1844 / 40 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

isonen Erfurt unb Langensalza zugkgen. Das herzogl. Mili=

prenf bete im Verein mit der hiesigen Bürgergarde, vom Paradezimmer

| / fommen, wurde der von bis zur Gruft Spa e In eihe S Ee dem Altare nieder-

; lihe Sar ede ¿wölf Kavalieren piragene arf _ Oberhofprediger Jakobi eine

f, s s ti er ütternde Rede hielt, in welher vor cen s6 erhebende als an R ben Hingeschiedenen Menschenfreund- lihfeit, und bedin fürstlihe Huld, die Versammlung mächtig er= weiten Choral wurde der Sarg unter Anführung

rif, Unter einem zweiten Chora! wu! H Syrung lle in die fürstlihe Gruft geleitet. Die Ein- gueier e E hen irdischen Ueberreste, ein stilles Gebet, und ein

eg j S sgeführt, bildeten den Beschluß or, von hiesigen Sängern ausgeführt, eshlu

sunfier Cho, 9 Trauerfeier. Dem Vernehmen nah wird die liche Leiche in einem auf dem E>artsberge bei Koburg zu er-

Se Mausoläum, später, und zwar na< dem hinterlassenen

Wunsche des hochseligen Fürsten, die leßte Ruhestätte finden,

Freie Städte. Hamburg, 6. Febr. (B. H.) Diesen Morgen is die Elbe ihrer ganzen Breite nah mit starkem, in großen Schollen herabkommendem Treibeis bede>t; es scheint sich also die Eisde>de nun au weiter oben hinauf gelöst zu haben, und bis dieses alte Eis die See erreicht hat, ist die Schifffahrt au< für Dampfböte völlig gehemmt,

Frankreich.

Pairs-Kammer. Sibßung vom 2. Febr. Der Geseh- Entwurf über den Sekundär=Unterricht, welchen Herr Villemain heute der Kammer vorlegte, proklamirt die Freiheit des Unterrichts, nah dem Versprehen der Charte, jedo< mit den Einschränkungen, welche die Vorsicht zu erheischen schien. Es wird den Familien das Recht zuerkannt, ihre Kinder nah ihrem freien Willen unterrichten zu lassen, aber dabei ist das Recht des Staats, den Unterricht zu beauf- sichtigen, durchaus aufrecht erhalten; der Einfluß und die Ueber- wachung von Seiten der öffentlihen Gewalt sollen durch Bedingun- gen, Formalitäten und Prüfungen, die man der Ausübung des freien Unterrichts auferlegen will, gesichert werden. Diese Garanticen sind in dem neuen Geseh-Entwurf sogar noch vollständiger und strenger, als in dem, welcher {hon vor drei Jahren der Deputirten-Kammer vorgelegt wurde. Die Vorgänge der lebten drei Jahre ließen der Regierung eine Verstärkung dieser Garanticen als nothwendig er- scheinen. So glaubte man unter Anderem, von denjenigen, welche das Recht der Erziehung der Jugend mit der Universität theilen wollen, also von einem Jeden, der si< um die Erlaubniß zur Leitung einer Privat - Unterrichts - Anstalt bewirbt, die Erklärung fordern zu müssen, daß er keiner von den Geseßen nicht autorisirten Congregation angehöre. Die bedeutendsten der allgemeinen Bestimmungen des Geseß-Entwurfes sind, daß Jeder, der eine Lehr- Anstalt errichten will, ein besonderes Zeugniß über scine Befähigung dazu, so wie ein Zeugniß von seinem Maire über seine Sittlichkeit beibringen mußz wird ihm Leßteres verweigert, so kann er an das Tribunal erster Jnstanz rekurriren, Ferner muß ein solches Jndividuum si< verpflihten, nur graduirte Lehrer, und für die literari-

\hen Klassen wenigstens zwei Licentigten, und für den Unterricht in den exakten Wissenschaften einen Graduirten in seinem Ju=, stitute zu beschäftigen, Was die kleinen Seminarien betrifft , so enthält der Geseß - Entwurf darüber folgende Bestimmungen & die Zahl der Zöglinge bleibt auf 20,000 beschränkt, wie es durch die! Verordnung von 1828 festgeseßt wurde; die kleinen Seminarien sollen der bishöflihen Jurisdiction unterworfen bleiben; sie können aud nicht graduirte Lehrer anstellen. Diejenigen, welhe für alle Unter=

