1842 / 330 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

em R O g g pit:

nach Belieben fúr oder gegen die Repeal zu stimmen, Eine große und úberwiegende Majorität im Unterhause beweist eine tödtliche Feindschaft gegen ZJrland, und eine Stimme t 4 oder mehr fann deshalb nur von geringer Bedeutung seyn. Es is also für die Repeal - Association die Zeit gekommen, die Whig- Rücksichten abzulegen und das Volk dadurch von ihrer ernsten und aufrichti- gen Anhänglichkeit an die Sache der Repeal zu überzeugen. Die Repealer sind die einzigen wahren Freunde Jrlands und müssen deshalb bei jeder Veranlassung nur Repealern ihre Unterstüßung leihen. Es is vortheilhafter für Jrlands Jnteressen, in einem öffentlichen Kampfe mit einem Repealer zu unterliegen, als mit einem Andersdenkenden zu siegen. Jm ersten Fall wird der Grundsaß gewahrt, im zweiten Schmach gewonnen.“

Aus einer Uebersicht der Amerikanischen Staatsschulden geht hervor, daß dieselben im Ganzen 121 Millionen Dollars betra- gen; daß 21 Staaten zu Anleihen ihre Zuflucht genommen haben ; daß 6 Staaten, Maryland, Mississippi, Jndiana, Zllinois, Mi- chigan und Florida, jeßt keine Zinsen mehr bezahlen; daß nur in 11 Staaten die Einnahmen den Ausgaben gleichkommen, während die Úbrigen ganz von den Banken abhängen und keine bestimmte Einkünfte haben. Zu den Staaten, die keine Zinsen bezahlen, ge- hôrt noch Pennsylvanien, wegen einer Schuld von 34,700,000 Dollars, welche mit den übrigen bösen Schulden zusammen 87 Millionen Dollars ausmacht, oder 87 pCt, Alabama und Loui- siana befinden sich überdies nicht in günstigen finanziellen Ver- hältnissen.

Velgiíen.

Brüssel, 22. Nov. Jn beiden Kammern is in der lebten Woche nichts Erhebliches vorgefallen, da die Sectionen mit Prä- fung der Vorschläge úber das Budget beschäftigt sind. Es is sehr zweifelhaft, ob die beantragten Erbbliuigen mehrerer Steuern an- genommen werden. Wenigstens is es ziemlich sicher, daß viele Mitglieder, zumal diejenigen, deren Deputirten - Zeit in künftigem Sommer erlischt, und die also ihr Mögliches thun wollen, um wieder erwählt zu werden, dagegen stimmen werden, Es würde in diesem Falle zu einer neuen Anleihe kommen müssen, wo nicht gar eine Aenderung im Miniskerium erfolgen. Da indessen die neuen Wahlen im nâhskten Sommer größtentheils in den Flâmi- schen Provinzen stattfinden, so dürfte für die Liberalen wenig Hoff- nung vorhanden seyn, da bekanntlich dort die katholische Geistlich- keit den größten Einfluß hat.

Heute haben die Aerzte die Obduction der Leiche des Herrn Sirey vorgenommen. Die Wunde geht von unten nach oben, und der Stoß war so heftig, daß der Stahl den Magen, das Herz und die rechte Lunge durchbohrt hat, Man glaubt noch immer, daß Caumartin sich in demselben Moment gegen einen Angriff Sirey’s wehren wollte, als dieser ihn hinauswerfen wollte, Dies scheint auch dadurch bewiesen, daß man auf dem Schau- plaße des Mordes Stú>ke eines Hosenträgers gefunden, die Herrn Caumartin gehört haben müssen. Sirey soll Überhaupt eine sehr stürmische Jugend gehabt haben. Vor ungefähr drei Zah- ren stand er vor den Assisen, weil er s< mit einem Verwandten wegen fremder Angelegenheiten geschlagen hatte. Es famen dabei Sachen zur Sprache, die ihm feine Ehre machten, Sein Vater, der berühmte Jurist, vertheidigte ihn da- mals und er wurde freigesprochen. Sirey war groß und stark, Caumartin dagegen is mager und schwächlich. Man versichert jeßt, Caumartin habe si< in Rotterdam nah Hamburg eingeschifft. Die Sache föômmt übrigens nicht vor ein Belgisches, sondern nach einem neuen Geseßbe vor ein Französisches Gericht, da beide Betheiligten Franzosen sind. Der Französische Gesandte hat auch alle Akten darúber empfangen, und die lebte Znfskruction wird zu Paris stattfinden.

Deutsche Bundesstaaten.

A Leipzig, 25. Nov. Die Verhandlungen unserer zweiten Kammer úber die Adresse haben in ihrem weiteren Verlaufe eine Wendung genommen, welche wohl Niemand vorauszesehen hätte und welche leicht die Stellung der Kammer, gegenüber der Re- gierung, von vornherein zu einer gespännten machen könnte.

Nachdem nämlich die Kammer, deren Mehrheic anfänglich ebenso wie bei früheren Abstimmungen über dieselbe Angelegenheit, sich ge- gen den Todktschen Antrag erklären zu wollen schien, allein durch eine vom Ministertische ausgehende Aeußerung, welche das Recht der Kammer zur Entwerfung einer Adresse in Zweifel zu ziehen schien, umgestimmt wurde, sih mit 38 gegen 37 Stimmen (nicht mit 39 gegen 36, wie die erske Nachricht angab), also nur mit einer Stimme Majorität für die Entwerfung einer Adresse ent- schieden hatte , so erflärte der Staats-Minister von Könneris im Namen der Regierung, daß eine einseitige Adresse nicht eher ange- nommen werden könne, bis über die Prinzip-Frage (ob die Kam- mer das Recht dazu habe) entschieden sey. Es entstand hierauf eine längere Diskussion darúber, ob zuerst eine Deputation zur Erórterung dieser Prinzip-Frage niederzuseßen, oder ob dieselbe als durch den Beschluß der Kammer für entschieden anzusehen, und die zu wählende Deputation sogleich mit der Abfassung der Adresse zu beauftragen sey. Diejenigen, welche r eine Adresse gestimmt hatten, waren der Ansicht, die Kammer, indem sie diesen Beschluß gefaßt, habe dadurch auch schon erklärt, daß sie sich dazu für be- rechtigt halte, und wenn das Ministerium diese Berechtigung be- streite, \o müsse es die Sache vor den Staats-Gerichtshof brin- gen (dem die Entscheidung in allen Fragen über Auslegung der Verfassung zusteht, sobald sich Regierung und Stände nicht auf anderem Wege darüber einigen können), Von der anderen Seite ward entgegnet, daß weder die Verfassungs-Urkunde noch die Land- tags:Ordnung der Kammer die Befugniß einrâume, allein, ohne Mitwirkung der anderen Kammer, eine solche Eingabe an die Re- gierung zu richten, da nur in besonders vorgesehenen Fällen, z. B,,

bei Beschwerden, gutachtlichen Erklärungen u, \, w., eine solche ein- seitige Eingabe gestattet sey. Es müsse daher vorerst auf dem ge- db orr at n darüber verhandelt und entschieden werden, welche Ansicht die richtige sey, ob die der Kammer, oder die der

