1843 / 124 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

¿1 Geräusch geschieht. Nach mehrtägiger Windstille is o Scirokfo - M, zit Regen eingetreten. _,Das Barometer steht auf 27“ 10‘, das Thermometer auf F 10,0 R, Keine der Familien, welche die Stadt verließen, 1st mehr dahin zurückgekehrt, und die Kaiserliche Besaßung bivouakirt fortwährend im Fle>en Pille.

4 Prag, 23. Okt, Durch die fortschreitende Ausbreitung der Homóöopathie gestalten si< in unjerem Lande die Verhältnisse der Apotheker immer ungünstiger. Von dem Wunsche beseelt, vermögens- losen und erwerbsunfähig gewordenen würdigen Apothekern Schuß mittel gegen drückende Noth zu gewähren, ist hier ein pharmaceuti her Unterstübungs-Berein gebildet worden, der nah erfolgter Ge nehmigung im vorigen Jahre sih fonstituirte und bereits erfreuliche Theilnahme findet. Die seinen Zwe>ken gewidmeten Legate und die Beiträge von 120 zahlenden Mitgliedern haben bereits die Zusam- menbringung der Summe von 4187 Fl. Conv. M. und die Unter- stüßung mehrerer würdiger Berufsgenossen mögli<h gemacht, Die Wirksamkeit des Vereins erstre>t sih blos auf Böhmen.

SLGHLFCIO..

Paris, 26, Okt. Herr Thiers ist wieder in Paris eingetroffen und hat heute in St. Cloud eine Audienz bei Sr, Majestät dem Könige gehabt. Der Anlaß zu der unerwarteten Rückkehr des Herrn Thiers soll übrigens fein politischer sein, sondern der Gesundheits zustand seiner Gattin, welcher lebhafte Besorgnisse erregt. Auch soll Herr Thiers die Absicht ausgesprochen haben, sih bis zur Er- öffnung der Kammern in feine politishe Diskussionen einzulassen. Die beabsichtigte Reise nah England scheint er definitiv aufgegeben zu haben. Man sagt, er habe den französischen Botschafter am Hofe von St. James, Grafen von Skt. Aulaire, ersucht, ihm, wo mög lich, zur Erlangung der Dokumente behülfli< zu sein, die er von England her zu seiner Geschichte Napoleons braucht, und wovon sich namentli ein bedeutender Theil im Besiß des Herzogs von Wellington befindet,

Lord Cowley hat im Auftrage seiner Souverainin in einer eigens zu diesem Behufe nachgesuchten Privat Audienz dem Könige eine ver trauliche Mittheilung gemacht, die vollkomineu genügend sein soll, um jede Art von Argwohn zu beseitigen, den der Empfang des Herzogs von Bordeaux am Hofe der Königin Victoria etwa hätte erwe>en fönnen. Der junge Prinz wird an diesem Hofe eine Aufnahme er halten, die seiner hohen Geburt und seinen verwandtschaftlichen Beziehungen vollk:mmen entspricht, wobei jedo vor der etwa von ihm in Anspruch genommenen politischen Stellung durchaus Umgang genommen wird. Der König soll si< mit dieser Eröffnung sehr zufrieden bezeigt und dafür in den freundschaftlichsten Rückäußerun gen seinen Dank erstattet haben. |

Herr Olozaga is am 22sten d. auf seiner Reise nah Madrid,

wohin ihn die legislativen Arbeiten der Cortes berufen, dur< Bor= deaux gelommen. Man sagt, er sei der Ueberbringer sehr wichtiger Mittheilungen in Betreff der spanischen Frage. Mad. Adelaide, deren Gesundheits - Umstände lebhaste Besorg-= nie eiuflößen, soll, wie der Courrier fran c ais wissen will, ein Testament gemacht haben, wodurch sie den Prinzen von Joinville zu ihrem Universal-Legaten eingeseßt, jedo mit der Bedingung, daß er dem Herzoge von Montpensier 1 Million auszahle,

Der Herzog von Montpensier is heute von Meh in St. Cloud angetfommen z er scheint sich in der Besserung zu befinden.

Zu welchen Verirrungen der Dämon der Eitelkeit auch die aus

gezeihnetsten Geister verleiten kann, davon liefert das lebte politische

Programm des Herrn vou Lamartine wiederum ein betrübendes Beli- spiel. Der saufte Dichter

der „Harmonicen““ macht sih jeßt zum

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meter von Clermont, an der Eisenbahn angelegten Bauhofe eine Ar= beiter-Coalition statt, wel<he den Zwe> hatte, eine Maschine für die Erd- Arbeiten zu zerstören, Der Gendarmerie - Lieutenant von Cler= mont begab si< mit einer Brigade und den Verwaltungs- und Ge- rihts-Behörden an Ort und Stelle, um die Gährung, die den höch= sten Grad erreicht hatte, zu dämpfen. Bei der Ankunft dieser Her= ren stießen die Arbeiter die gewaltsamsten Drohungen aus, reizten sich einander zur Empörung auf und begannen ihre Zerstörungs- Pläne gegen die Maschine, wovon mehrere Theile dur sie zertrümmert wur- dea. Das Einschreiten der Cigenthümer und Chefs steigerte nur die Wuth der Empörer, die si< gegen sie Thätlichkeiten erlaubten, welche die ernstlihsten Folgen haben fonuten. Nach der Entfernung dieser Herren begannen die Arbeiter, die hölzernen Theile der Maschine zu verbrennen; sie suchten sih den Gendarmen zu widerseßen, und es eutspann si< ein Kampfz der Lieutenant selbst mußte zweien Gendar- men, die man mißhandelte, mit den Waffen in der Hand zu Hülfe eilen. Ju Folge der getroffenen Maßregeln mußten die Arbeiter si< zurüdziehen, und es fanden Verhaftungen statt. Man mußte ein Jäger=-Detaschement an Ort und Stelle senden, welches bis zur gänz= lichen Wiederherstellung der Ruhe dort verweilen wird.

Das offizielle Journal des öffentlichen Unterrichts macht die Re sultate der in den verschiedenen Afgdemieen des Landes fürzlich statt gehabten Prüfungen zum bachelier-ès-lettres bekannt. Es ergiebt sich gus dieser statistishen Uebersicht, daß von beinahe 10900 Exami-= nanden nur 380 bestanden sind.

Herr Lebas, Mitglied des Instituts von Frankreich und bekannt dur die Leitung der Errichtung des Obelisken auf dem Caroussel= Plabe zu Paris, befindet si in diesem Augenblicke zu Konstantinopel und wird sich von dort nach Acgypten begeben. Herr Lebas is von der französischen Regierung mit einer archäologischen Sendung beauftragt.

