1842 / 238 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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* Paris, 22. Aug. Die große Angelegenheit des Tages if die Sectiens ben Herrn Thiers von der S pposicion. Lob und Tadel kreuzen sich in den dffentlichen Blättern. Die Einen schreien úber Verrath, die Anderen spenden der Bekehrung des ehemali: gen Conseils : Prásidenten ganz aufrichtig große Lobeserhebungen, Die Journale, welche Herr Thiers patronisirte, haben sih von ihrem Staunen noch nicht erholt und fönnen sich nicht einbilden, daß dieser mit so großem Aufsehen vorgenommene Bruch ern ich sey. Der Constitutionnel selbst befindet sich in einiger Ver- legenheit, obwohl er das Verfahren des Herrn Thiers vollkommen billigt. Allein er sucht ihn in das linke Centrum ain was offenbar nah dem, was Herr Thiers gethan hat, ein Unsinn ist. Der Tiers-parti und das linke Centrum haben sich bekannt- lich sehr häufig vermischt; Herr Dufaure is der Chef des Tiers-

parti und Herr Thiers war, wenigstens dem Anschein nach , der Chef des linken Centrums. Nun hat Herr Dufaure fast immer für das Ministerium gestimmt; bei der Regentschafts: Frage hat das linke Centrum fich mit dem Tiers-parti verbunden, und beide Nüancen haben für das Ministerium votirt, und zwar nur, weil Herr Bar- rot das Ministerium in Frage stellen wollte. Fügt man hierzu noch, daß Herr Thiers sich förmlich von der Linken getrennt hat, so fann man sich nicht verhehlen, daß er gegenwärtig in Folge seines Benehmens und seines Votums, der konservativen Partei angehört. Das linke Centrum wird natürlih seinem Banner folgen und jene Bud auf diese Weise verstärkt werden. Liegt in dieser neuen Situation irgend eine Gefahr für das gegenwär- tige Ministerium, und wird Herr Thiers die Stellung, die er sich geschaffen, dazu benußen, um Herrn Guizot zu verdrängen? Das if eine Frage, deren Lösung in diesem Augenblicke schwierig seyn dürfte. Wir unsererseits glauben, daß diese Probe ungenügend is, und daß Herr Thiers den Kammern neue Berveise von der Echtheit seiner fonservativen Gesinnung geben muß, ehe er ein ausgedehnteres Vertrauen von ihnen fordern kann.

tun wollen wir einmal sehen, was die Opposition im Jn- teresse ihres Ruhmes und ihrer Zukunft gethan hat. Es waren 94 shwarze Kugeln; zieht man davon etwa 34 ab, die der legi- timistischen und der republikanischen Partei angehören, so bleiben für die Linke 60, und es ergiebt sich hieraus, daß Herr Barrot nicht mehr Chef einer Partei, sondern blos Chef von Parteigängern is, wie die Herren Berryer und Ledru-Rollin. Herr Barrot hat es zu- gleich mit dem linfen Centrum und mit der republikanischen Par- tei verdorben, und weshalb? Er hat zuerst dem Geseße seine Un- terstúßung verweigert, weil die Majorität ihm die Annahme eines anz fleinen Amendements, eines unwichtigen Punktes, eines ichts, das aber die Autorität der Linken darthun sollte, ver- weigere. Herr Barrot wollte eine Konzession; er folgte den Ein- gebungen seiner Eitelkeit, und er hat bewiesen, daß er vollklommen unfähig is, eine Nation, wie die unsrige, zu begreifen und zu re-

gieren. Hätte die Linke z. B. die Regentschaft der Frauen unter- stúßt, so hâtte dies die ganze Oekonomie des Gesebes geändert, und man hätte seine Opposition begriffen; aber ihre Amendements bedeuteten gar nichts und das des Herrn von Sade z. B. än- derte nur die Form des Gesekes, denn es übertrug die Regent- \chaft eventuell den vier Sdhnen des Königs. Herr Barrot hat sich ferner auch mit den Radikalen überworfen, weil er in seinen Forderungen zu gemäßigt gew esen sey!

Der Geset-Entwurf hat sonderbare Wirkungen hervorgebracht : er hat Herrn Thiers von der Linken getrennt; er hat Herrn von Lamartine aus seiner gewöhnlichen Rolle geworfen; er hat die Schwäche und Jnkonsistenz der Opposition dargethan und das linke Centrum definitiv von der Linken getrennt. Herr von La- martine fann unmöglich in der Stellung bleiben, die er jeßt ange- nommen hat. Die Presse sucht heute die Gründe anzugeben, welche diesen Deputirten bewogen haben, sich der Linken zu nä- hern. „Der ausgezeichnete Redner“, sagt sle, „war keine jener Verpflichtungen gegen die konservative Partei cingegangen, die man in guten wie in bösen Tagen zu halten verbunden isk. Er hatte niemals etwas von denen erhalten, in deren Reihen er gekämpft hatte; er war ihnen gegenüber nicht durch Dankbarkeit gebunden. Er hatte ihnen, als er sie verließ, den mächtigen Beistand seines Wortes nicht verkauft, sondern nur geliehen. Er hatte sich der Unpopularität der Coalitions- Journale geweiht; er vertheidigte die Jnteressen der konservativen Partei gegen die alten, zum Feinde Übergegangenen Chefs derselben. Welches war seitdem das Be- nehmen der Konservativen gegen Herrn von Lamartine? Bei der Aae Dage haben sie ihn leichtsinnig geopfert, und wem ?

