1843 / 123 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

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Landsleute, die von den dermaligen griechishen Gewalthabern aus dem Lande geworfen werden, ohne nur rüständige Gehalte und feierlih zugejicherte Reisekosten zu erlangen, von der| Heimat aus die nöthigen Mittel erhalten, um in dieje zurückkehren zu können, Welcher Gegensaß! Die Philhellenenzeit in Deutschlaud ¿ bie s{hönen Regimenter deutscher Freiwilligen auf dem Marsche nah Triest im Jahre 1834, und jebt diese Bettler in abgesebten Soldaten Jadcken, welhe wir als leßte Ueberreste jener Regimenter durch unsere Straßen ziehen sehen! Und doch haben wir es hier nur mit den fräftigsten Leuten zu thunz denn in Triest und unterweges liegen noch viele, welhe nah der langen und beshwerlihen Seereise zu shwach waren, den Wander-= und Bettlerstab zu ergreifen, um sich vollends nah Hause zu schleppen. Desto mehr thut es Noth, daß den noch in Griechenland Verweilenden {leunigst geholfen werde, denn es wäre in der That nicht unmöglich, daß für sie außerdem alle Hülfe zu spät käme, und offen bezeihnet die Regierungs-Bekanntmachung über die Bildung von Hülfs-Comités die Lage jener Unglückliche: als eine vom Elend bedrohte! : n (N. C.) Der vor Kurzem verstorbene Königl. bayerische Staats=

Minister und Gesandte am deutschen Bundestage, Maximilian Frei- herr von Lerchenfeld-Aham, war im Jahr 1779 in München geboren, und hatte seine Studien auf der damaligen Universität Ingolstadt vollendet. Jm Jahre 1806 wurde er zum Gesandten am württem bergischen Hofe ernannt, verließ aber die diplomatische Laufbahn, um als General-Commissair und Regierungs-Präsident an die Spibe der Regierung des Rezatkreises zu treten. Dieselbe Function beflei

dete er 1809 bei der damaligen Regierung des Peguiz-Kreises (deren Siß in Nürnberg war), dann 1811 in Junsbruck und 41814 in Würzburg. Von 1817 bis 1825 führte er das Portefeuille des Fi nanz-Ministeriums, und wurde dann als Gesandter an den Bundes tag verseßt. Jm Jahre 1833 trat er auf's Neue (an Herrn von Mieg's Stelle) das Finanz-Ministerium an, wurde 1835 als Ge sandter nah Wien, und 1842, nach Herrn von Mieg's Tode, aber mals nach Frankfurt ernaunt. Freiherr von Lerchenfeld hat dem nah unter zwei Souverainen die höchsten Staatsämter bekleidet, und sowohl dur prafktishes Wissen und Talent, wie durch unermüdeten Geschäftseifer seinem Vaterlande während einer 37sährigen Lauf

bahn ausgezeichnete Dienste geleistet.

Augsburg, im Oft. (Z. J.) Aus einer Anzeige des hiesi gen Reftorats der polytechnischen Schule ist zu entnehmen , daß der Unterricht für die den Zoll - Vereinsstaaten angehörigen Schüler un entgeldlich ift,

Hof, 16. Okt, (L. ZZ) Sowohl in Bayern, als in dem be- nachbarten Böhmen, gehört es zu den Auszeichnungen dieses Jahres, daß man eine \so gute Hopfen-Aerndte gemacht hat, roie man sie wohl seit zwanzig Jahren nicht weiß. Dieser Segen wird wahrscheinlich die Luxusbiere aufs neue empfehlen.

Hannover. Hannover, 25. Oft. (K. A. Z.) Der König ist von seiner Unpäßlichkeit in Folge des lüneburger Lagers, nament lih der leßten großen Parade, bei welcher Se. Majestät mehrere

Stunden im furchtbarsten Regen zu Pferde zugebracht, wiederher gestellt und gestern Abend zur Jagd nah Celle gefahren, wird aber bereits morgen wieder zurückkehren. Die Herzogin von Cambridge wird, wie jeßt bestimmt verlautet, am 28sten oder 29sten hier ein treffen, aber nur einen Tag verweilen; der Herzog von Cambridge soll aber die wiederholten Einladungen zu einem Besuch an hiesigem Hofe anzunehmen verhindert sein. Die lüneburgische Landschaft hat den Justizrath von Estorf zum Ober-Appellations-Rath an die Stelle des Herrn von Lenthe gewählt, zugleich soll aber das Ober-Appella- tionsgeriht entschlossen sein, seine Beseßung dieser Stelle, also den Justizrath von Langwerth, aufrecht zu erhalten. Welche Partei die Regierung in diesem Konflikte ergreifen wird, ist noch ncht mit Be= stimmtheit vorher zu sagen, Auf der bis Lehrte vollendeten Strecke unserer Eisenbahn finden jeßt regelmäßige Fahrten statt,

Hannover, 27. Okt. (H. Z.) Se. Majestät der König sind heute Nachmittags 25 Uhr von Celle wieder zurückgekehrt. Se. nigl. Hoheit der Großherzog von Mecklenburg -Streliß, Se. Durch laucht der Herzog von Sachsen = Altenburg und Se. Durchlaucht der Prinz Alexander zu Solms = Braunfels sind ebenfalls von Celle in hiesiger Residenz wieder eingetroffen,

Großh. Hessen. Bingen, 26. Okt. (Gr. H. Z) Die von der Allgemeinen Zeitung in einer Korrespondenz aus Wiesba den, 16. Oftober gegebene Nachricht von dem Sr. Durchlaucht dem Herzoge von Nassau auf dem Rheine begegneten Unfalle bedarf einer wesentlichen Berichtigung. Es is nicht wahr, daß die Jacht Sr. Durchlaucht vom Sturme umgeworfen worden und der Herzog in den Strom gestürzt sei, Das Fahrzeug befand sich blos in Noth, und der Mast wurde vom Sturme zerbrochen. Herbeieilende Schiffer brachten es jedoch ohne weiteren Unfall glücklich ans Laud, Morgen wird

Jhre Kaiserl. Hoheit die Großfürstin Michael mit ihren Durchlauch=

tigsten Töchtern unsere Stadt verlassen und die Rückreise nah Ruß=# land antreten. L ] | j O) nah Wien begiebt, wird Jhre Kaiserl, Hoheiten einen Theil der® Reise begleiten. i

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Sachsen =-Koburg=Gotha. Koburg, 24. Oktober. (Fr.