Considère, der in mehrere politische Prozesse verwicelt, und auch der Theilnahme eines Angriffs auf die Person des Königs beschuldigt war, is \o eben in das Gefanguiß von Montmedy abgeführt worden. Er wurde an der Oft - Gränze ergriffen, als er so eben eine bedeu tende Quantität belgischen Tabaks über dieselbe {muggeln wollke ; sein Gefährte is ebenfalls von den Zoll Beamten festgenommen worden.

Man weiß jeßt den Grund der am 21, Oftober erfolgten Be {lagnahme der France. Herr Frederic Dollé, Geschäftsführer dieses Blattes, erschien gestern vor dem Jnstructionsrichter, Herrn von St. Didier, und cs wurde ihm die Akte ‘des Parkets vorgelesen, welche die Beschlagnahme der besagten Nummer anbefahl. Der in-= friminirte Artikel is: „Historishe Erinnerungen“ betitelt und bezieht sich auf den Einzug, welchen Ludwig XIV. am 21, Oftober 1652 in Paris hielt. Der Artikel enthielt Auszüge aus der Geschichte der ses frauzösishen Restaurationen und aus der Geschichte Frankreichs

von Anquetil, welche zu Anspiclungen veranlaßten, die das vffentliche Ministerium nicht dulden zu dürfen glaubte.

Grossbritanien und Irland. London, 26. Okt. Jhre Majestät die Königin hat gestern

| Nachmittag ihren feierlihen Einzug in Cambridge gehalten und ihre \ Residenz in Trinity College genommen,

Sogleich na< Ankunft der | Königin fand in der großen Halle, wo unter dem Bilde Newton's | der Thron errichtet war, die erste Vorstellung der Universitäts - Mit glieder statt, welche der Vice-Kanzler durch eine Ueberreichung zweier Adressen an die Königin und den Prinzen Albrecht eröffnete. Nach= dem die ersten Würdenträger der Universität, der Lord Steward, der Bischof von Ely und andere einzeln vorgestellt waren, begab sich Jhre Majestät in Begleitung ihres Gemahls und Gefolges, des | Marquis von Exceter, Grafen von Delawarr, des Schaß = Kanzlers

Organ der schrilleudsten Dissouauzen, um die Rolle eines politischen | Herrn Goulbourn u. A. nah der Kapelle des Kings College, wo

Agitators zu spielen, und sto ruft er dem Volke am Schluß seines Manuifestes zu: „Wenn die National-Versammlung heute wieder aus ihrem Grabe erstände und st< ihrem solchergestalt entstellten Werke gegenüber sähe, welcher ihrer Staatsmänner würde die Revolution in den Händen der jeßigen Regierung wieder erkenneu? Von Reaction zu Reaction, von Bestechung zu Bestehung , von Ein- hüchterung zu Einschüchterung, vou Vorwand zu Vorwand screi= tend, welhen Grundsaß hat man unangetastet gelassen? Statt einer Demokratie habt ihr eine Oligarchie ; statt der Gleichheit einen Wahl= Adel ; statt eines Magistratur -Königthums ein Dynastie - Königthum ; statt der freien Presse, die September-Gesebe ; statt des Associations= Rechts, das Verbot in Vereine zusammenzutreten; statt der freigege= benen und vom Altar lebenden Religion, religiöse Streitigkeiten und um das Budget hadernde Kulte; statt des ins Unendliche theilbaren Grund-Eigenthums, ein Grund-Eigenthum von todter Haud, das von

.

Tag zu Tag mehr an unzählbare Körperschaften übergeht und die Familie enterbt; statt der Arbeit und der freien Gewerbe, ein an die Kapitalisten verkauftes Frankreich; statt der beweglichen und morali hen Suprematie des Verstandes, die Suprematie des Grundzinses und die Oberherrlichkeit der Scholle und des Patents! Hier habt ihr die Revolution einerseits, die Regierung andererseits. Urtheilt nun !“

Durch eine Königliche Verordnung vom 22sten d, wird in der Schule für orientalis<he Sprachen ein Lehrstuhl für den Unterricht in der chinesischen Volfssprahe begründet und Herr Bazin zum Pro- fessor dafür ernannt,

Am 20. Oktober fand auf dem zu Montagne-la-Reine, 5 Kilo

ten Gesang-Instituts war, besonders was die Chöre anbetiraf, nach den vorhandenen Mitieln, eine gelungene zu nennen. Jedoch sei es uns erlaubt, eine Bemerkung für den Dirigenten zu machen, Die Tempis waren, außer Os Chores, alle um die Hälfte zu schnell, wodurch die Wirkung, nte wahrhaft shöne Werk auf ‘den Zuh?rer ausübt, bedeutend in: ues A Am grellsten trat dics in dem Solosaß „Et misericor- Teras ai c) sür Sopran und Alt, und in dem Ductt „Suscepit einen äußerst os Tenor und Baß hervor, Beide Säße verlangen Bei ew Ma “U möglichsst langsamen uud getragenen Vortrag, CAnids R ves ore, welcher, ebenso wie der erste auf den basirt is , war das S R Ren Kirchengesanges im 6ten Tone gänzlich "verloren ging e nell, daß die herrliche Figurirung beinahe Tempis angegeben: allein aa allerdings in dem ganzen Werke keine ÁG Vie quf, die: AG) GRUG u, bruiia, Lis, f den Text selbsi jeder Beziehung edle und würdevolle Corrattit HEVGRIE ». DENNOM I richtige Maß der Ausführung l S Eu , wird Jedem bald das auf das zahlreich versammelte Publitum d indruck, welden das Werk veranlassen, uns diese meisterhaste E i möge Herrn Schneider mal zu Gehör zu bringen. Zugleich machen N diescm Winter noch ein- remiae von demselben Meister aufmerksam, ein Weit 4 A N que» der wissen, hier no< nie zur Aufführung gebracht w er welches, so viel wir der tiefsinnigsten desselben i. ) worden, unstreitig aber eines An das Magnifikat {loß sich

__2) S pohrx's Psalm 118, cine Arbeit, welche \ würdige Haltun kennt man au

/ , ih durch Ei i vor vielen größeren Tonwerken desselben A E

den Komponisten dur seine harmonischen Wendungen

überall wieder, jo hat er doch bei diesem Psalm keinesweges das Maß über-

schritten. Die Ausführung war in jeder Beziehung gelungen,

3) Den Beschluß bildeten „Herbst“ und „Winter“ au

2 7 z pee , 8 Hayd G „Jahreszeiten“, Dieses Meisterwerk ist allgemein bekannt, weshalb wir uis hier jeder Besprechung enthalten. Die Soli’s sowohl wie die Chöre waren

gut geübt und bildeten im Verein mit dem Orchester ein s{hönes Ganze,

| sie den Throunsessel der Königin Elisabeth einnahm und dem Gottes- | dienst beiwohnte. Es wurden mehrere Chorgesänge von großen Mei= | stern abgesungen, namentlih das „Gloria in excesis” von Pergo | lese und der Psalm „Preis den Herrn o meine Seele“ von Mozart, | deren treffliche Ausführung die besondere Aufmerksamkeit Jhrer Ma | jestät erregte, | Eine große Anzahl der Bewohner von Birmingham, größten: | theils Anhänger des Chartisten - Haupts Joseph Sturge, haben auf | einer Versammlung, welcher der Mayor der Stadt sich indeß uicht anschließen wollte, eine Adresse an die Kbuigin beschlossen , worin sie um Einstellung der militairischen Maßregeln in Jrland bitten, damit das Volk in der freien Aeußerung seiner Beschwerden nicht gehindert werde.

