1843 / 89 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

4. Okt. : Ruhetag. Am 5. Oft. und am 6. Oft. : Feld-Manöver.

7 Oft. : Ruhetag. Am 8. Okt.: Große Parade.

E Die allgemeine Eintheilung des 10ten Bundes = Armee - Corps während der Konzentrirung is na< der H annoverschen Zeitung folgende: S E

* Rommandirender General des Armce-Corps: General-Lieutenant Halkett. 1, Erste Corps-Division. General-Lieutenant von der De>en. Königlich hannoversche und Herzoglich braunschweigische Kontingente.

Kavallerie-Division, General-Major von Oito König- lih hannoversche Kavalleriez das Regiment zu drei Schwadronen. Erste Kavallerie-Brigade. Oberst Cleve. Garde du Corps ; Garde-Kürassier- Regiment, Zweite Kavallerie-Brigade. Oberst Graf von der Decken. Garde-Husaren-Regiment ; 1stes Regiment Königs-Dragonerz 2tcs Regiment Leíb - Dragoner, Dritte Kavallerie - Brigade. General - Major Freiherr von Poten. Königin Husaren-Regiment; 3tes Regiment Herzog von Cam- bridge-Dragoner; 4tes Regiment Kronprinz-Dragoner,

Erste Jnfanterie-Division, Gencral-Major Freiherr von Baring. Königl. Hanuoverische Jnfanterie. Erste Brigade, Oberst Wovneken, stes Bataillon Garde-Regiment ; 2tes Bataillon Garde-Re- giment; 1stes Bataillon Leib - Regiment; 2tes Bataillon Leib - Regiment ; Garde - Jäger - Bataillon, Zweite Brigade. General-Major von der De>en, 1stes Bataillon des 2ten Infanterie-Regiments; 2tes Bataillon des 2ten Jnfanterie-Regimentsz 1ssttes Bataillon des 3ten Jufanterie-Regi- ments; 2tes Bataillon des 3ten Jnfanterie-Regiments.

Zweite Jnfanteriec-Division, General-Lieutenant von dem Bussche. Königlich hannoversche und Herzoglich braunschweigische Truppen. Dritte Brigade. General-Major von Düring. Königlich hannoversche Zn fanterie. 1stes Bataillon des 4ten Jufanterie-Negiments ; 1stes Bataillon des 5ten Jufanterie-Regiments ; 2tes Bataillon des 5ten Jnfanterie-Regi- mentsz 3tes leihtes Bataillon. Vierte Brigade. General - Major von Normana. a) Königlich hannoversche Jufanterie : 1stes leichtes Bataillon ; 2tes leichtes Bataillon. b) Herzoglich braunschweigisches Kontingent : 1stes Bataillon des Jnfanterie-Regiments ; 2tes Bataillon des Infanterie-Regi- mentsz Leib-Bataillon.

Als Divisions - Kavallerie und Artillerie (braunshweigisches) Husaren- Regiment zu 3 Schwadronen. (braunschweigische) Fuß - Artillerie zu 6 Geschüyßen,. T

Jngenicur-Truppen, Oberst-Lieutenant Schweißer, König- li< hannoversche Pontonnier- Compagnie; Königl. hannoversche Pionier- Compagnie z L braunschweigsches Pionier-Detaschement.

Königlich hannoversche Artillerie. Oberst Wiering. 1ste Batterie reitender Artillerie. 2te Batterie reitender Artillerie, ste Batterie Fuß - Artillerie. 2te Batterie Fuß - Artillerie. Zte Batterie Fuß- Artillerie, Jede Batterie zu 6 Geschüßen. Eine reitende Batterie wird der Kavallerie - Division, eine Fuß - Batterie der 1sten Jnfanterie-Division zugetheilt,

Gesammt-Bestand der 1sten Corps - Division: 27 Schwadronen Kavallerie ; 18 Bataillone Infanterie z 6 Batterieen Artillerie mit 36 Ge- schüßen; 1 Pontonnier-Compagniez 1 Pionier-Compagnie.

(1, Zweite Corps-Division. General-Lieutenant Landgraf Wil- helm von Hessen. Erste Brigade. General-Major von Lüßow. Herzoglich holstein-lauenburgisches Kontingent.

dronenz 15tes Jufanterie-Bataillon z 16tes Jnfanterie-Bataillonz 17tes Jn- j

fanterie-Bataillon ; 5tes Jäger-Corps z; eine Batterie fahrender Artillerie zu 8 Geschüßen. Zweite Brigade. General - Major von Elderhorst. —F a) Großherzogli<h me>lenburg-shwerinshes Kontingent, Dragoner - Re-F

giment, 4 Schwadronen; Grenadier - Garde - Bataillon ; 4sstes Musketier-#

Bataillon z 2es Musketier - Bataillon 5 leichtes Infanterie - Bataillon ; cin Baiterie Fuß - Artillerie zu 6 Geschüßen. b) Großherzoglich me>lenburg* streliyshes Kontingent. Ein Jufanterie-Bataillon, Dritte Brigade, —*

General-Major von Gavl, Großherzoglich oldenburgsches und hanseatisches* Kontingent. a) Hanseatische a Den zu 2 Schwadronen Dragoner. ®

b) 1stes Bataillon vom sten oldenburgschen Jufanterie - Regimente z 2tes Bataillon vom 1sten oldenburgschen Infanterie - Negimente; 1stes Ba- taillon vom 2ten oldenburgschen Jnfanterie-Negimentez 2tes Bataillon vont 2ten oldenburgschen Jnfanterie-Reginente. c) Lübe>-bremensches Bataillon ; hamburgsches Bataillon; hamburgsches Jäger-Detaschement, d) Eine ol- denburgsche Batterie Fuß - Artillerie zu 8 Geschüßen. Herzoglich holstein- lauenburgsche Pontonnier - Compagnie für den Ponton - Train der zweiten Corps-Division. L

Gesammt-Bestand der zweiten Corps-Division : 10 Schwadronen Kavallerie; 15 Bataillone Jnfanteriez 3 Batterieen Artillerie mit 22 Ge- \<üßen; 1 Pontonnier-Compagnie. : E

Zur Garnison in Lüneburg: Das 2te Bataillon des Aten Königlich hannoverschen Jnfanterie-Regiments. A

Gesammt-Bestand des Armee-Corps: 37 Schwadronen Ka- valleriez 34 Bataillone Jufanteriez 9 Batterieen Artillerie mit 58 Geschüßen z 2 Compagnieen Pontonnierez 1 Compagnie Pioniere,

