1844 / 29 p. 3 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

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ziehung auf die

¡ittel in Erwä u ziehen, wie die Zoll- und Verkehrs-Verhält- m ite schen be e fia "nah Braunschweigs veränderter Lage 27 deu dadur herbeigeführten, so überaus s{<wierigen Zollgränzen am förderlihsteu zu ordnen seien. Es ergab si durch den ersten Bli> auf die Landkarte, daß, wenn Hannover seine südlichen Landes- theile, die Fürstenthümer Göttingen und Grubenhagen nebst dem Oberharze, dem Zoll - Vereine überweisen wollte, sih dann eine sehr angemessene Zollgränze bilden würde, und da, dem Vernehmen nach, diese Landestheile si< wegen ihrer A>erbau- und gewerblichen Juter= essen einer Verbindung mit dem Zoll - Vereine geneigt zeigten, fonnte Preußen nicht Anstand nehmen, Hannover um Erklärung zu ersuchen , ob eine sol<he Verbindung seinen Absichten entsprehe. Aus der hannoverschen Antwort zeigte si< deutlich, daß dieses nit der Fall sei; eben so wenig wollte aber au< Braunschweig auf den von Hannover gemachten Vorschlag eingehen, seinen Harz= und Weser- Distrikt bei dem jenseitigen Vereine zu belassen. Dem Gesammt= Interesse des Zoll-Vereins entsprah das Eine und das Andere, und da es si< zunächst um die Gränzen und Jnteressen Hannovers und Braunschweigs handelte, so war man gern bereit, die Regulirung der Angelegenheit diesen beiden Staaten zu überlassen. Braunschweig wies indeß darauf hin, daß sein Harz- und Weser-Distrikt, etwa den dritten Theil seiner Gesammtlande enthaltend, mit dem Hauptlande dur das Band der Verfassung, der Administration, des Verkehrs auf das engste verknüpft sei; daß, wenn das Hauptland ohne diese Di=- strikte fd dem Zoll - Vereine anslö}se, in alle diese Verhältnisse störend eingegriffen würde und endlih die Stimmung und der Wunsch der Unterthanen entschieden für die Aufnahme aller Landestheile in den Zoll - Verein sei, Diesen Vorstellungen gab Preußen na<h. Es trat indeß ein Umstand dazwischen, der Hoffnung zu einer glücklichen Vermittelung erwe>te, Hannover hatte in nicht zu weiter Ferne eine E beider Zoll- und Steuer = Systeme in Aussicht gestellt. Jn einem Verhandlungs-Protokolle vom September 1841 hatten die B hannoverschen Kommissarien, unter Berufung auf dazu aus- drü>li<h erhaltenen Auftrag, das Zutrauen ‘gegen ihre Regierung in Anspru< genommen, „daß dieselbe sowohl in den augenfälligen wichtigen Ergebnissen, welche die dur< den Zoll - Verein bezwe>te fommerzielle Einheit Deutschlands in politisher Hinsicht niht minder, als in Beziehung auf die nationale Jndustrie, hervorzurufen geeignet sei, als in den fo glü>klih bestehenden freundschaftlihen Verhältnissen zu Preußen die dringendste Aufforderung finde, si<h dem Vereine anzuschließen, sobald niht mehr Gründe von über= wiegender Wichtigkeit sie davon zurüc>hielten./ Die Zweifel in Be= Zeit, welche für die Herzoglih braunshweigishe Re= gierung hierin no< übrig blieben, um auf diese Erklärung hin den Harz=- und Weser = Distrikt einstweilen no< bei dem Steuer = Vereine zu belassen, wurden in einer ferneren amtlihen Erklärung der Königl. hannoverschen Kommissarien dur<h die Namens ihrer Regierung er- theilte Zusage der baldthunlihsten Eröffnung von Ver- handlungen wegen des Beitritts Hannovers zu dem Zoll-Vereine, und durch deren Versicherung gehoben: „daß die Königlih hanno- vershe Regierung es si<h werde angelegen sein lassen, die Hindernisse, welche den Beginn der Verhandlungen verzögern und der Erreichung einer Vereinbarung \sih entgegenstellen, so viel in ihren Kräften steht, zu beseitigen.“ Diese Aenstérangen wurden von Oldenburg ausdrüc- li<h bestätigt, das aber, landwärts umschlossen von Hannover, sich nicht einseitig, ohne lebteres, zum Zoll-Vereine wenden konnte, Durch den im Oktober 1841 abgeschlossenen Vertrag trat hierauf Braunschweig mit seinen gesammten Landen (einige Parzellen ausgenommen) dem Zoll- Vereine vom 1. Januar 1842 an bei, allein mit Hinbli> gu jene Erkflärun= gen Hannovers ließ es si<h bewegen, seinen Harz= und Weser-Distrikt noch ür das Jahr 1842 in dem Steuer-Vereine zu belassen, und im Zu= A enbau hiermit wurden die Verträge zwischen dem Zoll-Vereine und dem Steuer =- Vereine vom November 1837 mittelst eines am 47. Dezember 1841 abgeschlossenen Vertrages im Wesentlichen und unter den dur< den Uebergang der braunshweigishen Hauptlande zu dem Zoll-Vereine nöthig gewordenen Modificationen erneuert.

Der dringende Wunsch der Herzoglich braunshweigischen Regie= rung war indeß, sih über die Zukunft des Harz= und Weserdistrifts, dieses seines verhältnißmäßig bedeutenden Landestheils baldmöglichst aufzuklären und mit Ungeduld sah dieselbe daher der Eröffnung der Verhandlungen, auf welche Hannover hingedeutet hatte, entgegen. Allein Hannover zögerte bis zum August 1842, Aus manchen Um- ständen ließ si< entnehmen, daß wenn in Hannover je eine ernste Hinneigung zum Zoll -Vereîne obgewaltet hatte, si< im Laufe des Jahres 1842 die Stimmung bedeutend verändert und von dem Zoll= Vereine abgewendet hatte. Man berief si< auf die angebli sehr ungünstigen Eindrü>e, welhe die Zoll-Veränderung und hauptsächlich die Einforderung einer Nachsteuer in der Stadt Braunschweig selbst hervorgebracht habe, und wollte übersehen, daß Klagen über die ver- leßten Jnteressen und über verfehlte eigennüßige Speculationen man-= her Gewerbtreibenden eben no< niht als Landes-Beshwerden ange- es werden können, daß aber die Einforderung einer Nachsteuer nur ur< den plöplihen Beitritt Braunshweigs zum Zoll=Vereine gebo- ten war.