inem Kandidaten, der niemals zu den Jhrigen gehört, der Jhnen niemals irgend eine Bürgschaft gegeben, niemals irgend einen Dienst geleistet hatte. Herr von Lamartine hat die konservative Partei nicht verlassen, sondern diese ist es, die das Beispiel der Trennung gegeben hat ; die Bande sind zerrissen, ein Jeder hat seine Unab: hângigfkeit und den freien Gebrauch seiner Ueberzeugungen wieder erlangt. Es giebt in politischen Versamnilungen allerdings Fälle, wo ein Redner seinen Freunden schuldig ist, einen Theil seiner Ideen, wenn nicht zum Opfer zu bringen, so doch zu verschweigen. Dieser Fall ist für Herrn von Lamartine niemals eingetreten, Die Art, wie Herr von Lamartine zu den liberalen Jdeen der Linken zurückgekehrt ist, zeigt hinlänglich, daß es aus freiem Antriebe sei- nes Glaubens geschah. Es bestand kein geheimes Bündniß zwi- \{en der Linken und ihm; es war feine jener Jntriguen vorhan- den, deren Preis ein Portefeuille seyn zu mússen scheint; es fan- den weder vorläufige Besprechungen statt, noch wurde über Pro- e debattirt, Herr von Lamartine verzichtet nicht auf seine ukunft; wenn er zur Linken übergetreten ist, so geschah dies nicht, um, von dort Zdeen zu entlehnen, sondern um ihr dergleichen zu- zuführen ; er will versuchen, ob es mödglich is, sie regierungsfähig (gouvernementale) und ihr begreiflih zu machen, daß die Gewalt der nothwendige Agent des Fortschritts ist, daß, wenn man die Gewalt s{wächt, man zugleich die Chancen der Verbesserungen vermindert und diese der Willkür der etroas erkälteten Parteien überliefert.“ Diese Erklärungen der Pre se haben wegen der engen Verbindungen zwischen Herrn von Girardin, Haupt-Redacteur dieses Journals und Herrn von Lamartine einige Wichtigkeit, Es ist fast gewiß, daß dieser Leßtere der Abfassung des obigen Artikels nicht fremd is, denn bei allen wichtigen Gelegenheiten hat die Presse Herrn von Lamartine immer als Organ gedient, Wir bleiben fibrigens dabei, daß Herr von Lamartine etwas Unmöbgliches unternimmt wenn er glaubt, der Opposition und namentlich, wie sie jeßt is, seine Jdeen einimpfen zu können. Es is dies eine nicht zu diszi- plinirende Partei, die in ihrem eigenen Schooße die Anarchie und die Aufldsung birgt, und die niemals etroas Anderes gethan hat als Ministerien gestürzt. ,

Großbritanien und Jrland.

London, 20. Aug. Geskern fanden hier eine Menge von Chartisten-Versammlungen statt, in denen es ziemlih tumultuarisch zuging. Es erschien deshalb eine polizeiliche Proclamation, worin d efündige wurde, man werde eine zu Clerkenwell angesagte große Versammlung auseinandertreiben, und als wirklich Abends dort gegen 600 Personen erschienen, fand sich die Polizei ein, nahm

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die Banner derselben weg und zersprengte die Volkshaufen nach allen Richtungen, Der Globe sagt in seinem heutigen Blatt, es gehe aus den neuesten Nachrichten von Manchester ‘und ande- ren Fabrik-Orten hervor, daß die Unruhen beinahe vershwunden und daß auch dort alle Versuche, die Bewegung zu einer Charti-

stischen zu mächen, gescheitert seyen. Jn Dublin hat Pei L der Rückkehr aus der been-

digten Session des Parlaments erklärt, daß er nah Ablauf seines Amtes als Lord- Mayor von Dublin dasselbe nicht wieder anneh- men werde, da ihn seine politischen Arbeiten verhinderten , solchen bürgerlichen Aemtern gehdrig vorzustehen.

Der Socialismus des Herrn Owen is in England ganz ge- scheitert, Herr Owen hat Rose Hall in (dire für immer verlassen, um sich wieder nach Amerika zu begeben.

Als die Nachricht vom Tode des Herzogs von Orleans in Malta anlangte, befahl der Vice- Admiral Sir E. W. C. Owen, der gerade mit dem größeren Theil der von ihm kommandirten Britischen Mittelmeer-Flotke vor Malta lag, eine dreitägige Trauer : auf allen Kriegsschiffen wurden die Flaggen bis zur Hälfte der Masten gesenkt, die Wachen zogen mit LNMETtes Gewehr auf, und die Schiffsbanden spielten mit verhüllten Trommeln Todten- mársche, Diesem Ee folgend, erließ der Gouverneur von Malta âhnliche Ordre für die Besaßung: von allen Baskeien der gewaltigen Feskungswoerke wéhten Trauerfahnen, und alle Stabs- Offiziere trugen drei Tage lang Flor um den linken Arm. So feierlih, sagt der Morning Herald, sey noch kein Britischer Monarch auf Englischèn Kriegsschiffen betrauert worden.

Deutscbe Bundesstaaten.

DetoN , 27. Aug. (L. A. Z.) Die Nachrichten von Brand- unfällen h uke sih auf eine ershreckende Weise, Am 11. Aug. brannten der Flecken Tambach bei Gotha und die große Porzellan- fabrif von Schierholz in Plaue bei Arnstadt nieder, Die Gothaer Bank wird in beiden starke Verluste erleiden, ebenso in Kamenz. Am 12, Aug. brannten (wie bereits erwähnt) in der Stadt Möckern bei Magdeburg 64 Häuser ab, Als versichernde Gesellschaften daselbst nennt man die Aachener und Elberfelder, doch nicht mit beträchtlichen Summen,

Die Antwerpener 3, Compagnie commerciale is in Folge der Verluste beim Hamburger Brande genöthigt, ihre Ge- \châfte einzustellen. Sie hat unterm 13, Mai Cirkulare an ihre Actionaire und Versicherten erlassen, worin sie dies förmlich an- zeigt, auch frühere Unglüsfälle von 1840 als Ursachen mit an- fuhrt. Die Gesellschaft macht Geschäfte für Feuer- und Lebens- versicherungen, und besonders fúr leßtere wird sich der große

dachtheil der Einrichtung herausstellen, daß beide Geschäftszweige nicht mit getrennten Kapitalien betrieben werden. (Magd. Z.)

Braunschweig, 25. Aug. Die gegen:

: wärtig endende Sommermesse hat uns leider den Beweis gegeben,

daß für den hiesigen Meßverkehr so lange durchaus kein günstiger Erfolg zu erwarten steht, als wir unmittelbar an der Gränze des Zollvereins liegen und unsere Stadt nicht für eine große Volks- menge ein Centralpunkft des Handels geworden it der ihnen näher als jeder andere liegt. Der Mangel Hannödverscher Käufer wurde in gegenwärtiger Messe um \o bemerkbarer, als sich eine a"Eerordentliche Menge von Verkäufern am Plaße fanden, und besonders hat der Großhänbier hiérdurcch leiden müssen. (Anderen Nachrichten zufolgè: haben zwar dîie auf der Messe gewesenen Hannöverschen Kaufleute keine gute Geschäfte gemacht, nicht so jedoch viele Verkäüfer aus dem ‘Zollvereine, die mit der Messe recht zufrieden seyn sollen.)

