1843 / 63 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

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aßt, den Statuten-Entwurf drucken zu lassen, sofort denselben den itgliedern und etwaigen anderen für die Sache sich interessireuden Männern vom Fache zur Begutachtung mitzutheilen und hierauf von dem Comité des Vereins sich darüber Bericht erstatten zu lassen. Die= ser Verhandlung folgte, um den Mitgliedern cinige Erholung zu ver= schaffen, ein humoristisher Vortrag über die Zwecklosigkeit mancher Titulaturen und conventionellen Formen, namentlich der Mdbdefmén Wohlgeboren u. dgl., welher mit allgemeiner Heiterkeit angehört wurde, und obgleih die Versammlung einen Beschluß hierüber zu fassen nicht geeignet fand, so verabredeten doch ihre Mitglieder unter si, diesem Mißbrauche entgegenzutreten. Mit großem Interesse wurde hierauf cin Antrag auf Berufung einer allgemeinen deutschen Advokaten - Ver- sammlung zum Behufe gemeinschaftlihen Wirkens für Einheit der Gesebßgebung und Gerichtêverfassung im gesammten Vaterlande, #0 wie auf eine deshalb nah dem Beispiele des vorigen Jahres zu er= lassende öffentlihe Erklärung aufgenommen. Ohne alle Ausnahme wurde anerkannt, das es Pflicht des Advokatenstandes insbesondere sei, diesem für die Rechtspflege niht nur, sondern au für die im= mer engere Vereinigung der verschiedenen Stämme Deutschland's so hohwichtigen Ziele entgegen zu arbeiten und das bereits durch den Zollverein begonnene Werk weiter zu fördern. Dagegen waren die Stimmen über die Mittel und Wege getheilt, und nah einer um- fassenden, theilweise sehr lebhaften und interessanten Berathung wurde beschlossen, die beantragte öffentlihe Erklärung zwar um so mehr zu unterlassen, als die Verhandlung eine öffentlihe gewesen sei, und im Einzelnen durch den Druck der Protokolle werde bekannt werden, dagegen eine Versammlung in größerem Kreise allerdings zu versuchen,

Baden. Freiburg, 24. Aug. (Ob. Z.) Heute Vormittag um 9 Uhr hatte die akademishe Todtenfeier für den vor 2 Jahren anu diesem Tage verstorbenen Geheimen Rath und Professor Duttlinger in hiesiger Universitäts=Kirche statt gehabt. Nach dem Trauer-Amte hielt Herr Professor Buß eine Gedächtniß- Rede, worin er die aus- gezeichneten Eigenschaften und Verdienste des Dahingeschiedenen in würdiger Weise schilderte, dabei aber nichtsdestoweniger den beinahe diametralen Gegensaß zwischen den geistigen und politischen Richtungen des Redners und des Gefeierten unverhüllt zu Tage legte.

Mannheim, 26. Aug. Graf Ferdinand von Walduer er= klärt die zuerst von der Mannheimer Abend - Zeitung mitge= theilte und în verschiedenen Formen von den meisten deutschen Blät= tern wiederholte Erzählung von einem Gutsbesißer in der Nähe von Mannheim, der seinen Diener erschossen habe und unmittelbar darauf entflohen sei, um sih der Untersuchung zu entziehen , für eine Un= wahrheit.

Grh. Hessen. Darmstadt, 27. Aug. (F. J.) Einer von dem Großherzoglichen Kreisrath des Kreises Darmstadt erlassenen, in dem gestrigen Wochenblatt erschienenen Bekanntmachung zufolge, wird den auswärtigen Bäckern bis auf weitere Verfügung gestattet, von Montag den 28sten d. M. an, auch ohne Bestellung, gegen Ér= legung des städtischen Octroi?s, Brod hierher zu bringen und damit auf dem hiesigen Marktplaß feil zu halten. Diese Maßregel hat hier große Billigung gefunden ; sie entspricht den Forderungen einer wohl= verstandenen Gewerbe=-Fretiheit, stellt die Konsumenten unter den Schuß der freien Konkurrenz und enthebt sie der Nothwendigkeit, für das Brod ferner Monopolpreise bezahlen zu müssen. Jhr praktisher Werth würde sich dann erst ret herausstellen, wenn sie unverändert fort dauerte, was allgemein gewünscht wird.

Kürzlich ist hier ein Mörder unter bemerkeuswerthen Umständen entlarvt worden. Derselbe war wegen eines anderen Vergehens zu einer Gefängnißstrafe verurtheilt worden. Nachdem er einen Theil seiner Strafe in dem hiesigen Correctionshause verbüßt hatte, ward er für einige Zeit in seine Heimat entlassen, um einige dringende häuslihe Ängelegenheiten zu ordnen. Wirklih kehrte er aus Oberhessen bald wieder hierher zurück, früher als man erwartet hatte, und zeigte eine dem Gefängniß=-Aufseher sehr auffallende Gemüths= Unruhe, welche den Verdacht sofort rege machte, daß dieser Sträf- ling ein neues s{weres Verbrechen auf dem Gewissen haben müsse. Dieser Verdacht wurde durch den Umstand noch im hohen Grade bestärkt, daß erst kürzlih in der Heimat des Sträflings eine Mord- that vorgefallen war. Der zuständigen Kriminal - Behörde vorge- führt und verhört, legte er {hon in dem ersten Verhör das volle Geständniß seiner Missethat ab, indem er erklärte, er habe durch einen Schuß in sicherem Versteck im Walde die That vollbracht, und zwar auf Anstiften der Frau des Erschossenen, welche ihm den Blutpreis von fünf Gulden geboten habe, wenn er sie vou ihrem Manne be=

freie. Weiter befragt, wie er für wenige Gulden ein so schweres Verbrechen habe begehen können, soll er ganz gelassen geantwortet haben: „So geht's, Herr Kriminal-Richter, wenn man zu gut ist“, eine psychologisch merkwürdige Aeußerung, die über den Seelen-Zu- staud des Mörders einen bedauernswürdigen Aufschluß giebt.

