1843 / 102 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

si i Gott segne den König!“ Während dieser Zeit war S E éeden fes es wurden alle Anstalten zu dem großen Zapfenstreiche getroffen, der heute zu Ehren des Königs von Preußen Jespielt werden sollte. Um 75 Uhr versammelten sich alle hier in Garnison liegenden Truppen und bildeten Spalier auf unserem großen Marktplabe, zwei rechte Winkel bildend; vor ihnen die Musik-Corps und Trommeln, 1080 an der Zahl. Die reten Flügel nahmen die 200 Tambours ein, den linken die Musik-Corps der verschiedenen Kaval-= lerie-Regimenter, und daran gruppirten sich die übrigen, so aufgestellt, daß sie gleichfalls zwei rechte Winkel bildeten, mit der Fronte nach dem Schlosse. Um 8? Uhr wurden die Wachsfackeln und Pechpfannen angeste> und die Erhöhung für den Dirigenten, der eigends darum aus Berlin verschrieben war, gestellt, und 10 Minuten darauf wurde wie mit einem Schlage von diesen tausend Musikern das „Gott segne den König!“ gespielt: dies war von allen Musikstücken gewiß das \{<önste. Mit dem ersten Takte brannten 6 rothe bengalische Flam- men auf, die den ganzen Marktplaß mit einem magischen Lichte be- leuchteten; wie diese ausgebranut, folgten 6 weiße, und dies wurde abwechselnd bis zu Ende fortgeseßt, Zuleßt, nachdem verschiedene Musikstü>e gespielt worden, marschirten die verschiedenen Musif-Corps einzeln im Parademarsch, jedes sein bestes Stück spielend, vor dem Schlosse vorbei, und somit hatte diese Feierlichkeit um 19 Uhr ihr Ende erreiht. Es waren an diesem Abend gewiß 16,000 Menschen auf dem Marktplaße und den angränzenden Straßen versammelt.

Großh. Hessen. E Ge, 3) Jhre Majestät die Königin von Bayern, nebs Jhren Königl. Hohei ten den Prinzessinnen Hildegard und Alexandra und dem Prinzen Adalbert , sind gestern zum Besuche am Erbgroßherzogl. Hofe von Aschaffenburg dahier cingetrofen. Die Höchsten Herrschaften beehr- ten, in Begleitung Sr. Hoheit des Erbgroßherzogs und Jhrer Königl. Hoheit der Erbgroßherzogin, die Gemälde-Ausstellung mit einem Be suche, machten eine Spazierfahrt in die Umgebungen der Stadt und kehrten na< der Tafel, begleitet von Jhrer Königl. Hoheit der Erb großherzogin, nah Aschaffenburg zurück, wohin sih heute au< Se. Hoheit der Erbgroßherzog begeben hat.

Darnistadt, 6. Ok G

Holstein. Uetersen, im Okt. (A. M.) Pastor Hasselmann

in Altencrempe, der mit der Entwerfung eines neuen Landes Katechis mus beauftragt worden, hat im Jbehöer Wochenblatt cine Auf forderung an sämmtliche Prediger und Schullehrer der Herzogthümer Schleswig und Holstein ergehen lassen, ihn mit Rathschlägen und Ansichten zur Förderung dieses s{hwierigen Werkes zu versehen.

Freie Städte. XX Frankfurt a. M., 6. Okt, Wie= derum wird in öffentlichen Blättern von hier aus über die elektro= magnetishe Erfindung unseres J. P. Wagner in wenig günstiger Weise gesprochen. Es kann aber uicht cher etwas Zuverlässiges über dieselbe bekannt werden, bis die von der hohen Bundes-Versammlung niedergeseßte Kommission von derselben Einsicht genommen hat. Ver= sichert darf werden, daß Wagner seinen Wagen vollendet hat und mit dem Ergebnisse seiner Arbeiten sehr zufrieden i So O er bie Prüfung bestanden, und das wird geschehen, so bald die Mitglieder der betreffenden Bundes - Kommission hierher zurückgekehrt sind, wird aus sachverständiger Feder eine Beleuchtung der ganzen Sache er scheinen.

Russland und Polen.

St. Petersburg, 3. Okt, Die hiesigen Zeitungen theilen nachträgli<h noch zwei Reskripte mit, welche Jhre Majestät die Kai serin und Se. Kaiserl. Hoheit der Großfürst Thronfolger erließen, als Lebterem ein Sohn geboren war. Beide sind an den St. peters burger Militair-General-Gouverneur Kawelin gerichtet. Das erstere, vom 2Wsten v. M. datirt, lautet. ;

„Alexander Alerandrowitsh. Judem Jch | | ( ( erfolgte glüliche Entbindung Zhrer Kaiserlichen Hoheit, Meiner geliebtesten Schwiegertochter, der Frau Cáäsarewna und Großfürstin Maria Alexan drowna, von cinem Sohne, Namens Nikolaus, anzeige, bitte Jch Sie, 1m Auftrage des Herrn und Kaisers, Meines theuersten Gemahls, der Mir vor der Abreise Sr. Kaiserlichen Majestät geworden, den Bewohnern der Residenz diese freudige Begebenheit durh 201 Kanonenschüsse von der Pe ter-Pauls-Festung fundzuthun. Jch verbleibe Jhnen wohlgewogen, (gez.) Alexandra.“ i S

Am Tage darauf, den 2lsten v. M,, richtete der Großfürst Thronfolger an den General Kawelin folgendes Reskript: _

„Alerander Alerandrowitsch. Am 8ten (20sten) Tage dieses September hat der Allerhöchste Mir einen geliebten Sohn, den Großfürsten Nikolaus UAlerandrowitsch, geschenkt. Da Jch wünsche, daß die Schulden halber der Freiheit Beraubten und die Armen in der Hauptstadt Meine Freude theilen möchten, so übersende Jch Jhnen hierbei zehntausend Rubel in Assignatio nen, mit der Bitte, für diese Summe aus der Zahl der Ersteren diejenigen loszukaufen, welche dur unerwartete Umstände in Schulden geriethen, und von den Leßteren den am meisten Bedürftigsten zu Hülfe zu lommen, gen sie ihre Gebete mit den Meinigen um die Wohlfahrt des Neugeborenen vereinigen. Jch verbleibe Jhnen stets wohlgewogen.““ E

Der Justizminister und Staatssecretair Graf Panuin i} von dem ibm ertheilten Urlaube zurü>gekehrt und lat die Verwaltung seines Ministeriums wieder angetreten

Fraue t.