Baden. X Karlsruhe, 19. Sept. Jn diesen Tagen hat das rastadter Hofgericht in der Sache des Herrn Moriß von Haber sein Urtheil gefällt, welches diesen vou den gegen ihn erhobenen Anschuldigungen voll- kommen freispriht. Herr von Haber, der elf Tage lang in so strenger Haft gehalten wurde, daß ihm nicht einmal verstattet gewesen sein soll, seinen Sachwalter, den bekannten Landtags-Abgeordneten Sander, zu sprechen, hat demgemäß am vorigen Freitage seine Freiheit wieder erhaltenz doch soll derselbe entschlossen sein, sich dabei nicht zu be- ruhigen, da kein Grund vorhanden gewesen wäre, cine Untersuchung gegen ihn einzuleiten und am wenigsten seine Papiere mit Beschlag zu belegen und zu durhforschen, die auf den unglülichen Streit nicht die entfernteste Beziehung hatten, dur den alle diese Unannehmlich= feiten veranlaßt worden sind. Von der Untersuchung, die zur Er= forshung der Urheber des jüngsten Pöbel - Auflaufes eingeleitet ist, erfährt man wenig. Ein sehr vermögender Bürger, Namens D,

gebildet haben, braucht kaum bemerkt zu werden. Neben den hon beste- henden Sozietäten dieser Art, von denen eine ihre nüßliche Wirksamkeit längst über einen Theil von Deutschland erstre>t, hat sich eine neue unter dem Titel „Gesellschaft der Garten-Freunde Berlin's“ zu dem Zwecke ge- bildet, dur öffentliche Ausstellung von Garten-Produkten und anderen, die Gärtnerei betreffenden Gegenständen, die Blumenzucht, so wie den Obst- und Gemüsebau hier und în der Umgegend zu fördern, Als Vorstand der- selben sind die Herren Bergemann, Deppe, Faust, Eduard Haenel, Heese und Nietner genannt. Die Gesellschaft zählt bereits cine nam- u Zahl gon Mitgliedern die die Lösung der Aufgabe n S mit und Uebe erfassen. Sie haben sämmtlich an der Verloosung von Pflanzen und Früchten Theil, dil unmittelbar nah einer jeden statt- ufdatis R vorgenommen werden soll z jedem Loose A ein L Un Zu, zu den Aukäufen dieser Gewinne werden die Beiträge der L en A für vie Person) verwendet, i j S4 e Ves E stellungen fand am 24., 25. und 26. September im Saale des Hotel de Russie gegen ein Eintrittsgeld von 5 Sgr. statt. Derselbe is jedoch für die Masse der dem Auge zum Genuß vorgelegten Blumen - und Obstsorten viel zu beengt, und die Töpfe mußten ordentlich aufgeschichtet werden, wodurch natürlich ein Gewächs das andere beeinträch- tigte. Auch sah _man es vielen Pflanzen {hon am zweiten Tage der Aus- stellung an, daß sie sich in der bctlommenen Atmosphäre leidend fühlten. Sonjr ivaren die Eintheilungen und Anordnungen \innig und ge[hma>voll und gereichten dem Comité um so mchr zur Ehre, als sie in ganz kurzer Zeit hatten getroffen werden müssen und gleichsam improvisirt waren. Zu beiden Seiten des Saales Pracht - Exemplare von Erzeugnissen der Kunst- Gärtnerei, cine überaus reiche Auswahl von seltencn Zierpflanzen und fruchttragenden Gewächsen und cin Schaiz der schönsten Blumen, sowohl wie sie der Hcrbsstt mit si bringt als wie sie dur< Kunst in denselben und über denselben hinaus crhalten werden. Es ward Einem im Anschaun die- ser bunten Gartenwelt, welche uns die ganze Schönheit und Fülle des Sommers beim Abschiede der heiteren Jahreszeit no< einmal vergegenwär- tigen zu wollen schien, wahrhaft wonnetrunken zu Muth, und man fonnte sich in die Stimmung der römischen Priesterinnen der Blumengöttin, wenn dieselben die Floralien feierten, verseßen; denn Blumen können nicht blos

2tes Dragoner-Regiment, 4 Schwa- |

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der beschuldigt is, an den Ausschweifungen des Pöbels, und besonders an den Verwüstungen im Habershen Hause per sönlih Theil genommen zu haben, war gefängli<h eingezogen wor- denz er soll nur gegen eine Caution von 10,000 Gulden wieder auf freien Fuß gestellt sein. Je weniger man Zuverlässiges über die eigentliche Veranlassung des Tumults erfährt, um so geschäftiger ist fortwährend das Gerücht. So erzählt man si<, in mehreren Wirths=- häusern sei frei Bier gegeben worden, um den Pöbel zum Unfuge anzufeuern z au< will man aus der Mitte des tobenden Haufens ne-= ben anderem wüsten Geschrei den Ruf vernommen haben: „Für Ba=- den's Ehre“/, auf den natürlich die Schreier nicht aus eigener Bewe-= gung gekommen sein konnten , und dergleihen mehr. Die Sache ist, wie man sieht, zur entschiedenen Parteisache geworden; um so mehr thut man w hl, sein Urtheil zurü>zuhalten, bis die Untersuchung Alles aufge= flärt hat, was jeßt no< im Dunkeln liegt. So viel kann man jebt schon sa- gen, ohne sich irgend einer Parteilichkeit verdächtig zu machen, daß die ge- waltsamen Maßregeln, deren Verzögerung von einer gewissen Seite den Behörden zum Verbrechen angerechnet wird, ohne {were Pflicht- verlezung nicht eher angewandt werden konnten, als dies wirklich ge- schehen ist, Sollte man, um die Zertrümmerung einiger Hausgeräth= schaften zu verhindern, ohne Weiteres in die zusammengedrängte Masse hineinschießen lassen, ehe man no<h den geringsten Versuh gemacht hatte, dur< glimpflichere Mittel die tobenden Volkshaufen zur Ord= nung zurüc{zuführen und zu zerstreuen? Man zog das lebte vor, und verlängerte dadurch vielleicht die Dauer des Skandals um einige Au- genbli>e, vermied aber das Schre>kliche, wel<hes der Gebrauch der Waffen gegen eine aus den verschiedenartigsten Bestandtheilen zusam= mengeseßte Volksmasse zur Folge haben mußte, von der die bei wei- tem überwiegende Mehrzahl nur durch Neugierde herbeigezogen war und an dem Tumulte gar keinen Theil nahm. Troß der Schonung, die man den Behörden vorwirft, ist denn eben doch in wenigen Stun= den die Ordnung hergestellt und der Pöbel, nachdem er einige Mobi-= lien in dem glei<h zu Anfange angegriffenen Hause zerstört hatte, von weiteren Aus\hweifungen zurückgehalten worden, ohne daß- ein Men- shenleben geopfert worden wäre. Daß die Behörden weder den Auf- lauf begünstigt, noh dur< den Pöbel si< haben einschüchtern lassen, beweist die einfahe Thatsache, daß eine Menge der Tumultuanten gefänglich eingezogen und den Gerichten überliefert sind, die nach aller Strenge der Gesebe gegen die Schuldigen erkennen werden. Ver- gleichungen mit dem amerikanischen Lynchgesebe, welches dem Pöbel in Anwendung zu bringen verstattet worden wäre, sind daher in dem vorliegenden Falle sehr übel angebracht, da die Staatsgewalt in dem- selben feinen Augenbli> vergessen hat, was sie si selbst, der Erhal= tung der öffentlihen Ordnung und der Aufrechterhaltung des Ge- sebes schuldig war.