Nach den leßten Nachrichten aus Jrland vom 24sten is keine Aenderung in den dortigen Verhältnissen eingetreten. O'Connell hat die gewöhnliche Wochen - Versammlung des Repeal - Vereins von der Kornbörse nah der neu errichteten sogenannten „Versöhnungshalle“ verlegt und dieselbe am 23sten mit einer seiner zur Zeit versöhnlichen Reden eingeweiht. „Mein erster Ausspruch, den ih hier in der Ver söhnungshalle thue, is der, daß es nur einen Weg giebt, die Repeal zu erlangen, und der besteht in der Auwendung friedliher und gesetzlicher Mittel. Mein zweiter Ausspruch ift der, daß die Repeal gewiß ist. Am folgenden Tage wurden die Verhandlungen des Vereins in der Versöhnungs-Halle fortgeseßt, und von O'Connell der Antrag zu einer abermaligen Adresse an das irländische Volk, welche dasselbe zur Versöhnung ermahnen soll, ge=

Die zufriedenen Mienen der Anwesenden bewiesen am besten, daß Nie mand unbesriedigt nah Hause ging. Daher nur noch eine Frage: Sollte sich das Klavier nicht auf irgend eine andere Weise stellen lassen? Wir sahen no< niemals eine solche Aufstellung, welche, abgesehen von dem höchst unangenehmen Eindruck, den sie hervorruft, zugleich ganz unnöthig is, Beim Eintritt in den Saal glaubte man einen Katafalk zu erblicken,

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Berlin, Der wissenschaftliche Kunst-Verein feierte am 21isten d, M, sein 17tes Stistungsfest im Jagorschen Lokal, wo derselbe si<h gewöhnlich versammelt. Die von Mitgliedern und (Gästen schr zahlreich besuchte Siyung wurde von dem zeitigen Direktor, Herrn Geheimen Regierungs - Rath Pro- fessor T oelken, eröffnet, worauf Herr Dr. Alfred Reumont, nach mehrjähriger Abwesenheit kürzlich aus Jtalien zurückgekehrt, cinen Vorirag hielt „über die neuesten Erscheinungen im Fache der Kunst und der darauf bezüglichen Literatur inNom, Toscana und der Lombardei.“ Bei den einzelnen Städten verweilend, berührte er namentli<h Caniína's Untersuchungen über den Kirchen - Baustyl und die alten Basiliken, mit Hinblick auf die gleichzeitige Schrift über diesen wichti- gen Gegenstand vom Geheimen Legations - Rath Bunsen, sprah dann von den neuesten Arbeiten in Florenz, der Ausbesserung und bevorstehenden Vollendung des Doms und der Ausschmückung der Hallen der Uffizien durch Statuen berühmter Florentiner und berührte endlich, zu den lombardischen Städten übergehend, die neuen Bauten und sonstigen Werke in Verona, die Brücke über die Lagunen, welche Venedig mit dem Festlande verbinden wird, Tizian's Denkmal in leßtgenannter Stadt und Venedig?s erneutes Aufblühen, Mailands künstlerische Verhältnisse, insbesondere die Arbeiten bei Pra 8, Monti's und Hayez”, Die bevorstehende Nückgabe der Certosa österreichischen R Karthäuser- Orden und die grundlose Beschuldigung der Schlusse erwäl nt. Verfi daß sie diese Kirche verfallen lasse, wurden am Verona A, wack erschiedene neue Werke von Canina, von Orti über

. Me en dabei vorgelegt.

stellt und angenommen. Es müßte, sprach der Agitator, ihr erstes Geschäft in der Versöhnungs-Halle sein, alle Klassen ihrer Mitbürger mit einander auszusöhnen, und das geschähe durch eine kräftige be- stimmte Darlegung des Planes, nach welchem sie handelten. England müßte so gut wie Jrland mit ihnen ausgesöhnt werden, uud das würde geschehen, wenn sie zeigten, daß sie im Recht wären. Die ge= re<hte Sache strebe stets nah Versöhnung, die ungerechte dagegen nah einem Vergleihz; man möge deshalb nicht seine beantragte Adresse als eine Hinweisung auf solchen Vergleich ansehen, sondern über- zeugt sein, daß er durch die gerechte Agitation, ein unabhängiges Par lament zu erlangen, die Versöhnung bezwe>e. Zugleich theilte O'’Connell einen Brief des Herrn O'Brien, Parlaments-Mitglied für Limeri>, mit, worin derselbe seinen Beitritt zum Repeal-Verein an kündigt. Der Brief wurde mit großem Beifall aufgenommen, weil Herr O'Brien einer der einflußreihsten und geachtetsten Männer in Jrland is, der bekanntlih in seinem Antrage zur Verbesserung der irländischen Zustände während der leßten Parlaments - Session, no< dazu die Trenuung der Union für ein Unheil hielt, Der jebige Uebertritt dieses gemäßigten Liberalen zur Repeal-Bewegung, so wie das gleichfalls unter dem lautesten Beifall von D'Connell angekündigte Faktum, daß die Repeal - Rente in der lebten Woche die beispiellose Summe von 2284 Pfd. betragen habe, sind in der That nicht geeig net, die Regierung zu beruhigen, und geben den unzweifelhaftesten Beweis, daß, troß ihrer Proclamation und der gerichtlichen Verfol- gungen, die Bewegung in neuer Ausdehnung begriffen ist.

