1843 / 118 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

5. teu. Die erste der drei Ershütterungen war heftiger als E Ee Zwei ähuliche Stöße erneuerten sich um halb 8 Uhr Abends und um die Mitternachtsstunde. Am 1. Oktober hatte ein Erdbeben um halb 12 Uhr Vormittags und um 5 Uhr 50 Minuten Abends statt, und gestern um 2 Uhr 40 Minuten Morgens erzitterte die Erde in vertikaler Richtung und so heftig, daß sie von den Fi- sern, welche unterhalb der Felsen von Locroma sich auf dem Meere befanden, deutlich wahrgenommen ward. Von jenem Augenbli>e an sind im Allgemeinen keine Erdstöße verspürt worden, wiewohl Einige be= haupten, deren mehrere wahrgenommen zu haben. Durch die Wie- derkehr dieser wiewohl nicht sehr heftigen Erderschütterungen litten die Gebäude in ihren Grundlagen no< mehr, und die in den ersten Tagen verursachten Beschädigungen erweiterten sich, so daß keine der in den Umgebungen von Gravosa weilenden Familien sih getraute, in die Stadt zurüczukehren, so lange die nöthigen Restaurirungen niht ausgeführt sind. Leider können leßtere nicht so schnell bewerk= stelligt werden, indem bei einer solchen Ausdehuung des Geschäftes es an Menschenhänden fehlt und, was noch mehr, das Eisen man= gelt, dessen mau zur Befestigung der geshwächten Theile und zur

Rerbindung der geborstenen so unerläßlich bedarf.

Russland und Polen.

St. Petersburg, 19. Okt. Se. Majestät der Kaiser is am l6ten d. und der Großfürst Thronfolger am 15ten, beide in vollkom menem Wohlsein, von Moskau wieder in Zarskoje=Selo eingetroffen.

Die Zeitungen enthalten das Programm für das bei der Taufe des Großfürsten Nikolaus Alexandrowitsch zu beobachtende Ceremoniell. Der Beichtvater Sr. Majestät des Kaisers wird die Taufhandlung verrihten, und Taufzeugen sind Se. Majestät der Kaiser, Se. Kö= nigl. Hoheit der regierende Großherzog von Hessen, Jhre Königliche Majestät die Frau Großfürstin Anna Pawlowna und Jhre Kaiserl. Hoheit die Großfürstin Olga Nikolajewna.

Fxanukirer M

Paris, 20, Oktbr. Es heißt, daß Lord Aberdeen eine Note an Herrn Guizot gerichtet habe, worin er um Erklärungen über die der französishen Regierung untergelegte Absicht ersucht, die Abtre= tung eines Theiles der Jusel Haiti, als Vergütung für die Schuld der Republik an Frankreich, zu verlangen. Herr Guizot soll geant= wortet haben, daß die verbreiteten Gerüchte jedes Grundes entbehrten, | und daß das Kabinet die ihm untergelegten Absichten niemals gehegt habe. |

Die amtlichen Blätter bringen den Text des am 28. August | zwischen Frankreich und Sardinien abgeschlossenen Handels- und Siff= | fahrts-Vertrags, nachdem bereits am 27. September die Ratificatio= nen ausgewechselt worden sind. Er ist auf 6 Jahre gültig und am | Ablauf dieser Zeit ohne sehsmonatliche Aufkündigung noch ein weite= res Jahr und so fort. Unter demselben Datum wurde, gleichfalls auf 6 Jahre und mit denselben Bedingungen der Verlängerung, in | 11 Artikeln eine Uebereinkunst geschlossen zum gegenseitigen Schutze | des literarishen und artistishen Eigenthums. Publicationen in dem | einen oder anderen Staat werden in rechtlicher Beziehung den ein= heimischen gleichgestellt, selbst Uebersebungen sollen der Strafe des Nachdrucks verfallen, wenn der Verfasser eines Originglwerkes bei | Herausgabe desselben binnen Jahresfrist eine Uebersebung angekün- | digt hat. Dieselbe Bestimmung findet Anwendung auf Uebersezungen von Werken, die außer dem Gebiete beider Staaten erschienen sind, und ausgenommen sind nux Uebersebungen in ter SpraMe, welche niht die Sprache eines der beiden Staaten is|. Auch bei theatralishen Vorstellungen werden die Rechte, welche die einheimische Gesetzgebung gewährt, auf die Angehörigen den Staates übertragen. Auszüge aus den Journalen oder periodi schen Schriften des einen oder des anderen Staates sind erlaubt, so- fern die Quelle angezeigt wird. Einfuhr und Verkauf von Nachdrut- fen, selbst aus cinem fremden Lande, sind verboten und werden nach den respektiven Geseßgebungen behandelt, über welche sih beide Re gierungen gegenseitig Mittheilung machen werden. Uebrigens behal= ten sie si< vor, durch legislative oder polizeiliche Maßregeln die Cir= culation, Darstellung oder Ausstellung solher Werke zu überwachen oder zu verbieten, auf welche cs ihnen angemessen dünkt, diejes Recht anzuwenden, S

Lamartine is in dem Journal von Mâcon mit einem neuen Oppositions-Programm aufgetreten, worin er sich über die Rolle aus= spricht, welhe den entschiedenen Gegnern der Regierung zufomme. Das Journal des Débats äußert sih über dieses politische Ma= nifes des berühmten Dichters in folgender Weise: „Herr von La= martiíne's leere Declamationen sind ni<ht ohne Gefahr. Er glaubt mit Worten zu spielen oder höchstens mit unschuldigen Jdeen; er borgt allen Parteien Ansichten ab, um sich die eingebildete Rolle cines obersten Vermittlers, nah der er seit lange strebt, daraus zujammen- zuseßenz er nimmt von den Einen die Organisation der Arbeit, von den Anderen das allgemeine Stimmrecht; von der Linken das König= thum, umgeben von republikanischen Institutionen, von den Feinden der constitutionellen Monarchie die ewigen Klagcn über contrerevolu- tionaire Tendenzen der Juli - Regierung. Diese Regierung, die ihre

welchem Vollklang man die einzelnen Buchstaben an1s\prehen könne, also auch ausspre<hen müsse.) Der komische Reim:

Fühlt man \<meichelnd sih umfangen Bon recht ungezognen Rangen, Die, erhält der liebe Gott sie, Man erzieht nah Pestalozzi

erregte Heiterkeit, Jm ersten Duett zwischen Gretchen und Bacvlus, ziemlich sarblos dasteht, gefiel mit Recht das parodische Jutermezzo :

Wie kannt Du so mein Herz touchiren ? Denkst Du daran, als Du, noch klein, Das ABC nicht konnt’ kapiren“ Mit Sanftmuth pauft? ih Dir es cin. Früh starben Vater Dir und Mutter, L mich der Verwaisten an, B E Kleidung ihr und Futter | D Vretchen, denist Du noch daran ?