Regierung. Zuleßt ward eine Vermittelung dieser noi itend Vorschläge dadur erzielt, daß der Präsident die Frege tele, „Will die Kammer eine außerordentliche Deputation zu Entwer- fung einer Adresse ernennen, und ihr den Auftrag geben, si< über die dabei vorliegende Prinzip- Frage mit zu verbreiten?“ Diese Frage ward einstimmig bejaht, und eine Deputation von 7 Mit- ma zu dem genannten Zwe>e gewählte, Bemerkenswerth und Ur den Geist der Kammer wie wenig diese nämlich gewohnt ist, dergleichen Fragen als wirkliche Partei:Fragen zu behandeln ist es, daß în die Deputation fúr Abfassung der Adresse auch zwei Mitglieder gewählt wurden, welche bei der ersten Abstimmung sich gegen eine solhe Abfassung erklärt hatten. Man is sehr gespannt, niht nur auf den Entwurf dieser erst en Adresse ile rer zweiten Kanimer, sondern fast mehr noch auf die Erklärung der Deputation úber die Prinzip-Frage, und auf das weitere Ex- gebniß der Verhandlungen darüber. Zur Aufhellung der Sach-

lage muß ich no< bemerken, daß die Landtags - Ordnung, welche

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vor der Hand eine nur provisorische

erfolgt, und auch diesmal is chon ein

der Kammer selbsk zurú>gewiesen wurden.

einem der Redner erwähnt ward) als die

ßigkeit ciner solchen bestritten hat.

gislativer oder administrativer Maßregeln

der Beschwerde.

wegen zu machen.

zustellen schien); es werden daher auch

Kammer-Mitgliede Übernommen und zu sein

kret wegen der Kriminal:Prozeß-Ordnung

Spanien.

69 Paris, 22. Nov.

der Provinzial-Deputation von Catalonien dung des thei!s an der Anleihe von 160 Millionen antwortet, und die Provinzial-Deputation

die fraglihe Summe nicht auszuzahlen, sondern ihre Unterzeichnung zurü>zunehmen. Die Barceloneser Blätter loben einstimmig die- sen im Jnteresse der Provinz gefaßten Beschluß.

Der Constitucional von Barcelona

auf einen Gegenstand zu sprechen, der unter den seitdem eingetre: tenen Verhältnissen wieder erhöhtes Jnteresse gewährt. Er erinnerte nâmlich daran, daf vor einem Jahre um diese Zeit unter der Herr- schaft der Wachsamkeits-Junta die Niederreißung der inneren Cour- tine der Citadelle der Catalonischèn Hauptstadt angefangen wurde. Dieses Werk, sagt er, is seit jener Zeit unvollendet geblieben, troß des augenscheinlichen Jnteresses, welches nicht allein Barcelona, sondern auch ganz Catalonien und selbst das ganze S panien dabei hat, daß die ganze Citadelle und Úberhaupt die Festungswerke von Barcelona, das sih doch nie gegen ein D A vertheidi- gen kann, geschleist werden. Das Ayuntamiento, fi

wiederholt nachdrükliche Schritte in diesem Sinne bei der Regierung gethan und noch unlängst eine na<h Madrid ge- anderen Bitten und Wöänschen auch mit der Verfolgung dieses Zweckes beauftragt. Aber alle diese Bemühungen sind vergebens gewesen. Die Regierung hat immer ausweichende Antworten gegeben, und namentlih der erwähnten Deputation erwiedert, daß sie in die Niederreißung der Citadelle einzuwilligen bereit sey, aber nur unter der Bedingung, daß sich Barcelona anheischig mache, auf seine Kosten in einiger Entfer- nung eine neue Citadelle zu bauen. Eine solche Zumuthung, fügt der Constitucional hinzu, sey mit Recht von dem Ayunta-

schi>te Deputation neben

miento ohne weiteres zurú>gewiesen worden,

selben auch Überhaupt nur eine verste>te abschlägige suchen. Der Conskitucional kommt am Schlusse nochmals auf das dringende Jnteresse zurú>, welches Barcelona dabei habe, durch die Schleifung der unnöthigen, verhaßten und drohenden Citadelle den seiner täglich zunehmenden Bevölkerung erforderlichen Raum zu gewinnen, aber er hofft nicht, daß die Regierung solchen Reclamationen fo bald Gehör geben werde.

Die Madrider Korrespondenz eines Catalonischen Blattes versicherte neulih, daß der General - Inspektor der Provinzial- Milizen, der eserve. Necswuiter, deren Verfassung einige Aehn- d ation der Deutschen Landwehr - hat, en Befehl ertheile habe, daß si< die der Miliz angehd-

lichkeit mit der Organ

rigen Leute künftig an jedem Sdönn Hauptorte des Distrikts der Abtheilung,

als Norm fär die Entscheidung von dergleichen. Formfragen gilt,

selbe, wie sie auf dem Landtage 1833 von der Regierung im Ent- wurf vokgelegt worden, vorläufig als gültig von den Kammern angenommen wurde, auf so lange, bis man durch eine längere Praxis in den Stand geseßt seyn würde, vollständigere Normen aufzustellen. Diese Genehmigung der Landtags-Ordnung, aber im- mer nur als-einer provisorischen, ist auf jedem folgenden Landtage

gekündigt, welche wieder eine Erklärung der Kammer über diesen Gegenftand fordert. Daher kommt es, daß dergleichen Formfragen bisher meistentheils dur< eine Praxis, die si< darüber bei den Kammern bildete, entschieden wurden, und daß diese Praxis selbst mitunter Abweichungen von dem Buchstaben der provisorischen Landtags-Ordnung stillschweigend sanctionirte. Die k

