1909 / 86 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

T machen jedo

geit dle Fähigkeit eines Facarbeiters an und erreichen als solhe, oder

großem Bedarf ‘an Arbeitäkräft [s ungelernte Arbeiter,

jut ohn, der n ihnen ermbglidh, cine setblländiae Grlfens s er vyo tri en Unadhäng

der Minderjährigen geht häufig S für Zucht und

pednung verloren, und ihre Lebensweise läßt die Netgung auf-

gu h von dec B Eltern zu befreien.

M Die Bestimmungen ger evormundung der | gen über die Arbeitsbücher geben den Eltern zwar die 4 iredung und die Möglichkeit, Teil dur die moderne

En wicklüng hervorgerufenen unangemessenen Aeußerung des Selbst-

4 ständigkeitsgefühls entgegenzutreten und eine gewisse Einwirkung auf

Arbeltsverhältnisse de Elt r Minderjährigen zu gewinnen. Die Cltern lten i nah den Devtomeige Pee ewerbeinspektoren von m 8 107 der Gewerbeordnung begründeten Rehte, zu ver- daß thnen au das Arbeitsbuch ihrer Kinder über 16 Jahre der Arbeitsstätte ausgehändigt w-rde, nur in Fällen Eebrauch, obwohl sie gerade in Wahrung {hren Rechtes und der ihnen zustehenden Befugnis, die zuneh winderjährigen Kindern erteilte Arbeitserlaubnis zurück- Arbeiten der einzuschränken, ih bestimmenden Einfluß auf deren der Ei, verhältnisse fichern könnten. Jn den allermeisten Fällen endigt lôhri fluß der Cltern oder geseßlihen Vertreter auf den minder- gen Arbeiter. mit dem Antrage auf Ausstellung des Arbeits Gewöhnlih wird dieser Antrag bereitwilligst gestellt, weil ermödgli Kindern eine Erwerbsquelle ersélofen wird, die es ihnen gliht, ihren Anteil an den allgemeinen Unkosten der Familie zu ierauf sind viele Familien nur zu sehr angewiesen, und die tnn d Eltern, daß sie diese pekuniäre Beihilfe verlieren könnten, meiste er jugendliche Arbeiter das Elternhaus verläßt, bestimmt die in die von ihnen, |ch tunlihs| aller weiteren Einmishungen aud den Arbeitsverhältnisse ihrer Kinder zu enthaltén. Hieraus und es sh, dag Fen Wert, den die Eltern den Arbeitsbüchern beilegen, erklärt nissez die in der Gewerbeordnung bei Lösung des Arbeitsverhält- Vertreter 0esehene Aushändigung der Bücher an die geseßlichen Betrie nur sehr selten verlangt wird, N von den den Fal in denen noch nähere persönliche Beziehungen zwischen Fabrit p tanten und ihren Arbeitern über die Grenze der der “Mnaus bestehen, tritt dieser Fall fast nur dann ein, wenn selben Merjährige mit seinem Vater oder Vormund in dem- Betriebe gearbeitet hat. Auh den unter 16 Jahre die Vorsgrtern wird das Arbeitsbuh meist direkt ausgehändigt, und Iu erfol, Yrift, daß die Aushändigung an den geseblihen Vertreter vollend gen Yat, wenn der Arbeiter das 16. Lebensjahr noch nicht wegen S hat, wird von den Arbeitgebern teils aus Unkenntnis, teils D er oft großen Schwiertgkeiten ihrer Durchführung kaum beachtet. bornen iweite für die Einführung der Arbeitsbücher seinerzeit Kontx ali maßgebende Gesichtspunkt, die Erschwerung d2s dem attbruchs minderjähriger Arbeiter, verliert praktisch in werbl{z Obe an Bedeutung, wie die Gepflogenheit, im ge- Weite en Arbeitsvertrag ¡jede auszuschließen, so ets Verbreitung findet. Sind Kündigungsfristen eingeführt, ind eutet das Arbeitsbuch für den Arbeiter gleihfalls häufig kein L ernis, sofort die Arbeit niederzulegen und den Kontrakt zu brechen. inhajebeitgeber kann das Buch bei recht3widriger Lösung des Arbeits- tine [nisses wohl zurückbehalten und dem Arbeiter den Eintritt in nel anderen Betrieb auf diese Weise ershweren, er verzichtet aber 1 stens darauf, weil die Begleihung einer Schuld des Arbeiters nur selten eriwingen ist und er von der Fortseßung der Tätigkeit kontraktbrüchiger ionen eher eine Schädigung als eine Förderung seiner Interessen ny erwarten hat. Die Arbeitsbücher haben daher für die Unternehmer übe insofern Wect, als sie ihnen bei Streitigkeiten mit den Arbeitern

