1842 / 297 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

und dieser hat bereits in der gestrigen Sißung den Vorsîs üúber- Due Ernst gab gestern hier ein zahlreich besuchtes Konzert zum Besten der verunglü>ten Fischer von Scheveningen. uch der König und die Königin beehrten dieses Konzert mit ihrer

Gegenwart. Deutsche Bundesstaaten.

Kelheim, 19. Oft. (Nürnb. K.) Oberhalb unserer ro- mantisch __ dem Mündungspunkte der Donau und AltmÖöhl und an dem Ausgange des Ludwigs - Kanals gelegenen Stadt erhebt sich in ziemlicher Hdhe der Michelsberg, der usläufer der Was: serscheide zwischen den beiden genannten Flüssen. Von ihm aus bietet sich den Bli>ken eine der fbónsten Aussichten im ganzen Do- nau:-Thale dar: stromaufwärts die Felsenpartieen bis an das Kloster Waldenburg auf einer Seite, auf der anderen das liebliche Altmühlthal, stromabwärts reicht der Bli> bis zur Walhalla. Noch vor wegen Monaten war der Berg nicht ohne Beschwerde zu ersteigen ; je t führt eine der solidesten und am schönsten gebauten Fahrstraßen dis auf den Gipfel, eine Straße, die in der unbegreiflich kurzen Zeit von nicht ganz 16 Wochen hergestellt wurde. Höchst interessant ist ein 300 Fuß langer und über 80 Fuß tiefer Durchschnitt durch den hârtesten Felsgrund. Auf dem Michelsberge nun wird das großartige Denkmal erstehen, welches König E Im Andenken an die Befreiungskriege gewidmet hat; hier wird die efreiungshalle er- baut werden, ein Tempel in Form einer Rotunde mit einer Kuppel, in Byzantinischem Styl; der Baumeister ist der Direktor von Gáârt- ner, Der heutige Tag war zur Grundsteinlegung bestimmt worden. Nachdem die Allerhöchsten Herrschaften noch einem Aufzuge der Jnnungen und der Schügen : Gesellschaft beige: wohnt hatten, verließen sie unter dem Donner der Kanonen und dem Geläute aller Glo>en Regensburg, langten um halb 12 Uhr, empfangen von einer ¡obüloien Menschenmenge, in dem festlich gezierten Kelheim an und nahmen ihr Absteige- quartier in einem am Kanalhafen gelegenen Gasthause, wo sie

einen aus Fest: Wagen, Reitern, geschmückten Jungfrauen 2c. bestehenden Festzug, zu welchem die Theilnehmer aus allen umlie- genden Landgerichts-Bezirken zusammengekommen waren, vorbeizie- hen ließen, und fuhren dann auf der neuen Straße den Berg hinauf, auf dessen Gipfel sie nah einer halben Stunde an- langten, Das oben errichtete Königliche Zelt war von der Kelheimer Landwehr und ungefähr 200 Veteranen aus dem Befreiungskfriege, lauter Landleuten, umgeben. Auf einer der bei- den Seitentribúnen war ein Sängerchor aufgestellt, der, aus den Landshuter und Jngolstädter Liedertafeln, so wie aus 150 von der Stadt Regensburg auf sieben geschmückten, großen Wagen hierher beförderten Regensburger Sängern bestehend, bei dem Cin: tritte des Königs in das Zelt, Körner's „Lüúßows wilde Jagd“ anstimmte. Nach dessen Absingung hielt der Präsident von Nie- derbayern, Herr von Beisler, eine Anrede an Se. Majestät den König, die Se. Majestät kurz beantwortete. Leider war die Zug: luft zu stark, als daß man Alles hâtte vernehmen föônnen. Die lesten Worte, welche Se. Majestät mit kräftig erhobener Stimme ausrief, lauten: „Das vereinte Deutschland wird nie überwunden,“ Hierauf begann die Einlegungder in den Grundstein bestimmten Gegen- stände. Zu gleicher Zeit wurde von dem Sänger - Chor ein für die Feier des Tages von Sr. Majestät dem König gedichtetes und

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Röhr predigte über den Text: „Der Wechsel der Heiwaes d führe rt,“

Vaterlandes, welchen das Leben für viele Menschen mit Lißt, Rubini und Fürstenau wirken heute Abends in einem zert im Residenzschlosse mit.

Schweiz.

Schweizer Blätter schreiben: Von Chambery befindet ih ein rdneter in Genf, um mit der dortigen Regierun

er Errichtung einer Eisenbahn, die beide Städte verbinden soll, zu unterhandeln. Es wird diesem Vorschlage um so größere Wich- pee beigelegt, da seit neuerer Zeit der Waaren-Transport von

arseille nah Genf sh mehr und mehr über Chambery ziehe und dies bei der Langsamkeit, mit der Franzdsischerseits die Schiff- barmachung der Rhone betrieben werde, das sicherste Mittel sey, Genf seinen Transithandel zu sichern.

Spanien.

