1843 / 127 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

Bürttemberg, Stuttgart, 20. Oft. D. A, 3.) „Am 19. Oktober hielt der württembergische Handels - Verein hier seine ersammlung. Nach dem von der Regierung vorläufig gutgeheißenen Statuten - Entwurfe wird der Verein aus Mitgliedern des Handels- und Fabrikantenstandes 1n Württemberg gebildet. Jür seine Zweike, welhe in der Berathung der gemeinsamen Interessen des Haudels und der Fabrication und 1n der schiedsrichterlihen Entscheidung von Handels = Streitigkeiten bestehen, ist er theils in General - Versamm- lungen, theils in Bezirks = Versammlungen, theils in Privat=Handels- Kammern thätig, welchen leßteren die zweifache Eigenschaft berathen- der und shiedsrihterliher Behörden zukommt. Durch die Unterzeich- nung der Statuten übernimmt jedes Mitglied die Verbindlichkeit, si< ihren Bestimmungen zu unterwerfen , insbesondere Streitigkeiten über Handels - Gegenstände zur Entscheidung vor die Schiedsgerichte zu bringen. Nur wer aftiver Kaufmann oder Fabrikant is und nle- mals eine entehrende Strafe erstanden hat oder wegen Bankerott gestraft worden ist, kann Mitglied des Vereins sein, General - Ver- sammlungen finden alle zwei Jahre statt. Sie berathen die Angele= genheiten des württembergischen Handelsstandes und fassen Beschlüsse über die Statuten und sonstige allgemeine Angelegenheiten, bestimmen auch, welche der vier Handels - Kammern für die nächste Periode die geschäftführende sein soll. Eine Handels-Kammer besteht je in Stutt- gart, Heilbronu, Ulm und Reutlingen. Als kommerzielle Organe des Vereins bringen die Handels - Kammern Wünsche und Bitten des Vereins oder einzelner Mitglieder anu die Behörden und erstatten auf Erfordern der Regierungs- Bchörden oder der Gerichte Gutach ten und Berichte in Handels = und Gewerbsahen. Jede Hanudels- Kammer besteht aus sc<s Mitgliedern und vier gewählten Ersaßmän nern. Jn der Eigenschaft als Handels -Schiedsgericht ist jede Hanu=- dels-Kammer verbunden, Civil = Rechtsstreitigkeiten über Handels-Ge genstände, welhe gegen Mitglieder des Vereins au sie gebracht werden, als Schiedsgericht zu entscheiden. Jede Handels - Kammer wählt einen Präsidenten und konstituirt sih dadur<h als Schicdsge= riht, Der Präsident muß ein württembergisher Rechtsgelehrter sein und soll wenigstens die erste höhere Dienst = Prüfung im Justiz - De= partement oder die früher üblihe Fakultäts -= Prüfung mit Erfolg be= standen haben, Die Sitzungen des Schiedsgerichts werden öffentlich gehalten, und die Verhandlungen siud durchaus mündli<h. Das Schiedsgericht eutscheidet uach den Bestimmungen der Geseße und der Handels = Gebräuche , und wo sie keinen Maßstab an die Hand geben oder nit klar auf den Fall passen, nah sciner auf die Sachlage gegründeten gewissenhaften Ueberzeugung. Wo die Bestimmungen der Statuten in Beziehung auf das Verfahren uicht ausreichen , hält sich das Schiedsgericht an das in Württemberg bestehende Prozeß= Verfahren. Vom Ausspruche des Schiedsgerichts findet keine Appel lation statt. So würden wir also dur< diese Einrichtung auch für den Handels = und ‘Fabrikstand, wie bei unseren Buchhändlern , cin öffentliches und mündliches Verfahren erhalten.

EfFlingeu, im Oktober. (S. M.) Am 17ten d. M. hielt der Volksschullehrer = Verein hier seine virte Jahres = Versammlung, bei welcher sih, ungeachtet des schle<ten Herbstwetters, gegen 200 Mitglieder des Schulstandes einfanden. Außer der Revision der Statuten, die leider einen großen Theil des Vormittags wegnahm, kamen noch verschiedene Anträge zur Berathung und Erledigung. Von den angekündigten Vorträgen aber konnte aus Mangel an Zeit (die Verhandlung währte von 85 bis uach 2 Uhr) nur einer, über die Wichtigkeit des Unterrichts in den Realien in der Volksschule, angehört werden. Vierstimmige Männer-Chöre Compositioneu vou Vereins-Mitgliederu eröffneten und beschlossen die Verhandlungen, welhe von wahseudem Juteresse an der Vereinssahe und von wür= diger Kollegialität uuter deu Mitgliedern ein erfreuliches Zeugniß ab= gaben, Der Schullehrer - Verein (ui<ht zu verwechseln mit dem vor sieben Jahren gestifteten, fast ausshließli< aus Geistlichen zusammenge= seßten Volksschul-Vereine) besteht seit drei Jahren und zählt gegenwärtig bereits über 1300 Mitglieder. Sämmtliche Lehrer sind in 50 Filial-Vereine vertheilt, welche si< in den verschiedensten Gegenden des Vaterlandes gebildet haben, so daß es uur uoh wenige Bezirke giebt, die nicht einen Filial-Verein aufzuweisen haben. Die Zahl der Mitglieder der Filial - Vereine beträgt nicht selten 40 bis 50, selbst 70 bis 80, Diese Filial - Vereine haben Vorstände, halten regelmäßige Zusammenkünfte und stehen mit dem Vorstande des Haupt - Vereins, dem sie Bericht erstatten und von welchem sie jeden Monat die Hefte der Volksschule erhalten, in beständigem Verkehre. Lebtere Zeitschrift unterscheidet si<h von auderen pädagogischen Journalen wesentlih dadurch, daß sie ni<ts anderes sein will, als das Organ des Vereins für den inneren

Berkehr, Aus diesem Grunde is jedes Mitglied verpflichtet, sie zu halten. Hierdur< wird sie aber auch nicht nur von der Gunst oder

Ungunst des Publikums in ihrem Bestehen gänzlich unabhängig, sou- dern es wird da kein buhhändlerischer Gewinu beabsichtigt ist möglich, sie den Mitgliedern wohlfeiler als irgend eine andere püda- gogische Zeitschrift zu liefern.