Kündigungszeit

r den Arbei als unangreifbare Grundlage dienen und thnen v Einstellung neuer Arbeiter über ea bisherige Tätigkeit und Dauer v e Beschäftigung in anderen Betrieben Auskunft geben. Nicht un- hagentlih wird dieser Wert der Bücher aber dadur beeinträhtigt, vi leder Arbeiter |{ch an Stelle eines Arbeitsbuches, das ihm irgend- V: Ungünstig erscheinende Vermerke enthält, leiht ein neues unter dem (yje egeben be\@affen kann, das alte verloren zu haben. Die über- einedende Mehrzahl der Arbeitgeber sieht daher in den Arbeitsbüchern Ne Einrichtung, die für sie ganz zwecklos ist und ihnen durch die pufbewahrung und vorshriftsmäßige Ausfüllung der Bücher sowie Ur die häufigen polizeilichen De tonen nur Mühe und Umstände berursa t und sle außerdem der Gefahr ausseßt; wegen eines Ver- thens ihrer Beamten bestraft zu werden.

Die Arbeiter, für die das Arbeitsbuch ein amtliher Ausweis er ihre Person und ihre früheren Arbeitsverhältnisse ist, legen üm, wie aus der großen Anzahl der zurückgelafsenen Bücher vorzugehen scheint, keinen Wert bei und betrahten die Ver- Whtung zur Führung eines Arbeitsbuches meistens als eine bequeme Bevormundung. Besonders unbeltiebt sind die Arbeits- Wer in einigen Industriezweigen, wie z. B. in der Konfektions-

Mrie, in der gern Arbeitskräfte aus besseren Beyßzlkerungskreisen Mommen werden; hier wirkt die Notwendigkeit, si ein rbeits- dd bon der Polizeibehörde ausstellen zu lassen, oft erschwerend auf

* Erlangung minderjähriger Arbeiterinnen, da die Gleichstellung mik hWtikarbeiterinnen als demütigend emvfunden wird. Verschiedentlich ist d nicht geäußert worden, daß die Quittungskarte für die Inyaliden- wjaYerung eine genügende Legitimation für den Arbeiter set. Dage füht bemerkt, daß Arbeiter bis zu 16 Jahren eine solhe Karte nicht dagen, da die Versicherungspflicht erst mit diesem Alter beginnt, und wb gerade für diese Arbeiter eine Legitimation besonders wünschens8- Vat ist, ferner daß die Quittungskarte von dem Arbeitgeber wider als Villen des Inhabers nicht zurückzehalten werden darf. Ste kann best gegebenenfalls, wenn es si{ch_ um die Durchführung der für ein ¡ustz tes Lebensalter geltenden Schußvorschriften handelt, auch den iländigen Beamten nit immer vorgelegt werden, wobei noch in Be- beste ommt, daß eine geseglihe Verpslihtung zur Voilegung nicht

Aus den Beobachtungen der Gewerbeaufsitsbeamten über die ügung der Arbeitabluhor auf die Arbeitsverhältnisse der minder-

ven Personen ergibt sich mithin, daß dîe üher die an Un Einführung geknüpften hohen Erwartungen nicht erfüllt haben.