O Madrid, 13, Oft. Noch steht uns ein Monat b's que Wiedereröffnung der Cortes bevor, und bereits hält jede der eiden Parteien, in die der Kongreß der Deputirten zerfallen war, ihre Versammlungen, um Úber die Haltung, welche der Regierung gegenüber angunianten: Úber die Anträge, welche vorzulegen , über die Kandidaten, welche als Präsidenten aufzustellen seyen, zu be- rathschlagen. Die eine jener Parteien besteht aus den Personen, welche das Ministerium Gonzalez N und wird mit dem Namen der alten Majorität bezeichnet. e andere, durch welche eben dieses Ministerium gestürzt wurde, ist unter dem Na- wen der Coalition bekannt. Lebtere zählte bekanntlih den Herrn Olozaga zu den Jhrigen. och ehe er seine Reise über die Pyrenäen antrat, berief sie ihn in eine ihrer Versammlungen und legte ihm die Frage vor, ob sie auch fernerhin auf seine un- bedingte Unterstüßung rechnen könne. Für diesen Fall sollte ihm das Präsidium des Kongresses zugesichert werden und er sich da- gegen verpflichten, den Vorsis in dem neu zu bildenden Ministerium zu übernehmen. Herr REina aber, der von jeher Beweise seiner Unabhängigkeits- Liebe abgelegt hat, weigerte sich, A eine bestimmte Zusage zu geben, und zumal die leßtere glänzende Verpflichtung zu Übernehmen. Desfetuingedtheer soll die Coalition entschlossen seyn, den beredten Diplomaten als Práäsidenten an die Spiße des Kongresses zu bringen, und ihm seinen nicht weniger gewandten aber Es Freund Cor- tina als ersten Vice-Präsidenten zur Seite zu stellen, Ferner be- schloß die Coalition in ihren späteren Versammlungen, dem Mis: nisterium die entschiedenste Opposition zu machen, obgleich natúr- lih das Nähere über den Operationsplan, nach welchem man ver: fahren will, ein Geheimniß geblieben ist, und die Coalition selbst De Bewegungen erst dann definitiv anordnen kann, wenn sle die râfte und Pläne des niederzuwerfenden Gegners gründlich erforscht haben wird. Dieser Gegner aber, das Ministerium, soll entschlossen seyn, die herkömmliche Thron-Rede bei Eröffnung der bevorstehenden Cortes wegzulassen, und auf diese Weise nicht nur die Ablegun eines politischen Glaubensbekenntnisses zu vermeiden, sondern 0d der Opposition diese Gelegenheit, die von der Regierung angekün- digte Politik anzufechten, zu entziehen. Jndessen werden die Frage über die Fortdauer der Vormundschaft des Herrn Arguëlles, die

on:

von Stunß komponirtes Lied unter der Leitung des Compositeurs vorgetragen. Nachdem hierauf die üblichen Hammerschläge zuerst von Sr. Majestät dem König geführt und dann von Jhrer Ma- jestât der Königin und der Reihe nah von Zhren Königl. Hohei- ten dem Kronprinzen, der Kronprinzessin, Ecbgroßherzogin von Hes- sen, Prinzen Luitpold, Prinzen Karl, Herzog Max, so wie von dem Prinzen Wilhelm und dessen Frau Gemahlin, den fremden Gesand- ten und dem Úbrigen Cortège wiederholt worden waren, vertheilte Se. Majestät der König unter nochmaliger Absingung des Fest- Chors eigenhändig mehrere Abdrü>e der Urkunde unter die hoch- sten und hohen Gäste, worauf sämmtliche Herrschaften nach Kel- heim zurú>fehrten. Dort ließen sih Jhre Königl. Majestäten nah dem Bankett, welches Se. Majestät der König gab, noch sämmtliche Veteranen vorstellen, und fuhren dann, abres von allen Seiten der Donner der Kanonen in mächtigem Echo er- holl, unter dem Jubel des Volks nah Regensburg zurü>,

Ulm, 19, Oft. Der 18. Oktober ward dazu gewählt, den Festungsbau von Ulm zu beginnen. Gestern früh um 7 Uhr ver- fuündigte Kanonendonner den Bewohnern der Stadt und Umge- gend den ersten Spatenstih zum Beginn der Erdarbeiten. Unter Anwesenheit sämmtlicher beim Festungsbau verwendeten Offiziere wurden dieselben durch die 50 hierzu auserlesenen Arbeiter eröffnet, zum Behuf der Fundamentirung der „Wilhelmsburg“. Die Ar- beiten sollen den ganzen Winter fortgeseßt und nächstes Frühjahr in einem ausgedehnten Maßstab betrieben werden, in welcher Zeit dann auch die Grundsteinlegung stattfinden wird.

X Weimar, 23. Oft. Die Erwartung und die Hoffnungen der Weimaraner sind auf das herrlichste erfúllt worden. Wir konnten die Zeit nicht erwarten, den geliebten Erbgroßherzog mit seiner jungen Gemahlin bei uns einziehen zu sehen, welcher der Ruf seltener Her- zensgúte, Anmuth und Liebenswürdigkeit vorausgeeilt war. Aus alter angestammter Anhänglichkeit an ihr Fürstenhaus beeilten sich nun sämmtliche Unterthanen, den Durchzug des neuvermähl- ten hohen Paares durch das Land so festlih als möglich zu machen ; Dörfer und Städte prangten im Festshmu> und unter diesen besonders Eisenach und Weimar.

6 an Zudrang der Einwohner von Stadt und Land zu dem R ichen Einzug in die Residenz war so ungeheuer, daß sich der Jug nur drittweise bewegen fonnte. Noch nie hat Weimar in Strab E Festschmu>e gestanden wie jeßt. Die Erfurter- i I f di d heaterplaß, die Esplanade, der Markt, der Fürsten: p d. o if es Schonen und Trefflichen von Häuserschmu> un- Theo B U n _architeftonischer Hinsicht sind es besonders das eaten, as > itthums - Palais und das Fürstenhaus; der lieb: lichskte Schmu>, den man nicht genug sehen fann, ist ein Balkon am Eichenhauerschen Hause in der Esplanade, der, in eine Rosen-

laube verwandelt, einen Genius zeigt, wel : Rosenkranz haltend, hernieder zu fliczen n. ELLO Neu;

vermählten verweilten lange vor diesem Schauspieler Lorzing und Franke D e den die Hof-

Unsere Festtage werden noch erhöht dur die Anwesenheit mehrerer fürstlichen Gäste, namentlich Jhrer Kdnigl. Hoheiten des Prinzen und der Prinzessin von Preußen, des Prinzen und der Prinzessin Karl von Preußen, des Fürsten von Reuß-Schleiz und des Herzogs Bernhard von Weimar mit Gemahlin und Familie Auch die Königl, Preußische Generalität von Erfurt und Bewill-

fommnungs - Äbgesandte aller benachbarter Hvfe sind hier an: gekommen. iy

Heute fuhr das neuvermählte hohe B durch ein Spalier, das die hiesigen Jnnungen mit ihren Fahnen bildeten, in die Kirche und zurú> in das Residenzschloß. Der Vice - Präsident

anzustellende Untersuchung Über die von Seiten der abgetretenen Ober-Hofmeisterin, Marquisin von Belgida , gegen ihn erhobenen Anschuldigungen, und ganz vorzüglich die auf das Aeußerste ge- stiegene Finanz-Verlegenhelt, hinreichende Veranlassung zu sehr hef: tigen Diskussionen an die Händ'geben. Auf der anderen Seite schmei- chelt sich die frühere Majorität, nämlich die Partei des Herrn Gonzalez, oder der vereinigten Ayacuchos und Achtzehnhundertzwölfer , nicht weniger mit der Hoffnung, bei der Wiedereröffnung der Cortes aufs neue die Mehrheit zu erlangen und mehrere der Abtrúnni- gen wieder gewonnen zu haben. Diese Partei soll geneigt seyn, das bestehende Kabinet zu unterstüßen, falls dieses sich dagegen verpfl:hte, den Cortes eine gewisse Anzahl in progressiskischem Sinne abgefaßter organischer Gescß-Entwürfe vorzulegen. Gegen- seitige Unterhandlungen sollen Úber diesen Punkt bereits erbffnet worden seyn.