Baädeit: Karlsruhe, Eude Okt. (A. Z.) Der Wasser= stand des Rheines i} noch immer sehr hoh, der Dienst der Dampf- und Schleppschiffe dauert fort und wird dieses Jahr erst dann unter- brochen werden, wenn Eisgang eintritt, Was unlängst von einigen Blättern über große Ueberschwemmungen, die bei uns stattfanden, mitgetheilt wurde, war höchst übertrieben; die Kinzig war zwar gaus- getreten, jedo<h nah cinigen Tagen {hon wieder in ihr Bett zurü=

im Sinn oder Sylbenmaß irgend etwas versehen war, ein gehöriges Maß Wasser dazu gegeben wurde, : / l j E war die Zeit der Blüthe, das war der Ort des Gedeihens der un e Zmyrovisation, Nachher ist sie allmälig gesunken, in Jtalien \o- 0 2 n anderen Ländern, und in Deutschland ließen sich einige Nach- tlänge in den Fastnachtssyielen der Meister y n, t in ihrer Fornb an noob Mle er Meistersänger vernehmen, welche in ihrer r vas Gean e Ergüsse dichterisher Stimmungen erinnern, \Wöntren Zeit 1 sie B ivie eine auffallende Nachgeburt einer vergangenen snäñen-wad- fut or Zwei Jahrzehnten wieder erschienen; dieser Muse roline Lehr Es Wolff, Langeushwarz, Volkert, Ka- Buterlanvr Uns ane Reats und andere Verchrer von ihr in unserem witdeeizu riwvectin/ die U zu verschaffen und die alte Liebe zu ihr An diese Reihe von déttG s \0 viel Laub als Blumen begraben liegt, der Herrmann guf eine Wi Oere {tießt sih Herr Alexan - rung ‘werth ißt, = M, die aller Anerkennung und Ermunte- Auch er suchte dur Lorische | vrisches und Dramatisches fein T ; E ches se n e 2g hi Ge N Productionen Vis: V tee Via die dazu ei 9) elgenen Gesang zur Guitarre einex lyrischen Jinprovis idi; dazut einigermaßen geeignet war, mehr Wirkung zu geb A Vat au bemüht, dur ausgezeihnete Talente einer P Unia

(Frl. L. Tuczek und Hrn, Ditt) und L A ern und eines Sängers Vorträge auf dem Flügel von dem and Burch gesälige E Adl Ea

erseßen, was er auf diesem Kunstgebiete selb zu lei iht i Pubit? um soils Laa E os zu eb bee, E Stn Mi A Publikum sowohl zum Danke gegen ihn selbst, ie unterstü u ünster Ui ( gegen ihn selbst, als gegen die unterstüzen- as Gelingen Einer improvisirenden Leistung nun scheint ni 7 1 l icht vom Dichter, sondern zugleich vom Publikum abiahahgen 7 ‘vi brei Sthe mung und dem Geiste des Leßteren und von dem spirituellen Rapport, in welchem beide zu einander stehen, wird die Vollendung in Wesen und Wor-

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gekehrt. Die Festungébauten in und um Rastatt werden zwar ununterbrochen, jedo<h durchaus niht mit dem Kraft - Aufwanude fort geseßt, wie das allgemein erwartet wurde. Sicherem Vernehmen zu folge, beabsichtigt die Bau= Direction, mit dem künftigen Frühling die Zahl der Arbeiter auf das Doppelte zu bringen. —- Die Aus wanderungen im Oberlande haben si<h im Vergleich mit dem vorigen Jahre etwas vermindert.

Lippe. X Detmold, 31. Oft. Die Sammlungen für das Hermanu's -= Denkmal sind fortwährend von erwünschtem Erfolge. Außer den unlängst dur< öffentliche Blätter bekannt gemachten Bei= trägen haben des Prinzen von Preußen, des Prinzen Wilhelm und Albreht von Preußen Königliche Hoheiten Beiträge bewilligt. Heute | hat au< Se. Königl. Hoheit der Großherzog von Baden 300 Fl. j |

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und der Senat der freien Stadt Frankfurt 10 Frd’or. cingesaudt. Die in der hiesigen Stadt dur< die Liedertafel eröffnete Pfenuig- Subscription hat für ein Jahr einen wöcheutlihenu Beitrag von 9 Rthlr., mithin die Su:ume von 468 Rthlr. gewährt, Möchten an | anderen Orten ähuliche Subscriptionen eröffnet werden, damit müg=- | lihst viele Deutsche zu diesem National - Denkmale ihr Schärflein | beitragen, Holstein. Altona, 34. Oft. (A. M.) Aus dem Julaude | is heute Weuiges zu melden. Ju Jbehoe zieht sih die Untersuchung | wegen der tumultuarischen Auftritte, wie {hon gemeldet, in die Länge; die Kommission hält täglih Sißungen, und es finden viele Abhörungen | statt. Juzwischen ist der voi Mensch und Vieh stark besuchte Ochsen markt, voin Wetter begünstigt, ohne alle Spur von Aufregung vor übergegangen; die Zahl der angetriebenen Ochsen wird auf circa 10,000 Stück angegeben, indessen scheinen die Käufer zufriedener als die Verkäufer gewesen zu sein. Durch eine für einen speziellen Fall erlassene Verfügung der \<le8wig - holsteinishen Regierung vom 25. September d. J. i} es allgemein ausgesprochen, daß, da Nie- mand, au<h na< Erfüllung des geseblihen Confirmations-Alters, au- | ders als nah gewissenhafter Ueberzeugung des beifommenden Predigers | von der Reife desselben konfirmirt werden darf, vou dem Prediger in jedem Falle, wenn ein Kind nach erreichtem Conufirmations =- Alter | dessenungeachtet zur Confirmation untüchtig befunden worden, den Visitatoren eine Anzeige zu machen und vou diefen dann wegen re gelmäßigen Schulbesuchs oder anderweitiger Unterweisung während des ganzen folgenden Jahres zur Vorbercitung für die Confirmation, | nöthigenfalls auf Kosten der beifommenden Kommune, das Erforder liche anzuordnen sei,

Uussland und Polen.

St. Petersbuvg, 28. Oft. Auch in der Marine sind vou Sr. Majestät dem Kaiser unterm 22, d. M. mehrere Beförderungen | vorgenommen worden; die Vice-Admirale Kolsakoff, Bellingshaufen, | Ricord und Lasareff 1. find zu Admiralen ernannt, verbleiben übri-

gens aber in ihren jeßigen Functionen, der Admiral Kolsakoff als General = Adjutant und dienstthuender General beim Generalstab der Kaiserlichen Marine, der Admiral Bellingshauseu als Oberbefehls | haber des Hafens und als Militair-Gouverneur der Stadt Kronstadt, der Admiral Ricord als Mitglied des Admiralitäts-Raths und Admi- ral Lasareff}, als General - Adjutant, Ober-Befehlshaber der Flotte |_und der Häfen des Schwarzen Meeres und Militgir-Gouverneur von \| Nikolajes} und Sebastopol. | Am Sonntag den 22, d. hatte der am hiesigen Hofe akkreditirte bayersche Gesandte, Graf de Bray, die Ehre, dem Kaiser seine Kre ditive zu überreichen und sodann der Kaiserin vorgestellt zu werden. | Se. Majestät der Kaiser hat, wie das Journal de Stk. Pe- | tersbourg meldet, um dem hier anwesenden preußischen Geheimen | Medizinalrath Dr. Dieffeubah ein Zeichen besouderen Wohlwollens | zu geben, sowie mit Rücksicht auf die von ihm ausgeführten wichtigen | <irurgishen Operationen, demselben unterm 24, d. M, den St, An | nen-Orden 2ter Klasse verliehen. Sa

Paris, 29. Oktober. Der Hof wird am 3. oder 4. Novem- ber das Schloß von St. Cloud verlassen und seinen Aufenthalt wieder in den Tuilerieeu nehmen.

