1842 / 293 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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ein Abkommen zwischen beiden Mächten getroffen werden, bis dahin aber S dieselbe als ihr ausschließliches Eigenthum be- trachten solle, der Zeitraum, auf welchen das damalige, später um ein Jahrzehend verlängerte Abkommen getroffen ward, is seitdem längst abgelaufen, der jeßige Vertrag schweigt aber ganz über diese Angelegenheit, bei welcher mithin Alles in der seit fast 30 Jahren bestehenden Lage bleibt. Dieser jeßt wohlbefestigte Zustand ist aber der Art, daß unsere fúr den in jenen Gegenden so wichtigen Pelz- handel gegründete Hudsons-Bai-Compagnie im Besiße aller dor- tigen Niederlassungen, Forts und Blockhäuser, mithin also auch des Handels und der Schifffahrt daselbst bleibe, Mit der Rus: sish-Amerikanischen Compagnie hat sie úber diese Gegenstände be- reits vor ein paar Jahren ein beiden Theilen vortheilhaftes, mit- hin dauerndes Abkommen geschlossen. Wir glauben demnach, daß uns hierdurch der Besiß jener Küskfe noch auf lange hin gesi- chert ist, so wie das sich an denselben Knüpfende. Niemals war aber jene Küste wichtiger für uns als gerade jeßt, wo unse.e Flotten und Heere in Nord-China eindringen, und der Krieg mag enden wie er will, jene bisher hermetisch verschlossene, dicht be- völkerte reiche Küste Osk-Asiens, unserem Handel wie der Schiff- fahrt aus den nahen Häfen des nordwestlichen Amerika?s, so wie aus unseren stets blühenderen Australischen Kolonieen eröffnen werden. Die sich also bietende Aussicht für den Absaß unserer Manufakturen wie für die Frachtfahrt zwischen allen Welttheilen ist eine unendliche und wird bei der Unthätigkeit der West -Ame- rifaner Spanischer Abstammung und der sparsamen Bevölkerung des Russischen Ost-Asiens, auf lange hinaus unser ungefährdetes Eigenthum bleiben. L Die von der Opposition und insbesondere von Herrn Dun- combe, unseren Landwirthen und Viehzüchtern, aus der Herab- sebung der Einfuhr-Zölle auf lebendige Waare geweissagten Nach- theile, scheinen sich keinesweges zu verwirklichen. Längs unserer ganzen Ostküste hat seit ein paar Monaten beträchtliche Ein- fuhr von Schlachtvieh wie von Pferden, aus der Elbe, Weser, und den Niederländischen Gewässern stattgefunden, und die Marktpreise des Fleisches, zum Besten der minder vermögenden Klassen, herabgedrückt. Michtsdestoweniger hat man aber auf den während der leßten drei Wochen gehaltenen großen Pferde- und Viehmärkten Großbritaniens in Brough Hill, Penrith, Bampton und Egremont, und in Jrland in Ardee, Wexford, Gorry, Holy Croß und Abbeyfeale solche Preise für Schlachtvieh und Pferde bezahlt, daß deren Züchter dabei einen ausreichenden und ermun: ternden Gewinnst machen. Dennoch kann man im Ganzen ge- nommen sagen, daß die Preise des Schlachtviehs, mit Ausnahme sehr fetter Ochsen, um ein Fünftel gefallen sind, aber immer noch höher stehen als vor 20 Jahren.

Nieverlande.

Aus dem Haag, 17. Oft, Der König hat heute die Session der Generalstaaten durch nachstehende Rede eröffnet:

„Edelmödgende Herren! Bei der Eröffnung der gegenwärti: gen Session ist es ein Bedürfniß Meines Herzens, zuerst des Ehebündnisses zu gedenken, das kürzlich zwischen Meiner geliebten einzigen Tochter und dem Erbgroßherzoge von Sachsen - Weimar- Eisenach eingegangen worden. Jch habe alle Gründe, das Ver- trauen zu hegen, daß diese Vereinigung unter dem Segen Gottes zur Beförderung des Glückes Meines theuren Kindes ge- reichen werde. Unsere und auch Jhre theilnehmende Wünsche, edelmögende Herren, werden sie und ihren Gemahl begleiten, wie auch sie niemals das Vaterland vergessen wird, mit welchem sie, mit welchem Mein ganzes Haus so innig verbunden ist.

„Bei dem ferneren Besuche verschiedener Theile des Landes habe Jch aufs neue mit ausgezeichneter Freude die úberzeugend- sten Beweise von Anhänglichkeit und Liebe empfangen. Es ist un- gemein erhebend für Mich, auch auf diese Weise zu erfahren, daß es Meinen geliebten Unterthanen bewußt ist, in welchem hohen Maße Meine Theilnahme und Liebe ihnen angehört. i

„Die Verhältnisse zwischen Niederland und den fremden Mäch- ten geben sich durch ein freundschaftliches Vernehmen und wohl- wollende Theilnahme kund. Die Unterhandlungen mit Belgien zur vollständigen Ausführung des Londoner Vertrags werden wit dem Ernst und dem Jnteresse fortgeseßt, welche die Wichtigkeit der Sache erheischt, Es gereicht Mir zur Genugthuung, Ew. Edelmögenden versichern zu können, daß die beiderseitigen Bevoll: mächtigten in den leßten Tagen über die Grundlagen eines Ar- rangements übereingekommen, welches alle damit in Verbindung stehende Differenzpunkte umfaßt. Jch hege demnach das Ver- trauen, daß der Vertrag binnen wenigen Tagen abgeschlossen werden wird,

„Die Seemacht des Reiches ist in so genügendem Zustande, wie die zugeskandenen Mittel dies gestatteten. Die Zeughäuser bedürfen jedoch neuer Anschaffungen, mit denen man sich beschäf- tigt, Nach Verhältniß der Umstände werden fortwährend die geeignetsten Mittel angewandt, um die Vertheidigung des Landes in guten Stand zu bringen. Der gute Wille und der Eifer der Mannschaften, wie der Öffiziere, hat eine fernere Abkürzung der Uebungszeit der Milizen verskattet. Die mit Revision der Geseße Uber die Miliz und die Schuttereien beschäftigte Spezial:-Kommis- sion ist dabei auf viele Schwierigkeiten gestoßen, so daß nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, ob die neuen Geseß - Entwürfe noch in dieser Session werden zur Berathung kommen können.