Zu c 4 Verhandlungen über deN Anschluß Hannovers an den Zoll-Verein i es nicht gekommen;z allein um seinen Erklärungen vom Jahre 1841 zu genügen, ließ Hannover aht Bedingungen auf- stellen, nah deren Eingehung Seitens des Zoll-Vereins es sih seinen weiteren Entschluß vorbehalten wollte. Unter diesen Bedingungen waren einige, über die eine Verständigung thunlich erschien, und es anden Besprechun en darüber mit einem hannoverschen Kommissarius

att. Allein die Baayt-Bedinguagen waren der Art, daß Hannover von vornherein erklärt werden mußte, der Zoll-Verein könne darauf

nicht eingehen. Hannover bestritt, daß die Vertheilung der Zoll-Re- [8

venüen nah der Kopfzahl der Bevölkerung ein angemessener Thei= lungs - Maßstab für s Land sei, weil daselbst die Consumtion hojbesteuerter Gegenstände, namentli von fremdem Wein, von Kaffee, Taba, sehr bedeutend höher sei, als in den Ländern des Zoll-Ver- eins; wegen dieser Mehr - Consumtion wurde ein ansehulihes Präzi= puum angesprochen; für die Verluste an Transit-Zöllen näch dem An-= \{<lusse ward Entschädigung verlangt, und nach den Ar und Gewohnheiten der Hannovraner eine Herabseßung der Zoll-Vereins= Tarissähe von den Kolonial- Waaren und Wein um mehr als die Hülste für unerläßlich erklärt, Kein Staatêmann Hannovers hat glan- ben können, daß auf dieser Grundlage über den Beitritt zum Zoll- Vereine zu verhandeln sei, und Preußen wäre wohl gleich Anfangs berechtigt gewesen, diese Vorschläge nur als die Form anzusehen, un= ter der von Hannover die Erklärungen des Jahres 1841 zurüdge- Due eie wurden. Nichts hatte Hannover zu der Meinung berechtigt, ex Zon-Beréin wolle seinen Beitritt mit baarem Gelde uud mit einer günz pot y Umgestaltung seines Zoll-Systems erkaufen. bob A Outeden Preußens, und um selbst dem Anscheine no< \{<we= ender Unterhandlungen mit Hannover die äußerste Berücksichtigung u gewähren, entschloß si indeß Braunschweig ganz am Schlusse des ahres 1842, seinen Harz- und Weser - Diftrift au no< für das lgende Johr im Steuervereine lassen, jedo „mit der Erklärung Vi der ube L Landestheils und dessen ‘Zutritt zum Zoll- erein unausbleibli< mit dem 1, Januar 184 erfolgen werde, wo-

r die Bedingungen in der Hauptsache Dltober 1841 verabredet worden Va. Bin ‘Entschlusse folgte

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die Erneuerung der Verträge zwischen beiden Vereinen vom 17. De- zember 1841 no< für das Jahr 1843.

Im März +843 wies Preußen no< einmal darauf hin, daß wenn Hannover seine südli<h vom Harz- und Weser-Distrikte Braun=- \{weigs belegenen Landestheile dem Zoll-Vereine überwiese, für die hannoverischen Hauptländer mit Oldenburg ein abgesondertes Zoll- System sehr wohl fortbestehen könne. Es genügte aber die Erklä- rung Hannovers, dasselbe wolle jene Landestheile niht von seinem Steuer-Vereine trennen, um diesen Vorschlag gäuzlih fallen zu lassen. Allein die Aufgabe war nunmehr, ungeachtet der Verwi>elung der Zoll-Gränzen, herbeigeführt dur< den Zutritt des braunshweigischen Harz= und Weser=-Distrikts zu dem Zoll-Vereine, die Zoll- und Ver- kehrs-Verhältnisse beider Vereine zu einander mit möglichster Berüd- sichtigung aller Juteressen zu orduen.

__ Der Zoll-Verein bot dazu freundlih die Handz derselbe war be- reit, die mit dem Jahre 1843 ablaufenden Verträge von 1837 und 1841 zu erneuern, und Braunschweig insbesondere erbot si<, seinen ganzen Weser - Distrikt in dem Steuer =- Verein zu lassen, wenn Han- nover dagegen durch Ueberweisung einiger hildesheimischen Aemter an den Zoll-Verein dem Herzoglichen Harz- Distrikte eine verkehrs = und zollfreie Verbindung mit dem braunschweigischen Hauptlande gewäh- ren wolle,

Schon im Mai war Hannover damit bekannt gemacht, daß die eventuelle Absicht des Zoll-Vereins sei, im Weser-Distrikte den Zoll- Vereins - Tarif mit dem Zoll = Geseße und der Zoll -= Ordnung einzu- führen, dagegen bei der -sehr {wierigen Gränzbewachung im Harz- Distrikte die Eingangs-Zölle nur nah geringeren Säßen zu erheben, Man wollte si< in Hannover nicht überzeugen, daß der Zoll - Verein diese leßtere Maßregel, geleitet" lediglih vou seinem Juteresse, traf, vielmehr fand man darin einen feindseligen Angriff auf Hannovers Zoll- System, einen Angriff, der mit Repressalien gegen den Handel Braunschweigs erwiedert werden, und bei denen jede Mitwirkung der Regierung gegen einen lebhaften Schleichhandel nah dem Zoll = Ver- eins-Gebiete an allen Gränzen Hannovers fortfallen müsse. Es fehlte niht an Drohungen und anderen Aeußerungen der Leidenschaft, und inzwischen wurde die bffentlihe Meinung dur Zeitungs=Artikel, Bro- shüren und Bücher gegen den Zoll-Verein aufgeregt. Die Empfind= lihkeit Hannovers ist erklärli<, allein für die Weisheit der Regierung schien es die Aufgabe, die Folgen eines unvermeidlihen Uebels müg- lihs zu mildern.

Preußen hat sih nie beklagt, daß Hannover einen Zoll-Tarif mit Säßen von mehr als die Hälfte geringer als die preußischen bei sich eingeführt hat; man sah darin nur eine den Verhältnissen und Jnteressen des Nachbarstaats angemessene Maßregel. Da aber der Zoll-Verein gestattet, daß Braunschweig in einem kleinen, {wer zu bewachenden Landestheile einen Zoll-Tarif einführt, der in einigen Säßen geringer ist, als der hannoverishe, muß man die unwürdige Vorausseßung hören, es handle si< um eine Niederlage für den Schleichhandel nach den Gränzlanden Hannovers. Die Entgegnung, daß Preußen im eigenen Juteresse (für das östlih gränzende halberstädtische) und in getreuer Handhabung des Zoll - Kartels den Schleihhandel im Harz= Distrikte Brauuschweigs und Waaren = Niederlagen, die zu diesem Zwecke benußt werden könnten, nicht dulden werde, und andere der- artige angemessene Vorstellungen fauden keinen Eingang.

Im Harz=Distrikte kann Hannover auf einer na< dem sogenann- ten Kommunion = Harze führenden Straße die Transit - Freiheit aus älteren Verträgen bleiten, wenn {hon auch hier no< nit feststeht, ob die Bedingungen, unter denen jene Freiheit stipulirt worden, noch fortdauern. Hannover verlangt dagegen auf allen dur<h den Harz= und Weser - Distrikt führenden Straßen völlig freien Transit, nnd glaubte schon viel nahzugeben, wenn allenfalls ein Zoll von 1 Sgr. von der Pferdelast erstattet würde.

Mit Aeußerungen der Empfindlichkeit, mit ni<t annehmbaren Vorschlägen und ungemessenen Forderungen ward viele (die einzige zur Verhandlung nübliche) Zeit hingebraht. Mitte Oktobers mußten die braunshweigishen Unterhäudler Berlin verlassenz Braunschweig konnte nicht länger aufshieben, die Zustimmung seiner Stände -mit den im Harz- und Weser - Distrikte getroffenen Zoll - Einrichtungen einzuholen und für diese selbst, die in wenigen Wochen ins Leben treten sollten, mußte Alles vorbereitet werden.

Die preußischen Kommissarien sahen mit Schmerz das mühsame Werk der Verträge von 1837 gänzlich zerfallen, und als die Kom- missarien Hannovers endlich Mitte Dezembers si bereit zeigten, einen Theil dieser Verträge aufre<t zu erhalten, wobei jedo<h in Bezug auf das Zoll= Kartel dieselben, dessen förmliche Erneuerung der wei- teren Verhandlung überlassen und nur mit administrativen Maßregeln Schuß gegen den Schleichhandel gewähren wollte, ging man des Friedens wegen und in Rücksicht auf die vorbehaltene s{hleunige Er= öffnung von Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Zoll - Kartels gern darauf ein, Am 16, Dezember einigte man si< über den Entwurf einer Uebereinkunft, zu dem die preußische Regierung ihre Zustimmung gab, allein die Geltung der Uebereinkunft, ihr Zustandekommen ganz ausdrücklich von der erst ein- zuholenden Genehmigung Braunschweigs abhängig machte. Kurhessens Zustimmung durfte man völlig gewiß sein; die übrigen mit Hanuover nicht gränzenden Zoll = Vereinsstaaten hatten kein nahes Jnteresse und würden später, wie man mit Zuversicht annehmen durfte, was von Preußen vereinbart war, ohne Zögern gut geheißen haben. Allein Braunschweig, welches der großen Kürze der Zeit wegen bei der

¿ Verhandlung nicht mehr zugezogen werden konnte, war gleich Preußen j dabei interessirt, und niemals konnte eine andere Absicht sein und die

EProtofollarishe unumwundenx Erklärung der preußischen Kommissarien besagt cs mit den deutlihsten Worten, daß Preußen Namens des Soll = Vereins kein Abkommen mit Hannover eingehen wollte, wenn uicht Braunschweig damit si<h einverstanden erklärte, Um, weni thunlich, dieses Einverständniß herbeizuführen , sendete Preußen einen Seigenen Kommissarius nah Braunschweig z allein dort fand man nach Aden so eben mit den Ständen getroffenen Vereinbarungen, aber auch Zach den besouderen Jnteressen Brauuschweigs es nicht möglich, dem berliner Abkommen beizustimmen, Preußen machte no<h einen Ver- Such, es {lug Hannover eine Modification des berliner Abkommens Wor, verlangte aber nunmehr sofortige Erneuerung des Zoll-Kartels, als Zeichen und nothwendigen Ausdru> eines fortbestehenden freund- achbarlichen Zoll = Verhältnisses. Hannover antwortete auf diesen Worschlag zunächst dur sein Patent vom 31. Dezember, in welchem $6 unter Anderem auch das Zoll - Karten mit dem Zoll - Vereine für hit dem 1, Januar d. J. außer Kraft tretend erklärte, und wodurch Mithin seine Unterthanen von der künftigen Straflosigkeit des Schleich= andels mit den Landen des Zoll-Vereins unterrichtet wurden. Un= ittelbar darauf sandte Hannover zwar in Beziehung auf den vor- dachten Vorschlag Preußens einen Kommissarius na< Berlin , wel= er aber die sofortige Erneuerung des Zoll-Kartels abzulehnen hatte, } da eine weitere Verhandlung nicht stattfinden konnte.

h ies is die getreue Erzählung von dem Verlaufe der Verhand- Ingen mit Hannover, welhe, wenn auch kein allgemeines, doch für piele Leser aus dem Zoll-Vereine Jnteresse haben wird. Die Ver- träge zwischen beiden Vereinen von 1837 und 1841 haben aufgehört, und zur Zeit besteht nichts davon als die bloße Thatsache, daß die annoverishe Grafschaft Hohnstein mit dem Amte Elbingerode für lebt no< bei dem Systeme des Zoll - Vereins und einige preußische

Landestheile re<ts der Weser unterhalb Minden no< bei dem han- novershen Zoll-Systeme beharren.

Ob und wann Hannover dem Zoll-Vereine beitreten wird; wir wissen es niht. Aber das wissen wir und legen den größten Werth darauf, daß Hannover bei der Entschließung über sein Zoll - System wie jeder andere deuts<he Staat im vollsten Gefühle seiner Selbst- ständigkeit diese sehr wichtige Frage aus\chließli<h na< den Juteres= sen, den Bedürfnissen, deu Würswhen des Landes beantworten wird. Der Zoll-Verein ist eine so innige Verbindung, Regierung und Un- terthanen sind dabei glei<hmäßig und so bedeutend betheiligt, daß, weun der Anschluß an den Verein zum überwiegenden Nachtheile eines Staates ausschlagen sollte, dies die beklagenswerthesten Folgen ha= ben müßte, beklagenswerth nicht blos für den benahtheiligten Staat, soudern wegen des sih daraus unausbleibli<h ergebenden Zerwürf- nisses für den gesammten Zoll-Verein, Allein bis jeßt hat noch kein Staat über die Folgen seiner Verbindung mit dem Zoll=Vereine ge= flagt, Regierungen und Unterthanen haben si< gleich wohl dabei befunden. (Schluß folgt.)