Fhnen die am heutigen Tage

V

Paris, 4. Oft, Am 30sten v. M. is der Herzog von Mont=#

pensier, von seinem Adjutanten Oberst Thiéry begleitet, in Meh angekommen und hat am folgenden Morgen die dortigen Civil -= und Militair - Behörden empfangen, welche ihm vom General Achard und oom Präfckten des Mosel-Departements vorgestellt wurden. Abends hatten 80 der angeschensten Personen der Stadt dié Ehe, be den Prinzen zu speisen.

Eine große Anzahl von Mitgliedern der Pairs = und Deputirten= Kammer, Vteraten und Philhellenen gab gestern dem griechischen Botschaster am hiesigen Hofe, General=Lieutenant Koletti, cin glän= gendes Bankett. Der Präsident, Herr Jullien, hielt gegen das Ende s Tafel eine Rede, worin er die Verdienste des Herrn Koletti mit M nE, hervorhob. Herr Koletti erwiederte darauf:

D e L ich danke Ihnen für den mir so eben gebrachten Toast, ich danke Zynen sür die Ehre, die Sie mix durch die Einladung zu diesem gemel erzeigten. Jm Begriff, Frankreich zu verlassen, konnte mir nichts angenehmer sein, als diese Merkmale von Sympathieen zu finden, die ich so glücklich gewesen bin, in diesem edlen Lande einzuflößen, und eine Ge- legenheit zu haben, die Empfindungen der Zuneigung und des Dankes, die ih schon lange für Frankreich bege, auszusprechen. Dicse Gesinnungen m. H., sind_bei mir schon alt, Ju meiner Jugend war ih daran gewöhnt, in meiner Familie und bei meinen Landsleuten Frankreich rühmen und A zählen zu hören, welche Dienste es der Sache ver Menschlichkeit S leistet habe, Später, während des blutigen Kampfes, den E M 8 hielten, waren unsere Blike stets mit Vertrauen auf Frankrei L richtet, wir wußten, daß wir dort nur Freunde hatten, Noch (päter, dis wir unseren Rang unter den unabhängigen Nationen eingenommen und das Zutrauen meines Souverains mich dazu berief, die Juteressen meines Vaterlandes in Frankreich zu vertreten, bin ih zu der Ueberzeugung gekom- men, daß die Bande, welche beide Länder mit einander verknüpfen , stark sind. Während der leßtverflossenen aht Jahre habe ih zu jeder Zeit neue Beweise des halb vätcrlichen, halb kindlichen Wohlwollens empfangen, wel- ches Franfreih dem gricchischen Volke widmet; ih sah, daß Frankreich noch nicht den ecinstigen Ruhm meines Vaterlandes und die Dienste, welche die-

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ses einst der Menschheit leistete, vergessen hat. Jh sah, daß es an die Zukunst des Landes Hoffnungen knüpfte, die, das bin ih gewiß, nicht getäuscht werden sollen. Vor wenigen Tagen hat ein bedeutsames geschichtlihes Ereigniß statigehabt, das die natürli- hen Svompathieen, die zwischen Frankreih und Griechenland herrschen, noch vergrößern wird. Unser junger Monarch hat den Wohlthaten, die Griechenland ihm bereits verdankt, das Siegel aufgedrü>kt, der Wunsch unserer Revolution ist erfüllt, Griechenland hat sich zu dem Range cines constitutionellen Staates erhoben, Erlauben Sie mir, meine Herren, mir mit Jhnen zu einem Ercignisse Glü>k zu wünschen, welches cin neues Pfand der Stärke für unsere Justitutionen, des Fortschrittes für unser Land ist, und welches zu gleicher Zeit uns mit Frankreich durch die Gleichheit der politischen Institutionen vereinigen wird. Noch einmal, meine Herren, danke ih Ihnen für die s{hmceichelhaften und ehrenvollen Beweise der Zu neigung, die ich heute empfangen habe, und für die Aeußerungen der An- hänglichkeit und des Wohlwollens, die Sie gegen mich ausgesprochen haben, und deren Dolmetscher ich sein werde, sobald ih mich wieder inmitten meiner Landsleute befinde.“

Diese Worte des Herrn Koletti wurden mit allgemeinem Bei fall begrüßt. Mehrere audere Toasts wurden noch ausgebracht ; der- jenige Griechenlands für Frankreich erregte die lebhafteste Sympathie.

Es wird behauptet, daß Herr Levasseux, der französische Konsul in Haiti, als er an die neue Regierung dieser Republik sehr energische Vorstellung gerichtet, um die Fortseßung der Schuldzahlungen an Frankreich zu erlangen, zur Antwort erhalten habe, Haiti sei so er- {öpft, daß ihm, wenn Frankreich es mit seinen Forderungen bestürme, keine andere Zuflucht bleiben würde, als si< England in die Arme zu werfen und das Anerbieten anzunehmen, welches dieses Land ihm gemacht, nämlich, daß dasselbe sich der Abzahlung der haitischen Schuld interziehen wolle, unter der Bedingung, daß ihm das Monopol des Handels auf Haiti gewährt würde. Unter diesen Umständen dürfte die Mission des Herru Adolph Barrot eine sehr schwierige sein.

Die lebten telegraphischen Depeschen aus Spanien über die Er gebnisse der Cortes-Wahlen sollen der Königin Marie Christine große Beruhigung verschafft haben. Man glaubt auch, daß die Jusurgen ten von Barcelona und Saragossa bereits den Muth sinken lassen, und daß die Central-Regierung sie jeßt dur< weise Maßregeln leicht gewinnen könnte. Zum Unglück aber fehlt es dem Narvaez - Lope3 hen Kabinet ganz an Kapitalien, und da ein Theil der Truppe! seit dem Sturz Espartero's noch keinen Sold erhalten haf, 10 be- fürchtet man einen Aufstand in der Armee. h,

Am 15. d. M. beginnen die Sihungen des Geueral Conseils des Seine - Departements. Herr Horace Say soll die Absicht haben, demselben den Antrag vorzulegen, daß es gegen die Ausdehnung protestiren möge, welche die Regierung dem Gese vom 4. (zuni 1841 gebe. (Ueber die Befestigung vou Paris.)

