1843 / 103 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

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Stuttgart, 4. t (D. A, Z.) Unsere Hagelschäden-Ver= cherung hat dur die leßten {weren Gewitter solhen Verlust er= litten, daß sie nicht über 36—38 pCt. ausbezahlen kann.

Hannover. Luneburg, 6. Oft, Mit dem heutigen Tage haben die Feld «Manöver des 10ten Bundes - Armee - Corps ihr Ende erreiht; morgen is Ruhetag und übermorgen werden die Waffen- Uebungen dur eine große Parade beschlossen. Gestern und heute waren die Manöver zum erstenmale durh das Wetter begünstigt. Auf den Gesundheits-Zustand der Truppen hat übrigens die bisherige ungünstige Witterung feinesweges einen besonders nachtheiligen Ein= fluß gehabt; die Zahl der Kranken is nicht größer, als sie gewöhn li< bei der Anhäufung großer Menschenmassen zu sein pflegt. Nächsten Montag werden die verschiedenen Kontingente wahrscheinlich bereits ihren Abmarsch antreten, da die Gerüchte über eine Verlänge rung der Kriegs-Uebungen sih nicht zu bestätigen scheinen.

Baden. Karlsruhe, 4. Oft. (K. Z.) Gestern gegen Abend ist das 2te Jufanterie-Regiment (Garnison Freiburg) zum Zwecke ge- meinschastliher größerer Uebungen mit den anderen Bestandtheilen unseres Armee - Corps in unserer Nähe, Mörsch und Forchheim, und beute das 4te Jnfanterie-Regiment (Garnison Mannheim) in Teutsch= und Welschneureuth eingetroffen und einquartiert worden. Am 7ten werden das 2te und 3te Reiter - Regiment (in Bruchsal und Mann heim garnisonirend) und das Zte Jnfanterie= Regiment ( Garnison Rastatt ) Kantonnirungs - Quartiere in hiesiger Umgegend beziehen. Am 9ten beginnen dann, nachdem Tags zuvor eine große Truppen {hau hier über das versammelte Armee-Corps abgehalten worden, die Gefechts - Uebungen. Solche werden von zwei einander gegen= über stehenden Corps, wovon das eine von Seiner Hoheit dem Markgrafen Maximilian, das andere von dem General-Major von Lasollaye befehligt wird, ausgeführt ; das Schiedsrichteramt is Seiner Hoheit dem Markgrafen Wilhelm übertragen. Das Terrain für die Gefechts-Uebungen, welche 4 Tage dauern werden, erstre>t sich gegen Baden hin, mit Hügelsheim als Endpunkt; am 14. Oktober werden die Regimenter den Rückmarsch in ihre verschiedenen Garnisonen antreten.

Franx ci 0.

Paris, 5. Okt. Der König und die Königin der Belgier sind heute in St. Cloud eingetroffen, wo Jhre Majestäten aht Tage zu verweilen beabsichtigen.

Jn dem zu Mâcon unter den Auspizien des Herrn von Lamar= tine erscheinenden Blatte, Bien pu blic, wird behauptet, Herr Gui= zot habe selbs vor zwei Jahren dem Könige von Griechenland durch Herrn Piscatory von der Verleihung einer Constitution abgerathen, und in Folge dessen sei damals das Kabinet Maurokordato’s entlaf fen worden, Die jeßige Revolution in Griechenland wird dann von jenem Blatte als das Werk des dur< Sir Edmund Lyons zu Athen ausgeübten englischen Einflusses und als eine entschiedene Niederlage der französishen Politik dargestellt, Auch das Journal des DÉ-= bats kommt heute wieder auf die griechischen Angelegenheiten zurü, und seine Aeußerungen scheinen mit den Behauptungen des obenge= nannten Blattes niht gerade im Widerspruch zu stehen. Das mini- sterielle Blatt sucht nämlich keinesweges glauben zu machen, daß die französische Regierung die Einführung einer Constitution mit dem Repräsentativ - System in Griechenland gewünscht oder anempfohlen / hättez im Gegentheil, es sagt: „Lange Zeit hindur< haben wir für Griechenland eine monarcische (soll hier heißen eine unumschränkte) | Regierung vorgezogen, weil wir hoffen, daß diese Regierung die | volle Thatkraft und Wirksamkeit haben würde, welche sie zu haben vermag. Nun aber, da die Sachen, wie es scheint, ohne daß das Fournal des Débats dies vorausgesehen oder geahnt, sich plöb= li< anders gewendet haben, ijt dieses Blatt mit einemmale zu der Einsicht gekommen, daß doch eine Repräsentativ = Regierung für Griechenland unter den vorhandenen Umständen ersprießlicher sein werde, und diese Erfahrung will es dur genauere Betrachtung des Charakters König Otto?s gewonnen haben, der, wie es scheine, zu bescheiden und zaghaft sei, als daß er die 1hm anvertraute Gewalt in ihrem ganzen Umfange hätte gebrauhen mögen, dem daher eine National - Versammlung vielmehr willkommen, als lästig sein, dem sie erst volle Festigkeit und volles Vertrauen geben werde, und dessen glüdlihe Eigenschaften sich nunmehr ungehindert entwi>eln würden. „Ob in den diplomatischen Noten, welche die Repräsentanten Frank

