1844 / 20 p. 3 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

in in flamändischer Sprache unter der Mitarbeitung von allen

ali Jeanne a La flamändischen Literatur. Es is dies ein Versuch, der, wenn er gelingt, von bedeutenden Folgen sein fann. Wir wer- den darauf später zurückkommen, wenn sih das Blatt näher in den politischen und gesellschaftlichen Beziehungen ausgesprochen hat.

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Nouxrx, 4. Jan, (A. Z.) Wenn es niht in Abrede zu stellen ist, daß die bewaffneten Banden in der Romagna die Finanzverlegen- heit der päpstlichen Regierung sehr wesentlih haben vermehren müssen, so is es auf der anderen Seite erfreulidh, zu vernehmen, daß die Thätigkeit des Kardinals Tosti, als Finanz-Minister , si<h auf jeden einzelnen Verwaltungszwe1g erstre>t. So hat er unter Anderem dem gegenwärtigen Ober-Kommandanten von Civitàvecchia, Obersten Klitsche, einem Preußen von Geburt, die Verwaltung der in der Nähe jener Stadt belegenen großen Alaun-Bergwerke übertragen, deren Produkt im Han-= del unter der Benennung des römischen Alauns bekannt is, Diese Berg= werke, die eins für den Staat sehr einträgli< waren, kamen in Folge \{le<ter Verwaltung jo in Verfall, daß die Regierung statt Gewinns jährlich e'ne namhaste Summe dabei zusebte. Indessen is es dem neuen Administrator nicht nur bereits gelungen, dies Defizit verschwinden zu ma- hen, sondern es ist auch alle Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß die Alaun- werke ihren früheren Ertrag wieder erlangen werden. Uebrigens be- gann die neue Verwaltung damit, den Preis des Alauns bedeutend herabzuseßen. Auch die benachbarten Eisenbergwerke, welche seit länger als einem halben Jahrhundert verlassen sind, werden durh die Thâ= tigkeit unseres Landsmanns wieder eröffnet. Endlich soll die Regie= rung damit umgehen, auch die Staats-Forsten der Aufsicht des Ober= sten anzuvertrauen, Da er ein wissenschaftlich gebildeter Forstmann, das Forstwesen aber sto vernachlässigt ist, daß ein Wald nach dem anderen gleichsam systematisch zerstört wird, ohne daß dice Regierung irgend einen Vortheil daraus zöge, während Privat-Unternehmungen dur dergleichen Zerstörungen sich bereichern, so fann man ihr nur Glü zu ihrer Wahl wünschen.

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Madrid, 6. Jan. (F. J.) Es is die Rede davon, die Kam- mern würden demnächst wieder einberufen werden. Einige behaupten, man wolle die Cortes dann ihre Arbeiten ohne Unterbrehung forkt- seßen lassen ; Andere versichern dagegen, dieser Einberufung der Kam- mern werde das Ministerium dann bald deren Auflösung folgen lassen,

Jn den finanziellen Kreisen spricht man viel von den großen finanziellen Projekten des Herrn Carasco und von der Unterstüßung, welhe ihm angesehene Häuser von London und Paris gewähren würden, Man versichert, es seien aus dem Auslande 50 Millionen Realen hier eingetroffen und bei den ersten Banquierhäusern deponirt worden, Ungegründet is das Gerücht, die französishe Regierung habe der spanischen diese Summe vorgeschossen, um ihr in diejem schwierigen Augenbli>e, wo die Staatskasse ganz leer ist, auszuhelfen, Es rühren diese Fonds, wie wir von unterrichteter Seite vernehmen, von der Königin Mutter her, die im Laufe des Februars hier erwar- tet wird. Die finanzielle Verlegenheit der Regierung ist so groß, daß sie eine Summe von 10 Millionen Realen zur Bestreitung der drin= gendsten Staats-Bedürfnisse nicht anders als gegen 35 pCt. aufbrin gen fonnte. Ein Associé des Herrn Salamanca leistete diesen Vor- {huß. Herr Salamanca, wie sein Affsocié, sind die Agenten der K0- nigin Mutter.

Von der spanischen Gránze, 8, Jan. Die barcelonaer Journale bestätigen die Nachricht von einer am Abend des ten in dem Fort von Figueras stattgehabten Kollision zwischen den Jusur= genten selbst. Ein Theil der Insurgenten lehnte sih gegen die An- führer aufz Amettler und Martell sollen verwundet sein. Man hat no< feine Details über die Motive dieser Jusurrection, die bald wie- der unterdrüct war, Man vermuthet, daß die Truppen, welche sich auflehnten, no< vor der Ratification des Capitulations - Vertrages dur die Königin sih ergeben wollten. Die Uebergabe des Forts San Fernando wird in kurzem erwartet; die Kranken haben dasselbe bereits verlassen.

Z Madréd, s. Jan. Die Herren Donoso Cortes und Ros de Olano werden morgen vou Paris zurü>erwartet, Es heißt, Ersterer würde zum Jutendanten der Civilliste ernannt werden. Ju Folge eines von sämmtlichen Ministern unterzeihneten Antrages hat die Königin verfügt, daß das von dem Ex-Regenten unter dem 26. Oktober 1841 erlassene Dekret, kraft dessen die Auszahlung der der verwittweten Königin Marie Christine in dem Budget vom 1. Sep- tember 1841 ausgeseßten Summe suspendirt wurde, rückgängig ge- macht werden solle. Jene Summe war von den Cortes bewilligt, und dur<h einen Gewaltstreih des damaligen Regenten eingezogen worden, Der französische Botschafter schi>t obiges Dekret heute durch einen besonderen Courier nah Paris. (Vergl. Allg. Preuß. Zkg. von gestern, unter Spanien.)

Der General Narvaez hat die ihm übertragene Feldmarschalls- würde ausgeschlagen, damit, wie er in seiner desfallsigen Eingabe sagt, er Niemand die geringste Veranlassung gebe, anzunehmen, daß Ehrgeiz oder andere weniger edle Beweggründe als das Wohl seiner Königin und seines Landes, dazu beigetragen haben könnten, ihn anzufeuern, sein Leben beiden Gegenständen zu widmen. Jst diese Ablehnung der bezeihneten Würde ernstlih gemeint, so hat der General Narvaez si als flugen Mann bewährt.

