1843 / 69 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

Ausland.

Deutsche Bundesstaaten.

Sachsen. Leipzig, 4. Sept. (L. Z.) Auch der heutige Jah= restag der vor 12 Jahren stattgefundenen Uebergabe der Verfassung wurde von den Bewohnern Leipzigs, wie die der früheren Jahre, festli<h begangen. Den Anbruch des Tages begrüßte cine Geshüß= salve auf dem Schießhause und eine von dem Musik-Corps der Kom-= munal - Garde ausgeführte Reveille, nah deren Beendigung von den Thürmen der beiden Hauptkirchen die erhebende Weise eines Chorals erflang. Um 8 Uhr fand in allen protestantischen Kirchen ein feier= licher Gottesdienst statt, nah dessen Beendigung die Kommunal-Garde sih auf dem Roßplabe versammelte, um von da aus nah dem Markt= plaße zu marschiren. Nachdem sie si< hier in Parade aufgestellt hatte, brahte Herr Stadtrath Dr. Seeburg vom Balkon des Rath= hauses, auf dem sih die Königl. Civil- und Militair = Behörden, #o wie die Mitglieder des Magistrats, eingefunden hatten, ein dreifaches Hoch auf König, Vaterland und Verfassung aus, in welches die Ber= sammelten einstimmten. Abends wurde der Marftplaß dur eine Gas-=Pyramide erleuchtet.

Württemberg. Stuttgart, 30. Aug. (N. W. Z.) Einer der verdienstvollsten Staatsmänner Württembergs, der Staats -Se- cretair Freiherr von Vellnagel, tritt nach beinahe 50jähriger Dienstzeit mit seinem vollen Gehalte als Pension aus der wichtigen Stelle zu= rü>, welhe er bei der Person des Königs bekleidete, und wird künftig nur die Chargen als Präsident des Ober-Hofrathes und als Kanzler des Ordens der württembergischen Krone beibehalten. Der würdige Greis ist aus einer alt- württembergischen bürgerlichen Familie ent- sprossen und hat das seltene Glü> gehabt, das ununterbrochene Ver trauen von fünf auf einander folgenden Regenten des Hauses Würt-= temberg zu genießen. An die Stelle des Herrn yon Vellnagel ist der bisherige Staatsrath von Goes zum Staats=-Secretair ernannt. Bei Verhinderungen des Herrn von Vellnagel und auf Reisen des Königs hatte Herr von Goes bisher schon für den Stagts-Secretair ungirt. y V Das Regierungsblatt vom 31. August enthält eine Bekannt- machung des Ministeriums des Jnnern, wona im Etatsjahre 1842 bis 1843 zu Kirchen= und Schulhausbaukosten aus der Staatskasse bewilligt wurde: A) Zu Kirchenbgukosten 2 Gemeinden zusammen 380 fl. z B) zu Schulhausbaukosten 25 Gemeinden zusammen 11,620 Fl.; C) zu Baukosten einer israelitishen Schule 200 fl.; Summe der Beiträge im Ganzen 12,200 l,

Ulm, 29, Aug. (Schw. M.) Heute Abend zog die gegen= wärtig hier liegende Pionier =Compagnie, mit Laternen, Schaufeln und Waffen versehen, nah dem Michelsberge, wo si< später der Königl. württembergische Festungsbau-Direktor, Major von Prittwiß, in Begleitung der bei dem Festungsbaue fommandirten Offiziere ein= fand, um eine kleine Belagerungs -Uebung dieses Corps zu leiten, was eine bedeutende Menge von Zuschauern hinauslockte.

Das äußerst warme Wetter begünstigt das schnelle Einführen der Früchte ungemein, und man glaubt, daß schon im Laufe der nächsten Woche die Aerndte bei uns, \o wie in der ganzen Umgegend, beendigt sein dürstez denno<h haben die Fruchtpreise bis jeßt noch eine bedeu= tende Höhe. Die Kartoffeln haben jeßt {hon eine Güte und Wohl- feilheit erreicht, wie wir uns um diese Zeit hon seit Jahren nicht

erinnern. Das Simri wird zu 24—30 Kr. verkauft. Durch diese reiche Aerndte wird dem Mangel und der Noth der Armen abgeholfen. Mit der Aerndte ganz zusammen fällt nun auch das Einheimsen des

reichlih gewahsenen Dehmds.

Hannover. Hannover, 2. Sept. (H, C.) Se. Majestät der König werden, den neuesten und bestimmten Nachrichten zufolge, heute aus London abreisen und am 5ten d. hier einfresfen,

Baden. Karlsruhe, 1. Sept. (K.Z.) Se. Kaiserl. Hoheit der Großfürst Michael von Rußland is heute Mittag um 1 Uhr von Baden hier eingetroffen, hat bei Jhren Königl, Hoheiten dem Groß-= herzog und der Großherzogin Abschieds-Besuche gemacht und ist nach 3 Uhr mit dem heidelberger Eisenbahnzug weiter gereist.

Großh. Hessen. Darmstadt, 2, Sept, (F. J.) Se. Kai= serl. Hoheit der Großfürst Michael ist gestern Abend hier eingetroffen. Die hier garnisonirenden Truppen werden heute Vormittag vor Sr. Kaiserl. Hoheit auf dem Exerzierplaße die Revue passiren und Nach= mittags is zu Ehren des hohen Gastes große Tafel bei Hofe, nach welcher Höchstderselbe, wie man vernimmt, wieder abreisen wird,

li<h auf dem „Prinzeß-Theater““, aber unter weniger günstigen Auspizien, ge- eben wurde, Der Gesang war im Allgemeinen leidlich , das Spiel schr Khlecht. Unsere herbstlichen Musikfeste werden jeyt bald 1hren Anfang neh- men z sie versprechen indeß no< wenig Neues von Interesse. L Unsere gelehrten Männer sind gegenwartig in Cork, wo in diesem Jahre die Versammlung der großen „Britischen Gesellschaft genen wird. Wir sind no< immer ohne literarische Neuigkeiten von vesonderem Jnter- esse; die eine vielleicht, die Jhnen zu empfehlen wäre, ist Simpson's Beschreibung der Polar - Expedition, welche für die geographischen Wissen- schaften so befriedigend, für den Leiter derselben sclbst| so tragisch endete, daß er gerade im Momente des Erfolges einen Anfall von Wahnsinn be- kam, welcher mit der Ermordung seiner Gefährten und scinem eigenen Tode

endete,

Königsstädtisches Theater.