Englands und Rußlands an das Kabinet von Athen

reis, gerichtet ‘“/, sagt das Journal des Débats, „von Charten |

Blut-, Mord- und Wahnsinn - Scenen bombastisch werden. Das Wider sinnigste, was wohl in dieser Sphäre geboten werden kann, is die zwel. aftige Opera «emi-sériat Chiara di Rotsemberg; wozu Ludwig Ricci, Vlaestro di Musica zu Triest, die Musik geliefert und die am 9, Oktober zum erstenmale hier gegeben ward. Unter dem Personen - Verzeichniß heißt es: „L'azione è In un Principato sn11 Rheno nel Castello e adjacenze della Principessa Eusemia“ (Ort der Handlung: ein Schloß_am Rhein und dessen Umgegend, in Euphemien's Fürstenthum), Diese Fürstin Eu- phemie is die Gemahlin des Grafen von Rosenberg, und aus beíder Ehe ein Töchterlein Namens Klara entsprungen, die aber A Bi I ged N einem Abentheurer, Na- mens Montalban, als Klara von Montalban in Paris erzogen und im zwanzigsten Jahre mit einem jungen reihen Wittwer, dem Marquis von Valmore, verlobt wird. Letzterer hatte aus erster Ehe einen Sohn, und dieser wird in Valmore's Entfernung ermordet. Montalban isst der Thäter, auf Klara aber fällt der Verdacht und sie soll hingerichtet werden. Montalban befreit sie, und sie entwischt auf das Schloß Rosenberg's, wo sie unerkaunt unter dem Namen Olympia lebt, Hiermit beginnt die Hand- lung. Montalban triff auch auf jenem Slosse ein, glaubt, seine Qua|1- Tochter fónne ihn verrathen und entführt sie, Ein treuer Diener, der den H spielt, macht jedoch mit dem Wagen links um und bringt die Bräati lympia wiederum ins Schloß, wo, gerade eben, auch ihr früherer r u „französisher Botschafter“ (!! ) eintrifft , die vermeintliche Sara Fei E el und insultirt, Da erklärt denn endlich Graf Rosenberg, is ‘ager L und nicht Montalban's Tochter z Mutter Euphemia Vat jeyt in „vor Freude, daß sie eine Tochter besigt, Klara Ri Jes Interesse dabei, den Mörder, den sie bisher aus Kindesliebe geschont, länger vem Arm d G Lde Le i 41 : 2 er Gerechtigkeit zu entzie- hen, sie denunzirt ihn, die Häsch i © R : Häscher \{leppen ihn fort, und Klara und Valmore werden ein Pagr, Diese y| (i tes it : y \je vlanlose, verwirrte und demjenigen, der den Naubert schen Roman „Cla u ) : n „Clara von Montalban““, welcher der Handlung zum Grunde liegt, nicht kennt, vùlli L aur ; / N u Be nniî, ig unverständliche Skizze soll ein „lyrisches Drama“ sein! Es spielt in Deutschland, hat ab ichts N land, hat aber nich Deutsches, als den Namen Rosenberg an sh, d < nt den übrigen italienishen Eigennamen isolirt befi R LN e riads L h isolirt befindet und im Rheinlande feinem Donastengeschlehte angehörte, Es giebt dort wohl einen Rothen- berg (im Rheingau und der Sage nah {on unter Ludwig dem Deut- schen bepflanzt), ein Rosenthal (Vallis Rosarum), ein im Jahre 1170

| ¡hres Projekts unermüdet zu arbeiten.

von Dietrich, Ritter zu Wesel, gestiftetes Fräuleinstist an d i

anderes bei Worms; allein keinen Rosenberg. Daran fäme es freilih auch gar nicht an, wenn die Handlung nur nicht \o gründlich verfehlt wäre, in dèm Maße, daß Montalban gleich zu Anfang verräth, Euphemia sei Klara’s Mutter („Si vicina, et cara tanto a sna madre’’), während jene sich am Schluß er besinnen zu müssen scheint, daß sie einmal vor zwanzig Jahren eine Tochter besessen, welche ihr plöylich wie aus den Wol- fen zufällk. Ricc is Musik is eine solhe, die man nicht besser bezeichnet, als wenn man sagt, sie sei weder Fisch noch Fleish, Sie hat nicht einmal

und National-Versammlungen die Rede gewesen, wie ein griechishes Blatt behauptet, das is uns unbekannt. Wie dem aber auch jei, so viel is gewiß, daß die mit der unumschränkten Gewalt seit fast zehn Jahren in Griechenland gemachte Erfahrung niht so ausgeschlagen is, um den Schußmächten den Wunsch einzuflößen, diese Gewalt um jeden Preis zu erhalten, und diese indifferente Stimmung muß aus den diplomatishen Noten hervorgeleuhtet haben.“ Diese Wen= dung scheint fast darauf berehnet, den Vorwürfen der Oppositions= Blätter, welhe niht verfehlen dürften, das Ministerium über die Behauptung des Bien public zur Rede zu stellen, eini germaßen das Prävenire zu spielen, Die weitere Fortschrei tung wäre dann: wenn wir bisher uns nur indifferent in Be zug auf die Verfassungs-Frage verhielten, so sind wir doch jeßt von der Nothwendigkeit einer Constitution für Griechenland so vollkommen überzeugt, daß wir die Umwälzung mit Enthusiasmus begrüßen, denn sie wird die Abhülfe bringen, deren Griechenland bedurfte. Diese Abhülfe nun soll, dem Journal des Débats zufolge, in größerer Energie und Entschlossenheit der Verwaltung bestehen, denn diese allein, meint cs, habe Griechenland gefehlt; das Volk sei in seiner Agrikul tur= und Jndustrie-Thätigkeit, worin es bereits Außerordentliches geleistet, von der Administration nicht gehörig unterstüßt worden, es sei niht genug für die Aulegung von Wegen, Brü>en, Häfen und Schulen geschehen ; man habe zu viel gezögert und vertagt. Das Alles soll nun, wie das genannte Blatt mit Zuversicht erwarteï, Un- ter einer Repräsentativ-Regierung anders werden, womit freilih eine andere Ansicht desselben Blattes nicht ganz im Einklang zu stehen scheint, denn danach wäre schon viel zu viel organisirt worden in Griechen land und viel zu wenig an die Grundlagen gedacht worden, für die und auf denen organisirt werde. Ganz Europa““, sagt nämlich das Journal des Débats an einer Stelle seiner heutigen Betrachtun= gen, „ganz Europa, man darf es nicht vergessen, hat ein und denfsel=- ben Fehler begangen; es hat in Griechenland eine europäische Ver= waltung organisirt, ehe etwas zu verwalten (genauer: etwas, was Verwalteten ähnlich sah) vorhanden war,“

m WVaris, 5. Okt, Die Anhänger der Handels-Union zwischen Frankreich und Belgien haben sich dur das vorjährige Fehlschlagen ihrer Bemühungen nicht abschre>en lassen, an der Verwirklichung Die Nachricht, daß ein Agent der belgischen Regierung nach Paris gekommen is, um die unter brocenen Handels-Negociationen mit Frankreich wieder aufzunehmen, hat die Handels-Kammer von Bordeaux veranlaßt, in einem bejonde- ren Memoire unserer Regierung die Vortheile einer Handels Union mit Belgien aus einander zu seen, und sie aufzufordern, ungesäumt dieses Projeët in Ausführung zu bringen. Unter den Beweggründen, welche die Handels - Kammer von Bordeaux anführt, bemerkt man die Möglichkeit eines Handels = Vertrags zwischen Belgien und dem deutschen Zoll = Verein. Die Handels - Kammer von Bor= deaux i} der Ansicht, daß die Vortheile , welche Belgien aus einer engeren Handels =- Verbindung mit dem deutschen Zoll - Vereine ziehen würde, o augenscheinlich }ind, daß Belgien dann nimmermehr seine Blicke zurü> nach Frankreich wenden möchte. És verlohnt sich der Mühe, die Meinung, welche eine der eriten Handels -= Kammern von Frankreich hierüber äußert, näher kennen zu lernen.

„Man stüpßt sih““, sagt die Handels-Kammer von Bordeaux, „auf die Rortheile der Handels - Bilanz zu Gunsten Belgiens in dem heutigen Ber

| fehr mit Frankreich, um zu behaupten, daß Belgien , es geschehe, was da

wolle, bei dem gegenwärtigen Stande der Dinge keine Handels-Allianz mit Deutschland schließen kannz denn, sagt man, während der deutsche Zoll-Ber ein der belgischen Jndustrie wenig Produkte abnimmt, findet leßterer einen schr vortheilhaften Markt in Frankreich, Nichts ist leichter, als das Jrrige einer solhen Behauptung nachzuweisen.