M.) Vorgestern hat der Herzog Ferdinaud von Sachsen = Koburg="|

warben sh durch ihre Gruppenbildungen, durh das Tanzen und Balanci- ren nah obenhin, wobei die Füße den Dienst der Hände versehen, und durch die Enifaltung einer fast übermenschlichen Kraft, die in der Schönheit der sich entwicelnden Formgebilde auf das Gebiet der Kunst rückte, den rauschendsten Beifall und Hervorruf. Die Jllustrirte Zeitung hat uns vor kurzem die wirtlich erstaunenswerthen Exercitien dieser Herkulesse in el-

gie gebracht, jeyt is die beste Gele of e fa  t, narivo eo wundern zu können, \te Gelegenheit geboten, sie auch in ien be-

Oratorium von WMtarr.

Erfurt. Zur diesjährigen Feier Gin, 7 - e wurde von einem der biesigen Geiani- Abels taa ages E Herrn Professor Marx aus Berlin, „Mose“, aufgeführt Es {f I an der Ort, eine ausführliche Kritik über das Werk selb| zu sein, A viel sei gesagt, daß man es mit Recht als eine ver ausgezeichnetsten Schöpfun- gen im Gebiete der neueren Tonkunst und als eine durchaus originelle Er- scheinung im Bereich der geistlichen Musik bezeichnen kann, Im „Mose“ finden wir einen ganz eigenthümlichen, großartig durchgeprägten Charakter eine neue Anschauungsform des Oratoriums, Während in den übrigen

Oratorien mehr oder weniger eine gewisse Jdee in einer Mischung von lyri- ( 1 oesie dargestellt wird, is hier der Begriff des Ora- toriums, als eines geistlichen Drama’s, scharf erkannt und konsequent durch- vorden, Die großen Begebenheiten jeuer alten heiligen Zeit werden n einer Reihe gewaltiger Bilder vorübergeführt und mit Erfindung lebendig und

scher und dramatischer geführt worden, fühnen Pinselstrichen ,

reicher musifalischer

Se. Durchlaucht der Herzog von Nassau, welcher sich

b Y- Gotha mit seinem jüngsten Sohne, dem Prinzen Leopold, nachdem Höchstdieselben seit Mitte vorigen Monats hier verweilten, unjere Residenz wieder verlassen und is nah Wien abgereist, Prinz August wird mit seiner erlauhten Gemahlin bis gegen Neujahr hier wohnen, und wie es heißt, während die durcl. Landesherrschaften nach der Winterresidenz Gotha ziehen, cinige Wintermonate bei seinem König=

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lichen Schwiegervater in Paris zubringen. Ein Gleiches gilt von dem, seit einigen Wochen hier weilenden Herzog Alexander von Württemberg. Die Frau Prinzessin Klementine scheint sich in Ko= burgs fürstlichem Familienkreise ganz besonders zu gefallen Einfach, doch nicht zurückgezogen lebend, sieht man Jhre Königl. Hoheit nicht seiten auf den Promenaden und dem Wege zur Kirche, und manche Thräne des Dankes is} ihren stillen Wohlthaten schon geflossen. Dabei inter- essirt sich Prinzessin Klemeutine ganz besonders für deutsche Kunst und Wissenschaft, und mehrere klassishe, namentlich Schillersche Dramen, famen deshalb in der leßten Zeit auf unserem Herzoglichen Hoftheater zur Aufführung. Russland und Polen.

St. Petersburg, 24. Oft. Am 18teu d. Nachmittags sind auch Jhre Majestät die Kaiserin und Jhre Kaiserl. Hoheiten die Groß fürstinnen Olga und Alexandra Nikfolajewna in volllommenem Wohl fein aus Moskau in Zarskoje-Selo angekommen.

Vorgestern hat die Taufe des Großfürjteu Nikolaus stattgefunden. Auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers hatten sich zu dieser heiligen Handlung alle vornehme Personen beiderlei Geschlechts, so wie auch die Stabs- und Ober -Offizicre der Garde und Armee, um 10 Uhr Morgens im Palaste von Zarsfoje-=Selo zur Anhörung der heiligen Liturgie eingefunden, Die

a Damen erschienen im russishen Kleide, die Herren in Parade =- Uniform. V

Paris, 25. Okt, Gestern Nachmittags besuchte der König zu Pferde und in Begleitung seiner Adjutanten und anderer Ober-OÖffsi- ziere das Fort Mont Valérien und nahm die dortigen Befestigungs Arbeiten in Augenschein. Obgleih Se. Majestät unerwartet kam, hatte si bald eine zahlreihe Volksmenge versammelt, die den Mo narhen auf seinem Wege mit dem wiederholten Ruf: „Es lebe der König!“ begrüßte.

Der Herzog von Nemours feierte gestern seinen Geburtstag ; Se. Königl. Hoheit hat das 30se Jahr angetreten. |

Man versichert, es seien mit dem Hofe von Neapel Unterhand lungen angeknüpft worden, um den Herzog von Aumale mit einer der Schwestern des Königs Ferdinand zu vermählen, Die Reise, welche Madame Adelaide nach dem Königreiche beider Sicilien unternehmen sollte, und die nur wegen ihrer Krankheit unterblieb, soll zum großen Theil den Zweck gehabt haben, diese Unterhandlungen zu beendigen. Da diese Reise aber nicht stattfinden konnte, so wäre angeblich der französische Botschafter in Neapel, Herr von Montebello, damit beauf tragt, die Verhandlungen zu leiten, und man versichert, daß die Reise des Grafen von Syrakus nah Paris denselben Zweck gehabt habe. Wenn diese Vermuthungen begründet sind, so wäre ein spezieller Au= laß vorhanden, weshalb der Herzog von Aumale vor dem Antritt seines Befehlshaber - Postens in Konstantine eine Reise nach Neapel gemacht. Durch diese Verbindung würde übrigens der Herzog von Aumale der Schwager der Herzogin von Berry, des Kaisers von Brasilien, der Königin Marie Christine und der Prinzessin Charlotte (Gemahlin Don Fräncisco de Paula), so wie der Onkel des Her zogs von Bordegux, der Königin von Spanien und des Herzogs von Cadix werden, Die Operationen des nächsten Feldzuges in Algier wird der Herzog noch nicht leiten können, da man ihn erst im De zember oder Januar in Konstantine erwartet.