_ Nath zweimonatlichen Ferien wurde diese Bühne am Asten d. wieder eröffnet, Referent bedauerte, daß selbst nah dem längeren Schlusse des Theaters ein neues Stü> die freundlichen Räume desselben nicht zu füllen vermocht hatte. Dahin vslegt es zu kommen, wenn dergleichen Anstalten immer mit vollen Segelu von Effekt zu Effekt fortsteuern, bis sie dem über- P Dn nichts mehr zu bieten haben, und die Schauspieler vor e En IMlen, so daß sie Lust und Liebe an der Kunst verlieren.

ir hoffen indessen, daß die Direction bei dem Beginn der neuen Saison auch E geifige Hebung ihrer Bühne nah Kräften sorgen wird.

d O tück, welches uns bei dex Eröffnung geboten wurde, führt

Die Auferstandene. Romantisc(6-tkomiï L L

lungen (und einem Vorspiele) von Frick A, onile M

Ein Zusay auf dem Zettel belehrt uns, daß die dau Vidres

Schauspiels, dessen Abtheilungen noh besouders betitelt sind, theils von Fr. Soulié, theils von Anicet entlehnt ward. Die scenische Anord- nung und der Dialog gehören dem Verfasser eigenthümlich. Derr Adami

at seit ein paar Jahren bereits mehrere Stücke für diese ta Ia die auch auf anderen Bühnen mit Beifall aufge A Aas dies neue Drama bekundet ein seltenes dramatisches Ta der Verfasser besißt, was unseren neucren Theaterdichtern #o oft fehlt und was doch so unerläßlih is, einen praktischen Blick; er weiß, was bei der Aufführung Wirkung macht, und was nicht, Die Handlung dicses Drama's, das in Fraukreih zur Zeit Ludwig's X11. spielt und im Jahre 1625 während der

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Frankrei.

Paris, 1. Septbr, Den zweiten Tag seines Aufenthaltes in Pau hat der Herzog von Montpensier damit zugebracht, die dortigen öffentlihen und industriellen Gebäude, sowie diejenigen historischen Denkmäler zu besichtigen, woran. si<h das Andenken Heinrichs [V. knüpft. Der Herzog und die Herzogin von Nemours sind auf ihrer Reise in Morlaix (Departement des Cap Finisterrae) angekom- men. Der Prinz von Joinville is von dem Schlosse Eu nach Cherbourg abgegangen.

UÜnserem Londoner Korrespondenten, berichtet die Börsen - halle, verdanken wir die Mittheilung einzelner interessanter Privat= Nachrichten über die leßten Ereignisse im Schlosse Eu und die be- vorstehende Ankunft der Königin Victoria daselbst, Man glaubte, dieselbe werde am folgenden Sonntag oder spätestens am Montage eintreffen. Der Prinz von Joinville ist nah Cherbourg abgereist, um, am Bord eines Kriegs-Dampfschiffes, der Königin von England und dem Prinzen Albreht entgegen zu gehen. Die Elite der fran- zösischen Armee wird si< in der kleinen Stadt Eu versammeln, die wenig Sehenswerthes und nicht einmal hinreichend Raum zum Be-=

herbergen so vieler Gäste darbietet. Neue Pavillons sind in aller Eile |

aufgeschlagen, um für den Nothfall von dem Gefolge der Königlichen Herrschaften benutzt zu werden. Marschall Soult, der über hundert Mei=- len von Eu entfernt war, wird in aller Hast den Weg zurücklegen und wahrscheinlich am 31. August schon eintreffen. Herr Guizot ist von Pa- ris bereits am 30sten angelangt, au<h Herr Lacave-Laplagne is eben falls im Schlosse. Die Feste, welche für die hohen Gäste veranstaltet werden, sollen drei Tage dauern, Am ersten Tage wird ein großes Concert, am zweiten eine große dramatische Aufführung gegeben, und alle ersten Fremden dazu eingeladen werden. Ein großes länd= liches Fest im Walde wird den dritten Tag ausfüllen, Die Preise der Wohnungen in dem kleinen Orte sind plöblih sehr in die Höbe gegangen. Man rechnet anf 10,000 Personen, die untergebracht sein wollen, und fordert demgemäß zehnfache Preise.

Die Kommission der transatlantischen Dampfschifffahrt hat sich gestern in dem Ministerium der Marine versammelt, Man berieth

über mehrere Punkte, welhe in Folge der Berichte zu erwägen wa- ren, die man von der Dampf-Fregatte „Gomer“/ empfing. Man glaubt, daß der regelmäßige Dienst der transatlantischen Paketschiffe bald nah der Rückkehr jener Fregatte stattfinden werde, die män in dem gegenwärtigen oder doch zu Anfang des nächsten Monats erwar= tet. Man schreibt übrigens aus Bermudas vom 6. Juli, daß der „Gomer““ seine Untersuchungen fortsetzte, um den vortheilhaftesten Weg eines Dampfschiffs-Verkehrs zwischen Frankreich und den Antillen Fest- zuseßen. Am 24sten kam der „Gomer“ in der Havanna an, Dem ihm vorgeschriebenen Weg zufolge, wird er si demnächst nach Vera-= cruz, Tampico, Galveston und Neu-Orleans begeben haben.

Es sind in diesem Augenbli> nur drei Minister in der Haupt= stadt anwesend, nämlich die Minister des Junern, der Justiz und der Marine. O E s Die Nachricht von der Errichtung eines großen Exerzier-= und Maunöver-Platzes in der Ebene von Grenelle wird von dem JFour- nal des Débats für grundlos erklärt. z

Die Königin Christine hat während der Anwesenheit des Grafen von Syrakus in Paris wiederum Schritte zu Gunsten des Prinzen von Capua und sciner Gemahlin gethan, Man weiß auch, daß der Prinz von Capua sih oft an seine Schwester gewendet und sie um ihre Vermittelung gebeten hat. Der Graf von Syrakus hat indessen

nicht die geringste Lust bezeigt, si<h zu Gunsten scines Bruders zu verwenden. j :

Der Moniteur veröffentlicht heute die 56. Subscriptions= liste des General = Comités für Guadeloupe. Sie beträgt 45,771 Fr., und die Gesammtsumme aller Subscriptionen beläuft sih auf 3,242,053 Fr.