„Wahr ist es, daß der Verkehr Deutschlands mit Holland und England gegenwärtig weit lebhafter is, als mit Belgien, und daß leßteres Land andererseits einen stärkeren Verkehr mit Frankreich, als mít Deutschland und England unterhält, Aber man nehme den Fall an, daß Belgien mit dem deutschen Zoll-Verein eine nähere Verbindung schließt; die Dinge gestalten si< dann ganz anders, Eine durchgreifende Revolution würde dann in den Bedingungen des belgischen Handels sofort eintreten, Antwerpen würde natürliherweise die Vorraths-Kammer der deutschen Zoll-Vereinsländer am Rhein werden z anstatt, wie gegenwärtig einen Theil der Kolonialwaaren zum inländischen Verbrauche aus Holland zu beziehen, würden die belgischen Schiffs - Rheder, in der Gewißheit eines vortheilhaften Absaßes in Deutschland, die Kolonialwaaren in den freien transatlantischen Län- dern selbst abholen und mit Kaffee, Baumwolle und Indigo die deutschen Zoll - Vereinsstaaten versehen, welche diese Handels - Attikel bisher den Holländern abkaufen. Belgien könnte die Wolle, welche es ge- genwärtig aus England bezieht, wohlfeiler in Deutschland kaufen, eben o die glatten Seidenstoffe, die es aus Frankreich, und die Wollen- und Baums-

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den Vorzug, daß sie, einige wenige Stellen abgere<hnet, melodiòs is; und an Charakter is dabei gar nicht zu denten, Montalban, ein Bösewicht im Sinne der neufranzösishen Melodramen, muß immer im Ton wehmüthigen Vater- cfühls singen G, Den Duett „Jo deplorai tua cruda sorte’’); in einem Terzett is der Mordlust, Tücke und Ehrlichkeit eine und dieselbe Weise zu getheiltz ja, wenn diese Nummer mit einer humoristischen Galoppade des treuen Dieners endet, fallen die beiden Verschwornen in den nämlichen hän selnden Ton ein, Hier ist also gegen die Grundbedingung der dramatischen Musik, daß sie individualisiren und charafterisiren müsse, durch eine un passende Generalisirung der Zustände und Persönlichkeiten \{hwer gesündigt, Es geht dies bei NRicci so weit, daß er einen Vcrbrecher , dem von einem braven Manne zugesungen wird:

ein harren große Chren,

ei, warer Freund, bereit,

Du gehs auf die Galeeren

Bald im Mairxosentleid

Da galeotto A marinaro. Amico caro, Adesso andrà

in der Replik:

Ci vuol bravnra Disinvoltura ; E poi mia vittima Colui cadrà in das triumphirende Juchhe des Letzteren einfallen und einstimmen läßt, Dieses „über“ Einen Leisten singen ‘“’ hat bei einer Stelle der Oper sein Gutes. Montalban sagt nämlich zum treuen Michel ; Verräthst Du mich, so steh? ih Dich nieder! und zwingt ihm den Dolch entgegen. Dieser antwortet nah dem nämlichen Schema und mit dem Stoizismus eines Tell: Vogel, ich kenne Dich, und trifft Dich diese Kugel nicht, o trifft Dich doch diese! und hält ihm dabei zwei geladene Sackpistolen vor, Als Parodie kann demnach eine solche Compositionsweise wirksam seinz soll sie aber in Wahrheit gelten, so sollte sie nur als eine Travestie aller musi- falischen Kunst bezeichnet werden, In dem Duett zwischen Klara und Valmore im 2. Akt (Ma verrà ; verrà il momento) hat sich Nicci an An- tonina’s legter Arie in „Belisar ‘““ etwas vergriffenz am Schluß desselben fängt er auch bei den Worten; Nella tomba il mio dolor Nur ín dem Grabe wird mein Herz Calma sol ritroverà Geheilt von seinem Schmerz

Donizetti? sche Thränen zu vergießen an, was ein neuerer italienisher Kom- ponist überhaupt nie unterlassen kann, wenn ihm nur das Wörtlein „iomba“ unter die Feder oder Taste kommt.

Sämmtliliche bei der heutigen Darstellung Beschäftigte, darunter na- mentlih au Herr Capitini in der unangenehmen Rolle des Mörders, gaben Cy solhe Mühe, das schwache Tonwerk zu halten, und nahmen ihre Kräfte \o zusammen, daß es ihnen gelang, es durchzusezen. Das Publikum erkannte ihre Leistungen dur<h mehrmaligen Hervorruf an, Sgra, Mal-

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Hier gilt es Muth bewähren Und Unbefangenheit z

Ihn werd? ih Schweigen lehren, Dem Tod sei er geweiht

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wollenzeuge, welhe es aus England und Frankrei bezieht. Ungeachtet des Vorzuges, welchen die französischen Weine behaupten, würden mit der Zeit, ihrer Wohlfeilheit wegen, die deutschen Rheinweine sie verdrängen, Ande- rerseits könnte Belgien außer den Kolonialwaaren seine Wolltücher, Maschi- nen, rohes und bearbeitetes Eisen, Waffen, gegerbtes Leder, Bücher, Pa- pier 2c. in Deuischland vortheilhaft absezen. In Folge einer engeren Handels- Verbindung zwischen beiden Ländern würde die französishe und englische Leinen-, Wollen- und Baumwollen-Jndustrie sowohl in Deutschland als Bel- gien allmälig verdrängt werden und ver Gewinn davon diesen zwei Ländern zu Gute kommen, Von dem Augenbli>, wo die deutschen Produkte frei nah Belgien eingeführt werden könnten, würden französishe und britische Waaren, die den Einfuhr-Zoll entrichten müßten, ungleich theurer zu stehen fommen, und feine Käufer mehr finden.

„Man muß daher si< wohl hüten, aus dem, was gegenwärtig in Belgien besteht, Schlüsse zu ziehen, man muß vielmehr erwägen, was ge- \chehen würde, wenn Belgien sih an den deutschen Zoll-Verein anschließen wollte. Allerdings findet sich Belgien durch seine geographische Lage, durch die Gewohnheit, und durch eine angeborcne Sympathie zu einer engeren Handelsverbindung mit Frankreich getrieben. Sein Verkehr bleibt wenig- stens theilweise bis zur Stunde so organisirt. Aber wenn es durch Frank reich gezwungen wäre, seine eigene Wohlfahrt im Verkehre mit Deutschland zu suchen, so würde man sehen, wie schnell es seine Kräfte in dieser Rich- tung entfalten kann. Da es selbst keine Kolonicen besißt, so würde es no< Brasilien, Cuba u. st#. w. seine S chiffe senden, um Zucker, Kaffee, Jn- digo, Färbeholz u. #. w. zu laden, und dafür seine eigenen Manufaktur» waaren abseßzen, Belgien würde auf diese Art nicht nux seinen Markt im Gebiete des deutshen Zoll-Vereins ausdehnen, soudern seine Handels-Vei bindungen mit den Tropen Ländern vermehren.