Karlsruhe, 23. Aug. (Oberd. Z.) Jn der heutigen Sibung der Abgeordneten - Kammer erfolgte die Berichterstattung über die Sandershe Motion auf Preßfreiheit. Der von Herrn Rindeschwender erstattete Kommissions- Bericht schließt sih der Motion an und unterstüßt ihre Anträge.

Die Tagesordnung führt hierauf zur Diskussion über das Budget des Kriegs-Ministeriums. Der Regierungs-Commissair, Hauptmann von Böckh, erwähnt gegen den Bericht, daß nicht die Regierung, sondern die abweichende Ansicht der Kammer von 1831 den Bundes-Beshluß vom 13. September 1832, den Präsenz- Zustand im Frieden 1c. betreffend, hervorgerufen habe, und vere theidigt diesen Bundes-Beschluß gegen die Bemerkungen der Kom- mission. Er bestreitet mehrere Behauptungen des Berichts und hâlt dem Kosten- Aufwand in Folge der Bundes-Be- {lüsse die größere Sicherheit Deutschlands entgegen, was besondes für einen Gränzstaat von der höchsten Wichtigkeit sey. Herr Mathy, als Berichterstatter, hebt hervor, daß die Erhöhung des Militair - Budgets um 300,000 Fl. für die Verhältnisse unse- res Landes sehr drúkend sey, die Kraft Deutschlands aber nicht in der Vermehrung der Truppen, sondern in der Begeisterung des Volkes und in Befriedigung seiner gerechten Forderungen be: ruhe. Der Berichterskatter und nah ihm Herr Bassermann verwahren die Budget-Kommission gegen den Vorwurf, als stÜnden sie im Patriotismus zurück, weil sie die große Erhöhung des Kriegs- Budgets als die Kräfte des Landes übersteigend ansehen. Herr Hoffmann widerspricht einigen Behauptungen des Regierungs-

ommissairs, begründet aber zugleich dem Berichterstatter gegenüber seine Ansicht über die Bérbindlichkeit der Bundesbeschlüsse für Baden. Die daraus erwa@chsene Lask hâlt er in mehrfacher Hin- sicht für Úúbermäßig, weil diese Vermehrung des Militairs ohne Landwehr für den Schuß dés Landes doch nicht hinreichend sey, und in mehrfacher Beziehung Erleichterungen dennoch möglich seyen. Herr Gottschalk beklagt, daß der große Aufwand fúr das Militair so viele Mittel für materielle Verbeserungen des Volkes wegnehme. Herr Vogelmann sieht die Forderungen der Regierung in den Bundesbeschlússen begründet, schließt sih aber dem Kommissions- Antrage an, Herr Mördês entwickelt seine Ansicht, daß die Deutschen Gränzländer in der leßten Zeit eines drohenden Krie- ges ohne Schuß gewesen und durch eine bloße Militair - Vermeh- rung, ohne bessere Organisation des Deutschen Wehrsystems, im- mer ohne Schuß bleiben werden. Herr Sander bezweifelt, daß alle Bundes - Beschlüsse Über Militair - Angelegenheiten, und na- mentlih auch die in Rede stehenden, orahni(@er Natur seyen. Er verwahrt in dieser Be chung das Recht der Kammer, obgleich er weit entfernt is, der Kräftigung des Deutschen Wehrwesens ent- gegenzutreten ; allein er findet diese nicht allein in der Vermehrung des stehenden Heeres. Der Redner stellt dabei die Anfrage an den Regierungs-Commissair, wie es mit der Bundesfestung Rastadt stehe, worauf er die Antwort erhielt, daß die „Vorarbeiten“ fertig seyen, und in „wenig Wochen“ der Bau begonnen werde. Herr Sander macht ferner darauf aufmerksam, daß Baden, wenn es, wie man vernehme, die Besaßung in Rastadt stellen und zugleich die von Landau vermehren soll, im Falle des Krieges seine Trup- pen hinter den Mauern und das offene Land \{ublos ha: ben werde, abgesehen von den daraus entstehenden Kosten

r Kasernen ünd R e! Der Regierungs - Commis:

sair beruft \sich in Betreff der Zweifel an der unbedingten Ver:

bindlichkeit der in Rede stehenden Bundesbeschlüsse auf §. 17 der Bundesakte; hinsichtlih der Besaßung von Rastadt werde die Re- gierung die Jnteressen des Landes wahren; in Beziehung auf Lan- dau bestehe ein Bundesbeschluß. Herr von J6 stein tritt mehre- ren Behauptungen der Negierungs-Kommission entgegen, und hebt insbesondere hervor, wie in Zeit der Gefahr die Kammer ihre Vaterlandsliebe bewiesen habe, aber Vaterlandsliebe sey es auch, dem Volke nicht unerträgliche Lasten im tiefen Frieden dustulegen. Er bewillige aber, weil er den gespannten Zustand zwischen der Re- gierung und der Kammer nicht vermehren wolle, und ziehe es vor, wenn in einer Adresse die Verhältnisse des Landes und die Nothwendigkeit einer Erleichterung dargelegt werden. Herr Trefurt drückt die Hosfn aus, daß die Deutschen Re- gierungen die Nothwendigkeit, diesen Druck zu erleichtern, einsehen werden ; wo nicht, so erkennt er die Nothwendigkeit, auf eine àn- dere Weise an dem Militair zu sparen. Herr Schaaff macht darauf aufmerksam, daß die Differenz zwischen den Forderungen der Regierung und den Bewilligungen der Kommission ziemlich unbedeutend sey, und einen solchen Aufwand von zum Theil hef: tigen Reden nicht erfordere; der Redner erklärt fs aus einem formellen Grunde gegen den Antrag der Kommission, welcher je- doch mit allen Stimmen gegen zwei angenommen wird,

Weimar, 24. Aug. Ueber das Weis des Großher: zogs sind aus der Schweiz die günstigsten Nachrichten eingegan- en, Nach der Besichtigung mehrerer interessanter Punkte am

ierwaldstädter See stattete Se. Königl. Hoheit in Jnterlaken, wo die Prinzessin von Preußen, Könial. Hoheit, verweilt, einen Besuch ab und seßte darauf die Reise nah Bern fort. Von da gedachte der Großherzog sich Über Lausanne nah Genf zu begeben.