Der Schabmeister des Jufanten Don Francisco de Paula, Herr Mateu, der von hier nah Figueras abgegangen war, um den Rebel- len Amettler zur Uebergabe des Kastells zu bewegen, is gestern wie- der hier eingetroffen. Er hat Amettler überredet, von dem Verlan- gen, daß seine Offiziere in ihren Graden bestätigt würden, abzustehen und sih darauf zu beschränken, diese der Gnade der Königin anzu- empfehlen. Die Bürger der Stadt Figueras unterstüßen dieses Ge- such, um jeder Verlängeruäig ihres bedrohten Zustandes vorzubeugen.

Herr Martinez de la Rosa wird auf seinen Botschafter = Posten nah Paris abgehen, sobald ihm die zur Einrichtung erforderlichen Summen ausgezahlt sein werden. Der erste Secretair der fran-

zösischen Botschaft, Herzog von Glücksberg, wird binnen kurzem eine ly a o antreten,

Heute begannen hier die Wahlen für fünf neue Deputirte, drei E und drei vorzuschlagende Senats - Kandidaten. Bei Zu-= e eann a èwölf Wahl - Büreaus trugen die Progressisten in

v «+9derirten in nux vier den Sieg davon.

X Paris, 14. Zan Wir entlehnen ei i i

#9 E n einer aus unmittelbar nigen Quelle gesioFenen e ues aus Madrid die fol- ß ( j ung der ¡moralischen und materiellen Lage der neuen panischen egierung, ihrer Pläne und ihrer Aussichten. Die Ver- antwortlichkeit für die Treue des nachstehenden Bildes überlassen wir aber Die Thätickeit die tr 4! din

Die Thätigkeit des Ministeriums i} gau i

M oe gesteigert werden dur die bebt a Riridiing eines z inisteriums des Unterrichts und der ö entliden Arbeiten Die Ruhe ist überall wiederhergestellt (was das Fort von Figueras betrifft, so fann man seine Unterwerfung unmittelbar nah dem Eintreffen der

128 Königlichen Bestätigung der Capitulation als das betra<ten) und das Volk verlangt gar nichts anderes, als die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und des Friedens. So lautet die Meinung der meisten politischen Chefs, welche den Geist des Volkes genau studirt haben. Jhren Berichten zufolge, werden die Steuern sehr regel- mäßig gezahlt, und nan begegnet überall dem Wunsche, daß die konservative Regierung si< konsolidiren möge. Die Nachrichten aus den Provinzen sind überhaupt durchaus befriedigend, und es is nicht zweifelhaft, daß das Geseß von 1840 über die Aguntamien= tos überall ohne Widerstand in Vollzug geseßt werden wird. Die Finanz= Verwaltung muß in den Händen eines so gewandten und so thätigen Mannes, wie Herr Carrasco, unfehlbar gedeihen. Das baare Geld fehlt ni<t und außerdem erhält das Ministerium vor- theilhafte Vorshuß- Anerbietungen, von denen indessen nur mit gro= ßer Vorsicht und nah reiflicher Prüfung Gebrau<h gemacht werden wird. Der Finanz - Minister arbeitet an einer vollständigen Reorga- nisation des Geldwesens des Staates. Eine Kommission, die 1hn bei seinem Vorhaben unterstützen soll, bietet alle ihre Kräfte auf, um eine mögli vollständige Arbeit zu liefern. Sobald der Minister des Junern die Annullirung des mit dem Hause Salamanca abge=- schlossenen Kontraktes offiziell ausgesprochen hat, wird der Finanz= Minister Maßregeln zur Fortseßung des Verkaufs der National-Güter nehmen, welcher seit dem Abschlusse jenes Kontraktes suspendirt war. Der Ertrag dieses Verkaufs wird, seiner ursprünglichen Bestimmung gemäß, wieder ausshließli< zur Bezahlung der Staatsgläubiger und zur Amortisirung der öffentlihen Schuld verwendet werden. Hiernächst beabsichtigt der Finanz-Minister, si< vorzugsweise mit der Verbesse- rung der gegenwärtigen Lage der Geistlichkeit zu beschäftigen

Um ihre Gerechtigkeit und ihren geseßlichen Sinn zu beweisen, wird die Regierung die Entscheidung der Rechtsfragen, welche sih an die heimlihe Abreise des Herrn Olozaga knüpfen, der als Ritter des goldenen Vließes gehalten war, Spauten niht ohne Erlaubniß der Königin zu verlassen, dem obersten Gerichtshofe zur Entscheidung an heimstellen. Was die shwierige Frage von den Fueros der Nord= provinzen anbetrifft, so will das Ministerium die Entscheidung dersel- ben für jeßt niht auf si nehmen, obgleich Herr Alèdamar, Senator für Guipuzcoa, im Namen seiner Provinz stark darauf dringt, daß die Regierung ohne Verzug ordnende Maßregeln in Bezug auf diese Angelegenheit ergreife. i j O

Die Regierung geht damit um, direkte Schritte bei dem päpst- lichen Stuhle zu thun, um die seit so langer Zeit {webenden Fra gen zwischen dem madrider Hofe und der römischen Kurie endlich zu einer befriedigenden Entscheidung zu bringen. Es is die Rede da- von, daß die Königin ein eigenhändiges Schreiben an den Papst rihten und ihm dasselbe dur< einen Mann ihres Vertrauens über= senden werde, eine Förmlichkeit, welche bis jeßt von allen spanischen Königen bei ihrem Regierungs - Antritte beobachtet ist. Die Regie- rung i} von der Wichtigkeit des guten Einverständnisses mit Rom zu sehr durchdrungen, als daß sie nicht Alles aufbieten sollte, um zur Wiederherstellung desselben zu gelangen.

_ Was die Frage von der Vermählung der Königin Fsabella be trit, \o is die Regierung entschlossen, dieselbe, troß des großen Lär- mens, das seit einiger Zeit davon gemacht is, vorläufig zu beseitigen, und sie erst dann wieder aufzunehmen, wenn anderen dringenden Sorgen Genüge geleistet ist. Man betrachtet in Madrid Alles, was über die Vermählung der Königin im Auslande gesagt worden ist, als fabelhaste Erfindungen.

Aus Barcelona erfahren wir, daß die von dem französischen Kaufmann Herrn Lefebvre, in Gerona, wegen gewisser Verwaltungs- Handlungen des Generals Zurbano erhobenen Entschädigungs=-Forde- rungen, jeßt endlich von der spanischen Regierung anerkannt, und daß Anstalten getroffen sind, um denselben Genüge zu leisten. Damit ist denn zugleich ein streitiger Punkt zwischen den Regierungen von Spa- nien und Frankreich erledigt.

