1844 / 25 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

und aus der kurzen Dauer sei-

sident in seine Verwaltung gebraht, E

nes Ministeriums die Folgen eines solhen Regierens

stellen. j j hen und keiner angehören““, sagte „Zwischen zwei großen Meiningen fel n L Stittel eine große BVer-

in di Beziehung, „, el } er Heer Duchatel V riese D (f nicht die wahre Polítif ; diese Politik hn eranden gelungen. Sie ist au Ihnen eben so wenig gelungen, ist no Dauer gehabt hätten, jo würden Sie größeren par-

und wenn Sie bierigfeiten begegnet sein, als irgend ein anderes Kabinet.

N Ind Beifall) Wir erinnern uns no< re<t wohl, was vorge-

i; ¡< Jhnen das Geheimniß Jhrer Politik sagen Doch ich gangen 5 fol F S beser n S unwürdig wäre, ih will blos ezählen, ar Zedermann ‘weiß. Was man gesprächsweise sagt, is von den Worten Lu a Tribüne schr oft verschieden, aber das Gespräch spielt in den Bit elegenheiten dieser Welt eine Rolle, und Jedermann weiß, wie das Ge- präch lautete, als die Negierung der Gesichtspunkt des Herrn Thiers war; wenn man, wie Herr Thiers eben gesagt, sich zugleich auf zwei Meinungen stüßen will, verleumdet man die eine bei der anderen. Man sagt zu den Konservativen: „Jn der Meinung, welche die unsrige ist und die mi< unterstüßt, gicbt es wohl ungeduldige Leute, aber ih weide Mittel finden, sie zu beruhigen, Ih will Zhnen nicht sagen, wiez aber i< brauche ihnen nur einen fleinen Antheil an der Gewalt zu geben, und sie kommen, die Majorität zu vermehren, Dagegen sagt man zu der ungeduldigen, dem Fortschritt ergebenen Meinung: „Wer- den Sie nicht ungehalten, mih von der konservativen Partei unterstügt, zu schenz was is im Grunde die fonscrvative Partei? die Bagage aller Mini- sterien.“’ Dies is eines der praktischen Hülfsmittel der Politik, die uns eben angerathen wurde. Allerdings pflegt man dergleichen Zwiesprache nicht von der Tribüne aus, aber es ist Niemand in der Kammer, der nicht folcherlci Worte im Gespräch vernommen hätte, als die Politik des ehrenwerthen Herrn Thiers in Ausübung gebracht wurde. Wir aber haben eine andere Politik. Wenn die Kammer mehr zu Jhrer Ansicht neigt, als zu der unse- ren, so sind wir bereit, Jhnen die Sorge neuer Experimente zu überlassen, Weun man von Fortschritten, von Reformen spricht, muß man auch sagen, welhe man will. Die allgemcinen Nedensarten nüßen nichts, Weiche Veränderungen möchte wohl Herr Thiers einführen? Als er die Macht in Händen hatte, forderte er die Kammer auf, die Petitionen um eine Wahlreform nicht zu beahten. Er \pra< damals mit einer Bestimmtheit und Frei- müthigkeit, dur die er vielleiht auf einer Seite der Kammer Stimmen werben wollte, was ihm auch gelang. Es drängt sih noch eine andere Frage auf: die parlamentarische Reform. Herr Thiers hat an den Antrag des Herrn Ganneron erinnert, Dieser Autrag wurde unter seinem Mini- sterium gestellt, aber er hatte feine Folge. Als es si<h darum handelte, je- nem vermeintlichen Uebermaß des Ehrgeizes ein Ziel zu p 4e 7 A ar Thiers: Als ih Conseils - Vräsident war, veranlaßte ih urs e ede und ungeachtet des Mißfalleus der Majorität, der ih im Ge prag E \{meichelt haben soll, daß der Antrag hinsichtlih der Staats “Dranen in Betracht gezogen wurde, Herr Duchatel: Ja, das thaten Sie, Herr Thiers: Es is in der Kammer bekannt, und ih habe noch Kollegen vom 4. März (1840, Thiers\{hes Ministerium) in dieser Kammer, welche bestätigen werden, daß dies Projelt für die nächste Session unwiderruflich angenommen war. (Gelächier.) Herr _Du hatel: | q Dies gebe ih zuz aber wenn es für die nächste Session fest- geseßt war, so verhielt es sih damit, wie mit dem allgemeinen Kriege, der auf das Frühjahr vertagt wurde. (Allgemeines Gelächter.) Man kann zwar d nicht leugnen, daß dies Projekt keine Folgen gehabt hat, ovwodl Sie es in Betracht genommenz aber ih gebe zu, daß Sie den Festen Willen hatten, es zu verwirklichen. Jch frage Sie nun, die Sie Größe ín den MENLLeS und Glanz in der Regierung suchen, konnten Sie Zhr ganzes politisches Svstem auf einen solchen Antrag bauen, selbsst|t wenn Sie ihn für vortre- lih hielten? Einen solchen Autrag, und wahrscheinlich, wie ich wemgitens vou Ihnen erwarte, im beschränkten Maße annehmen, hieß dies der Politik Glanz und Größe verleihen? War das ein Mittel, cine Politif von der anderen zu unterscheiden? Von solcher Wichtigkeit ist die Frage sicher nicht, und doch haben Sie so eben, als Sie von Reformen und Verbesserungen sprachen, nur diese erwähnt. Habe ih nun nicht ein Recht, zu sagen, daß Sie Zhre Vorwürfe gegen das Ministerium nicht gerechtfertigt, daß Sie ihm fein erhabeneres, voraussichtigeres System entgegengehalten haben? Hierauf ging der Minister zu den anderen Vorwürfen über, welche Herr Thiers dem Ministerium gemacht, und zwar suchte er zunächst den zu widerlegen, daß es durch die von ihm eingenommene Stellung, die ihm Unbeweglichkeit in den Dingen auferlege, auch zur Parteilichkeit in Betreff der Personen gezwungen werde. „Welche Beweise““, fuhr der Minister fort, „haben Sie hierfür ange- führt? Eine einzige Thatsache, die Mairie von Angers. Sie hâtten, bei einiger Gerechtigkeit, Beläge für die Unparteilichkeit der Negierung ganz in der Nähe finden können , Beläge, welche darthun, daß die Negierung das unabhängige Gewissen derer, die sich ihrer Politik nicht anschließen, achten und ihr Verdienst, ihre Fähigkeiten, die Dienste, die sie dem Gemeinwesen leisten können, zu würdigen weiß. Aber ih halte mich an die entseßliche Geschichte von der Mairie zu Angers. Zu Angers haben wir die Rechte der Centralgewalt aufrecht erhalten. Jch achte die Munizipal-Freiheiten in jeder Beziehung, ih will sie nicht beschränken; ih glaube, daß sie gut und dem Lande nüglich sind, aber nur unter der Bedingung, daß die Nechte der Königlichen Autorität gleichfalls geachtet werden, Nun wohl, zu Angers hatte si< der Munizipalrath zum voraus über die Verwaltung ausge- prochen, die der König wählen sollte; er hatte in Betreff der Wahl der Verwaltung einen Wunsch geäußert. Allein es stcht dem Munizipalrath nicht zu, sich über die Personen auszusprechen ; er vergeht sich gegen die Königliche Prärogative, wenn er dem König den oder jenen Namen vorschrciben will. Die beiden Rechte, der Bürger und der Krone, müssen gleich geachtet werden; die Bürger haben die zum öffentlichen Dienste nöthigen Summen zu votiren und über die Verwaltung der Kommunen zu berathen, die Krone hat den Maire zu wählen, Wir haben das Recht der Krone aufrecht er- halten. Jst das etwas Neues? Hat sich noch, nie cin derartiger Konflikt ergeben? Als ih die Geschäfte übernahm, fand ih die Mairie im Haupt- orte des Departements der oberen Loire in derselben Lage. Viele Maires, die der Opposition angehören, sigen in der Kammer; nennen Sie mir einen, der bei der leßten Ernennung nicht wicder ernannt worden ist? Nie verfuhr man bei der Wahl der Personen mit mehr Unparteilichkeit, Wenn die uns