A París, 3. Okt. Die Genugthuung, welche die Pforte dev französischen Regierung für die Beleidigung ihres Konsuls in Zeru \alem zugestanden hat, wird hier nicht oon Jedermann su befried! gend gehalten. Man nimmt besonders Anstoß daran, daß die Sühn- Feierlichkeit niht an dem Orte, wo die Kränkung stattgesunden, jon dern in Beirut vorgenommen werden soll. Die Beweggründe zu dieser Abweichung von dem Gange der Dinge, welcher der gewöhn liche und der natürliche zu sein scheint, werden si<h indessen ohne Zweifel bald in einer Gestalt herausstellen, welche das aufgeworfene Bedenken in den Augen jedes Unparteischen haben wird.

Ueber die Straf-Erpedition des Gouverneurs von Senegal nach dem Lande Fouta giebt das heutige Journ al du HâvLre verschie dene Einzelnheiten, welche indessen nicht hinreichen, um die Meinung iber die Ursachen und die Umstände jenes Kriegszuges aufzuklären. Der interessanteste Theil jener Mittheilungen is eine Korrespondenz, welche der Almami von Fouta nach der erlittenen Niederlage mit dem Capitain Bouet gewechselt hat. Der Almami sagt dem Gouverneur, daß: er, da die Franzosen jetzt ihren lange verfolgten Racheplan aus geführt haben, wünsche, die Bedingungen des Friedens kennen zu lernen, und er bittet darum, daß man ihm gestatte, feine Todten zu begraben. Aus der sehr dunkel gehaltenen Antwort des Capitains Bouet geht hervor, daß die Nichtzahlung ciner Art Tribut an Ochsen und Getraide, den die Franzosen von den Bewohnern von TFouta in Anspruch nehmen, eine der Haupt- Ursachen der obwaltenden Miß= lelligkeiten und des vergefallenen Blutvergießens gewesen.

Die neueste Rede O'Connell's ist der Gegenstand, welcher die heu tige Tagespolitik am lebhaftesten beschäftigt. Der irländische Agitator hat in dieser Rede alle Welt beleidigt, aber auch die Schadenfreude aller Welt gekißelt. Diese leßte Wirkung wird indessen nicht hinrei hen, die erste zu verwischen, und man darf dreist voraussagen, daß die Popularität O'Connell's in Frankreich von heute an in merklicher Weise sinken wird. Vielleicht hat übrigens au< O'Connell bei jenen Ausfällen nur die Absicht gehabt, eine unübersteigliche Schranke zwi {hen der irländischen Agitation und dem Treiben der von Frankreich fommenden Präpagenda aufzubaguen,

m Paris, 4. Okt. Die längst verkündete Ernennung des Herzogs von Aumale zum Militair = Gouverneur der Provinz Kon stantine ist definitiv beschlossen, Man erwartet, um dieselbe im Moniteur zu veröffeutlihen, nur noch, daß der Marschall Soult in seiner Eigenschaft als Kriegs-Minister die betreffende Ordonnanz kon trasignirt habe, zu welhem Ende ein Ordonnanz Offizier nah dem Schlosse St. Amand, wo der Marschall noch weilt, abgesendet wurde. Die Nachrichten über das Befinden des Leßteren flößen einige Be sorgnisse ein. Der Präsident des Conseils verschiebt seine Abreise von St. Amand von Tag zu Tag, weil er uoch niht genug gestärkt scheint, um während der herannahenden Session ausdauern zu können,

Mehrere seiner Wunden sollen wieder aufgegangen scin und ihm große

Schmerzen verursachen. Der König hat ihm vor wenigen Tagen in cinem eigenhändigen Schreiben die Erlaubniß ertheilt, seinen Urlaub jo lange auszudelhneu, als die Jahreszeit ihm gestatten wird, die stärkende Landluft zu genießen. Personen, die mit der Familie des Marschall Soult in Verbindung stehen, wollen wissen, daß dieser ernstlich mit der Jdee umgehe, spätestens bis nah den Debatten der nächsten Adresse si<h für immer aus dem Staatsdienst zurückzuziehen.

Heute, als dem Namenstage der Prinzessin von Joinville, findet ein besonderes Familienfest bei Hofe statt, wozu sämmtliche hier an= wesenden Minister geladen wurden. Die Prinzessin macht sich unge- mein populair durch ihre natürliche Anmuth und Einfachheit und ist der Liebling der Königin geworden, da sie in den Zügen viel Aehn- lichkeit mit der verstorbenen Prinzessin Marie hat.

Unser Kabinet erwartet mit Sehnsucht die neueste Post aus Ju= dien und Ching. Mit der vorleßten (die leßte is befkanntlih verun- glü>t) meldete Herr Ratti-=Menton, diesseitiger Konsul in China, daß der chinesische Hof sih nicht dazu verstehen wolle, ihm einen offiziellen Charakter zuzuerkennen. Da bei der Handels-Kammer von Canton ein französischer Agent sich befindet, so will die chinesis<e Regierung niht begreifen, warum man noch einen politischen Agenten bei ihr beglaubigen sollte. Der Hof von Peking befürchtet, daß er durch Zulassung fremder Repräsentanten in seinen Staaten in neue Streit= händel mit den Europäern verwi>elt werde, Herr Ratti-Menton hat bisher mit der chinesischen Regierung in keine amtliche Verbindung sich schen können, sondern ist von dieser an die Hong=-Kausleute gewiesen worden, dur deren Organ allein der Hof von Peking mit Europäern verkehrt, Der französische Konsul wandte sich an den britischen Be-

vollmächtigten, welher mit den Commissairen des Kaisers von China die Unterhandlungen zur Bestimmung eines neuen Handels-Tarifs für den fremden Handel pflegt. Der britische Agent soll aber selbst mit den chinesischen genug zu thun haben, so daß man befürchtet, der so sehnlich erwartete Handels-Tarif werde nicht so bald zu Stande fom- men. Die Chinesen sind eine Nation, welhe nur er aus Furcht den Europäern gegenüber si<h willig zeigt. Die britis<hen Kano= nen sind verstummt und die Kaiserlichen Commissaire haben die stolze Sprache, die sie an die Europäer sonst zu richten gewohnt waren, wieder angenommen. Dadurh<h werden die Unterhandlungen in die Länge gezogen, und anstatt vorwärts zu schreiten, gehen dieselben vielmehr rü>wärts, Herr Ratti-Menton findet mithin an den briti- hen Bevollmächtigten bei weitem nicht jene wirksame Unterstüßung, die Lord Aberdeen ihm versprechen ließ.