„Ordnung und Regelmäßigkeit werden fortwährend in der in- neren Berwaltung angetrosfen, Die Polizei läßt jedoch in meh- reren Landestheilen Einiges zu wünschen úbrig. Es werden Maß- regeln angeordnet, um dem auf genügende Weise abzuhelfen.

Der Elementar-Unterricht liefert unter dem Regime der jüngst ergangenen Verordnungen befriedigende Resultate. Auch die ian Zweige des bffentlichen Unterrichts werden von Mir gleich: Ansehen, E Soi: Le ist Gieund vorhanden, sich über das

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thätigfeits-Gesellschaft den ri aaifa ta t M M v ra mungen vorzulegen, als der Stand dieser Sache erheischt. Das

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einige Steuern gewesen, die in Folge dessen nicht so vielen Ertrag gen als veranschlagt war. Die hierdurch entstandene geringe ifferenz wird jedoch durch andere Einnahme-Quellen gedeckt. Die

Hoffnung, daß der im Jahre 1841 in den Kolonial-Einkünften entstandene Ausfall in diesem Jahre gutgemacht werden würde, hat sh nicht verwirklicht. Der fortwährend flaue Markt für Kolo- nial-Produkte hat einen neuen und sehr ansehnlichen Ausfall gelie- fert. Dieses Resultat als Grundlage nehmend, müssen die Beiträge der Kolonieen für den nächsten zweijährigen Zeitraum nothwen: dig mit einer niedrigeren Ziffer unter den Staats-Einnahmen auf- gebracht werden. Obschon nun auch das vorzulegende Ausgaben- Budget für 1844 und 1845 in seinem Resultate unverkennbare Beweise von ernstlichem Streben nah Vereinfachung und Er- sparnissen liefern und demgemäß eine nicht unbedeutende Verminde- rung seiner Totalsumme aufweisen wird, wird es doch nichtsdestoweni- ger nothwendig seyn, den Betrag der ordentlichen Einnahmen einigermaßen zu erhöhen. Eine Erhöhung der Erbschafts - und Stempel - Abgabe wird zu diesem Zwecke für am meisten geeignet und am wenigsten drúckend erachtet, Mein Wunsch jedoch, in anderen Steuern eine Erleichterung herbeizuführen, wird, wie Jch hoffe, erfüllt werden, wenn auch die Umstände nicht gestatten, dies in dem Maße zu thun, wie Jch es gewünscht,

„Die Zusammenstellung eines neuen Tarifs der Ein-, Aus- und Durchfuhr- Zölle ist so weit gefördert, daß darüber ehestens die Gutachten der Handels- und Fabrifen- Kammern, so wie der Ackerbau-Kommissionen, können eingeholt werden.

. nDie Rechnungen úber die Staats-Einuahmen und Ausgaben für 1841 und früher werden Ew. Edelmögenden mitgetheilt wer- den. Daraus wird unter Anderem hervorgehen, daß auf den früheren Rückstand einige Gutschreibungen haben stattfinden kön- nen. Nachdem aus den dazu angewiesenen außerordentlichen Deckungsmitteln die dem Fonds für die Eisenbahn zwischen Am- sterdam und Arnheim schuldige Summe vermittelst einer Ein- schreibung auf das zweite Große Buch abgelóst worden, bleibt der Regierung noch - die Befugniß, ein Kapital von sechs Millionen zu Gelde zu machen, wozu in Verbindung mit den Bedürfnissen des Schaßes geschritten werden wird, ohne daß der Termin bereits mit Genauigkeit bezeichnet werden kann.

„Mit der zugesagten Revision der Pensionen und Wartegelder ist ein Anfang gemacht worden in Uebereinstimmung mit den durch eine besondere Kommission an die Hand gegebenen Prinzipien.

„Edelmögende Herren! Nichts wird Mir mehr zu Herzen gehen, als der Wunsch, auch in der gegenwärtigen Session eine aufrichtige gemeinschaftliche Erwägung zu befördern. Jch rechne dabei auf die Mitwirkung Aller, innerhalb der Sphäre, die Jedem durch das Grundgeseß vorgezeichnet is, und Jch hoffe Meinerseits

getreulih die hohen Pflichten zu erfüllen, welche die Vorsehung Mir auferlegt hat.

„Wo Fürst und Volk ernstlich und einträchtig das Gute su- chen, da darf der Segen des Allerhöchsten wit Vertrauen erwar: tet werden.“

Belgien.

X7 Brüssel, 16. Oft. Seit der Ankunft des Königs Leo- pold in Paris, sind die Französischen wie Belgischen Blätter mit

Armenwesen nimmt Meine Aufmerksamkeit besonders in Ansve Man hâlt sich mit der Feststellung von Maßregeln beschäfeioe, zt besser als die bisher bestehenden eas Zweck entsprechen, ; „Jn unseren überseeischen Besißungen herrscht eine eroûnschte Ruhe. Landbau und Gewerbfleiß entwickeln sh in Niederlän- dish-Jndien fortwährend, obgleich die Hülfsmittel dazu durch den

estórten Kredit einigermaßen benachtheiligt worden, Der innere Zustand der Westindischen Kolonieen , deren Wohlfahrt aus ver- sens Ursachen gehindert wird, ist Gegenstand ernstlicher Er- wáägungen.

„n der Vollendung des Strafgeseßbuches, so wie an der fort- währenden Verbesserung der verschiedenen Zweige der Geseßgebung wird mit Eifer gearbeitete, Das zweite Buch des Strafrechts- Kodex wird noch in dieser Session vorgelegt.

