler bei Ausübung seiner Amtspflicht ermordet hatte, wurde vorgestern vor Newgate gehängt. Die Zuschauerzahl war die kleinste, welche man seit vie- len Jahren bei solchem Anlasse versammelt sah. Am Tage vorher hielt der Geistliche in der Gefängniß - Kapelle die Übliche Hinrich- tungs : Rede, wobei Cooper, Francis und die anderen Sträflinge zugegen waren. Francis vergoß während der Predigt wiederholt Thrânen und schien schr ergriffen zu seyn.

Belgien.

Brüssel, 6. Juli, Zhre Majestäten der Kdnig und die Königin sind gestern aus England zurü>gekehrt. Van glaubt, daß der König nach einem kurzen Aufenthalte in den Ardennen sich nach Paris begeben werde, wegen der Verordnungen in Be- treff des neuen Zoll: Systems von fremden Leinen. iese neuen Anordnungen sind zwar zunächst gegen England gerichtet, aber Belgien und insonderheit Flandern werden am ärgsten dadurch getroffen. Es heißt, die Maßregel scy in Hinsicht auf Belgien nur provisorish, und würde am 20sten d. M. aufhdóren, wenn bis dahin die Unterhandlungen wegen eines Handels : Vertrags zu Stande kämen. Allein man glaubt hiesigerseits, daß es zu eincm solchen Vertrage schwerlich kommen werde. Die Forderungen, welche Frank: reich stellt, sind zu übermäßig, und die Vortheile, die es dagegen Belgien einräumen will, zu unbedeutend. Um nur eines Punktes zu erwähnen: es wird gefordert, Belgien soll die Franzbsischen Weine um 4 Fr. den Hectolitre herabseßen; das würde schon sür die 100,000 Hectolitre, die nah mäßiger Berechnung eingeführt werden, jährlih um 400,000 Fr. die Staats: Einkünfte vermin: dern. Dafür will Frankreich den Einfuhrzoll der Flämischen Garne und Leinewand nicht etwa herabseßen, sondern nur auf dem Fuße belassen, wie er seit 1836 war. Dabei reden wir nicht einmal von seinen Forderungen für Seiden- und Modewaaren, so wie von denen gegen den Nachdru>k !c. Man hält sich hier fast allgemein davon Überzeugt, daß bei Frankreich feine andere Absicht vorherrscht, als die Belgische Judustrie zu stürzen und das Land zu zwingen, sich Frankreich in die Arme zu werfen; denn Frank: reich wird eher Alles aufgeben, als seine Träume von der natür: lichen Gränze bis an den Rhein, und das Französische Ministe: rium benußt uns, um sich populair zu machen bei den Wahlen. Hier wird man es aber eher zu dem Acußersten kommen lassen, und nicht nur lieber die Bedingungen des Deutschen Zoll-Vereins annehmen, sondern sogar sich lieber mit Holland vereinigen, als sich zu einer Französischen Provinz erniedrigen lassen. Mit Aus- nahme der Franzdfischen Partei, die nicht bedeutend isf, sind daher alle anderen einverstanden, sich zu Eo Die Geistlichkeit ist um so mehr dagegen, da ihre Versuche, sich in Frankreih mehr Anhang zu vershaffen, nicht gut von Statten gehen.

Dánemark.

Kopenhagen, 7. Juli. Unterm 4. Juli erschien eine Kö- nigliche Bekanntmachung, welche eine Uebersicht der Beschlússe enthält, die die Regierung in Betreff der den Dänischen Jnsel: ständen vorgelegten Geseb-Entwürfe und der von ihnen gemachten Anträge gefaßt hat. Untcr Nr. l. werden 25 Entwürfe aufge- führt, welche seirdem Clettdfrafe erhalten haben. Einige Be- denken der Stände werden speziell hervorgehoben. Unter 1, wer- den die Anträge der Stände erwähnt, nämlih 1) in Betreff der Modificationen der Stände - Institution, auf Vereinigung sâmmkt- licher Stände. Der König kann dem Antrage nicht beistimmen, doch hat er in Erwägung gezogen, ob nicht ständische Comités, welche Uber solche Angelegenheiten, die mehrere Provinzen oder den ganzen Staat betresfen, Bedenken abgeben, als eine zwe>- mäßige Entwickelung der Provinzial - Stände eingeführt werden fönnten. Es soll der nâhsken Versammlung ein Geseß : Entwurf darüber vorgelegt werdcn. 2) Ueber größere Freiheit bei kirchlichen Handlungen, Größtentheils bewilligt. 3) Ueber größere Oeffent: lichkeit der Dina Beate und zweijähriges Budget; ersteres bereits erfüllt, leßteres abgeschlagen. 6) Ueber Erleichterungen der K Nicht zu bewilligen. 8) Ueber freie Post: Versendung der

ournale und Zeitungen. Bewilligt, insofern es die inländischen betrifft. 9) Daß über eine Eisenbahn-Anlage erst alle verschiedenen Provinzial-Stände befragt werden. Bei der Wichtigkeit der Kiel: Liguner Eisenbahn konnte ein so langer Aufschub nicht bewilligt werden.

