1909 / 21 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

ch: muß: aber do einen ernsten Appell an die Herren richten. S ige Leute, und wir können ver- langen Dee tbei e E Keine Strolche, keine Wege-

lagerer!) Herr Aba. Hoffmann, ih bitte, nit den Präsidenten in unterbrechen (Ruf redi: E raus!) meine Herren, wir sind ier anständige Leute und können verlangen, daß jeder, der die Chre at, dem preußischen Abgeordnetenhause anzugebören, ih so benimmt, wie die Sitten des Hauses es erfordern. Als Präsident des Hauses verbiete ih deshalb im Namen des Hauses den Herren Urhebern der neulichen Zwischenrufe, künftig in solhen Ausdrücken S zu per Hierauf trat das Haus in die Tagesordnung Ln. 5 Pa RaR der E eines Geseßes, betreffend die ereinigung der Städte Saarbrücken, St. Johann und Malstatt-Burbah zu einer Stadtgemeinde

„Saarbrücken“, zur Beratung. ;

Nach kurzer Hébatte, an der si die Abgg, Linz (Zentr.), von Sthmeling (kons.), Dr. Maurer nl.) und Borg- mann (Soz.) beteiligten, deren Worte aber in der im Hause

errshenden großen Unruhe verloren gingen, und nachdem der eheime Oberregierungsrat Dr. Freund darauf aufmerksam emacht hatte, daß alle zuständigen Instanzen der Absicht der die erfo Wo dieser E zugestimmt hätten, wurde

e erste Beratung geschlo]]en. In zweiter s wurde der Gesehentwurf darauf ohne

ebatte angenommen. x Dann A die erste Beratung des Entwurfs eines

Geseges, betreffend die Psi L Landarmen- érbandes für die Jnsel Helgotan9.

Nach kurzen Bemerkungen der Abgg. von S (kons), Schmed ding (Zentr.), Dr. Scröd er-Cassel (nl. und Gyßling (fr. Volksp.), die wieder bei der noh immer anhaltenden Unruhe unverständlich blieben, wurde der Geseh: entwurf der Gemeindekommission zur Vorberatung überwie)en.

Das Haus trat hierauf in die Beratung der Anträge der beiden freisinnigen Parteten und der Polen, ieire end die A des Landtagswahlrechts und

er Wahlbezirke, ein.

Die A sohn (fr. Volksp.) und Genofsen beantragen, «die Königliche Staatsregierung ¿U ersuchen, noch in dieser Session einen Gesezentwurf vorzulegen, durch welchen 1) unter Abänderung der Artike) 70, 71, 72 und 115 der preußischen Verfassungs- urkunde für die Wahlen zum Abgeordnetenhause das allgemeine, gleihe und direkte Wahlrecht mit geheimer Stimmabgabe zur Einführung gelan gt, 2) zuglei auf Grund der vorläufigen Er- gebnifse der V lkszählung vom 1. Dezember 1905 und entsprehend den Grundsätzen des Geseßes vom 27. Juni 1880 eine än derweitige

eststellung der Wahlbezirke für die Wahlen zum Ab- geordnetenhause herbeigeführt und die Gesamtzahl der Abgeordneten neu beslimmt wird“.

N bag Dr. Szuman (Pole) und Genossen beantragen, «die Königlihe Staatsregierung ¿U ersuchen, no in dieser Session tinen Gesczeatwurf vorzulegen, dur welen bei den Wahlen zum Hause der Abgeordneten 1) das all gemeine, gleiche und direkte Wahl- recht mit geheimer Stimmabgabe eingeführt wird, 2) nach den Gr- gebnissen der leßten Volkszählung eine Neueinteilung der Wahlkreise und Neubestimmung der Gesamtzahl der Akgeordneten vorgenommen

wird“. : s h Das Wort nahm zunächst der Minister. des Jnnern

von Moltke, dessen Ertlärung morgen im Wortlaut wieder-

gegeben werden wird. (Schluß des Blaites.)

Der Reichstagsabgeordnete für den Wahlkreis 18 Hannover (State-Blumen Ba Senator Reese (nl.), ift, ¿W T5 BA zufolge, in der Nacht zum Sonntag in Stade gestorben.

Dem Hause der Abgeordneten ist der Entwurf eines Gesezes, betreffend Abänderung des Gesetzes über die Landeskreditkasse zu Cassel vom 16. April

1902, nebst Begründung zugegangen.