Paris, 1. Sept. Der Besuch der Königin von England bei dem Könige der Franzosen ist außer allem Zweifel. Morgen früh schon soll Jhre Majestät iu Treport eintreffen. Herr Guizot, Minister des Auswärtigen, is nach Eu vorgestern Abend schon ab- gereist, gestern is ihm der Marine-Minister Baron de Mackgu dahin gefolgt, und der Marschall Soult so wie Herr Teste, Minister der öffentlihen Arbeiten, sind gleichfalls dahin berufen. Das auch von mir in einem früheren Berichte erwähnte Bedenken, daß dice Sou- verainin von Großbritanien zu einem Besuche des Auslandes einer besonderen Ermächtigung des Geheimen Rathes bedürfe, wurde durch das vorgängige Beispiel des Königs Georg IV. beseitigt, welcher gleichfalls seiner Zeit, als er die Reise nach Hannover unternahm, diese Erlaubniß nicht nachsuchte. i

An dem ganzen Küsten-Distrikte von Havre an bis nach Eu hin= auf ist bereits Alles in lebhaftester Thätigkeit, um die Anstalten zum

i Schon das Vorspicl „die Masken“ erregt Aufmerksamkeit, Der Nitter von Valencas rettet Anastasia, Tochter des reichen Herrn von Lafaille, das Leben. Er wirbt um die Gerettete und Geliebte, Der Vater, der seine Tochter bercits dem Grafen Montgeron versprochen hat, läßt sich bewegen, mit jener BVer- bindung drei Monate zu warten, um dem Retter seiner Tochter Gelegenheit zu geben, sich auszuzeichnen, für welchen Fall er ihm den Bonzug als Eidam einräumen will. Der Zufall ist dem Nitter günstig, indem cx den Kardinal Richelieu, der sich unerkaunt in der Nähe aufhält, von drei ver- fappten Nittern befreit, die die Absicht haben, den mächtigen Minister Lud- wig’s XIII. zu ermorden, und nun, von diesem neu erworbenen mächtigen Gönrer unterstüßt, wesentlich zur Eroberung von la Rochelle beiträgt. 7 Zwischen diesem Vorspiel und der ersten Abtheilung „die Heimkehr

liegt ein Zeitraum von fünf Jahren, Es ist nicht unsere Absicht, die Hand- lung des ganzen Stückes ausführlih zu besprechen. Es genüge, zu sagen, daß Valencay vor 5 Jahren nach ersochtenem Siege gefangen genommen ist, von den Engländern nah Judien geführt und erst jeßt von Frankreich ausgewechselt ward. Unterdessen ist Anastasia mit dem ungeliebten Manne vermählt, ihr Vater is gestorben, ihr Gatte hat ihr Vermögen verschleudert und vergiftet sein Weib, um eine andere vortheilhafte Verbindung zu schlie- ßen, Kaum is dic Leiche beigesebt, als der wirkliche Geliebte aus Zndien zurückkehrt, Anastasiens Leiche, die aber feine Leiche is, sondern später ins Leden zurückgerufen wird (daher der Titel), entführt. Wir gestchen, daß die Ausführung dieser Abtheilung uns allzu melodramatisch, allzu spekta- kelhaft ersheint, um s{hön zu sein, denn nicht allein, daß alle Affekte und Leidenschaften darin aufgewendet sind, so sind auch viele Aeußerlichkeiten, als Sturm, Donner, Feuersbrunst, zerschmetterte Brücken u. \. w. herbei- gezogen, die alle Theilnahme erdrücen, Aber von jezt ab geschieht sowohl die weitere Verwickelung, als die spätere Auslösung auf eine naturgemäßere Weise. Richelieu erscheint stets als Träger und Leiter des Ganzen und wird bei seinen geheimen Anordnungen tresflih von einem lustigen Burschen unterstüßt, der überall und stets am rechten Orte erscheint, Die zweite Ab- theilung „die Erscheinung“ hat viele Vorzüge vor der ersten, und die vierte: „die Geäfften am Hofe“ is sogar vortrefflich zu nennen, indem das sons materielle Drama sich hier zu der Höhe cines feinen Jntriguenstücks erhebt. / G ; N

y Die Darstellung anlangend, hat man bei den Ansprüchen, die an diese Bühne zu machen sind, Ursache, zufrieden zu sein, Jm Königsstädter Theater ist das edle Drama nicht heimisch ; das Personale wird zu Possen und Ba- gatellen aller Art verwendet, so daß es thm zu nicht geringem Lobe gereicht, wenn es so fleißig spielt, wie gestern. Dlle, Neinbec> (Anastasia), Herr Hänsel (Richelieu), Herr Stül zel (Valencav), Herr Schrader (Mont-

Belagerung von Rochelle beginnt, ist nicht ohne Interesse,

| englischen Einfluß

würdigen Empfange der Königin zu treffen. Havre bildet dur seine geographische Lage den Mittelpunkt dieser Arbeiten. Am 30sten Abends gegen neun Uhr traf der Prinz von Joinville, mit Post von Schloß Eu kommend, daselbst ein und cite sih augenbli>lih auf dem „Pluton“ (französisches Kriegs =Dampfschiff, auf welchem die Prinzessin Clementine kürzlich die Reise nah Lissabon und die beiden Prinzen vorige Woche erst die Fahrt nah London und zurü> nach Treport gemacht hatten) ein, der ihn im dortigen Hafen = Bassin er= wartete. Um Mitternacht verließ der „Pluton““ den Hafen und fuhr in der Richtung nah Cherbourg ab. Er wird zwischen la Hague und Startpoint, den beiden sich am nächsten kommenden Vorgebirgen an den Küsten von Frankrei<h und England, kreuzen und daselbst bei ihrer Rückkehr von Plymouth die Königliche Escadre von England erwarten, um sie nah Treport zu begleiten, Um 1 Uhr Morgens zum 31sten ershien ganz unerwartet der „Napoleon“ auf der Rhede von Havre und fuhr in den Vorhafen ein, wo er an dem Kai in der Nähe der Citadelle anlegte. Der „Napoleon“/ war Ueberbringer eines aus- drücklichen Befehls des Königs, wodurch die zwei Elite = Compagnieen des zweiten Bataillons des in Havre in Garnison stehenden 46sten Linien - Regiments nah Eu berufen werden, Nach Verlauf einer Stunde waren die beiden Compagnicen eingeschifft, und der „Napo= leon“ trat unmittelbar die Rückfahrt mit denselben na Tre- port an. Am 30sten Abends schon hatte der von der Verwaltung gemiethete „Courrier“ den Kutter „le Rodeur“/ ins Schlepptau ge= nommen und war ebenfalls mit ihm nah Dieppe abgefahren, Am 31sten selbst erwartete man zu Havre auf den Seine - Dampfschif= fen das Eintreffen von zwei Elite - Compagnieen des ersten leichten Regiments Jnfanterie von Rouen aus. Diese sollten auf dem Schiffe „le Francais“ die Ueberfahrt von Havre aus nah Treport machen. Am 27\ten Abends {on war eine Abtheilung Artillerie aus Douai in Eu eingetroffen, und zwei Batterieen waren mit Post vou La Fere aus dahin gebraht worden. Auch der größte Theil des im Departe- ment du Nord in einigen Städten stehenden ersten Regiments _Carg- biniers zu Pferde is wohl in diesem Augenblie bereits zu Eu an- gelangt. Man glaubt, auch der Handels-Minister, Herr Cunin-Gri- daine, der si< in diejem Augenbli>e zu Havre befindet, wohin ihn die Besichtigung der an dem dortigen Hafen vorzunehmenden Arbeiten gerufen hat, werde von dort aus nah Eu sich begeben. Man sieht aus Allem, daß der König Ludwig Philipp seinem erhabenen Gaste einen wahrhaft Königlichen Empfang zu bereiten gedenkt.