Ju nicht geringer Verlegenheit, scheint es, befindet sich die Re gierung wegen der Klage auf Meineid, welche der Redacteur des Pilot, Barrett, gegen ihren Berichterstaiter Hughes erhoben hat. „Wir hatten erwartet “/ schreibt die Times, „„daß die Regierung in ihrem Verfahren gegen die Repeal alle Vorsicht anwenden und ihren Charakter durch feinen albernen Detail = Fehler kompromittiren würde, Wir hatten uns getäusht. Es is ein Fehler begangen worden, der unter den obwaltenden Umständen weder gemildert, noch entschuldigt werden faun. Der Berichterstatter der Regierung is des Meineids ange flagt; ein Umstand, der auch für die irländische Regierung verdrießlich ift, weil er, abgesehen von seinen Folgen, für das genannte Individuum in Betracht der praktischen Tüchtigkeit der Exekutive Zweifel erwe>t. Was i} einfacher, als daß ein erfahrner Stenograph den Namen und die Rede eines Sprechers bei einem öffentlichen Meeting niederschreibt und doch is die Sache mißglückt, obwohl ein sehr geschi>ter Steno= graph dabei verwendet wurde. Der Leßtere ist vielleiht zu ent- huldigen. Er is wahrscheinli< in Jrland fremd und mußte sich, wo es immer anging, nah den betreffenden Personen erkundigen. Dies i} überall gefährli<h, besonders in Jrland, weil die Jrländer in folhen Zeiten die Fremden gern mystifiziren. Diese Hypothese erklärt Herr Hughes Versehen, allein es ers<hwert die Nachlässigkeit der Regierung. Warum wurde ein Fremder allein zu den Meetings geschi>t, warum begleitete ihn niht ein Maun, der Land und Volk kennt? Wäre das nicht geshäftêömännischer gewesen? Wie die Sachen stehen, so is eben ein Versehen begangen worden, das an fi zwar nicht sehr bedeutend is}, aber do genügt, den angeklagten Personen einen kleinen Triumph zu gewähren und dem Kabinet den Vorwurf der Unentschlossenheit im Verein mit Sorglosigkeit, der Thätigkeit ohne Nachdru>k und Klugheit zuzuziehen.

Sonne

RXX Paris, 26. Oft. Die heute eintreffenden Nachrichten von der Pyrenäengränze schildern tie in den Nordprovinzen und be fonders in Biscaya herrshende Stimmung mit den ungünstigsten Farben. Sind die Besorgnisse der Regierungs = und überhaupt der constitutionellen Partei niht übertrieben, so is man der Ruhe und des bürgerlichen Friedens in jenen Provinzen kaum von einem Tage zum anderen mehr sicher. Man spricht von nichts Geringerem, als von einem beabsichtigten Aufstande in Masse der ganzen farlistisc< oder fueristis< gesinnten Bevölkerung. Zur Vorbereitung dieses Zweckes sollen bereits ansehuliche Geldsummen von Frankreich aus eingetroffen sein, und es heißt, daß die Basken Wasfensendungen aus England erwarten. Man hat die Meinung im Volke verbreitet, daß eine Vereinbarung zwischen Don Carlos und Espartero stattgefunden habe, und daß dieser si< anheischig gemacht, den Sohn des Präten- denten als Gemahl der jungen Jsabella und als deren Mitkönig auf den spanischen Thron zu heben. Dieser sonderbare Volksglaube zeugt, beiläufig gesagt, davon, daß die persönliche Sache des Don Carlos sogar in den Augen der Vasken verloren ist, und er macht es überdies wahrscheinli<h, daß die historische Rolle Cspartero’s noch feinesweges als ausgespieit angesehen werden darf, daß der Ex-Regent in der Meinung sciner Nation einen weit größeren Plaß einnimmt, als man in leßter Zeit hat zugeben wollen. Es versteht sich von selbst, daß die Basken sih diese Quasirestauration der Legi timität unzertrenulih denken von der Wiederherstellung ihrer Fueros und ihrer {wer vermißten Zollfreiheit, ja, es is sogar keinem Zweifel unterworfen, daß sie, ohne den Verlust ihrer politischen Vorrechte und ihrer Steuer = Privilegien, den Sturz und die Verbannung des Don Carlos schon jeßt so ziemlich vershmerzt haben würden, Die Unzufriedenheit über den Berlust dieser seit so vielen Jahrhunderten besessenen Vortheile und die Hoffnung, sie durh Benußung der gegen= wärtigen Umstände wiedererobern zu können, haben der farlistisch fueristisheu Partei in den Nord - Provinzen binnen furzer Zeit eine

Eine Reihe antiker Bronze-Figuren, gymnastische und athletische Käm- pfer darstellend, zum Theil erst neuerdings sür das Königliche Museum e:- worben, nebst einigen anderen antifen Bronzen wurden von dem Bo! siten- den der Gesellschaft vorgelegt und erläutert, welche, wie gewöhnlich zu einem heiteren Mahl beisammen blieb, wo es an einem herzlichen Trinkspruch für das Woh! des erhabenen Förderers und Beschüßers aller Kunst und Wissen- schast, dessen hohes Geburtsfest der Verein seit seiner Gründung im Jahre 1827 zugleich als sein Stiftungsfest zu feiern pflegt, nicht fehlte.

1 Frankfurt a. M., 28. Oft. Dex Klavier-Virtuose Dreyschok verweilt hier und wird nächsten Mittwoch in einem größeren Konzerte im Theater auftreten. Er spielte indessen {hon gestern Abend über englische Bolfks-Melodicen im Museum und elektrisirte durch seine eminente technische Ausbildung, namentlich dur das Brilliren der linken Hand, Dabci ist sein Spiel gediegen, wenn auch etwas wildstürmend, Wahrhaft entzückt waren die Kunstsreunde, gestern Abend im Museum die neueste Symphonie von Mendelssohn - Bartholdy zu hören, Die Aufführung war der meister- haften Composition würdig. Den aufmunterndsten Beifall sand der noch nicht 10 Jahre alte Violinspieler Aloys Baldene>er in dem Vortrag eines Konzerts von Beriot, Der Knabe zeigt ein großes Talent, Das Drama von Aug. Fresenius „Thomas Aniello ‘“ wird heute wiederholt, kann sich aber auf dem Repertoir nicht halten, Jett erst erfuhr man, daß Fresenius aus Friedberg in der Wetterau war und dort 1813 starb.

e rihtigung. Ju dem gestrigen Berichte über Raimund muß es S, 1 Sp. 3.3. 18 9, U, heißen: „bildet eine der glücklichsten Anwendun- gen der pythagoräischen Seeleulehre auf, wenn au! U, J.