Îth E arauf e At Baronin „Auf des Lebens raschen Wogen“ vuiitie für geisti 8 Quartett gleiten wir weg, ohne besondere Anhalt- tern s ist da enuß zu finden. Das Jagdlied „Seht dort den mun- Volt b agegen ensprechend und wird sich wohl bald den Weg ins

) ahnen. Jm Finale des ersten Atis ist die naive Idolle d B d nin „Bin ein shlihtes Kind vom Lande“ in Stimmführäng c a ISr mentirung delikat gehalten, so daß diese Nummer v0 Mis und Instru- und ne auch war. n Wirkung sein muß

er zweite Aft beginnt mit einem origi s j

von den der Boelestta der Antigone des Sophoiteg chor, angestimmt „„Sopha-Klex““ genannt) beizuwohnen genöthigien Schloß-Lakaien Aa Küchenjungen und Kaminfegern, Jm Duett zwischen dem Baron utschern, für antife Dichter und moderne Liebhaber gleih empfänglichen Brätid wirt besonders die Wiederholung „O, er spricht gut, sehr gut“ im ia,

das

der Leßteren lustig, Die Cavatine: „Aus dem Park erkli ü M ( 1 iflingen““

sich an, Jm Quintett dieses Aktes zeigt Lorßing von neuem fün e

streitbares Talent für die epis<h-dramatis<he Musik. Das Duett zwischen

Baron und Baronin: „JFhr Weib?“ ist die beste Nummer der Oper z d Sat: „Zst sein (ihr) Plan, mich zu ne>cn““ darf dem Schönsten dba stellt werden, was wir im Genre des Anmuthigen von Zingarelli und Cimag-

des anderen kontrahiren= |

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{öpft, die nie Gebrauch davon gemaht hat, als um si< mit Mäßigung zu vertheidigen, sie isst die Zielscheibe seiner Phrasen und Autithesen. Und warum? Weil er danach strebt, ein Parteihaupt, ein Volkstribun, ein Reformator zu werden. Da er den Plaß, welchen er gern ein- nehmen möchte, nicht mit politischen Jdeen, die ihm fehlen, zahlen fann, so hofft er ihn zu kaufen mit dem Styl, in den er anarchische und gehässige Ideen, die ihm fremd sind, einfleidet, und mit der Schmeichelrede , die er an Leidenschaften, seines Herzens unwürdig, richtet. Er will Schöpfer sein und ist nur der Ausschreiber aller Factionen. Er will die ganze Politik erneuen, die der Regierung, wie die der Opposition, spricht von oben herunter, macht den Schul- meister und sagt geradezu, Alle seien in die Jrre gerathen, er allein wandele auf dem re<hten Pfad und wolle sich herablassen, ihn zu zeigen. Wir prophezeien dem Herrn von Lamartine, er wird immer ein bedeutender Schriftsteller bleiben, aber nie zum Staatsmann werden; cs wird ihm selbst nicht gelingen, sih zum Partei-Chef zu erheben; er wird so wenig die Linke und die Radikalen leiten, als er im Stande war, die Konservativen zu beherrshen. Der einzige Lohn, der seiner wartet, wird in dem Beifall der Factionen, der nicht ein- mal ernstlich gemeint is, und in der traurigen Ehre bestehen, daß sein Name, kaum noch so rein, der Anarchie zum Schmu>k dienen Wo.

Das Journal des Débats äußert sich mit starkem Unwillen über den neuen merifanishen Tarif vom 17. August d. J. „So hak also, ‘“’ sagt es, „die merikanische Regierung der Prohibitiv = Manie nachgegeben, die in dem Schooß der europäischen Staaten selbst noch zahlreihe Freunde hat. Ein solches Uebermaß von Prohibitionen mit einem folhen Luxus rü>wirkender Strenge wäre in jedem Lande strafbar, aber in Meriko, wo keine Manufaktur-Judustrie existirt, ist das Wahnsinn. Nie is ein solcher Köder dem Schmuggel dargeboten worden, und man kann darauf zählen, daß er die gegebene Gelegen- heit niht versäumen wird. Denn längst wird er ja unter notorischer Kounivenz derer, die ihn verhindern sollten, auf dem größten Fuß betrieben. Für die pariser Judustrie is diese Maßregel besonders unheilvoll. Die deutsche Judustrie, die sich mit großem Erfolg der Anfertigung ordinairer Quincaillerie widmet, und die englische, die mehr als eine andere sih auf die feinere Gattung dieser Jundustrie versteht, finden sih von demselben Schlage hart betroffen. Von Seiten Europa's ist nichts geschehen, dieses abscheuliche Verfahren her vorzurufen, denn es nimmt mit offenen Armen die Rohstoffe, die der merifanishe Boden liefert. ‘““

Die Weinfälschung im südlichen Frankreich hat seit einiger Zeik eine kolossale Ausdehnung erhalten. Der im Weinhandel scit dent Monat Februar eingetretene Preis - Aufschlag hatte die auf diesem Felde längst thätige Speculation noch stärker aufgemuntert, sie hatke angefangen mit Wasser Beimischung, zuleßt aber aus Birxnenmost, Branntwein und gefärbten Materien em Getränk fabrizirt, das vom Wein nicht mehr als den Namen hatte und geeignet war, die stärkste Gesundheit zu untergraben. Cs war eine organisirte Fälscherzunsft, die in Rouen ihren Siß hatte, von wo aus sie besonders gute Ge- \häfte nach Paris machte. Endlich wurde die Regierung aufmerksam, sie ließ cinen Keller in Bercy untersuchen und die Vorräthe daselbst in Beschlag nehmen; da man aber auf die Quelle des Uebels zurüd gehen mußte, so begab si der Chef der öffentlich aufgestellten Wein koster selbst nah Rouen. Bereits sollen gegen 2000 Pipen in Beschlag genommen sein.

Stärke nur aus dem Geseß

Die französishe Escadre im Hafen vor

= Paris, 18. Oft. j ¿cadre im Ÿ abfahren. Sie besteht jebt nach

Tunis wird nicht sobald von dort - der Abfahrt der Korvette „Circe““, die nun zu Brest adbgetakelt wer den soll und wozu bereits Befehl ertheilt ist, no< aus den Linten schiffen „, Alger‘“/ und „Jemappes ", den Briggs ,, Cicogne‘‘ und

„Fleche.““ Ein Lastschisf wird von Toulon aus diesen Schissen dem

nächst neue Mund= und anderc Vorräthe und sonstigen Bedarf über-

bringen. Das anm 13ten zn Toulon von Barcelona eingelausene g (

Dampfschiff „Asmodé“ erhielt sogleih nach feiner Ankunft Befehl, wieder in See zu gehen. Es soll bestimmt sein, den Herzog von Aumale in einem Hafen von Neapel oder Sicilien aufzunehmen und nach Afrika überzuführen, wo er befanutlih den Ober - Befehl der Provinz Konstantine übernehmen wird.