Die bisher veröffentlichten Berichte über den Unglücksfall, welcher die Königliche Familie dieser Tage zu Eu bedrohte, scheinen die Ge- fahr, in der sie schwebte, cher geringer als größer dargestellt zu ha ben, Nicht blos der König und die Königin selbst sollen in dem Wa- gen sich befunden haben, sondern au die Herzogin von Orleans mit dem Grafen von Paris, der Herzog von Aumale und der Prinz von Joinville. Auch bei diesem Anlasse hat sih wieder ret klar gezeigt, wel< hohen Werth die bei weitem überwiegende Mehrzahl der Fran= zosen auf das Leben des Königs legt. Man kann im Jnteresse Frank- reis wie des Friedens von ganz Europa gewiß nichts angelegent- licher wünschen, als daß der Himmel das Leben des Monarchen, an welches si< \o große Înteressen, so zahlreiche Hoffnungen fnüpfen, no< lange Jahre erhalten möge. Bis jeßt erfreut sih der König noch einer für sein vorgerücktes Alter wahrhaft außerordentlichen Rüstigkeitz er hat in den lebten Tagen erst mehrstündige Spazierritte zu Eu gemacht. Dort ist Alles mit Fremden schon so überfüllt, daß fein Unterkommen mehr zu finden ist.

A Paris, 1. Sept. Der Besuch der Königin Victoria im Schlosse von Eu is, abgesehen von einem etwaigen zufälligen Hin- dernisse, ni<ht dem mindesten Zweifel mehr ausgeseßt, Die Königin wird am Lten d. M. in Treport erwartet, das drei Viertelstunden von Eu entfernt is und dieser kleinen Stadt zum Hafen dient, Die Vorbereitungen zum Empfange des Königlichen Gastes sind während der leßten Tage mit der größten Eile und Thätigkeit betrieben worden, und sie haben eine merkflihe Bewegung in den Verkehr der nördlichen Küstenstädte unter einander und mit Paris gebracht. Db die Köni gin Victoria nach Paris kommen werde, scheint noch ungewiß zu sein, aber es heißt, daß man für den möglichen Fall ihrer Reise hierher Wohnungen für sie und ihr Gefolge in den Tuilerieen und in dem Palais Royal in Stand seben lasse. Es bedarf kaum der Bemer-= fung, daß die Gegner der Regierung und noch mehr die der Dyna-= stie äußerst scheel sehen zu dem Beweise des Wohlwollens und der freundschaftlichen Gesinnungen, den die Königin von England dem Hause Orleans zu geben im Begrisf_ steht, Die aus geblihen Besorgnisse, daß die bevorstehende Zusammenkunft den L im Kabinet der Tuilerieen vergrößern, und dem Projekte eines englisch-französischen Handels-Vertrages Vorschub leisten könne, sind leere Vorwände, hinter denen sich die Mißgunst verbirgt, die sih nicht ganz ossen zu zeigen wagt; denn diejenigen, welche

geron), Herr Burmeister (D ominique) und Herr Grobed>er (Martial) haben ihren interessanten und zum Theil sehr wirksamen Nollen ihr vollcs Recht widerfahren lassen. Die Ausstattung war lobenswerth.

Das Publikum war fehr dankbar; cs applaudirte oft und viel und ricf am Schlusse die genannten Hauptpersonen und nah ihnen auch Herrn

Adami hervor.

Die italienischen Opern - Vorstellungen beginnen in diesem Jahre am 16. September. Die Gesellschaft besteht außer ihrem Impresario aus fol- genden Mitgliedern :

Signor Antonio Buzzola, Maestro della Musica e Direttore dell Opera. Signora Ottavia Malvani, Prima Donna Assoluta, Signora Ersilia Ra nzi, Prima Donna a vicenda. Signora Giovannina Peco- ¡ Signora Gactana Bor gh i, Seconda Donna. Primo Tenore Assoluto, Signor Giuseppe Signor Cleto Capitini, Primo Basso AÂss0- ini, Primo Basso0 Profondo. Signor Comico. Signor Giuseppe Bien, Basso Cavirani, Secondo Tenore. Eignor

rini, Comprimaria, Signor Ferrari Ställa, Bianchi, Primo Tenore, l luto, Signor Serafino Panzi Simone Grandi, Primo Busfo in genere. Signor Alessandro

Carlo Pizzocaro, Suggeritore.