Portugal.

A Lissabon, 3. Jan. Die Kammern sind nun auch durch die Königin in Person eröffnet, und die Thron-Rede hat unter allen Wohl gesinnten einen unbestreitbaren guten Cindru> gemacht. Es ist eine eben so erfreuliche als seltene Thatsache hier zu Lande, daß die Monarchin in ihrer Rede die Befriedigung ausdrücken konnte, daß seit dem Schlusse der leßten Session die öffentliche Ordnung im Lande nirgends gestört worden ist, und man sah der Königin, als sie die betreffende Stelle las, in ihren Zügen die innere Befriedigung an, die sie darüber empfand, und die si< auch in der kräftigen ausdru>svollen Betonung dieser Worte kundgab. Auch bei der Stelle, wo die Königin ihren Dank, ihre Anerkennung für die auf ihrem neulichen Ausfluge nach der Provinz Alentejo von Seiten der Bevölkerung überall ihr gegebenen Beweise von Ehrfurcht, Liebe und Anhänglichkeit ausspricht, gab die Stimme, mit der die betreffenden Worte vorgetragen wurden, deutlich zu erkennen, daß sie der wahre Ausdru> der Königlichen Gefühle waren.

Jn Bezug auf die Ceremonieen, mit welchen die Eröffnungs- Feierlichkeit vor si<h ging, habe i< wenig zu sagen; sie waren ganz dieselben wie früher; derselbe militairische Pomp umgab den König- lichen Zug, dieselbe dichtgedrängte Menge umlagerte die Reihen der spalierbildenden Soldaten, und ließ mehrmals lebhafte Lebehochrufe, namentli<h in der Umgebung des Kammerpalastes selbst, wo das Volk am zahlreihsten versammelt zu sein pflegt, ertönen. Die Oppositions- Blätter versichern heute freili<h wie jedesmal, die tiesste Stille habe die Monarchin überall empfangen. Auch die Thron-Rede is wie ge- wöhnlich die Zielscheibe jedes möglichen Tadels, dem Einen sagt sie zu viel, dem Anderen zu wenig, und das Ende dieser widersprechenden Urtheile is, daß die meisten jener, die sie fällen, selbst nicht daran glauben, Die Revolucao hält der Versicherung der allseitigen Zufriedenheit, welhe auf dem Königlihen Aus- fluge nah Alentejo si fundgegeben haben solle, die Adresse eines Theils der Munizipal - Kammer von Evora entgegen. Das Ministerium hat am klügsten daran gethan, dieser immerhin unange= nehmen Manifestationen in der Thron- Rede gar nicht zu erwähnen ; denn hätte man das Gegentheil gethan, so würde dadurch diesen Manifestationen eine Bedeutung beigelegt worden sein, die sie durch- aus nicht haben, und mai würde dadur< nur einen geheimen Wunsch der Opposition erfüllt, dieser in die Hände gearbeitet haben.

Mit dem Einreichen von Adressen um Entlassung des Ministe- riums is es N noch keinesweges zu Ende, Die Opposition hat bekanntlich hier bereits ein förmlihes Comité gebildet, das sih zur besonderen Aufgabe gestellt hat, auf die nächstkommenden Deputirten- wahlen in ihrem Sinne einzuwirken und {on jebt die nöthigen Vor- bereitungen zu treffen, um den Konservativen das Terrain wo möglich überall streitig zu machen. Dieses Comité hat nun auch an die ein flußreihsten Öppositionsmänner, die si< in den Munizipalitäten der verschiedenen Städte des Landes befinden, Rundschreiben gerichtet, worin dieselben aufgefordert werden, allen ihren Einfluß aufzubieten, um ret viele Adressen gegen das jebige Ministerium zu Stande zu bringe, und so die Stimme der öffentlichen Meinung über dasselbe vor die Stufen des Thrones gelangen zu lassen. Eben is wieder eine solche eingelaufen aus der Stadt Santubes, mit etwas über

400 Unterschriften, worin natürlich auh wieder die Entlassung der Minister verlangt wird. -

Eisenbahnen.

Würzburg, 15. Jan. (W. Z.) Am Sihe der hiesigen Kö- niglihen Regierung finden heute umfassende Verhandlungen in Betreff der Allerhöchst genehmigten Anlage einer Eisenbahn von Bamberg über Würzburg nah Aschaffenburg resp. Frankfurt a. M. statt, zu welcher bereits gestern zahlreiche Interessenten aus Leipzig, Frankfurt, Nürnberg und mehreren anderen Städten sih einfanden. Als Mini- sterial - Commissaire sind der Vorstand der Königl. obersten Bau-Be- hörde, Herr Ministerial - Rath Schierlinger, und der Vorstand der Königl. bayerischen Eisenbahn-Bau-Kommission, Herr Ober-Jnspektor Dürig, zu gegenwärtiger Versammlung abgeordnet worden, von Sei ten der hiesigen Königl. Regierung is Herr Regierungs-Assessor Gres ser als Königl. Commissair hierbei ernannt.

Handels- und Börsen - Uachrichten.

Berlin, 19. Jan. Die heute erschienene Bekanntmachung in Betreff der Deposital - Fähigfcit der vom Staate à 33 % garantirten Eisenbahn- Actien wirkte besonders günstig auf Köln-Mindener Eisenbahn-Actien, eben so auf Oberschlesische Lite. B. und Niederschlesische, Die bedeutenden Gewinn - Realisirungen in Köln-Mindener drückten den Cours etwas, die Meinung dafür aber is so günstig , daß am Schluß der Börse mehr Käu- fer blieben. Jn Oesterreichischen Eisenbahn-Actien wenig Umsaß.

Marktpreise vom Getraide, Berlin, den 18, Januar 1844,

Zu Lande: Weizen 2 Rthlr, 8 Sgr. 5 Pf., auch 1 Rthlre. 27 Sgr. 7 Pf; Roggen 1 Rthlr. 10 Sgr. 10 Pf., auch 1 Rihlr, 9 Sgr. 11 Pf.; große Gerste 28 Sgr. 10 Pf., auch 28 Sgr. 2 Pf.z kleine Gerste 1 Rthlr, 2 Sgr. 5 Pf., auch 26 Sgr. 5 Pf.z Hafer 22 Sgr. 10 Pf., au<h 20 Sgr,

Pf.z Erbsen 1 Rthlr. 18 Sgr., au<h 1 Rthlr. 8 Sgr. 5 Pf.z Linsen Rthlr. 8 Sgr. 5 Pf., auch 2 Nthlr, Eingegangen sind 129 Wispel.