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und in süße Schwärmerei träumerish versunkenen Bacchus im Antiken- Kabinet des Louvre. Die Ausführung isst von kalter Eleganz. Das ganze Monument, das auf einem beengten, von Häusern dicht umgebenen Plaße der Rue Richelieu steht, hat eine Höhe von 16 Mèires und, eine Breite von 6 Mètres 50 Centimêtres, Zu dem architeltonishen Theil des Denk- mals hat der Baumeister Visconti den Plan geliefert. Der Erzguß der Statue Molière's ist nah dem Modell von Seurre in der Gießerei der Herren E> und Durand ausgeführt worden, Die beiden Musen in farari- \{cm Marmor sind von Pradier. Vor dem Monument is ein achte>iges Bassin, in welches drei Löwenköpfe Wasser speien. Die Kosten fürs Ganze belaufen si<, mit dem Ankauf der Häuser, auf 452,000 Fr., wovon blos 200,000 auf das Denkmal selbs kommen. Obschon in Erfindung und Aus- führung gerade kein vollendetes Meisterstü>k, is es immerhin eine Zierde der Haupistadt zu nennen, die zur Errichtung dessclben über die Hälfte der Kosten (255,000 Fr.) beigesteuert hat,

Titian's Portrait, gestochen vou Mandel.

So eben i} hier bei Sachse und Comv. das Portrait Titian?s uach dem Ori male dieses Meisters, welGrs auf dem hiesigen Mu- seum befindet, in Linienmauier von Mantel gestochen erschienen, auf das wír Sammler und wahre Verehrer der Kunst gern aufmerksam machen. Es bildet dieser Kupferstich einen Pendant zu dem von demselben Künstler ‘ge- stochenen und in derselben Handlung erschienenen Portrait Van Dy >'s, wel- ches bereits die gebührende Anerkennung gesunden hat. Wenn wir in dem jugendlicheren Gesicht des genialen Niederländers den geistoollen und delifa- ten Pinsel desselben entsprechend wiedergegeben finden , so sehen wir hier in diesem Werke aufs Neue eine Entfaltung von fruchtbaren und eigenthümli-

entgegengeseßten Ansichten zur Macht gelangten, würden sie in den öffent- lihen Aemtern weit mehr Veränderungen vornehmen, als wir gethan haben.

seien so zäh und so unempfindlih gegen allen Widerstand und gegen alle Niederlagen, daß nichts sie vom Ruder zu treiben vermöge. Hiergegen sagte Herr Duchatel :

der Negierungs-Gewalt fest. Aber wann sind wohl jemals in ciner Session so viele Kabinetsfragen gestellt und angenommen worden, als in der leyten? Herr Thiers hat au Beispiele ministerieller Empfindlichkeit erinnert und dabci sogar der Verwaltung vom 11. Oktober (1832, Soultsches Ministerium) gedacht, der wir zusammen angehörten. j 10) T mals an den Tag gelegt? Er is zugleih mit uns als Minister tes Junern (1836) ausgetretcn, um einige Tage darauf als Conseils - Präsident wieder einzutreten. n

Session von der Majorität verlassen worden jeten. ) vi andere Verwaltung, nicht immer durchdringen können, aber in allen Fragen, die unser politisches System berührten, is uns die Unte:stühßung der Kammer zu Theil geworden. i 3 wenn die Majorität in der Kammer in Betracht großer politischer Fragen wechselt. ““ d : ih das von einem Mitgliede begreifen, welches seinen Plaß nie auf einen Augenbli> verlassen hätte. Aber Sie, Herr Minister des Jnnern, was hat

daß das Ministerium si< der Ordnung und Wohlfahrt des Landes 9 uns vereinigt, als

niht zu rühmen habe, da die Verhältnisse hierzu mitgewirkt und der Patriotismus aller früheren Ministerien darauf hingearbeitet, mit der | | Entgegnung zurückgewiesen hatte, daß die Thierssche Verwaltung dem gegenwärtigen Kabinet das Land nicht gerade in Glü und Wohl- stand überliefert habe, daß vielmehr die jeßigen Zustände des Landes | Sn Antra zurü, erst neu zu begründen gewesen und das Werk eines weisen politischen f reinigen Systems seien, da oft wenige arge Regierungsfehler ein Land E der | Galt es, gemeinschaftli< Portefeuillcs zu erbeuten, oder vielmehr, gleiche kürzesten Zeit in Noth bringen könnten, wie eine noch frische Erfah=

abi in der Frage hinsichtlich 1 / E s is der Dotations-Frage die der Krone kompronmit- tirt hätte. Jn ersterer Beziehung führte ér at, day die Regierung ja dem Wunsch der Kammer gewillfahrt und Unterhandlungen über die Revision der Verträge von 1831 und 1833 eingeleitet habe. Die Erwiederung des Ministers in Betreff der anderen Frage haben wir im Wesentlichen shon mitgetheilt, und es is nur no< hinzuzufügen, | x daß Herr Duchatel mit Hinsicht auf die Vorausseßung des Herrn | 1 Thiers, es habe die Krone in dieser beseitigten Angelegenheit die Juitiative ergriffen gehabt, demselben antwortete: „Dies wissen Ste niht, Sie können es und dürfen es nicht wissen,“ {loß endlih mit folgenden Worten:

dungsfraft träumen kannz aber wir glauben, als Männer von Ehre, als redliche, vernünftige, den Interessen des Landes ergebene Männer gehandelt und den Erfolg einer Politik gesichert zu haben, die wir für besser halten,

der lebhafter Beifall.)

friegerishe Aufregung im Jahre 1840 für die „materiellen Zustände des Landes gehabt, zum größeren Theil auf Mitglieder des jebigen Ministeriums, namentlih auf Herrn Guizot, zurü>zusühren, und dann die von ihm aufgestellten Regierungs - Prinzipien in Betreff der Be-= rüd>sichtigung aller Meinungs-Nüancen als frühere Ansichten eben derz selben Männer nachzuweisen.

156 Ein anderer Vorwurf des Herrn Thiers war, die jebigen Minister

„Herr Thiers behauptet, wir hielten so zu sagen um jeden Preis an zi

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Welche Empfindlichkeit hat er da- L

Es fann uns Niemand vorwerfen, daß wir in der vorigen Wir haben, wie jede

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Ein Kabinet darf sich aber nur dann zurückziehen,

Nachdem der Minister sodann die Behauptung des Herrn Thiers,

bre, widerspra<h er schließli<h no< dem Vorwurf, daß das O au l (74 Durchsuchungsrehts die Würde

Der Minister

„Wir maßen uns nicht an, Alles erreicht zu haben, was die Einbil- i

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ls die war, deren Fehler wir gut zu machen hatten.‘ (Lange anhalten-

Herr Thiers fand \si< durch diese Rede aufgefordert, einerseits ie ihm allein zugewälzte Verantwortlichkeit für die Folgen, welche die