„Man wird zweifelsohne einwenden, daß, während Belgien \o seine Handels-Verbindungen mit Deutschland und anderen libersecis<hen Ländern aus3dchnen wollte, sein Verkehr mit Frankreich und England darunter leiden müßte, Wenn man aber die Natur des Handels Belgiens mit England und Frankreih wohl überlegt, so findet man, daß Belgien unter diesem Ge- sichtspunkte nicht viel zu fürchten hat. Es wird immer fortfahren, Frank reich mit Steinkohlen, Holz, Linnen, Mastoieh und Hopfen, und England mit Linnen und Färberinde zU verschen, weil es im Jn teresse der eigenen Judustrie dieser beiden Länder liegt, dergleichen Natur- vrodukte aus Belgien zu beziehen. Nur der wechselseitige Handel mit Manufaktur - Waaren würde sich vermindern, Das Defizit davon wäre aber dur< den zu Gunsten der belgischen Industrie über Deutschland und die transatlantischen Länder ausgedehnten Markt gar bald gededct. Man muß ein- für allemal der so irrigen Jdeen entsagen, daß Belgien aus schließend von Frankrei<h abhängt. Ein reiches, thätiges Volk, welches einen fru<tbaren Boden bebaut, ein treffliches Transport-System und be queme Handelsstraßen besitzt, und liberdies vortheilhaft gelegene Seehäfen izne hat, kann nie und nimmermehr von cinem Nachbarstaate ausschließend abhängen. Die wechselseitigen Verbindungen zwischen Frankreich und Belgien sind eben so zahlrei, als beiden Ländern nüßlih, aber Belgien tónnte sie denno< leiht erseyen. Es liegt so schr im politischen als im öfkfonomishen Junteresse Frankreichs , daß so etwas nie erfolge. Trankreih darf der falschen und egoistischen Ansicht jener Anhänger des Prohibitiv - Systems nicht trauen, welche si einbilden, daß Bel gien absolut nothwendig hat, seine Handels - Verbindungen mit uns zu be wahren, und daß man daher der belgischen Industrie jede Handels-Erleich- terung, welche den Verkehr zwischen beiden Ländern beleben könnte, unge straft verweigern darf, Die französische Regierung würde sehr übel daran thun, eine so eigennüßige Politik, die sich so wenig für eine große Nation ziemt, befolgen zu wollen, denn die Ersahrung würde gar bzld solche Täu hungen zunichte machen.“

So spricht die Handels - Kammer von Bordeaux über die Han dels-Verhältuisse Belgiens zu dem deutschen Zoll-Verein. Der Kom- mentagr dazu ift leiht zu machen.

Grossbritanien und Arland.

Loudon, 4. Oft. Ein seltsamer Handel beschäftigt seit einiger Zeit die hiesige Börse. Die Herren Lizardi und Comp. wei- gern si, nit nur die Octoberdividenden der merifauischen Anlehen ganz zu bezahlen , indem sie behaupten, nicht mit hinreichenden Fonds versehen zu sein, sondern sie haben auch bei Gelegenheit des dadurch entstandenen Streits die Summe der mexifanishen Schuld auf 5,500,000 Pf. St. angegeben, während nah frühern Angaben die selbe nur 5,400,000 Pf. St. betragen sollte, wona für 100,000 Pf. weitere Papiere ausgegeben wurden, Schon das Faktum selbst hat Unwillen erregt, und man war mit der Erklärung der Herren Lizardi und Comp., daß es im Einverständniß mit der mexikanischen Regie rung und zur Regulirung der Agentschastsprovisionen geschehen sei, feinesweges zufrieden. Jebt hat aber die Sache auf einmal ein ganz anderes Aussehen erhalten, indem der merifanis<he Geschäftsträger auf die Seite der Fondsbesiber getreten ist, und nicht nur behauptet, das Haus Lizardi habe hinreichende Fonds zur Bezahlung der im Oktober fälligen Zinsen erhalten, sondern au< Einsicht in die Bücher des Hauses verlangt haben soll, die ihm jedoch abgeschlagen worden

vani, welche die Chiara, eine Art Straniera, gab, hat keine Gelegenheit verabsäumt, die ihr in den Mund gelegten Melodieen-Anflüg e kunstmäßig unsere Ohren umflattern zu lassen;z wir rechnen hierzu die Scene mit Chor (Sin quest’ alma iventurata) und ihr Abfchied (Ah, di Chiara la memo- A On Oodlate .. . DGP piectà), Jhr Spiel blieb edel, felbst wenn sie die von dem Dichter vorgeschriebenen Konvulsionen (ella cade convulsa va deperendo „sie verfällt in Zuckungen ‘“‘!! und sinkt dann in tiefe Ohumacht) uns nicht zu sehen gab. Der Primo Tenore, Sgr. Giuseppe Bianchi, debütirte als Marchese di Valmore. Die Partie gehört zu den minder bedeutenden, giebt gber einem Sänger zweimal Gelegenheit, seine Fähigkeiten zu zeigen, Valmore tritt mit Pomp und unter dem Festmarsch einer Banda auf, und singt, zur Begleitung eines doppelten Orchesters, eine Arie von Ruhm und Heldenmuth (11 nobile ardore di eloria, d’onore). Hier erkannte man wohl den fertigen, mit s{önen Mit teln begabten Sänger, merkte aber au, daß derselbe seither gekränfelt habe und unter dem sichtbaren Einfluß der auch seine Mimik \{<mälernden Aengst- lichkeit vortrage, weshalb die Basis zu einem festen Urtheil über ihn sich noch nicht gewinnen ließ z bei der rein lvrishen Stelle im Duett des zweiten Akts, wo er Klaren die Bilder ihres früheren Liebesglüds zurücruft (Eppur sento a quell’ accenzo) merkte man {on mehr, daß man cinen braven Sänger vor sich habe, als welhen wir denselben immer mehr und mehr fennen zu lernen hoffen. Der neue Baßbuffo, Sgr, Simone (Grand!î, welcher in Jtalien für einen Matador seines Faches gilt, debütirte als Micheli, und gefiel so, daß er mehrmal gerufen ward, Die Stimme ist nicht frei von Schroffem , und für den bescheidenen Umfang des Saales noch nicht genug bemessen, hat aber, troy der Stoffmasse- viel Schmieg- und Fügsamkeit, so daß das häufige windschnelle Geplapper, worin italieni- {e Komponisten nun einmal die Force ihrer Komik legen zu mussen glau- ben, immer rund und rein herauskam, Tie erzählt, die englischen Komi- fer trieben es im Schnellvortrag #0 weit, daß ein Ausländer sie gar nicht mehr verstehen könne und die Rede sich anh®re, ivie wenn Erbsen durch eine Blechbüchse gerollt würden, Wären die vom Textdichter dem Micheli, einem Namens- und Sinnes-Verwandten des „„Wasserträgers““, in den Mund ge- legten Buffonaden nur nicht ga? so geistlos (er muß sogar das Seufzen und Stöhnen einer Kranken nachmachen), so würde Herr Grandi gewiß noch mehr erwirkt haben. Daß er »Lupum in fabuJ]am“ sagt, soll ein Wiy sein! (Aehnlich läßt Frau Birch-Pfeiffer im Pfefferrösel stati „Periculum in mora“ sagen: „Pericles in Morea“.) Jm Zntroitus hatte Herr Grandi ein Loblieb auf Berlin zu singen, welches jedoch so formu- lrt werden zu sollen scheint, daß es aller Orten, wo die Oper gegeben wird, als captatio benevolentiae eingeschoben werden kann wenigstens paßt der Ausruf: „Che bel corso!“ nicht für unser Berlin, das zum Glü ein so langweiliges Vergnügen, wie das in Reih-und-Glied-Herum- fahren auf einem Corso, noch nicht kennt, i,