Handels- und Börsen -Uachrichten. Wegen Mangel an Raum hat der wöchentlihe Börsen-Bericht zurüctbleiben müssen. Anmerk, d. Red.

Berlin, 28, Jan. Heute waren wieder alle Fonds sehr beliebt, ganz besonders Köln-Mindener, Niederschlesische und Dreëden-Görliger, Am Schlusse der Börse stellte sich für Anhalter eine so lebhafte Frage ein, daß man 1% über die gestrige Schluß-Notiz bezahlte. Jn Oesterreichischen Effekten ging wenig um und deren Course gegen gestern unverändert.

Auswärtige Börsen.

Amsterdam, 24. Jan. Niederl. wirkl. Sch. 555. 5% do. 1007, 5% Span. 2115. 3% do. 31137. Pass. 575. Ausg. —. Zinsl, 65. Preuss. Pr. Sch. —. Pol. —. Oesterer. 1097. 4% Russ. Hope 915.

Antw erpecen;, 23. Jan. Zinsl, 67. Neue Anl, 205.

Frankfurta. M., 25. Jan. 5% Met, 113% G. Bank - Aclien 2022, p. ult. 2022. Bayr. Bank-Actien 690 G. Hope $07 G. Stiegl. S9 G. Int. 542%. Poln. 300 Fl. 953 G. do. 500 Fl. 984. do, 200 Fl. 32% G.

Hamburg, 26. Jan. Bank-Actien 1665 Br. Engl. Russ. 112.

Paris, 23. Jan. 5% Rente fin cour. 124. 70. 3% Rente fin cour. $2. 45. 5% Neap]. au compt. 106. 90. 5% Span. Rente 30%. Pass. 55.

Wien, 24. Jan. 5% Met. 1115. 4% 1005. 3% T75. 25% —. Aul. de 1834 1517. de 1839 1235. Bauk-Actien 1631. Nordb. 133%. Gloggn. 1143. Mail. 1087. Livorn. 997. Pesth. 1014. Budw. 163.

Meteorologische Beobachtungen.

1844, Morgens Nachmittags Abends Nach einmaliger 27. Jan. 6 Ubr. 2 Ubr. 10 Ubr. Beobachtung. Luftdruck .... [333,56 Par.'335,05" Par./336,06" Par. | Quellwäcme 5,89 R. Luftwärme ... -+ 1,2° R.+ 1,8" R.|— 0,5° R.| Flusswärme 0,1° R. Thaupunkt .….|— 0,7° R. 0,5" R.|— 0,8° R.| Bodenwärme 3,0 R.

Ausdünstung 0,01 o Rh.

82 pCt. | 83 pCt. Niederschblag 0,021 Rh.

Dunstsältigung 85 pCt. balbheiter, |

Wetter ..…..... trüb. trüb.

Wind ....... WNW. WNW. WNW. | Wüermeweebsel + 2,1"

Wolkenzug. . . WNW. -+ 0,5° R. Tagesmittel: 334,89" Par... +1,5°R... —0,7° R... 83 pct. WNW.

Königliche Schauspiele.

Montag, 29, Jan. Zum erstenmale: Mutter und Sohn, Schauspiel in 2 Abth. und 5 Akten, mit freier Benußung des Ro- mans: „Die Nachbarn“, von Fr. Bremer, von Ch, Birch - Pfeiffer, Erste Abtheilung : Eine Hochzeit, Drama in 2 Akten. Zweite Ab- theilung: Der Nachbar, Schauspiel in 3 Akten. (Mad, Birch- Pfeiffer: Generalin von Mansfelt, als Gastrolle)

Dienstag, 30. Jan. Die Familien Capuletti und Montecchi, (Mad. Schröder = Devrient: Romeo z Herr Härtinger : Tebaldo, als Gastrollen.) ;

Preise der Pläße: Ein Billet zum Balkon oder einer Loge des ersten Ranges 1 Rthlr, 10 Sgr. 2c.

Im Konzertsaale : Französishe Vorstellung.

Mittwoch, 31, Jan. Zum erstenmale wiederholt: Mutter und Sohn. Donnerstag, 1. Febr. Im Schauspielhause: Représenlation ex- traordinaire au bénéfice de Mr. Francisque. Abonnement sus- pendu. Premier début de Mlle. Marie, artiste du théatre des Variélés de Paris. Le spectacle se composera de: 1) La pre- mière représentation de: Hermance, ou: Un an trop tard, co- médie nouvelle en 3 actes, mêlée de chant, par Mad. Ancelot. 2) La première représentation de: Le démon de la nuit, vau- deville nouveau en 2 acles, par MM. Bayard et Arago. 3) La première représentation de Indiana el Charlemagne, folie de Carnaval en 1 acte, par MM. Bayard et Dumanoir. (Dans la première pièce, Mlle. Mary remplira le róle de Valéria, et dans la seconde, celui de Mathilde.)

Billets zu dieser Vorstellung sind in der Wohnung des Herrn Francisque, Taubenstraße Nr. 40, zwei Treppen hoch, zu folgenden Preisen zu haben:

Preise der Pläße: Ein Billet zum Balkon oder Loge des ersten Ranges 1 Rthlr, 2c. i

Die resp. Abonnenten werden ersucht, gegen Vorzeigung der Abonnements - Quittung pro Monat Januar die Billets bis MittÞ woch Mittags 12 Uhr abholen zu lassen, ua<h welcher Zeit die nicht abgeholten Billets anderweit verkauft werden müssen, Der Verkauf beginnt Dienstag Morgens von 9 bis 2 Uhr.