„Warum“, sagte der Redner in ersterer Hinsicht, „warum war das Land beunruhigt im Jahre 18407 Weil cine große Frage der auswärtigen Politik sich erhoben hatte. Auch hier waren wir in zwei Nichtungen ge- spalten:; die Cinen waren der Meinung, daß man das Land wegen der Cr- eignisse in Aegypten bedeutenden Verwickelungen ausseßen müsse, die Ande- ren theilten diese Meinung nicht. Man hegte Bedenken und Furcht, Die- jenigen, welche glaubten, die ägyptische Frage sei der Mühe werth, daß man, wo nicht alle Kräfte, so doch alle Würde daran sepe, trugen den Sieg da- von, und eines Tages, als man Europa si< gegenüber sah, hielt man plößlich inne. Wollten wir nun auf Privatgespräche uns berufen, wie Sie es gethan, wollten wir zwischen guten Aegyptern und shle<ten Aegyptern unterscheiden, um mich eines gewöhnlichen Ausdrucks zu bedienen, würde man Sie dann etwa zu den schle<ten und mich zu den guten Aegyptern zählen müssen? Erlauben Sie mir zu bemerken; Z< gab damals auf dieser Tribüne meine Befürchtungen kund, ich entwicelte cine Politik, die in Betreff der ägyptischen Frage mit weit mehr Vorsicht zu Werke gehen wollte, als man selbst auf den Bänken, worauf Sie saßen, an den Tag legte. Und als man den Gesandten in London beschuldigte, die ägyptische Politik nicht hinreichend zu unterstüßen, da wollte man ihn durch einen Mann erseßen, den man für weit geneigter hielt, die ägyptische Politik zu begünstigen, als jener, Es war derselbe Mann, ich bitte um Verzeihung, daß ich hier persönlich werde, der später, als man sih Europa gegenüber jah, den Auftrag erhielt, plößlich Halt zu machen und zu sagen: „Wir hatten uns in Betreff der ägyptischen Politik geirrt, wir müssen umkehren,“ Man beute immehin die bedentliche Lage von 1840 aus, indem man behauptet, ih hätte das Land auf diefen Weg geführt, Man muß dann nur vergesscn , was im Kabinet vom 12. Mai (1839, Soultsches Ministerium mit Duchatel) vorging , von dem ich ungern bei dieser Gelegenheit spreche, weil es viele Männer in si \<loß, die ih ehre; man muß vergessen, was ganz Fraukreich weiß, vergessen, daß der Marschall Sebastiani von London zurückgerufen wurde, weil er nicht hinreichend ägvptish gesinnt schien, und daß Herr Guizot an seine Stelle geschi>t wurde, weil er mehr für die Jdee eingenommen war, Aegypten zu unterstüßen. Und am Ende war es denn ein großes Wunder, daß an dem Tage, an dem Sie zu Europa sagten: „Wir verzichten auf die Lösung, welche Frankreichs Würde vielleicht forderte? war es ein so großes Wunder, daß, als auf übertriebene Besorgnisse für die Erhaltung des Friedens die Ge- wißheit dieser Erhallung folgte, daß da die Ruhe in der Nation si be- festigte und der Frieden die Wohlthaten, die er hon zuvor verbreitete, zu

gemäße Folge der richtigen Auffassung jener großen energischen Behandlung des trefflichen venetianischen Meisters kund giebt, der mit tiefer Würdigung des Ganzen, zugleih die Empfindung, die das spezielle Stoffliche erregt, malerish hervor zu bringen wußte, Sowohl in der Foun, als auch in der Lage und Verbindung der Linien drückt sich in diesem Kupferstich ein posi- tives Verständuiß des Originals in ciner Weise aus, daß derjenige, welcher mit den Eigenthümlichkeiten des großen Titian's näher vertraut ist, eine ge- uußreiche Reminiscenz, und der Mindergeübte bei genauerer Besichtigung dieses {hönen Blattes eine bessere Einsicht zur wahren Würdigung des im Original s{hwerer Verständlichen gewinnen wird. Judem durch dieses Weik Mandel's die Unzulänglichkeit jeder anderen Manier im Vergleich zur Li- nienmanier aufs Neue in die Augen springt, da der Neichthum der hier ge- botenen Mittel ein weites Feld für die ariistische Freiheit cröffnet, durch welche lediglih das durch die Anschauung speziell Empfundene wahr darge- than werden kann, halten wir uns sür um ssto verpflichteter, diesen Kupfer- stih besonders zu empfehlen, als wir ihn als einen wesentlihen Beitrag zum Gewinn einer richtigeren Kunstansiht im hohen Grade geeignet finden. Das uns vorliegende Blatt is klar, kräftig und lebenswarm. Möchte der gewandte Künstler, welcher die Kupferstecherkunst der Deutschen so ehrenvoll repräsentirt, fortfahren, sein shönes Talent in ähnlicher Weise, wie bisher, zu entwickeln, wozu ihm in dem vielen Treffliheu, welhes unser Museum enthält, reihe Gelegenheit geboten wird. M, U.

Neapel, 4. Jan. (A. Z) Herr Nicola Corcia, ein talentvoller Gelehrter in Neapel, ist beschästigt, ein neues großes und umfassendes Ge- \chi<tswerk, cine „Storia delle due Sicilie“ in 3 Abtheilungen herauszu-

eben. Die erste Abtheilung wird die Geschichte der ältesten Zeit bis zum ntergang des Reichs des Abendlandes (476) umfassenz die zweite bis

verbreiten fortfuhr? ( f könnte Jhnen sagen, daß die Verwaltung vom 1. März ; gethan hat, daß sie, als fein auswärtiger Krieg mehr zu fürchten war, blos wegen Unterlassung des Antrags bei den Kammern auf die allerein- fachste legislative Bestimmung hinsichtlih eines neuen Konsuls, beinahe den Bürgerkrieg im Lande angefacht hätte,

Opposition stüßen, nicht mehr hold.

dem Sie jeßt nichts wissen® wollen? / | hatte ih mich in einer wichtigen Angelegenheit von Jhnen getrennt, Herr Guizot hatte mir die Nükkehr in das Ministerium angetragen, ih wies

Grundsäße gemeinschaftlich zu vertheidigen ? n wir wir, von der Majouität getrennt , dieselbe Sache vertheidigten? V ( ten: „Das Land is, der Kammer nach zu urtheilen, in zwei fast gleiche Theile gespalten ; die Negierung muß unmöglich werden, wenn sich nicht ein Theil der Kammer mit dem anderen verbindet.“ Vereinigung auf ehrenvolle Weise geschehen ? Stellen vertheilte und damit Ueberzeugungen erkauste? an die uneigennüßigen Ueberzeugungen zu wenden und sie um Aufopferung ihrer Meinung anzugehen. Nur in diesem Sinne verstehe ih die Aufopfe-

Das ging do<h wohl sehr einfa< zu, Und ih nur das nicht

Die zweite Replif des Redners, das Verhältniß des Ministeriums 1 den verschiedenen Parteien betreffend, lautete im Wesentlichen fol=

gendermaßen :

„Jet sind Sie den zweideutigen Lagen, den Verwaltungen, die sich 1m Theil auf die Majorität, zum Theil auf die gemäßigten Theile der Erinnern Sie si< aber an tie Ver-

altung vom 12. Mai, zu der Sie gehörten. Welche Prinzipien haite die

Verwaltung vom 12. Mai, die aus dem Coalitionsstreite hervorging ? Suchte sie nicht si< zum Theil auf die Majorität, zum Theil auf die Op- position zu stützen? ir |

welches si<h nie mit der Opposition verbunden, welches sih von der Majo-

Wenn ein Mitglied der Majorität diefer Kammer,

tät niemals getrennt häite, zu mir sagte: „Man fann nur mit einer

fompaften Majorität regieren ; jeder Gedanke an Reform ist eine gefährliche Täuschung; man täuscht das Land, wenn man von Verbesserungen spricht, die doch unmöglich sindz jedes Ministerium, welches sich auf cinen Theil

ieser Kammer stüßen will, täuscht nothwendig den anderen“; so würde

ich cinen Augenbli> in den Reihen der Opposi- befand, a!s gerade jenes Prinzip, von

Jhnen mich L) v Aber am 6. September (1836)

ion neben

Als wir uns sodann plöglih neben einander wieder- anden, wel<e Grundsäße konnten uns da für den Augenbli> vereinigen ?