Einige Oppositionsblätter stellen geradezu den Saß auf, daß alle Akte, welche Herr Arguëlles seit dem 10ten d. als Vormund vornehme, null und nichtig wären. Uebrigens hat, so viel bis heute bekannt is, auf keinem Punkte der Halbinsel der geringste Versuch zur Wiederherstellung der Constitution von 1812 stattge- funden, und es scheint, daß die Gerüchte, welche eine solche Be-

ebenheit als bevorstehend anfündizten, nur in der Absicht, die öf: fentliche Stimmung zu erforschen, ausgesprengt wurden. Beach- tung verdient ein in der Sentinelle des P yrennées vom 8ten erschienener Artikel, in welhem dem Regenten Spaniens angera- then wird, konstituirende Cortes einzuberufen, um durch sie die Minderjährigkeit der Königin Jsabella bis auf deren achtzehntes Jahr zu verlängern. Man behauptet hier, gs in Bayonne er- scheinende Blatt erhalte von Seiten der Spanischen Regierung

eine Unterstüßung an Geld. bfi

Der Französische Geschäftsträger hat bereits vor vier Wochen im Auftrage seiner Regierung eine Note an den Minister der aus- wärtigen Ängelegenheiten, Grafen von Almodovar, gerichtet, um für den von dem General Zurbano so shwer mißhandelten Fabri- fanten Lefebvre eine Entschädigung und Genugthuung zu verlangen. Seitdem hat der Geschäftsträger verschiedene Male um eine be- friedigende Antwort angehalten ; es ist ihm jedoch bis jeßt nichts Anderes erwiedert worden, als daß die diesseitige Regierung noch nicht hinlänglich über jene Thatsache unterrichtet worden wäre,

Die Einwohner von Saragossa haben dem Jnfanten Don Francisco und seiner Familie glänzende Ehrenbezeigungen erwiesen, und es war die Rede davon, seinen âltesten Sohn, den überzäh- L B zum Chef der dortigen National-Miliz zu erwählen.

Der zuleßt bei der Griechischen Regierung beglaubigt gewesene Spanische Minister : Resident, Herr Saenz de Viniegra, ist hier angekommen und wird, wie es heißt, eine Anstellung im Ministe: rium der auswärtigen Angelegenheiten erhalten,

65 Paris, 20. Oft. Zwischen der Madrider Regierung und der Provinzial-Deputation von Catalonien ist eine gewisse Spannung eingetreten, welche daher rührt, daß die leßtere sich weigert, die zwei Millionen Schaßscheine zu nehmen, welche ihr das Ministe- rium bei der allgemeinen Vertheilung der verunglü>ten Anleihe auf die sämmtlichen Provinzen des Königreiches zugewiesen hat. Dieser Spannung schreibt man es zu, daß die administrativen Maßregeln zu der dringend nothwendigen Reinigung des Hafens von Barcelona eine Verzögerung erleiden, die um so mehr Anstoß erregt, als die zur Ausführung dieser Arbeit erforderlichen Gelder in der zu solchen Zwe>ken bestimmten Spezial - Kasse der Provinz vorhanden sind. Die Nachtheile des jehigen Zu- standes des Hafens der Catalonischen Hauptstadt haben sich ersk noch in den leßten stürmischen Tagen recht fühlbar gemacht, indem

Gefahr ausgeseßt gewesen und andere gar ungen worden sind- im Jnteresse ihrer Sicherheit die hohe E Sdiuden, G

Der Banden-Unfug in Catalonien dauert fort, ja er is sogar im Zunehmen begriffen. Fast alle Tage hdrt man von der Auf- k hebung und Fortschleppung wohlhabender Leute, denen man ein | d abzupre en fann. Es scheint feinem Zweifel zu

terliegen, daß e À enschen - Räuber zum Theil ihre Zuflucht i «n fe sischem Boden suchen, wo die Polizei natürlich weniger

ebha ihrer Verfolgung interessirt ist, als in dem Lande, welches h atv Frevelthaten pm eigentlichen Schauplaße dient. So glaubt r 3. B. mit S it zu wissen, daß der berüchtigte Plana- emunt, der unlängst einen reichen Landmann aus seinem Hause enam? hat, mit seinem Gefangenen indie Fra fischen re s n augen isk, Ein in Catalonien umlaufendes erüché, daß n ten Tagen ein Haufe von 118 Ka mit zwei Ober- sten aus Franfreih in Spanien eingebrochen sey, bedarf für jeßt wohl no< der Bestätigung, da man bis jezt no< nichts Be- stimmtes über das Treiben einer so zahlreichen Bande gehört,

Der General Zurbano seßt seine Expeditionen gegen die Karlisten fort, gegen die er sich nach wie vor uner zeigt. Bei Vich wurden am 9ten zwei Bauern erschossen, welche den Karlisten Herberge gegeben , und eine gewisse Zahl anderer ees Ver- brechens angefklagter Jndividuen wartete in dem Gefängnisse der genannten Stadt auf die Entscheidung ihres Schifsals. Miche viel weniger streng als gegen die Karlisten verfährt Zurbano gegen die Schmuggler. Neulich rü>te er mit seinem Expeditions-Corps bis hart an die Grânze vor, wo er die Franzdsische Diligence erwartete, die er so genau durchsuchen ließ, daf der Conducteur sogar seine Schuhe ausziehen mußte. Ehe er die Gränze verließ, empfahl er den Karabinieren auf das nachdrü>lichste, eine strenge Aufsicht zu üben, indem er ihnen zugleich für jeden Schmuggler, den sie ihm einbringen würden, eine Gold:Unze, etwa 20 Thaler Gold, versprach; sey aber der Contrebandier von Figueras, das dem General Zurbano wahrscheinlih wegen seiner republikanischen Gesinnungen verhaßt is, so werde er ihn mit zwei Unzen bezah- len, Jn Llers hat Zurbano, man sagt nicht aus welchen Grän- den, den Alkalden und den Secretair des Ayuntamiento verhaften und auf das Fort San Fernando bringen lassen.