Prinzip-Frage hat eine solche Praxis allerdings noch nicht für sich, weil die bisherigen Anträge auf Entwerfun

ein derartiges Präjudiz für die Kammer anführen (was auch von

heren Verhandlungen hierüber niemals das zur Einreichung einer Adresse, sondern immer nur die Zwe>mà-

Eine ähnliche Prinzipfrage wird in der nächsten Zeit Gegen- stand der Verhandlungen in der I. Kammer werden, die Frage nâm- lich, ob dem einzelnen Staatsbürger das Petitionsrecht zustehe. Ja der Verfassungs-Urkunde: ist nämlich das Recht der P etition oder des Antrags an die Regierung auf Erlassung allgemeiner le-

drü>lih zugesprochen, den Unterthanen dagegen lediglich das Recht Nun waren aber vom ersken- Landtage an den Kammern nicht nur Beschwerden, sondern au< Petitionen aller Art zur Bevorwortung von Unterthanen eingereicht worden, und weder die Kammern noch die Regierung hatten dagegen Ein- wendungen gemacht. Ersk auf dem vorigen Landtage kam, bei ei- ner besonderen Veranlässung, diese Sache als eine Prinzipfrage zur Sprache, Der Fall ward zwar damals erledigt, ohne das Prinzip festzustellen, allein das Ministerium behielt sich ausdrü>- lih vor, auf dem nâchsten Landtage eine besondere Vorlage des- Diese isk nun erfolgt und zwar an die I, Kam- mer, (in welcher sich schon damals eine Mehrheit gegen das Recht der Kammern, Petitionen von Unterthanen anzunehmen, heraus-

statthaben und zwar, allem Vermuthen nach, sehr lebhafte, da die IT, Kammer wahrscheinlih an dem Petitionsrechte der Untertha- nen festhalten und sich ebenfalls auf die bisherige Praxis berufen wird. Jch bemerke hierbei, daß eine Verneinung jener Frage kel- nesweges das Petitionsrecht der Unterthanen absolut aufhebe, son: dern nur die Felge haben würde, daß dergleichen Petitionen nicht mehr direkt an die Kammer eingereiht werden könnten, sondern von einem

müßten, Es is noch nicht bekannt, wie die Regierung ihre An- sicht gegen das allgemeine Petitions-Recht motivirt und ob sie dieselbe Überzaupt so unbedingt hingestellt habe; Lebteres darf in- deß vermuthet werden, Außerdem is an die [, Kammer das De-

ser Gegenstand {hon vor dem Beginn des Landtages von einer besonders dazu niedergeseßten Deputation berathen und vorbereitet worden ist, so wird wahrscheinlich die Berichterskattung darüber an die Kammer in“ der näïhstén ‘Zeit erfolgen.

Der Zweiten Kammer *kiegen zunächst mehrere Dekrete über Schul-Angelegenhelten," Straf# und Versorgungs- Anstalten , über die Entschädigung der Real-Befreiten (welche nun mehr zur gleich- mäßigen Besteuerung zugezogen werden sollen), endlich das Bud- get für die Finanzperiode von 1843 bis mit 1845 und der Re- chenschafts-Berichte von den Jahren 1837—1839 zur Berathung vor, Von den Stadtverordneten einer Provinzialstadt is an die zweite Kammer eine Petition um Erhaltung des allgemeinen Pe- titions-Nechts und um Wahrung des Prinzips der Oeffentlichkeit und Méndlichkeit der Rechtspflege eingegangen ; in leßterer Bezie- hung werden auch anderwärts Petitionen vorbereitet, so z. B. von der hiesigen Stadtverordneten-Versammlung.

Die Regierung hat das Verlangen

etrages des von dieser Behörde unterzeichneten An-

eltung hat, indem die-

efret der Regierung an-

eßt erhobene

einer Adresse von ur insofern ließe sich

Regierung bei den frú- eht der Kammer

nur den Ständen aus-

darúber Verhandlungen

er Sache gemacht werden

gekommen, und da die-

hinsichtlich der Verwen-

Realen abschläglich be- hat hierauf beschlossen,

fam vor einigen Tagen

hrt er fort, hat

inter der- ntwort zu

und es sey

und Festtage in dem

ren, zu geouinkhafelihen Waffen-Uebungen einstellen sollen. Man äußert sich sehr unzufrieden Über diese Erschwerung der Dienst: pflicht der Reserve-Truppen, welche seit ihrer Entlassung aus“ dem aktiven Dienst, den sie während des Bürgerkrieges gethan, nur an dem- dritten Sonntage eines jeden Monates zum Exerziren zu- sammentraten. Jndessen mag eine Maßregel dieser Art wohl un- umgänglich nothwendig seyn, wenn es sich bestätigt, daß die Re- gierung, nachdem fle sämmtliche Reserve - Meglinenter aus dem aftiven Dienste entlassen, au< beabsichtige, zur wei- teren Erleichterung der Lasken des Schaßes das stehende Heer von 90,000 auf 60,000 Mann herabzuseßen, Eine so-be- deutende Verminderung der militairischen Kräfte der Regierung erheischt um so mehr eine Compensation durch die Vorbereitung der Reserve auf schleunige Mobilisirung, die jeden Augenbli> noth: wendig werden kann, als die der Regierung feindseligen Elemente in den beiden Coalitionen der Presse und des Kongresses eine dro- hende Organisation angenommen haben. Das von der Gaceta de Madrid vom 6ten verdffentlichte Manifest der Regierung be- rechtigt Übrigens zu der Erwartung, daß Espartero den Angriffen der Gegner seiner Gewalt und den Feinden der bestehenden Ver- fassung große Festigkeit und viele Energie entgegensehen werde, Alle Freunde der politischen Ordnung müssen ihm zu diesem Entschiuß Glück wünschen, denn die Sache der Ordnungwürde bei einer neuen Erschüt- terung des jesigen Zustandes Spaniens, unter welchem Vorwande diese auch herbeigeführt würde, nur verlieren können. Die Meinungen, die Leidenschaften, die Jnteressen sind in Spanien allerdings so sehr getheilt, daß der jeßigen Regierung und dem Prinzipe, das sie vertritt, immer eine furchtbare Opposition gegenüberstehen wird, aber gleichwohl ist es nichts weniger als wahrscheinlich, daß der Sieg irgend einer der heutigen Oppositions-Parteien einen Zustand herbeiführen könnte, der größere Bürgschaften der Dauer in sich trúge, als die beskehende Ordnung der Dinge.