Wes die Bewegungen der englischen Flotte im Mittelmeere anlangt, so erfährt man, daß das Linienschiff „Queen““, an dessen Bord der Vice - Admiral Owen feine Flagge aufgepflanzt hat, [dann die Dampfer „Lecla‘““ und „Polyphemus“ am 28, September wieder in den Hafen von Malta eingelaufen sind. Das Linienschiff „Judus“ aber und der Dampfer „Vesuvius“ haben den Weg nah Athen ein= geschlagen.

Die fürzlih im Mittelmeer angekommene holländische Flottille ift stärker als man aufänglih angegeben hatte. Sie besteht aus vier Fregatten, zwei Briggs und einem Dampfschiffe. Diese Division war vor Mahon (balearishe Juseln) erschienen, und am 25. Septem= ber wieder in Gibraltar eingelaufen. Das britische Lintenschiff „Ma= labar‘“’ und die Batterieen der Forts gaben von neuem die übliche

rosa besißen; nur könnte darin die Phrase des Baron: „Das macht der Schmerz ih bin ein Mensch voll lauter Schmerz“ noch ironischer nüan- cirt sein, Es folgt nun das lebendige Quintett, während der Billard-Scene die härteste Nuß, welche einem Tondichter dargeboten scin konnte, die Lorzing aber zu einem frischen ge;¡unden Kern enthülst hat *). Die fünf tausend-Thaler-Arie des Baculus müßte man besser singen hören, als es heut geschah, um ein bestimmtes Urtheil über ihren Werth bilden zu können. Den dritten Aft eröffnet eine von Lebens-Uebermuth vurchstrômte Arie des Grafen z der sich wiedcrholende Saß „Heiterkeit und Fröhlichkeit, ihr Götter meines Lebens“ macht zwar keine Wirkung, wie Zampa's verwand- tes „Wenn ein Mädchen mir gefällt“, ist aber immer ein Ohrenschmaus, Die Tanzscene is munter und lustanregend (was auch der Weltschmezzler nicht verkannte!)z für den Kehlkopf eines Sängers dürfte aber das allzu östere Walzen während des Singens nichts weniger als heilsam sein. Das Terzett mit dem abgekappten a „Muth“ und „Gut“ is unerheblich, dagegen das leßte Finale reich an Schönheiten, wozu besonders die vier- malige charafteristische Abschattung der Worte: So hat mich nicht getäuscht Die Stimme der Natur,

welche sogar mit dem statt des Rehboc>s erschossenen Esel in Rapport kom- men muß, zu rechnen ist. Bei dem Citat der Gräfin;

Jsmene, traute Schwester, Vielgeliebtes Haupt Wie hast du uns vexirt!

müßte der blinde Oedipus selbs lachen. Der Viergesang „Kann es im Erdenleben ‘’ macht dur<h den Refrain „Unschuldig sind wir Alle‘ die ver- gnüglichste Wirkung, so daß man das lascive Süjet, die Unwahrscheinlich- keit desselben (zwei Paar Geschwister finden sich wieder, erkennen einander nicht und gehen cine lose Liebschaft unter sich ein !) und Alles, was Einen

*) Bei den vielen komischen Neimen, die uns zu hören gegeben sind, N a diesem Quintett auch folgender, nur für den Kenner der hicrlän- i\hen Aussprache des Französischen verständliche vor: aron, Wenn nur ein Ball mir geläng".

Graf, Sie spielen ohne alles Dessein, (‘Dessäng!!)

Anzahl von Salutschüssen zu Ehren des auf der Fregatte „Rhein““ befindlichen Prinzen Heinrich der Niederlande, und die genannte Fre gatte erwiederte dieselben, Der Prinz stieg ans Land, und wurde mit allen seinem hohen Range gebührenden Ehrenbezeugungen empfangen.

Am 13Zten ist im Bagno zu Toulon der frühere Bey von Tlem- cen angekommen, der wegen Mordes von dem Königlichen Gerichts= hofe zu Algier zu Galeerenstrafe auf Lebenszeit verurtheilt worden war. Derselbe hatte nämlich einen französischen Sanitäts-Offizier in verbrecherischem Umgange mit einer seiner Frauen überrasht und ohne Weiteres selbst durch Niedermachung des Schuldigen seinen Rachedurst befriedigt.

Grossbritanien und Irland.

London, 20. Okt. Der Herzog von Bordeaux ist am 12ten in Edinburg angekommen und von den Einwohnern der Stadt seh1 gut aufgenommen worden, Er hat befanntlih die ersten Jahre seiner Verbannung als Kind dort zugebracht und erneuerte jeßt die damals angeknüpften Bekanntschaften. Es heißt , daß der Herzog nach einer Tour durch die Hochlande erst die hauptsächlichsten Städte des Nor= dens besuchen werde, bevor er sih na<h London begiebt.

Heute hat die Wahl der Kandidaten für den dur< den Tod Sir M. Wood's erledigten Parlamentssiß in der City begonnen. Schon des Morgens früh war die Guildhall und die Umgegend von einer ungeheuren Menschenmenge angefüllt, und an den Mauern der benachbarten Gebäude waren zahllose Plakate angeheftet, welche dic Vorzüge der beiden Kandidaten, der Herren Pattison und Barmg, anpriesen. Zu Mittag erst erschienen die Scherisfs und eröffneten die Sibung, worauf die beiden Kandidaten noch einmal ihre Grundsäße in kurzen Reden darlegten, und die Versammlung zur Abstimmung durch Händeagufheben ritt. Dieselbe fiel nah der Erklärung der Scheriffs zu Gunsten des Herrn Pattison, also der liberalen Partei, aus. Herr Baring verlangke darauf die namentliche Abstimmung, den sogenannten Poll, und es werden morgen von 8 Uhr bis i Uhr danach ungefähr 14,000 Wähler ihre Stimmen abgeben. Die Tory- Blätter scheinen an dem glülichen Erfolge ihres Kandidaten zu ver= Liberalen triumphiren.