Herr Ratti - Menton sollte gleichsam der Vorbote des Herrn Lagrenée sein und diesem den Weg nach Peking bahnen, weil es eben nicht \o leicht i}, bis zum Beherrscher des himmlischen Reiches vor= zudringen, Die Etiquette bei einer solchen Audienz spielt eine zu gewichtige Rolle, als daß nicht das Kabinet der Tuilerieen versucht hätte, dasselbe vorläufig mit dem Hof von Peking zu ver= abreden. Herr Ratti-Menton sollte deshalb in Unterhandlung treten und, wenn nicht anders, dem französischen Botschafter wenig= stens das. neunmalige Niederknieen ersparen. Herr Ratti -= Menton hat bisher aber, wie gesagt, nichts ausrichten können, so daß man eigentlich noch nicht weiß, ob und wie Herr Lagrence am Hofe von Peking wird empfangen werden. Eine so kostspielige Mission mag man aber nicht eher unternehmen, als bis man irgend ein günstiges Resultat davon zu erwarten berechtigt ist. Diese ist ‘die wahre Ursache, weshalb Herr Lagrence, der vor dem Ende des vergangenen Monats die Reise nach China hätte antreten sollen, auf unbestimmte Zeit seine Abreise ver zögerte, Erst mit der neueren Post aus China wird es sich ent- heiden, ob man von der Sendung des Perrn Lagrence das erwünschte Resultat erwarten darf.

Der heutige Moniteur veröffentlicht eine Königliche Ordonnanz, der zufolge dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten neuerdings ein außerordentlicher Kredit von 150,000 Fr. bewilligt worden is. Diese Summe soll dazu dienen, die außerordentlihen Kosten der Courier- Sendungen unseres Kabinets zu de>en, welche in Folge der neuesten Ereignisse in Griechenland sehr häufig von Paris nah London und St. Petersburg zu werden scheinen, weil Rußland, England und Frankreich als Schußmächte für die regelmäßige Gestaltung der Dinge in Griechenland vereint zu handeln entschlossen sind, wie es noch vor dem Ausbruche der leßten Revolution von Athen in einer Kon- ferenz der Repräsentanten dieser drei Großmächte in London verabre= det wurde,

Grossbritanien und Irland.

London, 4, Okt. Se. Kaiserl. Hoheit der Großfürst Michae von Rußland begab sich gestern in Begleitung des russischen Ministers Barou Brunnow, des Fürsten Dolgoruki, General Tolstoy und ande- ren Notabilitäten seines Gefolges nach Windsor, wo er mit vieler Aufmerksamkeit empfangen wurde. Prinz Albrecht bewillkommnete den Großfürsten beim Eintritt in das Schloß und geleitete ihn in das große Audienz-Zimmer zur Königin. Abends fand in der Waterloo Halle ein großes Bankett statt, welchem guch der Herzog von Wel- lington und Sir Robert Peel beiwohnte.

Das vou O'Connell eingesebte Schiedsgericht wurde am 29}sten 9. M. unter dem Vorsitze eines Dr. Gray in Blackro> in der Nähe von Dublin eröffnet. Das prozessuaglische Verfahren desselben besteht zuvörderst in der Unterzeichnung eines Revers von Seiten des Klägers wie des Beklagten, wodurch beide sih dem Spruche des Ge richts unterwerfen und deuselben für rechtskräftig erklären. Die Ver- (andlungen werden öffentli geführt und die größte Gerechtigkeit und Unvarteilichkeit sollen denselben zum Grunde liegen. Q Ver ersten Sitzung wurden einige Bagatellsachen geschlichtet.

O'Connell fährt fort, seine Monster - Meetings zu berufen, und zwar foll das nächste ganz in der Nähe Dublins im Dorfe Clontarf unter den Augen der Behörden stattfinden. Es wird, im Vergleich zu den bisherigen Repeal - Versammlungen, die größten physischen Streitkräfte darlegen, da der größte Theil der Versammelten zu Pferde erscheinen wird. Das besondere Comité für diese große De monstration hat bereits die nöthigen Verordnungen zux Organisation und Aufstellung dieser Repeal-Reiterei bekannt gemacht.

Die Wahl des Lord -Mayors von London kann als beendet an gesehen werden; der Alderman Magngy erhielt dazu die meisten Stimmen, worauf der bisherige Lord-Mayor und der Alderman Wood, die nächsten Kandidaten , zurücktraten. Um dem Gesebe zu genügen, welches die namentliche Abstimmung der Wähler vorschreibt, bleibt die Stimmliste noch 8 Tage offen, doch is die Wahl des Alderman Magnay gesichert. i

Das so eben ausgegebene Nautical Mag azine für Oktober enthält nähere Details über die Verurtheilung eines portugiesischen Sfklavenschiffs, welche den Vertretern des Durchsuchungsrechts neue Waffen gegen die Gegner desselben an die Hand geben. Diese De tails bestätigen die traurige Gewißheit von dem Fortbestehen des Sklavenhandels in seiner schauderhaftesten Gestalt, und mögen jenen Ländern welche bei ciner Verweigerung jenes Rechts beharren, als Beweis dafür dienen, daß dieser Handel in Folge ihres Verhaltens neuen Aufshwung nimmt. Der portugiesische Schooner von 44 Tonnen, „Esperagnza‘‘, wurde von einem englishen Kreuzer als des Sklavenhandels verdächtig aufgebracht, und, vor dem gemischten Gerichtshofe für schuldig befunden, nach dem Vertrage, welchen England seit zwei Jahren mit Portugal hat, konfiszirt. Die Papiere, welche man an Bord fand, enthalten Justructionen, die Schauder erregen. Das Schif} war nach der Küste von Mozambique bestimmt, hatte eine Besaßung von 10 Mann und Lebensmittel auf 15 Tagez es sollte 220 bis 250 Skla- ven einnehmen, welhe man in dem Raume cines Schiffes von 44