Serbien.

Velgrad, 8. Nov. (A. Z.) Vorgestern hat (wie bereits erwähnt) die Kundmachung des von dem Großherrlichen Commis- sair, Emin Efendi, überbrachten Kaiserlichen Berats und in Folge dessen die Jnstallation des Alexander Georgewitsch als Fürsten von Serbien stattgefunden. Die Feierlichkeit der Kundmachung und ein Theil der fürstlichen Jnvestitur ward auf dem Belgrader Gla- cis begangen, wo für den Pforten- Commissair, dann fúr Kiamil Pascha, den neuen Fürsken und Serbiens oberste Würdenträger ein eigenes Zelt aufgerichtet war. Die Distrikts - Deputirten, die obersten Distrikts - Beamten, die Mitglieder der angesehensten Familien des Landes, so wie eine zahlreihe Volksmenge, die diesem Akte beiwohnte und sih dem Zuge in die Stadt und die Kathedrale anschloß, gab dem Ganzen ein ziemlich imposan- tes Ansehen, Jn der Kirche ward hierauf die Salbung des neuen Fürsken dur< den Metropoliten vollzogen und ein feier- liches Tedeum angestimmt. An demselben Tage erschien eine Pro- clamation des Fürsten an das Serbische Volk, worin die bei sol: chen Gelegenheiten gewöhnlichen Versprechen hinsichtlich der bei der Administration des Landes zu befolgenden Grundsäße, Über die nächste Zukunft des Landes u, s. w. in bescheidener Rede ab- gelegt werden. Den in Belgrad residirenden Konsuln“ der frem: den Mächte ward der Berat mitgetheilt und die erfolgte Jn: stallation des Fürsten notifizirt. rwähnungswerthe Umstände, welche die Jnveskitur des Alexander Georgewitsh begleiteten, dürften beiläufig folgende seyn. Von den zur Feierlichkeit ein geladenen Konsuln erschien kein einziger, au< der in Belgrad

anwesende Oesterreichische General von Hauer kam der diesfalls an ihn ergangenen Einladung nicht nah, Während des gan- zes Tages wehte in Belgrad die dem Lande als heilig gel- tende Standarte, um welche vereinigt die Serben von Czerny Georg in die Schlacht geführt wurden gegen ihre Türkischen Unterdrü>er. Diese Fahne war nach der Entfernung des schwar- zen Georgs aus Serbien verschwunden, und alle Mühe, die man sich in der Folge gab, dieses National- Heiligthum wieder aus- findig zu machen, war vergeblich. Milosch selbst hatte umsonst eine große Sunime Geldes demjenigen versprochen, der Czerny Georg's ruhmgekröntes Banner auffinden würde. Das plöbliche Wiedererscheinen desselben in dem Augenbli>, wo der Sohn des Serbischen Helden mit der höchsten Würde des Landes bekleidet wird, giebt zu verschiedenen Konjekturen Anlaß, von denen die auffallendste is, daß seit wehr als drei Zahriebneen eine geheime Partei im Lande fúr die Familie Czerny Georg thätig gewesen seyn muß. Die mit dem Wappen des Leßteren gezierte Fahne war bei der im Lande lebenden Familie ZJokitsch aufbe- wahrt und einige Tage vor der Jnstallation vom 7, November durch eine Deputation abgeholt und dieser Übergeben worden, Die Serbische Uebersezung des Berats bedient sich da, wo die Ur- sachen der Entsebung des Grsn Michael Obrenowitsch aufge- führt werden, milderer Ausdrü>e als das Türkische Original, ein sprechender Beweis, daß man die neue Ordnung der Dinge für hinlänglich begründet, die Sache des abgeseßten Michael fúr völlig verloren ansieht. Der Würde eines Muschirs des Türkischen Reiches, welche dem Fürsten Michael verliehen wor- den war, geschieht in dem Einsezungs: Berat für Alexander Geor- gewitsch keine Erwähnung; man glaubt, daß dem Leßteren erst in der Folge diese Würde verliehen oder vielleicht gänzlich vorenthal- ten werden soll. Das oben erwähnte, an die Konsuln gerich- tete Notifications - Schreiben und die Proclamation des neuen Fürsken waren von Abram Petroniewits<h als Direktor der aus- wärtigen Angelegenheiten gegengezeichnet, Die Erklärung des Fürsten Mighael Obrenowitsch in A8 auf die von ihm ver- langte Herausgabe der Fürsklihen Jnsignien geht dahin, daß er dieselben nicht ausfolgen lassen werde, außer auf ausdrü>lichen Befehl der Serbischen Schußmachtkt.

Moldau und Wallachei.

Ueber die Art der Fürstenwahl in der Wallachei giebt der dritte Abschnitt des Reglement organique folgende Bestim- mungen: Der zu erwählende Fürst muß das 40ste Lebensjahr erreicht haben und einer adeligen Familie entsprossen seyn, und zwar soô, daß wenigstens bereits der Großvater des zu Wählenden von Adel war; auch muß er eine der vornehmsten Würden des Landes, als die eines Ban, Groß-Worniks, Groß: Logothets oder Ministers bekleidet haben. Für die Fürstenwahl muß ein außer- ordentlicher Landtag zusammentreten, welcher weit zahlreicher ist als der ordentliche. Die Mitglieder des wählenden Landtages sind: der Metropolit als Präsident, die drei Eparochial- Bischöfe, 50 Bojaren ersten Ranges, 73 Bojaren zweiten Ranges, 36 De- putirte, die aus dem Adel der achtzehn Distrikte, je zwei aus einem Distrikte, erwählt worden, und endlih 27 Deputirte, welche die städtischen Handels- und Gewerbs-Gemeinden vertreten und-aus der Mitte dieser gewählt seyn müssen,

zu welcher sie gehö-

Dstindieu.