Sachsen-Koburg-Gotha. X Koburg, 19. Sept. Ziem= lih unerwartet ist gesteru unser Wahlstreit, der die Gemüther lange genug in Bewegung gesebt hatke, doch noch zum Ziele gediehen, Un-= sere 36 Wahlmänner haben sich bereit finden lassen, die bisher ver- weigerte Wahl vorzunehmen, obwohl die Regierung auf ihre Forde- rung in Bezug auf Bekanntmachung des Wahl-Ergebuisses nicht ein= gegangen warz; sie haben nämlich ein Mittel gefunden, welches jene Bekanutmachung in der That überflüssig macht. Sie gingen vor der Wahl gegenseitig auf Ehrenwort die Verpflichtung ein, die Namen, die sie bei der üblichen mündlichen Abstimmung dem Wahl-Commissair nennen würden, nah der Hand niederzuschreiben und einander zur Vergleichung mitzutheilen, So ist das Ergebniß der Wahl auf zu= verlässige Weise bekannt geworden, ‘obwohl die Regierung dem von ihr aufgestellten Grundsaße treu geblieben ist, ihrerseits das Ergebniß niht zu veröffentlichen. Um si< von dem, was sie als ihr gutes Recht betrachten, nichts zu vergeben, sind übrigens die Wahlmänner nur unter ausdrülichem ün Protoftoll niedergelegten Vorbehalte zu der Wahl geschritten, wobei sie die Hoffnung ausgesprochen haben, daß mit der demnächst zusammentretenden Stände-Versammlung eine Vereinigung zu Stande kommen werde, welche Vorgängen, wie die jüngst gemeldeten, für die Zukunft vorbeugte.

Oesterreichische Monarchie.

IVien, 21. Sept. (Oest. B.) Am 18ten d. M. fand guf der Schmelz vor der mariahülfer Linie ein großes Revue - Manöver vor Sr. Majestät dem Kaiser statt. Das Ganze stand unter Kom- mando Sr. Durchlaucht des Feldmarschall - Lieutenants Prinzen von Hohenzollern. Zwischen 9 und 10 Uhr war die Aufstellung sämmt= licher Truppen, welche sih auf 16— 17,000 Mann belaufen haben dürften, beendet, Der weite Plan der Schmelz, im Glanze des herr= lichsten Herbstmorgens von dem freundlichsten Sonnenlichte umstrahlt, gewährte mit der Ausstellung diejer Truppenmacht ein prächtiges Bild, Der für die Bewegungen des Militairs bestimmte Plaß war von einem Spalier dur die Pioniere und Artillerie-Mannschaft um-= geben, um den Zudrang der Zuschauer zu wehren, welche zu Tau- senden den weiten äußeren Raum bede>ten. Um 10 Uhr erschienen Se. Majestät der Kaiser in Feldmarschalls - Uniform, begleitet von Jhren Kaiserlichen Hoheiten dem Erzherzog Karl, den Söhnen Höchstdesselben, den Söhnen Sr. Kaiserlichen Hoheit des Erz- herzogs Rainer und Sr. Königlichen Hoheit dem Erzherzog Maxi-

dur den Geruch, sondern auch durch den Anblick betäuben, Durch die Mitte des Saales zog si< ein Tish mit einem doppelten Aufsatz

von Blumen - und Frucht -Sortiments, dazwischen reihbeladene Muscheln, | neuesten Geshmacke, welche Herr |

Schaalen, Vasen und Körbe im 2 T Gropius nach pariser Mustern durch den Kunst - Töpfer Herrn War ch in Charlottenburg hat anfertigen lassen. Auch die blumengefüllten Hängegefäße stammten aus dieser Quelle, Besonders anzichend war der dur<h den ganzen Saal vertheilte Pracht - Georginensflor ; man hatte die abgeschnittenen Blüthen dieser, in ihren zahllosen Farben - Variationen im- mer und immer reizenden Blumen zu einer Mosaik verbunden , die das Auge überraschte und entzükte. Mit wehmüthigem Blick standen viele holde Zuschauerinnen vor diesem, zu angen Tov!e bestimmten bunten Estrich z mir kamen dabei unwillkürlich Rückert" s Worte in den Einn:

O wenn die Menschen doch wüßten, Wie Blumenstaat is bestellt,

Wie ihn in friedlichen Lüsten

Die Liebe zusammen hält!

Daß auch so friedlich sie's trieben, Sich wie die Blumen zu lieben, So wär? ein Garten die Welt!

Sowohl auf den verschicdenen Tischen als am Boden befanden sich in reichlihem Debit und in einem lebendigen Gemisch die verschwenderischen Gaben Pomona's, und neben ihnen ausgezeichnete Exemplare von Gemü- sen und was das Feld son für die kalinarischen Genüsse liefert, Viele dieser Früchte rohen so appetitlich und sahen so einladend aus, daß sich zwischen den Augen und dem Magen ein ganz eigener Rapport einstellte, Goldreinctten und Pfundäpfel, Erdbeeren und Diamantpflaumen, Melonen und Nektar-Orangen, Cit:-onen und holländische Johannisbeeren, Schncide- bohnen und doppelte Pfirsiche, Wirsingkohl und Fürsten - Tafelbirnen (soge- nannte weiße Franzmadams), Herkulesfkeulen und Ananasse, Cactus und Zier-Kürbisse, Champignons und Königin-Louise-Aepfel, Trauben und Gur- fen zeigten sich im pikantesten Quodlibet, und von der Frucht des Franz Drafe, vie sowohl in Hütten als Palästen auf den Schüsseln dampst und nirgend fehlen varf, gewahrte man als avant - la - lettre - Exem-