Der Herzog von Montpensier wird heute oder morgen von Meß in den Tuilerieen zurü erwartet.

Dée Frage hinsichtlih der Präsidentschaft der Deputirten-Kammer wird bei Eröffnung der nächsten Session, allem Auscheine nach, einen sehr lebhaften Kampf veranlassen, Die Ministeriellen selbst sollen mit der Geschäftsführung des Herrn Sauzet sehr unzufrieden fein und viele von ihnen ihre Stimmen einem anderen Kandidaten zuwenden wollen. Das Kabinet jedoch, heißt es, sei entschlossen, die Kandidatur des Herrn Sauzet zu unterstülzen. Der Kandidat sämmtlicher Nüan cen der Opposition wird Herr von Lamartine sein, für den man sich in Folge der Spaltung in den ministeriellen Reihen keine geringe Aussichten verspricht.

Man bewundert seit einigen Tagen bei cinem Juwelenbändler von Paris einen Schmuk, bestehend aus einem Diadem, Ohrringen, Armbändern, einem Gürtel und einem Halsband, zusammengeseßt aus mehr als 1500 Diamanten vom reinsten Wasser, von denen mehrere die Größe einer Haselnuß haben. Es sind dies, wie man versichert, die Diamanten der Prinzessin von Joinville, die auf französische Weise

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gefaßt wurden. Jhr Werth wird auf 1,500,000 Fr. geschäßt.

ck= Paris, 25. Okt. Der Herzog von Aumale hat zu Turin, wo er am 18ten Abends eintraf, von Seiten der Königlichen Familie einen ausgezeichnet freundlihen Empfang gefunden. Der König stellte sogleih sein altes Hotel Carignan zur Verfügung des Prinzen, und ließ eine Ehrenwache davor aufstellen, welhe der Prinz die Musterung passiren ließ, dann aber zurückschickte, indem er erklärte, während seines Aufenthaltes zu Turin keiner Wache zu bedürfen, Am 19ten fand zu Ehren des Herzogs am Hofe ein großes Diner Statt, worauf der Herzog, von den Prinzen begleitet, der Vorstellung im Theater beiwohnte. Am 2Wsten wurden auf dem Marsfelde große

frisch der Seele eingezeihnet, Wir sehen das isragelitische Volk leiden und siegen, die Aegypter jubeln und fallen, die kräftigen Gestalten des Mose und Aaron vor uns handeln, hören die allmächtige geheimniß- volle Stimme des Herrn aus dem feurigen Busch nnd von den Höhen des Sinai. Die allgemeine lyrische Schönheit der Musik hat sih der höheren dramatischen Wahrheit untergeordnet und tritt daher im Einzelnen um #0 wirksamer hervor, Deshalb ist auch der Eindruck dieses Werkes so unmit telbar und ergreifend, es führt den Hörer mitten in die Handlung ein und reißt ihn unaufhaltsam in derselben vorwärts.

Die Ausführung unter der Leitung des Herrn Komponisten war der Sache würdig, dem lebendigen musikalischen Sinn unserer Stadt angemessen, und wurde in der überfüllten Kirhe mit allgemeiner Begeisterung aufge- nommen. Es bleibt uns nux der Wunsch, daß dies originelle Produkt eines echt deutschen Geistes bald recht allgemein verbreitet und zum Ge meingut der Nation und aller Verehrer der wahren Kunst A e

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= Dresden, 27. Okt, Die Wirren und Spaltungen, welche zwei Jahre lang das Direktorium und eine große Anzahl der Mitglieder des \ächsischen Kunst - Vereins zu Dresden auseinanderhielten, sind durch die in der gestrigen General - Versammlung erfolgte Annahme der neuen Statuten mit einer Stimmen - Mehrheit von 150 Stimmen endlich glücklih beseitigt worden. Außer verschiedenen formellen Verbesserungen in der Zusammen- sezung des Direktoriums , festen Normen über Stimm- und Wahlrecht der auswärtigen Mitglieder 2c,, is unter Anderem auch für die beim sächsischen Kunst-Verein sich betheiligenden Auswärtigen vor Allem folgende materielle Neuerung von Juteresse und Wichtigkeit, Nach $. 15 der neuen Statuten

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Manövers von der Garnison von Turin ausgeführt, wobei der König, die Prinzen des Königlichen Hauses und der Herzog von Aumale er schienen, und von dem Herzog von Genug mit der Artillerie, deren Kom mandant derselbe is, empfangen wurden. Der Herzog von Aumale ritt dabei ein herrlihes Pferd, das Se. Majestät der König ihm an demselben Morgen geschickt hatte. Auch von Seiten der Bevölkerung hatte der französische Prinz sih zahlreicher Beweise freundlihen Ent gegenkommens zu erfreuen. Juzwischen sind die Wagen desselben am 21. zu Toulon eingetroffen und daselbst auf der Fregatte „Asmodèc“‘ eingeschit worden. Man hat vielfa den wahren Zweck der Reise des Priuzen nah Jtalien und insbesondere nah Neapel zu deuten gesucht, derselben politische Motive unterlegt, wie es scheint, mit Unrecht, wenigstens scheinen die von gutunterrihteten Personen nir darüber zugekommenen Notizen lediglich auf einige Familien - Angele genheiten hinzudeuten, welche der Prinz bei seiner Anwesenheit zu Neapel vollends ins Reine bringen soll. Seine Reise wird aber jedenfalls so viel Zeit in Anspruch nehmen, daß er erst nach Been digung des Herbstfeldzuges, nämlich gegen Mitte Novembers, in Kon stantine eintreffen wird.