E _ L , l. f 2 Tonnen, der vom Sklaven- oder Unterde> bis zum Oberde> nur L/- Zoil maß, bergen wollte! An Fuß- und Handfesseln fanden sich Jux eine Anzahl von 900 Sklaven an Bord „und mit Lebens mitteln auf 15 Tage,“ sagt das Nautical Magazin®- „sollte diese entsebzliche Fracht menschlichen Elends den Weg über den atlantischen Ocean, fast 4000 Meilen, zurü>legen. Vorausgescbt n daß Wind= stillen oder Stürme oder widrige Winde die Reise um 20 Tage ver= zógerten, so müßten, da ein Sflavenschiff in fremden Häfen keine Zu= flucht suchen oder den Beistand _anderer Schisfe ansprechen kann, 250 menschli<he Wesen ohne Waser und Nahrung 20 Tage lang verharren, dazu in einem verschlossenen Raum gepackt, der selbst nicht hoh genug is, um darin liegen zu ronen. Ist irgend etne Fhan= tasie stark genug, sih_die Qualen dieser Afrikauer vorzustellen: Ein Sklave kann für 20 Sh. gekauft und in Brasilien für 480 Doll. oder oft auch für 120 Pfd. Sterling verkgust werden. Ver ungeheure Profit verhärtet die Sfklavenhändler gegen jedes menschliche Gefühl und macht sie unbekümmert um Menschenleben. Ein Sklave von zchu glü>lih nach Brasilien oder Cuba gebracht, vergütet die Fahrt aufs reichste, und so sehr die englischen Kreuzer an der afrikanischen Küste au<h bemüht sind, diesen Handel zu unterdrüen ; die ganze Westseite Afrikas ist doch zu ausgedehnt für die Flotte, welche dort stationirt wird und werden kann. j Mit den gestern aus Kahira hierher gelangten Nachrichten von

dem Untergange des Dampsschifses der ostindischen Compagnie ,„„Memnon“ hat man aus Kalkutta vom 10. August Zeitungen €r- halten, Danach war in Sind für den Augenbli> alles ruhig; indeß sammelten si< im Süden die Araber in großer Anzahl, um w1e es hieß, einen neuen Angriff gegen die Engländer zu unternehmen. Jn China war die Lage no< fortwährend die nämliche. Der Ver- trag war no< nicht ratifizirt. E t Die Morning Chronicle enthält eine Zusammenstellung der Wahlbezirke nebst Angabe der Zahl ihrer Vertreter im Unterhaus und ihrer Bevölkerung. Demgemäß wählten in: E England : Bevölkerung. Mitglieder, i1 Grafschaften 9,115,011 1 i4 187 Ortschaften 5,879,524 323 2 Universitäten .…..- i Wales : 12 Grafschaften... 56 Ortschaften JFrland : 32 Grafschaften 33 Ortschaften l Universität Schottland : Grasschaften.….. Ortschaften

680,1 Le 231,450

mw N EAR 7,370,939

E pes 824,709

1,657,985 962,199 29

26,702,163 664

r Gestern präsidirte der König in einem Mi

Brüssel, 4. Oft. nister-Rathe und empfing dann den niederländischen Gesandten, Herrn Rochussen.

Lord Abinger, Mitglied des Königl. großbritanis<hen Geheimen Rathes, is von London, der Fürst Oskar von Schachowsky-Britschky von Bucharest und der spanische staatsökonomische Schriftsteller Herr Ramon de la Sagra von Madrid in Brüssel angekommen.

Das Budget der Stadt Brüssel für das nächste Jahr stellt sich folgendermaßen :

Fr. (Ct, arr. (Ct. Gewöhnliche Einnahmen T7 Außergewöhnliche Cinnahmen 46 318/288 5 395,296 00) 3,790,564 65

23705 98

Gewöhnlihe Ausgaben Außergewöhnlihe Ausgaben

Uebershuß

_ Brüssel, 5. Okt. Der König und die Königin sind gestern früh mit einem Ertrazug auf der südlichen Eisenbahn abgereist , um ihren erlauchten Verwandten in Paris einen Besuch zu machen. Sie wollten heute Abend in Compiègue übernachten. Mw is i Lausanne, 28. Sept, (A. Z\) Seit Weitlings Abreise von Vevey, wo er seine „junge Generation“ und seine „Garantieen der Freiheit“ {hrieb und selbst dructe, hat der Kommunismus bedeutend an Jutensität in unseren Uferländern verloren. Allerdings lebt er noch in den kleinen und größeren Gesellschaften deutscher und {weize- rischer junger Handwerker in unseren Seestädten, hat aber seinen Nerv verloren, zumal seitdem sih in Lausanne unter Einfluß, Aufsicht und Unterstüßung angesehener Männer der Stadt der treffliche „deutsche Bildungsverein““ mit sehr verständigen gegen Radifalismus und Kommu nismus sichernden Statuten für diese jungen Leute gebildet hat und in vol- lem Gedeihen is. Die Verzweigung des Kommunismus in hiesiger Gegend mit ähnlichen sozialistischen und kommunistischen Verbindungen in Paris, Toulouse, Marseille, Lyon, Bologna, Ancona, Rom, Neapel, Palermo 2c. ist jeßt dur<h Thatsachen außer Zweifel gesebt, deun was in Paris und Jtalien vorbereitet wurde und in leßterem Lande wirklich zum Ausbruch gekommen i}, muß als wahlverwandt angesehen werden, Hätten die Schweizer-Regierungen in derselben Nacht, wo Weitlings Papiere in Zürich in Beschlag genommen wurden, von Schaffhausen bis Genf, von Basel bis Aigle die Papiere aller öffentlichen und ge heimen Arbeiter-Vereine wegnehmen und sie untersuchen wollen, so würden sie Beweise genug von dieser Konnerxität gefunden haben, die jeßt wahrscheinlih größtentheils vernichtet sind. e Pan ren,

Paris, 4. Okt. Telegraphische Depesche aus Spauien.

Ma L O O Dien (n Mabrio (inv die Herren Cortina, Arratia, Cautero, Moreno, Montalvan, Martinez de la Rosa und Gonzalez Bravo, zu Stellvertretern die Herren Casa Jrujo, Sartorius und Las Navas erwählt worden.