terrihtszweige graduirte Lehrer, für die rhetorishen und philosophi=*

schen Klassen Licentiaten und für die Klassen der exakten Wissenschaf- ten Baccalaureen haben, sollen in Bezug auf die Zulassung zu den Universitäts - Prüfungen ganz dieselben Rechte genießen, wie die an- deren freien Privat= Unterrichts - Anstalten, Von denjenigen dagegen, wo die Lehrer niht Graduirte sind, sollen nur die Hälfte der Zög- linge, weun sie das Seminar verlassen, sih zu den Prüfungen für die Erlangung von Diplomen und Graden bei der Universität melden dürfen; von der anderen Hälfte wird vorausgeseßt, daß sie in die großen Seminarien übergeht und den Vorschriften der Verordnung von 1828 unterworfen bleibt, Der Minister s{hi>te der Vorlegung dieses Geseß-Entwurfes eine lange Motivirung voraus, deren Gruud= züge oben angedeutet worden. | Bei dem vorliegenden Gegenstande, meine Herren, sagte Herr Vil- lemain unter Anderem, swaren dic Lage und die Arbeit des Staates nicht dieselben, wie bei der glü>li<h gelösten Frage über den Primär-Unter- richt. Dort bestand noch fein früheres System, noch kein ordentlich orga- nisirtes Ganzes, Es war noch Alles zu thun oder wenigstens einzurichten und zu ordnen, Bei dem Sekfundär-Unterricht dagegen, wie bei dem höhe- ren Fafultäts - Unterricht, hatten wir ein großes Jnstitut vor uns mit be- sonderen Gesegen, zahlreichen Anstalten und stets zunehmenden Resultaten. Wir vergessen eben so wenig, daß der 69ste Artikel der Charte von 1830 der Aufmerksamfkcit des Geseßgebers ein doppeltes Ziel vorzeichnete: den öffentlichen Unterricht und die Lehrfreiheit, Unter diesen Ausdrücken vcer- stand die Charte, daß die Ausdehnung und Vervollkommnung der Staats- Schulen jede ernstlihe Modification in der geseßlichen Eimich- tung der Privat - Schulen begleiten oder ihr sogar vorausgehen müsse, Jn ersterer Beziehung nun vermochte man nichts ohne Hülfe der ge und der Umstände. Der bloße Gedanke, die großen Mittelpunkte des Sefundär- Unterrichts, die Königlichen Collèges, an dencn es noch an o vielen bedeutenden Stellen fehlt, zu vervielfältigen , erheischte jahrelange Anstrengungen und Bemühungen. Dennoch beweisen die Thatsachen , wie- viel, a gesehen von dem Primär - Unterricht, seit 1830 auch für den Se- kundär - Unterricht geschehen is, Jn 10 Jahren haben die Königlichen Collèges einen Zuwachs von 7000 Zöglingen erhalten, Jm Jahre 1832 ählten dieselben 13,598, jegt zählen sie 20,767 Zöglingez eine Entwicfe- ung, die nicht allein der Zunahme der Bevölkerung und des Reichthums zugeschrieben werden fann, sondern die dafür Frit, wie sehr mit dem wachsenden Geschma> an tüchtigen Studien au<h das öffent- liche Vertrauen fortschreite, Wir konnten uns indeß nicht verhehlen, daß dessenungeachtet der Sekundär - Unterricht noch lange nicht ver- breitet genug war, daß er im Verhältniß zu der Bevölkerung weni- f Zöglinge zählie, als vor 1789, und daß er nur farg den edürfnissen des Landes und den nöthigen Vorbereitungen zu öffentlichen Aemtern und freien Berufszweigen genüge. Unterdessen wurden die ver- schiedenen Ansichten über diesen Interriht mit der ganzen Lebhaftigkeit der olemik laut, und dies machte eine unparteiische, auf Thatsachen gestügte rüfung, die dem Vorurtheil den Beweis entgegenstellt, die Theil an allen e<ten gewährt, aber feines derselben der vom Gesey für seinen Schuß orderten Bedingungen und Lasten überhebt, um so nothwendiger, Von iesem Gesichtspuntt werden auch sicherlich beide Kammern bei der Lösung # der wichtigsten Probleme für den Staat und die Familien ausgelen ia cie Gewiß braucht vor den Kammern nicht erst jenes große und erste fien au vie 8 werden, daß die Ueberwachung und in mehreren und daß dex von dea Be des öffentlichen Unterrichts dem Staate ebührt, eôweges eine solche Eiq en eutwielte Grad von politischer Freiheit fei- nteriiht aufhebt, sondere (Ung der Civil - Autorität in dem öffentlichen es nur darauf ankommt, ie Buetbane ,00thwendiger macht, und daß neben ihr die Rechte des Gewissens G Eo gehörig zu ordnen und

Uebertrei Familien-Freiheit, welche vo ja unjrldelden sd falschen Eisers und dex Partei- Pie leicht

Der Minister ging nun auf ej iee der Universität gegen die An ise bir at a Ste

ri Meer Ne dum Theil schon be den Adreß - Debatten gegeben, und

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suchte daraus die oben angeführten Beschränkungen der Unterrichts Freiheit auf Seiten der Privat - Anstalten nahzuweisen, damit uicht diese Freiheit s\< zu einer Gewalt im Staate erhebe und gerade das, was sie für sih in Anspru nehmen, die Freiheit des Unterrichts und der Lehre, bekämpfe und untergrabe. Zugleich vertheidigte er den von der Universität ausgeheuden Unterricht gegen den Vorwurf, daß derselbe die Jugend nicht zu religiösen und moralischen Gesin- nungen heranbilde.

Ein großer Geist, so {loß Herr Villemain seine Rede, klagte im vorigen Jahrhundert über den Widerspruch, der zwischen dem von den Lehrern und von der Welt ertheilten Unterricht bestehe. „Was uns die legtere lehrt“, so schrieb Montesquieu, „das stürzt alle Lehren der ersteren über den Haufen.“ Dieser in gewisser Hinsicht unvermeidliche Streit, der jedoch viel zu weit gehen, der unpassend und gefährlih werden würde, wenn er sich bis in das Junere der Erziehung und der Grundsäye erstreckte, hat seit der regelmäßigen Organisation des Laien - Unterrichts zum Theil aufgehört, Unter der strengen Zucht und in dem fleißigen Frieden der Schulen werden die Kinder für den Bürgerstand und für die jeßige Gesellschaft erzogen, worin sie dereinst leben und sih aus- zeichnen sollen. Die moralischen und religiösen Gesinnungen, welche sih so naturli<h an die s{<önen Studien anknüpfen, von denen der Geist der Schüler fortwährend genährt wird, werden in ihnen auch noch durch besonderen Unterricht befestigt, dessen Einfluß heutzutage größer und fühlbarer is, als selbst zu jener Zeit, wo er der ausschließliche zu sein schien. Nächst der Anhänglichkeit an die Religion sind alle damit zusammenhän- gende gesunde Grundsäße, alle die, welde vor zwei Jahrhunderten das denkwürdige Edikt Heinrich's 1V. vorschrieb, die Liebe zu den Aeltern und zum Vaterlande, der Gehorsam, die Ehrfurcht und die Arbeit, jeßt die herrschende Negel der öffentlihen Schulen Frankreichs; und so lebendig und fruchtbar war die Kraft des Gedankens, der sie vor 40 Jahren be- gründete und verthcidigte, daß sie scitdem unter den verschiedensten Wechsel- fällen nicht aufgehört haben, insgesammt zuzunehmen und sich zu vervoll- fommnen, indem aus ihrer Dauerhaftigkeit auh ihr Fortschritt entsprießt. Möge diese stets regelmäßige Bewegung durch ein neues Prinzip des Wett- eifers und der Freiheit sich no< stcigern. O

Die Diskussion des Geseh - Entwurfs wurde auf nächsten Don-

nerstag anberaumt,

Paris, 3. Febr. Heute meldet das Journal des Débats die Entlassung Salvandy's nebst daran sich kuipfenden diplomatischen Ernen= nungen in folgender Weise : „Seit drei Tagen ging das Gerücht, daß Herr von Salvandy am Montag Abend, nachdem er den Palast der Tuilerieen verlassen, woselbst er eine Privat-Unterredung mit Sr. Majestät ge- habt hatte, dem Könige seine Entlassung als Botschafter zu Turin einreichen zu müssen geglaubt, Die Sache is richtig. Vorgestern versicherte man erstens, Herr von Salvandy sei bestimmt worden, seine Demission zurü>zunehmen, und zweitens, er sollte sich baldigst auf sei= nen Posten zurü>begeben. Da der zweite Punkt nicht in Ordnung gebracht werden konnte, so wurde gestern früh ein Minister - Rath beim Könige gehalten und darin die Annahme der Entlassung des Herrn von Salvandy beschlossen. Graf Mortier is zum Botschafter in Turin ernannt und erhält auf dem Botschafterposten zu Bern den Grafen Pontois (jeßigen Botschafter bei der ottomanishen Pforte) zu seinem Nachfolger.“ Der heutige Moniteur bringt auch bereits die von gestern datirte Königliche Verordnung, wodur diese neuen Ernennungen vorgenommen werden.