Die ministeriellen Blätter erklären die von dem Commerce mitgetheilte Nachricht für durchaus falsch, daß das Ober =Comité der Fortificationen von Paris sih mit einem Entwurf beschäftige, welcher die Stärke der Truppen für die Besaßung der detachirten Forts und die Bewaffnung dieser Festungswerke bestimmen solle.

Wie es heißt, wäre die Rede davon, in der bevorstehenden Session der Kammern einen neuen Kredit von hundert Millionen Frs, für die Vollendung der Fortificationen von Paris zu verlangen,

Im Palast des Bey's von Tunis wird jeßt sehr lebhaft über die Gränzlinien zwishen Tunis und Algerien verhandelt. Ehe Frauk= rei das nördliche Afrika offupirte, waren die beiden Regentschaften niemals über ihre Gränzen einig geworden, und es scheint auch jeßt eine Verständigung schr {wer zu werden; indeß das Kabinet der | Tuilerieen will der Sache durchaus ein Ende machen und verlangt, daß der Bey auf Unterhandlungen eingehez dieser aber, der die | Gränzen seines Reiches nicht genau keunt, und sih niemals näher | darum befümmert zu haben s{heint, is über Fraufreihs Drängen sehr erstaunt und fürchtet, übervortheilt zu werden, Der General -=Gou- verneur von Algerien hat übrigens einstweilen {hon Offiziere vom

ten, die Wärme und Junuigkeit oder die Källe und Leblosigkeit der augen- bli>lihen Conception wie der Ausführung, und die gegenseitige Durchdrin- gung von Jnhalt und Form bedingt sein, Es scheint si<h eine Jmprovi- sation eben so wie der Geist und der Gedankenvortrag eines Briefes nach demjenigen zu richten, an welchem derselbe geschrieben is. Darum wird erst eine längere Bekanntschaft, ein fortgesebter geistiger Verlehr eines Jmpro- visators und eines Pablikums Leistungen hervorzurufen im Stande sein, welche höhere Kunst - Anforderungen zu befriedigen vermögen, Dieses aber fordert uns auf, das Dargebotcüe nit billíoer NRückicht aufzunehmen. Viermal trat Herr Herrmann auf. Das erstemal gab er eine Jmpro- visation nah gegebenen Endreimen. Die Gesellschaft, welche ersucht wor- den war, sich ungestört ihrer guten Laune zu überlassen und ganz nach Be- lieben die bareFften, anscheinend unvereinbaren Reime, ohne Schonung des Improvisators, vorzuschlagen, von angenehm überraschten Neimen wie Kopeke und Scharteke, Manschu und Kautschuh, fettig und Nettig u. dgl, zu einem wohlgefälligen Ganzen unter dem Grundgedanken der Liebe glück- lih vereinigt zu sehen, ohne lange Bedenkzeit und ohne die geringsten Schwierigkeiten, Nach der von Fräulein Tuczek überaus {<ön gesungenecn

Tarantelle von Truhu, la Fioraja, folgte die dramatische Dich- tung, zu welher „Der Tod Marat’s durch die hochher- zige Charlotte Corday“ gewählt war. Bei dieser Production,

welche in zwei Scenen abgetheilt wurde, begegnete Herr Herrmann größeren Shwierigkeiten, welche er zwar leicht und zur Zufriedenheit des Publikums löste, indem er die Scenen ins lyrische Gebiet hinüberzog und so dem Stoffe dur< Wärme wiederzugeben suchte, was er an Kraft einbüßtez wobei in- zwischen doch die Unzulänglichkeit der Erinnerung an eine tragische Bege- benheit und der Mangel der Kenntniß charakteristischer Einzelnheiten recht auffallend Setddriteten mußten. Jedenfalls hätte das bekannte Wort des 0 Du O ers aus Mainz, Adam Lux, „Seht, sie is größer

Beste, mich? oder die Aeußerung Marat's: „Mich? Mich? Meine / r

Ih sterbe!“ nicht fehlen sollen, oder eine Beziehung auf

Generalstabe abgesandt, um Pläne von den Gegenden aufzunehmen, wo die Gränze streitig sein könnte,

Zu Montpellier is vor einigen Tagen der Admiral Roussin mit Tode abgegangenz er hatte sih dorthin begeben, um in dem mil deren südlihen Klima einige Linderung seiner Leiden zu sucheu; aber schon als er im Juli aus dem Ministerium ausschied, war sein nahes Ende nicht mehr zweifelhaft, da er an einer Verleßung des Rücken- marks litt,

Der ehemalige poluishe General Roman Soligk ist am 24sten d.

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zu St. Germain en Laye gestorben.

