1842 / 229 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

wird. Die Tumultuanten bringen alle Gewerke und Fabriken zum Stillsktande mit Ausnahme der Kornmühlen, denen sie gestat- ten, fortzuarbeiten. Jn der Nähe unseres Lagers befindet sich eine Kirche, die gerade jeßt in der Reparatur begriffen ist; eine Abcheilung der Tumultuanten zog auch dorthin und zwang die Arbeiter, etwa dreißig an der Zahl, ihre Arbeit niederzulegen ; „die Pfaffen“, sagten sie, „sollen auch einmal einen Feiertag haben.“ Jm Uebrigen haben sle sich bis jeßt ziemlich friedfertig gezeigt. Heute Abend um 7 Uhr wollen sie eine große Versammlung hal- ten, vermuthlih um von ihren Führern Befehle Uber die morgen u unternchmenden Operationen zu erhalten. Einige von D e in meiner Gegenwart geäußert, daß bis zum Sonnabend weder in Yorkshire noch in Lancashire auch nur eine einzige Fabrik mehr in Arbeit seyn wird. Man muß sich daher auf Alles gefaßt machen. Eine ernste Krisis scheint bevorzustehen.

Manchester, 13. Aua. (B. H.) Gestern haben \i< die Auftritte der vorigen Tage wiederholt, die Arbeiter ziehen noch im- mer in Schwärmen durch die Straßen, zwingen die Fabrik - Ar- beiter, welche wieder ihre Arbeit beginnen wollen, davon abzuste-

en, brechen mitunter in die Bâerläden ein und werden nur mit Mühe von dem Militair einigermaßen im Zaume gehalten. Ge-

stern fanden wieder mehrere große Versammlungen der Arbeiter statt; in einer derselben, welche die sogenannten Abgeordneten in Sherwood Jnn hielten, wurde geradezu beschlossen, die Bewegung nicht eher aufzugeben, als bis die sogenannte Volks-Charte zum Landesgeseß geworden sey. Der Guardian warnt davor, duß man hoffe, durch Nachgiebigkeit die Unterdrü>ung der Unruhen zu erlangen; man sey jeßt zu nichts Anderem gelangt, als zu der von den Chartisten-Führern Feargus O’Connoer und Anderen so lange angedrohten „heiligen Woche“, und was man vor sich sehe, sey nichts mehr und nichts weniger als die Jnsurrection. Nicht we- niger als 2800 Spezial - Konstabler sind in Manchester vereidigt. Die Theater sind der Unruhen wegen geschlossen. Der Zustand der Dinge in den nahe liegenden Orten, Oldham, Sto>port, Sal- ford und Ashton ist dem von Manchester ganz analog.

Niederlande.

Amsterdam , 12. Aug. (L. A. Z.) Jeßt kennt man die Verfügung des Königs, wonach einige Theile der Holländischen Armee die Benennung Limburgisches Bundes- Kontingent anneh: men sollen. Ein Bataillon des 7ten Jnfanterie- Regiments, eine Esfadron des ten leichten Dragoner- Regiments und eine Com- pagnie des 1sten Artillerie-Regiments haben diese Bestimmung cr- halten. Sie sollen, so weit. es möglich is, durch Freiwillige, die aus Limburg gebürtig, rekrutirt werden. Als Beweggründe zu diesem Beschlusse werden die Verhältnisse, in denen Limburg mit Ausschluß der Festungen Mastricht und Venloo zum Deutschen Bunde stehe, und die Bundes - Beschlüsse, nach denen eine selbst- r T Organisation des Bundes : Kontingents nöthig sey, an- gefuhrt.

Aus dem Haag, 13. Aug. Holländische Blätter widersprechen der in einigen Deutschen Zeitungen enthaltenen Nach- richt, daß es die Schuld des Holländischen Finanz - Ministeriums sey, wenn die Ausgleichung der Geldfragen zwischen Holland und Belgien nur langsam vorwärts schreite, indem dasselbe plöblich mit neuen Forderungen hervorgetreten. Die Unterhandlungen ließen v!elmehr einen günstigen Erfolg erwarten, und sollte dieser wider Erwarten nicht eintreten, so werde sich doch ergeben, daß Holland durchaus ohne Schuld dabei. sey.

Deutsche Bundesstaaten.

München, 12. Aug. (A. Z.) Wie wir aus sicherer Quelle vernehmen, hat der Professor an der Königl. Aademie der Künste, Jos. Schlotthauer, der Freund und Mitarbeiter von Cornelius, in Verbindung mit dem bekannten Ober-Berg- und Salinen-Rath, Professor Pr. Fuchs, eine neue Art zu malen erfunden, die in Be: zug auf äußerste Leichtigkeit, Gluth der Farben, dann Unverän- derlichfeit und Unzerstörbarkeit der Malerei selbst Alles Übertref- fen soll, was bisher in Oel, al fresco und in Enkaustik nach der gewöhnlichen Weise geleistet werden konnte.

Leipzig, 16. Aug. Der Bau-Bericht der Sächsisch-Baye- rischen Eisenbahn úber den Monat Juli weist nach, daß die Erd- arbeiten auf der ersten Haupt-Abtheilung von Leipzig bis Altenburg (68,800 Ellen = 5% Meilen betragend) nunmehr völlig vollendet find, und war die Bahn am Schlusse des Monats Juli bereits mit 44,750 laufenden Ellen Schwellen und Schienen belegt. Von den Kunst-Arbeiten auf dieser Stre>ke wurden neben mehreren an- deren auch die das Pleißen-Stromthal bei Connewiß Úberführenden beiden Brü>en, zusammen 670 Ellen lang, vollendet, Und steht dasselbe von den úbrigen wenigen in kurzer Zeit zu crwarten. Die Bauten auf den beiden Bahnhöfen in Leipzig und Aitenburg wurden kräftig gefördert. Sämmtliche zum Betriebe zunächst nöthigen Gebäude sind theils in Angriff genommen, theils schrei- ten solche ihrer baldigen Vollendung entgegen. Jnzwischen nehmen die Erdarbeiten auf der zweiten Haupt:Abtheilung (von Altenburg bis Crimmißschau) ihren raschen Fortgang, während man weiter hinauf nach Plauen zu fortwährend mit Nivellements und Terrain: Untersuchungen beschäftigt ist, Die Zahl der Arbeiter auf der ganzen Bahn belief sih auf 3560 Mann.