Während der Constitutionnel aus dem Vorfall mit Herrn von Salvandy die dringende Nothwendigkeit eines Gesebßes zur Be= \{hränkung des Einflusses und der Gewalt, wel<he die Ministerien über die Repräsentanten des Landes \i< immer mehr anzumaßen suchten, ableiten will, weist die Presse vielmehr auf jenen e<ten Patriotis= mus hin, der die Besriedigung seiner persönlichen Gefühle, selbst wenn es sih um eine vermeintliche Ehrenkränkung handle, gegen das allgemeine Beste hintanzuseben habe. „Selbst wenn das Königthum sich einen Augenbli> vergäße““, sagt dieses Blatt, „darf Niemand ver= gessen, wenn er wie wir denkt, daß es die Schußwehr der National= Unabhängigkeit, der öffentlichen Ordnung und aller unserer dauerhaften Greiheiten is, Es giebt fein Verhältniß, keine Rücksicht, die den Versuch rechtfertigen könnte, die Verantwortlichkeit auf die Person des Königs fallen zu lassen. Jedenfalls hätte Herr von Salvandy, ehe er nah der angeblihen Unterredung seine Demission einreichte, erst um eine andere Unterredung, und zwar um eine mit dem verantwort= lichen Minister, nahsuchen sollen,“

Von der linken Seite sollen, der Gazette de France zufolge, bereits über hundert Briefe nah den Departements abgeschi>t worden sein, in denen die fünf legitimistishen Deputirten si einer neuen Wahl unterziehen wollen, „Diese Briefe“, heißt es in dem genannten Blatt, ¡Zum Ruhm unserer Zeit sei es gesagt, fordern alle unabhängige Männer zu ihrer Mitwirkung auf und sprechen die Ansicht aus, daß fein ehrenwerther Kandidat zu Ploërmel, Toulouse, Marseille, Mont= pellier und Doullens gegen die Herren von Laroche-Jacquelin, Herzog von Valmy, Berryer, von Larcy und Blin de Bourdou werde auf= treten wollen.“

F Paris, 3, Febr, Die pfer von der Kammer ernannte

Kommission zur Prüfung des Geseh = Entwurfes wegen der an die Tochter des verstorbenen Marschalls Grafen Drouet d'Erlon zu ver= leihenden lebenslänglihen Pension hat sih heute konstituirt und den General Jamin zu ihrem Präsidenten und Herrn Lasalle zu ihren Secretair ernannt, Nachdem alle Mitglieder ihre Meinung darüber ausgesprochen hatten, beschloß siè einstimmig, der Kammer die An- nahme des Geseß-Entwurfs vorzuschlagen, in derselben Form, wie er von dem Conseils-Präsidenten au die Kammer gebracht worden ist. Es scheint, daß der verstorbene Marschall kein bedeutendes Vermögen hinterlassen hat. General Paixhans is} zum Berichterstatter ernaunt worden und wird seinen Bericht in der nächsten öffentlichen Sißung der Kammer vorlegen, Man glaubt, die Abstimmung werde un-= mittelbar darauf erfolgen. Auch die große Gesellschaft von 100 Deputirten, die si< in der lehten Session unter dem Vorsitze des Herrn Tesnieres im Juteresse der Weinbauer gebildet hat, versammelte si< heute Vormittags 11 Uhr wieder. Herr Tes= nieres wurde als Präsident beibehalten, Herr Lasalle als Secre= tair, An die Stelle des abwesenden Herrn Mauguin wurde der Marquis von Lagrange zum Präsidenten des Ausschusses von neun. Mitgliedern der Gesellshaft ernannt. Die Versammlung votirte dem Büreau eine Danksagung und beschäftigte si< dann mit Wiederauf= nahme ihrer Arbeiten. Herr Lasalle verlas eine sehr lihtvolle Aus= éfiglibetéüutig der bereits erlangten Resultate und der no< weiter anzustrebenden, Auf den Vorschlag des Herrn Lesparre beschloß die Versammlung, sh mit dem Entwurfe gegen die Verfälschung und besonders die Mischung der Weine mit Wasser zu beschäftigen, worauf die Versammlung sich auf vierzehn Tage vertagte. Jnzwischen wird der Ausschuß die an der Tagesordnung befindlichen Fragen untersuchen und der nächsten General-Ver ammlung seinen Bericht über die Ergebnisse er= statten, Der Finanz-Minister verlangte, daß der bereits von der Kommission der Kammer angenommene Geseß-Entwurf über die Wein= Verfälshungen erst nah der Abstimmung über das Geseh, die Patente betreffend, auf die Tagesordnung geseht werde. Die Weinbau-Ver= [ema ging auf diesen Wunsch des Ministers ein. Auch die Frage er Befe gungen von Paris, welche von mehreren Blättern bekannt- lich so heftig angegriffen worden sind, wird wieder vor der Kammer «angeregt werden aus Anlaß des Berichts über die an die Kammer

dagegen gerichteten Petitionen, Herr Allard, Berichterstatter dar=

über, wird nächsten Sonnabend seinen Bericht der Kammer vorlegen. Derselbe wird, wie sich von dem Berichterstatter, der selbst eiuen gro- ßen Theil der Arbeiten geleitet hat, erwarten läßt, schr umfasseud und gründlich sein und in hohem Grade die Aufmerksamkeit der Kammer in Anspruch nehmen, Herr Allard wird dabei zuglei<h der Kammer eine vollständige Auseinanderseßung des Standes und der Fortschritte der Arbeiten machen und sowohl den militairischen als finanziellen Ge- sichtspunkt darin hervorheben. Es läßt sih also eine vollständige Er- örterung dieser Frage erwarten,