3 Madrid, 27. Sept. Es erweist \si< jebt, daß bei der am 23sten stattgefundenen Explosion 700,000 Flintenpatrouen, 1000 Kanonenladungen, 800 gefüllte Granaten, 10,000 Bombenzünder und 125 Centner Pulver aufflogen. Das Leben verloren dabei, 1 Artillerie Offizier, 1 Artillerist, und 5 audere Personen. Die Untersuchung über die Veranlassung der Explosion is no< nicht beendigt. Es heißt nun, in der Artillerie-Kaserne der aufgelösten National Miliz, welche jeßt von Lnien-Artillerie beseßt is, wäre, als die jebige Regierung alles Pulver aus der Stadt schaffen ließ, ein bedeutender Vorrath verborgen zurückgeblieben, und die Verschworenen bezwe>ten, Feuer daran zu legen. Die Behörde ist damit beschäftigt, diese Kaserne, die im Mittelpunkte von Madrid liegt, sorgfältig durhsuchen zu lassen.

Die Zahl der in und nahe um Madrid befindlichen Truppen be- läuft sih auf 12,000 Mann.

_XXFX Paris, 3. Oft, Die von den heute ecintresfenden Mag- drider Blättern gegebene Nachricht, daß der Aufruhr in Barcelona gedämpft sei, und daß sih die re<tmäßigen Behörden der Mitglieder der revolutionairen Junta bemächtigt haben, beruht offenbar auf einem JIrrthume, da wir ein solches Ereigniß, wenn es wirklich stattgefunden UNs jedenfalls früher auf direktem Wege erfahren haben würden, Sea übrigen Mittheilungen über Barcelona, die wir heute von a As Seiten erhalten, verdienen nur die Berichte des Gene- Prim fiber, O des Dbersten oder jeßigen Marschalls del Campo wiewobl sie A Qssen bei San Andres del Palomar der Beachtung, ien Angaben t en EiSen nur die Bestätigung der bercits befann- der Regierung n Der General Araoz giebt in seinem Berichte Zaudern und Hinhalter L daß es eigentlih nur seinem verschrieenen celona aus nicht E verdanken sei, wenn der Aufstand von Bar jeßt seinem Ende LA um sih_ gegriffen habe, und wenn er derselben Weise e Gr erla berdies, day er im

fortfahren werbe c die Jusurgenten zu

verfahren, und daß er derselb M O gen die er erwarte, bald M en, mit Hülfe der Truppen-Verstärkun- mehr, als das catalonishe erster werden zu können hoffe, um so sondern ihm ogar fei \<he Dochland sich nicht allein ruhig verhalte, hm sogar seinen Beistand gegen die Rebellen anzubieten an- gefangen habe. 1 d i

us Saragossa erfahren wir, daß die Auswanderung auch hier

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begonnen hat, daß aber die Junta alle Männer zwischen 18 und 50 Jahren gewaltsam in der Stadt zurüdhält. Das übrige Spanien ¡t bis jeßt anscheinend und vergleihswei|€ rugig, Die Slörungen, welhe bei Gelegenheit der Wahlen in Zamora vorgekommen sind, haben damit geendet, daß die Behörden eine Anzahl der einflußreichsten Kar- listen ohne weiteren Prozeß aus der Stadt verbannt haben. Die Geseßlichkeit solcher Maßregeln isf in Fällen dieser Art eine zu unter- geordnete Frage in Spanien , als daß man si darüber beunruhi gen sollte, sobald mau über die Zwe>mäßigkeit mit si einig ist,

X Paris, 4. Okt. Die heute eintreffenden Nachrichten aus Barcelona vom 26sten v, M. zeigen die dortige Junta und überhaupt die revolutionaire Partei in Catalonien keinesweges in der muth= und hülflosen Verfassung, in welcher ste den im Juteresse der Madri- der Regierung abgefaßten Mittheilungen zufolge sein soll, Es is in dessen wahr, daß die Junta von Barcelona selbst die zweideutigsten Mittel nicht verschmäht, um den Eifer und den Muth ihrer Anhän- ger aufreht zu erhalten. So läßt sie in dem Constituciomnal veröffentlichen, daß uiht bloß Saragossa, sondern auch Huesca, Bar bastro, Cadiz, Granada, Viñaroz, Calatayud, Alcoy und der größte Theil von Galicien si< dem Aufstande angeschlossen, daß der Oberst Amettler bloß aus Menschlichkeit und um Blutvergießen zu vermei den, San Andres del Palomar geräumt habe, daß das Corps dessel ben dur< die zu ihm gestoßenen Verstärkungen auf beinahe 6000 Maun gebracht sei, und mehr solcher Uebertreibungen und \chiefer Darstellungen. Ein no< weit verwegenerer Schritt zur Aufeuerung der Jnsurgenten is aber die Bekanntmachung eines Dekrets, durch welhes den Theilnehmern au dem Aufstande voller Ersaß für alle während der Dauer desselben erlittenen Verluste verspro chen wird, und zwar vermittelst der Einziehung und des Verkgufs der Güter aller Gegner des Aufruhrs. Das Dekret bestimmt zu gleich, daß eine aus fünf Mitgliedern bestehende Kommission über den den einzelnen „Patrioten“ gebührenden Schadenersat erkennen, und zu gleicher Zeit das Verzeichniß der Personen abfassen soll, deren Vermögen zu konfisziren und zu dem bezeichneten Zwecke zu verwen den ist.

Der Constitucional theilt überdies mit, daß die Junta eine Verschwörung entde>t habe, welche allem Anschein nah von Gracia aus durch den politishen Chef, Herrn Gibert, angezettelt sei, und deren Zwe> es gewesen, Barcelona mit Hülfe der Kettengefangenen den Truppen der Regierung in die Hände zu spielen. Die Ver {wörer befinden si< im Gewahrsam der Junta, die, wie sih aus dem Tone des Constitucional schließen läßt, kurzen Prozeß mit ihnen zu machen beabsichtigt.

Die Junta von Gerona wetteifert mit der Junta von Barce lona in aus\{<weifenden Revolutions-Maßregeln. So befiehlt sie al len waffenfähigen Männern der Provinz, si< bei Todesstrafe unter die Fahne des Aufstandes zu stillen. Die Junta von Gerona hat sich übrigens nicht dazu bewegen lassen, das der Sache nach entschie- den republikanische Programm der Junta von Figueras anzunehmen, an deren Spiße bisher der bekannte Don Abdon Terradas stand, Nach der beharrlichen Weigerung der Junta von Gerona hat Don Abdon Terradas zwar darauf verzichtet, sein Programm durchzuseßen, zu gleicher Zeit aber seine Stelle als Chef der Junta von Figueras niedergelegt, um nicht, seinen republikanischen Ueberzeugungen zuwi- der, der Verfassung von 1837 und der Königin Jsabella huldigen zu missen. z Mataro, das sich bekanutlih dem Pronunciamiento von Barce lona angeschlossen hatte, soll am 27f\ten durch Ueberfall in die Ge walt des Generals Prim gerathen sein, Die Perpignaner Korre- spondenz, welche diese Nachricht giebt, fügt hinzu, daß Prim sogleich, nachdem er si< der Stadt bemächtigt, den Kommandanten derselben habe hinrichten lassen.