A Paris, 29. Okt, Es läßt si< uiht mehr bezweifeln, daß

die Häupter der kirhlihen Partei einen gemeinschaftlichen großen Shlag gegen die Universität, und man muß wohl hinzufügen, gegen die Negierung, auszuführen im Begriffe sind. Nach dem Bischofe von Chalous erklärt si< au< der Bischof von Langres mit dem Schreiben des Erzbischofs von Lyon an den Rektor der Akademie von Lyon für einverstanden, und Alles deutet darauf hin, daß eine größere Anzahl vou Oberhirten der katholischen Kirche nachfolgen wird, Wäh rend aber das Publikum nuo< in ein fast sprachloses Staunen über die neuen Ansprüche der Geistlichkeit versunken is, und während mi- nisterielle Blätter behaupten, daß die Bischöfe gar niht das Recht haben, die vom Staate angestellten Kaplaune abzuberufen, treten die Organe der kirchlichen Juteressen mit der no< überraschenderen Erkiü rung auf, daß die Drohung des Erzbischofs von Lyon bereits bei ver- schiedenen Gelegenheiten zur Anwendung gekommen, daß die franzö sishen Bischöfe shon in mehreren Fällen dur die Suspension der Gymnasiums = Kaplane vou der Regierung die von ihnen verlaugteu Zugeständuisse für die innere Einrichtung der Lehr-Austalten erzwun- genu haben. So, sagt das Univers, seßte im vorigen Jahre der Erzbischof von Bordegux die Verabschiedung des Professors der Phi- losophie, Herrn Bertot, nur damit dur, daß er dem Mister des Unterrichts erklärte, der Kaplan des Gymnasiums befinde si< in der Unmöglichkeit, die Vorträge jenes Schülers des Hrn. Cousín in den Auge der katholischen Welt unter seine Verautwortlichkeit zu nehmen ; so mußte der Koadjutor von Nancy zu derselben Maßregel schreiten, um Geuug- thuung für eine dem ehrwürdigen Pater Lacordaire von dem Direktor des Gymnasiums vou Nancy zugefügte Beleidigung zu erlangen. Man sieht aus diesem leßten Beispiele, daß sich dur<h das Mittel des Erz bishofs von Lyon auch ganz audere Zwecke erreichen lassen, als solche, die mit der Rechtgläubigkeit des Unterrichts im Zusammenhange stehen, und es ist klar, daß jenes Mittel, bei gehöriger Benußung und mit allmäliger Erweiterung des demselben zum Grunde liegenden Prinzips, die Zeiten des Bannes und des Juterdikts zurückzuführen verspricht. Man ist indessen allgemein überzeugt, daß die Staatsgewalt ich endlich entschließen wird, ihr re<tmäßiges Gebiet gegen die alle Tagé kühneren Uebergriffe der fir<li<hen Partei dur<h die geeigneten Schranken siher zu stellen. „Die Geistlichkeit“, sagt die heutige Revue de Paris, „muß seltsame Begriffe von der Shwäche der Regierung hegen, um zu glauben, daß eine solhe Berufung an die Oeffentlichkeit (wie sie in deu Briéfên der Bischöfe von Lyon, Chalons und Langres enthalten is) ihr nübßlih sein werde. Wir sind überzeugt, daß sie sich in diesem Puukte irrt. sich mit dem besten Willen von der Welt nicht länger über die Wir fungen der Nachgiebigkeit täuschen, mit welcher die Regierung bisher so verschwenderish gegen die Geistlichkeit gewesen is. Es is hohe Zeit, auf diesem Wege einzuhalten, der nicht zu dem Ziele führt, das man erreichen möchte. Die Absicht der Regierung war, ein inniges Einverständniß zwischen der Kirche und dem Staate zu gründeuz aber je mehr der Staat einräumt, desto mehr verlangt die Kirche, Das Geseß über den Secundair-Unaterricht, welhes man in diesem Augen bli>e ausarbeitet, bietet eine natürlihe Gelegenheit dar, die richtigen Grundsäße wieder ins Leben zu rufen und der Kirche und dem Staate, der geistlichen und der weltlihen Macht, der Freiheit und der Staats gewalt ihre re<tmäßigen Gebiete anzuweisen. Jenes Geseh, das schon an und für sih wichtig genug is, wird immer mehr zu einer Lebenöfrage für den ungestümen Ehrgeiz der Geistlichkeit. Niemand kann sagen, daß er niht gewarnt sei. Die Geistlichkeit {leiht nicht geräuschlos nah ihrem Ziele hin ; sie seßt die Trompete an den Mund, um die Mauern eines neuen Jericho, der Universität, umzublasen,“ : Es verdient übrigens, beachtet zu werden, wie weit sich die zwi schen der Universität und der Kirche verhandelte Streitfrage in der leßten Zeit von ihrem ursprünglichen Terrain entfernt hat. Anfangs handelte es si< nur um die sogenannte Freiheit des Unterrichts, und die lirhlihe Partei verlangte nichts als daß man die geseßlichen Hindernisse beseitige, welche der Errichtung weltlicher Lehranstalten durch die Geistlichkeit entgegenstehen. Heute nun aber is von der &Freiheit des Unterrichts wenig oder gar niht mehr die Rede. Die Geistlichkeit fordert vielmehr jeßt für si<h die entscheidende Stimme bei den Anstellungen au den Lehranstalten des Staats. Und in der That kann sie um einen sol<hen Preis gern auf die unbeschränkte Befugniß zur Gründung von Schulen und Gymnasien verzichten, denn die Erfüllung jener Vorausseßung würde nichts Anderes sein als das vöüllige Untergehen der Universität und aller Lehranstalten des Staates in einem neuen Justitute ohne Namen, das uicht gerade Eigenthum der Kirche wäre, zu wel<hem aber die Kirche allein die Schlüssel hätte.

=< Paris, 28, Okt, abermals mehrere Veränderungen bevor.

In der Journalistik von Paris stehen Die erst seit etwas über

den Trost der Heldin: Le crime lait la honte, et non pas Péchafaud Hier schen wir die Gränze, über welche diese Kunst nicht hinausgehen darf ; und jede Kunst hat ihre Gränzen, ihre Schranken.

Jn der zweiten Abtheilung wurden zwei Namen: Elisabeth ‘“/ und „„Wilhelmine“ zu Akrostichen verarbeitet und mit Begleitung der Guitarre das Ganze vorgetragen, Auch in „dieser Leistung erkannte man den ge- übten Meister, der sogar durch eine geschickte Wendung cine VBuchstaben- Verwechselung zu berichtigen versteht. ¡

Den Schluß machte ein humoristishes Gedicht, welches einen Juden beim Empfang eines falschen Wechsels recht launig darstellte, uach gegebenen Endreimen, S

Jn dieser Abtheilung ärndtete au< Fräulein Tuczek durch den ge- fühlvollen Vortrag des russischen National - Liedes von Gumbert „der rothe Sarafan““ und des Addio Venezia, und Herr Ditt durch das ge- müithreiche Lied Neissigers „die Heimath“ viel Beifall,

‘(Wir erhalten vielleicht bei einer zweiten Jmprovisation Gelegenheit, über Pradel, Nicci, namentlich aber über Rosa Taddei, die eminen- teste Jmprovisatrice unserer Zeit, uns aussprechen zu können.)