A Paris, 3. Febr. Die allgemeine Erwartung fühlt si< dadur getäuscht, daß die Regierung den Geseß-Entwurf über die Regulirung des Sekundär - Unterrichtswesens m<t der Deputirten=- Kammer, sondern der Pairs = Kammer vorgelegt hat, Man will in diesem Umstande einen Beweis davon sehen, daß das Ministerium in dem fraglihen Projekte den Ansprüchen der Geistlichkeit Einräumun=- gen gemacht habe, ‘von welchen es besürhten müsse, daß sie in dem Palast Bourbon weniger günstig aufgenommen werden würden als in dem Palast Luxembourg. So weit indessen cine flüchtige Uebersicht des von Herrn Villemain vorgelesenen Geseß-Vorschlages zu urtheilen gestattet, hat die Regierung si<h darin vorzugsweise im Sinne der Universitäts=Partei ausgesprochen und die wichtigsten Forderungen der Kirchen-Partei ganz unberücksichtigt gelassen. So wird in dem Geseh- Entwurfe namentlich die schon 1828 dur Ordonnanz aufgestellte Be- stimmung bestätigt, daß die Lehrer an allen öffentlihen Unterrichts- Anstalten die Erklärung an Eidesstatt abgeben müssen: „daß sie feiner vom Staate verbotenen oder auch blos nicht anerkannten Congregation angehören““, eine Vorschrift, welche alle Mitglieder der Mönchsorden, und also auch die Jesuiten, von dem Lehramte ausschließt. Der Entwurf hält serner im Wesentlichen die bestehenden Vorschriften über die Befähi- gung zum Lehramte aufreht, welche für die Lehrer geistlichen Stan- des dieselben sind, wie für die weltlichen Professoren. Von den Einen ivie von den Anderen werden Sculzeugnisse, Baccalaureus= oder Licentiaten - Diplome und Sittenzeugnisse verlangt, Anforderungen, denen sih die Kirchenpartei in Bezug auf die Lehrer der geistlichen Anstalten von jeher widersebt hat, indem sie behauptet, daß die Wahl oder die Bestätigung dur den Bischof alle jene Garantieen vollkom= men erseße. Den bereits bestehenden Lehr - Anstalten wird eine Frist von drei Jahren gegeben, binnen welcher ihre Direktoren und Lehrer die vorgeschriebenen Bedingungen der geseblichen Befähigung zu er- füllen haben. Was insbesondere die sogenannten kleinen Seminarien betrifft, welche, ihrer eigentlichen Bestimmung zufolge, nur Pflanz= shulen für den Priesterstand sein sollten, die si< aber nach und nah zu wirklichen Gymnasien erweitert haben, so wird die Zahl ihrer Zöglinge auf 20,000 beschränkt. Diese Bestimmung war gleichfalls dur die Ordonnanzen vou 1828 aufgestellt worden, aber sie scheint niemals gehandhabt worden zu sein. Von den im Allge= meinen für alle Unterrihts-Anstalten gemachten Vorschriften wird in- dessen zu Gunsten der kleinen Seminarien cine Ausnahme gemacht, deren Rehtmäßigkeit und Zwe>kmäßigkeit man bezweifeln kann. Der Geseß= Vorschlag stellt nämlich eine Unterscheidung auf, der zufolge die Lehrer an einem Theile der kleinen Seminarien von der Beibrin- gung des Baccalaureus- oder Licentiaten-Diploms entbunden werden. Dagegen sollen denn die so privilegirten kleinen Seminarien auch in dem Rechte beschränkt sein, ihre Zöglinge zum Baccalaureus-Examen zu schi>en , sie sollen nämlich sonderbarer Weise nur die Hälfte ihrer Schüler zur Bestehung dieser Probe anmelden dürfen. Nochmals, jene Ausnahme zu Gunsten einer gewissen Anzahl kleiner Seminarien scheint uns durchaus nicht hinrciheud motivirt, und die derselben ent- sprechende -Beschräukung hat in unseren Augen zu sehr das Aussehen Baer bloßen Chifane, als daß wir dieselbe für re<tmäßig halten önnten,

Man kaun mit Gewißheit voraussehen, daß die Polemik über diesen Geseh-Entwurf den allerheftigsten Charakter annehmen wird, Die Kirchenpartei wird jedenfalls mit Leidenschaft gegen denselben protestiren und erklären, daß er, statt ihr die verfassungsmäßig zuge- sagte Freiheit des Unterrichts zu gewähren, eine Verstärkung des Mo- nopoles der Universität und eine Verengerung der Schranken beab- sichtige, in denen sih die Geistlichkeit bis jeßt bewegen müssen. Das Univers giebt bereits einen Vorgeshma> von dieser Polemik, Einer der bischöflichen Korrespondenten dieses Blattes tritt heute darin mit der ungemessensten Sprache gegen die Regierung auf, indem er auf die verständlichste Weise mit einer allgemeinen Kriegserllärung von Seiten der Geistlichkeit und mit einer allgemeinen Erhebung des Volkes ge- gen die irreligiöse Staatsgewalt droht, Die geistlihen Herren glau-= ben in der That, im Namen von dreiunddreißig Millionen franzö- sisher Katholiken reden zu dürfen, wenn sie das Amt des Jugend= Unterrichts als ein natürliches Privilegium der Diener des Altars in Anspruch nehmen. Die Leserzahl,, deren si< ihre Preß -Orgaue er- freuen, scheint indessen jene Meinung do< nicht ganz zu rechtfertigen. So hat das Univers, troß des Patronats und der lebhaften Korre- spondenz mehrerer streitfertigen Bischöfe, in zwei verschiedenen Aus- gaben eine Abounentenzahl von höchstens 2900 Personen, von denen aller Wahrscheinlichkeit nah ein schr großer Theil aus Pfarrern und überhaupt aus Geistlichen besteht. Das zweite, vorzugsweise kirch- liche Blatt, der unter dem unmittelbaren Einfluß des Erzbischofs von Paris stehende Ami de la Néligion, is nicht besser mit Abon- nenten ausgestattet, Das Journal des villes et des cam- pagnes dagegen, das seine ultramontanen Grundsähe und Zwee blos unter dem Schleier zeigt, und das wöchentlich nur zweimal er- scheint, hat über 6000 Abounenten, und zwar fast ausschließlich auf dem Lande; in Paris selbst is das genannte Blatt beinahe gänzlich unbekannt.

Auch derjenige Theil der kirhli< gesinnten Presse, in welchem die politische Richtung vorherrsht, mit anderen Worten die legitimi- stischen Blätter, befinden si<h keinesweges in ciner blühenden Ver- fassung, sie sind vielmehr in fortwährendem Abnehmen begriffen. So ist die Gazette de France von 5500 Abonnenten in den leyten se<s Jahren auf 3500 gefallen, und die Quotidienne, ge in demselben Zeitraume von ihren früheren 3600 Lesern etwa n ver- loren. Die France dagegen hat allerdings in der R pen B Leser gewonnen, aber ihre gesammte Abonnentenzahl beläuft ss o nur auf 1700, so daß dies Blatt fortwährend nur M nen pfern von Seiten seiner Eigenthümer aufrecht erhalten werden kann,

; S 3, Febr. Jn dem gestern von dem Minister des ifier Gutadlbid V Pairs-Kammer vorgelegten Gesebß - Ent- wurfe über den Sekundär -Unterricht sind insbesondere zwei Punkte vorzüglich beahtenswerth, nämlich die Verfügungen, welche derselbe über die Privat-Unterrichts-Anstalten, dann diejenigen, welche auf die über die geistlichen Sekundär - Schulen enthält, In Bezug auf die M Det Ubtecrichts-Anstalten werden die Verfügungen der Dekrete vom 17. März 1808 und vom 15. November 1811, welche die Grundla-

en des gegenwärtigen Zustandes der Dinge bilden, in einem sehr iberalen Sinne modifizirt. Es werden dadurch der Privat-Judustrie umfassende S Borsa egen wodurch die Privat-Anstalten, je- doch unter weisen Vorschriften, welche als Bedingungen der Moralität und der guten Leitung des Unterrichtes unerläßli<h sind, auf gleiche Linie Ee werden mit der Universität in Betreff der Vorbereitung der Zöglinge zu Erlangung der verschiedenen Grade der Fakultäten.