Was sagten vir damals, als Wir sag-

Wie konnte nun diese Etwa dadur), daß man Nein, cs galt, sich

ang der Meinungen. Die Minister versuchen, mit einer Partei zu regie- en, Gut, bis jeßt haiten sie eine genügende Majorität, um zu existiren,

Aber wenn man si< nur auf eine Meinung slühßt, die den übzigen feine Zugeständnisse macht, so is man nach meiner Ansicht in einer unfruchtba- ren, hülflosen, ohnmächtigen Lage. r i eine Ansic

die Gründe für die Opposition meiner Freunde, Jch besteige diese Tribüne nicht oft, um diese Gründe auseinanderzu seßen.

Dies die Gründe für meine Ansicht,

Einmal mußte ich es jeßt im. ihretwillen, um meinetwillen thun, Jch beharre auf meiner Meinung ind berufe mich auf die Zukunft,“

Sihung vom 17. Januar. Aus der heutigen Debatte über

die Handels=Angelegenheiten sind no< einige Angaben des Ministers dieses Departements, Herrn Cunin Gridaine, hervorzuheben, mit welchen dieser den ungünstigen Schilderungen des Herrn Vucos wi- dersprach.

„Allerdings“, sagte derselbe, „ergiebt sich im auswärtigen Handel in

Betreff der Ausfuhr eine Verminderung von 105 Millionen ; man muß aber auch in Anschlag bringen, daß in den früheren Jahren bis 1841 all jährlich eine Zunahme desselben stattgefunden hat.

In jenem Jahre belief si< der Umsaß des französischen Handels auf den Werth von 2,178,000,000 Fr, Jener Ausfall erscheint demnach als reiner Zufall , der sich bei einem Geschäft, das allen möglichen Wechselfällen unterworfen ist, sehr leicht er- tiärt. Im Jahre 1826 war Aehnliches der Fall, aber gleich) nachher besserte sich der Handel ungemein rasch. Daß die Ausfuhr nich ‘den Vereinigten Staaten si< um 80 Millionen verminderte, erläutert sih ganz einfach aus der Lage, in welcher jenes Laud sich befunden z der Ausfall von 38 Millionen, welcher auf Spanien kommt, hat seine Ursache în dem zerrütteten Zustande jenseits der Pyrenäen. England hat gleichfalls darunter gelitten, Die französische Einfuhr also hat sich verringert, aber die Ausfuhr is um 20 Millionen gestiegen, und zwar an Rohsteffen, die im Lande verarbeitet und abgeseßt worden sind, Schon daraus ergiebt sich, daß der Wohlstand sich gehoben, wie denn auch der einheimische Markt dem ausländischen im- mer vorzuziehen ist, Der Ackerbau is nah Möglichkeit aufgemuntert wor- denz er is auch, obwohl nicht überall, do<h im Ganzen im Fortschreiten begriffen. Uebrigens soll demnächst ein Zoll-Geseß-Entwurf der Kammer vorgelegt werden.“ L /

Die hierauf folgende, dur<h Herrn Tocqueville angeregte Diskussion der Frage über den Streit zwischen Klerus und Univer- sität und über die daran si< knüpfenden allgemeinen Jnteressen der Religions-= und Unterrichts - Verhältnisse bildete, wig hon erwähnt, eine sehr lebhafte Episode in den Adreß-Debatten. Herr Tocqueville, aus dessen Reden schon Einiges mitgetheilt worden, hielt einen sehr langen Vortrag über diesen Gegenstand. Er sagte unter Anderem t

„Der Krieg, behauptet man, sei zu Endez ih aber behaupte, N „iff nur auf ein anderes Feld hinübergespie!t worden, von dem Felde der Mei- nungen auf das der Interessen. Wenn es jo fortgeht , so werden wir hicr bald niht mehr Idcen und Wünsche, sondern Interessen, Kanäle und Ci- senbahnen vertreten, Der Krieg hat noch cinen anderen Schauplaß ge- wählt; er war srüher politischer Art, jetzt is er philosophisch, religiös, Dies verdient besondere Aufmerksamkeit, Es geht in diesem Augenblicke etwas Neues , Beklagenswerthes vor. Die Freiheit des Unterrichts war die erste Ursache, der Vorwand des Krieges; allein dieser Krieg hat seine Gränzen weit überschritien. Die eine Partei sagt, man greise nicht allein q Freiheit des Unterrichts an, sondern „auch die Freiheit „des C e- danken; die andere beschränkt sich nicht mehr auf die Angelegen- heiten der Universitätz sie greift die Religion an, die Grundsäße, auf denen sie beruht, Js das nicht der alte Krieg zwischen dem Jahr hundert und seinen Glaubensrichtungen ? Diese Lage scheint mir gefährlich,

Nebel, worin sie bisher eingehüllt schlummerte, hervorzuheben und in klares Licht zu stellen. Die neapolitanischen Historiker Capecelatro, Costanzo, Col- lenucci, Summonte, Giannone, Troyli, Grimaldi, de Meo, Canafa, Gian-

nettiasio 2c. behandeln fast alle nur einzelne, größere oder kürzere N schnitte, und erinnern die Neapolitaner lebhaft an Cicero’s Worte: Gdena

enim lustoria literis nostris,“ Herr N, Corcia hat sein T E sl 300 Seiten liegen bereits vor mir mit einer corograßia Ee U U va antica del regno delle due Sicilie begonnen. U - pra mer bil fer der urältesten Zeiten bringt er als Schaupläbe öglichst / S Zäch ßer mannichfacher Handlungen und Eccignisse 1n Bd icht % l di D

nung vor die Augen seiner Leser. Der politischen Die S N thes bürgerlichen, wissenschaftlichen und geistigen M Los V A3 g he K N ¡te soll wie dies leider die Natur der öffentlichen 2 erh ne in Mesem Lande mit si< bringt auch hier ausgeschlossen bleiben. Herr N, Corcia ist ein, besonders durch fleißiges Lesen der alten Klassifer gründlich gebilde- ter Philolog 3 seine Untersuchungen, und Urtheile tragen das Gepräge des Fleißes und einer verständigen gemäßigten Kritik. Die ausländische philo- logische, archäologische, historisch-geographische Literatur i ihm keinesweges fremd geblieben. Niebuhr, Ritter, Mannert, Bunsen, Gerhard, Chaupv, Michelet, Raoul-Rochette, Dupuis, Dutheil, Petit-Radel, Keppel-Craven 2c, werden häufig citirt ; die neapolitanische, man kann sagen die sämmtliche italienische hierher gehörige Literatur is überaus reich und vollständig. Die bis jeyt erschienenen 9 Heste haudeln über den Agro Palmense, Pretuzio und Adriano, über die Regione Vestina, Sabina, Peligna, über das Ge- biet der Marrucini, der Frentani, der Marsi, der Equi, und das 10te Hest beginnt mit den Samnitern » deren Land und Geschichte hoffentlih bald durch neuere Forschungen gründlicher und umfassender, als es bisher gesche- hen, beleuchtet werden wird,