| plare treffli<h gerathene Ausgaben

milian, gefolgt von einer eben so zahlreihen, als glänzenden Suite von Generalen und Adjutanten. Jhre Majestät die Kaiserin= Mutter erschienen ebenfalls, dem prächtigen kfriegerishen Schauspiele beizuwohnen. Se, Majestät ritten zuerst die Fronten der aufgestellten Truppen hinab, und stellten sich sodann auf der Höhe der Schmelz gegen Penzing hin auf, um die auszuführenden Bewegungen der Truppen zu beobahten. Nachdem dieselben mit eben so viel Präcision als Feuer und Energie ausgeführt waren, defilirten die Truppen vor Sr. Majestät. Zuerst das Ulanen =- Regiment, dann die Grenadier= Bataillone, dann die Jufanterie - Regimenter Erzherzog Karl, Hessen- Homburg und Hoch = und Teutschmeister. Se. Kaiserl. Hoheit der Erzherzog Karl, welcher in der Uniform seines Regiments erschienen war, führte dasselbe an Se. Majestät vorüber. Mit der innigsten Freude sahen alle Verehrer dieses großen Feldherrn ihn an der Spibe der Truppen, welhe er in unvergeßlichen Schlachttagen so oft zum Siege geführt hatte. Auh Se. Königl. Hoheit der Erzherzog Maríimilian war in der Uniform seines Infanterie - Regiments er= schienen und führte dasselbe persönlih Sr. Majestät vor. Das Ende des Revue =- Manövers erfolgte gegen halb 12 Uhr. Se. Majestät, welche Jhre volle Zufriedenheit mit demselben aussprachen, geruhten der sämmtlichen ausgerü>ten Mannschaft vom Feldwebel abwärts eine dreitägige Gratislöhnung zu bewilligen.

Russland und Polen.

Warschau, 22. Sept. Gestern Vormittags besuchte Se. Majestät der Kaiser das Lager zwischen Marymout und Powonsk und wohnte daselbst dem Feld-Gottesdienst bei. Darauf war Parade vor Sr. Majestät, die Regimenter aller Waffen-Gattungen defilirten vor dem Monarchen und begrüßten Höchstdenselben mit freudigem Hurrah. Als der Kaiser nah dem Palast Lazienki zurückgekehrt war, empsing er daselbst die Mitglieder des Administrations-Raths, die Senatoren und Mitglieder der für das Königreich Polen im dirigirenden Senat bestehenden Departements, die höheren Hof - Beamten und die frem- den Konsuln. Abends war die Hauptstadt wieder erleuchtet, und die Militair-Musik spielte vor den Terrassen des Palastes. Wie es scheint, wird Se. Majestät noh ein paar Tage hier verweilen.

Frankre.

Paris, 21. Sept. Durch Königliche Verordnung vom vor= gestrigen Tage is dem Minister des öffentlichen Unterrichts, Herrn Villemain, während der Abwesenheit des Grafen Duchatel interimistisch die Verwaltung des Ministeriums des Jnnern übertragen worden.

Der Messager publizirt eine an den Kriegs-Minister gerichtete Depesche des General Bugeaud aus Algier vom 30. August, Der Juhalt lœ@utet im Ganzen günstigz in den Provinzen Algier und Titteri herrscht vollkommene Ruhe und ungestörte Sicherheit.

Seit einigen Tagen is das Gerücht von einem abermals bevor= stehenden Wechsel der Garnison des Forts Ham hier verbreitet. Dic dortige Garnison war schon dreimal gewechselt worden, weil sich zu verschiedenen Malen unter ihr Sympathicen für den daselbst gefan- gen sißenden Prinzen Louis Napoleon oder vielmehr blos durch des sen Anwesenheit gewe>te allgemeine napoleouische Regungen gezeigt hatten. Dies soll nun kürzlih wiederum vorgekommen sein, inden die Schildwachen, obgleich es ihnen verboten war, vor jenem Gefan- genen das Gewehr präsentirten und selbst der Ruf: „Es lebe der Kaiser !“ gelegentlih unter der Garnison laut wurde, Die Militair- Behörde soll daher von neuem eine strenge Untersuchung eingeleitet haben , und man glaubt, daß nicht nur ein Garnisonwechsel, sondern auch eine Aenderung in der inneren Gefängniß =- Disziplin von Ham stattfinden werde. Von einer Amnestie zu Gunsten Louis Napoleon's dürfte unter diesen Umständen für jeßt keine Rede mehr sein.

Das in der Straße Pastourel entde>te Kommunisten= Komplott erregt im Publikum wenig Aufmerksamkeit; man glaubt, daß nach der Jnstruction nicht mehr als 3 bis 4 Angeklagte übrig bleiben werden, welhe vor dem Zucht - Polizeigeriht zu erscheinen haben dürften.

Ju dem Befinden Casimir Delavigne's, welches ernste Besorgniß verursachte, is wieder Besserung eingetreten.

Grossbritanien und Irland.

London, 20, Sept. Der Krieg, welchen die Bauern in Jr- land gegen ihre Grundherren beginnen, indem sie ihnen den Grund- zins verweigern und das noh auf dem Felde stehende dafür verpfän dete Getraide heimli<h abmähen und in Sicherheit bringen, muß den erklärten friedlichen Absichten des Agitators durchaus entgegen sein. O'Connell hütet ih, dur< irgend eine Maßregel seiner Versamu lungen das Geseß zu verleßen, um guf friedlichem Wege, sei es dur die Trennung der Union, wenn er wirklih daran glaubt, oder durch die Regierung selbst, welcher die Repeal als Schre>bild dienen sell, die Aufhebung der Lasten des Volkes zu erlangen, und er hat sich bis jezt no< immer mit Erfolg jedem auf eine Verleßung der Gesebe ausgehenden Antrage widerseßt. Aber seine Gewalt über die Leidenschaften der Volksmasse is nicht so groß, daß er dem nothwen- dig aus den Verhältuissen hervorgegangenen Kriege der Bauern vor- beugen konnte, und da die feindselige Stimmung derselben gegen die Grundrente in den Repeal-Versammlungen selbst sehr eifrige Vertri=

von Nohan- und Nieren - Kartof- feln. Die Gruppirung aller dieser, den Naturfreund so sehr interessi- renden Spezies war lobenswerth. Erfreulih wahrzunehmen war, daß sich darunter so viele Ehrengeschenke vorfanden. Die Sortiments aus der Fruchtsammlung der Frau Gräfin von Jhenpliß auf Kunersdorf, jene aus der Königl. und Landes-Baumschule, von Herrn Eduard Haenel, Herrn Nietner aus Sanssouci zeichneten sich besonders aus. Auch von anderen hiesigen Blumenliebhabern und verschiedenen Handelsgärtnein {var Werthvolles beigesteuert worden, Behörden und Privaten hatten gewetl- eifert, das Schöne mit dem Nüßlichen verbindend, den Beschauern ein ge- wiß genußreiches Tableau alles dessen zu eröffnen, was Widder, Drache, Eide<hs und Salamander, die thierischen Attribute der vier Jahreszeiten, in Flur und Gauten unter ihre friedlihe Obhut nehmen,

S.