„Der geringere Flor, der in einigen Zweigen des Handels und

Nachrichten und Diskussionen úber die abermals zwischen Frank- reich und Belgien angeknüpften Handels- Negociationen angefüllt, Daß sich die meisten Journale für eine wirkliche Handels-Vereini- gung aussprechen, und nur die mehr oder weniger den Privat-Jn- teressen fröhnenden Blätter sich dagegen erklären, wäre hinreichend, wenn es dessen noch bedürfte, um über den Gesichtspunkt aufzu- flâren, aus welchem das Projekt in Frankreich aufgefaßt wird. Freilich ist der politische Gesichtspunkt wohl zu beherzigen, und wie er in Frankreich vorwalcet, so tritt er bisweilen in Deutschland, wie es uns scheint, zu sehr in den Hintergrund. Es darf das politische Element aber heute um so weniger aus dem Auge gelassen werden, als jeßt Úberhaupt Alles im gesellschaftlichen Leben der Völker inniger verschlungen is, tiefer in einander greift und sich gegenseitig einflußreicher bedingt, und dadur die Rúck- wirkung der Handels-Verhältnisse auf die politischen Zustände immer mächtiger und nachhaltiger wird. Die Zeit der Eroberun- gen durch Waffengewalt ist unter den civilisirten Völkern, im Allgemeinen, gewiß vorüber, Dafür beginnt aber in- stinktmäßig ein neuer friedlicher Kampf um Ausdehnung eines anderen hochwichtigen Lebensgebietes, desjenigen, worin sich „tausend fleißige Hände regen“ und alle geistigen und physi- chen Kräfte nah ihren äußeren Resultaten konzentriren. Die Rivalität, welche in dieser Hinsicht unter den Staaten eintritt, ist durch die Geseße des Fortschrittes geboten und selbst eine Bedin- gung späterer Ausgleichung. Aus diesem Grunde werden denn diejenigen Staaten, welche sih am fklarsten die internationale Wichtigkeit des kommerziellen Elements zum Bewußtseyn bringen und ihr Handeln darnach wesentlich mitbestimmen, sich auch in- nerlich mehr kräftigen, indem sie sich äußerlich Anhalt, Stärke und Einfluß verschaffen. Bei Belgien handelt es sich jeßt darum, ob es in die Sphâre des Französischen oder Deutschen Einflusses treten soll. Man könnte freilich von vorn herein diese Alternative verneinen und behaupten, daß Belgien neutral bleiben solle, wozu es durch die Traktate, welche ihm seine Europäische Stellung gegeben, angewie- sen ist, Ohne dieser Ansicht geradezu zu widersprechen, erlauben wir uns nur zu bemerken, daß die Thatsachen, wie sie durch die Macht des sich allseitig entwickelnden Lebens hervorgerufen werden, nicht wohl damit in Uebereinstimmung zu bringen sind. So wie sich im Kriege eîne politische Neutralität schwer behaupten läßt, so is auch in dem jeßigen industriellen Kampfe der Völker eine neutrale Stellung auf die Dauer schwerlich haltbar. Ueberall findet sich das Geseß der Attraction und Assimilation ; auch der Handel befolgt diese Geseße, und um so unwiderstehlicher, sobald die Hindernisse weg- geräumt, Richtungen eingeleitet, Bahnengedösfnet werden, Nach Will: kur lassen sich freilich diese Bahnen nicht bestimmen, allein, wenn der Handel sie si selbst schon gedffnet hat oder doch eine Tendenz dahin âußert, so können durch die staatsókonomische Klugheit diese Bahnen erweitert und dadurch selbst späterhin der Schwerpunkt der kommerziellen Gravitation verändert werden. Belgien wird jeßt durch die Größe seines Handels-Jnteresses nach Frankreich gezogen, allein durch einen angemessenen Vertrag mit Deutschland könnte allmälig, zum wenigsten ein Gleichgewicht hergestellt wer- den, um \o mehr, als Belgien seit längerer Zeit eine unver- kfennbare Sympathie für Deutschland zu erkennen gegeben, und es Zem die Rüeksichten auf seine politische, durch einen Han- dels-Anschluß an Frankreich mehr oder weniger gefährdete Unab- hängigkeit bei Abwägung der Vortheile in Anschlag gebracht ha- Bei den jeßt in Paris angeknüpften Handels-Negociationen

hat freilih das Belgische Kabinet auch die Europâische Stellung 7 Landes und die daraus entspringenden Pflichten zu beherzigen. i r glauben auch, daß es dieselben nicht verkennt und daher Al: es, was die Französischen Journale von einer Zoll - Vereinigung

der Jndustrie wahrgenommen wird, ist nicht ohne Einfluß auf

vorbringen, zur Zeit wenigstens, grundlos is. Was indessen die Entwickelung der Verhältnisse in der Zukunft zu Stande bringen

fann, wenn eine einseitige Richtung verfolgt werden sollte, lassen wir dahingestellt seyn. Die Gefahren, die für Belgien aus einem zu nahen Anschlusse an Frankreich entspringen, liegen jedoch am Tage. Es liegt einmal im Französischen Volks-Charak- ter, die Gränzen des Rechts nach dem Einflusse der Macht zu bestimmen. Sollten daher auch in einem ersten Vertrage die Souverainetäts : Rechte Belgiens im Zollwesen aufrecht erhalten werden, \\ würden sich doch bald, wenn man einmal Bel- gien fommerziell an sich gefesselt fühlte, andere Ansprüche geltend machen, die freilich, wenn auch niht dem Na- men nah, zu einer Absorbirung führen würden. Für jest handelt es sih jedoch nur um einen Handels : Vertrag, welcher besonders der Belgischen Eisen-Fabrication, den Tuchwaa- ren u. st. w. einen größeren Absaß in Frankreich verschafft. Daß die Handels - Negociationen ernstlich wieder aufgenommen werden sollten, habe ih Jhnen schon vor länger als einem Monate ge- meldet. Bekannte Umstände haben die Zeit der Wiederaufnahme derselben beschleunigt und ihnen noch einen größeren Nachdruck gegeben. Allein, obgleich man sich mit einem baldigen Abschlusse dieser Verhandlungen schmeichelt, so haben wir doch wenig Ver- trauen in ein befriedigendes Resultat, da die Hindernisse in Frank- reich zu groß sind. Der Königliche Einfluß, s0 mächtig er ist, wo es sich um allgemein politische Fragen handelt, dürfte da, wo die positiven industriellen Jnteressen des Landes sich bedroht sehen, einen schwer zu besiegenden Widerstand finden. Wir werden nicht unterlassen, den Verlauf dieser mit großen Schwierigkeiten ver- fnüúpften Verhandlungen näher zu verfolgen.