1495 und die dritte bis 1789 reihen. Sein Verdienst wird um o größer

cen Mitteln, die um so s{äpßenswerther, als sie sh als eine reine kunst-

sein, je mehr es ihm gelingt, die älteste Geschichte dieses Landes aus dem

Ih glaube, es wäre weit besser, wenn man \i< an den geseßpmäßigen, heil- samer. Kampf der Parteien hielte. Das Uebel kommt daher, daß jede Partei eine unschlüjsige Masse enthält, welche von der einen zur anderen Richtung s{wankt und so die Gränzlinien verwischt. Dadurch wird der öffentliche Geist verwirrt und Unklarheit erzeugt, Wie kaun man nun die Unschlüssigen zum Anschluß an die eine oder die andere Fahne zwingen? Man muß die neutralen Gebiete unterdrü>en, auf wel<hen man für die Negieruüg sprechen kaun, ohne cs mit der Opposition, für die Opposition, ohne es mit der Re- gierung zu verderben, Grade dieser Charakter der Neutralität zeichnet die órage, die ih angeregt, aus. Alle s{wankenden Geister machen sich dieselbe zu Nußen. Fragt man sie, zu wem sie sich halten, zum Ministerium oder zur Opposition, so sagen sie: wir wollen die Freiheit des Unterrichts und sürch- ten die Jesuïten. Eine vorherrschende Ursache dieser Stimmung der Geister liegt darin, daß Frankreich seit funfzig Jahren viele große Männer, viele große Dinge gesehen hat, und jeßt die Menschen und die Sachen kleiner findet, Darum wendet es sih nun von den Angelegenheiten zu den Spezialitäten, Jhre Politik hatte zuerst die Geister aufgeregt, jeßt langweilt sie dieselben nur z und weil eine große Nation in dieser Unthätigkeit, in dieser Leere uicht ver- harren fanu, o begeistert sie si< für alle Fragen, welche die Negierung nicht zu lösen verstaud. Diese Fragen werden Ursachen der Aufregung, des Kampfes, und diese Ursachen hat die Regierung verschuldet. Die erste jener aufregenden Fragen is die bezeichnete der Freiheit des Unterrichts. Sie mußte, das war leiht vorauszusehen, zur Aufregung, zum Kampfe zwischen Kirche und Staat führen, und denno< hat sie die Regierung dreizehn Jahre lang ungelöst gelassen, Es gab Geseze, Verordnungen, Diese mußten angewendet oder falls sie nicht gut waren, verbessert werden. Daß man sie bestehen licß, ohne sie zur Anwendung zu bringen, mußte Jedermann unzufrieden machen, bei den Einen Furcht erregen, den Anderen Veranlassung zur Klage ge- ben, Die religiösen Congregationen mußten gleichfalls zu aufregenden Streitig- keiten führen. Jch selbst glaube nicht, daß der Staat ein Recht hat, der- gleichen Associationen zu verhindern; aber da sie einmal verboten waren, mußte dies Verbot entweder durchgeführt oder abgeschafft werden. Die Re- gierung that nichts dergleichen, folglih hat sie den Krieg selbst hervorgeru- fen. Ein anderer Fehler der Negierung is ihr Verfahren dem Klerus gegen- über, So wie sich der Klerus als politishe Gewalt behandelt sah, hielten sich einige seiner Mitglieder wirkli für eine politishe Gewalt; sie faßten den für sie und für die Religion verderblichen Entschluß , als Herren zu sprechen z Frankreich fühlte si<h mit Net dur eine solche Sprache ver- let, Indeß gab es ein Mittel, dieser Anmaßung des Klerus zu begeg- nen, Die weijen Regierungen haben ein Mittel, große Umwälzungen zu verhindern; sie schaffen die Mißbräuche ab. Bei aller wahrhaften Ehrfurcht, die ich vor der Universität habe, kann ich die Bemerkung nicht untedrü>en, daß an diesem Justitute Vieles zu verbessern ist. Allerdings hat der Un- terriht im Schoße der Universität seit einigen Jahren unermeßlihe Fort- schritte gemacht ; aber is die Erziehung, welche der Unterricht des Herzens ist, in gleichem Maße vorgeschritten? Gewiß nicht; und gerade die Freunde der Universität theilen meine Meinung, Dieses große Justitut hat die An- grisse, denen es ausgeseßt is, selbst veranlaßt. So weit hätte es die Ne- gierung nicht fommen lassen sollen. Jeßt hat der Krieg begonnen; er is hißig und rührig. Was hat die Regierung gethan? Als sich öffentliche Beamte von cinigen Bischöfen angegriffen, beleidigt, verleumdet sahen, hat der Justiz - Minister geschwiegenz als hierauf cinige Männer im Namen des Staats auftraten und nicht allein den oder jenen Theil des Klerus, nicht allein den Klerus, sondern den Katholizismus selbst, ja das Christenthum angriffen, was hat da der Minister des öffentlichen Unterrichts gethan ? Viele Leute waren über diese Unthätigkeit des Kabinets erstaunt; ich hatte sie erwartet, Aber auf diese Weise is der solchergestalt angeregie Krieg erbittert worden, er hat um sich gegriffen, er hat seine natürliche Gränze überschritten. Was wird nun die Folge sein? Einige glauben , der Kle- rus werde ein für die Regierung beunruhigendes Uebergewicht erlangen z ich sehe eine andere Gefahr vorher: der Klerus wird der Regierung völlig un- terworfen, der Priester in einen Staats-Beamten umgewandelt werden, Das wird das Ende von der Sache sein, Leider hat sich der Klerus von der Nation getrennt; jene Wurzel, die ihn eins an den Reichthum und die Macht fesselte, er hat sie nicht im Volke geschlagen. Durch seine Er- ziehung, seine Sitten, is er inmitten der neuen Gesellschaft ein Fremdling. Die Macht, die er no< behalten konnte, mußte von der Sympathie der Freiheits -Männer kommen, Aber er läuft jeßt Gefahr , diese Sympa- thie zu verlieren, und dann wird er so isolirt dastehen, daß er früber oder später nothgedrungen sich dem Staate in die Arme werfen und si in einen politischen Agenten wird umgestalten müssen. Dann werden wir die ver- werflichste aller Jnstitutionen haben; eine Staats-Religion. Jch kann mich der Furcht nicht erwehren, daß jene so unklug angeregten, so erbittert durch- geführten Streitigkeiten die Herabwürdigung, den Verfall, vielleicht den Um- sturz der religiösen Meinungen zur Folge haben müsse, Nie habe ih ein freies Bolk gesehen, dessen Freiheit niht mehr oder minder tief im religiösen Glauben gewurzelt hätte. Die Freiheit is ja weniger die Tochter der Jnstitutionen, als der Sitten, und die Sitten hängen wesentlih mit der Religion zusammen. Vor vierzig Jah- ren sagte Herr Portalis îm Corps législatif zu Napoleou: „Eine Moral ohne Dogmen is eine Gerechtigkeit ohne Tribunale.“ Das ist für alle Zeiten wahr. Was für eine freie Nation gilt, gilt auch für cine demokratische Nation, wie die unsere, Denn die Demokratie strebt, ihrem Wesen nach, fortwährend und mit Energie, den physischen und moralischen Zustand aller Klassen der Bürger zu hebenz ihr Charakter besteht darin, daß sie in die untersten Tiefen der Gesellschaft hinabsteigt, um den Unglücklichen zu helfen, die Schwachen zu stärken und die Furchtsamen und Unentschiede- nen zu ermuthigen. Zu einem solchen Werke aber braucht man die Unter- stüßung des religiösen Glaubens. Der Philanthropismus allein kann eine solche Aufgabe nicht genügend lösen, Selbst der Klerus aller Bekennlnisse genügt kaum zu diesem Werke, Genug, weil ih fürchte, daß Prinzipien, in welchen ih die Grundlagen der Gesellschaften erkenne, durch diesen Kampf geschwächt werden müssen, stimme ih nicht für den ersten Paragraphen, der ungeachtet der derzeitigen Lage der Landeswohlfahrt und des Glaubens eine unbegränzte Heiterkeit athmet,“