iweifelhafter Wert wird ihnen von den meisten Gewerberäten fen zuerkannt, als sie geetgnet find, in erzieherisher Weise auf inspeptoendlihen Arbeiter einzuwirken, und als fie den Gewerbe- die 3 oren und Polizetbehörden siere Angaben über das Alter und Jugen dieser Arbeiter bieten, ohne die die Durchsührung der für sein e ersonen erlassenen Schußvorschristen kaum mögli

j g fäbr 60 Dur Arbeiterbewegung. iben Wi al x chneider der M äfte in Minden (Wesl- f rbe) befanden ih seit 14 Tagen im A da sie erhöhte Lohn- Arbeitgepen nit bewilligt erhielten. Dur gütliche Einigung, twishen der Audstan und Arbeitnehmern is nun, wie die „Köln. Ztg.“ meldet, Mnerdannt 9 beigelegt worden. Die Forderungen wurden teilweise Aus S rbeit wird sofort wieder aufgenommen. yon Voß, wird demselben Blatte gemeldet: Auf der Grube fgwertung, die aut ee Eide brit Jt D n L Aua: 8 di / ettfabril se wod) wegen de , (ide Arbeite mien Belegschaft fill lag, sind am Sonnabend sämt-

Val. Nr. 85 dri t auf ihre Forderungen wieder angefahren.

Knopf, N óru haben, wie ,W, T, B.,- igen tbeligehee eiter A E Nacht zum 10. oe b Sten uts Lenommen., je Gend Es wurden ¡ahlreihe Verhaftungen vor- Mthafteter Aussiändzieo Mette wurde verstärkt. Bei Ueberführung Tebnhofe zu einem Z ins Gefängnis na Beauvais kam es am ie Wen. Einige Theer tet igl, Miden Arbeliern mnd

cœndarm wurden verwundet. hrer einer Husarenabteilung und

Termonde-Diama t ermonde ntschl eifer sind, wie der „Köln, des Wand teen, e wegen Wasen cl

Wohlfahrtspflege.

Die Zentralauskunftsstelle für Auswanderer in Berlin W. 9, Stellingstraße 4, hat im ersten Vierteljahr 1909 (1. Januar bis 31. März) in 4224 Fällen Auskunft an Aus- wanderungslustige erteilt, und zwar in 2865 Fällen s{riftliche und in 1359 Fällen mündlihe. Beantwortet wurden insgejamt 6701 An- fragen über die vershiedenen Auswanderungsgebiete. Davon venn

3548 auf die deutschen Kolonien, und zwar auf Deutsh- Südwestafrila 1609, Deutsch - Ostafrika 606, Kamerun 212, Togo 169, Samoa 73, Deutsch - Mens bie Karolinen, Palau und Marianen 16, Kiautshou 51 usw. Unter den fremden Au8wanderungegebieten steht Süd-Brafilten mit 836 Anfragen an der Spiye; dann folgen Argentinien mit e Nord- und Mittel-Brasilien mit 342, die Vereinigten Staaten von merika mit 281, Canada mit 157, Brasilten im allgemeinen mit 97, Chile mit 85, Paraguay mit 58, British-Südafrika mit 46, Uruguay mit 42, Stalien mit 24, Mexiko mit 20, Niederländish-Indien mit 19, Queensland mit 19, China mit 17, Rußland mit 16, England mit 14, Bolivien, Peru und Neu-Seeland mit je 13. Der Rest verteilt fi auf Columbien, Cuba, Ecuador, Guatemala, Honduras, Franz \ - Guayana, Nicaragua, Westindien, Panama, Abessinien, gier, British-Ostafrika, Aegypten, die Canarischen Anleln den Congostaat, Madagatcar, Marokko, Mozambique, Französish- und Portugtesisch- Guinea, Tripolis, Tunis, Zanzibar, British-Indien, Hongkong, Fapan, Persien, die Straits Settlements, Siam, Sibirien, die Asiatische Türkei, Tongking, Neu-Südwales, Nord- und Westaustralien, Tasmanten, Victoria, Belgien, Frankreich, die Niederlande, Oesterreih-Ungarn, Bulgarien, Dänemark, Portugal, Spanien, die Schweiz, die Türkei, Rumänien, Shhweden usw. usw. Es gibt fomit kaum ein Be der Erde, über das niht Anfragen eingelaufen und