Gestern {hon und heute hatte man neue Nachrichten aus Al- gier erwartet, die jedo nicht eingetroffen sind. Das den Dienst der Korrespondenz versehende Dampfschiff, welches am Morgen des löten Algier verlassen mußte, war am 21sten ungeachtet das Wetter ziem lich \{chön war, noch nicht eingetroffen. Man hofft, mit demjelben Näheres über die Expedition des Marschalls Bugeaud zu erfahren, der, nach einem über Marseille eingetroffenen Briefe aus Algier vom 15ten, den das Handels-Paketboot „Nautes und Bordeaux‘““ am 17ten na Marseille überbracht hatte, bereits nach Algier zurückge fommen sein soll, ohne daß jedoch die Ursache dieser seiner eben so \chnellen als unerwarteten Rückkehr angegeben wäre. Wie man hört, sollten alle mobilen Kolonnen des Westens im Einklange mit denen, die von Milianah und Orleansville abgegangen waren, operiren, und allem Anscheine nah ist der Marschall Bugeaud auf diese Weise auf seinem Zuge ins Jnunere mit dem General Lieutenant Lamoricière zu \ammengetroffen. Auch im Osten hatten die Militair-Operationen unter der Leitung des Generals Baraguay d'Hilliers wieder begonnen; derselbe muß mit sciner aktiven Division aus Konstantine ausgerückt scin, desgleichen sollte sih die kürzlich zu Bona gebildete mobile Ko lonne gegen den 15, Oktober in Marsch seben.

Der Stand der Dinge in der Provinz Konstantine i} fortwäh= reud im Allgemeinen befriedigend, und dort, scheint es, seßt si die Herrschaft der Europäer zuerst wirklich fest und {chlägt Wurzeln unter der eingeborenen muselmännishen Bevölkerung, seit man die Fehler vermeidet, in welhe die Verwaltung des Generals Negrier daselbst verfallen war. Eine sehr beachtenswerthe Erscheinung ist, wie auch dort das Element des Jslam, der afiatishen Barbarei, dem christli chen, der europäischen Civilisation sichtlich immer mehr zu weichen be ginnt, und wie schon jeßt die Sitten und Gewohnheiten der einge borenen Bevölkerung sih immer mehr jenen der Curopäer anzunähern an fangen. Diese Umwandlung kaun von Frankreich natürlich nux mit Befriedigung gesehen werden, da sie mächtig zur Zestseßung seiner Herrschaft in Asrifa beizutragen geeignet is. Ju Konstantine sind die Fälle {hon nicht mehr selter, wo selbs angesehene einheimische Fami lien Ehen nach europäischer Sitte und nach französischem Geseß ab \hließen, indem die Männer förmlich auf das Recht, mehrere Frauen zu haben, so wie auf jenes, die einmal ihnen angetraute Frau wieder fortschicken zu können, wenn ihnen die Laune dazu ankommen ollte, Verzicht leisten. Dergleichen Erscheinungen sind sicherlich bedeutende Resultate in dem unter großen Schwierigkeiten und daher nur lang sam voranschreitenden Civilisirungs-Prozesse jener Länder, die so viele Jahrhunderte hindurch wieder in die Finsterniß und unter das Joch der frassesten Barbarei zurückgefallen waren,

A Paris, 25. Okt. Nach eiuer ersten ziemlich kleinlauten Protestation gegen die bekannten Drohungen des Erzbischofs vou Lyon, fommt das Journal des Débats heute auf das vielbe \sprochene Schreiben dieses Prälaten an den Rektor der Akademie vou Lyon zurück, und zwar îin einem nicht ganz fo unentschiedenen Toue «als das erstemal, und mit deutlicher hervortretenden Bewußtsein von der absoluten Unrehtmäßigkeit des von dem Erzbischofe von Lyon im Namen der Kirche erhobenen Anspruchs, eine direkte Kontrolle über die Wahl der Lehrer an den Unterrichts-Anstalten des Staates aus zuüben. Das Journal des Débats macht sogar dem Minister des Vffentlichen Unterrichtes einen Vorwurf daraus, daß er es mt felbst übernehme , diesen neuen Uebergriff in amtliherweise abzuwel) ren, dessen Charakter es sehr treffend mit folgenden Worten schildert : „Wenn der Minister des Unterrichts die öffentlichen Lehrer künftig nur unter Vorbehalt des Beifalls der Bischöfe ernennen kann, so ist Alles abgemacht, so giebt es keine Universität mehr in Frankreich. Der alte Plan, die Erziehung der Jugend in die Hände der Geistlich keit zu geben, is verwirklicht. Mit Hülfe der unbegreiflihen Drohung, die Kaplane der Ggmnasien abzuberufen, was eben so gut i wie die Exkommunizirung, hat es der Bischof immer in der Gewalt, die Er- nennung des Professors zu erzwingen, den er haben will. Das Per I Dee LEDIIIS E O ee E l De Oil jeiner Nebenbuhler, um niht zu sagen, seiner Feinde. Wenn Der Vuiniiter eiten Lever ante V 0 Vit e me Diligence l U, S O Q n E V nung zu fragen und seine Einwilligung zu erlangen. Wo nicht, \o hört der Gottesdienst in den Gymnasien auf, so findet kein Reli gions-Unterricht mehr statt, so wird keine Corfirmation mehr vorge nommen. Nachdrückliche Aufforderung an die Familienväter, ihre Kin

sollen jährlih 5% der Brutto-Einnahme zur Stiftung und Erwerbung von Kunstwerken für öffentliche Zwecke zurückgelegt werden. Vorschläge für der artige Kunstwerke iönnen sowohl vom Direktorium, als auch von Einzelnen und Kommunen ausgehen. ($. 16). Das Direktorium hat zu prüfen, ob leßteren Falles die Vorschläge ausführbar, kunstgemäß und den Mitteln entsprechend sind. Erheischt der Vorschlag mehr als die dem L irektorium dafür angemessen erscheinenden Mittel, so bleibt es den Betheiligten überlassen, den Mehrbetrag selbst aufzubringen oder einen weniger Kosten verursachenden Kunstgegenstand vorzuschlagen. Wird der Vorschlag hingegen annehmbar gefunden und von der General-Versammlung genehmigt, so wird sofort zur Bestellung des Werkes geschritten, und bleibt dasselbe unveräußerliches Eigen- thum der Kommune, Eine Denkschrist davon wid bezeichnen, ob es außer dem Verein auch durch Kommune- oder andere Mittel unterstügt werde, ($. 17). Die Wirksamkeit des Bereins durch Ankauf is auf die Werke oon Künstlern aus allen deutschen Ländern, und selbst von ausländischen Künstlern, wenn selbige auf einer deutschen Kunstschule gebildet worden oder in einem deutschen Lande wesentlich wohnhaft sind, ausgedehnt, Dabei fol- len außer den in Sachsen geborenen oder daselbst lebenden Künstlern vor- zugsweise die Künstler derjenigen deutschen Länder berücksichtigt werden, welche durch eine größere Anzahl von Actien (wenigstens 25) die Mittel des sächsischen Kunst - Vereins dauernd unterstüßen. Wir hegen die Hoff- nung, daß diese äußere Wiedergeburt des Kunst - Vereins auch eine neue Belebung seines Juneren mit sich bringen und namentlih auch den alten Krebsschaden des Jndifferentismus, der auch hier an der Vezsandung unse- res Kunst -Justituts die Hauptschuld trug, beseitigen werde,