Herr Villemain, Minister des öffentlichen Unterrichts: Der ehren- werthe Nedner hat seinen Gegnern alles Unrecht zugleich, selbst das entge- gengeseBteste, zuschieben wollen, was unmöglich is, wie groß auch der gute Wille dazu sein möge, Er hat uns vorgeworfen, das Land von den poli- tischen Bewegungen abgewendet, es zu sehr beruhigt zu haben, und zugleich hat er auf die Verwaltung die Schuld aller Bewegungen, die sich kundge- geben, wälzen wollen. Aber konnte sie zugleich dem Lande den Wohlstand, die Muße des Friedens geben und die Freiheit, welche stets und überall diesen Wohlstand erzeugt, hindern? Der Neduer hat sich hier in seinen Gedanken etwas verwirrt, Auf solche Art vernünfteln, heißt den Grundsatz wollen und die Folgen leugnen. Jn der Masse der widersprehenden Vor- würfe, die er gegen die Verwaltung aufgehäuft, habe ih, ih gestche es, seine eigene Politik nicht erkennen fönnen. Er chien mir sich hinter die Grundsäße einer großen katholischen Fieiheit zu flüchten, um nicht seinen ganzen Gedanken sagen zu müssen und allen Meinungen \<meicheln zu können. Diese Angriffsweise kann geschi>t, sinnreich, gelehrt sein, aber sie ist, ih sage es ohne Bedenken, der Aufrichtigkeit uicht angemessen, welche sih auf dieser Tribüne geziemk. Herr von Tocqueville hat uns ferner ge- sagt: Achtet, haltet den Unterzicht der Laien aufrecht, lasset ihn nicht ver leumden; und doch hat er Jhnen die Universität als voller Fehler und schwerer Nachtheile dargestellt, welche doch dessen Ausdru> is , der ruhm- volle Ausdru, sage id, indem ich mich aller ausgezeichneten Männer, die sie berühmt gemacht, erinnere und mich selbst vergesse. Aber warum bezeich- uen Sie nicht diese Fehler? Auf diese Weise handeln, heißt weniger nah der Wahrheit, als nach der Lebhaftigkeit des Angriffs streben; dieses Verfah- ren is eines erhabenen Geistes, eines philosophischen Geistes uicht würdig, Endlich drängt er das nämliche Unrecht, die nämlichen widersprechenden Vor- würfe, welche er gegen verschiedene Akte, gegen verschiedene Thatsachen vereinigt, mit mehr Kraft auf einen Punkt zusammen: auf die Frage der Universität in ihren Beziehungen zu dem Klerus. Er führt die Unthätigkeit der Regierung in dieser Hinsicht an. Aber Jeder weiß, daß eine strafbare Sache von dem Gesichtspunkte des Uebels , das“ sié verursacht, gewürdigt werden muß. So kann und darf in Preßsachen z, B. nicht Alles, was strafbar is, verfolgt werden, Nur wenn der Angriff einen gewissen Charakter von Sträflichkeit annimmt, ist Grund zu strafen vorhanden. Aber, sagt man, gegenüber einer gerichtlichen, gegen die heftigste der über diese Frage veröffentlichten Schrif- ten gerichteten Verfolgung hatte Schwäche, eine Pflichtverlebung von unserer Seite statt, weil von einem öffentlichen Lehrstuhle herab, der frei zu allen

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legt hat, ein Angriff gegen das Christenthum stattgefunden haben soll; weil die auf diesem Lehrstuhl gesprohenen Worte nicht der Gegenstand eines Tadels von unserer Seite gewesen sind; weil wir niht eine Strenge eniwi>elt haben, die Sie ohne Zweifel getadelt haben würden, wenn wir sic entwi>elt hätten! Sie würden wahrscheinlich das Nämliche an unserer Stelle gethan haben, J überlasse dem Großsiegelbewahrer die Wahl des Augenbli>s, wo er auf die gegen ihn gerichteten Vorwürfe wird antworten müssen; aber i< will die ersten Beschwerden nicht unbeantwortet lassen, wodur der Redner auf seine Angriffe vorgespielt hat, Er hat behauptet, das Land überlasse sich jeßt religiösen Zwistigkeiten, weil es {lafe, weil wir seinen ganzen Eifer für politische Fragen hätten verlöschen lassen. J es wohl außerordentlich, daß in einem Lande der Freiheit und Diskussion sich Streitigkeiten über solche Gegenstände erhoben haben? Muß hierzu die Regierung das Land eingeschläfert haben? Jch habe nie sagen hören, daß die Regierung Ludwig's X1V. aus Mangel an Thätigkeit gesündigt habe, und doch haben die religiösen Zwistigkeiten jenem Jahrhundert nicht ge- fehlt! Jch brauche den Redner nuit an den großen Namen Port - Noval zu erinnern; isst es auffallend, daß in einem Lande, wo die Thätigkeit der literarischen und philoscphishen Polemik aufs Aeußerste erregt is, Debatten sich erzeugen, welche vielmehr das Werk der Journale als des Landes sind, Ein philosophischer Zwist, sagt man, hat die alten politischen Zwistigkeiten erseyt. Ach, meine Herren, wissen wir nicht, welcher Umwandelungen der Oppositionsgeist fähig is, und wie geschi> er si<h zu verkappen weiß ? Glauben Sie z. B., daß, wenn ein großer und berühmter Agitator, den die Geschichte beurtheilen wid, den zu beurtheilen mir hier nicht zusteht, in der außerordentlichen, unmöglich zu verwirklihenden Bewegung, die er un- ternimmt, ein Mittel findet, si diescs inneren und ganz s<olastis<hen Streites, wie ihn Herr von Tocqueville selbs nennt, zu bemächtigen z glau- ben Sic, daß, wenn er die Universität in seinen Angriff micht, wenn er sie der Gottlosigkeit beschuldigt, wenn er zugleich in diesem Angriff einen Ausdru des Zweifels und der Feindseligkeit gegen eine Dynastie verste>t,

die wir feierlih angenommen und dic Jhre Adresse von neuem inaugurirt ; glauben Sie, sage ih, daß darin nicht der Pariteigeist liegt, der sich der Maske des religiösen Geistes bemächtigt ? : Herr von Tocqueville: Jh werde O'Connell und Ludwig XlV, bei Seite lassen, um in sehr wenigen Worten zu antworten, Der Herr Minister hat meine Aufrichtigkeit in Zweifel gezogen z ih hätte gewünscht, daß er selbst auf eine vollstäudigere und, ih wage es zu sagen, aufrichtigere Weise geantwortet hätte, Es i mir nicht möglich, in alle Details der Frage einzugehen; allein ih drü>e, wie ih glaube, eine allgemein getheilte Meinung aus, wenn ich sage, daß die Universität viel zu wünschen übrig läßt.