antwortet wären. E Von den 2848 Anfragenden, die ihr Alter angaben, waren 345 weniger als 20 Jahre, 1699 zwishen 20 und 30, 571 zwischen 30 und 40, 178 zwishen 40 und 50, und 46 über 50 Jahre alt, und von den 3412 Fragestellern, die Angaben über ihren Personenstand machten, waren 2493 ledig, 970 verheiratet und 39 verwitwet. Nah dem Berufe waren unter den Anfragenden am stärksten die Kauf- leute, Handwerker und Landwirte vertreten, Von den An- fragenden bezeihneten ih 668 als mittellos, während über elf- hundert zum LCeil über recht erhebliße Summen verfügten; ¿. B. 50 über 10000 4, 18 übèr 15 000 #4, 37 über 20000 M, 92 über 30 000 #, 8 über 50 000 46, 4 über 60 000 4 usw. bis zu 500 000 M hinauf. Von den Anfragen kamen aus Preußen 2980, und zwar aus Brandenburg mit Berlin 1733, aus der Rheinprovinz 233, Sachsen 200, Westfalen 146, Shlesien 114, Hannover 101, Sleswig-Holstein 101, Hessen-Nafsau 91, Ostpreußen 91, ommern 82, Posen 46 und Westpreußen 42, An der pie der übrigen Bundesstaaten steht Sachsen mit 274, es folgen das Königreich Bayern mit 225, Württemberg mit 109, amburg mit 105, Baden mit 104, Elsaß-Lothringen mit 60, Hessen, Déedlen urg-Schwerin und Bremen ‘mit je 31, Braunshwelg mit 21, Anhalt mit 19 usw. Aus den Deutschen Kolonien kamen 16 An- fragen, aus dem Auslande 145, davon 40 aus Oesterrei, Ungarn, 27 aus der Schwetz, 21 aus p usw. :

Die Zentralauskunftsstelle für Auswanderer erteilt kostenlos

\chriftlihe und mündliche Auskunft.

Am 2. Iult d. I. soll das von der Stadt Schöneberg be-

ründete Erholungsheim für tuberkulöse Kinder auf der Ins el Föhr in E eröffnet werden. S{höneberg hat für diesen humanen Zweck den Grund und Boden erworben und 170 000 4 in bar gespendet. Die Anstalt is mit allen modernen hygtenischen Einrichtungen ausgestattet: direkte Be- und Entwässerung, Zuführung von nach Bedarf erwärmtem Seewasser zu allen Jahreszeiten, elektrishe Beleuhtung, Ventilation und Zentralhehzung, Zandersaal, Luft- und Sonnenbad, Strandhalle usw. Während die körperliche Pflege unter der ständigen Aufsicht eines Arztes steht, ist au für Bie geistige Weiterbildung der Kinder unter Leitung einex Lehrerin gesorgt, die in etnem eigenen Schulsaal Unterricht erteilt. Der Betrieb der Anstalt mit ihren 110 Betten liegt in den Händen des „Vereins zur Bekämpfung der Tuberkulose“. Aufnahme finden \krophulöse, knochen- kranke Kinder, insofern sie niht an E Lungentuberkulose leiden. Der tägliche Verpflegungsfaßz einshließlich der Kosten für Hin- und S E beträgt 2,50 46.- Ueber die Aufnahme entscheidet der

adtarzt.

Kunst und Wissenschaft.

A. F, In der Aprilfißung der „Vorderasiatishen Gesell- schaft“ sprach Professor D. Greßmann über „die Geburts- legende Jesu“ Lucas 2, 1—20. Der Redner führte etwa folgendes aus: Es ift bekannt, daß von den Evyangelien das von Markus und das von Johannes über die Geburt Jesu nichts enthalten, das von Matthäus die Geschichte von den drei Weisen aus dem Morgenland nur mit den Worten einleitet: „da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande zur Zeit des Königs Herodes, siebe da kamen . . . .", daß somit das Lucas-Evangelium die einzige Quelle ift, der Nachrichten recht ausführlicher Art von der Geburt Jesu zu entnehmen sind. Das ift in gewissem Sinne s{hmerz- li; denn gerade dies Evangelium is dem modernen Empfinden wenig \sympathisch, weil es unter allen am meisten gesättigt ist mit Er- zählungen von Wundern, deren kritishe Betrahtung es nahelegt, auch an den historischen Teil dieses Evangeliums mit kühler Unter- suchung des Tatsächlichen, das dort berichtet wird, heranzutreten. Von vornherein muß man ih vergegenwärtigen, daß das Evangelium etwa ums Jahr 70 unserer Zeitrechnung niedergeshrieben worden ist, also ein Menschenalter nah. dem Tode Jesu, ein Zeitraum, der genügte, um Wundererzählungen aller Art an die große Erscheinung des Meisen von Nazareth zu knüpfen, Erzählungen, die, wie an einem beträhtlihen Teil von ihnen nahweisbar ist, lange vorher {hon in gleiher oder ähnliher Form an Heroen der Vergangenheit geknüpft worden waren, z. B. an die Personen der Propheten Glias und Elisa. So entsprehen, wie der Redner im einzelnen nahwies, die in den Versen 9—15 des 2. Kapitels berihteten Wunderersheinungen, so hoh poetish sie allezeit anmuten werden, Vorstellungen und Erzählungen, die seit lange in der Phantasie der ortentalishen Völker lebten und von Mund zu Mund gingen, sodaß fie nur als finnige An-

