1844 / 54 p. 3 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

Staatsrath Freiherr von Rüdt: Nicht aus Willkür, sondern aus guten Gründen hat man jene Maßregeln getroffen. Die Re- gierung is bei dieser Partikularsahe selbs gar nicht betheiligt, es handelt sich um Wahrnehmung von Verhältnissen dritter Personen und von der Erfüllung wichtiger und heiliger Pflichten. Auch ist kei nesweges befohlen, daß nur einer Partei, einer Ansicht in den Weg geiteten werden soll, fondern es is ohne Unterschied alle und jede

rörterung dieser Sache, von welhem Standpunkte aus sie au ge- schrieben sei, untersagt. Von einer Herabwürdigung des Volkes, von einem Abweichen früherer Grundsäße kann durchaus nicht die Rede sein ; das Volk selbst is bei dieser Anordnung völlig unbetheiligt, die Zeitungsschreiber und Pamphletisten sind es, die bei uns und in an- deren Ländern Verdruß und Unruhe herbeiführen wollen, und die jede Veranlassung willkommen ergreifen, um für ihre Feder bezahlt zu werden oder neuen Stoff zu finden. Nur gegen diese ist die Maß- regel gerichtet, niht gegen das Volk. Jh wiederhole, daß ih für die fraglihe Anordnung verantwortlich bin.

von Jbstein: Er gehöre au<h zu den Gutdenkenden, an die der Herr Regierungs - Commissair appellirt habe, halte aber au< für seine Pflicht, Maßregeln der Regierung zu rügen, wenn er in ihnen Beeinträchtigungen der Rechte des Volkes finde, und diesem sei durch jene Maßregel sein Recht gekränkt. Was den Gebrauch von solchen Stoffen für die Zeitungen betreffe, so werde das Volk Artikel über die von Habershe Sache mit eben solher Geduld lesen, als andere, die ewigen Litaneien von Eisenbahnen 2c.

Bassermann: Die von Habersche Angelegenheit habe zwei Seiten, eine persönliche und eine öffentliche, allgemeine. Was die erstere betreffe, so möge sie allerdings ihr Juteresse längst verloren haben; übrigens aber sei daraus no< nicht eine solche Bevormundung, wie

sie eingetreten, herzuleiten, Der Redner geht dann über zur Be=

leuhtung der anderen Seite der Frage und verbreitet sich vorzüglich über das Thatsächliche des stattgehabten Tumultes, bei dem allerdings die öffentlihe Sicherheit von Personen und Eigenthum in hohem Grade betheiligt sei. Der Regierung möchte selbst daran liegeu, die strengste Untersuchung dieser Scenen zu betreiben und die Schuldigen zu entde>den, damit jeder Zweifel über die Unparteilichkeit derselben verschwinde. Darum verlange er, daß das Ministerium diesen Theil der Untersuchung aktenmäßig veröffentlihe; er verlange es, im Jn- teresse der öffentlihen Moral, der Civilisation, im Junteresse aller Be- theiligten selbst.

Staatsrath Frhr. von Rüdt bemerkt in Bezug auf den lebten Theil der Rede des Abg. Bassermann, daß die Regierung früher ‘be- reits eine aftenmäßige Mittheilung gemacht habe, und daß es ihre Absicht sei, sobald die Erkenntuisse über die verschiedenen abgesouderten Untersuchungen erfolgt seien, das Geeignete darüber nachträgli< bekannt zu machen, mit Schonung freilich persönlicher Rücksichten, da die Regierung es nicht verantworten könnte, wenn, sie eine Bekauntmachung in solcher Weise erließe, daß dadurch eine ausgesprochene Strafe geschärst oder irgend ein Nachtheil für ein Judividuum herbeigeführt würde, welches für eine Handlung bereits seine Verantwortung getragen habe. Die dienstpolizeilichen Angelegenheiten seien dur<h Erkenntniß der höchsten Staats= Behörde erledigt, und diejenigen Puukte, die sich vor das militairische Forum eigneten, würden ihre Erledigung erhalten, sobald die Akten, die von dem Hofgerichte eingefordert wurden, um in der Hauptsache zu erkennen, zurü>gekommen sein würden. Die Regierung wolle weder eine Verheimlihung, noch eine besondere Schonung oder Verzögerung.

Bassermann: Aus der Rede des Herrn Regierungs - Com- missairs scheine hervorzugehen, daß man eine ähuliche Veröffentlichung, wie die frühere in der Karlsruher Zeitung, erhalten werde; leßtere aber sei in keiner Weise für befriedigend zu halten, da sie den Vorgang nicht vollständig aufkläre; eine ähnlihe Rechtfertigung werde daher das verleßte Rechtsgefühl nicht befriedigen.

Staatsrath Freiherr von Rüdt: Es wird, der Wahrheit ge- mäß, Alles mitgetheilt werden, was das Publikum in dieser Hinsicht interessiren und was besonders das Land beruhigen kann. Wir er- warten nur die Erkenntnisse, die von Seiten der Gerichtshöfe und der Militair-Behörde gegeben werden müssen; denn ohne diese läßt si irgend etwas Geeignetes niht wohl veröffentlichen.

Mathy verbreitet si besonders über die vom Abg. von Jh- stein angeregten drei Fragen. Seine Rede erregte vielfache Auf- regung und trug dazu bei, daß mehrseitig das Bedürfniß gefühlt wurde, die Diskussion nicht länger fortdauern zu lassen,

Bader erhob sih, um einen Antrag zu stellen, daß die Dis= kussion geschlossen und die Kammer folgenden Beschluß fassen möge, na<hdem er zuvor sein lebhaftes Bedauern ausgedrückt, daß solche Vorgänge, wie sie im September v, J. in Karlsruhe vorgekommen, hätten möglich sein können, Sein Antrag ging dahin :

,„Judem die Kammer den Vorfall vom 5, September 1843 be- flagt, legt sie den Wunsch zu Protokoll nieder, es möge der Groß- herzoglichen Regierung noch gelingen, vollständiger , als es schon ge- schehen ist, aufzuklären, ob und wie es ohne weiteres Verschulden der Behörden möglich gewesen sei, daß die gegen das Eigenthum eines Bürgers verübten Gewaltthätigkeiten stundenlang fortgeseßt werden konnten, ehe ihrer Einhalt geshah, uud daß anderenfalls diejenigen, die den Mangel an Rechtshubß verschuldet haben, ermittelt und zur Strafe gezogen werden. Die Kammer spricht dabei zugleih die Er= wartung aus, daß die Großherzogliche Regierung die angeordnete Unterdrü>ung jeder weiteren üfentlihen Mittheilung in dieser Sache als eine ungebührliche Beschränkung der Presse in inneren Angelegen-= heiten zurü>uehmen werde.“

Auf die Frage des Präsidenten: ob die Kammer die Dis- kussion schließen und sofort über den gestellten Antrag abstimmen wolle? spricht die Kammer \{< bejahend aus.