7 Luxemburg, 21. Aug. Der Maas- und Mosel: Kanal, dessen Arbeiten nach der abgeschlossenen Convention vom 12, Mai und 2, Zuli zwischen Sr. Majestät dem König der Belgier und Sr. Majestät dem König-Großherzog wieder aufgenommen wer: den sollen, gehört zu den fühnsten und großartigsten Unternehmun-

en unserer Zeit und verdankt Wilhelm 1, sein Entstehen, der die

Erbauung desselben einer im Jahre 1825 zusammentretenden GBe- sellschaft von Actionairen durch Königlichen Beschluß zusicherte. Nach der ursprünglich projektirten Jdee soll dieses Kanals Haupt- linie bei Lüttich beginnen, einen Theil der Provinz Löetih und des Großherzogthums durchziehen und zu Wasserbillig in der Mosel münden. Jn der Nähe des Mosselerhof geht er in die Sauer, wodurch also die Kanalisirung dieses (usses bedingt und dem Transport der Produkte aus den Vereinsstaaten eine große Erleichterung verschafft würde. Außerdem nimmt der Kanal noch mehrere kleine Flüsse, wie die Wil, Wolz und Ourth, und Bäche, wie den Durbach, auf. Zwischen Hoffelt und Hachiville durch: schneidet er die Hochebene der Ardennen in einer absoluten dhe von 500 Metres und bildet einen Tunnel von 2555 Metres Länge, der bereits theilweise mit Mauerwerk versehen isk.

Der ganze Lauf des Kanals, mit dem Seiten: Kanale von der Alzett unterhalb Ettelbrúck bis nah Mersch, umfaßt eine Strecke von 279,712 Metres und übertrifft demnach den „größten Kanal Frankreichs, den Kanal von Languedoc, noch um 55,620 Metres. 150 Schleusen waren für ihn projeftirt und die Kosten auf 8 Mil- lionen Fr. angeseßt.

a Arras begannen den 1. April 1828 und hörten, durch die Revolution gestört, im Jahre 1831 auf. Bis dahin waren 24 Millionen Fr. verausgabt, Außer den Vortheilen, welche die- ser Kanal dem Lande überhaupt verschaffen muß, knüpfen sich an die Vollendung seiner Arbeiten noch die Jnteressen vieler Luxem- burger, welche durch Actien dabei betheiligt sind, und wir möchten an der wirklichen Ausführung dieses Werkes um \o weniger zwei: feln, als einer der Haupt-Actionaire seitdem zu einer hohen und vielvermögenden Stellung im Staate gelangt I

Vergangene Woche, am 18ten d., war im hiesigen Athenäum die Schul-Feierlichkeit, wie sie am Schluß des Schuljahres immer abgehalten wird. Der Regierungs-Commissair und der Studien- Direktor hielten bei dieser Gelegenheit Reden in Französischer Sprache, was den Eindruck des feierlichen Aktes etwas \{chwächte, da der Mehrzahl der anwesenden Aeltern dadurch das Verständ- niß vollständig entzogen wurde. Das Fest: Programm für das Schuljahr von 1841—1842 vom Herrn Professor Stammer han- delt Über Hermann, den Retter Deutschlands, Ein zeitgemäßer Gegenstand, den die Schrift mit dem Dombau zu Köln und der Walhalla in Verbindung bringt, indem sie {ugleich úber die Deutsche Sprache im Allgemeinen und über die des Großherzogthums insbesondere sehr lehrreihe Bemerkungen enthält. Der Verfas: ser weist unter Anderem nach, daß selbst damals, als der Wallonische, jeßt Belgien einverleibte Theil noch zum Großherzogthum gehörte, unter 300—400 Schülern, welche das Athenäum besuchten, höch: stens 25—30 Französisch sprechende Schüler waren und beweist, daß die Landessprache des jeßigen Großherzogthums nie eine an- dere als die Deutsche gewesen sey. Herr Professor Stammer wirkt seit einer langen Reihe von Jahren mit großem Erfolg auf die Zöglinge des Athenäums.

Prozessionen durchziehen die Hauptstraßen der Stadt und Vorstädte, um vom Himmel den langersehnten Regen zu erflehen; aber die Sonne schickt ihre sengenden Strahlen bei ° Reau- mur nach wie vor mit verzehrender Gluth auf die schmachtende und ausgetrocknete Erde. Die Sonne geht einen Abend so blut: roth unter wie den anderen und der reine, dunfelblaue Aether wit Pins funfelnden Sternen verkündet jede Nacht im Voraus die getäusch- ten Hoffnungen des kommenden Tages, Erdtoffeln, Butter, Gemüse aller Art is mehr als noch einmal so theuer gegen voriges Jahr, wogegen das Fleisch wahrscheinlich im Preise sehr fallen wird, da der Land: mann bald nicht mehr im Stande ist, das Futter für das Vieh aufzutreiben, also zum Schlachten oder Verkauf sich gendthigt sieht, was freilih die Noth für später nur mehren kann. Vori- gen Markttag va man sich förmlich um das Getraide, obgleich das Luxemburger Malter (2 Theile Weizen, ein Theil Roggen, wie es hier als Gemisch zum Brodte verarbeitet wird) bis auf 35 und 40 Fr., ja zuleßt sogar auf 50 Fr. zu stehen kam. Noch weit s{limmer steht es aber mit den Kartoffeln, der gemeine Mann muß denselben augenblicklich ganz entsagen, indem das S ester, wel- ches voriges Jahr für 10 Sous verkauft wurde, am leßten Markt- tage bis auf 50 Sous stieg. Die Militair-Behörden haben da- her beim Gouvernement bereits angetragen, daß den Soldaten die erhbhte Sold-Zulage bewilligt werden möchte. Seit dem Jahre 1811 hat eine so anhaltende Lc nicht mehr stattgefunden,

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und es ist ein wahres Glück, daß sih nicht Trier in gleichem Mißverhältniß befindet. Türkei.

Konstantinopel, 10. Aug. (L. A. Z) Durch das leßte Dampfs f aus Trebisond haben wir Fer ende Paar ian aus Pe en erhalten. Nach ihnen haben die Perser an der tür: fischen Gränze alle Feindseligkeiten eingestellt, England und Ruß-

land hâtten dem Schach die energischslen Vorstellungen gemacht

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und ihn bewogen, bis zur Ausgleichung der Persisch- Türkischen Streitsache auf dem Wege der diplomatischen e A isden unter Beider Vermittelung, seine Truppen auf die Persische Gränze jacbézugleben: Ebenso soll die Pforte der nach Bagdad abmar- chirten Armee Eilboten nägesendet haben, mit dem Befehle, langsamer zu marschiren, weil vielleicht ihre Rückberufung statt- finden fônnte, Was uns in dem Glauben noch mehr bestärkt, daß die Sache ruhig enden werde, isk, daß mit dem leßten Dampfschiffe wieder viele Persische Kaufleute hier ankamen. Hier- mit stimmen aber nit Privatbriefe aus Frjeevan úberein, welche melden, dg die Truppen des Schach bis in die s Wan (in der Nähe von Cn vorgedrungen seyen. Es scheint dies aber ein bloßes Gerücht zu seyn. Man hat hier eine genaue Berechnung der Summe angestellt, welche die Perser auf dem Hege Plaße fúr Ankäufe schulden. ie beläuft sich auf 80 ill.

iaster.

Vereinigte Staaten von Nord-Amerika.

= Paris, 22. Aug. Privatbriefe aus New-York vom Ende verflossenen Monats bestätigen, daß man zu Washington wirklich zu einer Lösung der Gränzstreit-Frage des Staa- tes Maine gekommen is, die so oft schon an efndi t und eben so oft wieder in Abrede gestellt worden war. Lord Ashburton und Herr Webster haben eine Ausgleichung zu Stande gebracht, Die Vereinigten Staaten erlangen durch diesen Vertrag alles das, was sie bisher stets zurückgewiesen haben, indem sie sih den Schiede- rihterspruch des Königs von Holland anzunehmen weigerten, Eng: land seinerseits verzichtet auf die grade Linie, welche es gern zwi- schen Quebek und aeEnef E gehabt hâtte. Das Ameri- kanische Gebiet wird sich in einer Spiße zwischen diesen beiden Punkten vei ae 0 die nur durch den St. John - und Lorenz- Strom, oberhalb des den Amerikanern zugestandenen triangulairen Stúckes Land, mit einander in Verbindung stehen werden. Die- ser Vertrag muß nun erst noch die Ratification des Staates er: halten, dessen Votum aber kaum einem Zweifel unterliegt. Jndeß will die demokratische Partei eine heftige Opposition dagegen madthen. Ueber die anderen Streitfragen zwischen England und den Vereinigten Staaten hört man nichts; man weiß nicht, sind sie auf gütsgem Wege geschlichtet, oder deren Beilegung auf spä- tere Zeit vorbehalten worden. Es hieß, Herr Webster wolle als- bald nach erfolgter Ratification des Vertrages aus dem Kabinet austreten, in welchem er nur so lange geblieben war, um seine Dienste nicht seinem Lande in dem Augenblick einer so wichtigen L pandiang zu entziehen, an die er aus einem gewiß zu recht- fertigenden Ehrgeize wohl auh seinen Namen knüpfen wollte. Der Rücktritt des Herrn Webster, wenn er wirklich erfolgen sollte, würde das unzweifelhafte Signal einer vollständigen Ümwand- lung des Kabinets und einer entschiedeneren Annäherung zwischen der Politik des Prâsidenten Tyler und jener der demokratischen Partei seyn.

Das Schaßz-Departement zu Washington hatte einen offi- ziellen Bericht Über den Handel und die Schifffahrt der Nereinigten Staaten während des Jahres 1841 veröffentlicht, Es geht daraus hervor, daß troß des Mißkredits, in den der Amerikanische Name durch die Handelskrisen und fort- währenden Bankerotte dieses Landes im Auslande gekommen is, die Einfuhr an auswärtigen Waaren doch um 20 Millionen Dol- lars im Vergleiche zu der Ziffer des vorhergehenden Jahres, näm- lich von 107,141,519 auf 127,946,177 Dollars gestiegen ist. Jm Gegentheile hat die Ausfuhr an Amerikanischen Produkten ab-

enommen und steht der Ziffer der Einfuhren um 6,000,000 Dol- ars nach, obgleich die Summe der gekauften und von auswärti: gen Schiffen ausgeführten Produkte um 23,813,331 Dollars zu- enommen und also eine höhere Ziffer als je erreicht hat. Die

merifanishe Schifffahrt bietet also für dieses Jahr das sonder- bare Nesultat, daß sie verhältnißmäßig weniger National-Produkte aus: als fremde eingeführt hae. Die Tabacfpflanzer, welche so sehr fiber ihren wachsenden Nothstand schreien und Repressalien gegen das Ausland fordern, haben um 25 pCt. mehr ausgeführt, als in irgend einem der Ene Jahre, Auch die Ausfuhren an Reis und Schweinefleisch hat zugenommen, dagegen die von Baumwolle und Getraide sih vermindert. Betrachtet man nun den Bericht des Schaß-Secretairs unter dem Gesichtspunkte des besonderen Handels der verschiedenen Staaten, und stellt man einen Vergleich der einen mit den anderen an, so sieht man, daß in Massachussetts der Fortschritt am merklichsten is. Es is der einzige Staat, in welchem die Einfuhren im Jahre 1841 höher waren als je; sie Úberschreiten 20 pCt. des Durchschnitts der vier leßten Zahre, jene von 1839 mit inbegriffen, in welchem Jahre die Ein- fuhren ihr Maximum erreichten. Jn derselben Zeitperiode haben die Einfuhren in den Hafen von New : York einen Wechsel von 67 pCt. erfahren, sie sind von 99 Millionen Dollars auf 60 Mil: lionen hecabgesunken, um im leßten Jahre sich wieder bis auf 75,713,426 zu erheben, während in denen von Massachussetts nur eine Aenderung im Betrage von 3 Millionen hervortritt. Dieser Unterschied erklärt sih durch die Natur der Handels-Beziehungen und Finanz- Jnstitutionen beider Staaten. New - York ist das große Entrepot für die Staaten des Südens und des Westens, die am meisten von der Finanzkrise gelitten haben, weil ihre Banken beinahe sämmtlich zahlungsunfähig sind. Der Staat New - York selbst hatte viel von den häufigen Störungen zu leiden, die in den Emissionen seiner Landbanken eintraten, deren Mehrzahl geschlossen isk. Massachussetts dagegen, is derjenige von allen Staaten, dessen Geldumlauf am wenigsten Erschütterungen erfahren hat, weil das Kredit: System daselbst sehr beschränkt ist. Es ist daher nicht zu verwundern, daß seine Pratperient im Wachsen ist, während die der übrigen Staaten mehr und mehr verschwindet. Jn Louisiana hat die Ziffer der Einfuhren nur um etwa 2 Millionen Dollars gewechselt. 1839 betrug sie 12,064,942, im Jahre 1840 nur 10,673,190 und 1841 endlih 10,256,350. Die Ausfuhren, welche 1840 die Ziffer von 34,236,936 erreicht hatten, waren 1841 auf 34,387,483 gestiegen, welches die höchste Ziffer ist, die die Ausfuhr in allen Staaten der Union aufzuweisen hat.

