1843 / 139 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

S5 jus, Staatsrath Wolff, General-Major und Com- Staatsrath M tilleris-Brigade von Lassolaye, General-Auditeur und Geh Rath Vogel, Kammerherrn und Geh. Legations - Rath Frei- herrn von Marschall, Kammerherrn und Oberforstrath Freiherrn von Gemmingeu. Dasselbe St. u. Reg. Bl. bringt die bereits unter dem 12. Oft. erfo!gte Ernennung des Gen, Lieut. Markgrafen Maximi-

lian von Baden Hoheit, zum Commandeur der Jnfanterie-Division,

Mannheim, 11. Nov. (M. Z.) Gestern wurde bei festlich erleuhtetem Hause die Geburtsfeier Schiller's durh Rede, Gesang und Aufführung von „Wallenstein's Lager“ feierlich begangen. JZhre

Königl. Hoheit die Großherzogin Stephanie von Baden, welche fürz- lih na< längerer Abwesenheit wieder in unsere Mauern zurüd>fehrte, beehrte die Vorstellung mit Jhrer Gegenwart, und wurde, nachdem die Mitglieder der Dalbegier e Sermalbung Höchstdieselben erfurchts- voll bewillfommt, von dem gedrängten Auditorium mit raushendem Jubel empfangen. Mit allgemeiner Freude vernimmt man, daß die hohe Fürstin länger in unserer Stadt verweilen wird, wo ihr überall dankbare Liebe für ihre segensycudende Theilnahme an dem Wohle der Einwohner begegnet. Gestern Nachmittag ist das niederländishe Güter - Damvfboot „die Stadt Düsseldorf“ di= reft von Antwerpen befrahtet mit 28 Last in dem biesigen Hafen eingelaufen. Dies Boot verließ am 28. Oktober Mittags den Hafen von Antwerpen, mußte aber wegen Sturm, nachdem es s{<on 5 Stunden auf der See zurü>zelegt hatte, wieder dahin zurü>kehren. Ohne dieses Mißgeschi> und den Aufenthalt, verursaht dur< das Ausladen der nah Köln bestimmt gewesenen Güter, würde es schon am s, d. hier eingetroffen sein. Diese direkte und schnelle Verbin- dung mit Antwerpen , dürfte künftig für den hiesigen Plaß, der sich von Tag zu Tag mehr bebt, von wesentlihem Vortheil sein, da dem Vernehmen na< die niederländische „Stoomboot Maatschappy ““ be- absihtiget, einen regelmäßigen Dienst zwischen Antwerpen und Mann heim herzustellen.

Kurhessen. Kassel, 12. Nov. Jn der gestrigen Sißung der Stände- Versammlung wurde der Bericht des Eisenbahn-Aus-= \chusses über den Antrag der Herren Arnold und Schwarzenberg dis=- futirt. Herr von Buttlar I,, welcher die Nothwendigkeit und Nüt- lichkeit der Eisenbahnen im Allgemeinen nicht bestritt, wünschte jedoch die Frage über ihre Zweckmäßigkeit für Hessen näher erörtert, war demna<h auch für den ersten Theil des Antrages eines Ersuchens an die Regierung um Auskunft, wünschte dieses jedoch speziell gerichtet guf Richtung, Zeit des Beginnens und der muthmaßlichen Vollendung der Bahn als Privat- oder Staatsbau, über die Größe der Kosten und Beschaffung der Mittel, über Mittel der Verzinsung und Til-

ung eines etwaigen Anlehens, über die Verwaltung der Bahn und

è auf den Bau zu verwendenden Kapitals, und hielt den ¿werten Theil des Ersuchens (um thunlichste Beförderung der auf die Ausfübrung einer Eisenbahu Bezug habenden Vorlage) dem ersteren um Auskunft widerspre<hend. Nachdem sich die Herren Arnold und von Baumbach 111. für den Antrag des Ausschusses ausgesprochen, hielt Herr Bähr einen längeren Vortrag zur Widerlegung der An- sicht, als ob Eisenbahnen für Hessen nothwendig seien, und \{loß, nachdem erx si< gegen den Bau auf Kosten des Staates ausgesyrochen, mit dem Antrage, die Regierung zu ersuchen, einen Eisenbahubau guf Actien zu veranlassen. Noch ergriffen die Herren von Waihß und Eberhard das Wort für die Eisenbahnen, worauf beide Theile des Ausshuß=Antrages, der erstere mit dem Zusaße des Herrn von Butt- lar, angenommen wurden. Herr von Ochs berichtete no<h über die

842 werden, wo ibnen vorläufig eine angemessene Verwarnung ertheilt werden soll, worauf dann strenge Maßregeln eintreten dürften, da die Geseße dergleihen Geschäfte ni<ht anerkennen. Da aber die Sathe für die Wechsel-Agenten dieselbe bleibt, so fragt man si, ob die Maßregel sih au auf sie ausdehnen werde, ebe die Regierung diese Angelegenheit, so weit jene Agenten von derselben betroffen werden, in Erwägung gezogen haben wird.

,_ Dem Vernehmen nach, sagt die Presse, wird an den König- lihen Gerihtshof von Paris, in Vereinigung aller seiner Kammern, zufolge des 1iten Artikels des Geseßes vom 20. April 1810, die Aufforderung gerichtet werden, dem General-Prokurator Hebert zt beauftragen, die Uebertretungen, welhe jeden Tag öffentlih an der Börse gegen die Artikel 420 und 423 des Strafgesebbuches began gen werden, gerihtli< zu verfolgen.

Es scheint gewiß, daß der General-Lieutenant Negrier, der lange Zeit hindur< zu Konstantine den Ober-Befehl führte, an die Stelle

| so wenig Uebles wie möglich zuzufügen.

Erbauung einer Kaserne în Hanguz dann wurde die Sibung ge- schlossen. Frankreich:

París, 10. Nov, Das Ministerium hat, wie man versichert, von dem Londoner Kabinet dur< Vermittelung Lord Cowley's eine

sehr beruhigende Note über die bevorstehende Ankunft des Herzogs F L ihnen die der radifalen Opposition jubeln über die gestern dur den

von Bordeaux zu London erhalten. Graf Aberdeen erklärt im Na-

men aller seiner Kollegen, daß die englische Regierung keinen Schritt |

von Seiten des französischen Thron - Prätendenten dulden werde, der die Sicherheit der in Frankreich bestehenden Regierung gefährden könnte. Da der Herzog von Nemours nicht vor nächstem Dienstag oder Mittwoch in London erwartet wird, so würde derselbe nur um wenige Tage früher als der Herzog von Bordeaux, dessen Ankunft in London auf den 20sten festgeseßt ist, dort eintreffen. Graf Bresson is heute von Berlin hier angekommen.