Bombay, 15. Oft. Hiesige Blätter enthalten über das Vorrú>ken des Generals Pollod durch die Pässe gegen Kabul noch fo!gendes Nähere: id ir meldeten am 1. Oktober, daß sich der General Pollos m E am 3: September in Gundamu>, 26 Meilen jenseits Dschellalabad , ‘befinde und im Begriffe stehe, durch die Pässe nach Kabul vorzudringen. Die allgemeinen Prinzipien der Marsch-Ordnung waren dieselben wie die, welche mit so siegreichem Erfolge bei Erstúr- mung der Keiber-Pässe in Anwendung gebracht wurden. Sir Robert Sale kommandirte den Vortrab, der aus dem 3ten Dragoner- Regi- mente, einer Schwadron leichter Kavallerie und 200 Mann irregu- lairer Reiterei bestand. Die reitende Artillerie, die Berggeschüte, Sappeurs- und Mineurs,- das 13te- 25ste und 35ste Regiment einhei- mischer Jnfanterie bewegten sich in drei Kolonnen, von denen die eine sich längs des Defilee's hielt die anderen ihre Flanken de>ten und auf dem Kamm der Berge e marschirten. Die Hauptmacht unter dem General Pollo ferner n einer einzigen Kolonne; der Schah, die Munition und die Dhultes (Betten für Kranke und Ver- wundete) befanden fd im Centrum. Sie verließen das Lager am 7ten bei Tagesanbruch und erreichten Surkab, eine Stre>e von 82 Meilen, um 10 Uhr, der Nachtrab kam um 3 Uhr an. Der Weg war abscheulih , doch fand man keinen Widerstand. Am sten mar- schirten sie wieder bis 4 oder 5 Uhr Nachmittags.//

¡Bei der Annäherung an die Pässe fand man 3000 4000 Mann feindliche Truppen unter besonderen Anführern mit verschiedenen Fahnen in einer sehr festen und sehr shwer zugänglichen Stellung. Da es unmdglich war, unsere Truppen heranzuführen, so wurde Halt

emacht und die Kanonen aufgefahren; sie spielten trefflich, aber die Teinde schienen so entschlossen, Stand zu halten, daß das Zerspringen von Bomben mitten unter ihnen sie nicht zum Rückzuge bewog. Fhr Feuer war furchtbar und nahm nicht an Stärke ab. Es wurde daher beschlossen, die Hdhen mit Sturm zu nehmen. Capitain Broadfoot wurde beordert, den dußersten linken Mae ihrer O zu werfen, indem die Sappeurs und Mineurs dîe steilen Berge in dieser Rich- tung erstiegen. Capitain Taylor griff mit dem 9ten Britischen und drei Compagnieen des 35sten Regiments Eingeborner den Berg zur Rechten an, während Capitain Wilkinson mit einem Theile des 13ten Regiments und 130 Mann vom 25sen Regiment gegen den Schlüssel der Stellung vordrang. Sämmtliche Truppen erreichten den Gipfel der Anhdhe fast zu gleicher Zcit und begannen den Angri mit einem lauten Hurrah, während die Afghanen nah allen Seiten hin den Berg hinab flohen. Ein Theil des 3ten Dragoner-Regiments wurde zu ihrer Ver olgung abgesandt, konnte aber, des ungünstigen Terrains wegen, seinen Zwe> nicht erreichen.

“¿Unterdessen zog sih eine große Anzahl der Flüchtlinge in der Richtung nah einem hohen Berge hin, wo sie sich wieder aufstellen zu wollen schienen. Diese Höhen wurden von den bereits im Kampfe ged Truppen unter Anführung der Capitaine Wilkinson und BZroadfoot angegriffen, der Fcind floh jedoch ohne daß es zum eigent- lichen Angriffe fam. Man erfuhr, daß zwdlf Gildschie- Häuptlinge an dem Kampfe Theil genommen hätten , und diese so unfreundlich begrüßten Stämme waren unsere erbittertsten Feinde und die Haupt- Anstifter und Theilnehmer bet den Angriffen, die uns im vorigen Jahre so große Verluste zuzogen.//

¡Die Truppen seßten ihren Marsh mit unbedeutenden Unter- brechungen bis drei Meilen vor Kabul fort, und man ließ sie unge- hindert die Pässe durchziehen, wo Sir Robert Sale im Oktober vo- rigen Jahres jeden Zoll Landes erkämpfen mußte, und wo im Fanuar unsere Armee ohne Widerstand niedergemaht wurde.//

Als sie sh Churd-Kabul am 13ten näherten, fanden sie Akbar Chan an der Spiße von 16,000 Afghanen , anscheinend bereit, einen leßten verzweifelten Widerstand zu leisten. Der Feind war gut postirt und kämpfte tapfer, und troß der in ihren Reihen angerichteten Ver- wüstung mußte der Kampf in manchen Fällen dur<h das Bajonett entschieden werden. Die Afghanen wurden endlich völlig geschlagen und näch allen Richtungen zerstreut, und Gegen Hunderte von Todten und Verwundeten auf dem Schlachtfelde, Drei Fahnen, zwei Kano- nen und cine große Masse Munition und Vorräthe fielen in unsere Hände. Wir hatten 32 Todte und 130 Verwundete. Kein Europdäi- scher Offizier ist gefallen ; verwundet wurden die Capitaine Lushington und Gells und die Lieutenants Norton und Montgomery.//

¿Am 14ten drang der General Polloc, ohne Widerstand zu fin- den , bis Budchak vor und lagerte sich am folgenden Tage auf der Rennbahn von Kabul. Am 16ten nahm er Besiß vom Balla-Hissar und pflanzte die Britische Fahne auf den Mauern dieser Citadelle auf. Mistreß Trevor mit acht Kindern, der Capitain Anderson mit seiner Gemahlin und drei Kindern, Capitain Troup und Dr. Campbell erhielten die Erlaubniß, sich sogleich ins Lager zu begeben. Die Da- men waren krank gewesen und die ¿/Bigham schen Ungeheueë// hatten sie daher lieber unter der Obhut eines Arztes zurücklassen , als nach- theiligen Folgen ausscßen wollen ein Akt der Humanität , der in civilisirteren Ländern wahrscheinlich nicht stattgefunden hätte! Der Rest der Gefangenen ist nah Bamian geführt worden; man er- wartet sie jedo< bald zurü>, da Sir Rovert Shakespeare mit 700 Kufabascbis dorthin aufgebrochen ist, um sie zurückzufordern. Nur den Capitain Hargrave hat Akbar Chan mit sîchh genommen. Man weiß nicht, ob Kabul eben so wie Gisni werden zerstört wer- den. Der General Nott wird täglich erwartet, und [D beide Ar- meen sich vereinigt haben , werden sie sobald wie möglich durch die Pässe vordringen. Sie hoffen zu Weihnachten wieder in Jndien zu seyn. Wir wollen indeß froh seyn, wenn sie erst durch das 200 Mei- len lange Gebirgsland hindur sind, welches bei Peschauer endigt, in dessen Schluchten schon Viele ihren Tod gefunden haben.“

Ueber die Einnahme von Gisni melden dieselben Blätter Nach- stehendes :

¿Die Hauptstadt des Durani-Reiches, das Denkmal der Erobe- rungen Lord Keane's, ist abermals in unsere Hände gefallen und von unseren Truppen grdßtentheils zerstört worden! 327 Sipoys, von de- nen es hieß, daß sie im März getödtet worden seyen, sind angeblich aus der Sklaverei befreit worden, obgleich der Sklavenhandel von den Afghanen verabscheut wird, Man weiß nicht, aus welchem Grunde Gisni ens worden ist, und wie weit diese Zerstôrung gegangen ist. O R in seinen Annalen nur die Plünderung weniger Städte

en.