Zu Wasser: Weizen (weißer) 2 Rthlr. 8 Sgr. 5 Pf., auh 2 Rtblr, 6 Sgr. und 2 Rihlr. 2 Sgr. 5 Pf.z Roggen 1 Rihlr. 13 Sgr. 2 Pf, auch 1 Rthlr, 10 Sgr. 10 Pf. Eingegangen sind 689 Wispel,

Mittwoch, den 17, Januar 1844, Das Scho> Stroh 7 Rthlr,, au<h 6 Rthlr, Der Centner Heu 1 Rthlr, 5 Sgr., auh 22 Sgr. 6 Pf. ;z Kartoffel = Prei)e Der Scheffel 17 Sgr. 6 Pf., auch 15 Sgr. Branntwein - Preise.

Die Preise von Kartoffel-Spiritus waren am 13, Januar 15—155 Rthlr,, am 16, Januar 15% Rthlr. und am 18, Januar d. J. 157 Rihlr. (frei ins Haus geliefert) pro 200 Quart à 54 pCt, oder 10,800 pCt, nach Tralles. Korn-Spiritus: ohne Geschäft,

Berlin, den 18, Januar 1844.

Die Aeltesten der Kausmannschaft von Berlin.

Magdeburg, 17, Jan, Höchster und niedrigster Getraide-Marktpreis pro Wispel: Weizen: 47 42 Rthlr. Gerste: 295;— 28 Rthlr. Roggen: 37— 35 » Hafer: 18 155 » Koln, 15, Jan (O: O) Effektiv 28% a $, pr. Oktober 30 Nthlr.

Leipzig, 16. Jan. (L. Z) Haben wir auch nicht viel über die cben beendigte Neujahrsmesse zu berichten, so sind wir doch nicht in dem Fall, so sehr über sie zu klagen, als es bei den früheren geschah; denn verhält- nißmäßig wurde nicht unbedeutend verkauft und die Erwartungen von thr übertroffen, daher sie eine mittelmäßige genannt werden kann. Der Verkau ziemlich aller Artikel is gleichmäßig gewesen, daher nur die Ausnahme, Tuche, hervorzuheben i, welche in ihrer gewöhnlichen Anzahl für eine Neu jahrêmesse , 60 70,000 Stück, wohl vorhanden waren, aber nur für de1! vierten Theil Käufer fanden, und zwar blos in den feinen Qualitäten, welche die Preise der Michaelismesse erhielten. Von den Preisen der übri- gen Qualitäten läßt sich nichts sagen, da davon fast gar nihts verkauft wurde, Die anwesenden Käufer waren Polen und von den Deutschen be- sonders Fürther, Frankfurter a. M., Hamburger und Lübeder,

Berliner Bors e Den 19. Januar 1844.

Nüböl, pr. Mai 28,

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Pr. Cour. Brief. | Geld.

Pr. Cour.

Actien. |s Brief. | Geld.

Fonds. |S

Gem St. Schuld-Sch. ; | 102% 1027 l Pots, Bisenb, 1745 | Pr. E „1. Obl. 30. 102° | E do. do. Prior. Obl, 104% | i

S E j | 902 | Mgd. Lpz. Eisenb. 1857 | 1843 E E A S do. do, Prior. Obl, 104 | 103 x ur- u, Neuwärk,

| Brl. Anb. Eisenb., - 145 | -—— Ln y, : 2 L L l | Schuldverschr. «5 100% 100 las do Palor, Obl 4 | 104 L | 103;

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Rhein. Eisenb. |& _— | do. do. Prior. Obl, 98:

E e 1 E & R E E E N [105 Ne LUBLY. eingezi|— 2E I | E x E

Gold äl miárco, |—| | Magdeb. - Halber-/ | Friedrichsd’or. |—| 1375| 134, städter Eisenb.| 4 | 118 And.Gldm. à 5 Tb. —| 12 | 117 Disconto. (—| 3 | 4 Auswärtige Amsterdam, 15. Jan. Niederl. wirkl. Sch. 647. 5% do. 100. 5% Span, 215. 3% do. 311, Pass. 5Z. Ausg. —. ZinslI. 65. Pr. Sch. —. Pol. —. Oesterr. 109%. 4% Russ. MWope 91%. Antwerpen, 14. Jan. Zinsl —. Neue Aul. 202. Frankfurt a. M., 16. Jan. 5% Met. 113. Bank - Actien 2021. P- ult, 2022. Bayr. Bank-Actien 680 G. Hope 907 G. Stiegl. 89% G. Int. 547. Poln, 300 Fl. 95% G. do. 500 Fl. 975. do. 200 Fl. 32k G. Hamburg, 17. Jan. Bank-Actien 1690 Br. Eugl. Russ. 1127 G. Petersb uUrTr&; 9. Jan. Lond. 3 Met. 37%. Hamb. 345. Paris 402, Poln. 300 Fl. —. do. 500 Fl. 89. do. 200 Fl. 295. Wien, 15. Jan. 5% Met. 11147. 7. 4% 1007. - 5 Aul. de 1839 118%. 7. Nordb. 130%. 5. Mail. 1085. X. Gloggn. 115%. %. _Livorn. 98 G. Königliche Schauspiele. Sonnabend, 20. Jan. Erziehungs-Resultate, oder: Guter und {hle<ter Ton, Lustspiel in 2 Abth., nah dem Französischen, von C. Blum. Hierauf: Liebeshändel, fomisches Ballet in 3 Gemälden, von dem Königl. Solotänzer P. Taglioni. Musik von dem Königl. Hof-Komponisten Schmidt. Im Konzertsaale: Pierre -le-Rouge, pièce en 3 époques, par MM. Rougemont el Dupeuty.

Königsstädtisches Theater.

Sonnabend, 20, Jau. (Jtalienishe Opern-Vorstellung.) Lucrezia Borgia. Opera in 3 Au Musiíca del Maestro Gaelano Donizetti.

(Signor Napoleone Moriani, erster Tenorist: Gennaro, als Gast- rolle, Der neue Schluß der Oper ist für Herrn Moriani vom Kom- ponisten besonders komponirt.)