Mehrere Redner, die no< zum Worte si< gemeldet hatten, wie die Abg, Wel>ker, Schaaf, Rettig, Trefurt, Weizel, konnten daher an der Diskussion keinen weiteren Antheil nehmen,

Bei der erfolgenden Abstimmung nimmt die Kammer den An- trag des Abg. Bader an, und damit wird dieser Gegenstand verlassen.

Sachsen-Weimar-Eisenach. Weimar, 18. Febr. (L. Z.) Der Geburtstag der Frau Großherzogin is ohne öffentlihe Festlich- feiten vorübergegangen, da die allverehrte Fürstin, zwar in der Rekon= valescenz von der Grippe-Krankheit begriffen, sich do< noh nicht er- starkt genug fühlte, die gebräuchlihe Gratulation annehmen und an den darauf folgenden Festlichkeiten Theil nehmen zu können. Jndeß Fus den Bülletins der Aerzte die gefährliche Krisis gänzlich ge-

en,

d Heute Mittag um 12 Uhr wurde in Auftrag des Großherzo gs Mitter alährige (in der Zahl der 9te) ordentliche Laudtag durch die Ministe F des Großherzogl. Staats-Ministeriums vom Herrn Staats= Geh Referend von Gersdorf mit einer Anrede eröffnet, vom Herrn M: vat E ar, Dr. Sticling, die Propositions\chrift verlesen und t, o< nit ein etroffenen Landmarschalls, Frhn, von Riedesel, D < Herrn Geh. Rath und Kanzler, von Müller, den Landes- eputirten als eröffnet angekündigt, Sämmtliche Mitglieder wurden darauf zur Großherzoglichen Mittagstafel eingeladen, L Konzert im Hosc-Tleateapelle wird heute von Herrn Lißt noch s en ine zi Anzahl Fremde hier elhgefunden aben N STS Nuf VeURAE

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Im Thüringer Wald is in den leßten Wochen eine große Masse Shnee gefallen, Bei nell eintretentem Thauwetter sind für die fürdie der Jlm und Werra bedeutende Ueberschwemmungen zu be= ürchten,

,_Me>lenburg-Shwerin, Schwerin, 16. Febr, (Schw. Z.) Sicheren gestern Abend hier eingetroffenen Nachrichten zufolge, haben Se. Königl. Hoheit der Großherzog die bei dem hohen Schneefall sehr beshwerlihe Reise von München nah Verona glü>lih überstan-= den, und sind daselbst im höchsten Wohlsein eingetroffen. Se. Kü- nigl, Hoheit beabsichtigten, am 8ten und Vten d. in Venedig zu ver= weilen und hofften, am 15ten d. in Rom einzutreffen.

Frankreich.

Deputirten - Kammer. Sibung vom 416. Februar. Noch isst nicht abzusehen, wann die Kammer der Debatten müde sein wird, welche sie seit aht Tagen hon auf das Jagdgeseß wendet; \o viel scheint gewiß, daß sie keine Eil hat, damit zu Ende zu kommen. Heute wurde indeß die Diskussion wenigstens wieder ernsthaft und erhielt eine gewisse Wichtigkeit, denn die Leidenschaften der Opposition spielten ihre Rolle dabei. Es handelte sich darum, die Frage zu er= ledigen, wel<he die Kammer vorgestern ungelöst gelassen und noch einmal an die Kommission zur Prüfung überwiesen hatte, Der bte Artikel bestimmt nämli die Fälle, in welchen der Präfekt die Jagd- Erlaubniß soll verweigern dürfen; es werden zu diesem Zwe> jetzt Kategorieen aufgestellt, wo der ursprünglihe Entwurf dem Präfek= ten vollkommene Willkür ließ, und diese Kategorieen waren, in Folge der neuen Abfassung von Seiten der Kommission, in no< bestimmtere und engere Gränzen eingeschlossen. Dessenun= geachtet erhob die Opposition wieder die alten Einwendungen und wollte au in der jeßigen Fassung noch viel zu viel in die Will= kür des Präfekten gestellt erbli>en. Herr Durand namentli<h er- Élärte, er würde lieber die im 8. Artikel aufgezählten unbedingten Ausschließungen no< ausgedehnt sehen, wenn nur der 6. Artikel un-= terdrü>t würde. Darauf entgegnete Herr Mermilliod im Namen der Kommission: „Das Amendement der Minorität der Kommission hatte im vorigen Jahre und zu Anfang der diesjährigen Verhandlun= gen fast allgemeine Zustimmung erhalten ; erst von dem Augenbli>ke an, wo die Majorität der Kommission und die Regierung demselben bei traten, ist es die Zielscheibe Jhres Tadels geworden. So geht es stets: wenn die Regierung ein System nicht will, dann will es die Opposition, und will die Regierung es, dann will es die Opposition nicht mehr“, Unter anderen Beschuldigungen, welche die linke Seite no< erhob, warf Herr Durand au<h dem Großsiegelbewahrer vor, daß er der Kammer ein unzureichend vorbereitetes und durchdachtes Geseß vorgelegt habe. Dies veranlaßte Herrn Martin du Nord zu einer sehr lebhaften Entgegnung, die zu wie= derholten Malen von Beifall unterbrochen wurde. „Jch weise“, sagte der Minister, „die Verantwortlichkeit für alle Hindernisse zurü>, auf welche diese Berathung bis jebt gestoßen i, Wie soll man \i< wiedererkennen unter diesem Hagel von Amendements und Unter-= Amendements, der si seit dem Beginn der Diskussion über uns ausshüttet. Sollte ein solches Verfahren bei Anfertigung der Ge= seße geduldet werden, so würde nicht nur gegenwärtiges, sondern jed=- wedes Geseß unmöglich werden.“ Uebrigens blieben die Bemühungen der Opposition ohne Erfolg: das System der Kategorieen, wie es in den Artikeln 6, 7 und 8 enthalten is, wurde mit geringen Modifi= cationen, welche eine Verbesserung desselben zum Zwe> hatten und von beiden Seiten Zustimmung fanden, in seinen Grundzügen von der Kammer genehmigt, Morgen wird man zu dem Abschnitt über die Strafen für Jagdvergehen schreiten.