Kunst und Wissenschaft.

wo rach Dr. med. Sachs in der Orts aru Berlin des Ke ebn T die si in ter Aula der Königlichen Elisabethsule versammelt batte, iris o Un L Una s den h einer “ilgemeinen Betrachtung über diese Er- sein N an edie dem Redner au Neranlassung gab, die Begriffs- bildung der monistishen Dreicinigkeitslehre Ds S E R IE bele Empfindung als eine er E 18 solche ein P énertte eleuhten, ging er auf die Bewegung n Ee Tui Wte taß sie kein trennendes Moment zwischen bee anteil n

ilde, und besprah die BewegungkersWeinungen 5 Amd Lebewesen, das Ausstrecken der Schein{üßch j E Vie Bakterien und die Bewegungen der Blutkörper im Tier, dèx Vortragende ergreifen und un/chädlich machen könner. Dann ging der E De zt den Muskeln üer, besprach ihren Bau und thre gu 0 i r Kontraktionsvorgang {ei noch völlig u zaufgekiärt, auch die sachen E Zusammenztehung des so wihtigen muskulären Hohlorgans des DENN jeten noch nit vollkommen erwiesen. Die Wirkungen der wichtigsten Herznerven und der feine, dadurch bewirkte Regulationsmehanismus O auseinandergeseßt, Stoffwechsel und Ernährung des Muskels urz geschildert und im Anschluß daran die Methode der Belebung des herausgeschnittenen Warmblütecherzens dargestellt. Der Redner er- wähnte ferner die Uaterschiede zwischen Herz- und Skelettmuskel und ging darauf auf die verschiedenen Formen der Reizung des Muskels, die stete des Organs selbst —, die indirekte vom Nerven aus S n. Es gibt mechanische, physikalishe, chemische, thermische Netze. ei der infolge eines Reizes eintretenden Muskelkontraktion treten mannigfahe Erscheinungen bedeu'samer Natur ein, von denen der Redner ay den Tätigkeits- (Aktions-) Strom und den von Helmholy ent- elten Muzkelton bei anhaltend kontrahiertem Muskel erkläcend auf- erkffam machte. Die Tätigkeitsstrôme haben durch die Möglichkeit, pu am Herzen des lebenden Menschen nahzuweisen und ihre Ver- B erungen bei Erkrankungen des Organs zu erkennen, große praktische fgeutung gewonnen, und der Muskelton beweist, daß für die an- val ende Zusammenziehung des Muskels cine Reihe {nell aufeinander- Sgtnder Relze vom Zentralorgan notwendig ist. Es folgte die hen Ung der fast romanhaft anmutenden Gn1deckung des „Galvant- tromes und tes nah zahllosen Irrtümern von Hermann er- müdun bjterbesiromes am Muskel und anderen Organen. Die Er- lassen, ‘ck68. Muekels, für die neuere Untersuhungen Toxine vermuten Ursache Semische Produkte der Muskeltätigkeit sind wohl nicht die Und die wärmebildende Kraft des tätigen Muskels wurden S ähnlicher Weise eniwickclte der Vortragende die Gesehe Leitung, daß mg und Nervenleitung, u. a. das A der isolierten die andere über mlih die Erregung nit von einer Nervensaser auf abänderlicen cht, und das Geseh der \pezifischen Gnergie, den un- Pfeilgifts Cur rfolg der Reizung. Der Wirkung dés amerikanischen elektrischen R E wurde eine eingehendere Betrahtung gewidmet, die parates aue le näher erörtert und der „Extrastrom“ eines Induktions- wies der Redner a demonstriert. An allen bezüglihen Stellen arauf hin, daß die Ersheinungen ihrem Wesen nah

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-1896 angeführt werden,

uns völlig dunkel sind, daß es fich bestenfalls um die Zurüdck- führung auf ein doch wieder unerklärlihes Gese handle. So jei auch die Chemie außerstande, über die lebendige Substanz uns Erkenntnisse zu vermitteln. Schließlih ging der Vortragende auf das Seelen- organ ein und polemisierte sharf gegen die monistische Stammesgeschichte der Seele, die das Unbekannte nur auf etne primitivere Urform zurückführt. Die ysydisen Lébensersheinungen seten einer - natur- wissenshaftlihen Betrachtun unzugänglih, und vom Leben der Elementarorgane ist ch Hermann „fast noh nichts begreiflih*. Demgegenüber weise Haeckel der Zelle beim Befruchtungsakt sogar eine „dem Geruh verwandte Eigenschaft“ zu. Die Lokalisation des Seelenorgans im Gehirn sei nur so weit zu behaupten, daß im Gehirn an bestimmten Stellen Verbindungen mit den körperlihen Be- wegungs- und Empfindungselementen statthaben. Die exakte Lösung der Frage nah dem Zusammenhang von Geistigem und Körperlichem sei als hoffnungslos zu bezeichnen. Endlich wurde der Reflexvorgang besprochen und die Gründe für und gegen die Selbständigkeit des Rückenmarks als Seelenorgan eröctert und mit dem Hinweis auf unsere Genügsamkeit anläßlih der oft nur \{einbaren Lösungen der Welträtsel mit der Aufforderung zu streng kritisher Weiterforshung nach den Worten des Astronomen Flammarion geschlossen. Der Vortrag: fand reichen Beifall.