___ Das Syndikat der Wechsel - Agenten verlangt dringend von der Regierung die geseßliche Feststellung der Zeitkäufe. Das Ministerium, von der Wichtigkeit dieser (Frage durchdrungen, hat versprochen , die- selbe einer ernstlisten Prüfung zu unterwerfen, Unterdessen hat der

“müssen geglaubt.

Geueral =- Prokurator den Befehl erhalten, si allen derartigen Ge- schäften, die von der Coulisse vorgenommen werden, Einhalt zu thun, Er hat sih ein Namens-Verzeichniß aller derjenigen Personen anfer= tigen lassen, die als Agenten bei solchen unerlaubten Geschäften be- kannt sind. Sie werden binnen wenigen Tagen zu ihm entboten |

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__ Son in der ersten Abtheilung hören wir, daß der Name Mirabeau bis zu den Bauern von Mondragon gedrungen. In der zweiten befinden | wir uns zu Paris während der Direktorial-Herrschaft, ZJeanneton lebt dort | unter dem Namen Cornelie, macht eiu Haus, erhält die Besuche von No- tabilitäten der Kunst und zugleich jene des Marquis d'Entraigues, der mit ihr verlobt it, Eines Tages empfängt die citoyenne Cornelie den Besuch h digen, Uulssae, Secretairs beim Präsidenten Barthelemo, und erfennt Ian hren rothen Peter. Derselbe war mit eiu paar Sous in der î Gt vei gekommen und batte sich bis zu dem Posten hinaufge- eiche Erk en er nun beîleidet, Gleich erwacht in ihm, der so eben eine seine & L heirathen sollte, die alte Liebe wieder, und er bietet Cornelien Thür e ne aber erklärt dieselbe für vergeben und schiebt ihu zur Ct e a uijsac febrt »maturam expellas furca, tamen nsque Z durchs Fenster zurü> und droht bandgreiflih zu werden, wenn

Erhörung finde, Durch das Läuter Sturm i

lagen des Genera ) das Lauten der Sturmglo>e und das her Cou marsches war Cornelie eben bedeutet worden, ein vo-

V Zouy solle geführt werden: ihr Margui , Eig. tf ershywbrung eingelassen, Als fie me Marquis war's, der sich in eine Cornelien'2, wird aber doxt E ven ungen, flüchtet er sich in das Haus Auch Quissac, ver eben seiner A8 Häschern der Revublifk aufgegriffen. vorgesungen, hat vas Schictsal Ver neton - Cornelie ein „Denkst du daran““ wird, troßdem Daß ex sich in seiner Get Parvenus der Revolution: er 1D S Da Ÿ Cavenne deportiri “Zweit ex unotvveters - Natur R

a ga r 8 ist eto 2 . . 1

Straffolonie seine Zeit abgesessen uno td-Peter war, nachdem er auf ter und hatte eine glänzende Carrière gemacht; Ens Soldat geworden und jeyt, unter der Restauration, begegnen wir reti, Senator geworden, dragon , Deputirten von Amiens u. \, w. im L ee Grafen von Mont- Dorfes, wo er, den Himmel zu versöhnen, Gelb m * eines heimatlichen theilt und sich als einen durchaus honnetten Manu nte änden aus- baut tir wissen, daß Peter dem Flurschüßen Raimbaut mid (ne ior flegel das Gehirn eingeschlagen wird von ihm an Vaters St: dia nommen und an den reten Mann gebracht, Der Müll Meri Aige- Wuherer, und der Einzige i tät des Gros? ein

x inzige im Dorfe, der um die Jdentität des Grafen v Montdragon und des rothen eter weiß, will ihm bei dieser Gelegenheit Geld abpressen: er padt den Greis aber bei der Brust, und will ihn durch

prügeln da besinnt er sich eines Besseren, erklärt selbs den Bauern, er sei

des General Tholozé das Kommando der 13ten Militair - Division, deren Sib in Rennes is, erhalten wird.

Als vor einigen Tagen im Theater von St. Cloud die Oper „der Deserteur““ gegeben wurde, befand si unter den eingeladenen Zuschauern au< die Wittwe des am 15. Oktober 1841 zu Madrid ershossenen Diego Leon. Plöglich, bei der Hauptscene, als Alexis von Louise Abschied nimmt und die Soldaten bittet, seinem Leben ein Ende zu machen, hört man einen ersti>ten Schrei in der Nähe des Sessels der ebenfalls zum Schauspiel eingeladenen Königin Mag- rie Christine. Man hob die obnmächtig gewordene Wittwe Diego Leon's vom Boden. A :

L Paris, 10. Nov. Die Polemik der pariser Journale gleicht scit einiger Zeit den Schlachten, die si die Condottierie der italienischen Republiken des Mittelalters lieferten. Jun den heißesten Gefechten gab es häufig nicht mehr als einen oder zwei Todte und eben so viel Verwun- dete, Man ereiferte si<h sehr, allein man war zuglei bemüht, si l f! Die Bischöfe und das Pro- gramm des Herrn von Lamartine bilden in diesem Augenbli>e den Hauptgegenstand der Diskussionen, und das kleine Journal le Bien public hat plöglih eine Wichtigkeit erlangt, wie sie bei Pro= vinzial - Blättern niht gewöhnlih i. Die Presse läßt es si

besonders angelegen sein, die neuerdings von Herrn von Lamartine |

ausgesprochenen Ansichten zu kommentiren. Bekanntlich tritt dies Blatt seit einiger Zeit feindlih gegen den Minister der auswärtigen Angelegenheiten auf und diese Övposition beruht auf rein persön- lichen Differenzen zwischen Herrn Guizot und Herrn von Girardin. Die Presse hat si< seit einigen Tagen Herru von Lamartine merk- lih genähert und es is wahrscheinli<, daß sie das Organ des De putirten von Mäcon werden wird.

Nunmehr spricht sich noch ein Bischof für das Schreiben des Herrn

| von Bonald aus, nämli Herr Belcastel, Bischof von Perpignan, der

ebenfalls findet, daß die Universität die Anarchie, den Jrrthumund die Gottlosigkeit lehre, Dieser Kreuzzug würde sehr unterhaltend sein, wenn er nicht zugleih für die Ruhe des Landes und der Fami- lien gefährlih wäre; denn die Uebertreibungen, wel<he man gegen die Universität vorbringt, erscheinen in den Augen aller Vernünftigen wie wahrhafte Possen. Der Moniteur enthält in seinem gestrigen Blatte die Königl. Ordonnanz, welche einen Tadel gegen den Bischof von Chalons ausspricht (\. das gestrige Blatt der Allg, Preuß. Ztg)z man konnte gegen Herrn von Prilly niht weiter gehen. Aber wenn der Bischof tadelnswerth ist, so is es offenbar das Jour- nal, welches sein Schreiben aufnahm, und dennoch seßt das Univers ruhig oder vielmehr ungehindert seine Angriffe gegen die Universität fort, Es is dies übrigens unter allen legitimistishen Journalen das einzige, welches die erzbis<öfli<hen Feindseligkeiten, die seit einiger

| Zeit mit so großer Schnelligkeit auf einander folgen , aufgenom

men hat.