¿Von der Räumung Kandahars am 8. August bis zum 1. Ok- tober hatten wir nur wenig mehr von dem General Noltt erfahren, als tas er nur noch fünf oder sechs Tagemärsche von Gisni entfernt sey. Die Berichte über die ferneren Ereignisse sind zwar authentisch, aber außerordentlich mager und fragmentarisch.//

/¿Schumsudin, der Gouverneur von Gisni, war unseren Truppen mit ciner großen Macht entgegengerüt, um sie auf dem Marsche zu beunrubigen. Am 23, August wurde der Capitain Christie mit zwei Ressalahs des 1sten Bengalischen Kavallerie-Regiments und dreien von seinen eigenen irregulairen Reitern abgesandt, um einen Theil der Feinde, die uns belästigten, zu vertreiben. Er folgte ibnen in einiger Entfernung , konnte sie aber nicht einholen, als bis er an dem Fuß des Berges angekommen war; es waren etwa 300 Feinde, von denen 60 getödtet wurden. / l

//Am 30sten ließ sih Schumsudin, der bisber in paralleler Rich- tung mit uns marschirt war, von scinen Anführern überreden , seite Stellung in der Nähe unseres Lagers zu verlassen. General Nott rüú>te ihm mit. 3000 Mann entgegen. Die Feinde näherten sich mit großer Kühnheit und ihre Kanonen waren gut bedient; allein nah einem kurzen, jedoch heftigen Kampfe wurden sîe urü>getrieben und

ohen nah dem etwa 30 Englische Meilen entfernten Gisni hin ; bre Artillerie, Munition und Zelte ließen sie in unseren Händen. Während der verschiedenen Gefechte hatten wir 36 Todte und 68 Ver- wundete/ unter Ersteren befanden sih die Capitaine Bury und Ree- ves, unter Leßteren der Capitain Ravenscrost und die Lieutenants Ma>enzie, Meason und Chamberlain.-/

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¿Am 5: September wurde Gisni berannt ; es war voll von Men- schen und die milegenden Höhen mit großen Massen Fnfanterie und Kavallerie beseyt. Die Hbhen wurden ronen und am Morgen des 6ten fand sich , daß die Truppen die Stadt verlassen hatten die so- fort in Besiß genommen und auf deren Mauern die Britische Fahne

aufgepflanzt wurde. Die Citadelle , die Festungsw î as f l L L: E S / gswerke und die Stadt

eneral-Gouverneur von Ostindien macht in einem - befehl vom 30. September diese Siege bekannt, Wn den Putt der Generale Pollo> und Nott und bemerkt unter Anderem auch, er habe mit großer Benugehuung aus dem Berichte des Generals Pollo>k ersehen, daß die Truppen des Maharadscha Schir Sing, welche gemeinschaftlich mit der Britischen Armee operirten, sich be- wundernswÜrdig gehalten hätten. Der General - Gouverneur begrüßt mit Freuden diesen neuen Beweis des herzlichen Einver- ständnisses zwischen der Britischen Regierung und der Regierung

von Lahore, Chína.

Moa ana, 10, Sept. Der Königliche Bevollmächtigte, Sir Henry Pottinger, hat den Britischen Ünterthanen in China den Friedens\chluß dur< folgendes vom 28, August datirte, im Jangtsekiang vor Nanking erlassene Cirkular bekannt gemacht :

Der Bevollmächtigte Fhrer Britischen Majestät in China hat die außerordentliche Genugthuung , den Königlichen Unterthanen in China anzeigen zu können, daß er heute mit den Chinesischen Ober- Kommissarien, welche abgeordnet waren, um mit ihm zu unterhan- deln, einen Traktat abgeschlossen hat , wovon Folgendes die wichtig- sten Bestimmungen sind:

1) Dauernder Friede und freundschaftliches Vernehmen zwischen den beiden Reichen.

2) China hat innerhalb des jeßigen und der drei folgenden Fahre 21 Millionen Dollars zu entrichten.

3) Die Häfen von Kanton, Emoy, Futschaufu, Ningyo und Schanghai sollen den Britischen Kaufleuten geöffnet scyn , Konsu- lats-Beamten ernannt werden, um daselbst zu residiren , und regel- mäßige und gerechte Tarife für die Einfuhr- und Ausfuhr-, so wie o für die inländischen Transit - Zölle, eingeführt und publizirt werden.

4) Die JFnsel Hong-Kong soll für immer an Jhre Britische Majestät, deren G eieo an Sd olger abgetreten weden.

5) Alle Unterthanen Fhrer Britischen Majestät, seyen sie aus Europa oder Fndien gebürtig , die in irgend einem Theil des Chi- Renten Reichs gefangen sind, sollen ohne Bedingung freigegeben werden.

6) Von dem Kaiser soll unter seinem Kaiserlichen Handzeichen und Siegel ein Aft vollklommenster Amnestie zu Gunsten aller Chine- sischen Unterthanen erlassen werden , welche der Britischen Regierung oder deren Beamten Dienste geleistet , oder mit ihnen verkehrt, oder unter ihnen gelebt haben.

7) Die Korrespondenz zwischen den Beamten beider Regierungen soll auf vollkommen gleichem Fuß geführt werden.

8) Sobald die Einwilligung es Kaisers in diesen Traktat er- langt und die Zahlung der ersien 6 Millionen Dollars erfolgt ift, sollen die Britischen Truppen sich von Nanking und aus dem Gro- ßen Kanal zurückziehen, und auch die Militairposten zu Tschinhai sollen zurü>gezogen werden, aber die Fnseln Tschusan und Ku- langsu sollen so lange behauptet bleiben, bis die Se mtingen und die Einrichtungen zur Erdfffnung der Häfen vollständig erfolgt sind.