Paris, 17, Febr, Die Budget-Kommission hat gestern ihre allgemeinen Berathungen beendigt und wird heute zu den Details übergehen. Zunächst wird sie das Verzeichniß der Dokumente fest= stellen, welche sie von den verschiedenen Ministern zu ihrer Jufor= ation verlangen will. Die Patent-Kommission hat die Aufschlüsse, welche ihr der Finanz-Minister mitgetheilt, gestern in Erwägung ge= ogen, f Die Gazette de France enthält einen Brief des Marquis von Laroche - Jacquelin an mehrere Bewohner von Fontenay in der Vendée, welche ihn zu ihrem Kandidaten vorzuschlagen beabsichtigten. Der Marquis lehnt diese Ehre ab, da er Ploermel auch ferner zu vertreten gedenke, Auch der legitimistishe Deputirte Herr Blin de Bourdon hat an die Wähler von Doullens geschrieben. Er erklärt die Beweggründe seiner Reise nah London und bittet um ihre Stim= men bei der neuen Wahl,

M Paris, 17. Febr. Die Sihung der Deputirten-Kammer war heute wie gestern ausschließlih der Fortseßung der Diskussion des Jagd-Polizeigeseßes gewidmet, ohne daß etwas von besonderem Interesse vorgekommen wäre. Man fam bis zum Artikel 14, Man glaubt, es werde die Debatte no< Montag sogar nicht zu Ende fommen. Man sieht aus dem ganzen Gange der Debatte, daß es von Seiten der Opposition in vielfacher Beziehung auf Fleinliche Ned>ereien gegen das Ministerium abgesehen is, Die Kommission für das Budget hat heute mit Untersuhung des Zustandes der ein- geschriebenen Schuld ihre Arbeiten begonnen. Die Kommission für das Geseh über die Patente hat gleichfalls ihre Arbeiten fortgeseßt. Am Mittwoch beginnt die Diskussion des Vorschlags des Herrn von Ré= musat über die parlamentarischen Jnkompatibilitäten, man glaubt, sie werde wohl dréi Sihungen in Anspruch nehmen, Herr Gaulthier de Rumilly hat heute auf dem Büreau der Kammer eine Petition der Einwohner von Chamond zu Gunsten der Freiheit des Unter= richts niedergelegt.

% Paris, 17, Febr. Die Diskussion des Jagd - Gesehes in der Deputirten-Kammer wird ein wahrhaster Spaß, der übrigens einen um so unangenehmeren Eindru> macht, als man allgemein behauptet, daß das Geseh bei der Abstimmung über das Ganze verworfen wer= den wird. Die Opposition ihrerseits ist mit ihrem Plan für die ganze Session fertig. Das Ministerium bei allen seinen Vorschlägen ohne Rücksicht auf deren Nütlichkeit oder Dringlichkeit, zu ne>en, die Dis= kussion aller Geseß-Eutwürfe zu ershweren, \o viel wie nur möglich politische Debatten anzuregenz das is das Programm der Linken, wie Herr Thiers es selbst entworfen hat. Das Ministerium befindet sich in der größten Verlegenheit hinsihtlih der Eisenbahnen. Welchen Beschluß es auch fassen, was es au<h thun mag, überall wird es auf einen organisirten Widerstand stoßen. Es steht jeßt ein, daß das Geseß von 1842 fast ein todter Buchstabe is und daß man zu an- deren Combinationen schreiten muß, wenn unser Eisenbahnneh endlich einmal ausgeführt werden soll. Das Problem wird durch mehrere Unte fia die niht leiht zu befriedigen sind, immer verwielter, Unsere Financiers Le entschlossen, si< niht abweisen zu lassen und

owohl im Ministerium, als in den beiden Kammern großen Einfluß

fs der einträglihsten Linien zu bemächtigen. Man d daß sie,

besiben. P Die Wiedererwählung der ausgeschiedenen legitimistischen Depu-

irten beschäftigt die Partei außerordentlich, obgleih sie in ihren ournalen des Resultats sicher zu sein scheint. Herr Berryer is sehr

kummervoll und entmuthigt. Seine finanzielle L seine Schulden werden auf 500,000 Fr. a in beständigem Kampfe mit seinen Gl welche die Partei ihm zukommen läßt seine Ausgaben. Die le lung hat etwa 60,000 eine Ausnahme, und für gewöhnlich tem uicht o viel.

age is sehr bedrängt ngegeben. Er befindet sich äubigern, und die Unterstüßung, , is durchaus unzureicheud für bte in dieser Beziehung angestellte Samm- ; aber eine solhe Summe is beträgt die Subscription bei wei= so is er natürlich artei erhält, angewiesen z end ist, so befindet sih der berühmte Reduer { + Er wird am Sonnabend nah Marseille Wiedererwähluug zu betreiben,

Fr. eingebracht

Da er kein Vermögen besißt, auf die Unterstüßung, die er von seiner P da diese aber nicht hinrei in beständiger Verlegenheit abreisen, um seine denn die Regierung bietet in den Mittel auf. Die legitimistische sich übrigens das Anschen, als ob „Wenn die Wahlen vom 2, März“ „der freien und natürlichen Aeußeru! so würde Marseille seinen ausgezeichneten Deputirten wieder wählen, ohne daß ein ernstliher Kampf zwischen den Wählern stattfände. Die Jntrigue, die Drohung, alle jene kleinen Mittel, über welche die Autorität, den Geseßen zum Troß, gebietet , sind jebt die einzigen Mittel, die wir zu fürchten haben; aber was vermögen sie gegen den festen Entschluß aller unabhängigen Wähler und gegen die allgemeine Gesinnung, die im Voraus die Niederlage der Regierung verkündigt und ihr nicht einen einzigen Kandidaten unter denen läßt, die wählt haben wollte,“

Er thut wohl daran, Stadt alle ihr zu Gebote stehen= n Journale von Marseille geben folg für gesichert hielten. , sagt die Gazette du Midi, 1g der Meinung überlassen wären,

Die Regierung verdoppelt ihre An= strengungen, um die Wiedererwählung des Herrn Berryer als De= putirten von Marseille zu vereiteln. Kandidat dem Herrn Berryer den Sieg bestreiten könnte, so hat das Kabinet zu seinem Kandidaten den einflußreihsten Mann vou Marseille gewählt, in der Hoffnung, daß dessen zahlreiche Freunde ihre Stimmen dem Herrn Berryer versagen werden, Pascal, der Rothschild von Marscille, der aber so wenig Lust und Fähigkeit zur Deputation hegt, daß er selbst nie daran gedacht hätte, sich in die Reihen zu stellen. Herr Pascal kam zufällig vor wenigen , um eine seiner Töchter in eine unserer ausge- zeichnetsten Erziehungs - Anstalten unterzubringen. ster des Junern dessen Ankunft, so überredete er ihn, als Konkurrent des Herrn is gestern wieder na< M Ort und Stelle zu betreiben. Her habe von der Konkurrenz des Herr die Opposition, die in jenem Wah auf das thätigste für seine Wiede Drittel der Wahlmänner, welhe für Herrn Berryer stimmen, hört zur radikalen Partei, welhe, man muß es gestehen, so sich au<h vom blinden Parteigeiste beherrschen läßt, treff der Wahl-Operationen als die unbestelichste gilt.