Die Reise um die Welt mit dem bereits früher erwähnten Schisfe ist für dieses Jahr ausgeseßt worden.

m Freitage wird das Dampfschiff „Hekla“ mit den Natur: forschern nah Stockholm abgehen.

Deutsche Bundesstaaten.

Dresden, 9. Juli. Von den Ministerien der Justiz, der Finanzen und des Jnnern if eine Verordnung ergangen, die Er: greifung von Maßregeln gegen das Ueberhandnehmen der Münz:

Nur durch solche radikale |

823 Fälschungen und ähnlicher Vergehungen betrefsend. Jene Maß- regeln bestehen nun darin, daß alle Polizei: und Gerichtésstellen, denen falsches Geld zu Gesicht kommt, sofort an das Ministerium des Junnern darüber berichten und von hier aus mit den etwa erforderlichen Mittheilungen versehen werden sollen; daß ferner für Fälschungen inländischen Metall-Geldes die hiesigen Münz- Beamten, inländischen Papier-Geldes die Haupt-Auswechselungs- Kasse, ausländischen Metall: und nicht-Sächsischen Papier-Geldes eine besonders in Pflicht zu nehmende Person als F achverständige be- stimmt seyen, und daß endlich die Falsifikate und etwanigen Apparate nach beendigter Untersuchung behufs der Aufbewahrung und nach Be- finden Vernichtung nebst Akten an das Finanz-Ministerium einzurei: chen. sind, Schließlich läßt diese höchst wichtige und durchgreifende Verordnung darüber nicht in Zweifel, wie es zu halten, wenn die Möünzfälschung nicht bei einer Polizei: oder Gerichts-, sondern bei einer Königlichen Kassen- und Rechnungs- Behörde entde>t wird. Hier findet nämlich folgende, dem Jnskanzenzug e Einrich- tung siatt. Die lebtgedachten Behörden berichten beziehentlich an ihre vorgeseßten Dienst- Behörden, diese an das vorgeseßte Mini- sterium, welches sich erforderlichenfalls mit dem des Znnern in weiteres Einvernehmen seßen wird. Ferner werden durch Verord- nung der Ministerien der Finanzen und des Jnnern die Polni- schen ',- und ‘-Thalerstücke gänzlich verboten.

Stuttgart, 27. Juni. (Süddeutsche Bl.) Jn der Kam- mer der Abgeordneten war no<h vor der Vertagung ein Gesehß- Entwurf, betreffend die Verpflichtung zum Kriegsdiensk, eingebracht worden. Der Minisker von Schlayer seßte in cinem längeren Vortrage die Gründe auseinander, welche die Regierung hierbei eleitet haben; von der Ansicht ausgehend, daß durch das beste- Îénde Rekrutirungs-Gescß fúr die Landes-Vertheidigung in außer- ordentlichen Fällen weder hinreichend, noh zwe>mäßig gesorgt sey und daß namentlich im südwestlichen Deutschland eine solche Für: sorge noth thue, beschloß sie, ohne übrigens im System des akti: ven Heeres eine Aenderung vorzunehmen und ohne die Jdee einer allgemeinen Volks-Bewaffnung zu adoptiren, das Jnsftitut der Landwehr oder Landes-Reserve unter folgenden Bestimmungen einzuführen: Die Verbindlichkeit zum Kriegsdienste soll nunmehr eine allgemeine und eine Befreiung nur in den wenigsten Fällen (für die Studirenden der Theologie in den Seminarien u. \. w.) zulässig seyn; es werden also mit dieser Modification die waffen: fähigen Männer der Altersklassen vom 20sten bis 32sken Lebens: jahre theils im aftiven Heere zu dienen haben, theils für die Landwehr pflichtig seyn und es besteht diese somit eben sowohl aus ausgedienten Soldaten, als aus Angehörigen aller Stände. Die Landwehr soll in drei Aufgebote eingetheilt und nur das erste derselben kann au<h in Friedenszeiten zu Waffen - Uebungen versammelt werden; darin besteht der Unterschied zwischen dem Preußischen System und dem hier zu Grunde liegenden; es soll nicht eine taktisch - formirte Landwehr, als ein Jnskitut neben der aftiven Armee, sondern nur eine Reserve zur Ergänzung dersel: ben, zur Vertheidigung des heimischen Herdes in Fällen der Noth gebildet werden, die ihren Stamm- und Anhaltspunkt in den vertheilten Exkapitulanten findet; es soll ein Jnstitut seyn, das im Frieden beinah nichts kostet und die bürgerlichen Verhältnisse im Allgemeinen nicht stört. Die Landwehr soll daher nicht länger, als durch die Kriegsdauer erforderlich is, eingerufen werden, in- nerhalb dieses Zeitraums aber kein Unterschied zwischen ihr und dem aftiven Heere in Betresf der Ehren, Pflichten und Nechte statthaben; bei leßterem soll die Dienstzeit auf sechs Jahre fest- geseßt bleiben, im Wesentlichen das Aushebungs- Verfahren nicht abgeändert werden und die Stellvertretung auch fernerhin zu- lässig seyn. Dies sind etwa die Grundzüge des vorgelegten, aus 108 Artikeln bestehenden Geseßes, das an die bereits gewählte Kommission verwiesen wurde. \