Gestern versammelten sich im Oberhause der Lord Kanzler, der Graf Liverpool und der Graf Delawarr als die Kommissarien dex Lords, um die Eröffnung des Parlaments im Namen Jhrer Majestät bis zum 14ten November zu vertagen. Die Thronrede der Königin hatte das Parlament bekanntlich bis zum 19, Oktober vertagt. Der Lord - Kanzler brauchte nicht die gewöhnlichen Worte, daß das Haus an dem genannten Tage eröffnet werden sollte, „um dringende und wichtige Sachen zu erledigen““, und es steht demnach noch die weitere Vertagung der Parlaments zu erwarten. /

Die neuesten Nachrihten aus Dublin vom 18. melden, daß nt nur dort, sondern in ganz Jrland die vollkommenste Ruhe herrscht und die Maßregeln der Regierung nirgend einen offenen Ausbruch der Unzufriedenheit herbeigeführt haben. Man stellt diese Ruhe in der That auf Rechnung O'Connell’s, denn das Volk soll durch ihn und seine Prie=- ster dahin bearbeitet gewesen sein, bei dem ersten Einschreiten der Regte- rung aufzustehen. Seine Ermahnungen zur Ruhe indeß sollen, wie man meint, dem Volke beweisen, daß.der rechte Zeitpunkt noch nicht gekommen jet,

und es herrscht eine auffallend gleiche Sprache im ganzen Lande, daß diejer Zeitpunkt eintreten dürste, wenn die Regierung gegen die versprochene Orga- nisation des Rathes der Dreihundert, welcher die erste Grundlage des neuen Parlaments sein soll, mit gleichen Maßregeln einschreiten würde. Das Volk von Jrland is durch die lebten Ereignisse nichk eingeschüchtert wor= den, sondern wartet nur auf das Losungswort O'Connell's, der sei- nerseits die ganze Kraft seines Agitator=Talents aufbietet, der Stim= mung des Volkes eine andere gemäßigtere Richtung zu geben. Ob es ihm gelingen wird, steht dahin, denn er geräth hierbei in einen {wer zu beseitigenden Widerspruch mit den Priesteru, welche als dic Haupturheber der jeßigen Stimmung des Volks anzusehen sind, aber er hat es im Jahre 1831, als er von dem Kabinet Grey unter den- selben Umständen vor Gericht gestellt wurde , {on einmal bewiesen, daß er es versteht, sein Spiel, wenn es auf den höchsten Gipfel ge- trieben, wieder von neuem anzufangen.

zweifeln z die

Spanien

Telegraphische Depesche aus Spanien. Gestern Abend sind Prim und Amett-= Amettler 1st

Paris, 20. Okt.

Perpignan, 19. Dit. [cer übereingckommen , die Feindseligkeiten einzustellen. ermächtigt worden, Offiziere nach Barcelona und Figueras zu senden, um sih von dem Stande der Dinge zu überzeugen. Die Blokirung von Gerona währt fort, doch werden die Offensiv = und Defensiv Arbeiten eingestellt.

M adrid, 15. Oft. ihrer heutigen Nummer folgende Berichtigung : meldet na< einem ausländischen Journal, daß der neuernannte Spanische Geschäftsträger bei der schweizerischen Eidgenossenschaft beauftragt worden sei, 3000 Schweizer zu einer Garde für unsere junge Königin anzuwerben. Diese Nachricht ist unwahr.“

Die Gaceta de Madrid enthält in „Ein hiesiges Blatt

sonst unangenehm berühren möchte, vergessen hat. Die joviale Ovation der Schulkinder „O Du, der Du die Tugend“ erhoht dieje heitere Stimmung z der Schluß :

Erhör* uns, erhör' uns, sei bôs nicht mehr,

Und laß uns unsern lieben Schulmeister wobei „Schulmeister““ als „Schulmei s är“ skandirt wird, ist hans-sachsisch. Die sehr fleißig einstudirte und trefflich auf- und ausgesührte Oper

wurde Anfangs lau aufgenommen, nach und nach gesiel sie, nach dem 2ten Aft wurde Herr Blume (Baculus) gerufen, und am Schluß war der Bei fall allgemein, so daß leßtere Ehre „Allen“ widerfuhr. Die Damen Tuczek (Baronin) und Grünbaum (Gretchen) leisteten im Gesange Nühmliches, und waren durch ihr feines Spiel au<h die Stüßen der Handlung, welche leicht in das Verwerfliche sinken kann, wenn die Darstellerinnen jener beiden Par- tieen die höhcren Gesetze der Sitte nur cinen Augenblick außer Ach! sassen. Wenn Mad. Va le ut ini auch nicht so singen kann, wie die genannten, |0 wurde 1h: e S pielleistung als Gräfin doch die Krone des Abends. Herr Bötticher als Graf und Herr Mantius als Baron waren durchweg brav z Leßterer riß durch seine Einrumpelung unter die Walzenden Alles zu stürmischem Applaus hin. Auch Dlle. Hoffkuny, die sich in der Tracht der Schöpfungsgewaltigen gut ausnahm, gab die kleine Nolle der Nanette anerkennenswerth. Herr Blume als Baculus machte durch sein Spiel Alles gut ein wahres Original zu einem Hosemannfschen Genrebild! Da die Pointe dieser Rolle auch musikalisch auf die Accentuirung der tollen Reime angewiesen is, #o handelte er gegen seinen Vortheil in der Strophe:

Doch warum die Zeit jeßt tödten

Und mit Plänen martern mich?

Habe ich erst die Moneten

Findet {hon das Weitre sich das Wort „tödten“ in „verlieren“ umzuwandeln, Herr Mi>ler als Haus- hofmeister brachte sein Slichwort „Wie närrisch““ belustigend an. 1.

Dr. Alt über den christlichen Kultus. Das Aevndtefest.

Unter dem Titel: „Der christlihe Kultus nach seinen verschicdenen Entwidelungsformen und seinen einzelnen Theilen historisch dargestellt, Mit

20, Oft, Der heute eintreffende Phare des Nachrichten aus Barcelona bis zum 13ten. diesem Tage von beiden Seiten mit unver= minderter Heftigkeit fort. Der Vice =- Prásident der Junta, Herr Milans del Bosch, welcher an seinen bei dem Sturme auf die Cita delle erhaltenen Wunden gestorben is, wurde am 13ten von den {Fn surgenten mit großer Feierlichkeit begraben.