Herr Villemain: Ein ernstgesinnter Mann darf keine fkollektive Be- \chuldigung, ohne etwas deutlich anzugeben, auf eine ganze Körperschaft da- durch ausdehnen, daß er si< auf eine öffentliche Meinung beruft, die sich in sehr verschiedenem Sinn äußert; eine öffentliche Meinung, die man un- aufhörlich in Zweifel ziehen kann, und die übrigens gerade dieser großen Körperschaft günstig ist, Jn der That, meine Herren, glauben Sie, daß im Lande cin Zweifel über die wirflih moralische Erziehung besteht, welche die Universität giebt? Seit diese Polemik angeregt worden is, hat sich die Zahl der der Universität anvertrauten Zöglinge beständig vermehrt ; diese Vermeh- rung belief sih auf 3000 im Jahre 1842 und auf 2000 im Jahre 1843, Herr Chambolle: Jh schließe mich nicht allen Worten des Herrn von Tocqueville an. Das Lehrer - Corps hat sich stets auf der Höhe seiner Mission gezeigt. Jndeß giebt es einen Fehler in seiner Organisation. Eine Thatsache hat ihn aufgede>t; kürzli haben die Bischöfe gedroht, die Al- moseniere (Kapläne) aus allen Kollegien zurückzuziehen. Die Almoseniere sizd es, welche den moralischen Unterricht ertheilen; warum ertheilen sie ihn allein? Nehmen wir die Mithülfe des Klerus an, wenn er sie auf eine freie, ehrenvolle Weise leistet; aber man wisse auch, wenn er sie verweigert, sie zu entbehren.

Herr Villemain: Diese Debatte i} heilsam und gut; ich beklage mich nicht, daß sie sich verlängert. Kein Almosenier is bis jeßt zurückge- zogen worden, Der ehrenwerthe Redner hat dem Charakter der Mitglieder der Universität Achtung gezollt und zugleich von der Unzulänglichkeit der Universitäts - Erziehung gesprochen z er ist in Widerspruch mit sich selbst ge- fallen, Wollen Sie in die Kollegien mit der moralischen Erziehung beauf- tragte Männer einführen? Diese Combination würde nicht möglich sein. Die mit dem Unterricht beauftragten Männer müssen zugleich die moralische Erziehung mit dem Ansehen ihrer Stellung und ihres Talents ertheilen,

Herr Corne: Jch lasse der Universität Gerechtigkeit widerfahren, al- lein sie läßt in Bezug auf die Erziehung no<h Manches zu wünschen übrig. Eine große Anzahl Familienväter seßen kein Zutrauen in sie und schi>en ihre Kinder îns Ausland. Die ausgezeichneten Männer, welche das Leh rer-Corps bisdeu, haben si<h durch die Wissenschaft erhoben, und folglich ist die Wissenschaft ihre erste Beschäftigung geworden. 4 : Herr Dubois weist den Gedanken, eigene Professoren der Moral, eine Art von Laien - Klerus, zu kreiren, zurü>, Wenn der Klerus die Almose- niere zurüzöge, sagte er, so gäbe es Gesetze, ivorauf die Negierung sich zu berufen {wissen würde, i: 5

Hiermit {loß diese Debatte, und die Abstimmung über den er- sten Paragraphen wurde auf den nächsten Abend vertagt.

R Sißung vom 18. Januar. An diesem Abend boten die Debatten wenig Juteressantes dar. Zuerst entspann si< wieder eine Diskussion über den Zustand des Handels und der Industrie zwischen Herrn Beaumont und Herrn Cunin Gridg ine, deren hon Erwähnung geschehen is, und die in ähnlihen Behauptungen und Widersprüchen verlief, wie die über denselben Gegenstand am Abend vorher. Eben so war eine andere Debatte zwischen Herrn Billault

ungeachtet seines unverglcihlihen Talents ließ seine temporäre Majorítä, ihn sehr bald im Stich. Das Ministerium, dessen Haupt Herr Thiers war, und welches jener Tendenz den Sieg zu verschaffen strebte, ist zweimal bei ernsten Fragen der auswärtigen Politif gestürzt, weil es nur von einer zu- fälligen und lose zusammenhängenden Majorität unterstüßt wurde. (Zur Linken: „Die Niederlage fand nicht vor der Kammer statt“, Herr Dumon: „Das Ministerium vom 22. Februar 1836 scheiterte vor der Kanîmer ““. Herr Thiers: „Nein, das is unrichtig, “) Nachdem das Ministeriuum vom 22. Februar sih zurü>gezogen hatte, erschien es später von neuem vor der Kammer; es verlangte von ihr ein Votum gegen das, an dessen Stelle es trat, die Majorität aber folgte ihm nicht“,

Der Minister rechtfertigte das Kabinet dann no< gegen den Vorwurf, daß es nichts durhzuseßen im Stande sei und si< doh niht zurü>ziehe ; die Maßregeln, hinsichtlich deren dasselbe der dage=- geu erhobenen Opposition nachgegeben habe, seien feine solhe gewe- sen, bei denen es si< um ein wichtiges politisches Prinzip gehandelt hätte, sondern nur Fragen von materiellem Jnteresse, welhe man, wenn si<h Einwendungen dagegen zeigten, füglih einer neuen Prü- fung unterwerfen und sie dann der Kammer von neuem vorlegen fönne, ohne si< dadur< zu kompromittiren; so werde es mit dem Geseß =- Entwurf über die Eisenbahnen geschehen; in ande- ren ähnlichen Fragen, wie in der Zud>er - Frage, habe das Ministerium eben deshalb \si< den überwiegenden Ansichten der Kammer gefügt, weil es bei einer Angelegenheit dieser Art uicht die politishe Unterstüßung der Majorität habe fordern können. Vie Stimmen für und gegen jene Geseße hätten niht der Majori- tat und der Opposition, sondern dem A>kerbau und dem Handels- Interesse angehört. Als der Minister seine Rede beendigt hatte, wurde, wie {on erwähnt, der erste Paragraph des Adreß-Entwurfs, mit Beseitigung aller Amendements, unverändert angenommen.

__ Paris, 19. Jau. *) Die legitimistischen Blätter haben vor- gestern neuere Nachrichten aus Görz über das Befinden des Herzogs von Angoulème erhalten, Se. Königl. Hoheit is danach in der Besserung, und die Aerzte sind mit dem jeßigen Zustande ihres er= lauchten Patienten sehr zufriedeu. Sie hoffen ihn bald ganz her- zustellen und wollen ihm dann für den Sommer den Gebrauch eines

e

südlichen Seebades empfehlen,

Grossbritanien und Irland.

London, 17. Jan. Der Hof isst gestern von Claremont nah Windsor zurückgekehrt.

In Jrland hat eine zweite Versammlung von Katholiken in Drogheda stattgefunden, welcher der katholische Primas von Jrland, Dr. Crolly, präsidirte, und auf welcher eine zweite Petition an die Königin, wegen Schußes der den Katholiken zugesiherten Rechte, au- genommen wurde. Man sieht diese Rechte in Folge der Verwerfung der katholischen Geschworenen in dem O'Connellschen Prozesse von Seiten der Regierung gefährdet, weil man allgemein der Ansicht ist, daß jene Geschworenen niht auf Grund ihrer Theilnahme an der Repeal - Bewegung, sondern ihres Glaubens wegen, von der Jury ausgeschlossen worden seien. Ein zufälliger Aus\pruch des jeßigen General -Prokurators, Herrn Smith, vom Jahre 1837, hat diese Ansicht zur unwiderlegbaren Ueberzeugung bei dem Volke erhoben, wel<he dur< O'Connell's Deutung des Verfah= rens der Regierung no<h bestärkt worden i}, Herr Smith hatte bei Gelegenheit geäußert: „Es thut mir leid, daß wir dur<h die Verhältnisse gezwungen sind, zu glauben, daß die römischen Katholiken wenig auf die Heiligkeit des Eides ach= ten‘’, und O'Connell hat in der vorgestrigen Versammlung des Repeal = Vereins, welcher er nah der Sizbung des Gerichts noch beiwohnte, erklärt, daß nah diesem Grundsate des General = Proku-

und Herrn Dumon, dem neuen Minister der öffentlichen Bauten, der bei dieser Gelegenheit zum erstenmele als Minister s{{< vernehmen ließ, fast nur ein Wiederhall der gegenseitigen Recriminationen, welche zwischen Herrn Thiers und Duchatel gewechselt worden, Herr Bil- lault namentlih wiederholte nur die Vorwürfe, welhe Herr Thiers dem Ministerium gemacht hatte. Die Antwort des Ministers Dumon war sehr bestimmt und entschieden gehalten; wir theilen daher aus derselben no<h einen Auszug mit.