Stuttgart, 7. Juli. (Schwäb. M.) Wie wir verneh- men, sind nun sämmtliche Bevollmächtigte fúr die in Stuttgart abzuhaltende General: Konferenz in Zoll-Angelegenheiten hier ein- getroffen, und es haben die Konferenzen am 5. Juli begonnen. Als Bevollmächtigte sind bestellt : von Preußen: der Geheime Ober-Finanzrath von Pommer-Esche, von Bayern: der Ministerial: Rath und General -: Zoll : Administrator Bever; von Sachsen: der Geheime Finanzrath von Zahn; von Württemberg: der Ober-Fi- nanzrath von Hauber; von Baden: der Ministerial-Direktor Re- enauer; vom Kurfürstenthum Hessen: der Ober-Zoll: und Ober- Postdirektor von Schmerfeld; vom Großherzogthum Hessen: der Ober - Finanzrath Sartorius; von Nassau: der Geheime Rath Magdeburg ; von Frankfurt: der Senator Dr. Souchay. Auch

ist der Königlich Preußische Vereins:Bevollmächtigte in München, |

Regierungs-Rath Reuter, hier angelangt.

Karlsruhe , 6. Juli. (Bad. Bl.) zweiten Kammer am 5. Juli eröffnet der Präsident der Kammer, daß der Abgeordnete Kuenzer um Urlaub eingekommen sey, da

In der Sißung der |

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von Bôh: „Die Regierung holt die Ansicht der Kammer im- mer ein, wo es möglich ist; úbrigens sind dies Gegenstände, die in dffentlicher Sißung nicht zu verhandeln sind.“ Der Dru> des Sanderschen Berichts wird beschlossen,

Frankfurt a. M., 8. Zuli e z rer Börse ist fortdauernd ohne besondère Gle De semenen Ursachen sind die schwankende Haltung der auswärtigen

órsen, das Franzdsische Wahlgespenst, das die Spekulanten be- fangen hält und namentlich die ungünstigen Geldverhältnisse unse- res Plaßes, Was die einzelnen Effekten-Gattungen betrifft, kön- nen unter Anderen die Oesterreichischen jeßt nicht Gegenstand es sonderer Speculation seyn, da die Wiener Börse matt if und fast täglich etwas niedrigere Course bringt. Die Holländischen Fonds waren in den leßteren Tagen durch die besseren Berichte von Am- sterdam beliebter, doch hat die günstigere & timmung der Amsterdamer Börse bereits wieder aufgehört und verfehlt nicht ihre Rüú>wirkung auf den hiesigen Plak. So lange Holland nicht mit Belgien seine finanziellen Disferenzen vollklommen geschlichtet hat, in seinem Fi- nanz-Haushalt nicht eine nachhaltige Erleichterung eintreten lassen fann, so lange ist feine wesentliche Besserung der Holländischen Effekten zu erwarten, Vorerst bleiben aber die Holländischen Integralen das Schoßhündchen unserer Börse, das freilich auch alle Streict e trisst, sle mögen von Wien, Paris, Lon- don oder Amsterdam kommen. Von den Spanischen Fonds, den Ardoins, mag ih faum sprehen. Den Spekulanten is die trost lose Lage Spaniens kein Geheimniß, sie kennen die Werthlosigkeit der Spanischen Staatspapiere, und dennoch treiben sie fortdauernd ein starkes Börsenspiel damit, um heute zu gewinnen und morgen zu verlieren, Etwas mehr Kredit hat noch Portugal, do<h wird in seinen Papieren hier nicht viel gethan. Die Polnischen Loose, die ihren Jmpuls im Course von Berlin erhalten, behaupten sich fesk. Die Taunus-Eisenbahn-Actien verharren auf dem Cours von 379 oder 380 Fl. Die Frequenz der Bahn is zwar úberaus stark, allein, da sih das Geld immer noch nicht recht flússig zeigen will und der Börsenhandel überhaupt darniederliegt, is die Speculation auch in den Actien schwach. Man hofft indessen, daß, das Börsen: wesen in Kürze cinen günstigen Umshwung nehmen werde.