In der Galerie Eduard Schulte eröffnet die Berliner Künsilergruppe „Jagd und Sport“, wie alljährlih zum Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers, ihre Sonderaus\t-:llung, die diesmal besonders rei beshidckt ist. Ferner veranstaltet der Professor Walter

irle-München eine Autstellung von 40 Oelbildern. Professor Hans

ohrdt-Berlin, der den Prinzen Heinrich auf der Sommerreise der deutschen e ues nach Madeira und Teneriffa 1908 begleitete, bringt 90 Gouawebilder von dieser Reise und 12 Brandungsbilder von Sylt. Der Pariser Porträtift Antonio de La Gandara sandte 12 Damen- bildnifse, u. a. die der Sarah Bernhardt, Gräfin de Noailles usw. Weitere Sammlungen und Werke stellen aus: Alfr, Bahmann, Rich. Bernhardt, Helene Büchmann, Carl Bubliß, Benedicta Caesar, Margarete Frißz, Helen Fversen, Karl Kappstein, Alfred Mailick, Decar Michaelis, Karl Pracht, E. Richs-Butler, Margarethe Simrock- Michael, Hedde Stoffregen ujw.

Erdbebenkatastrophen.

Die furchtbare Erdbekenkatastrophe in Süditalien und Sizilien läßt ein kürzlih im Verlage von uelle u. Meyer in Leipzig er- \ienenes Werkchen „Die vulkanishen Gewalten der Erde und ihre Erscheinungen“ von dem Kieler Professor der Geologie Dr. Hippolyt Haas (Wissenschaft und Bildung“, geh. 1 4, in Originalleinenband 1,25 46) doppelt aktuell erscheinen. In anschauliher Weise erörtert der Verfasser alle Vulkantheorien seit -den ältesten Zeiten, um ih dann auch mit dea vielfah mit den bulkanischen Erscheinungen in direkter Verbindung stehenden Erdbeben zu beschäftigen. Großartige Bilder der dur Erdbeben veranlaßten Zerstörungen und Katastrophen werden vor den Augen des Lesers entrollt. Zu den gewaltigsten Wirkungen der Erdbeben gehören unter anderem furhtbare Spalten- bildungen in der Erdoberfläche.

„Am 20. Oktober 1891,“ \hreibt Professor Haas u. a., „hat ein von ungeheurer Zerstörung und Verheerung begleitetes Erdbeben ein etwa 60% der Gesamtoberflähe vom Mikadoreihe umfassendes Gebiet ershüttert und eine 112 km lange Spalte im Boden auf- gerissen, deren beide Ränder durchs{ntitlich um 30 bis 60 cm, an manchen Stellen e um 29 m in vertikaler Richtung gegeneinander verschoben waren. Aehnliches, wenn auch nit in solhem bedeutenden Umfange, ist beim Lokrishen Erdbeben im April 1894 beobachtet worden, dann beim Erdbeben von Alatka im September 1899 us. Ein derartiges Aufreißen von Spalten gehört mit zu den verbängnisvollsten Wirkungen der seismishen Vor- gänge, einerlei, zu welcher Abart diese zu rechnen sind. Bei einem Erdbeben von Catania auf Sizilien (wohl vulkanisher Natur) riß, wie Branca berichtet, eine schmale Spalte unter einigen Häusern auf, die si von oben bis unten spalteten, sodaß im Augenblicke der Mond dur alle Wände in die Zimmer sien. Im näthsten Augenblicke aber \chlofsen sich die Spalten wieder so fest, E man von thnen nihts mehr bemerken konnte. Ganz ungeheuerlich klingen die Schilderungen von dem großen Erdbeben, von dem im Jahre 1783 und in den folgenden Calabrien betroffen worden ist. Da spaltete auf Meilen- länge das Gebirge parallel den Tälern ab, und Städte und Döcfer, die ‘oben auf der Höhe standen, fanken in die Tiefe der Täler herab. Fm Jahre 1868 wurde eine ganze Stadt in Ecuador, Cotocachi, von Tausenden und aber Tausenden von Spalten verschlungen, die ket der Erdershütterung plöplih aufklafften. Von den meisten Häusern blieb nit einmal eine Spur zurü.“

