1842 / 206 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Zukunft Fesseln anzulegen? Unter der Herrschaft der Thatsache, unter der gegenwärtigen Nothwendigkeit, eine unabwejsbare Frage zu lôsen, werden gute Geseße entworfen. Wir haben die politische Philosophie zu sehr gemißbraucht ; beschränken wir uns darauf, mit fester Hand die Angelegenheiten unseres Landes zu leiten, Es würde allerdings bequem seyn, im voraus ein Geseß zu haben, welches man allen Ereignissen, allen Unglüsfällen, allen den Schlägen entgegenseßen könnte, dur< welche die Vorsehung die Völker erprobt. Mit einer so vollkommenen Geseßgebung würde man jener täglichen Klugheit, welche das Genie der Staatsmän- ner und der Ruhm der civilisirten Völker ist, niht mehr bedür fen. Man würde frei seyn ohne Muth! Die Institutionen wür- den alles und der Mensch nichts seyn: das ist unmöglich! Wenn das Geseß, welches wir jezt machen werden, in 50 Jahren nicht mehr gut ist, so wird man ein anderes futalien, Es genúgt, daß es gegenwärtig gut ist. Welches Alter soll für die Großjährigfeit des Königs festgeseßt werden? Wem soll die Regentschaft über- tragen werden, seiner Mutter, oder den Prinzen, seinen Onfkeln ? Entscheiden wir diese Fragen für uns, und überlassen wir es der Zukunft, die ihrigen zu lösen!“

Die Presse, die, wie gesagt, die entgegengeseßte Ansicht ver: |

tritt, schließt heute einen Artikel úber diesen Gegenstand mit fol- genden Worten ab: „Will man wissen, was jenes System her- vorbringen würde, welches verlangt, daß die Regentschafts - Frage nur vorläufig gelôst und nichts Allgemeines, fúr alle Zukunft Gel: tendes in sich enthalten soll, so lese man die Geschichte aller Re- gentschaften, die das alte Frankreich erschüttert haben. Der Man- gel jedes feststehenden Prinzips, jedes gewissen Rechtes, sowohl für diejenigen, welche die Regentschaft verliehen, als für diejenigen, denen sle verliehen wurde, dffnete allen Ansprüchen, allen Bewer- bungen, aller Unordnung Thür und Thor. Wenn man ein sol: ches Wesen in dem neuen Frankreich restauriren will, so hat man Recht, zu verlangen, daß die Regentschaft nur eine Frage der That- sache und der Gelegenheit sey. Wenn man aber im Gegentheil die Wirksamkeit und die Stabilität des monarchischen Prinzips, welche bei Minderjährigkeiten immer mehr oder weniger gefährdet ist, sichern, wenn man das constitutionelle Frankreich vor den Un- ordnungen bewahren will, die die alte Monarchie aufregten, so muß man sich beeilen, feste, unveränderliche, von Zeit und Men- schen unabhängige Regeln festzustellen.“

Fast alle hiesigen Journale machen auf den Widerspruch in den beiden (gestern mitgetheilten) Artikeln des Constitutionnesl aufmerksam, und fordern dieses Blatt zu einer Erklärung auf.

Der erste Adjutant des Königs der Niederlande, General tepveu, ist hier eingetroffen, um dem Könige der Franzosen ein eigenhändiges Kondolenz- Schreiben des Königs der Niederlande zu überreichen.

Es heißt, daß Herr Sauzet in der künftigen Session nicht der Kandidat des Ministeriums für die Präsidentschaft der De- putirten-Kammer seyn werde. Dem Vernehmen nach wünscht das Ministerium, daß Herr von Lamartine diesen hohen und ehren- vollen Posten einnehmen möge.

__ An der heutigen Bör \e gingen die Course um eine Kleinig- keit in die Höhe. Die Gerüchte von einer Ministerial - Verände: rung waren verstummkt.

© Paris, 21. Juli. Das Journal des Débats, der Constitutionnel und der Moniteur parisien versicherten gestern einstimmig, daß der Graf von Paris am nächsten Dienstag vom König selbst den Kammern vorgestellt werden würde. Die nämliche Nachricht hatte ih JZhnen schon früher mitgetheilt. Die Presse widerspriht ihr heute auf das bestimmcteste, und das Journal des Débats erklärt, es habe sich gestern hierin geirrt. Daß ein Journal, wie die Débats, welches mit dem Hof in näherer Berührung steht, indem alle Artikel, welche Uber den Tod des Herzogs von Orleans darin erscheinen, aus der Feder des Herrn Cuvillier - Fleury, des Secretairs des Her: zogs von Aumale, fließen, nicht aufs Geradewohl melden konnte, daß der Graf von Paris der Kammer - Eröffnun beiwohnen werde, ist nicht schwer zu errathen, Man mud daher für die heutige K Oduea des Journal des Débats einen anderen Grund suchen. icherem Vernehmen nach, e das Kabinet gestern dem König die Vorstellung gemacht, es wäre eine von den Ministern nicht zu verantwortende Schuld, wenn sie zugeben wollten, daß der König und dessen präsumtiver Nachfol: ger sich der Gefahr eines möglichen Attentats unter den obwal:- tenden Umständen ausseßen sollte. Das Kabinet erkannte wohl, wie übertrieben eine solche Furcht wäre, nichtsdestoweniger behaup-

tete es, die Pflicht gebiete ihm, auch auf die schlimmsten Fälle zu | WNegentschafts - Frage beschäftigt. MÆion is der Sturz des Herrn Guizot, selbst wenn dadurch ernste EWerwickelungen in der Erörterung des Regentschafts: Geseßes ent- ¡Ychen sollten.

verzichtete auf sein Vorhaben, den Grafen von Paris den Kam: Fi Berechnungen scheinen uns wenig genau zu seyn, und namentlich

denken und seine Vorsichts-Maßregeln darnach zu nehmen. Der Marschall Soult, wird hinzugeseßt, hätte dem König geradezu ge- sagt, er würde lieber auf der Stelle sein Portefeuille niederlegen, als eine so schwere Verantwortlichkeit auf sich nehmen. Ludwig Phi- lipp, sagt man, gab endlich den Vorskellungen der Minister nach und

mern vorzustellen, Dies geschah gestern Abends in Neuilly, wo-

hin sich die Minisker nach gepflogener Berathung unter einander f begaben. Heute erschien dann die obenerwähnte Berichtigung im |}

Journal des Débats.