Der General-Capitain von Catalonien hat den Truppen, welche dem Befehl Martell’s standen und die dur<h den Ge iber den Ebro zurü>geworfen waren, eine Art Capi- tulation zugestanden, um die sie von Alfera aus durch einen ihrer Offiziere, Ghilardi, gebeten hatten. Herr Ghilardi jagt in seinem Schreiben an den General Sanz, daß Offiziere und Soldaten der frag- lichen Abtheilung nicht ihrem eigenen Antriebe gefolgt seien, als jie die Cen- tral- Junta ausgerufen, sondern daß sie uur wieder die eigene Neigung den Gesetzen der Disziplin zu gehorchen geglaubt, indem sie si< der von ibrem Obersten aufgepflanzten Fahne angeschlossen, von der hie jeßt erkennen, daß sie micht die der spanischen Nation sei. Der General Sanz hat diese Entschuldigung angenommen, und versprochen, sich in Madrid für die zu ihrer Pflicht zurücgekehrten Truppen zu ver- wenden, denen er von vornherein auf cigene Verantwortlichkeit Sicher heit für ihr Leben versprechen zu können glaubt. Er befichlt den Truppen Martell's, die Waffen niederzulegen und sih einstweilen zu weiterer Verfügung der Regierung nah Taragona zu begeben. Von Martell selbst is nicht die Rede. Einem unverbürgten Gerüchte zu folge hat er sich nah Frankreich geflüchtet.

Der Telegraph meldet heute, daß Prim und Amettler einen neuen Waffenstillstand geschlossen, und zwar wiederum, damit der Leb tere Zeit und Gelegenheit habe, sich durch Abgeordnete davon zu überzeugen, daß die Sache der Insurgenten in Barcelona selbst so gut wie verzweifelt sei, Die Mißbilligung, welche der frühere auf diese Bedingung abgeschlossene Waffenstillstand in Madrid gefunden hat, macht es unwahrscheinlich, daß der General Prim zum zweiten male auf cinen solchen Antrag von Seiten der Jnsurgenten in Gerona eingegangen sei, und wir glauben daher, daß jene Angabe des Tele= graphen auf eincr Verwechselung der Daten beruhen könnte.

Der General Concha steht no< immer unverrichteter Sache vor Saragossa. Eine vou dieser Stadt ausgeschi>te Kolonne von 1500 Maun soll in Teruel eingezogen sein und das Pronunciamiento dieser Provinzial-Hauptstadt bewirkt haben. Die Saragossaner zäh len niht weniger als 4000 Mann Linientruppen in thren Reihen, und es scheint, daß noch täglih Ueberläufer aus dem Lager Concha's zu ihnen stoßen , so daß dieser si< genöthigt gesehen , Nachts seine Vorposten einzuziehen. / |

> Paris, Pyrénées bringk Das Feuer dauerte al

bisher unter neral Concha

A Paris, 20. Oft. Ein Brief aus Manilla vom 5. April bestätigt die Nachricht von cinem großen Unglück, dessen Schauplaß die Hauptstadt dieser Jusel gewesen ist, und enthält außerdem andere interessante Thatsachen :

„Während des lehten Monats is auf Manilla““, heißt es darin, „eine Jusurrection ausgebrochen, die cinen fatholishen Priester zum Haupte hatte. Dieser Geistliche war abtrünnig geworden, hat sich zum Apostel und Missionaix eines neuen Schisma gemacht und predigte in dieser Stadt, wo er zahlreiche Proselyten machte, als die Behörde endlich gegen ihn einschritt, ihn aus der Stadt wies und mit Todesstrafe bedrohte, wenn er es wagen würde, dahin zuriü>zukehren. Er ging nun auf das platte Land, durchzog die Dörfer und f\ah bald die Reihen seiner Anhänger immer zahlreicher werden. Er warf sih nun zum Partei - Chef auf, und der Gouverneur von Manilla mußte cin Regiment gegen ihn \hi>en! Als aber die beiden Theile einander gegenüber standen, empörten si< die Soldaten der Regierung, massakrirten ihre Offiziere, und marschirten unter der Anführung des Priesters gegen die Hauptstadt Manilla. Während der Nacht er: fletterten sie die Mauern eines Forts, in welchem sie Waffen weg nahmen für die Landleute, welche sie begleiteten : dann sprengten sie dieses Fort in dic Luft. Von da zogen sie nach dem Haupt-Arscenal, dessen Thüren sie einsprengten. Aber während dieser Zeit war end lich Alarm gemacht worden, und der Gouverneur rüdte an der Spihe seiner Truppen gegen sie an. Alle wurden zu Gefangenen gemacht. Am folgenden Tage wurden 62 erschossen und 48 erdrosselt.“

„Vor cinigen Tagen hatten wir eine furchtbare Feuersbrunst, die ungefähr 2000 Häuser zerstörte und unsere Stadt mit gänzli- her Vernichtung bedrohte. Das Scl\guspiel, das wir vor den Augen haben, is {re>li<. Man sicht nichts als Ruinen, in deren Mitte tausende von Personen beschäftigt sind, die Leichname der zahlreichen Opfer hervorzusuchen.

Vereinigte Staaten von Uord - Amcrika.

New-York, 28. Sept. Am 7ten d. M. ist der franzö sische General Bertrand, einer der chrwürdigsten Veteranen der Kai- ser - Epoche, am Bord der französischen Kriegsbrigg „„Mercure““ zu New-Orleans eingetroffen. Die Bewohner dieser Stadt, welchen dic ser Besuch ganz unerwartet kam, improvisirten aber dessenungeachtet in aller Eile cinen enthusiastishen Empfang für den greifen General,

725 Als er ans Land stieg, kam ihm die Bevölkerung fast in Masse ent- gegen und begleitete ihn dann bis an das Hotel, in welchem er ab=- stieg. Fast die sämmtlichen Musiker der Stadt vereinigten sih in al- ler Schnelligkeit und brachten ihm eine glänzende Serenade. Gene= ral Bertrand, äußerst gerührt von diesem freundlichen Empfange, er- schien auf einem Balkon und dankte den Bewohnern von New-Orleans für die aus so freiem Antriebe ihm gegebenen Beweise ihrer Sympathie, worauf ein Redner aus der Masse, der Richter Preaux, das Wort nahm und die Freude und den Stolz der Bevölkerung, die selbst von französischer Abstammung und Gesinnung sei, ausdrückte, darüber, daß sie einen ruhm- bekränzten Sohn Fraukreichs bei si< empfangen und gastlih begrüßen fönne. Hiermit begnügte man si< aber no< nicht; am folgenden Tage begaben si alle Civil- und Militair-Behörden zu dem General, um ihn willkommen zu heißen und die Gastfreundschaft der Stadt ihm anzubieten. St. Louis unter Leitung der Miliz ein glänzender Ball veranstaltet. Als der General, von zwei Offizieren des Generalstabes begleitet, eintrat, wurde er mit wiederholtem Hurrahruf begrüßt. Der General

Major Lewis begrüßte ihn mit einigen herzlihen Worten und stellte ihm dann seine sämmtlichen Offiziere vor. Einer von diesen, ein Herr Guillet, zeigte ihm einen Brie. deu Der General vor vielen Jahren an ihn selbst auf einem Schlacht

felde geschrieben hatte, um ibm einen Befehl zu ertheilen. Er fand da noch mehrere andere Veteranen des Kaiserreichs, und ng- mentli<h Herrn B. Buisson, der bei Montereau jene Batterie befeh ligt hatte, in welher bekanntlich Napoleon selbst eine Kanone richtete. Auch die Civilbevölkerung war durch eine eigene Deputation bei die ser Festlichkeit vertreten und hatte Herrn Bernard de Mariguy beauf tragt, dem General ihre Freude über seine Anwesenheit auszudrücken. Fast alle Häuser in der Umgebung des Ballsaales waren beleuchtet gewesen.