„Unsere Stärke“, sagte der Minister, „besteht darin, daß wir dieselben Prinzip/en wie die Majorität der Kammer vertheidigen, Ein politisches Band umschlingt das Kabinet und die Majorität. Weil die Majorität sich durch das Kabinet unterstüßt und gekräftigt fühlt, unterstüßt und kräftigt es dieselbe seinerseits cbenfalls. (Beifall.) Man fragt, warum die Ma- jorität mit dem Kabinet ist? Weil, als das jetzige Ministerium ans Ruder fam (am 29, Oftober 1840), die Majorität dur<h die von dem (Thiers- chen) Ministerium des 1, März (1840) nach innen und außen befolgte Politik sehr beunruhigt warz sie unterstüßte dasselbe, weil sie fühlte, daß das Kabinet vom 1. März das Land in innere Unruhen und auswärtigen Krieg stürzez sie sah ein, daß die innere Bewegung nicht Fortschrüit, sondern Anarchie war, und daß die auswärtige auf Krieg hinzielte. (Unterbrechun g auf der linken Seite, Herr Leon de Malleville und Herr Havin rufen zu gleicher Zeit: „Sie beschuldigen also das Kabinet vom 1. März, daß es revolutionair gewesen?) Jch flage- eine Ver- waltung nicht an, in deren Reihen ih Freunde hatte und noch habe, ih klage sie nit revolutionairer Tendenzen an, ich sage nur, daß sie eine Bewegung begünstigte, die für den Frieden Frankreihs und Europa's hätte efährlih werden können. Die M- jorität aber war der Meinung, daß der rieg, mit dem wir bedroht wurden, von den Interessen des Landes nicht erheischt werde, sondern ein Krieg des Wagunisses und der Laune wäre, (Beifall,) Die Majorität unterstüßt also das jeßige Kabinet, weil es die Ordnung hergestellt und alle Ungelegenheiten beseitigt hat. Es bestehen zivei politische Nichtungen , zwei parlamentarische Tendenzen , die eine sucht jene alte Majorität zu vergrößern, welche die Juli-Regierung geschaffen und aufrecht erhalten hatz die andere möchte eine Majorität aus neuen Ele- menten gründen, Mit diesem System ist mehrmals ein Versuch gemacht worden, er hat aber nie ein dauerhaftes Resultat gehabt. Es ist unmöglich, eine unabhängige Majorität ohne einige abweichende Meinungen zu finden, denn wenn sie au<h über das System des Konserva- tismus übereinstimmen, so werden sie do über Fragen von untergeordneter Bedeutung oft verschiedene Ansichten hegen. Die Majorität weiß sehr wohl, daß auch ein dritter Sieg der Gegner des jeßigen Kabinets nicht von län- gerer Dauer sein würde, als ihre beiden früheren Siege. Die Unterstüßung

Zeiten war, an den selbst die Restauration nur ein einziges Mal Hand ge-

der Politik des Herrn Thiers war nur eine fünstlih hervorgebrachte , und

rators die Verwerfung der katholischen Geschworenen stattgefunden habe, und somit die dur< die Emancipations - Akte den Katholiken zugesicherten Rechte verleßt seieu. Was O'Connell dieser Versamm- lung mittheilte, <harafterisirt die neue Volks - Bewegung Jrlands und die Stimmung über das Verfahren der Regierung. „Jch muß die Gesellshaft aufmerksam machen“, sprach der Agitakor „auf die große Bewegung der Katholiken, welhe zum Zwe> hat, für die fatholishe Bevölkerung Jrlands einige geseßliche Garantieen für den Genuß der dur< die Emancipations = Akte gewonnenen Nechte zu erlangen, na<dem der General-Prokurator in meinem Prozesse praktisch die Gewährung eines der {äßbarsten dur< jene Afte gesicherten Rechte verweigert hat. Jh will nicht leugnen daß der General-Prokurator von der Königlichen Prärogative geseb- lih einen sol<hen Gebrauh machen fann, als wie er ihn durch die Ausschließung der Katholiken von der Jury gemaht hat, aber die noralishe Eigenschaft einer solhen Handlungsweise is eine ganz an= dere Frage, und es erscheint für die Katholiken Jrlands durchaus nothwendig, sowohl für die Erhaltung ihres Lebens, als ihrer Freiheiten und threr Güter, die katholische Agitation fortzuseßen, bis eine geselz- lihe Garantie gegen eine ähnlihe Ausübung der Königlichen Präro= gative für die Zukunft gewährt worden is. Die Katholiken haben sich über zwei Dinge zu beschweren: erstlih über die Wegstreihung aller Katholiken aus der Spezial-Jurgliste, Der Grund, welchen man dafür angiebt, is fals; die ausgestrihenen Judividuen sind keine Repealer. Aber selbs dann, wenn sie an der Repeal - Bewegung Theil hätten, wäre die Entschuldigung nicht statthaft, weil ein fünftiger General - Prokurator sie gleihfalls seiner Handlungs- weise zum Grunde legen könnte. Ein anderer Grund zur Beschwerde für die Katholiken ist das Verschwinden von 63 Namen qus dem Geschworenen - Verzeichuiß, von denen 35 achtbaren Katholiken und 28 meistentheils liberalen Protestanten angehören, Selbst einer der Richter hat diese Erscheinung nicht von Verdächtigung frei gehalten. Wie dem aber immer sein mag, so viel is klar, daß die Katholiken darauf dringen müssen, daß eine Wiederholung ähnlicher Fatalitäten ver= mieden werde. Wie die Sachen jeßt stehen, entbehren die Katholiken Jr= lands jeder geseblihen Garantie für eines der häßbarsten Rechte, das wir erlangt zu haben glauben, nämlich ein ordentliches sektenfreies Verhör durch das Geschwornengericht, Meine Absicht geht nun dahin, die Ver= sammlung zu überzeugen, daß die Mitglieder des Repeal=-Vereins als Re= pealer niemals mit dieser katholishen Agitation gemeinsame Sache machen dürfen, sondern daß diese Agitation durchaus getrennt und ohne Verbindung mit der Repeal-Frage behandelt werden mußz der Repeal foll in den Versammlungen der Katholiken wo möglich gar nicht erwähnt werden, denn die Verleßung der Rechte der Katholiken wird von Vielen getadelt, welche keine Repealer oft sogar Anti-Re=

pealer sind. ‘‘ S < weiz.

Luzern, 17. Jan. Gestern Abend verschied in hohem Alter der Alt - Schultheiß Vincenz Rüttimann , eine jener winn ehrwiür= digen Gestalten, die von Alt-Luzern no< übrig sind. Wenige Män=- ner werden in der Eidgenossenschaft existiren, die einen in der neueren Geschichte der Schweiz so interessanten Lebenslauf vollbracht haben.

GrieshenlandD.

2 Athen, 6. Jan. Nachstehend theile i< Jhuen eine Ueber= sebung des so eben bekannt gewordenen Entwurfs unserer neuen Verfassung mit. Er lautet : : 2

*) Die pariser Post is heute auf dem gewöhnlichen Wege ausgeblieben,