Berlin, 26. Sept. Heute Morgen fanden in der Aula des Königl. Friedrich Wilhelms-Gymnasiums die üblichen Herbst-Prüfungen der Schüler in Beisein der hohen Autoritäten und vieler Aeltern der Zöglinge mit an- gemessener Feierlichkeit statt; sodann wurden die Abüturienten dur< den Direktor, Herrn Nanke, entlassen. Das von demsclben bei dieser Gele- genheit herausgegebene Programm enthält, außer zwei Abhandlungen (auf die wir, ihres hohen Interesses wegen, morgen zurückkommen werden), fünf Nefrologet der Lehrer Siebenhaar, Wigand, Gerber und Seibt, so wie des Fräulein Pauline Mar é < aux (Lehrerin an der Elisabeth-Schule), wodurch diesen verdienten Mitarbeitern an dem großen Werke, die Jugend zum Glauben, zur Wisscnschaft und zur Sitte heranzubilden, ein chrendes Denkmal ge-eut ist, Aus den beigedru>ten statistischen Nachrichten erhellt, daß die Anstalt, mit Jubegriff der Real- und Elisabeth-Schule, am Schluß des abgelaufenen Semesters in 35 Klassen 1643 Schüler zählte, von denen 403 das Gymnasium, 7914 die Real-Schule und 446 die Elisabeth-Schule besuchten, Jun Zeit eines Jahres sind 17 Zöglinge dieses Gymnasiums mit dem Zeugniß der Reife zur Universität abgegangen,

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ter hat, wel<he nur dur ven zur Zeit noh überwiegenden Einfluß O'Connell’'s von Anträgen auf gewaltsame Abschaffung. dieser Rente zurü>gehalten wurden, #0 dürfte leicht dieser Krieg eine bedenkliche Spaltung in der Repeal - Partei selbs zur Folge haben. Denn cs ist zu bezweifeln, ob der bisherige Einfluß des Agitators noch lange so ungeshwächt bleiben wird, wenn die Agitation in derselben Rich- tung wie gegenwärtig fortgeht, und die große Klugheit ihres Urhe= bers ihr nicht eine andere Wendung giebt, und einige bemerkenswerthe Symptome von Unzufriedenheit mit den friedlihen Plänen des Agi= tators, welche si< in der leßten Versammlung an der dubliner Korn- börse vorgestern zeigten, rehtfertigen diesen Zweifel. Ein Herr Con- nor nämlich, bekannt als ein eifriger Vertreter der Verwandlung der Zeitpaht in Erbpacht , stellte offenbar unter dem Einflusse der statt= gefundenen Kollisionen den Antrag, daß bis zu dem Zeitpunkte, wo das irländische Parlament hergestellt fein würde, alle Repea= lers si< weigern sollten, weder Grundzins noch Grafschafts-, Armen- und fonstige auf dem Boden lasteunde Steuern zu zahlen. Der Agi= tator selb| war in der Versammlung nicht gegenwärtig, und wurde durch seinen Sohn, John O'Connell, vertreten, der aber auch sofort in diftatorischer Weise den Antragsteller zur Drduung rief, und durch seinen Anhang bewirkte, daß nicht allein der Antrag verworfen, son= dern au<h Herr Connor aus der Repeal =- Gesellschaft ausgestoßen wurde, als er si< weigerte, zu widerrufen, Die Majorität der Ver=- sammlung war natürlih auf Seiten O’Connell's, doch die Rede des Antragstellers wurde nicht minder durch wiederholtes hört! hört! und Beifallsrufen unterbrochen. Der Vorfall zeigt hon die für O'Con- nell bedenflihe Spaltung in seiner Repeal-Armee. Uebrigens betrug die wöchentlihe Rente no<h 1462 Pfd.

Der Standard berechnet die Anzahl der Jrländer in der eng= lischen Armee, welche der Bestechung von Seiten der Repealer zugänglich wären. „Jm Jahre 1830“, sagt er, „gab es in der Armee 42,897 Jrländer und 1840 nur 40,218, Wir wissen nit, ob die Besorg= nisse der Whigs oder die Declamationen der Priester gegen die En= rollirung die Ürsache dieser Verringerung waren, indeß kann das den Repealern no< niht viele Hoffnungen machen. Die Armee bestand 1840 aus 67,000 Maun Briten und Schotten und 40,218 Jrländern. Da die Hälfte der Lebteren aber der von der Repeal-Bewegung noch niht berührten Provinz Ulster angehören, so sind 87,000 Mann für die Bestechung gänzlich unzugänglich und 20,000 Mann nur insoweit, als es von guten, loyalen Männern, die in Gemeinschaft mit gleich loyalen, aber der Repeal feindlich gesinnten leben und von britischen Offizieren kommandirt werden, zu erwarten is. Es is daher wenig für die Armce zu fürchten.“

Dea Uen

Brüssel, 22. Sept, Nach der Abreise der Königin Victoria begaben si<h der Baron van der Capellen, außerordentliher Gesand= ter des Königs der Niederlande bei Jhrer großbritanishen Majestät, die Baronin van der Capellen und Sir Edward Disbrowe, englischer Gesandter am holländischen Hofe, begleitet von dem holländischen General-Konsul und Geschäftsträger an Bord des „Leo““, einer s{ö- nen Yacht König Wilhelm's, welche die genannten Personen nah Antwerpen geführt hatte. Diese Yacht wies die englische und die belgische Flagge vom großen Mast und auf dem anderen die hollän- dische Flagge. Der General-Konsul verließ das Schiff und kehrte mit einem Boote nah Antwerpen zurü,

Als die Königin Victoria bei ihrem Besuch in Brügge über den dortigen großen Plaß fuhr, wandte sie dem Thurm der Stadthalle den Rücken zu, als sie aber dies herrlihe Gebäude bemerkte, bog sie sich aus dem Wagen, und bewunderte dasselbe mehrere Minuten lang. „„Jhre Majestät hätte si, ‘/ sagt der Moniteur belge, „dabei auch erinnern können, daß in dem Gebäude, welches die Basis dieses großen Glo>en=Thurmes bildet, vor ungefähr fünf Jahrhun- derten jene berühmten flamändischen Woll-Manufakturisten ihre Hans= dels - Geschäfte abmachten, welche später nah England hinüberschi}- wu und den Grund zu der Größe der Königin der Handelswelt aren. :

Troß der großen Frequenz auf der Eisenbahn des Westen und des Norden während der Anwesenheit der Königin von England hat sih doch kein einziger Unfall ereignet. Bei den leßten Fahrten von Antwerpen mußten Extrazüge abgefertigt werden, da der Zufluß von Menschen ungeheuer war. Die Engländer waren überras{<t von der Ordnung, womit der Dienst auf den belgischen Eisenbahnen betrieben wird, und ließen der Geschi>lichkeit in der Verwaltung der Eisen= bahnen und den ausgezeihneten Maßregeln, welche getroffen waren jede Gerechtigkeit widerfahren. S :