af ungen angesprohen werden können. Was aber den rein -ge- d Gtlidhen Kern, den Bericht über die vom römischen Landpfleger Cyrentius in Syrien ausgeshriebene Dees qogelt und die daraus ih ergebende, angeblihe Notwendigkeit für Josef, fich als ein Nach- komme Davids von dem fernen Nazareth nah Bethlehem, der Stadt Davids, zu begeben, so sind Zweifel berehtigt an der genauen Ueber- einstimmung der Schäßzungszeit mit dem Geburtsjahre Jesu und vor allem an der Josef auferlegten langen Reise zum alleinigen Zweck der Schäßung. Eine von Cyrenius angeordnete Schäßung hat nah anderen Nachrichten im Ie 6_ vor unserer Zeitrechnung \tatt- gefunden. Es ist kaum wahrscheinli, daß ih die ie oungen in so kurzer Zeit gefolgt sind, wenn auch in keiner Weise nahweisbar ist, in welchem Zeitraum sie stattfanden. Aus Aegypten wissen wir nur, daß dort Schäßungen alle 14 Jahre. erfolgten. Seltsam erscheint es, daß der Ie Landpfleger eine Bestimmung getroffen haben oll, daß die im Lande verstreuten Angehörigen der verschiedenen Biimme ih zum wed der Schäßung an ihre Stammsiße zu be- geben hätten. Ist denn anzunehmen, da die rômishen Eroberer von diesen nur von den Juden pietätvoll gepflegten, aber praktisch bedeus- tungslosen Verhältnissen überhaupt Kenntnis hatten? Hier . S jüdishe Begriffe mit historischen Dingen der geshichtliGen Währheit nicht förderlih vermengt. Man wird si bei der Erzählung des Lucas immer zu vergegenwärtigen haben, daß wenn auch nicht von dem Ver- fasser des Evangeliums selbst, aber von der Macht der im Weiter- erzählen {h unwillkürlich den vorhandenen Vorverkündungen eines Messias anpassenden Tradition der Stoff bei seiner Niederschrift die

Gestalt angenommen hatte, die \sich in tunlihster Uebereinstimmung befand mit der Erwartung des Hervorgehens eines Messias aus den ärmsten Verhältnissen ( Krippe, Stall) und dem Hinweis der prophetishen Weissagungen, daß er aus dem Hause Davids stammen werde (Sahara Kapitel 12), daß Bethlehem die Stätte seiner Geburt sein werde. Der Vortragende zeigte an einer Reihe von Beispielen aus ägyptischer und bakylonischer Geschichte und Mythe, wie der Gegensaß von Armut, Dunkel und Ohnmacht zu Reichtum, Licht und Machtsülle, das Aufsteigen aus der Ntedrigkeit zur Höhe, der Gegensaß von Höhle und Hütte als Aus- angspunkt zu KOLgIOot und Palast von jeher die Phantasie des - olfs beschäftigt habe, und wie infolge hiervon au die fich nach Lucas an die Geburt Jesu knüpfenden Wunderersheinungen als Varianten von Erzählungen zu gelten hätten, die beslenfalls den an sh nüchternen und umschriebenen historishen Kern wirkungsvoll zu