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sei. Die Kommentarien dieser Geschichte sind, wie man si<h denken fann, für das Haus Lizardi nicht sehr günstig. Eine General-Ver sammlung der Jnhaber mexikanisher Fonds ist zum 6. d. M. zusam- menberufen.

Ju Rosshire in Schottland haben die Gemeinden an mehreren Orten sih gegen die an Stelle der aus der \hottishen Kirche aus- geschiedenen Geistlichen neu ernannten Prediger aufgelehnt, die Kir= <en verbarrifadirt und den Geistlichen den Zutritt dazu verweigert. Die Polizei mußte einschreiten, und die Aufruhr-Afte wurde verlesen. Da dies indeß ohne Erfolg blieb, so wurden von Aberdeen aus 200 Mann Militair nah Rosshire beordert.

Aiederxrland t. z

C Mastricht, 4. Okt. Der Wind, welcher in unserer nal - Repräsentation herrscht , ist vielen Schwankungen unterworfen, Er scheint jeyt die atmosphärische Temperatur nachzuahmen. Unsere Deputirten hatten ein großes Geschrei erhoben, weil der JZusliz- Mi= nister interimisti}< das Portefeuille der Finanzen übernahm; weil der Minister des Jnnern interimisti\< im}Besiß des Portefeuilles der auswärtigen Angelegenheiten war; sie hatten den beiden Ministe rien gedroht, ihren Finanz Projekten si<h zu widerjeßen, ihre Ausgabe= Kapitel nicht zu genehmigen und andere ähnliche Dingez_- und siehe da, plößlich gehen aus ihren Berathungen zwei für die Ministerien der auswärtigen Angelegenheiten und der Justiz günstige Vota hervor ! Rer würde dies vorhergesagt, wer es geglaubt haben? Jn der That, das Kapitel für die auswärtigen Angelegenheiten ist mit 34 gegen 20 und das der Justiz, gegen das man o viel Lärm gemacht, mit 36 gegen 19 Stimmen angenommen worden, Welche Meinung, welche Partei kann bei einer solchen Veränderlichkeit noch auf die Repräsentanten zählen? Auf der einen Seite scheint dies ganz gut, weil die Parteien nit Zeit haben, si zu konsolidiren ; aber auf der anderen Seite wissen die Regierung und die Nation nicht, woran sie sind. Wie dem auch sei, zwei Kapitel des Budgets, für welche die Minister so sehr fürhteten, sind mit ziemlih starker Majorität angenommen worden, obgleih unsere größten Redner so großen Widerwillen dagegen an den Tag legten.

Durch Privatbriefe is die, wenn au<h wahrscheinliche, doch noch der Bestätigung bedürfende Nachricht hier eingegangen, daß dem Kö- nige die Ernennung eines neuen Finanz Ministers zur Bestätigung vorliege z dieser Staatsmann is der Herr Holtius, General Inspektor der Finanzen in der Abtheilung für die direïten Steuern u, 5 W. Die frühere Wirksamkeit des Herrn Holtius wird allgemein aner fannt, und alle Meinungen würden ohne Zweifel seine Ernennung billigen, In 24 Stunden werden wir wissen, woran wir in dieser Beziehung sind, Wenn diese Ernennung eines Finanz-Ministers den Kammern während ihrer beiden leßten Abstimmungen mitgetheilt wor den ist, so ließe sih das Umschlagen der Opposition vielleicht bis zu einem gewissen Punkte erklären. |

Dm Allgemeinen bemerkt man leider unter den Mitgliedern der zweiten Kammer eine unbegreifliche Divergenz der Meinungen, und zwar bei Fragen, wo Alle von Gefühlen beseelt sein sollten, die ihrem Charafter und den Umständen, in denen wir uns befinden, angemessen wären. Die Reden unserer Deputirten enthalten \o unzusammenhäu= gende Jdeen über den Zustand der Angelegenheiten und über die Be dürfnisse des Staats, daß, wenn man sich an die Worte dieser langen Reden hält, man nicht weiß, was man davon denken soll. Noch ‘nie hat man eine sto wenig homogene parlamentarische Versammlung ge sehen. Man hat sogar gehört, daß ein Deputirter agte er erfläre si<h gegen das Budget, weil er die Ersparungen der Regierung nicht billigen könne.

Man muß indeß gere<ht sein; es giebt Ersparungen, die den Regierungen nachtheilig sind, und diese müssen erläutert werden, wie es Herr Sconeveld in Bezug auf das Departement der auswärtigen Angelegenheiten gethan hat. Wenn die Schlachten, sagte dieser aus gezeichnete Reduer , niht mehr das Schicksal eines Staates entschei den, so muß die Klugheit als Schiedsrichter an deren Stelle treten und deshalb können fehlerhafte Ersparungen im Departement der auswärtigen Angelegenheiten niht wieder gut zu machendes Unheil über den Staat bringen. Die Prinzipien der Weisheit können nicht gemißbilligt werden; und wegen solher in der Verwaltung dieses Departements geforderten Ersparungen hat Herr Schoueveld gegen das angenommene Kapitel gestimmt, Die Annahme des Kapitels für die auswärtigen Angelegenheiten verdankt man zum Theil der treff lichen Rede des interimistis<hen Ministers, welcher den Niederlanden diejenige Stellung anwies, auf die sie unter den europäischen Mächten Anspruch machen können,

erer Natio=

Pan eN.