Herrn Berryer abgerechnet, der, nah der Meinung vieler Deputir= ten, wenn er au an Herrn Pascal nicht etnen persönlich gefährlichen Kan= didaten hat, do durch die Konkurrenz desselben seine Wiedererwählung ershwert finden wird, scheinen die übrigen demisstonairen legitimisti-= hen Deputirten ihrer Ernennung so sicher zu sein, daß man bereits g St. Germain ihnen zu Ehren einen gro= ßen Ball vorbereitet, Die zwölf \{<önsten und elegantesten Damen unter den Legitimisten werden die Dames wobei, wie man sagt, um den Ausdru> flétrir, womit Deputirten von und zu verschönern, Faubourg St. Germain mit verwelkten Blumen auf dem Blumensträußen lung auf das Wort llétrie, so viel als verwelken machen heißt. wie sehr das Kabinet bemüht is, den Le die Niederlage cines der demissionairen Deputirten ihre Darum sínd alle Bemühungen der Wahl des Herrn Berryer konzentrirt, welcher gitimisten zu gelten pflegt.

x Paris, 17. Febr. die weite Fahrt von Tahiti bi bringt wichtige Nachrichten von dieser Jnsel mit, mare is förmlih ihrer Regierung entseßt worden Verlebungen des Vertrags, wodurch das französis Der Contre = Admiral Dupetit= Thouars hatte im Namen Frankreichs von Tahiti Besiß genommen, und die französi= sche Flagge wehte allein no< auf der Jnsel, als Zeichen der Sou= Jch hoffe, Jhnen vielleicht morgen schon Die „Elizabeth‘““ brachte Aus dieser Be=

m Paris, 17. Febr. Da sonst \{werli< irgend ein

Es ist dies der Banquier

Tagen in Paris an

Berryer aufzutreten. Herr Pascal gereist, um seine Kandidatur an r Berryer seinerseits behauptet, er n Pascal nichts zu fürchten, weil l - Bezirke großen Einfluß hat, sich rernennung verwendet.

dennoch in Be-=

in den Salons des Faubour patronesses dieses Festes

getroffen wur=

die legitimistischen Schönheiten des

eine Anspie- auf Blumen angewendet, Es läßt si< leiht denken, Freude durh r Partei zu Regierung gegen die als das Haupt der Le=

gitimisten diese

Der Wallfishfänger „Elizabeth“, der s Havre in 90 Tagen zurü>gelegt hat, Die Königin Po= wegen angeblicher e Protektorat über

sie festgestellt wurde.

verginetät Frankreichs. Näheres darüber mittheilen zu können. mehrere Pakete Depeschen für die Regierung mit. sibnahme könnten leiht neue Verwi>kelungen zwischen Frankreih und England entstehen,

Grossbritanien und Irland.

Sibßung vom 13, Februar. Herrn Wyse, des katholishen Mitglieds für Waterford, zur Unter= stüßung des Antrages Lord Russell's, die irländischen Beschwerden durch ein Comité des ganzen Hauses untersuchen zu lássen, zeichnete sich eben so dur< große Mäßigung als ihre eindringlihe Sprache aus, Der Redner hatte si< namentlih die religiösen Verhältnisse des Laudes zum Thema gewählt und außer einem besseren Systeme der Volks = Erziehung die Gleichstellung der beiden Kirchen in Jrland Er wollte nicht den katholischen Klerus an die Stelle des protestantischen geseßt, aber wohl die Alles absorbirende Stellung des Man solle beide Kirchen auf eine gleiche Stufe stellen, jede Kirche für ihre Geistlihen sorgen lassen und daraus die erfreulihsten Resultate erwarten. | „Js dies geschehen“/, so {loß Herr Wyse, „und sind andere derartige Maßnahmen getroffen, habt Jhr die Staatsprozesse aufgegeben Und die Bajonette von Euch gelegt, dann erst wird Euch das irländische Bolk mehr als Lippendienst, es wird Euh wahre Zuneigung des Fapens widmen. Js es nicht eine Schmach für Euch in den Augen von ganz Enropa, daß Irland sih in seinem jeyigen Zustande befindet ? e i 3 geltung, der si<h Staaten wie Zndividuen unterwerfen müssen, daß sie näm- lih niht Unrecht thun können, ohne daß die Folgen sie selbs treffen, Gefahr nah der anderen habt Jhr zu bestehen, eine Nevolte nach der an- ehabt. Das find die Früchte der Saaten , die Jhr rland neben Euch gestanden, mitten in seiner Armuth, aber dennoch stark; da steht es fort und fort r das üppigste Wohlleben führt und ín dem Wohllebens s{hwelgt, gleih dem römischen Sklaven, der er an seine Sterblichkeit mahnt. England hat gerehten Anspruch n den ersten Neihen zu stehen in der Sache der Civilisation und Humanitätz aber eins fehlt ihm und damit fehlt ihm Alles Friede im Junern ohne welchen weder Reichthum noch Wohlfahrt von lan Dauer sein kann. England is im Stande, \si< diesen wesentlichen Zu zu seinem dauernden Ruhme zu verschaffen, aber das fann nicht dur Gewalt und Einschüchterung geschehen, sondern nur durch den Zauberspruch: „Wie Du willst, daß man Dir thue, so thue Andern auch.“ ist das Unbeugsame Gesey der Natur,

Unterhaus. Die Rede des

leßteren geändert sehen.

Es is eine gerechte Ver-

deien zu unterdrücken

bedrü>t und mißvergnügt, Euch zur Seite, Uebermaße Eures

während Jh

Es wurde nicht für England oder

für Jrland erschaffen, sondern hat alle Vergangenheit beherrscht, wie es alle Zukunft beherrshen wird. Dem muß si< auch der Stolz Großbritaniens endlih unterwerfen. Ehe Jhr es aber zu einer Frage des Krieges oder Friedens werden laßt, so lange es noch eine neutrale Partei giebt, deren Vermittelung Jhr benußen könnt, so handelt weise zur gehörigen Zeit, s{<wö:t Eure Jrretbümer ab, wie Jhr es im Jahre 1829 ithatet, und gebt das ruhmvolle Beispiel, zum zweitenmale zu thun, was Recht is, Euren BVorurtheilen und vorgefaßten Meinungen zum Troge., ‘““ :

Der Ministèr des Jnnern, Sir James Graham, rechtfertigte nun die Politik und die Maßregeln der Regierung in folgender Weise:

„I bin gerüstet, in meiner Stellung Zhrer Majestät Negierung bei der gegenwärtigen Gelegenheit zu vertheidigen, Zuvörderst indeß muß ih meine Meinung über einige Beme1kungen des cdlen Lords (Lord Russell's) vo:anschi>en, Wir sind uns Beide auf diesem unglülichen irländischen Gebiete stets feindlih begegnet, und ich bin überzeugt nah dem, was ih jeßt gehört habe, daß wir uns niemals werden einigen können, Troy der zwischen uns bestehenden Meinungs - Verschiedenheit muß ih aber dennoch auf zwei Punkte hindeuten, über welhe wir einig zu sein scheinen, Der edle Lord sagte, daß es nicmals einen Souverain auf dem Throne Eng- lands gegeben habe, dem die Wohlfahrt seiner irländischen Unterthanen mehr am Herzen hätte liegen können, wie Jhrer Majestät der jeßt regierenden Königin. Jch habe die große Genugthuung, zu erklären, daß dicse Bchauptung des edlen Lord durchaus wahr und begründet is, Was den zweiten Punkt anbetrifft, \o sagte der edle Lord, gestüßt auf die Autorität Fox's, eines großen Mannes, daß nicht durch militairische Gewalt und Erecutionen Jrland beruhigt wer- den lónne. Jch stimme mit dieser Ansicht von Herzen überein, und ich glaube, daß Jeder einsieht, daß dem Verfahren der Negierung dieselbe zum Grunde liegt, Stimme ih denn zu Gunsten einer Zwangs-Bill ? Verfolge ih denn die politishen Vergehen dur Kriegsgerihte? Nein, es ist nicht das Kriegsgeseß, es sind nicht militairische Executionen ; es is vielmehr der ehrenhafte Versuch, zu den \<hwierigsten Zeiten Jrland nach dem bestelzenden Landesgescpe und durch das Jurvgericht zu regieren, Nicht militairische Gewalt, sondern das Geseß, und ih freue mich dessen, feiert in Jrland seine Triumphe, Das is die Thatsache, die ih hier durch die Vertheidigung der Negierung rechtfertigen will. Jh werde versuchen, den Gegenstand, groß und umfassend wie er ist, in zwei Theile zu theilen; zuerst das Verfahren der Regierung und dann die Politik, welche sie noch ferner zu befolgen ge- denkt, zeigen.“ Der Minister ging nun, was den ersten Theil anbetrifft, zur Widerlegung der Anschuldigungen Lord Nussell’s über, nahdem er noch bemerflih gemacht, daß die Union keineswegs für Jrland so obne Vortheil sich erwiesen habe, als man anzunehmen scheine, Er wolle uur an die Verwaltung Lord Grey?s und an die Emancipations-Akte erinnern. Wenn Lord Nussell sagt, daß die Repeal-Versammlungen erst mit dem Antritte der jeßigen Regierung begonnen haben, und er daraus die falsche Politik dieser Regierung ¡erweisen will, so beruhe dies auf einen Jrrthum, Jene Ver- sammlungen wären bereits 1840 und 1841 ín verschiedenen Städten Jr- lands gchalten worden und Tausende von Menschen hätten dieselben be- sucht. Die Sprache O'Connell's bei verschicdenen Gelegenheiten war damals so stark schon gewesen, wie später. Durchaus in Abrede stellte der Minister die angeschuldigte Parteilichkeit in der Justiz-Verwaltung, indem die Regierung nur das gethan habe, was durch den bisherigen üblichen Brauch geseylich geworden sei, nämlich bei Zusammenseßung der Juries stets auf den Charakter der designirten Geschworenen zu rücsihtigen, ob dieselben in der ihnen vorlie- genden Sache Partei genommen hätten, oder nicht, Er bedauere aufrichtig die Weglassung einer Anzahl von Namen aus der Geschwornenliste, aber das sei ein Zufall, für welchen der Recorder allein, nicht die Negierung verantwortlih gemacht werden fönnez er bedaure eben so, daß die Ausstrei- chung der zehn Katholiken von der Spezialliste, der fatholischen Bevölkerung Veranlassung gegeben hätte, darin einen Angriff auf ihre Religion zu er- bli>en, während do<h die Krone aus rein politishen Gründen die notoris<h als Repealer bekannten Mitglieder von der Ausübung der Jury - Functionen ausgeschlossen habe. Wenn man aus dem Ver- bote der Repeal - Versammlungen eine Beschränkung des Petitionsrechts folgern wolle, \o sei eine solhe Befürchtung unbegründet, Die Regierung sei mit dem größten Widerwillen und erst dann eingeschritten, als die Ver- sammlungen von militairischen Aufzügen begleitet gehalten werden sollten, Wolle man nun in dem gegenwärtigen Falle nicht eine Anklage auf cou- spiracy als nothwendig erfennen und diese Anklage der Negierung zum Vorwurfe machen, so möge man nur bedenken, daß, wenn auch nicht alle von den Angeklagten gebrauchten Mittel an sich ungeseßlich gewesen wären, doch das Zusammenwirken mit diesen Mitteln auf einen illegalen Zte hin eine solche Ungesezlichkeit in sich schließe. Ucbrigens wären die Gefahren, welche aus der Nepeal - Agitation drohten, von Jedermann erkannt worden, nicht nur wegen der bei den Versammlungen gehaltenen aufrührerischen Neden, sondern auch wegen ihrer Organisation, wegen der Beisteuer im Ju- und Aus- lande, die man auf 300,000 Pfd, bringen wollte, wegen der Berufung eines legislativen Rathes von 300 Personen u. sw. Jeßt wäre durch den Aus- spruch der Jury die Autorität des Geseßes wiederhergestellt, und obschon Jr- land noch militairish beseßt sei, so fônne man doch schon darauf denken, die Truppen zurückzuziehen, die übrigens nur die Zahl von 21,251 Mann erreicht hätten, während die Besagung Jrlands in dem gerühmten Jahre 1834 23,835 Mann ausmachten. Was nun die künftige Politik der Re- gierung betreffe, so müsse er zuvörderst auf die jeyt in Jrland mit den Pacht- Verhältnissen beschäftigte Untersuchungs-Kommission hintveisen, welche wohl noch im Laufe dieser Session einen Bericht abgeben werde, der cinem Ge- seß - Entwurfe zur Reform der bestehenden Rechtsverhältnisse zum Grunde gelegt werden dürfte. Auch habe die Regierung die Zahl der von dem vorigen Kabinet eingeseßten besoldeten richterlihen Beamten, welche vorzugs- weise jene Rechtsverhältnisse überwachen, bis auf zwei wieder eingeseßt, Ferner sei das Ministerium zur Bewilligung von Geldern für die Volfs- Erziehung in Jrland nicht weniger geneigt, als seine Vorgänger, und es beabsichtige, eine Bill einzubringen, wonach die irländischen Katholiken in Bezug auf den Genuß der Mittel milder protestantischer Stiftungen den ihnen bis jeßt bevorzugten englischen Dissenters gleichgestellt werden sollen. Eine Abänderung des Stimmrechts bei den Wahlen in den von Lord Russell berührten Punkten liege ebenfalls in der Absicht der Negierung, wie schon die Thron-Rede angedeutet, Endlich müsse er no< den Vorwurf der Parteilichkeit gegen katholische Kandidaten bei Beseßung von Staatsämtern von si weisen, indem die Ausschließung der Katholiken von denselben lediglich in ihrer eigenen Untauglichkeit dazu liege; so hätte selbs O'Connell bei seinem Prozesse unter seinen acht Defensoren nur drei Katholiken, dagegen fünf Protestanten und zwar konservative, gehabt. Jn Bezug auf die kirch- lihen Verhältnisse, den Haupt-Anstoß, widerseßte sich der Minister entschie- den jeder Neform, welche das Ansehen der protestantischen Kirche beeinträch- tigen fönnte, dieser Kirche, welche nah der Restauration gebildet, nach der Revolution bestätigt, durch die Thronfolge-Akte besiegelt und durch die Unions- Akte ratifizirt worden ist, „Jch halte die Bevorzugung dieser Kirche“, {loß der Minister, „für eine der stärksten Grundlagen unserer Freiheiten ; ich halte sie für das Werk der größten Staatsmänner und ich glaube, daß feine Repeal-Association oder solche öffentlihe Vershwörer, wie wir sie eben ha- ben verurtheilcn lassen, dieselbe jemals umstürzen werden,“