schmüdcken bestimmt gewesen scien. An den Vortrag rethte sich eine lebhafte Diékussion, an der nächst dem Vorsißen- den, Professor Dr. Hartmänn u. a. die Herren Dr. Hoff-

mann-Kutshke, Leßmann, Messerschmidt, Ranke teil- nahmen. Diese Erörterungen knüpften fch indessen weniger an das Hauptthema (das nur in dem vom Vortragenden gebrauWten Ausbdruck „märchenhafte Motive“ mit der Bemerkung gestreift wurde, es sei ein Unterschied zwishen Märhen und Mythe nit anzuerkennen), als an babylonische und ägyptishe Vorstellungen über den Sonnengott und Engelerscheinungen, von denen der Vortragende mehrfach gesprochen hatte. Dr. Hoffmann-Kutshke verfocht hierbei die Ansicht, daß überall, wo in diesen Mythen von einem Schiff in Verbindung mit einer Gottheit gesproßen oder das Schiff zum Gegenstand einer Darstellung gemacht werde, nicht die Sonne, sondern der Mond gemeint sei. Denn nur der Mond erscheine, in L Breiten zumal, wo der zunehmende Mond, abweichend von unseren Breiten, horizontal liegend sich zeigt, den Menschen in Gestalt eines Kahnes, niemals die Sonne, und ein tiefer Sinn liege in der häufig wiederkehrenden dreitägigen Frist; denn etwa drei Tage lang sehe man nah dem Neumond, das Mondshifff ausfüllend den nur vom Erdlicht {wah erleuchteten dunklen Teil der Mondscheibe. Der Aegyptologe Dr. Ranke widersprah indessen der wenigstens mit Bezug

auf fayptische Vorstellungen viel zu allgemein aufgestellten Behauptung; denn es unterliege keinem Zweifel, daß mit ähnlichen ägyptishen Dat-

stellungen die Sonne gemeint sei. ;

Im Verein für deutsches Kunstgewerbe \sprach am ver- angenen Mittwoch Dr. ax Osborn über Altberliner rchitektur und Kunstgewerbe. Er führte etwa folgendes aus:

Berlin ist besser als sein Nuf. Seine Bewohner ‘haben von jeher praktischen, klaren, nüchternen Sinn bekundet; nur deshalb glaubt man ihre Kunstpflege geringer s{chäßen zu dürfen, als sie in Wirk- likeit ist. Schon das älteste erhaltene Baudenkmal, die Nikolat- kirhe, zeigt in ihren kräftigen, aus Findlingsblöcken aufgerihteten, festungsähnlihen Mauern das Praktishe, Klare im Wesen der Be- völkerung. Die nächstälteste Kirche, die Marienkirhe, um 1250 entstanden, von ähnlich festem, kräftigem Aufbau, läßt erst in der später, etwa 1430 errichteten Sakristei mehr vom “äußeren Schmuckwerk der Gotik erkennen und vor allen Dingen das Eindringen des Back|teinbaues, der das Mauerwerk aus Feldsteinen ablöst. Ganz aus Backssteinen ist hon die drittälteste Kirche Berlins, die Klosterkirhe, erbaut. Neben ihr, im alten Grauen Kloster, dem ehemaligen Kloster der Franziskaner, haben si{ im Erd- geshoß noch einige gotishe gewölbte Näume erhalten. In der Profan- architektur Berlins war das älteste Denkmal die Gerichtslaube, bie eine vorspringende Ecke an der Spandauer- und Königstraße bildete und [eider abgebrochen worden is, Sie war als offene Halle in gotishem Stile aus Balksteinen errihtet. Die Rippen ihrer Kreuzgewölbe flossen in einem kräftigen Mittelpfeiler zusammen, den eine tüchtige Handwerks- kunst mit Sinnbildern geschmückt hatte. Von Funfigewerblichen Gebieten hatdie Metallbearbeitung von jeher tin Berlin rege Pflege erfahren. Mittel- alterlihe Kunstschmiedearbeiten zeugen davon noch heute und ebenso der in Messing gegossene Tausree der Marienkirhe vom Jahre 1437. Im nächsten Sahthundert ließen Kurfürst Joachim L. und sein Sohn in Peter Vishhers Nürnberger Werkstatt dem Kurfürsten Johann Cicero ein Pro nau gießen, das den Berliner Kunfthandwerkern starke Anregung gab. Joalhim Ik. ließ sodann durch Caspar Theyß, einen S(hüler jenes sähsishen Baumeisters Konrad Krebs, der Burg Hartenfels in Torgau errichtete, das Hohenzollernshloß umgestalten, das Friedri I1. in der Mitte des 15. Jahrhunderts als trozige fene auf der KöllnisWen Insel errihtet hatte. Von dem enaifsancebau, den Theyß aufführte und der etwa halb fo groß wie das heutige Shloß war, sowie von den malerishen Erkern und Türmen dieses Baues wissen wir nur durch Abbildungen. Erhalten hat sich dagegen der Wendelstein mit den anschließenden Galerien. Zum Dom, der Kirche der Dominikaner, die sich zwischen Breite- und Brüderstraße erhob, führte vom Säloß in der Höhe ein gedeckter Gang. Diese Domkirhe gotishen Stils wurde erst 1740 abgebrohen und im Lustgarten neu ausgeführt. Den Shloße bau führte Johann Georg weiter. Wie sich Joachim Il. zur Bestätigung seiner Kunstliebe des Münzjuden Lippold bedient hatte, so sein Nathfolger des Alchimisten Leonard Thuraeisser. In dessen Werkstatt im Grauen Kloster entstanden die besten unter den alten Drucken und Hol;shnitten der Mark, au Bild- schnißereien, Gobelins, Seidenstoffe usw. Der Große Kurfürst gas nachdem er 1640 an die Regierung gekommen war, Berlin ¿un N mit einem weiten Ee von Festungsmauern, aus . deren Bastionen zum Teil die heutigen Pläße der inneren Stadt entstanden sind, zum Beispiel aus der Gertraudtenbaftion der Spittel- markt, aus der Sparrschen Bastion der - Haudsvogteiplaß usw. Die Zugänge zu den Brücken über die Festungsgräben hat Friedrih der Große später mit den bekannten Kolonnaden der Leipziger-, Mohren- und Königstraße s{chmüdcken lassen. Im Lustgarten ließ der Große Kurfürst die Arbeiten holländisher Bildhauer aufstellen; der Bau- meister Johann Arnold Nering, wahrs{heinlich gleichfalls holländisher Abkunft, führte zahlreihe Bauten für ihn aus, darunter das prächtige Leipziger Tor, den Reitstall, die Anfänge zum Zeughause. Daran arbeiteie auch Schlüter, den man als Bildhauer von dem Warschauer Hofe nach Berlin gezogen hatte. Er {uf die Kanzel der Marienkirhe, er entwarf einen reihen Plan für das Schloß, der, ganz kennzeihnend für die Richtung Berlins, nicht zur Ausführung kam, fondern ein zweiter, der weniger reih, dafür aber um so markiger, kräftiger, gewaltiger, den Bau gltiederte. Cine unershöpslihe Fülle der Erfindung bekundete Shlüter in der Innen- einrihtung des Schlosses und nicht minder au in seinen Privat- bauten, von denen ein Bauwerk, das damals weit draußen vor den Toren Berlins gelegene Lufthaus des Herrn von Kamecke, c in der heutigen Loge Royal York erhalten hat. Von Shlüter ging wahr- E au der Plan aus, die Lange Brücke auf einen freien lay münden zu lafsen, den das Sthloß, der Marstall und eine neu zu errichtende, mit einer Kuppel gekrönte Kirche einrahmen sollte. Hervorragenden Einfluß übte Shlüter au auf das Kunstgewerbe Berlins aus. Ihn erkennt man am deutlichsten wieder in der Verarbeitung der Metalle, wie sie der Erzgießer Sobana Jacobi, der Goldschmied Bernhard Quippe sowte zablreidhe Kunsts s{miede und Zinngießer, diese namentli in den prachtvollen Särgen der Domgruft, ausübten. Das Märkishe Museum und die Bibliothek des Kunstgewerbemuseums hatten eine trefflihe Aus-

tellung von alten Objekten, E Luer, jelten, Stichen und Photographien zu dem Vor-

Der Bildhauer und : Münden Anton Heß i T Dr reisen Hohshule in