Königsstädtisches Theater. ' Montag, 29, Jan. (Jtalienishe Opern-Vorstellung.) Lucrezia Borgia. Opera in 3 Atti. Musica del Maestro Donizelli. (Sgr. Napoleone Moriani: Gennaro, als Gast) Preise der Pläße: Ein Plaß in den Orchester-Logen 2 Rthlr., in den Wgen und im Balkon des ersten Ranges 2 Rthlr. 2c. Dienstag, 30. Jan. Gast-Vorstellung des Kinder=Ballets des Herrn Price aus Kopenhagen, in 3 Abtheilungen, Dazu: Eulen- spiegel, oder: Schaberna> über Schaberna>. (Mad, Haarbleicher, vom Stadt-Theater zu Hamburg: Dorothea, als Gastrolle.)

Oeffentliche Aufführungen.

Montag, 29, Januar, Abends halb 7 Uhr, im Saale des Eng- lischen Hauses: Drittes Abonnements-Konzert des Gesang-Jnstituts von J. Schneider, worin ein Requiem von Cherubini, ein Gebet für Altstimme mit Chor von C. Braun und Psalm 42 von Felix Mendelssohn zur Ausführung kommen. Billets à 5 Rthlr. in der Sclesingerschen und in der Trautweinshen Musikhandlung, so wie Abends an der Kasse.

Verantwortlicher Redacteur Dr. J, W. Zinkeisen. Gedruckt in der De>kerschen Geheimen Ober - Hofbuchdruderei.

Beilage

Inhalt.

Iulaud, Berlin, Jnhalt des Justiz - Ministerialblattes,

n Hönigsberg. Denkmal des heiligen Adalbert,

“mae Bundesstaaten. Württemberg. Heidenheim, Un- ( Sfall.

Desterreichische Monarchie. Schreiben aus Karlsbad, (Ver-

M lendung der Mineral-Wasser. )

Franfreich, Schreiben aus Paris. (Fest zu Konstantine.)

Schweiz, Luzern, Die Konferenz katholisher Kantene. Der höhere weibliche Unterricht wird den Ursulinerinnen übertragen. Schreiben aus Bern. (Postwesenz Judustrie und Zoli-Verhältnissez Gewerbe-Verein z Vermischtes.)

Inland.

Berlin, 26. Jan. Das heute ausgegebene Justiz=Mini- sterial-Blatt enthält eine Verfügung vom 29, Dezember v, Fi welche aus Veranlassung einer Mittheilung des- Ministeriums der aus- wärtigen Angelegenheiten ein Königliches Ober= Landesgericht darauf aufmerksam macht, daß nach der niederländischeu Gerichts-Verfassung in Civilsachen unmittelbare Requisitionen der diesseitigen Behörden überhaupt nicht zu dem beabsichtigten Ziele führen, Es fomme viel- mehr in allen dergleihhen Prozeß-, Nachlaß- und anderen Civilsachen lediglich darauf an, daß ein jenseitiger Advokat - Anwalt unter Mit= theilung der betreffenden Schriftstücke veranlaßt werde, Namens der nteressirenden Parteien die geeigneten Auträge bei dem fompetenten niederläadishen Gerichte zu machen. Dies könne na< dem Ermessen der Gerichte und nah der Erklärung der Parteien entweder durch unmittelbare Communication mit dem Anwalt geschehen oder dur die Gta an s S er auswärtigen Angelegenheiten

eförderung der diesfälligen Korrespondenz d ie Königlic GURIO im Haag bewirkt wie e

ine Verfügung vom 11. Januar d. J., welche ei Röni

Ober=Landesgerichte auf dessen Anfrage in Ed auf vie Anweitiel der Verordnung vom 21. Juli v. J. über die Berechnung des Werths des Streitobjekts in Civil-Prozessen eröffnet, daß der Justiz-Minister gegen die Ansicht der Majorität des Kollegiums: wonach bei der subjektiven Klage - Cumulation au<h die Zulässigkeit der Prozeßart namentlich des Bagatell = Prozesses nah dem Gesammtbetrage der Horderungen der mehreren Kläger und Streitgenossen zu beurtheilen ist, an sih nichts zu erinnern findet, Ju dem besonderen vorliegenden Galle müsse aber die Vorfrage: ob wirkli< eine Cumulgtion im ge=- feblichen Sinne vorliegt und eiu gemeinschaftlicher Prozeß der meh= reren Kläger zuzulassen gewesen? no<h einer näheren Prüfung unter= worfen werden, was noh nicht geschehen zu sein scheine, und hiernach das weitere Verfahren si< richten. i

___ Etne Verfügung vom 16. Januar hebt die Zweifel hervor, die in Bezug auf die Anwendung des $. 10 des Geseßes vom 7. Juni 1821 wegen Untersuchung und Bestrafung des Holzdiebstahls bestehen, und bemerkt, daß in dem Entwurfe des revidirten Holzdiebstahl-Ge- seßes, dessen Bekanntmachung in nicht langer Zeit zu erwarten sei, die Strafe des Rückfalls, um die es in dem fraglichen Paragraphen sich handelt, nicht von der Verbüßung der Strafe, welche wegen des früheren Vergehens verwirkt war, sondern nur von der vorangegan=

_genen rechtskräftigen Verurtheilung abhängig gemacht werde.

Ein ausführlicher, von dem Justiz =Minister unterzeichueter Auf- sab (d, d. Berlin 18, Januar), der bereits von mehreren Zeitungen wiederholt worden is, bestätigt die in zwei früheren Aussäßen der Allg. Pr. Ztg. (vom 21. Dezember v. J. und vom 7. Januar d. J.) entwi>elten Ansichten über die Mittheilung der Entscheidungs= gründe im Kriminal-Prozeß. :

Königsberg, 24. Jan, (K. A. Z) Jn einem auswärtigen Blatte hatte die Kirhen- und Haus= Kollekte, die in den Provinzen Posen und Preußen zu der Errichtung eines Denkmales für den hei=- ligen Adalbert veranstaltet wird, zu Bemerkungen Veraulassung gege- ben, welche das wahre Sachverhältuiß durchaus aus dem Auge ver= loren, Die Königsberger Allg. Ztg. theilt deshalb, um allen Mißdeutungen vorzubeugen, die Hauptmomente der Verhandlungen über das Denkmal des heiligen Adalbert in folgender gedrängter Zu- sammenstellung mit : Der Erzbischof von Gnesen und Posen von Du- nin besuchte bei seiner Anwesenheit in Königsberg im Jahre 1840 den Ort, wo der erste Apostel der Christus-Religion unter den damaligen heidnischen Preußen, Adalbert, den Märtgrertod erlitten hatte, Er fand die Kapelle, welche der samländische Bischof Johannes im Anfange des 45ten Jahrhunderts auf dieser Stelle hatte errihten lassen, in Trüm= mern, und kam auf den Gedanken, dieselbe wiederherstelleu zu lassen, Die Mittel sollten dur eine Hausfollefte in den katholischen Dibze= sen der Provinz Preußen aufgebracht werden. Dazu bedurfte es ver= fassungsmäßig der Erlaubniß der Regterung, Es wurde erwogen, daß die evangelishen Glaubensgenossen in Preußen bei diesem Denkmal in gleichem Maße betheiligt seien, wie die fatholishen, indem es si< lediglih um ein Erinnerungszeichen der ersten Verkündigung des Evan- geliums in Preußen handele, die im Jahre 997 stattgefunden hatte, also zu einer Zeit, wo no< nit einmal die entfernteren Ursachen der erst über 500 Jahre später eingetretenen Kirchenspaltung si ent-= wid>elt hatten. Die Errichtung einer katholischen Wallfahrts = Kapelle in einer von evangelishen Glaubensgenossen fast ausshließli<h be- wohnten Gegend, wie die von Tenkitten es ist, gab überdies in Be= ziehung auf beide Konfessionen zu mannigfachen Bedenken Veranlas= sung. Die Jdee einer Statue in Bronze, die den heiligen Adalbert, Preußen segnend , darstelle, stieß bei der Frage einer Form, die bei- den Konfessionen genügen würde, auf Schwierigkeiten, Aus diesen Erwägungen is die Allerhöchste Ordre vom 4. April 1842 hervor- gegangen, wonach das dem heiligen Adalbert bei dem Dorfe Tenkitten in der Nähe von Fishhausen im Samlande zu errihtende Denkmal

in einer Gedächtniß - Kapelle bestehen soll, die in zwei Abtheilungen |#

zerfällt, von welchen die vordere für den evangelischen, der Chor für den fatholishen Gottesdienst bestimmt is. Johannes Voigt in seiner Geschichte Preußens (Königsberg 1827, 1., 27 sind es nur no< wenige Mauersteine, welche dem Wanderer diesen einst den Heiden, wie den Christen heiligen Boden bezeichnen können; aber es sind Uekerreste, an welche si< in der Geschichte dieses Landes eine große Erinnerung knüpft, die Erinnerung an den Mann, dessen Seele innigst von dem Wunsche erglühte, von hier aus den ersten zu O der Lehre des Gekreuzigten über das ganze Land leuchten zu lassen.‘

Da der in Tenkitten wohneude evangelische Pfarrer kein Gottes- fen am Orte hat, und soun- und festtäglih abwechselnd auf be- <werlihem Wege nah Lochstädt und Alt -Pillau gehen muß, um daselbst den Gottesdienst abzuhalten, so wird dur die Theilung der

Beilage zur Allgemeinen Preußis

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Montag den 29f# Januar.

Gedächtniß-Kapelle zugleich einem sehr fühlbaren Mangel abgeholfen werden,

Ausland.

Deutsche Bundesstaaten.

Württemberg. Heidenheinrt, 19, Jan. (S. M.) Ueber den Fortgang der Arbeiten zur Rettung der auf dem Zahnberg bei Königsbroun Verunglückten (\. Nr. 25 der Allg. Pr. Z.) kann erst heute folgender traurige Bericht erstattet werden: Der neue Einbau des Schachtes war in der Nacht vom 17ten auf den 18ten so weit fertig, daß mit der Wegschaffung des eingestürzten Materials begonnen werden konnte. So ras als möglich wurde diese gefördert; die Bergleute bewiesen den unverdrossensten Eifer und machten die größten Anstrengungen ; mehrere Male wurden sie dur<h Krachen im Schachte und herabrol- lenden Sand verjagt, Zugleih erzeugte sih, vielleicht unter dem Einfluß des inzwischen eingetretenen Thauwetters, eine böse Sti>kluft in der Tiefe, so daß ihre Grubenlichter erloshen und ber einzelne Mann es drunten nicht lange aushalten koante. Doch ward auch diesem Uebelstande dur einen {nell gefertigten Schlauh aus baum- wolleuem Zeuge, da der früher zur Einpumpung besserer Luft die- nende hölzerne Schlauch zerbrohen war, abgeholfen, und sie begaben sih wiederholt in die Grube. Nachdem ein Theil der Schuttmasse hinweggeräumt war, fand sih weiter unten ein Stü>k des alten Ein- baues ziemli< unversehrt; unter Furcht und zunehmender Hoffnung ging das Werk weiter; fortwährend hörte man die Zeichen, welche die Verschütteten gaben, bereits sogar ihre Stimmen; man war ihnen bis auf wenige Schritte nahe gekommen, nächstens gelangte man an einen Éleinen Stollen, in den ein Theil der no< übrigen Trümmer, statt langsamer im Kübel heraufgezogen, hineingeworfen werden konnte z in einer Stunde längstens sollten die Verunglü>ten gerettet sein. Da scholl heute Mittag um ein Uhr mit einem Male aus der Grube, in der fünf Männer bei der Arbeit waren, ein angstvolles Auf! Auf! Mit aller Geschwindigkeit war das Seil mit dem daran hängenden Kübel angezogenz aber ungefähr in der Mitte blieb es ste>enz vier der Männer kamen noch an der Leiter herauf, der fünfte, der ganz unten in den Kübel eingeworfen hatte, ward vou der schre>licher als je zusammenstürzenden Masse wahrscheinli<h im Aufziehen zer= quetsht und erschlagen. Er hieß Ulrih Schäfer, lediger Hafner von Oberkohen und war freiwillig für einen Bruder, welcher Bergmann is, bei der Rettungsarbeit eingetreten. Jeßt kam es darauf an, die Beschaffenheit des neuen Einsturzes, und ob nicht dem lebten Verunglückten no< Hülfe geschaft werden könne, zu untersuchen; es wurde, wie hon die heute gerade zusammenge=