Auf demselben Wege erfährt man auch, laut AuszÜgen aus Mexikanischen Blättern, daß Santana die Wiedereroberung des unabhängigen Staates Yucatan unternommen hat. General Sentmanat, Gouverneur des Staates Tobasco, isk mit dieser Expedition beauftragt worden. Bg einer offiziellen Proclamation verfügt Sentmanat, daß alle Häfen von Tobasco dem Yucatanischen Handel verschlossen bleiben sollen, und kündet die nahe Ankunft einer Armee von 2000 Mann an, die von Vera- eruz abgegangen seyen, und denen nötgigenfalls noch 20,000 zur Unte ng Yucatans nachfolgen sollten. Diese 20,000 werden wohl noch einige Zeit nur auf dem Papiere vorhanden seyn. Die

des Staates Yucatan schien úbrigens durch diese Dro-

hungen lebhafe beunruhigt und traf in aller Hast und Eile Ver- theidigungs: Anstalten, Das offizielle Journal „das 19te Jahr- anae ruft nach E dieser Nachrichten aus: „Gebe er Himmel, daß Yucatan sich bei diesem Anlasse würdig benehme,

1019 und daß alle seine Kinder den Tod der Schmach vorziehen, von den Mexikanern wieder erobert zu werden!“

La-:Plata- Staaten.

London, 19. Aug. (Köln. Z.) Die Schlappe, welche General Lopez am 20, April in der Stabe von St, Pedro 2 Oribe empfangen, if nicht so bedeutend, als sie von den Anhän- gern des General Rosas ausgegeben wurde. Obgleich Lopez mit großer Uebermacht angegriffen wurde, so behauptet er doch, daß er den Sieg errungen haben würde, hätte nicht die Feigheit des Obersten Orono ihn desselben beraubt. Seine Truppen führte er úber den Parana zurúck, welhe am 1, Mai in Esquina am Cor- rientes und in Goya angekommen waren. Nichtsdestoweniger hat dieser Unfall rrfegts aßregeln in Montevideo veranlaßt, in- dem die Kammer beschloß, während der Gefahr, welche das Land bedrohe, die aueübende Gewalt in die Hände eines einzigen Mi- nisters zu legen, der die übrigen vorzuschlagen habe, damit sie un- ter ihm und auf seine Verantwortlichkeit die Staatsgeschäfte be- sorgten. Ueberdies sollte ein Staats-Rath ernannt werden. Am 15, Mai erging das darauf Bezug habende Geseß, worauf Fran- cisco Antoníno Vidal zum ersten Minister ernannt wurde. Unter ihm arbeiten Andres Gelles im auswärtigen Amte, Manoel Her- rera in den Finanzen und Zufriategui als Kriegs - Minister, Zu Staatsräthen wurden Vasquez, Martinez, Bejar, Munoz, Chu- carro, Rondeau, Alvarez, Periz und Larrobla ernannt. Um diese Zeit skand General Paz mit 5000 Mann in Entre - Rios und Lopez mit 2500 Mann in Corrientes. Rivera hat sein Haupt- eti in Paysander, und Lopez hat den Befehl erhalten, mit den ruppen seiner Provinz den Vortrab des vereinten Heeres zu bilden. Die Corrientinischen Streitkräfte, aus etwa 6000 Mann bestehend, werden dem General Paz zugetheilt, wovon am 9. Mai bereits 4000 Mann zu Abalos,. an ‘der Grânze von Entre- Rios, eingetroffen waren. General Paz wird demnach an 10,000 Mann unter seinen Befehlen vereinigen, welche dem Feinde gewachsen sein dürften. Am 25. Mai wurde in Montevideo Heerschau über 5000 Mann gs und 1500 Mann befanden sich noch Überdies in der Umgebung der Stadt. Auch wurde ein Aufruf an Einge- borne und Fremde erlassen, zur Vertheidigung des Heerdes herbeis zueilen. Die Reserve soll auf 10,000 Mann gebracht werden. Am 10. Mai wurden abermals 14 Personen in Santos Lu- ares, nahe bei Buenos- Ayres, erschossen, Darunter befanden fb vier Geistlihe. Alle diese Personen waren durch General Oribe gefangen genommen worden und sind sämmlich aus Cor- dova gebürtig, wit Ausnahme eines Einzigen, welcher dem Staate Uruguay angehörte.

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Inland.

Múnster, 21. Aug. (Köln. Z.) Seit Wochen sind Tau- sende von Händen in emsiger Bewegung, den Empfang unseres Königspaars vorzubereiten. Jedes Haus schmückt sih und sucht seinen Nachbar zu Übertresfen. Alles Militair hat uns verlassên, aber schnell haben sich Bürgergarden geformt, um als Ehrèn- wachen bei Sr. Majestät zu fungiren, Die Stadt bereitet ihrem Königspaare ein Fest unter den \{hbdnen Linden des Domhofs; die Rittergutsbesißer von Westphalen" haben sich vereinigt, um äm zweiten Tage die Stadt im Glanz weit zu Úbertreffen. Gebäude sind errichtet, da kein vorhandenes den Wünschen genügen wollte, um unseren König wúrdig zu empfangen. Alles arbeitet mit Lu und Scherz aus eigenem inneren Antriebe, auch nicht der mindeste obrigfeitliche Jmpuls ist gegeben; so erkennt man rein den Geist, der im Volke herrscht. Mach dem Abmarsche des hier garniso- nirenden Militairs passirte auch das 15, Regiment hiesige Stadt; ein Theil desselben war bereits mit der neuen Uniform versehen.