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Zur Anfertiguug der Büste Himmel's, als Geschenk für seine Vater- stadt Treuenubrießen, werden diejenigen gebeten, die eine Abbildung von ihm (außer dem Kupferstich von Tielker) besitzen, dieselbe zu leihen. Desfallsige Meldungen an den Literaten C, Sievert in Berlin, Schiffbauerdamm Nr, 19, unter Aufschrift: „Zum Denkmal Himmels.“

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Man kann

de Legislature, welhe si< vorzugsweise mit Rechte und Prärogativeu der Pairs- Kammer be- Wahrscheinlichkeit zufolge, allernächstens schon ihr Dasein beschließen, nahdem sie ohnedies, ohne be- redigirt, ganz ohne allen Einfluß geblieben war. Man wußte eigeutlih nie ret, welcher politishen Partei dies Blatt anaebörté,| das i diejer Beziehung eine, wahre Zwitterrolle spielte, Daa während es auf der einen Seite cinen fonservativen Auschein Gd 10 geben suchte, eine gewisse Mäßigung zur Schau trug catgnnts man doch fast in allen Fällen , wo es einen Angriff auf die Männer alt, die jeßt das Ruder der Verwaltung führen, sicher sein, es darau J cel nehmen zu sehen, und schon deshalb gelang es ihm nicht, auf iratul einer Seite einen hinreichend starken Leserkreis sih zu ver schaffen, um auch nur die Kosten des täglichen Erscheinens deken zu fönnen. Der Mann aber, welcher der eigeutlihe Gründer desselben war und darin ein Organ für die besondere Richtung gefunden hatte, die er int der

ein Jahr bestehe! Vertheidigung der faßte, wird, aller furzes, ephemeres sonderes Talent

Pairs-Kammer repräsentirt, der durch seine unaufhör- lichen Zankhändel mit Herrn Guizot, mit dem Kanzler Baron Pas- quier, als Präsidenten der Pairs =Kammer, furz mit aller Welt so befaunt gewordene Marquis vou Boissy, einer der reichsten Männer von ganz Frankreich, scheint troß dem die Lust verloren zu haben, sein Geld vergeblich zu vershweuden, und wenn dieser Patron vollends die shüßeude und helfende Hand von dem Blatte zurückzieht, so wid ibm das Lebenslicht unvermeidlich bald ausgeblasen sei.

Eine zweite Veränderung betrifft den Commerce, der seit ci nigen Jahren schon so viele Umwandlungen und Eigenthumswechsel erfahren hat. Nachdem er lange Herrn Mauguin, dem jeßt in Ma drid lebenden französis<hen Deputirten, gehört hatte, dann Lon dem Prinzen Ludwig Napolen gekauft worden war, aus dessen Hände er dann in die seines jeßigen Eigenthümers Herrn Lesseps, Bruders des französischen Konsuls zu Barceloua, überging, soll er nun abermals zum Verkaufe ausgeboten werden, und zwar so, daß Herr Lesseps gänzlich sich davon zurückzieht. Der Commerce hatte, trob aller sei ner Heftigkeit, mit der er die Befestigungen von Paris anguiff, troß des fast ganz radifalen Tones, den er stets in seiner Polemik führte, sih fein hinreihendes Publifum verschaffen köz.nen, und darin nur das allgemeine Schicksal aller Blätter getheilt, die in gleicher Weise die nämlichen Meinungen vertreten zu müssen glaubten. Denn die Stim mung unserer Zeit ist nun einmal vorherrschend für die Mäßigung, und wer diese verleßt, der giebt si, welches au<h das Ziel sei, dem er zustrebt, {on von vornherein selbs den Todesstoß. Abgesehen hiervon hat der Commerce einen bedeuteaden Schlag erlitten durch das gerichtlihe Urtheil, das ihn nöthigte, das Erscheinen seines Sup - plements einzustellen, das früher tägli<h um 11 Uhr Vormittags aus gegeben worden war, und bereits die wichtigsten Thatsachen aus den am nämlichen Morgen erschienenen pariser Blättern nicht uur, soudern auch aus denen der Departements, und selbst die wichtigsten Neuig= keiten, die mit den deutschen, englischen, schweizer, spanischen u. st. w. Blättern eingetrofffen waren, seinen Lesern täglich mitgetheilt hatte, allen auderen Blättern also fast um einen ganzen Tag damit zuvor gekommen war. Dies, und daß zugleich die Course der auswärtigen Börsen, besonders jener von London und Madrid, so uo< vor Aufang der Börsenzeit hier zur Kenntuiß der Handels- nnd Geschäftsleute, \so wie der Börsen-Spekulanten kamen , hatte dem Blatte ene zieme liche Anzahl von Abonnenten verschafft, die sih sons wenig um sein= politishe Meinung kümmerten. Seit dieses Supplement, welches von den Gerichten als ein cigenes gesondertes Blatt erklärt wurde, und wofür also besondere Caution geleistet, besonderer Stempel gezahlt werden sollte, nun eingegangen ist, shleppt nach dem Abfall des größten Theils soiner Leser der Commerce nur mit Mühe sein Dasein daßin, und darin liegt der Grund, warum Herr Lesseps, der jeßige Besißer, sich davon loömachen will, Wie man hört, wird das Blatt in andereu Händeu eine gemäßigtere Richtung verfolgen und mehr in Uebereinstimmung mit seinem Namen vorzugsweise deu Angelegenheiten und („Fragen des Handels, des Verkehrs, der Jndustrie sich widmen,

Die dritte Veränderung betrifft das noh ganz junge Blatt l’Etat. Kaum erstanden, hatte es die Erfahrung machen müssen, wie schwierig es is, unter den obwaltenden Verhältnissen cin neues Blatt hier zu gründen, zumal wenn dasselbe mehr oder minder radi= falen Tendenzen huldigt, da schon die älteren radikalen Blätter Mühe genug haben, sih zu erhalten, was nur dur<h Opfer einzelner reiher Männer der Partei in vielen Fällen geschehen kaun. Seit einiger Zeit war nun der Etat mit dem gleichfalls erst seit furzer Zeit bestandenen Parisien vereinigt worden, dessen Lebensfaden dadur<h abgeschuitten wurde, daß ihm der ösfeutlihe Ausverkauf bei allen Epiciers von Paris untersagt wurde. Aber auch der Etat fann na< der Verschmelzung mit dem Parisien sich nicht halten und soll jeßt, wie man vernimmt, in die Hände des bekannten Dr, Barrachin, der früher die orientalishe Revüe herausgab, als Eigenthum übergehen. Daß der Etat unter den Auspizien dieses Mannes, desseu Charlatanismus, troß alles Lärmens und An rühmens, das er von sih und seinen Verdiensten um die Türkei selbst machte und durch andere, sowohl in französischen als ausländischen Blättern, machen ließ, doch von allen mit den Sachverhältnissen etwas näher vertrauten, einmüthig anerkannt wird, größeres Gli machen werde, möchte sehr zu bezweifeln sein,

Auch mit der demagogishen Nation des angeblich legitimisti- hen Abbé de Genoude geht es unverkennbar deu Krebsgang.

Juzwischen wird auf den 15. November das Erscheinen eines neuen Blattes unter dem Titel Regenerateur angekündigt. Auf welhem Wege dasselbe den Zwe> zu erreichen gedenkt, den sein Name ausspricht, ist jedoch no<h nicht bekaunt, doch spricht die Wahr \cheiulichkeit für eine radikale Tendenz.

Grossbritanien und Irland.