- die Vereinigten Stagten über ihren Mangel

Was nun den Theil des Geseh - Entwurfs betrifft, der si< auf die geistlihen Sekundär-Schulen bezieht, die unter dem Namen der klei= nen Seminare bekannt sind, so wird es, um das Urtheil darüber zu erleichtern, am besten sein, auf die jeßt in diesem Betreffe bestehende Geseßgebung darüber zurü>zuweisen.

Diese läßt sich auf den Jnhalt der Königlihen Ordonnanz vom 16. Juni 1828 zurü>führen. Die Regierung der Restauration selbst sah mit Beunruhigung, wie si der Klerus mehr und mehr des gan= zen öffentlihen Unterrichts zu bemächtigen suhte: Schulen waren entstanden unter der Leitung einer bekaunten Congregation, welche auf allen Seiten immer mehr um sih griff. Die kleinen Seminare, ursprüngli<h nur zur Heranbildung künftiger Geistlihen bestimmt, waren zu wahren Erziehungshäusern für alle Welt geworden, in welche au Kinder, die niht für den geistlihen Stand bestimmt waren, aufgenommen wurden, und diese Seminare „verroandelten sich“ wie der Bischof von Beauvais, damals Minister der kirchlichen Angelegenheiten, igte „unvermerft in wahre Collèges um und beein- trächtigten die Rechte der Universität.“ Unter diesen Umständen wurden die zwei Ordonnanzen vom 16. Juni 1828 erlassen, deren eine die von den nicht autorisirten Congregationen geleiteten Anstalten dem Gesehe der Univer- sität wieder unterwarf, während die andere die geistlihen Sekundär= \hulen regelte und sie auf den Grundsaß ihrer Errichtung zurü>= führte. Nach dem Wortlaute dieser Ordonnanz war die Zahl der in diesen Schulen aufzunehmenden Zöglinge auf 20,000 beschränkt, welche Zahl für hinreichend erachtet wurde, das Bedürfniß des Klerus zu de>en. Kein Externe durfte von da an mehr in diese Schulen aufge= nommen werdenz alle Zöglinge waren gehalten, das kirchliche Kostüm zu tragen; und endlich, und dies war der wichtigste Puult, die Züg- linge konnten beim Austritt aus diesen Schulen und wenn sie si< stellten, um den Grad ciues bachelier- &s-lettres zu erlangen, vor ihrer Ordination nur ein Spezial - Diplom erlangen, das nur inso- fern Wirkung hatte, um damit zu den Graden der Theologie zu ge- langen, und das nur dann erst, wenn der Zögling definitiv in den geistlihen Staud eingetreten war, in ein gewöhnliches Diplom eines bachelier- ès-lettres si< umwandelte. Nun i aber gerade eine der fürzli< vom Klerus erhobenen Prätensionen darauf gerichtet, diese durch die Ordonnanz vom 16. Juni 1828 dem Rechte zur Er- theilung von Unterricht in den geistlihen Sekundär - Schulen aufer- legte Schranke zu beseitigen und zu erlangen, daß die Aspiranten auf den Grad eines hachelier-ès-lettres aus diesen Schulen sollen her= vorgehen dürfen, ohne gehalten zu sein, die Klassen der Rhetorik und Philosophie an der Universität durhgemaht zu haben. So war es vor 1828 gewesen, und die Restauration selbst hatte die Nothwendig=- feit einer Aenderung eingesehen, die dann durch die besagte Ordon- nanz von 1828 unter dem Ministerium Martignac herbeigeführt wurde. Der jegt der Pairs - Kammer vorgelegte Geseh - Entwurf aber läßt sich über diesen Punkt auf Zugeständnisse ein, welche dem Ge-= seß-Entwurfe eine entschiedene Opposition in beiden Kammern berei= ten dürften, Denn nach diesem Geseß-Entwurfe werden die geistlichen Seknndärschulen, welche für die unteren Klassen Professoren mit dem Grade von bacheliers - ès-letlres und für die oberen Klassen Pro=- fessoren mit dem Grade von licenciés-ès- sciences haben werden, mit den Collèges und mit den Privat-= Anstalten für den Sekundär- Unterricht auf eine Linie gestellt werden, Jhre Zöglinge sollen, ohne die Universität zu besuchen, und selbst wenn sie nicht wirk= lich in den geistlichen Stand eintreten, zu den Prüfungen für das Baccalaureat zugelassen werden. Was die geistlihen Schu- len angeht, deren Professoren nicht graduirt sein sollten, \o sollen dieselben nur die Hälfte ihrer Zöglinge zum Baccalagureate präsen- tiren dürfen, Die übrigen Verfügungen der Ordonnanz vom 16. Juni 1828 sind aufrecht erhalten, namentlih sene, wona die Zahl der Zöglinge der geistlihen Schulen auf 20,000 geseblih beschränkt bleibt, Dies ist das System, welches der Geseß-Entwurf in Betreff der geistlihen Schulen aufstellt, Es is eine Art Mittelweg, der aber s{werli< die Zustimmung der Mehrheit beider Kammern erhal= ten dürfte, weil dadur< die sogenannten kleinen Seminare dem Zwe>te ihrer Errichtung entrü>kt werden, wonach sie rein geistliche Institute bleiben sollen, weil ferner dem Laien = Unterrichte die Einheit entzogen wird, die seine Stärke ausmaht, und weil die Ausführung Schwierigkeiten bietet, welhe nicht leiht lüs- bar sein dürften. Aber troß der dem Klerus gemachten Kon= zession fällt heute der Univers aufs heftigste gegen den Geseb-= Entwurf aus, den er als ungenügend, ja als einen förmlichen An- griff auf die Geistlichkeit darstellt, Das Journal des Débats zollt dem Geseß-Entwurfe unbedingten Beifall, auch der Constitu-= tionnel verkennt die guten Seiten desselben niht. Besonderen An- stoß hat dem fkriegslustigen Univers erregt, daß das Recht der Ober - Aufsicht, der Ernennung der Lehrer u. s. w. nah wie vor dem Staate vorbehalten werden soll , gerade diejenigen Punkte, welche unstreitig die anerkennenswerthesten desselben sind.