Der General kommt von den französischen Antillen, wohin thn Familien-Angelegenheiten gerufen hatten. Er is begleitet von seinem ältesten Sohne Napoleon Bertrand. Der Kriegsminister Frankreichs hatte die Kriegsbrigg „Mercure““ zu seiner Verfügung gestellt. Den General hatte, ehe er nah den Vereinigten Staaten kam, Haiti und Havanng berührt, ohne jedoch daselbst ans Land zu gehen.

Man will Eutde>ungen auf der Jusel Jamaika gemacht haben, welche großen Verdacht rege machen, daß der große Brand, der neu lich die Stadt Kingston daselbst heimgesucht hat, von der böswilligen Hand von Negern angestistet worden sei, Während die Flamme die ganze Stadt mit Zerstörung bedrohte, und die weiße Bevölkerung sich in Anstrengungen ershöpste, um dem in der Nacht vom 26. Au gust so plöblih ausgebrochenen Feuer Einhalt zu thun, zeigten die Neger eine auffallende Gleichgültigkeit und Gefühllosigkeit, verweigei

ten fast einmüthig jede Theilnahme am Löschen und beschränkten sich lediglih darauf, ihr Eigenthum, abe auch nur dieses ausschließlich, vor Gefahr zu sichern. Die Zahl der abgebrannken Häuser zu Kingston wird hier auf 600 angegeben, was etwa den sechsten Theil der gesammten Stadt ausmacht, Eben fommt uns wieder Nachricht von einem neuen Unglück zu, das den Staat Florida, namentlich die Stadt Port Leon durch Sturm und Ueberschwemmung betroffen und furchtbare Zerstörungen angeridch tet Var Sêl Menschengedenken is eine solche Uebershwemmung daselbs uicht erhört worden.

_Die Aussichten auf das Ergebniß der Aerndte sind der Art, daß dasselbe im Durch\chuitt wobl überall eine mittlere Aerndte übertref- fen wird.

Etlenbanue n

Hannover, 21. Okt. Die Eisenbahn von hier auf Lehrte, iz Stunden von hier, wird nächsten Sonntag dem Personen-Verkehr geöffnet werden. Die Preise der Plähe sind: erster Plaß 10 gGr., zweiter Plaß 7 gGr., dritter Plaß 4 gOr. Die Bauten auf braun shweigischem Territorium sollen sehr lau betrieben werden, so daß erst im Laufe des nächsten Jahres die ganze Bahn von hier bis Braunschweig fahrbar werden dürfte. '

Paris, 19, Oft. Vor dem Zucht-Polizeigericht von Ektampes wurde am 1lten d. eine fiskalische Klage gegen sehs Beamten der

Abends wurde ihm zu Ehren im Saale des Hotels |

wleans\hen Eisenbahn, wobei die Compagnie selbs nur in Bezug auf |

die Civil- Frage dabei verantwortlih gemacht war, zur Verhandlung gebracht. Es hatte nämli<h am 18. Juli auf jener Eisenbahn ein

Unglücksfall stattgefunden, bei welchem mehrere Personen zu Schaden

kamen, und dessen Schuld jenen Beamten zugeschrieben wurde. Der Personenzug, welcher an jenem Tage um 4 Uhr Nachmittags von Orleans abging, war wohlbehalten bis Etampes gelangt. Dort

wurde, wie gewöhnlich, die Lokomotive gewechselt; als man aber an die Kurve von Pierre-Brou, 5 Kilometer von Etampes, gekommen war, bemerkte der Maschinist eine Beschädigung an der Maschine, die ihn den Zug anzuhalten nöthigte. Der Conducteur Lassagne ließ darguf,

da die Herbeirufung einer Hülfs-Lokomotive für erforderlich erachtet wurde, ein Noth-Signal nah dem Bahnhofe von Etampes, als dem

zunächst gelegenen, abfertigen. Als das Signal dort angelangt war, ging sogleih der Ober-Aufseher Costel, begleitet von dem Chef des Maschinen - Depots, Porcherot, dem Maschinisten Pierrou und dem Heizer Decoux, mit einer Lokomotive von dort ab. Die fünf ersten Bahnwärter, welche sie auf ihrer Fahrt trafen, hielten die weiße Fahne in die Höhe, um zu bezeichnen, daß sich kein Hinderniß auf der Bahn befinde. Der se<se Wärter, Loison, dessen Häuschen si<h am Aufang der Kurve von Pierre -Brou befindet, wo der Zug hielt und hinter den Böschungen eines tiefen Durchstichs verborgen war, hatte ohne Zweifel in dem Augenbli> niht die gehörige Gei- stesgegenwart, denn er gab nicht eher ein Signal, bis die Lokomotive nur no< 200 Mètres von ihm entfernt war, und er dieselbe schnell nach der Stelle vordringen sah, wo der Zug sih befand. Jn der Hast ergriff er die weiße Fahne, da er aber seinen Jrrthum bemerkte, warf er diese fort und faßte nach der rothen; doch statt diese von oben nach unten zu bewegen, um das Zeichen des Anhaltens zu geben, hielt er sie in der Verwirrung unbeweglih, was nur das Zeichen ift, in der Schnel= ligkeit nahzulassen. Schon war aber die Hülfsmaschine ihm gegen= über und lief in den Durchstih ein. Porcherot, der als Aufseher oben auf dem Tender stand, sah fast gleichzeitig das Signal der langsameren Bewegung und den einige Schritt vor ihm haltenden Zug. Erschre>t, den Zug so nahe vor sih zu sehen, giebt er das Zeichen, so schnell als möglih anzuhalten, Das Hemm : Junstrument aber zerbriht in der Hand des Heizers. Man wendet den Gegen= dru> an, um eíne rü>gängige Bewegung der Lokomotive zu veran=- lassen. Aber dieses Manöver i unzulänglich und kann nicht ver= hüten, daß die Maschine auf den Zug mit der bereits gewonnenen Schnelligkeit losstürmt. Der Zusammenstoß hatte betrübende Resultate. Der Kutschenkasten der leßten Diligence wurde mit dem Gestell, worauf er ruhte, vorgeschoben. Die Decke derselben Diligence war {wer beladen, konnte daher nicht mit gleicher Schnelle vorwärts gehen, blieb also zurü>. Ju Folge dieser ungleichen Bewegung zerbrachen die Wa= genpfosten, und die Dee senkte sich aufdie Reisenden. Dieselbe Bewegung übte ihren Einfluß auch auf den zweiten Wegen aus, der bedeutend beschädigt wurde ; der dritte erlitt nur einige leichte Beschädigungen. Mehrere Reisende trugen Wunden oder Kontusionen davon, aber nur vier derselben, die si in dem leßten Wagen befanden, waren genö= higt, zu Pierre - Brau zurükzubleiben. Alle andern Reisenden seßten die Fahrt nah Paris fort, als eine neue Lokomotive und andere Wagen angekommen waren. Sobald das Ereigniß in der Stadt befannt wurde , begaben sih der Unterpräfekt, der Königliche Proku-