Indem der Bevollmächtigte Fhrer Majestät diese hocherfreuliche Nachricht bekannt macht , enthält er sich absichtlich jeder näheren N seiner Gefühle hinsichtlich der außerordentlichen Geschick - lichkeit, Ener ie, n ebung und Tapferkeit , wodurch die verschiede- nen Grade aller afen attungen der Königlichen Streitkräfte, vom höchsten bis zum niedrigsten, inden! Kinipfên, welche zu diesen wich- tigen Erfolgen geführt , sich ausgezelchnek haben. Die dadurch be- gründeten Ansprüche werden ohne Zweifel bei den hdchsten Autori- täten ihre Anerkennung finden. Einstweilen wünscht der Bevollmäch- tigte Jhrer Majestät den Königlichen Unterthanen in China Glü E UnE Akte ie er oft und glaubt, seiner Zeit den Un- theilhaft sih erweisen wird. N Res, vie Chinas gleich vor

_ Folgende Schiffe liegen no< vor Nanking und werden sich nicht eher von dort entfernen, bis die erste Geldzahlung erfolgt ist: die Königlichen Kriegsschiffe „Cornwallis (Vice - Admiral Sir W. Parker), „Blonde“, „Cliders“, „Clio“ und „Algerinoz“ die Königlichen Dampfböte „Vixen“ und „Driver;“ die der Ostindi- schen Compagnie gehörenden Dampfböte „Modeste“, „Aukland“, „Queen“, „Nemesis“, „Pluto“, „Phlegeton“ und „Medusaz“ vor dem großen Kanal: die Königlichen Kriegsschifse „Endymion “/, „Calliope“ und „Dido“ und das der Ostindischen Compagnie ge- hórende Dampfboot „Proserpine.“ Am heutigen Tage sollte das Dampfboot „Aukland“ mit dem Major Malcolm von Nan- fing abgehen und die Kaiserliche Ratification des Trak- tats nah England bringen, wenn diese bis dahin ein- gegangen wäre, wie man es hoffte, Der Traktat war nämlich gleich nah seiner Unterzeichnung an den Kaiser abgefertigt wor- den, Als das Dampfboot „Sesostris“ am 31. August Nanking verließ, waren die Chinesen schon damit beschäftigt, die erste Rate von 6 Millionen Dollars zusammenzubringen; 4 Millionen wa- ren sogar dem Britischen Bevollmächtigten bereits angeboten wor- den, dieser wollte aber nur die ganze Sumne annehmen. Unter den Britischen Streitkräften auf der Flotte im Jantsekiang herrsch- ten Übrigens viel Krankheiten. Fast die ganze Mannschaft des „Sesostris“ stand auf der Kranken-Liske, und das 98e Regiment hatte Über hundert Mann an Krankheiten verloren,

Ueber die Begebenheiten vor Nanking erfährt man noch fol- gendes Nähere: Als die Expedition am 6. Auzust vor jener Hauptstadt angelangt war , landete eine starke Armee - Abtheilung unter dem Kommando des Lord Saltoun westlich von der Stadt und nahm auf einem Hügel, etwa eine halbe Englische Meile von den Mauern entfernt, ihre Position. Die Einwohner sollen er- klärt haben, sie wollten ihre Häuser und Güter nicht der Zerstd- rung preisgeben, und die Garnison, aus etwa 14,000 Tartarischen und Chinesischen Truppen bestehend, soll in großen Schre>en ver- seßt worden seyn. So wie nun die Operationen beginnen soll- ten, wurde ein Brief mit einer Waffenstillstands - Flagge an den Britischen Bevollmächtigten abgesandt, mit der Bitte, er möchte mit den Feindseligkeiten noch zurühalten, da be- sonders vom Kaiser abgeordnete Ober - Kommissarien , die zu Unterhandlungen bevollmächtigt seyen, sih unterweges befänden, Der Angriff auf Nanking, der am 13ten stattfinden sollte, wurde daher aufgeschoben. Ersk am 15ten erschienen die Kommissarien ; es waren : 1) Ki-Ying, ein Mitglied der Kaiserlichen Familie und Ober-Befehlshaber der Tartarishen Truppen in Konangsung, 2) Elipo, General-Lieutenant von Tschapu, früher Gouverneur von Tsekiang, aber im vorigen Jahre wegen Freilassung der Gefange- nen degradirt. 3) Gnu, Ober-Befehlshaber der Provinzen Kiang- Su und Kiang:Si. Sie beeilten sh, dem Britischen Bevoll mächtigten ihre Vollmachten u überreichen, die in gehöriger Ord- nung befunden wurden. odann fanden Höflichkeits-Besuche statt, und nah verschiedenen Konferenzen wurden in Ge- genwart des Admirals, des Generals und mehrerer Bri- tischer Offiziere die Bedingungen eines Traktats unterzeichnet und Abschriften derselben unverzüglich nach Peking gesandt. Als der Traktat unterzeichnet war, wurde eine Königliche Salve ab-

gefeuert, und sofort hórten alle Beschränkungen des Verkehrs zwischen der Expedition und den Eingeborenen auf. Dieser Frie- dens- Traktat hat bei den Briten in China große Freude erregt. Es hieß, der Kaiser habe über die Eröffnung eines freien Handels in Futschufu, der Hauptstadt von Fokien und dem nächsten Hafen an demjenigen Landestheile, wo der Bohea- Thee wächst, zuersk einige Zweifel geäußert, später aber nachgegeben. Die Kommissa- rien sollen ängstli<h bemüht gewesen ua, die Engländer aus dem Jantsekiang und der Mündung des großen Kanals los zu werden; fle erboten sich, sogleih 4 Millionen Dellars zu zahlen, aber der Britische Bevollmchti te bestand darauf, daß die volle Rate bezahlt und der Traktat ratifizirt werden müsse, bevor er sih entferne. Die Entschädigungen für den Opium - Handel sollen, diesem Bericht zufolge, nah dem vor einigen Monaten von der Britischen Regierung festgeseßten Betrage bestimmt werden, während andere Berichte behaupten, es sey von der Opium- Ent- schädigung feine Rede weiter gewesen.

Inland.