Wer ergreifende Darstellungen dieser Dinge lesen will, den vers weisen wir auf die mehrfa in diesem Buche angezogene Ab- handlung von Branca. .Wenn in heißer Schlacht“, sagt dieser Forscher, „vom frühen Morgen bis zum späten Abend Hundert- tausende von Männern miteinander ringen, dann bringen sie es heute ebenfalls, auf beiden Seiten zusammen, auf 8—10 000 Tote. Der leite große Krieg, 1870—71, hat uns Deutsche 41 (00 Tote gekostet, die gewaltsamen Todes starben. Elendes Stümperwerk der Kinder gegenüber dem, was Allmutter Erde leistet, wenn sie in heftiges Beben versällt!* Das Erdbeben, das um das Jahr 526 unserer Zeitrechnung die Meittelmeerländer betroffen hat, soll 100- bis 900 000 Menschenleben zum Opfer gefordert haben, 30000 dasjenige am Allerheiligentage 1755, das nah der Stätte seiner größten Krast- äußerung den Namen des Erdbebens von Lissabon führt, 60 000 das- jenige auf Sizilien im Jahre 1693! Noch unheilvoller können die Einwirkungen der seismishen Vorgänge werden, wenn sie auh Meeresteile ‘in den Bereich ihrer Tätigkeit ziehen und gewaltige Sturzwellen erzeugen, Erdbebenflutwellen oder Tsunamis (nah ihrer Bezeichnung an der Osiküste von Nippon, wo diese Dinge sehr bäufig sind). Ueber die E 1stehungsursahe der Tsunamis besteht bei den Gelehrten keine völlige Uebereinstimmung. Nach den einen würden fie ledigli als die Folgewirkungen großer unterseeischer Vulkanausbrüche zu betrachten sein, deren Gasexplosionen und magmatishe Ergüfse bet der Berührung mit dem kalten Meer- wasser dieses zum Teil in Dampfmasfsen verwandeln, welche wiederum die Aufwallungen des Wasserbeckens bewirken, also gewissermaßen vulkanishe Seebeben, na anderen sind sie vielleicht auf tektonishe Seebeben zurückzuführen. Es brauht ja kaum noch besonders betont zu werden, daß ebensogut wie die Festlandsmafsen auch die Meeresräume unseres Planeten von seismischen Ersh:inungen betroffen werden können, wenn \sich auch die Ergebnisse der Erdbeben- forshung, wie Sieberg betont hat, niht ohne weiteres auf die See- beben anwenden lassen.

Als Beispiele solcher bedeutender Erdbebenflutwellen und der von ihnen angerihteten Verwüstungen mögen hier diejenigen vom 15, Juni die an der Ostseite von Nippon auf einer Küstenlänge von 700 Meilen fühlbar waren und 30 000 Menschen- leben zugrunde gerichtet haben, sowie die infolge der Eruption des Krakatau aufgetretenen Meereswogen, „die stellenweise 30 m Höhe erreichten und an den benachbarten Gestaden Städte, Dörfer und Wälder ükerfluteten sowie auf teren LTrümmern große Mengen - mißfarbenen Schlammes abluden.* * 40 000 Menschen sind dur ihre Wirkungen getötet worden. Die großen Wellen dieser Grdbebenflut folgten in einem Zeitraum von durh- \nittlih 2 Stunden aufeinander, ein Wert, dem tine horizontale Amplitüde von 80 geographischen. Meilen (148 km) entspriht. Die Erdbebenfluiwellen des Krakatau maten ih, allerdings an Stärke und ole rasch abnehmend, in allen Ozeanen geltend.