x París, 10. Nov. Die legitimistishen Blätter und mit Assisenhof erfolgte Freisprehung der France für zwei Artikel, in deren einem namentli<h die ungeziemendsten Ausdrü>ke und gröbsten Jnsulten gegen den Herzog von Nemours in Betreff der gestern von

{ihm angetretenen Reise nah England au deu dortigen Hof vorge- “kommen waren. lichkeit8gefühl {ou verbieten mir, auch nur im Auszuge die dort ge

Der gewöhuliche Anstaud und das einfache Schick=

brauchten Aeußerungen wiederzugeben. Unter der Maske eines An-= “griffs gegen die Minister hatte man wieder einmal vergiftete Pfeile gegen den König und die Glieder seiner Familie abschleudern zu Wer die betreffenden Artikel der France zu lesen ‘sich überwinden fann, wird bei uur einiger Unbefangenheit die böswillige Absicht niht verkeunen können. Die Geschworenen aber waren, wie es scheint, zufällig in ihrer Mehrheit aus Op- ositionsmännern zusammengeseßt und votirten daher ein Nicht- schuldig, und die Folge davon ist natürlich, daß dieser ertheilte Freipaß uur eine neue Aufmunterung für alle bösen Leidenschaften is, Durch dieses Urtheil wird aber wohl am besten ein der Regie-

kein Anderer a!s der einst so verrufene Roth -Peter , also nicht, wie sie ge- glaubt, von den Krokodilen gefressen worden , sei aber jeßt ein nobler Cha- rafter und wolle nur Werke der Liebe und Barmherzigkeit üben; was ex zum Schluß denn auch insofern bethätigt, daß er die vor Alter kurzsichtig und vor Hochmuth widerwärtig gewordene Marquise d'Entraigues, d. h. scine alte Jeanneton, welche sich zufällig als Wittwe im Dorfe Montdragon einfindet, heirathet, Dritter und leßter Aki. i

Nach diesem Resumé des Junhalis werden uns die Leser jede weitere Bemerkung über ein Stü>k erlassen, dessen Unglaublichkeiten und Wider- sprüche an das Beispiellose gränzen, Daß bei der Hauptperson an die ge \chichtlihe Figur des Barbe-rouge, des Schre>enösmannes der Berg-Partei, nicht gedacht werden darf, bedarf nah dem Gesagten nur der Andeutung. Ob indeß nicht auf eine andcre, bestimmte Persönlichkeit an gespielt ist, fönnen wix nicht entscheiden.

Herr und Mad. Armand de Bongars (als Peter und Jeanne- ton) gefielen allgemein und hielten das Stück nach besten Kräften guf- recht, Letztere bewegt sid im Naiven ansprehend, minder (was der leßte Aft auswies ) im Chargirten. Ersterer war, um die Ausbrüche der Wuth des rohen Bauern anschaulich zu machen, dur<h die Enge des Podiums genirt, Am Schluß wurden Beide lebhaft beklasht. Herr Pechena spielt den Liebhaber gut, aber sein Gesang läßt Manches zu wünschen übrig. Herr Baron bemühte \sih, das Karrikaturbild des Müllers in das Mensch- liche zu ziehen; seine Maske in den Geldabdrückungs - Scenen und wäh- rend der Jnirigne in Betreff des verhängnißvollen Papiers war frappant.

__ Am 28. Oft, war das Nepertoir wegen Krankheit des Herrn Baron geändert worden, und man gab, nebst dem Scribeschen „Ehemann - Jung- esell“ und einer anderen Kleinigkeit, das beliebte, au<h in das bei Schle- nger erscheinende »Répertoir du Théátre français à Berlin“ aufgenom- mene einaîtige Vaudeville von Bayard „Moiroud et Compagnie“, Wäh- rend in den französischen Dramen und Melodramen der jeßigen Epoche Verbrechen, Laster und blutige Handlungen aller Art aufgehäust werden, von denen die Deutschen, deren Gefühlönerven mehr blos liegen, die Blicke wegwenden, weil sie ihnen einen phosishen Schauder erregen, sehen wir in aare pariser Lustspielen soziale Verhältnisse in einer Nudität zu Markt tiefere Scheu A Theater wie im Roman ebenfalls abstößt, da wir die nd Achtung vor der Würde des Menschen dadurch tangirt

rung so oft gemachter Vorwurf widerlegt, als werde bei der Bildung der Geshworenenlisten niht mit Unparteilichkeit zu Werke gegangen. Das eben freigespro<eue Blatt la France macht \si< besonders au< dur< unaufhörliche Erfindungen uud Verdrehungen in Betreff der Königlichen Familie und der Verhältnisse der verschiedenen Glieder derselben zu einander bemerkfli<; dergleichen fleinlihe und von jedem Cdrenmanue mit der gebührenden Verachtung bestrafte Polemik zeigt nux, wie die Partei = Leidenschaft selbs bis zum Vergessen der ersten Gesebe der Schi>lichkeit führen kann. Die France hat, nament- lich in der nenesten Zeit, besonders wieder allerlei gehässige und böswillige Angaben, Fbre Königl, Hoheit die Frau Herzogin von Orleans betreffend, gebracht, die au in einigen deutschen Blättern ein Eco gefunden haben, deneu man beinabe die Ehre nicht anthun sollte, ihnen ein Dementi entgegenzuseßen. Jhre Königl. Hoheit hat mit ihren beiden Söhuen, dem Grafen von Paris und dem Herzog vou Chartres, die Tuilerieen bereits wieder bezogen, wo sie, wie früher, wieder den Pavillon Marsan bewohnt. Wie lange die Abwesenheit des Herzogs und der Herzogin von Nemours dauern werde, is no< nicht bestimmt, Vor der gestern erfolgten Abreise machten der Mi=- nister = Präsident, Marschall Soult, und Herr Guizot, dem Prinzen noch Besuche; der Prinz is von zwei Generalen, seinen Adjutanten, zwei Secretairen und einem Ordonnanz=Offizier begleitet, Auch Graf St. Aulaire, der französis<e Botschafter am Londoner Hofe, is vor- gestern shon wieder auf seinen Postex dahin abgegangen.