Boun, 23, Nov. Gestern brachten die Studirenden dem Professor Dahlmann einen glänzenden Fa>elzug, welcher in seiner Aufstellung auf dem Markte, vor dem Absteige:Quartier des ge- feierten Gelehrten, dem Gasthofe „zum Trierschen Hofe“, den gro- ßen Pla6 fask vollständig umfkreiste, Noch in dieser Woche wird dem Professor Dahlmann in dem großen Saale der „Lese- und Erholungs - Gesellschaft“ ein Diner zur Begrüßung von den Be- wohnern Bonns aus allen gebildeten Ständen gegeben werden,

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Weitere Skizzen zur Geschichte der Spanischen Handels - Politik. uns

(Vergl. Staats = Ztg. Nr. 327 und 328.)

© Madrid, 14. Nov. Jc< komme nun auf eine andere Neuerung in der Spanischen Handels-Geseßgebung, durch welche a ers Deutscher Produkte nah Spanien erschwert wor- en ist.

Deutsche wie alle nicht Spanische Schiffe unterliegen, wenn sie nach hiesigen Hâfen bestimmt sind, dem Mae der hohen Schiff- fahrts-Differenz-Zölle, welche zu Gunsten der Spanischen Flagge ein- geführt sind. Die Einfuhr zu Lande Über die Französische oder Por- tugiesische Gränze ist aber der Einfuhr unter fremder Flagge gleich- gestellÊ, Man mußte also, um diesen Differenz-Zöllen zu entgehen, entweder die Waaren nach Hamburg oder Amsterdam schi>en, und sie dort so lange liegen lassen, bis eines der wenigen Spanischen Schiffe, welche jene Häfen besuchen, einträfe, um sie zu verladen oder sie zu Lande nach einem der súdlichen Häfen Frankreichs ge- hen lassen, von wo sie dann von den zahlreich eintreffenden Spa- nischen Küstenfahrern unter Begünstigung ihrer Flagge abge- holt wurden. Marseille war der Hafen, von dem aus dieses Geschäft am meisten betrieben wurde, und selbst die Engländer schikten häufig, wenn gerade feine Spanischen Schiffe in der Themse lagen, ihre Waaren nah Marseille, um der Begünstigung der Spanischen Flagge zu genießen. Da dieses Verhältniß aber zu einem sehr lebhaften Schleichhandel die Veranlassung gab, und die größeren Spanischen Schiffe verhinderte, weite Fahvton zt machen, um die Waaren aus der Gegend ihres Ursprunges, also zu wohlfeileren Preisen zu holen, so suchte die Spanische Regie- rung diesem Uebelstande abzuhelfen. Ein Königlicher Befehl vom 13, Juli 1830 verfügte, daß alle Spanischen Schiffe, welche in Bordeaux, Bayonne, Marseille und den dazwischen lie enden Nichtspanischen Häfen fremde Waaren laden würden, die Begün- stigung der cinheimischen Flagge verlieren sollten. Natürlich er- hoben die Handels - Kammern von Bordeaux, Bayonne u, s. w. lebhafte Vorstellungen gegen diese Verfügung, die endlich auch von Seiten der Spanischen Relierung, die des Beistandes der Fran- zösischen nah dem Tode Ferdinand?'s VII, gar sehr bedurfte, be- dingungsweise zurü>genommen wurde. Dies hatte aber zur Folge, daß England eine gleihe Begünstigung für Gibraltar verlangte, und sie nah der Revolution von la Granja durch den Minisker Calatrava bewilligt erhielt, Wie vorauszusehen war, nahm nun der Schleihhandel von Gibraltar, wo immer die größten Magazine aufgehäuft sind, auf eine solhe Weise zu, und die Rhederei von Cadix, Malaga , Barcelona, gerieth in so große Sto>ung, daß die Handels - Kammern dieser Häfen nachdrü>liche Vorstellungen an die Cortes richteten und ver- langten, daß das Dekret vom 13. Juli 1830 wieder in Kraft tre: ten solle, Und in der That bestimmt die neue provisorisch einge- führte Zoll-Gesebgebung im Artikel 17 Folgendes: „Die Begün- stigung der Flagge geht verloren für diejenigen Schiffe, die, mit Früchten und Waaren beladen, von Gibraltar, von den zwischen der Gironde incl. und der Bidassoa, dem Miño und der Gua- diana, von den zwischen der Französish-Spanischen Gränzlinie und Marseille incl, belegenen Häfen und von Häfen kommen, die Eu- A Mächten an der Afrikanischen Küste im Mittelmeere gehdren.“

Diese Verfügung hat natürlih zur Folge, daß die fremden in Bordeaux, Marseille u. \, w. auf Spanischen Schiffen verladenen Waaren die hohen Differenz-Zdlle bezahlen müssen, von denen sie früherhin befreit waren. *) Damit nun der Deutschen Einfuhr in Spanien wieder aufgeholfen würde, wäre zu wünschen, daß Spa- nien entweder seine Schiffe in größerer Zahl nach den Holländi- schen und Deutschen Häfen schi>e,**) um dort Retouren zu laden, oder daß es den Spanischen Schiffen, welche die erwähnten Fran- zösischen Häfen besuchen, die ihnen entzogene Begünstigung der Flagge wieder einräâume.

An der Wiederherstellung dieser Berechtigung is begreiflicher- weise Frankreich mehr als irgend einer anderen Macht gelegen, und es is nicht zu bezweifeln, daß das Franzbsishe Kabinet die nachdrü>lichsten Vorstellungen in dieser Beziehung bei der diessei- tigen Regierung erhoben habe, Schwierig is diese Unterhand- lung, da die früheren zwischen beiden Mächten geschlossenen Trak- tate wechselseitige Zugeständnisse solcher Art enthalten, daß ihre fernere Gültigkeit unter so gänzlih veränderten Verhältnissen, und bei dem Widerspruche dritter, ebenfalls traktatmäßig begünstigter Mächte, auf ziemlih s{wankenden Gründen zu beruhen scheint.

*) Jn Marseille umgeht man diesen Uebelstand, indem sich eit Certifikat von dem Spanischen Konsul in dem nahe gelegenen klet- nen Hafen la Ciotat, auf den sih das Dekret vom Fuli 1830 nicht erstre>t, ausstellen läßt. (Anmerk. d. Korresp.)

**) Fm verflossenen Sommer sind in der That vier bis fünf Spanische Schiffe von Bilbao na< Amsterdam und Hamburg ge=

bringen. gangen, um Deutsche Waaren zurü>zu (Anmerk. d. Korresp.)