Vom: Nhein, 26. Aug. (Grh. Hess. Z.) Die Deutsche Allgemeine Zeitung hat von Berlin aus gemeldet, daß eine Zoll-Vereins-Flagge von den Vereins-Regierungen bestimmt worden sei und deren Farbe (grün) und Dimensionen näher angegeben, ein Artikel, der auch in die meisten anderen deutschen Zeitungen über= gegangen ist. Die Sache bedarf aber einer wesentlihen Berichtigung. Nicht von einer Zoll = Vereins =Flagge ist die Rede, soudern blos von einer Aufsichts-Flagge (oder vielmehr einem Wimpel, wie sich \{on aus Form und Dimensionen ergiebt), welche die unverzollte Waaren führenden Schiffe auf dem Rhein und dessen Nebenflüssen aufzustecken haben, gemäß deu Bestimmungen der „Ver- einbarung wegen Behandlung des Güter-Transports und der Waaren- Abfertigung auf dem innerhalb des Zoll - Vereinsgebietes gelegenen Theile des Rheins und der conventionellen Nebenflüsse.“ Hier heißt

es nämli §. 37: „Die unter Personal - Begleitung oder unter Schifföverschluß fahrenden Schiffe sollen auf der Fahrt am Tage durch eine eigenthümliche Flagge, in der Naht aber durch eine hell- leuhtende Laterne kenntlich Sni werbe i Also Ade tvon diefèr Aufsichts-Flagge, keinesweges aber von einer Zoll-Vereins-Flagge ist in der Verfügung des Königl preußische L! t “Mini 18 | 29. April-d--J., welche die Deutsche Alt, 24 Lnflibut bie Rede,

' utsche Allg. Ztg. anführt, die Rede.

Braunschweig. BVraunschweig, 27

: : ; g, 27. E G? e Se. Durchlaucht der Herzog, Höchstwelche Gean e Alberts von Baden hierher zurüfehrten, siud heute mit Sr Kaiserl, Hoheit dem Erzherzoge von Oesterreich nah dem Brocen gereist i |

___ Gestern ward der Hof-Baurath Ottmer, dessen Leiche von Ber-= lin auf der Eisenbahn hierher gebracht war, feierlich beerdigt. Sämmt- liche Baugewerke mit ihren Fahnen und eine große Anzahl Personen aller Stände folgten. E

__ FSreieStädte. O Lübeckck, 27. Aug. Obgleich sich voraussehen ließ, daß die tumultuarischen Auftritte, welche zu Ende des vorigen und zu Anfang dieses Monats hier stattfanden, manche falshe Zeicungs-Nach- richten hervorrufen würden, so sind do die Uebertreibungen sogar in den Berichten geachtetier und vielgelesener Blätter offenbar zu weit

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gegangen. Einer Widerlegung und Berichtigung derselben bedarf es jedo jeßt um so weniger mehr, da hon die hamburger Zeitungen das Richtige enthalten.

Die Ruhe i} in unserer Stadt bisher uiht weiter gestört wor- den. Unser Koutingent, von der Bürger=Garde unterstüßt, und die thätige Mitwirkung freiwilliger sogenannter Polizeibürger reichten voll- fommen aus, dem Pöbel die Spitze zu bieten und eine Wiederholung der Unordnungen zu verhindern. Jnzwischen haben zahlreiche Verhaftungen und Bestrafungen stattgefunden, und eine sorgfältige Untersuchung hat ergeben, daß die vorgekommenen Frevel fast nur von dem niedrig- sten Pöbel verübt sind. An der im nächsten Monat bevorstehenden Versammlung des zehnten Armee-Corps wird unser Bundes-Kontingent ungehindert Theil nehmen, Die zurückbleibende Jnfanterie- und Ka- vallerie-Mannschaft wird alsdann von der Bürger=-Garde und unseren militairish organisirten Brand= und Nachtwachen bei Wahruehmung des innéren Dienstes unterstüßt werden.

Die Angaben mancher Zeitungen über den Verfall unseres Handels und Verkehrs in der neuesten Zeit sind theils unwahr, theils übertrieben, Zwar wird auch unser Plaß abgesehen von den uns bedrängenden nach- barlichen Verhältnissen von der überall sich kfundgebenden Stockung der Geschäfte berührt, allein nicht in dem Maße, daß dadurch Muth=

oder gar Erwerblosigkeit entstehen sollte. Unsere Dampfschifffahrt nach Rußlaud, Schweden und Dänemark erfreut sich in diesem Jahre ganz besonderen Gedeihens, und bewährt die Vortheile, welche die Lage unserer Stadt uns sichert. Gelingt es uns, die begonnene in- nere Reform bald durchzuführen, so is damit auch die Aussicht eröffnet, daß ein regeres öffentliches Leben bei uns sich entwickeln und die Bahn des Fortschritts rüstig verfolgt werden wird.

LLankx et 0.

Paris, 26. Aug. Jhre Majestät die Königin der Belgier ist heute, von Brüssel kommend, im Schlosse zu Eu eingetroffen.

Der Moniteur parisien meldet, daß der Prinz von Join- ville und der Herzog von Aumale bereits morgen von London in Havre erwartet werden, (Vergl. Börse.)

Die Einwohner der Stadt Tarbes haben dem Herzoge von Montpensier bei seiner dortigen Anwesenheit ein glänzendes Fest gegeben,

Der Minister des Jnnern hat einen Theil der 200,000 Fr., welche bei Gelegenheit der Juli-=Feier wohlthätigen Zwecken gewidmet wurden, dazu bestimmt, in allen Theilen Frankreichs solche Leute, die Schulden halber gefangen siben und dur gutes Betragen das Wohl= wollen der Verwaltung verdient haben, aus dem Gefängnisse zu befreien. i Man spricht von einem eigenhändigen Schreiben, welches die Königin Marie Christine vor einigen Tagen an ihre Tochter, die Kö= nigin Gsabella, abgeschickt hat, um dicse zu ermahnen, den Rath= schlägen der Jnfantin Carlotta, Gemahlin des Jnfanten Don Frau- cisco de Paula, kein Vertrauen zu \chenken. 1

Alle Depeschen, welche die Königin Marie Christine empfängk, oder welche sie nah Spanien abseudet, gehen, wie man sagt, unker der Adresse des französischen Kabinets.

Man sieht die verspätete Veröffentlichung der telegraphischen Depeschen, die jeßt erst nach dem Schlosse von Eu berichtet werden, ehe sie ins Publikum gelangen, fehr ungern. Die leßten Berichte aus Barcelona sollen bereits länger als 48 Stunden vor ihrer Mit= theilung in den Händen der Regierung gewesen sein.

Herr Mendizabal is in Paris angekommen und im Hotel des Princes abgestiegen,

Nach den über England aus Haiti eingegangenen Nachrichten hätte die dortige Regierung dem Commandeur unseres westindischen Geschwaders, Ädmiral de Moges, die Zahlung ihrer Schuld in hai= tischer Münze angeboten, was der Admiral aber ausgeschlagen. Es heißt, derselbe hege den lebhaften Wunsch, das Cap Nicolaus in den Besiß Frankreichs zu bringen.