Die Journale des Herrn Thiers übertreiben in diesem Augenbli>ke die Wichtigkeit und den Einfluß des Herrn Thiers, den sie als den Mann de la situalion préscnte darstel: len möchten, Wenn es Jemanden giebt, dem Ludwig Philipp un- ter den obwaltenden Umständen nicht die Leitung der Geschäftes

SMajorifât auf folgende Weise finden könne. die Dotation, für die Zählung, gegen die Jnkomptabilitäten und Sdie Kapazitäten geftimmt haben, f

E die Dotation, aber fúr die Zählung, gegen die Jnkomptabilitäten

aus den Provinzen noch nicht angekommen sind. Die Pairs wa- ren von ihrem Präsidenten, Baron Pasquier, und dem Groß: Referendar, Herzog von Decazes, angeführt. Die Deputirten hin- gegen traten ohne Präsidenten in den Thron : Saal und defilirten gleih den Mitgliedern der Pairs - Kammer vor dem König mit einer stummen Verbeugung vorüber. Nach ihnen wurden die dienskthuenden Offiziere der Wachtposten in den Tuilerieen, sowohl von den Linlentruppen, wie von der Nationalgarde, E e! worauf der Staatsrath, das Conseil des dffentlichen Unterrichts, die Akademie der Künste und Wissenschaften, die Vorstände du corps des ponts et chaussées, die Gerichtshöfe aller drei Jnstan- zen, das Handels-Tribunal und die Handels - Kammer von Paris folgten. Darauf kamen die zwölf Maires von Paris mit den Präfekten des Departements de la Seine an ihrer Spiße, der Ge- neralstab der Nationalgarde, das Offizier-Corps der dreizehn Le- gionen der Nationalgarde von Paris und die Offiziere der Gar- nison von Paris und Versailles. Es versteht sich von selbst, daß alles bei dieser Aufwartung in tiefer Trauer erschien, man trug nicht nur Flor um den Arm, sondern die Degenkuppel und die Goldquasten der dreie>igen Húte waren mit Flor umhüllt. Endlich erschien gegen vier Uhr das diplomatische Corps, ebenfalls in Trauer. Graf E ap: welcher als Doyen an der S piße des: selben stand, trug die schwarze Ungarische Trauer:Uniform, mit blau angelaufener Säbelscheide, und schwarzem Kalpak. Die ihn begleitenden Secretaire, Graf Rudolph Appony und Graf Ester: házy, trugen eine ähnliche Ungarische Trauer-Uniform. Während der Aufwartung des diplomatischen Corps umgaben die Minister den Thron des Königs. Diese Aufwartung ging, wie die vorher- gehenden, ganz stumm vor. Während ich diesen Brief schließe, verlassen eben die fremden Gesandten das Königliche Nesidenz- Schloß. Der König wird in einer halben Stunde nah Neuilly zurü>fahren.

T7 Paris, 21. Juli. Der durch den Tod des Herzogs von Orleans für einige Tage suspendirte Portefeuille: Krieg bricht in neue Flammen aus. Die constitutionelle Opposition hat sich. von ihrem ersten Schre>en über das verhängnißvolle Ereigniß vom 13ten einigermaßen wieder erholt, und mit ihrer Geistesgegenwart ist auch das Bewußtseyn ihres ewigen großen Zieles: Sturz des Ministeriums, zurü>gekehrt. Dennoch is mit aller Partei-Sophi- sik die Thatsache nicht hinwegzuleugnen, daß die neue Kammer die Elemente einer, wenn au< nicht sehr großen, doch genÜü-

enden Majorität für die ministerielle Politik enthält, einer

ajoritât, welche in dem Unglüksfalle vom 13ten die stärkste Veranlassung zur einigen Gesinnung und zum einigen Handeln finden wird.

Die Presse ist no< immer kläglih arm an eigenen Jdeen und eigenen Wünschen über die Regentschafts-Sache. Es hat fast den Anschein, als wolle sie die amtliche Mittheilung des Regie- rungs-Planes abwarten, ehe sie mit eigenen Ansichten hervortrete. Die meisten Preß-Organe beschäftigen fich bis jeßt nur mit Bréjudi- ziellen Fragen , und wenn fie über den Hauptgegenstand selbst einige Worte fallen lassen, so sind diese gewöhnlich so sehr auf Schrau- ben gestellt, daß sie zu feiner großen Konsequenz verpflichten.

Die Wirkung der Trauer - Botschaft vom 13ten is in den Provinzen nicht geringer gewesen als in Paris selbsk. Die Sprache der Journale und die zahlreichen Beileids - Adressen, welche täglih an den König eingehen, sind unzweideutige Zeichen eines lebhaften und tiefen Jnteresses, das um \o wahrer ist, je stärkere egoistische Mitbeweggründe es hakt. Man spricht mit vie- lem Unwillen von dem Beschlusse des Stadt-Raths von Toulouse, welcher den Antrag des. Maire auf Abfassung einer schriftlichen Theilnahms-Bezeugung an den König als ungesezmäßig ablehnen zu mússen geglaubt hat. . (Vergl. Staats-Ztg. von gestern.) Gewiß ist es, daß der geseßliche Sinn der Toulouser Stadt-Behörde nicht das allein bestimmende Motiv dieser Weigerung gewesen isk, aber eben so wenig is es zu bestreiten, daß dieselbe sich bei ihrer Be: \c{hlußnahme auf ein ausdrüliches Verbot des Geseßes berufen fonnte.