der aus diesen verfluchten Austalten hinwegzunehmen,“/ Es genügt, diese Dinge aufzuzählen, um jeden unbesangenen Geist zu überzeugen, daß die vom Erzbischof von Lyon în Anspruch genommene Rolle vor 400 Jahren vielleiht an der Zeit gewejen wäre, daß aber in den heutigen Tagen sou die bloße Jdee derselben ein Anachronismus ist. Das J ournal! des Débats erinnert daran, Day die französische Staatsgewalt bei früheren Konfliften mit der tirchlichen Macht sich dadurch zu helfen wußte, daß sie die weltlichen Besißthümer der Kirche mit Beschlag belegte, worauf denn unfehlbar ein Vergleich eintrat, aver es wagt nicht, ein analozes Verfahren sür die gegenwärtigen Berhältuisse als möglich hinzustellen. Wo ist indessen der Ausweg, auf welchem die Regierung der ihr von der Geistlichkeit angedrohten Vormundschaft entgehen kaun? Das Journal des Débats weiß der Regierung feinen Rath zu geben, und sein heutiger Artikel muß auf jeden Leser den Eindruck zurücklassen, daß es die Durchführung der Lom Erzbischof von Lyon erhobenen Forderung nur von der Kon- sequenz und dem festen Willen der Geistlichkeit abhängig macht, Grossbritanien und Irland.

Loudotu, 25. Okt. Heute begaben Jhre Majestät die Königin und Prinz Albrecht sih in Begleitung eines zahlreichen Gefolges und unter militairischer Csforte von Windsor nach der Eisenbahu-Station Slough, um ihre Reise nach Cambridge anzutreten. Man schreibt aus leßterem Orte vom gestrigen Tage, daß die Universität große Anstalten zu cinem würdigen und feierlihen Empfange der Königin getroffen hat. D

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Prinz Albrecht soll mit der Doktorwürde beehrt wer den, Es wird von einer gegenüber dem Altare in Kings College errichteten Platform viel gesprochen, auf welcher Jhre Majestät den Sessel einnehmen soll, dessen die Königin Elisabeth bei ihrem Besuche im Jahre 1564 sich bedient hat.

Die liberalen Blätter feiern mit großem Triumph den Sieg Herrn Pattison über Herrn Baring bei der Wahl in der City. Nach dem offiziell publizirten Stimm = Register hatte der Erstere nur eine Mehrheit von 165 Stimmen für sich, nicht 201, wie es anfangs bieß. Man sieht indeß diese Wahl immer als eine Niederlage des Ministe riums an und beweist sogar daraus dessen nahebevorstehenden Sturz, zumal da dasselbe Alles aufgeboten habe, Herrn Baring zum Siege zu verhelfen. „Von Schwierigkeiten unstellt und von Verlegenheiten mancherlei Art verwirrt““, {reibt der Globe, „würde das Ministe mim Den guisigen Mucgaiag der Wahl t der Cy als ein Zeichen des Vertrauens zu der Regierung haben anse hen können, besonders da dies in einem Wahl - Bezirke sich kundgegeben hätte, dessen Entscheidung eine günstige Rückwirkung in allen Theilen des Landes zur Folge gehabt haben würde. Je größer indeß die Vortheile eines Sieges gewesen wären, desto größer sind nun auch die Nachtheile der Niederlage. Jn dem numerischen Ver= hältnisse der Parteien hätte freilich das entgegengeseßte Resultat keine Aenderung hervorgebracht, aber die Abstimmung sollte die Ansichten der Bürger von London über die Politik der Regierung offenbaren, follte anzeigen, ob in der öffentlichen Meinung seit dem Eintritte des Ministeriums eine Reaction stattgefunden habe, oder nicht, und aus diesem höheren und unter den jeßigen Verhältnissen der Regierung viel wichtigeren Standpunkte richteten sich die Augen aller Parteiecu auf die Wahl in der City.“ Die ministeriellen Blätter haben hierauf uichts Ent= \cheidendes zu antworten, was der Globe widerlegte. Die Ultras, durch Times und Poft vertreten, erklären das Resultat aus dem Mangel an Energie, den das Ministerium bewiesen habe und è

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der die eigene Partei ihm abwendig mache; der streng ministerielle Stan dard und Herald wollen gar darin ein Zeichen der Prosperität und des Vertrauens zur Regierung im Lande sehen, da die konservative Partei es gar nicht einmal der Mühe werth gehalten habe, Anstren qungeu zu machen! Es i} nußzlos, solche Argumente aufzuführen ; sie beweisen nichts und können das Faktum nicht widerlegen, daß der Haudelsstand von London den Whigs gehört und dem Systeme des freien Handels, wie vorgegeben wird, anhängtz der ganze freie Handel beschränkt sich nämlich guf die Abschaffung des Schußes der Agrikultur,

Der Haupt-Deponent der Regierung in Jrland, auf dejjen Aussagen die Klage gegen O'Connell begründet wird, nämlich der Schnellschrei ber Hughes i} von dem Mitangeklagten, Herrn Barrett, Redacteur des Pilot, des Meineides angeklagt worden, weil er demjelben eine Rede in den Mund gelegt habe, die er zu Mullagheast gehalten haben sollte, während er durch mehrere Zeugen sein alibi beschwören (assen fönne, Der Schnellschreiber Hughes is durch seine Unkenntniß der Personen zu diesen Unrichtigkeiten verleitet worden, die indeß in dem ganzen Prozeß keine Aenderung herbeiführen werden.