Grossbritanien und Irland.

Oberhaus. Sißung vom 1. Februar. Vie Debatte über die C G tere auf die Thron-Rede, welche bald nahdem die Gemeinen si< zurü>gezogen hatten, von dem Hause aufgenom- men wurde, ging ohne bemerkenswerthe Momente vorüber. Die Adresse ist bekanntli<h in England ein bloßer Wiederhall der Thron- Rede. Lord Eld ou beantragte dieselbe und rekapitulirte die Haupt= punkte der Königlichen Rede, indem er namentlih auf die Anuahme wirksamer Maßregeln zur Erhaltung des öffentlichen Friedens in Jr= land drang. Lord Hill unterstüßte den Autrag in kurzer Rede. Obwohl kein Amendement gestellt wurde, fonnte Lord Brougham do<h niht umhin, seine Zufriedenheit über eine Thron - Rede, welche fast in allen Punkten aus Glü>wünschen bestand, auszudrücken und, wie gewöhnlich, die auswärtigen Angelegenheiten des Reichs zum Gegenstande einer ausführlihen Erörterung zu machen, Die Erwäh= nung Frankreichs in der Thron-Rede entlo>te ihm eine warme Lob- rede auf seinen Freund Guizot mit Bezug auf die jüngsten Debatten in der französishen Deputirten-Kammer, und eine bittere Anklage derjenigen, welche feindselige Gesinnungeu zwischen beiden Ländern hervorzurufen trachteten. Ex {loß mit einem Sermon an an Rechtlich= feit, Von Seiten der Opposition erhob \si< zwar kein Wi= derstand gegen die Adresse, aber do<h mancher Tadel über die Maßregeln des Ministeriums in Jrland, welchen die Lords Normanby und Clanricarde aussprachen, Jhre Reden zielten im Wesentlichen darauf hin, zu erweisen, daß die Minister, Unrecht thäten, wenn sie glaubten, daß mit einem Staats-Prozeß die Schwie= rigkeiten Jrlands bescitigt wären, was die Thron-Rede anzunehmen scheine, und daß alle bisherigen Palliativ-Mittel für jenes Land unzu= reihend gewesen wären, um es ín den nothwendigen normalen Zustand aut verseßèn.

Die Adresse wurde nah diesen Bemerkungen einstimmig ange= nommen, L

Unterhaus. Sihung vom 1, Februar, Nicht so ruhig, als im Hause der Lords ging dic Adreß-Debatte bei den Gemeinen vorüber, Das Haus versammelte sich, wie es gewöhnlich am ersten Tage der Parlaments - Eröffnung geschieht, um 6 Uhr, und der Sprecher eröffnete die Sipung mit Verlesung der Thron-Rede, wie

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er sie vor wenigen Stunden im Hause der Lords aus dem Munde der Königin vernommen. Lord Clive beantragte hierauf die Ant= worts=Adresse an die Königin und unterstüßte den Antrag, indem er die einzelnen Paragraphen der Thron-Rede durhging, durch eine Recht- fertigung der ministeriellen Politik. Herr Cardw ell stimmte dem Redner bei und drang auf die Annahme der Adresse. Dagegen aber erhob si Herr Hume, um mit einem großen Theile der in der Thron-Rede be- rührten ministeriellen Maßregeln si< nicht einverstauden zu erklären und ein Amendement in Bezug auf das finanzielle und kommerzielle System der Regierung zu beantragen, worin erklärt wird, daß die große Steuerlast das Elend der armen Klassen des Landes verursacht habe und no< immerfort steigere, daß Erlaß von Steuern, Ermäßi- gung des Tarifs und Abschaffung der Korngeseße als nothwendig in Aussicht gestellt werden müsse. Herr Sh ar manCrawford, wie Herr Hume der radikalen Partei angehörend, ließ diesem Amendement so= gleich ein zweites folgen, wona< das Haus sich dahin aussprechen sollte, nicht eher die Steuiern zu bewilligen, bis die Beschwerden des Landes untersucht wären, Als die vorzüglichsten dieser Beschwerden nannte er den Zustand der Volksvertretung des Wahlrechts, des Ar- mengeseßes, der Steuerlasten 2c., überhaupt die ganze Organisation der Staats - Verwaltung, auf deren Reform die Pläne der radikalen Partei bekanntlich hinzielen. Eine ziemlich lebhafte und ausgedehnte Debatte folgte diesen Anträgen, deren Schi>ksal man bei der Shwäche der radikalen Partei im Parlamente leiht voraussehen konnte. Lord Palmerston, Lord John Russell und Sir Rob. Peel widerseßten si< denselben, Die beiden Ersteren tadelten viele Maßregeln der Regicrung, aber erklären si<h entschieden gegen jede Verweigerung von Steuern, welhe die Ehre und das Wohl des Landes nothwendig machten. Lord J. Russell's Tadelsausspruch über die Maßregeln des Ministeriums beschränkte si< auf die Korn- gesebe, indem ihn die s{hwebenden Prozeß-Verhandlungen in Jrland hinderten, seine Mißbilligung der dortigen Maßnahmen der Regierung zu motiviren, Jn Bezug auf jene Geseße äußerte sih der Lord dahin, daß zwar die Erfahrung der lebten Jahre keine einzige Theorie als die beste erwiesen habe, weder die alte Theorie des Schußes, uo die neue, welhe das Gegentheil von jener wäre, no< diejenige, welche in der Mitte zwischen beiden läge, und das Prinzip der allmäligen Veränderung in jenen Geseßen zu eigen habe, aber das ministerille System sei denno zu tadeln, weil die Korn-Zölle allein Prohibi= tionen enthielten, während andere Artikel sreigegeben worden wären z die Shwäche dieser Geseße beruhe auf ihrer Trennung von allen übrigen Tarif - Maßregeln, Sir R. Peel bekämpfte hierauf gleich= falls die beiden Amendements, Die Rede des Ministers is merkwür= dig wegen der Erklärungen über die Korngesebe und zwar zu Gunsten derselben. Die Minister hätten absichtlih eine Erwähnung dieser Gesetze in der Thron-Rede unterlassen, weil sie keine Aenderun g darin wäh= rend der Session vorzuschlagen beabsichtigten. Nach einigen Worten Lord Palmerston's, der in Zweifel zog, ob die gegenwärtige ver= besserte Lage des Landes dem Ministerium zuzuschreiben sei, und einer furzen Rede des Herrn Roebudc>, der über den Gebrauch klagte, daß die Adresse zu einer bloßen Förmlichkeit gemacht werde, und über Lord Russell si{< beshwerte, daß derselbe die irländishen Angelegenheiten nicht zur Diskussion bringen wolle, wodur er seinen Abfall von den liberalen Prinzipien zu erkennen gäbe, wurden die beiden Amendements zur Abstimmung gebracht und, das erste mit 235 gegen 49 Stimmen, das zweite mit 285 gegen 29 Stimmen verworfen, Es is} hieraus die Stärke der radikalen Partei im Parlamente abzunehmen.