Barcelona is durch die plôkli<h auf Befehl der Muti erfolgte Schließung der dortigen Königlichen Cigarren : Fabrik in eine gewisse Aufregung verseßt worden. Die vielen hundert Ar- beiterinnen, welche durch diese Maßregel ihre Existenz gefährdet sehen, weigerten sich, die Fabrik zu verlassen, und profesirten un- ter tumultuarischem Geschrei gegen den Beschluß der Regierung, der sie ihres Brod-Erwerbes beraube. Eine Abtheilung von 24 Soldaten war nicht hinreichend, um die aufrührerischen Weiber zur Ordnung zu bringen, und es bedurfte großer Anstrengungen, um sie endlich auseinanderzutreiben.

Aus Perpignan wird geschrieben, daß si dort und in der Nachbarschaft seit einiger Zeit viele Anhänger der Königin Chri: stine zeigen, welche zu verstehen geben, daß sie von den Ereig- nissen des nächsten Frühjahrs eine günstige Wendung für ihre

Sache erwarten. Serbien.

Nachstehendes is die Fortseßung des gestrigen Artikels zur Geschichte der leßten Ereignisse und der Revolution in Serbien:

Das versöhnende Benehmen des endlich GROngies Fürsten Michael schien alle Parteien einander näher zu bringen, Diese Einigkeit war jedo< von feiner Dauer. Jephrem und Pro- tisch fanden besonders in dem Umstand, daß Wuesitsch und Pe- troniewits<h gegen den Jnhalt des Statuts zu Räthen des für majorenn erflárten Fürsten Michael vom Sultan ernannt wor- den waren, neue Ursache zur Unzufriedenheit mit diesen, und es war nun ihre wichtigste Aufgabe, die verhaßten Nebenbuh- ler zu stürzen. u diesem Ende streuten sie im Volke aus, sie würden zur Rü>kehr des Fürsten Milosch gern die Hand bieten ; allein Wutsitsch, Petroniewitsch, Simitsch :c. ständen ihnen im Wege und müßten deshalb zuerst gestürzt werden. Dies fand Anklang; der Tag des Aufstandes gegen Wuktsits<h wurde bestimmt, und so entstand im April 1840 der von Zephrem und Protits< angelegte und von einem alten Diener Mèi- losch’s, dem Obersten Mitschitsh, angeführte Aufstand, in Folge dessen sich Wutsitsch, Petroniewitsh, Simitsch und viele Andere in die Türkische Festung Belgrad flüchten mußten, Froh, auf solche Weise ihrer Hauptfeinde losgeworden zu seyn, ent- blódeten sich Jephrem und Protits< nicht, der Nation, welche Milosch's RüFkehr verlangte, zu erklären, diese sey für den Au- genbli> nicht möglich, indem die Hdfe sie nicht zugäben, indessen wollten sie sih bemúhen, die diesem Wunsch entge enstehenden Hindernisse binnen Jahresfrist zu beseitigen. Mitschitsch, der dieses Aufstandes wegen später in Untersuchung geiogen ward und sogar s Tode verurtheilt werden sollte, ließ sich dur jenes eitle Versprechen bethóren und veranlaßte seine Truppen auseinander zu gehen, worüber Jephrem und Protitsh um so mehr frohle>ten, als sie nun ganz freie Hand zu haben glaubten. Protits<h nahm die durch Petroniewitsch bisher bekleidete Stelle eines Preskavnik ein, ein Senator Rajewitsch erhielt das Mini- sterium des Junern, Herr E das der Jusliz, und die durch die Entfernung mehrerer Senatoren erledigten Stellen im Senat wurden anderweitig besest. Das Statut, welches die Se: natoren unmittelbar der Pforte unterstellt, wurde auf diese Weise schreiend verleßt. Natürlich fanden die Vertriebenen an dem Türkischen Pascha einen eifrigen Beschirmer. Von der Citadelle aus protestirten sie gegen die ihnen zugefügte Gewaltthat, und es wurde sofort von Seiten der Pforte in der Person Musa Efendi's ein Unter- suhungs- Commissair nah Serbien gesendet, der jedoch dek. 8 Serbischen Regierung zu Gunsten seiner Schüslinge S E en konnte und nach einigen Wochen unverrichteter Se < Konstantinopel zurü>fehrte. Eben dahin folgten ihm Wuétsitsch, Simitsch, Petroniewiesh und einige andere ersonen, die úbri: en dieser Partei angehdrigen Serben, etwa 100 an der Zahl, begaben sich na< Widdin, wo sie die Entscheidung ihres Schi>- sais abwarten wollten. Von Seiten Rußlands, auf welches die Emigranten mit Zuversicht rechneten, geschah nichts zu ihren Gunsten, vielmehr wurde ihren verschiedenen T chritten fast mit Verachtung begegnet. Dagegen nahm sich die Pforte ihrer Sache mit großem und wit erneuertem Eifer an, als uet Mehmed Pascha die Würde eines Groß-Wesirs erhielt, Dieser echte und energische Türke scheint die dee erfaßt zu haben, durch frâftige Unterstüßung der Emigranten: Partei den Unfrieden im Innern Serbiens zu nähren und auf solche Weise mit Hülfe jener Herren diese Provinz wieder unter die unmittelbare Herr- schaft der Pforte zurü>zuführen. Demgemäß wurde dem Für: sten Michael zuvörderst eine Amnestie für die Emigranten und die Erlaubniß ihrer Rükkehr abgedrungen; nur Wutsitsch, Si- mits{ und Garaschanin waren ausgenommen ; später mußte je- doch auch diesen die Rükklehr ins Vaterland bewilligt werden.