Man schreibt aus Toulon vom 18ten, daß man, aller Wahr= \cheinlichkeit nah, bald englishe Schiffe vor Tunis erwarten dürfe. Es hätten in der leßten Zeit sehr viele Mittheilungen zwischen dem Vice - Admiral Owen und dem englishen General - Konsul in Tunis stattgefunden,

m Paris, 26. Aug. Unsere Blätter sind heute mit kritischen Bemerkungen über die vermeintliche Zusammenkunft des Königs der Franzosen und der Königin von Großbritanien angefüllt. Der Sun vom 23sten l, M. zeigte nämlich an, daß bei der Rückkehr des Priu- zen und der Prinzessin von Joinville nah Frankreih die Königin Victoria und deren Gemahl ihnen eine Strecke weit im Kanal das Geleite geben würden. Ludwig Philipp wollte seinerseits diese Gele= genheit benußen, um der Königin von England entgegenzufahren und mit ihr am Bord der britischen Königs-Jacht eine Zusammenkunft zu haben. Da gegenwärtig zwischen Paris und London mehrere wich= tige Streitpunkte obshweben, so verfehlte unsere Oppositions - Presse nit, diesem angeblichen Zusammentreffen Ludwig Philipp's mit der Königin von England allerhand unerfreulihe Gründe unterzuschieben,. Glüflicherweise bewährt sich die Angabe des Sun nur als eine gewagte Vermuthung, die nicht zur Ausführung gelangen wird, da der Prinz und die Prinzessin von Joinville nebst dem Herzog von Aumale, plößlich in der Nacht von Mittwoch auf den Donnerstag (23 24sten) Lou= don verließen, um an den Hof zu Eu zurückzukehren, Als Grund dieser plöbßlihen Abreise wird die Ankunft Espartero's, der am Mitt= woh Abeud im Hotel Mirvart in London erwartet wurde, genannt. Die französischen Prinzen, sei es auf persönlichen Antrieb, oder n Folge einer höheren Weisung, mochten nicht mit dem Ex= Regenten von Spanien am Hof von St. James zusammentreffen. Sie lang- ten am nämlichen Abend, wo Espartero in Loudon ankam, in Wool- wih an, besichtigten Tages darauf die Schissswerfte daselbst, und schifften sich daun nah Treport ein. Die Prinzen sind bereits bei der Königlichen Familie in Eu eingetroffen und gedenken morgen nach Havre sih zu begeben, wo unter den Auspizien des Prinzen von Join= ville eine große Regatte (Wettfahrt mit Kähnen) stattfinden wird.

Espartero war am 23sten l. M. am Bord des „Prometheus“ um die Mittagsstunde im Hafen von Woolwich gelandet. Der bri- tische Hafen=- Intendant, Sir Francis Collier, kam sogleich am Bord, um dem Ex - Regenten aufzuwarten, der mit ihm längere Zeit in französischer Sprache sich unterhielt. Sir Francis Collier war von seiner Regierung beauftragt worden, Espartero zu erklären, daß er in England mit aller seinem Stande gebührenden Aufmerksamkeit behandelt werden würde. Doch hat man bemerkt, daß diesesmal Espartero nicht, wie bei seiner Landung in Portsmouth, von den Hafen-Batterieen begrüßt worden ist, Dies soll auf den Ex-Regen- ten einigen Eindruck gemacht und ihn bewogen haben, zu erklären, er wünsche ganz unbemerkt zu reisen, Eine solche Erklärung steht im offenen Widerspruche mit der Forderung Espartero's vor Lissa- bon, wo er begehrte, daß er von der portugiesischen Rid es beim Aussteigen aus dem „Malabar“/ mit 21 Kanonenschüssen empfan- gen werde. Sir Francis Collier wollte zur Verfügung Espartero?s mehrere Wagen stellen, die ihn und dessen Gefolge von Woolwich nah Podington führen sollten, wo der Regent dann die Eisenbahn nach London nehmen fönnez Espartero lehnte aber die ihm an- gebotenen Wagen ab, vorgebend , er hätte bei seiner früheren Lan=

dung einen Adjutanten nach London abgesendet, um vom dortigen spanischen Botschafter Sancho die Legations-Equipagen zu verlangen, die in Huneger-Warf auf ihn warteten, Auf diesem Wege sebte der Ms die Reise nah London fort, wo er Abends im Hotel Mirvart abstieg.

Das Stillschweigen über die spanischen Zustände in der englischen Thron-Rede wird hier nur zu Gunsten der Regierung von Madrid und zum Nachtheil Espartero's ausgelegt. Denn hätte das britische Kabinet, meint man, die Absicht, die Fortdauer der Regentschaft Espartero?s direkt oder indirekt anzuerkenuen, so mußte die gezwun- gene Flucht des Regenten auf irgend cine Art erwähnt werden, Die londoner Börse scheint in der That die Rede der Königin in diesem Sinne genommen zu haben, denn die spanischen Fonds stiegen sogleich um } in der Cit9.

= Paris, 26. Aug. Die Rede, womit Jhre Majestät die Königin Victoria vorgestern die Prorogation des englischen Parla- ments vorgenommen, hat die Erwartungen, die man sih hier viel- seitig gemacht hatte, etwas über die Verhältnisse zu Frankreich, über die spanische Frage, über den Orient, besonders Serbien, darin zu finden, nicht erfüllt. Jch sage vielseitig waren diese Erwartungen, denn die mit dem Stande der politischen Verhältnisse wirklich Ver- trauten waren überzeugt, daß nichts der Art darin vorkommen werde, Aber große Sensation hat die bestimmte, energishe Sprache der Thron=Rede in Betreff Jrlands hervorgebracht, um so mehr, als gerade heute au Nachrichten aus Jrland eintrafen, welche zeigen, daß O'Connell, von seinem ofen bekannten Axiom ausgehend, wonach er die Union als an und für sich nichtig betrachtet, rücksihtslos vor- schreitet, und sogar {hon auf Detail-Maßregeln eingeht für die Wie- derzusammenseßung eines abgesonderten irländischen Parlaments durch Bestimmung der Anzahl von Mitgliedern, welche jede Grafschaft des Landes nah den Bevóölkerungs - Verhältnissen, wie sie sich im Lause der Zeit gestaltet habeu, zu demselben abzuordnen hätte. Die Thron- Rede wird nicht verfehlen, einen tiefen Eiudruck in Jrland um so mehr hervorzubringen, als der ganzen Agitation ein unzweideutiges Verdammungs-Urtheil darin ausgesprochen ist.