Preise der Pläße: Ein Plah in denOrchester-Logen 2 Rthlr., den Logen und im Balkon des ersten Ranges 2 Rthlr., im Parquet und in den Parquet-Logen 1 Rthlr., im Amphitheater und in den Logen des zweiten Ranges 20 Sgr., Parterre 15 Sgr., Sperrsiß des dritten Ranges 10 Sgr., Gallerie 75 Sgr.

———_ E Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen.

Gedruckt in der Deckerschen Geheimen D R eilage

L Bresl- Schweidn.-| |

Freibg.Biseub.| 4 | | Börsen.

Preuss.

M 20.

Inh a1.

Deutsche Bundesstaaten. Bayern, München. merung. Von der Donau, Der Ludwigs - Kanal.

Schweiz, Schreiben aus Bern, (Oeffentliche Arbeiten; Straßenz Eisen- bahnen; Brücken; Wasserbauten.)

La Plata-Staaten. Schreiben aus Paris, in Montevideo an die Deputirten-Kammer )

Zur Beurtheilung des jüngsten Benehmens der französischen Legitimisten,

Güter-Zertrüm-

(Petition der Franzosen

Der gegenwärtige Zustand des Secundair-Unterrichts in Frankreich. (Zwei- ter Artikel.)

Nuslaud. Deutsche Bundesstaaten.

Bayern. München. (M. p. Z.) Das in neuester Zeit in man- <en Gegenden Ober-Bayerns in auffallendem Maße überhandnehmende Güter-Zertrümmerungswesen hat die Aufmerksamkeit der Königl. Re gierung von Ober-Bayern, K. d. J., auf sih gezogen und in einem um so höheren Grade in Anspruch genommen, als der Allerhöchste Landtags-Abschied im $. 32 der inneren Verwaltung die Wachsamkeit über den strengen Vollzug der zur Beseitigung von Mißbräuchen die=- ser Art bestehenden Anordnungen, namentlih in Bezug auf die Mit wirkung von Unterhändlern bei Guts = Zertrümmerungen auf den ge werbsmäßigen Betrieb derselben zur besonderen Pflicht gemacht hat. Da nun die Erfahrung lehrt, daß die Güter - Spekulanten in der Regel hinter dem Rücken der von den Gemeinde-Vorsteheru nicht im- mer gehörig unterstüßzten Distrikts-Polizei-Behörden ihr Wesen treiben, und Lebtere erst bei Anmeldung der Gesuche um Vertrags-Protokollirung von der bereits vollzogenen Guts-ZertrümmerungNachricht erhalten, somit bei diesen Verhältnissen die polizeilihe Ueberwachung des Zertrümme rungsgeschäftes und die Verhütung von Mißbrauch der durch $. 3 des revidirten Geseßes über Ansässigmachung und Verehelihung vom 11, September 1825 gusdrückli< nur zum Behufe der Erleichterung von Ansässigmachungen freigegebenen Theilbarkeit der Güter nicht vollständig vollzogèn werden fann, so wird für die Zukunft die An ordnung getrosfen, daß jedes Guts=Zertrümmerungs-Projekt vor der Ausführung von dem Grund = Eigenthümer bei der einschlägigen Di- strikts-Polizei-Behörde zur Anzeige gebracht werden muß, welche \o- hin nah den bestehenden Vorschriften, insbesondere der Regierungs Ausschreibung vom 22, September 1839 (Jnt, Bl. S. 1384), zu verfahren hat,

Von der Donau, im Jan. (R. Z.) Unser sonst so stilles Altmühlthal , dessen malerische Felswände srüher selten einen anderen Ton vernahmen, als das Gebrause der Mühlwehren, die Schläge der Holzaxt oder den Ruf des auf dem Felde arbeitenden Landman nes, ist seit cinigen Jahren plößlich der Schauplaß einer rührigen Thätig feit, der Zeuge des Entstehens eines der großartigsten Bauten unseres Jahrhunderts geworden. Lautes Leben regt si<h in den Gründen, tausend geschäftige Häude graben, mauern, zimmern, der Lärm der Werkstätten, der Donner der Steinschlisse erschüttert die Luft und wet das in den Felsklüften \{lafende E<ho. Die alten Burgen, welche Jahrhunderte lang von den Tagen ihrer vergangenen Herr lichkeit geträumt haben, {hauen verwundert von ihren luftigen Berg gipfeln herab dem ungewohnten Treiben zu, Ja, es is ein {<ü= nes, fostbares Werk, dieser Ludwigskanal, er, dessen Hauptbestim= mung ist, die beiden mächtigsten Ströme Europa's, Douau und Rhein, mit einander zu verbinden und so die größte zusammenhängende Wasserstraße des Kontinents zu bilden, Er wird dem Handel des Occidents mit dem Orient eineu neuen, bequemen Verkehrsweg er= öffnen, den Akerbau und die Judustrie in dem sonst vom Wollhandel gänzlich abgesperrten Binneulande auf einen vorher nie geahnten Flor erheben, in gleihem Grade die Schifffahrt und den Schiffbau auf den mit ihm zusammenhängenden Flüssen in Aufschwung bringen, überhaupt die {lummernden Kräfte des Gesammtvaterlandes in eine heilbringende Bewegung seßen alles Resultate, die jeden patrio tis< gesinuten Deutschen zum innigsten Danke gegen den erhabenen Gründer des Werkes verpflichten müssen. Welch ein Leben auch die Bauarbeiten jeßt {on mit si< bringen, ein no< weit regsameres wird sich zeigen nah der Eröffnung des Kanals in seiner ganzen Länge, Hierfür giebt uns sichere Andeutung der starke Verkehr, wel- her bereits im heurigen Jahre auf der fertigen Kanalstre>e zwischen Bamberg und Nürnberg sich entsponnen hat, j