In 8 Tagen werden zum erstenmale die Gemeinde-Behörden zur Hälfte nah dem neuen Geseße, welches die größeren Städte in mehrere Wahl - Sectionen cinebelié, stattfinden. Man erinnert sich noch der heftigen Opposition, welche von liberaler Seite gegen dieses Geseß gemacht wurde. Die Uebelstände, die man bezeichnete, sind jedoch zum großen Theil dadurch vermieden worden, daß das Ministerium, im Einverständniß mit den Stadt-Behörden, anstatt auf die geseßlich erlaubte Zahl von 8 Sectionen herabzugehen, nur 3—4 Sectionen angeordnet hat. Man ist jedoch von libe- e wie katholischer Seite sehr auf den Ausgang dieser Wahlen

espannt.

s Von skaatsrechtlichem Junteresse ist es vielleicht, zu bemerken, daß seit der Revolution das Königliche Veto zum erskenmale bei dem von den beiden Kammern angenommenen Geseß- Vorschlage ausgeubt worden, wodurch die Weinhändler eine theilweise Ent- schädigung für die Verluste erhalten sollten, welche sie durch die Tarifs - Erniedrigung der Franzöfischen Weine erfahren hatten, Es wäre allerdings eine solche Entschädigung, deren Gerechtigkeit wir hier nicht untersuchen wollen, ein Präzedent gewesen, welches für die Zukunft bei späteren Traktaten oder Zoll -Veränderungen mannigfache Verwickelungen hätte herbeiführen können,

Deutsche Bundesstaaten.

Müncheu, 16. Oft, Schon gestern wimmelten die Straßen unserer Stade von Landleuten, die von nah und fern hierher fa- men, um sich heute beim Oktoberfest einzufinden. Während des 32 jährigen Bestehens dieses Festes wurde dasselbe dreimal mit außergewöhnlichem Glanze gefeiert, wobei immer erfreuliche Ereig- nisse in der Königlichen Familie den Jubel des Volkes zur Begei- serung hoben, nämlich im Jahre 1810 bei der Vermählung un- seres Königs, wo das Fest ins Leben trat, dann im Jahr 1835 bei der silbernen Hochzeit des verehrten Monarchen und endlich heute bei der Vermählungs-Feier des geliebten Thronerben. Der Glanzpunkt des Festes war auch heute wieder die Ankunft der Höchsten Herrschaften auf der Wiese. Se. Majeskät der König mit Jhrer Königl. Hoheit der Kronprinzessin und Sr. Königl. Hoheit dem Kronprinzen fuhren im ersten, Zhre Majestät die Königin mit Jhren Königl, Hoheiten dem Prinzen und der Prin- zessin Wilhelm im zweiten Wagen, vor und hinter den Wagen ritt die Landwehr- Kavallerie. Der Jubel des Volks war ungeheuer. Vor allem fesklih und eigenthümlich war der Zug der Brautpaare aus den Provinzen, in die Landestracht ihrer Gaue gekleidet, Ein Zug von mehreren hundert Personen, der das allgemeine Interesse in Anspruch nahm. Schon am Morgen, wo sich dieser Zug zur Trauung bewegte, war das Gewoge der Menge in den Straßen unabsehbar. Zu diesem Zuge gehörten nun auch die Aufzúge der Bergknappen mit ihren Steigern und das Corps der Gebirgs- schüßen, diese Repräsentanten der Kraft und Stärke Bayerischen Hochlandes, dann die sînnig geshmückten Feskwagen, unter denen sich die aus dem reichen Nieder-:Bayern am stattlichsten ausnah- men, Nach den landwirthschaftlichen Vorgängen und dem Wett- rennen von 39 Pferden verließen die Höchsten Herrschaften (um 4 Uhr) die Wiese, i i

Im Hoftheater wohnte gestern Abend ein zahlreiches Publi: fum der Wiederholung des Festspieles und der Oper „das Nacht: lager von Granada“ bei, und wieder ein anderes, dem hoffähigen Kreise angehöriges Publikum war in dem neuen Festsaalbaue der Königlichen Residenz versammelt, wo zugleich ein großer Hofball stattfand, der an Glanz wohl alle seitherigen übertraf. Se. Ma- jestát der König erdffnete den Ball mit einer Polonaise an der Hand Zhrer Königl. Hoheit der Prinzessin Wilhelm von Preu- ßenz hieran schlossen sich Jhre Majestät die Königin, geführt von Sr. Königl. Hoheit dem Prinzen Wilhelm von Preußen, sodann die beiden hohen Neuvermählten und übrigen Höchsten und Hohen Herrschaften, Die Versammlung bei diesem Hofballe war eine außergewroöhnlich prunk- und zahlreiche, da nicht nur der hof- fähige Adel aus der Provinz, sondern auch alle fremden Offiziere geladen waren.

A Leivzig, 20. Oft. Am 16ten d. hielt der „Verein zur Dee Ge ias guter und wohlfeiler Volks\chrif- ten“ seine General : Versammlung in der hiesigen Buchhändler- Börse. Dieser Verein entstand im Jahre 1840, sein hauptsäch: lichskter Begründer war der Kirchen- und Schulrath Dr, D öhner in Zwickau. Der Verein, dessen Hauptsib vor der Hand Zwickau ist, hat sich hon in mehr als 200 Zweig-Vereinen über das Kd- nigreich Sachsen und mehrere der benachbarten Herzoglich Säch- sischen Länder ausgebreitet und zählt gegenwärtig nahe an 7000 Mitglieder. Da die meisten Zweig - Vereine mehrere Ortschaften umfassen, so kann man rechnen, daß die von dem Vereine ausge- gebenen Volksschriften ihre Verbreitung in mindestens 1000 Ort-

aften finden. j 9 Bre Art und den Geist der Volksschriften zu charak- terisiren, welche der Verein verbreitet, bemerke ich, daß in dem er- sten Rechnungsjahre auf Kosten des Vereins gedruckt wurden : 6000 Exemplare „Vater Richard“, 5000 Exemplare „Meister Feldmann's Leben'‘‘, 5000 „Nikodemus“, 6000 „Thierfreunde“; angekauft wur- den 2000 Expl. „Wie Gertrud ihre Kinder lehrt“, 700 „Die Ge- schichte der evangelischen HOUM er“, 700 „Der Schaßgräber“, Geschenkt erhielt der Verein 4 vrpl, „Schwabe: Erfindung der Buchdruckerkunst“, Neuerdings sind noch andere dazu gekommen,