während derselben mehrere Schiffe in dem Hafen selbst großer

Erstere, mit Petronlewitsch an der Spitze, kehrten im November

141, Wuésiesch und seine zwei Génossen im April d. J. nach

rbien zurúü>. erbien rem, Pro- Wádhrend dies vo regierten t “t ohne Beruf,

in S tit, Rajewitsch und Radicsewitsch , Männ i theils ahne Charak: Zepheem's Éhegeli war sowohl gegen die wiespalts; er war unermüd in f

Senatoren als auch gegen die e alten Verbündeten Protiesch, der“ e es L ee vom Fürsten Michael zum Le j n gern für seinen Schwie: den war. Er hätte obert, so wie er an Rajewitsch's Stelle ersohn Johann German t b bringen suchte. Unterdessen seinen wager Bo iescheries L Gan die Minister wieg- ging die ferung ihren be eie N ider Wurden unbedachtsam ten sich in sorgloser icherhelt, lle eschaffen und dazu meist besest, neue oft úberflüssige Stellen bnen Besold ö d A er ins Land berufen. Die \chônen Besoldungen der Minister und Senatoren we>ten allerlel Luxus - Bedürfnisse, in Belgrad wurde ein Theater gebaut, was einer Nation, wie die Serbische, anstößig erschien. Der “a inte wurden Grund- stúde überlassen, auf Staatskosten Wohnungen gebaut und Be- soldungs - Erhdhungen bewilligt. So erschôpfte sih der Finanz: zustand des Landes. teuern mußten deshalb von 5 auf 6 Thaler also um 20 Prozent erhdht werden; der Werth der Geldstü>ke wurde dagegen bei den teuerkassen erniedrigt. Ueberdies wurde ein Schulfonds errichtet, für den eine Procla- mation zu milden Beiträgen aufforderte, die jedoch von den po- litischen Behörden ex oflicio umgelegt und A wurden; die sonsk freien Eichelmastungen wurden als Staatsgut erklärt und versteigert; daneben wurden förmliche Jnquisitionen gegen diejenigen angestellt, die als Anhänger des Fürsken Milosch be- fannt waren, oder die au< nur gut von ihm sprachen. Die Verdâchtigen, deren es in Folge der von ZJephrem und Protitsch bei dem Aufruhr im Jahr 1840 me Versprechungen viele gab, wurden verhaftet, zum Theil zu {weren Strafen verur- theilt, einige sogar zum Tode geführt; mehr als tausend Indi- viduen befanden sih als Anhänger des Fürsten Milosch in den Gefängnissen, während zugleich die Uneinigkeit zwischen den Ministern und dem Senat täglih zunahm, indem sich erstere en leßteren häufig eine unanständige Sprache erlaubten und fd insbesondere weigerten, dem Senat die statutenmäßig vorge- schriebenen Rechnungen vorzulegen. Auf solche Weise is es er- flärbar, daß die Regierung im Lande nicht sehr beliebt seyn fonnte ; vielmehr fann man sagen, daß Jephrem, Protitsch, Ra- jewits< und Radicsewitsh (der junge unerfahrene Fürst Michael und der Finanz-Minister Stanicsitsch wurden als Nullen betrach- tet), der Pforte, dem eigenen Senat, der Partei Milosch, der Partei Wutsitsch, also dem bei weitem größeren Theil der Nation gegenüber Opposition bildeten, ohne die Schwierigkeit ihrer Stellung zu erkennen. Nur von der Partei Milosch schienen sie einige Gefahr zu besorgen, weshalb sie auf diese vorzüglich ihr Augenmerk gerichtet hielten und einen großen Succeß errungen zu haben glaubten, als es ihnen gelungen war, den Fürsten Mi- los< aus der Walachei zu entfernen. Jhre ferneren Verdâchti- ungen des Parla bei den Höfen scheiterten meist an der tieferen insicht der Oesterreichischen Regierung, in deren Hauptstadt Fürst METE einen Aufenthalt gewählt hatte. ährend sie auf diese Weise gegen den Wind fochten, ver- einigte sih im Stillen, ohne daß es die Regierung ahnete, die Partei der Pforte, d. i. die Wuesitschische, mit den wegen Be- leidigungen oder Unzufriedenheit berhaupt von der Regierung Abgefallenen zu ihrem Sturze. Von allen Seiten bereitete man sih zum Aufstand, und keine Partei schâmte sich zu Gunsten dieses Planes selbst den Namen des Fürsten Milosch zu ge- brauchen und da oder dort, wo sich Erfolg davon hoffen ließ, dessen Rüfkehr in Aussicht zu stellen, Für den Fall der Ent- de>ung dieser Umtriebe ward, um alle Spur von der Wutsit- chischen Partei abzulenken, bei dem Schwiegervater des jungen Ressawat, dem Belgrader Handelsmann Peter Milaifkowit sch, eine die Existenz einer Verschwörung zu Gunsten der Rü>kkehr des Fürsten Milosch beurkunden sollende versiegelte Schrift hin- terlegt, und als Ressawaß wegen aufrührerischer Versuche wirklich verhaftet wurde, wies er gleich auf jene Schrift hin und behaup- tete, er habe sie von dem Fürsten Milosch erhalten. Die Regie- rung seßte sich in den Besiß derselben und, Alles für baare Münze nehmend, fand sie darin nur eine Bestärkung ihres Verdachts ge- gen den fürstlichen Vater, gegen den sie sofort blindlings von neuem zu Felde zog, ohne entfernt die ihr von Wutsitsh drohende Gefahr zu ahnen. Um so ungestörter konnte diese ihren Plan verfolgen, in welchen Hussein Pascha von Widdin dur Petro- niewitsch aufs genaueste eingeweiht war, während Wuetsitsch mit Kiamil Pascha beständige Konferenzen hielt. Die Fehler der Re- ierung und der Umstand, E die Serbische Polizei keine Auf- iht Über die Emigranten üben durfte, da diese unter den Schus des Pascha gestellt waren, kamen den Jnsurgenten dabei trefflih zu statten. Jn ihrem blinden Eifer gegen Milosch atte die Regierung den Fehler begangen, einige der amnestirten Emigranten, blos weil sie als heftige Gegner Milosch's bekannt waren, mit wichtigen Aemtern zu bekleiden. So war J. Nena- dowitsch zum Bezirks-Gerichts-Präsidenten, Glio Markowitsch zum Munitions - Commissair und Novakowitsch zum Kommandanten der Jnfanterie in Kragujevaß (wo, als der üheren Residenz des Für en Milosch, am ehesten eine Reaction zu dessen Gunsten be- fürchtet wurde) ernannt worden, was, wie die Folge ¿Ligen wird, Faun eins zum Verderben der Regierung beitrug. ie anderen nhäânger der Emigranten - Partei hatten sich indessen im ganzen Lande verbreitet: im Schabaczer Distrikt war der Ex-Senator Laz. Theodorowit<, der Kommandant Gyako Stoicsewit sch und der alte Wojewode Czerny Georg's Pop Luka Lazarewitsch, im Waljewaer Distrikte war der Exsenator. Math. Nenadowitsch, im Belgrader der Exsenator Garraschanin mit dreien Söhnen, im Semendria'er der Exsenator Jankowisch mit dem Kommandanten Maistorowitsch und Kuzmanowitsh, im Poszarevaczer der Ex - Minisker Tenka Stephanowitsch und der Kommandant Mich. Georgiewitsch, im Tschyuprianer der alte Senator Ressawab, Vater des verhafteten Ressawaß, im Krussevaozer der Ex- Appellationsrath Veljkowitsch und der Kommandant Oberst Czukitsch, in Belgrad selbst befan- den sich Wutsitsch, Pee Alexa Simitsch mit mehreren in und außer Dienst stehenden Männern jener Partei. Von den Mitgliedern des Senats selbst war mehr als die Hälfte jeder Aen- va geneigt.