Ein englisches Blatt, und nah ihm die pariser Blätter, sprechen heute von einem Besuche, welhen Jhre Majestät die Königin Victoria vielleicht bei cinem Ausfluge zur See der Königlichen Familie von Frankreih zu Schloß Eu machen dürfte. Die Sache klingt nicht sehr wahrscheinlih, da bekanutlih der englische Souverain uach der bri tischen Constitution zu einem Besuche des Auslandes einer Förmlich zustimmenden Parlamente-Akte bedarf, und bis heute alle Könige und Königinnen von England stets mit der größten Pünktlichkeit dieser Geselzes - Bestimmung nachgekommen sind, auch von Seiten der jeßt regierenden Königin n feiner Weise das Gegentheil anzunchmen if, Aber auh abgeschen hiervon, wird der Angabe von dem beabsichtigten Besuch hier aus manuigfachen anderen Gründen wenig Glauben bei- gemessen. Die \chnelle Abreise der beiden französischen Prinzen von London is etwas aufgefallen, da sie erst am Sonntag zu Havre er wartet waren, um dort der Regatte beizuwohnen, welche in diesem Jahre besonders glänzend zu werden verspriht, wenn man aus den Anstalten, die dazu getroffen wurden, einen Schluß ziehen darf.

Mehrere deutshe Blätter haben von einer Wiederaufnahme der Unterhandlungen zwischen Frankreih und Belgien, wenn auch nicht behufs Herstellung eines Zoll-Vereins, doch zu Abschluß eines Hau- delsvertrags gesprochen, wodurch dem beiderseitigen Verkehr vielfache Erleichterungen zugewendet werden sollen. Die Sache hat ihre Rich tigkeit, und man sucht nun die Klippen zu vermeiden, an denen die früheren Unterhandlungen zu diesem Zwecke gescheitert sind. Aber die Hauptschwierigkeit liegt nach wie vor in dem Widerstande, den die Eisenhütten - Besißer in Frankreich jedem derartigen Plane entgegen- seßen. Die Lage derselben is in der That gerade in diesem Augen- blicke gedrückter als je, und besonders in den Distrikten unmittelbar an der belgishen Gränze in den Departements du Nord und den Ardennen stehen eine große Anzahl von Eisenhämmern und Hochöfen stille, und täglich hört man noch von anderen, die deren Beispiel folgen, Man hatte in voriger Woche in einem einzigen Werke in der Nähe vou Charleroi nicht weniger als 9 Millionen Kilogr, Gußeisen zum Ver- faufe vorräthig, ohne selb| zu Preisen, bei denen nicht einmal die Productions = Kosten herauskommen, Absaß für die Waare finden zu fönnen, Die Eisenhammerbesißer hatten sich große Hoffnungen auf den Bau der großen Eisenbahnlinien gemacht, sehen sih aber nun durch die Langsamkeit, mit welher man dabei zu Werke geht, auh um diese Hoffnung gebracht, und bei den wenigen Strecken, für welhe Schienen-Lieferungen ausgeschrieben wurden, wie z, B. für die kleinen Strecken der Bahn von Straßburg bis Hommarting und die belgische Bahn, seßte der Minister der öffentlihen Arbeiten das Maximum der dafür zu bezahlenden Preise so niedrig an, daß sich fein französischer Unternehmer darauf einlassen wollte, Unter solchen Umständen stud die französischen Eisenhammerbesißer natürlich weniger als je geneigt, ihre Kollegen in Belgien und England zu Konkuxren- ten zu erhalten, welche in nicht viel besserer oder vielleicht eben so schlimmer Lage si befinden, daher allerdings Erleichterungen der Einfuhr ihrer Produkte in Frankrei mit Freude begrüßen würden. Vie Errich= tung der Eisenbahnen in England und in Belgien hatte die Eisen - Production in diesen beiden Ländern auf einen un- geheuer hohen Grad getrieben. Man errichtete dort eine große Anzahl neuer Eisenhämmer, und gab denen, welche bereits vorhanden waren, einen noch thätigeren Betrieb. Als uun die Haupt- Eisenbahn-Linien vollendet waren, nahmen, wie vorauszusehen war, mit einem Male auch die Nachfragen nah der Waare ab, und der Preis des Eisens erlitt bald ein beträchlihes Sinken, so, daß die dortigen Eisenhämmer bei dem Fortbestande solcher Preise nur mit Verlust fabriziren köunen, und einem sicheren Ruine entgegen gehen würden, wollteu sie dessen ungeachtet ihre Arbeiten fortseßen. Lie natürliche Folge war, daß jene wahrhaft riesenmäßige O, seitdem der Bedarf nicht mehr der nämliche war, auch abuahm, Eine Menge von Eisenhämmern wurden auch dort geschlossen, în denen, welche noch fortarbeiteten, wurde der Betrieb auf einen viel geringe-

l) ; x G V , , r der auf- ren Fuß herabgeseßt. Um die eingestellte Fabrication wieder

de A A müßte ein starkes und bleibendes Steigen in den Preisen eintreten, das kaum zu erwarten ist, Also herrsht dort wie hier Ueberfüllung an unverkaufter Waare, und der Widerstand auf

ei ite gegen die Zulassung der das Ucbel für sie nodh) S R N Konkurrenz it daher ebenso natürlich, als der Wunsch er anderen, sie zu erlangen. S

da Leiden bs es vielleicht der französischen Regierung sein, in Bezug auf Baumwollenwaaren Belgien einige Konzessionen zu machen, welche aber mit einer Aenderung des Tarifs auf die Einfuhr des Rohproduktes zur Fabrication in Frankreich verbunden sein müßte. Mehrere der bedeutendsten Besißer von Manufakturen im Elsaß, be- sonders von Spinnereien, behaupten, daß sie im Stande seien, die belgische Konkurrenz auszuhalten. Diese Erklärung haben dieselben noch ganz neuerlih wiederholt, und zwar eben zu dem Zwecke, zu Gunsten der Erzielung eines Resultats in den Unterhandlungen Frank- reihs mit Belgien zu wirken, Man darf hiernah annehmen, daß, wenn die Einfuhr - Zölle auf die Roh - Baumwolle in Frankreich und in Belgien dieselben wären, die französischen Manufakturen nicht nur nichts von der belgischen Konkurrenz zu fürchten hätten, sondern sogar

y ilogramme Roh= den Kampf noch mit Vortheil bestehen würden, Hunde, Tos Er Baumwolle zahlen beim Eingange in Belgien L eführt zwischen ÂA ib während dieselbe Quantität in Frankrei Q [hem sie lommt, und 38 Trauks zahlt, je nah dem Lande, aus V E S 39 grauks zahlt, je Ami oder ausländischen Schiffen einge= je nachdem sie auf Mat is zu bemerken, daß selbst bei dem führt wird. ps E Dinge die französischen Baumwollen- und E olle e verhältnißmäßig schon ziemlich starken Quanti= sel st t A Märkte dringen, wie man aus den vom täten aus E veröffentlichten offiziellen Dokumenten über französischen M ersehen faun, Im Jahre 1841 betrugen die E iabsischen Ausfuhren anu Baumwellen= Bend allein nah Belgien