namentlich eine Schrift gegen das Branntweintrinken,

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o S R G R E R L G e kind

Während der Messe fand hier wieder die alle zwei Jahre re- gelmäßig sich wiederholende Jndustrie- Ausstellung der Leiphiger polytechuischen Gesellschaft in der Buchhändler-Börse skatt. Diese Ausstellung will und darf nicht als eine Repräsentation der ge- sammten Sächsischen Jndustrie betrachtet werden. Dafür ist viel- mehr die große Gewerbe-Ausskellung in Dresden da, welche, ver- bunden mit der Kunst-Ausstellung, ebenfalls alle zwei Jahre statt- findet, Vielmehr hat die hiesige den Zwe, den verschiedenen Ge- werben, und hauptsächlich den lokalen, Gelegenheit zu geben, ihre Fortschritte öffentlich zu bekunden und ihre Erzeugnisse besonders auch den anwesenden Meßfremden bekannt zu machen. Dabei schließt sie jedoch keinesweges jenen anderen Zweck aus, die vater: ländische Jndustrie im Allgemeinen in ihren Haupt - Erzeugnissen darzustellen; ja sie nimmt auch Artikel aus den verwandten Her- zoglichen Ländern auf. Die Gesammtzahl der eingelieferten Ge- genstände ist im Katalog auf 1126 angegeben. Auf Einzelnes kann ih hier nicht eingehen; nur bemerke ich, daß sich unter den ausgestellten Gegenständen auch Proben von Sächsischen Seiden- zeugen befinden, deren Stoff ebenfalls in Sachsen selbst gewon- nen ist, und die an Gte den besten Französischen Stoffen nicht nachstehen. j

Auch in Chemnis hat der dortige Handwerker: Verein in diesem Sommer zum erstenmale eine Ausstellung gerer Er- zeugnisse veranstaltet. Auch sie ist mehr auf die zünftigen und un- zunftigen Gewerbe, und zwar namentlich des Erzgebirges, als auf die größere Fabrik-Jndustrie berechnet. Diesem Zweck entspre- chend, befanden sich unter den 600 Nummern, welche von 165 Einsendern zur Ausstellung gebracht worden waren, nur etwa 30 von Fabrikantenz die übrigen gehörten den eigentlichen Gewerben an. Eine vollständige Repräsentation der gewerblichen Erzeugnisse des Erzgebirges ward freilich bei diesem ersken Versuche noch nicht erzielt, doch zeigte sich immer schon große Theilnahme, sowohl von Seiten der Gewerbtreibenden als auch des Publikums. Bei der zur Aufmunterung der Einsender angestellten Verloosung wurden 4000 Loose zu 100 Rthlr. abgesezt. Der Ueberschuß aus den Eintrittsgeldern , einige hundert Thaler, kam der Sonntagsschule zu gute.

oj Altenburg, 18, Oft. Die nächste Zusammenkunft der Deutschen Land- und Forstwirthe wird nah dem in Stuttgart gefaßten Beschlusse hier in Altenburg gehalten werden. Und wenn auch unserer Stadt und Umgegend schwerlich eine Fülle staats-, land- und forstwirthschaftlicher Jntelligenz zugeschrieben werden mag, \o kann doch auch der damit ausgestattete Fremde in unserem Ländchen mancherlei Jnteressantes und Anregendes vorfinden, wle es sonsk nicht gerade häufig wieder so vereinigt vorkommen dürfte. Umfassende Kenntnisse aber und geübte Beob- achtungsgabe bringen dann hoffentlih unsere Gâste mit, und so werden billige Anforderungen wohl auch bei uns nicht ganz un- befriedigt bleiben. An Mitteln aber, von allen Seiten her {nell zu uns zu kommen, fehlt es seit der Eröffnung der Eisenbahn- str ecke von Leipzig nach Altenburg und seit der damit verbundenen wesentlichen Vermehrung der Posten nach Dns, Zwickau, Gera und Zeiß keinesweges, und wir gewöhnen uns bereits im- mer mehr an den dadurch bewirkten großen Menschenzufluß, Uber den wir uns allerdings noch bisweilen wundern, \o sehr er fich auch nach allen bisherigen Erfahrungen erwarten ließ.

Man klagt jeßt auch hier über die dermalige Höhe der neuer- dings vermehrten Kommunal - Abgaben. Allein diese sind schwerlich höher als in anderen Städten gleichen Ranges; und wer bedenkt, was in neuerer Zeit von dem städtischen Vemein- wesen Alles geleistet worden ist und noch immer geleistet wird, iy sich gewiß mit den hierzu nöthigen Opfern einverstanden er-

ren,

Hamburg, 19, Okt, (A. Z.) Am vorigen Sonnabend machte das dritte neuerbaute Dampfschiff der Hanseatischen Dampf- schifffahrts-Gesellschaft „Leeds“, Capitain Motole, eine Probefahrt auf der Elbe zur großen Zufriedenheit aller Sachverständigen und einer zahlreichen, dazu von der Direction eingeladenen Gesellschaft. Das Schiff ist von dem Hamburger Schiffsbaumeister J. Marbs ganz aus Eichenholz gebaut, und hat zwei Maschinen von größ- ter Vollkommenheit aus der wohlbekannten Fabrik der Herren Fawcett, Preskon und Comp. in Liverpool. -Die Länge des Schiffes beträgt 180 Fuß, und es kann ungefähr 20,000 Kubik: fuß laden, mit welcher Ladung es nur 12 Fuß tief geht, Es vereinigt an Schnelligkeit, so wie an Bequemlichkeit für Passagiere, Alles, was die Fortschritte der neueren Zeit möglich gemacht haben, und läßt zum mindesten dieselben glänzenden Leistungen erwarten, wie die früheren Schiffe dieser Gesellschaft, „Hamburg“ und „Manchester““, seit längerer Zeit darbieten, Erfreulich is es, hin- zufügen zu können, daß der „Leeds“ in einem Augenblicke in die Fahrt tritt, wo sich dem patriotischen Unternehmen der Hansea- tischen Dampsfschifffahrts-Gesellschaft neue günstige Aussichten er- ósfnen, herbeigeführt durch das bereits offiziell angezeigte Ausschei- den des besten der bisher zwischen Hull und Hamburg fahrenden Englischen Dampfschiffe, des der St. George Steam Paket Comp. gehörenden „Tiger“, Es skeht demnach zu hoffen, daß nun die bisherige nußlose und gehässige Opposition bald ihr Ende erreicht haben wird.