Jm Lokale des Vereins der Kunstfreunde (Werderschen Markt 4 a) sind neu aufgestellt folgende Kunstgegenstände von : Elise Hüssener, Die Mutter mit ihrem Kinde, Bronzegruppe mit Silber eingelegt. Oelgemälde: ) Engelmann, Hagar und Jsmael in der Wüste, Beckmann, Kreuzgang 1n Schulpforta. Otto Meyer, Ein Schäfer mit seiner Heerde. Brücke, Das alte Rathhaus von Berlin, Hellwig, Ein Wallensteiner Trompeter. Looschen, Ein Blumenstüc, Ein Fruchtstük. Kaselig, Landschaft mit aufgehendem Monde. Berlin, den 3. September 1843. i Direktorium des Vereins der Kunstfreunde im preußischen Staate.

solhe Befürchtungen laut werden lassen, wissen reht gut, daß weder die französische no< die englische Politik dur< persönliche Rücksichten und Sympathieen bestimmt wird, sondern daß sie auf Grundsäßen und Ueberzeugungen beruht. i s N

Der Brief der Königin Pomare an die Königin Victoria wird von den hiesigen Blättern mit einigen Zweifeln an seiner Aechtheit, und subsidiaris< mit der Erklärung abgefertigt, daß derselbe, wenn au von der Königin von Tahiti unterzeichnet, doch nah Ton und Styl offenbar das Werk eines englischen Missionairs sei. Das leb- tere mag allerdings wahrscheinlich scin, aber die Thatsache, daß die Königin Pomare dur Drohungen und Gewaltmißbrauch zur Anerken- nung der französishen Oberhoheit gezwungen worden, wird dadurch weder beseitigt no< au<h nur geshwächt. Nur eine der heutigen Zeitungen fügt zur Rechtfertigung des Verfahrens des Admirals Dupetit Thouars gegen die Gesellshafts-Juseln no< hinzu, daß die der Königin und dem Volke dieses Archipels bewilligte Capitulation so viele Zugeständnisse enthalte, daß manches europäische Volk sich mit denselben niht nur begnügen, sondern sogar schr glütlih schäßen würde. Wir wollen den Charakter des Jnhalts jener Capitulation nicht untersuchen, sondern annehmen, daß derselbe wirklich cin freisin= niger seiz wird aber dadur die Thatsache, daß die Franzosen die Bevölkerung von Tahiti ihrer natürlichen Unabhängigkeit beraubt haben, geändert ?

Gestern is ein großer Prozeß wegen betrüglihhen Bankerotts, der die Aufmerksamkeit des Publikums während der beinahe vier- zehntägigen Verhandlungen vor den Assisen anf das lebhafteste in Anspruch genommen hatte, dur< die Verurtheilung des Haupt-Ange= flagten und die Freispre<hung seiner vermuthlichen Mitschuldigen be- endigt worden. Es handelte si bei diesem Prozesse um ein Passi= oum von fünf oder sechs Millionen, eine Summe, welche zur Genüge sagt, daß die Angeschuldigten, die Gebrüder Merentié, der ersten Klasse des Handelsstandes angehörten. Dieser Umstand is vielleicht auf den verurtheilenden Ausspruch der Geschworenen nicht ohne Ein= fluß gewesen, denn es ist gewiß, daß eine gänzliche Freisprechung das größte Aergerniß erregt haben, und daß sie von der öffentlichen Stimme als eine Verfälschung der Justiz ausgeschrieen worden sein würde.

Grossbritanien und Irland.

Loudon, 1. Sept. Jhre Majestät die Königin is auf ihrer Seefahrt gestern in Devonport ans Land gestiegen und verweilt dort auf dem s{ön gelegenen Schlosse des Grafen von Mount Edgecumbe, Die hohen Herrschaften kehrten am 29sten nicht in den Hafen von Cowes guf der Jusel Whigt zurü>, sondern seßten ihre Lustfahrt längs der südlihen Küste Englands, noch denselben Tag bis zur Rhede von Portland in der Nähe des kleinen“ Küstenorts Weymouth fort, Die Segelschiffe, welche die Königin begleiteten, konnten we- gen mangelnden Windes mit der Königlichen Dampfjacht nicht Stich hal= ten und sobestand die ganze Begleitung nur aus vier Kriegs-Dampfschiffen. Die Einwohnerschaft der Stadt Weymouth hatte an der Küste sich zahlreich versammelt und erwartete die Landung ihrer Herrscherin. Indeß verließ die Königin, die, wie man glaubte, stark an der Sece- Krankheit gelitten hatte, . nicht das Schiff, und seßte, nachdem sie no< Abends an Bord desselben eine Adresse des Mayors und der Munizipalität von Weymouth angenommen, am 30sten früh ihre Fahrt nah Plymouth fort. Nachmittags langte Jhre Majestät in Devonport an, wo sie von der zu ihrem Empfange dorthin beorderten Escadre von Kriegsschiffen unter dem Admiral Sir Charles Rowley, bestehend aus vier Linienschiffen, zwei Fregatten, ciner Sloop und einer Brigantine, so wie von den Hafen-Batterieen durch Salutschüsse und von dem tausendstimmigen Hurrah der im Ha- fen versammelten Zuschauer begrüßt wurde. Gestern früh begab ih hier die Königin unter Begleitung der in Plymouth gerade zur In= spizirung der Dok-Yards anwesenden Lords der Admiralität ans Land und während Prinz Albrecht mit den Lords die Kriegswerften in Augenschein nahm, beehrte Jhre Majestät den Grafen von Mount Edgecumbe auf seinem Schlosse mit ihrem Besuche. Waun die Kö-= nigin Devonport zu verlassen gedenkt, ist no<h nicht bekannt. Eben so enthalten diese Reise-Berichte nichts Bestimmtes über die Zusam= menkunft der Königin mit dem Könige der Franzosen in Eu, und die leßten londoner Nachrichten wiederholen nur die Vermuthungen welche man darüber in Eu hegt. j 14 Der Stadt-Rath von London hielt heute unter dem Vorsißze des Lord - Mayors eine außerordentliche Sitzung, um über die Abfassung der bereits beschlossenen Bewillkommnungs-Adresse an den Ex-Regen- ten von Spanien zu berathen, Der Zwe> der Adresse i bereits gemeldet worden; er bezieht sih auf die Versicherung der Theilnahme an dem Unglück Espartero's und die Erklärung, denselben als Regen- ten von Spanien zu bewillklommnen, Nachdem von dem Alderman Peaco>k mehrere Resolutionen beantragt waren, welche der Adresse zum Grunde gelegt werden sollten, erhob sih gegen die Annahme derselben aufs entschiedenste der Alderman Sir Peter Laurie indem er eine Einmischung der Londoner Bürgerschaft in eine rein politische Angelegenheit als unstatthaft nachwies. Uebrigens glaubte der Redner, daß Lord Palmerston, der allgemeine Friedens\tbrer, hin= ter der Sache ste>e, welche nur darauf abgesehen fei, neue Verlegen- heiten dem Ministerium zu bereiten, das die neue Regierung in Spanien bereits anerkannt habe, Das leßtere wurde bestritten; in-= dessen fanden die Andeutungen Sir Peter Laurie's Auklang und veranlaßten mehrere der Aldermen, si< in gleihem Sinne auszuspre- chen. Doch sprach si<h die Mehrzahl der Versammlung für deu Antrag aus, so daß am Schlusse der Sibung die Adresse mit großer Stim-= menmehrheit angenommen und ausdrü>lih beschlossen wurde, dieselbe an „den Regenten von Spanien““ zu richten, h