Ämettler steht, den Barceloneser Blättern zufolge, in Arenys de Mar, wo bereits zahlreiche Verstärkungen zu ihm gestoßen sind, so daß er sein Corps demnächst auf 6000 Mann zu bïingen die Aus- sicht hat. Nach den glaubwürdigeren Mittheilungen des Phare des Pyrénées dagegen befindet sih der Oberst Amettler seit seiner Niederlage bei San Andres del Paloma1 in Gerona, das er am I8sten noch uicht verlassen hatte, und wo er Verstärkungen aus der Nachbarschaft, und besonders aus dem Ampurdan an sich zu ziehen sucht.

Die Nordprovinzen sind fortwährend ruhig, aber unter den da selbst stehenden Truppen machen si< verdächtige Symptome bemerk- lih, So sind in San Sebastian ses Offiziere entlassen und sieben Unteroffiziere verhaftet und gefangen nach Vitoria geschickt. In: Tv losa ist die leßterwähnte Maßregel gegen se<zehn Offiziere ange- wendet worden,

Neue Pronunciamiento's sind in den leßten Tagen nun in Zasfra, Merida und einigen kleineren Orten erfolgt. Aber es macht sich in mehreren der wichtigsten Städte des Landes, und namentlich in Se villa, Cartagena und Murcia eine sehr bedenklihe Stimmung bhemerflid), welche für die öffentliche Ordnung das Schlimmste befürchten läßt.

Vereinigte Staaten von Uord - Amerika.

New-York, 13. Sept. Alles politishe Juteresse dreht sih hier zu Lande in diesem Augenbli> um die Wahlen der verschie= denen Staaten und ihre wahrscheinlichen Folgen und Wirkungen auf die nahe Präsidentenwahl. Die bis jeßt bekannten Resultate sind zu Gunsten des Whig - Kandidaten Herrn Clay, aber mehr scheinbar als wirklich, da die numerische Ueberlegenheit auf Seiten der demo fratischen Partei sih befindet, und klar i, daß ihr der endliche Triumph nicht entgehen kann, sobald die beiden jeßt zwischen den Herren Van Buren und Calhoun gespaltenen Fractionen derselben sih unter einem gemeinschaftlichen Banner vereinigen. Um aber dem Leser die Situation der Parteien ganz klar zu machen, mag fol gende Uebersicht der Voten nach Staaten dienen, welche bisher die Whigpartei und die beiden demokratischen Kandidaten erlangt haben :

Whig=-Pärteét. Demo Puites

Kandidat, Herr Clay. Herr van Buren. Herr Calhoun.

Vermont, New-York. Pennsylvanien

Rhode - Island. Connecticut. Maine.

Massachussetts. New-Hampshire. Virginien.

New-Jersey. Maryland. Südcarolina.

Nordcarolina. Georgien. Alabama.

Tennessee. Missouri. Mississippi.

Kentucky. Indiane. Louisiana.

Ohio. Zllinois. 7 im Ganzen.

Michigan. Arkansas. :

Del 9 im Ganzen.

10 im Ganzen.

Man ersicht aus dieser Uebersicht, daß das Endresultat ganz allein von dem Entschlusse abhängt, den die Anhänger des Herrn Calhoun fassen werden, der am wenigsten Stimmen erlangt hat.

Jn allen amerikanischen Blättern spricht sich in diesem Augenbli>e eine sehr gereizte Stimmung gegen die spanischen Militair-Behörden auf der Jusel Cuba ein, weil der Gouverneur des dortigen Hafens von Matanzas bei der Ankunft eines amerikanischen Kriegsschifses unter= lassen haben soll, von den Batterieen des Forts die übliche Anzahl von Kanonenschüssen zur Begrüßung desselben abfeuern zu lassen. Die

Sache an sich ist so unbedeutend, daß natürlich ernstliche Folgen dar= aus uicht entstehen können. Aus dem Eifer aber, mit welchem die ganze amerikanische Presse si< gegen das Verfahren des Gouverneurs von Matanzas als eine der amerifanishen Flagge zugefügte Beleidi- gung erheben, ergiebt si< ein neuer Beweis, wie kiblih die Ameri= faner in allen Punkten sind, wo ihre National-Ehre und ihr National- Stolz mit ins Spiel kommen.

Man sagt hier allgemein, Se. Majestät der Kaiser von Rußland habe den ges<hi>ten und namentlich in Eisenbahnbau-Arbeiten als vor= züglich tüchtig bewährten Ingenieur Herrn Addis von Philadelphia mit dem Auftrage beehrt, die Ober - Leitung des Baues der großen Bahnlinie zwischen St. Petersburg und Moskau zu übernehmen. Jst dies der Fall, so kaun man für das Unternehmen selbst uur die glüd= lihsten Resultate davon voraussehen.

Die eine Zeit lang hier gehegten Besorgnisse vor einem Aus- bruche des gelben Fiebers sind glückliherweise wieder gänzlih ver- \{<wunden, selbst in der Quarantaine - Anstalt sind keine neuen Fälle mehr vorgekommen. Zu New - Orleans aber hat diese fur<tbare Geißel während des verflossenen Monats August wieder eine nicht unbedeutende Anzahl von Opfern dahingerafft; die Zahl der Erkrau= fungs- Fälle betrug im Ganzen nah den amtlichen Erhebungen 188, wovon 90 mit dem Tode des Ergriffenen endeten. New - Orleans war von jeher als einer der gefährlichsten Orte in dieser Beziehung, namentli<h für diejenigen Europäer bekannt, die noch nicht an das Klima und die Lebensweise des Landes gewöhnt sind.

Zum Schlusse meines heutigen Berichtes muß ih noch eines Unglücksfalles erwähnen, der auf der Eisenbahn von Susquehannah sich zugetragen hat. Die Achse an dem ersten Waggon cines Wagen=- zuges zerbrach, und die Folge war, daß alle darauf folgenden Wag- gons aus dem Geleise kamen, und au<h mehrere der Schienen gänzlich aus ihrer Lage gerissen wurden. Leider sind dabei sehr viele Rei= sende mehr oder minder {wer verleßt worden.