Die englische Fregatte ,„Penelope““ hat der Königl. Yacht nicht folgen können. Der Hafen von Antwerpen hatte nicht Wasser genug sie mußte daher den Eintritt der Fluth abwarten, um die Scheld“ hinabgehen zu fönnen. Ein englischer Künstler, der von London ge- fommen war, hat eine Skizze der vor Antwerpen stationirten eng- lischen Flotte entworfen. Diese Zeichnung is unverzüglih nah Eng- land geschi>t worden. : :

Man glaubte allgemein, daß die Königin Victoria und Prinz Albreht die Nacht in Vliessingen zubringen würden; dem is aber nicht so. Die Königliche Yacht und alle Schisse, welche dieselbe es fortirten, haben ihre Reise fortgeseßt, nachdem sie ihre Lootsen bei Vliessingen abgeseßt hatten. Gegen fünf Uhr gestern Morgens er= reichte die Escadre die ofene See, und noch im Laufe desselben Ta= ges werden Jhre Majestät und ihr erlauhter Gemahl wahrscheinlich {hon in Windsor eingetroffen sein,

Der Violin-Virtuose Vieuxtemps, der seine Reise nah Amerika wegen Ankunft der Königin von England, vor der er in Gent gespielt hat, verschoben hatte, verläßt Morgen Belgien und begiebt sih nach London. Er wird sich binnen wenigen Tagen in einem der englischen Häfen nah New-York einschiffen. : igautd

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Neuchatel, 19. Sept. Jhre Durchlaucht die Fürsti Liegniß hat auf ihrer Reise durch die Sweli aùs eue Fein und während ihres zweitägigen Aufenthalts den hiesigen verschiedenen öffentlihen Jnstituten ihre Aufmerksamkeit gewidmet, Gestern früh ist Jhre Durchlaucht von hier nah Bern abgereist, :

is Spanien.

Madrid, 14. Sept. Der Königin Christine si

' Ci E . . gin Christine sind 9

Nee Regierung, zur De>kung der drei rüdständigen ete

sel auf, Guts Mi S Fette stipulirten Wittwengehaltes Wech= 1 , - , , O Ü 7 Ls 7 28

Realen, geschi>t Vitben, 1409 Manta, dm Belage van, 48 Millionen

© Madrid, 14, Sept. Dic provisori j

L P : provisorische Regier i Ma befunden, an die Nation eiu, meiuer Mana Sena lat 4A Manifest zu richten, das in der Gaceta von he; Ganges

Die Regierung weist darauf hin, daß \ie i ' Gere enthalten ist, S L 5 , 9 ibr V Aussöhnung der Parteien zu arbeiten, tas A

Alle fähigen Spanier hätten Theil an der öffentl; : 1 T er övffentl p en, ohne daß irgend einer Partei ein a R E en d Den Cortes, und niht einer von einigen nathWewalt strebenden Ehrgeizigen beabsichtigten Central= Junta, stehe es zu bir ,

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geschaffenen Lage das Siegel der Geseßmäßigkeit aufzudrüken. Nur sehr Wenige hätten die Errichtung einer solchen Junta beantragt, die durch die bei weitem überwiegende Mehrzahl der Spauier zurückgewiesen würde. Demnach wäre es Pflicht der Regierung, den Willen der Mehrheit gegen den der Minderzahl zu unterstüßen. Man werfe der Regie=

rung vor, verschiedene Artikel der Constitution verleßt zu haben; |

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gegen die Vertreter der Nation werde fie si< deshalb zur reten Zeit zu rechtfertigen wissen, Keinerlei betrübende Reaction bätte stattgefunden. Die persönliche Sicherheit, die Preßfreiheit wären unverleßt geblieben, und man hätte, um die Regierung zu ‘bekämpfen, zur Verleumdung Zuflucht genommen. „Man beschuldigt dié Regie rung“, heißt es in dem Manifeste, „in Betreff von Projekten Vie Königin zu vermählen, Verabredungen getroffen zu haben, und andere Menschen rechnen es ihr als Verbrechen an, daß sie an eine so wich= t ge Frage, die man weder aus dem Stegreif behandeln, noch durch irgend eine im voraus gefaßte Verpflichtung beeinträchtigen darf, son= dern im allgemeinen Juteresse der dereinstigen Entscheidung durch die Cortes unberührt überlassen muß, auch nicht einmal gedacht habe.“ Die Mitglieder der Regierung erwarteten mit Sehnsucht den Tag, an welchem sie von ihren Posten abtreten fönnten. „Aber, \o lauge sie sich im Besiße der Gewalt erhalten, werden sie diese gegen die auftretenden Privat - Juteressen, deren Triumph die Nation in ein Chaos stürzen würde, geltend zu machen wissen.“

Die großen und mannigfaltigen Schwierigkeiten der Lage führen den Vortheil mit sich, daß die Gesinnungen der bisher s{wankenden Personen, die mit der Wiederherstellung des Staats beauftragt sind, nunmehr scharf und in unzweideutigem Lichte hervortreten müssen, Die Personen, welche no<h, nahdem sie die Zügel der Regierung übernahmen, mit revolutionairen Elementen spielen zu fönnen glaubten, werden jeßt begreifen, daß es si< um ihre eigene Existenz handelt, und daß dic ganze Frage uur durh den höchsten Auswand von Kraft entschieden werden kann. Die Minister Lopez, Caballero und Ayllon, die als Deputirte allen bisher bestandenen Verwaltungen eine syste- matische Opposition machten, und diese, wie es scheint, selbst jeßt gegen ihre beiden Amtsgenossen, Serrano und Frias, fortsebten, kehren ers<hro>den von dem Jrrwege, den sie eingeschlagen hatten, um, da sie gewahr werden, daß dieser niht zur Sicherstellung der ver fassungsmäßigen Freiheit, sondern zur vollständigen Auflösung des Staats und Wiedereinführung des Regiments der Agacuchos führt. Prim, dessen Jugend und Erfahrungslosigkeit den Freunden der Ruhe und Stabilität ebenfalls manche Besorgnisse einflößten, sieht nun, was er von der Revolution zu erwarten hat und wird diese Gelegenheit er- greifen, um mit ihr auf immer zu brechen. j

Die Regierung hat den General Villapadierna, der nah dem General-Capitain von Arragoniíen den Oberbefehl in Saragossa führt vor Gericht stellen lassen, weil er die dortige Junta anerkanute, nach- dem sie auf Befehl der Regierung aufgelöst worden war.

Am 7ten is} der neue General - Capitain von Cuba, General O’'Donnell, an Bord der Fregatte „Cortes“ nah der Havana ab= gegangen. :

Die hiesigen Anhänger Espartero's verkünden ohne Scheu, daß binnen drei bis vier Tagen ein blutiger Aufstand zu Gunsten jenes Mannes hier stattfinden werde.

>= Paris, 20. Sept. Die Proclamation, welhe der nun zum General-Capitain von Catalonien von der Junta von Barcelona ernannte Amettler an die Catalonier gerichtet hat, lautet wie folgt:

Catalonier !