Nachdem der bisherige bevollmächtigte Minister und außerordent- liche Gesandte Sr. Majestät des Köuigs Otto von Griechenlaud von bier abberufen worden ist , hat gestern der Fürst Zzohann Soußo Herrn Guizot als Minister der auswärtigen Angelegenheiten , seine Beglaubigungs - Schreiben als griechischer Geschäftsträger überreicht, Fürst Soußo ist der Sohn des früheren bevollmächtigten Ministers von Griechenland zu Paris, und wenn ih re<t mi< erinnere, von wallachischer Abstammung. Bekanntlich soll künftig überhaupt uur ein Geschäftsträger von Seiten Griechenlands hier beglaubigt bleiben.

Die neuesten Nachrichten aus dem Süden lauten etwas berubi- geuder, do immer noch traurig genug. Die s{<öne Provence scheint verurtbeilt zu sein, sedes Jahr den Verwüskungen der Wassersgewalt mebr oder minder preisgegeben zu bleiben, Die Munizipalität von Avignon, welches selb diesmal wieder gelitten zu haben s<eint, hat 10,000 Fr, zu Unterstüßung der in die dringendste Noth Gerathenen bewilligt.

Grossbritanien und Irland.

London, 10. Nov. Jn Folge des Besuchs, welchen der Her zog von Nemours Jhrer Majestät der Königin von England abstat- ten will, hat der Herzog von Bordeaux seine auf den 15ten d. M, festgeseßte Reise nah London um einige Wochen aufgeschoben. Der Prinz wird in der Zwischenzeit von Alton Towers einige Ansflüchte in die Umgegend machen und die bedeutendsten Fabrikstädte besuchen.

Der Geburtstag des Prinzen von Wales, welcher sein zweites Jahr zurückgelegt hat, wurde gestern in Windsor, Woolwich und Brighton gefeiert, Auch in London waren viele Häuser zur Feier desselben Abends erleuchtet, i

Nachdem die Grand Jury das Zeugen=-Verhör in dem O'Cou nellshen Prozesse beendet, gab sie vorgestern die Anklage-Akte dem Gerichtshofe der Queensbenh mit der Bemerkung „a true bill” wie der zurü; sie hat also hiermit die Anklage für stattnehmig erklärt. Die Angeklagten, Daniel O'Connell, John O’'Connell, Thomas Steele, John Gray, T. Ray, Charles Duffy und die Geistlichen Tyrrell und Tierney wurden deshalb an jenem Tage vor den Gerichtshof beschie- den, und ihnen vom Ober=Richter Pennefather das Urtheil der Grand Jury bekaunt gemaht. Zugleich wurde ihnen erbffnet, daß sie nah Verlauf von vier Tagen zu plaidiren hätten, d. h. ihre Ant wort auf die in der Anklage-Akte gegen sie erhobenen Beschuldigun-= gen abzugeben, und nachdem sie auf die geseblihen Bestimmungen für den Unterlassungsfall aufmerksam gemaht worden waren, wonach das Urtheil allein wegen Mangels einer Antwort gegen sie ausfallen könnte, wurden ihnen Abschriften der Anklage = Akte zugesagt, welche an demselben Tage noch dur den Ober-Richter ihnen übersandt werden sollten. - Die Geschäfte der Grand Jury, welche mit Ausnahme einer Stimme die Anklage für zulässig hielt, sind mit diesem Ausspruche been: det, und die weiteren Verhandlungen der Parteien werden vor einer an- deren Jury, der kleinen, welhe wieder in die ordentlihe und Spezial= Jury zerfällt, geführt werden, Ju bürgerlichen Streitigkeiten können die Parteien, wenn sie übereinstimmen, von dem oberen Gerichtshofe eine Befugniß sh auswirfen (a writ), auf die Bildung einer Syéezial -= Jury zu dringen, im Kriminal - Prozeß dagegen steht dies nur dem Ankläger zu, von welhem Nechte die Regie- rung in , dem vorliegenden Falle Gebrau<h machen wird. Die Spezial-Geschwornen werden von den Parteien bezahlt und erbalten eine Guinee Diäten für die Dauer der Sißung. Ueber die Bildung dieser Jury i} {hon früher das Nöthige erwähnt worden; sie be- steht aus zwölf Mitgliedern, welche aus der von den Konstablern jährlich zu Michaelis augefertigten Liste durchs Loos gezogen werden, und umfaßt alle Klassen, welhe ein Eigenthum von 10 Pfund oder

sehen. Das genannte Vaudeville is einmal eines von denen, welches an die frasse Sinnlichkeit der vielen anderen nicht streift und sich mehr in pi- fanten Situagtionspointen gefällt, Ein marseiller Kaufmann Namens Bonin (von Herrn Vill ars ganz ausgezeichnet gegeben), der für das Handlungs- haus Moiroud und Comp. reist, findet zu Paris in einem Hause, wo er Geschäfte machen will, unverhofft seine Frau, eine böse Sieben, von der er sich vor zwanzig Jahren hat scheiden lassen, und zwar als die Gemahlin seines Geschäfts freundes Blanchet, wieder, giebt dem Leßteren, cinem musterhaften Pantoffel- küsser, Lectionen, wie man Keiferinnen in Shafkespearcscher Weise und nach dem Façon des lustigen Schusters zähmen könne, und vermitteit, halb aus Bonhommie, halb im Gefühl der Reue über die Jrrungen sciner Jugend, alles Hartkantige, Schroffe und Unfriedliche im ehelichen und Familienleben Blanchet's als cin stiller Associé zu Ein- und Wobhlklang. Die erstere Hälfte des Stücks is besser als die leßte, da das Obstinate im Charakter der Madame Blanchet zu lange im Einerlei bleibt. Herr Francisque, der bei seinem Wiederauftritt empfangen wurde, zeichnete in der Person des Blanchet ein amüsantes Bild, dem man bei jedem Zuge ansah, daß es ein

aus dem Leben gegriffenes sei,

Eine interessante Neuigkeit ín dieser Winter - Saison {var das am 31. Oktober aufgeführte zweiaktige Vaudeville von Fournier: Davis, ou le bonheur d’étre fou. Das Wahnsinns-Glü> stellt sich uns hier ín zwei Bildern, einem heiteren und einem ernsten, dar. Repräsentant des fröhlichen Narrenthums ist Sir Patrik, der in der Jdee Glüdselige, ein Mittel erfunden zu haben, die Straßen in den Städten und die die Länder durchkreuzenden Chausscen zu heizenz er ist so arm wie Job, ver- fügt in Gedanken aber schon über die Millionen, die ihm seine Erfindung eintragen muß. Die Abirrung des Verstandes nach der ernsten, ja, dich- terishen Seite hin, sehen wir in dem jungen irländishen Véaler Davis, der seine Jugend mit einem hübschen Mädchen, Namens Pamela, scherzend, musizirend, malend und in dem Anbli> der schönen heimatlichen Natur schwelgend verbracht hat, und der, als Pamela plöglih und unerklärlicherweise von sei- ner Seite gerissen wird, die Welt durchstreift, um die Geliebte auszusuchen. Er findet sie durch ‘einen Zufall zu London im Hause eines reichen Lord, aber mit dem Tode ringend, und wird darüber wahnsinnig. Seine Hei- lung geht ungefähr auf die nämliche Weise vor sich, wie die der Emmeline in der „Schweizer-Familie““, Jn dem heimatlichen Malerstübchen tritt ihm