Varis, 5, Okt. Telegraphische Depeschen aus Spauien.

Bayonne, J E i Die bis jeßt bekannten Wahlen in den Provinzen sind zum Vortheil der parlamentarischen Partei ausgefallen. (Fs sind dies die Wahlen von Ciudad = Real, Guadalajara, Toledo Murcia, Albacete, Cuenca, Salamanca, Avila, Segovia, Valladolid, Die Opposition hat zwei Deputirte zu Burgos erlangt, wo eine zweite Wahl stattfinden wird, die Deputation zu fompletirenz auch zu Za mora, wo die Operationen ohne Resultat blieben, fommt es Zur zweiten Wahl. j e Bayonne, 4. Oft. Die parlamentarische Partei hat bei den Wahlen in Murcia die Oberhand behalten. Graf Parsent und drei andere Kandidaten der Opposition sind zu Saragossa als Deputirte gewählt worden, woselbst eine zweite Wahl vor sih geben wird, um die Uste der Deputirten zu kompletiren. i i i I Ika L Dn ist gestern mit 5000 Mann JIn= A E eitern un O Geschüßen in Figueras eingezogen und on den Einwohnern mit Enthusiasmus aufgenommen worden.

L K L A Di Lt , c v e: E A Paris, 5. Oft, Die ministeriellen spanischen Blätter fin s dem Juteresse der Regierung entsprehend, die Bevölkerung

bon C A ; x i on Catalonien, und insbesondere von Barcelona, gegen den Vorwurf |

des Andi Ch araltor É é Ss) Vel Charakters und des agufrührerischen- Sinnes zu ver H 4 , a A nicht vom Provinzial-Geiste, sagt der Corresponsal, iet C A ellen unsinnigen Pronunciamiento za Gunsten Werk von Ae tie le Provinz verleugnet das Pronunciamiento als das zuschüßen ; Barcelo ie nicht das mindeste Recht haben, ihren Namen vor- wohner; Reus E verleugnet es dur die Auswanderung seiner Ein- seinen am 12, Juli ugu! es durch die Vertreibung der Tollköpfe, welche Ruhm befle>en Noflteite die Vertheidigung gegen Zurbano) erworbenen séiner Ünterdrü>ets n tartorell verleugnet cs durch die Gefangennehmung Aherblötutigen, wen Aas Ortschaften verleugnen es durch die Hülss- der wahre Charakter der e on Generalen der Regierung machen. Das ist welche die Aufrührer hasser alonischen Provinzen, welche den Frieden lieben, herigen Regierungen die En „Und die es müde sind, zu sehen, daß die bis- Belohnungen und Schmieichelein L nur unbestraft gelassen, sondern auch „Oder wird etwa der catalonische vershwendet haben. _

ten, welche sih der wohlhabende e Charakter dur<h die Junten vertre- Weise Tausende von Piastern u Leute bemächtigen und ihnen unbefugter erschießen drohen , oder sie wirklich een, welche die friedlihen Bürger zu die Erzählung einer ihnen mißfälligen That lassenz welche Todesstrafe auf

wand ; tsache Reya pantien un Zerunden ibrer Sdlaopser Velten Muh baben, um C en zu bitten, s{were Geldbußen auflegen? Wenn es

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ein Volk mit solcher Sinnesart gäbe, #0 müßte es verschwinden, so müßte

es in alle Welt zerstreut werden wie die E S

Der Corresponsal legt die Schuld für die revolutionairen Aus\hweifungen in Catalonien bloß einer Handvoll Unruhestifter zur Last, welche er mit unerbittlicher Strenge gezüchtigt wissen will, während er für die Provinz selbst die größte Milde und Schonung verlangt.

Der Ausstand macht übrigens fortwährend Rückschritte in Cata- lonien. Amettler hat seit seiner Niederlage bei San Andres del Palomar das Vertrauen der Catalonier eingebüßt; er is in Gerona sehr übel empfangen worden und es erheben sih sogar einzelne Stim- men, welche ihn des Verraths bezüchtigen, weil er an jenem Tage der Abtheilung Martell’s nicht zur rechten Zeit mit dem Haupt-Corpys zu Hülfe gekommen. Amettler steht fortwährend mit etwa 4000 Mann in Gerona, wo er dem über Figueras heranrüd>enden General Prim Stand halten zu wollen scheint. Der Oberst Riera, den Amettler mit 600 Mann nah Sabadell geschi>t hatte, um daselbst Kriegs steuern zu erheben, is von der Bevölkerung o übel aufgenommen worden, daß nicht nur seine ganze Sendung vereitelt wurde, son dern daß er selb| mit dem größten Theile seiner Soldaten in die Gewalt des Feindes gefallen sein soll. Auch ein Versuch, die kleine Fabrifstadt Tarasa dur die Absendung einer Abtheilung von 150 Mann in die Bewegung hineinzuziehen, is an dem entslossenen Wi derstande der Einwohner gescheitert.

Die Ankunft des Generals Sanz in Barcelona soll eine große Bestürzung unter den Jusurgenten verbreitet haben, welhe die Apa thie des Generals Araoz als ein wichtiges Element ihrer Siegeshoff- nungen in Rechuung zu bringen angefangen hatten. „Die Junta“, sagt der Phare des Pyrénées, „verzweifelt an ihrer ‘eigenen Sache, aber sie handelt, als ob sie entschlossen sei, den Widerstand bis auf das Aeußerste zu treiben. So läßt sie Lebensmittel und Kriegsbedarf in der Kathedrale aufläufen, die sie zu ihrem lebten Bollwerke ausersehen hat.“ | /

Jn dem Zustande von Saragossa is keine wesentlihe Verände rung vorgegangen. Die Stadt ist von dem General Cañedo eng eingeschlossen, aber der Muth ihrer Bevölkerung, oder doch ihrer Junta, ist, wie aus einer vom 25sten v. M. datirten Proclamation derselben au die spanische Nation hervorgeht, noch keinesweges gebrochen,

Die madrider Oppositionsblätter sprechen übrigens kaum in einem milderen Tone von der Regierung des Ministeriums Lopez, von ihrem Ursprunge und von ihrem Wirken, als die aufrührerishe Junta von Saragossa. Das Eco del Comercio zum Beispiel erklärt, daß Spanien seit dem Tode Ferdinand's VII, kein so unfähiges, inkon sequentes, von fremdem Einflusse abhängiges und für die Jnteressen der Nation verderbliches Ministerium gehabt habe, als das Ministerium L0Pe 3.