E

unglaubliche Stärke und eine nit, Ee A R eger Nachdem sie sich Jahre lang gar ny ¡M p en Age zu rit ; ger wagt, hatte sie bei den leßten Cortes-Wahlen zum erstenmale wieder veri bt, einen politischen Einfluß zu üben, aber ungeachtet ihrer rüstigen erqu, E n Wahlen waren alle ihre Kandidaten in der Mi Theilnahme au den WI j E : E note geblieben, so daß le weder in den Senat, noch in den Kongreß “L n einen einzigen Repräjentanten ihrer Jnteressen schi>en fonnte, auch nur L rauf stattfindenden Provinzial-Wahlen dagegen gelang Bei den kurz daraus tatt T, ‘i E d Age, t es ber farlistischen Partei, wenigstens in BiScaya, für alle ihre Ban tidaten die Stimmen Mehrheit zu gewinnen, jv daß die neue Pro vinzial - Deputation ausschließlich aus erklärten Gegnern deé jebigen ’ustandes der inge, aus Männern der Jueros und der regitimitat, bestehen wird. Sogar in Bilbao selbst, das sich früher immer ais eine treue Anhängerin des Thrones - der junge JZsabella gezeigt hat, und wo die constitutionellen Jdeen entschieden vorzuherr|<en schienen, sind die Wahlen sämmtlich in jenem Sinne ausgefallen, aber freilich) nicht ohne die Hülfe einer großen Zahl von Wählern aus der Land- schaft, die man, wie es scheint, dur<h Geld und Versprechungen ver mocht hatte, nach der Stadt zu kommen und dort ihre Stimmen ab zugeben, És ist bereits bekannt, daß die erste Versammlung der Wi hler in Bilbao durch lautes Geschrei zu Gunsten des Don Carlos und durch gewaltthätige Auftritte zwischen den Anhängern der verschiedenen Par teien gestört wurde, Noch kühner zeigten sich die Karlijten bei der Wahl Handlung in den übrigen Ortschaften der Provinz. Mehrere Gemeinden begaben si< im Aufzuge, mit ihren Pfarrern an der Spiße und unter stürmischen Lebehochs für Don Carlos, nach dem Stimmplab, Ron dem Verfahren der Regierung Angesichts dieser Manifestationen bänat es nun wahrscheiulih ab, ob diese drohende Gährung beschwich- tigt werden, oder ob sie zu einem neuen verheerenden Ausbruche fommen wird.

Die Nachrichten aus Catalonien und aus Aragonien, welche wir heute erhalten, sind sämmtlich von älterem Datum als diejenigen, welche wir in den leßten Tagen mitgetheilt haben. Nachträglich zu dem bereits Bekannten mag nur erwähnt werden, daß der General Prim die früher gegebene Erlaubniß zum Abzuge er IVeiber, Greise und Kinder aus Gerona wieder zurückgenommen, igchdem er 1n Cr fahrung gebracht, daß die Jusurgenten in Gerona die Familien der Auhänger der Regierung gewaltsam zurückhalten, um sich ihrer 1m Nothfalle als Geißeln bedienen zu fönnen. Die Gerüchte von Aufständen in Sevilla, Salamanca, Valladolid, Coruña, Lugo und anderen Orten, haben sich \ämmlich als falsch erwiesen, aber es 1jt darum nicht minder wahr, daß in mehreren der genannten und in manchen anderen Städten des Landes eine bedenklihe Aufregung herrsht , die dur jeden zufälligen Anstoß in offenen Aufruhr ver wandelt werden kann,

Dor ftudaa

A Lissabou, 15. Oít. Sie werden si<h noch erinnern, auf welche Weise die hiesige Regierung das Verlangen Espartero?s abzu=- lehnen wußte, als er bei seiner Flucht auf portugiesischem Boden festen Fuß zu fassen versuchen wollte. Die Sache wurde damals vielfach besprochen und gedeutet; sie möchte au jeßt wohl wieder in den Cortes zur Sprache gebracht werden. Es dürfte {hon deshalb uicht ohne Juteresse sein, den Briefwechsel kennen zu lernen, welcher damals zwischen Espartero und unserer Regierung stattfand. So viel ich weiß, sind diese Aktenstücke noh nicht weiter bekannt gewordenz allein die Quelle, aus welcher sie mir zugegangen, verbürgt ihre Authentizität. Am 6. August gelangte vom Bord des „Malabar ‘“ aus folgendes Schreiben an Herrn Costa Cabral :

„Erlauchte Excellenz, mein Herr!

Der Aufruhr, welcher in Spanien stattgefunden und durch den Abfall der Armee und der Flotte seinen Gipfel erreicht, hat Se. Hoheit den Negen- ten gezwungen , an Bord dieses Schiffes cine Zuflucht zu suchen, begleitet von denen, welche, treu ihren Pflichten, ihn nicht verlassen wollten. Se. Hoheit hofft, von Seiten der Regierung Jhrer Allergetreuesten Majestät cine gastfreundliche Aufnahme zu erhalten, zu welchem Endzweck er mir befohlen hat, Ew. Excellenz dieses Schreiben zuzustellen, indem er Sie ersuchen läßt, daß Sie die Güte haben möchten, mir zu sagen, ob es erlaubt wäre, daß er mit den Personen, welche 1hn begleiten, lande, und gleichzeitig Ew. Ex cellenz zu bitten, falls es genehm gcfunden wird, dem Ueberbringer dieses, Oberst D. Zgnacio Gurrea, den Bescheid wissen zu lassen. Gott bewalre Ew. Excellenz viele Jahre, Am Bord des englischen Sch1\ses „Malabar“ in den Gewässern Lissabons, den 06, August 1843,

(gez.) Augustin Nogueras.,

Sr. erlauchten Excellenz dem Herrn Staats Secretair des Reichs,“ Hierauf erfolgte am 7. August nachstehende Antwort: „Eilauchte Excellenz. : :

Es licgt mir Ew. Excellenz gestriges Schreiben vor, welches die Mit- theilung enthält, daß der edle Herzog de la Vitoria, welcher in Folge der in Spauien stattgefundenen politischen Begebenheiten dasselbe verlassen mußte, si< am Bord des englischen Kriegsschiffes „Malabar““, augenbl>lich in die jem Hafen liegend, befindet und zu wissen wünscht, ob die Regierung ZJhrer Allertreuesten Majestät ihm erlauben wurde, sich in dieser Nesidenzstadt mit den Personen, welche ihn begleiten und der Sache, die sie vertheidigten, treu blieben, auszuschiffen,

Die Regierung Ihrer Allerlreuesten Majestät glaubt, nachdem sie die sen wichtigen Gegenstand ernstlich erwogen, sich sür die Beobachtung der Grundsäße entscheiden zu müssen, welche die Staaten leiten, ohne sich zu erlauben, den Gesinnungen Gehör zu geben, die, davon abgesehen, in Hin

sicht einer so hochgestellten und Hochachtung gebietenden Person nur statt find n fonuten.