eine Pacht von 20 Pfund Ertrag und darüber besien. Da bei An- fertigung der leßten Jury - Liste mehrere Mißbräuche obgewaltet baben und die geseßlichen Bestimmungen nicht vollständig beobachtet worden sind, indem das Geschwornenbuch für die Stadt Dublin nur 3000 Namen enthält, während an 12,000 Personen na< ihrem Ein- fommen dic Berechtigung haben, tarin registrirt zu werden, so joll die Liste und das Buch einer Revision unterworfen und die eigentlichen Verhaudlungen des Prozesses gegen O'Connell so lange ausgeseßt werden, bis die Jury der Geschwornen-Afte gemäß gebildet ijt. Die D ublin Evening Post, das Whigblatt, weiß dem General-Anwalt für die gerichtlichen Verfolgungen Dank. „Aus dem Uebel entsteht doch ein großes Gute, die strifkte Befolgung der bisher vernach- lässtgten Jury-Akte/ S A S Nan

Der Standard schreibt: „Unsere Korrespondenz aus Dublin vom bten bringt die wichtige Nachricht, daß der Versuch der ver- {worenen O'Connellisten, die Zwe>ke der Gerechtigkeit dur<h eine Anklage wegen Meineid gegen deu Regierungs - Zeugen Hughes zu vereiteln, gescheitert is. Der Gerichtshof hat nämlich entschieden, daß die Bills gegen Hughes nicht cher zur Entscheidung vorgelegt werden fönnen, als bis über die gegen die Repealer bereits vorlie- genden Bills entschieden is. Der Staats= Anwalt hat erklärt, daß falls die große Jury die Auflage gegen O'Connell und seine Mitan- geschuldigten begründet fände, „eine so ruchlose Verschwörung an den Tag kommen würde, als je der Fall gewesen.“

Die Dublin Evening Mail schreibt, sie sei ermächtigt, das Gerücht von dem Briefe des Herzogs von Wellington, welcher die strengsten Maßregeln gegen Jrland anempfeble, für erdihtet zu er- flären.

Der neu gewählte Lort-Mayor hat gestern den vorgeschriebenen Eid geleistet und das übliche große Bankett in der Guildhall gege- bei, Die meisten Mitglieder des Kabinets und mehrere der fremden Gesandten wohnten demselben bei, Sir R. Peel wurde besonders mit großem Enthusiasmus bewillkommt.

© London, 11. Nov, Die Grand=-Jury hat O’Connell und alle die mit ihm Beschuldigten in Anklagestand erklärt, Nach vier Tagen fängt nun die Klopffechterei zwischen den Rechtsgelehrten an und wird wahrscheinli<h mehrere Wochen dauern. Bis dahin wird sich das, irländische Volk auch ziemlih ruhig halten. Der Ausspruch der Geschworenen aber muß eine Explosion der Freude oder der Wuth hervorbringen, und vor jeder is dem wahren Patrioten bange. Man meint, wenn Peel, sobald er das Ministerium übernommen, die Kom- mission ernannt hätte, die er jeßt ernannt hat, um die Verhältuisse zwischen Gutsherren und Pächtern zu ermitteln, und dann dem Par- lamente gleih Vorschläge gemacht, um die damit verknüpften Uebel zu mildern, und dabei sonst einen Ernst gezeigt, etwas für Jrland zu thun, so wäre es nicht dahin gekommen. Aber die o Meïinenden vergessen dabei, daß diese Nation im Grunde von einer mächtigen Aristokratie beherrs{t wird, die niht nur ihre wirklihen oder ver=- meinten Vortheile, sondern au< ihre Vorurtheile hat und stets mit Eifer zu wahren bereit is, daß also kein Minister gus innerer Ueber- zeugung einen Schritt wagen darf, der etwas von diesen anzutasten scheint, Ohne „Dru> von Außen““ kann und darf kein Minister eine Veränderung vorschlagen, und wenn er es thut, wird er sie nie durch seßen, Hätte also auch Peel die Nothwendigkeit dessen, was er jeßt zu thun gedentt, schon im Jahre 1841 erkannt, \o hätte er do seine Partei, ja kaum alle seine Kollegen dazu vermögen können, Vor dem Sturme in Jrland gber sind uun eine Menge Vorurtheile gefallen, und die Regierung darf nur die Trümmer aus dem Wege räumen, um auf deren Stelle Neues und Zeitgemäßes zu bauen. Aber es ist bei weitem noch ni<t Alles, was weggeweht werden muß, bis die fatholishen Jrländer si< friedlih in ihre Verbindung mit England fügen werden. i

Jn Wales wird es allmälig stille, indem das Volk zu gleicher Zeit den Ernst der Regierung erbli>t, seine Versuche zur Selbsthülfe strenge zu ahnden und seinen gere<hten Beschwerden abzuhelfen, Die sieben zur Verbannung verurtheilten Personen sind bereits hier ange fommen und werden wahrscheinlih eine kurze Zeit zu Woolwich ge- halten werden, bis man sieht, wie si< ihre Landsleute weiter anlassen, ehe man sie zu den Gegenfüßlern absendet.

Die Anti=corn-law-league hat auch zu Kendal die Wahl ihres Kandidaten durchgeseßt, und zwar, wie man behauptet, vorzüglich da durch, daß sie durch ihre Agenten ihre Gegner streng bewachen ließ, damit sie uicht mit der gewöhnlichen Freiheit bestehen fonnten. Ju zwischen wird hierdur<h das Stimmen-Verhältniß im Unterhause eben so wenig verändert, als durch die Wahl in der City. Gelingt es ihnen aber erst, abgegangene Tories durch entschiedene Gegner gegen das Getraide-Geseß zu erseßen, dann hat dessen Stunde geschlagen. Aber auh schon jeßt vertheidigt kaum einer mehr dieses Geseß, als höchstens die Morning Poft, die aber im Grunde auch nicht damit zufrieden ist, sondern vielmehr immerfort darauf besteht, daß man zum früheren Tarif zurüfehren müsse.

E ep aenerro ertb R ———

nämlich, während er im Wahnsinnschlummer vor si< hinstarrt, die todt geglaubte Geliebte in der Tracht, dem ganzen Wesen und mit den Liedern der verllungenen Kinderzeit entgegen und we>t ihn zum Glü>k und zur Xiebe, Die wie ein Bliystrahl in seinen umdüsterten Geist treffende Vision giebt ihm den Verstand wieder. Die Gründe der früheren Entfernung Pa- mela's klären sih natürli<h auf, Jn die durchweg fesselnde Handlung sind die Haide-Blümchen einiger sinnvollen lrish melodies eingeflohten, Die genannten drei Haupt-Personen waren durch die Herren Francisque und Péchena und durh Dem, Clozel auf das Allerbeste vertreten.