Man war gespannt darauf, was O'Connell zu der Thron - Rede der Königin, welche das Parlament prorogirte, sagen würde, da ihm damit seine gewöhnliche Behauptung, daß die Königin seinen Plänen nicht eutgegen wäre, widerlegt worden ist. Heute bringen die Blätter seine Rede, die er darüber in der lebten Repeal-Versammlung an der dubliner Kornbörse gehalten hat, und man sieht, daß der Agitator um einen Ausweg nicht verlegen war. Er sieht die Thron = Rede nicht für den Ausdru> der Königlichen Meinung, sondern für eine Rede der Minister an, zieht über die leßteren in gewöhnlicher Weise her und erweist, daß die Verhältnisse in keiner Weise geändert seien Zum Schlusse beantragt er eine Adresse an die Königin und das englische Volk. Wir werden auf diese Rede noch zurü>fommen :

Marschall Sebastiani hat vorgestern London verlassen um sid nach Eu zu begeben, Privat=Angelegenheiten, sagt ver Standard, nicht politishe Zwe>e hatten den Marschall na< England ührt. —- Der französische Geschäftsträger, Gr ane O NOUOOS falle anes Früh id ges, Graf Rohan Chabot, ift gleich= alls Zu abgegangen, wo er, wie dasselbe ministe- rielle Blatt sagt, noch zu r it eintreffen will, e lichkeiten bele bNeR; leide 1006 fr N enge m Ln Fest- bereitet werden. npfaug Jhrer Majestät

Verfasser

Sir Charles Morgan, verschiedener philosophischer

- Werke, und Gemahl der bekannten Shriftstellerin gleiches Namens ,

ist in diesen Tagen hier gestorben.

© London, 1. Sept, Währ j irmi Z i 1+ Sept, Wahrend in Birmingham die Par- teien no< immerfort über die Bedingungen AnGadeln, Me

443 welhen si< cine einmüthige Versammlung der Einwohner h ließe, hat der Wink, welcher dort in einer vorläufigen Sia gegeben wurde, bereits in Wales Anklang gefunden. Jn einer Ver- saivduiis von etwa 2000 Personen, welche \o eben in der Näbe von Swansea gehalten wurde, entschied man einstimmig zum Vortheil der freien Einfuhr aller Produkte, uud für die Entfernung its Ministeriums, welches si< einer solchen Maßregel widerseßez auch wurde in diesem Sinne eine Bittschrift an die Königin angenommen. Die Pächter, die zugegen waren, ließen sih um so leiter hierzu be- reden, da sie die niedrigen Preise ihrer eigenen Produkte und ihre hieraus entspringende Armuth dem Verfall der Gewerbe in ihrer unmittelbaren Nähe zuschreiben. Auch wird diese Bittschrist von vielen Seiten

Opposition gegen die Minister um vieles verstärkt werden, wenn diese ni<t in der nächsten Session mit irgend einer großen umfassenden Maßregel hervortreten. L

Die einzige Maßregel der Session, welche viel Anerkennung fin= det, ist das neue Libell-Geseß, welches den guten Namen von Pri- vatpersonen besser zu beschützen berechnet is, als das bisherige; und dieses is eigentlih das Werk eines Oppositions-Mitgliedes des Ober= hauscs, nämlih Lord Campbell’s, Durch den Erziehungsplan i} zwar die Kirche zu ungewöhnlicher Thätigkeit augespornt, aber auch zugleich die Feindseligkeit gegen dieselbe unter den Dissenters neu belebt worden. Sir James Graham hat nun zwar am Schlusse der Session angekündigt, daß er nächstens ein Mittel vorschlageu wolle, um die Mißbräuche abzustellen, welche si< in fast allen Theilen des Landes unter dem Schuße von 200 Lokal-Geseben eingeshlihen haben, und in deren Namen an 12 Millionen jährlih von der Nation erhoben werden. Aber mit der Erhebung dieser Summen befassen si< über 150,000 Personen und Niemand trauet Graham die Kraft zu den Widerstand, der da zu erwarten stehet, überwinden zu Fécten. l

Zum Glück scheinen sih die Waliser Angelegenheiten von selb geben zu wollen. Die Partei, welche die Times in der Sache er- griffen, no<h mehr als die unmittelbar drohende Gefahr, hat die Grund=Besiber endlich zur Einsicht gebraht. Ju mehreren Ver= sammlungen, welche neulich stattgefunden, haben diese Herren es sich gefallen lassen, daß ihnen die bedrängten Pächter ihre Lage vorlegen durften, und bei mehreren wurden sogleih Anstalten getroffen, wenig- stens die Hauptbeschwerde über die Straßenzölle {nell durch Abstel= lung oder do< Ermäßigung zu begegnen. Einzelne Gutsherren \ol- len auch einiges an dem Pachtzins nachgelassen haben; und \o dürfte die Provinz sich vor dem Winter wieder beruhigen, zumal, da es sich in den Cisenwerken bereits gebessert hat, und gute Hoffnung vorhan: den sein soll, daß cs sih auh mit den Kupferwerken bald bessern werde. Dieses is um so wünschenswerther, da die Chartistenhäupter wieder hier und da thätig geworden und sogar damit umgehen, eine neue Versammlung von Abgeordneten nah Birmingham zu berufen um ihre zersprengte Zunft zu reorganisiren, : i

S M WeT

__ Luzern, 1. Sept. Ju der gestrigen Sihung der Tagsaßung ist die Kloster = Frage zu einer endlichen Lösung gekommen; die S taatszeitung berichtet hierüber wie folgt: „Aargau theilt den Beschluß seines Großen Rathes mit und verbindet damit die Erklä- rung, daß die fraglichen vier Klöster in denjenigen Verhältnissen wieder hergestellt werden sollen, in welchen dieselben si<h vor dem 11. Januar 1841 befunden hatten. Herr Wieland spricht \{ließli< die Erwartung aus, es würden nach diesen loyalen Eröffnungen die-= jenigen Gesandtschaften, welche si< das Protokoll über die aargauische Kloster-Angelegenheiten offen behalten hatten, dasselbe nunmehr aus- füllen. Das Lebtere geschah sofort von Seiten der Gesandtschaften der Stände Genf, Graubünden und St, Gallen, welche sich mit dem aargauischen Anerbieten befriedigt erklären. Ju der reglementarischen Umfrage sprachen sih die Gesandtschaften der Stände Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug, Freiburg, Wallis und Luzern, so wie Basel-Stadt und Appenzell Jnuer-Rhoden kräftig und entschieden und vor den Folgen warnend gegen den nahestehenden heillosen Bundesbruch aus. Dierauf rejumirte das Präsidium die gefallenen Voten und erklärte, daß sich his jeßt für Befriedigung mit den vier Frauen-Klöstern die Stäude Büuden, Solothurn, Waadt, Glarus, Tessin, Thurgau, Genf uud Sk.