Es i} gußer Zweifel , daß der edle Herzog de la Vitoria in der Pro clamation, welche derselbe an seine Nation richtete, und unterm 30, Juli vom Bord des englischen Dampfers „, Betis ‘“ datirte, die Gründe an führte, welche ihn bestimmten, sein Vaterland zu verlassen.

Die Lage der Dinge in Spanien ist offiziell befannt, und man weiß am madrider Hofe sehr wohl, was den bei der diesseitigen Regierung be glaubigten Minister Jhrer katholischen Majestät bewog, die dort eingesehte Regierung anzuerkennen und sich ihr anzuschließen, Diese Lage der Dinge erheisht, daß zwischen verbündeten Nationen, die auch außerdem durch Berhältnisse, welche ihre Beziehungen zu einander mit sich bringen, verbunden sind, die Grundsäße der Enthaltung jeder direkten oder indirekten Ein- mischung in einheimische Streilfragen auf das vollständigste und gewissen- hasteste beobachtet werden.

So lange der edle Heizog de la Vitoria rcchtsfräftig und de facto Negent Spaniens war, ließ sich die Regierung Jhrer Allertreusten Majestät, zufolge der Aufforderung des Ministers Jhrer katholischen Majestät in Por- tugal, willig finden, mit Vorbehalt der Bestimmungen , welche das Völker- recht regelt, und die zwischen civilisirten Nationen gebräuchlich sind, keinem in den Aufruhr gegen den Regenten verwickelten jpanischen Unterthan Asyl und Gastfreundschast zu gewähren; es scheint demnach weder ret, no< zu- lässig, daß jebt die portugiesische Regierung bei veränderter Lage der Negie- rung des Nachbarlandes anders handele, irtuVin Maijelät tein binternss Ls Gründe sieht die Regierung Jhrer Aller-

44 ( D 1}! 1e ! r Nori p v Hátz0a be la Vitoria bestim, L Lens det Personen, welche den edlen

V e L 1, zu erlauben, jedoch mit der Bedingung, daß sie h pi Lad M O: in Uebereinstimmung mit den völkerrecht- ichen Bestimmungen und mit Dem in ähnlichen As Hoe Neclamationen is Ministers S brer Hi i Oen Fällen, H Folge der i Adaet / S) atholischen Majestät an dem hiesigen Hofe, festgeseßt worden is, angenommenen Regeln und Grundsäße in An- wendung bringe. Ju Betreff jedochder Landung des edlen Herzogs selbst, dessen Ansehen und hohe Stellung dem Nachbarlande, wenn zufälliger Weise im befreundeten Lande sein Aufenthalt zugelassen würde, begründete Besorg- nisse einzuflößen nicht verfehlen würde, kann diese Erlaubniß, deren Folgen

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uy d leiht vorauszusehen sein dürften, und die überhaupt nur mit der größten | Vorsicht ertheilt werden kann, ni<ht gewährt werden, E | Die hohe Meinung, welche die Regierung Jhrer Allertreusten Majestät von dem cdlen Herzog de la Vitoria, der durch jeine Keuntnisse und höchste Leitung der Angelegenheiten einer mächtigen Nation als ein wahrhafter | Staatêmann anerkannt worden ist, hegt, is ihr ein sicheres Unterpfand, daß der cdle Herzog selbst das rechtlih begründete Verfahren von Seiten der Regierung Jhrer Allertreusten Majestät, bei welchem sie si<h gezwungen sieht, mit Hintenansezung ihrer Gesinnungen für die hohe Person des edlen Herzogs de la Vitoria, die Grundsäße des internationalen Rechts aufrecht zu erhalten, ancrïennen werde. Das ist es, was Seitens der Negierung Jhrer Allertreusten Majestät mir obliegt, in Antwort des vorerwähnten Schreibens , zu Ew. Excellenz Kenniniß zu bringen. Der Herr behüte Ew. Excellen.

Staats-Sekretariat der Reichs-Angelegenheiten, 7. August 1843.

Antonio Bernardo da Costa Cabral,

Sr. erlauchten Excellenz D. Augustin Nogueras.“

GrieMenland.

Athen, 13, Okt. (A. Z.) Für die, welche den Charafter der Griechen genau kennen, war es anfangs ein Räthsel, wie eine Verschwörung gegen die bestehende Staatsverfassung so lange geheim geha!ten werden fonnte, bis sih ergab, daß nu sehr Wenige um die Eristenz einer Verschwörung wußten, und diese Wenigen theils von fremdem Einflusse, theils von der Furcht bestohen waren, als cent behrlihe Leute den Ersparniß = Maßregeln zu unterliegen, welche die drei Schubmächte die Königliche Regierung zu nehmen genöthigt hat ten. Einen Beweis des Obenangeführten mag die Art abgeben, mit weler der Abfall der zweiten, in Argos garnisonirenden Lanzenr(i= ter - Escadron ins geseßt- wurde. De Rittmeister und Kommandant derselben, Jakob Schmolz, aus der bayerischen Pijalz gebürtig, erfuhr, s{hwer krank darniederliegend, am Morgen des

B Werk

5. (17) September durch seine Unteroffiziere, daß in der Stadt Ar gos große Bewegung herrsche, daß man von Veränderungen in der Regierungsform spreche 2c., worauf ex seinen Leuten befahl, sich in nichts zu mischen, vielmehr sih in ihre Kaserne zu begeben, um für jedes Ereigniß bereit zu sein. Später hörte er, daß der Demarch ein Rundschreiben in Beziehung auf jene Bewegungen in Händen habe und bekannt mache. Ex bat um Mittheilung desselben, was ihm aber mit der Aeußerung verweigert wurde, dasselbe fei nah Tripolizza weiter gesandt worden. Um nun etwas Bestimmtes zu erfahren, sandte der Rittmeister eine reitende Ordonnanz nach Nauplia. Die selbe begegnete unter dem Thore Nauplig's dem General-Major Rhodius, einem bekaunten russischen Parteimaun, welcher si< mit einem Gefolge von 15 Offizieren, Junkern und Ordonnanzen uach Argos begab, und, das Schreiben des Rittmeisters ungelesen in die Tasche ste>end, der Lanzenreiter-Ordonnanz befahl, fi< anzuschließen. Jn Argos angekommen begab sich der General-Major in die Kaserne und \hi>te na< dem Rittmeister. Dieser, unfähig das Bett zu ver lassen, ließ seinen Zustand dem General Major melden. Hierauf wurde ihm von zwei Junkern im Namen der Constitution Arrest an- gekündigt und ihm bedeutet, die Kasse-Schlüssel und seine dienstlichen Papiere abzugeben, Der Rittmeister erkannte diese Mission uicht an. Erst später gelang es den Bemühungen eines Hauptmanns, Kompotis, Rapporteur des 2ten permanenten Kriegsgerichts in Nauplia, Siegel,

unter dem Versprehen, den fixen Tribut, den die Wallachei an die Pforte jährli< entrichtet, um einen bedeutenden Be= trag zu erhöhen. Das Uebercinkommen war bereits unterzeihnet, als Herr Titoff Einsprache dagegen erhob und dasselbe als den bestehen=- den Traktaten widersprehend verwerfen zu müssen glaubte. Da der jährliche Tribut, meinte der russis<he Gesandte, nah den genannten Traktaten ein fixer sei, so könne derselbe selbt mit Einwilligung der beiden dabei interessirten Parteien ni<t geändert werden.