Die Aussichten in der Handels- und Geschäftswelt sind im All- gemeinen ziemlih günstig: aber auffallend is die große Anzahl von Betrügereien, mit den Berichten, über welche fast alle Blätter seit einiger Zeit her angefüllt sind.

Mi _ Variís, 4. Okt. Die leßten Nachrichten aus Mexiko gehen 23. Augustz die wichtigste darunter bezieht sih auf den neuen rif, den der Präsident Santana am 14ten desselben Monats hatte verkünden lassen. Jch theile Jhuen in Folgendem einen Aus= zug aus den wesentlihsten Bestimmungen desselben mit:

Art. 1. Unter Strafe der Confiscation der Waaren, is die Einfuhr folgender Artikel in die Republik verboten, nämlich : Equi= pagen und jede Art von Wagen oder Fuhrwerken , die zum Trans= vort von Personen oder Waaren dienen; Sättel, Geschirre und Alles, was zu Anschirrung der Pferde dient; Hüte (armados y en fieltro);z Meubles aller Art; Pianoforte?s ; Kinderspielwaaren und Spielsachen aller Art. Dann fommt in demselben Artikel eine lange Liste von fabrizirten Gegenständen von Gold, Silber, vergoldetem oder plat= tirtem Kupfer, worin fast Alles inbegrifsen ist, was aus den Manu-= fafturen dieser Art hervorgeht. Dann kommt eine lange Liste von Fabrik - Artikeln von Cisen und Stahl, worin wie in der vorigen, fast alle Quincaillerie - Waaren enthalten sind.

Der Art. 2 sett fest, daß das im vorausgehenden Artikel er- wähnte Verbot seine Wirkung haben soll in vier Monaten, von dem Tage der Verkündigung des betreffenden Dekrets an gerechnet, in der Hauptstadt, für alle Ladungen, die im mexikanishen Meerbusen an= fommen werden, und in se<s Monaten für diejenigen, welche in den Häfen des stillen Oceans oder des Meerbusens von Kalifornien an- langen werden.

Der Art. 3 seßt fest, daß alle Artikel, die gegenwärtig im Ge- biete der Republik si< befinden, und die niemals dahin ihren Eingang hätten finden sollen, innerhalb se<s Monaten wieder weggeschafft oder wieder ausgeführt werden müssen; nah Ablauf dieser Frist sollen sie in allen Magazinen und Läden, wo sih dergleichen vorfinden, weg= genommen werden. Derselbe Artikel stellt auch fest, was mit den weggenommenen Waaren angefangen werden, wie der Erlös aus den-= selben verwendet werden soll, und in welhe Strafen diejenigen ver= fallen, die solche bei si< geheim verwahren.

Der Art. 4. gewährt den Kaufleuten eine Frist von einem Jahre zur Wiederausfuhr der obenerwähnten Artikel; nah Verlauf dieser Frist aber sind diese Waaren, wenn die Wiederausführung indessen nicht bewerkstelligt wurde, der Wegnahme ausgeseßt, gemäß dem vor= ausgehenden Artikel.

Durch den Art. 5. werden alle Zollbeamten mit dem Verluste ihrer Stellen bedroht, wenn sie die Einführung der verbotenen Arti= fel begünstigen. Derselbe Artikel enthält auch den Befehl zur öffent- lichen Verkündung des Dekrets.

Durch diese Maßregel, namentlich insofern sie die Einfuhr von Quin= cailleriewaaren betrifft, werden vorzugsweise Frankreih und England, doch guch Deutschland berührt. Von Deutschland sind bisher die meisten Kinderspielsachen über den atlantischen Ocean verführt worden, und die Fabriken derselben von Nürnberg in Bayern, und Sonneberg im Herzogthum Sachsen-Koburg, deren Absaß durch Vermittelung der Hansestädte sowohl, als über Frankreich und Holland nah den Staa= ten der neuen Welt einen großen Aufschwung zu nehmen versprach, werden dadurch sih hart getroffen fühlen.

Ueber die Verh&ltni}se Mexiko's zu Yukatan erfäh1t man Folgen- des. Am 15. August war der Secretair der yukatanesis<hen Commis= saire mit dem Texte der von Santana vorgeschlagenen Friedens= Bedingungen zu Merida angekommen. Nach denselben sollen die Yukataner ihre Auflagen in der gegenwärtigen Form forterheben, und ihre inneren Verwaltungs - Vorschriften sollen auch künftig beobachtet werden. Jhre Truppen sollen Santana in seinen Kriegen mit dem Auslande beistehen, und eine Abtheilung mexikanischer Truppen soll in Laguna aufgenommen werden.

Der Capitain des Schooners „William Penn“, der si<h am 26. August zu Merida befand, 11 Tage nah dem Empfang von San- tana’s Ultimatum, berichtet, daß die Stimmung in Yukatan keines-= weges für Annahme der vorgeschlagenen Bedingungen war; man exr= wartete daher eine Wiederaufnahme der Feindseligkeiten, und die Re=- gierung traf bereits Vorkehrungen für das Eintreten dieses Falles.

Eisenbahnen.

“Lüttich, 4. Oft. Ein lebhafter Streit hat sich seit einiger Zeit zwischen den verschiedenen Organen der belgischen Presse über die unbede>ten Waggons erhoben. Die Einen wollen sie, im Junter- esse der Reisenden, ganz und gar ausgeschlossen wissen, die Anderen behaupten, man müsse im Juteresse der Verwaltung der Eisenbahn sélbst no< von denjenigen Waggons, die gegenwärtig bededt sind, die De>e abnehmen. Natürlich waltet bei Leßteren die Absicht vors E Reisenden zum Fahren in den theureren Char-à-bancs und Diligen=

R R blägt sogar vor, man cen zu nöthigen. Der Courrier belge s{lägt 1 en und solle au< no< die Bänke aus den Waggons heraus imt si< da- Rei Ten. Das C Ï de Liège U di Reisenden stehen lassen. Das Journa Auf wen würden die Un- gegen des Publikums an und entgegnet: - hlagenen Neuerung wohl annehmlihkeiten und Gefahren dieser vorges