Am 10, November wude außer dem Lo>royschen Lustspiele: Le cheva- lier du Guet, das durch seine interessante Ver - und Entwickelung sowohl, als durch das geschi>te Zusammenspiel der Herren Montaland, Varon und U und den Dlles. Clozel und Deschanel sich wicder allgemeinen Bei- fall erwarb, die Comédie-Vaudeville von Melesville (Lebiche und Lefranc) zum erstenmale gegeben, die durch Originalität der Erfindung, durch Ein- fachheit der Anlage, durch natürliche Entwickelung der Handlung aus si sich selbst, durch den Neichthum an wahrhaft komischen Scenen, durch Le- bendigfeii des Fortschritts und durch eine zwar etwas sonderbare, aber ge- schi>t durchgeführte Jutrigue sich empfiehlt, Das Stü spielt in Moulins, vai Ps pes (F'Vmer einer reihen Wittwe, Mad. de Brée, die no< auf j ns gPrélecture sih befindet, hat sich der „junge, thätige und fin cht T “/ ! E P A P S A g res elnen Tag (erat Valory mit dem Thürhüter Vaslin geschlichen , der, beute in aris B Dienste seiner Herrin, jenem, in welchem er den auf euti fautigam und Cousin derselb Herrn Chabriac aus Paris, vermuthet, wider Wi N E L QUS E A illen mit einer Lat leuchtet, und, "nahdem e die durch eine Geldbörse u A er -aterne ¡euch et, und, nachdem er L nterstüßte W » Nis E ner Ankunft zu benacrichtigen, ss, Ciel8g erhalten, Niemanden von sei- U O / ‘n, cin i : : allein is , le er auf die Toilette ein Paar Pistolen Ee en H legt orientirt si< in der Wohnun Äh E Ie URYLGNUre N nung und nähert sich dem Secretair, welcher das durch einen gewonnenen P l Vermö S AR t A L fir. in Bar? L dlieet ‘range Detiibgen der Hausbesizerin, 300,000 r, VPaninoten, verschließt, Da hört er Geräusch Soty A s ; : : . Se 1dfreu Chabriac, etwas bèête, fommt mit dem Kopf pad Les M gunide und springt in das Zimmer, wo Valory nah Auslöschung des Lichtes lauscht Chabriae sucht dur< ein sol<es entrée i R ) ae } dur ein solhes entrée romanesque sein empressement und die vivacité de son amour auf die charmante Cousine einen tiefen

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C Aus dem Haag, 10. Nov. Unsere Generalstaaten haben abermals fleine Ferien, und die zweite Kammer wird ihre Arbeiten erst gegen die Mitte des Monats wieder beginnen. Alle Welt stimmt darin überein, daß diese Ferien si< zu oft wiederholen, namentli unter so ernsten und {wierigen Umständen. Es herrscht kein Eifer, feine Wärme in den Versammlungen der Deputirten der Nation: es ist wie eine bestimmte Gewohnheit, auf dem constitutionellen Wege stets langsamen Schrittes und mit beständigem Anhalten einherzugehen, Der Graf von Rechteren, welher lange Abhandlungen über die Sinanzen und den Gang der Regierung hat dru>en lassen, kann nicht einmal dem Wunsche seiner Kollegen , alle Augenbli>e Ausflüge in ¡ihre Heimat zu machen, entgegentreten. Eine versammelte legislative Kammer sollte si<h uicht trennen; die häufige Rü>kehr zu den Penaten bat außerdem, daß sie keinesweges die Arbeiten fördert, no<-den Nachtheil, daß sie dem ersten Eindru>, den die Auseinandersezung der vorgelegten Gegenstände auf die Repräsentanten macht, wesentlich schadet. Es ist dies eine Bemerkung, die denen niht entgehen fann, welche den parlamentarischen Diskussionen folgen. Familien-Verhältnisse oder persönliche Raisonnements ändern leiht die Meinung, die ein schwacher oder leichter Charakter si< zuerst über irgend eine Maßregel gebildet hat. Man sieht mit Ungeduld der Wiederaufnahme der Arbeiten entgegen.

Der Baron Mollerus, niederländisher Gesandter in St. tersburg, is hier angekommen.

Dem Vernehmen nah hat der König zahlreiche Beförderungen in der Armee vorgenommen, um die neue Organisation derselben zu befestigen,

Das Portefeuille der Finanzen is no< immer in den Händen des Justiz-Ministers, der si< unausgeseßt mit der neuen Finanz-Ver= waltung beschäftigt. Behält Herr van Hall, wie man versichert, später definitiv dies Departement, so findet er Alles in Ordnung, Personen, die gut unterrichtet zu sein glauben, behaupten, der interi= mistische Finanz-Minister befolge die Pläne des Herrn Rochusseu, ge- genwärtigen Gesandten in Brüssel, Jn Folge der vorgenommenen Veränderungen und Umfkehrungen fürchten viele Beamte für ihr Schicksal, und es wird jeßt nicht so sein, wie zur Zeit der Reformen im Jahre 1825, wo bedeutende Summen bewilligt waren, um die Chefs der Verwaltung, welche dur< die Reformen ihre Stellen ver= loren, zu entschädigen. Wie dem auch sei, die alten Diener vez lassen si<h auf die Gerechtigkeit der Regierung; allein es werden viele Hoffnungen getäuscht werden, um Ersparungen machen zu kön nen, deren Gesammt-Betrag sür die Herstellung des Gleichgewichts zwischen den Einnahmen und Ausgaben des Landes doch nur von geringer Bedeutung sein dürfte.

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Telegraphische Depeschen aus Spanien.

Bayonne, 7. Nov. Am 4. Nov. hat si< der Kongreß defi- nitiv konstituirt, Olozaga ist zum Präsidenten ernannt worden ; Aljon, Mazareddo, Pidal und Gonzalez Bravo wurden zu Vice-Prä sidenten gewählt. Olozaga hatte beim zweiten Skrutinium 66 Stim-= men, Cortina 43, und Cantero 7. Roca Fogores, Nocedal, Salida und Posada Herrera sind zu Secretairen ernannt worden.

Paris, 10, Nov.