Mit Vergnügen melde ih, daß J. P. Wagner dem Senat einen recht erfreulichen Bericht Über den Stand seiner elektromag- netischen Erfindung abgestattet und die Erklärung ertheilt hat, în wenigen Monaten den Bau seiner großen Maschine vollendet zu haben. Der Fleiß dieses Mannes is aber au< wahrhaft eisern.

Die Direction der Main-Dampfschifffahrt hat zwar angekün- digt, daß dieselbe aufgehört habe, allein dennoch seßt ein Dampf- boot „Ludwig“ seine Fahrten zwischen Würzburg und Frankfurt fort, doch nicht mit bestem Erfolge. ;

Es if eine auffallende Erscheinung, daß in der Mitte der Reise- und der Bade-Saison die Zahl der hier verweilenden Frem- den unbedeutend is. Man darf aber nur in den Eisenbahnhof gehen, da lô}ff sih das Räthsel; die Fremden gehen fast alle gleich weiter. Der Rhein verschlingt sie gewissermaßen; denn in den Taunus-Bádern is es, troß aller Gegenberichte, durchaus noc< nicht lebhaft.

7 Luxemburg, 3. Juli, Die Preußischen Offiziere, welche der Einladung des Meßer Offizier - Corps zu einem Ball folgten, den dasselbe zu Ehren des Herzogs von Orleans gab, können nicht genug die Zuvorkommenheit rühmen, mit der sie dort aufgenom men wurden, Von dem Augenbli>ke ihres Abstkeigens im Gast hofe bis zu dem, wo sle die Stadt wieder verließen, waren sie unausgeseßt der Gegenskand der zartesten Aufmerksamkeit ihrer Französischen Kameraden, denen der Herzog, nachdem sie ihm vor- gestellt worden, darin selbst mit dem schönsten Beispiel vor-

anging.

y Den 29. Juni Nachmittags wohnten sie einem Festungs- Manöver bei, úber welches ste sh sehr gúnstig aussprechen. Dann wurden sie von einer Gesellschaft Offiziere zu einem Diner eingeladen, das ungeachtet des Jmpromptu's sehr glänzend aus-

fil, Um 8 Uhr Abends begann der Ball im Schau- spielhause, das zu einem wahren Zauber : Palast Armiden's umgeschaffen war. Eine zahlreiche Wache, aus Grenadie-

ren und Genie :- Truppen bestehend, war im Jnnern aufge- stelle. An jeder Thür standen Doppelposken, zu denen auch die Sappeurs mit ihren hohen BârmüÜüten und langen, weißen Schurzfellen gezogen waren. Der Haupt - Eingang des Gebäu- des, die Korridors und Vorsále waren mit fostbaren Fußtep- pichen und Drapperiecen auf das reichste ausges<hmü>t. An allen passenden Stellen bede>ten lange Spiegel die Wände und reflek- tirten den Glanz und die bunte Pracht des reichsten Blumenflors. Jm Hauptsaale blendeten blankgepußte und polirte Waffen aller Truppengattungen, welche auf das Sinnvollste in Trophäen ver- einigt waren, wie Diamantfeuer das Auge. Denkt man si< nun noch zu dem bunten Farbenspiel von Blumen, Federn und Bân-

| dern, welche die schwarzen Lo>ken der Damen s{<mü>ten, mit

die Hindernisse, welche ihn zur Zeit vom Eintritt in die Kammer |

abhielten, noch nicht hâtten beseitigt werden können. Nach der Tages-Ordnung erstattet der Abgeordnete Hoffmann scinen Be- richt Lber das Budget des Finanz-Ministeriums.

gang genommen und er dem Dru>k übergeben.

er durch ein Allerhöchskes Reskript des Großherzogs aus dem Staats - Miniskeriuum zum ständigen Regierungs - Kommissar für das Ministerïum - der auswärtigen Angelegenheiten er: nannt worden sey. Abgeordneter Sander erstattete hier: auf Bericht úber die die Spinnereien !c. betresfenden Pe- titionen. Der Antrag geht auf empfehlende Ueberweisung an das Staats-Ministerium und Erhdhung der Zölle zum Schuße dieses Zweiges der Jndustrie, Auf Antrag des Abgeordneten Mathy wird die Diskussion dieses Berichts aufgeschoben, da derselbe zu ausführlich, der Gegenstand zu wichtig sey, um sofort diskutirt werden zu können. Er seinerseits theile nicht alle Ansichten dieses Berichts, und finde für nothwendig, daß neben den Jnteressen der Baumwollen-Jndustrie auch andere ihre Vertretung hier fän: den. Der Bericht músse daher gedru>t werden, damit eine reifere Diskussion stattfinden könne. Finanz-Minister von Böckh: Es habe allerdings feinen Nachtheil, wenn die Diskussion verschoben werde, da die Regierung im Wesentlichen mit der Kommission einverstanden sey und ihren Kommissar zum Zoll - Kongresse dem: emäß instruirt habe ; daher wünsche auch er den Dru> des Berichts.

bgeordnete Hoffmann erklärt sich in gleichem Sinne, denn der Bericht gehe noch Über die Wünsche der Petenten hinaus. Ab- geordneter Bassermann wünscht, daß die Regierung immer zu- vor die Ansicht der Kammer einhole, bevor sie ihren Kommissar instruire; denn die Kaufleute und Jnudustriellen Überhaupt wÜüß- ten solche Du besser zu beurtheilen als Staats - Beamte, und seyen diese noch so lange im Diensk. Jene ständen mitten im Leben und in der Erfahrung, diese nur in

) der Theorie und waren daher Fehlgriffen mehr ausgeseßt als jene. a

Finanz-Minister

denen alle Logen angefúllt waren, eine unúbersehbare Menschen- masse im Parterre, unter der goldene und silberne, rothe und weiße

| Epaulets auf: und abwogten, die lachenden Gesichter jugendlicher

Da der Be- | richt sehr umfangreich is, so wird von Verlesung desselben Um: | Hierauf eröffnet | der Geheime Regierungsrath von Marschall der Kammer, daß |

Offizieren

forderte e alles Sehenswerthe in Augenschein nehmen zu fönnen, wobei nöthigen Befehle an die betreffenden Behörden ertheilt habe. Der Ball dauerte bis gegen 4 Uhr Morgens, nachdem si um 1 Uhr der Herzog zurü>gezogen hatte. Den 30, Juni gegen $8 Uhr Mor: gens verkündete Kanonendonner seine Abreise.

sie das Arsenal besahen. Ein glänzendes lichste Heiterkeit und gemüthvollste Laune die augenbli>lichen Re- prâsentanten beider Armeen beseelte, bildete den Schlußstein zweier Tage, die allen denen unvergeßlich seyn werden, welche diesen Fest:

Schönheit und die in Afrika gebräunten und benarbten der Fran- zösischen Krieger, und dieses ganze Quodlibet von einer zwanglo- sen Heiterkeit beseelt, \s0 mußte der Eindru> allerdings eben #5 neu und überraschend als großartig und emüthlih seyn. Der ritterlihe Prinz trug wesentlih zur elebung des Ganzen bei, Er unterhielt sich mit den Anwesenden ohne Unterschied des Standes und Ranges und schenkte den Preußischen besonders scine Aufmerksamkeit, von denen ein jeder das Glü> hatte, von ihm angeredet zu werden. Er Alle auf, no< einige Zeit in Meß zu bleiben, er hinzufügte, daß er Ende

zu diesem bereits die

An demselben Morgen folgten die Preußischen Offiziere

einer Einladung ihrer Französischen Kameraden zu einem Dejeuner, begaben sih dann ra nach der Scheibe schossen und wohnten einigen Manödvres

auf den Polygon, wo die Jäger zu ei, welche dieselben vor dem General Rumigny ausführten, worauf

iner, wobei die herz-

lichkeiten beiwohnten. Schweiz.

i í- Neuchatel, 2. Juli. Der hiesige Maler, Herr Karl G rardet, hat fürzlih im Auftrage der Stadt Neuchatel ein Vatens vollendet, das die Bewunderung aller Kunstfreunde erra bre stellt dasselbe eine Versammlung von Protestanten (im