Mehrere Motionen von Bedeutung wurden in dieser Sihung noch zur Anzeige gebraht. Lord Ashley wird zum 8ten und Herr Roebuc> zum 13ten einen Antrag in Betreff des gegen die Emirs von Sind beobachteten Verfahrens stellen. Lord J. Russell will zum 13ten den gegenwärtigen Zustand Jrlands, und Herr Fren< den Zustand des Armengeseßes in Jrland zur Erörterung bringen,

Unterhaus. Sibung vom 2, Febr, Die Adreßdebatte wurde heute noh fortgesebt, Man versuchte von Seiten der Oppo- sition, das Haus in eine allgemeine Erörterung über innere und aus- wärtige Politik zu verwi>eln, indeß scheiterten diese Versuche an der bisherigen Gewohnheit, dergleichen Debatten erst guf Grund bestimm- ter vorher angekündigter Motionen eintreten zu lassen. Herr S har-= man Crawford, das radikale Mitglied, suchte namentlich die irlän- dischen Angelegenheiten zur Sprache zu bringen und stellte ein Amen- dement, daß der ganze auf die entsprehende Stelle der Thronrede bezügliche Paragraph der Adresse, worin die Absicht Jhrer Majestät ausgedrüd>t wird, die Union zwischen England und Jrland unverleßzt aufrecht. zu erhalten, gänzlih ausgelassen werde. Nach mannigfachen Hin = und Herreden weniger bedeutender Redner, welche Sir R. Peel und Sir James Graham beschieden, wurde das Amendement endlich mit 142 gegen 35 Stimmen verworfen, ein zweites von Hrn. Duncombe, wiederum ein radikales Mitglied, das si auf die Ausdehnung der in der Thronrede in Aussicht gestellten Erweiterung des irländishen Wahlrechts über die Stadtgemeinden bezog, zurückgeuommen, und die Adresse, so wie sle entworfen war, genehmigt. Es wurde sodann beschlossen, die Adresse durch solhe Mitglieder des Hauses, welche zum Geheimen Rath gehörten, am nächsten Tage der Königin überreichen zu lassen, Das Haus vertagte sih schon um 10 Uhr.

Das Oberhaus versammelte si< heute nur zu dem Zwed>e, Jhrer Majestät der Königin die gestern angenommene Adresse zu überreichen.

London, 3, Febr. Jhre Majestät die Königin nahm gestern Nachmittag im Buckingham - Palaste die Adresse des Oberhauses auf die Thronrede vor dem versammelten Hofe feierlich entgegen.

Zu gleicher Zeit überreihte eine Deputation der städtischen Corporation von Dublin Jhrer Majestät eine Adresse in Betreff der Beschwerden des Landes und der Einstellung des Prozeß - Verfahrens gegen O'Connell, Die Antwort der Königin auf diese Adresse lau= tete: Jh empfange mit Vergnügen die Versicherung, daß Sie fort- fahren, Gesinnungen von Loyalität und Anhänglichkeit an Meine Person und Meine Krone zu hegen. Das geseßliche Verfahren, auf welches Sie si beziehen, {webt jeßt vor einem kompetenten Tri- bunal, und Jch bin nicht Willens, die Verwaltung des Rechts, wie das Geseß sie vorschreibt, zu unterbrehen, Es i} jeder Zeit Mein dringender Wunsch gewesen, daß alle Uebelstände, über welhe Mein Volk sih zu beklagen Grund hat, sofort abgestellt werden , und Jch vertraue auf die Weisheit dcs Parlaments des vereinigten König- reis, daß es solche legiëlativen Maßregeln treffen wird, welche sih als nothwendig zur Erreichung dieses Zwe>es erweisen. ;

Die Presse äußert si< über die Thron -Rede in der üblichen Weise; auf der einen Seite unbedingtes Lob, auf der anderen unbe- dingten Tadel, und ihr Urtheil ist dur die gestrigen Parlaments- Verhandlungen hinreihend kommentirt, An der Börse fielen die Fonds nach der Angabe des Globe, weil man deu auf di: Finanzen bezüglichen Paragraphen der Thron-Rede dahin deuten mußte, daß die Regierung die Einkommensteuer niht aufzugeben und die Tarif- Ermäßigungen nicht fortzuseßen beabsichtige. Auch der auf die Bank bezügliche Paraqrapb soll das Schwanken der Fonds veranlaßt haben, was indeß unwahrscheinlih ist, da daraus nur eine bevorstehende MeLOA des Bank-Privilegiums ersichtlich

ist. er Spectator giebt übrigens folgende Berichtigung der um-

laufenden d! in Betreff des bevorstehenden Erlöschens des Pri= vilegiums der Bank von England : das Privilegium erlischt in diesem Zahre nicht ohne Weiteres, sondern es tritt nur mit dem 1. August

dieses Jahres eine bis zum 1. Februar 1845 laufende Frist ein, in-

nerhalb welcher das M gekündigt werden muß, falls dasselbe

erlöschen soll; es erlis<t dann ein Jahr na dem Tage der Kündigung.

Wird dagegen vor dem 1. Februar 1845 nicht gekündigt, so dauert

das Privilegium bis zum Jahre 1855 fort.

Die Times äußert sih über die Thron-Rede am unparteiüs{sten. „Jm Ganzen genommen““, sagt dies Blatt, „kann die Thron = Rede eine negative genannt werden, und deshalb, was ihr aber zum Lobe gereiht, glauben wir, daß sie vorzugsweise getadelt werden wird. Sie offenbart Nichts von den ministeriellen Plänen, sie erschließt keinen Geseß- Entwurf, sie is fast gänzlich auf Rü>bli>e beschränkt. Dem Velle wird gesagt, was es schon weiß, und mehrere Gegen- stände werden gar nicht darin erwähnt, die man wohl erwar- ten konnte. Die Thron - Rede sagt Nichts von Wales und Nichts über die Korngeseße, Jedo<h dies weise Stillschwei= gen, das eine vorzeitige und übereilte Debatte verhinderte, hat doch dem Minister Gelegenheit gegeben, seine Absichten hinsichtlich der Korngeseß-Frage* zu erklären. Er hat seinen Entschluß erklärt, das bestehende Geseß nicht zu verändern oder abzuschaffen, Diese Erflärung hebt allen Zweifel, und sie wird den Muth der einen Partei beleben und das Verfahren der anderen bestimmen. Der Kampf, welcher vier Monate in den Provinzen gekämpft wurde, wird nun im Parlamente von neuem beginnen , und zwar mit verzweifel= ter Anstrengung von beiden Seiten, denn es giebt fortan zwischen beiden feine mögliche Konzession, keinen Mittelweg mehr. Der Mi= nister muß seine Kräfte geprüft haben und eines glüdlichen Erfolges sicher sein; ob aber dieser Erfolg über die gegenwärtige Session hinaus sich erstre>en wird, wagen wir nicht zu bestimmen.“

X London, 1. Febr. Der heutige Morgen bra heiter an und es ist Frost an die Stelle der milden, feuchten Winde getreten, die bisher unseren Winter bildeten. Der Zug der Königin nah West= minster bot den gewöhnlichen glänzenden Anblick dar; die versammelte Menschenmenge war sehr zahlreich, aber es gab \i< kein großer Enthusiasmus unter ihr kund, Einem Fremden würde wahrscheinli * weit mehr die große Einfachheit der Ceremonie, als ihr Glanz und ihre Großartigfeit aufgefallen sein.