X Paris, 10. Nov. Das in und vor Barcelona seit dem 24, Oktober ruhende Artilleriefeuer wurde am 31sten durch den Ge- neral Sanz von neuem aufgenommen, aber nach einer kleinen Zahl von Schüssen, welche die Belagerten diesmal unbeantwortet ließen, wieder eingestellt, Während der leßten Tage des vorigen und der ersten Tage des laufenden Monats ging Barcelona dur eine s<were innere Krisis, die auf einen Bürgerkrieg unter den Tnsurgenten selbst hinauszulaufen drohte. Die National-Garde nämli<h war, mit Aus- nahme des 8ten Bataillons, dessen wilder Charakter si seit einigen Jahren schon bei vielen Gelegenheiten bewährt hat, in ofene Op position gegen das Corps der Freiwilligen und besonders gegen die Bande der bewaffneten Züchtlinge getreten, deren Zügellosigkeit und Raublust überhand zu nehmen angefangen, Der Verlauf dieses Zer= würfnisses i unbekannt, aber man weiß, daß es am 3ten wenigstens außerlich beigelegt war, Die Junta hat die Entwaffnung der Zuchthaus Sträflinge, die sich zu einem verzweifelten Widerstande bereitzeigten, nicht durch\seßen können, aber es sind auf ihren Befehl etwa hundert über Dieb stabl und Plünderung ergriffene Judividuen ins Gefängniß geworfen. Vie gejammte unter den Waffen stehende Mannschaft erhält ihren täg lichen Sold von 5 Realen immer pünktlih ausgezahlt. An Lebeno- mitteln leiden die Jusurgenten no<h feinen fühlbaren Mangel. Für die Spitäler der Stadt wird täglih ein Wagen mit Fleish aus dem Hauptquartier des Generals Sanz verabfolgt, Die Nachricht von der Uebergabe von Saragossa, welche den Barcelonesern durch die Freuden= salven der Belagerer angekündigt wurde, is von der Junta durch eine Proclamation für unwahr erklärt worden; in der es überdies heißt, daß die Saragossaner vielmehr dem General Concha cine ent scheidende Niederlage beigebra<t haben.

Eindruck zu machen, die er einer schielenden Posamentirers - Tochter in der rue aux Fers zu Paris nur darum vorzieht, weil sie 100,000 Fr, mchr im Vermögen hat. Um sich umzukleiden und auf eine poetische Erscheinung bei der Heimkehr der Cousine vorzubereiten (se poétiser pour son retour), geht er in ein Seiten - Kabinet, das Valorv sofort verschließt, Mad, de Brée erscheint mit ihrer Dienerin Coralie und erinnert sich beim Aus- fleiden mit Vergnügen der in Neapel gemachten Bekanntschaft eines jungen Mannes, der ihr, ohne si je persönlich zu zeigen, schriftlich seine Liebe erklärt und seine Hand und jährlich 30,000 Livres Renten angeboten, und ihr stets zu folgen und über sie zu wachen versprochen hat, ohne daß ie ihm je auf einen seiner Briefe geantwortet. Als sie allein is, wird sie durch Valory's Erscheinung überrascht und um so mehr erschre>:, da er mit Pisto- len bewaffnet ist. Nachdem er sie deshalb beruhigt, was ihm bci ihrer Kalt- blütigkeit niht {wer fiel und dur<h Wegkehren der Lampe das Erkennen seiner Gesichtszüge unmöglich gemacht, erbittet er sich die 300,000 Fr. zu einer Opération magnifique, indem er si< dur die Unterschrift zu viertel- jährlicher Zahlung von 10 pCt. Zinsen verbindlich machen will. Er schreibt den Schein und, nachdem fie sich vergebens zu klingeln bemüht (c'etait un guet-apenus) und den Besiß der Banknoten geleugnet, seßt erx si<h durch Drohung und Gewalt in den Besiß des Schlüssels und des inhaltshweren dortefeuille’s, indeß der feige Bräutigam durch ein Oeil-de-Boeuf über der Thür dem Diebstahle und der ganzen Scene ruhig und thatlos zuschaut, Auf diese Scene folgen mehrere voll drastischer komischer Wirkung. Cha- briac, dessen persönlicher Muth in Gegenwart sciner Braut eine sle<te Probe bestanden, ruft nun zur Hülfe, Die Dienstboten kommen: der Dieb muß noch im Hause sein! Chabriac hat indeß Valory (wo ?) aufgesucht, um demselben das Schreiben, das ihn zum Stellvertreter des Ortsrichters ernennt, zu übergeben und die Ermittelung des Diebes und resp. des Gel- des ans Herz zu legen. Valory, der das Amt nicht annehmen zu wollen vorgiebt, um das er seinen Onkel, der Präsident in Paris is, gar nicht ge- beten habe, geht endlich darauf ein und verspricht, als Magistrats-Perfon den Diebstahl mit der größten Strenge zu untersuchen, bei dessen Beschrei- bung Chabriac es nicht an Nenommage seiner Tapferkeit fehlen läßt, Mad. de Brée kömmt dazu, und sie glaubt Valory, der ihr von ihrem Cousin vorgestellt wird, {hon gesehen zu haben. Es folgen Aufschlüsse über das Aeußere des Diebes und fkurzweilige Angaben der näheren Umstände von der einen und ausgesprochene Zweifel an der Möglichkeit der Habhaftwer-

Obgleich der General Prim am 1sten d. M. 1200 Maun Ver= stärkung erhalten hat, so vertheidigte sih do< Gerona no< am 3ten mit dem bisherigen Erfolge. An dem bezeichneten Tage hielt der General Prim cine Zusammenkunft mit Amettler, in welcher, ohne daß deshalb die Feindseligkeiten einen Augenbli> unterbrochen worden wären, die Bedingungen einer Capitulation nit blos für Gerona, sondern auch für Figueras und Hostalrich verabredet wurden. Diese Bedingungen sind unter Vorbehalt der Ratification des Generals Sanz von beiden Theilen angenommen worden, und es scheint, daß sie bei weitem günstiger für Gerona sind, als die Cavitulation von Saragossa. Hat der General-Capitain von Catalonien die vom Ge- neral Prim gemachten Zugeständnisse ratifizirt, \o ist Gerona schon am 5ten oder 6ten übergeben worden, Jn Erwartung der Antwort aus dem Hauptquartiere des Generals Sanz dauerte übrigens das Geuer auf beiden Seiten ohne Unterbrehung fort. Die Unterwer- sung von Saragossa is von dem General Prim dadur aefeiert worden, daß er unter Musikbegleitung von seinen Batterieen aus einen Hagel von Granaten na< Gerona hat werfen lassen.