“Das Volk“, fährt das Eco del Comercio fort, „duldet alle Leiden einer militairischen Diktatur, welche dem Ministerium befiehlt, wie ein Kor- voral den Rekruten, die er einübt. Diese diktatorische Gewalt (die des (Be- nerals Narvaez) liegt aber ihrerseits wieder auf den Knicen vor einem frem- den Diplomaten, dessen Befehlen sie unbedingten Gehorsam leistet, Das Ministerium Lopez ist gesezwidrig dur seinen Ursprung, gesehwiduig in allen seinen Handlungen , es 1 zum Betrüger an denen geworden, welchen es seine Crhebung verdanitt, es hat seine Versprechungen gebrochen, es hat seine eigenen Grundsäße verrathen , es hat das spanische Volk in das Chaos gestürzt, es hat Blut vergossen, und nicht blos seine Wiederherstellung hat Blut gekostet, sondern es nährt sich auch noch alle Tage mit Blut. Das Ministerium Lopez wird cin Makel in unserer Geschichte bilden, und es wird für die ärgste Plage gelten, von der die spanische Nation jemals befallen worten ist.“

Was hat das Eco del Comercio Schlimmeres gegen die Regierung Espartero's gesagt, zu deren heftigsten Gegnern es doch evor ver freilih, es bereuet in diesem Äugenbli>e bitter, daß es zu dem Sturze des Regenten beigetragen, würde indessen wahr \heinli<h auch bald wieder bereuen, daß es zu der Wiedereinsetzung desselben mitgewirkt hätte. s

Dorludgai.

A Lissabon, 25. Sept. Die Königin wird mit ihrem erlaudh ten Gemahl einen furzen Ausflug nach der Provinz Alemtejo machen, alle Vorbereitungen zu ihrer Abreise werden am Hofe bereits getroffen, und in den Städten, welche die hohen Herrschaften dabei berühren verden, bereitet man si< zu ibrem würdigen Empfange vor. Wie man hört, werden Jhre Majestäten bis Evora, Villavicosa und Porta- legre gehen, weshalb bereits von der Regierung Befehle gegeben worden sind, die Straßen in dieser Richtung in der größten Elle in einen möglichst fahrbaren Zustand zu verseßen, dur< Vornahme der am dringendsten erscheinenden Reparaturen. Leider bedarf es solcher außerordentlichen Anlässe hier zu Lande, che man bisher daran gedacht hat, etwas für die im erbärmlichsten Zustande befindlichen Straßen zu thun, Der Besuch der Königin in der Provinz Alemtejo wird also auch in dieser Beziehung erfreuliche Wirkungen hervorbringen.

: Der Minister Herr Costa Cabral liegt schon seit einiger Zeit frank darnieder, und es \ceint no< keine Hoffnung für seine so bal dige Wiederherstellung gegeben. .

Die Ruhe i} bis jeßt in Portugal nicht gestört worden, wie

wohl man viel von Komplotten und Vershwörungen reden hört. Das zu Porto erscheinende Blatt P obres spricht von einer solchen zu Gunsten der Verfassung von 1838; das sechste zu Estremoz ste hende Regiment soll der Hauptheerd derselben gewesen sein, Aber die Regierung kam dem Ausbruche derselben zuvor, indem mehrere als Rädelsführer angesehene Offiziere festgenommen wurden. In der Provinz Alemtejo sollen gerade jeßt Junten si< bilden, die sich Re generadoras nennen, und mit den von Syanieu herübergekommenen Anhängern S im Einverständniß zu sein scheinen. Zur- bano ist im Begriffe, nah Palencia abzugehen, das ihm von der Regierung zu Madrid zum Aufenthaltsorte angewiesen ist, Die Unterhandlungen der diesseitigen Regierung mit der päpst- lichen wegen Unterdrückung der Bisthümer Quinhel, Castello Branco, Beja und Aveira sollen geschlossen sein, und die betreffenden päpst- lien Bullen demnächst eintressen. :

Griechenland.

Die Allgemeine Zeitung enthält ein Schreiben aus Athen vom 21. September, dem wir, zur Vervollständigung des bereits Gegebenen noch Folgendes entnehmen: Jn dem großen weitläufigen Palaste waren der König und die Königin sozusagen allein. Die meisten Adjutanten waren verreist oder sons abwesend; nur Grivas, Kolokotronis und der Oberst Heß befanden si<h daselbst. Der Erst- genannte ward sofort abgesendet, um das Militair herbeizurufen z allein Kalergi ließ ihn fsogleih festnehmen, als er dem Geschrei nah der Verfassung si< anzuschließen weigerte; erst nachdem er sein Chrenwort gegeben hatte, keinen Schritt gegen die Constitution zu thun, ward er wieder in Freiheit geseßt. Eine gleihe Behandlung erfuhr Kolokotronis, Der König sendete hierauf seinen Ordonnanz= Offizier Frhrn. von Steinsdorf nah der Artillerie=- Kaserne, um zur Vertheidigung des Schlosses eine Batterie herbeizuholen, Der kom- mandirende Offizier meinte, daß er anderen Befehlen zu gehorchen habe, ließ bei diesen Worten einspannen und die Batterie auf den Play führen, wo die Kanonen \harf geladen und mit brennenden unten gegen das Palais gerichtet wurden. Daß der König hierauf si< gezwungen sah, die Proclamation zu unterschreiben, is Ihnen be- fannt. Er hat die Constitution nicht beshworen. Der Redelaut war:

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ih bewillige, Säbel. _Da das einzuführende Verfassungs - Denkzeihen niht \o schnell verfertigt werden konnte, so ward vom Diktator Kalergi angeordnet, daß vorläufig ein rothes Baud getragen werde, und die Kaufleute, die so glü>lih waren, Vorräthe von rothen Bändern zu besißen, ver= kauften dieselben zu übertriebenen Preisen. Die Schreier ließen große Rosetten daraus bilden, die Gemäßigten begnügten sich mit einem fleinen Ende am Knopfloh, und die Furhtsamen oder im Stillen Unzufriedenen tragen es der Art, daß sie es nah Belieben zeigen oder verbergen können. Die Constitution is, so weit unsere bisherigen Berichte reichen, in den Provinzen überall mit Jubel und ziemlicher Ruhe aufgenommen worden. Nur in der Gränzfestung Lamia soll es zu Thätlichkeiten gekommen sein, in deren Folge 60 Mann theils ge- tödtet, theils verwundet worden seien. Jch mag diese Nachricht je- doch niht verbürgen, wiewohl sie aus sonst guter Quelle kommt. Jn Nauplia wollte der Kommandant der Besaßung, Oberst - Lieutenant Fabricius (ein Philhellene), die Constitution niht eher beschwören, bis er amtli<h dazu vom Kriegs - Minister oeraulaßt würde. Er ward verhaftet und Rodius erhielt das Kommando. _ Kalergi entließ alle unehrlihen Pächter, die dem öffentlichen Schaß beinahe 10 Millionen Drachmen schulden, aus dem Ge- fängniß. Als Makronjanni dies erfahren hatte, sprah er zu seinen Palifaren: was RKalergi thut, kann ih auch; und mit diesen Worten marschirte er nah dem Kriminal-- Gefängniß, wo über 60 Mörder, Räuber und andere Verbreher waren. Glücklicherweise erfuhr dies Kalergi no< zeitig genug, um sih dem unsinnigen Vorhaben zu wi=- derseßen. Der König, von allen seinen Freunden getrennt, wollte im ersten Augenbli> auf die Krone eines Volkes, das von Deutsch=- land nur Wohlthaten empfangen, verzichten. Allein die Kö= nigin und die fremden Gesandten ermuthigten ihn, auszu= harren und der Anarchie, die vor der Ankunft der Regentschaft wild genug gehaust hatte, uicht wieder die Zügel in die Hände zu geben. Es ist durchaus nicht wahr, was einige ausgesprengt haben, daß man von Sr. Majestät verlangt habe, si zur griechischen Religion zu befennen und von der Königin scheiden zu lassen. Das Benehmen des Königs und der Königin war musterhaft, würdig, ja man kann fagen herois<. Ueber die Zukunft läßt ih für jeßt noch wenig sagen. Die Gemüther sind natürlih no< sehr aufgeregt, doch herrsht hier vollflommene Ruhe. Ein jeder geht freilich bis an die Zähne bewaffnet durch die Straße, doch sind bisher nicht die geringsten Exzesse verübt worden. Die National-Versammlung, die am 15. Oktober statt haben sollte, i bis auf den 15. November verschoben worden.