Auf Anordnung Sr. Durchlaucht des Fürsten von Metter- nich ist von dem hiesigen Oesterreichischen Gesandten, Herrn von Kaisersfeld, der öffentlichen Unterstüßungs-Behörde eine aberma- lige Beihülfe von 25,999 Fl, 45 Kr. C. M, aus ferneren Samm- lungen für die Verunglückten Hamburgs aus verschiedenen. Pro- vinzen der Oesterreichischen Monarchie, namentlih auch aus den JZtalienischen Provinzen und aus Siebenbürgen, zugestellt worden.

Ostindien.

; Hyderabad, 22, Aug. (Times.) Nachdem der Prinz Sóöfter Dschông, einer der Söhne Schach Sudscha's, ein Leben voller Entbehrungen mit den [eptlaen Afghanen-Häuptlingen ge- führt, entschloß er sich, ‘es mit der Großmuth der Briten zu ver- suchen, und ergab sich am 18. Juni dem General Nott und dem Major Rawlinson in Kandahar. Der genannte Major kam ihm vor dem Thor entgegen, umarmte ihn nach morgenländischer Sitte und versicherte ihn des Englischen Schußes. Er ist jeßt Staats- Gefangener, und seine Ergebung hat allen Hoffnungen der Rebel: len auf dieser Seite ein Ende gemacht.

Einige wollen wissen, die Seik- Regierung habe eingewilligt, das Dschellalabad- Thal anzunehmen und der Ostindischen Com- pagnie dafur Multan oder Kaschmir zu geben, Multan würde an und für sich werthvoll seyn, aber eine Provinz, von welcher uns das Pendschab trennte, würden wir doch kaum annehmen, und andererseits könnten die Seiks Dschellalabad nur mit unge- heuren Kosten und unter beständigen Kämpfen gegen die Häupt- linge von Kabul behaupten, Daß Schir Sing und seine Mini- ster sich von der Seik-Armee trennen dürften, wenn die Englän- der auf Stellung eines Hülfsheeres bestehen, ist nicht sehr wahr- \cheinlich, Schir Sing würde von seinen Truppen mit fortgerissen

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werden, und so müßte England an die ganze Seif-Regierung den Krieg erklären, und die Jnvasion des Pendschab würde die Folge seyn. Nicht, daß die Seik- Regierung Jeoenoares den Krieg wünschte, aber die Seik-Armee wünscht ihn wünscht ihn seit Jahren, Es is eine eitle und überwüthige Soldateska, die nichts sehnlicher verlangt , als eine Gelegenheit, die Feringhis (Franken) zu dreschen, wozu sie sich in ihrem Dünkel stark genug wähnt. Wenn wir indeß mit dem Pendschab Krieg anfangen, \o ist nur zu wünschen, daß wir einen ehrlichen Anlaß, einen bestimmten Grund dazu haben mögen, nicht blos ein allgemeines Prinzip ; denn unser allgemeiner Grundsaß: „Pflicht der Selbsterhaltung

\ in Indien“ hat sich bis jest nur allzuoft auf eine sehr zweideu-

tige politische Moral gestúkt. Vom politischen Standpunkte frei- lich ist uns der De Pendschab ohne allen Zweifel nothwendig : ist einmal der ganze Stromlauf des Indus unser, dann besißen wir nicht nur die herrlichste Gränze, die für Jndien möglich ist, soabern mit unseren Dampfbdôten auf diesem herrlichen Strom können wir auch mehr zur hundertfältigen Ausdehnung unseres Handels thun, als durch das Vorrücken unserer Heere in Regionen erreicht worden ist, die sie niemals hâtten betreten sollen. Zweitausend Kameele fúr Pollocks Armee-Corps sind durch das Pendschab unterweges und werden ihm, nebst zehn Laks Rupien, im nächsten Monat zukommen. Er wird dann im Stande seyn, den Rück- marsch anzutreten, und vereinigt er sh mit dem Reserve-Heer in Lahore, so is das eine prächtige Operation. Ein oder zwei allge- meine Gefechte mit den disziplinirten Truppen der Seiks, und ihre Armee wird gänzlich aufgelöst seyn. Einige wenige feste Pläse, die dann noch von ihnen behauptet werden, lassen sich mit Be- quemlichkeit nehmen. Jm Pendschab giebt es keine Dschungeln, auch keine Berge, die den Seiks Schuß gewähren können, und so wird das ganze Land auf einmal fallen, Hâtte Lord Auckland dem alten Löwen des Pendschab Trobß geboten und eine helfende Hand dem Manne ausgeskreckt, der unter seiner Unterdrückung in Afghanistan litt (Dost Mohammed), dann würde England, anstatt eines wilden Bollwerks wilder Stämme gegen Barbaren-Einbruch, ein fruchtbares und gewinnreiches Land und eine herrliche Strom- L gewonnen haben, welche Englische Kriegskunde uneinnehm- ar gemacht hâtte.