Berlín , 27. Aug. Das Militair-Wochenblatt mel- det die an die Stelle des mit Pension verabschiedeten General- Lieutenanthß du Moulin erfolgte Ernennung des General - Majors von Wulffen, Commandeurs der 1sken Garde-Landwehr-Brigade, zum Kommandanten der Bundesfestung Luxemburg.

Se. Königl. Hoheit der Erbgroßherzog von Sachsen-Weimar ist zum General-Major à la suite der Armee ernannt worden.

Verlin, 27. Aug. Der in Nr. 187 der Haude- und Spenerschen Zeitung enthaltene Aufsaß, betreffend die Geskel- lung der zu den Uebungen der Landwehr- Kavallerie nöthigen Pferde, hat durch die in Nr. 194 derselben Zeitung von dem Herrn Po- lizei- Präsidenten von Puttkammer gemachten Mittheilungen eine S L ge im Civil - Ressort sich gründende Beantwortung gefunden.

Es dürfte nicht ohne Jnteresse seyn, zu vernehmen, daß auch nach militairischerseits gemachten Erfahrungen es nicht minder im militairischen Jnteresse, als im pecuniairen der Verpflichteten liegt, daß die Landwehr- Uebungs- Pferde von deu Eingesessenen selbsk, ohne Dazwischenkunft von Lieferanten, gestellte werden. Hierauf haben wiederholte Verfügungen der Ministerien hingewiesen, und steht daher bei einem entsprechenden Verfahren der Kreis - und Kommunal: Behörden zu erwartêù, daß diese Angelegenheit sich für alle fonfurrirenden Jnteressen immer günstiger gestalten werde.

Im Allgemeinen wird noch bemerft, daß bisher die Land- wehr-Pferde-Gestellung noch zu keinen irgend erheblichen Beschwer: den Veranlassung gegeben hat. Ein Überall sichtlich hervortreten- der, edler, patriotischer Sinn der Verpflichteten is vielmehr der befriedigenden Erreichung der Zwee des Jnstituts sets entgegen: gekommen. Einzelne Landwehr: Bataillons- (resp. Eskadrons - ) Bezirke haben sich durch ganz besondere Sorgfalt fúr die Gestel- lung recht tüchtiger Landwehr - Pferde vorzugsweise ausgezeichnet. Jm Regierungs: Bezirk Arnsberg besteht sogar seit dem Jahre 1839 ein Verein zur Beförderung der Dressur der Pferde zum Dienste bei der Landwehr: Kavallerie, Aus den Beiträgen der Mitglieder (1 Rthlr. jährlich) wird eins der am besten gerittenen Pferde erkauft und im Vereine verloost, den nächstbestgerittenen, so wie den schnellsten Pferden werden Prämien gewährt. Zur Konkurrenz werden die Pferde der Eingesessenen des Regierungs- Bezirks und der Actionaire zugelassen, insoweit sie im Algemei- nen die dem Dienst bei der Landwehr entsprechenden Eigenschaften besißen. Ausrangirte Kavallerie:Pferde sind ausgeschlossen. Die Besißer der prämirten Pferde verpflichten sich, dieselben im näch- sten Jahre zur Landwehr: Kavallerie-Uebung zu stellen, wenn nicht der Berkauf oder andere wichtige Gründe ‘daran hindern. Nach der Ansicht Sachverskändiger is die seitherige Thätigkeit dieses Vereins für den zunächst belegenen Landwehr - Bataillons - Bezirk bereits von núßlichem Einflusse gewesen, indem dessen Eskadron in den leßten B Eng e Joveen ichtbar besser, als in den frúhe- ren, beritten gewesen is, Es steht zu wünschen, daß diese Bestre- bungen des Vereins Nachfolge finden mögen.

Breslau, 25. Aug. Der Ober-Bürgermeister von Breslau, Geheimer Regierungs-Rath Lange, is vorgestern im 62sten Jahre seines Alters mit Tode abgegangen.

E,

Bericht der Gráfin Mina Über

die Ereignisse im Königlichen Palast zu Madrid wäh- rend der Nacht vom 7. Oktober 1841.

© Madrid, 14. Aug. Unter dem Titel „Urkunden zum besseren Verständniß der Abdankung der Ober - Hofmeisterin des Palastes (Documentos para entender mejor la renuncia de la LCamarera Mayor de Palacio)“ is so eben eine 54 Seiten starke Druschrift auf Veranlassung des Herrn Arguëlles erschienen, die dieser bis jeßt nur an seine vertrauten Freunde vertheilt hat. Der Verfasser derselben hat es nicht für gut befunden, die Beschuldi- gung, als ob der Vormund der Königlichen Kinder deren Erzie- hung vernachlässige, zu widerlegen oder auch nur zu beantworten, Dagegen spricht er dem Vormunde die Befugniß zu, alle, auch die höchsten Stellen des weiblichen Hofstaates nah Gutdünken zu be- seßen. Bekanntlich hat Herr Arguëlles die Stellen, welche durch den Abgang der Herzoginnen von Medina - Celi, Alba, Gor u. \, w.

erledigt wurden, durch junge Damen von niedrigerer Abkunft ausgefúllt. Der von der entlassenen Ober - Hofmeisterin, Marquisin von Belgida, erhobene Vorwurf, daß es im Palaste Personen gâbe, welche die der Königin schuldige Achtung aus den Augen seßten, wird dahin beantwortet, daß die Gouvernantin (Mina’'s Wittwe), die würdige Gemahlin eines in den Jaßhr- büchern der Unabhängigkeit und Freiheit der Nation glänzenden Generals, und folglih über jeden Verdacht erhaben wäre. „Der Vormund“, heißt es dann, „der in seinem väterlichen Hause die Regeln der Höflichkeit und des Anskandes gewissenhaft zu beob- ten gelernt hat, fann sie unmöglich im Palast einer minderjähri- gen Königin verlernt haben, deren Bewahrung und Beschúßung S, vermuthlich aus guten Gründen, sein Vaterland anvertraut at,“