S < Wet

8 Beru, 10, Jan. Die auf Umgestaltung und Verbesserung des äußeren, materiellen Lebens gerichteten Bestrebungen der Gegen-= wart sind au<h in der Schweiz niht ohne Anklang geblieben z in manchen Beziehungen ist hier mit geringen Mitteln mehr geleistet worden, als in anderen Staaten, wo größere Kräfte zu Gebote stan- den, Besondere Aufmerksamkeit hat man den Verbindungsmitteln geschenkt, deren Herstellung in einem von hohen Gebirgszügen und tiefen Thälern durhschuittenen Laude von bedeutender Schwierigkeit, zugleih aber auh von unerläßliher Nothwendigkeit i, wenn wir mit der unsere Gränzen umspinnenden Judustrie und Thätigkeit Schritt halten wollen, Die Unterhaltung trefflicher Landstraßen is ein Ruhm, der dem Kanton Bern {hon gebührte, als dieselben s< in einem großen Theile von Europa no< in kläglichem Zustande befanden. Heutzutage sieht sich derselbe von mehreren Nachbar-Kantonen, nament- li Zürich und Waadt, hierin fast überflügelt und sucht si< durch gedoppelte Anstrengungen auf der früheren Höhe zu erhalten, Hier- bei zeigt si<, daß die ursprünglichen Straßen-Aulagen der früheren Zeit meist verfehlt waren, so daß bei jeder zur Sprache kommenden Aende= rung durchgreifende Neubauten mit großem Aufwand unternommen werden müssen, Daß man bei solchen uit immer mit gehöriger Umsicht verfährt, hier und da theures Lehrgeld bezahlen muß, und uicht selten persönliche und örtlihe Rücksichten die schönsten Pläne vereiteln, liegt in der Natur eines kleinen Gemeinwesens, dessen Leitern beim besten Willen nicht selten die Mittel entgehen, solhe Fehler zu vermeiden, Deeng e dürfen wir mit einigem Selbstbewußtsein auf die ge- shehenen Leistungen zurübli>en und die Erwartung aussprechen, daß in einem nicht allzulangen Zeitraum unsere großen Verkehrsstraßen die L ETOMRNg mit den besten des Auslandes nicht zu scheuen haben werden,

Mit dem Eisenbahnwesen will es dagegen in der Schweiz noch ni<ht re<t vorwärts. Mag dabei auch Einiges auf Rechnung des Mangels an gemeinsamem Zusammenwirken der verschiedenen Kantone geseßt werden, so scheint doch einerseits das Bedürfniß derselben in unserem Lande noch keinesweges so allgemein und unbezweifelt zu sein, da sih sonst der bekannte \{weizeris{e Unternehmungsgeist längst demselben zugewendet haben würdez anderentheils aber dirste die ge-

Beilage zur Allg

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P I T Mili” T N R ‘idi M R

ringe Rentabilität so mancher ähnlihen Anlagen dem vor Allem auf solide Speculationen geri<teten Sinn unseres Volkes nicht hinlänglich zusagen, da bei fehlgeshlagenen Hoffnungen von einer Unterstüßung des Staates durh Zinsengarantie oder andere Begünstignngen nie- mals die Rede sein könnte.

Eine besondere Erwähnung verdienen mehrere neue Brücken-An= lagen in der westlichen Schweiz. Mit dem Beispiel derselben ging das sonst stille, gewerblose und in mehrfacher Beziehung heruntergekommene Freiburg voran. Dort is der früher abscheulihe Zugang der Stadt vou der Bernerstraße her {hon seit aht Jahren dur< eine großar- tige Drath-Brü>ke umgangen, welche in einer Länge von beiläufig 900 und in einer Höhe von 175 Fuß das Thal der Saane überschrei tend guf ebenem Wege in die Mitte der Stadt führt, Ein in lebter Zeit ausgeführtes ähnlihes Werk in der Nähe des ersteren dient zur Verbindung eines Landestheiles mit der Stadt, die bisher durch eine tiefe Schlucht von demselben getrennt war.

Zu gleichem Zwecke dient hier in Bern die ihrer Vollendung nahende steinerne Nide>-Brücke. Ein kühner Bogen von 93 Schuh Höhe und 156 Fuß Spannung führt mit Vermeidung des berüchtig ten, abshüssigen Staldens über die wilde Aar und verspricht die größte Zierde unserer Stadt und ein Denfmal patriotisher Beharr lichkeit und Aufopferung für die dankbaren Enkel zu werden. Durch einen in jüngster Zeit gefaßten Beschluß des Großen Rathes is auch von anderer Seite ein erleihterter Zugang in die Stadt, mittelst einer ähnlichen Brücken-Anlage in Aussicht gestellt.

Diese Unternehmungen werden beinahe überboten vou den wahrhaft riesenhaften Anstrengungen, welche die für die Bedürfnisse des heutigen Verkehrs so ungünstig gelegene Stadt Lausanne gemacht hat und mit gro= ßen Opfern noch fortwährend macht. Obwohl der ganze Stadtboden buch= stäblich aus Hügeln und Schluchten besteht, so hat man do< mit Um gehung und Durchbrehung ganzer Quartiere das Mittel gefunden, die große Straßenlinie ohne bedeutende Steigungen und Senkungen durch die Stadt zu führen. Das bedeutendste Glied derselben is eine aus Marmorquadern erbaute doppelte Brücke, deren durhbrochene Pfeiler zuglei<h Bogen bilden, dur< welche die unteren Stadttheile mit einander in Verbindung stehen, während in ansehnlicher Höhe dar= über die Straße auf den großen Brü>kenbogen fortlaufend in den Mittelpunkt der Stadt einmündet, Ju den leßten Tagen des abge- laufenen Jahres ward ebenfalls im Kanton Waadt eine neue Hänge hrüce über das ungezähmte Gewässer der Rhone zur Verbindung mit dem unteren Wallis dem Verkehr eröffnet.

Von ungemeiner Wichtigkeit sind die Wasser-Arbeiten in unserem von Flüssen und Seen durchschnittenen Lande. Hier bleibt troß ver= schiedener Anfänge und Vorarbeiten das Meiste no< zu thun übrig, wozu aber die Kraft mehr als einer Generation erforderlih sein dürfte. Die nächsten Bestrebungen richten si<h auf Abwehr vor dro- hendem Schaden, der dur<h plöbßliches Anschwellen der wilden Berg= ströme entsteht und oft binnen wenigen Stunden die reizendsten Land