Kalergi stand vor seinem Souverain mit gezogenem

Landwirthschaftliches aus dem fraufkfsurter Regierungs-Bezirk.

Unter den verschiedenartigen Vereinen, welche die nah Jahrhun=- derten wieder erwachte Macht des Affsociationsgeistes in den deutschen Ländern , insbesondere auch in Preußen, während des leßten Decen= niums hervorruft, nehmen die landwirthschaftlichen einen ausgezeich neten Rang ein. Deren Entstehung, nunmehr wohl in allen Pro- vinzen unseres Staates, gehört, mit Rücksicht wenigstens auf ihre Bedeutsamkeit und Zahl (es find deren jeßt über zweihundert) größ=- tentheils doch erst der neuesten Zeit an, wenn schon die Landes-Kul- tur = Geseßgebung vom Jahre 1811 ausdrüd>li< zur Stif- tung landwirthschaftliher Vereine aufforderte, auh von dem höheren Gesichtspunkt ausging, daß die Regierung der land= wirthschaftlichen Vereine als mitwirkender Kräfte für die Be= förderung der allgemeinen Landeskultur und mit ihr der öffentlichen Wohlfahrt überhaupt, wesentlih bedürfe. Jn diesem Sinne und Geiste, auf der geschichtlichen Grundlage des Landes-Kultur-Edikts vom 14. September 1811 und der darauf fortgebauten Entwi>elung der ländlichen Verhältnisse, gewannen jene Vereine von vorn herein einen allgemeineren und bedeutenderen Standpunkt, welcher ihre Be= strebungen viel mehr der Besörderung des Gesammtwohls zuwendete, als dem nächsten unmittelbaren Nuben der einzelnen verbundenen Mitglieder. Mit der zwar 1811 angekündigten, doch in neuester Zeit erst erfolgten Errichtung des Landes-Oekonomie-Kollegiums trat eine erheblihe Vermehrung und Erweiterung in der Zahl neuer Vereine ein. Bei den Aussichten, welche bereits das Landes-Kultur=Edikt mit dem Landes - Oekonomie Kollegium und dessen Verhältniß zu den Vereinen, für alle landwirthschaftlihen Gewerbs-Genossen verknüpft hatte, hien dessen Einführung an si< schon die Erfüllung vou Hoff=- nungen und Wünschen zu verwirklihen, welhe bewußt oder un= bewußt als Zeichen einer glüd>lih fortschreitenden Gegenwart, no< mehr aber als Vorboten einer bedeutenderen, an Erfolgen noch reicheren Zukunft betrachtet werden dürfen. Zwar bestanden auch in früherer Zeit einzelne kleinere Vereine; zu den wichtigeren gehörte die märkisch - öfonomische Gesellschaft zu Potsdam, deren Entstehung {on aus dem vorigen Fahrhundert datirt. Jhre Vereinzelung, der Mangel an Zusammenhang mit einem größeren Ganzen, eine man=

O wie die Scheidung zwischen Theorie und

gelhafte Organisation, praftischem Leben , ließen indeß jene Vereine weniger frucht= Erst im Zusammenwirken mit

bar für das Allgemeine werden. anderen Vereinen, bei zwe>entsprehender Organisation, welche

Kräfte und Mittel zu gemeinnüßziger Thätigkeit konzentrirte, den Ge=- sichtsfreis dafür erweiterte, eine lebendige Regsamkeit und Wirksam= feit im Jnnern und nah Außen anzuregen und fortdauernd zu er- | jar, ftonnte auch von den landwirth\chaftlihen Vereinen eine umfassende, und in die Tiefe, au nah unten hin, ge= hende Einwirkung, ebensowohl für die Verbesserung der Landes-Kul- tur, als für die der gesellschaftlihen Zustände und selbst für die sitt- liche Veredlung und Erhebung aller und namentli der den niederen Ständen angehörigen Gewerbsgenossen erwartet werden. Dies wurde von den einzelnen bereits bestehenden Vereinen des frankfurter Regierungsbezirks, und außerdem von anderen, vom Beruf der Zeit, auch in Bezug auf jenes Gebiet, exfüllten Männern erkannt. Es wurde das Bedürfniß lebhaft empfunden, alle zur Ent= wi>kelung der Fortschritte im landwirthschaftlihen Gewerbe, wie in den damit eng zusammenhängenden sozialen Verhältnissen, berufenen Jun- telligenzen und Kräfte für jene Zwe>e zu gemeinsamer und entschie- dener Wirksamkeit zu vereinen. Den obwaltenden Verhältnissen ge- mäß, konnte sich diese Vereinigung damals nur auf einen Regierungs- Bezirk beschränken. Sollte nun gegenwärtig aber eine gleiche Or=- ganisation des landwirthschaftlichen Vereinswesens im potsdamer Regierungs-Bezirk nahe bevorstehen, so dürfte die von der Staats- Regierung gewünschte provinzenweise Centralisation dieser land=- wirthschaftlichen Vereine, auch für die ganze Mark Brandenburg mit Einschluß der Nieder-Lausib, wohl bald zu erwarten sein,

Wenn die landwirthschaftlichen Associationen unbestreitbar den be- deutenderen Erscheinungen im Vaterlande beigezählt G welche für die fortschreitende Entwi>elung seiner gese stände, seiner geistigen, wie materiellen Juteregat nit

denden Einfluß bleiben werden, so nimmt an gew 6 richtung und Fortbildung der einzelnen Vereine zuglei <. Des

, u. nere Theilnahme und Aufmerksamkeit des Landes ín Anspr