Die Truppen-Sendungen nach Jrland dauern fort. Am 21sten d. schifften sich 200 Mann Artillerie von Liverpool nah Dublin ein, und zwei Kavallerie = Regimenter follen heute und morgen ebenfalls eingeschifft werden,

Wieder anude. „* Aus dem Haag, 23. Okt, Jn der zweiten Kammer der Generalstaaten haben große Debatten über die Ernennung des neuen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten stattgefunden, Der Königliche Beschluß, welcher Herrn de la Sarraz dies Portefeuille übertrug, war nicht durch einen Minister kontrasignirt, und folglich, sagte man, hatte keiner die Verantwortlichkeit dafür. Es hieß dies die constitutionelle Unverleßlichkeit des Königs bloßstellen. Das im Jahre 1840 revidirte Fundamental =Geseß sagt, daß jeder Minister für die Handlungen des Ministeriums, zu dem er gehört, verantwort lich sei. Wie will man nunmehr behaupten, daß ein Minister, der einem oder dem anderen Departement fremd ist, für die Ernennung eines seiner Kollegen verantwortlih gemacht werden fönne? Wir haben bei uns keinen Präsidenten des Minister- Conseils, der doch in solchen Fällen allein zur Kontrasignirung aufgefordert werden könnte, Aber wie sehr unsere constitutionellen Deputirten in ihrem Sißungs saale auch ihre Stimme erheben mögen, um die ministerielle Verant-= wortlichkeit aufrecht zu erhalten, diese Stimme wird ungehört verhal len, sobald es si um die Ernennung cines neuen Ministers durch den König haudelt, weil diese Ernennung von keinem besonderen Depar- tement abhängt. Dies hat der Justiz-Minister der Kammer schr gut auseinandergeseßt, die sih denn auch von der Richtigkeit seines Raison nements überzeugte und die Ordonnanz iu Betreff der Notification der Ernennung des neuen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten mit 27 gegen 15 Stimmen annahm. i Viele Deputirte meinten , die Kontrafiguirung eines Ministers gebe der Kammer und der Nation die Versicherung, daß der neue Minister alle Eigenschaften eines guten Ministers besiße. Es han delte sich aber hier nicht um die Eigenschaften , die zu einer Ernen- nung erforderlich sind, sondern um die Sähigkeit als Staatsmann, und man muß bekennen, daß, wenn die constitutionellen Prinzipien das Geld der intelleftuellen Kenntnisse ausbeuten wollen, wir in ein sol ches Labyrinth der politischen und rationellen Meinungen gerathen werden , daß die Verantwortlichkeit ein lächerliches , bebeutungelvses und nah dem Winde der Leidenschaften sehr gefügiges Wort wer- den wird, E Das F p i ; - a E t V Geseb verlangt feineêweges, daß der Beschluß,

h nen Aimijler ernennt, von dem Minister eines anderen De partements kontrasignirt sei, es sagt nichts von dieser Formalität. Warum sollte dies auch \o sein? Warum will man den Grundsaß

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aufstellen, daß die constitutionellen Prinzipien gebieterisch diese Kon- trasigmrung verlaugen? Wer hat denn die allgemeine Syntax der constitutionellen Prinzipien verfaßt, die auf diese Weise stillschweigend in irgend ein Fundamental-Geseß ex oflicio Bedingungen oder Ar tifel einschalten, von denen darin nicht die Rede i? Alle diese For derungen passen in das System derjenigen, die Alles nah ihrer Weise regieren wollen, Die Entscheidung der Kammer wird für die Zukunft als Geseß gelten und man muß ihr für ihre Weisheit und Mäßigung danken, Die Verfassungen haben verschiedene Basen, verschiedene Prinzipien; man kauft nicht Formulare zu Constitutionen, wie For mulare zu Notariats-Aften.

Ueber die Ernennung eines Finanz-Ministers is noch immer nichts entschieden. Man spricht fortwährend von der Reduction der Rente, von der Einkommen-Steuerz allein es verlautet noch nichts Bestimmtes darüber. Die Opposition bewegt sih auf dem gewohnten Wege, spriht von Ersparungen und wirft sich mit ihrem ganzen Gewicht auf die Armee, den Generalstab und die Beamten, um das Land zu retten. Von den Rentiers des Staats, welche ruhig die Hâlste des Budgets verzehren, spriht man kaum,

__ Heut wurde die Antwort auf die Thron-Rede in den Sectionen erörtert; sie wurde genehmigt, und darauf zur Berathung an die erte Kammer gesandt.

Die Organisation der Armee hat Veränderungen erfahren und noch andere werden bald folgen, Die zweite Kammer hat es wollt, während die Repräsentanten des neutralen lionen für die Armee bewilligt haben!

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Luzern, 22. Oft. (O. P. A: Z.) Unmittelbar nach dem äm 20, Oktober erfolgten Beschlusse des Großen Raths über die aargaui \he Kloster - Angelegenheit gab die Minderheit, mit Ausnahme des Altschultheiß V. Rültimann, folgende Erklärung zu Protokoll: „Die Unterzeichneten erklären, daß sie zu vorstebendem Beschlusse nicht ge stimmt haben, indem sie die Ansicht hegen, daß derselbe der erste Schritt sei, elne für das Vaterland unheilvolle Bahn einzuschlagen, auf welcher unabsehbare Zerwürfnisse und vielleicht selb blutiger Bürgerkrieg in der Eidgenossenschaft herbeigeführt werden. Sie wollen darum thre Namen vor jeder Theilnahme an diesem Be \chlusse bewahrt wissen. ‘’ Gez. Dr. Kasimir Pfyffer; Jakob Kopp ; Joseph Bühler; Jgnaz Kaufmann; Arnold von Mehlseken; Arnold von Schlierbach,

_GenuF, 20. Okt. n der Revue lies man: „Man versichert, daß die Jsraeliten vom Staats-Rath die Erlaubniß erhalten haben, ihren Gottesdienst in Genf zu feiern, den sie bisher nur in der Stadt Carouge ausüben durften. Wir wünschen dem Staats-Rathe Glück zu dieser Handlung der Gerechtigkeit und Duldsamkeit und werden uns freuen, wenn wir derartige Verfügungen noch üfters mittheilen FONN N