lohnung von 150 Fl. dekretirt hatte, Preise für den ausgerufen , der noch einmal in den Schacht sih hinablassen würde; lange trat Keiner hervor, bis endlich ein Bergmann aus Saarbrücken, der früher selbst einmal vier Tage lang in einem Bergwerk vershüttet gewesen war und jeßt bereits bei der Arbeit sih vielfah ausgezeichnet hatte, sich erbot und von sechzehn Männern an einem ‘Seile hinabgelassen wurde. Aber schnell mußte er wieder heraufgezogen werden und er= klärte, um feine no< so große Belohnung si< mehr hinunter zu wagen, denn der ganze Schacht sei entweder schon eingefallen oder werde er demnächst vollends zusammenstürzen. So war alle Mühe und Gefahr der leßten vier Tage vergebens gewesen; umsonst hatte fast die ganze Ortsgemeinde in einer am 17ten gehalten Betstunde den Himmel um Segen zum Rettungswerke angerufen; es war demselbeu nur ein neues Opfer gefallen, und tief ershüttert mußten die leitenden Beam- ten ihre ershöpften Untergebenen von der verhängnißvollen Grube weg= führen, Noch ist ein matter Schimmer von Hoffnung vorhanden, die beiden zuerst Verschütteten oder do, wenn sie einstweilen vershmach= tet sein werden, ihre Leichname aufzufinden, Seitwärts nämlich von der Schachte in der Richtung des Stollens, worin sie eingeschlossen sind, haben shon am 16teu wa>ere Hafner aus Oberkochen und an- deren Orten, um ihre Kameraden zu retten, eine Grube zu graben begonnen, mit der sie heute bereits in eine Tiefe von etwa 70 Fuß gefommen sind; dem Vernehmen nah, wollen ihnen jeßt die Bergbe= amten mit ihrer am Schachte entbehrlich gewordenen Mannschaft zu Hülfe fommen und die Arbeit fortseßen; es sind aber mindestens noch einmal 70 Fuß zu durchteufen und der Erfolg steht dahin,

Heidenheim, den 20. Jan,, Abends. Die einzige, jedoch traurige Nachricht über den Stand der Verschüttung auf dem Zahn- berge, die man heute zu geben im Stande i, ist die, daß man feine Hossnung hat, mit dem neuen Schachte früher als bis Dienstag (den

23sten) zu Stande zu kommen,

Oesterreichische Monarchie.

69 Karlsbad, 15. Jan. Während für mehrere Badeorte Böhmens die Versendung ihrer Mineralquellen eine bedeutende Ein- nahme bildet, haben bisher unsere Bürger eine solhe Versendung zu hintertreiben gesucht, aus Furcht, daß dann die Anzahl der Besucher unseres Kurorts si<h vermindern fönute. Da jedo die in unseren be= nachbarten Badeorten gemachten Erfahrungen dur<h eine Reihe von Jahren den Beweis lieferten, daß mit den Wasser-Versendungen auch die Anzahl der Besucher zunehme, \o wurde auf Anorduung des Guberniums fürzlih au< mit der Versendung des hiesigen Schloß= und Mühlbrunnwassers begonnen, nahdem frühere Versuche den Be-= weis geliefert hatten, daß durh die niedrige Temparatur dieser Quellen, selbe bei Versendungen no<h immer einen sehr hohen Grad ibrer heilsamen Wirkung behalten. Die jeßt {hon sehr bedeutenden Be- stellungen auf diese Mineralwasser aus verschiedenen, mitunter sehr entfernten Gegenden, lassen auf eive künftige bedeutende Zunahme dieser Versendungen ließen.

Frankreich. =< Paris, 22. Jan. Am 1. Januar is bei einem Feste, das

die ne in der Nähe von Konstantine feierten, und das vom Her= A Teinmern ber alten Stabes « Aa og von Aumale mit seiner Gegenwart beehrt worden war, ein trau-

9: „nun AGestes selbst und des Vorfalles, der unerwartet dessen Ende bezeih- Fmete, mit Juteresse lesen. Am Morgen des 31sten kamen die Reiter “des Gebirges der Provinz Konstantine, 150 Mann stark, zu Konstan=

iges und zugleih verdächtiges Ereigniß vorgefallen, das mancherlei Deutung zuläßt, Jhre Leser werden einerseits die Schilderung des

tine an, um an den Wettrennen und der sogenannten Fantasia Theil zu nehmen, welche bei Gelegenheit des von den Arabern Elbide Ele- bir genannten Festes, das drei Tage dauert, abgehalten werden. Die Vorschrift Mahomet's sagt: „Einmal des Jahres an diesem Tage sollt ihr ein Schaf shlachten.“" Der Prinz hatte aber die Ceremonie auf den folgenden Tag, 1. Januar, verschieben und für die herbeige- fommenen Araber Zelte aufschlagen lassen, unter denen sie die Nacht vor den Thoren von Konstantine zubrahten, Auch hatte er den lan-

<en Zeitung.

tretene Oberamts - Versammlung den muthigen Bergleuten eine Be= *

| desüblichen Couscous in großer Fülle unter sie zu vertheilen befohlen. Zu diesem Ende war ein großer Kochheerd auf freiem Felde eingerih- tet worden, woraus die Araber selbst diese Lieblingsspeise {höpften, und dann in große hölzerne Gefäße, Bourma genannt, brachten; zu dieser sonst einzigen Speise des Arabers war für diesen Tag noch ein fleines Stück Fleis hinzugefügt worden.

An demselben Tage (31. Dezember) Mittags wohnte der Prinz, von seinem ganzen Stabe begleitet, einer Messe bei, wobei die Mi= litair-Musik spielte, und auch ziemli< viele Damen, deren Zahl zu Konstantine eben nicht beträchtlich ist, si< eingefunden hatten. Die Kirche is in der leßten Zeit vergrößert worden, reihte aber doch faum hin, die Masse der Bekenner der christlichen Religion zu fassen. Auch die Araber kamen herbei, um den Prinzen zu sehen, und s{ie=- nen besonders über die Gesänge der Christen verwundert, die sih so sehr von den ihrigen unterscheiden.