- Lonudou, 28, Okt, Die United Service Gazette schreibt: ¡Die Abzahlung so vieler Kriegsschisse im lelzten Monat und die be : A n E v eri É f! trächtliche Dahl derer, die sofort außer Kommission (außer aktiven Vieusi) gestellt werden sollen, wird unsere Häfen mit einer größeren DIhl tüchtiger Seeleute füllen, als in dieser Jahreszeit müßig zu sehen erfreulih is. Judessen geht das Gerücht, die Admiralität habe die Absicht, fünf Linienschiffe: Rodney und Aibion, von je 90, Thun= derer, von 84, Collingwood und Vanguard von je 8) Kanonen, in Kommission zu stellen ; doch scheint uns die Sage fürs erste unbegründet, und wir wissen in der That nicht, wo diese Schiffe nöthig sein sollten. U e es weder in China noch in Westindien noch auf unserer nordame

G j L A c auch zu einer Vermehrung unserer Seemacht im Mit- Hiänatd pa ae fürs erste feine dringende Nothwendigkeit vorhanden, r Sübamacils pg eine Fregatte und ein oder zwei Dampfböte fi n Ca Und einige Sloops und Briggs für Westindien und die afrikanishe Küste neu ausgerüstet werden: daß aber ;

5 v orb ael 1Sgerüstet werden ; daß aber, wenn nicht ein unvor hergesehener all eintritt, in den nächsten Monaten ein oder mehrere große Schiffe ihre Wimye Tas ut ali I O >lmpel cufhissen, is nicht wahrscheinli Folgende Schiffe sind seit einiger Zeit Ly p h e wayr|<einM, GD en Mqu seit einiger Zeit in der Ausrüstung begriffen : die Fregatten Fox und Jsis von 42 und 26, die Sloop Helena von 16 und die Brigg Sealark von 10 Kanonen in Ports touth+ der Racehorse von 16 und die © E O A s NRacehorse von 16 und die Pandora von 10, in Devouport (Ply- mouth) ; die Fregatte Vestal von 26 Kanonen in Sheerueß, der d von 18 und der Rolla von 10 Kanonen, in Chatham.“ onciligtion Hall, wo die beiden leßten Versammlungen des

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773 Repeal - Vereins gehalten wurden, is ein Gebäude, welches sih so- | wohl durch äußerliche architektonishe Schönheit als dur<h zwe>mäßige Einrichtung in seinem Junern auszeichnet. Angeblich bestimmt, dem irländis<hen Parlament vorläufig zum Versammlungs Ort zu dienen. Ueber dem Haupteingange sind die alten irländischen Embleme, die Krone und die Harfe, und über den beiden Seiten-

l | thüren irländische Wolfshunde von Stein angebracht. Auch | orr Vere So i! "M Mroté Und Häxse verziert und | in einem Delta am zweiten Sto> liest man die von einem | Kleeblattfkrauz umgebene Juschrift : „Das Repealjahr 1843“, Dar

über prangt das Brustbild O'Connell's mit einem Eichenkranze einge= saßt. Jm Junern des Gebäudes, welches no< nicht vollendet ift, | sind Gallerieen sür Damen und für Herren angebracht. Sowohl der |

Ci i R VVEACtS ¿erba 2 ov Cts T L L, m R LE 2 1 t A B E A Siß des Präsidenten, als der für O'Connell bestimmte, is auf einer | der Belgier St. Cloud verläßt und nach

erhöhten Platform angebraht. Auch ein Gemälde des Leßteren ist in dem Saale aufgehängt; seine Statue wird no< erwartet.

Aus Dublín wird uichts Neues von Belang gemeldet. Die mi-= litairis<hen Vorkehrungen der Regierung dauern fort, uad alle Par teien ergehen si<h in Muthmaßungen über den wahren Zweck derselben. Fast täglich landen frishe Truppen, die troß der Rauheit der Jah

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reszeit ohne Aufenthalt in Eilmärschen nach den entfernten Gegenden | Staatsrath Laurenz Baumann,

des Landes abgehen, „fo daß in wenigen Wochen‘“, wie der Korrespon dent der Times schreibt, „das ganze Land oder wenigstens drei Vier theile desselben in den Zustand militairis<her Occupation verseßt sein werden.“ Derselbe Berichterstatter, welcher die Ultra-Tory-Richtung

dort vertritt, hört nicht auf, die Regierung indirekt ihrer Unentschiedenheit | tracht

wegen zu tadeln, Er verhedlt sich die bedeutsame Steigerung der Repeal = Bewegung nicht, welhe der Uebertritt des Herrn O'Brien zur Folge gehabt hat, aber er giebt dieselbe der Regierung Schuld „Es würde thöricht sein“, heißt es, „anzunehmen, daß die Regierung rie Agitation nicht in ihrer Gewalt hätte, wenn sie uur den Muth zeigte, den verlorenen Boden wiederzugewinnen, Das wäre sehr leicht möglich, wenn sle ihre Anhänger überzeugte, daß sie niht auf halbem Wege zwischen Zwang und Versöhnung stehen bleiben wollte, daß sie nicht die Absicht hegte, wie der Pilot behauptet, die Kanuadiasi rung Jrlands zu versuchen, soudern daß sie an der Politik, welche ihr das Vertrauen so {nell wieder genommen hat, festzuhalten entschlossen sei. Schaut man auf das Vergangene, so kaun fein Zweifel über den Ausgang bestehen.“ Die Tories in Jrland möchten auf der cinen Seite die Regierung zu Maßregeln bestimmen, welche eine Kollision mit dem Volke herbeifährten, auf der anderen Seite, O'Connell durh ihre Shmähungen und Herausforderungen zu einem Schritte verleiten, der dasselbe Resultat gäbe; denn sie erbli>en nur in einer gewaltthätigen Unterdrückung der Repeal-Bewegung das Ende derfelben. Ein Gerücht is in Dublin verbreitet, daß die Regierung vou der gerichtlichen Verfolgung der Angeklagten, soweit dieselbe auf die Aussagen ihres Berichterstatters Hughes gegründet ist, absteheu wolle. „Dies i în der That‘, sagt der Korrespondeut der Times,