Das Volk, welches im leßten Juni sich in den Kampf stürzte, das Volk, welches so ruhmvoll cine Regierung zu stürzen wußte, die es als eine Unterdrükerin unserer Freiheit betrachtete, hat sich von Neuem erhoben, um die Tyrannen zu ve.nichten. Freier Mann aus Grundsaß und aus Ueber- zeugung, konnte ih nicht mit Gleichgültigkeit diese Bewegung ansehen, welche wie jene von 1840 zum Zwed>e hat, das Joch einiger schlechten Spanier, ohne Vaterland, dem Despotismus und dem Einflusse einer aus- wärtigen Nation verkauft, abzuschütteln.

Der Ruf eurer Großthaten hat meine Ohren erreicht, mein Herz ge-

rührt, und eifersüchtig, aus allen meinen Kräften zu dem Gelingen eures patriotischen und gere<hten Verlangens beizutragen, habe ih mich so wade- ren Kämpfern mit den tapferen Soldaten meiner Division angeschlossen. __ Catalonier! haltet euch des Sieges versichert, denn die freien Männer sind unbesiegbar, ‘wenn sie für ihre Grundsäße kämpfen. Constitation von 1837, die Königin Doña Jsabella 11., die Central - Junta und der Fort schritt, das is mein Banner: schließt euh an dasselbe au, schaart euch um dasselbe, vertheidigt es mit der Entschlossenheit, die ihr bis jest gezeigt habt, und wir werden sagen können; die Freiheit des Volkes is keine Lüge, wie sie es bisher gewesen war.

Barcelona, den 10, September 1843,

Der Abfall Amettler's von der Regierung zu Madrid mit seiner ganzen Division, is für dieselbe ein um so s{limmeres Ereigniß, als sie vorzugsweise auf ihn und die Streitkräfte, die er zu Bekämpfung des Aufstandes von Lerida herbeiführen sollte, gere<hnet hatte, wie man aus dem Heraldo ersieht, der seine Leser noh am 12ten ver= sichern zu können glaubt, daß Amettler fest entschlossen sei, deu Auf- staud kräftig darniederzuschlagen, Es zeigt sih nun, daß die neuer= liche Mittheilung des Telegraphen, wonach die Linientruppen, welche mit Amettler®s Division angekommen waren, als sie dessen Erklärung für den Aufstand vernahmen, ihn verlassen , theils in die Citadelle, theils auf das Fort Monjuich, theils nach Molins del Rey, theils ganz nach Hause entlaufen sein sollten, den wirklihen Thatsachen widerspriht. Von den sämmtlichen regulairen Truppen der früheren Expeditions-Division von Unter-Arraggonien, die mit Amettler gekommen waren, haben ihn nur eine Anzahl Offiziere von entschieden moderan- tistischer Gesinnung verlassen, und si<h theils zu Prim nah Gracia, theils in die Citadelle begeben. Man ersieht au<h aus dem Wort- laute des Dekrets der Junta gegen diesen, daß er nicht blos als Va= terlands-Verräther, sondern auch aller seiner Ehren, Würden, Grade und Decorationen verlustig erklärt wurde.

Ein Brief aus Barcelona sagt, der Geist der Truppen, welche bei dem General-Capitain Araoz in der Citadelle, im Fort Monjuich und in den anderen Forts stehen, sei von der Art, daß, wenn sie nicht in diesen Forts eingesperrt wären, es beinahe siher wäre, daß sie die Bewegung unterstüßen würden. Denn die Hinrichtung der Soldaten des Regiments Principe, welches no< vor kurzem zur Armee von Catalonien gehört hatte, habe dieselben über alle Maßen erbittert. Der Oberst - Lieutenant Calonge, Secretair und Freund Serrano's, ist zu Barcelona eingetroffen, allein die Jnstructionen, welche er über= brachte, waren gegeben worden, als man zu Madrid noch nichts von dem Abfalle Amettler’s gewußt hatte, auf dessen energisches Auftreten man besonders gerechnet zu haben scheint, und sie sind deshalb jebt eben so unzureichend als unausführbar. Aus diesen Notizen erklärt sich vollkommen die Unthätigkeit des General - Capitains Araoz mit seinen 5000 Maun in der Citadelle, so wie die Prim's zu Gracia,

Nah dem Phare des Pyrenées war Amettler in der Nacht vom 12ten auf den 13ten schon von Barcelona mit allen Streitkräften der Jusurgenten ausgerüktz er hatte, wie es scheint, die Bewachung und Vertheidigung der Stadt gegen einen allen= fallsigen Versuch des Angriffs von Seiten der Garnison der Cita-= delle fast ausschließli<h der National - Miliz übertragen, und nur eine Compagnie im Fort Atarazanas und einen Posten auf dem be fanntlih verbarrifadirten San Jaime - Plaß zurückgelassen, ein Be= weis, daß er ganz siher auf die National-Miliz sich verlassen zu

fönnen glaubt. Einige neue Verstärkungen, die von Gerona und verschiedenen anderen Punkten angekommen waren, schlossen si< Amett-

| ler zu San Andres del Palomar an. Nah dem Phare glaubte | man, Amettler habe die Absicht, nah Gerona zu ziehen, um den

Aufstand in dieser Provinz weiter auszubreiten, da er in derselben einen großen Einfluß besißt und dieselbe au< als Deputirter im Kon= gresse vertreten hatte. Judeß geht aus den direkten Nachrichten aus Gerona hervor, daß man dort seine Ankunft gar niht abgewartet hat, um überall das Banner des Aufstandes aufzupflanzen.

„Zu Figueras is Abdon Terradas jeßt Meister der Situation, die dortige Junta hat ihn zu ihrem Präsidenten ernannt. Als er am 10ten daselbst der Stadt si< näherte, soll er zuerst von Kindern, die vor dem Thore spielten, erkannt und dann von ihnen und der {nell in Kenntniß geseßten Bevölkerung unter Lebehochruf bis in seine Woh- | nung geleitet worden sein. Eïne große Masse Volks erschien dann | vor jeinem Hause und soll sogar eine Serenade improvisirt haben, | O er auf dem Balkon erschien und eine, wie man si denken kann, | e<t revolutionaire Daukrede für die ihm gegebenen Beweise der | Sympathie hielt. Auch der Gränzort la Junquera is am 15ten | dem Aufstande beigetreten, und der die dortige Zoll-Schußwache be= | fehligende Offizier is als Flüchtling zu Perpignan angekommen.