O von 7 Millionen Franks.

die beträchtliche per sonst Frankreich noch an Belgien Zugeständ= nisse M wt ohne auf die lebhafteste Opposition von Seiten der Betheiligten im eigenen Lande zu stoßeu, ist nicht wohl abzusehen, er Beth l das schon seit einiger Zeit angekündigte neue radikale

H rme zum erstenmale erschienen, nachdem eine Pro

Blatt 1A: ‘bon früher vorangegangen war. Sein Hauptzweck wird e ri Es Angabe sein, die demokratische Partei wieder zu der Einigkeit zurüzuführen, die {on seit längerer Zeit durch zahl= reie innere Spaltungen n derselben verschwunden is, Jh glaube, daß die Verwirklichung dieses Zieles der Reforme eben so shwer fallen wird, als ihr Leben lange zu fristen. Der Steru des Radika- lismus is entschieden im Verbleichen, und nach dem At er heute ausgegebenen Nummer ‘des neuen Blattes zu (E, s es demselben sogar an den nöthigen Talenten zu U Ee er die Hohlheit der Bestrebungen wenigstens einen täuschenden C anz zu werfen verständen, Das Feuilleton des Blattes, das Boa h beträchtlichen Raum einnimut, bringt unter dem Titel L’O1 et la Rêverie ein politishes Gedicht von bedeutender Länge, dem nichts fehlt als der poetische Werth und die Rundung der Form, abgesehen vou dem Juhalte, in welchem auch Anspielungen auf die Wieder eroberung des linken Rhein-Ufers natürlich nicht fehlen durften,

(Zrossbritanicn und Irland.

London , 2%. Aug, Die schnelle Abreise der französischen Prinzen hat hier Viele überrascht und gestern selbst au der Börse einige Bewegung hervorgebracht, indem man sich in allen möglichen Vermuthungen über die Ursache derselben erging, Die Tim es will heute wissen, daß König Ludwig Philipp, nachdem er gehört, daß die Köuigin eine See- Exkursion beabsichtige, und vielleicht der französischen Küste sich nähern würde , seine Söhne zu derselben geschickt habe, um sie zu einem Rendez - vous an dieser Küste einzuladen, Die Prinzen über= brachten diese Botschaft ihres Vaters, fanden die Königin aber mit der Prorogation des Parlaments zu beschäftigt, als daß sie jebt gleich ihre Cxfursion beginuen könnte, und reisten, nachdem sie ihre Visite in Woolwich abgestattet, wieder ab. Diese Geschichte, sagt die Times, erflärt sich aus der bekannten Courtoisie Ludwig Philipp?s und hat allen Auschein der Glaubwüirdigkeit. : ,

Die gestern mitgetheilte Nachricht von der Wegnahme cines französischen Kauffahrteischiffes durch das englische Kriegs-Dampsschi}} „Cyclops“ beruht auf einem falsch berichteten Faktum, Aus Sheerueß, wohin das frauzbsishe Schiff aufgebracht worden sein soll, wird heute berichtet, daß dort weder der „Cyclops““, noh das bezeichnete frau= zösische Schiff eingelaufen, dagegen von einem Offizier des 1Cyclops‘“ die Nachricht eingegangen sei, daß ein französischer Schooner, der in den Hafen von Cork einlaufen wollte, bei der gewöhnlihen Revision durch den Hafenmeister Capitain Austin dort mit Arrest belegt wurde, weil er eine bedeutende Menge von Waffen und Munition mit sich führte. Näheres is über den Vorfall noch nicht bekanut,

Der Zustand von Wales wird mit jedem Tage bedrohlicher. Die Aufrührer beschränkten si bis jeßt auf die Zerstörung von Zoll= häusern und Schlagbäumen und auf bloße Demonstrationen gegen die Grundbesißer und Zehnten-Kollektorenz nach den lebten Berichten in= deß haben sie bereits angefangen, auch gegen die leßteren zu wirkli= hen Gewaltthaten zu schreiten, Ein Haufe von 70) bis 800 Per= sonen, mit Flinten und Pistolen bewaffnet, wie gewöhnlich in Frauen= Éleidern und mit geschwärzten Gesichtern, zog unter Anführung Re befkfg's vorgestern des Nachts in Llanon vor die Wohnung des Zehu= ten-Collecteurs Edwards, schoß durch die Fenstern, demolirte die Ge= bäude, zerstörte die dabei liegenden Garten- Anlagen und stand erft auf die Vitten des weiblihen Personals des Hauses von dem Vorhaben ab, Herrn Edwards zu tödten, Man sicht in der That nicht, wohin der Aufstand endlich führen wird, nachdem Person und Privat-Eigenthum vor den Angriffen der Ruhestörer nicht mehr sicher sind. Die Unruhen fingen im Februar dieses Jahres an und nahmen mit jedem Monate an Ausdehnung und Gewaltthagten zu. Truppen beseßten das Land, aber vergeblich : Rebekkg hält ihre nächt lichen Versammlungen nah wie vor, Chartisten erscheinen dabei, und der Krieg gegen Schlagbäume und Markt - Zölle geht in einen ge- fährliheren und bedeutsameren Kampf, um Grundrenten und Zehn= tenzahlungen, aus. Eine unfähige Provinzial - Regierung, eine das Volk hoch besteuernde Gentry, der augenblidlihe Nothstand halfen das Uebel vergrößern, das eine ernstliche Kollision zwischen Grundbe= sißern und Pächtern herbeizuführen und den gesellschaftlihen Zustand des Landes qufzulösen droht,