Herr von Bourquene9 hat gestern, von den fünf Gesandten der erste, die nöthigen Jnstructionen in der Angelegenheit des wegen Abfalls vom Jslam hingerichteten Armeniers von seinem Hofe er- halten, Es is von dem Junhalt derselben bis jeßt wenig be- fannt, doh fann ih ihnen melden, daß zwei Momente in dieser Angelegenheit darin hervorgehoben werden: die barbaris<he Hin-=- richtung des Serkiz Papazoghlu selbs, und daun die absichtliche, den Curopäern dadur<h wide"fahrene Beschimpfung, daß man den unglücklichen Armenier in fränkische Kleidung hüllte und dem türkischen Pöbel die brutalste Mißhandlung eines vermeintlichen frän- fischen Leichnams erlaubte, Jun Betreff des ersten Punktes verkennt Fraukreich nicht das Recht des Sultans, in seinem Lande das Straf- ret nach den eigenen Grundsäßen des Landes zu üben: es kann jedoch in politischer Hinsicht sein Bedauern nicht unterdrü>en, daß die Pforte durch buchstäbliche Handhabung und Vollstre>ung solcher Gesebe sih die Herzen des gebildeten Europa's entfremde, und steht nicht an, zu erklären, daß, so sehr auch Fraukfreich Theil nehme an dem Wohle des türkischen Reichs, cs doch bei weitem vorgezogen haben würde, daß der Sultan eine Provinz seines Reichs eingebüßt, als daß er durch eine so barbaris<he Handlung die öffentliche Mei nung gegen si<h alarmirt hätte. Ju Betreff des zweiten Punktes foll Herr von Bourqueney angewiesen worden fein, eine eklatante Genugthuung zu verlangen. Man erwartet, daß die Gesandten der anderen europäischen Mächte binnen kurzem ähnliche Justructionen erhalten.

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Alexaudrien, 6. Oft. (A. Z) Die in meinem lebten Berichte geäußerten Befürchtungen über das Schicksal des Bombay -Dampfboots haben si< glülicherweise nicht bestätigt. Gestern Morgen ist die Post von Judien und mit ihr die Passagiere des Dampfboots hier eingetroffen. Von der Wichtigkeit der Handels - Verbindungen kann man si< einen Begriff machen, wenn man bei Ankunft des londoner Dampfboots 20 Kameele mit Kisten für Jndien bestimmt beladen sieht, die Briefe und Pad>ete der Regierung enthalten.

Alles vereinigt sich, um dem Pascha von Aegypten die wenige Zeit, die er noch auf dieser Erde zubringen fann, zu verleiden. Den härtejten Schlag hat ihm eben Ahmet Pascha versebt, der sich endlich, nachdem er seit se<s Monaten unter verschiedenen Vorwänden si<h weigerte, nach Aleraudrien zu kommen, für unabhängig von dem Vicekönig und als Statthalter des Sennaars unter der Pforte gegen einen jährlichen Tribut von 200,000 Thalern erklärt hat. Man sagt, der Pascha wolle, wahrscheinli<h auf Anrathen seines Sohnes Jbrahim, eine Ex= pedition gegen den Sennaar unternehmen, was sehx zu beklagen wäre, denn Geld und Menschen wären uublos geopfert.

Kasse-Schlüssel und Papiere dem kranken Rittmeister abzunehmen und |

ihn so gleichsam außer Thätigkeit zu seßen, Der Ober-Ueutenant der Schwadron, cin Grieche, wolite nun zum Appell blasen und die selbe zumÈ Schwur versammeln lassen, wurde jedo hieran von dem Wachtmeister der Juspection, einem Nichtgriechen verhindert, welcher drohte, dem Trompeter die Trompete sammt den Zähnen in den Schlund zu stoßen, wenn er si< unterstehe, ohne Befehl des Rittmeisters einen Laut von sih zu geben. Erst als dieser Manu vou dem General förmlich entseßt war, ging die Versammlung und Beeidigung der Escadron vor si. |

Der deutsche Rittmeister verdiente wohl ein besseres Loos, als | ohne Gehalt, todtkrank, mit Weib und Kindern in fernem Lande \chmachten, und nur von der Unterstühung l:ben zu müssen, welche ihm die Verwandten seiner griechischen Frau, und auch diese vielleicht nur noch auf kurze Zeit augedeihen lassen können, Aehnliche Scenen, wie die eben geschilderte, hat die leßte Bewegung in Griechenland viele herbeigeführt und ähnliches, wenn auch nicht ganz so hartes | Loos trifst manche Fremde in höheren und niederen Graden des Staats- und Militair - Dienstes, welche hier unter einem deutschen König einen günstigen Boden für ein nüßliches Schaffen und ein für redliche Bemühungen dankbares Volk gefunden zu haben wähnten,