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Neuchatel, 18, Okt. (A. Z) Zu den vielen öffentlichen Bauten, die seit Jahren in und um Neuchatel unternommen und vollendet worden sind, gehört besonders der Tunnel oder Kanal des Seyon. Leßterer is ein wilder, bei großem Wasser im Frühling und Herbst und nah heftigen Regengüssen auch im Sommer unbändiger Waldstrom, der durh die Stadt fließt, außer jener Zeit aber fast trocken liegt, \{chmubig ausfieht und durch feine Miasmen im Sommer ein großer Uebelstand für die Stadt ist. Es wurde daher beschlossen, dèn “Sêÿon durch eiu neues Kanal bett südlich vou der Stadt in den See zu leiten, sein bisheriges Bett in der Stadt aber nah Abtragung der Brücken uud Ausfül lung des Betts zur bedeutenden Vergrößerung und Verschönerung Neuchatels zu benußen. Dieser neue Kanal mit seinen malerischen Wasserfällen sollte am 15. d., dem Geburtstag des Königs erbffnet und der Seyon in ihn geleitet werden; nur ein Damm trennte ihn von seinem neuen Bett. Ju der Nacht vom 9. auf deu 10, schwellte jedoch heftiger Regen den Strom so an, daß er den Damm durch brach und sich von selbst in sein neues Bett stürzte; uur ein kleiner Theil lief noch durch die Stadt. Drei s{chöne Wasserfälle hatte das mächtige Wasser in dem neuen Kanal gebildet. Dieser \{chöne Wasser bau ist von großer Wichtigkeit für die Stadt, die dabei keine Kosten ge\cheut hat, So wurden allein dies Jahr 60,000 schweizer Franken bestimmt zur Grabung des 2200“ langen bedeckten Kanals, der das sür die Reinlichkeit der Straßen nöthige Wasser in die Stadt führen joll, eine Arbeit, die im Ganzen noch 37,000 Fr. kosten dürfte.

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X&ckX& Paris, 25. Okt. Laut der Nachrichten aus Saragossa vom 19ten, welche wir heute erhalten, hatte der General Concha die Beschießung der Stadt am Morgen jenes Tages noch nicht be gonnen, wiewohl das erwartete Belagerungsgeschüß längst angekom men und in Batterieen aufgefalren war. Das Gewehrfeuer dagegen dauerte auf beiden Seiten seit mehreren Tagen vom Morgen bis zum Abend fort, ohne indessen großen Schaden anzurihten. Die Bela gerten bedienten sh überdies von Zeit zu Zeit ihrer Kanonen der General Lopez Baños hat nämlich bei seinem Abmarsche gus Saragossa einige zwanzig Stück Zwölf=, Sechzehn= und Vierund zwanzigpfünder in der Stadt zurückgelassen, welche die ganze Artillerie der Insurgenten zu bilden scheinen und ste haben auch einige Granaten in das Lager des Generals Concha geworfen. Die Blokade-Linie des General-Capitains geht von einem befestigten Thurme aus, der zwischen dem rechten Ebroufer und dem Schlosse liegt, und in dessen Nähe ein Blockhaus zur Beschübung der Fähre über den Ebro erbaut ift. Bon dem Schlosse aus beschreibt die Blokade-Linie einen starken Bogen, der sich auf eine an- der Straße nach Madrid gebaute sehr feste Schanze stüßt; von da geht sie dann über die Thürme von Lara, Villaroyo, Ponte und Jrazoqui bis zu der nah Unter - Aragonien führenden Straße und von dort nah einem Thurme dicht bei der Vorstadt San Jose, welcher den Zusammenfluß des Ebro und der Huerba beherrs{t. Die erste der Batterieen der Belagerer is zwischen Cuellar und la Torre de la Perfumista errihtet, und eine zweite liegt 80 Ellen rechts von der ersten auf dersclben Unie. Die Belagerec hatten bis zum 15ten, mehrere Verwundete ungerechnet, nur einen Mann verloren, der durch einen auf den Thurm vou Jrazoqui gerichteten Kanonenschuß getödtet wurde.

Die Junta von Saragossa soll einen Theil ihres Ansehens ein- gebüßt haben, uud es heißt, daß sie genöthigt worden set, mehrere ihrer Mitglieder durch Leute aus der Hefe des Volks zu erseßen, Die Saragossaner haben einen Menschen, der unter dem Beinamen „Chorizo‘“ bekannt i}, zum General Capitain ernannt, von welchem eine ristinische Korrespondenz sagt, daß er das Haupt der Mör= derbande sei, welhe in Saragossa seit einigen Jahren den Meister spiele. Chorizo, fährt diese Korrespondenz fort, hat sehs Kriminal Prozesse gehabt, von denen der leichteste ihn hätte an den Galgen bringen müssen, und er war zuleht zu zehnjähriger Galeerenstrafe ver= urtheilt; aber die Furcht, die man in Saragossa vor seiner Bande hat, war Veranlassung, daß ein Einwohner der Stadt Bürgschaft für ihn leistete, unter deren Schuß er frei in Saragossa umherging, wo Jedermann aus Angst den Hut vor ihm abnahm. Eine der ersten Maßregeln , die dieser seltsame General - Capitain ergriffen, is die

Freilassung von 700 Zuchthaus - und Ketten-Gefangenen, von denen sih übrigens mehrere bei der ersten Gelegenheit zu den Belagerern geflüchtet haben, um sich nit bei der Vertheidigung von Saragossa

zu fompromittiren. Ein Theil der National =- Garde wünscht einen Vergleich einzugehen, aber der andere Theil, welher unter dem un- mittelbaren Einflusse der Baude Chorizo's, der befreiten Galeeren= Sträflinge und des aus Offizieren der Armce gebildeten „heiligen Corps‘ eine Vertheidigung auf Leben und Tod will, is der Zahl nach überwiegend, 5

Das Pronunciamiento der kleinen aragonishen Stadt Ejea is durch eine dorthin abgeshickte Truppen - A eilung rasch und ohne Widerstand rückgängig gemacht worden, :

Das von Saragossa aus abgeschickte Expeditions-Corps, welches durch die Truppen des Generals Claveria bei Viota vernichtet worden ist, war nach Navarra bestimmt, wo seine Ankunft in der That wohl einen Ausbruch der unzweifelhaft in einigen Theilen der Nord = Pro- vinzen herrschenden Gährung hätte hervorbringen fönnen. Die bei Viota zu Gefangenen gemachten Soldaten werden in Pampelona erwartet. 1 diejer Stadt herrshte am 19ten äußerlich die vollkommenste Ruhe. Sben jo an dem bezeichneten Tage in Bilbao, von wo auf Befehl des politishen Chefs sechs als Führer der farlistishen Partei ver= dächtige Personen nah Vitoria verbanut, und durch die Polizei dahin abgeführt worden sind. : /