„der Anfang des Endes.“

Wel anbe

Aus deut Haag, 28. Oft. Heute hat eine aus Mitglie dern beider Kammern der Generalstaaten bestehende Deputation die beiden Kammern gemeinschaftliche Autworts - Adresse auf die Thron- Rede des Königs überreicht. Die Adresse is sehr lang (fie füllt eine enggedru>te Spalte des Amsterdamer Handelsblattes) und verbreitet sich über alle in der Thron-Rede berührten Punkte, wobei wiederholt die auch in leßterer versprochene Sparsamkeit in allen Theilen des Haushaltes als dringend nothwendig hervorgehoben wird. Bei Erwähnung des weniger blühenden Zustandes, in welchem si< der Handel und der Gewerbfleiß befindet, wird der Wunsch ausge-= sprochen, daß die Vorlegung des schon lange erwarteten Entwurfes eines neuen Zoll-Gesebes für Ein=, Aus - und Durchfuhr nicht län ger möge verschoben werden, und daß dieser Entwurf den Charakter der Liberalität an sich tragen mögez eben so wird der Wunsch einer baldigen Vorlage des Geseh - Entwurfes über die Ausübung Stimmrechtes in den Städten und auf dem flachen Lande ausge sprochen. Ueber die Finanz - Verhältnisse äußert sich die Adresse fol geudermaßen:

„Mit der Feststellung der no< nicht angenommenen Kapitel des zwei jährigen Budgets, worüber wir die betreffenden Anträge demnächst erwarten, wird für den bevorstehenden zweijährigen Zeitraum wieder der geregelte (Gang der Angelegenheiten und dadurch der Staats-Kredit gesichert werden, Dieser Zwet wid indessen nicht zu erreichen scin, wenn nicht zugleich die Mittel angewendet werden, um das gestörte Gleichgewicht der Finanzen her zustellen und mit strenger Gewissenhaftigkeit unseren Verbindlichkeiten und Verpflichtungen nachzukommen, sind deshalb bereit, mit Majestät dahin zu wirken, die außerordentlichen Opfer, welche er-

Des

Wir Ew

forderlih werden mögen, nah zwe>mäßigen Grundsäßen zu ver theilen, Wir werden uns dazu mit um 0 größerer Beruhigung entschließen fönnen, da wir das Vertrauên hegen dürfen, daß

man auf dem so wünschens8werthen Wege der Vereinfachung und Erspa rung fortschreiten, und demnach keine Bemühungen vernachlässigen werde, um die Steuerlasten zu vermindern... Ueberzeugt, daß O:duung, Ein- fahhet und Oeffentlichkeit nothwendig erfordert werden, um günstigere Fi nanz-Verhältnuisse herbeizuführen, haben wir mit besonderem Vergnügen von Cw. Majestät die Zusicherung entgegengenommen, daß Höchstdieselben der vollständigen Ordnung des Staats - Finanzwesens fortwährend Jhre ernsl- liche Sorgfalt zu widmen gesonnen sind, Mit Rücksicht auf diese Zusiche rung werden wir denn auch baldigst von Ew. Majestät die zugesagten An träge über Ausgleichung und möglichste Beseitigung der besonderen Staats fonds und zur Negulirung der Nückstände, so wie die damit in Beziehung stehenden Geseßz-Entwürfe erwarten dürfen,“

Schließlich spricht die Adresse no<h die Erwartung aus, daß die Regierung den jeßigen geeigneten Zeitpunkt zu einer Revision und Reform des Staats - Grundgeseßzes nicht ungenußzt werde verstreichen lassen.

Die Adresse hatte in der am 23sten d. M. gehaltenen Sibung der Central-Section der zweiten Kammer zu längeren Debatten Anlaß gegeben, doch war cs der Opposition, außer in Bezug auf eiuige weniger bedeutende Redactions - Veränderungen, nicht gelungen, die von ihr in Vorschlag gebrachten Amendements des ursprüngliche! Entwurfs durchzusetzen.

Durch einen Beschluß Sr. Majestät des Königs werden die seit Fahre 1820 bewilligten Zuschüsse zu dem Gehalte der Adjutan Januar 1844 an auf die

dem J ten des Königs und der Prinzen vom 1, Hälfte herabgeseßt.

Es heißt, Herr P. Afkerlaken, den man als den künftigen Finanz Minister bezeichnet, werde in den Adelstand erhoben werden,

ta

Brüssel, 30. Okt, Die Emancipation meldete kürzlich: „Seit mehreren Tagen fordert die französische Douane von dem belgischen Gußeisen den Zoll, als wenn dasselbe vom zweiten Gusse wäre, während es nur vom ersten is, Der Zoll von dem Eisen ersten Gusses is 4 Frs. 40 C., während jener vom zweiten Gusse 14 Frs. beträgt. Dies ist ein vollkommenes Verbot. Mehrere un= serer Hämmermeister sind schon hier, um si< mit dem Minister des Jnneru über diese Thatsache zu besprehen, Morgen werden sie mit Herrn Nothomb eine Unterredung haben, welcher, wie man versichert, der fran- zösische Gesandte, Herr von Rumigny, beiwohnenwird, Es ist dies eines der wichtigsten Ereignisse, welche in unseren Douanen-Verhältnissen zu Frank-

reih seit mehreren Jahren eingetreten sind.“ Diese Thatsachen werden

zl | heute von der Jndépendance bestätigt. „Die Eisenhämmer-Meister“, ist es dazu | sagt dieses Blatt, „welche nah Brüssel gekommen sind, um die Re- | gierung zu ersuchen, daß sie gegen jene Maßregel rekflamire, wur-

den vorgestern von den Ministern des Junuern und der auswärtigen Angelegenheiten empfangen. Der Lebtere richtete sogleih Justruc- tionen an unseren Botschafter in Paris, worin dieser beauftragt wird, sich zu bemühen, daß er von der französis<hen Regierung den Wider- ruf der Befehle erlange, fraft deren die Zoll- Behörden auf obige Weise verfahren, und Herr Ch, Levéque, Eisenhammer-Meister zu Couvin, einer der Reflamaten, übernahm es, die Depcschen an den GUrjten von Ligne zu überbringen. Er is unverzüglih abgereist, da- mit die Unterhandlungen no< eröffnet werden können, ehe der König Brüssel zurückkehrt, S Wel

ier, 24 Ol M A A) Sus fand bei Gerwern in Luzern ein Zusammtritt von etwa 300 Männern statt, die sich über die kritische Lage beriethen, in welche die lebten Beschlüsse des Großen Rathes den Kanton Luzern verseßen könnten. Hr, Alt- nin, die Herren Alt-Schultheißen Kopp und Amrhyn und Pre. K, Pfoffer eröffneten ihre Ansichten über die

| dringende Nothwendigkeit, einem allfälligen Bundesbruch des Kan-

|

\

tons Luzern, so wie der drohenden Gefahr der Ueberliefernng dieses leßteren an die Jesuiten mit allen geseßlihen Mitteln, mit Ein- und Entschiedenheit entgegen zu treten, und zu diesem Zwe>, je nachdem si< der Verlauf der Dinge gestalte, entweder eine Adresse au den Großen Rath oder eine Volks Versammlung zu veranstalten. Es wurde sodann eine Kommission von dreizehn Männern, die me ein wichtiges öffentlihes Amt bekleidet haben, be. hufs Einleitung angemessener Schritte niedergeseßt. Herr Fürspreh Schnyder steht an ihrer Spiße. Am Schlusse ermahnte Altschultheiß Amrhyn die Anwesenden zu treuem Zusammenhalten. Seit 500 Jah- ren habe Luzern zu den Eidgenossen gehalten, mit Schmerz erfüllen ihn die Beschlüsse des Großen Rathes, Nur Treue am Vaterlande tönne dieseiben unwirksam machen. Rauschender Beifall folgte seinen und noch einigen anderen Schlußworten der Herren Kopp und Dr. Steiger. Die Versammlung ging ruhig, aber mit festem Entschlusse auseinander.