rator und der Justruktionsrichter auf den Schauplaß desselben. Aber der Zug war bereits nah Paris abgegangen und mit ihm alle Reisende, außer den 4 Verwundeten. Herr Bineau,

Ober=Jugenieur der Bergwerke, von dem Polizei-Präfekt beauftragt, den Thatbestand festzustellen und die Ursache desselben zu ermitteln, erstattete diese Magistrats-Person einen Bericht, in Folge dessen eine hnelle und sorgfältige Justructiou, auf Ansuchen der Behörde, so- gleich begann. Ju Folge dieser Jnstruction wurden se<hs Eisenbahn= Beamte vor das Zuchtpolizeigericht gestellt, unter der Anklage, durch Unvorsichtigkeit, Vernachlässigung und Nichtbeobachten des Reglements Verwundungen herbeigeführt zu haben. Es sind die genannten Lassagne, Loison, Costel, Porcherot, Pierron und Decoux. Die Compagnie wurde außerdem in der Person eines ihrer Direk= toren vorgeladen, um die Civil = Verantwortlichkeit mit zu tragen. Von Seiten der verleßten Personen war jedoch keine Klage anhängig gemacht, da die Compagnie sich beeilt hatte, alle Personen, die dur dies Ereigniß gelitten, zu ihrer vollklommenen Befriedigung zu entschä= digen. Die Zeugen - Aussagen ergaben genau die oben berichteten Umstände, Der Königliche Prokurator ließ zwar dem Eifer der Orleansschen Eisenbahn -Compagnie alle Gerechtigkeit widerfahren, fonnte aber niht umhin, die Ueberzeugung auszusprechen, daß die angeklagten Beamten in diesem Fall ein s{werer Vorwurf treffe. Herr Baud, der Advokat Costel's, erklärte, daß dieser die Verant= wortlichkeit für die Führung der Lokomotive ganz alleiín auf si< nehme und suchte dann darzuthun, daß sein Klient streng na< den Vor= schriften gehandelt, daß ihm also die Schuld an dem Unglücksfall nicht zuzuschreiben sei. Zur Vertheidigung des Zugführers Lassagne von dem Advokaten, Herrn Duval, hervorgehoben, daß nicht sowohl ihm, als dem 28. Artikel des Eisenbahu - Reglements, ein Vorwurf zu machen sei, weil nämlich dieser Artikel die Herbeirufung einer Hülfs - Lokomotive auch von einer rü>wärts gelegenen Station gestatte, eine Bestimmung, die durchaus abgeändert werden müsse, weil dadurch zu leiht Unglü> ge= \chehen fönne, wenn die Hülfs - Lokomotive auf derselben Bahn, auf welcher sich der anhaltende Zug befinde, von hinten herankomme, be= sonders wenn der Zug zufällig zwischen hohen Böschungen und an einer Biegung stehe. Diese Vertheidigung hien indeß dem Ge= richt den Zugführer doch nicht von aller Schuld zu reinigen, eben so wenig wie die des Bahnwärters Loison, zu dessen Ent= \{huldigung angeführt wurde, daß er no< von dem plößlichen Anhalten des Zuges, an dessen Lokomotive etwas zerbrochen war, verblüfft und mit seinen Gedanken bei diesem Unfall gewesen sei, so

zwei Nachträgen über das christliche Kirchenjahr und über den lirchlichen Baustyl.“ hat Dr. Heinrich Alt im Verlage der Müllerschen (Enslin- schen) Buchhandlung zu Berlin auf 610 Seiten so eben eine Schrift her- ausgegeben, welche Allen, die sich für das gewählte Thema interessiren und welcher auf Bildung Anspruch Machende sollte das nicht! auf das wärmste empfohlen zu werden verdient, da sie sowohl die Schön heiten des christlichen Kultus, die gewiß als ideale bezeichnet wer- den dürfen, mit Liebe schildert, als auch die historischen Ursprünge und die Entwickelung derselben durh den Lauf von beinahe zwei Jahrtausenden gründlich, wissenschaftlich, quellengemäß und dennoch ohne (Helehrsamfkeitsprunk und Citatenwuth nachweist, Der Verfasser ist Theo- log, kennt als solcher das umfassende Gebiet, worauf er sich bewegt, durch und durch und hat da er sämmtliche Zweige, welche aus dem Baume des christlichen Lebens, Denkens und Glaubens erwachsen sind, in den Kranz seiner Betrachtungen flehten wollte auch den Gottesdienst der englisch- bischöflichen und der russisch - griechischen Kirche per önlih kennen gelernt z daß er bei seinen Schilderungen, die vom evangelischen Standpunkte aus genommen sind, keinerlei Vorurtheile und vorgefaßte Meinung gegen An- dersgläubige hegt, und daß er den christlichen Sinn für die Haupt - Bedin- gung des christlichen Lebens hält, ergiebt sich hon aus seinen folgenden E Worten : „Wie überall und zu allen Zeiten, so äußeit er jeglicher Lebensentwi>elung zum Grunde liegende Antagonismus auch E E der christlichen Kirche seinen Einfluß, Dem immer ent- E christlichen Geiste tritt in gleicher Weise immer der Gesellschaft Ne gegenüberz und je mehr auch er alle Kreise &cheidung lden be E E strebt, dasto durchgreifender bildet sich die nte E M daß E Aga lay Belennenden und den dasselbe Vernei- sten in der katholischen oder I angelilde Christ dem gläubigen Chiu- vertvatidt ist, A6 Man onfettittk Kirche in der That innerlich näher d r< die dürren Steppen des A Ciabad LABE Le V A R p bens nirgend gefunden hat und darum sich und Anderi kbrrirvit, der (ri: chen Dinge geyörten nur in die Mährchenwelt Gbr Kinder.“ : 9 : Da hicr der Ort nicht sein kann, auf- den Juhalt speziell einzu- gehen, jo genüge, um auf die Stofffülle des umfassenden Werkes hinzu- weisen, ein kurzer Ueberbli> des Einzelnen, was mit Kritik, Geschmack und g einer klaren, besonnenen und der Würde des Gegenstandes ‘angemessenen