Die Times spricht in höchster Entrüstung über den Plan O'Connell's zur Bildung des irländischen Parlaments. „Wenn wir dies Dokument‘, sagt sie, „mit einem einzigen Beiworte charakteri= siren wollten, so müßten wir es ohne Ausnahme für das kälteste Produkt erklären, das wir jemals sahen. Es is eine Probe der käl= testen Unverschämtheit, Falshheit und Arroganz, die jemals zur Keunt— niß denkender Menschen gelangt is, Ju dem Augenblicke, da die Königin Victoria ihr Parlament prorogirt, und ihren festen Entschluß erklärt, die legislative Union aufrecht zu halten, tritt dieser unver= schämte Bursche mit seinem Plane vor, die Union aufzulösen und das Reich Jhrer Majestät zu zerstückeln,“

Die Petition des Sir Augustus d'Este um Anerkennung feiner Rechte auf den Rang und die Titel seines Vaters , des verstorbenen

(f) Herzogs von Sussex, hat die Königin an das Oberhaus zur Begut= achtung gewiesen , das dieselbe in der nächsten Session zum Gegen=

tande seiner ersten Verhandlungen machen wird,

Jn diesen Tagen fand die erste Jahres-Versammlung der Actio- naire der fürzlih gebildeten Dampf- Schifffahrts - Gesellschaft statt, ia eine regelmäßige Verbindung zwischen den Häfen des stillen D durch Dampsschiffe herzustellen beabsichtigt, Herr George E S den Vorsib. Der in der Versammlung verlesene Be= fell en vollstäudige Mittheilungen über die Wirksamkeit der Ge- id haf und zeigt die Hiudernisse, welche dem Unternehmen 1) entgegenstellten, Es wurde uuter diesen namentlich die

Schwierigkeit hervorgehoben, die hinreichende Zufuhr von Kohlen

aus England zu erhalten, wodur di ie ver |

1% alten, h die Compagnie veranlaßt wurde

N R von Talcahuano bearbeiten zu lassen, aus welchen man # vollig genügende Quantität gewann. Das Aulage - Kapital zur

Bearbeitung dieser Minen hat eine Anleihe von 20,000 Pfd. erfor=

dert, welhe Summe durch di f i

2 h die Anschaffung eines Reserve = Dampf= schiffes noch verdoppelt werden soll, Die jährlihe Ausgabe werde nunmehr 30,000 Pfd. betragen, dagegen berehne man die Einnahme auf 44,000 Pfd, Der Bericht wurde einstimmig angenommen,

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Ritter Aranjo Riveira, außerordentlicher brasilianischer Gesandter, der, wie es heißt, die abgebrochenen Unterhandlungen zu einem Han- dels-Traktat wieDer aufnehmen soll, hatte gestern seine erste Audienz bei der Königin.

Schweden und Uorwegen.

Der Altonaer Merkur vom 29. August meldet aus G o -= thenburg, daß der Capitain W. Wagner, der den Schooner „Ma- ria‘ führte, von feiner Mannschaft, in Folge eines Wortwechsels mit einem Matrosen, an Händen und Füßen gebunden worden war, und so lange in diesem Zustande verbleiben mußte, bis uach drei Tagen ein Lootse von Winga ihn befreite, Der Capitain hat über diesen Vorfall an den preußischen Konsul in Gothenburg Bericht erstattet und die Mannschaft is dort verhaftet worden,

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Vom Genfer See, 17. Aug. (A. Z) Durch die Ver= änderungen, die verfassungsmäßig vor kurzem im Staats-Rath von Waadt vorgenommen worden sind, wo an die Stelle Drue9's der Staatsrath Jaquet zum Präsidenten und Ruchet zum Vice-Präsiden- ten erwählt wurden, dürfte der seit geraumer Zeit hon mäßiger ge= wordene Radikalismus in dieser obersten Regierungssphäre noch we niger Bedeutung behalten. Da sich Staatsrath Druey früher gün= stig über Weitling und seine kommunistishen Jdeen ausgesprochen ha ben soll, so glaubte man, Briefe von ihm würden unter Weitling's Papieren gefunden werden. Es fand sich nichts. :

Wie wir aus guter Quelle wissen, is Weitling sehr getröstet über seine gefänglihe Einziehung in Zürich, die ihn, wie er meint, zum Märtyrer Des Komumunismus erhebt und ihm bei den Seinigen großes Ansehen sichert. Jn Genf und Waadt hat er früher weit weniger bei Eingeborenen und Schweizern Anklang gefunden als bei Deutschen, besonders bei deutschen Handwerks = Gesellen, von denen Vereine verschiedener Namen und Formen gebildet worden waren, die zum Theil noch bestehen, aber von den Regierungen überwacht werden. i

Merkwürdig is es, wie sich jeßt unser Radifalismus von dem Kommunismus lossagt, nachdem er ihn lange gehätschelt, Er ver= langt für ihn nur Freiheit des Gedankens und der Presse, macht aber bei den in der Schweiz lebenden Deutschen einen großen Unterschied zwischen denen, die ihr Vaterlaud republikanisiren und denjenigen, welche alles Eigenthum und mit ihm alle seine Folgen abschaffen wollen. Nach der Meinung unserer Radikalen opfert der Kommunis= mus die Freiheit der Gleichheit , während der Radikalismus Freiheit und Gleichheit brüderlih mit einander zu verbinden suchen solle. Dabei spricht hier zu Land eine gewisse Partei- Diplomatifk. Unser Radifka lismus i} fein, er wird geschickt und {lau geführt, er würde sich bei seiner Partei sehr schaden, wenn er die Abschaffung des Eigen- thums, diesen Traum des verrücktesten Materialisnus, in seine eigenen Grundsätze gufuehmen oder ihn uur stillshweigend billigen wollte. Zu den Waadtländer Radikalen gehören auh wohl: habende Leute, denen es niht anstehen würde, all ihr Hab und Gut hinzugeben, und dafür bloß ihre kleine Dividende von dem gemein= \haftlihen Eigenthum zu empfangen, Auf der anderen Seite will man es doch nicht mit dem Kommunismus verderben, man will doch niht gern Leuten vor den Kopf stoßen, die mit dem Radifalismus in nahe verwandten Jdeen fortgeschritten sind. Der waadtländische Radikalismus will si zu seinen Zwecken das Volk erziehen und stif= tet daher Volks = Bibliotheken, worin keine sozialistische und kommu- nistishe Schrift fehlt, in der sich ofen oder versteckt oder s{mubig plump die große Sünde unseres Jahrhunderts, der Materialismus,

Allg. Preuß. Zeitung) hat ohne Zweifel wesentlich dazu bei= getragen, die öffentlihe Meinung wieder für ihn zu gewinnen,

D. José Santa Maria, einer der Alkalden vou Barcelona, is interimistisch zum politischen Chef dieser Stadt ernannt worden.