Paris, 21. Juli. Man fängt bereits an, die Frage über die Präsidentschaft der Deputirten-Kammer aufzuregen. Der Name des Herrn von Lamartine wird aufs neue genannt; sein Mitbewerber wird Herr Sauzet seyn. Die Opposition wird ihre Kräfte versuchen und auch ihren Kandidaten haben, der kein an- derer seyn kann, als Herr Barrot. Die Journale der verschiede-

men Parteien mögen immerhin Versdhnung, Einigkeit und gutes ÉEinverständniß predigen, man sieht dennoch, daß bei dem Allen kdie ministerielle Frage sie wesentlih und vielleicht mehr als die

Der höchste Zweck der Opposi-

Man hat zahlreiche Berechnungen angestellt, um die respek- ive Stärke der Parteien in der Kammer festzustellen ; allein diese

hat die Opposition die Biegsamkeit der Ziffern auf eine sonder: are Weise gemißbraucht, um ihr Konkingent für die Kammer estzuseßen. Wir unsererseits glauben, daß man die ministerielle Deputirte, die für nd 189; Deputirte, die nicht für

und die Kapazitäten skimmten, 42; neu erwählte Deputirte, die von

anvertrauen mag, so ist es sicherlich Herr Thiers. Allem Anschein den Konservativen getragen und unterstüßt werden, und anerkannt

nas, is Herr Thiers mehr als jemals von dem Eintritt ins Kabi- tes rent: denn er hat jeßt den leßten haltbaren StÜßpunkt ver: | n, den er an dem Herzog von Orleans zu haben glaubte, um

seinen durch die groben Mißagri : : griffe der Verwaltung vom 1. März F verlorenen Einfluß auf die Kammer einigermaßen leder zu ¿is f

nen. Er wird sich, wie wir hóren, nicht einmal um die Präside

in der Deputirten- Kammer Cepaket vielleicht L Tat die geringe Anzahl von Stimmen, die er dafür gewinnen könnte, möchte dem Lande die Ohnmacht der Partei, an deren Spige er steht zu sehr aufde>en, Briefe aus Macon melden, daß Herr von La- martine, der vor cinem Jahre seinen Freunden zu lieb als Kan- didat für die Präsidentschaft der Kammer auftrat, diesesmal darauf besteht, die unabhängige Stellung eines einfachen Deputirten zu bewahren, und die ihm neuerdings angebotene Kandidatur aus s schlagen habe. Dagegen bemüht sich Graf von Salvandy um so eifriger, die Wahl der Kammer auf ihn zu lenken.

Die angezeigte Kondolenz-Cour in den Tuilerieen hat diesen Morgen um elf Uhr adelon en. Der Kdnig war eine halbe Stunde früher aus Neuilly daselbst angekommen. Jhn begleiteten die Herzoge von Nemours, Aumale und Montpensier. ie Kd- nigin und die úbrigen Prinzessinnen sind nicht nah Paris gefkom- men. Auf der Estrade des Thrones chens empfing der König zuerst die Minister, die Marschälle und Admirale und die beiden Kammern. Die Pairs hatten sih in großer e eingefunden. Von den Deputirten war beiläufig der dritte Theil anwesend, da die übrigen

zu dieser Partei gehören, 41; gesammte Majorität 272, Da die Kammer aus 459 Deputirten besteht, die Majorität aber 272 Mitglieder beträgt, so bleiben für alle vereinigten Oppositions- Müúancen, mit Einschluß von 12 zweifelhaften Deputirten, die eben

d gut dem Ministerium als der Linken angehören könnten, 187 Mitglieder. Der Unterschied zwischen der Opposition und der Majorität beträgt daher 85 Stimmen. Diese Angaben scheinen uns weniger angreifbar, als die, welche bisher in den verschiede- nen Journalen der Hauptstadt mitgetheilt worden sind. Jene Majorität kann si< allerdings zum Nachtheil des Ministeriums modifiziren; allein es is niht weniger wahr, daß sie in diesem Augenbli>e so existirt.

Von allen ministeriellen Journalen ist jeßt die Presse das einzige, welches den Entwurf eines Fundamental-Geseßes über die Regentschaft vertheidigt. Die allgemeine Meinun bat sih für ein provisorisches Geseß ausgesprochen, d. h. für ein Geseß, das nur den Bedürfnissen des Augenbli>s entsprihe. Man fürchtet sich vor den Verwielungen eines organischen Geseßes, und das Ministerium scheint eine allgemeine und vollständige Lösung des

roblems vermeiden zu wollen. Diese Lösung, sagt es, würde zu iel Zeit hinwegnehmen und zu heftigen Diskussionen Anlaß ge-

ben, was man bei dem gegenwärtigen Zustande der Dinge um

jeden Preis vermeiden muß. Nach Aussage der am besten un- terrichteten Personen is kein Zweifel mehr darüber, daß der Her:

¿og von Nemours zum Regenten ernannt werden und die Herze: |

pin von Orleans die Vormundschaft über ihre Kinder behalten wird.

Die Vorbereitungen zu der Beiseßung des Herzogs von Or- leans werden mit großer Pracht anes, Jn diesem Augen- bli>e wird die Kirche Notre-Dame für die öffentliche Ausstellung der sterblichen Ueberreste und die Leichenfeier des Kronprinzen de- forirt. Je glänzender man diese Ceremonie macht, um so trau- riger und schmerzliher wird sie seyn. Einem Kodizill seines Te- staments zufolge, wollte der Herzog von Orleans, im Fall eines frúhzeitigen Todes, auf die einfachste Weise beerdigt werden ; nach langen Berathungen hat man es jedoch fúr angemessen gefunden, von diesem Theile des Teskaments abzuweichen.

Großbritanien und Jrland.

Parlaments-Verhandlungen. Unterhaus. Sißung vom 19. Juli. (Nachtrag.) Der bei der Erörterung des Ar- mengeseßes von Herrn Fielden gestellte Antrag, daß die Bill nicht weiter berathen werden solle, bevor nicht durch eine von dem Unterhause mittelst Abhörung von Tagelöhnern und ihren Herren bewerkstelligte Untersuchung dargethan worden sey, daß das neue Armengeseß wirklich dazu beigetragen habe, den Arbeitslohn zu er- höhen, die Zufriedenheit der Arbeiter zu vermehren und die Zahl der Verbrechen zu vermindern, wurde, als es nach den (bereits

estern mitgetheilten) Debatten zur Abstimmung kam, verworfen. Nachdem die vier ersten Klauseln, welche die Zusammenseßung und die Befugnisse der Armen-Kommission betreffen, angenommen und die 38ske Klausel, welche von den Kosten für die Aufgreifung der

Landsftreicher handelt, verworfen worden war, beantragte Herr

Darby noch einen Zusaß-Artikel, wonach diejenigen Orte, welche besondere Armen : Geseße hätten, von der Kontrolle der Armen- Kommissarien befreit werden sollten, wenn nicht zwei Drittel der Aufseher (guardians) für diese Kontrolle stimmten. Der Antrag wurde verworfen. Das Haus verwandelte sich sodann in den Ausschuß über die Súd- Australische Bill, die nach einiger Oppo- sition von Seiten des Herrn Hume angenommen wurde.

Unterhaus. Sißung vom 21. Juli, Sir Thomas Duncombe beantragte eine Adresse an die Königin, um JZhre Majestät zu bitten, das Parlament frühzeitig einzuberufen, falls die Lage des Volks sich nicht geändert haben sollte. Nachdem mehrere Mitglieder über diesen Gegenstand gesprochen und unter Anderen Herr d'Jsraeli den gegeuwärtigen Nothstand als eine

olge der schlechten Politik dargestellt hatte, nahm Sir James

}raham das Wort und erklärte, daß die Unruhen in Stafford: shire mit der allgemeinen Noth nichts zu thun hâtten, indem sie dur< einen Streit Über den Unterschied des täglichen Arbeits: lohns von 4 Sh. und 45 Sh. entstanden seyen. Sir Robert Peel widerseßte sich dem Antrage des Herrn Duncombe aus constitutionellen Gründen, weil derselbe ein Eingriff in die Prâ- rogative der Krone sey, auch führte er aus den Oppositions: Blättern einige Stellen an, die den erfreulichen Beweis lieferten, daß der Handel sih wieder verbessere. Sodann hielt Lord Palmerston eine lange Rede (auf die wir no<h zurü>kom: men werden), deren größter Theil eine Vertheidigung seiner Han- dels-Politik gegen die Beschuldigungen des Herrn d’Jsraeli ents hielt. Er prophezeite, daß die gerung alles unter Verschluß befindliche Getraide no<h vor dem November zollfrei herauslassen werde, und obgleih Lord Stanley meinte, daß diese Vorhersagung nicht in Erfullung gehen dürfte, so fuhr er dennoch fort, darauf, als auf etwas ganz Unzweifelhaftes, hinzuweisen. Bei der Ab- stimmung ergaben sich 147 Stimmen gegen und 91 Stimmen für Herrn Duncombe's Antrag, so daß derselbe mit einer Majo: ritât von 56 Stimmen verworfen wurde.

London, 22. Juli. Am Dienstag empfing Sir Robert Peel in seiner Amtswohnung eine zahlreiche Deputation, die ihm eine Denkschrift Überreichte, worin auf den nachtheiligen Einfluß aufmerksam gemacht wurde, den der Schleichhandel mit Opium auf die Handels: und Fabrik: Jnteressen ausüben müsse.

Gestern bot die Themse bei Bla>kwall einen sehr belebten Anbli> dar, indem wohl an 30,000 Personen theils auf den Ufern, theils auf Fahrzeugen sich befanden, um die schöne nach Ostindien bestimmte Fregatte »lhe Queen« vom Stapel laufen zu, sehen. Zur Linken des Schiffes war eine ungeheure Platform für eine Anzahl ausgewählter Zuschauer und für die Musiker des 73. Re- giments errichtet. Auf dem Schiffe selbst befanden sih an 500 Personen beiderlei Geschlehts. Die Ceremonie der Taufe des Schisfes wurde von Miß Stopford, Tochter des Admirals Stopford, jeßigen Gouverneurs des Greenwich - Hospitals, voll: zogen. Die » Queen « ist 210 Fuß lang, 40 Fuß breit; sie hat drei Verde>e, jedes von 7 Fuß Höhe, ist für 52 Kanonen ge- bohrt und ganz wie ein Linienschiff gebaut; ihre Tragkraft ist 1400 Tonnen.

5 London, 22. Juli. Die Verhältnisse scheinen sich mit edem Tage mehr dem Ende zu nähern, das sle unvermeidlich ehmen müssen, nämlich der Auflösung der Tory-Partei, und der

ildung eines neuen Ministeriums unter Peel und Russell)s Ge- ammtleitung, Die Bigotten, welche sich dem Beitrage zur Er- altung des Seminariums zu Maynooth widerseßen, wären allein och zu zähmenz; aber im Verein mit den aufgebrachten Guts- erren bilden sle ein bedeutendes Element zum Abfalle, Die Aus- âlle gegen die Geistlichkeit eines ganzen Volkes, und die Persön: lichkeiten, welche die ganze Debatte begleiteten, sind eine Schmach der Nation. Erfreulich war aber die ächte Liberalität des Lord Eliot, welcher als Jrländischer Secretair hierbei zugleich als Ver- treter der Regierung angesehen werden muß, womit er die Ver- dienste der fatholischen Priester um die Erhaltung der Ordnung unter den Landleuten anerkannte. Die armen Jrländischen Prle- ster, die, ohne Besoldung, gänzlich für ihre Existenz von thren Pfarrkindern abhängen, bringen, wenn sie sih ernstlich den Vorurtheilen oder Leidenschaften der Bauern éntgegenstellen, oft größere Opfer als die Welt erfährt. Aber es 7 auch eben diese Abhängigkeit, welche die höheren Klassen der Katholi- schen abhâlt, ihre Sbhne diesem Stande zu widmen und Y Prie- ster größtentheils aus dem Bauernstande brvorgehen läßt und solche deswegen auch bei den geringen Mitteln, die dem Semina- rium zu Gebote stehen, nicht sehr gelehrt oder gebildet sind, Es ist deswegen höchst wünschenswerth, daß der Staat viel mehr für das Institut thue, und zwar durch eine Stiftung, damit den all- jährlichen unziemlichen Debatten darüber eine Ende gemacht werde. Peel scheint, nach all seinem Thun zu schließen, auf dem Wege, einen solchen Vorschlag zu wagen und würde ihn, troß des Ge- chreis der Ultra : Protestanten, durhseßen. Aber die Spaltung zwischen plsen und ihm würde auch unheilbar werden.

Die Bill fúr die freie Zulassung auswärtigen Getraides zum ahlen und um als Mehl oder Zwieba> wieder ausgeführt zu erden, hat die Gutsherren aufs neue aufgeregt, Man versichert,

ne bedeutende Anzahl derselben habe eine Versatenbna gehal: n und beschlossen, zwar fürs erste feine Opposition gegen ihn

| schall-Lieutenant und Vice-Gouverneur der

u bilden, ihn aber auch auf feine Weise zu unterstüßen, oder durch hren Beifall zu ermuntern. Auch bemerkte man gestern Nacht, wo Peel sein Syskem gegen die Angriffe der Opposition zu ver- theidigen hatte und dabei eine vortreffliche Rede hielt, eine Kälte unter seinen seyn sollenden Anhängern, welche einen solchen Ent- {luß anzukündigen schien. Jeder parlamentarische Redner er- wartet nämlih von Zeit zu Zeit ein ermunterndes Hört! Hört! von den Seinigen; aber Peel hat es besonders in seiner Art, wenn er im Begrisf is, etwas ret Schlagendes vor- zubringen, si< gegen seine Partei hinzuwenden und sie ge- wissermaßen zum Applaus aufzufordern, der dann auch nie auszubleiben pflegte. Geskern Abend blieb derselbe fast Hänglih aus, und er muß wohl daran erfannt haben, daß, wie die Times erklärt, „die Täuschung über seine vermeinten Grundsäge für im- mer ns ist,“ i

Ueberhaupt scheint dieses Journal es sich jezt zum Geseß zu machen, diese Täuschung baldmöglichst zu zerstreuen. Am Montag gab es einen langen Aufsaß, worin es das jeßige Ministerium ganz und gar mit den Whigs identifizirte ; gestern einen anderen, worin es Peel’s und Graham's Reden über das Armenwesen zer- gliedert und Beide als der Armuth Hohn sprechend brandmarkt; und heute hat es einen spottendon Aufsaß Úber das, was es Herrn Gladstone's „neues Licht“ in Bezug auf die oben genannte Maßregel nennt. Es lacht über dessen Angabe, daß die Provian: tirung der Schiffe mit dem Erzeugniß fremder Länder dem Bri- tischen Gutsbesißer nicht schaden sollen und will nicht einse- hen, warum man nur Briten, die zur See gehen, wohlfeiles Brod gônnen wolle, und nicht auch denen, welche zu Hause blie- ben. Es schließt aber mit der auffallenden Bemerkung: es habe es vorausgesagt, sobald Peel anfinge, an dem Getraide-Gesebß et- was zu ändern, so müsse jeder neue Schritt ihn der gänzlichen Zollfreiheit desselben entgegenführen! Jch erinnere mich zwar nicht, diese Prophezeiung in der Times gelesen zu haben; aber ob es sie gemacht habe oder nicht, so wird doch diese Behauptung, eben jeßt und in diesem Tone gemacht, wie eine Bombe unter die Grundbesißer fallen.

Duncombe's Vorschlag ist verworfen; aber diesen Abend wird die Lage des Landes wieder unter einer anderen Form vor das Unterhaus gebracht und damit die Bewilligung der Subsidien aufs neue verschoben werden. Auch hat Peel gestern Abend aber- mals seine Bereitwilligkeit zu erkennen gegeben, das Getraide-Ge- seß weiter zu verändern, wenn die Verhältnisse sich nicht bessern.

Niederlande.

Aus dem Haag, 22. Juli. Se. Majestät der König Wilhelm Friedrih, Graf von Nassau, ist gestern von hier nach Schlesien abgereist.

Die Herzogin Max in Bayern is gestern mit ihren drei Kindern im Bade von Scheveningen angekommen.

Belgien.

Brüssel, 22. Juli. Bei Gelegenheit des eilften Jahres- tages seiner Huldigung hat der König eine große Anzahl von Offizieren um einen Grad befördert. Das Verzeichniß dieser Beförderungen befindet sich im heutigen Moniteur Belge.

Deutsche Bundesstaaten.

m Dresden, 24. Juli. Endlich is nach R Hoffen eine Regenperiode eingetreten und die Elbe einige Zoll gervachsen. Glü>licherweise lauteten die Nachrichten aus dem Gebirge bisher ziemlich befriedigend, so daß mehr einzelne Striche des Niederlan- des von der ausdorrenden Hiße gelitten haben, Das Prager Dampfschiff „Bohemia““, welches bei seinem mäßigen Tiefgange vor den unsrigen Manches voraus hat, verrichtet jegt mit den Dienst zwischen Magdeburg und Hamburg. Der heutige Elbstand ist Ubrigens für die Schifffahrt um so trostloser, als die bisherige Seichtigkeit sich vielleiht bald. in so hohen Wasserstand verwan: deln kann (auch hier berühren sich die Extreme nicht selten), daß nicht nur Ueberschwemmungen eintreten, sondern auch wenigstens für die Dampfschifffahrt neuer Stillstand.

Jn einer der leßten Nummern der in Leipzig erscheinenden

Sächsischen Blätter befindet sich eine Kritik des Entwurfs |

einer Kriminal:Prozeß-:Ordnung für das Königreich Sachsen, wel- chen die Staats-Regierung den am 7. Juni zusammengetretenen, von den leßten Kammern zur Beguta tung desselben ernannten Deputationen vorgelegt hatte, und welchen, wie verlautet, wenigstens die Deputation der zweiten „Kammer einstimmig abgelehnt haben soll, indem sie sh für Mündlichkeit und Oeffentlichkeit des Kri- minal-Verfahrens erklärte. Die obengenannte Kritik ist vorzüglich von Interesse, weil sie von einem der Koryphäen unserer zweiten Kammer herrührt. Es dürfte dies in unserem Lande der erste Fall sein, daß ein Entwurf, der noch nicht an die Kammern ge- langt is, von einem Kammer- Mitgliede selbst einer öffentlichen Beurtheilung, wie es hier iden: unterworfen wird.

Uebrigens bereitet die Regierung noch mehrere andere Rechts-

Entwürfe vor, worunter vorzüglich die neuen Hypotheken-, Kon: kurs- und Wechsel : Ordnungen hervorzuheben sind. Wegen der beiden ersteren hat das Justiz-Ministerium einen ihm beigegebenen Appellations-Rath nach Wien und Prag geschi>t, um das Oester:

reichische Hypotheken: und Gantwesen, das- von Prafktifern wie |*

Theoretikern ganz besonders gerúhmt ird, an Ort und Stelle fennen zu lernen und die neuen Entwürfe darnach auszuarbeiten. Bei der neuen Wechsel-Ordnung wird der vom Geheime Rath Dr. Einecrt veröffentlichte Entwurf zur Grundlage dienen.

Der bisherige Direktor der Leipzig-Dresdener Eisenbahn, Herr Harfort, ist abermals zu dieser Function erwählt worden. Ein hier privatisirender skaatsökonomischer Schriftsteller , Dr, Ritter, hat dem Hamburger Senat einen Finanzplan zur Wiederauf- bauung der Stadt mit Docks 1c. Übermacht, der auf Kreirung eines unverzinslichen Papiergeldes von 20 Millionen Mark Bco. hinausläuft, dafür die Garantie des Bundes fresingt, und aller: dings i.sofern eine Beherzigung verdient, als die Realisirbarkeit der Sache vorausgeseßt, der schwerbedrängten Stadt eine jährliche Zinszahlung von vielleicht 1 Million Mark Bco. erspart würde. Aber wir zweifeln an der Möglichkeit der Ausführung.

Hannover, 23. Juli. Jhre Königl. Hoheit die Frau Her- zogin von Deßau traf gestern Mittag nah 1 Uhr, in Begleitung des Erbprinzen und der Prinzessinnen Töchter, in hiesiger Resi- denz ein, und seßten, nachdem sie Sr. Königl. Hoheit dem Kron- prinzen einen Besuch abgestattet, um 4 Uhr Nachmittags die Reise nah Norderney weiter fort.

—_ Eanbfuxt a. M., 23. Juli. Ein in auswärtigen Blättern verbreitetes Gerücht, die Bundes - Versammlung werde schon jeßt Ferien antreten, ist fals<. Die gewdhnlichen Sißun- gen der hohen Versammlung finden regrimiddis statt und werden

„auch bis zum Herbste andauern.

Am 30sten d, M. begeht der Kaiserl, Oesterreichische Feldmar- undes-Festung, Herr

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Graf von Neu-Leiningen-Westerburg Erlaucht, sein 50jähriges Dienst- Jubiläum, das auf die festlichste Weise von dem Kaiserl. Oester: reichischen und dem Königl. Preußischen Offizier-Corps in Mainz gefeiert werden wird. en Glanzpunkt des dreitägigen Festes wird ein brillantes Feuerwerk bilden. i Nachdem der erste Schre>en, welchen der nicht genug zu be- Flagende Tod des Herzogs von Orleans in der Börsenwelt ver: breitete, vorüber war und die Pariser Börse einen Wiederauf- {hwung der Rente zeigte, befestigten sh auch hier wieder die ees einigermaßen. An den leßteren Tagen trat aber ein neues infen der Französischen Rente ein, das seinen nachtheiligen Impuls auf den hiesigen Plaß nicht verfehlte, Doch wúrde dieser weniger fühlbar gewesen seyn, wenn nicht der precaire Geldstand die Speculation so sehr niederhielte. Aus diesem Grunde findet auch im Wechselhandel keine Bewegung statt und man konnte in der ganzen Woche alle Devisen nur zu sehr niedrigen Preisenanbringen. Heute traf unerwartet eine höhere Notirung von Paris ein und die Stim: mung der Börse war etwas günstiger. Die meisten Gattungen gingen höher, doch ist kaum zu erwarten, daß vor dem Ultimo der Börsen-Umsas hier einen nachhaltigen Umschwung nehmen fann. Die Taunus-Eisenbahn-Actien waren in den leßten Tagen auch wenig gesucht, heute aber auf 3784 Fl. gestiegen, da das Haus von Rothschild noch gestern Abend starke Einkäufe darin ausführen ließ. Die Frequenz der Taunus-Eisenbahn is in diesem Monat so stark, daß täglich über 2000 Fl. eingehen. Unsere Gast: häuser sind jeßt au< stärker mit Fremden beseßt.

Jtalien.

Venedig, 15. Juli, (Schw. M.) Jn Mantua hat das kräftige Einschreiten der Behörde gegen die dort stattgehabten Exzesse zu Herstellung der Ordnung geführt, doch berichten Briefe von dort, daß die Erhibung der Gemüther unter der christlichen Bevölkerung durch die Strenge, mit welcher die Untersuchung ge- gen die Ruhestdrer geführt wird, neue Nahrung gewinne. Man ließe sich, so scheint es, die Beschränkung der Exzesse gerne gefal- len, wenn nur nicht nachgefragt würde, wer an dem Begangenen vorzugsweise Theil genommen. Viele Landleute aus der Unmge- end Mantua’s, welche bei der Zerstörung von Landhäusern der Auiden thâtig waren, sind ebenfalls festgenommen worden und wer- den der unausbleiblichen Strafe so wenig entgehen, als wie die Haupt - Tumultuanten in der Stadt. Die júdische Bevölkerung darf des fräâftigsten Schußes der Behörden sich überall versichert halten, und daraus, daß die begangenen großen Frevel nicht unbe- straft bleiben, werden hoffentlich viele, die außerdem zur Wieder- holung des Skandals geneigt seyn dúrften, eine gute Lehre ge- \<höoöpft haben. Gleichwohl scheuen sich einige [reiche Familien, die im ersten Schre>en zu uns gekommen sind, noch heute, nach Mantua zurü>zukehren.

Spanien.

Madrid, 14. Juli. Man trifft Anstalten, die beiden Sdhne des Don Francisco de Paula mit einiger Feierlichkeit. zu empfan- gen. Der General: Capitain und der politische Chef reisen ihnen morgen bis Guadarrama entgegen.

Die Schriftseßer, welche sih bisher weigerten, zu arbeiten, sind im Begriff, sih mit den Journalisten zu verständigen, so daß die Blätter, welche deshalb nicht gedru>t werden können, wohl bald wieder erscheinen werden.

Man spricht von einem beabsichtigten Duell zwischen den Herren Marliani und Gonzalez in Folge der leßten parlamenta- rischen Debatten. Der General Seoane wird der Sekundant des Herrn Gonzalez seyn, den des Herrn Marliani kennt man noch nicht.

Der Senat hat in der heutigen Sißung das Budget ange- nommen. Der Antrag des Marquis von Jalies, die, bekanntlich in Folge der Oktober-Ereignisse geskrichene Dotation der Königin Christine wiederherzustellen, verworfen.

O Madríéd, 13, Juli. Die gestrige Sizung des Kongres- ses gab zu weiteren Aufschlússen über die geheime Geschichte des verunglückten English-Spanischen Handels-Ver- trages Veranlassung. Der Ex-Minister Gonzalez unternahm es, die von Marliani aufgestellten Behauptungen zu widerlegen.

Herr Gonzalez ging von dem Saß aus, daß ein unkluger Freund gefährlicher wäre als ein offener Feind, eine Anspielung, deren Sinn in die Augen fällt. Dann erklärte er die Person, welche im Senate Gegenstände, die streng geheim bleiben sollten, veröffentlicht habe (Marliani), fúr eine ehrlose, deren wahrer

wurde mit 40 gegen 17 Stimmen

E Zweck gewesen wäre, einen fremden Gesandten mit einem Spa:

nischen Minisker zu überwerfen. Herr Marliani dürfe sih am

wenigsten rühmen, ein geschi>ter Diplomat zu seyn, denn die ein- zige Mission, die ihm jemals übertragen gewesen, die nach Berlin

und Wien in Begleitung des Herrn Zea Bermudez, habe einen

hr úbeln Ausgang fúr ihn genommen. Herr Gonzalez räumte

Mann ein, mehrere vertrauliche Besprechungen mit dem Englischen

ä esandten gehabt, und demselben erklärt zu haben, daß es ihn

euen würde, wenn dereinst ein für beide Länder vortheilhafter

A

Mandels-Vertrag

Fogte er, „Mit zu 0

u Stande fâme. „Obgleih man mir aber“, nglischem Eifer zuredete, die Unterhandlung zu S offnen, wies ich dies bestimmt bis zu dem Zeitpunkte zurú>, wo has Geseß wegen der Baumwollenzeuge angenommen seyn würde. in mich zu unterrichten, gab ih zu, daß Marliani ein vertrau- hes Gutachten über den von dem Englischen Gesandten mitge: theilten Handels-Vertrag ausgarbeite. Dieser Vertrag aber wurde Hon dem Gesandten nicht mir, sondern dem Herrn Marliani über: geben. Es wurde sogar darauf bestanden, daß er nicht einmal Ug Kenntniß des Minister-Rathes käme; folglich mußte der Ge- añdte selbst das Geschäft nicht als ein amtliches, sondern als ein

geh vertrauliches betrachten. Keine einzige der vom Gesandten

machten Mittheilungen war mit einer Unterschrift versehen, und

wurde mir ausdrü>lih bedeutet, keines der Papiere in der Skaats: Kanzlei aufzubewahren, indem sie nur zu meiner Privatno- tizFdienen sollten. Herrn Marliani ertheilte ih keinerlei Art von Erssächtigung; denn der unterste Beamte der Staats-Kanzlei flößt miEmehr Zutrauen ein, als er. Herr Marliani arbeitete mit Ei- fer, “aber für die Jnteressen Englands, und eben deshalb konnte ich seinen Arbeiten mein Zutrauen nicht schenken. Der Entwurf des Traktates, so wie die Arbeit Marliani's wurde diesem zurü>- gegeben, und um zu beweisen, daß er selbst das ganze Geschäft als ein rein konfidentielles betrachtete, lese ih folgenden von ihm an mich unter dem 10. April gerichteten Brief vor.“ Jn diesem Schreiben zeigt Marliani Herrn Gonzalez an, der Englische Ge- sandte wünsche, Herr Venzales, möchte den Traktat und das Gutachten so lange in seiner Privatwohnung behalten, bis aus dem fonfidentiellen Geschäfte ein formelles und amtliches geworden seyn würde. Darauf erklärte Herr Sanchez Silva, der vor- gestern eine lange Zusammenkunft mit dem Englischen Gesand- ten hatte, dieser behaupte, im Widerspruch mit Fer Gonzalez, diesem förmliche und wiederholte Anträge auf \Mlleßung des Handels : Vertrages gemacht zu haben. Endlich beschwerte sich

Herr Estrada (Secretair der revolutionairen Junta von Viadrid vom September 1840, und nunmehr Beamter der Staats- Kanzlei), daß Herr Marliani sich erlaubt habe, einen Beamten des Staate- Ministeriums als bloßen Abschreiber zu gebrauchen. : Damit hat die Sache hier für jeßt ein Ende. Der Englische Gesandte hat nämli<h Marliani bedeutet, den Senat mit keinem weiteren Gezänfe zu behelligen. Wer in dieser merkwürdigen Unterhandlung am meisten Geschi>lichkeit an den Tag gelegt habe, mögen Sachverständige entscheiden. Hier macht man Marliani den Vorwurf, als Senator der Spanischen Nation eine zweideu- tige Rolle gespielt zu haben, indem er, und zwar in den Schleier des Geheimnisses ‘gehúllt, sich dazu hergab, die kommerziellen Jn- teressen einer fremden Macht gegen die seines Vaterlandes zu vertheidigen. Mit gleichem Rechte darf man aber wohl fragen, wie es der Minister Gonzalez mit seiner eigenen Ueberzeugung vereinigen fonnte, wenn er zugab, daß Marliani in eine Ange- legenheit so zarter Natur seine Hände mischte. Herr Gonzalez be- obachtete dagegen das Stillschweigen, das ihm zur Pflicht gemacht war, während Marliani durch bloße Eitelkeit vermocht wurde, den Schleier vor den Augen der erstaunten Nation hinwegzuziehen und sich selbst wie den Ex-Minister in seiner ganzen Blöße darzustellen, und dadurch den Fortgang dieser oder die Anknüpfung einer neuen Unterhandlung auf das äußerste zu erschweren. Der neue Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Graf Almodovar, hat bereits ers flârt, daß er, nah dem übeln Ausgange der besprochenen, seine Hände nicht zur Anknüpfung einer neuen bieten, und daß er bei seinem diplomatischen Verkehr alle mündlichen Erdrterungen so viel wie möglih vermeiden werde. Der diplomatische Ruf des Englischen Gesandten, Herrn Aston, ist Übrigens zu fest begründet, als daß zu befürchten wäre, seine Regierung könne das Mißlingen des Geschäftes ihm zur Last legen. Niemand wird wohl den Ausflüchten des Herrn Gonzalez mehr Gewicht beilegen wollen, als den feierlichen, dem Englischen Unterhause ertheilten Zusicherungen Sir Robert Peel’s, Diese aber beruhten osfenbar auf den amtlichen Mitthei- lungen des Herrn Aston, die wiederum aus der Vorausseßung her- vorgingen, daß der Spanische Minister die Anträge in dem Sinne, wie jener sle ihm vorlegte, aufgefaßt und angenommen habe. Obige ausführliche Darstellung der Art und Weise, in wel- cher die bisherigen Minister des Spanischen Regenten politische Geschäfte der zartesten Natur betreiben, dürfte vielleicht um (o weniger überflüssig seyn, da wir erfahren, daß gerade jeßt die Spanische Diplomatie ihre Bemühungen auch nach einer anderen, Zhnen näher liegenden Seite hin ausdehnt. Der Graf Almodo- var erklärte vorgestern im Senat, er hoffe, die Mächte, welche noch immer zôgerten, die Spanische Regierung anzuerkennen, würden nun- mehr ihr Unrecht einsehen, und er habe die diplomatischen Agenten Spaniens. ermächtigt, die desfallsigen Vorschläge entgegenzuneh- men, ohne jedoch der National - Würde im geringsten etwas zu vergeben. Noch deutlicher drü>te sich gestern der Ex-Minister des Innern, Herr Jnfante, aus. Er sagte im Senate Folgendes : „Seit einiger Zeit hat die Regierung von Seiten der Mächte, welche unsere Königin niche anerkannt haben, wenn auch nicht offizielle, doch außeramtliche (extraofficiales) Erfläarungen erhalten, die wohlwollender lauten als je. (? ?) Der Minister der auswärtigen Angclegenheiten muß zwoar eine gewisse Zurückhaltung beobachten; ich aber darf sagen, daß seit dem Anfange des Búrgerkrieges nie so gute Verhältnisse zwischen uns und den Mächten, welche unsere Königin nicht anerfannt haben, bestanden, als seit furzer Zeit.“ (2) Gewiß müßte es der Spanischen Regierung zu einer Zeit, wo sie die diplo- matishen Verhältnisse mit Frankreich gewissermaßen abgebrochen,