, So standen die Sachen, als der mit Sehnsucht erwartete Türkische Commissair Schekib Efendi endlich über Widdin in Belgrad anlangte, worauf im Einverständniß mit diesem, so wie mit Kiamil Pascha und dem Statthalter von Widdin, der dem Ende eine ziemliche Truppenzahl dicht an, die Serbische Gränze vorrü>en ließ, der Tag des Aufstandes bestimmt wurde. Auf allen Punkten fingen die genannten Chefs an ihre Bezirke zu insurgiren, Wuetsicsh hatte Belgrad verlassen und sich über Semlin nah on ee begeben, von wo er nah Semendria über- seßte, wo ihm bei Nacht die Türkische Festung geöffnet wurde, und ein

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von Ressawaß gesandtes prächti erd schon zu seiner Verfügu bereit stand. Bon Semendria eilte Wusiesch geradenwegs _ e gujevaß, um sich dieses wichtigen Punktes zu stern; er wurde dort von J. Nenadovitsch, Glio Markovitsh und Navakowitsch mit offfe- nen Armen empfangen und ihm die Munition, sämmtliche Ge- {übe und die daselbst befin nfanterie und Artillerie au- genblieklich überliefert, auch erhielt hler sein Corps durch die von hm in Freiheit iegen S politischen Sträflinge einen ansehn- lichen Zuwachs. evor noch pa in Kragujevacz ange- langt war, war dort der alte Ressawaß mit einigen Tausend Bewaffneten, darunter ebenfalls viele politische Verurtheilte, aus dem T\chyuprianer und Jagedianer Distrikte, eingetroffen. Mitt- lerweile war gleich nach Wuesitsch's Erscheinen in Semendria der dortige Kommandant Peter Popov zum Fürsten nah Belgrad geeilt und hatte eine Abtheilung Reiter erhalten, um damit die nsurgenten im Belgrader Bezirk zu Paaren zu treiben, was îhm auch, nachdem der Urheber, Ex-Senator Garaschanin, mit sei- nem e in einem Gefecht gefallen war, vollkommen gelang. Auf die Kunde von dieser Niederlage flüchteten sich die Unruhe- stifter im Semendriaer und Poscharevaczer Distrikte, Ex-Senator Jankowitsh und Ex-Minister Tenka Stephanoroisch, mit den be- reits fompromittirten Personen auf das Oesterreichische Gebiet, da unterdessen auch im Schabaczer und Waljevaer Bezirke durch den Schabaczer Bezirks - Kommandanten M. Simitsch und den als Commissair der Regierung ausgesandten Bogicsewitsch der be- innende Aufstand gedämpft war, wobei der Poscharevaczer Di- cifts-Kommandant als Opfer seines Aufruhr-Versuchs fiel, Wäh- rend dieser der Sache der Regierung günstigen Vorfälle hatte Fürst Michael selbsk einiges Militair, dem sich einige Tausend bewaffnete Landleute aus den nächsten Bezirken angeschlossen, gesammelt, und eilte an ihrer Spiße, begleitet von seiner Mutter Liubicza und seinem Oheim Jephrem, Kragujewaß zu, wo aber Wutsitsch und Ressawaß zu seinem TnplGR bereits vortheilhaft aufgestellt waren. Der Fürst wollte den Weg der Güte versuchen, und sandte deshalb den Senator Arsenius Andrawitsch, einen alten treuen Diener, ins Wuksitschische Lager; allein während der Un- terredung mit dem Rebellen: Chef, welche mitten in Kragujewaß statt hatte, seßte ein Ressawaßischer Capitain, Namens Bogdan, dem fürstlichen Bevollmächtigten die Pistole auf die Brust und \choß ihn nieder, was das Signal zu den Feindseligkeiten war, die Wutsits<h mit einigen Geschüßladungen eröffnete. Der Fürst hielt si< mit seinen regulairen Truppen tapfer, allein die Ueberlegenheit des Feindes durch die Artillerie machte sich bald fühlbar: die Landleute auf Seiten des Fürsten wurden aus einander gesprengt und gingen zum Theil zu Wut- sitsh über, so daß sich der urst zum Rückzuge gezwungen sah, nachdem sein Ohm Jephrem chon früher das Weite gesucht hatte. Der Rúcfzug geschah in großer Ordnung. Zwei Stun- den diesseits Kragujewoaß versuchte der Fürst sich noch einmal zu halten, allein nah furzem Gefecht mußte die kleine fürstliche Truppe der gegnerischen Uebermacht abermals weichen, beständig vom Feinde gedrängt. Dies dauerte bis zu dem Dorfe Scha- bari, wo der Oheim des Fürsten, Johann Obrenowitsch, mit eini: gen tausend Streitern zu dem Fürsten stieß, Jeßt wurde noch einmal Widerstand versucht, allein wieder unterlag die fürst: liche Sache, hauptsächlich wegen des treulosen Abfalls einiger Anführer, der Senatoren Petrowitsh und Stojanowitsch, worauf sich die Streithaufen des Fürsten in wilde Flucht auflösten. Der Fürst selbst war mehrmals in Gefahr, von seinen Verfolgern er- \hossen zu werden. Er flüchtete nah Topsidere. Sein Oheim Jephrem und die Fürstin Liubicza waren schon früher in Bel: grad, und ebendaselbst auch der zweite Oheim Johann mit meh- reren Notabeln eingetroffen; da man sich aber bei der Gesinnung Kiamil Pascha's und Schekib Efendi?s hier nicht sicher glaubte, so zog sih alles noch selbigen Tages (6. und 7. September) auf das Oesterreichische Gebiet. (Schluß folgt.)