Die Arbeiten an der Niederreißung der Festungswerke der Hauptstadt von Catalonien werden ununterbrochen fortgeseßt. Die Spezial = Junta, welche mit der Leitung dieses Unternehmens beauf- tragt ist, veröffentliht in den Blättern vom 20sten eine Rechnungs= Ablage, laut deren sie bis dahin für den fraglihen Zweck 60,000 Realen eingenommen und 33,000 Realen ausgegeben hatte.

Wir sehen übrigens aus diesem Berichte, daß besoldete Arbeiter nur 5 Tage bei der Schleifung der Festungswerke beschäftigt gewesen sind, und daß man während der übrigen Zeit nur die Baugefangenen dazu verwendet hat, wodur sich die Geringfügigkeit der bisherigen Ausgaben erklärt. Die freiwilligen Unterschriften zur Beschleunigung ale d haben nur ein armseligeë Resultat von 468 Realen C ert. Der durch seine demagogische Wirksamkeit sehr bekannte ehema- lige Alfalde von Figueras, D, Abdon Terradas, der seit dem vorigen Zahre als Flüchtling in Frankreich lebt, scht in diesem Augenblidcke vor den Assisen in Toulouse, denen er wegen einer Anklage der Mit- \huld an einem fommunistischen Komplotte Rechenschaft abzulegen hat.

Griechenland.

; Athen, 30, Juli, Der Courrier, das Blatt der Regierung, jagt über die Lage des Landes:

—,, 11e gegenwärtige Lage des Landes is voll ernster Schwierigkeiten

Die Lösung der finanziellen Frage zur Befriedigung der gerechten Reclama- tionen der drei Höfe, welche 1833 die Rothschildsche Anleihe garantirt haben, wird erschwert dur eine Menge rein politischerUmstände, welche die Wirk- samkeit der Minister hemmen, indem sie der Unzufriedenheit und Unklugheit täglich neue Nahrung bietet, Die Ueberreste eines längst bekämpften Geistes BeeAd6 brd Can T E eas geworden, und haben, die Wiederhall gefunden D 3 Ministe E Jourtalen von Athen thren R E Se, 08 e inisterium aber, wenn auch dur den üblen Eindruck solcher Stimmen auf de öffentliche Meinung in dem,raschen Gange seiner Arbeiten gehemmt, hat denno mit Festigkeit das begonnene Werk fortgeseßt, und sucht, selbs bei der Shwäche der wirklichen Hülfsquellen des Staats, die Mittel zu finden, um dasjenige zu beschaffen, was die gegenwärtige Lage Griechenlands den drei Mächten gegenüber erheischt. Die Negierung hofft, daß man im Jnnern und im Auslande diese Lage richtig fassen und die Aufrichtigkeit ihres Wunsches anerkennen werde, dem Staate alle scine Ansprühe auf das Vertrauen der fremden Mächte zu bewahren. Jn der Nothwendigkeit, soviel wie irgend mög- lich zu sparen, hat sich die Regierung entschließen müssen , eine boträchtliche

Zahl von Civil- und Militair-Posten ganz aufzuheben und sehr vielen bis

jeßt ehrenvoll dienenden Offizieren und Beamten ihre Gehalte zu entziehen,

ein Entschluß, dessen Ausführung einerseits in dem Zwecke, das künstige

Gedeihen und den Kredit des Landes zu sichern, andererseits in der Gewiß-

heit, alle guten, treuen Staatsdiener für ihren Verlust durch Vertheilung der National-Domainen entschädigen zu können, eine genügende Begründung fand, So viel ist gewiß, sobald es die Regierung dahin gebracht haben wird, ihre jährlichen Ausgaben auf 10 Millionen zu beschränken, wird sie nicht allein das wirksamste Mittel gefunden haben, \sih der auswärtigen Schuld zu entledigen, sondern sie wird auch Griechenland alsdann in eine verhältnißmäßig vortheilhastere Lage, als die irgend eines anderen europäi- hen Staats verseßt haben; denn die Einnahmen belaufen sich jeßt schon auf 16 Millionen jährlich und sind noch in fortwährendem Steigen begrif- fen. Auch geht aus den von allen Seiten einlaufenden Berichten bestimmt

hervor, daß man in den Provinzen die in den Journalen der Hauptstadt sich fundgebenden Besorguisse d. rhaus nicht theilt; vielmehr herrscht überall Nuhe und Zufriedenheit und die fesle Ueberzeugung, daß es der Weisheit der Negierung leicht gelingen werde, die gegenwärtige Kiuise zu überwinden.“

Zufolge der neuen Ordonnanzen vom 14. Juli wird die Ju=

ausspricht. Er Ppredigt den Leuten Politik mit Schriften, worin der JSanatismus von 1793 wieder aufgewärmt wird, Er predigt und erhebt immer die Allmacht der Massen und spricht sie von aller Ver= autwortlichkeit frei.

Pa e Telegraphische Depesche aus Spaulten.

Paris, 26. Aug. L E e rpign an, 25, Aug. 115 Uhr Vormittags. Der Zustand Barcelona’s hatte sich am 23, August gebessert. Die geseßlichen Behörden hatten ihre Functionen wieder übernommen. Die Junta war saktisch aufgelöst. Der Präsident und mehrere Mitglieder der- selben waren nach Madrid abgereist, Die Provinz Barcelona hatte sih gegen die Junta pronuunzirt.

y Prim hat auf entschiedene Weise erklärt, er unterstübe das Ministerium Lopez. Man erwartete unverzüglich aht Bataillone zu Barcelona. General Arbuthnot war noch immer in der Citadelle, Cr hat der Regierung seine Entlassung eingereicht.