Sibung vom 14, u. 15. Februar. Beide Sibungen des Hauses wurden mit der vorgestern vertagten Debatte über die irlän= dischen Verhältnisse ausgefüllt ; dieselbe bietet indeß nicht viel Bemer= fenêwerthes, da weniger bedeutende Redner ín der Wiederholung der bekannten Argumente für und wider den Antrag si ergingen, Die Regierung fand sehr {wache Vertheidiger, denn es sprach in beiden Sizbungen Niemand von den Haupt = Mitgliedern des Kabinets; die Opposition dagegen, durch die ungewöhnlich gemäßigte Sprache Sir James Graham?'s, der über Jrland im Sinne der Ultra-Tories sonst zu sprehen gewohnt ist, ermuthigt, verdoppelte ihre Angriffe, fonnte aber auch nihts Neues vorbringen und schadete durch die Uebertreibung ihrer Anschuldigungen gegen die Regierung nur ihrer eigenen Sache, Herr O'Ferral, irländisher Katholik und Mitglied des vorigen Ministeriums, zeichnete durh heftige Sprache gegen die Bevorzugung der protestantischen Kirche sich aus, und seine Rede dürfte {werli< in Einklang mit dem von ihm als Katholik geleisteten Parlaments-Eide stehen, Lord Howi> sprah gemäßigter, aber erwartete von allen Maßregeln der Regierung nicht die Her- stellung der Ruhe und Ordnung in Jrland und die Beseitigung der irländishen Beshwerden. Die Union sei kein Hinderniß der Gleich=

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stellung der beiden Kirchen im Lande, denn das irländische Parla- ment, welches die Union votirte, die anerkannt verderbteste Legislatur seit Menschengedenken, welhe au< in keiner Weise das irlän- dische Volk repräsentirte, könnte unmögli<h das Recht gehabt haben, die Handlungen der folgenden Parlamente zu beschränken, Es sei ein großer Jrrthum, vehaupten zu wollen, daß die protestantische Religion die einzig wahre sei; man erkläre damit die Religion der fatholishen Mitglieder des Hauses für fals<, und dazu habe man fein Reht. Herr Shaw, der Recorder von Dublin, gab in seiner Rede gegen den Antrag eine Erklärung über die so viel besprochene Auslassung der katholischen Geschworenen aus dem allgemeinen Jury= Verzeichnisse, Nach dieser Erklärung haben niht 60 und 65 Namen, wie man behauptet hat, sondern nur 24 auf der Liste gefehlt; es sind nämlich. statt 741 nur 717 auf derselben gewesen, und der Frrthum ist von dem Registrator in dem Gerichtshofe des Recorders ausgegangen, welcher, na<hdem er die Liste aus den einzelnen Listen der zwanzig Kirchspiele Dublins, die 4500 Namen enthielten, ausgezogen und nah den neun Klassen der Geschworenen geordnet auf 180 verschiedene Zettel geschrieben hatte, einen dieser Zettel ver= loren gehen ließ, welher 15 Namen enthielt, wozu dann no< 9 an- dere Namen kamen, welche zufällig aus den Listen ausgelassen worden waren. Der Registrator is übrigens selbst ein Katholik und da der Recorder si< überzeugte, daß kein Betrug vorgewaltet, ihm auch bei der geringen Zahl der fehlenden Namen der Einfluß auf die Aus- loosung von feinem großen Belange zu sein schien, so übernahm er die Verantwortlichkeit für das Versehen seines Untergebenen, Auf den Antrag Sir R. Peel’'s ward die Debatte vertagt.