Seil jedenfalls feine reglementarische Mehrheit ausgesprochen habe (Vern gab kein neues Votum ab, sondern blieb bei den drei Frauenklöstern stehen). Da bemerkte St. Gallen, sein Votum sei so zu verstehen, daß, wenn sich Feine Mehrheit für die vier Frauenklöster ergebe, es auch für die drei Frauenklöster die 12te Stimme ausmachen wolle, Um eine Mehrheit von 12 Stimmen zu erzielen erklärte also St. Gallen, sich auch mit dem ersten Anerbieten Aargaus auf drei Klöster verstehen zu können, so daß St. Gallen, abweichend von feiner Ju= struction , die zwölfte Stimme hierfür ablegte. Hiermit blieb es bei den drei Klöstern: Fahr, Gnadenthal und Maria = Krönung. Die neuhausische raison d’élat hat gesiegt. Ju Folge dessen stellten die Gesandtschaften der Stände Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Ug und Freiburg eine Verwahrung und Protestation an das Pro-= tofoll, „Wallis und Appenzell Juner=- Rhoden stimmen bei. Neuen- burg, ch auf seine früheren Voten beziehend, giebt ebenfalls eine Protofolls = Erklärung ein, Eine Gegenverwahrung an das Protokoll En oie übrigen Stände, theils an Zürich, theils an Waadt und ee Da Auf morgen wurde vom Präsidium die

l YVenehmgung und der Tagsabungsschluß angesagt.

h Zürich, 28, ug. (N. Z, D) „Der. Bürgerkrieg scheint in vollem Ausbruche zu sein. Wir theilen in möglichster Kürze die uns zugekommenen Nachrichten mit. Der Courrier du Valais der in Sen erscheint und dessen lebte uns zugekommene Nummer vom 20, August is, beschränkt si<, was die neuesten Vorgänge betrifft auf Folgendes: „Jm Augenbli, wo wir unter die Presse legen, ver- nehmen wir, daß Unordnungen der s{wersten Art in St. Moriß uud la Balma stattgefunden haben. Dr. Barman is diesen Morgen mit einer Mission der Regierung abgereist, Herr Cocatrix, der Staats= rath, hat gestern Abend seine Entlassung eingereiht und soll mit zwei von ‘seinen Söhuen über den Sanetsh (in den Kanton Bern) ge gangen sein. Seine Entlassung is vom Großen Rathe no< nicht angenommen worden.“ Der Courrier meldet sodann die Einberu- fung der drei Bataillone und die Ernennung des Majors Barman zum Präsidenten eines Kriegsraths, /

St. Moriíit, 29. Aug. Morgens. (Gaz. de Lausan Gestern Abend sind die Patrioten von St. Gingolph , Saa R Monthey, unter dem Befehle des Herrn Joris, hier eingerü>t. Sie sind in der Königl. Abtei untergebracht worden und diesen Morgen nah Martinah abgegangen, wo sle si< mit deu Patrioten dieser Stadt verbinden werden, um von da sämmtlich nach Sitten zu mar- schiren, Die Regierung ihrerseits hat zu ihrem Schuße die drei Bataillone des eidgenössischen Kontingents aufgeboten und beordert, in kürzester Frist in Sitten einzutreffen. Der Staats = Rath hat einen Kriegs -Rath ernannt, dessen Präsident Herr Moriß Bgrman eidgenössisher Major, ist. |

St. Moriíit, 29. Aug. (N. Z.

n Z.) Gestern Nachmitt wurde die junge Schweiz zusammenberufen, f ahmittag

um sih nah Sitten zu

begeben; in der That kamen um 9 Uhr Abends von Mont

ungefähr 300 Mann, den Koiiniiübäüten Joris an der S E Sie zogen in sehr guter Ordnung ín die Abtei ein, der man die Ankunft angezeigt hatte, damit sie Erfrishungen und ein Nachtlager auf Stroh in den Gängen bereit halte, Alles ging in bester Ordnung vor sich, man hörte von Zeit zu Zeit einige patriotishe Licder singen. Die= g Morgen sind sie în sehr guter Ordnung abmarschirt, von zwei Artilleriestücen begleitet. Man is nicht ohne einige Furcht, daß die Dergbewohner (des benahbarten Jllierthales) von der retrograden Partei zu Gewaltthätigkeiten hingerissen werden und die Nachhut