Die Bombay Times hat dem Staat einen guten Dienst dadurch geleistet, daß sie die Korrespondenz von Sir Alex, Burnes ganz verdffentlicht und dabei die verstümmelte Ausgabe derselben im blauen Parlamentsbuch gehörig gewürdigt hat. Eine solche Verstúmmelung von Staats - Dokumenten, um einem Parteizweck zu dienen, desgleichen ein solcher Mißbrauch von Urkunden, um den Ehrgeiz eines Mannes (Macnaghten's) zu befriedigen, ist wohl unerhört, Jn keinem Fall scheint der Emir Dost Moham- med unseren Abgesandten, Sir A. Burnes, mit Kälte oder anders als mit höchster Achtung behandelt zu haben. Selbst die Zulassung des furchtbaren Russischen Abgesandten in Kabul würde auf ein Wort von Burnes unterblieben seyn. Es ist wahr, Dost Mohammed machte kein Geheimniß aus seinen Be- sorgnissen vor den Uebergriffen Rundschid Sing's und vor der Gefahr seines Bündnisses mit Sultan Mohammed Chan in Peschauer, um ihm (Dost Mohammed) noch mehr vom Afghani- schen Gebiet zu rauben. Es is auch wahr, daß er Persien fürch: tete und Englands Einschreiten “zur Verhinderung Persischer Uebergriffe wünschte. Jn jener Hinsicht können wir nur sagen, daß der Stern des Pendschab im Aufskeigen war und damals den schwachen Verstand unserer Jndischen Staats - Künstler ge- blendet hatte, die nicht einsehen wollten, daß Rundschid Sing seine Eroberung von Peschauer schwerlich ohne Britische Hülfe in Feind- schaft gegen Dost Mohammed- behaupten konnte. „Was aber die Verhältnisse zu Persien anbetrift, \6'sehèn wir auf Seite von Lord Aucfland’s Regierung nur beflissene Blindheit und muthwilligen Angriff. Die Brúder Dost Mohammed?’s hatten die Aussendlinge Persiens ofen von Kandahar ausgewiesen, das berichtet Burnes, und doch wird in der angeblich auf dessen Korrespondenz basirten Proclamation Lord Auckland’s aus Simla Dost Mohammed offen beschuldigt, die Persischen Entwürfe in Afghanistan zu Ute zen, als wäre ihm das möglich gewesen, ohne sich beim Afghani- \chen Volk seinen eigenen Sturz zu bereiten. Warum wurden die bezüglichen Stellen in der dem Parlament vorgelegten Korre- spondenz ausgelassen? Jch betrachte jene Akten - Vorlegung im Reichs-Parlament als ein feierliches Possenspiel. Die Britische Nation sollte darauf bestehen, fúr einen Krieg, der ihr Tausende ihrer Unterthanen gekostet und gegen eine Nation geführt wurde, die in ihrer Regierung schuldlos und treu war, bis sie durch die Handlungen Britischer Staatsmänner zu Feindseligkeiten gegen uns getrieben ward, eine bessere Rechtfertigung vorgelegt zu er- halten, als das ganz auf falschen Vorausseßungen beruhende Simla-Manifesk. Und die Urheber verdienen zu strenger Rechen- schaft gezogen zu werden. Noch einmal sey es gesagt: mußte irgendwo ein Hader angefangen werden, \ war im Pendschab Anlaß genug dazu vorhanden; und war erst dieser siegreich durch: gefochten, so würde Afghanistan ruhig genug geblieben seyn. Was Persien anbelangt, so würde, wie man auch damals recht gut wußte, ein Englisches Dampf-Geschwader im Persischen Golf den Schach, selbst bei Russischer Unterstüßung, jederzeit zur Unterwer- fung gebracht haben. Als Burnes fand, daß er die oberste Regie- rung in Kalkutta nicht zur richtigen Ansicht von der Sache brin- gen konnte und daß diese ein- für allemal zu einem falschen Ver- fahren entschlossen war, hätte er seine Stellung aufgeben sollen. Daß er dies nicht that, sondern durch sein Verblei- ben in Kabul, troßdem daß er fortfuhr, privatim gegen den ein- geschlagenen Gang der Regierung zu protestiren, den Schein auf sich lud, als hieße er denselben gut, war ein großer Fehler. Aber die Élügsten Menschen sind nicht untrüglich, Burnes ließ sich durch die Königs - Kreirung des Schach Sudscha verblenden, und ersk als es zu einem ehrenhaften Rúcktritt zu spät war, sah er die Mine , die den Boden unterwühlte, Es sind auch sehr peinliche Gerüchte über seinen Privat-Charakter in Jndien verbreitet, Er soll sich Ausschweifungen erlaubt haben, welche, in Verbindung mit den Liebes-Jntriguen anderer Offiziere, den Ausbruch in Kabul herbeiführen halfen. Schach Sudscha soll sich gegen Lord Auck- land ausdrücklich darüber beflagt haben. :

Das Neueste aus Kalkutta isk, daß der General-Statthalter nah Simla geht, um sich mit Herrn Clark, der dort frank liegt, zu berathen. Es heißt, Schir Sing habe Lord Ellenborough um L gegen seinen Minister Dyan Sing angesprochen. Dieses

iniskers Bruder, Eblan Sing, befehligt die Seik-Armee, die in seinem Jnteresse isk. Man sagt allgemein, die Reserve - Armee werde im November ins Pendschab einrücken. Zur Bestreitung der Kosten sollen einige als überflüssig betrachtete Dienskzweige abgeschafft und die Salarien aller Stabs -: Offiziere und Civil- Beamten mit 5 pCt, besteuert werden,

Inland.

Berlin, 21. Oft. Jm Justiz-Ministerialblatt befin- det sich folgender Allerhöchster Kabinets-Befehl vom 19, Augusk 1842, die Einrichtung und Verwaltung der Patrimonialgerichte betreffend. h

¡¡Fhren Bericht vom 7. Dezember v. J wegen zweckmäßigerer Einridtung und Verwaltung der Patrimonialgerichte habe Jch dem Justiz-Minister von Savigny zugefertigt, um diese Angelegenheit bet der Geseh = Revision in nähere Berathung zu nehmen. Zugleich er- dfne Jch Jhnen, daß Jch nach dem Antrage der Jmmediat - Kom- mission für die fiändischen Angelegenheiten beschlossen habe, die Ent- scheidung darüber: ob die jeiere oder widerruflihe Uebertragung der Verwaltung eines Patrimonialgerichts an ein Sgr es Un- tergericht zu gestatten sey , in jedem einzelnen Falle Mir Selbst vorzubehalten. Fch werde eine solche as „nur aus- nahmsweise, und wenn ganz besonders dringende Gründe dafür sprechen , genehmigen. Die Berichte hierüber sind von Jh- nen gemeinschaftlich mit dem Minisier des Junern zu erstatten. Der Abfassung einer besonderen Fnsiruction Über das Verfahren bei Uebertragungen dieser Art bedarf es hiernach nicht weiter. Den Mitgliedern Königlicher Gerichte ist die Uebernahme der Verwal- tung von Patrimonialgerichten, auch in den Provinzen jenseits der Elbe, zu gestatten, insofern nicht besondere Umstände die Versagung nôthig machen sollten, worüber Jch in jedem einzelnen Falle Jhrem Berichte zu Meiner Entscheidung entgegensehen will.

Sanssouci, den 19, August 1842. B :

Friedrich Wilhelm.