Túrkei.

Konstantinopel, 5. Oft. (A. Z) Jn Folge eines von der Pforte an die Repräsentanten der Großmächte am 28sen v. M. erlassenen Memorandums über den die Lósung der Frage des Li- banons enthaltenen großherrlichen Hattischeriff haben sich jene am 29sten im Hotel des Englischen Botschafters abermals versam- melt. Man beschloß bis zur Ankunft neuer Jnstructionen feine entscheidenden Schritte vorzunehmen. Die Pforte scheint geneigt, mit der Vollziehung des Hattischeriffs bis zu jenem Augenbli> warten zu wollen, damit die Einwendungen der Mächte gegen die großherrliche Anordnung geprüft und leßtere nöthigenfalls modifizirt werden könne, Mittlerweile trifft die Nachricht aus Beyrut ein, daß die Albanesischen Milizen neue Ex- zesse in Kesruan begangen, drei christliche Kirchen aus: eraubt, die anwesenden Christen mißhandelt haben; es wird beigefügt, daß die Türkischen Behörden in Beyrut den dortigen Englischen und Russischen General-Konsul, welche sich ins Mittel legen wollten, um den brutalen Ausbrüchen dieser wilden Solda- tesfa ein Ende zu machen, mit Verachtung abwiesen, ja, sich ge- gen dieselben die rohesten Beschimpfungen erlaubten. Die Anfra- gen der hiesigen Gesandten in Betreff dieser neuen Skandale wurden von Sarim Efendi ausweichend beantwortet, indem er sich damit entschuldigte, daß ihm darüber noch feine offizielle Nachricht zugekommen sey. In dem obenerwähnten Memoran- dum, so wie im Hattischeriff selbst soll die Stelle, welche von der Aufstellung zweier Kaimakans in Saidah und Tarablus für die Maroniten und die Drusen “handelt, im Ausdru> dunkel seyn, so daß man nicht recht weiß, ob nicht der für die Maroniten einzuseßende Chef auch ein Christ seyn fônne, Aus dieser dunklen Wortstellung wollen nun einige schließen, die Pforte sey nicht abgeneigt, einige Modificationen im Hattischeriff eintreten zu lassen, Auch *die Serbischen Angelegenheiten kamen in der eingangserwähnten Konferenz wiederholt zur Sprache; man be- chloß in dieser Hinsicht ebenfalls Jnstructionen von Haus abzu: warten, um so mehr als der Russische Repräsentant in Betreff Serbiens sich zu isoliren beginnt. Sichtbar wurden alle hiesigen Russen unangenehm durch den Umstand berührt, daß Fürst Michael sich auf Oesterreichisches Gebiet zurú>zog, statt das Land des Ser- bischen Beschügers zu seiner Zuflucht zu wählen,

Inland.

Berlin, 25, Okt. Se. Majestät der König haben Aller- gnädigst geruht, die Annahme: dem Obersten von Webern, Commandeur des 20sken Landwehr-Regiments, des Commandeur- Kreuzes 2ter Klasse vom Le e Guelphen-Orden und des Ritter-Kreuzes vom Königl. Niederländischen Löwen:Or- den; dem Landtags - Deputirten und Prâsidenten der Rheinischen Dampsfschifffahrts-Gesellschaft, H, Merkens in Köln, des Ritter:

Kreuzes der Ehren-Legion, und dem E Hessen-Homburg- schen Revier-Förster Karl August Stolze zu Oebisfelde, Kreises

R)

Gardelegen, der Königl. Hannoverschen Krieges : Denkmünze , zu gestatten.

anze

3t alle, 23, Oft. Unsere Universität, der Staat, die elehrte Welt haben einen großen Verlust zu beklagen. er Konsistorial - Rath, ordentliche Professor und Doktor der

Theologie, Wilhelm Gesenius, is heute Nachmittag 4 Uhr in seinem 57sten Lebensjahre einem hartnä>igen und {<merz-

haften Magenübel erlegen. Wahrheit, in der höchsten Wi

ae dem redlichsten Streben nah enschaftlichkeit und Gediegenheit in

seinem Fache, dem er mit unermüdlichem Fleiße und mit treuester Liebe bis an sein frühes Ende sich hingab, suchte Gesenius seine

Ehre, und er hat darin auch seinen Lehn gefunden.

Weit über

Europa hinaus war der Ruf von seinem Wissen gedrungen, und seit Jahren wanderten aus den fernsten Ländern viele Zuhörer nur zu ihm hierher; um \o \<merzliher trifft sein früher Hin-

Ä E T

tritt vor Allen unsere Universität.

: 1 Gesenius war der einzige Sohn eines zu seiner Zeit sehr ausgezeichneten Arztes in N ord - hausen am Harze, wo er am 3. Februar 1785 geboren wurde. Die Nordhäuser Schule hat also die Ehre, wie von ihr unsere Stadt ihren ersten evangelischen Lehrer, Justus Jonas, und die hiesige Universität ihren bedeutendsten Dhitoidren Friedrich August Wolf, erhalten hat, so auch dem ersten Professor der morgenländischen Sprachen in Halle, Johann Heinrich Mi- c<haëlis, und unserem größten Orientalisten, dem unvergeßlichen Gesenius, ihre erste Bildung gegeben zu haben.