haften in unwohnbare Einvden zu verwandeln droht. Ein großar= tiges Projekt dieser Art is die hon früher angeregte und seit eini= gen Jahren wieder vielfa besprochene Entsumpfung unseres Seelandes d, h. der Niederung, welche sih zwischen den Seen von Neuenburg, Murten und Biel und der Aar befindet, und welche durch die häu= figen Ueberströmungen der lehteren und die dadurch entstehenden Ver- sandungen einer immer traurigeren Zukunft entgegensieht, Die zwei malige Ueberschwemmung dieser Gegend während des leßtverflossenen Jahres is eine dringliche Mahnung, ungesäumt und mit Cifer Hand ans Werk zu legen. Durch die Bemühungen und Opfer einer frei= willigen Vorbereitungs-Gesellschaft sind die nöthigen Vorarbeiten und namentli< ein Plan des Bündnerischen Jngenieurs La Nicca zu Stande gekommen, wonach die Aar m den Bielersee abzuleiten und deren Ausfluß aus dem See neu zu graben wäre; hierdurch hofft man, niht nur viele hundert Morgen guten Landes den Fluthen zu entreißen, sondern auh mit der Zeit den Verkehr auf jenem Komplex von Seen und auf der unteren Aar bedeutend zu steigern. Die Ausführung dieses Werkes soll einer Actien - Gesellschaft überlassen werden, deren Bildung beginnen müßte, sobald die betheiligten Re- gierungen von Bern, Freiburg, Neuenburg, Solothurn und Waadt sich mit den Grundlagen werden einverstanden gezeigt haben. Das Unternehmen selbst würde die Canalisation der Linth an Großartig- feit weit übertreffen und für einen beträchtlihen Landstrich von dauern-

dem Nußen sein.

Aehnliche Entsumpsungs= Projekte sind auh bezüglih auf die Mündung der Rhone in den Geufersee aufgetaucht, so wie auch neuer- dings die Verbindung dieses leßteren dur<h einen Kanal mit dem Neuenburgersee wieder zur Sprache gebraht worden is. Es sud dies alles nüßlihe und in ihrem Resultate wohlbegründete Pläne, denen man die unausgeselzte Aufmerksamkeit der Regierungen und die patriotis<he Beharrlichkeit der Unternehmer im Juteresse des Landes von ganzem Herzen wünschen muß.

La Plata - Staaten.

_. MParis, 13, Jan, Die Deputirten - Kammer wird auch in diesem Jahre mit den Verhältnissen der französishen Bevölkerung von Montevideo si<h zu befassen haben, wie in den früheren Jahren, Die dortigen Franzosen haben näumlih, 3090 an der Zahl, aber= mals eine Petition an die Kammer gerichtet, worin sie bitten, die französis<he Regierung möge zwischen den beiden kriegführenden Par teien, der argentinischen und der orientalishen Republik des Uruguay einschreiten, und dem Kriege derselben ein Ziel seßen, Es ist dies hon die zweite Petition, die sie zu diesem Zwecke an die Kammer hierhersenden, und wahrscheinlich wird auch diesmal ein Deputirter von Havre, Herr Mermillod, dieselbe zur Vorlage bringen. Daß sie aber diesmal besseren Erfolg haben werde, als früher, is sehr zu bezweifeln,

Zur Beurtheilung des jüngsten Benehmens der französischen Legitimisten.

>=/ Paris, 12. Jan. Gestern is hier eine kleine aber großes Aufsehen machende Schrist erschienen, unter dem Titel: „Pu Péle- rinage à Belgrave Square par un Publiciste”, deren Zwe> offenbar darauf hinausgeht, auf die bevorstehenden Verhandlungen und Beschlüsse der Deputirten-Kammer bei der Adreß-Debatte zu dem Ende einzu- wirken, daß diese gegen ihre Mitglieder von der legitimistishen Mei= nung, welche nah London gegangen sind und an den dortigen an- stößigen Demonstrationen theilgenommen haben, den strengen Spruch der Wovliden Ausschließung aus der Kammer fällen möge. Der Verfasser beginnt mit Anführung der Eides-Formel, welhe jeder De- putirte oder Pair von Frankrei bei seinem Eintritte in eine der bei- den Kammern zu leisten hat und welche also lautet :

„Ih \<wöre treu zu sein! dem König der Franzo- sen, zu gehorhen der constitutionellen Charte und den Geseßen des Königreichs, mich in Allem so zu ver- halten, wie es einem guten und loyalen Deputirten,

emeinen Preußischen Zeitung.

Sonnabend den 20 Januar.

| einem guten und loyalen Pair von Frankreich zu-=

fömmt,“

Die Formel ist klar, bestimmt, sagt der Verfasser, und fragt, ob bie Leistung dieses Eides ein ernstliher, überlegter, gewissenhafter, ge- heiligter Äft sei, oder blos eine Formalität, ein einfaher Brauch, von dessen Bedeutung man nöthigenfalls Umgang nehmen könne? Allerdings müsse man mit Recht darüber staunen, daß eine solche Frage nur gestellt werden könne, indeß sie sei in der That angeregt worden dur< die fast unglaubliche, aber do< wahre Mauifestation, die Angesichts der ganzen Welt zu London stattgefunden. Die Lö= sung der Frage müsse natürlich leiht erscheinen, da es nichts Heili=- geres geben fönne, als einen feierli geleisteten Eidshwur, zumal wenn dieser Eid ein politischer sei, wie der von einem Pair oder De= putirten geleistete. Dies festgestellt, sei das zu London Vorgegangene unbestreitbar eine Wortbrüchigkeit, eine Lossagung von aller Gewis= senhaftigkeit, wie sie vielleiht bis jeßt ohne Beispiel gewesen. Wie groß indeß die Bedeutung des Benehmens der betreffenden Männer in moralisher Beziehung is, so mißt der Verfasser dem „unsinnigen, ja lächerlihen Schritte“ derselben, wodur< sie meineidig geworden, durchaus feine politishe Bedeutung bei, weder in seiner Ursache, no< in seiner Wirkung, und ist überzeugt, daß derselbe eher den Jnteres= sen, denen man zu dienen glaubte, nachtheilig wirken werde. Der wichtigste Punkt, der die ganze Frage beherrsche, sei die Leichtigkeit, mit der das Gewissen der betheiligten Männer zu einer solchen Hint= auseßbung des beshworenen Wortes sih hergegeben, und daß sogar no< übelberathene Organe der Publizität si< gefunden, die sich zu förmlichen Vertheidigern sol<hes Meineides aufgeworfen. Wenn man einen laut und mit erhobener Hand geshworenen Eid also verleße, so sei dies Deloyalität. Zwar habe, mit Widerstreben nur könne man es sagen, ein System von gewissen Leuten aufgestellt werden wollen, wona es zweierlei Cide gebe, die einen, welche ver= bindlich machen, und andere, die nicht binden. Aber den Ehrenmann binde jeder Eid, er kenne keinen solhen Unterschied; der Eid sei nicht elastish, und na< Belieben ausdehnbar oder zu verkürzenz “er sei fest, unbeugsam und vollständig. Einen Eid mit Vorbehalten gebe es nit. „Offen versprechen , daß man etwas thun werde, um in irgend eine Versammlung si< einzuschleichen, und in pelto bei si< s{wören, daß man es nur zur Hälfte oder gar nicht thun werde, oder gar das Gegentheil, is das uicht der höchste Grad der unver= \{hämtesten Kasuistik? Muß man denn die Leute fragen: Jhr habt das äußerlich geshworen, aber habt ihr es auch innerlich geshworen ?““ Das wäre, meint der Verfasser mit Recht, wie wenn die Kinder si das große oder kleine Chrenwort abverlangen. Jun Frankreih, dem Lande der Ritterlichkeit, der Loyalität, sei keine fides punica zu= lässig. Vor Allem hasse man Alles, was nah Verrath und Treu= losigkeit rie<he. Daher sei auch die unqualifizirbare Manifestation, woran einige Mitglieder der legislativen Versammlungen , Magistrate und Beamten im aktiven öffentlihen Dienste Theil zu nehmen \ih nicht gescheut, mit allgemeinstem, aus freiestem Antriebe hervorgegan= genen Tadel aufgenommen worden. O