Am Morgen des 1sten empfing der Prinz dann die Besuche und Glüdwünsche aller Civil- und Militair-Behörden. Um Mittag endlich verließ er den Palast, um unter Begleitung eines zahlreihen General- stabes und einer Escadron der Jäger von Afrika, ein Musik- Corps an der Spiße, si< na< der Ebene zu begeben. Das Wetter war herrlih, die Sonne machte sih fühlbar wie an einem {önen Früh=- lingstage. Die schimmernden Rüstungen der Reiter, alle Pferde rei ge\hirrt und geshmü>t, machten einen glänzenden Effekt. Alle Araber, welche beritten waren, folgten, Einige unter ihnen elegant gekleidete Kinder hinter si< auf der Croupe habend. Das Schauspiel war eben so sehenswerth als selten für die Franzosen, die daher gleichfalls in großer Zahl herbeigeströmt waren. Alle umliegenden Hügel waren von Arabern bede>t, und besonders fanden si<h die Frauen derselben in großer Anzahl ein; die Lehteren verlassen selten ihr Haus, aber an diesem Tage waren sie frei, und die Höhen gewährten daher einen Aubli>, als ob sie in eine Schneede>e gehüllt wären ; denn man sah nihts als Bournousse, und diese waren diesmal weiß und rein gegen die Gewohnheit, da Reinlichkeit in der Bekleidung sons eben nicht Sache der Araber is.

Alle Reiter hatten reiche und prächtige Kostüme, ihre reih ge-

schirrten Pferde hatten auf der Croupe eine leihte seidene De>e mit Goldsti>erei, woran eine Anzahl kleiner Schellen angebraht waren. Nach halbstündigem Ritte nahm der Prinz Plah und die Wett= spiele der Reiter um die verschiedenen Preise begannen, zuerst der Wettlauf. Die Preise, die in arabischen Flinten und mit Diamanten beseßten Armringen bestanden, wurden unter die Sieger von der Hand des Herzogs von Aumale selbst vertheilt. Der Prinz bestieg dann einen Hügel, wo noch verschiedene andere Spiele stattfinden sollten. Diese Spiele und Wettläufe zeigten im vollsten Lichte die Stärke und Gewandtheit der eingeborenen Athleten. Endlich kam die sogenannte Fantasia an die Reihe, Es sien dem Prinzen großes Verguügen zu gewähren, \#o viele Reiter, bald allein, bald in Gruppen, mit einer außerordentlichen Schnelligkeit vor sih vorbeisprengen zu sehen, während sie nah gewohnter Weise dabei ihre Gewehre abfeuerten und mit einer unglaublichen Gewandtheit ihre Säbel \hwangen. Alles ging aufs beste von Statten, und der Prinz schien hocherfreut über den malerischen Anbli> dieser Uebun- gen, als ein unglüliher Vorfall diese Spiele plöblich unterbrach.

Ein Araber hatte, sei es aus Unachtsamkeit oder aus einem \hlim=- meren Beweggrunde, sein Gewehr mit einer Kugel geladen, die so abgefeuert ein junges Mädchen von 11 Jahren traf, und demselben den rehten Schenkel durhbohrte. Auch wurde Herr Delmas, Lieu- tenant im 22sten Linien- Regiment, von derselben Kugel getroffen die ihm durch das eine Knie drang, Er machte noch einige Schritte, um dem sungen Mädchen zu Hülfe zu eilen, wurde aber dann in das Zelt des Prinzen gebraht, wo die beiden Verwundeten sogleih die erste ärztlihe Pflege erhielten. Man kann si< die allgemeine Be= trübniß und Bestürzung denken, die au<h der eben noch so heitere Prinz theilte.

__ Nach einstündiger Unterbrehung wurden übrigens die Spiele wieder aufgenommen und dauerten no< ungefähr eine Stunde, Allein mit dem unseligen Vorfalle waren au< Lust und Heiterkeit überall Ae ;

Fs mag hier am Orte sein, no< eines anderen bemerke

Umstandes zu erwähnen, der kürzlih bei der Anwesenheit dis eti sitions= Deputirten Herrn Gustave de Beaumont in Afrika vorkam

Herr Gustave de Beaumont hatte bekanntlih einen Ausflug nach der Provinz Titteri und bis Milianah gemacht, und fand von Seiten aller Behörden überall die freundlichste, zuvorkommeudste Aufnahme. Zu Coleah veranstaltete der dortige Militair=-Kommandant ein Diner ihm # zu Ehren, wozu alle bedeutenderen Personen der Lokalität eingeladen [Q wurden, Da wurde unter Anderem eine Fleishspeise servirt, welhe F den besonderen Beifall aller Anwesenden fand. Es war ein Filet, das sih dur außerordentliche Zartheit, aber au< durch einen eigen- thümlichen Wildgeshma> auszeichnete, so daß Niemaud zu errathen vermochte, von welchem Thiere das Fleish sei. Doch wollte auch Niemand so indiskret sein, hierüber eine Frage an den gastlichen Wirth zu stellen, der seinerseits au ein vollständiges Schweigen in dieser Beziehung beobachtete. Nach beendetem Male endlich, und nachdem der Kommandant die Ueberzeugung erlangt hatte, daß die Speise voll= fommen nah dem Geshma>e seiner Gäste gewesen war, eröffnete er ihnen, daß es ein Filet von einem Panther gewesen war. Das Urtheil über die Güte desselben wurde dadur niht im Mindesten geändert, wiewohl es das erste Mal gewesen sein mochte, daß eiue europäische S von einem Europäer mit dergleichen Le>erbissen bewir=

et wurde,

S weiz.

_ Luzeru, 21. Jan. (N, Z. Z.) Die Konferenz katholischer Kantone wird hier am 2MAsten d. M. eröffnet werden. Die Meth renden Kantone sind eingeladen worden.

Am 16. Januar sind endlich die Ursulinerinnen von Landshut

4 Frauen und 1 Laienschwester, in Begleitung ihrer Oberin, die zwar bald wieder dahin abreisen wird, in Luzern eingetroffen. Sie werden nun das früher aufgehobene Ursulinerkloster Mariebile beseßen und unbeschadet den bereits angestellten Lehrerinnen an der hiesigen Töch= terschule einen höheren Kursus eröffnen, der zur Ausbildung von künf= tigen Lehrerinnen und solher Töchter dienen soll, welche vermöge ihres Standes und ihrer Anlagen eine höhere Bildung austreben. Dadurch sind die angestellten Deicedr iti niht nur unter den weih= lichen Jesuiten - Orden gestellt, sondern diesem auch die wirksa Mittel an die Hand gegeben, alle weiblichen Lehr - Anstalten und - die O weibliche Ausbildung seinem mächtigen Einflus zu unter- werfen.

B Vern, 20, Jan. Nachdem i in meinem lehten Schreiben über die äußeren Mitta und r egen Verkehrs Eini mitgetheilt, bleibt mir noch ein kurzer Bericht über die zur Vei

| in engster Verbindung stehenden Jndustrie übrig,

lung derselben bestehenden Anstalten und über den Zes