Das merkwüÜrdigste, in dieser Schrift veröffentlichte, Aktenstück ist jedoch ein von der Gouvernantin (aya) der Königin, auf Ver- langen des Vormundes, abgefaßter Bericht Úber das, was unter ihren Augen in der verhängnißvollen Nacht vom 7. Oftober 1841 im Junern des Palastes vorging. Es dúrfte fúr die Zeitgeschichte von Wichtigkeit seyn, daß dieser Bericht so weit wie möglich ver- breitet werde, und deshalb beeile ih mich, ZJhnen denselben in treuer Ueberseßzung mitzutheilen. Er lautet wie folgt:

„Jch blieb bei den Prinzessinen bis halb sieben Uhr Abends, und nachdem ich zu der Vice-Gouvernantin gegangen war, um sie zu veranlassen, bis zu meiner Kückunft meine Stelle zu vertre- ten, ging ih in meine Wohnung hinauf. Ein viertel vor acht, als ih mich eben anschickte, wieder in die Wohnung Jhrer Ma- jestät hinabzugehen, hörte ih pldblich ein Lebehoch, das von vie- len Stimmen, die aus dem inneren Hofe des Palastes zu fom- men schienen, erscholl. Sobald ich es vernahm, lief ich, so wie ih mich befand, zu der Treppe der Hauptthür der Damen, stieg sie in der größten Eile hinab und trat in die Glas: Gallerie, wo ich die Hellebardier-Schildwoache antraf, die mich fragte, was das zu bedeuten habe. Ohne ihm zu antworten und aus allen Kräften laufend, fam ih an die Haupttreppe, wo ih im Vorbeigehen bemerkte, daß ein zahlreiher Haufen

Bemwaffneter sich auf dem Absaße der Treppe, wo die Löwen stehen, befand, und daß die Wache der Hellebardiere sich oben an das Geländer der Treppe gestellt hatte, und die Waffen fertig hielt, die ersten Schüsse empfangend, welche die Aufrührer, gerade als ih dort in ihrem NKúcken vorúberging, abfeuercen. Jener ersten Gefahr D seßte ih meinen Weg fort, stets laufend, und fam in die Gallerie del Camon*), um durch das Zimmer der Aufwärterinnen in die Wohnung ÎZhrer Majestät zu gelangen. Allein, ehe ih die Thüre erreichte, hôrte ih neue Flin- tenshüsse, durch welche einige Scheiben der Gallerie zerbrochen wurden. Als ich die Thüre erreichte, umklammerte ih den Griff mit der Angst, den die begrúndete Furcht, dort, wo ih mich befand, erschossen oder verwundet zu werden, in mir erregte, und fand sie verschlossen, ohne daß ih mir Gehör verschaffen konnte, bis ich in den Zwischenräumen des Flintenfeuers wiederholt anfklopfte. Die Vice-Gouvernantin öffnete die Thüre, und fragte mich, was dort vorgehe, und, indem ich ihr nur das, was ich gesehen hatte, erzählen fonnte, traten wir beide in den Saal Zhrer Majestät. Dort befanden sich, außer den beiden Prinzessinnen, Doña osefa Lellis de Navarrete, Dame d’Atour Jhrer Majestät; Doña Do- rotea de Roman, Hofdame Jhrer Majestät; Doña Teresa de Ferris, Hofdame Jhrer Majestät, und Don Francisco Valdemosa, Musiklehrer. Außerdem befanden sich dort zwei Kammerfrauen, die die Aufwartung hatten. Sobald die Königin mich sah, warf sie sich in meine Arme, und befragte mich in der höchsten Auf- regung: „Gouvernantin, sind es Factiosen?“ Jch antwortete: „Es giebt keine Factiosen.“ „Wer sind sie denn2 Was wol- len sle von mir? Das is auf uns abgesehen.“ Jch antwor- tete ihr, alles, was ich ihr sagen fönnte, sey, daß ih die Treppe vorübergegangen wäre, auf welcher man sich schlüge. Diese Ant- wort konnte weder die Königin noch deren Schwester zufrieden- stellen. Der Zustand der Leßteren war wo möglih noch beun- ruhigender als der der Königin; denn sie befand sich krampfhaft in den Armen der Vice-Gouvernantin und schrie: „ih will wissen, was vorgeht; ich werde ruhiger seyn, wenn man mir es sagt.“ Beide Prinzessinnen waren in einem Zustande, der auch die verhär- tetste Person hätte rúhren müssen. Jch erfuhr durch die Damen, daß die Infantingerade ihren Gesang-:Unterricht begann, als sie das erste Ge- schrei, das mich beunruhigt hatte, vernahmen ; und daß sie selbst, ohne zu befürchten, daß es sih um einen so ernsten Auftritt handle, sogleich alle Thüren und Fenster der Wohnungen mit Schlússeln und Rie- geln verschlossen und sich auf den Saal und den Alkoven Jhrer Majestät, wo wir uns befanden, beschränkten. Man reichte den Prinzessinnen Wasser, damit sie sich von ihrem Schrecken erholten ; und da wir, die wir sie umgaben, überzeugt waren, daß ihre Ge- sundheit und selbst ihre Erhaltung großentheils von unserer Kalt- blütigfeit und Festigkeit abhing, so fingen wir, die Vice - Gouver- nantin und ich, an, sie zu ermahnen, die Furcht abzulegen und den Ausgang einer Verwickelung, die, so furchtbar fie auch scheinen moge, doch hoffentlich nicht übel ablaufen würde, mit Ruhe ab- zuïvarten; und daß jedenfalls die Gefahr nicht dur Geschrei und

vergossene Thränen verringert werden würde. Diese Vorstellungen,

so wie das von den Uebrigen gegebene Beispiel anscheinender Kalk-

blütigfeit, stellten einigermaßen die Ruhe wieder her; wir brachten

sie dazu, sich mit uns in den zwischen zwei Fenstern des Saales

befindlichen Zwischenraum zu seßen. Einer der rührendsten Auf:

*) Eine Gallerie mit Glasscheiben