__ Der Zustand der Dinge in Saragossa war am 2teu d, M. so befriedigend als er den Unständen nah sein fonnte. Die geflüchtete Bevölkerung ist zurügetehrt, und man scheint Zutrauen zu dem Ges neral Concha sowohl als zu dem neuen politischen Chef gefaßt zu haben, die beide viel Klugheit, Mäßigung und Schonung bewähren. Der neue politishe Chef, Don Mariano Muñoz Lopez, hat eine Pro- clamation an die Saragossaner gerichtet, in welcher es unter Anderem heißt: „Mit dem Oelzweig in der Unken, und die Rechte zur Ab= hülfe sür jedes Leiden auésstre>end, werde ih mich bemühen, der Apostel der Gerechtigkeit für eu< zu sein. Gewiß, niemals wird die verhängnißvolle Stunde für euch schlagen, wo es nöthig wird, daß die Gewalt über die Tugend und über den Verstand, die einzigen Souveraine der Welt, herrshe. Träte aber ein solcher ungehofter Zall ein, so würde mein Leben ein Opfer mehr für die spanische Freiheit und die spanische Ehre sein, denn ih habe in meinem Herzen den bereits bewährten Entschluß gefaßt, um die Freiheit und um die Ehre Spaniens Alles zu geben.“ Saragossa hat dur< das Feuer der Truppen Concha’s nur wenig gelitten. Seine Gebäude sind fast ganz unbeschädigt geblieben, da das grobe Geschüg eigent- lich nur einen Tag lang auf die Stadt gespielt bat, und was die Menschen betri, so sind nur vier oder fünf der Bewohner von Sga- ragossa verwundet wordeu, und kein einziger gefährlich, obgleich die Feindseligkeiten zweiundvierzig Tage gedauert haben. Dagegen ist der Hauptstadt von Aragonien großer Schaden aus der sehöwöchigen Sto>ung aller Geschäfte erwahsen. Besonders empfindliche Einbuße hat der Handelsstand erlitten, der für deu am 412, Oktober beain- nenden und vier Wochen währenden großen Markt, welcher bei Ge= legenheit des Festes unserer lieben Frau del Pilar gehalten wird, bes deutende Cinfäufe gemacht hatte, die natürlih vergeblih gewesen sind.

Die Zahl der in Saragossa liegenden Truppen beläuft \ich auf 8000 Mann Infanterie, zu denen no< mehrere Kavallerie-Regimenter fommen. Der General Concha hat im ganzen Lauf der Belagerung einen Offizier und vier Soldaten verloren. 4

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Lissabon, 2. Nov, Die früher verbreiteten Nachrichten von einem Wechsel des Ministeriums bestätigen si<h, Saldanha und Pals mella follen an die Spitze treten. i:

Die Regierung hat eine neue Anleihe von 495 Contos fon- trahirt.

SrieMmenl aud.

Athen, 26. Okt. (A, Z.) Um den wahren Zustand des Lan- des kennen zu lernen, is es hinreichend, den Juhalt des folgenden Rundschreibens, welches das Ministerium des Jnnern unterm 9, Of- tober an sämmtliche Gouverneurs des Reichs erlassen, genau aufzu= fassen ; man wird darin leider nur zu deutliche Spuren wahrnehmen, in welchem Siune die am 3. (15.) September durch die constitu= tionelle Partei in Athen geshehene Schilderbebung von der übrigen Landes-Bevöllerung in den Provinzen mißverstanden und der Zustand des Volkes einer gefährlihen Anarchie nahe gebraht wurde.

„Königreich Griechenland, Das Staats - Sekretariat des Innecu an sämmtliche Gouverneure des Reichs. Die Regierung hat mit Mißfallen wahrgenommen, daß mehrere Bürger die in Folge der glänzenden Ereignisse des 3. (15,) September erlassenen Königlichen Verordnungen mißverstan- den und angenommen haben, daß durch leytere alle bisher gegebenen Gesege aufgehoben seien, demnach Jedermann selbige ungestraft übertreten könne. Die Regierung hôâlt es für ihre Pflicht, dergleichen Bürger ihrem offenba- ren Wahne zu entreißen, und fordert Sie, Herr Gouverneur, demnach auf, sämmtlicher, unter Zhrer Jurisdiction stehender Bevölkerung durch die Gemeinde - Behörden bekanni machen zu- lassen, daß die am 3, (15,) September erlassenen Königl, Verordnungen durchaus weiter keine anderen Neuerungen bei der bestehenden Geseßgebung bezwe>en , als die Einberufung der National - Versammlung zur Abfassung der definitiven Staats - Verfassung, die Verantwortlichkcit des jezigen Ministeriums der fünftigen National - Versammlung gegenüber und die Modification des von den Offizieren des Land - und See-Heeres und den Civil-Beamten zu lei-

i stenden Dienst -Eides; alle übrigen Geseze jedoch bleiben in voller Kraft,

dung des schlauen Diebes und der Wiedererlangung des Geldes von dex an- deren Seite. Diese werden dem Chabriac zur Gewißheit durch einen Brief, den Balorv an sich selbst gerichtci, aber durch die theilnehmende Hand der Coralie dem Chabriac in der Voraussegung zugestellt hat, daß er denselben nach- richtbegierig öffnen würde. Ein Absageschreiben an seine Braut, beschleu- nigt durch die von Valory angeregte Furcht, selbst als Dieb eingezogen zu iverden, und die endliche Verbindung Valory's, des glüclichen Rabulisten, mit seiner Geliebten is die Folge, nachdem die Licbe, le sentiment le plus vral et le plus proscnd, tbre mildernden Umstände, die dem Lustspiele den Titel gegeben haben, zeltend gemacht und bei der sehr behutsamen Wittwe alle »SUpposItiuns“ bescitigt,

Ohne auf das Charafteristishe einzelner Scenen dieses intere\anien Advokaten - Vaudeville's tiefer einzugehen, glauben wix dem ausgezeichneten Spiele der Mad. Saint-Aubin als Mad. de Bree und der vortreffli- chen Mitwirkung von Dlle. Clozel als Coralie und der Herren Péchena, Francisque und Alix als Valorv, Chabriac und Vaslin noch ein Wori der Anerkennung und der Ermunterung huldig zu sein.

Nächsten Freitag wird Herr Konzerimeister Riefstabl aus Frankfurt a, M. sein erstes Konzert im Königsstädtischen Theater geben, worauf wir nicht ve:fehlen wollen, das kunstliebende Publikum aufmerksam zu machen, Herr N. ist uns aus seiner Wirksamkeit in Frankfurt a. M. bekanntz er hat sich im südlichen Deutschland den Nuf als einen ganz ausgezeichneten Geiger erworben, und das mit vollem Rechte. Auf scinen Kunstreisen dur Belgien, Holland, Schweden, Norwegen und Däncmark hat sich dicser Nuf aufs Glänzendste bewährt. Herr R. is jedo kein Frankfurter, sondern ein vreuße, Jn Stralsund geboren, machte er hier in Berlin seine musikali- chen Studien, gehört also eigentlich Berlin an, wohin er nun zum Ersten- male nah 12jähriger Abwesenheit zurü>kchrt. Wir wünschen M E er n da Theilnahme empfangen werde, die seinem asgezei<neten Talente gebührt,

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