Nach den beute aus Madrid eingetroffenen Briefen vom 13ten | war man daselbst nicht ohne Besorgniß vor einem Aufstande zu Sa- | ragossa. Auch gingen Gerüchte von bevorstehendem Austritte Ser= | rano S aus dem Kabinette, um das leßtere von jedem Scheine einer | Verpflichtung zu Berufung einer Central-Junta, die nur von Serrano j allein zu Barcelona versprohen worden war, zu befreien. Narvaez | wurde als sein designirter Nachfolger genannt. Auch in Granada und | Sevilla herrsht no< immer eine beunruhigende Stimmung gegen die | Regierung, Die Provinzial - Deputation und das Aqguntamiento der erstgenannten Stadt hatten gleih dem Ayutamiento von Madrid eine | selerlihe Begehung des Pronunciamiento vom 1, Sept. 1840 (welches | die Abdankung der Königin Christine zur Folge hatte) angeordnet und | durchgeführt. Noch schlimmer sicht es zu Sevilla aus. Dort hat man in der Nacht vom 6ten auf den 7ten an zahlreichen Orten Mauer-An- | s<lâge angeheftet , worauf geschrieben stand: Tod den National-Mi= lizen vom 3ten Bataillon! Es lebe der absolute Espartero! Diese | Anschläge wurden sogar an das Quartier des genannten Bataillons, | das größtentheils aus Moderados zusammengeseßt is, dann an die Thüre des Hauses, in welchem die Redaction des Blattes El Sevil-= | lano si< befindet, angeheftet. Die Hülfs= Junta von Sevilla mißt diese Umtriebe in einer deshalb erlassenen Proclamation den in der | Nähe der spanischen Gränze zu Gibraltar befindlichen esparteristishen | Generalen Linage und Jufante bei. Ein \{<limmer Umstand is da=- | bei, daß gerade jeßt die Truppen der Garnison von Sevilla in der größten Entblößung und daher mißvergnügt sind. Der spanische General Juan van Halen, Bruder des früheren General-Capitains von Barcelona, is am 16\ten mit der Mallepost | von Madrid zu Bayonne eingetroffen. Der politishe Chef von Ge= | rona traf ebenfalls dort ein , auf der Reise ins Ausland begriffen, | nachdem er vergeblihe Bemühungen zu Gerona gemacht, dem Auf= | stande vorzubeugen , und endlich sih gezwungen gesehen hatte, seinen | Posten aufzugeben. Herr Aston , der bisherige britische bevollmächtigte Minister zu Madrid, i} hier angekommen.

= Paris, 21. Sept. Der Telegraph \{hweigt heute über Spanien und meldet namentli<h ni<hts aus Barcelona, was allemal hier nah den bisher gemachten Erfahrungen, die sih leider nur zu oft bewährt haben, im {hlimmen Sinne gedeutet wird. Allerlei Ge- | richte dur<freuzten sih nah den leßten Nachrichten von der Gränze. Und was man von anderwärts her hört, zumal au<h aus Madrid selbst, is nihts weniger als beruhigend. Je mehr und ausgedehnter die Vorgänge von Barcelona dort bekannt wurden, desto größer ward die Aufregung, die no< dazu von den der Regierung feindselig ge= sinnten Blättern, dem Eco del Comercio und dem Espectador, aufs eifrigste genährt wurde. Um der herrschenden Aufregung zu begegnen, hatte die Regierung ein langes Manifest veröffentlicht, das hnen wahrscheinlich auf direktem Wege früher zukommen wird. (Vgl. ob. | Brief aus Madrid.) Um den Mißvergunügten die Mittel zur Ausführung etwaiger Versuche zu einem Aufstande in der “Haupkstadt selbst zu nehmen, war die Ablieferung der vielen Tausende no<h verborgen ge= haltener Gewehre und Waffen aller Art der aufgelösten National= Miliz anbefohlen worden. Aber weder die eine no< die andere Maßregel der Regierung hatte den gewünschten Erfolg. Troß der angedrohten strengen Strafen waren kaum einige wenige Gewehre abgeliefert oder vielmehr weggenommen worden, und die am Morgen des 14ten vorgenommene Vertheilung des Manifestes in vielen Tau= senden von Exemplaren brachte nur no< größere Aufregung hervor, die Besorgniß vor einem gewaltsamen Aufstande war allgemein, und dabei der Geist der Truppen, von denen man zwei Regimenter nah Catalonien und Logroño geschi>t hat, so beschaffen, daß man durch= aus nicht auf sie rehnen fonnte. Privatbriefe sagen, daß bei hellem Tage wie bei Nacht, troß der zahlreichen Patrouillen, welche die ganze Hauptstadt durchstreifen, bald da bald dort der Ruf: Es lebe Espar- tero! sih vernehmen läßt, ja daß er aus der Mitte der Patrouillen

selbst schon gehört worden sei.

In dieser kritischen Lage wurde am 14ten Mittags ein Kabinets= Rath gehalten, zu welhem auch die einflußreihsten Generale wie Narvaez, Concha und mehrere potitishe Notabilitäten wie Olozaga, Cortina, darunter auch entschiedene Progressisten zugezogen wurden, wie die Herren Domenech, Präsident des Ayuntamiento, und Pascual Mavoz, der eine Zeit lang mit der Regierung einverstanden zu fein schien, aber bald wieder von ihr si<h zurü>zog und seinen politischen Glaubensgenossen, den Progressisten, si< wieder anschloß. Es galt über die Mittel zu berathen, wie man am besten aus der gegenwär= tigen kfritishen Lage herauskommen könne. Aver die vatkf Videnbe Berathung zeigte nun vollends erst re<t den Zwiespalt, der unter den Mitgliedern des Kabinets selbst herrs<t. General Narvaez, un= terstitzt vom General Serrano, dem Kriegs-Minister, drangen, wie sie dies schon früher und gleich anfangs immer gethan hatten, darauf, ohne Weiteres die Großjährigkeit der Königin zu proklamiren, ohne die Zusammenkunft der Cortes abzuwarten, und so der Regierung be- stimmtere Richtung, festere Gestalt zu geben. Allein gegen dieses Verlangen wendete Herr Olozaga die Ungeseblichkeit, Verfassungs-= widrigkeit der Maßregel ein, zu welcher Niemand befugt sei avfór der National - Vertretung, die in den Cortes repräsentirte Nation selbst; die Folge seines entschiedenen Widerspruchs war, daß er auch die übrigen Mitglieder der Versammlung auf seine Seite brachte und die zwei Antrag|teller am Ende allein stehen blieben. Nun verlangten diese aber, man solle gegen die Rebellen in Catalonien zu den ener- gischsten, außerordentlihen Maßregeln schreiten, dur<h Anwendung aller zum Zwe>e führenden Mittel die aufs neue dort das Haupt erhe- bende Revolution ein für allemal daniedershlagen, ehe sie no< auf andere Provinzen auszudehnen vermöge. _DIEJE Vorschlag, sih über die Verfassung wegzuseben, und zu S Fibal- Maßregeln zu schreiten, erhoben sih die Herren ln piesem An- mo denen denn auch Herr Lopez Os ie: Ns Argumente 0 ine ganze iche des Chara eb Den |

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