Mèiadrid, 20, Aug. Die Gaceta veröffentlicht ein Dekret des Kriegs-Ministers, welches eine Aushebung von 25,000 Mann aus der diesjährigen Conscription befiehlt, von welchen 410,000 Mann für das stehende Heer und 15,000 für die Reserve-Corps bestimmt sind. Ferner wird angekündigt, daß die Armee sofort auf 60,000 Mann reduzirt werden soll,

Xck& Paris, 26. Aug. Der Zustaud von Barcelona stellt sich nah allen Zeitungs-Nachrichten, Korrespondenzen und telegraphischen Mittheilungen \so verworren dar, daß es {wer ist, sih eine deutliche Vorstellung von der Lage der Dinge in der Hauptstadt von Catalo men zu machen. Die Junta erließ am 19ten eine Bekanntmachung, durh welche fie erklärte, daß sie, da die Mehrzahl ihrer Mitglieder aus verschiedenen Ursachen abwesend sei, sich nicht mehr für kompe- tent halte zu wichtigen Beshlußnahmen, und daß sie daher ihre bis herige Wirksamkeit erst dann in ihrem vollen Umfange fortseßen könne und werde, wenn ein an die Abwesenden gerichtetes Einberufungs Schreiben die Vollzähligkeit der Junta wiederhergestellt habe. Unter diesen Umständen begreift es sich leiht, daß der Telegraph die Junta für thatsächlich aufgelöst erklären kann. An ihre Stelle tritt jet wieder das Ayuntamiento in den Vordergrund, das în den Tagen der größten Gefahr sich der Ordnung und des öffentlichen Friedens mit dem größten Nachdrucke angenommen hat, und das dem General Arbuthuot in einem an denselben gerichteten Schreiben einen bitteren Vorwurf darüber macht, daß er, statt auf seinem Posten zu bleiben, und in Gemeinschaft mit der städtischen Behörde dem Geiste des Aufruhrs entgegenzuwirken , s{ch mit seinen Soldaten in die Citadelle zurück=- gezogen habe, um von dort aus den Vorgängen in der Stadt mit untergeschlagenen Armen zuzusehen. Troß dieses in sehr harte Aus= drücke gefaßten und ohne Zweifel gegründeten Tadels der passiven Rolle, auf die der General-Capitain sich von vorn herein beschränken zu dürfen geglaubt, befand sich derselbe, laut dem Telegraphen, noch am 23sten, allem Auscheine nah, müßig, in der Citadelle, und hatte das Bewußtsein Feiner eigenen Ueberflüssigkeit dadurch bewährt, daß er die Bitte um seine Entlassung nah Madrid geschickt, Der Oberst Echalecu, der sonderbarerweise von der Junta selbs auf seinem Po- sten als Gouverneur von Monjuich bestätigt ist, verhält sich gleichfalls äußerlih theilnahmlos bei den neuen Wirren, Die militairische Ge- walt in Barcelona selbst, ist, wie es scheint, vollständig in die Hände des Obersten Prim übergegangen, dem es, wie {hon gestern erwähnt, noch einmal gelungen is, die Ungunst des Volkes zu beshwören. Seine Proclamatéíon an die Barceloneser (\. das gestrige Blatt der

fanterie auf 2 Bataillons von der Linie und 2 Bataillons leichte Truppen reduzirt, und diese bestehen im Ganzen mit Einschluß der Militair = Verwaltung aus 106 Offizieren, 256 Unteroffizieren, 52 Musikern und 3004 Soldaten. Die Kavallerie wird auf eine Divi= sion von 2 Eskadrons beschränkt, bestehend aus 10 Offizieren, 21 Unteroffizieren, 6 Trompetern und 132 Neitern. Die Artillerie bil= det ebenfalls nur eine Division von Z Compagnieen und besteht im Ganzen aus 28 Offizieren, 31 Unteroffizieren, 6 Trompetern, 6 Schmieden, 36 Feuerwerkern, 160 Artilleristen und 44 Kanonieren, mit 34 Pferden und 24 Mauleseln. Bis zum 16. Juli haben 20 bayerische Offiziere auf Verlangen ihre Dimission aus dem Militair= dienst erhalten. Der Baron von Heß, Adjutant des Königs und Ceremonienmeister, hat auf seinen bis dahin als Oberstlieutenant be-= zogenen Gehalt verzichtet, und dafür die Belobung des Königs er= halten.

Herr Rizo, Minister der auswärtigen Angelegenheiten, hat neu- lih den König um seine Dimission gebeten, wie es scheint, weil die gegenwärtigen Verhältnisse den Dienst sehr s{wierig und peinlich machen. Der König hat aber den Wunsch ausgedcückt, daß er ge= rade jeßt seine Stelle uicht verlassen möge, und Herr Rizo hat sich dem Willen Sr. Majestät gefügt.

Die Provenienzen der Türkei sind in diesem Augenblick in Grie= chenland der strengsten Quarantaine unterworfen. Unlängst kamen 400 Albanesen auf einem Transportschiff von Beirut nah Volo. Un-= terweges zeigten sih verschiedene Pestfälle und mehrere Menschen star- ben, Bei der Ankunft in Volo wollten sich die Albanesen den Vor= schriften der Quarantaine anfangs nicht fügen, wurden aber dazu ge= zwungen. Dennoch glaubte der oberste Gesundheits - Rath guf den Bericht des in Volo residirenden Konsuls der Wachsamkeit der türki= {hen Sanitäts - Beamten daselbst nicht völlig trauen zu dürfen, und aus diesem Grunde wurde die erhöhte Strenge gegen die türkischen Provemenzen als Vorsihts-Maßregel befohlen.

Die Regierung hat den Kolonisten in Petalides bei Koron einen dritten Verzugs-Termin gewährt, in Betreff der Rückzahlung der An= leihe, die ihnen zur Bestreitung der ersten Kosten ihrer Niederlassung bewilligt wurde. i

Eisenbahnen.

Aachen, 24. Aug. (Köln. Ztg.) Gestern erfolgte die erste Probefahrt mittelst einer Lokomotive vom aachener Bahnhofe bis zur belgischen Gränze bei Herbesthal, Wenn gleih nah dem kräftigen Fortschritte des Bahnbaues auf dieser Strecke zu schließen war, daß die auf den 15. Oktober d. J, festgeseßte Eröffnung der Eisenbahn von Aachen bis Verviers sicher zu erwarten stand, so überraschte uns do diese beinahe zwei Monate vorher unternommene Probefahrt, welche siherem Vernehmen nah eben so befriedigend für die Techniker und die Direction unserer Bahn, als anspornend für die belgischen Ingenieure ausgefallen ist, indem es diesen von ihrem Gouvernement zur ernstlichsten Aufgabe gestellt worden, die jenseitigen Bahnarbeiten, die nur noch bei Dolhain einige erhebliche Schwierigkeiten darbieten, bis An- fangs Oktober zu beendigen. Auf der Strecke von Aachen bis Herbesthal sind die schwierigsten Bauwerke glücklich überwunden, und beträchtliche Erd- und Dammarbeiten bis guf geringe Böschungs - Befestigungen ber- Ar Vor Allem erwähnungs- und bewundernswerth is ber Ee o kühn und großartig projektirte, als tüchtig ausgeführte Do Geul = Viadukts, über welchen die Züge mit v CNET S vorgestern hinwegrollten. Jn einer halben Stun von der Gränze bis zur Höhe der encigten Cp s wie nahe 2 Meilen) zurückgelegt. Diese wurde