den Argwohn rege gemacht zu haben,

die mit England in einige Verwirrung gebracht und gegen Por- tugal eine herausfordernde Stellung angenommen hat, daran gelegen seyn, sih den großen Mächten des Nordens nähern zu fönnen. Der Senator Lasaña verlangte vorgeskern von der Regierung geradezu, slc solle eine Armee na< Portugal schi>en und das Banner Zsabella?s Il. auf dem Palaste von Lis- sabon aufpflanzen. „Wir sind Giganten im Verhältniß zu jenen Pyzmäen, den Portugiesen!“ rief er voll Selk stgefühl aus. Von Salamanca, Zamora, Valladolid, rú>en fortwährend Truppen mit Artillerie an die Portugiesische Gränze.

Die in den hiesigen Dru>ereien beschäftigten Seber sind dem anlo>enden Beispiel anderer Patrioten gefolgt und haben sich „Pronunciirt.“ Sie erklärten vor fúnf Tagen, ohne eine beträcht- liche Erhöhung ihres Arbeitslohnes nicht weiter arbeiten zu wollen, und veranlaßten dadurch, daß die meisten und bedeutendsten Zei- tungen bis auf Weiteres nicht erscheinen können. Nur ein repu- blifanisches Blatt, das die Partei der Seber nimmt; eiu religid- ses Journal, das den Gehalt erhöht hat, der Castellano und die amtlihe Gaceta erscheinen noch vollständig. Der Gefe politico hat den Setern erklärt, sie hâtten volllommen Recht, so viel Lohn zu verlangen, wie ihnen gut dünke.

Túrkei. Konstantinopel, 6. Juli. (A. Z.) Es is schon berichtet

worden, daß Frankreich, nachdem es während der ganzen Dauer

der Syrischen Wirren sich passiv verhalten, in der leßteren Zeit denjenigen Mächten beitrat, welche der Meinung waren, daß ur Rettung des Libanons entscheidende Maßregeln, energische

emonstrationen in den Syrischen Gewässern nothwendig seyen. Dies und der Umstand, daß die Marine der Franzosen jene der Engländer im Mittelmeer an Macht Úbersteigt, scheint in London l ; daß hier irgend ein Hintergedanke im Spiele sey, und daß Frankreich den gegen- wärtigen Augenbli> als geeignet betrachten könnte, für früher vermeintlich erlittene Unbilden Genugthuung zu nehmen. Dem- nach scheint man Alles vermeiden zu wollen, was im Orient zu irgend einer wie immer gearteten Kollision Veranlassung geben konnte. Die Bereitwilligkeit der Franzosen und vielleicht ihre ehrlichste Absicht wird verkannt, und England scheint in diesem Augenbli> ihr Erscheinen in der Reihe seiner Freunde fast ban- ger zu machen, als wenn es dieselben als Feinde gegenüber hätte. Gewiß ein bedauerliches Verhältniß, doch vielleicht eine nothwen- dige Folge des in den leßten Jahren in den internationalen Ver- hältnissen von Frankreich beobachteten Verfahrens. Leider dürften die Syrischen Christen ein Opfer dieser Verhältnisse werden.

__ Vorgestern sind an die drei Regimenter Anatolischer Miliz, die auf dem Weg nach Adrianopel waren , eiligst Befehle nachge- sendet worden, ihren Marsh nah Scutari zu richten. Die Nach- richten, die vom Pascha dieser Stadt hier eingegangen sind, ha- ben die Pforte in Unruhe verseßt. Die Kühnheit der Montene- griner, welche im tiefen Frieden einen Einfall in jenes Paschalik

emacht, und fask vor den Augen des Pascha?'s ein Türkisches

ampfboot auf dem See von Skodra angegriffen und genommen

Labes, ohne daß die unzulänglichen Streitkräfte der Türken dem

eginne dieser wilden Gebirgs -: Bewohner hätten Einhalt thun können, haben die Pforte vermocht, ernste Maßregeln gegen dieses

Unwesen zu ergreifen. Nebst den drei erwähnten Regimentern haben Albanesische Truppen, die im Paschalik von Janina und beé

Monastir kantonniren, den Befehl erhalten, s< gen Montenegro zu rach so daß wir in Kürze neue Scenen in jenen Gegenden