Nachahmung finden, und somit die League, wie die parlamentarische |

e ungen Schweiz, die niht ausgezogen is, beunruhigen ; aber bis 2 n J s ruhig und einige Vorsichts - Maßregeln werden Mai G liberalen Partei, die zurückbleibt , actrossén werden. erf Ln daß die Regierung über die Erbitterung im Ober Ubi babe beunruhigt, den Truppen oberhalb Leuk Gegenbefehl ge- a N ES Bischofswahl, die man ungeachtet der Opposition fdie s L in dieser Session vornehmen wollte, hat am Sonn= E s ni "t stattgefunden, wird aber wohl gestern vorgenommen Ss Lis Herr Cocatrix, der in dem Augenbli>, als der Große E iioiléea Lr Angen des Staatsrathes billigte (am 25sten), zum E L E seine Entlassung einreichte, hat si< über den vet E ’ex (1m Kanton Waadt nahe an St. Moriß) begeben, ede und das e e fand, Man glaubt, daß dahinter eine Jntrigue nid 19m zugesichert ist, daß der Große Rath seine Entlassung nit annehme. Dr. Barman, Präsident von St, Moriz, hat vor h R publiziren lassen, daß l) jeder Waffenfähige si<h auf 2) wer ibe deu HeIE da M E Bürger Garbe r Bes ba Be S sähtg sei, seine Waffen gegen einen Empfangschein abg af, 3) Herr von Nuce zum Plaß-Kommandant ernannt sei. i L der die Vorgänge einigermaßen aufhellt, is, daß die Ronuferenz, welche am 24sten Nachmittags zwischen den Mitglie- dern des Staats - Rathes und zwei bis drei Deputirten aus jedem penien stattgefunden hat, erfolglos geblieben ist, Der Austausch det Zneinungen, der hier stattfand, war bitter, heftig. Die Unter= Dalliser Pignat, Dr. Ducrey, Torrent, Dr. Barman u. A. forderten die Demission des Staats-Rathes, die Ober-Walliser und selbst ein= ees eputirte des Centrums widerseßten si<h, Am 25}en nahm der des Rath hiervon Notiz, beschloß die Amnestie, billigte aber die n lungen des Staats-Rathes und gab demselben Vollmachten, alle “laßregeln zu treffen, die ihm gut schienen. Auf den Antrag des Herrn Stockalper wurde er eingeladen, das Kriegsmaterial, das anderwärts sich befinde, in das Zeughaus zurü>zubringen, wohin es gehöre. Jn= zwischen durchzogen Emissaire das Oberwallis und regten dasselbe auf. n Unterwallis selbst sammelte si< in dem kleinen Dorse Balma eine Sthaar Reactionairs am 25sten. Gleichzeitig thaten sich ein Dußend Liberale in St. Moriß zusammen, holten den Kastellan Rouiller von Vutre-Rhone und zwangen ihn, seine Demission zu unterzeichnen. n Balma, wohin sie gingen, wurden sie mit Schüssen empfangen. n der folgenden Nacht wollten sie sich rächen , allein Dr. Barman fam als Abgeordneter dazwischen und hinderte es. Jn Evionazz wurde guf ihn geschossen, ohne daß es Folgen hatte. Auch am Sonntag fanden Austritte statt, die die Ereignisse vom Montag zur Jolge hatten,

At al T

Von der italienischen Gränze, 24. Aug. Briefen aus Bologna zufolge, hatte die dortige Aufregung fast aufgehört, und man glaubte, daß die paar hundert Schweizer , die gegen einige un= ruhige Banden, welche im Lande herumstreiften, gezogen sind, voll= fommen hinreichen werden, um die Ruhe wiederherzustellen (\. den Artikel Rom). Es sind meistens irregeführte junge Leute, welche Soldaten spielen und sich des französischen Kommandos bedienenz ihre Rodomontaden waren bisher ziemli<h unschädlih, doch scheinen sie einige Köpfe auch in den südlichen Delegationen verwirrt zu haben, wo durch die päpstlichen Behörden mehrere Verhaftungen vorgenommen werden mußten. Am 23sten d. haben au<h im modenesischen Reggio einige dreißig junge Leute, in Reih und Glied marschirend, aus der Stadt ziehen wollen; sie wurden jedo< ohne Mühe und ohne An- wendung von Gewalt auseinaudergetrieben.

Im nächsten Monat soll am Po ein österreichisches Lager zu= sammengezogen werden, an dem gu einige modenesishe Truppen theilnehmen werden, :

__ Nom, 26. Aug. (A, Z.) Aus Bologna vernimmt man, da in dic Nähe von Bazzano die Hauptbande der Contrebandiere i Unruhestifter von den vereinten päbstlihen und Schweizer Truppen errciht und auseinander gesprengt und mehrere gefangen wurden. Mittheilungen aus Ravenna und Forli, die gestern hier eintrafen melden, daß sich in dortiger Gegend ebenfalls bewaffnete Banden gezeigt haben, auf welche gleihfalls Jagd gemacht wurde. Von hier aus sind 200 Gensd’armen nah den Provinzen abgegangen. Unter den Offizieren, welche dahin gesendet wurden, um alle mit Wasfen in der Hand gefangene Judividuen nah den Kriegsgeseben zu verurtheilen, befindet sih au< der Adjutant im Generalstab Major Bruti, Bei dem gänzliheu Mangel an Oeffentlichkeit lauten hier die Nachrichten über die Vorgänge in den Provinzen noch immer o widersprehend als vom Anfang an. Ob mit oder ohne Grund be= hauptet man, die mit der Regierung Unzufriedenen hätten mit den Schleichhändlern gemeinschaftliche Sache gemacht, und würden, durch das gebirgige Terrain begünstigt, no< lange Widerstand leisten können. Bei der augenbli>lichen Finanz = Verlegenheit sind diese Vorkommuisse der Regierung doppelt unangenehm, und man sieht außerordentlichen

Maßregeln entgegen, um si< zu helfen.

DPanien ___ Moadríd, 26. Aug. Man spricht hier bereits von einer Veränderung des Ministeriums Lopez, und giebt für die neue Ver= waltung folgende Zusammenseßung an: Cortina, Präsident der lehz= ten Cortes, Conseil-Präsidentz Olozaga, Minister der auswärtigen Angelegenheitenz Casa Jrugo , Minister der Finanzen; General Aspiro, Kriegs-Minister; Admiral Prum de Rimeras, Marine-Minister z Ortiz Zuniga, Justiz-Minister. j

2 Paris, 1. Sept. Die Nachrichten aus Barcelona 25sten v. M, stellen den Stand der Lettlidhes Ruhe daselbst als höchst befriedigend dar, Die Arbeiter hatten ihre Arbeit wieder aufgenommen, alle Gewölbe waren geöffnet und der Handel lag sei= neu gewöhnlichen Beschäftigungen ob. Die Offiziere der Garnison hatten am 24ásten dem Brigadier Prim ihre Aufwartung gemacht, um ihm zum Antritte seines Amtes als Militair-Gouverneur von Barce= lona Glü zu wünschen. Sie haben ihm abermals die Versicherung gegeben, daß er in Allem und Jedem auf ihre Treue und Ergebenheit zäh= len dürfe, Nachdem Brigadier Prim die Herren Benavent und Queralt bewogen hat, die Reise na Madrid zu unternehmen, um sich mit dem Kabi= net Lopez näher zu verständigen, is die Junta von Barcelona de facto aufgelöst, denn es bleiben nur no< zwei Mitglieder b in der Stadt. Der Zwe> der Reise der Herren Benavent unv ralt geht dahin, das Ministerium Lopez zu , die L us in Betreff der Einsezung einer Central-Junta und ® ie Ausna der Cortes-Constituante zu Rathe zu ziehen, Da mf