An g den Staats- und Fustiz-Minister Mühler. ‘/

Breslau, 18. Oft. (Schles. Z,) Die auf den 17. Ofto- ber hier festgeseßte General-Versammlung der Actionaire der Nie- der-Schlesischen Eisenbahn-Gesellschaft Ee gestern eine ziem- lich große Anzahl auswärtiger und hiesiger Mitglieder im kleinen Saale der kaufmännischen Börse. Fast alle Städte Nieder- Schlesiens, welche von der Bahn berührt zu werden hof- fen, hatten ihre Vertreter gesandt, mit alleiniger Ausnahme von Liegnißk, Herr Ober - Regierungs - Rath von Hey- den wohnte den Verhandlungen als Königlicher Regierungs-

Kommissarius und Herr Stadtgerichts - Rath Fißau als Kommissarius des hiesigen Stadtgerichts (des ordentlichen

Forums der Gesellschaft) bei und führte Leßterer demnach das Protokoll. Die von der in Berlin erwählten Kommission entwor- fenen Statuten wurden in ihren einzelnen $F. vorgelesen, diskutirt und die nöthig erscheinenden Abänderungen und Zusäße gemacht, Die Festseßung der Bahnrichtung selbsk wurde dem Staate vorbehalten, und heißt es Úber die Bahnrichtung nur, „daß ein neuer Verbindungs- weg zwischen Frankfurt a, d, O. und Breslau einerseits, und zwischen diesen Städten und der Sächsischenund Böhmischen GränzeuberGör- liß andererseits, mit einer Bahn nach Glogau beabsichtigt werde“; wo- bei jedoch außerdem die Städte Guben, Sorau, Sagan, Sprot- tau, Bunzlau, Haynau und Liegniß zu berühren wären. Zur Ausführung dieses Bahn-Systems wurde die runde Summe von Zwölf Millionen Reichsthaler als erforderlich und ausreichend er- achtet. Da die Berathung der Statuten den ganzen Nachmit: tag und Abend erforderte, wurden die Verhandlungen heute früh fortgeseßt und zeigte der Vorsißende der Gesellschaft zunächst an, daß von Seiten Sachsens eine Deputation erschienen sey, welche sich nicht

sowohl von der Lage der Sache unterrichten wolle, als hauptsäch: lich die frâftigste Unterstüßung und Fortführung der Bahn von Seiten des Nachbarstaates zu versichern beauftragt sey, Es wurde diese Deputation allgemein freudigst bewilllommnet. Zu Direk- toren wurden durch Stimmen- Mehrheit für Breslau erwählt: Se. Durchlaucht der Prinz Biron von Kurland, Herr Bürger- meister Bartsch, Herr Banquier Lehfeld, Herr Buchhändler Barth.

Zu Mitgliedern des Verwaltungs -Rathes: Herr Fürst Haßbfeld, Herr Stadtrath Becker, Herr Assessor Jeuthe, Herr Buchhändler Aderholz, Herr Kämmerer Friebóß. Außerdem wurden für Guben: Herr Bürgermeister Ahlemann, für Haynau: Herr Amtsrath Bieß zu Direktoren; für Berlin: Herr Direktor Bu, für Haynau: Herr Landrath von Elsner zu Mitgliedern des Ver- waltungs-Raths gewählt. Die Wahl der Stellvertreter dagegen wurde bis zur nâchsken bald anzuberaumenden General:-:Versamm- lung verschoben.

Bonn, 16. Oft. Die evangelisch-theologische Fakultät der Rhein. Friedrich - Wilhelms - Universität hat, aus Anlaß des Geburts-Festes des Königs, drei Geistlichen der westlichen Provin- zen die theologische Doktorwürde ertheilt, nämlih dem Herrn Vice-General-Superintendenten Küpper, dem Herrn Konsistorial: Rath und Pfarrer Groos (beide in Koblenz), und dem Herrn Prâses der Weskphälischen Provinzial-Synode, Ober - Pfarrer Jacobi in Petershagen bei Minden.

Der Gesammtwerth des Neal - Eigenthums in England.

Die Nummer 287 vom 16, d. M. der Allgemeinen Preußi- schen Staatszeitung enthält unter der Aufschrift Großbrittanien und Jrrland einen wörtlih aus andern deutschen Blättern ent- nommenen Auszug aus einem dem brittischen Parlamente vorge- legten Berichte, welcher durch einen ungenauen Ausdruck leicht zu wesentlichen Jrrthümern Anlaß geben kann. Nach demselben ist der jährliche Gesammtwerth des Realeigenthums in England, wie es behufs der Armensteuer abgeschäßt ist, 59,685,412 Pfd., wovon 30,448,991 Pfd. auf Lände- reien, 22,991,572 Pfd. auf Wohnhäuser, und 6,244,949 Pfd. auf sonstige Liegenschaften kommen. Es is ferner weiterhin angegeben, daß der Durchshnittswerth des Feldes in England 19 Sch. 2 Pce. der Akre sei,

Das Wort „Werth“, welches in beiden Fällen gebraucht worden ist, kann zu der Meinung verleiten, daß hier der Kapi- talwerth angegeben werden wolle, wofür das hier bezeichnete Dee grnhun gekauft werden kann. Der verhältnißmäßig geringe Betrag der angegebenen Summen ebeusowohl, als das doch, da es nur einmal vorkommt, leicht zu úbersehende Wort ejährlich“ bezeichnen bei einiger Aufmerksamkeit freilih hin- reichend, daß hier niht der Kapitalwerh von dem bezeichneten Grundeigenthum, sondern das einjährige Einkommen aus demselben gemeint sey, Jndessen wäre doch zu wünschen, daß ein bestimmterer Ausdruck gewählt, und etwan gesagt worden wäre, das einjährige Einkommen aus dem Real-CEigenthume in England beträgt 59,685,412 Pfd. u. \. w. und ebenso der einjährige Durchnittsertrag eines Acre ist 19 Sch. 2 Pce. Wird das Pfund Sterling bei jeßigen niedrigen Gold- preisen zu 627 Thaler angenommen; so würde hiernach in Briti: hem und Preußishem Gelde sich das angegebene Einkommen

folgendermaßen stellen

4 ir N:

SIAi A ais p A6

G R F Gy Ä Get A5,

F L 2: L