Aus Barcelona haben wir weder gestern noch heute Nachrichten erhalten, welche über den 16ten hinausreihen. i u den bereits früher gemachten Mittheilungen über die Vor- gange in der Hauptstadt von Catalonien bis zu dem bezeichneten Tage sügen wix noch hinzu, daß die Junta den Bewohnern der Häu- r, welche sich in der unmittelbaren Nachbarschaft der Kathedrale nd des Rathhausplaßzes befinden, den Befehl gegeben hat, sh nach anderen Wohnungen umzusehen. Man wirft übrigens den Jusurgenten von Barcelona vor, daß sie ihre Batterieen ganz absichtlich in der ahe der fostbarsten Baudeulmale der Stadt aufgepflanzt haben, in der Hoffnung, das Feuer der Belagerer dadurch zu lähmen. Diese Erwartung hat sih aber keineêweges bewährt, und es steht sehr zu befürchten, daß die Kugeln des Generals Sanz schon jeßt manchen unerseblichen Schaden angerichtet haben, Ein Lied, welches großen Beifall unter den Jusurgenten in Barcelona gefunden hat, droht in dem Refrain : Madies á la paella, E primer será n Prim, den

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Bertheidigern der Regierung, und vor Allen dem General Prim, sie auf dem Roste zu braten.

__ Ueber den Zustand der Dinge in Gerona is nur so viel gewiß, daß die Feindseligkeiten von beiden Seiten vertragsmäßig eingestellt stnd. Unter welchen Bedingungen und auf wie lange Zeit is un= bekannt. Eine Korrespondenz von der Gränze will wissen, daß wäh= reund des abgeschlossenen Waffenstillstandes Abgeordnete nicht blos von Gerona, sondern auch von mebreren benachbarten Städten, na- mentlich von Hostalrich und von Figueras, nah Madrid gehen sollen, um sih mit der Regierung zu verständigen. Aus dem Königreiche Valencia wird geschrieben, daß der kar= listishe Häuptling la Coba, welcher unlängst eine {were Niederlage erlitten hatte, sein Unwesen von neuem angefangen hat. Man spricht überdies von einer farlistishen Verschwörung, die sih von Chelva, ihrem Hauptsiße, aus, über mehrere benachbarte Orte verbreitet und die, als man sie entdeckt, {on mehr als 500 Theilnehmer gehabt habe. Orte enlan d. © Müúncheun, 26, Okt. Durch außerordentliche Gelegenheit, denn die sonst gewöhnliche griehische Post haben wir erft bis zum /, oder 8. November zu erwarten, sind über Triest wieder diesen Mor- gen hier Briefe aus Athen angekommen, welche bis zum 13. Oftober reihen. Auch bis dahin war weder in Athen noch in den Provinzen gegen den dermaligen Bestand der Dinge irgend eine Demonstration vorgetommen, Solchen vorzubeugen, wurden auf Befehl der Regíie- rung theils in der Haupkstadt, theils in den übrigen größeren Städ- ten noch immer Verhaftungen und Exportationen solcher Personen vorgenommen, die man als dem gegenwärtigen System und dessen Verfechtern abgeneigt betrachtete. Kalergis hatte über Makrijannis und Metaxas das Uebergewicht in solcher Weise erhalten, daß er jeßt unbedingt als das alleinige Haupt der Bewegungs=Partei ange= sehen werden darf. Von Maurokordatos erfährt man nur, daß seine Anhänger für ihn die Wahl in Missolungi zu eutscheiden wußten, jedoch, wie es scheint, uicht ohne vieles Widerstreben, Sonst hatte er noch keinen überwiegenden Einfluß gewonnen. Ueberall nahmen die Wahlen, meist unter großer Aufregung und selbst uuter Tumult, die ganze Aufmerksamkeit der Bevölkerung in Anspruch, Se. Ma= jestät König Otto beobachtete nah wie vor eine würdige Haltung, erschien, in der Regel mit Jhrer Majestät der Königin, häufíg öffentlich und hatte sich bei diesen Gelegenheiten nach wie vor un- zweideutiger Beweise loyaler Volksgesinnung zu erfreuen. Man hofft

allgemein, die Wahlen würden bis zum 8, oder 10, November in allen Theilen des Landes beendigt fein.

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Konsftautinopel, 11. Okt. (Wiener Ztg.) Heut um ll Uhr 5 Minuten Vormittags haben zwei kurz auf einander folgende, ziemlich fühlbare Erdstöße unsere Stadtbewohner aus ihren Zimmern geschreckt. Gläser und Schalen in und auf den Schränken erflangen, das Gebälf frachte und ein donnerähunliches Getöse ließ sich verneh- mon. Nach drei Sekunden war Alles wieder ruhig. Viele befürch= ten eine Wiederholung der Stöße in der Nacht.

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Siena Berlin-Frankfurter Eisenbahn. In der VVoche vom 22. bis 28, Oktober sind auf der Berlin-Frank- furter Eisenbahn 4133 Personen befördert worden.

__ Weimar, 28. Oft, (W, Z.) Am nächsten Montage findet hier eine Versammlung sämmtlicher Ausschuß = Mitglieder der Eisen- bahn-Comités aus Hallo, Merseburg, Weißenfels, Naumburg, Apolda, Weimar, Erfurt, Gotha und Eisenach statt. :

« + Aus dem Haag, 23, Okt, Die Probefahrten, welche von Zeit zu Zeit von Utrecht aus auf der rheinischen Eisenbahn an- gestellt werden, gehen nah Wunsch von Statten, Am 6. Dezem- ber, dem Geburtötage des Königs, wird die Section nah Amsterdam eröfsnet werden.

Handels - und Börsen -Uachrichten.

Breslau, 27, Oft. (Schl. Z.) Jun der vergangenen Woche zeig- ten sich bei vermehrter Zufuhr auch bessere Qualitäten von Weizen an un- serem Markte, was zur Folge hatte, daß mehreres zum Versand gekauft wurde und die Preise sich dadur unverändert erhielten. Man bewilligte sür neuen gelben Weizen 51 a 56 Sgr. p. Schfl. nah Qualität, S weißen 54 a 59 Sgr. p. Schfl. Alter und neuer gemischter na ferti bedang 57 a 61 Sgr., weißer 58 a 63 Sgr. p. Scbsl. E los Prit-

Für Roggen hielt die Kauflust an und fanden die angetrag ticen zu 40 a 42 Sgr. p. Schfl. willige Nehmer, Schfl

Gerste 29 a 31 Sgr., Hafer 17 a 20 Sgr, p. D

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