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Konstantinopel, 7. Okt. (A. ZZ Die bei der Pforte ein- geheuden Berichte aus den an Griechenland angränzenden Paschaliks lauten bis jetzt keinesweges beunruhigend. Die revolutionaire Bewe gung in Griechenland hat unter der christlichen Bevölkerung Mace doniens und Albaniens noch keine Sympathieen erwe>t; es herrscht überall Ruhe und es i} bis zu diesem Augenbli> kein Symptom besonderer Aufregung daselbst verspürt worden. Jebht wo die Details des 15, Septembers immer bekannter werden, wo die Thatsachen geprüft und ihr Zusammenhang erforscht wird, muß i<h Jhnen ge stehen, daß sich ein unwillkürliches Erstaunen Aller bemeistert, die nur irgendwie mit der Politik in der entferntesten Verbindung stehen. Man begreift niht wie alle fünf, sage alle fünf Reprä sentanten der Großmächte dem König den Rath ertheilen konnten, die ibm von den meuterishen Soldaten gaufgedrungenen Maßregeln anzunehmen, wie keiner derselben gegen die Gewaltthat protestirte, wie keiner eingesehen zu haben scheint, wie es \{<wer, fast unmöglich ist, einen solchen Schritt wieder gut zu maen, Man ift hier der Meinung, daß das Benehmen einiger der fünf genannten Gesandten s{hwerlih die Billigung ihrer respektiven Höfe erhalten wird. Herr Rh13zos is dieser Tage hier angekommen und hat den hiesigen Diplo maten bereits einige Aufschlüsse über die öffentliche Stimmung in Griechenland gegeben, die keinesweges so beschaffen ist, wie die Ereig nisse des 15. September es vermuthen lassen konnten. Die Partei, die sih in Athen der Gewalt bemächtigt hat, erregt selbst unter den cifrigsten Anhängern der Constitution manchen gegründeten Verdacht ; man fängt an, einzusehen, daß es den eigentlihen Urhebern des Auf- | standes weniger um die Freiheit der Griechen zu thun war, als um | die Erregung und Verbreitung von Unruhen und allgemeiner Ver- | wirrung in der türkisch-griehischen Halbinsel, Ohne Zweifel wird | die bevorstehende Eröffnung der National Versammlung manche Ien- denzen enthüllen, besonders wird uns das Kapitel der Staatskirche und der kirhli<hen Beziehungen, sobald es zur Sprache kommt, in teressante Aufschlüsse geben. És wird vielleicht nicht uninteressaut sein zu erfahren, daß man hier in jon}! unterrichteten Kreisen die

| | | griechische Revolution mit den Unruhen in Jtalien in die engste Ver- |

bindung bringen will, und daß von Combinationen die Rede ist, die zu besprehen man no<h Bedenken tragen muß. E Der Hospodar der Wallachei, Fürs Bibesco, war seit seiner Hierherkunft in thätiger Unterhandlung mit der Pforte um eine Re-= duction der auf wallachishen Proveutenzen lastenden Zölle 12 pCt, zu erwirken und es war ihm dur seine Verbindungen, vor allem aber dur< seine energische Beharrlichkeit gelungen, eine Herabsebung derselben auf 6 pCt, zu Stande zu bringen,

neue Haudels - Vertrag zwischen Frankreich und Sardinien.

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=/ Paris, 25, Oft, Das allgemeine Urtheil über den mit Sardinien abgeschlossenen Handels - Vertrag hat si< nun so ziemlich festgestellt, Der Fall ist eben so selten, als gerade deshalb bemer- fen8werth, daß cinmal die ganze Presse von Paris mit geringer Aus- nahme nur wenig an einem Akte der Regierung auszustellen wußte. Jn der That hat si< selbst von Seiten der Oppositionspresse nur wenig Opposition dagegen erhoben, ein beinahe unerflärliher Umstand. Daß insébesondere der sogenannte Verein Mimerel, über welchen ih Jhneu vor kurzem Näheres berichtete, diesmal shwieg, hat vielfach Wunder genommen, und man hat dieses Schweigen daraus erklärt, daß die Frankreich an Sardinien gemachten Konzessionen in Erwiede- rung derjenigen, wozu dieses Land die Jnitiative ergriffen hatte, mehr oder minder zu Gunsten der privilegirten Jndustriezweige, welche hauptsächlich in jenem Vereine vertreten sind, namentlih der Tuch= und Baumwollenzeug - Fabriken, und dagegen zum Nachtheile anderer Industriezweige, welche weniger die Sorgfalt jeuer Herren in Anspruch nehmen, so wie der Marine und der Landwirthschaft besonders des Südens gewesen sein mögen. Inzwischen werden nun die Verthei= diger des Abschlusses von Verträgen mit anderen Mächten zu Gunsten der bis jeßt noch leidenden Jndustriezweige, die Partisane der Herab= seßung der Tarife überhaupt aus diesem Schweigen des Vereins Mimerel \si< für etwa eintretende Fälle eine Waffe machen, die wohl auch der Regierung selbs zu Statten kommen dürfte, wenn sie in neue Unterhandlungen mit ÉEnglaud, z. B. wegen eines Handels-Ver= trags, tritt, und bereits werden nah diesem Vorgange Hoffnungen laut, daß eines Tages das englische Eisen und das englische Baumsx= wollengarn unter weniger lästigen Bedingungen für die Konsumenten werden eingehen fönnen in Frankreich, wogegen dann England seiner= seits auch die jeßt so hohen Zölle auf französishe Mode-Artikel und Seidenwaaren, vielleicht sogar auf gewisse Arten von Woll -= und Baumwollzeugen herabseßen werde. Die Vertheidiger des Schußzoll- Systems könnten niht wohl etwas einwenten gegen eine derartige Uebereinkunft, wel<he auf dem Geiste der Gegenseitigkeit beruhend, nebstdem noch die gebührende Rücksihtnahme gegen die eines gewissen Schußes noch bedürfenden Judustriezweige beobachtete, diesen Schub auf ein gewisses vernünftiges Maß beschränkte, wodurch einerseits dem einsichtigen Produzenten des Julandes uo immer ein merklicher Bor theil gewährt, andererseits aber dem Monopol und der gefährlichen Lo>ung zur Contrebande vorgebeugt würde, Wollten die Vertheidi- ger der Schubzölle wirkli<h eine Reclamation solcher Art erheben, so könnten ihre Gegner sowohl als die Regierung ihnen das im gegen wärtigen Falle beobachtete Stillschweigen siegreich entgegenhalten. Sie könnten sich niht wohl auf ihre früher bekannten Grundsäbe politisher Oekonomie, die sie jeßt in den Hintergrund treten lassen, in einem anderen gleichen Falle berufen : sie haben so óft die Prâro- gative der Kammern in dieser Angelegenheit in Opposition mit der Königlichen Prärogative angerufen, bei dem Vertrag mit Sardinien aber haben sie davon keine Erwähnung gethan, und dies liefert ein der Königlichen Prärogative offenbar sehr günstiges Präcedenz für alle künftigen ähnlichen Fälle. i ]

“Ein Umstand, der von der französischen Presse fast gänzlich, wahrscheinli aus Unkenntniß des Sachverhaltes übersehen worden ist, besteht aber darin, daß die Juitiative zu dem abgeschlossenen Vertrage wesentli< von der sardinischen und niht von der französischen Regie- rung ausgegangen is, daß also auch der ersteren das Hauptverdienst dabei zukommt. Während die Doktoreu der republikanischen Monát- chie in Frankrei mit großen Worten und ho<tönenden Phrasen p si werfen, aller Welt ihre Declamationen zum Besten Ee Wobl die sardinische, von wahrhaft väterlichen Gesinnungen für l Li ihres Landes und Volkes beseelte Regierung, freilih ohne V Feils und Ruhmredigkeit die Verbesserungen durch, über welche man dieset

R A A A

per: Tate u