London, 17, Febr. Die vorgestern vertagte Debatte im Un= terhause über die irländishen Angelegenheiten wurde auch in der gestrigen Sißung nicht zu Ende geführt. Herr d'Jsraeli erhob sich zur Unterstüßung der Regierung gegen den Antrag Lord Ru#= sell’s, und Lord Stanley, der Kolouial- Minister, wiederholte in ausgedehnter Rede die Argumente Sir James Graham's zur Recht- fertigung der Regierungs - Politik. Auch in der Rede dieses Mini= sters bildete der Einspruch gegen jeden Versuch, die protestantische Kirche in Jrland zu beeinträchtigen, den Hauptpunkt, und es schien einen tiefen Eindru> auf die Versammlung zu machen, als der Lord die Eidesformel der katholischen Parlaments=- Mitglieder verlas, um zu zeigen, daß dieselben gehalten wären, si< jedes Votums und Antrags gegen die bestehende Kirche des Landes zu enthalten, Es ist ein Lieblings-Thema der Whigs, die Gleichstellung der Religions= fulte in Jrland zum Gegenstande ihrer Opposition gegen die Re- gierung zu wählen, indem das Prinzip einer solhen Gleichstellung sich leicht als gerecht erweisen läßt, und der Regierung die Wider= legung desselben fast unmögli< gemacht werden fann. Würden die Whigs aber die Regierung in Händen haben, \o müßten sie densel- ben Widerstand dergleichen Anträgen entgegenstellen, und ihre Prin-= zipien verleugnen, auf welche sie jeßt so laut pohen, Ein englisches Ministerium, gleihviel aus welchen Parteien gebildet, ist zur Zeit noch streng gebunden, die Oberhoheit der protestantischen Kirche aufrecht zu erhalten, so gerecht im Prinzip eine Gleichstellung der verschiedenen Kulte sein und \o sehr au< Jrland bei seinen 7 Millionen Katholiken und seinen 700,000 Protestanten unter der Oberhoheit der leßteren Kirche in religiöser Beziehung leiden mag. Die protestantische Kirche i} der Grundpfeiler des ganzen gouvernementalen Gebäudes Englands z das Oberhaupt des Staates is zugleih das Oberhaupt der Kirche und besißt die eine Eigenschaft nur, weil es die andere hat, Beide sind von einander unzertrenulih. Es ist daher nicht abzusehen, wie unter sol<hen Umständen der Monar Englands und die Gewal- ten, welhe ihn umgeben und vervollständigen, ohne Weiteres die Gleichstellung der Kulte proklamiren könuen, indem dies geradezu eine Entäußerung eines wichtigen Theils ihrer Attri= bute wäre, Die völlige Unmöglichfeit leuchtet zwar nicht ein, aber wohl die außerordentliche Schwierigkeit, welhe jede Aende- rung begleiten muß, die mit dem Wesen einer tiefgewurzelten Orga- nisation vorgehen soll, Die Parlaments = Reform ließ ein halbes Jahrhundert auf sich warten, ehe sie durhging, und doch ist sie nichts in Vergleich zu der die Gleichstellung der Kulte mit sich führenden Reform, welhe von dem Oberhaupte des Staates über alle Stufen der politischen Hierarchie sich. erstre>en müßte, Um dies einzusehen, brauht man nur den Eid sich zurückzurufen, welchen jeder Monarch Englands bei der Thronbesteigung leisten muß. Derselbe verbietet jede Beeinträchtigung der protestantischen Kirche und jede Förderung des Katholizismus, und enthält das englische Staatsgrundgeseb, wel= <es feine Tory = Regierung vor der Hand antasten wird, und feine Whig =- Regierung antasten kann, So s{hwur 3. B. die jeßige Köni=- gin: „Jch, Alexandrine Victoria, erkläre und bekräftige aufrichtig und feierlich Angesichts Gottes, daß Jch glaube, daß während des heiligen Abendmahls unseres Herrn keine Transsubstantion des Brodtes und Weines in den Leib und das Blut Christi stattfindet, und daß diese Transsubstantion weder während, no< nah der Handlung bewirkt wird. Jh glaube, daß die Anrufung und An- betung der Jungfrau Maria oder der Heiligen, so wie das Meßopfer, wie es in der römischen Kirche gebräuchlich ist, auf Aberglauben und Gößendienst beruht. Jch bekenne, erkläre und versichere Angesichts Got- tes, daß Jch den gegenwärtigen Ausspruch und jeden Theil desselben in dem vollen und gewöhnlichen Sinn der Worte, sowie dieselben von den englishen Protestanten verstanden werden, ohne Zweideutig= keit und Ausflüchte, ohne Vorbehalt, ohne zu denken, daß Mich ent. weder der Papst oder irgend eine andere Autorität vou der Verbind- lihkeit dieser Erklärung befreien kann, thue“, Es wird hieraus leiht zu erklären sein, warum sede Regierung Englands vor der Gleich=- stellung der beiden Kirchen in Jrland zurü>schre>t.

Viscount Sidmouth, bekannter als Herr Addington, Sprecher des Unterhauses von 1789 bis 1801, is am 15ten im 87sten Jahre seines Alters gestorben, Vom März 1801 bis zum Mai 1804 stand er als Premier-Minister an der Spiße des nah ihm benannten Mi- nisteriums.

Gestern is die Nachricht im auswärtigen Amte hier von St. Petersburg eingetroffen, daß der russishe Gesandte in Teheran durdh den Gesandten des Emirs von Bochara in demselben Orte die Mit- theilung erhalten habe, daß Capitain Conolly und Oberst Stoddart niht mehr am Leben seien. Der Erstere soll, wie bestimmt versichert wird, wegen seiner Verbindung mit dem Chan von Kokan, welcher mit Bochara im Kriege war, der Zweite wegen seiner geheimen Kor= respondenz mit seinen Landsleuten in Kabul enthauptet worden sein. Der russische Gesandte fügt diesen Mittheilungen an seine Regierung hinzu, daß, obschon die Wahrheit dieser Berichte kaum bezweifelt werden fann, doch ein Gesandter des Schach von Persien, welcher nah Bochara geht, ausdrücklichen Befehl erhalten werde, darüber genaue Nachrichten einzuziehen.

Uiederlande.

Me Aus dem Haag, 17. Febr. Die Sectionen der zweiten Kammer beschäftigen si<h no< mit der Prüfung der Aenderungen, welche die Regierung für die Geseb-Entwürfe über die freiwillige Anleihe und die außerordentlihe Steuer vorgeschlagen hat. Man spricht si< mit allgemeiner Anerkennung über den Eifer und die Sorgfalt aus, womit die Mitglieder der Sectionen si dieser s{<wie-

rigen Arbeit unterziehen. Die öffentliche Erörterung wird wahr= scheinlih in den ersten Tagen der nächsten Woche beginnen, Jeder mann is hier auf das Resultat der Debatten gespannt, denn die Opposition gegen die Steuer wird tägli größer. Es ist selbst zwei= felhaft, ob die Repräsentanten der Nation, wenn sie die Wünsche des Volks hören, das Geseß annehmen werden. Geld muß man durchaus haben, und zwar viel; der {wierige Punkt is, es zu finden, ohne eine Menge verschiedenartiger Jnteressen zu kompromittiren, ja, es ist sogar unmöglih! Nur die freiwillige Anleihe kann den Staat mög= liherweise retten. Alle, welche die Eintracht und den Frieden lieben, hegen die Hoffnung, daß diese Finanz-Maßregel angenommen werden und ein Geseß unnöthig machen wird, dessen Äusführung mit Schwie= rigkeiten aller Art verknüpft ist.

Es geht hier ein Gerücht, das mit jedem Tage mehr an Kon= sistenz gewinnt : man versichert nämlich, Herr Rochussen, von dem es anfangs hieß, er werde das Portefeuille der Finanzen wieder über= nehmen, werde Herrn Fagel als bevollmächtigten Minister in Paris erseßen z; der Kriegs-Minister, Herr List, werde an Herrn Rochussen?s Stelle nah Brüssel gehen und Herr Ewy>, Gouverneur von Nord= Holland, an Herrn Schimmelpennin>'s Stelle, der das Gouvernement der Provinz Geldern erhalte, zum Minister des Jnnern ernannt werden. Bei allen diesen Veränderungen is von dem Finanz-Minister ni<t die Rede, Alle unsere Staatêmänner seinen sih vor einer so wichtigen Aufgabe zu scheuen; sie {<re>en bei dem Anbli>e eines Abgrundes zurü>, den auszufüllen sie keine Hoffnung haben.