prache vorgetragen wird; Der Ursprung der Sonntagsfeier, Der Sonn-

tag, cin Ruhetag (hierbei wird auch des Vereins der berliner Prediger zur Be förderung einer wahren Sonntagsfeier gedacht), Der Sonntag, ein Tag der Heiligung, und seine gottesdienstlicren Stunden. Die Kirchenalo>en, Der Kirchenbesuh, Der Eintritt in das Gotteshaus (das Neigen des Hauptes beim Gebet, das Falten der Hände, das Bceten mit vorgehaltenem Hute, das Beten des Vaterunser, das Weihwasser, das Zeichen ‘des Kreu zes). Das Gotteshaus und seine innere Einrichtung (die Kirchenstühle, die Kanzel, der Kanzelpult, die Sanduhr, der Altar, die Nebenaltäre, die Reliquien, die Bilder in den Kirchen, die Weihgeschenke, die Amtstracht der Geistlichen, die Orgel). Der Gottesdienst und seine liturgische Anordnung (der altchristlihe Sonntagsgottesdienst, der Gottesdienst der morgenländisch- griechischen Kirche, die katholische Messe, der lutherische Gottesdienst , der Sonntagsgottesdienst der Neformirten , der Gottesdienst der engl. bischöfl.

Kirche, der protestantische Gottesdienst seit der Reformation, Das Mor- genlied. Das Sündenbekenntniß. Das Kyric, Das Gloria. Der Altar gesang. Der Herr sei mit euch. Die Kollekte, Das Amen. Das Gebet

Die Epistel und das Evangelium. Das Halleluja. Das Glau- Die Kirchenmusik. Das Hauptlied. Der Klingenbeutel, Das allgemeine Kirchengebet. Die kirchlichen Meldungen, Der Friedenswunsch. Die Kollekte und der Segen.

Die geschichtlichen und antiquarischen Nachweisungen über den Fest- Cvklus des christlichen Kirchenjahres sind sehr reichli< ausgefallen und er schöpfen in den meisten Fällen den Gegenstand. Wir wollen zur Probe eines der kleinsten Kapitel über „das Aerndtefest“ (S. 583) anführen, welches vor furzem überall begangen worden ist.

„Während von den drei Haupkfesten der Juden die beiden ersteren, das Passahfest durch die Auferstehung Christi und das Pfingstfe st (oder das Fest der Frühärndte) durch dic Ausgießung des heiligen Ge. stes, für die Christen eine höhere, cristlihe Bedeutung erhalten hatten, war das dritte, das Laubhüttenfes (oder das Fes der Herbstärndte, besonders der Obst- und Weinlese), durch keine ähnliche Begebenheit ver- herrliht worden, die ihm den Charakter cines cigenthümlich christlichen Festes gegeben hätte. Zwar seßten Manche die Geburt Christi in den September und feierten, indem sie in Joh. 1, 14: „Das Wort ward Fleisch und wohnete (#o*>nq/&&oe) unter uns“ cine Hindeutung auf das Laubhütten- fest fanden, an welchem auch Christus gleihsam „seine Laubhütte unter den Menschen aufgeschlagen habe“, mit diesem Feste zugleich ihr Weih- nachtsfest, Doch fanden sie damit wenig Beifall ; das jüdische Laubhütten-

u Fu. bensbefkenntniß. Die Predigt.

fest blieb ohne eine Uebersezung ins Christliche, und es erscheint daher bes fremdend genug, daß man nicht wenigstens cin Dankfest für die Herbstärndte um diese Zeit feierte, ja daß sich im christlichen Alterthum überhaupt kein Beispiel von der Feier eines Acrndtefestes findet. Waren die alten Christen für den Segen einer reihen Aerndte undankbarer, als die Juden, als die Christen der heutigen Zeit? Keineswegesz aber die irdischen Güter und leiblichen Wohlthaten galten ihnen im Vergleih mit den geistlichen und himmlischen bei weitem nicht so viel, daß sie das Bedürfniß gesühlt hätten, in der Kirche, wo sie alles Jrdiiche vergessen zu müssen glaubten, cin besonderes Dankfest für die irdischen Wohlthaten zu feiern, Das Leben selbst hatte für sie keinen Werth an und für sich, sondern nur, inwiefern es die Gnadenzeit und Vorbereitung für das ewige Leben warz sie sehnten sich, je cher je lieber, bei Christo zu sein, und der Todestag war ihnen der eigentliche Geburtstag.

„Erst später, als die shwärmerische Sehnsucht nah dem Märtyrertode allmälig abgenommen und das irdische Leben mit seinen Gütern und Freu- den für die Christen wieder an Werth gewonnen hatte, sing man an, die Güter der Erde, und insbesondere eine reiche Aerndte, höher zu schäßen und sie durch cin besonderes Dankfest kirchlich zu feiern. Und wenn man dieses auch nicht in die Zahl der eigenthümlich christlichen Feste aufnahm, so gab doch das für den siebenten Trinitats - Sonntag gewählte Evangelium von der wunderbaren Speisung der Viertgusend (Marc. 8, 1 9) Gelegenheit,

auf das alljährlich in der Natur \sih wiederholende Speisungs-Wunder hin- zuweisen. Da jedoch dieser Termin für ein allgemeines Aerndtefest zu früh ist, so feiert man in der Regel den achten Sonntag vor dem ersten Advent a!s allgemeines Dankfest sür die bis dahin ziemlich überall beendigte Aerndte, oder es feiern auch wohl die einzelnen Orte in jedem Jahre an dem Sonn- tag nach ihrer Aerndte ein besonderes Aerndtefest.“

Nachträglich kann hierzu no< bemerkt werden, daß auch die kirchliche Poesie das Aerndtefest zujüngst immer mehr zu feiern gestrebt hat. Die \chönsten betreffenden Kirchengesänge sind: 1) Hör, o Gott, von Deinen Hohen. 2) Wir danken, Gott, für Deinen Segen. 3) O Vater, Gott und Herr der Welt, 4) Gott des Himmels und der Erde. 5) Strenger Richter aller Sünder.

s E Register erhöhen die Brauchbarkeit der empfehlenswerthert Schrift, —“———