Luzérn, 27, Off: (O. P. A: Z) Mehrere Mle Lis „„Ruswyler-VBereins“ haben Worte der Belehrung, Beruhigung und Warnung an ihre Mitbürger erlassen, worin die Versicherung gegebeit wird, daß die luzerner Großratbs-Beschlüsse durchaus keine den Bund und den Frieden des Vaterlandes gefährdenden Absichten in sih schlie-

ßen, Beachtenswerth und erfreuli<h erscheint darin folgende Stelle : „Man giebt Eich vor, es gebe, wann auch die zu crlassende Erklärung an das Schweizervolfk ohue Wirkung bleiben sollte, kein anderes Mittel

mehr, als Trennung und Bürgerkrieg. Das i} eine Lüge. Noch viele andere Mittel sind übrig, welche der Große Rath von Luzern im Vereine

mit denjenigen Ständen, welche seine Ansicht theilen, leiht finden wird, ohne si< dieselben von den Radikalen vorzeichnen oder unterschieben zu lassen, Der Große Nath will bundesgemäße Mittel, \olhe also, welche der Bund zugiebt oder befiehlt. Das mag Euch beruhigen. Wenn

er Trennung je wollen könnte, \o wäre Bundes - Vertrages. Zun dieser müßte rainen Volkes selbst erfolgen, Er i} niht gewohnt, in seine Be- \{<lüsse etwas hineinzuste>en, um es vor dem Volfe zu verhehlen: er wurde, 1m Falle er je zum Gedanfen einer Gemeinschafsts-Aufhebung mit irgend einem Staude läme, offen und redlich, wie es Stellvertretern eines braven Volkes geziemt, diesen Gedanken dem Volke vorlegen, es um seine Meinung in verfassungsmäßigen Abstimmungen fragen, Deun er hat ge- shworen, die Staats-Verfassung zu handhaben. Scine Treue für die Ver- fassung 1j unverbrüchlich.“

«n gleichem Sinne giebt ein luzerner Korrespondent der S<w ei= zer=Zzeitung die Versicherung, sowohl der Regierungs-Rath als der Große Rath des Kantons Luzern hätten den Gedanken einer Tren- ning gänzlih aufgegeben, und es sei die Beseitigung der von der rothener Konferenz beantragten Schritte vornämlich den Vorstellungen von Baselstadttheil zu verdanken, :

das eine Abänderung des die Zustimmung des fsouve-

Se A . . O4 Eb M K A c ( e

E S Gestern Abend spät traf der Herzog vou Aumale mit Gefolge hier ein, Diesen Vormittag nahm derselbe die Gemälde Gallerie un Palast Pitti in Augenschein und begab sich hierauf zum Diner nach dem Lustshloß Poggio Cajano, wojelbst der Oroßherzog!ich Hof, um die Herbst - Villeggiatura zu

halten, \<oau heit mehreren Wochen verweilt. s Grafen Survilliers, welcher kürzli<h von meh-=

Das Befinden des reren Schlaganfällen betroffen wurde, hat sih wieder gebessert. o pan Len

o. P D

Waris, 29, Okt. Telegraphische Depeschen aus Spanien.

Perpignan, 26, Oft, Da die Batterieen der Stadt (Barce= lona) na< Gracia Bomben geworfen, welche mehrere Personen tödteten, so ließ der General-Capitain gestern tausend Kugeln und Granaten auf alle von den Jusurgenten beseßten Punkte werfen, Ju Barcelona is die Unordnung vollständig ; die Junta läßt fortwährend die Tuch=, Leder= und Cßwaaren-Magazine der Privaten öffnen und plündern. Jn Vag= lencia herrshte am 22sten Ruhe. Am 23sten bemächtigte sih die Junta von Barcelona einer Summe von 60,000 Fr., die der medi- zinischen Schule angehörte, ferner eines Leder - Vorrathes im Werth von 150,000 Fr. ; sle nahm außerdem für mehr als 250,000 Fr. Tuch in Magazinen weg, deren Thüren aufgesprengt wurden; Eßwaagren- Läden wurden ausgeplündert. Massanet, von der obersten Junta, und ein gewisser Aymar, von der Bewaffnungs - Junta, waren in Streit gekommen. Dieser warf dem ersteren eine Flasche an den Kopfz in Folge der Verwundung, welhe Massanet erhielt, is dessen Leben in Gefahr; die Unordnung nimmt zu; man befürchtet in Barcelona gr0o- ßes Unheil. Diesen Morgen hörte man zu Figueras die Kanonade von Gerona.

Perpignan, 27. Okt, Prim begann gestern Gerona zu be- schießen; er bemächtigte sich der Vorstadt Pedres. Gestern währte das Feuer fort, Martell verließ gestern mit 250 Mann Figueras.

__& Madriíd, 20, Okt, Der E spectador erhebt heute ein gewal- tiges Geschrei, weil der Redacteur des republikanischen Blattes, Ec o de la Revolucion, vor Gericht eine Aussage thun mußte. Eben dieser Re- dacteur, Herr Asquerino, wurde vor sehs Monaten von einem biesigen Richter zum T ode verurtheilt, weil er in der mündlichen Vertheidigung eines vor Gericht gestellten Schriftstellers den Regenten einen Tyran- nen genannt hatte. Dazu \{hwieg der Espectador. Höchst fomish erscheint uns hier, wenn wir in einem deutschen Blatte lesen, Nie- mand dürfe sih hier mu>sen, Narvaez stoße links und rechts alles nieder, und wenn gar ein Pariser Korrespondent diesem Blatte berichtet, Niemand dürfe es wagen, mit Jemand auf der Straße stehen zu bleiben, ohne Gefahr zu laufen, verhaftet zu werden n. st w. Offenbar erscheinen diesem Berichterstatter in der Ferne die Gegenstände in verdoppelter Größe. Aus den siében Deputirten, welche Madrid zu ernennen hat, macht er deren zwölf. Jh kann, ohne Furcht, von Age ee

j daß bis spät in die Nacht die auf widerlegt zu werden, versichern, daß e von Sébild en von der Puerta del Sol vor dem Posthause beftndlichen drien