G eb 0 4:16:

Brüssel, 18. Febr. Die Repräsentanten - Kammer hat vor= gestern die Diskussion des Budgets der öffentlichen Arbeiten beendigt. Eine große Anzahl Redner ließen sich fast ausschließli<h über die Straßen und Eisenbahnen vernehmen. Mehrere derselben bestanden auf der Nothwendigkeit, endlich die Frage in Betreff der den Privat= Gesellschaften zu leistenden Mithülfe dadurch zu beendigen, daß mant ihnen die Verbürgung eines Minimums der Zinsen bewillige. Die Eisenbahn war der Gegenstand zahlreicher Bemerkungen. Die Herren David, Lesoinne und de Theux verlangten übereinstimmend cine Re= vision der Tarife, allein der Minister der öffentlichen Arbeiten war der Meinung, daß mau mit dieser Feststellung vor Allem so lange war- ten müsse, bis man die ersten Resultate der Verbindung der belgi= schen Bahn mit der rheinishen beurtheilen könne. In Beantwortung einer Frage des Herru de Theux über die Hülfsmittel, welhe man in der Veräußerung eines Theils der Staats- Domainen würde fin= den fönnen, zeigte der Finanz-Minister an, daß er in einigen Tagen einen Geseß-CEutwurf vorlegen würde, um zum Verkaufe von Do= mainen im Betrage von ungefähr einer Million Fr. ermächtigt zu werden,

Schweden und Uorwegen.

Stockholm , 13. Febr, Die leßten Bülletins über den Ge-= sundheitszustand des Königs deuten leider auf feine Besserungz sie lauten wie folgt:

Den 11ten. Se. Majestät der König, dessen Krankheit während der lebten Tage weder ab= noch zugenommen, hat inzwischen an Kräften eher verloren als gewonnen, welches auch heute der Fall i}, obschon der König die Nacht über etwas besser geraht hat. Die Wunde am Guße, deren Beschaffenheit von dem Befinden im Ganzen abhängt, hat sih daher au nicht bessern können. i

Den 12ten. Se. Majestät der König waren gestern Nachmittag matt und ohne Eßlust, so wie die vorhergehenden Tage. Die Nacht war unruhig. Diesen Vormittag befand der König sich wie gestern.

Den 13ten, Der König \peiste gestern wohl etwas und hatte

au Vormittags etwas Appetit; da aber die Nacht eben \o wie die vorhergehende shlaflos war, so fann der Zustaud des Königs nicht für besser angesehen werden als gestern. j

Das Aftonblad fügt diesen Berichten hinzu, die Kräfte des Königs hätten in solhem Grade abgenommen, daß Se. Majestät seit gestern Vormittag si< niht mehr im Bette selbst umwenden können, Dabei dauerten seine Klagen über heftige Schmerzen im Beine fort, j j

S Ee Paris, 17. Febr. Telegraphishe Depesche aus Spanten:

Bayonne, 14. Febr. Die Truppen der Königin sind am 8, Fe=- bruar unter dem Beifallsruf der Einwohner in Murcia eingezogen. Die Autoritäten haben ihre Functionen wieder aufgenommen, Gene= ral Roncali war mit einem Theil seiner Division am 7. Februar Abends zu St. Jean d'Alicante; der Rest der Truppen war zu Aspe,

*&X Paris, 17, Febr. Obgleich die öffentliche Ruhe in Ca- talonien bis jeßt nirgends die mindeste Störung erlitten hat, so ist man doch nit ohne Besorgnisse über die Wirkungen, welche der Be= fehl über die allgemeine Entwaffnung der National-Garde ín gewissen Theilen des Fürstenthums hervorbringen wird. Man fürchtet zumal Widerstand vou Seiten der Bevölkerung von Manresa und der Um= gegend. Ueber den bewaffneten Widerstand einer, wenn au unbe= deutenden catalonishen Stadt aber würde die öffentlihe Gewalt ganz gewiß keinen so leihten und so wohlfeilen Sieg davontragen, wie in Malaga, obgleich auch hier ziemlich viel Blut geflossen- is, ehe sih der ungehorsame Theil der National - Garde dazu verstanden hat, seine Waffen abzuliefern, Die Widerspenstigen hatten sih, etwa 300 an der Zahl, in dem ehemaligen Kloster de los Angeles eingeschlossen, und sie räumten dasselbe erst, nachdem sie 6 bis 8 Todte und eine noch größere Zahl von Verwundeten verloren hatten. Neun dieser National-Gardisten wurden auf der Flucht gefangen, und es hieß von ihnen, daß sie am 5ten vor ein Kriegsgericht gestellt werden würden. Es is übrigens, allen Umständen nach, wahrscheinlich, daß die Regie= rung für diesmal die Oberhand über den Aufruhr behalten wird. Von dem Gebrauche, den sie von ihrem Siege macht, wird die Dauer desselben zum großen Theile abhängen. Dem Gerüchte zufolge, fin= den in Madrid alle Tage neue Verhaftungen von Kongreß-Mitgliedern statt, welche der Opposition angehören, Der General Narvaez, sagt man, strebt danach, den unermeßlihen Einfluß, den er hon jeßt aus= übt, dur<h den Eintritt ín das Ministerium zu vergrößern und zu re<tfertigen. Der General Prim, welcher am 9ten in Madrid an- gekommen ist, soll, wie es heißt, das Amt des politischen Chefs der Hauptstadt übernehmen, das bisher von dem General Shelly versehen wurde. Die Gaceta de Madrid vom 1lten bringt ein Dekret über die Errichtung eines neuen Kavallerie - Regiments, welches von der Königin Christine benannt wird. Die gemäßigte Partei erwartet die Ankunft der Mutter der jungen Isabella mit Ungeduld. Die derselben angehörigen Kongreß - Abgeordneten hielten am Sten eine Versammlung, in welcher der Beschluß gefaßt wurde, eine neue drin- gende Einladung zur Rückkehr nah Spanien au die Königin Christine ergehen zu lassen.

Portugal.

A Líssabon, 7. Febr. Jh habe eben nur no< \o viel Zeit in aller Eile den bereits gemachten Mittheilungen iber die Sn se in diesem Lande noch einige weitere beizufügen, namentli< über die Verhandlungen, welche das Verlangen der Minister, um Suspension i a E Garantieen, in den beiden Kammern veran- a al, 3 3