Jena, 7. Aug. (A. ZZ) Der Bentin>sche Erbschaftsstreit hat seine Endschaft noch nicht erreicht. Dr. Tabor, Anwalt des Klägers , legte Protestation gegen den Spruch der Jenaschen E ein, weil derselbe durch die Kasseler Allg.

eitung und nach ihr durch andere Blätter veröffentlicht worden, bevor ihn das Ober-Appellationsgericht in Oldenburg erdffnet habe, wodur der Spruch die Rechtsgültigkeit verloren. Es wurde aber befannt, auf welchem Weg die Partei zur Kenntniß des Urtels gelangt und warum dasselbe zu frühzeitig veröffentliht worden. Oberst Bentin> ging daher e renhafterwoeise auf die Protestation nicht ein und hat das ihm E Rechtsmittel der Revision ergriffen. Der Beisißer der Fakultät, welcher das Amtsgeheimniß notorish verrathen, ist bereits seiner Functionen enthoben; da aber noch nicht ermittelt, ob Bestehungen dabei gewaltet, so war das Weimarsche ae de vor einigen Tagen hier, die Unter- suchung hierüber zu führen.

Karlsruhe, 13. Aug. (Oberd. Z.) Abgeordneten- e mer; fortgeseßte Diskussion über das Budget des Minigeonie des Jnnern. Bei dem Titel „Pensions: und Hülfs-Fonds der

chullehrer“ weist der Abgeordnete Zittel nach, welcher Nach- theil für die Schulen, die Gemeinden und Schullehrer selbst dar- aus hervorgeht, daß so viele dienstuntaugliche Tus nicht pensionirt werden fönnen, und beantragt eine Erhöhung des Pensions - Fonds auf den wirklichen Bedarf. Dieser An- trag, von mehreren Seiten unterskÜßt, wird hauptsächlich dur Herrn von Z6bstein bekämpft, und hierauf durch

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Stimmen-Mehrheit verworfen; ein anderer Antrag des Abgeord: neten Ziftel dagegen, eine Summe zur Unterstügun von Brilss: Lehrern in Krankheiten und zur Vergütung von Reisekosten für dieselben in das Budget aufzunehmen, wird von der Kam-: mer angenommen. Hierauf folgt zwischen den Herren Bas: sermann, Plaß und Sander eine rórterung über den Zu- stand der hdheren Bürger - Schulen ; Herr Sander fin- det in denselben, so wie sie jeßt grdßtentheils sind, eine mißlungene Vereinigung des Nealismus und Humanismus (wogegen die Herren Plas und Posselt den jeßigen Zu- stand vertheidigen), und stellt den Antrag, die Regierung m ge diejenigen Bürgerschulen bezeichnen, aus welchen ein Uebertritt der Zöglinge in die polytechnische Schule ohne besonderes Examen stattfinden fônne, welcher Antrag angenommen wird. Herr Sander beklagt sich über die beschränkten Zuschlisse für die po: lytechnische Schule, und äußert mehrfache Wünsche in Beziehung auf den Unterricht. Herr Wel>er wünscht, daß die Turn: An: stalten mehr begünstigt und allgemeiner eingeführt werden. Bei der Position für das En Prediger-:Seminar in Heidelberg veranlaßt ein Antrag des Abg. Zittel, es mdge die für diese An- stalt bewilligte Summe, so weit sie nicht für laufende Ausgaben bestimmt is, ausgeseßt bleiben, bis sich die General-Synode über die Einrichtung des Jnstituts ausgesprochen habe, eine längere Ss u E E die Abg. Züllig, Sander, Zittel und Serbel Antheil nehmen, und in deren Folge jener die Budget-Kommission gewiesen wird. Joie Ï G V Der Regierungs : Commissair, Ministerial : Rath Kühlenthal, legt einen Geseß- Entwurf über die Erhebung der Steuern im Monat September vor. Herr von J6stein glaubt, daß diese Vor- lage zu frúhzeitig sey, weil das allgemeine Finanzgeseß in diesem Monat noch zu Stande kommen werde. Der Präsident des Ministeriums des Jnnern zeigt an, daß Se. Königl. Hoheit der Großherzog den Schluß des Landtages zu Ende des Monats beabsichtige.

Frankfurt a. M., 13. Aug. (Frankf. J) Gestern wurde in Gegenwart der Bürgermeister und der Deputirten des Bauamtes eine Probe-Beleuchtung mit dem neuerfundenen Son- nengas angestellt, Die Resultate waren entschieden günstig, und das Me Licht übertraf an Klarheit und Helle die Erwar- tung der Beschauer. Da dies Gas weit billiger, als alle ande- ren Gasarfen seyn und no< außerdem manche Vortheile bieten soll, so wäre es, wofern die Erfindung im Grofen si< bewährt, sehr zu wünschen, daß sie die verdiente Beachtung und Unter- stüßung von Seiten der Behörden finden möge.

Altona, 16. Aug. Die Stände-Zeitung bringt die Abstimmung über die Proposition des Obergerichts-:Advokats Lö> wegen Oeffentlichkeit der Stände - Vérfüniniungen und die dazu von Justizrath Klenze und Obergerichts - Advokat Tiedemann ge- stellten beschr nkenden Amendements, welche in der 22sten Sißun vom 4. August erfolgte, nachdem die Schlußberathung, die Bird 5 Nummern der Zeitung geht, bereits in der früheren begonnen hatte. Das Práâsidium leitete na< vorgängiger Darlegung der Ordnung, in welher és die Proposition und die gestellten Amen- dements zur Abstimmung bringen werde, und wogegen von der Versammlung nichts zu erinnern gefunden ward, dieselbe der- gestalt ein, daß 1) über die Frage , 0b die ersamm: lung überhaupt auf die Gestattung der Oeffentlichkeit dé! Stände- Versammlung bei Sr. Majestät dem Könige antragen wolle, abgestimmt ward’, wêlthes mit 33 Stimmen gegen 12 att- genommen wurde, und sodann 2) über die Frage, ob die Ver: sammlung darauf antragen wolle, daß die Oeffentlichkeit der Stände: Versammlung gestattet Und als Regel angenommen wer? den möóge, unter Vorbehalt solcher Modificationen und Ausnah: men, als die Versammlung nothwendig und angemessen erachten werde (nach der Proposition des O. G. A. Lo>), welche mit 32 Stimmen gegen 13 bejaht wurde; worauf 3) zur Abstimmung verskellt ward: ob den Redacteuren öffentlicher Blätter Gelegen- heit zu geben, die Verhandlungen sofort bekannt zu machen (worauf Lôk gleichfalls angetragen), welches mit 36 Stimmen gegen 9 abgelehnt ward. Da durch diese Abstimmungen zugleich das Amendement des Jusftizraths Klenze (der darauf angetragen hatte, daß die Modificationen und Ausnahmen von der Oeffentlichkeit nicht, wie proponirt, dem Beschluß der Versammlung zu überlas- sen, sondern auf dem Wege der Geseßgebung durch ein Reglement bestimmt werden sollen, den Nedactionen öffentliher Blätter aber nicht zu gestatten sey, die Verhandlungen sofort bekannt zu machen, sondern ers, nachdem die Stände-Zeitung sie bekannt S habe) erledigt war, so ward ferner zur Abstimmung verstellt: 4) ob die Versammlung darauf antragen wolle, daß in der Petition mit beantragt werde, daß der Präsident autorisirt werde, mittelst Kar- ten so viele Zuhörer zuzulassen, als die Lokalität des jeßigen oder künftigen Stä1.desaales es gestatte (eine vom Obergerichts-Advokat Tiedemann vorgeschlagene Modalicàt), welches ebenfalls mit 36 gegen 9 Stimmen abgelehnt ward.