Die Thron= Rede war lang und weitshweifig; sie is rei an Worten, aber arm an Eleganz und Jnhalt. Die Phrase der fran= zösischen Thron - Rede, worin Ludwig Philipp von dem ¡herzlichen Einverständnisse““ spricht, hat natürlich hier ihr Echo gefundenz allein ih glaube, daß die Ausdrücke etwas modifizirt worden sind, um Alles zu vermeiden, was den übrigen europäishen Mächten hätte unange=- nehm sein können.

Die stärkste Stelle in der Thron-Rede is vielleicht diejenige, wo das Parlament ermahnt wird, „jenen öffentlichen Kredit aufrecht zu erhalten, dessen Behauptung auf gleiche Weise die ewigen Interessen, so wie die Chre und den Ruf eines großen Landes angeht. Wenn man sih erinnert, daß dies genau das is, was Herr Tyler in feiner lebten Botschaft nicht sagte, so liegt in diesen Worten der Königin von England eine bezeihnende und \hlagende Maunifestation.

Die Adreß=Debatten werden wahrscheinlich nicht sehr heftig sein. Herr Cardwell, der die Adresse im Unterhause unterstüßt, is ein junges Mitglied, das viel versprechen soll. Man erwartet ein Ameu= dement von der radikalen Partei; ein von dieser Seite ausgehendes Awendement hat jedoch keine ernstliche Wichtigkeit und wird wahr= scheinli< ohne Abstimmung zurü>genommen werden,

Die meisten Führer der Whigs sind bereits hier; selbst Lord Melbourne ist angekommen, obglei<h er wohl nicht thätig auf dem politischen Schauplaß auftreten wird. Lord John Russell ist heut früh eingetroffen,

Die Zeitungen beschäftigen sih mit einem außerordentlihen Vor= falle in dem irländishen Gerichtshofe der Queen?s Bench. Der Ge- neral-Prokurator Smith, welcher sih von einem Herrn Fibgibbon, dem Vertheidiger eines der Angeklagten, persönlich beleidigt glaubte, sandte im Gerichtshofe eine Herausforderung, um si< auf der Stelle mit ihm zu schlagen. Dies sebt allen Blunders und Albernheiten, wo= dur der Vorsteher des irländischen Advokatenstandes der Sache der Königin geschadet hat, die Krone auf und stürzt ihn für immer. Eine solche Verleßung des öffentlichen Anstandes, der Freiheit der Barre und des Gerichtshofes dur< deu General =- Prokurator mitten in der Gerichts-Sibung is in der That ohne Beispiel. Jm ganzen übrigen Europa könnte nichts der Art passiren ; selbst in Spanien nicht; nur Jrland is das einzige Land der alten Welt, wo dergleichen passiren fonnte, Es is in der That ungemein <harakteristis< für den thörich= ten Ungestüm, den allgemeinen Mangel an Selbstbeherrs<hung uud für jenes Uebergewicht der Lebhaftigkeit über solide. Talente, welches leider den Besten unter dem irländischen Volke eigen is, Wenn indeß die Jury Herrn O’'Connell überführt, so mag diese Thorheit vergeben werdenz thut sie es nicht, so fällt gewiß dem General - Prokurator Smith die ganze Schuld davon zur Last.

Schweden und Uorwegen.

Stockholm, 30, Jan. Aus den seit dem 28sten Naqhmit= tags erschienenen Bülletins geht hervor, daß die Krankheit Sr. Ma- jestät des Königs einen beruhigenderen Charakter angenommen hat ; sie lauten folgendermaßen :

„Den 27sten 1 Uhr Nachmittags. Se. Majestät haben seit dem leßten Bülletin mehrere Stunden geschlummert, und wenn Sie warhend gewesen, mehr Besinnung als während der Nacht ge= zeigt, Das Fieber dauert fort.

74 Uhr Nachmittags. Se. Majestät haben seit 14 Uhr heute mehr ununterbrohene Ruhe und Besinnung, auch gelinderes Fieber gehabt, als während des vorigen Theils der leßten 24 Stunden.

Den 29sten, 7 Uhr Vormittags. Sr. Majestät ruhigerer Zustand hielt bis gleih nah 10 Uhr gestern Abend an, wo vermehr= tes Fieber mit Phantasicen sih einstellte und mit we<selnder Heftig= feit bis 5 Uhr diesen Morgen währte, wo Se. Majestät in stillen Schlummer fielen, der no< dauert.

l Uhr Nachmittags. Se. Majestät haben seit dem Mor= gen-Bülletin guten Schlaf mit Verminderung des Fiebers gehabt.

9 Uhr Nachmittags. Se. Majestät sind gegenwärtig bei Besinnung, weniger matt und fast frei vom Fieber.

Den 30sten, 7 Uhr Vormittags. Se. Majestät bekamen gestern später gegen Abend wieder stärkeres Fieber mit Phantasiren, jedoch Beides gelinder, als während der beiden vorhergehenden Nächte. Nach Mitternacht hatten Sie, mit wenigen Unterbrechungen, ruhigen Schlaf, so wie auch noch jeßt.

59 Uhr Nachmittags, Se. Majestät waren beim Erwachen um 10 Uhr Vormittags fieberfrei und verzehrten mit aen einige Löffel Bouillon, klagen aber diesen Nachmittag über Ma tigkeit und starken Schmerz im reten Fuß. L

Merkwürdig is es (wenn man auf die früheren Bülletins zu- rüd>geht), daß der König am ersten Tage seiner Krankheit, den 26sten, - so viele Körperkraft hatte, si bei einer Gelegenheit selbst aus dem Bette zu helfen, und als man ihm Beistand leisten wollte, die An-

wesenden fortschi>te, Auch ergriff er bei dem Aderlasse den Prof. E