3 ist des öfteren behauptet worden, daß sowohl Haustiere als auch wilde Tiere {on vor Beginn der Crdbebenerscheinungen selbst und manchmal sogar Stunden und Tage, bevor der Mensch etwas von der herannahenden Katastrophe bemerken konnte, Unruhe und Aufregung gezeigt hätten. Man bat das dahin gedeutet, daß der Wahrnehmungssinn dieser Tiere für Bodenerschütterungen den

des menshlihen Geschlehts beirähtlid übersteigen müsse, sodaß son sehr geringe Bodenbewegungen, die für aen gänzlich unbemerkbar bleiben, von den ersteren C werden, Diese Dinge bleiben no Untersuchungen der Zukunft vorbehalten, aber jedenfalls leben sie au einem positiveren Boden als der Aberglaube früherer Jahrhunderte, der in besonderen „Luftersheinungen“, in „heranrückenden Kometen“ uss. 48 Seelen von Erdbeben ‘und vielen zukünfigen Landesplagen“ ehen wollte. / j

“In sehr vielen Fällen treten ganz eigentümlihe, dumpfem Donnergrollen oder ferném Geshüßfeuer vergleihbare Geräusche vor, während - oder nah dem Erdbeben, manhmal auch ohne jeden an der Erdoberflähe erkennbaren Zusammenhang mit diesen auf: die Bramidos der Mexikaner, die Netumbos in Südamerika, die Barrisal Guns (Kanonenshüsse von Barrisal) im Mündungsgebiet des Ganges und des Brahmoaputra, die Rombos der Italiener, die Mistpoeffers und Nebelshüsse der Leute an der Nordseeküste usw, Soweit es sich bei diesen Dingen um Begleitersheinungen von wahr- nehmbaren Erdershütterungen handelt, um Erdbebengeräusche im wirklihen Sinne des Wortes, werden sie wohl mit großer Wahr- \cheinlihkeit durh äußerst shnelle und kurze Shwingungen des Bodens bervorgebraht, die dem eigentlihen Erdbebenstoße vorangehen. Ob jedo die ohne erkennbaren Zusammenhang mit Erdershütterung vors kommenden Bodenknalle die gleihe Entstehungsursache besitzen, das ist doch nit festgestellt, wenn diese Annahme au in der Gegenwart viele Anhänger gewonnen hat.

Ungemein wechselnd und \{wankend ist die Dauer der Ero. \chütterung bei den Erdbeben. Caracas in Venezuela ist am Grün- donnerstag 1812 dur drei Stöße, die alle innerhalb tes Zeitraumes von nur einer ha! ben Minute ertolgten, in einen wüsten Trümmer- haufen verwandelt worden, der 10 000 Meoschen unter \ich begrub; die Katastrophe von Lissabon am 1. November 1755 hat nur wenige, ungefähr 5, Minuten gedauert, dann lagen ¡wei Drittel der Stadt am Boden und 300720 Menschenleben waren vernihtet. Dagegen hat das Erdbeben von Calabrien, das 1783 begonnen hat, diese Landschaft 4 Jahre lang in Erschütterung gehalten, und zwar anfangs so sehr, daß im ersten Jah:e nicht weniger. als 919 Slöße, darunter 98 sehr heftige, verspürt worden find. Das Erdbeben von Groß- Gerau im Rheintale hat si von 1869 bis 1873 bemerkbar gemacht, und auch im sächsishen Vogilande haben Erdbebenershütterungen mehrfach längere Zeit hindur angehalten (1875 bis 1900, 13. Fe- bruar bis 18. Mai 1903).

Die Frage nah der Tiefe des Erdbebenherdes ist noch ungelöst. „Wohl begegnet man“, sagt Sieberg, „in der Erdbebenliteratur einer Reihe von zahlenmäßigen Angaben über die Herdtiefe cirzelner

Beben, aber sie besißen, wie heutzutage festiteht, nur den Wert einer Schäßung. Der Grund hierfür ift der, daß

einesteils die zur Berechnung dieser wichtigen Größe aufgestellten älteren Methoden auf falschen Porgusicprugen beruhen, andernteils si außerdem noch der praktishen Durchführung ganz außerordentliche Shwierigkeiten in den Weg stellen.“ Neuere Berehnungen haben für die Herdtiefe des Erdbebens von Sshia am 28. Juli 1883 einen Mittelwert von 800 m ergeben, für das von Herzogenrath am 99, Oktober 1873 einen solchen von 1500 m, _ von 10 300 m für das japanishe Mino-Owart-Erdbeben vom 28. Oktober 1891 und einen Mindestwert von 107 500 m für das Erdbeben in Nordamerika vom 31. August 18836.

Verkehrsanstalten.