Unter den neuerdings in der Versammlung angezeigten Pe- titionen ist eine des De. P. von Kobbe in Raßeburg wegen Ab- schaffung der Todesskrafe in Holstein durch ein Geseß, und eine aus Meldorf wegen Schußes gegen den zunehmenden Hausirhan- del auf dem Lande, úber den auch von anderen Seiten, in der Art, wie er betrieben, in Fle>en und Städten bittere Klage geführt wird.

Desterreich.

AGien, 13. on Die Wiener Ztg. enthält nachstehenden amtlichen Artikel in Bezug auf die Staats-Eisenbahnen :

¡Die Vollziehung des Allerhöchsten Beschlusses, welchen Se. Ma- jestät am 19. Dezember 1841 in Rücksicht des Baues von Staats- Eisenbahnen zu fassen geruhten, hatte aus der Natur der Sache viele und schwierige Vorbereitungen zur ersten unmittelbaren Folge.

Diese Vorbereitungen sind nunmehr so weit entwi>elt, daß noch im Laufe der zweiten Hälfte des Monats August, oder spätestens in den ersten Tagen des Monats September 1842, die Arbeiten des Un- terbaues in den beiden Richtungen gegen Prag und gegen Triest be-

innen, und diese, so wie die zur Vollendung der Bahnen weiter er- eder Acbeiten in gehdriger Aufcinanderfolge cifrig werden fort- eseßt werden. :

O Eine der vorbedingenden wichtigsten Aufgaben war die genauere

Ausmittelung der Tracen , welche die Bahnen zwischen den von Sr. .

Majestät festgestellten äußersten Punkten von Wien nah Prag und von Wien nach Triest zu Fntbgleven haben. L:

Es waren hier vor Allem die En Tea Fragen über die Mdg- lichkeit, die relative Leichtigkeit, die relative Linien-Länge , dann den Zeit- und Geld-Aufwand der Bauten zu untersuchen und zu lösen.

Der Bau und Betrich der Schienenbahnen i| wesentlich von den Ps des Terrains bedingt. Manche Schwierigkeiten desselben mande nur mfr soltgem Auswande u gewdligen, der mit den Zwek:

e nur mit solchem Aufwande zu ge / - ren die man erreichen will, in feinem gean gen Verhältnisse stehen

würde inbar e Linie wird durch dié Fes e der Stei- n

Die #\ gungen und anderer Natur - Hindernisse viel länger als die scheinbar

lange, und die Sicherheit und Leichtigkeit des Betriebes , worau vorzugsweise ankömmt, wird in dem Mah efährdet, als die Kunsi GRCERERE wird, die gegenwirkenden râfle der Natur zu besiegen er zu leiten. ie genguesten und unbefangensten Erhebungen waren schon aus diesen Betrachtungen erforderlih. Es kam noch ein Umsiand hinzu/ der nicht ohne Rücksicht gelassen werden konnte, Richtig oder unrichtig aufgefaßte Privat - Fnuteressen, im Bunde mit ober-= flächlihen Anschauungen und unzüreichender Sachkenntniß, finden da Leichtigkeit, wo dec Kenner unübersteigliche Schwierigkeiten wahrnimmt, beurtheilen tadelnd, was ihren Wünschen widerspricht, und unterschäßen Kosten und Aufwand, sobald die eigenen Mittel dabei niht in Anspruch genommen werden. Man mußte darum hell beleuchten, was in schillecndes Licht gestelt werden könnte.

Zum Behufe der erforderlichen Erhebungen wurde die Linie von Wien nach der Sächsischen Gränze in zwei Haupt-Sectionen, näm- lich von Wien bis Prag, und von Prag bis an die Sächsische Gränze, jene nach Triest in drei Haupt-Sectionen, nämlich von En Gräß, von Gräh bis Cilli und von hier bis Triest cin-

Zur Untersuchung in jeder Section ist eine cigene Abtheilung von technishen Fndividuen, in jener zwischen Wien und Prag sind icdoch drei, und în der Section zwischen Wien und Grähß zwei Ab- theilungen beordert worden.

Jede Abtheilung bestand aus einem Chef, zwei Fngenieurcn, vier Assistenten und dem ndthigen Hülfs-Personale.

Auf diese Weise wurden die beiden Linien gleichzeitig durch 56 use L ETR Mde technischen Kenntnissen ausgerüstete Fndivi=

uen untersucht.

Sie waren mit umsiändlichen Fnstructionen betheilt ; sle wurden überwacht durch die Prüfung der von ihnen vorgelegten Rapporte, die sie periodisch zu erstatten hatten, und durch die pecsdnliche Nach- schau hdher gestellter Beamten. Ungeachtet ¡hon hierdurch súr die grdfite Verläßlichkeit der Arbeiten Sorge betragen war, und obwohl es sich um die Erhebung von Thatsachen handelte, die nicht durch bloße Beschreibungen oder beweislose Behauptungen , soudern durch mathematische Berechnungen und genaue Pläne ersichtlich zu machen und darzustellen sind, is dennoch, um die grdßte Unbefangenheit zu sichern , die besondere Anordnung getroffen worden - daß kein Ändivi- duum, welches bei den schon aus einem fcüheren Anlasse auf der Stre>e zwischen Wien und Prag stattgefundenen Untersuchungen ver- wendet wurde, zu den nunmehr durch die Staats-Verwaltung votkzu-= nehmenden Erhebungen bestimmt werde. ;

Die Richtungen, in welchen die verschiedenen Abtheilungen die Erhebungen zu pflegen hatten, bezeichnete man zwar in den Fnstruc- tionen , allein es war ihnen hierdur<h nicht untersagt, auch andere Richtungen zu untersuchen, in welchen sie die Führung ciner Eisen- bahn wenn auch mit Schwierigkeiten , doch aber als ausführbar er- kennen sollten. vi b

Es wurde hierüber auch die gehdrige Rücksicht auf die Gesuche

enommen, dic isen eingelangt waren, und um die Führung dec

taatsbahn in dieser oder jener oft ganz O Richtung gebeten hatten. So kam es, daß manche Section in 6 bis 8 Rich- tungen untersucht, und somit dieser Gegensiand auf das Vollständigste- weit über das Nothwendige hinaus, bis zur äußersten Gränze er- chdpft worden ist.

Wer in dem Falle ist, einen Bli>k auf die gelieferten Operate- das Resultat von tausend und tausend Berechnungen, auf die ahlreichen, mit Meisterschaft ausgeführten Pläne zu werfen, wird das gerechte Urtheil nicht vorenthalten kdnnen, daf diese Arbeit mit eben so viel Genauigkeit und Meisterschaft als erschdpfender Vollstän- digkeit zu Stande rag! worden ist.

Aut der Grundlage dieser vorgelegten genauen und erschdpfenden technischen Erhebungen und auf der Grundlage der inzwischen mit Sorgsart esammelten statistischen Daten, die ndthig waren, um auch in politischer, industrieller, kommerzieller und Fearegifcer Beziehung die verschiedenen Bahnrichtungen einer gegründeten Erwägung un- terzichen , und gegen einander vergleichen zu können, haben nun Se. Majestät mit der Allerhöchsten Entschließung vom 3. August 1842, die Anordnung zu erlassen geruht, daß die Staats - Eisenbahn nach Prag sowohl Über Olmüß, als über Brünn geführt werde.

Die Bahn von Wien bis Prag wird daher bis Lundenburg nur eine scyn , von hier in divergirenden Richtungen bis Olmüß und Brünn fortlaufen , diese divergirenden MEMILAYES auf der einen Seite über M, Hohenstadt, Landskron und Triebiß, auf der anderen über Blansko, Zwittau und Körber bis Bdhmisch-Trübau beibehalten, hier zusammentreffen und sodann in einer Richtung über Wildenschwert, Pardubiß, Kogitz, Elbeteiniß, Kollin und Poczer- niß, Prag erreichen. / |

Fn Beziehung auf die Bahn nach Triest haben die eindringend- sten Üntersuchungen erwiesen, daß, da jedenfalls die Norischen Alpen überschritten werden müssen, von allen verschiedenen Uebergangs- punkten jener über den Semmering noch als der vortheilhafteste für die nah Triest zu erbauende Staatsbahn erscheint, obgleich die Schwierigkeiten , welche sich von Gloganib bis Steinhaus auf cinc Länge von 3 Meilen konzentriren, hdchst bedeutend sind.

um Behufe der Entscheidung, wie diese Schwierigkeiten über- wunden werden sollen, sind weitere genaue Erhebungen erforderlich, die sich noch im Zuge befinden. Die Haupt - Aufgabe wird bei der Uebersteigung des Semmering immer darin bestehen, eine solche Ein- richtung zu treffen, daß die Personen und Waaren mit aller Be- \hleunigung, Sicherheit und wo möglich mit Beibehaltung der von Wien und Triest L Een L der cinen Seite des Ber- es auf die andere gebracht werden können. q Wia man jedoch die Resultate der erwähnten Erhebuttgen ab= warten wollen , wozu nothwendig die gehdrige Zeit gegönnt Bes muß, die zur Lösung einer so wichtigen und {w C abe erforderlich is, so würde der Bau der Bahn verzögert ait en O Um dies zu vermeiden , wurde beschlossen , die Bahn vorl ae jenem Punkte aus zu beginnen, von welchem die Lokomotivbahn ohne Anstand geführt werden kann, und durch dessen Wahl au d ibi Entscheidung rücksichtlich der Ueberschreitung des Semmering n

beirrt wird. :

Dieser Punkt is Mürzzuschlag. Von Mürzzuschlag abwärts sind die Niveau-Verhältnisse P bis „5) nicht ungünsti , und sie L sern sich gegen Bru> und Gräß bis zu 25 und Z¿/ mit 3w Hn stre>en von ¿27 bis „1, Einige Schwierigkeit bietet pas “f E, zontale Projection der Bahn dar, indem theils die in dem I ziehende Hauptsiraße, theils der serpentirende Lauf der M H u ur, theils endlich mehrere vorspringende Bergrû en und Ortschaften der regelmäßigen übrung der Trace mit geeigneten, ciner Lokomotivbahn elttfpre enden Krümmungen entgegensiehen.

Allein es ist gelungen , eine solche Trace auszumitteln , daß von Mürzzuschlag bis Grdß, wenige Stellen ausgenommen, die Bahn mit nicht bedeutenden Bauten ausgeführt werden kann, wobei zwar cine mehrmalige Ueberseßung der genannten Flüsse nothwendig ist, ohne daß jedoch die Brü>kenbauten sehr kostspielig seyn werden.

Von Gräß bis Neudorf fällt die Bahn guf ein beinahe ebenes Terrain. Die südliche Stag rap wird daher mit vorläufiger Ueber- gehung des Semmering von Múrzzuschlag na( Fricglic, artberg, Kapfenberg, Bruck, Bârnegg, Frohnleciten, Feistrib, Gräß und Neu-

dorf geführt werden.

nien entsprechen zugleih au<h den großen Hat- Diese Babn n der ndrdlichen, nord- und süddstlihen und süd- lichen Bestandtheile der Monarchie (für jene der nordwestlichen, westlichen und südwesilichen Bestandtheile wird dur< die Staats- bahnen gegen Bayern und durch das Lombardisch - Venetianische Kdnigreich gesorgt werden) und sagen allen höheren Staats-JFuter- essen gegenüber dem Auslande zu, deren nähere Erörterung hier nicht am Plate ist.//

L Schweiz. Beru, 10. ._(S izer Bl.) T h, - dels : Verhäâl eni se. : Z rid ellt in Wg r Me auf

E I R R a6 E

frühere Verträge die Motion: den Vorort zu beauftragen, daß er aus sachfundigen Männern eine Kommission bestelle, welche diese Verhältnisse gründlich untersuhe und allfällige Anträge an die Stände bringe, damit diese für die nächste Tagsaßung instruiren fönnen. Die meisten Gesandten sprechen sih kurz entweder hier- für oder fúr Erneuerung der Vollmachten des Vororts aus, nur einige sind in ihren Voten sehr ausführlih, nämlih Baselstadt, das die Eee igs Folgen eines Schußzoll : Geseßes schildert ; nur größere Länder und fache, wo die Konsumenten im Verhält- niß zu den Produzenten stehen, fdnnen dies thun, Es wird da: bei ein freundlicher Bli>k auf Deutschland geworfen. Eine Unter- suchung, wie Zürich sie beantrage, glaubt Baselstadt , dürfte nur einseitige Resultate liefern, daher zur Erneuerung der Vollmachten des Vororts. St. Gallen lies ebenfalls ein sehr langes Me- moire, worin dem Deutschen Zollverein unverholen das Wort gc- redet und die Vortheile hervorgehoben werden, die Deutschland bereits dadurch erreicht, Aber es sey an keine Verbindung mit anderen Staaten zu denken, so lange im Jnnern noch die größte Zoll-:Unordnung herrsche. Waadet tritt als Vertheidiger der Han- dels-Jnteressen der westlichen Schweiz auf, will nichts von Deutsch- land hôren, fann jedoch dem Antrag Zürichs mit einigen Modi- ficationen beistimmen. Neuchatel will nichts von einem Schuß- zoll - System und eben so wenig vom Anschluß an einen anderen Zoll - Verband. Auf diese Weise dauerte die Sißung bis o 3 Uhr, wo der Antrag Zürichs 11, der auf Erneuerung der Voll- machten aber 194 St. erhielt.

Vereinigte Staaten von Nord-Amerika.

New-York, 25. Juli, Alle Zeitungen berichten überein- stimmend, daß die nordóstlihe Gränzfrage ihrer baldigen freund- schaftlichen Erledigung rash entgegengehe. Der Washingtoner Korrespondent des hiesigen Journal of Commerce giebt un- term 23sten v. M. folgenden Bericht Úber den Stand der Dinge: „Die Kommissarien Maine haben insofern in die zwischen den Unterhäândlern abgeschlossene Uebereinkunft gewilligt, daß sie zuge- ben, der Traktat solle dem Senat vorgelegt werden. Jch weiß indeßi nicht, ob die Gewißheit vorhanden is, daß die Ueber- einfunft so annehmlih für Maine seyn werde, um die sen Staat zur Begünstigung der Ratification des Trakta- tes von eiten des Senates zu vermögen, Hoffentlich indeß wird Maine es geschehen lassen, daß der Traktat ratifizirt werde, mag es nun damit zufrieden seyn oder nicht. Die Linie, Úber die man sich geeinigt hat, ist bis zu dem kleinen See in der Nähe des Ursprungs des St. Francis- Flusses dieselbe, welche der König von Holland anempfahl. Von da läuft sie nah dem súdwestlichen Arnr des St. Johns-Flusses hinab und schneidet ei: nen Streifen von etwa 100 Englische Meilen Länge und 12 Mei- len Breite von unserem Gebiet ab, Dieser Gürtel Landes ist es, was wir aufgeben, obgleich der König von Holland in seiner Ent- scheidung uns dies Stú> zusprah. Dafür aber sollen wir die freie Schifffahrt auf dem St. Johns-Fluß bekommen, jedoh ohne anderen Zugang dazu, als oberhalb der großen Fälle. Auch er- halten wir Rouse’s Point am Champlain - See, cinen Ort, auf welchen in militairischer Hinsicht einiges Gewicht gelegt wird.“

Der National Jntelligancer, das offizielle Blatt, sagt unter demselben Datum: „Dem, was wir gestern hinsichtlih der Uebereinkunft zwischen den Bevollmächtigten Großbritaniens und der Vereinigten Staaten und der Kommissarien von Maine ber die Erledigung der so L und lebhaft geführten Streitfrage in Betreff der nordóstlichen rânze sagten, können wir jeßt zu un- serer Freude hinzufügen, daß die Kommissarien des Staats Maine ebenfalls der Uebereinkunft beigetreten sind, und daß alles zu einer A RO Ausgleichung dieses Streits Erforderliche nunmehr gefichert is,“

__ Man glaubt, die Central - Regierung werde Maine fúr seine bei der Vertheidigung des streitigen Gebicts gehabten Unkosten ent- schädigen, und Massachussetts solle 150,000 Dollars für den auf: zugebenden, zu diesem Staate gehörenden Landstrich erhalten. Auch heißt es, daß der Traktat, dessen Unterzeichnung nahe bevorsteht, die Erledigung aller übrigen Streitigl'eiten, mit Ausnahme der Oregon-Frage, in sich schließen werde.

Die Nachrichten aus der Stadt Mexiko reichen bis zum 18, Juni, Der Präsident Santana hatte seinen Geburtstag dadurch gefeiert, daß er alle bei der Expedition nach Santoafé gefangengenommenen Amerikaner freigegeben, unter der Bedingung, daß sie die Todesstrafe treffen solle, wenn sie no< einmal mit bewaffneter Hand in Mexiko ergriffen würden.

Dstindien.

Bombay, 18. Juni. Der General-Gouverneur , Lord El: lenborough, hat die in Allahabad eingegangenen neuesten Depeschen der Generale Pollo> und Sale der Oeffentlichkeit übergeben, Der Bericht des General-Majors Pollo> aus dem Lager bei Dschella- labad, vom 19, April, dient nur als Begleitschreiben zu der aus: führlichen Darlegung des General-Majors Sir Robert Sale, dem ersten offiziellen Aktenstü> zur Geschichte der höchst denkwürdigen Waffenthat, welche als Episode des Krieges in Afghanistan eine ganz besondere Beachtung in Anspruch nimmt. Pollo?s Depe- sche lautet, wie sige: j

¡Ih habe die Ehre, hierbei ein Schreiben vom General-Major Sale zu übermitteln, worin die Ercignisse während der langen und gefaproens Belagerung von Dschellalabad im einzelnen erzählt wer- en. Die tapfere Haltung des Anführers und seiner an Zahl gerin- gen Heer - Abtheilung ist der Regierung schon ju bekannt, als daß sie meiner Anrühmung bedürfte; aber erfreulich st es mir dennoch, der Kanal zu seyn, durch welchen die vielfachen Prüfungen dieser braven Krieger zur Kenntniß des General-Gouverneurs von Fnudien gelangen. Jo habe Gelegenheit gefunden, die Werke zu betrachten, welche zur

ertheidigung des Lagers dur< Sir Robert Sale's unermüdliche Anstrengung zu Stande gckommen sind. Mein Staunen über deren Stärke und A ming war nicht minder groß als meine Bewunde- rung der vortrefflichen Anstalten, welche in allen Beziehungen müssen getrofffen worden seyn, indem ich, nach einer fünfmonatlichen Umzin- gelung und pee durch weit Überlegene Truppenmacht, die Garnison in vortrefflichem Gesundheitszustand, voll Muth, in tadel- loser Mannszucht, wohl versehen mit Munition, endlich bereit und eifrig N habe, aufzubrehen und nah Kabul vorzurüd>en.//

: ir Robert Sale's Depesche geht sehr ins Detail. Der Eingang seines Berichts aus Dschellalabad, vom 16, April, lautet folgendermaßen :

¿Nachdem nun der Entsah dieses Orts endlich bewirkt worden ist durch den sieghaften Marsch der Armee unter General-Major Pol- lo>d durch die Keyberpässe , erscheint cs mir als Pflicht gegen die Truppen , welche so lange die Garnison von Dschellalabad gebildet haben ; einen Bericht abzustatten , der wenigstens cine Jdee geben kdnne von ihren Kämpfen mit dem Feind sowohl, als von den Drang- salen und Entbehrungen , welche sie auszuhalten hatte.-/ Es wird dann zurückgegaugen in der Erzählung bis zum 30. Oktober 1841. An

e hatte Sale mit scinem Corps auf dem Zuge, den er in Folge ter Bares angetreten, Gundamud> erreicht. Hier war es, wo ihm nach wenigen Tagen die Kunde zuging von dem am 2. November erfolgten Ausbruch der Însurrection in der Hauptstadt Afghanistans. Der nahe liegende Gedanke, gleich aufzubrechen und nach Kabul zurü>

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zu marschiren, ließ sih nicht verwirklichen; die Heer-Aviheilung ha 300 Kranke, es fchlte an Kameelen zum Transport der LA et-Gerdih schaften, die 9 an Munition waren unzureichend für Operag- tionen, die sich in die Länge zichen konnten. Dabei war zu besorgen, die Afghanen dürften im Rücken des Buulschen Armee-Corps Dschel- lalabad wegnehmen und in Asche legen oder selb beseht halten. So wurde beschlossen, ihnen zuvorzukommei und von Gundamu> nach Dschellalabad zu ziehen. Dies geschah zunächst in der Absicht, der von Kabul kommenden Armee cinen Anhaltpunkt zu sichern. Am 12, November bei Dschellaläbad cingetrofen,/ fand Sale die Festungs- werke dieses Plages ganz zerfallen, gleichzeitig mit ihm tra- fen an 5000 Afghanen in der Umgegend ein. Von diesen mußte man sich zuer hosen; dies geihab in einem Ausfall am 14. November; als si< später der Feind wteder gesammelt hatte, wurde er bei einem zweiten Ausfall am 1. Dezember nochmals zer- sprengt. Es folgt die Beschreibung der unter Besiegung unendlicher Schwierigkeiten fandhaft verfolgten Maßregeln, welche getroffen wur- den, um die Stadt und das Lager zu befesligen, Mundvorcath und Munition herbeizuschaffen. Am 9. Januar wurde General Sale von den Afghanen - Häuptlingen aufgefordert / sich, nah Fnhalt der zu Kabul abgeschlossenen Convention, zur Räumung von Dschcllalabad zu be- quemen. Erwies das Begehren zurü>, mufite aber bald darauf (am 13.Ja nuar) die Nachricht von dem namenlosen Unglück erfahren, welches die Englischen Truppen auf dem Rückmarsch von Kabul durch die Treulosig- keit des Feindes betroffen hatte. Da auch um eben diese Zeit zu Dschellala- bad bekannt wurde, daß vier Regimenter, die aus Hindostan als Sufkkurs abgeschi>t worden waren, sich gendthigt gesehen hatten, nach Pischauer zurü> zu marschiren , so wurde die Stellung bei Dschella labad äußerst fritis<h. Sale sagt: „Jch hätte mir vielleicht, während der Feind sih mit Plündern aufhielt, wenn auch nicht ohne schweren Verlust, durch die Keyberpässe einen Weg bahncn können , blieb aber fest entschlossen , auf jede Gefahr hin, Dschellalabad , den bedeutend- sten Punft im Thal Ningrahar , den Schlüssel zum dstlichen Afgha- nistan, so lange zu behaupten, als ih Ursach hatte, zu glauben, daß die Regierung es wünsche.// Mit erneuetem Muth wurden nun die Festungswerke noch verstärkt, und es gelang damit in dem Grade, daß man sich der Hoffnung hingab, die Stadt vor jedem Anfall des Feindes ge- sichert zu haben. Da geschah es, daß am 19. Februar cin furchtbares Erdbc- ben alle so mühsam m Brustwcehren zerstörte, viele Bastio- nen beschädigte, die Wachthäuser cinstürzte und ein Drittel der Stadt in Trümmer legte, „Es schme>t//, bemerkt Sale, „nach romanhafter Uebertreibung, is aber eine nüchterne Thatsache, daß Dschellalabad von da in ciner Zeit von wenig mehr als vier Wochen durch volle hundert Erdstöße in Schrecken und Bestürzung gehalten wurde.// Zu dem Erdbeben kam nun noch das Andringen der feind- lichen Streitkräfte. Akbar Chan war am 21. Februar mit cinem starken Truppen - Corps vor Dschellalabad erschicnen. bis zum 7. April mußte die erschöpfte Garnison fast täglich Gefechte mit den Afghanen bestehen, Fhr hartnätkiger Widerstand aber wurde mit Erfolg gekrönt und belohnt. Akbar Chan mußte zurück- weichen, und General Pollock kam zum Entsaß herbei.

Inland.

E Köln, 14. Aug. (Rhein. Z.) Die bereits vor einiger Deit in der Kölnischen Zeitung mitgetheilte Dislocation der Stäbe des 8ten Armeecorps während der diesjährigen Herbstübung hat eine Abänderung erlitten, indem Se. Excellenz der komman: dirende General Herr von Thile, um der Allerhdchsten Jntention r. Majestät des Königs in Bezug auf die bessere und zwe>mà- gere Unterbringung der fremden Offiziere, no<h mehr zu ent- rechen, sein Haupt-Quartier von Euskirchen nah Klein-Bülles- im verlegt, und fúr die úbrigen* Stäbe folgende bestimmt hat : er Stab der 15ten Division kommt nah Cuchenheim, der 1bten ah Kessenich, der 1sten Jafanterie-Brigade nah Essig, der 2ten ach Weidesheim, der 3ten nah Bodenkirchen, der Aten nach Der- um], der Reserve nach Palmersheim, der 15ten Kav. - Brig. nach lamersheim, der 16ten nach Schloß Boiheim (Nieder-Elvenich). Fol: endes ift die Eintheilung der Manöverzeit: Den 29. August: Ein- den sämmtlicher Truppen des 8ten Armee-Corps ins Lager und in die antonnements bei Eusfirchen; den 30. August Manöver im ausge- dehnten Sinne; den 31sten große Parade; den 1. September Nuhetag; den 2ten Feldmandver; den 3ten Feldmandver; den Aten (Sonntag) Ruhe; den 5ten große Parade oder Mandver im ausgedehnten Einne. Vor Sr. Majestät dem Könige beide Armee-Corps im Verein: am 6, September Feldmandver und Beziehen der Bi- vouacs; am 7ten dasselbe; am 8ten Ruhetag mit Vorposten-Uebun- gen; am 9ten Feldmandver; am 10ten Feldmandver und Wieder- einrü>en in das Lager und enge Cantonnementsz; am 11ten Ruhe- tag; am 12ten große Parade beider Armee-Corps; am 13ten treten sämmtliche Truppen den Rückmarsch an.

Breslau, 15. Aug. (Bresl, Ztg.) Zur Geschichte der Rabbinats - Wirren in Breslau tragen wir nah, daß wiederum zwei Dokumente erschienen sind: „Dr. Geiger?s Ansprache an die Gemeinde“ und der „Zweite Bericht des Öber - Vorsteher - Kolle- giums.“ Dr. Geiger wehrt die Vorwürfe, welche ihm in Absicht auf Traditions : Leugnung u. st. w. gemacht worden, mit scharfen Waffen ab, und wiederholt im Ganzen, daß es keinesweges des summarischen Autodafé?’s Úber den Talmud bedúrfe, um das, was nicht mehr geitgemäß, darin zu verwerfen. Das Gemeinde: Dokument bringt eine Menge neuer Aktenstú>e, aus denen flar hervorgeht, daß, wie au<h úber das Verfahren wl- der den Ober - Rabbiner 2c, Herrn Tifktin, die Ansichten getheilt seyn mögen, Rechte, die er vindizirte, ihm nicht zustan- den. Wahrscheinlich sind das die leßten Schriften gewesen, die in dieser Sache von den Parteien selbst ausgingen. Bei Erwäh- nung dieser Sachlage der Rahbinats-Wirren is die Mittheilung am rechten Orte, daß Dr. Geiger während des Hierseyns Sr. Excellenz des Herrn Ministers Eichhorn bei demselben zur Audienz gelassen wurde und sich einer sehr freundlichen Aufnahme zu er: freuen hatte.

a.” ———.

Das Gesets úber den Elementar - Unterricht in Belgien.

X} Brüssel, 12. Aug. Die Diékussion des wichtigen seit 8 Jahren erwarteten Geseßes über den Elementar-Unterricht hat seit dem Sten d. M. in der Repräsentanten-Kammer begonnen, sich aber bis jeßt hauptsächlich um die Prinzipien gedreht, nach welchen die verschiedenen in der Kammer repräsentirten Meinungen das Geseß beurtheilen. Die Nothwendigkeit einer geseßlichen Organi- sation ergiebt sich am einleuchtendsten aus dem statistischen Be- richte, welchen der Minister des Jnnern über die 10jährige Periode des Elementar-Unterrichts veröffentlicht hat. Es geht daraus her- vor, daß viele Gemeinden weder eine Gemeinde: noch eine Pri: vat:-Schule besißen; unter den 2500 Gemeinden des Landes ha- ben 1200 fein eigenes Schulgebäude, 7 haben feine Woh: nung für den chullehrer. Das Verhältniß der s<ul- besuchenden Jugend zur Bevölkerung des Landes is wie 1 zu 9, Bei der Militair: Loosung von 1841 ergab si

Von da an

das traurige Resultat, daß z. B. in der Provinz Brabant die

Die katholische Paártei antwortet, daß der

Hälfte, in den Provinzen Antwerpen und Limburg 2 der Refkru- ten weder lesen, noch schreiben konnten. Am verbreitetsten is der Schul-Unterricht in Luxemburg und Namur. Seit der Revolution sind allerdings Fortschritte gemacht worden; die Zahl der Schulen hat sich von 4050 bis auf 5190 vermehrt, allein es fu bemer- ken, daß diese Vermehrung besonders auf Rechnung der Privat- und namentlich der geistlichen Schulen fömmt. Das Lehrer-Per- sonal für sämmtliche 5190 Elementarschulen des Landes beträgt 5320 Lehrer und Lehrerinnen; unter diesen befanden si< aber 2300 Privat - Schullehrer, die übrigen waren von der Gemeinde angestellt oder wenigstens subsidiirt. Das durchschnittliche Gehalt (Schulgeld einbegrisfen) eines Schullehrers in den größeren Gemein- den ist ungefähr 590 Fr., das eines Land- Schullehrers nur 350 bis 400 Fr., gewiß eine sehr geringe Summe in einem Staate, roo e Es E als oe anderen Ländern ist.

o dringend nun die Unterrichts-Frage ist, \o ist sie unstreiti die schwierigste, welche scit der Reoatacien fen mh zur Cbsuns vorgelegt worden ist, Viele wichtige Geseke sind seit der neuen Ord- nung der Dinge zur Ausführung gekommen; die Gemeinden und Provinzen sind neu organisirt worden, die politischen und Handels- Verhältnisse haben bedeutende Aenderungen erfahren, allein alle diese Angelegenheiten gehörten der ausschließlichen Wirksamkeit des Staates an. Bei dem vorliegenden Geseße handelt es sich aber um eine Organisation, wo zwei Mächte, welche die Constitution dem Prinzipe nah absolut getrennt hat, zu einem für gemeinsam anerkannten Werke zusammentreten sollen, ohne daß die eine oder andere die höhere Macht seyn soll, welche bei etwaniger Ueber: schreitung die souveraine Entscheidung hâtte. Die Kirche if der Conssitution nach vom Staate durchaus unabhängig, dieser besoldet freilich die Geisilichkeit, hat aber fein Recht der Ernennung, Be- statiung oder der Ober-Aufsicht. Ferner is der Unterricht dur< die Constitution vollkommen freigegeben, so daß Jedermann sich zum Lehrer aufwerfen kann, ohne nöthig zu haben, irgend eine wissenschaftliche und moralische Garantie zu gcben; kein Diplom, fein Zeugniß der Befähigung ist erforderll<. Von dieser Freiheit, welche die Geistlichkeit besonders begründete, hat sie au<h den aus- gedehntesten Gebrauch gemacht, Mit großem Eifer, der gewiß zu loben wäre, wenn er niht das Monopol oder die Herrschaft im Unterricht bezwe>te, hat sie viele Unterrichts-Anstalten der ver- schiedenen Grade gegründet; der mittlere Unterricht ist mit Aus- nahme der größeren Städte in ihre Hände gekommen; der Ele- mentar-Unterricht ist noch zu einem großen Theile eine Angele- genheit der Gemeinden geblieben; allein das Bestreben, die Ge- meinde-Schulen in geistliche Schulen umzuwandeln, is sehr sicht- bar, zumal da die Gemeinden durch kein Geseß genöthigt sind, Schulen zu gründen und zu unterhalten,

Bei diesem vielfach verwi>elten Zuslande und dem Mangel einer höheren Gesammtleitung des Unterrichts ist es natürlich hochst schwierig, wenn niht unmöglich, eine gute Organisation vorzunehmen. Die Hauptpunkte, worauf es bei der Diskussion des vorliegenden Geseßes anfömmt, sind von dem Minister des Jnnern dahin angegeben: 1) Jede Gemeinde soll verpflichtet seyn, wenigstens eine Schule zu haben (diese fann jedoch eine Privat- schule seyn); 2) jede Gemeinde hat die Verpflichtung, den armen Kindern unentgeltlih den Unterricht zu verschaffen ; 3) der Ele- mentar-Unterricht soll nothwendig mit der Religion und der Mo- ral verbunden seyn; 4) der Staat hat die Verpflichtung, den Ge- meinden, deren Hülfsquellen zur alleinigen Bestreitung des Unter- richts nicht hinreichend sind, durch UntersktÜßung zu Hülfe zu fommen. Ueber den ersken und leßten Punkt ist kein wirklicher Streit, ob- gleich von einigen der extremen fatholishen Partei angehörigen De- putirten der Grundsaß aufgestellt worden ist, daß weder der Staat noch die Gemeinden si<h um den Unterricht zu bekúmmern haben, und dieser vielmehr den ‘Privat- Personen oder Gesellschaften zu überlassen sey. Es hat jedo< diese Meinung in Bezug auf den Elementar-Unterricht wenig Anklaiug gefunden. Die zwei Haupt- Fragen, worüber es si<h bei dem vorliegenden Geseße handelt, betreffen einestheils den Einfluß, welcher der Geistlichkeit auf diesen Unterricht einzuräumen is, und anderentheils die Verpflichtung der armen Aeltern, falls sie auf die Gemeinde - UnterstÜßung für den Unterricht ihrer Kinder Anspruch machen, diese in keine andere als die Gemeindeschule zu schi>en, wenn eine solche besteht. Es sind úber diesen zweiten Punkt, den wir sogleich besprechen wollen und der beim ersten Anbli>ke nicht so wichtig scheint, als er in der That is, zwei Ansichten aufgestellt worden. Die Regierung be- steht auf der angegebcnen Verpflichtung und glaubt dadurch nicht die Gewissens- und Aeltern: Rechte zu verleßen, da die arme Fa- milie immer die Freiheit behält, ihre Kinder in die andere, etwa von Geistlichen geleitete Schule zu schi>en und alsdann nur auf den Anspruch auf die Bezahlung der Unterrichts-Kosten von Seiten der Gemeinde zu verzichten. Die zweite Ansicht, welche von der Central - Section und de-

| ren Berichterstatter vertheidigt wird, will der Gemeinde die Ver- | pflichtung auferlegen, auch den Privat-Anstalten je nach der Zahl

der von ihnen unterrichteten Armenkinder eine MLOTE zu zahlen, wenn die Aeltern diese Schulen vorziehen. Die Entschei: dung dieses Punktes wird, wie man behaupten darf, den Nußen des ganzen Geseßes bestimmen. Die Zahl der Armen ist bekannt- lih überall groß; wird nun eine Gemeinde gezwungen, neben ihrem Schullehrer noch eine zweite Anstalt zu bezahlen, \o wird sie, um sich feine doppelte Kosten zu machen, in den meisten Fällen vor: ziehen, ihre Gemeinde-Schule eingehen zu lassen und es bei der an die Privat-Anstalt zu bezahlenden Unterstüßung bewenden laf- sen. Es könnte sogar geschehen, daß die Privat-Anstalt ihr höher zu stehen käme, als ihre eigene Schule. Nach einer Berechnung, welche für die Hauptstadt gemacht isk, würde diese Über 100,000 Fr. Armen:-:Schulgeld bezahlen müssen, eine Summe, welche ihr sammtliche Schulen nicht kosten, Die Regierung if auch von der Wichtigkeit dieses Punktes vollkommen úberzeugt, der Minister des Jnnern hat sich sets entschieden darüber ausgesprochen und man darf annehmen, daß derselbe eher das ganze Geseß zurü>zie- hen, als die entgegengeseßte Verfügung der Königlichen Sanction vorlegen wird,

Der zweite Hauptpunkt berührt das Verhältniß von Staat und Kirche auf dem Gebiete des Elementar - Unterrichts. Dem Geset-Entwurfe nach schließt dieser Unterricht nothwendig die Mo- ral und die Religion ein. Daraus ergiebt sich denn zugleich die Nothwendigkeit der Jnetervention der Geistlichkeit. MNun kann aber der Staat nach dem constitutionellen Prinzipe keinen Geisk- lichen zwingen, den religiósen Unterricht in einer öffentlichen Schule zu geben oder ihn zu überwachen; es bleibt ihm daher, um die Geistlichkeit zum gúütigen Beitritt zu bestimmen, kein an- deres Mittel úbrig, als idr bedeutende Rechte auf die ganze Lei: tung des Unterricht einzuräumen. Zu diesem Zwe>e soll nun der Staat jeder Schule die Unterstübung entziehen, welche die in moralischer und religiöser Hinsicht vorgeschriebenen Bedingungen nicht erfüllt. Hier erhebt fich aber die wich: tige Frage, welche Autorität darüber entscheiden soll. 0

vom Schullehrer diese Bedingungen erfúllt sind oder ade