Ples (in Ober-Schlesien), 16. Okt. Der 15. Ofto- ber, Preußens schönster Tag, der Geburtstag Sr. Majestät un- seres vielgeliebten Königs, wurde auch dieses Jahr wieder bei uns solenn und um so feierlicher begangen, als die Anwesenheit Sr. Durchlaucht des ältestregierenden souverainen Herzogs zu Anhalt und der Durchlauchtigsten Frau Herzogin den Festtag verherrlichte. Schon am Morgen hatte sich die hier garnisonirende 2te Eska- dron des 2ten Ulanen - Regiments auf dem hiesigen Markte in Parade aufgestellt und wohnte dann, nachdem sie ein dreimaliges freudiges Hurrah ihrem Herrscher dargebracht hatte, dem in den Kirchen beider Konfessionen veranstalteten feierlichen Gottesdienste bei, Se. Durchlaucht der Herzog hatte ein Diner von 140 Cou- verts zu arrangiren befohlen, zu welchem nicht allein das hiesige Offizier-Corps und sämmtliche Stände des Fürstenthums, sondern auch die Geistlichkeit beider christlichen Glaubensbekenntnisse und die höheren Königlichen Staats- und Herzoglichen Ober-:Beamten eingeladen zu werden die Ehre hatten. Bei Trompeten- und Pau- fenschall und unter Abfeuerung der im Schloß-Park aufgestellten Bóöller wurde von Sr. Herzogl. Durchlaucht, nach vorangegangener Hinweisung auf die wichtige Veranlassung der Tagesfeier durch herzliche tief gefühlte Worte, auf das Wohl Sr. Majestät des Königs ein dreimaliges Lebehoch ausgebracht, in welches alle An- wesenden mit dem größten Enthusiasmus einstimmten.

S E

Production, Einfuhr und Besteuerung des Eisens in Frankreich.

O Paris, im Oktober. Der Tarif, der unsere Metall: Produkte gegen die fremde Konkurrenz beschüßt, betheiligt zu viele und zu verschiedene Juteressen, um nicht der Gegenftand häufiger Diskussionen zu werden, welche jeßt, bei Gelegenheic der \hweben- den Verhandlungen mit Belgien, nur um so lebendiger geworden sind, Der A>erbau beklagt sih Úber die Theuerung, welche, in Folge dieses Tarifs, die A>erbau - Gerârbe treffe. Die Manu- faftur-Jndustrie behauptet, daß der Preis des Gußeisens und des Eisens durch jenen Tarif erhöhc und, auf die Fabrications- Kosten zurü>wirkend, unsere Fabrikate auf auswärtigen Märkten, ge: genöber den gleichartigen Fabrikacen anderer Länder, in eine un- günstige Lage verseße. Der Seehandel betrachtet den Einfuhrzoll auf das Eisen als eine der nächsten Ursachen, daß unser Schiffbau so theuer zu stehen kommt, und erkiärt, daß dieser Zoll wegen der höheren Fracht unserer Schiffe auf unseren auswärtigen Handel restriktis zurü>wirkt, während er zu gleicher Zeit unseren Ladungen eine große Quantität von Waaren, die wir mit Vortheil gegen die Produkte unseres Bodens und unserer Fabriken austauschen fönnten, benimmt. Drei große Jnteressen vereinigen sich demnach, um eine Verminderung des Eisenzolls zu verlangen; doch keine jener Betrachtungen, die sie geltend machen, bleibt unbeantwortet.

Alle Jndustriezweige in Frankreich, antworten zuerst die Bergwerksbesizer, haben ein Jnteresse, das bestehende Schuß- System zu erhalten; was also das Prinzip anbelangt, darf feiner von ihnen sih úber die Aufmunterung, welche der Schuß : Tarif verleiht, beklagen. Die Metall-Produfkte sind nicht mehr geschüßt, als die meisten übrigen Jndustriezweige. Denn die einen sind durch Schußzólle, die anderen dur<h Verbot gesichert. Jm Jn- nern des Landes wird der erhöhte Preis des Eisens vom land: bautreibenden Konsumenten pr. es ist dies ein Opfer, wozu er sich im Jnteresse der National-Arbeit verstehen muß. Bei

der Ausfuhr erhalten die vorzüglichsten Produkte unserer Fabriken ihre Rü>zdlle, so daß sie jederzeit im Stande sind, durch Ver- minderung des Preiscs mit gleichartigen fremden Waaren im Jnland zu konkurriren. Was den Seehandel betrifft, so lebt er ja selbst unter dem Schirme von Schußgeseßen, die ihm den Ge- brauch seiner Schiffe sichern, das Handels- Monopol mit den Kolonieen geben, eine privilegirte Aufnahme in der Hauptstadt verleihen und ihn sogar durch besondere Prämien zu einigen Unternehmungen, wie den großen Fischereien, ermuntern. Es ist also gerecht, daß er die Lasten eines Systems, von dem er seinen Nuben zieht, mittrage. Dies sind beiläufig die vorzüglichsten Gründe, die zu verschiedenen Zeiten in dieser Frage dafür und da- gegen vorgebracht worden sind.

Nichtsdestoweniger haben die Jnteressen der Production und der internationalen Verhältnisse, die ebenfalls unter einem zu exflusiven Tarif leiden, so wie der Wunsch, o viel als môg- lih die widerstrebenden Forderungen der Jnteressenten mit der Nothwendigkeit, darüber zu wachen, daß die großen Jndustrie- zweige durch übertriebenen Schuß nicht stationair bleiben, in Ein- flang zu bringen, mehrmals schon die Regierung bewogen, zu un- tersuchen, welche Aenderungen der Tarif des Eisens zulassen dürfte.

Zu B Ende wurde die Untersuchung von 1828 angeord- net. Der Zoll war damals folgendermaßen festgeseßt: ;

Rohes Gußeisen 9 Fr. pro 100 Kilogr. Zin Ee gehäâmmertes Eisen 45 s : 100 «

m Steinkohlenfeuer gehämmertes Eisen 25 - : 10 -

Der Mittelpreis des Französischen Gußeisens war 18 Fr. 64 Cent. und das Englische Gußeisen von nämlicher Natur fostete auf unseren Märkten nur 13 Fr. 75 Cent. pro „S Se also war das Französische Gußeisen um 4 Fr. 89 Ten. Ce aber dafur betrug der Einfuhrzoll des Englischen Gußeile sens, so Eben so war der Mittelpreis des Franzosen remer? m wohl im Holz-, als im Steinkohlenfeuer geh '