Der Verfasser geht nun auf eine nähere Darstellung der Vor= gänge zu London ein, zeigt die große Unklugheit, welhe die angeblichen Freunde des Herzogs von Bordeaux begangen, indem sie ihm den Titel eines „Königs von Frankreich“ zuerkannten und fragt in diesem Betreffe : : :

„Wo ist das Königreich, wo das Volk, wo das Scepter? Jn Frank- reich, antwortet man (sagt er). Aber in Frankreich haben wir die Wirklich- feit eurer Parodie, Wir haben einen Monarchen, der wahrhaft König ist, eine Stirn, die ihre Krone hat. Wir haben Alles, was euch fehlt, euch die ihr einen Titel gebt, den man nur tragen kann, wenn die Nation, die zu Dolmetschern die konsekrirenden Gewalten hat, denselben übertragen hat. Und dann, nachdem ihr euren neuen Thron auf einem Square von London aufgerichtet habt, führt ihr dort so zu sagen eine Regierungsform ein, laßt ein Parlament auftreten, nämlich fünf oder se<s Mitglieder der zwei Kam- mern, die ihren Eid mit Füßen getreten haben; ein Volk aus vier Hand- werkern bestchend; eine Armee, d. i, fünfundzwanzig oder dreißig Männer des Degens, die seit dreizehn Jahren hübsch unter ihren Zelten bleiben, um Achilles nachzuäffen , und die, ohne sich zu rühren, von ihren Gütern aus unsere junge und unershro>ene Armee den Boden Afrika's mit ihrem Blute röthen sehen, die Söhne des Königs an der Spiße, Gleicht das Alles nicht vollfommen jenen Mimodramen des Boulevard, wo man auch auf ein Dußend Leute hinzeigend sagt: Hier ist der rehte Flügel der großen Armee ! Dort der linke Flügel des Feindes! im Ganzen vierundzwanzig Kom- battanten.““ :

Jch übergehe die weiter folgende Auseinanderseßung der Un-=

möglichkeit, daß der Enkel Karl's X, je wieder auf den Thron Frank= reichs fomme, der vershlimmerten Stellung, in die er dur diese un- flugen Schritte verseßt worden sei, wie weder die ältere Linie der Bourbons seit 1814 ihre Aufgabe, noch die legitimistis<he Partei ihre Juteressen verstanden, wie man sih in Frankreih mit solchen leeren Versprehungen, wie sie von London aus gemacht wurden, nirgends mehr täuschen lasse; und gehe mit dem Verfasser auf sein eigentliches Thema über, worin er sih vorsebt, diejenigen, welche si der Verlebung eines feierlih ges{hworenen Eides s{huldig gemacht, öffentli vor dem ganzen Lande zur Rechenschaft zu ziehen. Zuerst bespricht er den Schritt der Munizipal-Beamten, einiger Maires, die nach London gegangen, und die der Minister des Jnnern alsbald ab= gescebt hat; zeigt, daß von 37,000 Maires nur 7 si< als Legitimisten bekannten, wie strafwürdig und verwerflih aber das Benehmen dieser wenigen gewesen. Von Magistraten fand si< nur ein einziger Rich= ter, der seinen Eid zu verleßen sih ni<ht heute, Beweis genug, wie wenig Sympathieen die legitimistishe Sache in der französischen Ma- gistratur finde, Endlich kommt der Verfasser auf die Theilnahme der Deputirten zu sprehen, als „den die ganze Frage beherrshen= den Punkt,“ Hier sei Alles von der höchsten Wichtigkeit, hier finde sih ein Theil der National-Vertretung kompromittirt ; ein aller= dings schwacher, fast unmerklicher Theil dieser Elite, welcher das Land sein Vertrauens - Mandat gebe, auf daß sie seine theuersten Interessen wahre. Fünf bekannte Deputirte seien zu dem Herzog von Bordeaux gegaugen, haben diesem Prinzen einen Eid geleistet, wodur< ein früher geleisteter aufgehoben worden sei z sie, die durch eine geheiligte Ehren-Verpflichtung an den Chef der gegenwärtigen Dynastie gebun= den wären, eine Verpflihtung, die mit den Worten beginne: „Jch {wöre Treue dem Könige der Franzosen.“

Hier {hon beginne das Vollbringen des Meineides. Der Rest der Cides-Formel bis ans Ende sei aber gleichfalls umgangen, denn es heiße da weiter: „Mich in Allem zu verhalten, wie es einem guten und loyalen Deputirten zukommt.“

„Und troy dieses Eides“, rust der Verfasser ihnen zu, „konspirirt ihr gegen euren König, gegen euer Land, das euch abgeordnet hat, scin Glü, seine Prosperität, seinen inneren Frieden zu erhalten. Wie! ihr habt geschwo- ren, euch in Allem als gute und loyale Deputirte zu vrilales, und ihr, die ihr so hoch gestellt seid, um euren Landsleuten als Muster im Guten u dienen, als Ti rer auf dem Wege der Ehre, ihr gebt ihnen das Beíi- Piel des Wortbruches und Verraths! Antwortet : fo ihr gute und loyale Deputirte? Nein! sicherlih nicht, und obgleich eure thôr ten Versuche kein Resultat haben können, obgleich aus euren widersinnigen Schritten

durchaus keine Beunruhigung erwachsen kann, so habt ihr nichtsdestoweniger