Jn Kigali, dem Siy der Residentur Ruanda in Deutsh- Ostafrika, ist eine Postagentur eingerihtet worden, welche die Be- zeihnung „Ruanda (Deutsh-Ostafrika)* führt. Die Tätig- keit dieser Postanstalt erstreckt {ih auf die Annahme und Ausgabe von gewöhnlihen und eingeschriebenen Briefsendungen, auf die Annahme von Postanweisungen nach dem Schußtzgebiet und nah Deutschland sowie auf die Auszahlung von Postanweisungen aus tem Schußgebiet.

Die Postanstalt in Berseba (Deutsh-Südwestafrika) ist zur Teilnahme am Postanweisungs- und Nachnahmeverkehr innerhalb des Schußzgebiets und mit Deutschland ermächtigt worden.“

meldet, die Versuche, die Schiffahrt in den mittelelbischen äfen in Gang zu halten, größtenteils gescheitert und wegen des isgangs nunmehr gänzli aufgegeben worden. Auf dem Frachten» -

r ist infolgedefsen eine durhgehende Erhöhung der Naten ein-

getreten. |

Infolge starken Frostes di wie das „W. T. B.“ aus Hamburg -

Theater und Musik.

Neues Schauspielhaus.

Foseph Kainz spielte am Sonnabend seinen unvergleichlihen Orest in Goethes „Zphigente auf Tauris“. Mar’ kenut ihn {on von früher her in dieser Rolle, in der keine \hauspielerishen Probleme zu lösen sind, die vielmehr an eine gereifte und

geläuterte Sprehkunst die höhsten Anforderungen stellt. Wenn diese Sprehkunst mit dem Temperament eines Kainz ge- paart erscheint, so entsteht eine fünstlerishe Wirkung®

von ungeahnter Ausdruckskraft. Besonders im ersten Teil seiner Auf- gabe, in der Darstellung des fluhbeladenen, von den Furien der Ge- wissentqual gepeitshten Flüchtlings, schien der Gast wie mit Feuer- zungen zu reden. In den weicheren Stellen des drilten Akts ließ die Wirkung eiwas nach, um si{ erst zum S@Whluß wieder zur vollen Höhe zu erheben. Frau Gertrud Arnold war eine hoheitsvolle Iphigenie; fie sprach die Goetheshen Verse mit warmem Emyfinden und {önem Ausdruck, nur hin und wieder etwas zu leise. Den Thoas gab Herr Klein in königlicher Haltung und den Aikas Herr Siebert in seiner klugen Art, auch Herrn Höblings Drit, ves S e Sclanialyelng unter der elleitung des Herrn Rehbach wurde der poetischen St der Goectheshen Dichtung vollauf gerecht. M

Komische Oper.

Leoncayallos „Zaza“ behauptet immer noch ihren Play im Sptelplan der Komischen Oper. Am Sonnabend ging das ad i i wirkungevolle Werk mit teilweise neuer Beseßung in Szene. Die Titelrolle hatte Fräulein Mary Hagen, die bekannte Operetten- Federn, die hiermit den bedeutsamen erften Schritt auf der Opern-

ühne tat, übernommen. Die Künstlerin, die der Ausbildung ihrer s{ônen Sopranstimme viel Sorgfalt zugewandt hat, bewies, daß Bs und Mühe nit umsonst gewesen sind. Die Tonbildung hat gegen rüber erheblih gewonnen, und thr Organ zeigt besonders in der mühelos quellenden Höhe ganz besonderen Reiz. Eine gewandte und tempera- mentvolle Darstellerin war Fräulein Hagen von jeber, sodaß ihre Verkörperung der Zaza nach Ueberwindung einer begreifiichen Be- fangenheit als überaus glüdcklih bezeichnet werden kann. Für den indisponierten Herrn Makak, der zum ersten Male den Dufresne fingen sollte, war Herr Naval eingetreten, der als glänzender Ver- treter dieser Partie bereits bekannt ist. Neu war Herr Cgönieff als Caseart, den er gesanglih wie darstellerish sympathisch gestaltete, Die d eno lebhaften Beifall, der besonders der Vertreterin der elrolle galt.

Im Königlichen Opernhause findet m nd va ra E S in den Det mee 0g, Rothauser, die Her g Kniyfes ban u Res Heedi ren Sommer, Bachmann, Philipp, m n en ausptel 5 Dot* in der bisherigen Besezung PD Wi A E

Die Konzertdirektion erm ü ü diese Woche folgende M terte n Gi 7 E B flein: Liederabend von E Cantor, am Klovier Eci I. Wolff; Beethovensaal: I1. Klavierabend von Ferruccio Busont; Singakademie: